Bericht vom New York City Marathon 2010

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Bericht vom New York City Marathon 2010
Mehr als 120.000 Bewerbungen
Nach der erfolgreichen Teilnahme am 35. real Berlin Marathon 2008 gab es eigentlich nur noch eine
Steigerungsmöglichkeit: Der ING New York City Marathon, die größte Laufveranstaltung der USA und
weltweit der größte Marathon überhaupt. Da es ja im allgemeinen der größte Wunsch eines jeden
Marathon - Läufers ist, wenigstens einmal im Leben am New York City Marathon teilzunehmen, lag
nichts näher, als nach Berlin 2008 nun die Anmeldung für New York 2010 in Angriff zu nehmen. Der
Grundstein dazu wurde bereits 2008 auf der Marathon – Messe in Berlin durch Registrierung bei interAir,
einem Reiseveranstalter für weltweite Laufveranstaltungen, gelegt. Eine garantierte Teilnahme am ING
New York City Marathon ist für Nicht-US-Bürger nur über ausgewiesene Veranstalter im Herkunftsland
möglich, welchen nur ein sehr begrenztes Startnummern - Kontingent zur Verfügung steht. Einer dieser
wenigen Veranstalter für Deutschland ist interAir. Anfang September 2009, also mehr als 1 Jahr im
Voraus, folgte dann über den spezialisierten Laufreisen-Veranstalter interAir die schriftliche und
verbindliche Anmeldung und Reservierung einer Startnummer für den ING New York City Marathon
2010. Eine derart frühe Anmeldung ist wegen der hohen Bewerberzahl (für 2010: über 120.000)
unbedingt erforderlich, um überhaupt die Chance auf eine Teilnahme unter den auf 45.000 limitierten
Startern zu erhalten. Der ING NYC - Marathon findet übrigens jährlich am ersten Sonntag im November
statt, folglich am 07.11.2010.
New York Skyline
Training nach Plan, immer das große Ziel im Auge
Anfang November 2009, gut zwei Monate nach der Anmeldung und ziemlich genau ein Jahr vor dem
großen Tag, knickte ich bei einem Trainingslauf mit dem linken Fuß sehr stark um. Die Folge war ein
stark geschwollener Knöchel und heftige Schmerzen, so dass bereits erste Bedenken zur New York Teilnahme aufkamen. Dermaßen angeschlagen wurde das Training trotzdem ohne Unterbrechung aber
mit Bedacht fortgesetzt. Bei allen folgenden Trainingsläufen war äußerste Vorsicht in Bezug auf diesen
angeknacksten Fuß geboten, um die Verletzung nicht noch zu verschlimmern. Nach Erstellung diverser
Trainingspläne wurde, trotz anhaltender Probleme mit dem linken Fuß, Ende Februar 2010 mit dem
gezielten Training begonnen. Der erste Trainingsplan erstreckte sich über 12 Wochen a. 4
Trainingstage/Woche mit durchschnittlich 50-70 km/Woche. Anfang April ereilte mich dann eine
ziemlich heftige Magen- Darm – Viruserkrankung mit kurzem Krankenhausaufenthalt und gegen Ende
April zog ich mir, durch einen schweren Sturz (diesmal nicht beim Joggen), Schürfwunden und sehr stark
geschwollene und schmerzende Ansätze beider Patellasehnen (Kniescheibensehnen) zu.
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Immer das große Ziel im Auge, wurde das Training trotzdem unvermindert fortgesetzt. Mitte Mai, nach
Abschluss der 12 Wochen, folgte direkt im Anschluss eine 15-tägige Urlaubs-Fernreise, leider ohne
jegliche Trainingsmöglichkeit. Also 2 Wochen Pause, die den Trainingseffekt wieder etwas
zurückwarfen. Anschließend wurde der zweite Trainingsplan über 20 Wochen a. 5 Trainingstage/Woche
mit durchschnittlich 70-100 km/Woche in Angriff genommen. Bis Ende September verlief dann alles
ohne weitere Zwischenfälle nach Plan. Als sich gerade die noch
immer bis dahin vorhandene leichte Beeinträchtigung in Bezug
auf meine zuvor lädierten Knie sowie das Problem mit dem
linken Fuß ziemlich gelegt hatten, meldete sich eine Erkältung,
mit allem, was dazugehört. Den lästigen Schnupfen davon sollte
ich auch bis zum Marathontag nicht mehr loswerden. Einige
Wochen vor dem Event wurde dann ein abschließender
Trainings- und Ernährungsplan für die letzten 7 Tage
ausgearbeitet. Alle Trainingseinheiten, bis
auf die zum Schluss folgenden langen
Distanzen, wurden im bergigen und
anspruchsvollen Gelände im Taunus, also
im Wald absolviert. Für die langen Strecken
über 28 km und 30 km (30 km-Zeiten um
2:24 bis 2:28 Std.), welche in den letzten 4
Wochen vor dem Marathon auf dem Plan
standen, wurden Strecken auf dem Asphalt
von Frankfurt auserkoren.
Trainingsplan Woche 1-3
Gut gerüstet nach New York
Dermaßen gut gerüstet und mit ca. 2600 Trainings – Kilometern und 5-6 kg Gewichtsabnahme, ging es
am Donnerstag den 04.11.2010, 3 Tage vor dem gigantischen Ereignis, nonstop über den großen Teich
nach New York City. Begleitet wurde ich von meiner Frau als Beobachterin des Geschehens und einem
befreundeten Paar, er ebenfalls Marathonteilnehmer und dessen Frau auch als Zuschauerin an der Strecke.
Vom zentral gelegenen Hotel in Manhattan, dem „Westin NY Times Square“, wurden noch am gleichen
Tag die ersten Erkundungsgänge vorgenommen. So konnte man auch schon den bereits aufgebauten
Zielbereich und die letzten beiden Meilen davor im Central Park begutachten. Außerdem sah man nun
auch einen Teil der viel besagten Steigungen, die es kurz vor dem Ziel im Central Park noch zu
bewältigen gilt. Auf der gesamten Marathonstrecke in New York sind immerhin unglaubliche 400
Höhenmeter zu überwinden.
Meile 26 im Central Park
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Ziel im Central Park
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Letztes lockeres Training im Central Park
Am folgenden Freitagmorgen fand dann bereits um 7:00 Uhr ein durch interAir organisierter ca. 40minütiger Trainingslauf unter Leitung des bekannten Herbert Steffny (ehemaliger, erfolgreicher deutscher
Langstreckenläufer und prominenter Lauftrainer) im Central Park statt. Hier gab es letzte Tipps und
Instruktionen, sowie Informationen zur Strecke und zum bevorstehenden Marathon und einige Anekdoten
aus der aktiven Zeit von Herbert Steffny. Überall in Manhattan, besonders aber im Central Park, waren
immer wieder Scharen von Läufer
anzutreffen, die sich ebenfalls mit den
letzten Metern der Strecke vertraut
machten und eine abschließende, lockere
Trainingseinheit
absolvierten.
Im
Anschluss an den Trainingslauf folgte die
gemeinsame
Abholung
der
Startunterlagen, wie Startnummer, DeTag (Zeitnahme-Chip), vorgeschriebener
Kleiderbeutel, etc. auf der NYC –
Marathonmesse. Die restliche Zeit des
Tages, sowie der darauffolgende Samstag,
wurden zur Erkundung der Stadt und
einiger der vielen Sehenswürdigkeiten
von New York, sowie einer Fahrt mit der
Trainingslauf im Central Park
Fähre nach Staten Island genutzt.
Die Nacht der Entscheidungen
Am Abend vor dem großen Lauf füllte ich meine Kohlenhydratspeicher mittels einer großen Portion
Pasta beim Italiener in Hotelnähe noch einmal so richtig gut auf. Außerdem bereitete ich alles, was für
den großen Lauf benötigt wurde, sorgfältig vor und legte es griffbereit zurecht. So zum Beispiel dicke
Kleidung für die Wartezeit in der Kälte vor dem Lauf, die Kleidung für den Lauf und den
vorgeschriebenen, durchsichtigen Kleiderbeutel mit der Kleidung für nach dem Lauf. Außerdem die
Startnummer sowie den Zeitnahme-Chip der am Schuh befestigt wurde, Getränkegurt mit ca. 1 Ltr.
Flüssigkeit samt Power-Gel und Power-Riegel, Stoppuhr und Zeittabelle sowie etwas Pappe für auf den
kalten Boden während der langen Wartezeit vor dem Start. Zusätzlich durfte ich nicht vergessen, alle
Uhren ein zweites Mal von Sommerzeit auf
Winterzeit (die Umstellung in Deutschland
erfolgte ja bereits
1 Woche zuvor)
umzustellen. So kurz vor dem großen Lauf
machte sich nun langsam eine leichte
Anspannung bemerkbar. Die folgende Nacht
war geprägt von etlichen Wachphasen, in
welchen alles zum x-ten male vor dem
geistigen
Auge
ablief
und
letzte
Entscheidungen getroffen wurden. So
entschied ich mich, trotz vom Wetterdienst
vorhergesagter kalter Temperaturen, mit
einem kurzen Laufshirt und doch ohne
Getränkegurt an den Start zu gehen. An Stelle
des Getränkegurtes sollte eine ½-Liter Flasche
für in die Hand genügen. Auf Power- Gel und
Power-Riegel wollte ich nun ganz verzichten.
Zeitnahme-Chip (D-Tag) am Laufschuh
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Bereits um 5:00 Uhr klingelten der Wecker und kurz
darauf das Telefon mit dem am Vortag beauftragten
Weckdienst des Hotels. Die Abfahrt der von interAir
organisierten Busse zum Marathon–Start war für 5:45
Uhr angesetzt. Als Fahrtzeit zum Start, welcher sich auf
Staten Island, direkt an der beeindruckenden Verrazano
Narrows Bridge befindet, wurde etwa 1 Stunde
kalkuliert. Da die Verrazano Narrows Bridge für den
Lauf bereits um 7:00 Uhr geschlossen wird, ist ein
derart früher Aufbruch erforderlich, um die Brücke
noch vor dieser Zeit zu passieren. Nach 7:00 Uhr gibt
es keine Möglichkeit mehr, über die Brücke zum Start
zu gelangen. Der Start der Läufer war in 3 Startwellen
unterteilt. Der erste Start, welchem auch ich laut
Startnummeraufdruck zugeteilt war, wurde für 9:40
Uhr angesetzt, gefolgt vom zweiten Start um 10:10 Uhr
und dem dritten und letzten Start um 10:40 Uhr.
Startzeiten und Start-Nummer Einteilung
Der große Tag. Warten im Camp auf den Start
Endlich an der Brücke angekommen, ging es Bus an Bus im Schritttempo über die riesige Brücke. Im voll
besetzten Bus herrschte eine Bullenhitze (ich saß auch noch an der Heizung) und alle Läufer hatten
bereits ihre dicke Kleidung an, um der Kälte draußen bis zum Start zu trotzen. Schwitzen war also
angesagt und die ersten Schweißperlen standen mir bereits auf der Stirn, ohne auch nur mit dem Marathon
begonnen zu haben. Beim aussteigen aus dem warmen
Bus blies uns bei kalten 45 Grad F / 7 Grad C ein
eisiger Wind ins Gesicht und alle marschierten
zielstrebig Richtung Eingang Camp Fort Wadsworth.
Nach Kontrolle der vorschriftsmäßig befestigten
Startnummer und Inspizierung des vorgeschriebenen,
durchsichtigen Kleiderbeutels wurde Einlass zum
riesigen, weiträumig abgesperrten Camp gewährt. Das
Camp war in drei Bereiche aufgeteilt. Einen orangen
Bereich (Grete Waitz Village), einen blauen Bereich
(Alberto Salazar Village) und einen grünen Bereich
(Tegla Loroupe Village).
Eingang zum Camp Fort Wadsworth
Eine riesige Hinweistafel gleich hinter dem Eingang
ließ das Ausmaß des gesamten Geländes erahnen, auf
welchem letztendlich mehr als 45.000 wartende Läufer
dem Start entgegenfieberten. Mittlerweile war es ca.
7:30 Uhr und ich begab mich zunächst mit meiner
orangefarbenen Startnummer (16098) in den für mich
vorgesehenen orangen Bereich, um dort den AbgabeOrt für meinen Kleiderbeutel mit der Kleidung für nach
dem Zieldurchlauf im weit entfernten Central Park,
ausfindig zu machen.
Hinweistafel im Camp Fort Wadsworth
ING NYC Marathon 2010
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Am äußersten Rand entdeckte ich mindestens 20
nebeneinander abgestellte UPS-Transportfahrzeuge/Klein
- LKWs, welche mit orangen Nummer-Bereichen
markiert waren. Am entsprechend gekennzeichneten
Fahrzeug gab ich meinen Kleiderbeutel ab und machte
mich auf die Suche nach dem mir zugewiesenen Corral
Corral Öffnungszeiten
16 (von insgesamt 63), dem abgesperrten, eingezäunten
Bereich, in welchem ich mich in einem bestimmten Zeitfenster (8:20-8:55) einzufinden hatte, um Zugang zum Startbereich zu erlangen. Dort angelangt, suchte
ich mir in der Nähe einen Platz, wo ich die restliche Zeit bis zum Einlass ausharren und mein
mitgebrachtes Frühstück in Form von 3 Bananen, etwas Weißbrot und ca. einem halben Liter Flüssigkeit
zu mir nehmen konnte. Auf dem gesamten Gelände saßen oder lagen tausende von Läufer(innen)
teilweise dick vermummt oder in dicke Schlafsäcke eingehüllt, um sich vor der klirrenden Kälte zu
schützen.
Mittlerweile kam die Sonne langsam zum Vorschein,
so dass meine Platzwahl auf eine Stelle fiel, welche die
Sonne gerade so mit ihren ersten Strahlen erreichte.
Ringsum ein reges Treiben, sowohl an den vielen
aufgestellten Getränke- und Verpflegungsbuden, als
auch an den unzähligen Toilettenhäuschen, die überall
in großer Anzahl (insgesamt mehr als 1700) vorzufinden waren. Nachdem eine gute Stunde Aufenthalt
im Camp Fort Wadsworth und einige Toilettengänge
hinter mir lagen, begab ich mich gegen 8:30 Uhr zu
dem mir zugewiesenen Corral, um dort die restliche
Wartezeit bis zum Start zu verbringen. Leider lag dieser Bereich überwiegend im Schatten und die wärmenWarten im Camp Fort Wadsworth
den Sonnenstrahlen blieben aus. Nach und nach füllte
sich der abgegrenzte Bereich, bis schließlich die
einzelnen, zusammengehörigen Corrals einer jeder der 3 Startwellen miteinander verbunden wurden.
Lauf der Superlative
Langsam schoben sich die drei, jeweils aus ca. 15.000
Läufern bestehenden Menschentrauben der Startlinie
entgegen. Kurz vor dem ersten Start ertönte eine
knappe Ansprache des Veranstalters über die
Lautsprecheranlage, gefolgt von der mehrstimmig live
gesungenen Nationalhymne. Nun flogen alle für den
Lauf nicht mehr benötigten und bis dahin wärmenden
Kleidungsstücke überall in hohem Bogen aus der auf
den Start wartenden Masse. Meist auf die als
Abgrenzung benutzten und dicht an dicht geparkten
Busse. Auch ich entledigte mich der wärmenden
Kleidungsstücke. Da waren eine lange, dicke Jeans,
eine Regenjacke, eine dicke Strickjacke und ein dickes
Sweatshirt. Die Handschuhe ließ ich an, um sie erst im
Verlauf des Rennens, wenn die Hände durch die Bewegung entsprechend aufgewärmt waren, von mir zu werfen.
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Aufstellung zum Start
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Jetzt stand ich in meinem Läuferdress (kurze Hose,
kurzes Shirt) in mitten der vielen Laufgenossen in
der Kälte und blickte auf die direkt vor uns liegende,
monströse
Brücke.
Durch
eine
optimale
Eingruppierung mit meiner niedrigen Startnummer
bei „Sub-Elite Men and Women“ stand ich so weit
vorne, dass ich sogar die wenigen Top-Läufer an der
Spitze sehen konnte. Nun endlich, nach ca. 2 ½
Stunden Wartezeit, einer langen Vorbereitung und
Planung und genau 10 Jahre nach meinem ersten
Marathon, ertönte um 9:40 Uhr der Startschuss. Die
ersten 15.000 Läufer der riesigen Menschenmasse
mit insgesamt 45.350 Startern (29.097 Männer |
Start an der Verrazano Narrows Bridge
16.253 Frauen) setzten sich langsam in Bewegung
und nahmen die zweigeschossige Verrazano
Narrows Bridge sowohl auf der oberen, als auch
auf der unteren Ebene gänzlich in Beschlag. Auf
der gut 2 km langen Brücke angekommen (ich
durfte oben laufen), blies ein eisiger Wind auf die
Läuferschar und ich sah zu, dass ich eher etwas
geschützt in der Menge, als am äußeren und direkt
dem Wind ausgesetzten Rand meinen Weg fand.
Als Entschädigung für die heftige Abkühlung
hatte man von der Brücke aus einen tollen, ersten
Panoramablick auf die in weiter Ferne
erstrahlende Skyline von Manhattan.
Verrazano Narrows Bridge
Im richtigen Tempo durch 5 Stadtteile und über 5 Brücken
Zuschauer an der Strecke
ING NYC Marathon 2010
Um meine Wunsch-Zielzeit von 3:30:00 Std. zu realisieren,
musste ich im Durchschnitt 8:00 min./Meile (1,61 km) laufen.
Noch auf der Brücke bei Meile 1 (1,6 km) angekommen, zeigte
ein prüfender Blick auf das Zeiteisen 8:30 min. an, also war ich
etwas zu langsam. Da die Verrazano Narrows Bridge aber gleich
zu Beginn die größte Steigung der gesamten Strecke zu bieten hat,
war die Zeit dafür schon in Ordnung. Trotzdem legte ich beim
Tempo eine kleine Schippe zu, um ganz sicher zu gehen. Bereits
bei Meile 3 (4,8 km) war ich 1 Minute unter meiner errechneten
Sollzeit. Links und rechts entlang der Marathonstrecke säumten
mehr als 2.000.000 Zuschauer die breiten Straßen und feuerten
ununterbrochen die gigantische Läuferschar an. Riesige Schilder
mit „You look great“, „Come on, you can do it“ oder auch „Your
feet hurt because you’re kicking so much ass“ und „Run like you
stole something“ wurden den Läufern zum Ansporn und zur
Aufheiterung entgegengehalten. Zahlreiche Kinder standen am
Straßenrand und streckten uns erwartungsvoll ihre Hände zum
Abklatschen entgegen. Etliche Bands leisteten mit lautstarker
Musik und unbeeindruckt von der Kälte, ihren Beitrag zu dem
gigantischen Spektakel. Fünf New Yorker Stadtteile waren in den
Marathon einbezogen.
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Angefangen mit dem Start auf Staten Island, über Brooklyn, Queens, Manhattan, Bronx und zum Schluss
noch einmal Manhattan mit dem eindrucksvollen Zieleinlauf im Central Park. Ebenso viele Brücken,
nämlich 5 an der Zahl, mussten dabei überquert werden. Zuerst die bereits erwähnte gigantische
Verrazano Narrows Bridge über die Meerenge The Narrows, gefolgt von der Pulaski Bridge welche über
den Newtown Creek führt und der Queensboro Bridge über den East River von Queens nach Manhattan.
Danach folgten noch die Willis Avenue Bridge über den Harlem River und die Madison Avenue Bridge,
erneut über den Harlem River, zurück nach Manhattan. Ab Meile 3 reichten Freiwillige an jeder Meile
Wasser und Gatorade in Pappbechern, wovon ich ca. jede 3. bis 4. Meile Gebrauch machte. Mittlerweile
bei Meile 9 (14,5 km) angekommen hatte ich, bei gleichbleibender Geschwindigkeit, bereits 5 Minuten
gutgemacht, ohne das Gefühl zu haben, zu schnell zu sein. Das Tempo war so also optimal und ich wollte
es auch nach Möglichkeit so beibehalten. Zwischendurch gab es immer wieder Streckenabschnitte, von
wo aus man auch als Läufer einen tollen Blick
auf die Skyline von New York hatte. Nach der
Hälfte der Distanz, also bei Meile 13,1 (21,1 km)
und einer Zeit von 1:37:53 Stunden, war mein
Vorsprung auf die errechnete Zeit bereits auf 7
Minuten angewachsen und ich fühlte mich immer
noch gut dabei. Also versuchte ich das Tempo
ziemlich beizubehalten, was mir auch bis etwa
Meile 19 (30,6 km) ganz gut gelang und den
Vorsprung noch einmal geringfügig und zwar auf
9 Minuten anwachsen ließ. Auf den letzten 7,2
Meilen (11,6 km) bis zum Ziel war die
durchschnittliche Pace dann etwas geringer aber
Fototermin bei Meile 17
immer noch schnell genug, so dass sich die Gutzeit von ca. 9 Minuten bis zum Ende hin nicht
mehr veränderte. Obwohl nicht nur jede einzelne Meile durch Hinweisschilder gekennzeichnet, sondern
auch alle 5 km die gelaufene Entfernung in Kilometer angezeigt wurde, blieb ich beim Zählen doch lieber
bei den Meilen. Das hatte den Vorteil, dass ich nicht bis 42, sondern nur bis 26 zählen musste, was mir
gefühlt viel schneller vorkam, als bei den bislang gelaufenen und in km gezählten Marathons. Außerdem
hatte ich mir den Streckenverlauf mit den teilweise doch beachtlichen Steigungen ziemlich genau
eingeprägt und konnte mich dermaßen gewappnet auf der Strecke gut darauf einstellen.
I’m in!
Obwohl mein Tempo für meine Verhältnisse
ziemlich flott war, blieb ein Leistungstiefpunkt, der
sich bei einem Marathon in der Regel ab ca. 30 – 35
km einstellt, gänzlich aus. Auch Probleme oder
Wehwehchen in Bezug auf die Beine, Füße, Knie
oder Hüften, beziehungsweise Krämpfe gab es bei
mir diesmal nicht zu beklagen, was sicherlich der
guten Vorbereitung zu verdanken war. Dermaßen
„gut drauf“ wurde auch der letzte Teil der Strecke
locker abgespult. Die letzten 3,5 Meilen (5,6 km)
bis zum Ziel führten durch den Central Park, vorbei
an immer dichter gedrängt stehenden Zuschauern,
die jetzt immer lauter zu werden schienen und
ständig „you got it“ oder „good job“ schrien.
Dermaßen von der tosenden Menge angefeuert,
NYC Central Park aus der Vogelperspektive
wurde man die letzten Meter, trotz einiger Steigungen,
förmlich bis ins Ziel getragen. Bei Meile 26 angekommen, war das Ziel auch schon zu sehen und der
Blick auf die Stoppuhr offenbarte eine, für diese anspruchsvolle Strecke, nicht im Traum erhoffte Zeit.
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Beim durchqueren des Zielbogens mit der Aufschrift „I`M IN!“ im Südwesten des Central Parks wurden
3:21:18 Stunden für das bewältigen der 42,195 km angezeigt. Trotz teilweise widriger Umstände hatte ich
die angestrebte Zeit von 3:30:00 um fast 9 Minuten
unterboten und meine bisherige Marathon-Bestzeit
von 3:32:58 (Berlin 2008) pulverisiert und um über
11 Minuten unterschritten. Mit diesem Erfolgserlebnis und einem unglaublich guten Gefühl nahm ich
kurz hinter dem Ziel mit stolzer Mine meine
Finisher-Medaille entgegen. Anschließend begab ich
mich zum weit entfernten UPS-Transportfahrzeug,
um meinen Kleiderbeutel in Empfang zu nehmen.
Auf dem Weg zum Hotel wurden die Läufer auch
abseits der Marathonstrecke immer noch von unzähligen, wildfremden Passanten mit „Congratulations“
oder „You did a great job“ bejubelt und beglückwünscht. Meine Handschuhe hatte ich übrigens,
Die Finisher –Medaille
weil sie so schön wärmten, bis ins Ziel anbehalten.
Das Ende der (einer) Marathon „Karriere“
Am Nachmittag war Ausruhen und Erholung angesagt, bevor der Erfolg am Abend bei einem guten Essen
gefeiert wurde. Der normalerweise übliche Muskelkater am nächsten Tag blieb gänzlich aus, sicherlich
bedingt durch die gute Vorbereitung und das ausgiebige Training. Bevor es am frühen Montagmorgen in
den anschließenden Florida-Urlaub weiterging, besorgte ich mir noch die New York Times, in welcher
alle Finisher bis zu einer Ziel-Zeit von 4:30:00 namentlich mit Zeit und Platzierung genannt wurden. Mit
Platz 3184 von 45350 Startern und Platz 51 von 1638 Läufern in meiner Altersklasse war dies ein überaus
gelungener New York Auftritt. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug dabei 12,60 km/h / 4:46
min./km. Da ich mich vor diesem Marathon bereits mit dem Gedanken vertraut gemacht hatte, das der
ING New York City Marathon mein letzter Lauf über 42,195 km sein sollte, stand nun fest, dass dies
definitiv mein letzter Marathon war. Wenn es am schönsten ist, soll man ja bekanntlich aufhören.
Außerdem ist der Lauf in New York nun wirklich nicht mehr zu toppen und man wird ja auch nicht
jünger.
Der Äthiopier Haile Gebrselassie, amtierender Weltmeister über die Marathondistanz (Berlin 2008,
2:03:59), war diesmal auch wieder von der Partie, musste aber leider bei Meile 16 wegen Knieproblemen
aussteigen. Im Anschluss an den Marathon gab der überragende Dauerläufer überraschend seinen
Rücktritt vom aktiven Laufsport und sein Karriere-Ende bekannt. Als Gesamtsieger des 41. ING NYCMarathon 2010 ging der Äthiopier Gebr Gebrmariam in 2:08:14 Stunden hervor. Etwa eine Woche nach
seinem Rücktritt verkündete Haile Gebrselassie seinen Rücktritt vom Rücktritt und die Absicht, doch
wieder bei Wettkämpfen anzutreten.
Fazit
Der ING New York City Marathon 2010 war das größte und überwältigendste Lauferlebnis und der
Höhepunkt in meiner bislang 25-jährigen Laufgeschichte. Schön, dass ich dabei sein durfte und diesen
unvergesslichen Marathon als Starter erleben konnte. Mit der Teilnahme an diesem großartigen Lauf ging
ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Dieses unvergessliche Ereignis wird mir ewig in schönster
Erinnerung bleiben. An die Organisatoren und die vielen Helfer, ohne die so eine gigantische
Veranstaltung erst gar nicht möglich wäre, an dieser Stelle ein großes Lob. Außerdem gebührt dem
interAir Team ein dickes Lob für eine super Organisation samt Betreuung und Durchführung der Reise
und des Aufenthaltes in New York, was natürlich auch maßgeblich zum guten Gelingen beitrug und dieses
Erlebnis zu einer runden Sache werden ließ.
Mit sportlichem Gruß
Wilfried Kremsler
ING NYC Marathon 2010
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