Broschüre - Fachgebiet Stadt

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Broschüre - Fachgebiet Stadt
Masterplan Rahmenplan Touren Vermarktung Immobilieng Binnenhafen Entwicklung
ebiet Erneuerung des EinImmobilienentwicklung Stadtement District Öffentlicher
es Zentrum Spinnereien Stadntwicklung Gentrifizierung
Markthallen Neubau 24 Hour
ahmequelle Sanierung von
Denkmalschutz Spinnereien
Vorzeigeprojekt Stadtmarng Architektur Lagerräume
ing Auswirkungen der GroSehung von Investoren Wirte Geschäfts­straSe Wegbezieenentwicklung MANCHESTER
wicklung
Arty Stadterneu- ÖKONOMIE
kengestaltung DER STADTg Universität ERNEUERUNG
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Diese Broschüre ist ein Ergebnis des Seminars
"Ökonomie der Stadterneuerung" im Rahmen
der Master-Studiengänge Stadt- und Regionalplanung
und Urban Design an der TU Berlin. Das Seminar wurde
im Sommersemester 2015 als Exkursionsseminar
nach Manchester, England, angelegt.
Technische Universität Berlin
Fakultät VI - Planen Bauen Umwelt
Intstitut für Stadt- und Regionalplanung
Fachgebiet Stadt- und Regionalökonomie
Prof. Dr. Dietrich Henckel
Veranstaltungsleitung:
Dipl.-Ing. Josiane Meier
Teilnehmende:
Adina Felgentreu, Matthias Fischer, Philipp Gärtner,
Silvia Groeger, Nina Janssen, Steffen Klotz,
Marian Knapschinsky, Jenny Kögler, Niels Kramer,
Kathrin Krell, Lukas Mohn, Melanie Montresor
Inhalt
1
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8
Vorwort
4
Manchester, England und Stadtplanung
1 — Stadtplanung und -erneuerung in England
2 — Geschichte Manchesters
3 — Manchester Vision und ökonomische Strategie
6
7
8
Centre — Castlefield, Downtown und Northern Quarter
1 — Castlefield
2 — Downtown
3 — Northern Quarter
10
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Exkurs — NIGHTTIME ECONOMY: Manchester as 24-Hour City
1 — „Night-Time Economy” und die Planung
2 — Kritik an Manchester als 24-Hour City
3 — Night-Time Economy auf nationaler Ebene
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EasT — Ancoats, New Islington
1 — Einleitung
2 — Ancoats
3 — New Islington
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West — Salford, Greengate, Salford Quays
1 — Einleitung
2 — Salford Central
3 — Greengate
4 — Salford Quays
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43
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Exkurs — Trafford, Manchester United
und dessen Bedeutung für Greater Manchester
1 — Manchester United als Vorreiter des Modern Football
2 — Manchester United als Wirtschaftsunternehmen
3 — Die Bedeutung des Vereins für Greater Manchester
4 — Manchester Uniteds Bedeutung für Trafford
5 — Die Entwicklung des Gewerbeparks Trafford Park
6 — Fazit
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South — Hulme
1 — Vorstellung des Stadtteils
2 — Etappen der Stadterneuerung
3 — Ausgewählte Orte im Stadtteil
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54
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South — Fallowfield
1 — Einleitung
2 — Geschichte
3 — Schul- und Studentenbezirk
4 — Fallowfield Heute
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64
64
65
Fazit
68
Exkurs — MANCHESTER REVISITED 1978 — 2015
70
Glossar
102
Quellenverzeichnis
106
Abbildungsverzeichnis
110
Vorwort
Josiane Meier
Fachgebiet Stadtund Regionalökonomie
Institut für Stadt- und
Regionalplanung, TU Berlin
Manchester, England. Ehemals stolzer Industriestandort,
wurde die Stadt vom industriellen Niedergang schwer getroffen – und wird heute oft als Positivbeispiel der gerade
auch im wirtschaftlichen Sinne gelungenen Stadterneuerung gehandelt. Mit einer Entwicklung wie im Brennglas
– vom „Menetekel“ (Gschwind und Henckel 1981) zum
„Phoenix aus der Asche“ (Walther 2006) – bietet Manchester in besonderer Dichte die Möglichkeit, wirtschaftliche Dimensionen des Stadtverfalls und der Stadterneuerung nachzuvollziehen.
Grund genug, sich im Rahmen eines Seminars unter dem
Titel „Ökonomie der Stadterneuerung“ genauer mit dem
Wandel dieser Stadt auseinanderzusetzen. Die vorliegende Broschüre ist Produkt dieses Seminars, welches im
Sommersemester 2015 im Rahmen der Master-Studiengänge Stadt- und Regionalplanung sowie Urban Design
an der TU Berlin stattfand. Im Sinne der forschenden Lehre galt es, zunächst vom Schreibtisch aus und anschließend im Rahmen einer Exkursion nach Manchester und
Salford vom 20. bis 25. Juli 2015 einer Reihe von Fragen
nachzugehen: Was kennzeichnet den Stadterneuerungsprozess in Manchester? Welche Akteure, Interessen und
Triebkräfte stehen dahinter? Welche Strategien werden
verfolgt, welche Instrumente angewandt? Und inwiefern
kann die Stadt tatsächlich als Erfolgsmodell gelten?
Noch ein weiterer Grund ermunterte zur Wahl von Manchester als Ziel: Die Exkursion ordnet sich ein in eine Reihe stadtforscherischer Erkundungen durch Angehörige
der TU Berlin und knüpft daran an. Prof. Dietrich Henckel,
Fachgebiet Stadt- und Regionalökonomie, besuchte
die Stadt bereits 1978 im Rahmen eines Forschungsaufenthalts und kehrte danach mehrfach zurück, und
Prof. Uwe-Jens Walther, ehemals Fachgebiet Stadt- und
Regionalsoziologie, der 2005 ebenfalls mit einer Gruppe
Studierender anlässlich eines Studienprojektes vor Ort
war.
Neben den schriftlichen Berichten erlaubten uns insbesondere die während ihrer Aufenthalte entstandenen
Fotografien Einblicke in die Vergangenheit. Zahlreiche
1978 und 2005 fotografierte Orte wurden während der
Exkursion wieder aufgesucht und dokumentiert. Die aus
der Gegenüberstellung 1978-2015 entstandenen Bildpaare veranschaulichen auf eindrückliche Weise den tiefgreifenden Wandel, den Manchester durchlebte und weiterhin
durchlebt. Eine Auswahl der Fotografien und Gegenüberstellungen findet sich in dieser Broschüre wieder.
4
Das Exkursionsprogramm wurde im Anschluss an eine
Auseinandersetzung mit den Rahmenbedingungen und
Prozessen der Stadtplanung und -erneuerung in England
und Manchester gemeinsam erarbeitet, die einzelnen
inhaltlichen Bausteine wurden von den Studierenden
vorbereitet. Zur Strukturierung diente eine Einteilung der
Stadt in vier Bereiche, deren Erkundung mittels Terminen
mit Akteuren vor Ort sowie selbstgeführter Begehungen
jeweils ein Teil der Exkursion gewidmet war: das Zentrum
mit den Stadtteilen City Centre, Castlefield und Northern
Quarter, East Manchester mit Ancoats und New Islington,
im Westen Manchesters Schwesterstadt Salford mit den
Stadtteilen Chapel Street, Greengate und der MediaCity
an den Salford Quays, und schließlich Hulme und Fallowfield im Süden.
Diese vier Stadtbereiche sind gleichzeitig zentrales Gliederungselement dieser Broschüre. Ihre Lage in der Stadt
sowie ihre Entwicklungspfade werden jeweils einleitend
skizziert, um daraufhin ausgewählte Brennpunkte der
Stadterneuerung mit ihren besonderen Herausforderungen, den angesetzten Strategien und involvierten
Akteuren genauer zu beleuchten. Darüber hinaus wurde
zwei Ansatzpunkten der Stadtentwicklung besondere
Aufmerksamkeit – und in dieser Broschüre jeweils ein
Exkurs – gewidmet: der Night-Time Economy und dem
Fußball. In beiden Fällen handelt es sich um eng mit dem
Selbstverständnis Manchesters verbundene Image- und
Hoffnungsträger für die Stadterneuerung wie auch die
lokale Wirtschaft.
Quer zur Betrachtung anhand der Stadtbereiche wurde
eine Reihe wiederkehrender Themenfelder der Stadterneuerung herausgearbeitet. Diese können anhand
entsprechender Schlagworte in der Broschüre verfolgt
werden. Von „Anti-Social Behaviour“ bis „Urban Heritage
Park“: Der Entschlüsselung zentraler Konzepte und Begrifflichkeiten, die den Stadterneuerungsdiskurs in England und Manchester prägen, dient ein umfangreiches
Glossar. Das letzte Wort haben die Studierenden. Als
Fazit reflektieren sie in kurzen Statements ihre persönlichen Eindrücke der Stadt, mit deren Wandel sie sich ein
Semester lang intensiv auseinandergesetzt haben.
Ein ganz besonderer Dank gilt all jenen, die unser Vorhaben mit ihrem Wissen, ihrer Zeit und ihren Ideen unterstützt und uns mit Literaturtipps, Unterlagen, Fotografien,
Inputs und Führungen vor Ort lebhafte Einblicke hinter
die Kulissen ermöglicht haben: Prof. Dietrich Henckel
vom Fachgebiet Stadt- und Regionalökonomie der TU
Berlin, Dave Carty, Development Manager der Stadt
Manchester im City Centre Growth & Regeneration Team,
John Glester, Chairman der Registered Charity Heritage
Works, Hayley Fielden, Principal Planning Officer der
Stadt Salford, sowie Cath Keane, Principal Regeneration
Officer der Stadt Manchester für Hulme Ward und Steffen
Abend, National Management Trainee des Manchester
City Council.
Wir hoffen, Sie mit dieser Broschüre mitnehmen zu können auf eine kleine Reise nach Manchester – und damit
in eine ungemein vielfältige, von anhaltender Veränderung und fortlaufender Wegesuche geprägten Metropole.
In diesem Sinne: anregende Lektüre und viel Freude bei
der Erkundung!
Berlin, im Oktober 2015
5
Manchester,
1 England und
Stadtplanung
Matthias Fischer
Philipp Gärtner
Lukas Mohn
Erneuerung — Wiederaufbau — Masterplan — Rahmenplan — Tourismus —
Leerstand — Investoren
— Vermarktung
1 — Stadtplanung und -erneuerung
in England
PG — Die Städte Englands stehen vor den enormen
sozialen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen, bedingt durch ihr überwiegend industrielles Erbe
und das Streben nach Wettbewerbsfähigkeit und hoher
Lebensqualität. Soweit unterschieden sich die Aufgaben
der Stadtplanung und -erneuerung nur unwesentlich von
denen anderer Europäischer Länder.
Beim Blick auf einzelne Projekte der Stadterneuerung
wird jedoch schnell sichtbar, dass das englische Planungssystem im europäischen Vergleich einige Besonderheiten aufweist und sich von gängigen Systemen
anderer Länder der Europäischen Union unterscheidet. In
diesem Abschnitt wird das Planungssystem in Großbritannien mit Fokus auf die Stadt Manchester näher beleuchtet. Dabei ist zunächst festzustellen, dass die inhaltliche
und organisatorische Ausgestaltung der britischen Stadtplanung in den vergangenen Jahrzehnten einem intensiven Wandel unterlag. Zwar hat sich die zentralstaatliche
Steuerung sämtlicher Aufgaben der Stadtplanung bis
heute generell gehalten. Dennoch erfolgte in den letzten
Jahren eine deutliche Stärkung der einzelnen Regionen und Kommunen. Auf lokaler Ebene spielt dabei der
private Sektor eine maßgebliche Rolle, wobei die meisten
Entwicklungsprojekte von privatrechtlichen Organisationen beziehungsweise in Public-Private-Partnerships
realisiert werden.
Zentralstaatliche Organisation
Anders als in den meisten kontinentaleuropäischen Ländern ist die Ausgestaltung der Stadtplanung in England
primär Aufgabe nationaler Ministerien. Bereits nach dem
Zweiten Weltkrieg setzte die britische Regierung ein umfangreiches Hygiene- und Reformprogramm um, um auf
die massiven Probleme der früh eingesetzten Industrialisierung zu reagieren. Im Jahr 1947 wurde neben anderen
sozialstaatlichen Aufgaben auch der Town and Country
Planning Act verabschiedet, dessen Umsetzung schon
damals als hauptsächlich gesamtstaatliche Aufgabe
gesehen wurde (Nadin 2014: 191). Nach umfangreichen
Anpassungen und Reformen städtebaulicher Aufgaben
und Befugnisse in den folgenden Jahrzehnten, blieb insbesondere die zentralstaatliche Organisation der städtebaulichen Gesetzgebung bis in die Gegenwart erhalten
(Bertram 2011: 234).
6
Grundsätzlich erlässt die nationale Regierung in ihren dafür zuständigen Ministerien Gesetze und Richtlinien, die
die stadtplanerischen Aufgaben für sämtliche Institutionen
auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene regulieren.
Da es in Großbritannien keine geschriebene Verfassung
gibt, die wie in anderen europäischen Ländern eine zwischenstaatliche Autonomie vorsieht, haben die nationalen
Ministerien praktisch freie Hand bei der Ausgestaltung
ihrer eigenen Befugnisse beziehungsweise ihres Einflusses (Bertram 2011: 221). Die Institutionen und Inhalte
räumlicher Planung sind demnach vollständig von den
nationalen Ministerien abhängig.
duellen Aufgaben wahrnehmen und Interessen vertreten
kann. (Nadin 2014: 207)
Die lokale Verwaltung hat die Möglichkeit, neben den
nationalen Planungsrichtlinien weitere eigene Auflagen
an die Genehmigung von Projekten in ihren Gebieten zu
knüpfen (zum Beispiel Beträge zum Aufbau lokaler Infrastruktur). Lokale Auflagen müssen sich dabei in jedem
Fall im Rahmen der nationalen Gesetzgebung bewegen
und sind dabei selbst nicht rechtlich verbindlich. Die
regionale Verwaltung muss sicherstellen, dass sämtliche
Auflagen und Regeln vom Projektentwickler eingehalten
werden. (Nadin 2014: 191)
Die enge Einbindung privater Investoren wurde bereits
Ende der 1970er Jahre propagiert und während der
konservativen Thatcher-Regierung in den 1980er Jahren
aufgegriffen. Die Regierung führte die damals schlechte
soziale Lage vieler Städte auf eine ineffektive Verwaltung zurück. Abhilfe sollten die stärkere Einbindung der
privaten Investoren und damit eine Planung auf Basis
einer liberalen Marktordnung bringen. Die Kompetenzen
der Kommunen und deren institutionelle Planung wurde
zu dieser Zeit stark eingeschränkt. (Bertram 2011: 220 f;
Jessen 2008: 253)
Ein Teil der Richtlinien und Auflagen sind jedoch bei der
Antragstellung verhandelbar. Sollte der Projektentwickler
partiell von den Auflagen beziehungsweise Richtlinien
abweichen, hat er die Möglichkeit dies im Genehmigungsverfahren gegenüber dem nationalen Ministerium
zu rechtfertigen. Letztendlich trifft das Ministerium (oder
ermächtigte Vertreter) sämtliche Entscheidungen über
städteplanerische Entwicklungsprojekte. Sehr wichtige
oder kontroverse Vorhaben werden dabei meist vom zuständigen Minister selbst genehmigt. (Nadin 2014: 194)
Auch Dritte haben die Möglichkeit Einfluss auf einzelne
Entwicklungsprojekte zu nehmen. Eine Besonderheit des
britischen Planungswesens ist es, dass Projekte nach
der ministerialen Entscheidung zur Umsetzung nicht
mehr ohne weiteres angepasst werden können. Doch im
Vorfeld sehen die Planungsrichtlinien meist unterschiedliche Anhörungen und Beteiligungsrunden vor. Anders als
in Deutschland werden diese Möglichkeiten der Partizipation in der Regel nicht direkt von Bürgern, sondern
von Lobbyverbänden beziehungsweise NGOs genutzt.
(Nadin 2014: 194; Nadin 2014: 204)
Neben der Gesetzgebung nimmt der Staat auch über das
Mittel der Finanzierung eine wichtige Rolle bei der Entwicklung lokaler Projekte ein. In den vergangenen Jahren
gab es eine große Anzahl staatlich initiierter Programme
und Institutionen, die Anreize unter anderem für die
innerstädtische Entwicklung geben sollten. Die lokalen
Verwaltungen sind von diesen staatlichen Mitteln stark
abhängig. Etwa in Manchester stammen 70 Prozent der
Mittel des kommunalen Haushalts von staatlicher Seite
– ein Umstand der auch kritisiert wird. Wenn die lokale
Verwaltung keinen Einfluss auf die Verwendung der lokal
erwirtschafteten Steuereinnahmen hat, bestehen kaum
Anreize für die Kommunen, wirtschaftliches Wachstum
aus eigener Kraft zu generieren. (Jessen 2008: 155f.)
Seit dem Ende der 1990er Jahre hat sich die Regierung
in verschiedenen Phasen der politischen Neuausrichtung wieder verstärkt auf soziale Intervention auf lokaler
Ebene konzentriert. Dabei sollen der lokalen Verwaltung
wieder mehr Befugnisse bei der Planung und Umsetzung
von Projekten der Stadterneuerung zugetragen werden.
Zwei wichtige Werkzeuge in der Stadterneuerung sind in
diesem Zusammenhang die Urban Regeneration Companies (URCs) sowie die Local Strategic Partnerships
(LSPs). (Jessen 2008: 154 f.)
Die URCs sind lokale Entwicklungsgesellschaften,
die bauliche Vorhaben der urbanen Regeneration und
Stadterneuerung vorbereiten und realisieren sollen. Sie
werden auf lokaler Ebene gegründet und sind somit
keine von der Zentralregierung eingesetzten Institutionen. Dennoch werden sie vollständig von einer von der
Nationalregierung beauftragten Agentur namens English
Partnerships finanziert und sind dadurch vollständig von
zentralstaatlichen Mitteln abhängig. (ebd.)
Die LSPs sind freie Partnerschaften verschiedener lokaler
Akteure wie der Verwaltung, privater Investoren und
Dritter (Interessengemeinschaften, Verbände etc.). Ihre
Aufgaben liegen in der Vorbereitung und Koordination
städtebaulicher Projekte. Sie sollen projektübergreifend
gesamtstädtische Visionen und Strategien erarbeiten.
In Manchester beispielsweise wurde dazu im Jahr 1999
„The Manchester Partnership“ gegründet. (ebd.)
Auf städtischer Ebene bildet sich damit für nahezu jedes
Entwicklungsvorhaben eine neue privatrechtlich organisierte Partnerschaft. Diese übernehmen teilweise sozialstaatliche Aufgaben, wie die Regulierung und Evaluation
von Projekten. Sie werden deswegen auch als quasi-staatliche Einrichtung bezeichnet.
Lokale Organisation der Stadtplanung
2 — Geschichte Manchesters
Die meisten Stadtentwicklungsprojekte werden auf lokaler
Ebene in Partnerschaften umgesetzt, wobei sich die lokale Verwaltung sowie staatliche Institutionen und private
Akteure zu einem Netzwerk zusammenschließen. Nicht
selten wird zur Umsetzung eines Projektes eine eigene
Institution gebildet, in der jeder der Akteure seine indivi-
LM — Wohl kaum eine andere Stadt ist so eng mit der
Entwicklung der Industrialisierung verbunden wie Manchester. Bis heute prägt das industrielle Erbe die Stadt,
wenngleich die Bedeutung der Industriebauten für Manchester heute eine andere ist.
7
Bereits im 16. Jahrhundert spielte der Handel mit Textilien
in Manchester eine wichtige Rolle. Wegbereiter für die
Industrialisierung in der Textilverarbeitung waren technische Innovationen, die die Produktivität enorm steigerten.
Ende des 18. Jahrhunderts wurden die ersten wasserbetriebenen Spinnmaschinen in Betrieb genommen. Das
hügelige Umland um Manchester mit zahlreichen Bächen
bot hierfür ideale Voraussetzungen. Wenig später setzte
sich die dampfkraftbetriebene Spinnmaschine (Spinning
Jenny) durch, die die Produktion um das 30-fache steigerte. 1821 zählte Manchester bereits 66 Textilfabriken (vgl.
Vigier 1999: 39 f.). Durch die Mechanisierung der Textilherstellung wurde Manchester im Laufe des 19. Jahrhunderts zum industriellen Textilzentrum der Welt (cottonopolis). Gleichzeitig entwickelte sich Manchester zu einem
bedeutenden Umschlag- und Handelsplatz. Aufgrund
der hohen Nachfrage nach billigen Arbeitskräften erlebte Manchester in der Folgezeit ein rasantes Bevölkerungswachstum: Zählte Manchester 1773 noch 43.000
Einwohner waren es 1851 bereits 316.000 Einwohner
(vgl. Walther 2006: 34). Durch den Zuzug der Landbevölkerung und insbesondere Irischer Migranten stieg die
Bevölkerungsdichte stark an, infolgedessen sich die hygienischen und sozialen Bedingungen der Arbeiterviertel
verschlechterten. Wie katastrophal die Wohnverhältnisse
der Arbeiterschicht Manchester waren geht eindrucksvoll
aus den Schilderungen Friedrich Engels hervor:
„[…] so müssen wir sagen, daß dreihundertfünfzigtausend Arbeiter von Manchester und seinen Vorstädten fast
alle in schlechten, feuchten und schmutzigen Cottages
wohnen, daß die Straßen, die sie einnehmen, meist in
dem schlechtesten und unreinsten Zustande sich befinden […], bloß mit Rücksicht auf den dem Erbauer zufließenden Gewinn angelegt worden sind […]“
(Engels 1845: 294)
So rasant der Aufstieg Manchesters zu einer der ersten
Global Cities war, so steil war auch der Abstieg im Zuge
der Deindustrialisierung im 20. Jahrhundert. Der Niedergang des Textilstandortes Manchesters begann mit
dem 1. Weltkrieg. Lag der Anteil der Baumwollexporte
aus Manchester 1913 noch bei 65 %, waren es 1939 nur
noch 5% (vgl. Walther 2006: 33). Wegen der billigeren
Konkurrenz aus Übersee mussten somit zahlreiche Fabriken ihre Tore schließen, was zur Folge hatte, dass die
Arbeitslosigkeit stark anstieg. Zwischen 1961 und 1983
verlor Manchester 150 000 Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe (vgl. Jessen 2008: 156). So musste 1977
der Betrieb des Hafens wegen mangelnder Nachfrage
eingestellt werden.
8
Gleichzeitig nahm die Bevölkerung Manchesters seit
1920er Jahren kontinuierlich ab: von etwa 800.000
Einwohnern vor dem 1. Weltkrieg auf rund 400.000 Einwohner 1990. Grund für die Bevölkerungsabwanderung
waren in erster Linie der wirtschaftliche Strukturwandel.
Die Folge der Abwanderung war eine zunehmend verödete Innenstadt. Mitte der 70er Jahre lebten hier nur noch
400 Menschen (vgl. Griffin 2004: 419).
Seit den 80er Jahren gilt in der britischen Stadtentwicklungspolitik der Grundsatz der „marktnahen Stadterneuerung“. Eine der ersten „Urban Development Corporations“
der Zentralregierung Thatchers war die 1988 gegründete
„Central Manchester Development Cooperation“ deren
Ziel es war ein Netzwerk zwischen öffentlichen und privaten Akteuren der Stadtentwicklung zu knüpfen. (Jessen
2008: 157)
Galt in den 80er Jahren Manchester noch als Inbegriff der
sterbenden Industriestadt, wird inzwischen von einer „Urban Renaissance“ Manchesters gesprochen. Dank einer
wirksamen Stadtentwicklungspolitik ist es gelungen die
City zu revitalisieren, Wohnquartiere aufzuwerten und die
Infrastruktur zu modernisieren. So wurde beispielsweise
die Großsiedlung Hulme, die im Rahmen des „Council
Housing“ der Nachkriegszeit entstanden war und als
Inbegriff einer verfehlten Stadtentwicklungspolitik gilt,
komplett abgerissen und mit einer kleinteilig gegliederten
Struktur wiederaufgebaut. (Jessen 2008: 159)
Ein wichtiger Impuls für die Stadterneuerung Manchesters ging von dem terroristischen Bombenanschlag der
IRA im Sommer 1996 aus. Nach der verheerenden Zerstörung des Zentrums beschloss der City Council dessen
umfassenden Wiederaufbau, der den Auftakt bildete für
zahlreiche Aufwertungs- und Umbauprojekten im engeren
Citykern. (Jessen 2008: 161)
Neben Neubauprojekten spielt zunehmend die Urban
Regeneration eine wichtige Rolle, wie das Beispiel Castlefield zeigt. Die Umgestaltung des einstigen Produktionsstandortes der frühen Industrialisierung in ein attraktives
Wohnquartier mit Freizeit- und Kultureinrichtungen ist
inzwischen abgeschlossen. Dabei gelang es die Industriebauten umzunutzen und den öffentlichen Raum
aufzuwerten.
Steigende Bevölkerungszahlen und eine positive Wirtschaftsentwicklung scheinen den Erfolg zahlreicher Stadtumbauprojekte in Manchester zu belegen. In dem einst
heruntergekommenen Zentrum leben heute über 15.000
Menschen.
3 — Manchester Vision und
ökonomische Strategie
MF — In den vergangenen 25 Jahren hat das City
Council eine zentral führende Rolle bei der Umgestaltung
der postindustriellen Stadt Manchester eingenommen.
In Zusammenarbeit mit der britischen Zentralregierung,
Akteuren des öffentlichen und privaten Bereiches, Universitäten und anderen Schlüsselinstitutionen wurde
eine klare Vision für die zukünftige Entwicklung der Stadt
erarbeitet. Diese Vision sieht Manchester als eine Stadt,
die im Vergleich zu anderen Weltstädten wettbewerbsfähig ist. Eine unternehmerische, kreative und industrielle
Stadt mit engagierten und gut ausgebildeten Menschen,
die in wohlhabenden und umwelttechnisch nachhaltigen
Wohngebieten leben. Manchester als Stadt, in der die Be-
wohner nach ihren Vorstellungen und in einem sicheren
Umfeld leben können. (vgl. Carty, Dave: 2015)
Die Herausforderungen
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Stadtentwicklung
ist ein hohes Beschäftigungs- und Bildungsniveau für die
Bewohner sowie Sicherheit in der Stadt. Verglichen mit
dem Landesdurchschnitt von 6,5 Prozent Arbeitslosigkeit
weist Manchester eine Rate von 8,1 Prozent auf. Im Ranking der zehn am meisten benachteiligten Gemeinden in
England und Wales belegt Manchester den achten Platz.
Auf Basis der nach Postleitzahl organisierten Bereiche
befinden sich 212 Wohngebiete Manchesters innerhalb
der 5 Prozent am meisten benachteiligten Gebiete Englands, über 25 Prozent der Menschen im Alter unter 20
Jahren leben in Armut. 12 Prozent der sich im arbeitsfähigen Alter (16-64 Jahre) befindenden Menschen haben
keine Qualifikation, während das Niveau auf Landesebene 10 Prozent beträgt. In den vergangenen zwei Jahren
stieg die Anzahl der Strafdelikte im Großraum Manchester um 6 Prozent an. Den größten Anstieg verzeichnete
mit 37 Prozent der Bereich von Gewalttaten gegenüber
Menschen. (vgl. New Economy 2015)
Die Schwerpunkte der Entwicklung
In den letzten 25 Jahren richtete sich die thematische und
räumlich-ökonomische Restrukturierung Manchesters auf
eine Reihe von übergreifenden Interventionen aus. Diese
Eingriffe ermöglichten die Transformation der Stadt in
eine als landesweit wahrgenommene Region zur Generierung von Wachstum. In unterschiedlichen Themenfeldern wurden Schwerpunkte gesetzt, die auch weiterhin
relevant für die Beibehaltung und Förderung des Wohlstandes der Region sind.
Ausbau der Infrastruktur
Zur Verbesserung der innerstädtischen, regionalen und
internationalen Erreichbarkeit Manchesters investiert
die Stadt in den Ausbau des Flughafens, entwickelt das
Eisenbahnsystem zu einem Knotenpunkt Nordenglands,
implementiert und erweitert das städtische Light Rail System (Straßenbahn) und fördert den Ausbau der digitalen
Infrastruktur.
Ausbildungsniveau
Zur Förderung nachhaltigen Wachstums werden die
Fähigkeiten der Arbeiter und Angestellten im Sinne der
Bedürfnisse der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes weiter
entwickelt.
Wissensindustrie
Nutzung der akademischen Ressourcen zur erfolgreichen
Etablierung von Technologietransfer und Innovation.
Entwicklung eines strategischen Ansatzes zur Etablierung
von Einrichtungen, die es ermöglichen zusätzliche Technologien und Fähigkeiten zu transferieren.
Zukunftsindustrien
Schwerpunktsetzung auf ökonomische Wachstumsbe-
reiche, in denen Manchester Erfahrungen auf nationalen
und internationalen Märkten hat, wie zum Beispiel den
Finanz- und Wirtschaftsdienstleistungen, der Gesundheitswissenschaft, der Biotechnologie, dem Tourismus
und der digitalen Industrie.
Wohnungsangebot
Schaffung von Wohnangeboten, die den Bewohnern eine
Auswahl an Unterkünften mit hoher Lebensqualität im
Quartier als auch für die Stadt bietet.
(vgl. Carty, Dave: 2015)
Umgestaltungs – und Regenerationsinitiativen
Großräumliche Regenerationsinitiativen waren in den
vergangenen 25 Jahren der Eckpfeiler von Manchesters
Stadtentwicklung. Das City Council nahm und nimmt bei
diesen Initiativen eine zentrale Rolle ein. Die Bereitstellung der notwendigen Rahmenbedingungen zur Umsetzung der Initiativen verfolgt den partnerschaftlich orientierten Ansatz.
— Formung einer größeren Vision und eines Zusammenhangs für Orte innerhalb der Stadt,
— Identifizierung von Partnern, welche die Vision und
die Werte teilen,
— Verwendung von wirksamen Investmentanalysetools,
Entwicklung von gesetzlichen und planerischen Rahmenbedingungen,
— Ein unterstützendes Stadtplanungssystem,
— Der Einsatz von Gesetzen zur Erleichterung der
Entwicklung, zum Beispiel bezogen auf das Enteignungsrecht,
— Der Einsatz von Vermögenswerten wie Land und
Geld zur Sicherstellung der maximalen Hebelwirkung
von anderen öffentlichen und privaten Ressourcen,
— Die Führungsrolle des City Council mit der Zentralregierung Großbritanniens und wo notwendig gegenüber Nachbarschaftsgemeinden.
(vgl. Carty, Dave: 2015)
Manchesters Regenerationserfolge
Die Entwicklungsstrategie des City Council hat in den
vergangenen 25 Jahren zu einem erheblichen Wandel
Manchesters beigetragen. Die Einwohnerzahlist zwischen
1991 und 2011 um 33 Prozent gestiegen. Im Zeitraum
zwischen 1991 und 2013 entstanden 153.631 neue Jobs,
was einen Zuwachs der Beschäftigtenzahlen von 67 Prozent entspricht. Seit 1995 hat sich das Qualifikationsprofil
der in Manchester lebenden Menschen verändert. 37,4
Prozent der im arbeitsfähigen Alter befindlichen Bevölkerung hatten 2013 eine Qualifikation auf Level 4 (Universitätsabschluss oder Spezialqualifikation in Fachgebieten)
des englischen Bildungssystems. Im Vergleich lag dieser
Anteil 1995 noch bei 17,7 Prozent.
(vgl. Carty, Dave: 2015)
9
Centre —
Castlefield,
Downtwown
2 und Northern
Quarter
Matthias Fischer
Nina Janssen
Melanie Montresor
Immobilienentwicklung
— Stadtmarketing — Binnenhafen — Entwicklung
— zertifiziertes Erhaltungsgebiet — Erneuerung
des Einzelhandels — IRA
Bombing — Immobilienentwicklung —Stadtmarketing
—Business Improvement
District — Öffentlicher
Raum — Architektur
— Politisches Zentrum
— Stadtentwicklung —
Immobilienentwicklung —
Gentrifizierung — Kreativ­
szene — Architektur:
Markthallen & Neubau
10
Innerhalb der Grenzen des Manchester City Centre,
wurden elf heterogene Stadtteile bzw. Quartiere mit unterschiedlichen Entwicklungsgeschichten, Funktionen und
Nutzungen erfasst. Zu diesen Stadtteilen und Quartieren
gehören unter anderem: Castlefield, das Central Retail
District, das NOMA-Quartier, das Civic Quarter und das
Northern Quarter. Die Entwicklung des Manchester City
Centre wurde maßgeblich durch eine Bombenexplosion
im Juni 1996 beeinflusst. Dieses dramatische Ereignis
setzte Kräfte und Ressourcen für ein umfangreiches und
zeitlich effizientes fünfjähriges Stadterneuerungsprogramm frei, welches die Innenstadt neu entwickelte und
weitere Perspektiven und Investitionen eröffnete.
Der Stadtteil Castlefield bildet das historische und touristische Herzstück der Stadt. Er hebt sich zeitlich von dem
Stadterneuerungsprogramm nach 1996 ab, da dieser
Stadtteil – als ein ehemaliger Industriestandort – bereits
seit Anfang der 1980er Jahre zum Experimentierfeld im
Bereich der Aktivierung von Wohnraum, Schaffung von
Arbeitsplätzen und besonders der Förderung des Tourismus wurde. Diese Entwicklung stellte eine besondere
Herausforderung dar, da der Stadtteil zuvor als unattraktiv
galt. Die Aufarbeitung der Geschichte und der Umgang
mit dem historischen Erbe der Industrialisierung führten
zur Ernennung als Conservation Area und als ersten
Urban-Heritage-Park in England, wodurch Castlefield
seither für Besucher und Investoren vermehrt interessant
wurde. (vgl. Jessen 2007: 317 f., Manchester City Council
2015b).
Das Central Retail Gebiet, welches direkt von der Zerstörungskraft der Explosion von 1996 betroffen war, fiel in
das darauf folgende Stadterneuerungsprogramm. Nördlich angrenzend wird seit Anfang des 21. Jahrhunderts als
private Folgeinvestition das neue Stadtquartier „NOMA“
entwickelt. Außerdem wird zur Zeit südlich des Central
Retail Gebietes – im Civic Quarter – der an das Rathaus
angrenzende St. Peter´s Square umgebaut. Zusammen
bilden das Central Retail Gebiet, NOMA und das Civic
Quarter den zentralen politischen, wirtschaftlichen und
kulturellen Bereich der Stadt und werden in der Gesamtheit folglich als Downtown von Manchester bezeichnet.
Auch andere Stadtteile profitierten von den externen
Effekten der Umgestaltung der Innenstadt: Sie erlebten
nach 1996 einen Entwicklungsschub. Die Entwicklung
des Northern Quarters beispielsweise ist durch einen
klassischen Gentrifizierungsprozess geprägt und bildet
das alternative und kreative Zentrum Manchesters.
1 — Castlefield
NJ — Castlefield, ist eines der ältesten Stadtviertel von
Manchester und stark von der industriellen Revolution
geprägt. Es konnte mit großem Erfolg nach jahrelangem
Niedergang wieder erneuert werden. Anfang der 1990er
Jahre war die Einwohnerzahl in Castlefield durch die
Deindustrialisierung stark gesunken. Diese Entwicklung
war der Ursprung der Regeneration von Städten in Großbritannien. (vgl. Jessen 2007: 317, vgl. Madgin 2010:
30) Es gab drei Schwerpunkte der Erneuerung, die im
wirtschaftlichen Bereich verankert wurde. Diese lagen in
der Verbesserung und Aufwertung von Wohnquartieren,
dem Entwickeln von Arbeitsplätzen und der Förderung
des Tourismus im Gebiet. Begleitet wurde dies durch die
Verbesserung der Infrastruktur, dazu gehört unter anderem der Ausbau von Wegbeziehungen. (vgl. Jessen 2008:
90, vgl. Madgin 2008: 34, vgl. Heath et al 1996: 82)
Im Folgenden wird die Entwicklung Castlefield‘s näher
beschrieben, sowie die Bedeutung des Erhaltungsgebiet, die auch Conservation Area genannt wird, und des
Urban-Heritage-Park für Manchester.
Im Ganzen betrachtet ist Castlefield ein Erfolgsmodell,
welches veranschaulicht, dass ein aufgegebener Stadtteil
wieder entdeckt und neuintegriert werden kann. Dieser
politische Erfolg, der durch die Nachnutzungen von vorhandenen Bauwerken und der Ansiedelung von Unternehmen und Gastronomien gekennzeichnet ist, ist ein
Gewinn für die Stadt. (vgl. Jessen 2008: 90) Der Stadtteil
liegt zudem unmittelbar angrenzend an die südwestlich
liegende Innenstadt und spielt dadurch eine strategische
Rolle bei der Verknüpfung weiterer Stadtteile, wie zum
Beispiel nach Salford.
Castlefields Erneuerung hängt mit der Sichtbarmachung
der Geschichte dieses Ortsteils seit Mitte der 1970er
Jahren zusammen. Durch die starke Abwanderung der
Textilindustrie aus Castlefield und dem damit verbundenen Rückgang der Bevölkerung wurden einige Fabriken
abgerissen. Dabei wurde eine römische Siedlung entdeckt, die das Interesse der Bevölkerung und der Medien
auf Castlefield zog. Vor dem Hintergrund des medialen
Interesses begann der Stadtrat Manchester Potentiale
im Stadtviertel zu entdecken. (vgl. Heath et al 1996: 81)
Castlefields Entwicklung
11
12 Abb. 2.1: Canalsystem
Zuvor wurde dieses Stadtviertel als „verlassene Einöde
im Herzen der Stadt“ (Jessen 2007: 317) beschrieben.
Die hohe Arbeitslosenquote und der weitere Abbau von
Stellen in Manchester waren mit der Auslöser für eine
langfristige Erneuerungsidee im sozialen und wirtschaftlichen Bereich. (vgl. Madgin 2010: 34)
Es wurde ein City Center Local Plan für Manchester, mit
dem Schwerpunkt der Tourismusförderung und Freizeitgestaltung, erstellt. Als erste Aufgabe in Castlefield sah
dieser vor, ein kleines lokales Museum einzurichten. Daraus entwickelte sich das Museum of Science & Industry,
dass seit 1983 in den Gebäuden der ehemaligen London
& North Western Railway Company untergebracht ist.
Das Museum of Science & Industry erstreckt sich mittlerweile über fünf Gebäude. Das dazugehörige Great
Western Warehouse beinhaltet unter anderem den ersten
Bahnsteig weltweit und ist daher ein geschichtsträchtiges
Gebäude. Diese Thematik wird später noch einmal aufgegriffen. (vgl. Heath et al 1996: 81)
Zwischen Ende der 1970er Jahre und den 1990er Jahre
wurde Castlefield zur Werkstatt des Wandels. Die vorhandenen Bauwerke bekamen eine neue Funktion. (vgl.
Madgin 2010: 30) Im Vorfeld gab es zwischen Wissenschaftlern lange Diskussionen über den wirtschaftlichen
Nutzen dieser Bauwerke. Schlussendlich wurden die
Bauwerke aus der Zeit der industriellen Revolution als besonders erhaltenswert eingestuft und blieben bestehen.
(vgl. Madgin 2010: 30)
Seit 1979 ist das industrielle Erbe Castlefield‘s als Erhaltungsgebiet „Buildings of special architectural or historic
interest“ ausgewiesen. (Jessen 2007: 317) Eine weitere
ganz besondere Auszeichnung für Manchester war der
Urban-Heritage-Park im Jahre 1982. Dieser war der erste
seiner Art in ganz England. (vgl. Jessen 2007: 317) Zu
dem Erhaltungsgebietgehört die Erhaltung von industriellen Bauwerken. Das betrifft die künstlich angelegten
Kanäle, die Warenhäuser, die Brücken und die Viadukte
sowie die neue Eisenbahnstrecke nach Liverpool. Die
Castlefield Conservation Area Map soll einen Überblick
über die Größe dieses Areals und den geschützten Bestand geben. Vertieft wird es weiter unter Urban Heritage
Park & Conservation Area (S. 16).
Abb. 2.2: Grocers Warehouse
Der erste künstliche Kanal war 1765 der Bridgewater Kanal. Dieser wurde gebaut, um Kohle leichter ins
Stadtzentrum transportieren zu können. Davon inspiriert
entstanden weitere Kanäle. Der Rochdale Kanal wurde
1805 gebaut und bietet unter anderem auch ein Becken,
das zum Ein- und Ausladen von Waren genutzt wurde.
Vor allem Kartoffeln wurden zum naheliegenden Kartoffelmarkt verladen. Aus diesem Grund heißt die ehemalige
Ausladestation noch immer Potato Wharf. Castlefield war
also in erster Linie ein Umschlagsort für Waren und ein
Produktionsstandort. Heute befinden sich an der Potato
Wharf einige Unternehmen und ein Hostel. Die Umgebung an der Ausladestation wird auch speziell für Veranstaltungen oder sportliche Aktivitäten genutzt. (vgl. Heath
et al 1996: 80; Visit Manchester o.J; vgl. Jessen 2008: 91)
Abb. 2.2.1: Grocers Warehouse — Taylor et al 2002
13
Nur zehn Jahre nach dem Bau des Bridgewater Kanals
wurde das Grocers Warehouse am Rochdale Kanal
errichtet. Mitte der 1960er Jahre wurde dieses Gebäude
allerdings abgerissen. Heute erinnert nur noch ein rot
angemaltes Zahnrad an die Existenz dieses Bauwerkes. Das Zahnrad ist ein Symbol für den ersten Aufzug
durch Wasserkraft, der half, schwere Waren von oder auf
Schiffe zu laden. Dieser Aufzug befand sich im und nicht
am Gebäude, daher mussten die Schiffe in das Gebäude
fahren. Das sichere Ein- und Ausladen erfolgte durch die
bis heute erhaltene Schleuse direkt vor dem Gebäude.
(vgl. Taylor et al 2002: 10)
Abb. 2.3: Lower Campfield Market
Im Jahr 1830 verändert sich mit dem Bau der ersten
Bahnstrecke zwischen Liverpool und Manchester die
Bedeutung der künstlichen Kanäle für die Wirtschaft. Es
entstand ein Wettbewerb um den Transport der Waren,
den die London & North Western Railway Company für
sich entschied. Das Great Western Warehouse gehörte
damals zur London & North Western Railway Company.
Dieses Bauwerk wurde als Lagerraum genutzt und war
direkt mit Gleisen an die Liverpool Road Station angebunden. Im Great Western Warehouse ist bis heute einer der
ältesten Bahnsteige erhalten. Zurzeit wird das Gebäude
vom Museum of Science & Industry genutzt. (vgl. MOSI
2015)
Ebenfalls vom Museum of Science & Industry genutzt
wird der Lower Campfield Market und zwar als Ausstellungsraum der „Air and Space Gallery“. Bekannt geworden ist der Lower Campfield Market für den zum Potato
Wharf dazugehörigen Kartoffelmarkt. Es gibt auch noch
ein Upper Campfield Market, der jedoch als langfristig
schwer zu vermieten gilt, deshalb wird es zwischenzeitlich
als Events Halle genutzt. (vgl. Manchester City Council
2015b)
Insgesamt wurden im Auftrag des Stadtrat Manchester
die Wegbeziehungen zwischen den einzelnen Stadtteilen
verbessert. Sinnbild dafür, ist die geschwungene aluminiumfarbende Brücke, die viele Arbeitnehmer auf dem Weg
zur Arbeit nutzen oder zu freizeitorientierten Zwecken begehen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Minimierung
des motorisierten Verkehrs im Zentrum von Castlefield
aufgrund der umlaufenden Ringstraße. (vgl. Jessen 2007:
318)
Abb. 2.4: Bridge
14
Wie schon erwähnt war das Mamucium eine frühere römische Siedlung in der Mitte des heutigen Castlefield. Diese
Ausgrabungsstätte wurde 1987 zur besseren Sichtbarmachung im Auftrag der Greater Manchester Archaelogical
Unit für die Touristen in Ansätzen rekonstruiert. So sieht
man heute einige Grundmauern und ein Eingangstor.
Der Standort dieser Siedlung liegt etwas erhöht und ist
nicht weit vom damals einzigen Fluss Irwell entfernt. Das
Mamucium ist Teil des Urban-Heritage-Parks. (vgl. Heath
et al 1996: 80, The Wharf, Castlefield, o.J.)
Der heutige Gastronomiebetrieb „Jackson‘s Wharf“ spielt
eine wesentliche Rolle in Bezug auf die Partizipation in
Castlefield. Ursprünglich gehörte es zum Ausladeensem-
ble am Rochdale Kanal. Hintergrund ist, dass der Gastronomiebetrieb in den Jahren 1998 bis 2005 aufgrund der
langsamen Annahme des Gebietes finanzielle Probleme
hatte. Peel Holdings, der auch das Trafford Centre und
die Media City mit plante, wollte „The Wharf“ abreißen
und einen Wohnkomplex bauen. Gegen dieses Vorhaben
protestierten die Anwohner, da es als Risiko zur Anerkennung als Weltkulturerbe galt. 2008 wurde der eingereichte Entwurf vom Planungsausschuss abgelehnt. Bis
2011 reichte Peel Holding weitere Entwürfe ein, die alle
abgelehnt wurden. Danach verkaufte Peel Holding die
Fläche an den Aktivisten Pat Karney. Der sagte dazu: „In
this historic and much-loved area of Manchester, this is a
victory for local residents and councillors and a victory for
Manchester.“ (The Wharf, Castlefield) Unterstützt wurde
der Protest auch von prominenter Seite, wie unter anderem von den Sängern Mike Harding und Jason Orange
sowie dem Olympiaschwimmer James Hickman. (vgl. The
Wharf, Castlefield, o.J.)
Nachdem die Textilindustrie abgewandert war, begann in
Castlefield der Verfall der Gebäude. (vgl. Madgin 2010:
34) Heute sind kaum leerstehende Gebäude zu sehen, im
Gegenteil, Castlefield scheint als Wohn- und Arbeitsraum
sehr beliebt zu sein. Die letzte größere Brachfläche befindet sich im Süden an der Great Jackson Street und wird
zurzeit neu gestaltet. Im 19. Jahrhundert diente dieses
Areal als Wohngebiet für die Arbeiter der Textilmühlen
und der Färbereien. Das Gebiet war bis in die 1950er
Jahre stark verdichtet. Danach wurde die Bebauung
immer durchlässiger. Die Planungsphase für das Neubauprojekt „The Great Jackson Street“ wurde im Jahre 2007
begonnen. Besonders an der Planung ist die Integration
der unterschiedlichen Dichten und Höhen, in Anspielung
an die frühere dortige Bebauung. Die unterschiedlichen
Höhen spielen auch eine Rolle in Bezug auf die Lichtverhältnisse im Areal. Schwerpunkt ist hierbei die Schaffung
von öffentlichen Räumen, die durch Blickachsen mit
den anderen Stadtteilen verbunden werden sollen. Das
Hauptziel des Stadtrats von Manchester ist die Etablierung von wissensorientierten Unternehmen und der Mixed-Used- Gesellschaft in diesem Areal. (vgl. Manchester
City Council 2015c)
Abb. 2.5: Mamucium
Abb. 2.6: The Wharf
Akteure und finanzielle Aspekte
Der Manchester City Center Local Plan von 1982 sieht
den Schwerpunkt auf touristischen Merkmalen, wie zum
Beispiel in Museen und der Sichtbarmachung der Geschichte in der Stadt (vgl. Heath et al 1996: 82; Jessen
2007: 317)
In den ersten fünf Jahren wurde vieles durch den English
Tourist Board (ETB) finanziell gefördert. Des Weiteren
gibt es eine daraus entstandene Initiative, die Strategic
Development Initiative (SDI), die insbesondere Stadtteile
und Gemeinden in Manchester und dem Umland finanziell unterstützt. Dazu gehören neben Castlefield auch
Trafford und Salford. Die Koordination der einzelnen Projekte war eine Zusammenarbeit zwischen dem Manchester City Council, der Central Manchester Development
15
Corporation, den Partnerships der ETB Development
Group und dem North- West Tourist Board. Die Kooperationsteilnehmer der Gemeinden Salford und Trafford
werden in diesem Abschnitt nicht näher betrachtet. Bei
der Verteilung der Gelder wurde ein großer Teil in infrastrukturelle Projekte investiert. Dazu zählen zum Beispiel
der Ausbau von Brücken, Kanälen und Wegebeziehungen innerhalb Casltefield‘s und zu den umliegenden
Stadtteilen. Ab 1988 übernimmt die Central Manchester
Development Corporation (CMDC) die Planung. Abgesehen von der Tourismus- und Freizeitförderung rücken nun
auch Themen wie die Integration von Wohnraum und die
Schaffung von Arbeitsplätzen in den Vordergrund. (vgl.
Heath et al 1996: 83 f.) Ebenfalls 1988 wurde der Themenschwerpunkt Tourismus auch in das Action for Citys
Programm integriert (vgl. Jessen 2007: 318; Heath et al
1996: 83 f.) In dieser Phase der Planung kommen neue
Akteure, wie zum Beispiel Urban Splash, die den Schwerpunkt auf die Wiedernutzung von Bauwerken legten,
hinzu (vgl. Jessen 2007: 318).
Urban Heritage Park & Conservation Area
Im Jahre 1979 wurde Castlefield vom City Council als
Conservation Area ausgewiesen. 1985 wurde dieser
Bereich sogar noch einmal vergrößert und bildete damit
das größte Erhaltungsgebiet der Stadt. (vgl. Heath et al
1996: 82 f.) Dieses Erhaltungsgebiet bezieht sich auf den
Schutz von industriellen Bauwerken in Castlefield. Das allererste Industriedenkmal in Castlefield war die Liverpool
Road, die seit 1977 den Grade I Status hat. Die oben
beschriebenen Bauwerke der zur Conservation Area
gehören allesamt dem Grade II Status an, der ihnen ab
1973 verliehen wurde. (vgl. Madgin 2010: 33; Manchester
City Council 2015a)
Englands Urban-Heritage-Park existiert seit 1983 in Castlefield. Die Stadt hatte ihn selbst eingerichtet, um Flächen
für die Erholung und den Schutz des industriellen Erbes
zu erhalten. Das Schutzgebiet ist jedoch kein abgeschlossenes und unveränderliches Gebiet. Es bietet nach wie
vor Raum für Investitionen. Im Vordergrund stehen jedoch
Konzepte, die die wirtschaftlichen und touristischen
Aspekte vereinen. Dazu gehören unter anderem das
Pflanzen von Bäumen und die Schaffung von Fußgängerwegen und -überführungen. (vgl. Jessen 2007: 317;
Heath et al 1996: 83) Ein historisch wichtiger und ebenfalls touristischer Aspekt ist die Integration des Mamuciums in den Urban Heritage Park. Geografisch betrachtet
bildet dies die Mitte von Castlefield. Das historische Erbe
wird als wichtige Einnahmequelle der Stadt betrachtet.
Hierbei spielt die Darstellung des Images und die Aufbereitung der Informationen für Touristen eine große Rolle.
(Madgin 2010: 32) Laut dem Manchester City Council
liegt der Schwerpunkt auf den industriellen Innovationen
und Themen, die dem Transport zugeordnet werden. (vgl.
Manchester City Council 2015b)
16
Castlefield Schlussbetrachtung
Abschließend ist zu sagen, dass Castlefield in vielerlei
Hinsicht einen Vorreiter im Bereich der Stadterneuerung
in der Welt darstellt. Es zeigt, ein Stadtviertel, welches
Anfang der 1970er Jahre noch unbewohnt war, in die
Stadt wiederintegrierbar ist. Mittlerweile gehört es zu
den beliebtesten Wohn-, Arbeits- und Aufenthaltsvierteln
von Manchester. Es gibt ein ausgeprägtes Angebot an
sportlichen Aktivitäten, sowohl Indoor als auch Outdoor.
Die neu geschaffenen und ausgebauten Wegebeziehungen unterstützen den Outdoor-Sport und das Flanieren
am Kanal. Ebenfalls besonders am Kanal, aber auch an
vielen anderen Ecken in Castlefield, ist das hohe Angebot
an Restaurants, Bars und Tanzlokalen. Dadurch sind die
Straßen, auch am Abend und in der Nacht, lebendig. Die
besondere Beleuchtung der historischen Bauwerke und
der Straßenbeleuchtung unterstützen diese Lebensqualität in Castlefield. Dies zieht Menschen aus ganz Manchester, der Umgebung und Touristen an, um gemeinsame Abende und Tagesausflüge zu erleben. Ein Highlight
ist hierbei der Besuch im Museum of Science & Industry,
indem die Geschichte der Stadt dargestellt wird. Für
weitere Informationen gibt es an bestimmten Orten des
Stadtviertels Informationstafeln. Diese sind auch auf den
Grünflächen, wie dem Mamucium und weiteren Aufenthaltsorten am Kanal zu finden. Dort ist ebenfalls Raum
zur Erholung und Ruhe innerhalb der Stadt.
2 — Downtown
MM — Manchesters Downtown bildet den wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Mittelpunkt des Stadtzentrums, welches in den letzten Jahrzehnten einer
intensiven städtebaulichen Neugestaltung unterzogen
wurde. Unter Downtown werden die Stadtteilgebiete bzw.
Quartiere Central Retail District, NOMA sowie Civic Quarter zusammengefasst.
Central Retail District und NOMA
Das Central Retail Gebiet wird eingegrenzt durch den
Fluss Irwell im Westen, Bridge Street und Balton Street
im Süden, Picadilly Gardens, dem Northern Quarter im
Osten und Shudehill Interchange sowie Victoria Station
im Norden. Zusammen mit dem nördlich angrenzenden
NOMA-Quartier zwischen Victoria Station und Northern
Quarter bilden sie den Northern Gateway. In das Central
Retail Gebiet fallen unter anderem folgende Gebäude
und öffentliche Räume:
Gebäude
— Arndale Shoppingcenter (Neubau)
— Marks & Spencer Store
(Neubau, großflächiges Geschäft)
— Corn Exchange
(Grade II Gebäude und Umnutzung zum Shopping
Center, zur Zeit im Umbau mit Umnutzung)
— The Printworks
(historisches Druckereigebäude,
Umnutzung zum Entertainment Complex)
— Manchester Cathedral und Besucherzentrum
— URBIS Gebäude
(Neubau, Nationales Fußballmuseum)
Plätze und Gärten
— Exchange Square
— Cathedral Gardens
Am 15. Juni 1996, einem Samstag, explodierte eine
Bombe in einem Van, der auf der Corporation Street geparkt wurde. Die nordirische Irish Republican Army (IRA),
eine Terrorgruppe, welche die Unabhängigkeit von ganz
Irland gegenüber Großbritannien fordert, zeigte sich für
den Anschlag verantwortlich (vgl. Planet Wissen 2015).
Sie warnten eine Stunde vor der Explosion, sodass der
Innenstadtbereich rechtzeitig evakuiert werden konnte.
Trotzdem zerstörte die Bombe Gebäudeteile und Fassaden rund um die Corporation Street zum Teil irreparabel.
Es wurde geschätzt, dass ca. 49.000 qm Einzelhandelsfläche und 50.0000 qm Büroflächen zerstört wurden und
17
ein Schaden von ca. £500 Millionen entstand. Besonders
der Marks & Spencer Store und das Arndale Shopping
Centre auf der Corporation Street waren schwer betroffen. (vgl. Williams 1999: 490)
Abb. 2.8: Corn Exchange
Unmittelbar nach dem Bombenanschlag der IRA und der
weitreichenden Verwüstung des Haupteinkaufviertels von
Manchester wurde durch die Regierung eine Task Force
aus öffentlichen und privaten Spezialisten, die Manchester Millennium Limited (MML), implementiert. Die Aufgabe
der Task Force bestand sowohl darin, das Programm zur
Erneuerung der Innenstadt zu entwickeln und die Umsetzung zu überwachen, als auch die nötigen öffentlichen
und privaten Ressourcen zu sichern. (vgl. Williams 1999:
492) In diesem Sinne war die MML unter anderem dafür
zuständig, die nötigen Fördergelder einzuholen und die
Verhandlungen zwischen den Eigentümern und dem City
Council zu führen (vgl. TU Berlin 2006: 110). Das Programm beinhaltete die Wiederherstellung des Arndale
Shoppingcenters und des Corn Exchange Gebäudes,
eine strukturelle Verbesserung des Printworks-Gebäudes, den Neubau des Marks & Spencer Stores inklusive
einer neuen Brücke zum Arndale Shoppingcenter und die
Modernisierung des öffentlichen Raumes auf dem Exchange Square sowie in der New Cathedral Street. (vgl.
Manchester City Council 2015h).
The Printworks wurde ursprünglich bis 1985 als Druckereistandort der Kemsley Newspapers Limited genutzt,
welche die Sunday Times druckte. Anschließend stand
es bis zum Bombenanschlag leer. Im Zuge der Exchange
Square-Entwicklung wurde das Gebäude renoviert und
im Jahr 2000 als Entertainment-Komplex mit Restaurants,
Bars und einem Kino wiedereröffnet. Der Komplex dient
- neben dem Corn Exchange - als eines der Einzelprojekte, um Investitionen in Kultur und Freizeitangebote zu
stärken (vgl. Williams 1999: 498). Laut dem Report der
Stadtverwaltung von 2014 zur Umsetzung des Leitbildes
„Manchester as a 24-Hour City“, ist „The Printworks“ einer
der Orte, an dem die Entwicklung zur 24-Stunden Stadt
sichtbar ist (vgl. Manchester City Council 2014d: 17).
Abb. 2.9: Printworks von Innen
18 Abb. 2.10: Victoria Station Erweiterung
Auch der öffentliche Nahverkehr wird im Zuge der Stadterneuerung des Stadtzentrums anhand einer £165 Millionen hohen Investition in eine neue Tram-Linie durch das
Stadtzentrum gestärkt (Second City Crossing). Die neue
Linie führt u.a. durch die im Central District und am Rand
zum NOMA liegenden Victoria Station, welche im Zuge
des Stadterneuerungsprogramms und des Second City
Crossings für ca. £44 Millionen ausgebaut wird. Noch im
Jahr 2015 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen werden.
(vgl. Metrolink 2015, Manchester City Council 2015h).
Mit Hilfe von Fördergeldern der EU und zentralstaatlichen
Mitteln wurde und wird die Umgestaltung der Innenstadt
fortlaufend angegangen. Das gesamte Zentrum soll zu einem attraktiven Shopping- und Freizeitzentrum entwickelt
werden und private Investitionen aktivieren (vgl. TU Berlin
2006: 110). In diesem Sinne wurde ein internationaler
städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben. Die EDWA
Inc. gewann den Wettbewerb und wurde beauftragt, den
Masterplan zu entwickeln. Die Begründung lag darin,
dass der Entwurf die sichtbare Struktur der Innenstadt
respektiere, die wesentlichen Landmarks der Innenstadt
durch Sichtachsen, wichtige Straßen und Plätze mit dem
Fokus auf die Fußgänger und den öffentlichen Nahverkehr miteinander verbinde und z.B. die Kathedrale
sowie den Fluss Irwell mit einbezöge. Zudem biete der
Entwurf Weiterentwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft,
indem der Fokus auf den Stärken der Innenstadt läge,
um Schwächen der historisch gewachsenen Struktur zu
überkommen. (vgl. Williams 1999: 494 f.)
Eines der Ziele des Masterplans war die Entwicklung eines Millennium Quarters, welches die historische Kathedrale mit Besucherzentrum, das URBIS Centre (National
Football Museum), die Cathedral Gardens, Cetham`s
School of Music sowie den Exchange Square als Einzelprojekte beinhaltete. Es wurde geplant das Areal zu
einem grünen und nahezu verkehrsfreien Besucherzentrum mit einer Verbindung durch einen öffentlichen Platz
zum Haupteinkaufsviertel zu entwickeln. (vgl. Williams
1999: 499)
Abb. 2.11: Manchesters Kathedrale
Abb. 2.12: URBIS Centre und im Hintergrund The Printworks
— Josiane Meier
Abb. 2.13: Cetham`s School of Music
19
Der Exchange Square ist der zentrale öffentliche Platz
des Central Retail Gebietes. Er wird unter anderem gefasst durch das Arndale Shoppingcenter, das Corn Exchange Gebäude, The Printworks und zudem gelangt der
Fußgänger von ihm aus direkt zur Manchester Cathedral.
Er dient somit als Verbindung zwischen dem historischen
Manchester - mit seiner Kathedrale sowie Cetham´s
School of Music - und dem belebten Einkaufsviertel der
Stadt. Zukünftig wird auf dem Platz zudem die neue
Tram-Linie halten. Das stufenartige, fußgängerfreundliche
Design des Platzes ist Ergebnis einer Ausschreibung,
dessen Auswahl auf den Entwurf von Martha Schwartz
aus den USA fiel und später um stählerne Windmühlen
ergänzt wurde, die auf das industrielle Erbe der Stadt
verweisen sollen. (vgl. CABE 2011)
Abb. 2.14: Exchange Square Design und die stählernen Windmühlen im
Hintergrund
Abb. 2.15: One Angel Square und Angel Square
Abb. 2.16: Förderung des Angel Square
durch die Europäische Union
20
Nördlich des Central Retail Gebietes entsteht als Folgeinvestition des Stadterneuerungsprogramms durch das
Instrument der Public Private Partnership (PPP) zur
Zeit NOMA, ein modernes und nachhaltiges Stadtquartier.
Der Name NOMA steht hierbei für „North Manchester“.
Der private Investor, die Co-operative Group, besitzt
zusammen mit Hermes Real Estate die Grundstücke
auf dem ca. 8 ha großen Gebiet, welches sich, wie eine
Überlagerung von Kartenmaterialien ergab, vor Beginn
der Bauarbeiten größtenteils aus Parkflächen zusammensetzte. (vgl. NOMA-Manchester 2015) Die Co-operative
Group investierte bereits £130 Millionen in ihren Hauptsitz
im NOMA-Quartier, das 2013 fertig gestellt wurde und
welches 3.500 Arbeitsplätze schuf, sowie Investitionen
anderer Unternehmen nach sich zog. Das moderne
Gebäude am Angel Square ist zudem durch BREAAM
(Ranking-System für nachhaltiges Design) mit einem
Score von 95.16 % ausgezeichnet worden – der höchsten bis dato vergeben Bewertung durch BREAAM. (vgl.
NOMA o.A.: 16)
Neben der Immobilie des Hauptsitzes der Co-Operative
Group ist ebenfalls der One Angel Square fertig gestellt
worden, auf dem sich besagter Hauptsitz befindet. Die
öffentlichen Räume Angel Square und Listed Square, der
sich südlich im Gebiet befindet, wurden bzw. werden mit
Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) umgesetzt. Die Umsetzung des Listed
Square soll voraussichtlich 2015 beendet werden. (vgl.
NOMA 2014: 29 f.)
Nicht nur Neubautätigkeiten prägen das Bild des NOMA-Quartiers, sondern auch Bestandsgebäude wurden
mit einbezogen: Das im Jahr 1909 fertiggestellte Hanover Gebäude beispielsweise ist auf der Denkmalliste als
„Grade II Building“ gelistet. Das historische Gebäude
wird derzeit renoviert und modernisiert und soll nach Fertigstellung einen Mix aus „heritage character“ und „stunning contemporary design“ (NOMA o.A.: 44) bieten. (vgl.
NOMA o.A.: 44, 49 f.)
Das Business Improvement District
„Heart of Manchester“
Neben der städtebaulichen Ebene, wird derzeit auch
auf ökonomischer Ebene am Erfolg des Stadtzentrums
als zentrales Einkaufsviertel mit Hilfe eines Business
Improvement Districts (BID) gearbeitet. Ein BID ist ein
festgelegter Bereich der Stadt, innerhalb dessen Einzelhandelsgeschäfte und Unternehmen zusammenarbeiten
und gemeinsam in beispielsweise Serviceangebote oder
Events investieren. Im Jahr 2013 wurden 380 Gewerbe
in Manchesters City Center anhand einer Mehrheitsentscheidung der Geschäfte Teil des Business Improvement
Districts „Heart of Manchester“. (vgl. Heart of Manchester
2015: 4, 24, Manchester City Council 2015f)
Das BID ist für fünf Jahre ausgelegt und basiert auf einem
Businessplan. Die investierten 5 Millionen Pfund Sterling fließen hauptsächlich in öffentliche Veranstaltungen,
Promotion und Dienstleistungsangebote für die Kunden.
Das BID wird geleitet von einem Vorsitz sowie einem Ausschuss aus acht Repräsentanten der Gewerbebetreibenden, zwei Repräsentanten des City Council und einem
Repräsentanten der Verkehrsinfrastruktur. Außerdem
sitzen im Ausschuss noch drei weitere Repräsentanten,
welche selbst nicht Mitglieder des BID sind. (vgl. Heart
of Manchester 2015: 4, 24) Die Investitionen für das BID
kommen von den Geschäften selbst und werden durch
den City Council prozentual zum Umsatz der Geschäfte
erhoben und an die Verwaltung des Heart of Manchester
BIDs weitergegeben (Manchester City Council 2015f).
Civic Quarter
Das Civic Quarter erstreckt sich von der Peter Street und
Deansgate im Südwesten bis zur Mosley Street im Osten
und der Balton Street im Norden sowie entlang der Mosley Street über die Princess Street in nördliche Richtung.
Das Civic Quarter beherbergt unter anderem das Rathaus (Town Hall), die Zentralbibliothek (Central Library),
die Portico-Bibliothek und -Galerie und andere wichtige
kulturelle und öffentliche Einrichtungen und konzentriert
sich um den St. Peter´s Square.
Der Rahmenplan „St. Peter´s Square Framework“, welcher Entwicklungsziele für den Town Hall Komplex, die
Zentralbibliothek, andere Gebäude rund um den St. Peters Square und diesen selbst umfasst, deckt somit einen
essentiellen Teil des Civic Quarters ab. Der Rahmenplan
sieht den Neubau von Gebäuden und die Umstrukturierung bestehender Gebäude sowie des St. Peter’s Square
vor. Die Neugestaltung des St. Peter’s Square bildet mit
dem Town Hall Complex das öffentliche Kernstück des Civic Quarters. Ziel ist es, der Innenstadt eine attraktive und
bürgerfreundliche Mitte zu geben. Der Platz ist Standort
des Cenotaph-Denkmals, dem St. Peter’s Kreuz und der
Peace Gardens. Durch die Befahrung des Platzes durch
den Individualverkehr ergab sich vor Beginn der Bauarbeiten für Fußgänger ein unsicheres Umfeld, sodass
Abb. 2.17: St. Peter´s Square heute
21
der Platz vom Individualverkehr befreit wurde. Auch das
Cenotaph-Denkmal mit dem St. Peters Kreuz erlangte
durch Verkehrserweiterungen über die Jahrzehnte eine
unattraktive Insellage und erhielt bereits einen neuen repräsentativen Standort vor der Ost-Fassade des Rathauses. (Ian Simpson Architects 2012: 4-9) Der Platz gehört
außerdem zur Umsetzung der bereits erwähnten neuen
Tramlinie (Second City Crossing) durch das Stadtzentrum. Im Zuge dessen werden eine zweite Straßenbahnlinie sowie ein neuer Umsteigepunkt integriert. Ist der Platz
fertig gestellt, soll ein großzügiger Fußgängerbereich
- ergänzt mit Sitzelementen unter lockeren, charakteristischen Bäumen - für eine hohe Aufenthaltsqualität sorgen.
(vgl. Latz + Partner 2015)
Downtown Schlussbetrachtung
Die rasante Entwicklung des Downtown-Gebietes der
letzten Jahrzehnte ist auf den Bombenanschlag von 1996
zurückzuführen. Durch das dramatische Ereignis wurden
neue Bündnisse geschlossen und deren Kräfte gebündelt. Die öffentliche Hand, private Investoren und Eigentümer arbeiteten in gegenseitigem Interesse Hand in Hand
zur Wiederherstellung der Innenstadt. Zudem ergaben
sich Fördermöglichkeiten durch den Staat und die EU,
welche finanzielle Ressourcen freisetzte und die Reparatur sowie Neugestaltung öffentlicher Räume ermöglichte.
Die externen Effekte der öffentlichen Investitionen hatten
wiederum neue private Investitionen zur Folge, welche
die Stadterneuerung des Downtown-Gebietes weiter
vorantreibt. Zusammenfassend muss die städtebauliche
Zerstörung des Bombenanschlags – trotz der psychischen Wunden – als genutzte Chance betrachtet werden,
die Innenstadt neu zu Denken.
22
3 — Northern Quarter
MF — Das Northern Quarter ist Teil des Manchester City
Centres. Das Quartier hat eine Größe von etwa 0,3 km2
und wird begrenzt durch Shudehill und High Street im
Westen, Swan Street im Norden, den Rochdale Canal
im Osten und Picadilly im Süden. (vgl. Taylor und Holder
2008: 1)
Über die letzten 2,5 Jahrhunderte hinweg unterlag der
Bereich einem ständigen Wandel, der auch heute noch
sichtbar ist. (vgl. ebd.) Daran erinnern die Straßennamen
und vor allem das Nebeneinander von unterschiedlichen
historischen Gebäuden, wie zum Beispiel den aus Backstein errichteten Handwerkerhäusern, den Lagerhäusern
und Markthallen. Die Deindustrialisierung hinterließ auch
im Northern Quarter Spuren. In den 1950er Jahren war
das Stadtbild Manchesters und auch das des Northern
Quarters geprägt vom nicht mehr genutzten industriellen
Erbe – von Kanälen, der Eisenbahninfrastruktur, Lagerhäusern, Bürogebäuden und Textilfabriken. (vgl. ebd.: 9)
Einen weiteren Rückschlag erhielt das Quartier durch die
Eröffnung des Arndale Shopping Centre im Jahr 1980.
(vgl. ebd.: 69) Damals eines der größten Einkaufszentren
von Europa. Das hatte zur Folge, dass nahezu 25 Prozent der Einzelhändler im Northern Quarter, überwiegend
in der Oldham Street, nicht mehr überlebensfähig waren,
weil die Kunden in das Arndale Centre gingen. (vgl. ebd.)
Northern Quarter – Revitalisierung
Die ersten Versuche das Northern Quarter in seinem
Bestand zu erhalten und zu revitalisieren, wurden im Jahr
1987 durch die Stadtverwaltung, in Form der Ausweisung
der Entwicklungsbereiche Smithfield und Stevenson Place unternommen. (vgl. Taylor und Holder 2008: 1) Durch
das Programm konnten einige bedeutende historische
Gebäude gerettet werden, jedoch waren viele individuelle
Gebäude durch jahrelange Vernachlässigung weiterhin
erheblich in ihrer baulichen Substanz geschädigt. (vgl.
ebd.: 2) Eine weitere Untersuchung zur Stadterneuerung
des Northern Quarters im Jahr 1993 sah die Kreativindustrie als bedeutenden Faktor für die Entwicklung des Gebietes. (vgl. ebd.: 2) Initiiert durch das English Heritage,
wurden die noch stehenden Gebäude katalogisiert. Die
Ergebnisse mündeten in den „The Shudehill and Northern
Quarter of Manchester: ‘An Outgrowth of Accident’ and
‘Built According to a Plan’ Architectural Investigation
Report”. (vgl. ebd.: 1 f) Ziel der Untersuchung ist es, mit
dem Ergebnis das Bewusstsein für die historische Bedeutung der Gebäude und der Struktur zu schärfen, um eine
Entscheidungsgrundlage für den zukünftigen Umgang zu
schaffen. (vgl. ebd.: 2) Teilerfolge konnten bereits verbucht werden. Eine Flächensanierung in Form von Abriss
und Errichtung komplett neuer Quartiere fand bisher nicht
statt. Vielmehr wird versucht, bestehende Strukturen in
Neubauprojekte zu integrieren oder neue Nutzungen für
erhaltene Gebäude zu finden. Auf einige Bespiele wird im
Folgenden eingegangen.
Smithfield Market
Smithfield Market ist ein ehemaliges Marktgelände,
welches in seiner größten Ausdehnung den Bereich
zwischen Swan Street (Nord) und Thomas Street (Süd)
sowie Oak Street (Ost) und Shudehill (West) eine Fläche
von 4,5 ha einnimmt. Die Anfänge des Marktes datieren
auf das Jahr 1820, in dem sich östlich von Shudehill ein
Kartoffelmarkt angesiedelt hatte. In den folgenden Jahren
wurde der Marktbereich um die Angebote von Obst- und
Gemüsehandel, Agrarerzeugnissen, Fleisch und Fisch
sowie einer von der italienischen Gemeinde gegründeten
Eisfabrik erweitert. Der offizielle Bennenung in Smithfield
Market erfolgte im Jahr 1822 (vgl. Sutherland 2007) Die
Ausweitung des Marktgeländes vollzog sich bis zum Jahr
1897. Das Angebot des Marktes ging über den Verkauf
von Waren und Dienstleistung hinaus, auch Unterhaltung
Abb. 2.18: Manchester City Centre und Verortung Northern Quarter — English Heritage 2008
23
wurde geboten. Smithfield Market am Standort Northern
Quarter wurde im Jahr 1973 geschlossen und in den
Stadtteil Openshaw verlagert. Dies hatte zur Folge, dass
die lokale Wirtschaft am Standort zusammenbrach, mit
dem der Niedergang des Quartiers in den 1970er Jahren
einherging. (vgl. ebd.) Heute sind auf dem ehemaligen
Gelände des Smithfield Market neue Nutzungen angesiedelt. Es befinden sich hier Appartementhäuser und Lofts,
die in die verbliebene Struktur der Markthalle integriert
wurden.
Centre for Chinese Contemporary Art
Abb. 2.19: Integration der Außenmauern
der ehemaligen Fischgroßhandelshalle in Appartementhäuser
Das Zentrum für chinesisch zeitgenössische Kunst
wurde im Jahr 1986 gegründet. Finanzielle Unterstützung wurde sowohl vom Stadtrat von Manchester als
auch vom Kunstrat Englands geleistet. Neben festen und
temporären Ausstellungen bietet das Zentrum Raum für
Workshops und soziale Arbeit für alle Altersklassen an.
Es besteht eine Kooperation mit der Salford University.
(vgl. CFCCA 2015) Das Centre ist ein Beispiel für Nutzungen im Northern Quarter, welche durch eher private
und in den Anfängen staatlich nicht geförderte Initiativen
entstanden sind. Die spätere finanzielle Förderung zeigt,
dass kulturelle Nutzungen eine Bedeutung für die Entwicklung des Quartiers haben.
Craft and Design Centre
Das heutige Craft und Design Centre wurde 1873 als
Fischmarkthalle im viktorianischen Stil gebaut. Seit 1982
ist es in öffentlichem Besitz. Es wird heute als Standort
für Kreativstudios und den Verkauf von Produkten des
Kunsthandwerks genutzt. Alles was dort verkauft wird, ist
auf den zwei Etagen geschaffen worden. Zwischenzeitlich stand die Markthalle leer und verfiel langsam, aber
genau durch diese Mischung aus neuen, sanierten und
24 Abb. 2.20: Centre for Chinese Contemporary Art
alten Bauwerken bekommt das Northern Quarter seinen
Shaby-Chic-Charakter. Begonnen hat das Craft and Design Centre mit einer non-profit-Ausstellung, der Künstlerorganisation des MCDC,(Manchester Craft and Design
Centre) die bis heute, mittlerweile kostenpflichtige Ausstellungen, inszenieren. (Craft and Design Centre o.J.,
vgl. Reise Know-How 2015: 18) Seit Juli 2012 existiert
das Craft and Design Centre dreißig Jahre. Nach wie vor
fördert es die junge Kunstszene und bietet ihnen durch
die Nutzung der Studios eine Plattform zur Selbstinszenierung. (vgl. Mule 2012)
Ökonomische Instrumente der Revitalisierung des
Northern Quarters
Abb. 2.21: Craft and Design Centre
Um das Northern Quarter in der heutigen Struktur zu
erhalten, sind Flächensanierungen wie in anderen Stadtteilen nicht umsetzbar. Die Herausforderung bestand
vor allem darin, den Einzelhandel wiederzubeleben und
ungenutzte Immobilien vor weiterem Verfall zu schützen.
Eines der angewendeten Instrumente ist die „Compulsory Purchase Order (CPO)“. Dieses seit 2002 geltende
Gesetzt ermöglicht es, Flächen und Gebäude zu enteignen und somit in öffentlichen Besitz zu überführen. Die
öffentliche Hand bekommt Zugriff auf die Immobilie und
kann diese entwickeln. Ein Anwendungsbeispiel sind die
Markthallen des Smithfield Market. (vgl. Manchester City
Council 2003)
Ein weiteres Instrument zur Revitalisierung des Northern
Quarter ist das Single Regeneration Budget (SRB). Es
handelt sich dabei um einen Finanzierungsfond, der
im Northern Quarter vor allem Bildungsprojekte, Kindertagesstätten, Sportprojekte und die Schaffung von
Arbeitsplätzen fördert. Der Förderzeitraum betrug sechs
Jahre und endete im Jahr 2002. Im Anschluss erfolgte die
Finanzierung durch private Investoren. Das Investitionsvolumen im Northern Quarter betrug £34 Millionen. (vgl.
Manchester City Council 2015d)
Abb. 2.22: Street Art Northern Quarter
Northern Quarter Schlussbetrachtung
Nach wie vor vermittelt das Straßenbild im Northern
Quarter den Eindruck eines sich im Wandel befindenden
Quartiers. Neben immer noch leer stehenden Gebäuden
haben sich in den Ladengeschäften Galerien, Kunsthändler, Bars und Modeboutiquen niedergelassen. Der öffentliche Raum selbst wird durch Street Art inszeniert. Durch
diese Art von Nutzungen kann das Northern Quarter in
seiner historischen Identität erhalten werden, weil nicht
die angestrebte Nutzung die Art und Bauweise der Gebäude bestimmt, sondern die passenden Nutzungen für
die bestehenden Gebäude gefunden werden.
25
Exkurs
Night-Time
Economy:
Manchester as
24-Hour City
Kathrin Krell
24 Hour City — Wirtschaftliche Einnahmequelle
Wer denkt, London sei für die Kreativindustrie „the place
to be“ in England, über den lacht die einflussreiche
britische Modezeitschrift i-D Magazine. London mag die
größten Galerien haben, die größten Clubs und Designagenturen, doch für freischaffende Kreative biete
Manchester die besseren Möglichkeiten, weil die Lebenshaltungskosten geringer und die Vernetzung untereinander besser sei. (vgl. Gush 2015) Und Manchester hat ein
blühendes Nachtleben, nicht erst seit sich die Städte aktiv
um die Förderung der sogenannten „Night-Time Economy“ bemühen und unter ihnen ein Wettbewerb darum
entbrannt ist.
Ende der 1970er Jahren, als in Manchester Musikbands
wie Joy Division, The Smiths und das auf elektronische
Tanzmusik spezialisierte Label „Factory Records“ entstanden, war sein Stadtzentrum noch von Abwanderung
und leeren Industrie- und Lagerhallen geprägt. Unter dem
Namen „Madchester“ entwickelte sich damals eine facettenreiche alternative Musikszene, welche maßgeblich
zur Entstehung der Rave- und House-Kultur in Europa
beitrug. Früher als anderswo kam hier in den 1980er
und -90er Jahren eine Clubkultur auf, welche redundant
gewordene Industriebauten umnutzte. Legendär war insbesondere der am Rochdale Kanal, in einer ehemaligen
Lagerhalle eingerichtete Club „Haçienda“. Aber auch das
„Gay Village“ rund um die ebenfalls mit Lagerhallen gesäumte Canal Street entstand in dieser Zeit. Das Nachtleben entwickelte sich damals trotz – nicht wegen – der
Planung, die noch rigide Nutzungszonen und eine sehr
strenge Lizenzierungspraxis für den Alkoholausschank
und die Öffnungszeiten kannte (vgl. Heath 1997: 197).
1 — „Night-Time Economy”
und die Planung
Während der 1980er Jahre wurden die nachts leeren und
deshalb zunehmend als gefährlich wahrgenommenen
Stadtzentren Englands zu einem Thema für die Stadtplanung. Grund für die nächtliche Leere war nicht nur die
durch Abwanderung und Suburbanisierung verursachte
Perforation der postindustriellen Innenstädte, sondern
auch die monofunktional geplanten Zentren: Büros und
Geschäfte belebten diese nur von „Nine-to-Five“. Eine
Studie des Think Tanks Comedia Consultancy identifizierte 1991 den Mangel an möglichen Nachtaktivitäten, die
geringe Interaktion von den für England typischen Pubs
mit der Straße, fußgängerfeindliche öffentliche Räume,
sowie eine schlechte Versorgung mit öffentlichem Verkehr als Hauptproblem (vgl. Heath 1997: 195). Durch
eine gemischte Nutzung versprach man sich ein vielfältiges Klientel, was zu besserer sozialer Kontrolle führen
sollte. Sicherere Innenstädte waren also ursprünglich das
Hauptziel des „24-Hour City“ Konzepts (siehe Tab.1),
welches 1993 – auf Initiative der Stadt Manchester – erstmals auf einer Konferenz diskutiert wurde (vgl. ebd.).
26
Die Initiativen, mit denen die 24-Hour City umgesetzt
werden sollte, hat Tim Heath (1997: 199) in Tabelle 2
aufgeführt. Interessant ist, dass der öffentliche Verkehr,
die fußgängerfreundliche Gestaltung des öffentlichen
Raumes oder das Wohnen in dieser Tabelle, welche
die Strategien verschiedener lokaler Behörden aufzeigt,
nicht auftauchen. Die Hauptanstrengungen der Städte
sind in die Veränderung des Lizensierungssystems für
die Öffnungszeiten und den Alkoholausschank für Pubs
geflossen. Hier mussten sie sich das Recht erarbeiten,
Lizenzen autonom, ohne Vorgaben der Zentralregierung
in London vergeben zu dürfen. Definitiv haben sie dieses
Recht erst seit dem Inkrafttreten eines neuen Pub Licencing Acts im Jahr 2005.
Doch bereits im September 1993 wurde in Manchester im
Zusammenhang mit der Olympiabewerbung ein Pilotprojekt mit verlängerten Öffnungszeiten durchgeführt. Pubs
und Bars waren während dieser Zeit bis Mitternacht (statt
bis 23:00 Uhr) geöffnet und Clubs bis 04:00 Uhr morgens
(vgl. Heath 1997: 199). Dieses Festival – „More Hours in
the Day Campaign“ genannt – wird allgemein als Durchbruch für das 24-Hour City Konzept in England gesehen,
denn die anschließende Auswertung durch die Stadtverwaltung war ausgesprochen positiv. Obwohl mehr Leute
die Innenstadt besuchten, sank während des Festivals die
Kriminalität um 43 Prozent, wie die Greater Manchester
Police feststellte. (vgl. ebd.) Taxifirmen meldeten gleichzeitig mehr Umsatz und weniger aggressive Kunden (vgl.
ebd: 200). Im Jahr darauf stieg die Zahl der Bewerbungen
an Manchesters Universitäten um 30 Prozent und 40 Prozent der New Yorker gaben in einer Umfrage Manchester
als liebstes Reiseziel an (vgl. Roberts und Eldridge 2009:
46). Nach einer Schätzung von 2003 wurden in der Folge
12.000 neue Jobs für Service- und Sicherheitspersonal
geschaffen (vgl. House of Commons, zitiert in Roberts
und Eldridge 2009: 58).
Heute gibt es in Manchesters Innenstadt rund 830 Betriebe, die zum Night-Time Economy Sektor gezählt werden.
Dazu zählen Pubs/Bars/Clubs, Kinos, Restaurants und
Take-aways, nachts geöffnete Supermärkte, aber auch
Hotels. Insbesondere die Zahl der Restaurants und
Take-aways hat sich seit 2005, der Einführung des neuen
Licencing Acts, fast verdoppelt. 150.000 Menschen besuchen schätzungsweise das Stadtzentrum pro Wochenende und die jährlichen Hotelübernachtungen steigen stetig.
2011 waren es 7,5 Millionen, was £2,2 Millarden generierte. (vgl. Manchester City Council 2014d: 15 f.)
Eine tatsächliche 24-Stunden Lizenz besitzen allerdings
nur 38 dieser Betriebe, davon sind 24 Hotels. Die meisten Bars und Clubs schließen in der Woche noch immer
um 23:00/ 24:00 Uhr und am Wochenende um 02:00 Uhr
(Bars) bzw. 04:00 Uhr (Clubs). (vgl. ebd.) Man sollte den
Ausdruck „24-Hour City“ also nicht allzu wörtlich nehmen.
Gesteuert wird die Night-Time Economy in Manchester durch eine Partnerschaft namens „City Center and
Night-Time Economy Steering Group“. In ihr vertreten
sind neben dem City Council und der Lizenzierungsbehörde auch die Greater Manchester Police, Vertreter des
Stadtmarketings, die „CityCo Business Crime Reduction
Tab. E1.1: Gründe für die Einführung eines 24-Hour City Konzepts. Vergleich der Gründe verschiedener
nordenglischer Städte — Stickland in Heath 1997:197
Tab. E1.2: Initiativen zur Umsetzung des 24-Hour City Konzepts — Heath 1997:199
27
1 CCTV – Closed Circuit Television,
zu deutsch Videoüberwachungsanlage
Partnership“ und das „Pub und Club Network“ (vgl. ebd.:
18). Strategien zur Förderung der Night-Time Economy
sind: Liberalisierung der Lizenzierung, Organisation und
Förderung von Festivals und Straßenevents, CCTV1 zur
Förderung der (gefühlten) Sicherheit und Taximarshalls,
welche für Ordnung an den Taxiständen sorgen, weil zu
Stoßzeiten lange Schlangen entstehen. Das öffentliche
Verkehrsnetz ist nachts schlecht ausgebaut. Zwar erkennt
die Stadt Manchester die Wichtigkeit eines ÖV-Netzes,
jedoch sitzt die Dachorganisation der Transportunternehmen (TfGM) nicht in der „Steering Group“. Während
der Nullerjahre verfügte die Polizei außerdem über eine
spezialisierte Einheit, das City-Safe-Team, welches über
ein eigens eingerichtetes Funknetz mit Türstehern, Taxifahrern, Parkwächtern und anderen nachts Arbeitenden in
Verbindung stand (vgl. Roberts und Eldridge 2009: 165).
2010/ 11 fiel dieses jedoch Sparmaßnahmen zum Opfer
(vgl. Manchester City Council 2014d: 16). Ein eigentliches
planerisches Leitbild zur Förderung der Night-Time Economy gibt es nicht.
Als positive Auswirkung der nun seit bald 20 Jahren
propagierten „24-Hour City“ wird neben steigender Touristen- und Beschäftigtenzahlen auch der Wiederanstieg
der Wohnbevölkerung im Stadtzentrum gewertet. Mit 156
Prozent ist hier die Wohnbevölkerung zwischen 2001 und
2011 etwa acht Mal so schnell gewachsen wie im Rest
der Stadt. Besonders daran ist der hohe Anteil junger
Menschen: 48 Prozent der Einwohner sind zwischen 18
und 24 Jahren alt. (vgl. ebd.)
2 — Kritik an Manchester
als 24-Hour City
2 ATCM – Association of Town and
City Management
3 GDP – Gross Domestic Product, zu
deutsch Bruttoinlandsprodukt
28
Im Sommer 2014 startete die Greater Manchster Police
(GMP) eine Schlammschlacht gegen das 24-Hour City
Konzept, welche bis nach London durch die Presse ging.
Polizeivorstand Ian Hanson behauptete gegenüber dem
Guardian: „I personally would not now go into Manchester
city centre after midnight because it is now too dangerous a place and I do not believe that we can guarantee
individuals‘ safety.“ (Townsend 2014). Als Grund für seine
Beunruhigung gab er „Horden Betrunkener“ an, gegen die
seine Leute „eine verlorene Schlacht“ kämpften (ebd.).
Der tatsächliche Grund für seine Aussage dürfte jedoch
eine Kürzung des Polizei-Budgets um £66 Millionen sein
(vgl. ebd.). In einem anderen Zeitungsbericht in derselben
Woche fordern „Polizei-Bosse“, ein Ende des vor zehn
Jahren eingeführten „24-hour Drinking“, wenn sie nicht
mehr Unterstützung von Seiten der Politik bekämen (vgl.
Scheerhout 2014). Diese neusten Aussagen von Vertretern der Greater Manchester Police stehen in starkem
Kontrast zu den positiven Feststellungen der gleichen
Institution aus den 1990er Jahren, nämlich dass die Kriminalität dank längeren Öffnungszeiten stark zurückging.
Ein daraufhin angefertigter Untersuchungsbericht des
Manchester City Councils bestätigt zwar, dass die Polizeinotrufe nach Mitternacht insbesondere im Zentrum
steigen und dass sich die Zeit der meisten Notrufe in den
letzten zehn Jahren bis in die Morgenstunden verschoben
haben. Tatsächlich haben die Gewaltverbrechen im Stadtzentrum seit 2011/ 12 jedoch um 8,2 Prozent abgenommen (vgl. Manchester City Council 2014d: 17).
Neben den anfänglich positiven Erfahrungen mit den
24-Hour Citys ist heute die Assoziation mit „Binge-Drinking“ und „Anti-Social Behaviour“ weit verbreitet. Das
bedeutet, dass Leute, die Ausgehen als Komasäufer
wahrgenommenen werden, die das Gesundheitssystem
belasten, Lärm machen, Müll hinterlassen und die öffentliche Infrastruktur beschädigen. Nicht nur in den Medien,
sondern auch in der Fachliteratur wird die Night-Time
Economy in dieser Weise vermehrt als problematisch
beschrieben (vgl. van Liempt et al. 2014: 413).
3 — Night-Time Economy
auf nationaler Ebene
Es wird geschätzt, dass die Night-Time Economy etwa
4 Prozent des Britischen GDP3 ausmacht und rund £70
Millionen Einnahmen generiert. Über 1,3 Million Menschen waren in Großbritannien 2010 in Hotels, Pubs,
Bars, Clubs und Restaurants beschäftigt und die Zahlen
steigen stetig. (vgl. Farell 2015) Allein zwischen 1995 und
2001 wurde ein Anstieg der Beschäftigten in diesem Sektor um 19 Prozent beobachtet (vgl. Roberts und Eldridge
2009:58). Seit 2015 hat die britische Night-Time Economy
ihren eigenen Branchenverband, die „Night Time Industries Association“ (Farell 2015).
Ein weiterer Kritikpunkt, der dem Night-Time Economy
Konzept angelastet wird, ist eine kulturelle Verarmung
des Nachtlebens, eine so genannte „McDonaldisation“,
wo große Ketten ganze Stadtgebiete dominieren und eine
Art „clone towns“ erzeugen (vgl. van Liempt et al. 2014:
412; Roberts und Eldridge 2009:45 ff.). Neuste Zahlen
zeigen sogar einen Rückgang der Clubs: 2005 gab es in
der UK noch 3.144 Nachtclubs, 2015 sind es nur noch
1.733 (vgl. Haslam 2015). Neben einem veränderten Ausgehverhalten – weil Clubbing Mainstream und deshalb
langweilig geworden ist – führt der ehemalige Haçienda-Betreiber und Journalist Dave Haslam dies auf das
Abschaffen der Sperrstunde in den Pubs und Bars zurück
(vgl. ebd.), die Gäste ziehen nicht mehr weiter.
Schließlich wird auf die Verdrängung gewisser sozialer
Gruppen hingewiesen. Das Nachtleben sei zugeschnitten
für männliche weiße Mittelschicht-Jugendliche. Wegen
seiner einseitigen Ausrichtung auf den Alkoholkonsum sei
es für ältere Menschen, Frauen, Menschen mit anderem
ethnischen Hintergrund oder alkoholabstinente Moslems
wenig attraktiv (vgl. van Liempt et al. 2014: 412; Roberts
und Eldridge 2009: 206). Verdrängung wird aber auch
zwischen Nutzungen beobachtet, so steht das Nachtleben immer wieder in Konflikt mit dem Wohnen.
Um dem schlechten Image der Night-Time Economy entgegenzuwirken hat die ACTM2, ein Verband zur Förderung der Innenstadtentwickung, das Lable „Purple Flag“
geschaffen. Die Purple Flag wird seit 2009 an Stadtzentren vergeben, deren Nachtleben gewisse nationale Standards erfüllt, was die Sauberkeit und Sicherheit betrifft.
Manchester war als „Pathfinder“ an der Entwicklung der
Purple Flag Standards beteiligt und besaß dieses Lable
in den Anfangsjahren noch (vgl. ATCM o.J.; BBC News
2010). Für das Jahr 2015 wurde es ihr nicht verliehen
(vgl. ATCM 2015b).
29
Trinkspiel in der Ping Pong Bar 2022. Macht
dem Klischee «Binge-Drinking Britain» alle
Ehre (oben)
Neue Jobs dank Night-Time Economy. Die
Türsteher mit ihren reflektierenden Westen
prägen nachts das Stadtbild. (rechts und
unten)
Bei Nacht ist die Versorgung mit öffentlichem
Verkehr besonders schlecht. Taxis sind oft die
einzige Möglichkeit sich fortzubewegen (hier
im Northern Quarter). Zu gewissen Uhrzeiten
bilden sich lange Schlangen an den «Taxi
Ranks» und es kommt zu Schlägereien. Von
der Stadt angestellte «Taxi Marshalls» sollen
für Sicherheit sorgen und so Taxihalter dazu
motivieren, nachts zu arbeiten. (oben und
rechts)
Wie ein Gemälde von Edward Hopper. Musiker am Piccadilly Garden verwandelt die Straße Samstagnacht zu einer filmreifen Kulisse. (unten)
30
Open 24 Hours: Dieses Spiellokal an der
Withworth Street ist in der 24-Hour City
Manchester eine Ausnahme. Nur 38 der
rund 830 Betriebe welche zum Night-Time
Economy Sektor gezählt werden besitzen
eine 24-Stunden Lizenz. (links)
Manchesters Gay Village, Branding für ein
Stadtviertel. Der «Gay Index» ist laut Richard
Florida ein sicheres Maß für die Offenheit und
Vielfältigkeit eines Stadtviertels und deshalb
ein Anzeichen Kreativität. (rechts)
The Printworks, neben dem Arndale Shopingcenter. Eine Art «Mall» zum Ausgehen,
Beispiel für die «McDonaldisation» des
Nachtlebens; Große Ketten sorgen für ein
standardisiertes und vorhersehbares Ausgeherlebnis. (oben)
Alleys, schmale Gasse, quasi die Rückseite
eines Häuserblocks mit Einrichtungen für die
Ver- und Entsorgung. Nachts schlecht beleuchtet, sorgen für eine typische Atmosphäre.
(links)
Die Deansgate Locks, eine in den letzen zehn
Jahren neu entstandene Ausgehmeile. (rechts)
Belebte Straßen dank Schlangen vor den
Clubs. Typische Straßenszene am Samstagnacht im Northern Quarter.
Unten Party oben Wohnen. Die City Center
Ward hat mit 48% 18–24 jährigen einen sehr
hohen Anteil junger Menschen an der Wohnbevölkerung.
Alle Fotos: Kathrin Krell
31
East —
ANCOATS
New Islington
3
Silvia Groeger
Steffen Klotz
Sanierung von Wohnsiedlungen — Leerstand
— Denkmalschutz —
Spinnereien — Grünfläch­
enentwicklung — Vorzeigeprojekt — Stadtmarketing
1 — Einleitung
Das 4.000 ha große Gebiet East Manchesters umfasst
die Viertel Ancoats, New Islington, Miles Platting, Holt
Town, Beswick, Newton Hath, Clayton, Openshaw und
Gorton. Teile dieser industriellen Vororte wurden Ende der
1990er Jahre als eines der physisch wie sozial heruntergekommensten Gebiete Englands identifiziert. Unter
dem Label New East Manchester wird die Gegend nun
neu entwickelt und macht den Schwerpunkt der Stadterneuerung Manchesters aus. Kern dieser Entwicklung
ist die Sanierung der historischen Struktur Ancoats und
das benachbarte, kahlschlagsanierte New Islington (vgl.
Jessen und Walther 2008: 162). Diese beiden Gebiete
schließen nordöstlich an das City Centre an und haben
bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhundert eine gemeinsame Entwicklung durchlaufen. Im Zuge sehr gegensätzlicher Erneuerungs- und Entwicklungsstrategien geben sie
heute jedoch ein Bild ab, das unterschiedlicher nicht sein
könnte.
New East Manchester Company
Da das Gebiet East Manchester so groß ist, umfasst es
mehrere sehr heterogene Teilprojekte zur Stadterneuerung. 1999 gründete sich die New East Manchester
Company (NEMC) als externe Organisation, die für die
Koordination dieser Projekte verantwortlich ist. Im Auftrag
und unter der Kontrolle des Manchester City Councils
bündelt dieser Akteur die baulich-räumlichen, sozialen,
und wirtschaftlichen Maßnahmen des Stadtumbaus. Sie
wird über English Partnerships, die zentralstaatliche
Agentur für Stadtumbau mit zusätzlichen Fördermitteln
ausgestattet. Die NEMC setzt sich wiederum aus der
Northwest Regional Development Agency (NWDA)
und den „Communities“ zusammen. (vgl. Manchester City
Council 2015d)
Oberste Priorität hatte 1999 die Entwicklung des New
East Manchester Strategic Regeneration Framework. Diese städtebauliche Leitlinie wurde auf der Grundlage eingehender Beratung mit Anwohnern und Interessengruppen entwickelt und bietet eine strategische Plattform. Ein
jährlicher Durchführungsplan umreißt die Einzelheiten der
Programme und Ziele (vgl. ebd.). Konkrete Projekte sind
zum Beispiel die Einführung des technologieorientierten
Gewerbeparks (Central Parc) mit eigenem Stadtbahnanschluss, Strategien zur behutsamen Quartierserneuerung
mit enger Bewohnerkooperation und die Koordinierung
von Programmen für arbeitslose Jugendliche (vgl. Jessen
und Walther 2008: 161 f.). Die Erneuerung von Ancoats
und New Islington als weitere Schwerpunkte werden in
den Punkten 2 und 3 genauer beleuchtet.
Jüngste Stadterneuerungsprojekte
32
Die aktuellen Entwicklungen in den Planungen für East
Manchester sind im Kontext der gescheiterten Bewerbung Manchesters für die Olympischen Spiele 2000 und
die Teilrealisierung der Planungen für die Commonwealth
Games zu sehen. Ein Erbe dieser Projekte ist das heutige
Etihad Stadion im Stadtteil Bradford, der Sitz des Vereins
Manchester City (vgl. Jupp 2014c). 2014 schlossen das
Manchester City Council und die Abu Dhabi United Group
for Development and Investment (ADUG) eine gemeinsame Absichtserklärung über die Entwicklung von 6.000
neuen Wohnungen in East Manchester in den nächsten
zehn Jahren. Dazu wurde ein gemeinsames Unternehmen, Manchester Life, gegründet. Die ADUG ist ein Private-Equity-Unternehmen des Scheichs der Vereinigten
Arabischen Emirate, das sich 2008 zur Übernahme des
Fußballvereins Manchester City formte. (vgl. Jupp 2014a)
Das Vorhaben ist in das übergeordnete Ziel der Stadt
eingebettet, bis 2027 10.000 neue Wohnungen zu schaffen. Die Investitionssumme der ADUG beträgt 1 Milliarde
Pfund und soll im Verlauf der folgenden zehn Jahre eine
weitere Milliarde Pfund zusätzlicher Investitionen anderer Akteure nach sich ziehen (vgl. Cross 2014). ADUG
entwickelte in den ersten Jahren nach der Übernahme
von Manchester City den Etihad Sports Campus und die
Football Academy mit einem erweiterten Sportangebot.
Das Projekt befindet sich noch immer in Umsetzung (vgl.
Jupp 2014a). Über die bereits umgesetzte Verkehrsinfrastruktur (insbesondere eines neuen Metrolinks zwischen
Innenstadt, New Islington und Etihad Campus) und die
neuen sozialen und öffentlichen Einrichtungen und Räume in Ancoats und New Islington, beginnen die Investitionsaktivitäten der ADUG in oben genannten Quartieren.
Sie forcieren schließlich eine Weiterentwicklung des
gesamten Areals bis hin zum Etihad Campus (vgl. Cross
2014). Wohnraum soll vor allem für ‚Young Professionals‘
zwischen 25 und 39 Jahren geschaffen werden, um Folgeinvestitionen in East Manchester anzuregen (vgl. Jupp
2014c).
Historische Entwicklung
Ancoats entstand im frühen 18. Jahrhundert und gilt als
der erste industrielle Vorort der Welt. Zu den mills – Fabrikgebäude, die ihre industrielle Fortschrittlichkeit durch
die Kombination von neuester Spinnereitechnik mit
Dampfmaschinen erlangten – entstanden Wohneinheiten
und später öffentliche Funktionen, wie Kirchen, Pubs und
Schulen, sowie an die Textilindustrie gekoppelte Unternehmen, wie Bekleidungsfabriken. Das Viertel entwickelte
sich von Südwesten entlang, der für den Transport der
Rohstoffe und Endprodukte angelegten Kanäle. Die
typische kleinteilige, orthogonale Parzellierung war ein
Ausdruck der Boden- und Gebäudespekulationen, die die
Back-to-Back Reihenhäuser hervorbrachte (vgl. ABPT
2007). Die Great Ancoats Street, die das Gebiet im Süden
33
begrenzt, wurde von Friedrich Engels exemplarisch als
Arbeiterstraße beschrieben. In Die Lage der arbeitenden
Klasse in England (1845) beklagte er die „überwiegende
Zahl der ruinösen Häuser“ (Blakeley 2012) der Arbeiter.
„Cottonopolis“, als das Manchester bekannt wurde, war
die „shock city“ der industriellen Revolution (vgl. ebd.).
Noch Anfang des 20. Jahrhunderts lebten in Ancoats
13.000 Menschen unter beengtesten Verhältnissen (vgl.
Jessen und Walther 2008: 162).
Bis in das 19. Jahrhundert dominierte die Textilindustrie.
Aus dieser Zeit stammen die meisten der großen Ziegelbauten. Im 20. Jahrhundert siedelte sich die Zeitungsindustrie an, wie das denkmalgeschützte Glasgebäude des
Daily Express heute noch bezeugt. In den 1950er Jahren
fiel das Quartier der wirtschaftlichen Krise zum Opfer und
verfiel dramatisch. Die meisten der back-to-back Arbeiterhäuser wurden in den 1960er Jahren – im Zuge der
Massenumsiedlungen in den Norden und Osten der Stadt
– abgerissen. Bis 1980 wurden alle Betriebe geschlossen
(vgl. Jessen und Walther 2008: 162) und die gesamte
Gegend zählte mit ihrer hoher Kriminalitäts- und Arbeitslosenrate zu den am stärksten vernachlässigten Orten
Großbritanniens. (vgl. Manchester City Council 2014a)
Im Gegensatz dazu wurde das sogenannte Cardroom
Estate östlich des Kanals in den 1970er Jahren kahlschlagsaniert und mit einer aufgelockerten, zweigeschossigen Reihenhausbebauung (Council Housing) versehen. Sie war bereits in den 1990er Jahren von massivem
Verfall geprägt und markierte den Stadtteil als sozialen
Brennpunkt. Instandsetzungen durch die öffentliche Hand
oder privatwirtschaftliche Akteure blieben aus und führten
zu verstärkter Abwanderung (vgl. Jessen und Walther
2008: 162) und damit bis Ende der 1990er Jahre zu über
50 Prozent Wohnungsleerstand (vgl. SUNN 2011: 2).
Eine Untersuchung zu Beginn der Gebietssanierung im
Jahr 2001 ergab, dass zwei Drittel der Bewohner ohne
berufliche Qualifikation und weniger als 40 Prozent ‚ökonomisch aktiv‘ waren (vgl. Beckett 2007).
Heute umfasst der Begriff Ancoats nur etwa die Hälfte des
historischen Ancoats, das Gebiet nordwestlich des Kanals, in dem die historische Bausubstanz nicht vollständig
verschwunden ist. Das Cardroom Estate südöstlich des
Kanals wird seit der Jahrtausendwende unter dem Begriff
New Islington geführt.
2 — Ancoats
Ancoats Urban Village and Public Realm Scheme
34
Abb. 3.1: The Express Building (schwarz im Hintergrund)
— Josiane Meier
Mit der Schließung des Express Buildings 1989 gelangte
das geringe Investment und die hohe Arbeitslosenrate
in den Fokus der Öffentlichkeit und das Interesse an
dem Erhalt des Viertels wurde eingeleitet. In dieser Zeit
wurden 13 Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, davon
sieben Grade II gelistet. Als erste Etappe der aktiven
Stadterneuerung gilt die Gründung des gemeinnützi-
Abb. 3.2: St. Peter‘s Square als Teil der Public Realm Strategy — Kathrin Krell
gen, non-profit Unternehmens Ancoats Urban Village
Company (AUVC) im Jahr 1996. Partner wurde der
Ancoats Building Preservation Trust, der über die wichtigsten Industriedenkmale der Stadt verfügte. Ziel war
die Wiederbelebung und Umgestaltung des Quartiers zu
einem attraktiven Wohn- und Arbeitsort, mit Mischnutzung, belebter Erdgeschosszone und hoher Dichte. Dabei
sollten das noch erhaltene bauliche, wie städtebauliche
kulturelle Erbe bewahrt bleiben – die wuchtigen mills und
das orthogonale Straßenraster (vgl. Jessen und Walther
2008: 162).
Um Investoren zu überzeugen ging die AUVC mit der
Aufwertung des öffentlichen Raumes in Vorleistung. Die
Public Realm Strategy beinhaltete sowohl eine Denkmalbewertung als auch einen Vorschlag zur Verbesserung
des dysfunktionalen, über-komplexen Einbahnstraßensystems, ohne dabei den historischen Charakter des
Quartiers zu verändern. Die Gestaltung der Straßen, des
zentralen Platzes und der Freiräume am Kanal wurde
vom Landschaftsarchitekturbüro Camlins ausgeführt.
Zwölf von insgesamt 65 Millionen Pfund öffentlicher
Gelder wurden in den öffentlichen Raum investiert, der
tatsächlich die Attraktivität des Quartiers für Investoren
erhöhte. Zusätzlich stellten sogenannte „oven ready sites“
(SUNN 2011: 6) die Basisinfrastrukturen zur Verfügung:
übergabefertige Rohbauten und klare Planungsvorgaben.
Bis 2011 wurden 330 Millionen Pfund privat, also fünfmal
so viel wie öffentlich, investiert. (vgl. ebd.)
Heute sind die meisten der denkmalgeschützten mills
renoviert und zu Wohn- und Geschäftshäusern konvertiert worden. Es entstanden 1.800 neue Wohneinheiten,
60.000 m2 Geschäftsfläche und 1.900 neue Arbeitsplätze
(vgl. ebd.). Neben den Konversionsprojekten befinden
sich auch einige Neubauvorhaben in Ancoats, wie der
Sarah Point, der durch seine häufigen Baustopps und
Bauträger-Wechsel im Zuge der Finanzkrise bekannt geworden ist (vgl. Webartikel in Manchester Evening News,
North West Place, Homes and Communities Agency).
Außerdem findet sich auch eines der ältesten Sozialwohnungsbauprojekte des Landes in Ancoats. Das Grade II
gelistete Gebäude Victoria Square wurde 1839 vom City
Council errichtet und beherbergt heute von der gemeinnützigen Organisation Northwards Housing betriebenes,
altersgerechtes Wohnen. (vgl. Municipal Dreams in
Housing 2014)
Ancoats Building Preservation Trust
Die Stiftung Ancoats Building Preservation Trust (ABPT)
wurde 1995 mit dem Ziel gegründet, historische Gebäude in Ancoats zu regenerieren, deren Sanierungskosten
unökonomisch für den privaten Sektor wären. Diese
Art von Stiftungen leisten in ganz Großbritannien den
Großteil der Arbeit zur Erhaltung denkmalgeschützter
Gebäude. Sie können im Gegensatz zum öffentlichen
Sektor Gelder vom Heritage Lottery Fund beantragen.
Der ABPT operiert als Projektentwickler und beantrag-
35
te insgesamt 14 Millionen Pfund vom English Heritage
Fund, sowie der EU und der NWDA, die auch als Schutzpatronin der Projekte fungierte (siehe S. 33). Heute ist der
ABPT Teil der nationalen Stiftung Heritage Works, die mit
lokalen Preservation Trusts kooperiert. Die sanierten Gebäude befinden sich in der Hand der Stiftung (vgl. ABPT:
2007; Glester: 2015).
Das erste Projekt, das von ABPT ausgeführt wurde, ist
die Sanierung der St. Peter‘s Church, die sich heute am
zentralen Platz befindet und als Landmark und Symbol
für die Erneuerung Ancoats steht. Zunächst wurden erste
Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt, um dann
Fördergelder von zwei Millionen Pfund für die vollständige
Sanierung zu beantragen. Sie wird heute zeitweise als
Veranstaltungsort genutzt. Die Sanierung der Murrays‘
Mills ist das zweite und letzte Projekt der Stiftung. 1798
errichtet, ist das Gebäude heute die weltweit älteste noch
bestehende dampfbetriebene urbane Baumwollspinnerei
und steht auf der britischen Tentativliste. Auf Grund ihrer
Größe, die es erlaubte 1.300 Arbeiter zu beschäftigen,
war sie schon im 18. Jahrhundert ein touristischer Anziehungspunkt (vgl. ebd).
Da der ABPT aus fünf ehrenamtlichen Mitarbeitern
bestand, die ihre persönlichen Interessen und Kontakte einbrachten, wurde parallel zu den Bauarbeiten das
Bildungsprojekt Skills, Schools and Stories zur Integration
der Bevölkerung durchgeführt. Es wurden Führungen
durch das Gebäude und Informationsstunden in Schulklassen abgehalten. Die Restaurierung beinhaltete auch
36 Abb. 3.3: Murray‘s Mills — Kathrin Krell
die Gestaltung von flexiblen Innenräumen für einen nachträglich zu findenden Entwickler, der eine breite Wohn-,
Kommerz- und Kulturnutzung etablieren sollte. 2004
wurde dafür von der AUVC und der NWDA ein Wettbewerb ausgeschrieben. Der Gewinner Inpartnership Burrel
Company wollte 130 Wohnungen, ein Hotel und verschiedene alternative Wohn-Arbeit-Typologien etablieren, trat
dann aber zurück. Ein anderer Entwickler wurde nicht gefunden, sodass der große Gebäudekomplex mit seinem
Kanalbecken im Innenhof heute leer steht. (vgl. ebd.)
3 —New Islington
Millennium Communities Programme
Mit der Jahrtausendwende wurde das zehn Hektar große
Cardroom Estate als eins von sieben, von der englischen
Regierung initiierten Millennium Communities Programme Projekten, in New Islington transformiert. Ziel
des Millennium Programms ist es, Pilotprojekte mit Modellcharakter zu entwickeln, die sich einem strengen Kriterienkatalog nachhaltiger Grundprinzipien unterwerfen.
Sie werden diesbezüglich von der nationalen Regierung,
vertreten durch English Partnerships, kontrolliert und
finanziell unterstützt. New Islington markiert in dem Kontext das erste Wohnungsneubauprojekt Manchesters, das
wieder auf soziale Mischung abzielt und innerstädtischen
Wohnraum auch für Familien schafft. Auch die Berücksichtigung ökologischer Belange in der Quartiersentwick-
lung taucht hier das erste Mal wieder auf. Urban Splash
als Projektentwicklungsagentur wurde in New Islington ab
2001 zum ersten Mal treuhänderisch für die Regierung
tätig und agiert seitdem als landesweites Projektentwicklungs- und Betreiberunternehmen. (vgl. ebd.)
Die Investitionssumme aus öffentlicher Hand (EU, Heritage Lottery Fund, Millennium Programme) für die bereits
fertiggestellten und im Bau befindlichen Projekte im
öffentlichen Raum sowie für Kultur- und soziale Einrichtungen beträgt 40 Millionen Pfund. Sie soll Privatinvestitionen in Höhe von 300 Millionen Pfund stimulieren (vgl.
Jessen und Walther 2008: 162 ff.). Der Plan sah vor, bis
2010 1.400 neue Wohnungen zu schaffen unter besonderem Fokus auf nachhaltigen Städtebau in ökologischer
und sozialer sowie funktionaler und gestalterischer Hinsicht (vgl. Jessen und Walther 2008: 162).
Imagetransformation
Das Quartier sollte mit dem neuen Konzept von seinem
schlechten Image befreit und als Ort mit eigener Identität
neben Ancoats entwickelt werden (vgl. Beckett 2007).
Grundprinzip für New Islingtons Neuentwicklung waren
eine Requalifizierung des öffentlichen Raums als Kernpunkt für die Imagetransformation und soziale Stabilisierung. In jahrelangen Konsultationen wurden Konzepte
zur Integration der ortsansässigen, ‚sozial benachteiligten
Communities‘ und neuen, wohlhabenderen Bewohnern
erarbeitet (vgl. ebd.). Ergebnisse dieser Bürgerbeteiligung
waren unter anderem eine Änderung des Konzepts von
ausschließlich mehrgeschossigem Wohnungsbau hin zu
einem typologischen Mix mit diversen Reihenhaustypologien (vgl. ebd.).
Auch der Name New Islington ist ein Ergebnis des Beteiligungsprozess. Während die Entwicklungsgesellschaft
Urban Splash vor allem mit international anmutenden
Brandings aufwartete, entschied sich die damalige Bewohnerschaft für New Islington. Der Name wird auf einen
historischen Straßenname und die Bezeichnung eines
öffentlichen Schwimmbades sowie weitere ehemalige
Einrichtungen vor Ort zurückgeführt. (vgl. ebd.)
2003 begann die Umsetzung des New Islington Masterplans von Architekt Will Alsop mit der Sanierung der
Kanalufer, dem Anlegen des zentralen Parks Cotton
Fields und damit einhergehend die großflächige Dekontaminierung des Bodens, was einen Großteil des öffentlichen Budgets aufbrauchte (vgl. SUNN 2011: 3). Öffentlicher Raum und soziale Infrastruktur setzten die Basis
für die noch zu erwartende Entwicklung der insgesamt
1.400 Wohneinheiten. Starke Durchmischung sollte über
Eigentumswohnungen, frei finanzierte Mietwohnungen
mit Fokus ‚Junge Familie‘ und geförderten Wohnungsbau,
der sich insbesondere an die zuvor ansässigen Anwohner richtet, erreicht werden. Weniger als 10 Prozent der
Wohnbebauung sind als geförderter Wohnungsbau im
Osten des Gebiets vorgesehen. Die neu entwickelten,
öffentlichen Freiräume und Einrichtungen werden sich
am westlichen Ende des Gebiets befinden (vgl. Beckett
2007).
Abb. 3.4: Cotton Field Park mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen New Islingtons — Kathrin Krell
37
Abb. 3.5: The Chips und die Einhausung des Ancoats Dispensary Trust — Josiane Meier
Nachdem der Abschluss des Projektes ursprünglich für
2010 geplant war, verzögert sich die Fertigstellung des
Projekts noch weiter ins Ungewisse. Grund dafür ist
unter anderem die Wirtschaftskrise von 2008. Erst mit
der Fertigstellung von The Guts (siehe folgende Seite) im
Jahr 2012 konnte die Stadt ihr Versprechen aus dem Jahr
2000 einlösen, wonach alle ehemaligen Bewohner in das
Gebiet zurückkehren können. (vgl. Wainwright 2012)
Umsetzung des Masterplans New Islington
38
Das neue Image New Islingtons hat 2009 mit dem
Gebäude Chips eine öffentlich wirksame Markierung im
Stadtraum bekommen. Das Projekt des Architekten Will
Alsop ist ein neun-geschossiger Solitärbau mit einer
Mischnutzung aus Wohnen, Kultur, Gastronomie, Gemeinschaftsräumen, Gewerbe und sozialer Infrastruktur.
Das Gebäude besteht aus drei bunten, lose übereinander
gestapelten Riegeln, die in Form und Arrangement von
Chips (Pommes Frites) inspiriert sind (vgl. aLL Design
2015). Die 142 Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen als
Miet- und Kaufobjekte sind mittlerweile alle bewohnt (vgl.
Bayley 2009). Nach drei Jahren Bautätigkeit und einem
Jahr vorausgegangener Planung betragen die Baukosten
für Chips 20 Millionen Pfund bei einer Bruttogeschossfläche von 16.200 m² (vgl. Moore 2009). Über gastronomische Angebote und offene Werkstätten vor allem im
Erdgeschoss, versucht das Gebäude sich deutlich mit
der Nachbarschaft zu verbinden (vgl. ebd.). Nach sechs
Jahren des Bestehens bleibt das Eintreten dieses Effekts
noch immer abzuwarten, da Chips ohne Nachbarschaft
an einer fertig gestalteten „kind of high street“ (ebd.)
steht.
Das zweite prominente Gebäude New Islingtons ist der
Islington Square im Osten des Sanierungsgebiets. Der
Gebäudekomplex besteht aus 23 Einzelhäusern für
soziales Wohnen. Nach außen versucht der introvertierte
Bau ähnlich wie das Chips-Building über eine expressive
Fassade das neue Image der Gegend zu betonen. Der
Bau wurde von FAT Architekten realisiert und war mit seiner Fertigstellung 2006 das erste bewohnbare Gebäude
des neuen New Islington Masterplans (vgl. Sudjic 2006).
Nach anfänglichen Lobeshymnen (vgl. ebd.) auf die gute
Struktur und mutige Form wurde er in den Medien aufgrund der minderwertigen Bauausführung stark kritisiert
(vgl. Burdett 2015). Anfang 2015 wurden zahlreiche Mängel von undichten Dächern, über nicht mehr begehbare
Balkone bis hin zu nicht richtig schließenden und verrottenden Türen und Fenstern aufgedeckt. Das ausführende Bauunternehmen hatte zu diesem Zeitpunkt bereits
Konkurs angemeldet und die Haftung für die Baumängel
ist ungewiss (vgl. ebd.).
Islington Square und das Chips-Building waren lange
Zeit die einzigen realisierten Bauten im Randgebiet des
neuen New Islington, getrennt durch einen neu gestalteten Park und viele abgezäunte Entwicklungsflächen.
Eine Situation, die noch immer kaum verändert ist. Neue
Bauprojekte in der Umgebung des Islington Squares
können allerdings als Indikator für eine Wiederaufnahme
des Projekts gewertet werden. Erstes Anzeichen war
The Guts, eine Reihenhausbebauung mit insgesamt 18
Einheiten für soziales Wohnen aus dem Jahr 2012 von
Mæ Architekten. Besonders die architektonische Qualität
sowie die Einlösung des Versprechens von Wohnraum für
die ehemalige Bewohnerschaft fanden positive Resonanz
(vgl. Wainwright 2012). Der Guardian sieht in den neuen
Reihenhäusern eine Neuinterpretation der ursprünglich
vorgefundenen Back-to-Back-Typologie (vgl. ebd.).
Kürzungen in der Umsetzung des Masterplans haben
dazu geführt, dass die Vorgärten nun nicht an einen
neuen Kanal und Shared Space, sondern an reguläre
Erschließungsstraßen grenzen (vgl. Wainwright 2012).
Entwickler Great Places kann mit The Guts Wohnraum für
1000 Pfund/m² zur Verfügung stellen. Alle Häuser werden
in einer nicht ganz unumstrittenen 50 Prozent Miteigentümerschaft (vgl. Peaker 2013) angeboten (vgl. Woodman
2012).
Die konsequente Imagetransformation New Islingtons
sieht eine komplette Neubebauung des Areals vor. Einziges Relikt der Vergangenheit ist das Anchoats Dispensary, ein altes Krankenhausgebäude aus dem Jahr 1874.
Das Gebäude ist Grade II denkmalgeschützt, war aber
bis März 2015 zum Abriss freigegeben, um eine konsequente Umsetzung des Masterplans zu ermöglichen. Seit
dem Bekanntwerden der Abrisspläne in 2011 hat sich die
Bürgerinitiative Ancoats Dispensary Trust gegründet, um
für den Erhalt des historisch und identifikatorisch wertvollen Gebäudes zu kämpfen (vgl. Ancoats Dispensary Trust
2015). Über eine Crowdfunding-Kampagne gelang es
dem Trust 55.000 Pfund zu sammeln, die unbedingt notwendig waren um weitere 770.000 Pfund vom Heritage
Lottery Fund freizusetzen. Damit ist seit März 2015 das
Bestehen des Gebäudes gesichert, aber die Zukunft noch
nicht abschließend geklärt. Pläne des Trusts sehen vor,
ein Communitiy Center mit Fokus auf Bildung und Kultur
einzurichten. Die Kosten dafür werden auf drei bis vier
Millionen Pfund geschätzt und sollen zumindest teilweise über Spenden zusammenkommen (vgl. Glendinning
2015).
Abb. 3.6: The Guts — Kathrin Krell
Abb. 3.7: Zentraler Boulevard New Islingtons — Josiane Meier
Nach dem Stillstand der Entwicklungen in New Islington
steht nun mit der eingangs erwähnten ADUG und der
Gründung von Manchester Life ein Großinvestor für weitere 830 Wohnungen für Ancoats Urban Village und New
Islington. Darüber sollen die begonnen Projekte wieder
aufgenommen und die Entwicklung insbesondere von
New Islington vorangetrieben werden (vgl. Cross 2014).
39
West —
Salford
Greengate
Salford Quays
Philipp Gärtner
Marian Knapschinsky
Lukas Mohn
4
Immobilienentwicklung
— Architektur: Lagerräume, Altbau & Neubau — Geschäfts­straße
— Wegbeziehungen —
Immobilienentwicklung
— Kulturzentrum —Hafenentwicklung — Architektur:
Neubau, Media City
1 — Einleitung
Salford (the city of Salford) ist seit 1926 eine selbstständige Stadt mit eigener Regierung (Salford City Council), die
gleichzeitig Teil der Metropolregion Greater Manchester
ist. Darüber hinaus ist sie die größte Siedlung in dem
nach ihr benannten Metropolitan Borough City of Salford,
dem noch weitere Bezirke wie z.B. Eccles, Irlam, Pendleton und Worsley angehören (SCC 2014b). Salford grenzt
im Westen direkt an die Innenstadt Manchesters an, ist
etwa 21 km² groß und hat ca. 73.000 Einwohner.
Vom Dorf und mittelalterlichen Handelsstandort am Ufer
des Flusses Irwell wuchs Salford während der Anfänge
der Industrialisierung stetig an. Am Ende des 18. Jahrhunderts waren viele der bald schon 7.000 Einwohner
vor allem im Textilsektor tätig. Stoffe und Seide wurden
verarbeitet; Färben, Walken und Bleichen galten als die
Hauptaktivitäten in den Fabriken und Manufakturen. Die
Entwicklung zu einer der wichtigsten „Baumwollstädte” Englands sowie der Bau der Salford Docks im 19.
Jahrhundert sicherten der Stadt lange Zeit den Wohlstand (SCC 2013b). Weitere Bereiche, in denen Salford
Schwerpunkte setzte, waren das Brauereiwesen, sowie
Bildung und Forschung: Ende des 19. Jahrhunderts
wurde das Royal Technical College eröffnet und Pionierleistungen auf dem Feld der Radiographie geleistet (SCC
2014c).
Neben dem Fortschritt waren aber auch die negativen
Effekte der industriellen Revolution in Salford zu spüren.
Der Bau massenhafter Fabriken für die Textilproduktion
brachte viele negative Effekte für die Stadt und deren
Einwohner mit sich. Wie auch in Manchester gab es hier
unzählige und große Areale geprägt von Wohnnutzung
mit schlechter Qualität. Die Lebensbedingungen in den
Häusern des viktorianischen Zeitalters waren aufgrund
von Enge, Dreck, zu wenig Licht und Luft und Nahrungsmittelengpässen unzumutbar und gesundheitlich schädlich (SCC 2014c).
Mit der sinkenden Bedeutung der zuvor beschriebenen
Industriezweige ab den 1960er Jahren, die gleichzeitig
den Beginn der Deindustrialisierung in England einläuteten (Wood et al. 2010: 122), verbesserte sich Salfords
Situation nicht. Wirtschaftlicher Niedergang und Arbeitslosigkeit auf der einen und der damit verbundene Verfall
der Gebäudesubstanz auf der anderen Seite führten zur
Abwertung der Stadt.
40
Das Geschehen in der Zeit nach der Deindustrialisierung
ist kaum öffentlich dokumentiert. Fakt ist, dass Salford
eine gewisse Zeit benötigte, um gewisse Umstrukturierungsmaßnahmen und eine Neuausrichtung der Stadtentwicklungspolitik anzugehen. Dies geht daraus hervor,
dass die meisten größeren Pläne und Projekte zur Stadterneuerung erst im neuen Jahrtausend aufgestellt bzw.
umgesetzt wurden (z.B. Karte mit „Regneration Schemes
in Salford, SCC 2011; Exchange Greengate Development
Framework von 2005, SCC 2014: 6; Start der Entwicklung
der Chapel Street 2007 und die Eröffnung der MediaCity
UK mit dem neuesten Standort der BBC im Jahr 2011,
SCC 2014).
In den folgenden Kapiteln werden drei Gebiete Salfords
hinsichtlich ihrer Entwicklung sowie aktueller und künftiger Projekte untersucht und vorgestellt. Alle drei Stadtteile
unterscheiden sich im Stand der Entwicklungen voneinander und stellen somit eine interessante und weitgefächerte Übersicht zur Stadterneuerung in Salford dar.
2 — Salford Central
In mitten von Salford befindet sich das Entwicklungsgebiet Salford Central, das 18 Hektar umfasst. Herzstück
des Masterplan ist die Chapel Street Area, benannt
nach der Hauptverkehrsader, die Salford mit Manchester
verbindet. Nachdem erste Bemühungen 2004 das Gebiet
aufgrund unzureichender Investitionen (critical mass of
development) wieder zu beleben fehlschlugen, lies der
Stadtrat (City Council) einen umfassenden Masterplan
für das Gebiet erarbeiten, der derzeit implementiert wird
und voraussichtlich 2018 abgeschlossen sein soll (Muse
Developments 2015). Anhand der Chapel Street Area, die
im Rahmen der Exkursion besichtigt wurde, sollen nachfolgend Strategien und Planungsansätze des Masterplans
Salford Central erläutert werden.
Durch den wirtschaftlichen Niedergang in Folge der Deindustrialisierung hatte Salford mit einem starken Bevölkerungsrückgang zu kämpfen. Zudem war die Stadt Salford
von Armut und Arbeitslosigkeit stark betroffen, infolge
derer das Zentrum Salfords zunehmend an Attraktivität
einbüßte. Salford ist durch viele un- bzw. untergenutzte
Flächen gekennzeichnet (SCC 2009:7). Insbesondere Brachen, die als Parkplätze genutzt werden stellen
ein erhebliches Problem dar. Durch die Nähe zu dem
Bürostandort in Spinningfields nutzen vor allem Pendler die Parkplätze in Salford. Da die Einkünfte aus den
Parkgebühren derart lukrativ sind haben die Eigentümer
oftmals kein Interesse die Grundstücke zu entwickeln,
was zu einer städtebaulich unbefriedigenden Situation
führte. Dadurch ergab sich das Handlungserfordernis das
Zentrum Salford zu erneuern. Anstatt punktuell einzelne
Maßnahmen durchzuführen, sollte ein Masterplan, der
das gesamte Zentrum umfasst, eine langfristige Entwicklung gewährleisten (Fielden 2015).
41
Da der Council mangels ausreichendem Budget dies
nicht alleine bewältigen konnte, wurde von Anfang an
eine Zusammenarbeit mit privaten Investoren angestrebt.
Hierfür wurde eigens die Salford Central Urban Regeneration Company gegründet. Gemäß den Vorgaben der
nationalen Stadtpolitik ist die Gründung einer Gesellschaft
Voraussetzung für die Bewilligung von Fördermitteln. Zu
den Aufgaben von Regeneration Companies gehören die
Planung, Vorbereitung, Finanzierung sowie die Durchführung des Vorhabens. Nach Beendigung des Stadtumbaus
wird die Gesellschaft wieder aufgelöst. (Jessen 2008:155)
Bereits 2006 unterzeichnete die Stadt Salford einen
Vertrag mit dem English Cities Fund (ECF). ECF ist eine
staatliche Institution, die mit dem Ziel private Investitionen
im Rahmen von Stadternerungsmaßnahmen den Weg
zu bereiten, gegründet wurde. Das Investitionsvolumen
betrug 100 Mio. Pfund.
Zu den Besonderheiten der Vereinbarung mit den Investoren gehört, dass ab einem festgelegten Wert der Gewinn aus den privaten Investitionen auf ein Treuhandkonto eingezahlt werden. Aus diesem Topf werden wiederum
weitere Investitionen getätigt, insbesondere dort, wo die
Entwicklung hinterherhinkt. Diese Methode wurde erstmals im Zuge der Entwicklung der Olympischen Spiele in
London erprobt und soll nun auch in Salford angewendet
werden mit dem Ziel weniger attraktive Standorte mit
den Gewinnen aus lukrativen Standorten zu entwickeln.
(Fielden 2015)
Public private partnerships (PPP) spielen bei der
Finanzierung des Stadtumbaus von Salford Central eine
überaus wichtige Rolle, da der überwiegende Teil des
Investitionen von privaten Investoren getragen wird.
Insgesamt läuft sich das Investitionsvolumen von Central
Salford auf 650 Mio. Pfund, dem lediglich 12 Mio. Pfund
an öffentlichen Geldern gegenüberstehen. Nach eigenen
Angaben des Salford City Council beträgt das Verhältnis
von privaten und öffentlichen Investitionen 150:1. Bemerkenswert ist, dass sich auch bei Infrastrukturmaßnahmen
Investoren beteiligen. So wurde etwa bei der Finanzierung einer Straßenbaumaßnahme im Rahmen des Projektes New Bailey von privater Hand knapp die Hälfte der
Kosten übernommen. (Fielden 2015)
42
Ein weiteres wichtiges Instrument was bei der Implementierung des Masterplans zum Tragen kommt ist die compulsory purchase order (CPO). Dadurch kann die Stadt
Salford als federführende Akteurin die Entwicklung steuern, indem Privateigentümer von Grundstücken verpflichtet werden ihr Grundstück zu einem marktgängigen Preis
an die Stadt zu veräußern, sofern sie sich nicht selbst
dazu bereiterklären die Entwicklung des Grundstücks
gemäß des Masterplans selbst durchzuführen. Dies ist
vor allem bei den Flächen, die momentan als Parkplätze
genutzt werden ein effektives Mittel, um zu verhindern,
dass der Status Quo erhalten bleibt. Mit der CPO ist die
Stadt dazu in der Lage, eine zügige Entwicklung voranzutreiben. Der Grunderwerb im Rahmen der CPO ist jedoch
zeitlich begrenzt. Nach drei Jahren läuft die CPO aus.
Herzstück des Masterplans ist die Aufwertung der Chapel
Street, die im Jahr 2012 erneuert wurde. Die Fertigstellung der Chapel Street war gleichzeitig die Initialzündung
für die weitere Entwicklung des Gebiets. Ziel war es,
insbesondere die Straße für den Fußgänger- und Fahrradverkehr attraktiver zu machen. Da die Chapel Street
für Fußgänger bisher eine schier unüberwindbare Barriere darstellte, sollen Fußgängerüberwege eine bessere
Querung ermöglichen. Daneben wurde eine Busspur realisiert, um den ÖPNV zu stärken. Gleichzeitig wurde die
Straße von sechs Spuren auf zwei Spuren zurückgebaut
und verkehrsberuhigt. Zu dem integrierten Verkehrskonzept gehört neben der Verbesserung des Straßenverkehrs die Aufwertung des Bahnhofs, der von überregionaler Bedeutung ist. Neue Bahnsteige und eine Ausweitung
des Nahverkehrsangebotes sollen die Leistungsfähigkeit
des Bahnhofs erhöhen und somit insbesondere die Anbindung an Manchester verbessern. (Fielden 2015)
Trotz oder eben gerade wegen der Nähe zu Manchester
versucht Salford die Kreativwirtschaft anzulocken. Unter
anderem sieht der Masterplan vor, den Standort Islington
Mills zu stärken, um so zu einem Zentrum für die Kreativindustrie zu werden (SCC 2009:33). Da der Ort bereits
von Künstlern als Arbeitsraum genutzt wird, bieten sich
hier Anknüpfungspunkte. Ziel ist es, dass nicht nur mehr
Kreative nach Salford ziehen, sondern dass durch kulturelle Veranstaltungen und Aktivitäten Salford insgesamt
an Attraktivität gewinnt.
Bei der Erstellung des Masterplans wurde Wert darauf
gelegt die lokale Bevölkerung zu informieren und zu
konsultieren. 350 öffentliche Sitzungen (public consultations) wurden durchgeführt um einerseits das Verfahren
transparent zu gestalten und andererseits die Anwohner
für die Umsetzung des Masterplans zu gewinnen. Inwieweit die Bürger tatsächlichen Gestaltungsspielraum beim
Planungsverfahren hatten oder lediglich nur informiert
wurden ist nicht klar.
Wie auch bei vergleichbaren Planungsvorhaben in
Deutschland, wurde mit dem Masterplan ein Leitbild verabschiedet, das die groben städtebaulichen Ziele festlegt.
Diese Ziele wurden von der Stadt wie folgt umschrieben:
„Central Salford will be transformed. A beautiful, vibrant
new urban centre with striking economic opportunity is
waiting to be born out of its fine heritage and the unveiling
of its many natural assets.“
„The city’s elegant but underused buildings and its vacant
but potent spaces will be filled with places to live, work,
shop and enjoy life.“
„The restored health of Central Salford will flow across the
entire urban area, stretching out to benefit all of Salford’s
communities.“ (SCC 2009:4)
Eine Mischnutzung aus Wohnen und Arbeiten soll eine
sozial und wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung gewährleisten. Langfristiges Ziel ist es ein familienfreundliches
Quartier zu schaffen. Dass dies ansatzweise gelingt
zeigte die Befragung der Bewohner von Chapel Street
South. Die einst heruntergekommene Großwohnsiedlung
erfreut sich mittlerweile großer Beliebtheit und weist keinen Leerstand mehr auf (Fielden 2015). Mittels landmark
buildings, die über Salford hinaus Ausstrahlung haben,
soll das Gebiet insgesamt architektonisch aufgewertet
werden. Neben Neubauvorhaben wird aber auch das Potenzial des teils historisch wertvollen Bestandes hervorgehoben. (SCC 2009:4)
Darüber hinaus werden aber auch die Hindernisse und
Hürden bei der Umsetzung des Masterplans identifiziert.
Neben der fragmentierten Eigentümerstruktur gilt die
Bodenspekulation im Planungsgebiet als problematisch.
(SCC 2009:7)
Fazit
Nach Jahrzehnten des Niedergangs hat Salford mit dem
Umbau des Zentrums die Chance wieder einen attraktiven Stadtkern zu bekommen. Die Entwicklung rund um
die Chapel Street ist ein Indiz für die dynamische Stadtentwicklung in der Region Manchester. Bemerkenswert
ist aus deutscher Sicht, dass dem privaten Sektor bei
der Finanzierung eine überaus große Rolle zukommt.
In Zeiten von knappen öffentlichen Haushaltsbudgets
können somit auch umfangreiche Planungsvorhaben wie
das Beispiel Salford Central zeigt, durchgeführt werden.
Dadurch ergibt sich jedoch auch eine Abhängigkeit von
Partikularinteressen. Zudem besteht die Gefahr, dass gesamtstädtische Interessen zu Lasten der privatwirtschaftlichen Interessen gehen. Ob die ehrgeizigen Ziele das
Zentrum Salfords wieder in ein attraktives und lebendiges
Quartier zu verwandeln erreicht werden können, wird erst
abschließend in einigen Jahren zu bewerten sein.
3 — Greengate
Die Greengate Area stellt den historischen Kern der City
of Salford dar, der sich im Westen direkt an die City of
Manchester angrenzt. Ursprünglich benannt nach der
Hauptstraße, die im historisch-mittelalterlichen Salford
durch den Stadtkern zum Fluss Irwell verlief (Jupp 2014b:
o.S), handelt es sich heute um ein etwa 13 Hektar großes
Gebiet, das von Chapel Street (Südosten), dem Fluss Irwell (Nordosten), dem Blackfriars Road (Südwesten) und
dem Trinity Way (Nordwesten) umschlossen ist und als
Schlüsselareal im Zusammenhang der Stadterneuerungsprojekte gilt (Salford City Council (SCC) 2014: 3).
Noch in den 30er Jahren als Slum deklariert, diente das
Areal in den folgenden Jahrzehnten der Beherbergung
großflächiger Industrie- und Produktionsstätten. Die 70er
und 80er Jahre brachten jedoch – wie allgemeingültig
für Manchester und Salford und bereits in Kapitel 1.2 (S.
7 f) beschrieben – den wirtschaftlichen Niedergang des
Stadtteils mit sich. Dies spiegelte sich auch in der Physis
dessen nieder: Greengate wurde zur Herberge großflä-
chiger Stellplatzanlagen und wies auch darüber hinaus
eine große Anzahl von Nutzungen auf, die im Niedriglohnsektor anzusiedeln waren.
Nach Jahren des Abwartens, in denen die Situation nicht
aktiv behandelt wurde, wurde schließlich ab den 1990er
Jahren der Drang nach einer geplanten und strukturierten
Stadterneuerung spürbar. Mit dem neuen Jahrtausend
wurden zwar noch keine Pläne in Taten umgesetzt,
jedoch zumindest Planungsprogramme aufgestellt (SCC
2014: 6). Dies kann als Auftakt zur Aufwertung der Region gedeutet werden.
Von der Theorie...
Nach vorläufigen Planungsprogrammen von 2005 und
2007 (“Exchange Greengate Development Framework”
und “Greengate Planning Guidance”) hat die Regierung
Salfords im Jahr 2014 eine “Regeneration Strategy”
erstellen lassen, welche die erstgenannten ersetzen bzw.
weiterentwickeln sollte (SCC 2014: 6). Diese Strategie
verfolgt das Ziel, ein für alle an der Entwicklung beteiligten Akteure verlässliches Leitdokument darzustellen,
das eine geordnete Entwicklung des Areals unterstützt.
Innerhalb der Strategie werden Probleme und Potenziale
des Gebiets genannt und verschiedene Ziele und kurz-,
mittel-, und langfristige (Bau-)Maßnahmen zur Umsetzung vorgestellt.
Hauptziele bestehen u.a. darin, die Verbindungsfunktion
des Quartiers herauszustellen, es durch eine gezielte
Mischnutzung zu stärken und so insgesamt ein „robust,
deliverable, sustainable quarter“ zu schaffen. Darüber
hinaus stellt die Strategie Chancen vor, die eine positive
Entwicklung des Quartiers fördern, unter der Voraussetzung einer gezielten Nutzung dieser. Andererseits liegen
gewisse Restriktionen und Probleme vor, die beachtet
und bestmöglich gedämmt werden müssen (SCC 2014:
8f)
Die Inhalte der obenbeschriebenen Regeneration Strategy für das Greengate Areal lassen sich laut ihrer eigenen Aussagen mit weiteren Regeneration-Programmen
der Stadt Salfords vereinbaren. Gemeint ist hierbei z.B.
der „City Plan 2013 to 2016“, der von dem Bürgermeister
der Stadt in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren und
externen Experten aufgestellt wurde und prioritäre Maßnahmen für den Zeitraum von 2013-2016 enthält (SCC
2013).
...mit Public-Private-Partnerschaft-Projekten in die
Praxis…
Zukünftige Bauvorhaben werden nicht allein von der
öffentlichen Hand Salfords geplant, durchgeführt und
finanziert. Wie vermehrt im Immobilien- und Stadtentwicklungssektor in Manchester und England allgemein üblich,
werden die Pläne und Maßnahmen in Partnerschaft mit
dem Privatsektor durchgeführt. Schätzungen der Regie-
43
rung Salfords zufolge können bei erfolgreicher kooperativer Umsetzung der Pläne Investitionen getätigt werden,
die über 400.000.0000 £ generieren und mehr als 5.000
neue Arbeitsplätze schaffen (SCC 2015: o.S.). Weitere
Schätzungen gehen von der Schaffung von mehr als
1800 neuen Wohneinheiten aus (SCC 2014: 22)
…Greengate Embankment
Ein Beispiel, das die Arbeits- und Wirkungsweise der Kooperation von Privatunternehmen und der Stadt darstellt,
ist das „Greengate Embankment“. Hierbei entwickelt
die Stadt Salford gemeinsam mit den Unternehmen Ask
Development und dem derzeitigen Landbesitzer, der
Network Rail, seit einigen Jahren den Teil des Greengate
Areals, der die direkte Verknüpfung zu Manchesters Zentrum und somit einen strategisch besonders wertvollen
Wirtschaftsstandort darstellt. (Ask 2015: o.S.).
Als erster Abschnitt wird das sogenannte „Exchange“
Areal entwickelt. Hierbei handelt es sich um eine Büround mischgenutzte Fläche auf der ehemaligen Gleis- und
Bahnhofsanlage der Exchange Station, in unmittelbarer
Nähe der Manchester Cathedral. Ein Vorhaben, dessen Bau bereits beschlossen ist, ist der „101 Embankment“-Gebäudekoomplex, der im Sommer 2016 bezugsfertig sein soll. Ask Development arbeitet dabei wiederum
mit weiteren Joint-Venture Partnern zusammen.
Auf besagtem Areal unmittelbar neben dem River Irwell
sollen zwei neue 10-geschossige Gebäude entstehen,
die in erster Linie Platz für Büros, aber auch für hochwertigen Einzelhandel, ein Hotel sowie Wohnraum bieten
und Platz für über 450 Pkw-Stellplätze vorweisen können
(Ask Development Internetauftritt). Ein Käufer ist bereits
gefunden: Tristan Capital Partners – so heißt es – zahlen
20.000.000 £ für den Erwerb eines Teils der Anlage. Das
Geld, das Network Rail dabei zukommt, soll in den Ausbau des Schienennetzes fließen und so nachhaltig der
Gesellschaft zu Gute kommen (Jupp 2014b: o.S.).
Abb. 4.1: Baustelle im Exchange Areal
“The Embankment development will deliver Grade A space to the Manchester office market and create a corporate centre with Salford at a time when there is little new
supply coming on-stream and as the momentum in the
U.K. economic recovery lifts tenant demand.”
Peter Mather of Tristan (in Manchester Evening News,
2014)
…von Wünschen und Wirklichkeit…
Abb. 4.2: Unsortierte Nutzungsmischung
44
Das Vorhaben scheint auf den ersten Klick bzw. den ersten virtuellen Blick auf diverse Internetpräsenzen realistisch und erfolgsversprechend zu sein. Eine Besichtigung
vor Ort macht jedoch deutlich, dass Pläne noch lange
nicht Realität sind. Wo 2016 die ersten Bewohner und
Arbeitnehmer einziehen und arbeiten sollen, befindet sich
2015 nicht mehr als einige Zäune und ein Baugerüst. Es
ist noch nichts zu sehen von Prestige- und Luxusgebäu-
den. Embankment wird es 2016 wohl noch nicht geben
(vgl. Abb. 4.1).
Doch nicht nur im Exchange Areal scheint die Umsetzung
der Planungen noch Zeit zu benötigen. Momentan befindet sich offenbar die gesamte Greengate Gegend im Umbruch und eine eindeutige Struktur des Stadtteils ist noch
nicht erkennbar. Das Areal stellt ein Konglomerat dar aus
einzelnen, modernen Neubauten, Überbleibseln industrieller Produktionsstätten, die vorrangig von Künstlern und
Kreativen genutzt werden sowie einer großen Anzahl von
freien Flächen und ca. zehn großen Parkplatzanlagen
(SCC 2014: 5) (vgl. Abb. 4.2).
Es wird deutlich, dass das Gebiet verschiedenen Chancen und Einschränkungen unterlegen ist, die den Stadterneuerungsprozess stark beeinflussen. Noch immer leidet
und profitiert das Gebiet gleichzeitig von seiner Lage:
Die Bahngleise und der Fluss sowie die großen Straßen
haben eine zerschneidende Wirkung und separieren die
Greengate Area von anderen Stadtteilen Manchesters
(vor allem von der City). Hinzukommt der Fakt, dass
Manchester auf der anderen Seite des Flusses sich mit
dem Rücken zum Wasser und somit mit dem Rücken zu
Salford entwickelt hat (SCC 2014: 12f.). Dies verstärkt die
Trennung der Stadtteile obwohl die eigentliche Entfernung verschwindend gering ist.
Wie bereits angedeutet, sollte die Lage Greengates
aber auch als Vorteil bzw. Chance interpretiert werden.
Die die unmittelbare Nähe zur Chapel Street sowie zur
Fußgänger- und Einkaufszone des Stadkerns und zu
anderen Landmarks kann mit entsprechenden baulichen
Verbindungen effektiv genutzt werden. Die Cathedral of
Manchester - ein touristischer Hochpunkt – ist, wie bereits
erwähnt, nur ein paar Gehminuten entfernt. Auch andere
historische Bauwerke (Brücken und Gebäude) und die interessante Schienenarchitektur befinden sich in geringer
Entfernung und geben dem Quartier seinen individuellen
Charakter. Darüber hinaus soll auch die gute Anbindung
an den ÖPNV erwähnt werden, die eine wichtige Voraussetzung für die nachhaltige und erfolgreiche Entwicklung
eines Gebiets ausschlaggebend sein kann.
Ein weiterer Vorteil ist, dass theoretisch genügend freie
Flächen oder gering bebaute Flächen für die Neubebauung zur Verfügung stehen. Ein Beispielprojekt, das auf
einer früheren Brachfläche entstanden ist, sind die Abito
Apartments (links auf Abb. 4.4). Das von bdp Architects
entworfene und bereits 2007 fertiggestellte Wohngebäude
befindet sich direkt an der Ecke Greengate/ Gravel Lane
im Herzen der Greengate Area. Neben dem Auftraggeber, dem Vermögensverwalter Infinity Lltd waren an der
Entwicklung die beiden Unternehmen Ask Development
und Abito beteiligt. Die Stadt war hierbei nicht involviert.
Abito Apartments werden beschrieben als kleine, effiziente „Mikro-Wohnungen“, die vor allem auf die Bedürfnisse
und Mittel von young professionals und Graduierenden
ausgerichtet sind (Architonic.com o.J.). Laut der Urteile in
verschiedenen Internetforen (z.B. architecturetoday.co.uk
2007, worldarchitecturenews.com 2007) scheint das
Konzept erfolgreich umgesetzt zu sein und Zuspruch zu
finden. Allerdings stellt das Gebäude eine Insel im Meer
von Parkplätzen dar. In unmittelbarer Umgebung befinden
sich mehrere privat betriebene Stellplatzanlagen, die –
wie in einem Gespräch mit einem Platzwart und auch im
Vortrag von Hayley Fielden (Principal Planning Officer
des Salford City Councils – sollte schon von Lukas erwähnt werden) deutlich wurde – bereits seit vielen Jahren
unverändert existieren, sich gut rentieren und vor allem
von Angestellten in der Umgebung genutzt werden.
Es gib neben den Public-Private-Partnership Projekten,
die sich meist in erster Linie mit dem Bau von Gebäuden
befassen, auch Projekte zur Gestaltung des öffentlichen
Raums. Als Beispiel dafür soll der bereits realisierte
Greengate Square genannt werden, der 2009 geplant
und 2013 eingeweiht wurde. Finanziert wurde das Projekt
von der Regierung Salfords, der Home and Communities Agency, der North West Regional Development
Agency und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Auf dem 1,2 Hektar großen
Grundstück, das früher den Victoria Busbahnhof beherbergt hat, findet sich nun eine Parkfläche, die mit einem
Amphitheater, Springbrunnen, Lichtstrahler und Sitzmöbel
ausgestattet ist. Der Greengate Square ist nach Einschätzungen der -….. zu einem einladenden Ort für Events,
Märkte und Konzerte geworden (Bainbritch 2013: o.S.).
Weitere öffentliche Räume, deren Planung bereits 2009
begannen, sind der “Urban Cove” und “Greengate Link”.
Der Urban Cove - als Besucherattraktion beschrieben –
soll die natürliche Wasserkante mit gigantischen Wasserskulpturen und einer neuen Fußgängerbrücke über
den Fluss stärken. Der Greengate Link soll eine Fußwegeverbindung über und unter dem noch existierenden
Viadukt darstellen und mit Bepflanzung und Lichtinstallationen Aufenthaltsqualität schaffen (SCC 2015: o.S.). Die
beiden letzteren Projekte sind bislang noch nicht umgesetzt und befinden sich auch noch nicht im Bau.
Greengate ist ein Beispiel für einen Stadtteil, der sich
mitten in der Transformation befindet. Es herrscht ein
Nebeneinander an Projekten, die lediglich auf dem Papier
existieren, die bereits beschlossen oder teilweise umgesetzt wurden und einigen bereits realisierten Bauvorhaben. Andererseits wird das Erbe der unstrukturierten
Deindustrialisierungsphase noch immer in Gestalt von
ungenutzten Flächen und der überproportional großen
Anzahl an Parkplätzen deutlich. In den nächsten Jahren
bzw. Jahrzehnten wird sich zeigen, wie Greengate sich
weiterentwickelt, ob die starke Partnerschaft zwischen
Stadt und Wirtschaftunternehmen andauert und ob es
eine 1A-Lage für Unternehmen werden und den „Manchester Office Market“ bereichern kann.
“Salford City Council has played a crucial role in bringing this major investment to the city. The development
is further evidence that Salford is becoming an extremely attractive city for investors from around the world”
Salfords Bürgermeister Ian Stewart (in Manchester Evening News, 2014)
45
4 — Salford Quays
Bei den Salford Quays handelt es sich um ein altes
Hafengelände, durch das Manchester im späten 19.
Jahrhundert an internationale Seewege angeschlossen
wurde. Ein neuer Schiffkanal, der bis zur Westküste
reichte, wurde ausgehoben um 1894 Großbritanniens
drittgrößter Hafen zu eröffnen. In den 1970er verlor der
Hafen schließlich, bedingt durch die zunehmende Globalisierung und der damit verbundenen Umstellung auf
Container-Großhäfen an Bedeutung. Es kam zu grundlegenden strukturellen Problemen, da tausende Arbeiter
ihren Arbeitsplatz in den Werften und den umliegenden
Gewerben verloren. Schließlich wurde der Hafen 1982
endgültig geschlossen. (Hindle et al. 2012: 1)
Städtebauliche Grundlagen zur Entwicklung
Noch bevor die letzte Werft 1982 endgültig geschlossen
wurde, beschloss die Stadtverwaltung, ein umfangreiches
Programm zur städtebaulichen Gestaltung des Hafengeländes aufzulegen. Sie deklarierte das Gebiet rund um
den alten Hafen zu einer Gewerbezone und startete mit
der Ansiedlung erster Unternehmen unter einem Planungshorizont von zehn Jahren. (Salford City Council
2008: 8) Es stellte sich jedoch nicht der erwartete Wachstumseffekt ein und man befürchtete, kaum weitere private
Investitionen anlocken zu können (Hindle et al. 2012: 1).
Die Stadtverwaltung beschloss aufgrund des wirtschaftlichen Drucks eine Überarbeitung des Gewerbekonzepts.
Im Ergebnis wurde ein Entwicklungskonzept erarbeitet,
das vorsah, das Gebiet mithilfe öffentlicher und privater
Mittel zu entwickeln. Im Fokus des Konzeptes standen
klar ökologische und ökonomische Ziele. Durch die
Schaffung moderner Infrastrukturen sollten mittelfristig Arbeitsplätze und eine verbesserte Lebensqualität geschaffen werden. Die Stadtverwaltung hat dazu gemeinsam
mit dem Umweltministerium und in Einbeziehung europäischer Mittel rund 35 Millionen Pfund investiert. (Salford City Council 2008: 4) Im Sinne der damals aktiven
Thatcher-Regierung sollten auch in Salford hauptsächlich
Public-Private-Partnerships eingesetzt werden. Diese
haben in dieser ersten Phase bis 1990 circa 250 Millionen
Pfund privater Investitionen angeregt (ebd.).
Im nächsten Schritt wurde ein Masterplan erarbeitet, der
konkrete Maßnahmen enthielt. Das Gebiet sollte schrittweise „zurückerobert“ werden, indem Wasserkanten und
Kanäle erneuert werden sollten, die sich in eine qualitativ
hochwertige Landschaft einbetten sollten. Außerdem war
geplant, die Zugänglichkeit durch eine intensive Erschließung mit neuen Brücken, Kanälen und Straßen zu
verbessern. Von Beginn an sollte die Nutzung gleichermaßen auf Gewerbe, Wohnen und Freizeit verteilt sein.
Die Umsetzung des ersten Masterplans begann 1985 und
wurde durch ein intensives Projektmanagement begleitet.
(Salford City Council, 2008: 5)
46
Zwischen 1986 und 1990 siedelten sich schließlich die
ersten neuen Nutzungen an. Hierzu gehörten auf Pier 5
und 6 unter anderem das Copthorne Hotel, ein Multiplex
Cinema, erste Wohngebäude und Büros. Für die Infrastrukturmaßnahmen wurden insgesamt über 35 Million
Pfund investiert. Im Endeffekt wurden hierdurch über
tausend neue Jobs geschaffen. (Salford City Council,
2008: 5)
In den späten 1980er Jahren entschied sich die Stadtverwaltung dazu, das Entwicklungskonzept für die Salford
Quays anzupassen. In Zukunft wollte man sich stärker
auf den Aufbau kultureller und touristischer Potentiale
sowie neuer Freizeitangebote konzentrieren. Das beinhaltete auch einen größeren Anteil gewerblicher Bebauung
und eine intensivere verkehrliche Erschließung, etwa
durch die Anbindung an die Metro. Insgesamt sollte das
Quartier durch qualitativ hochwertige Landschafts- und
Gebäudearchitektur an Attraktivität gewinnen. (Salford
City Council, 2008: 6)
Der Erhalt alter Gebäude spielte bei der Stadterneuerung
keine Rolle. Es wurde zwar darauf geachtet, den Charakter des ehemaligen Hafengeländes im Rahmen der
Außenanlagen, Freiflächen und Landschaft beizubehalten
(Salford City Council, 2008: 4), jedoch wurde fast kein
Gebäude aus der Zeit vor 1980 erhalten (Hindle, et al.,
2012: 5)
In den Achtziger Jahren gewannen Architekturwettbewerbe an Bedeutung. Auch in Salford wurden zu dieser Zeit
mehrere Projekte auf diese Weise ausgeschrieben. Im
Ergebnis entstanden beispielsweise das Regatta House
am Pier 5 sowie das Quay House (heutiges Anchorage)
am Ontario Basin. (Salford City Council, 2008: 7)
Viele der Gebäude wurden zu Beginn der 1990er Jahre
fertig gestellt oder befanden sich bereits in fortgeschrittener Planung. Eine wirtschaftliche Rezession in den
darauffolgenden Jahren sorgte anschließend für hohen
Leerstand bei den fertiggestellten Gebäuden. Bauvorhaben, die noch nicht übergeben waren oder sich noch in
der Planung befanden, wurden zunächst auf Eis gelegt.
Eine Entspannung kam erst wieder Ende der 1990er Jahre. (Hindle, et al., 2012)
The Lowry – Ein Kulturzentrum als Leuchtturmprojekt
Das Salford Center for Performing Arts sollte die Krönung
der Salford Quays als Leuchtturmregion werden. Bereits
1989 begann die Konzeption eines Kulturzentrums. Eine
unabhängige Machbarkeitsstudie analysierte den Marktbedarf an kulturellen Einrichtungen für das Einzugsgebiet,
deren Ergebnisse den strategischen Grundstein der Planung lieferten. Die Studie beleuchtete, welche konkreten
Potentiale für Theater, Galerien, Gewerbeflächen und so
weiter vor Ort bestanden. In einem weiteren Gutachten
wurde empfohlen, die Gebäude auf der Spitze des Pier
8 und somit auf einem der prominentesten Plätze der
Quays zu errichten. (Salford City Council, 2008: 8)
Im Jahr 1991 wurde nach einer Ausschreibung ein
britisches Architekturbüro James Stirling and Michael
Wilford mit der Masterplanung beauftragt. Die Erstellung
des Masterplans wurde in den Folgejahren unter Einbeziehung diverser Verbände aus Kultur, Wirtschaft und
Bürgerschaft weiterentwickelt. (Lowry 2015)
Die Finanzierung sollte zunächst aus britischen und
europäischen sowie aus privaten Mitteln erfolgen. Nach
dem sich die Stadtverwaltung um nationale Mittel beworben hatte, beschloss die British Millennium Commission
im Jahr das Projekt mit insgesamt 64 Millionen Pfund zu
unterstützen. (ebd.) Weitere Finanzierungen kamen vom
Heritage Lottery Fund in Höhe von 11 Millionen Pfund
sowie vom Arts Council in Höhe von 52 Millionen Pfund.
Mit deren erfolgreicher Finanzierung übergab die Stadt
das Projekt an den eigens dafür eingerichteten Lowry
Trust. Neben dem Gebäude wurden auch das Lowry Plaza, die Lowry Footbridge, das Lowry Outlet Center sowie
das Digital World Centre umgesetzt. Das Lowry eröffnete
planmäßig am 28. 4. 2000. (Salford City Council, 2008: 8)
Einer Studie zufolge hat das Lowry einen positiven Effekt
auf die wirtschaftliche Entwicklung der Umgebung und
damit seine Aufgabe als Leuchtturm-Projekt erfüllt. Die
Studie zeigt, dass allein durch das Lowry 553 neue Arbeitsplätze (direkt und indirekt) geschaffen wurden, von
denen sich die meisten in der Greater-Manchester-Region befinden. Insgesamt zieht das Lowry jährlich 820.000
Besucher an und trägt mit 29 Millionen Pfund jährlich zur
nationalen Wertschöpfung bei. Die Studie hat weiterhin
ermittelt, dass das Lowry durch seine Ausstrahlungskraft
rund 1,4 Mrd. Pfund privater Investitionen in der Umgebung angeregt hat. Damit wurde Salford die größte
Wachstumsregion in Greater Manchester. Eine besondere Rolle spielen dabei auch die öffentlichen Gelder,
die einen Anteil von 11,8 Prozent an der Gesamtinvestition hatten. Für vergleichbare Projekte ist dies deutlich
unter dem Durchschnitt. Dadurch erreicht das Projekt
einen überdurchschnittlich hohen Return on Investment
von 16,26 Pfund je investiertem Pfund aus öffentlichen
Mitteln. (Manchester‘s Commission for the New Economy,
2013)
Strategische Manifestierung durch die „Media City“
Die MediaCityUK ist ein seit 2007 neu entstandener
Stadtteil auf dem Gelände der Salford Quays und bietet
unterschiedlichen Unternehmen und Einrichtungen der
Medianbranche Büro- und Arbeitsflächen.
Die ersten konkreten Pläne für die MediaCity entstanden
2006 und sahen eine umfassende Entwicklung des nordwestlichen Bereiches der Salford Quays vor. Auslöser
47
Abb. 4.3: The Lowry — Josiane Meier
war eine Ankündigung der öffentliche Radio- und Fernsehanstalt BBC aus dem Jahre 2004, die vorsah, große
Teile des Unternehmens von London nach Nordengland
zu verlegen. Die BBC reagierte damit auf einen Bericht
in dem die „London-fixierte“ Ausrichtung der Programme
kritisiert wurde. (British Broadcasting Corporation, 2007)
unterstützen. (Breen, 2004) Mittlerweile haben sich laut
Betreiber über 200 Gewerbe- und weitere Einrichtungen
in der Media City angesiedelt. Die wichtigsten sind neben
der BBC: ITV Granada, Satellite Information Services und
die University of Salford. (Peel Land and Property Group,
2015)
Die BBC hatte zunächst vier mögliche Standorte im Auge,
davon zwei in Manchester und zwei in Salford. Bei der
Standortwahl wurde unter anderem berücksichtigt, dass
das bestehende BBC-Büro in Manchester ohnehin hätte
umgehend renoviert werden müssen. (ebd.)
Verschiedene Untersuchungen zum Umzug der BBC
haben sich mit der Effektivität im Hinblick auf die selbst
gesetzten Zeile aber auch auf die ökonomischen Auswirkungen in der Region beschäftigt. Grundsätzlich waren
die Ergebnisse positiv. Der Umzug konnte sowohl zeitlich
als auch finanziell im geplanten Rahmen stattfinden. Dabei hat der Umzug insgesamt 224 Millionen Pfund gekostet. Insgesamt wurden fast 2.300 Arbeitsplätze in Salford
geschaffen. Während der Großteil aus London oder dem
alten Standort in Manchester verlagert wurde, sind jedoch
fast 600 komplett neue Stellen entstanden. (vgl. British
Broadcasting Corporation, 2013 & House of Commons Committee of Public Accounts, 2013)
Dieser Chance entgegenblickend, bildete sich eine
Partnerschaft aus der Northwest Regional Development
Agency, der Salford Urban Regeneration Company sowie
dem Salford City Council. Diese erarbeiteten gemeinsam
mit den Grundstücksbesitzern sowie dem Immobilienentwickler Peel Group das umfassende Konzept der MediaCityUK. (Peel Land and Property Group, 2013)
48
Das Konzept sah vor, dass die Peel Group die komplette
Infrastruktur inklusive der Gebäude, Studios und Einrichtungen bereitstellt und an die BBC verleast. Im Rahmen
dieses Konzeptes sollen sich auch andere Unternehmen
in der MediaCity ansiedeln und von der branchenspezifischen Infrastruktur profitieren. Dazu wurde unter Federführung der BBC der sogenannte Media Trade Group
PACT verabschiedet, der unabhängige Produktionsfirmen
unterstützen und so die lokale Wirtschaft stärken sollte.
Zusätzlich hat die BBC ein Besucher- und Bildungszentrum eingerichtet und sich mit der Stadtverwaltung
darauf verständigt, den Aufbau einer Medienakademie zu
Durch die Ansiedlung der Medienunternehmen wuchs
auch die Anzahl der Wohnungen rapide an. Jüngsten Medienberichten zufolge siedeln sich immer weitere Unternehmen in den Quays an. Der Wert der Immobilien steigt
dadurch so stark, wie in keiner anderen Stadt Großbritanniens. Dabei sind Gewerbeimmobilen genauso betroffen
wie Wohnimmobilien. (Keeling, 2014)
Der alte Standort der BBC auf der Oxford Road in Manchester wurde geschlossen. Das Gebäude wurde nach
dem Umzug 2011 abgerissen und das Gelände zu einem
privat bewirtschafteten Parkplatz umfunktioniert. Der
Abb. 4.4: MediaCityUK — Josiane Meier
Eigentümer des Grundstückes hat um Juli 2015 angekündigt, noch im selben Jahr ein Bauvorhaben mit verschiedenen Gewerbeflächen, Läden, einem Hotel und hochwertigen Wohnungen umzusetzen. Der Parkplatzbetreiber
äußerte darüber großes Bedauern, da dies einer seiner
rentabelsten Parkplatzflächen in Manchester war. (Rucki,
2015)
Fazit
Die Salfors Quays sind ein beeindruckendes Beispiel für
ein städtebauliches Transformationsprojekt. Eine langfristige Planung und beharrliche Verfolgung der Vision eines
vielfältig genutzten Quartiers führten zum großen Erfolg.
Die gezielte Zusammenarbeit zwischen privaten und
öffentlichen Akteuren hat über viele Jahre und Etappen
hinweg zu der Entstehung eines konsistenten städtischen Raumes bewirkt. So hat etwa das Lowry Projekt
seine Aufgabe als Leuchtturm erfüllt und laut Studien der
Betreiber viele private Investitionen in der Umgebung
begünstigt.
Dennoch zeigt sich auch in Salford, wie stark die Stadtplanung und -erneuerung von der wirtschaftlichen Konjunktur abhängt. In guten Zeiten werden unzählige Projekte parallel entwickelt und während der Rezession herrscht
Stillstand. Insgesamt bleiben die Salford Quays als gutes
Beispiel einer schnellen und wirtschaftlich erfolgreichen
Entwicklung einer alten Industrielandschaft in Erinnerung.
49
Exkurs
Trafford,
Manchester
United
und dessen
Bedeutung für
Greater
Manchester
Niels Kramer
Stadtmarketing — Auswirkungen der Großsportveranstaltungen — Anziehung
von Investoren — Wirtschaftliche Einnahmequelle
Manchester United ist einer der erfolgreichsten und
zugleich traditionsreichsten Fußballvereine der Welt.
Die Bedeutung des Vereins für die Region Manchester
geht jedoch über den sportlich-kulturellen Aspekt hinaus. Durch den hohen Bekanntheitsgrad und das stetige
Wachstum gewinnt er zunehmend auch wirtschaftlich an
Bedeutung. Letzterer Aspekt wird im folgenden Abschnitt
näher untersucht.
1 — Manchester United als
Vorreiter des Modern Football
Im Jahr 1878 gegründet, konnte Manchester United als
einer der bekanntesten Fußballvereine Englands besonders ab den ausgehenden 1980er-Jahren national und
international große sportliche Erfolge feiern. (vgl. Manchester United o.J.a) In genau diesem Zeitraum durchlief auch der englische Fußball eine Entwicklung hin zu
dem, was heute als Modern Football bezeichnet wird:
Angetrieben durch den erwachenden Pay-TV-Markt (vgl.
Zimmer 2000: 441) wurde der Fußball zu einem globalen
Wirtschaftsfaktor; Gehälter und Werbeeinnahmen stiegen
in bis dato ungeahnte Höhen und die steigende Nachfrage nach Merchandise-Artikeln stellte eine neue Vermarktungsmöglichkeit dar. Der Verein Manchester United
hatte durch den sportlichen Erfolg das Glück, genau zu
dieser Zeit große Popularität bei Fans und Sponsoren
zu genießen und vor diesem Hintergrund die richtigen
Weichen Richtung Zukunft zu stellen. Einen bedeutenden
Meilenstein stellte hier vor allem der Börsengang im Jahr
1991 dar, in dessen Zuge der Fußballverein die Gesellschaftsform wechselte – vom eingetragenen Verein zur
Aktiengesellschaft. (vgl. Porter 2008: 2)
Durch diesen Schritt veränderten sich vor allem die Politik
und die lokale Identität des Vereins, welcher nun wie ein
modernes Wirtschaftsunternehmen geführt wurde. So
suchte das Management ständig nach Möglichkeiten zur
Verbesserung der finanziellen Situation des Vereins und
entdeckte die ausländischen Märkte für sich. Unter dem
Motto Go East absolvierte Manchester United bereits in
den 1990er-Jahren in der Saisonvorbereitung Freundschaftsspiele in Asien und verkaufte dort gleichzeitig die
internationalen Rechte für die Übertragung seiner englischen Ligaspiele. (vgl. Aumüller 2008)
50
Zum Vorteil geriet Manchester United dabei die Tatsache,
dass man in David Beckham, der in den Jugendmannschaften des Vereins ausgebildet wurde, den ersten
Fußballer unter Vertrag hatte, der wie ein Popstar verehrt
wurde. Beckham löste in Asien eine wahre Hysterie aus.
So hat eine japanische Verehrerin nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2002, die in Japan und Südkorea stattgefunden hatte, alle Hotels der englischen Mannschaft
besucht „und in Beckhams vermeintlichen Zimmern die
Pissoirs und Klosetts fotografiert.“ (Kirschneck 2015)
Auch aufgrund dieses Hypes verpflichtete ihn im Sommer
2003 der spanische Verein Real Madrid, der wiederrum
in Beckhams erstem Vertragsjahr eine Million Trikots mit
seinem Namen verkaufen konnte. (vgl. ebd.) Beckham
Abb. E2.1: Das Stadion Old Trafford — Heimspielstätte von Manchester United
war nun „nicht mehr in erster Linie Fußballer, sondern
Investitionsobjekt.“ (ebd.)
2 — Manchester United als
Wirtschaftsunternehmen
Auch ohne David Beckham konnte Manchester United sein sportliches und finanzielles Niveau halten und
verbessern. Längst hatte der Fußballverein Strukturen
geschaffen, die ihn unabhängig von einzelnen Persönlichkeiten machten. So war es möglich, den Jahresumsatz
innerhalb der Jahre 2005 bis 2014 von 243 Millionen Euro
auf 518 Millionen Euro zu steigern. (vgl. statista 2015)
Zu verdanken ist dieser Anstieg den stetig steigenden
Einnahmen durch TV-Gelder und Sponsoren.
Dieser anhaltende finanzielle Erfolg ermöglichte Manchester United nicht nur die wiederholte Verpflichtung von
neuen Starspielern, sondern machte den Verein auch
für Investoren interessant. Nachdem eine Übernahme
durch den Medienmogul Rupert Murdoch im Jahr 1998
noch gescheitert war, erwarb im Jahr 2005 schließlich
der US-amerikanische Unternehmer Malcom Glazer
die Mehrheitsanteile am Klub. Innerhalb kürzester Zeit
gelangten er und seine Familie für ca. 790 Pfund Sterling
in den Besitz von rund 97,3 Prozent der Klubanteile. (vgl.
BBC 2005)
Dass der Verein für den US-Amerikaner nicht nur eine
teure Form des Freizeitvertreibs darstellt (wie es dem
russischen Besitzer vom FC Chelsea London, Roman
Abramowitsch, nachgesagt wird), zeigt die Tatsache, dass
Glazer das für den Kauf aufgenommene Darlehen nach
der Übernahme auf den Klubs überschrieb. (vgl. ebd.)
Dies trieb zunächst die ohnehin schon hohen Schulden
des Vereins in die Höhe. Doch die Geschäftsführer von
Manchester United lösten dieses Problem wie ein modernes Wirtschaftsunternehmen: Sie nutzen die Kontakte
nach Asien und gewannen dort mit AirAsia und Tourism
Malaysia neue strategische Partner, die den Verein als
Sponsoren unterstützen und dabei halfen die Krise zu
überwinden. (vgl. Whitehead 2006)
Insgesamt hat der Fußballverein heute acht Sponsoren,
von welchen kein einziger aus der Region Manchester
kommt und nur einer (AON) aus England. Die restlichen
Sponsoren haben ihren Hauptsitz in den USA (Chevrolet,
Bulova), Japan (Epson), Deutschland (DHL), Russland
(Aeroflot), Thailand (Singha) und Chile (Casillero des
Diablo). (vgl. Manchester United o.J.b) Diese globale
Attraktivität des Vereins für Sponsoren ist auf seine Popularität zurückzuführen, die sich der Verein auch in einer
Studie hat bestätigen lassen. Demnach seien weltweit
659 Millionen Menschen Fans von Manchester United.
(vgl. Handout Manchester United 2015).
3 — Die Bedeutung des Vereins
für Greater Manchester
Die Region und die Stadt Manchester profitieren auf
zweierlei Weise von der Popularität des Vereins. Zuallererst im Bereich des Tourismus. Deutlich wird dies in einer
Aussage der Greater Manchester Strategy for the Visitor
Economy 2014 – 2020. In Bezug auf die Qualität der touristischen Attraktionen Manchesters steht dort:
„Our attractions are good and have great content but in
global terms they are not strong enough (apart from the
global brand profile of Manchester United).”
(Marketing Manchester o.J.a: 2009)
Die Zahlen einer Studie von Cambridge Econometrics
Limited untermauern diese Aussage. Demnach besucht
jeder achte aus dem Ausland kommende Tourist ein
Heimspiel von Manchester United. (vgl. Cambridge Econometrics Limited 2013: 9) Darüber hinaus ist auch das
51
vereinseigene Museum als städtische Attraktion zu bezeichnen. Mit rund 300.000 Besuchern pro Jahr rangiert
es innerhalb der Top 10 der meistbesuchten Attraktionen
in Greater Manchester (s. Abb. E.2).
Beim britischen Fußballmuseum, das in dieser Rangliste
sogar noch vor dem Museum von Manchester United
liegt, besteht darüber hinaus ein indirekter Bezug zum
Verein. Für viele jener ausländischen Touristen, die ein
Fußballspiel und das Museum von Manchester United
besuchen, dürfte auch das Fußballmuseum ein attraktives Ziel darstellen.
Welche Bedeutung Manchester United für den Tourismus
in Manchester hat, zeigt ebenfalls der Fakt, dass der
Verein nach der Verpflichtung des japanischen Starspielers Shinji Kagawa aufgrund der gestiegenen Nachfrage
drei japanisch sprechende Tourguides für Stadionführungen und das Museum einstellen musste. (Input Education Session bei Manchester United am 24.07.2015, in
Old-Trafford)
Ein weiteres Feld, auf dem die Stadt durch den Verein
profitiert, sind ausländische Investitionen. Wie bereits
erwähnt, begann Manchester United als einer der ersten
europäischen Vereine damit, in der Saisonvorbereitung
Testspiele in Asien zu absolvieren, um sich dort zu vermarkten und Sponsoren zu gewinnen. Im Sommer 2012
etwa verhandelten während eines Testspiels zwischen
dem chinesischen Verein Shanghai Shenhua und Manchester United Vertreter der Manchester-China-Handelsmission und der britischen Wirtschaftsförderung mit
chinesischen Vertretern aus Wirtschaft, Tourismus und
Medien. (vgl. Coleman 2012; Cambridge Econometrics
Limited 2013: 9) Die bereits erwähnte Studie von Cambridge Econometrics Limited hält in diesem Kontext und
auch mit Blick auf Manchester Uniteds Stadtrivalen Manchester City fest:
„The awareness of these football clubs (and the success
that they have had) around the world has proved important in getting Greater Manchester recognition as a potential location for investment, as well as giving a certain
aura of success to the worldwide image of the region.”
(Cambridge Econometrics Limited 2013: 9)
Beim erwähnten Stadtrivalen Manchester City bleibt
allerdings festzuhalten, dass der Aufstieg des Vereins zu
einem der erfolgreichsten Fußballsklubs Europas höchstwahrscheinlich auf die Popularität Manchester Uniteds in
Asien zurückzuführen ist. So ist zu vermuten, dass vor
allem die Assoziation Manchesters mit Manchester United
sowie attraktivem und erfolgreichem Fußball den Scheich
Mansur Bin Sajid al-Nahajan im Jahr 2008 dazu bewegte,
den Verein Manchester City über sein Investmentunternehmen Abu Dhabi United Group zu kaufen. (vgl. Großekathöfer; Pfeil 2008) Als Mitglied der Herrscherfamilie
Abu Dhabis sorgte er anschließend dafür, dass die Airline
Etihad Airways, die ebenfalls von der Herrscherfamilie
Abu Dhabis geführt wird, Hauptsponsor von Manchester City wurde. (vgl. Taylor 2008) Während der Verein
vorher innerhalb des englischen Fußballs wenige Erfolge
vorweisen konnte und in den Jahren 1996 bis 2000 gar
nur in der zweiten Liga Englands spielte, konnten dank
der Sponsorengelder Starspieler verpflichtet und bis dato
ungeahnte sportliche Erfolge gefeiert werden.
Auch für die Stadt ergab das Engagement der Abu
Dhabi United Group positive Rückkopplungen. So sorgte
die Verbindung zwischen der Abu Dhabi United Group,
Etihad Airways und Manchester City auch dafür, dass die
Stadt Manchester als Sitz der Europazentrale der Airline
ausgewählt wurde, wodurch wiederum 100 neue Arbeitsplätze in Manchester entstanden sind (vgl. Manchester
Evening News 2012a). Darüber hinaus investiert die Abu
Dhabi United Group auch in den Bau von 6.000 Wohnungen im Umfeld des Stadions von Manchester City. (vgl.
BBC 2014)
4 — Manchester Uniteds Bedeutung
für Trafford
Obwohl Manchester United den Namen der Stadt Manchester trägt, ist die eigentliche Heimat des Vereins
die Stadt Trafford. Trafford wiederrum zählt zur Region
Greater Manchester und liegt südwestlich in unmittelbarer
Nähe zur Stadtgrenze Manchesters. Der Name Trafford
geht zurück auf die normannische Adelsfamilie de Trafford, der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein Großteils des damals agrarisch geprägten Landes gehörte.
(vgl. Trafford Council o.J.)
Manchester United hat eine große Bedeutung für Trafford.
So engagiert sich der Verein zusammen mit seinen Sponsoren für die Stadt. (vgl. Cambridge Econometrics Limited
2013: 9) Im Detail erstreckt sich dieses Engagement
unter anderem auf sozial benachteiligte Stadtteile. Eines
der Projekte trägt den Namen Kickz und zielt besonders
auf junge Einwohner Traffords ab. Durch die Teilnahme
an wöchentlichen Sitzungen soll dies dabei helfen, die
Kriminalität und unsoziales Verhalten in der Stadt einzudämmen. (vgl. Trafford Partnership 2014)
52
Abb. E2.2: Top 10 der Besucherattraktionen in Greater Manchester im
Jahr 2013 — Eigene Darstellung nach Manchester Evening News
Doch die Bedeutung des Vereins für Trafford hat natürlich
auch eine wirtschaftliche Komponente. Neben der bereits
erwähnten touristischen Bedeutung, von der die ganze
Region Manchester profitiert, ist Manchester United auf
lokaler Ebene auch ein bedeutender Arbeitgeber: 675
Menschen werden ständig vom Verein beschäftigt. An
Spieltagen kann diese Zahl auf bis zu 1.300 steigen. (vgl.
Handout Manchester United 2015).
Nach Maßstäben der europäischen Kommission ist
Manchester United mit dieser Beschäftigtenzahl als
Großunternehmen zu definieren (vgl. Hauptverband der
Deutschen Bauindustrie o.J.). Diese Ausmaße und das
kontinuierliche wirtschaftliche Wachstum des Vereins
ziehen als Folge auch einen gestiegenen Raumbedarf
nach sich. Eine Erweiterung des vereinseigenen Stadions
in Form eines Ausbaus der Südtribüne ist jedoch nicht
möglich, da sich in unmittelbarer Nähe eine Eisenbahnlinie und 50 Wohnhäuser befinden. Manchester United
beschränkte sich daher bisher auf den Kauf von anderen Grundstücken in der Nachbarschaft des Stadions.
So kaufte der Verein im Oktober 2011 für acht Millionen
Pfund Sterling Grundstücke im Bereich des Trafford
Parks. (vgl. Ruddick 2012)
5 — Die Entwicklung des
Gewerbeparks Trafford Park
Beim Trafford Park handelt es sich um den ersten Gewerbepark der Welt, welcher im Jahr 1896 eröffnet wurde
(vgl. mosi 2001). Zu dieser Zeit gewannen neben der
Baumwollindustrie auch andere Produktionsbereiche für
Manchester zunehmend an Bedeutung. Die Nähe zum
Manchester Ship Canal suchend, siedelten sich im Trafford Park unter andrem Stahlgießereien, Keksfabriken,
Öl-Raffinerien und Autohersteller an. So eröffnete dort im
Jahr 1911 beispielsweise das erste Werk des US-amerikanischen Autoherstellers Ford, wodurch auch die
innovativen Fertigungsmethoden des Konzerns Einzug in
England hielten. Durch letztere gelang Ford im Jahr 1920
die Herstellung von 26.000 Autos im Trafford Park. (vgl.
The Guardian 2015)
Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs erreichte die Beschäftigung im Gewerbepark ihren Höhepunkt: 75.000 Menschen arbeiteten zu dieser Zeit dort. Auch nach dem
Zweiten Weltkrieg setzte sich der Erfolg des Parks
zunächst fort. Ab den 1960er-Jahren begann rezessionsbedingt jedoch der Niedergang. Massenentlassungen
waren die Folge. Zu Beginn der 1980er-Jahre sank die
Beschäftigung daher auf noch 25.000 Menschen. (vgl.
ebd. und mosi 2001)
Vor dem Hintergrund dieses drastischen Niedergangs
kontaktierte im Jahr 1979 die Regierung Großbritanniens
den Stadtrat von Trafford und bot die Aufnahme in das
Enterprise Zones Experiment an. Die Regierung Großbritanniens wollte im Rahmen dieses Programms herausfinden, ob durch die Befreiung von bestimmten steuerlichen und administrativen Bürden ein wirtschaftliches
Wachstum in bestimmten Gebieten herbeigeführt werden
könnte. In der lokalen Bevölkerung fand das Programm
großen Zuspruch, so dass im Jahr 1981 Trafford zusam-
men mit dem benachbarten Salford in das Programm
aufgenommen wurde. Die finanzielle Minderbelastung
ermöglichte im Trafford Park den Abriss bestehender Gebäude und den Bau moderner Büro- und Fertigungskomplexe. Dieses Vorgehen erwies sich schnell als Erfolg:
Auf der einen Seite konnten bestehende Unternehmen
expandieren, auf der anderen Seite siedelten sich auch
neue Firmen im Trafford Park an. (vgl. mosi 2001; The
National Archives o.J.b; The Guardian 2015)
Ab dem Jahr 1987 bewarb zusätzlich die Trafford Park
Development Corporation das Gewerbegebiet, was
ebenfalls Investitionen durch Unternehmen und positive Beschäftigungseffekte nach sich zog. Große Firmen
wie Nuttall Packaging, Ricoman LED, Kellog’s und DHL
siedelten sich im Gewerbepark an. So konnte die Beschäftigungszahl bis zum Jahr 2012 auf 56.000 gesteigert
werden. Heute gilt Trafford im Allgemeinen und der Trafford Park im Speziellen wieder als populärer Standort für
Unternehmen. (vgl. St Antony‘s Centre o.J.; The Guardian
2015)
6 — Fazit
Manchester United ist nicht nur ein erfolgreicher Fußballverein, sondern hat sich in den vergangenen dreißig Jahren auch zu einem wirtschaftlichen Global Player entwickelt. Bei vielen Fans und Fußballromantikern stößt diese
Entwicklung jedoch auf Ablehnung. (vgl. Porter 2008: 5f.)
Für die Stadt Manchester ist diese Entwicklung jedoch
positiv zu bewerten. So kann der Verein als wichtigster
Botschafter Manchesters im Ausland bezeichnet werden.
Hierdurch werden nicht nur viele Touristen in die Stadt
gelockt, sondern auch ausländische Investitionen direkt
oder indirekt angestoßen. So wird der Verein auf seinen
Reisen nach Asien beispielsweise regelmäßig von heimischen Wirtschaftsdelegationen begleitet. (vgl. Coleman
2012; Cambridge Econometrics Limited 2013: 9)
Parallel zu Manchester Uniteds sportlichem und wirtschaftlichem Aufschwung begann auch die Stadt Manchester sich vom wirtschaftlichen Strukturwandel und
dem Verlust der Arbeitsplätze in der Textil- und Schwerindustrie zu erholen. Ein zumindest indirekter Zusammenhang zwischen dem Aufschwung von Manchester
United und jenem der Stadt Manchester ist zu vermuten,
so dass Manchester United abschließend als Katalysator
für städtische Entwicklungen und als wichtiger Baustein
innerhalb der Stadterneuerung Manchesters bezeichnet
werden kann.
53
South —
Hulme
Adina Felgentreu
Jennifer Kögler
Stadterneuerung — Architektur: Brückengestaltung
— Grün- / Freiraumentwicklung — Universität
5
1 — Vorstellung des Stadtteils
AF — Südlich und direkt an die Innenstadt der City of
Manchester angrenzend, erstreckt sich der Stadtteil Hulme. Jener von der Innenstadt durch die Stadtautobahn
getrennt, hat eine Ausdehnung von etwa sechs km2 und
mit dem Stand von 2012 17.030 Einwohner (vgl. MCC
2014a: 4). Einzuordnen als Wohnvorort ist dieser in nur
zehn Gehminuten von der Innenstadt erreichbar. Hulme
wird im Osten eingefasst durch den Stadtteil Ardwick und
im Süden durch den Stadtteil Moss Side. Im Westen und
Nordwesten folgen die zu Greater Manchester gehörenden Gemeinden Trafford und Salford. (vgl. Kreutz 1999:
13; Dean 1996: 104; Dettmer und Kreutz 1998: 104)
Die den Stadtteil zerschneidende Princess Road bekommt durch die Hulme Arch Bridge (siehe S. 61) eine
Verknüpfung. Sie ist eine der Hauptverkehrsstraßen Manchesters und dient als Verbindung in das und aus dem
Stadtzentrum, zur Stadtautobahn und zum Flughafen. Die
nördliche Grenze des Stadtteils zur Innenstadt wird verstärkt durch die Stadtautobahn – dem Mancunian Way.
Weitere Hauptverkehrsstraßen, wie die Oxford Road
oder die Stretford Road, begrenzen und durchziehen den
Stadtteil Hulme. Deutlich wird zwar eine gute verkehrliche
Erschließung, jedoch auch eine hierdurch entstehende
Barrierewirkung und negative Prägung für den Stadtteil.
(vgl. MCC o.J.: 1 f.)
Derzeit ist Hulme ein sehr beliebtes Viertel für junge Menschen und Studenten sowie für Familien. Dies lässt sich
auf die vergleichsweise günstigen Mietpreise sowie auf
die Lage zurückführen. Mit Etablierung der Birley Fields
(siehe S. 62) – als Erweiterung der Manchester Metropolitan University – ist mit einer weiteren Erhöhung des
Anteils an Studenten zu rechnen (vgl. MCC 2011/12: 9 f.;
MCC 2014c: 4). Hieran anknüpfend sind heute prägend
für den Stadtteil die verschiedenen Bildungs- und Forschungseinrichtungen der Universitäten von Manchester.
Die University of Manchester, die Manchester Metropolitan University sowie der Manchester Science Park liegen
innerhalb des Stadtteils und bieten nicht nur verschiedene Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung, sie sind
zudem ein wichtiger Arbeitgeber innerhalb Manchesters.
(MCC o.J.: 3)
2 — Etappen der Stadterneuerung
54
AF — In seiner bewegten Geschichte ist der Stadtteil
Hulme zunächst von der industriellen Revolution, die für
den Stadtteil einen rapiden Bevölkerungsanstieg sowie
eine extrem dichte Bebauung bedeutete, gekennzeichnet.
Aufgrund dessen zur Clearance Area erklärt und fast vollständig abgetragen, wurde Hulme Ende der 1960er/ Anfang der 1970er Jahre Schauplatz eines Experimentierfeldes neuester Bautechnik, die sich jedoch bereits kurze
Zeit nach der Fertigstellung als völlig unpassend und
mangelhaft erwies. Als Nährboden für urbane Probleme
und als Ort des Scheiterns des Städtebaus der Moderne
erlangte der Stadtteil Hulme englandweite Berühmtheit.
Darauf reagierend erfolgte in den 1990er Jahren die zweite Flächensanierung, dessen Leitbild sich wieder mehr an
der traditionellen englischen Bauweise orientierte. Dies
einführend, werden im Folgenden die einzelnen Etappen der Stadterneuerung ausführlicher betrachtet. Der
Abschluss findet sich in einer aktuellen Betrachtung des
Stadtteils. Diese erfolgt – vor allem gestützt durch den
dritten Abschnitt dieses Beitrages – anhand der Vorstellung verschiedener Stationen innerhalb des Stadtteils.
Viktorianische Bebauung – Hulme zur Zeit der Industrialisierung
Die Landschaft des heutigen Hulme, die um 1800 noch
überwiegend durch Wiesen und Felder dominiert wurde,
änderte sich zur Zeit der Industrialisierung schlagartig.
Nur etwas mehr als ein halbes Jahrzehnt verging bis die
Gemarkung des Stadtteils einer fast vollständigen Bebauung zugeführt war. Die Zahl der Fabriken nahe des
Stadtteils – später entstanden zudem auch Arbeits- und
Produktionsstätten innerhalb – stieg zur Zeit der Industrialisierung rapide an. Immer mehr Arbeitsplätze entstanden.
Dies lockte zunehmend Menschen in die Stadt, so dass
der Druck zur Schaffung von städtischem Wohnraum für
die durch die veränderten Produktionsbedingungen dieser Zeit entstandene Arbeiterklasse in hohem Maße stieg.
Wenn noch um 1821 eine recht überschaubare Anzahl
von 4.500 Menschen im Stadtteil Hulme lebte, so waren
es 30 Jahre später bereits 53.000 Menschen. Weitere 50
Jahre vergingen und eine Bevölkerungszahl von 130.000
wurde im Stadtteil Hulme verzeichnet. (vgl. MacDonald;
MCC 2004: 70; Kreutz 1999: 17, 23 f.)
Für die Schaffung der benötigten Arbeiterwohnungen bot
sich Hulme aufgrund der Nähe zu den Produktionsstätten
– im Zusammenhang zu sehen mit der wenig ausgebauten Verkehrsinfrastruktur und der geringen Mobilität der
Arbeiterklasse – besonders an. Hinzu kam, dass die dort
errichteten Wohnbauten zu einem großen Teil im Besitz
der Fabrikeigentümer waren, die dort kapitalorientiert und
oftmals nicht durch professionelle Hand Wohnraum für
ihre Arbeiter errichten ließen. Die hinzutretenden Arbeitsund Produktionsstätten innerhalb des Stadtteils wirkten
sich zusätzlich auf die Attraktivität des Stadtteils als
ein dem Arbeitsplatz nahegelegener Wohnort aus. (vgl.
Kreutz 1999: 17 ff., 23 f.)
55
Es fehlten Reglementierungen zur Landnutzung und Bauausführung. Dies und die reine Kapitalorientierung der
Bauherren führten dazu, dass Hulme zu einem extrem
dicht bebauten Stadtteil wurde. Zum Teil kam es durch
Überbelegung und private Viehhaltung noch zu einer
Verstärkung der prekären Situation. Um 1923 lag die
durchschnittliche Dichte Manchesters bei 34 Einwohner
je Acre (ein ac entspricht 4,047 m2). In Hulme waren es
jedoch bereits 136 beziehungsweise 196 Einwohner je
Acre im nordöstlichsten Bereich des Stadtteils. Die für
den viktorianischen Städtebau typische Bebauung der
Reihenhäuser (terraced houses) sowie die eng aneinander gedrängte back-to-back-Bebauung, als spezielle
Form der Reihenhäuser, entstanden zu dieser Zeit. (vgl.
ebd: 18, 24; Dettmer und Kreutz 1998: 133; MacDonald;
MCC 2004: 70)
Das Stadtbild wurde neben der Wohnbebauung für die
Arbeiterklasse geprägt durch eine Mischung aus Lagerhallen der industriellen Arbeitsstätten sowie den Läden
und Werkstätten des Kleinhandwerks und Gewerbes (vgl.
Kreutz 1999: 23).
Die beschriebene Nähe zur Industrie, die unverträgliche
Mischnutzung, die extrem hohe Dichte und die baulichen
Missstände der Arbeiterwohnungen schufen in Hulme
eine mangelhafte Lebensqualität; verstärkend wirkten die
prekären hygienischen Zustände, die sich unter anderem
bemessen lassen anhand einer schlechten Luft-, Belichtungs- und Wasserqualität und des niedrigen sanitären Standards. Trotzdem ist der Stadtteil zu dieser Zeit
ebenso ein mischgenutzter und sehr lebendiger Stadtteil.
Viele Geschäfte, Pubs, aber auch Kirchen, Schulen und
das Rathaus belebten entlang der Stretford Road den
Stadtteil. (vgl. ebd.: 18 ff., 23 ff., 29; Dettmer und Kreutz
1998: 133 f.)
Erste Flächensanierung
1 Beides sind Städte außerhalb der
City of Manchester. Ausgehend von
Manchester befinden sich Knutsford
im Südwesten und Langley (bei
Rochdale) im Nordosten.
2 Prägend sind hierfür die „Street in
the Sky“ (Kreutz 1999: 48). Jene
Fußwege auf den Dächern der
Gebäude sollten einer von der Straße unabhängigen Fortbewegung
dienen.
56
Durch die schlechten hygienischen Zustände in den
Arbeiterquartieren – so auch in Hulme – wuchs die Angst
vor Seuchen und Epidemien. Hierauf reagierend folgten
verschiedene Gesetzgebungen zum Wohnungsbau. Zunächst wurde der Schwerpunkt auf die gesundheitlichen
und hygienischen Zustände dieser Stadtquartiere gelegt.
Des Weiteren wurde der Abriss von der den Standards
nicht entsprechender und unbewohnbarer Bausubstanz
nach Aufforderung durch die Kommune ermöglicht. Zum
Ende des 19. Jahrhunderts wurde der kommunale Wohnungsbau eingeführt, welcher erstmals den Eingriff der
Kommune in den vormals rein gewinnorientierten privaten
Wohnungsbau ermöglichte. (vgl. auch vertiefend Kreutz:
1999: 21 f., 26, 81)
Eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten bremsten die
Anwendung dieser Abrissanordnung zunächst, so dass
erst der Housing Act im Jahr 1930 den entscheidenden
Anreiz gab. Mithilfe dessen wurde im Zusammenhang
mit dem Programm zur Slum Clearance von 1868 die
Bereitstellung staatlicher Subventionen für die Flächensa-
nierung dicht bebauter Arbeiterviertel mit nicht haltbaren
Wohnbedingungen ermöglicht. Nachdem Hulme bereits
1868 für eine Flächensanierung vorgesehen wurde,
jedoch keine diesbezüglichen Unternehmungen erfolgten, wurde der Stadtteil 1934 erneut zur Clearance Area
erklärt. Bereits begonnen, stoppte und verzögerte der
Zweite Weltkrieg sowie dessen Folgen, aber auch fehlende öffentliche Mittel und Bürgerproteste, die Wiederaufnahme und Vollendung der Abrissarbeiten bis in 1950er
bzw. die 1960er Jahre. (vgl. auch vertiefend Kreutz 1999:
22 f., 27 f., 36; MacDonald; MCC 2004: 70)
Im Zuge dessen wurden offiziell 70.000 Wohnungen für
unbewohnbar erklärt. Hiervon wurden bis 1964 22.000
Wohnungen abgerissen; weitere 16.000 Wohnungen
sollten folgen. Enteignungsmaßnahmen (Compulsory
Purchase Order) vereinfachten den flächenhaften Abriss.
Bis zum Ende der 1960er Jahre war die einst prägende
viktorianische Bebauung fast vollständig verschwunden,
ohne den historischen und erhaltenswerten Strukturen
Bedeutung beizumessen und ebenso – wie zu damaliger Zeit auch üblich – ohne eine Bürgerbeteiligung. (vgl.
Kreutz 1999: 39 f.)
Zunächst sah der Stadtentwicklungsplan aus dem Jahr
1945 (City of Manchester Plan 1945), auf welchem
die Umsiedlung der in Hulme ansässigen Bevölkerung
basierte, eine sich an der traditionellen Bauform, den terraced houses und einer geringeren Dichte orientierende
Neubebauung des Gebietes vor. Die ehemaligen Bewohner wurden zum einen in Neubaugebiete am Stadtrand
– wie Wythenshawe – und zum anderen in die Peripherie
– zum Beispiel nach Knutsford oder Langley1 – umgesiedelt. An die Stelle des Stadtentwicklungsplanes trat im
Jahr 1961 der Development Plan, welcher der Stadt eine
zusätzliche Planungsautorität und erweiterte Kontrollmöglichkeiten zusprach. (vgl. ebd.: 36 ff.; MacDonald; MCC
2004: 70)
Städtebau der Moderne – die Crescents
Die Bekanntgabe des Abrisses der viktorianischen Bebauung erfolgte im Jahr 1962. Im Zeitrahmen der 1960er
und 1970er Jahre entstanden anschließend auf den zuvor
leergeräumten Flächen fünf Nachbarschaftseinheiten,
welche dem sozialen Wohnungsbau dienten. Eigentümerin der Flächen war die Stadt Manchester. Die Verantwortung der Planung lag in selbiger Hand. (vgl. Dean
1996: 100; Kreutz 1999: 40 f.)
Als die Abrissarbeiten des ursprünglichen Hulme noch
nicht vollständig abgeschlossen waren, wurde bereits
mit dem Aufbau der innovativen Großstrukturen begonnen. Ursache hierfür war die durch die umfangreichen
Abrissarbeiten in der gesamten Stadt hervorgerufene
Wohnungsnot, so dass in möglichst kurzer Zeit die Brachflächen in Hulme wieder genutzt und einer preisgünstigen Bebauung zugeführt werden sollten. Der extreme
Zeitdruck und die zu dieser Zeit vorherrschenden städtebaulichen Ideale sind maßgebliche Parameter für die
getroffene Entscheidung. Ein weiterer Push-Faktor für die
Ausführung der Neubebauung in Form einer industriell
vorgefertigten Baukonstruktion war das staatliche Subventionsprogramm für Hochhausvorhaben nach Systembauweise. (vgl. Kreutz 1999: 41 f.; Dean 1996: 100)
Von 1967 bis 1972 entstand das nach Kreutz (1999: 43)
zu damaliger Zeit größte Bauvorhaben Europas, welches aus den fünf geplanten Bauabschnitten bestand
und 5.500 Wohneinheiten entstehen ließ. 3.000 dieser
Wohneinheiten wurden über Laubengänge erschlossen
und große undefinierte Frei- und Grünflächen prägten die
Zwischenräume. Die Pläne für die neue Bebauung orientierten sich an einer räumlichen Trennung von Bürgersteig
und Fahrbahn2 sowie der industrialisierten Bauweise. (vgl.
Kreutz 1999: 43; Hulme Regeneration Limited 1994)
Herzstück des neuen Hulme wurden die Crescents,
vier überdimensionierte, langgestreckte und gebogene Baukörper mit sechs Geschossen, die knapp 1.000
Wohneinheiten beinhalteten. Erbaut wurden sie von
1968 bis 1971. Ihre Architekten – Hugh Wilson und Lewis
Wolmersley – waren Vertreter einer modernen Architektur
und ließen sich von dem gregorianischen Royal Cresent
in Bath und jenem in London inspirieren. Benannt haben sie die einzelnen Baukörper der Cresents nach den
bekannten englischen Architekten Robert Adam, Charles
Barry, William Kent und John Nash. (vgl. auch vertiefend
Kreutz 1999: 43 ff., Dean 1996: 100)
Von Anfang an problematisch war die fehlende langjährige Erfahrung mit dieser vermeintlich innovativen Bautechnik, welche in ihrem Ursprung für südfranzösische
Klimaverhältnisse entwickelt worden war. Dies zeigte sich
bereits während der Bauphase anhand einer unzureichenden Kenntnis lokaler Bauunternehmen im Umgang
mit elementaren Bauteilen. Tatsächlich ermöglichte die industriell vorgefertigte Bauweise zunächst eine Zeit- sowie
Kosteneinsparung gegenüber sonst üblichen Bauweisen.
Eine weitere Neuerung war die Möglichkeit des Bauens in
größeren Maßstäben. (vgl. Kreutz 1999: 42; Dean 1996:
100)
Handfeste Kritik an der verwendeten Bauweise ließ nicht
lange auf sich warten und kippte die anfängliche Euphorie. Die Kritik galt vor allem der nicht maßstabsgerechten
Ausführung sowie der Baumängel, welche zunehmend
hervortraten. Hierzu zählten unter anderem eine anhaltende Feuchtigkeit der Bausubstanz, Schädlingsbefall
und eine nicht ausreichend ausgeführte Dämmung und
Isolierung, so dass die Heizkosten besonders im Zuge
der Ölkrise enorm in die Höhe stiegen. (vgl. MacDonald;
MCC 2004: 70 f.; Dean 1996: 100; Kreutz 1999: 53 f.)
Im Jahr 1975 ergab eine Umfrage unter den Bewohnern
der Crescents, dass 96,3 Prozent jene verlassen wollten.
Zudem erwiesen sich die überdimensionierten Baukörper
als familienunfreundlich. Familien, sowie jene Bewohner,
die es sich leisten konnten, verließen den Stadtteil, so
dass sich die Sozialstruktur allmählich auf einkommensschwächere Haushalte selektierte. Allmählich entwickelte
57
sich im Wirkungskreis der Crescents eine „marginale
Gesellschaft“ (Dean 1996: 103). Einhergehend mit einer
zunehmenden Kriminalität, einer wachsenden Drogenszene, Hausbesetzungen und einer abnehmenden
Polizeipräsenz, verweigerten Versicherungen zum Teil
ihren Schutz. Ein positiver Effekt der Niedrigmieten war
jedoch die Etablierung eines kreativen Milieus. (vgl. Dean
1996: 102 f.; MacDonald, MCC 2014c: 70 f.)
Nichtsdestotrotz wurde der Stadtteil bereits kurz nach
der Fertigstellung des sozusagen neuen und innovativen Hulme das traurige Erkennungsmerkmal und der
Inbegriff des Scheiterns der städtebaulichen Ideale der
Moderne. Dies galt insbesondere für die vier, zentral
in Hulme zu verortenden Crescents, deren Abriss das
Hulme People´s Rights Centre bereits Ende der 1970er
Jahre forderte und dessen Image sich in den 1980er
Jahren stetig verschlechterte. Als Hauptursache dessen
kann der Zeitdruck, einhergehend mit der ausgebliebenen
Hinterfragung des als innovativ angesehenen Vorhabens
sowie einer nicht erfolgten Partizipation benannt werden.
Als Resultat wurde Anfang der 1990er Jahre ein erneuter
Abrisswille bekanntgegeben. (vgl. Dean 1996: 103 ff.,
Kreutz 1999: 54 f.)
Zweite Flächensanierung
Die Großwohnsiedlung Hulme „galt als Inbegriff des
Scheiterns des Council Housing der Nachkriegszeit“
(Jessen und Walther 2008: 159). Der Stadtteil war
Anfang der 1990er Jahre geprägt durch eine einseitige
und einkommensschwache Bevölkerungsstruktur, einem
englandweit bekannten Negativimage sowie einem äußerst schlechten baulichen Zustand. Daraufhin wurde der
Stadtteil im Jahr 1991 erneut Teil eines – diesmal eines
der umfangreichsten – Stadterneuerungsprogrammes,
welches unter anderem einen erneuten Abriss großer
Teile des Gebietes nach sich zog. Ziel hierbei war das
Schaffen neuer Häuser, von Schulen, die Ansiedlung
von Geschäften und Firmen sowie des Einzelhandels.
Keine drei Jahrzehnte diente die Großwohnsiedlung dem
Wohnen, als das Gebiet wieder durch eine Kahlschlagsanierung überformt wurde. Aus den vormals riesigen Baukörpern wurden kleinteilige und gegliederte Strukturen
mit sozialer Mischung. Auch Straßen, Parks und Plätze
wurden neu angelegt. (vgl. ebd.)
Zunächst wurde für den Stadtteil Hulme ein behutsamer
Umgang mit dem Bestand angestrebt. Dies verdeutlicht
die aus einer partnerschaftlichen Initiative – bestehend
aus dem englischen Umweltministerium, der Stadt Manchester sowie den Bewohnern des Stadtteils – hervorgegangene Hulme Study Ende der 1980er Jahre. Im Jahr
1991 wurde der Stadtteil Hulme jedoch in das Erneuerungsprogramm City Challenge aufgenommen und vorige
Überlegungen traten in den Hintergrund. (vgl. Kreutz
1999: 57 f.; Dean 1996: 106)
58
Die Stadt Manchester wurde durch die Zentralregierung
aus London zur Teilnahme am Wettbewerb bezüglich der
City Challenge aufgefordert. Dieser Aufforderung kam sie
auch nach. Mit Aufnahme des Stadtteils in das Förderprogramm wurde ab 1992 und für einen Zeitraum von fünf
Jahren eine Summe von 37,5 Millionen Pfund für Erneuerungs- und Aufbauarbeiten bereitgestellt. Die Intention
der City Challenge war es, eine finanzielle Unterstützung
für Public-Private-Partnerships zu geben, die sich die
Stadterneuerung innerstädtischer Quartiere als Ziel setzten. Die Hulme Regeneration Limited (HRL) wurde als
Trägerorganisation, unter Beteiligung der Stadt Manchester sowie einem großen lokalen Bauunternehmen (AMEC
plc), um Wissen und Expertise aus dem privaten Sektor
einzubringen, gegründet. Aufgabe der HRL war die Zusammenführung und Koordinierung öffentlicher, privater
und freiwilliger Akteure sowie die Aufwertung des Stadtteils, verbunden mit unter anderem der Bekämpfung von
Kriminalität und Vandalismus oder einer unterstützenden
Tätigkeit bezüglich der Arbeitsplatzschaffung, Ausbildung
und Freizeitbeschäftigung für die lokale Bevölkerung.
Neben den beiden Hauptakteuren waren weitere Vertreter
der Wohnungsbaugesellschaften, privater Unternehmen
oder auch gewählte Vertreter der ansässigen Bevölkerung beteiligt. Darüber hinaus wurde das Verwaltungskomitee HulmeSub eingesetzt und mit zusätzlichen Entscheidungskompetenzen ausgestattet. (vgl. Kreutz 1999:
62; MacDonald, MCC 2004: 71)
1991 erfolgte die Skizzierung der Zukunftsvorstellungen
hinsichtlich der Entwicklung des wiederum neuen Hulme
in Form des Masterplan Hulme. Die physische Gestaltung
wurde zusätzlich gelenkt durch The Guide to Development in Hulme aus dem Jahr 1994. Dieses Planwerk
wurde zusammen mit der Bevölkerung entwickelt und
enthält keine parzellenscharfe Planung. Lediglich grobe Flächen- und Nutzungszuweisungen sind enthalten.
Durch die HRL wurde zudem der Slogan Creating a NEW
Hulme eingeführt, um das schlechte Image des Stadtteils
abzuschütteln und ökonomisches Kapital zu generieren.
Aufgrund der günstigen Lage erhielt der Stadtteil auch in
der gesamtstädtischen Planung mit dem Slogan Manchester – making it happen eine große Bedeutung. (vgl.
MacDonald, MCC 2004: 71; Kreutz 1999: 63 ff.)
Das Förderprogramm City Challenge fand im Jahr
1997 seinen Abschluss. Aufgaben der Stadterneuerung
übernahm fortan die Moss Side and Hulme Partnership
(MSHP). Mit dem Ziel der Fortführung der ökonomischen
Weiterentwicklung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit beaufsichtigte die Nachfolgeorganisation verschiedene laufende Förderprogramme. Während die MSHP tätig
war, wurden insgesamt 400 Millionen Pfund, zusammengesetzt aus öffentlichen und privaten Mitteln, im Stadtteil
investiert. (vgl. MacDonald 2004: 71; MCC 2015i)
Zwar begann der Abriss einzelner Gebäude bereits in den
1980er Jahren, doch reichte dieser bis in die 1990er Jahre (vgl. Dean 1996: 106). Zwischen 1992 und 1997, im
Zuge der City Challenge, wurde eine Fläche von rund 50
ha geräumt und neubebaut. Hierunter befanden sich auch
die berühmt berüchtigten Crescents, welche nach einer
Lebensdauer von nicht einmal 30 Jahren als nicht mehr
erhaltenswert eingeschätzt wurden. 3.000 neue Wohneinheiten, Büros und gemeinnützige Einrichtungen entstanden. (vgl. MacDonald, MCC 2004: 71, Kreutz 1999: 66)
Der Stadtteil heute
Im Zuge der Neubebauung fand eine Berücksichtigung
und Wiederherstellung der viktorianischen Straßenführung statt. Zudem orientierten sich die Planungen
der baulichen Anlagen an der traditionellen englischen
Bauform und eine kleinere Maßstäblichkeit fand Anwendung. Maximal vier Geschosse an Hauptstraßen
und maximal drei Geschossen an Wohnstraßen wurden
vorgesehen. Die bauliche Dichte wurde im Vergleich zu
jener im Bereich der Crescents vervierfacht – auf rund 80
WE/ha – und entlang der Stretford Road wird wieder eine
Funktionsmischung angeregt. Eine weitere Änderung ist
die klare Abgrenzung zwischen verschiedenstufigen Freiund Grünräumen sowie der Erhöhung der Freiraumqualität. (vgl. Kreutz 1999: 67 ff.) Als gelungenes Beispiel kann
der Hulme Park (siehe S. 60 f.) aufgeführt werden.
Der Wohnungsbestand besteht heute zum größten Teil
aus Geschosswohnungen (70,9 Prozent), der traditionellen englischen Wohnform der Reihenhäuser (18,1
Prozent) sowie Doppelhäusern (8,1 Prozent). Hiervon
sind 42,8 Prozent privat vermietet, 38,1 Prozent stellen
Sozialwohnungen dar und 19,1 Prozent werden durch die
Eigentümer selbst genutzt. (vgl. MMC 2014: 4)
Die bauliche und gleichzeitig quantitative Stadterneuerung ist nahezu abgeschlossen, dennoch greifen weiterhin verschiedene Maßnahmen der Stadterneuerung.
Sie lassen sich als Maßnahmen der qualitativen Aufwertung und Weiterentwicklung des Stadtteils beschreiben.
Schwerpunkte für die Entwicklung des Stadtteils Hulme,
denen die drei Eckpfeiler Wachstum, Verbesserung und
Positionierung (englisch auch Growth, Reform und Place)
zugrunde liegen, können dem Hulme Ward Plan 2014-15
entnommen werden. Als den drei Schwerpunktthemen
zugeordnete Maßnahmenpakete werden die Verbesserung der Umwelt, das Reduzieren von Arbeitslosigkeit,
die Unterstützung von jungen, aber auch von alten und
benachteiligten Bewohnern sowie von Familien benannt.
Weiterhin nehmen die Sicherheit im Quartier, das bürgerliche Engagement und die Unterstützung bereits angestoßener Stadterneuerungsmaßnahmen (z.B. Birley Field
Campus) einen hohen Stellenwert im Aktionsplan ein.
Als die Maßnahmen konkretisierendes Dokument kann
des Weiteren der Hulme Ward Action Plan 2014-15, mit
detaillierten Angaben zur Maßnahme, der Leitung sowie
dem zeitlichen Horizont, herangezogen werden. So fällt
unter das Maßnahmenpaket zur Versebesserung der Umwelt im Stadtteil zum Beispiel die Erstellung einer Green
Strategy. Diese Maßnahme, welche übergeordnet dem
Schwerpunkt Place zugeordnet ist, soll durch das MCC
Central Regeneration Team geführt werden. Als beispielhaftes, dieser Strategie dienendes Projekt ist neben den
Birely Fields auch das Hulme Community Garden Centre
benannt. (vgl. MCC o.J.a: 1 ff.; MCC o.J.b: 2 ff.)
3 — Ausgewählte Orte im Stadtteil
Hulme Park
AF — Der gut vier ha große Hulme Park als Teil der
Stadterneuerung des gleichnamigen Stadtteils wurde
vom Manchester City Council, in Zusammenarbeit mit der
Hulme Regeneration Limited und der Moss Side and Hulme Partnership beauftragt, ab 1999 geplant und in zwei
Phasen errichtet. Zuerst erfolgte der Bau der Infrastruktur, in der zweiten Phase die Detailarbeit. Der im März
2001 fertiggestellte Park kostete 2,67 Millionen Pfund. Im
Norden wird er durch den Mancunian Way und im Süden
durch die Stretford Road begrenzt. Zentrale, den Park
Abb. 5.1: Wohnbebauung entlang der Old Birley Street (Ecke Greenheys Lane West)
59
einfassende infrastrukturelle Einrichtungen sind das Zion
Arts Centre an der Stretford Road sowie die Grundschule
an der Royce Road und das Proctors´ Youth Centre, als
betreutes Jugendzentrum. (vgl. MacDonald; MCC 2004:
86, 89; Landscape Projects o.J.)
Vormals vom viktorianischen Straßennetz durchzogen
und dicht bebaut, waren die Flächen des heutigen Parks
der Standort für einen Teil der berühmt berüchtigten Crescents. Historisch von Interesse ist jene Fläche auf der
der erste Rolls Royce Silver Ghost gebaut wurde. Diese
wurde im Park durch ein Denkmal gekennzeichnet. (vgl.
MacDonald; MCC 2004: 86)
Zur Gestaltung des Parks wurde ein Wettbewerb ausgelobt, den das Büro Landscape Projects für sich entschied.
Zentraler Gedanke war die Schaffung einer sicheren,
attraktiven, multifunktionalen, aber auch mit Verweis auf
die bedeutungslosen und undifferenzierten Grün- und
Freiflächen zur Zeit der Crescents, strukturierten Grünfläche, die zudem als Verbindungselement vom Stadtteil
in die Innenstadt fungiert. Die Ausgestaltung des Hulme
Parks wurde in einem partizipativen Prozess, der anhand
von Konsultationen und Workshops abgehalten wurde,
zusammen mit den Bewohnern erarbeitet. (vgl. Davey
2002: 115; MacDonald; MCC 2004: 86)
Abb. 5.2: Hulme Park
60 Abb. 5.3: Vorplatz Hulme Park an der Stretfort Road
Geöffnet von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang dient
der Park somit als offen gestaltete Grünfläche der Erholung, der Freizeitbeschäftigung sowie des Austausches
der Bewohner. Dies zeigt sich auch an der Gestaltung
und Ausstattung der Parkanlage. Sie ist gekennzeichnet durch Kinderspielplätze und multifunktionale Qutdoor-Spielflächen, ein Fußball- und Basketballfeld sowie
eine Sitzecke, einen Sinnesgarten sowie einen BMX- und
Skatepark. Gegenüber dem Zion Art Centre – als Vorplatz des Hulme Parks – wurde ein gepflasterter Platz
angelegt. Dieser kann als Marktplatz, für Veranstaltungen
oder von ansässigen Tanzgruppen genutzt werden. Ein
weiteres Kennzeichen des Parks ist der Einbezug des
vorhandenen Straßennetzes, was an der Wegeführung
erkennbar ist. So besitzt der Hulme Park zwei Hauptwegebeziehungen sowie ergänzend verbindende Wege
einer zweiten Stufe. Der Active Walk gestaltet sich als
Direktverbindung zur Innenstadt; unterstützt durch eine
über die Stadtautobahn reichende Fußgängerbrücke.
Des Weiteren durchzieht eine kurvige Promenade das
Parkgelände und gliedert gleichzeitig die verschiedenen
Themenbereiche (Sport, Spiel, Kunst). Als Verbindungselemente der thematischen Bereiche dienen Baumgruppen und Grünflächen. Auf eine sichere Atmosphäre wurde
– mit Verweis auf den Ruf des Stadtteils zur Zeit der
Crescents – sehr viel Wert gelegt, so dass die Vermeidung von dunklen und unsicheren Ecken einen großen
Stellenwert hat. Um ein sicheres Gefühl bei den Nutzern
zu erreichen, wurden zwei Techniken angewandt: Zum einen ist der Park an keiner Stelle breiter als 70 m, so dass
die Überschaubarkeit gewährleistet bleibt. Zum anderen
soll durch die benachbarte Wohnbebauung sowie durch
die Kreuzung des Parks mit der Royce Road und durch
angrenzende Parkflächen ein Gefühl der Belebung und
gleichzeitig der Kontrolle und Überwachung erzeugt werden. Die Abmessungen des Parks sind klar definiert und
durch eine flache Steinmauer sowie unterstützend durch
horizontal verlaufende und schräg angebrachte Geländer
abgesteckt. Die Zugänglichkeit ist durch verschiedene
Eingänge gewährleistet. (vgl. MCC 2015g; Landscape
Projects o.J.; MacDonald; MCC 2004: 86; Design Council
2011: 26)
Im Jahr 2000 gewann der Hulme Park den Civic Trust
Award. Ergänzend benannte der Design Council ihn in
seiner Fallstudienpublikation Design out Crime als ein
gelungenes Beispiel für Kriminalitätsprävention im öffentlichen Raum. (vgl. Landscape Projects o.J.; MacDonald;
MCC 2004: 88; Design Council 2011: 26 f.)
Hulme Arch Bridge
JK — Die Hulme Arch Bridge, auch als Stretford Road
Bridge bekannt, wurde als Teil der Stadterneuerung des
Stadtteils Hulme erbaut. 1992 während der vierten Phase
der Hulme City Challange-Initiative in Auftrag gegeben,
wurde diese im Jahr 1997 fertiggestellt (vgl. Lee 2009:
1, Structurae 2015). Mit der Errichtung der Bogenbrücke
konnte eine Verbindung der östlich und westlich verlaufenden Stretford wiederhergestellt werden, welche einst
durch den Bau der Princess Road 1962 unterbrochen
wurde und die Stretford Road teilte. Heute als eines der
Wahrzeichen von Hulme bekannt, ermöglicht die Brücke nicht nur Fußgängern, sondern auch dem übrigen
Straßenverkehr die Überquerung der Princess Road zu
den umliegenden Universitäten und Stadtteilen. (vgl. Lee
2009: 1)
Abb. 5.4: Arch Bridge
Die Hulme Arch Bridge, welche innerhalb eines Design
Wettbewerbes von Ove Arup & Partners und Chris Wilkinsons Architects geplant wurde, erweist sich heute als
eine als gateway funktionierende Bogenbrücke aus einer
Beton- und Stahlkonstruktion, welche die von Norden
nach Süden verlaufende Princess Road in 25 Meter Höhe
mit einer Länge von 52 Metern überspannt. Die Brücke
steht für eine gelungene Integration von Architektur und
Technik innerhalb des Stadtraumes. (vgl. ebd.)
Birley Fields
Campus der Manchester Metropolitan University
AF — Eingefasst durch die Old Birley Street im Westen,
die Stretford Road im Norden und die Princess Road im
Osten erstreckt sich der Birley Fields Campus der Manchester Metropolitan University auf einem elf Acre (ein
ac entspricht 4,047 m2) großen Areal. (vgl. Peter Brett
Associates 2015: 4 f.)
Im Jahr 2009 stellte die Manchester Metropolitan University Pläne zur Entwicklung des Geländes vor. Diese
Planungen sahen eine Mischnutzung vor. Angesiedelt
werden sollten zwei Fakultäten. Zusätzlich war die
Schaffung von Studentenwohnungen, eines Gemein-
Abb. 5.5/5.6: Studentununterkünfte
61
Abb. 5.7: Universitätsgebäude
schaftsplatzes, Parkplätzen und Büros vorgesehen. Im
ersten Quartal 2012 begannen die Bauarbeiten auf dem
Areal. Der Campus öffnete schlussendlich im September
2014 und beherbergt neben dem Universitätsgebäude
(Brooks Building) und den beiden Fakultäten für Bildung
und Gesundheit sowie jene für Psychologie und Soziale
Arbeit (Education and Health, Psychology and Social
Care), Unterkünfte für 1.200 Studenten, ein Parkhaus, ein
Zentrum für umweltfreundliche Energie sowie öffentliche
Gärten und Anlagen für gemeinschaftliche und sportliche
Nutzungen. Die zuvor angestrebte Mischnutzung wurde
nicht realisiert. Der Umweltschutz und Nachhaltigkeitsaspekte sind große Themen des neuen Campus. Das
Brooks Building wurde mit einem englischen Energiezertifikat (BEEAM) ausgezeichnet und innerhalb des Campus
besteht die Möglichkeit der eigenen Energiegewinnung
und -rückgewinnung. Das Brooks Building beinhaltet verschiedene Nutzungen: So finden sich in ihm neben den
universitären Einrichtungen auch ein Restaurant, ein Café
sowie ein flexibel gestaltbares Foyer. Neben Bereichen,
die dem sozialen Lernen dienen, gibt es des Weiteren
ein Schauspielstudio. Täglich pendeln rund 6.500 Studenten und Arbeitnehmer zum Campus. Mit Abschluss
der Arbeiten des 139 Millionen Pfund schweren Stadterneuerungsprojektes der Universität soll der Campus 24
Stunden am Tag und sieben Tage die Woche – nicht nur
für Studenten, sondern vor allem auch für die örtliche Gemeinschaft – zugänglich sein. (vgl. MCC 2014g: 38; Peter
Brett Associates 2015: 4 f.; Keane, Abend: 2015)
Hulme High Street
AF — Von der Stretford Road nach Richtung Süden
führt die Old Birley Street zur Hulme High Street. Die
Sanierungsmaßnahmen der Hulme High Street kosteten
insgesamt 280 Millionen Pfund und wurden im Jahr 2007
als Teil der Stadterneuerung des Stadtteil Hulme abgeschlossen. Die Maßnahme dauerte insgesamt zehn Jahre
und umfasste nicht nur die Erneuerung von 67.000 m2
Verkaufsfläche und den Bau 550 neuer Wohneinheiten,
sondern auch der auf den Abbildungen zu sehende Platz,
inklusive der Markthalle sowie die kleinen Verkaufseinheiten und ein Freizeitzentrum wurden geschaffen beziehungsweise erneuert. Der Hulme High Street Outdoor
Market öffnete im Januar 2014 (vgl. MCC o.J.a: 3). Als
strategischer Partner unterstützte Muse als Projektentwickler das Manchester City Council während des City
Challenge Programmes und so auch bei der Stadterneuerungsmaßnahme zur Aufwertung der Hulme High Street.
(vgl. Keane, Abend: 2015; Muse o.J.)
Hulme Community Garden Centre
62 Abb. 5.8: Blick entlang der Hulme High Street Richtung Süden
JK — Das Hulme Community Garden Centre ist ein Gemeinschaftsgarten, der in der Old Birley Street liegt. Er ist
der Anlaufpunkt für Bewohner des Stadtteils Hulme und
deren Nachbarn, wenn es um die Gestaltung von Garten- und Balkon, das Mitwirken bei Umweltprojekten und
Fragen zu Pflanzen und deren Anbau geht. Der Gemein-
schaftsgarten kann als eine Art Projekt der Stadterneuerung von Hulme angesehen werden, da dieser während
der Zeit der Stadterneuerung Hulmes von drei Anwohnern
im Jahr 1999 gegründet und in Handarbeit mit eigenen
Mitteln und der Unterstützung von gespendeten Materialien angelegt wurde. Mit dem Gemeinschaftsgarten wurde
von Anfang an das Ziel verfolgt, das zersplitterte und sich
erneuernde Hulme mit Grünflächen zu versorgen und
ein gesundes Leben durch selbständige Gärtnerei und
den Anbau von Obst und Gemüse zu fördern. Darüber
hinaus sollte dieser eine Anlaufstelle bieten, um etwas
über Pflanzen und Natur zu erfahren und in dieser auch
tätig zu werden. Die öffentliche Grünfläche, die früher nur
aus einer Brachfläche und einem stillgelegten Parkplatz
bestand, ist heute zu einer Gemeinschaftsfläche für Gartenarbeit mit eigenem Gartencenter herangewachsen und
stellt für die Einwohner Hulmes einen neuen Siedlungsmittelpunkt für Kommunikation und Zusammenarbeit in
der Natur dar. (vgl. Hulme Comunity Garden Centre o.J.)
Heute ist der Garten ein fester Bestandteil Hulmes und
bietet neben einer großen Pflanzenauswahl zum Kauf
verschiedene Veranstaltungen und Projekte an. Beispielsweise die Grünflächengestaltung von Schulen, die Integration, Förderung und Rehabilitation von Menschen mit
Behinderung innerhalb des Gemeinschaftsgartens und
einige Maßnahmen. wie beispielsweise Gartenführungen
um das Wissen über den Gartenbau und die Natur zu
erweitern (vgl. ebd. und Hulme Comunity Garden Centre
o.J.a). Vor allem stehen dabei die Gedanken der lokalen
Gemeinschaft, der Nachhaltigkeit, des Recycelns sowie
des Schutzes der Umwelt im Vordergrund (vgl. Hulme
Comunity Garden Centre o.J.). Das Hulme Community
Garden Centre ist eine kleine grüne Oase inmitten von
Hulme und täglich für einen Besuch geöffnet.
Abb. 5.9: Zentraler Platz Hulme High Street
Abb. 5.10: Zentraler Platz Hulme Higth Street mit Blick auf die flexiblen
Stände (Hulme High Street Outdoor Market)
Abb. 5.11: Eingang Hulme Community Garden Centre
Abb. 5.12: Übersichtsplan
63
South —
Fallowfield
Jennifer Kögler
Universität — Entwicklung
eines Studentendorfes —
Nachtökonomie — Erwei­
terung des Einzelhandels
1 — Einleitung
Südlich von Hulme liegend lässt sich der besonders bei
Studenten beliebte und von ihnen bewohnte Stadtteil Fallowfield finden, der seine nächtliche Lebendigkeit entlang
der Wilmslow Road in zahlreichen Bars, Kneipen und
Restaurants präsentiert (vgl. Manchester UK 2013). Der
Stadtteil von Manchester grenzt nördlich an die Bezirke
Moss Side und Rusholme und südlich an den Stadtteil
Withington an. Die Grenze im Osten bildet Levenshulme
und im Westen Whalley Range. (vgl. Manchester UK
2013a)
Die Wilmslow Road, die sich von Norden nach Süden
durch Fallowfield zieht, ist die direkte Verkehrsverbindung
zur fünf Kilometer nördlich entfernten Innenstadt Manchesters (vgl. MCC 2011: 6).
2 — Geschichte
6
Die ersten urkundlichen Erwähnungen zur Existenz von
Fallowfield lassen sich auf das Jahr 1317 als damalig
noch Fallawfeld datieren (Cooper 2002: 75). Den heutigen Namen Fallowfield erhielt der Bezirk erst viel später.
Noch bis in das 19. Jahrhundert war Fallowfield landwirtschaftlich geprägt und viele bäuerliche Betriebe befanden
sich dort. Mit der voranschreitenden Industrialisierung
und dem damit einhergehenden Bevölkerungswachstum
entwickelte sich Fallowfield auch zu einem Wohnbezirk,
da gerade die damalige Middle Class in diesen Randbezirk Machesters zog, um dort zu leben. Zu dieser Zeit
wurden die ersten bedeutsamen Häuser erbaut, einige
von dem bekannten Architekten Alfred Waterhouse, der
auch die Manchester Town Hall entwarf. Einhergehend
mit der Erschließung über die Wilmslow Road nach Manchester und dem später erfolgten Eisenbahnanschluss
verstädterte sich Fallowfield zunehmend. (vgl. Manchester UK 2013) Mit der voranschreitenden Urbanisierung im
frühen 20. Jahrhundert verschwanden alle Farmen und
Fallowfield wurde zu einem Wohnort (vgl. ebd.). Mit der
Errichtung des Fallowfield Campus der University of Manchester wurde der Stadtteil zu einem Wohn- und Studentenbezirk. Seit 1904 gehört der gesamte Stadtteil Fallowfield zur City of Manchester. (vgl. Cooper 2002: 75f.)
3 — Schul- und Studentenbezirk
Neben dem Campus der University of Manchester und
dem Holling Campus der Manchester Metropolitan University siedelten sich auch einige Schulen in Fallowfield
an, darunter die Grammar School in Old Hale Lane, eine
der Top Ten Schulen in England oder die Manchester
High School for girls (vgl. Manchester UK 2013).
64
Der Fallowfield Campus der University of Manchester
besteht aus einer Reihe von verschiedenen Gebäudekomplexen mit unterschiedlichen Wohneinheiten für Studierende. Neben den Unterkünften zum ausschließlichen
Wohnen und Lernen stehen den Studierenden weitere
Einrichtungen und Anlagen für die Freizeitgestaltung zur
Verfügung (vgl. The University of Manchester 2015).
Seit 2013 ist der studentische Lehrbetrieb auf dem
Holling Campus der Manchester Metropolitan University
eingestellt und wurde seitdem auf dem neu angelegten
Birley Campus in Hulme fortgesetzt. Nach dem Umzug
der Universität steht das 1960 errichtete Wahrzeichen
der Toast-Rack früher als Lehrgebäude genutzt, leer. Bis
heute wird dieses denkmalgeschützte Gebäude zum
Verkauf angeboten und wartet auf eine neue Funktion.
(vgl. Mckeegan 2013)
4 — Fallowfield Heute
Fallowfield hat sich heute zu einem lebendigen Wohnund Studentenbezirk mit vielerlei Angeboten im Freizeitsektor und in der Abendgestaltung entwickelt (vgl. Man-
chester UK 2013; MCC 2011: 6). Der Stadtteil zählt zu
einem der bekanntesten und anerkanntesten Studentenorte von Manchester (vgl. The University of Manchester
2015). Seine Attraktivität und Lebendigkeit erhält dieser
durch die jungen und freizeitorientierten Bewohner und
Besucher (vgl. MCC 2011: 6). Etwa 39,9 % der Bewohner
Fallowfields sind Schüler und Studenten, im Vergleich
dazu sind es in ganz England nur 13,4 % der gesamten
Einwohner (vgl. ebd.: 7). Dieser hohe Anteil vor allem an
Studenten und Schülern charakterisiert und prägt den
Bezirk und steht zugleich für seine Stärken und Schwächen. Besonders die Einzelhandelsversorgung, die relativ
eingeschränkt ist - im Vergleich zu seinen Nachbarbezirken – weist Schwächen auf, da diese vornehmlich auf die
Gruppe der Studenten und Schüler zugeschnitten ist. (vgl.
ebd.: 6) Die in Fallowfield vorherrschende Versorgung
ist geprägt von unzähligen Restaurants, Kneipen, Cafés,
Bars und Geschäften zur Versorgung von Studenten und
Schülern (vgl. The University of Manchester 2015).
65
Der Fallowfield District Centre Action Plan 2010-2020
Abb. 6.2: Der „Toast-Rack“ am Abend
Abb. 6.3: Der „Toast-Rack“ zu Verkaufen
Der hohe Anteil an Studenten sowie die eingeschränkte Einzelhandelsversorgung sind zwei von mehreren
angesehenen Problemen bzw. Schwächen von Fallowfield (vgl. MCC 2011: 6). Diese sollen mit dem Fallowfield District Centre Action Plan 2010 – 2020, der von
der städtischen Regierung beschlossen wurde, beseitigt
werden. Der Action Plan benennt darüber hinaus auch die
Stärken des Stadtteils, die in einem Zeitraum von zehn
Jahren nach bestimmter Zielsetzung verstärkt werden
sollen um das Ansehen des Stadtteil längerfristig aufrecht zu erhalten (vgl. ebd.: 4). Demnach soll Fallowfield
seine Einzigartigkeit als Zentrum des studentischen und
nächtlichen Lebens weiterhin bewahren und Veränderungen hinsichtlich eines attraktiven Stadtteils - nicht nur am
Abend - angehen. Dabei sollen Ziele wie beispielsweise
eine Verbesserung in der Einzelhandels- und Gastronomieversorgung durch die Ansiedlung von neuen und
den Bedarf deckenden Geschäften und Lokalen verfolgt
werden um einen Anziehungspunkt nicht nur für die lokale
Bevölkerung Fallowfields, sondern auch für die direkten Nachbarschaftsbezirke zu schaffen. (vgl. ebd.: 2, 7)
Weiterhin werden Verbesserungen der Sicherheit bei Tag
und Nacht und im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs
angestrebt - besonders entlang der Wilmslow Road. Aber
auch der Aspekt der Grünflächenversorgung soll genauer
betrachtet und angegangen werden, um den Forderungen der Bewohner von Fallowfield nach einer dauerhaften
Zugänglichkeit von Parkanlagen gerecht zu werden. (vgl.
ebd.: 2, 10)
Die Verantwortlichen und Träger der Projekte des District Centre Action Plans sind vornehmlich die städtische
Regierung und das Regeneration Team Manchesters.
In Zusammenarbeit mit anderen Akteuren, wie z.B. The
University of Manchester, wollen diese die angestrebten
Ziele verwirklichen um Fallowfield zukünftig zu einem besonderen und anziehenden Stadtteil zu machen. Sowohl
von privater als auch von öffentlicher Seite wird der Plan
finanziell unterstützt und gefördert. (vgl. ebd. 17)
Ein besonders hervorzuhebendes Projekt, welches nach
dem Ziel des Fallowfield District Action Plans strebt und
die Veränderung bzw. Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation der derzeitigen und zukünftigen Studenten
von Fallowfield verfolgt, ist die Planung und die damit in
Verbindung stehende Errichtung eines Studentendorfes
innerhalb des Owens Parks auf dem Universitätsgelände
von Fallowfield. Mit der Unterstützung eines Investitionsunternehmens strebt die University of Manchester
an, 3000 moderne und für einen Studenten bezahlbare
Wohneinheiten zu schaffen, sowie den dort zukünftig
lebenden Studierenden auch den Zugang zu allen neu
entstehenden Einrichtungen zu ermöglichen. Die erste
Phase der drei angestrebten Bauphasen soll voraussichtlich am Anfang des Studienjahres 2018/2019 realisiert
werden. (vgl. The University of Manchester 2015)
66
Abb. 6.4/6.5: Fallowfield am Abend
— Niels Kramer/Jennifer Kögler
67
Fazit
Nina Janssen
Manchester in einem Satz
„Manchester ist eine vielseitige und aufsteigende Stadt
im Wandel.“ Melanie
„Eine Stadt die sich ganz im Sinne des Manchester Kapitalismus ständig neu erfindet und erneuert ohne dabei
von dem baukulturellen Erbe erdrückt zu werden.“ Lukas
„Backsteinromantik trifft ungezügeltes Bauen.“ Niels
7
„Ich will die Nummer 2 – hinter London – in Großbritannien werden.“ Adina
„Manchester. City of controversies.“ Steffen
„Eine pulsierende Stadt, die sich zunehmend in Richtung
der modernen Großstädte weltweit entwickelt und definitiv einen Städtetrip wert ist.“ Jennifer
„Manchester als eine gewollte und geplante Stadt, die
ihren Niedergang überlebte und sich neu entdeckt hat.“
Nina
„Dornrösschen ist erwacht.“ Silvia
„Ihr habt noch viel zu tun, versucht es ein wenig schöner
zu machen.“ Matthias
„Manchester ist seit je her ein Musterschüler des britischen Kapitalismus, der sich seit kurzem auch Stil und
Charakter zulegt.“ Philipp
„Eine feinteilige Collage aus Gegensätzen.“ Kathrin
68
„Die Stadt ist wie die Menschen: Rauer Kern und hier
und da schicke, moderne Accessoires. Aber an manchen
Ecken kommt immer noch die wilde Seite zum Vorschein. Das sollte so bleiben.“ Marian
Das Exkursionsseminar „Ökonomie der Stadterneuerung“
bestand aus drei Vorbereitungsterminen und einer Exkursion von fünf Tagen nach Manchester. Die Teilnehmer
haben unter der Koordination von Josiane Meier Aufgaben in Form von Stadtführungen und spezielle Inputs
verteilt und selbstständig erarbeitet. Jeder Teilnehmer galt
durch seine Vorrecherche als Experte auf einen Themenbereich. Die Entwicklung der einzelnen Stadtviertel wurde
in den vorherigen Kapiteln bereits beschrieben. In diesem
Fazit soll keine weitere objektive Darstellung stattfinden,
sondern eine Sammlung von Meinungen, Beobachtungen und Erinnerungen an Manchester entstehen. Dies
ist auch der Grund warum keine Bestandsaufnahmen,
Analysen oder Vergleiche vor Ort durchgeführt wurden,
mit Ausnahme der Fortführung von den Vorher-Nachher
Fotos. Die Sammlung an eindrücken erfolgt anhand von
drei Fragestellungen, die im Folgenden näher beschrieben werden.
Die erste Frage wird an die jeweiligen Experten der
Stadtviertel gestellt und lautet; „Was hat euch in eurem
eigenen Vortragsthema besonders beeindruckt?“ Ausgangspunkt dieser Fragestellung ist, dass es zu jedem
der vorgestellten Stadtviertel und Exkurse eine Meinungsäußerung geben soll. Die zweite Frage bezieht sich auf
die Stadterneuerungsstrategien, sie lautet; „Was ist aus
eurer Sicht prägend für die Stadterneuerungsstrategien
in Manchester?“. Diese Frage wird durch immer wieder
kommende Schlagwörter, aus den Texten der teilnehmenden Studenten entnommen und in verschiedenen Größen
dargestellt, um die Relevanz der Schlagwörter für die
Exkursionsteilnehmer zu verdeutlichen. Die dritte Frage
zielt auf das Bild ab, welches den Exkursionsteilnehmern
im Gedächtnis geblieben ist und lautet; „Wie würdet Ihr
Manchester in einem Satz beschreiben?“ Die Antworten
verdeutlichen die Vielfalt der Eindrücke, die den Exkursionsteilnehmern von Manchester geblieben sind.
Manchester kann anhand dieser Antworten als eine
ökonomisch erfolgreich ausgerichtete Stadt betrachtet
werden. Besonders auffallend für die Teilnehmer sind die
Finanzierungsmethoden durch Public-Privat-Partnerschaften und die Vermarktung, die zum Großteil von der
Stadt übernommen wird. Die Erneuerungsstrategien der
Stadt Manchester können anhand der Meinungsäußerungen als Erfolg betrachtet werden.
Was hat euch in eurem eigenen
Vortragsthema/ Vortragsgebiet
besonders beeindruckt?
Salford
Es war interessant zu sehen, wie widersprüchlich die
Kommunikation der Projekte nach außen (Werbung,
Internetauftritte) und der tatsächliche Entwicklungsstand
waren – teilweise stellte ich mir großartige Bauwerke vor,
doch in der Realität wurde noch nichts von den Plänen
umgesetzt. Marian
Nighttime Economy
Dass das Thema „Öffentliche-Sicherheit“ der dreh und
Angelpunkt ist: ursprünglich war es ein Argument für die
Lockerung von Vorschriften, die das Nachtgeschäft, insb.
das Geschäft mit Alkohol einschränkten, heute wird die
lockere Lizenzierungspraxis als Grund für einen Anstieg
der Kriminalität betrachtet. In Wirklichkeit hat sich aber
vor Allem die öffentliche Wahrnehmung von Kriminalität
verändert. Kathrin
Hulme
Ich habe den Stadtteil Hulme bearbeitet. Mich beeindruckt hat die Geschichte des Stadtteils, weil es zweimal
zum Slum erklärt und (fast) komplett abgeräumt sowie
jeweils einer neuen Bebauung zugeführt wurde. Zuerst
von einer absolut schädlichen Dichte, dann wollte man
„was neues“ ausprobieren – die Cresents kamen – und
zum Schluss ist man doch wieder bei der traditionellen
Bauweise gelandet. Adina
New Islington
New Islingtons Neuplanung beeindruckt durch die Diskrepanz zwischen glorreichen Beschreibungen der
Entwicklungen und dem Eindruck des Scheiterns vor Ort.
Spannend ist es nun die zukünftigen Entwicklungen zu
beobachten, nachdem ein neuer, starker Investor gefunden wurde. Steffen
NOMA, Millenium Quarter & St. Peters Square
Besonders beeindruckend fand ich - im Rahmen der
Recherche für das Vortragsthema - das offensichtliche
Marketing, welches betrieben wird um Investoren in neue
bzw. umgestaltete Stadtgebiete zu locken. Vor Ort zeigte
sich dann entgegen dem Marketing ein noch ganz anderes, unfertiges Manchester. Melanie
Northern Quarter
Ich mag die kulturelle Vielfalt, wie sie in Berlin und besonders in Neukölln und Kreuzberg erlebbar ist sehr. Einen
ähnlichen Eindruck hatte ich im Northern Quarter auch.
Matthias
Ancoats
Denkmalschutz lebt fast ausschließlich von privatem
Engagement. Sogar die vom Land zur Verfügung gestellten Gelder für Sanierungsprojekte können nicht von der
öffentlichen Hand, sondern nur von den treuhänderischen
Organisationen beschafft werden. Am besten erhalten
bleiben also die Gebäude und Stadtviertel, für die sich die
unternehmerisch befähigsten Organisationen einsetzen.
Silvia
Salford Quays
Beeindruckend war es, wie ein Leuchtturmprojekt wie das
Lowry in den Salford Quays in kurzer Zeit zu unheimlich
vielen privaten Investitionen führen konnte und dadurch
zum wirtschaftlichen Wachstumsmotor der Region wird.
Insgesamt waren die Projekte sehr gut aufbereitet; zu aktuelleren Vorhaben sind häufig detaillierte und anschauliche Assessments, Berichte und Evaluationen verfügbar.
Philipp
Castlefield
In Castelfield wurden die ersten künstlichen Kanäle gebaut, die bis heute existieren und das Stadtbild maßgeblich mitgestalten. Um diese künstlichen Kanäle wurden
viele neue Techniken zum Be- und Entladen der Schiffe
entwickelt. Einige sind bis heute noch besichtbar und verdeutlichen dadurch die frühere Funktion von Castlefield
als lebendiger Umschlagsort für Waren. Nina
Fußball und Stadterneuerung
An Manchester United hat mich fasziniert, dass man
den Fußballverein als solchen eigentlich gar nicht mehr
erkennt. Stattdessen müsste man wohl eher von einem
Unternehmen sprechen, das Fußball betreibt und diesen
auf der ganzen Welt verkauft. Niels
Greengate
Besonders beeindruck hat mich die Dynamik mit der
das Gebiet rund um die Chapel Street umgestaltet wird.
Bemerkenswert dabei ist, dass die öffentliche Hand vergleichsweise „billig“ davon kommt, während das Gros von
den privaten Investoren getragen wird. Lukas
Fallowfield
Die umliegenden Stadteile (Hulme, Fallowfield) geben im
Vergleich zum Kern der Stadt einen wirklichen Eindruck in
das Leben der Einwohner Manchesters. Jennifer
Was ist aus eurer Sicht prägend für
die Stadterneuerungsstrategien in
Manchester?
Effizienz
Moderne Ideen
private Investoren
öffentliches Interesse
historisches Erbe
Kreativität
Private-Public-Partnerships
Neubau
ausländische Investoren
Denkmalschutz
Stadtverwaltung
Vermarktung
marktorientierte Planung
Öffentlichkeitsarbeit
Compulsory Purchase Order
Abriss
69
Exkurs
Manchester
Revisited
1978 — 2015
„Die stolze Fassade Manchesters ist zerbrochen.
Zwischen viktorianischen
Ziegelornament der Warenhäuser – heute unter Denkmalschutz – blinde Fenster,
vielleicht im Erdgeschoß
ein kümmerlich wirtschaftender Betrieb, verlassene
Fabrikgebäude, überflüssig
gewordene Gleisanlagen,
entlang der großen Ausfallstraßen ausgebrannte
Ladenzeilen, durch den
‚Teufelskreis der Armut‘
unbewohnbar gewordene
Wohnviertel.“
70
Diese Aussage trafen Friedemann Gschwind und Prof.
Dr. Dietrich Henckel im Jahr 1981 in der Bauwelt (Heft
24). Prof. Henckel gründete sie auf die Eindrücke, die
er im Rahmen eines längeren Aufenthaltes in der Stadt
gewonnen und auf dutzenden Fotographien dokumentiert
hat. So lässt sich der beschriebene Zustand Manchesters
auch heute – fast 40 Jahre später - noch gut nachvollziehen.
Herr Henckel hat den Teilnehmern des Seminars im Vorfeld der Exkursion freundlicherweise eine Auswahl dieser
- im Jahr 1978 entstandenen - Fotographien zur Verfügung gestellt. Ergänzt wurden diese Aufnahmen durch
weitere Fotographien Henckels aus dem Jahr 1987.
Angetan von dem Gefühl, das die Bilder vermittelten, hat
die Seminargruppe eine alte Idee von Prof. Dr. Uwe-Jens
Walther wieder aufgegriffen: Walther hatte Manchester
im Jahr 2005 im Rahmen einer Exkursion mit Studenten
besucht und zusammen mit ihnen versucht, die Bilder von
Prof. Henckel eins zu eins nachzustellen.
Auch die Teilnehmer des diesjährigen Seminars haben
dieses Vorgehen gewählt. Die im Jahr 2015 entstandenen Fotographien vermitteln im Kontrast zu den alten
Aufnahmen Henckels dabei ein Gefühl für die zahlreichen
Veränderungen, die Manchester in den letzten vier Jahrzehnten durchlaufen hat. Gleichzeitig zeigen sie auf der
anderen Seite auch, dass an vielen Stellen die Zeit fast
stehengeblieben zu sein scheint. Die Ergebnisse visualisieren demnach gleichzeitig den früheren Zustand, den
heutigen Charakter und die Entwicklung, die die Stadt in
den vergangenen vier Jahrzehnten durchlaufen hat. Sie
stellen folglich eine ideale Ergänzung zu den textlichen
Beiträgen dar und sollen an dieser Stelle auch der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden.
71
Refuge Assurance Company 1978 — Prof. Dietrich Henckel
72
Refuge Assurance Company 2015 — Silvia Groeger / Steffen Klotz
73
India House 1978 — Prof. Dietrich Henckel
74
India House 2015 — Silvia Groeger / Steffen Klotz
75
1978 — Prof. Dietrich Henckel
76
2015 — Josiane Meier
77
Central Station 1978 — Prof. Dietrich Henckel
78
Central Station / Gmax 2015 — Josiane Meier
79
Barton Arcade 1978 — Prof. Dietrich Henckel
80
Barton Arcade 2015 — Silvia Groeger / Steffen Klotz
81
Barton Arcade 1978 — Prof. Dietrich Henckel
82
Barton Arcade 2015 — Silvia Groeger / Steffen Klotz
83
Barton Arcade 1987 — Prof. Dietrich Henckel
84
Barton Arcade 2015 — Silvia Groeger / Steffen Klotz
85
Barton Arcade 1987 — Prof. Dietrich Henckel
86
Barton Arcade 2015 — Niels Kramer
87
Barton Arcade 1987 — Prof. Dietrich Henckel
88
Barton Arcade 2015 — Kathrin Krell
89
Arndale Centre 1987 — Prof. Dietrich Henckel
90
Arndale Centre 2015 — Melanie Montresor Alves
91
Hotel Mercure (ehemals Hotel Piccadily) 1987 — Prof. Dietrich Henckel
92
Hotel Mercure (ehemals Hotel Piccadily) 2015 — Niels Kramer
93
Hotel Mercure und Piccadily Gardens 1987 — Prof. Dietrich Henckel
94
Hotel Mercure und Piccadily Gardens 2015 — Niels Kramer
95
China Town 1987 — Prof. Dietrich Henckel
96
China Town 2015 — Silvia Groeger / Steffen Klotz
97
Victoria Station 1987 — Prof. Dietrich Henckel
98
Victoria Station 2015 — Kathrin Krell
99
Water Street 1987 — Prof. Dietrich Henckel
100
Water Street 2015 — Silvia Groeger / Steffen Klotz
101
Glossar
Kathrin Krell
24-Hour City
Stadtplanerisches Konzept, welches verschiedene Strategien umfasst um Stadtzentren nachts zu beleben. Insbesondere in Großbritannien war das Konzept eine direkte
Antwort auf die Suburbanisierung und Abwanderung
aufgrund des postindustriellen Strukturwandels. Ziele sind
u.a.: Sicherere Innenstädte, ein besseres Image und damit verbundene Investitionen und ökonomische Regeneration (vgl. van Liempt u.a. 2014: 411; Kapitel Night-Time
Economy)
Action for Cities Programm
Zentralstaatliches Förderprogramm Englands, welches
unter anderem den Schwerpunkt Tourismus hat (vgl.
Jessen 2007: 318).
8
102
Anti-Social Behaviour
Anti-Social Behaviour Order (ASBO)
Verhalten, das gegen anerkannte gesellschaftliche
Normen und Werte verstößt und das Zusammenleben in
einem Quartier stört. Beispiele sind Vandalismus, aggressives Verhalten/Bedrohung, Ruhestörung, das anbringen
von Graffitis, oder das Verschmutzen des öffentlichen
Raums durch Müll, Hundekot etc. (Cowan 2005: 9)
In der „Anti-Social Behaviour Order (ASBO)“ ist geregelt,
welche Strafe von der Polizei oder einer anderen Behörde über Personen älter als 10 Jahre verhängt werden
kann, die sich asozial verhalten. (ebd.) Die ASBO wurde
von der Blair-Regierung 1998 eingeführt. Es wird kritisiert,
dass sie viele kleinere Vergehen kriminalisiert, die vorher
straffrei waren.
Association of Town and City Management (ATCM)
Verband für Innenstadtentwicklung. Innenstadtentwicklung wird in Großbritannien fast immer mit öffentlich/
privaten Partnerschaften forciert. Der Verband ATCM
versteht sich als Dachorganisation für öffentliche, private und „Not for Profit“ Institutionen, die Einfluss auf die
Stadtentwicklung und diesbezüglich auf die politischen
Entscheidungsträger nehmen wollen. So vielfältig diese
Akteure sein können (von Umweltorganisationen, über
das Stadtmarketing bis zu Sicherheitsbeauftragten),
so vielfältig sind die Ziele, bei denen der ATMC seine
Mitglieder unterstützen will. Die Instrumente, mit denen er
hauptsächlich arbeitet, sind Labels (z.B. das „Purple Flag“
Label für vorbildliche Night-Time Economy), Checklisten, Maßnahmenplänen (z.B. „100 Ways to Help the High
Street“) und Wissenstransfer (Studien und Konferenzen).
(vgl. ATCM 2015a)
Back-to-back-houses
„Back-to-back-houses“ sind eine Bauform des viktorianischen Städtebaus. Zur Zeit der Industrialisierung ist diese
Bauform typisch für Wohnquartiere der Arbeiterklasse im
Norden Englands. Hierbei liegen die Hausreihen sich mit
ihren jeweiligen Rückseiten gegenüber. Parallel hierzu
reihen sich weitere Häuserreihen bis zur vollständigen
Bebauung des Grundstücks. Der Zugang erfolgte über
Tunnelgänge und kleine Innenhöfe. Gekennzeichnet
durch eine hohe bauliche Dichte sind Aspekte wie die
einer schlechten Belichtung und Belüftung sowie niedrige
sanitäre Standards prägend.. (vgl. Dettmer undKreutz
1999: Glossar 31; Kreutz 1999: 30 f.)
Binge-Drinking
Etwa mit Saufgelage, schnelles Trinken alkoholischer Getränke oder Kampftrinken zu übersetzen. Das Wort wird
gern auch gleichgesetzt mit nächtlichem „Anti-Social
Behaviour“ unter Alkoholeinfluss im Stadtzentrum (vgl.
Roberts & Eldridge 2009:85).
Building Research Establishment Environmental Assessment Method (BREEAM)
Von einem britischen Forschungsinstitut entwickelte Zertifizierungsmethode für Gebäude, bei der deren Einfluss
durch Bau und Betrieb auf die Umwelt errechnet wird. Je
nachhaltiger dabei die Gebäude sind, desto höher ist der
Punktestand. Vor dem Hintergrund der zunehmenden
Umweltbelastung und des Klimawandels – beides wichtige Themen im Rahmen der Stadtentwicklung und -erneuerung – stellt BREAAM ein mögliches Instrument zur
Überprüfung der Nachhaltigkeit neuer Projekte dar. (vgl.
BREAAM 2015)
Business Improvement District (BID)
Räumlich klar definierter Bereich, in dem die Grundeigentümer und Gewerbetreibende zum eigenen Vorteil
versuchen, die Standortqualität durch Maßnahmen zu
verbessern. Jedes Unternehmen im Gebiet bezahlt eine
Gebühr (BID Levy, i.d.R. rund 1 Prozent des Umsatzes).
So werden Projekte und Maßnahmen finanziert, die der
Verbesserung der Standortqualitäten dienen.
In England und Wales wurden BIDs durch den „Local
Government Act 2003“ definiert, rechtlich verankert und
unterstehen der Aufsicht des Staatssekretariats. BIDs
können für eine Laufzeit von fünf Jahren beantragt werden, mit der Option auf einmalige Verlängerung. Voraussetzung für die Verlängerung ist eine erneute Zustimmung
der beteiligten Gebührenzahler zu den zuvor unter ihnen
ausgehandelten Bedingungen des BIDs.
Zurzeit (2015) sind in Großbritannien rund 200 BIDs in
Kraft. (vgl. BritishBIDs 2015)
CCTV
Englische Abkürzung für „Closed Circuit Television“, zu
Deutsch Videoüberwachungsanlage.
Central Manchester Development Organisation
(CDMC)
Aufgrund politischer Änderungen im Bereich der Kommunalpolitik gründete die Stadt Manchester 1988 die Central
Manchester Development Corporation (CMDC). Diese
soll mithilfe des Planungsrechts und der Zusammenarbeit
von verschiedenen Akteuren sowie der zentralen Regierung eine städtische Entwicklung voranbringen. (vgl.
Jessen 2008: 90)
Clearance Area
Gebiet, das gewisse im „Housing Act 1959“ definierte
Kriterien erfüllt, welche es für die Wohnnutzung disqualifizieren. Als Kriterien werden z.B. eine enge, schlechte
Gebäudeanordnung oder Gefährdung der Gesundheit
der Bewohner angegeben. Die Einstufung als „Clearance Area“ erfolgte in der Regel durch einen städtischen
Gesundheitsinspektor, ohne Berücksichtigung sozialer
Netzwerke und anderen positiven Qualitäten, welche
ein solches Gebiet aber dennoch aufweisen kann. (vgl.
Cowan 2005: 355)
Compulsary Purchase
Compulsary Purchase Order (CPO)
Aus öffentlichem Interesse erzwungener Verkauf von
Land oder Privateigentum zu einem festgesetzten Preis
an die Regierung oder eine Behörde (vgl. Cowan 2005:
84). Die Compulsary Purchase Order (CPO) ist eine
Verordnung, welche solche Zwangsveräußerungen regelt
(vgl. Cowan 2005: 84).
Council Housing
Staatlich subventionierter Wohnungsbau, eingeführt nach
dem Ersten Weltkrieg. Die Mittel dafür wurden den Stadtverwaltungen von der Zentralregierung zur Verfügung
gestellt. Zwischen den Weltkriegen entstand so eine große Anzahl öffentlich finanzierter Mietwohnungen und die
Kommunen wurde zu den größten Wohnimmobilieneigentümern des Vereinigten Königreichs. Nach dem Zweiten
Weltkrieg geriet das „Council Housing“ jedoch aufgrund
der unterprivilegierten Verhältnisse, die dort herrschten, in
Verruf.
Die Thatcher-Regierung versuchte ab 1979 das Engagement, der mehrheitlich Labour regierten Städte in den
Wohnungsbau einzuschränken, indem sie die staatlichen
Mittel – selbst für den Unterhalt – stark kürzte. Gefördert
wurde nur noch eine andere Art von „Social Housing“,
welche durch politisch unabhängige Institutionen, z.B.
Housing Trusts, betrieben wurde. Die Städte waren so
gezwungen, einen Großteil ihrer Immobilien zu verkaufen.
Außerdem wurde der Erwerb der Sozialwohnungen durch
die Mieter gefördert. (vgl. Allain undBaudelle 2006: 37)
Conservation Area
Bereich, in dem bedeutende Architektur mit einem historischen Hintergrund geschützt wird (vgl. Jessen 2007:
317).
Listed Buildings
Objekte, die aufgrund ihrer architektonischen Qualität
oder ihrer historischen Bedeutung auf einer gesetzlich
festgelegten Liste eingetragen sind. Meistens, aber nicht
ausschließlich, handelt es sich um Einzelgebäude. Parks
hingegen werden auf einer anderen, nicht gesetzlich
festgelegten Liste geführt. Gelistete Denkmale bedürfen
für Veränderungen zusätzlich zur Baugenehmigung den
„Listed Building Consent“ – eine Sonderbewilligung einer
dafür zuständigen Behörde.
Es gibt drei Kategorien von Listed Buildings. Die bedeutendste Kategorie sind „Grade I Buildings“. Sie sind „von
außergewöhnlichem Interesse“. Die „Grade II* Buildings“
sind „von besonderer Bedeutung und mehr als besonderem Interesse“. Die letzte Kategorie, die „Grade II Buildings“, sind „von besonderem Interesse“, sie machen den
Großteil (92 %) der Listed Buildings aus. (vgl. Historic
England 2015a)
Das Listen von Gebäuden wurde während des Zweiten
Weltkrieges eingeführt, um die durch den Feind verursachten Schäden zu beziffern (vgl. Cowan 2005: 221).
English Partnerships (EP)
English Partnerships (EP) war die zentralstaatliche
Agentur für Stadtumbau seit 1999. Ihre Aufgaben lagen
vor allem im Landerwerb, der Zusammenlegung von Land
und der Betreuung großer Stadtentwicklungsprojekte. Die
Agentur arbeitete entweder als selbständiges Organ oder
in Kooperation mit Privatinvestoren. Rechtlich gesehen
bestand EP aus zwei unabhängigen Institutionen: Der
„Comission for New Towns“ aus dem Jahr 1961 und der
„Urban Regeneration Agency“, die seit 1993 existierte;
seit 2008 ersetzt die Agentur „Homes and Communities“ English Partnerships. Sie vereint EP mit Teilen des
„Departments for Communities and Local Government“,
das English Partnerships ursprünglich ins Leben rief. Der
Minister des „Departments for Communities and Local
Government“ bestimmte den Vorstand von EP und war
der Repräsentant vor dem Parlament.
English Tourist Board (ETB)
Eine Körperschaft öffentlichen Rechts – finanziert durch
das Ministerium für Kultur, Medien und Sport – deren
Aufgabe die Förderung des Tourismus ist.
Seine Aufgabe nimmt es wahr, indem es Ministerien, andere öffentliche Körperschaften sowie Quangos in Tourismusfragen unterstützt. (Parliament 1999)eren Aufgabe
die Förderung des Tourismus(vgl. Heath u.a. 1996: 83).
Europäischer Fonds für regionale Entwicklung
(EFRE)
Finanzielle Förderung zur Beseitigung von Ungleichheiten zwischen verschiedenen Regionen in Europa, zur
Stärkung des wirtschaftlichen, sozialen und territorialen
Zusammenhalts der Europäischen Union (vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie 2015).
103
Grade A Space
In einem informellen Klassifizierungssystem für Grundstücke die höchste erreichbare Einstufung. In der Regel
sind die Bodenpreise hier besonders hoch und es werden
daraus folgend Immobilien mit überdurchschnittlich hohen
Mieten erwartet. (vgl. Day o. J.)
Greater Manchester Archaeological Unit (GMAU)
Eine Institution, die sich als Verwalter des archäologischen Erbes von Greater Manchester verstehen. Die
Bezirksarchäologen fungieren zudem als Berater für
lokale Behörden, z.B. für die Unterschutzstellung, und sie
erstellen Standards für die Dokumentation des archäologischen Erbes in Entwicklungsgebieten. (vgl. AGMA
2015)
Home and Communities Agency
Nachfolgeorganisation der English Partnerships (EP).
Lottery Funds
In Großbritannien gibt es mehrere Lottery Funds, die
raumwirksame Projekte unterstützen. Es handelt sich bei
ihnen um departementunabhängige, öffentliche Institution
(vgl. Quango), welche die Erträge aus der National Lottery für „gute Zwecke“ einsetzt. Der wichtigste von ihnen
ist der „Big Lottery Fund“, er schüttet jährlich Erträge von
rund £650 Millionen aus. (vgl. Big Lottery Fund 2015)
Für die Stadterneuerung ist außerdem der Heritage Lottery Fund mit einem Jahresbudget von rund £350 Millionen von Bedeutung. (vgl. Heritage Lottery Fund 2015)
Manchester City Centre Local Plan
Ein Rahmenplan, der unter anderem die touristischen Potentiale von Manchester beinhaltet und diese auf Grund
ihrer architektonischen und historischen Gegebenheiten
bewertet. Er wurde 1982 eingeführt. (vgl. Heath u.a.
1996: 82)
Manchester Millennium Limited (MML)
Die Manchester Millennium Limited (MML) wurde 1996,
kurz nach dem Bombenanschlag auf das Stadtzentrum
in Manchester, als eine Task Force aus öffentlichen und
privaten Spezialisten durch die Verwaltung implementiert. Die Aufgabe der Task Force bestand darin, das
Programm zur Erneuerung der zerstörten Innenstadt zu
entwickeln, die Umsetzung zu überwachen, die Kommunikation zwischen den Akteuren zu organisieren, sowie die
nötigen öffentlichen und privaten Ressourcen zu sichern.
(vgl. Williams 1999: 492)
McDonaldization
Die Globalisierung der Lifestyles, benannt nach einer global agierenden Fastfood-Kette (vgl. Cowan 2005: 237).
104
Millennium Community Programme
Nationales Programm zur Förderung von Pilotprojekten
mit Modellcharakter, die strengen Kriterien nachhaltiger
Grundprinzipien folgen. Finanziert und kontrolliert werden
die Projekte durch „English Partnerships“.
Modern Football
Modern Football ist ein schwer zu definierender Begriff,
der viele Veränderungen des sich seit den 1980er-Jahren
im Wandel befindlichen Umfelds des Profi-Fußballs abzubilden versucht. Im Kern geht es um die zunehmende
Vermarktung und wirtschaftliche Bedeutung des Sports.
Viele Fußballfans stellen sich dieser Enwicklung entgegen. Sie kritisieren u.a. die abnehmende Mitwirkungsmöglichkeit in den Vereinen, teure Eintrittspreise, den Einbau von VIP-Lounges in den Stadien (unter Wegfall der
traditionellen Stehplätze), die wachsende Einflussnahme
der Pay-TV-Sender auf die Anstoßzeiten sowie den Kauf
von Fußballvereinen durch ausländische Geschäftsleute
und Oligarchen sowie deren fehlende Identifikation mit
den traditionellen Werten der Vereine. Vielen Anhängern
wird durch diese Entwicklung der Besuch eines Fußballspiels ihres Lieblingsvereins unmöglich gemacht, da sie
sich den Stadionbesuch nicht mehr leisten können oder
zu den veränderten Anstoßzeiten berufsbedingt nicht
anreisen können. Der Begriff ist unter traditionsbewussten
Fußballfans daher vor allem negativ besetzt. Als Vorzug
wird hingegen die zunehmende Sicherheit in den Stadien
aufgeführt, die den Besuch eines Fußballspiels auch für
Frauen und Kinder attraktiv macht.
Night-Time Economy (NTE)
Wirtschaftskonzept, das in der Stadtplanung seit den
1990er Jahren als Möglichkeit diskutiert wird, um die
städtische Wirtschaftsleistung in den postindustriellen
nordenglischen Städten über Nacht zu „verdoppeln“.
Meist ist damit eine Deregulierung und Förderung der
Alkohol- und Vergnügungsindustrie gemeint. Seinen
Ursprung hat der Ausdruck in der Arbeit von Comedia
Consultancy, einer Art ThinkTank, der sich mit der Kreativ-Industrie beschäftigt. (vgl. van Liempt u.a. 2014: 412)
Es gibt keine strikt definierte Abgrenzung, was zu diesem
Wirtschaftszweig gerechnet wird. Zu dem Sektor werden
Gastronomie- und Unterhaltungsunternehmen gezählt,
aber auch Hotels. Teilweise werden auch andere Branchen in denen nachts gearbeitet wird, wie z.B. Reinigungsfirmen, mit dazu gerechnet.
Northwest Regional Development Agency (NWDA)
Die private Entwicklungsagentur Northwest Regional
Development Agency (NWDA) war für die wirtschaftliche
Entwicklung und Regeneration Nordwest-Englands verantwortlich. Sie wurde am 31. März 2012 abgeschafft.
Die Agentur fungierte als Schnittstelle zwischen den Bedürfnissen von Unternehmen und der Regierungspolitik.
Als solche schuf sie eine investitionsfreundliche Umgebung durch die direkte Unterstützung von Unternehmen,
die Förderung neuer Start-Ups und die Zusammenfüh-
rung von Fähigkeiten der Arbeitnehmer mit den Bedürfnissen der Arbeitgeber.
Geografisch deckte die Agentur Greater Manchester ab,
einschließlich Manchester und Salford, Greater Liverpool, einschließlich Liverpool, Cheshire und Warrington,
Cumbria, einschließlich des Lake District und Lancashire,
einschließlich Preston. Der Hauptsitz befand sich in Warrington, mit zusätzlichen Büros in Liverpool, Manchester,
Preston und Penrith.
Public Private Partnership (PPP)
Zusammenarbeit von Staat und Privatwirtschaft bei einem
bestimmten Projekt (Duden 2015). Es werden die beiden
Grundtypen Organisations-PPP und Vertrags-PPP unterschieden. Bei Erstem wird die Kooperation im Rahmen
einer gemeinsamen Organisation institutionalisiert, bei
Zweitem bildet ein Vertrag die Basis der Kooperation.
(Proeller o. J.)
Kritisiert wird an PPPs z.B., dass bei den meisten öffentlich-privaten Partnerschaften der Staat das Hauptrisiko
trägt und so öffentliches Kapital dazu benutzt wird, private
Stakeholder, die durch ihr Kapital bereits mächtig sind,
weiter zu ermächtigen (vgl. z.B. Swyngedouw 2005).
Quasi-autonomous Non-governmental Organisation
(Quango)
Quangos sind Organisationen, auf die eine Regierung
Aufgaben und diesbezügliche Macht überträgt und die
unabhängig von einzelnen Regierungsdepartementen
sind. Sie operieren wie Nichtregierungsorganisationen,
sind aber zum Großteil staatlich finanziert.
„Quango“ ist kein gesetzlich festgelegter Begriff. Das Cabinet Office hat für eine präzisere Abgrenzung den Begriff
„Non-Departmental Public Bodies (NDPB)“ eingeführt und
führt die Namen sämtlicher Organisation welche darunter
fallen in einer Liste auf, die jährlich aktualisiert wird. (vgl.
Gay 2010)
Social Housing
Wohnungen für soziale Gruppen der unteren und mittleren Einkommensschichten, die nicht in der Lage sind
sich Wohneigentum zu leisten. Das „Social Housing“
wird seit den 1980er Jahren (Thatcher-Regierung) fast
ausschließliche von politisch unabhängigen Institutionen,
z.B. Housing Trusts, und nicht mehr von den Kommunen
betrieben (vgl. Allain & Baudelle 2006: 36). Laut der „National Housing Federation“ (2015) sind diese sogenannten
„Registered Social Landlords“ heute die größten Bereitsteller von Mietwohnungen in Großbritannien.
Terraced houses
Das englische Reihenhaus. Es ist die prägende Bau- und
Wohnform für den Städtebau des 19. Jahrhunderts im
Vereinigten Königreich. Abstrakt betrachtet, kennzeichnen
sie sich zumeist durch ein zweigeschossiges Gebäude
mit je zwei Wohnräumen auf jeder Etage. Der straßenseitige Eingang, der entweder in einen Flur oder gleich
in das straßenseitige Zimmer führt, liegt mit Blick auf den
Grundriss meist seitlich, dem sich ein Zimmer mit einem
oder zwei Fenster anschließt. Eine für das industrielle
Nordengland typische und spezielle Variante des Reihenhauses sind die Back-to-back-houses. (vgl. Kreutz:
1999: 29 f.).
Urban-Heritage-Park
Park, der dem Schutz und der Wiederbelebung eines
Areals dient. Der erste Urban-Heritage-Park wurde 1982
in Manchester gegründet. Beteiligt an dieser Förderung
sind sowohl öffentliche als auch private Investoren. (vgl.
Jessen 2007: 317; vgl. Heath u.a. 1996: 82)
Strategic Development Initiative (SDI)
Initiative zur wirtschaftlichen Förderung von Entwicklungen im Bereich des Tourismus (vgl. Heath u.a. 1996: 83).
Single Regeneration Budget (SRB)
Das Ziel des SRB ist die Vereinfachung und das Zusammenbringen vielfältiger finanzieller Förderinstrumente
von unterschiedlichen Regierungsbehörden. Es dient der
Bereitstellung finanzieller Ressourcen zur Unterstützung
von Regenerationsinitiativen, welche von lokalen Regenerationspartnerschaften betrieben werden.
Initiativen die gefördert werden, haben hauptsächlich
die Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung in
jenen Bereichen zum Inhalt, die gegenüber anderen benachteiligt sind, sowie die Verminderung der diesbezüglichen Unterschiede zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. (vgl. Bolsover Partnership 2015)
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Abb. 2.1: Canalsystem — Nina Janssen
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Abb. 2.2.1: Grocers Warehouse
— Taylor, Simon; Cooper, Malcom; Barnwell, P S (2002); English Heritage, Manchester, The Warehouse Legacy. London. 2002. 10
Abb. 2.3: Lower Campfield Market — Nina Janssen
Abb. 2.4: Bridge — Nina Janssen
Abb. 2.5: Mamucium — Nina Janssen
Abb. 2.6: The Wharf — Nina Janssen
Abb. 2.7: Great Jackson Street
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Abb. 2.8: Corn Exchange — Melanie Montresor
Abb. 2.9: Printworks von Innen — Melanie Montresor
Abb. 2.10: Victoria Station Erweiterung — Melanie Montresor
Abb. 2.11: Manchesters Kathedrale — Melanie Montresor
Abb. 2.12: URBIS Centre und im Hintergrund The Printworks
— Josiane Meier
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Abb. 3.2: St. Peter‘s Square als Teil der Public Realm Strategy
— Kathrin Krell
Central Station / Gmax 2015 — Josiane Meier
Abb. 3.3: Murray‘s Mills — Kathrin Krell
Barton Arcade 1978 — Prof. Dietrich Henckel
Abb. 3.4: Cotton Field Park mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen
New Islingtons — Kathrin Krell
Barton Arcade 2015 — Silvia Groeger / Steffen Klotz
Abb. 3.5: The Chips und die Einhausung des Ancoats Dispensary Trust
— Josiane Meier
Barton Arcade 1978 — Prof. Dietrich Henckel
Barton Arcade 2015 — Silvia Groeger / Steffen Klotz
Abb. 3.6: The Guts — Kathrin Krell
Barton Arcade 1987 — Prof. Dietrich Henckel
Abb. 3.7: Zentraler Boulevard New Islingtons — Josiane Meier
Barton Arcade 2015 — Silvia Groeger / Steffen Klotz
Abb. 4.1: Baustelle im Exchange Areal — Marian Knapschinsky
Barton Arcade 1987 — Prof. Dietrich Henckel
Abb. 4.2: Unsortierte Nutzungsmischung — Marian Knapschinsky
Barton Arcade 2015 — Niels Kramer
Abb. 4.3: The Lowry — Josiane Meier
Barton Arcade 1987 — Prof. Dietrich Henckel
Abb. 4.4: MediaCityUK — Josiane Meier
Barton Arcade 2015 — Kathrin Krell
Abb. E2.1: Das Stadion Old Trafford – Heimspielstätte von Manchester
United — Niels Kramer
Arndale Centre 1987 — Prof. Dietrich Henckel
Abb. E2.2: Top 10 der Besucherattraktionen in Greater Manchester im
Jahr 2013 — Niels Kramer nach Manchester Evening News
Abb. 5.1: Wohnbebauung entlang der Old Birley Street (Ecke Greenheys Lane West) — Adina Felgentreu
Abb. 5.2: Hulme Park — Adina Felgentreu
Abb. 5.3: Vorplatz Hulme Park an der Stretfort Road
— Adina Felgentreu
Arndale Centre 2015 — Melanie Montresor Alves
Hotel Mercure (ehemals Hotel Piccadily) 1987 — Prof. Dietrich Henckel
Hotel Mercure (ehemals Hotel Piccadily) 2015 — Niels Kramer
Hotel Mercure und Piccadily Gardens 1987 — Prof. Dietrich Henckel
Hotel Mercure und Piccadily Gardens 2015 — Niels Kramer
China Town 1987 — Prof. Dietrich Henckel
Abb. 5.4: Arch Bridge — Jenny Kögler
China Town 2015 — Silvia Groeger / Steffen Klotz
Abb. 5.5: Studentununterkünfte — Adina Felgentreu
Victoria Station 1987 — Prof. Dietrich Henckel
Abb. 5.6: Studentununterkünfte — Adina Felgentreu
Victoria Station 2015 — Kathrin Krell
Abb. 5.7: Universitätsgebäude — Adina Felgentreu
Water Street 1987 — Prof. Dietrich Henckel
Abb. 5.8: Blick entlang der Hulme High Street Richtung Süden
— Adina Felgentreu
Water Street 2015 — Silvia Groeger / Steffen Klotz
Abb. 5.9: Zentraler Platz Hulme High Street — Adina Felgentreu
Abb. 5.10: Zentraler Platz Hulme Higth Street mit Blick auf die flexiblen
Stände (Hulme High Street Outdoor Market) — Adina Felgentreu
Abb. 5.11: Eingang Hulme Community Garden Centre — Jenny Kögler
Abb. 5.12: Übersichtsplan — Adina Felgentreu
Abb. 6.1: Die Wilmslow Road — MCC 2011: 3
Abb. 6.2: Studentisches Wohngebäude entlang der Old Hall Lane
— Niels Kramer
Abb. 6.3: Der „Toast-Rack“ am Abend — Jenny Kögler
Abb. 6.4: Der „Toast-Rack“ zu Verkaufen — Jenny Kögler
Abb. 6.5: Fallowfield am Abend — Niels Kramer
Abb. 6.6: Fallowfield am Abend — Jennifer Kögler
Exkurs —Manchester Revisited 1978 — 2015
Refuge Assurance Company 1978 — Prof. Dietrich Henckel
Refuge Assurance Company 2015 — Silvia Groeger / Steffen Klotz
India House 1978 — Prof. Dietrich Henckel
India House 2015 — Silvia Groeger / Steffen Klotz
1978 — Prof. Dietrich Henckel
2015 — Josiane Meier
Central Station 1978 — Prof. Dietrich Henckel
111
Manchester — Berlin — 2015
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