„Zyperns weinselige Seite“ Auf Zypern drängen sich

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„Zyperns weinselige Seite“ Auf Zypern drängen sich
natur / reise
Zyperns
weinselige Seite
Hotelbunker am Strand von Ayia Napa.
Gut ist der Strand und das Meer so schön!
Morgens auf die Piste, am Nachmittag
ans Meer: Das ist Zypern.
Auf Zypern drängen sich die Massen am Meer. Dabei wartet
im Troodos-Gebirge die älteste Weinregion der Welt.
Kontrast zum Strandprogramm:
die Rebberge im Troodos-Gebirge.
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D
er Bus kämpft sich die steilen
Wege an den südlichen Ausläufern des malerischen TroodosGebirges hoch. Die zartrosa und weissen
Oleanderbüsche am Strassenrand verzücken das Auge, der Geruch der Kieferund Pinienbäume die Nase. Knapp eine
Autostunde entfernt planschen Tausen-
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de von Sonnenhungrigen in der Touristenhochburg Limassol im Meer.
Zypern ist eine der beliebtesten FerienDestinationen Europas: Liegestuhl an
Liegestuhl liegen die Heimatflüchtigen
an den kilometerlangen, unbestreitbar
schönen Stränden und trinken Brandy
Sour, eine Hinterlassenschaft der Engländer. Und natürlich Bier. Wobei sie
Letzteres lieber bleiben lassen sollten,
denn auf der drittgrössten Insel des Mittelmeers wird seit über 5500 Jahren Wein
gekeltert. Und was für einer: Wem vom
Bier und den kurvigen Bergstrassen hin-
auf in die Krasochorias, die Weindörfer,
nicht schwindlig geworden ist, wird im
Süsswein Commandaria eine Delikatesse entdecken. Denn der aus Rosinen produzierte bräunliche Dessertwein umschmeichelt den Gaumen mit einem tiefsinnigen Bouquet aus Feigen, Nüssen
und Rosinen. «Und das schon seit Jahrtausenden. Commandaria zählt zu den
ältesten Weinen der Welt», weiss Winzer
Kostas Tsiakkas und blickt stolz auf seinen Rebberg mit den stämmigen Pflanzen. «Wir haben unser Erbe jedoch erst
in den 90er-Jahren wiederentdeckt. Seither keltern wir auf Teufel komm raus,
REISER?
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www.le.ch
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Winzer Kostas Tsiakk
as will mit
seinen Weinen zur Eli
te gehören.
FOTO: PRISMA
Text und Fotos: Sonja Hüsler
um an die Elite aufzuschliessen.» Mit
Xinestri, einer zypriotischen Traubensorte, aus der Weisswein hergestellt
wird, könnte es den Winzern gelingen.
Auf den Kopf gefallen sind die Zyprioten nicht: Laut Tsiakkas schaffen im
weltweiten Vergleich nirgendwo sonst
so viele Jugendliche die Matura wie in
diesem 9251 km² grossen Inselreich.
Vor der Eurokrise im März hat sie ihre
Klugheit allerdings nicht beschützt.
Wer als Tourist auf der Insel unterwegs
ist, merkt davon aber kein bisschen:
Aus dem Bancomaten kommt Geld,
die Regale in den Supermärkten sind rappelvoll, und in den Hotels fehlt es an
nichts.
Wer jedoch die Fassaden und Formen
der Häuser eingehender betrachtet, könnte
etwas beleidigt sein: Beinahe auf der ganzen Insel werden den Gästen in Meeresnähe hässliche mehrstöckige Hotelbunker
ohne jeglichen architektonischen Charme
zugemutet. Ein Vergehen der 80er-Jahre.
Will man dem entkommen, dann sind wieder die Berge das Ziel. Wie schon beim
Alkohol.
In Kakopetria etwa, auch das liegt im
Troodos-Gebirge, sitzen alte runzlige
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1. Die romantischen Gassen der Bergdörfer sind
ein Highlight der Insel. 2. Man muss nicht mal
auf den Zürcher Sternen-Grill verzichten.
3. Auch Kunst und Kultur gibt es zur Genüge.
Männlein und bucklige Frauen vor ihren
kleinen, gedrungenen Häusern und rüsten Gemüse. Aus den Steinmauern
wachsen Kapernpflanzen, und in den Tavernen wird Meze serviert, das zypriotische Nationalgericht. Es besteht aus 12
bis 20 verschiedenen kleinen Speisen.
Die beliebtesten sind wie im benachbarten Griechenland Tsatsiki, Fischrogensalat, Halloumi-Schafskäse, Sesampaste
und Humus. Selbstverständlich alles
frisch zubereitet.
Nebst der einfachen zypriotischen
Küche warten auch architektonische Per-
len auf neugierige Besucher: etwa jahrhundertealte sehenswerte Klöster und
die wunderschöne und unter UnescoWeltkulturerbe stehende Scheunendachkirche Agios Nikolaos tis Stegis.
Und natürlich die vier Skilifte des
Cyprus Ski Club. Kein Witz: Ab Weihnachten bis Anfang April kann man an
den Hängen des Olymp auf über 1700
Meter die Pisten runterschwingen. Zum
Après-Ski fährt man nach dem Mittagessen ans Meer. Am besten nach Protaras
ins Hotel Capo Bay. Dort steht seit Juni
der Original Zürcher Sternen-Grill-Airstream-Wagen.
Der Besitzer des 4-Sterne-plus-Hotels
kennt den stadtbekannten und legendären Zürcher Grill am Bellevue von seinen
Schweiz-Besuchen und setzte alles daran, den Wagen nach seiner Ausmusterung nach Zypern zu bringen. Ein Schönheitsfehler hat der helvetische Import jedoch: Sternen-Bratwürste werden keine
serviert, dafür Souvlaki-Spiesschen. Und
Bier. Ganz nach dem Geschmack der
Massen, die sich am Strand grillieren.
Jámas (griechisch für Prost)!
n
WISSENSWERTES
Informationen
Weitere Geheimtipps
Saison: Von März bis Mitte November ist
es angenehm warm. Auch das Wasser ist
im November noch bis zu 23 Grad warm.
Edelweiss fliegt bis Mitte November auf
die Insel ab Fr. 352.–, www.edelweiss.ch
Wein: Viele Winzer bieten nach Voranmeldung Degustationen an. Auch Kostas Tsiakkas: www.cypruswinepages.com
Touroperator: Kuoni war der erste hiesige Reiseveranstalter, der in den 80erJahren Schweizer auf die Insel brachte.
Noch heute ist Kuoni mit einem sehr guten Beziehungsnetz der Marktleader auf
Zypern. www.kuoni.ch, 044 277 41 00
Griechenland
Türkei
Mittelmeer
Kreta
Nicosia
ZYPERN
Troodos Gebirg
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Ayia Napa
Ski fahren: Vor Ort können Ski und Schuhe
gemietet werden. Eine Tageskarte kostet
€ 20. Mehr Infos zum Skiclub und den vier
Skiliften unter www.cyprusski.com
Essen: Die Taverna Napa ist die älteste
Taverne in Ayia Napa und ein Geheimtipp.
Besitzer Mario bezieht seinen Fisch von
Fischern aus der Gegend und garantiert für
ihre Frische. Tel. +357 237 212 80
Wo übernachten: Wer Strandferien mit
Ausflügen verbinden will, der sollte ein
Hotel in Limassol buchen. Von dort aus
sind alle wichtigen und interessanten
Punkte in ca. einer Stunde erreichbar. Wer
bloss baden und auf golden schimmernden
Sand nicht verzichten will, checkt in der
Gegend von Ayia Napa und Protaras ein.
Hotel: Das Hotel Capo Bay in Protaras
überzeugt durch seine minimalistische
und sehr moderne, aber nicht kühle Einrichtung. Auch Familien fühlen sich hier
wohl. Das Hotel liegt an einem feinsandigen Strand mit türkisblauem Wasser.
Ein Muss sind die Drinks an der Koi-Bar
im Hotelgarten. Auch sollte man dort wenigstens ein Mal Sushi essen. Kuoni bietet
Capo Bay in der Schweiz exklusiv an. Eine
Woche inklusive Flug, Transfer, DZ mit
Frühstück ab 1026 Franken/Person.