Praktikertage für Landwirte 2013 - 2015 Exkursion für Milchschaf
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Praktikertage für Landwirte 2013 - 2015 Exkursion für Milchschaf
Praktikertage für Landwirte 2013 - 2015 Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft Exkursion für Milchschaf- und Milchziegenhalter nach Südfrankreich In Frankreich hat die Milchschaf- und Milchziegenhaltung lange Tradition. Die Milchproduktion mit kleinen Wiederkäuern spielt dort eine bedeutende Rolle und ist weit entwickelt. Die Exkursion gab einen Einblick in die Haltungs- und Vermarktungsformen. Neben Betrieben wurden die Forschungsstation „Le Pradel“, eine Aufzuchtstation für Schafe, verarbeitende Betriebe, Hofläden und ein Wochenmarkt besucht. 28.9. – 3.10. 2014 Regionen Rhône-Alpes und Roquefort Dieser Praktikertag ist Teil des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN), initiiert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Durchführung: Bioland Beratung GmbH, Eva Mundkowski, Kaiserstr. 18, 555116 Mainz, Tel. 06131/2397942, Fax 06131/2397949, [email protected] Praktikertage für Landwirte 2013 – 2015 Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft Einladung Exkursion für Milchschaf- und Milchziegenhalter nach Südfrankreich Sonntag, 28.September – Freitag 3. Oktober In Frankreich hat die Milchschaf- und Milchziegenhaltung eine lange Tradition. Die Milchproduktion mit kleinen Wiederkäuern spielt dort eine bedeutende Rolle und ist sehr weit entwickelt. Einige Schaf- und Ziegenmilchspezialitäten sind weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Bei dieser Exkursion wollen wir den Blick zu unseren Nachbarn wagen und einen Einblick in verschiedene Haltungs- und Vermarktungsformen bekommen. Unter anderem steht auch ein Besuch der weltbekannten Forschungs- und Zuchtstation für Ziegen „Le Pradel“ an. Im Zentrum der Tour stehen die Regionen Rhône-Alpes und das berühmte Roquefort-Gebiet. Dabei hat die Exkursion sowohl für Milchschaf- als auch Milchziegenhalter eine Menge zu bieten. Auch die wundervolle Landschaft und das französische Lebensgefühl wollen wir auf der Exkursion entdecken und genießen. Programm Sonntag, 28. September 2014 Uhrzeit Thema/Titel Ca. 11.00 Uhr Abfahrt des Busses am Hauptbahnhof Karlsruhe Ca. 12.30 Uhr Zwischenstopp bei Freiburg (Zuladung Gastgeschenke) Ca. 19 Uhr Ankunft Grand Hotel des Terreaux, 16 Rue Lanterne, 69001 Lyon 20.30 Uhr Gemeinsames Abendessen in Lyon, Restaurant A la Traboule - 3, place du Gouvernement - 69005 Lyon, anschl. Zeit zur freien Verfügung Montag, 29. September 2014 8.00 Uhr Abfahrt Lyon 9.15 – 10.45 Uhr Milchziegenbetrieb Gaec Baraton in 26330 Chateauneuf de Galaure , Betrieb mit 150 HB-Saanen-Milchziegen und Hofkäserei sowie Jungbocktestprogramm 12.45 – 14.15 Uhr Mittagessen in der Forschungs- und Zuchtstation für Ziegenhaltung „Le Pradel“ Dieser Praktikertag ist Teil des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN), initiiert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Durchführung: Bioland Beratung GmbH, Eva Mundkowski, Kaiserstr. 18, 55116 Mainz Tel., 06131/2397942 Fax 06131/2397949, [email protected] Praktikertage für Landwirte 2013 – 2015 Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft 14.15 – 16.15 Uhr Besuch der Forschungs- und Zuchtstation für Ziegenhaltung „Le Pradel“ in 07170 Mirabel, zwei Versuchsherden von Alpine-Ziegen, Koppelhaltung, Versuchskäserei 16.15 Uhr Besichtigung des Hofladen von „Le Pradel“ mit Weinprobe 16.45 Uhr Abfahrt nach Sainte-Croix 19.00 Uhr Ankunft in der Klosterherberge Sainte-Croix in 26105 Sainte-Croix, erste Eindrücke unter www.le-monastere.org 20.00 Uhr Abendessen, anschließend gemütlicher Abend im Kloster St. Croix Dienstag, 30. September 2014 8.15 Uhr Abfahrt Sainte-Croix 8.30 – 10.30 Uhr Bio-Milchziegenhof Haun/Schmidt in 26150 Vachères-en-Quint, Betrieb mit 54 Alpine-Milchziegen und Mutterkuhhaltung, eigene Direktvermarktung von Milch und Fleisch, Milch wird zur Herstellung des Picodon verwendet. Bergweiden und Ganzjahres-Heufütterung, Destillation von Wacholder- und Kiefernöl. BioTierhaltungsberaterin Christel Nayet gibt uns einen Überblick über BioTierhaltung im Dép.Drôme und Rhône-Alpes sowie die speziellen Experimente in dieser Region. 10.45 – 12.30 Uhr Bio-Milchschafbetrieb Meurot in 26150 Vachères-en-Quint, Betrieb mit 100 Lacaune-Milchschafen, außerdem eine kleine Herde aus Basquo-Béarnaises und behornten Brigasque (aus der Gegend von Nizza), Hütehaltung und eigene Direktvermarktung, Betriebsleiter ist Experte und Buchautor für Homöopathie in der Tierhaltung 12.45 – 14.15 Uhr Mittagessen im Kloster St. Croix. Fachlicher Austausch mit Christel Nayet 15.00 – 16.30 Uhr Bio-Milchziegenhof Gilles in 26400 Saoû, 60 Alpine-Milchziegen, Hofkäserei und Ziegenfleischvermarktung über Schulkantinen und Edelgastronomie, Treffen mit franz. Ziegen-Beraterin Valérie Béroule des Interessenverbands „Syndicat de Caprin de la Drôme“ 17.00 – 18.30 Uhr Troupéou in 26460 Mornans, 28-jährige Geschäftsführerin und 60-jähriges Metzgerpaar haben sich auf die Verarbeitung von Fleisch aus bäuerlicher und biologischer Tierhaltung spezialisiert 19.15 Uhr Ankunft Kloster St. Croix 20.30 Uhr Abendessen, anschließend gemütlicher Abend, auf Wunsch Sektprobe im biodynamischen Clairette-Weingut Achard-Vincent (50 m vom Kloster entfernt. www.domaine-achard-vincent.com) Mittwoch, 1. Oktober 2014 8.00 Abfahrt 8.45 – 10.30 Uhr Bio-Milchschafbetrieb Gaec Stahl bei 26410 Menglon, 110 Lacaune-Schafe, Koppelhaltung von Milchschafen, Herstellung von Joghurt und Hartkäse für die eigene Direktvermarktung v.a. über zwei Hofläden, 3 Teilhaber 11.15 – 12.45 Uhr Besuch des Wochenmarktes in Die Dieser Praktikertag ist Teil des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN), initiiert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Durchführung: Bioland Beratung GmbH, Eva Mundkowski, Kaiserstr. 18, 55116 Mainz Tel., 06131/2397942 Fax 06131/2397949, [email protected] Praktikertage für Landwirte 2013 – 2015 Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft 13.00 Uhr Abfahrt über Mende nach St. Affrique, Mittagsimbiss im Bus, Zwischenstopp bei Mende Ca. 19 Uhr Ankunft in St. Affrique, Hotel CapVert, Bezug des Hotels 20.00 Uhr Abendessen im Hotel, anschl. gemütlicher Abend Donnerstag, 2. Oktober 2014 8.00 Uhr Abfahrt Hotel in St. Affrique 9.00 –11.30 Uhr Besichtigung eines Lacaune Bio-Zuchtbetriebes, Bousquet, Pierre u. Marie Hélène, in 12370 Belmont sur Rance. Erläuterungen zum RoquefortProduktionsgebiet durch Myriam Vionnet, Zuchtverband Gènes Innovation Diffusion (GID) Lacaune, anschließende Diskussion 12.30 – 14.00 Uhr Mittagessen in St. Affrique 14.30 – 15.30 Uhr Besuch der Sammel- und Aufzuchtstation für Exportschafe des Zuchtverbandes GID Lacaune 12250 Roquefort sur soulzon 16.00 – 17.30 Uhr Besuch der Bio-Cooperative des bergers du Larzac, 12230 La Cavalerie , Käserei und Vermarktung verschiedener Schafkäse 17.30 Uhr Abfahrt nach Nimes 20 –22.00 Uhr Abendessen in Nimes und Fahrerwechsel 22.00 Uhr Abfahrt Richtung Deutschland, Fahrt über Nacht Gegen 11-12 Uhr Ankunft in Karlsruhe Hauptbahnhof Die Zeitangaben sind Schätzungen. Kleine Programmänderungen vorbehalten. Veranstalter: Bioland Beratung GmbH in Kooperation mit der Vereinigung der Schaf- und Ziegenmilcherzeuger (VSZM) Moderation und Leitung: Andreas Kern, Bioland-Fachberatung Schafe & Ziegen und Sebastian Schäfer, VSZM Übersetzung und Reisebegleitung: Dr Ulrich Jaudas, Buchautor des Standardwerks „Landwirtschaftliche Ziegenhaltung“ (Ulmer Verlag) Dieser Praktikertag ist Teil des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN), initiiert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Durchführung: Bioland Beratung GmbH, Eva Mundkowski, Kaiserstr. 18, 55116 Mainz Tel., 06131/2397942 Fax 06131/2397949, [email protected] Der erste Teil der Reise führte in die Drôme und damit in die Heimat des Picodon. Das Département Drôme ist eine lebendige Bio-Gegend, 18 Prozent der Landwirtschaftsfläche werden von mehr als 1.000 Landwirten ökologisch bewirtschaftet; damit ist die Region in Frankreich Spitzenreiter. Neben Getreide bauen die Bio-Landwirte Obst, Gemüse, Heil- und Gewürzkräuter, Wein und Viehfutter an. Neben 70 Haltern von Bio-Fleischschafen gibt es im Département elf Betriebe mit Bio-Milchschafen und 50 mit Bio-Milchziegen. Picodon – der kleine, runde Ziegenkäse Picodon ist ein Ziegenkäse mit geschützter Herkunftsbezeichnung, der in den Départements Drôme und Ardèche hergestellt wird – oft in handwerklicher Qualität auf den Höfen. Es handelt sich dabei um einen gereiften Frischkäse, der aus gesäuerter Rohmilch unter Zugabe einer sehr geringen Menge Lab hergestellt wird. Die gestockte Milch wird nach ca. 24 Stunden in runde, mit Löchern versehenen Formen geschöpft, nach dem Abtropfen aus der Form gekippt, gesalzen, gewendet und zum Reifen auf Roste gelegt. Bei der Reifung überzieht er sich zunächst mit Hefen (vor allem Geotrichum candidum) und in der Folge mit Naturschimmel (Penicillium album), verkauft wird er in den unterschiedlichsten Reifestufen – von frisch bis uralt. Neben der regionalen Beschränkung gibt es weitere Regeln für die Herstellung des Picodon. So dürfen nur bestimmte Ziegenrassen eingesetzt werden – Saanen, Alpines oder lokale Rassen. Die Anforderungen an das Futter wurden vor kurzem verschärft, das gesamte Raufutter muss aus der Drôme oder Ardèche stammen und aus mindestens 12 Pflanzenarten bestehen. Die Verfütterung von Silage und gentechnisch veränderten Pflanzen ist nicht erlaubt. Ein Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe, die in der Drôme Picodon herstellen, arbeiten ökologisch. 5 GAEC des Baratons, Châteauneuf-de-Galaure Einer der nicht ökologisch, nach eigenen Angaben aber integriert arbeitet, ist Laurent Robert in Châteauneuf-de-Galaure. Er führt zusammen mit seinem Sohn und seiner Frau eine GAEC, also eine Betriebsgemeinschaft nach französischem Recht. Robert bewirtschaftet 90 ha Land, hält 140 Saanen-Ziegen und verarbeitet seine Milch komplett zu Picodon, den er ab Hof und an Wochenmarktbeschicker verkauft. Seine Ziegen füttert er mit hofeigenem Getreide, Mais, Sonnenblumen und Luzernegras. Die Ziegen erhalten 900 g Getreidemischung pro Tag, der Maisanteil ist mit 50 Prozent hoch. Die andere Hälfte besteht aus Gerste und Hafer, in den ersten beiden Monaten der Laktation kommen Sonnenblumenkerne hinzu. Getreide und Mais werden als ganze Körner verfüttert. Ein Futterautomat verteilt die Hofmischung auf dem Futtertisch. Robert enthornt seine Ziegen, bei einigen Tieren war die Enthornung nicht vollständig. Seine Nachzucht stammt fast ausschließlich aus eigener Aufzucht. Der Landwirt gehört dem Milchkontrollring an und nimmt am Zuchtprogramm Caprigène teil. Seine besten Ziegen werden künstlich besamt, einen Teil der Böcke verkauft er an die Zuchtstation. Die Milchleistung seiner Herde liegt bei 850 Litern. Das Gesundheitsprogramm: Am Ende der Laktation werden Kotproben genommen, die Jungziegen mit Ivermectin behandelt. CAE wird geduldet, aber reduziert, indem die Aufzuchtmilch thermisch behandelt wird. Das Vorhandensein von Pseudotuberkulose wird nicht als Problem wahrgenommen. Betriebsspiegel: Hof: GAEC des Baratons, 26330 Châteauneuf-de-Galaure, Teilhaber: Laurent, Eric und Odile Robert, Kontakt: E-Mail: [email protected] Bewirtschaftung: konventionell Höhe: 320 m, Bodentyp: schwerer kalkiger Lehmboden, Niederschlag: 950 mm Arbeitskräfte: 3 Familien Ak + 1 Lehrling Gesamtfläche: 90 ha, davon 30 bewässerbar Ackerfläche: 30 ha Körnermais, 1.8ha Hartweizen, 21 ha Weizen, 4 ha Gerste, 1ha Hafer, 12 ha Sonnenblumen, 13 ha Luzerne Weiden: 5 ha Tierhaltung: 140 Ziegen, 7 Böcke , 28 Nachzuchtzicklein, Milchkontrollring, Rasse: Saanen 6 Haltungsform: Stallhaltung mit 5 ha Weide Milchleistung pro Tier und Jahr: 850 kg, Laktationsdauer: 300 Tage Vermarktungsform: 90 % ab Hof + Bauernladen La Halle des Terroirs in Saleize sur Sanne (dép.Isère) Chanas, weitere Betriebszweige: Vermietung von Gästezimmern „Bienvenu à la ferme“ (Urlaub auf dem Bauernhof) Laurent Robert und seine Saanen-Ziegen Futterverteilautomat an der Decke Picodon in der Käserei der Familie Robert 7 Le Pradel, Mirabel Geforscht in Sachen Picodon wird am Institut „Le Pradel“ in Mirabel im Département Ardèche. Das Institut wurde 1989 auf Initiative der Ziegenhalter gegründet und wird von der Region Rhône-Alpes finanziert. Eine 120-köpfige Ziegenherde und eine Versuchskäserei sind Teile des Instituts. Le Pradel ist gleichzeitig eine Aus- und Fortbildungsstätte für Landwirte mit einem Internat. Die Ziele des Forschungsinstituts sind vielfältig. Im Ziegenstall werden Fragen der Fütterung, insbesondere der Kombination der Weide mit Ergänzungsfuttermitteln, der Arbeitswirtschaft und der Tiergesundheit bearbeitet. Die rund 120 Alpine-Ziegen sind für die Versuche in zwei Herden aufgeteilt. Versuchsleiter Alain Pommaret erläuterte das System. Die Ziegen werden seit 2007 nur einmal am Tag, morgens, gemolken („monotraite“). Nur die erstmelkenden Tiere werden zur Entwicklung des Euters in den ersten beiden Monaten morgens und abends gemolken. Die Milchleistung liegt bei 900 bis 950 kg pro Tier und Jahr. Das Système Monotraite ist ein Versuch, die Arbeitsbelastung von Ziegenhaltern zu senken. Denn viele Erzeuger – gerade solche, die auch selbst käsen – geben auf, weil ihnen die Arbeit zu viel wird. Die gesamte Milch des Ziegenstalls wird in der Versuchskäserei verarbeitet. Sylvie Morge erläuterte die Herstellung von Picodon. Versuchsziele sind hier die optimale Behandlung der Rohmilch, die Verwendung natürlich vorhandener Hefen und Bakterien und – genauso wie im Stall – die Arbeitswirtschaft. Die Milch wird schonend im Tank vom Stall in die Molkerei gebracht (keine Pumpe!) und auf 18-22 °C heruntergekühlt, anschließend mit 1-2 l/100 l Molke vom Vortag und sehr wenig Lab versetzt und 24 Stunden bei Raumtemperatur dickgelegt. Anschließend wird sie in Formen geschöpft, einmal in der Form gewendet und am nächsten Tag auf ein Gitter gestürzt, gesalzen, gewendet und wieder gesalzen, danach bis zum gewünschten Reifegrad gelagert. Anschließend besichtigten die Teilnehmer den Hofladen von Le Pradel mit einer kleinen Probe der hier angebauten Weine. Eine GAEC (groupement agricole d’exploitation en commun) ist eine in Frankreich weit verbreitete Form der Betriebsgemeinschaft. Sie kann von zwei bis zehn Teilhabern gebildet werden und hat Vorteile bei Kreditvergaben und Subventionen, vor allem, weil die Maximalgrenzen je Betrieb dann auf jeden Teilhaber angewandt werden. Eine GAEC kann auch von Ehepartnern und anderen Familienmitgliedern gegründet werden. 8 Ziegenstall „Le Pradel“ mit Alpine- Es regnet und die Ziegen gehen nur Ziegen und Besuchern zögernd in den Auslauf Picodon in Blockformen über- Versuchsleiterin in der Käserei Silvie Morge einander gelagert Coexploitation Schmidt-Haun, Vachères en Quint Oda Schmidt und Jochen Haun halten auf ihrem Bio-Betrieb an zwei Hofstellen 54 Milchziegen und sieben Mutterkühe. Die Ziegen stehen in einem Offenfrontstall, problemlos auch im Winter bei Temperaturen bis -15 °C. Der Stall ist strukturiert aufgebaut und verfügt über einen Laufhof, Probleme mit den hörnertragenden Tieren gibt es daher kaum. Die Landschaft im Voralpenland ist gebirgig und vielfältig. Weinbau wechselt sich mit Getreide, Futterbau, Gemüse, Kräuteranbau und Walnüssen ab. Die Böden sind tonig, wenig erosionsanfällig, „hier 9 wächst ein Superfutter“, sagt Jochen Haun. Er versorgt seine Flächen mit Kompost aus Mist, Grünschnitt und Abfällen aus dem Kräuteranbau einer Genossenschaft. Die Alpine-Ziegen erhalten dreimal am Tag Luzernegrasheu und 600 g einer hofeigenen Getreidemischung, zusätzlich Kleie, um einen eventuellen Phosphormangel auszugleichen. Von April bis November weiden sie täglich für zwei bis 2,5 Stunden in Hütehaltung im Wald und auf den hofeigenen Grünlandflächen. Die Milchleistung liegt bei 700 kg. Die Ablammung erfolgt konzentriert ab Ende Februar, die Lämmer bleiben etwa 30 Tage (bis 9 kg Lebendgewicht) bei ihren Müttern. Die weiblichen Lämmer für die Nachzucht trennen die Betriebsleiter dagegen nach zwei Tagen von ihren Müttern und ziehen sie per Hand auf, um sie bestmöglich an den Menschen zu gewöhnen. Alle Ziegen werden von einem Bock gedeckt. Probleme mit Parasiten sind wegen der großräumig wechselnden Weideflächen kaum vorhanden, eine gewisse Rolle spielen Lungenwürmer. Betriebsspiegel Hof: Coexploitation Schmidt-Haun, Oda Schmidt und Jochen Haun, 26150 Vachères en Quint, Kontakt: [email protected] Bewirtschaftung : biologisch (Nature & Progrès); 2,5 Ak + Praktikanten Höhe: 400 bis 620 m, kalkiger Tonboden, pH >8, 900- 1000 mm Niederschlag Fläche: 65 ha, davon 30 ha Acker (3-5 ha Triticale, Gerste und Hafer), 4 ha Esparsette-TrespeGemenge, 24 ha Kleegras oder Luzerne-Gras-Gemenge, 35 ha Dauergrünland und Hutungen Tierhaltung: 54 Ziegen, Leihbock, Nachzucht, Rasse: Alpine Haltungsform: Tiefstreustall mit Auslauf, Mai bis Mitte Nov. 2-3 Std Hüten auf Wald- und Weideflächen, Ablammung Frühjahr, rund 100 aufgezogene Lämmer pro Jahr, Milchleistung pro Tier und Jahr: 700 l in 300 Tagen Vermarktung: 40.000 Käse/Jahr, zwei Wochenmärkte, sechs Restaurants + ab Hof Weitere Betriebszweige: 7 Mutterkühe (Abondance x Limousin), 5 Molkeschweine, Destillation von Kiefern- und Wachholderöl, Hackschnitzel im Maschinenring 10 Hof Haun/Schmidt im Alpenvorland Alpine-Ziegen im Offenfrontstall Jochen Haun, Ziegenhalter in der Region Oda Schmidt mit bestem Luzerneheu Rhône-Alpes Melkstand, morgendliches Melken Aus der Form auf den Rost: Picodon 11 L’Hébergé, Vachères en Quint Auf dem Bio-Betrieb von Danielle und Jean-Louis Meurot leben 100 Lacaune-Milchschafe mit drei Böcken und Nachzucht sowie 15 Milchschafe der Rasse Brigasques, einer alten, vom Aussterben bedrohten Rasse aus den Seealpen. Jean-Louis Meurot selektiert seine Schafe nach Gesundheitskriterien, nicht nach Leistung, wie er selber berichtete. Jean-Louis ist mit Leib und Seele Schäfer: seine Tiere hütet er täglich vor- und nachmittags (im Hochsommer spätabends), also sieben bis acht Stunden pro Tag auf der gesamten Gemarkung der 33köpfigen Gemeinde Vachères en Quint. Er zieht über Steilwiesen und eingesäte Kleegras-Mähweiden, lichte Kiefernwälder und frühere Terassenäcker, die mit Thymian und Ginster zugewuchert sind oder mit Motorsäge und Schlegelhäcksler von Schlehen- und Weißdorn befreit werden. Im Sommer wird ein Jungschäfer eingestellt, um die Heuernte mit Kleinballen (25 kg) bewältigen zu können. Praktikanten von verschiedenen Landwirtschaftsschulen oder Unis sind fast das ganze Jahr über willkommene Helfer. Kranke Tiere oder Ablammungsprobleme behandeln die Meurots individuell mit Homöopathie und Naturheilmitteln. Hier haben sie sich viel Sachkenntnis angeeignet und über mehrere Jahre einen Arbeitskreis Tierhomöopathie geleitet. Daraus ist vor zwei Jahren ein Praktikerhandbuch entstanden. Danielle Meurot hat ihre Käserei und einen Reiferaum vor 27 Jahren in alten Kellergewölben eingerichtet, wo sie unter schwierigen Bedingungen Hartkäse, Feta, Lactique (Weichkäse) und Joghurt (in Kilogläsern) zubereitet. Ihre Nachfolger werden eine „normgerechtere“, aber auch praktischere Käserei einrichten müssen, um die Zulassung der Veterinärbehörde zu bekommen. Am Dorfeingang befindet sich eine befestigte Kompostierplattform, wo gemeinsam mit dem Nachbarbetrieb Haun/Schmidt etwa 200 t strohreicher Mist kompostiert wird. Außer den Heumaschinen wurde die gesamte Hofmechanik über die Maschinengemeinschaft des Quint-Tals angeschafft, eine Genossenschaft von 25 Bauern „Cuma la Quintoune“ (Cuma = Coopérative d’utilisation en commun de matériel agricole), so Kompost- und Miststreuer, Kompostumsetzer, Mähdrescher mit Hangausgleich, Striegel, Pflug, Scheibenegge etc. Die Ende 2015 anstehende Hofübergabe an ein junges Landwirtspaar wird seit einem Jahr mit der Stiftung „terre de liens“ vorangetrieben, die der Vorgängerbauer Sjoerd Wartena ins Leben gerufen hat. Die Stiftung (www.terredeliens.org) verpachtet gekaufte oder gestiftete Höfe an land- oder mittellose Jungbauern, mit der Auflage, sie biologisch zu bewirtschaften. Lokale Mitgliedsgruppen begleiten die Neueinsteiger und packen punktuell tatkräftig mit an. 12 Betriebsspiegel Hof: L’Hébergé, Danielle und Jean-Louis Meurot, 26150 Vachères en Quint, Kontakt : Tel. 04 75 212377 Bewirtschaftung: biologisch, 2,5 Ak, außerfamiliäre Hofübergabe 2015 Höhe: 570 m, Bodentyp: kalkiger Lehm, Niederschlag: 1000 mm Flächen: 47 ha Pachtland + 69 ha z.T. verwaldete Hutungen, davon 15 ha Leguminosengrasgemenge, 15 ha mähbare Steilwiesen, 8 ha Koppelweiden Tierhaltung: 100 Lacaune-Milchschafe + 26 Nachzucht + 3 Böcke +15 Brigasques +Basquo-Béarnaises Haltungsform: Tiefstreu ,Weide- und Hütehaltung 4 – 8 Std pro Tag Lammzeit: Oktober und Februar, 75-80 tragende Schafe pro Jahr =110 Lämmer (1.4/Mutterschaf), 20 für Nachzucht + 80-90 Schlachtlämmer, die Hälfte wird mit 14 kg LG über den Schlachthof Sisteron an die Côte d’Azur verkauft, der Rest in Die geschlachtet und mit ca. 17 kg SG direkt vermarktet Milchleistung: 200 l/Schaf (ohne Milch für Aufzucht), Laktationsdauer: 7 Monate (bei Herbstlammung), 6 Monate bei Frühjahrslammung Käsevermarktung: 75-80 % direkt (2 Wochenmärkte + La Carline (Biocoop)), 25 % Bioläden Crest und Die + Käsefachgeschäft + Jahrmärkte Danielle und Jean-Louis Meurot mit Lacaune-Milchschaf Hofnachfolger Djamel Farhat 13 Nachzucht im Stall Jean-Louis Meurot mit einem Brigasques Bock Auf dem Hof L’Hébergé traf sich die Besuchergruppe mit Bio-Beraterin Christel Nayet von der Landwirtschaftskammer des Département Drôme. Sie berichtete über Anbau- und Fütterungsversuche mit Esparsette und anderen tanninhaltigen Pflanzen. An der Kammer werden zudem u.a. Untersuchungen zur Fliegenbekämpfung und zur Betriebswirtschaft auf Milchziegen- und –schafbetrieben durchgeführt. Auch Fortbildungen bietet die Kammer an (www.synagri.com/drome). La chèvre qui saoûrit, Saoû Der Frankophone merkt es gleich: Bei diesem Betriebsnamen handelt es sich um ein Wortspiel. „La vache qui rit“ (Die Kuh, die lacht) ist eine französische Käsemarke. Hier sind es also die Ziegen, die aus Saoû kommen und auf dem gut geführten Bio-Hof sicherlich einiges zu lachen haben. Ines de Rancourt und Daniel Gilles halten auf ihrem Hof rund 50 Alpine-Milchziegen mit Nachzucht und zwei Böcke. Eine Aufstockung auf 70 Tiere ist geplant. Die Betriebsleiter vermarkten nicht nur ihren Käse, sondern auch Zicklein- und Ziegenfleisch ab Hof, über Wochenmärkte, Lebensmittelgeschäfte und an die Gastronomie. Auch hier tragen die Ziegen Hörner, bisher kein Problem bei ausreichendem Platz (3 qm/Tier). Das Futter kommt komplett vom eigenen Betrieb. Der Landwirt hat vor kurzem mit sehr guten Investitionsbeihilfen einen neuen Stall gebaut (bei 145.000 Euro Gesamtkosten 80.000 Euro Zuschuss). Die Ziegen werden durch einen Tunnel unterhalb der Straße auf eine Waldweide geführt. 14 Das Syndicat Caprin de la Drôme (http://www.scaprin26.com/) beschäftigt sich mit der Vermarktung von Zicklein- und Ziegenfleisch. Darüber berichtete Valérie Béroule auf dem Hof von Daniel Gilles. Das Syndicat besteht seit 1963 als Interessenvertretung der Ziegenhalter, seine Aktivitäten sind vielfältig und reichen von Verbraucherstudien über die Fortbildung von Ziegenhaltern bis zu Degustationen von Ziegenfleischprodukten. Köche werden fortgebildet, Rezepte entwickelt und veröffentlicht. Das Engagement des Verbandes führte zu einem Programm zur Vermarktung von Ziegenfleisch, das von der Region Rhône-Alpes unterstützt wird. Eine ausführliche Handreichung über die Vermarktung und Verarbeitung von Ziegenfleisch ist im Internet unter www.scaprin26.com/images/pdf/GUIDE-sur-la-TRANSFORMATION-de-la-VIANDE-DECHEVRE.pdf zu finden. Mit dem Programm Agrilocal werden neben vielen lokalen landwirtschaftlichen Erzeugnissen auch Ziegenfleischprodukte in die Schulen gebracht (http://www.agrilocal26.fr/). Das Programm laufe sehr gut, berichtete die Referentin. Betriebsspiegel Hof: La chèvre qui saoûrit, Ines de Rancourt et Daniel Gilles, 26400 Saoû, Kontakt: [email protected], www.chevrequisaourit.com Bewirtschaftung: biologisch, 1,5 Ak Familie + 0.33 Angestellte Höhe: 350 m, Bodentyp: toniger Lehm, Niederschlag: 850 mm Fläche: 20 ha, davon 4 ha Gerste, 11 ha Luzerne, 5 ha Dauergrünland und 10 ha Waldweide. Tierhaltung: heute 51, bald 65 Milchziegen + 20 Nachzucht + 2 Böcke, Rasse Alpine Haltungsform: Tiefstreu und Auslauf, zeitweise Koppelhaltung, Lammzeit: Februar, aufgezogene Zicklein: 88, außer Nachzucht alle direkt oder über Restaurants vermarktet, Milchleistung pro Tier und Jahr: 750 kg, Milchkontrollring Melken: 6 Monate 2 x/Tag, dann 3 Monate 1 x/Tag („monotraite“) Vermarktung: Wochenmärkte und Restaurants und ab Hof, Vermietung von Ferienwohnungen über „accueil paysan“. 15 Daniel Gilles mit Familie Daniel Gilles, Valérie Béroule vom Syndicat Caprin und Jochen Haun Alpine-Ziegen Auch mit Hörnern kein Problem Fleischverarbeitung Troupéou, Mornans In einer Region mit so zahlreichen Milchziegen- und Milchschafhaltern wie der Drôme ist der Bedarf nach Vermarktungsstrukturen für Fleisch groß. Die Agraringenieurin Morgane Cadario hat das erkannt und vor einem Jahr in den Räumen einer vormaligen Käserei eine Fleischverarbeitung aufgebaut. Die Sanierung und Ausstattung der Gebäude hat rund 300.000 Euro gekostet, ein öffentlicher Zuschuss von rund 50 Prozent hat den Start der kleinen Firma ermöglicht. Die junge Geschäftsführerin, die mit ihrem Mann einen Fleischrinderbetrieb führt, hat zwei erfahrene Metzger in ihrem Unternehmen angestellt. Sie zerlegen das angelieferte Fleisch (bio und konventio16 nell) und verarbeiten es zu den verschiedensten Würsten, Schinken, Konserven, Terrinen und anderen Köstlichkeiten. Die Lohnverarbeitung für Tierhalter aus der Region macht ungefähr die Hälfte des laufenden Geschäfts aus. Die andere Hälfte umfasst die Verarbeitung der eigenen Rinder und von zugekauftem Fleisch, ausschließlich aus lokaler, bäuerlicher Haltung. Verarbeitet werden Bullen, Kälber, Schweine Lämmer, Ziegen und Zicklein sowie Geflügel. Pro Woche werden aktuell etwa 1,5 Tonnen Fleisch verarbeitet, eine zügige Fortentwicklung angesichts der sehr positiven Resonanz ist vorgezeichnet. Vermarktet werden die Produkte ab Betrieb, über Auslieferungstouren und einen Internetshop (www.troupeou.fr). Geschäftsführerin Morgane Cadario Rinder- und Schweinehälften im Kühlraum Hartwürste im Lohn für regionale Tierhalter hergestellt und mit Naturschimmel gereift 17 GAEC Stahl, Menglon Philippe Stahl bewirtschaftet mit seinem Sohn Benjamin und seiner Frau Claire eine Betriebsgemeinschaft GAEC (siehe Kasten) im Département Drôme. Sie halten 110 Lacaune-Milchschafe mit Nachzucht. Benjamin Stahl organisiert einen Bauernladen „brins de terroir“ in der Nähe von Valence, über den 21 Bauern und Handwerker ihre Ware absetzen (www.brinsdeterroir.fr). Die Mutterschafe lammen konzentriert im Januar ab und werden ab Februar bis Ende September gemolken. Die Nachzuchtschafe werden mit neun Monaten gedeckt und lammen im April. Die Schafe werden bis Mitte Mai zweimal, danach einmal am Tag gemolken. Die Milchleistung liegt bei 350 kg, eine Milchkontrolle wird viermal in der Laktation durchgeführt. Zuchtziel im Betrieb ist eine möglichst flache, lang andauernde Laktationskurve. Als Kraftfutter erhalten die Tiere ausschließlich Gerstenschrot, zu Beginn der Laktation etwa 500 g je Tier und Tag. Vor dem Melken bekommen sie Wiesenheu und Gerstenschrot, danach ein LuzerneWeidelgrasgemenge. Die Tiere gehen stundenweise auf die Weide, im Sommer nachts. Hauptgesundheitsproblem ist Coccidiose nach dem Absetzen. Gute Erfahrungen hat der Landwirt mit der Verfütterung von Tonerde gemacht, auch bei den tragenden Schafen. Daneben setzt er Oreganound Majoranpräparate ein. Seit sechs Jahren wurde keine Parasitenbehandlung mehr durchgeführt. Kotproben werden aber regelmäßig genommen. Ein weiteres, in der Region verbreitetes Problem sind Nasendasseln. Stahls verarbeiten rund 35.000 Liter Milch im Jahr in der hofeigenen Käserei zu den Schafkäsespezialitäten Perail, Tomme und Feta sowie Joghurt. Vermarktet wird ab Hof, über den lokalen Lebensmittelhandel, den Bauernladen und Märkte. Die männlichen Lämmer und ein Teil der weiblichen Lämmer gehen mit drei Wochen als Milchlämmer zum Metzger. Sie haben dann 13 – 16 kg Lebendgewicht. Die restlichen weiblichen Tiere, die nicht als Nachzucht im Betrieb bleiben, werden nach frühestens 30 Tagen abgesetzt und im Juni als schwere Lämmer mit ca. 36 kg verkauft. Betriebsspiegel Hof: GAEC Stahl, Philippe, Benjamin und Claire Stahl, Messagendre, 26410 Menglon, Kontakt : [email protected] Bewirtschaftung: biologisch, 2.5 Ak Höhe: 592 m, lehmiger Tonboden, 800 mm Niederschlag 18 Fläche: 50 ha, davon 4 ha Gerste, 15 ha mehrjährige Futtermischung, 20 ha Luzerne, 15 ha Weide Tierhaltung: 110 Lacaune-Milchschafe + 30 Nachzucht, ca. 170 Lämmer/Jahr (1.6 - 1.7/Schaf) Haltungsform: Winter Tiefstreu, Sommer Koppelhaltung Milchleistung pro Tier und Jahr: 350 kg, Laktationsdauer: 8 Monate bzw. 5 bei den Einjährigen Produktion: 10.000 l Milch werden jährlich zu Joghurt verarbeitet und 25.000 l zu Käse (Hartkäse, Weichkäse und Feta) Vermarktung: 25 % Wochenmärkte, 25 % „Brins de terroir“ Hofladen bei Chabeuil, 20 % ab Hof), 30 % über Geschäfte und Restaurants); Molkeverwertung über 6-7 Schweine in Direktvermarktung (Schlachtung in Die, Zerlegen und Wurstbereitung bei Troupéou). Philippe Stahl mit Jochen Haun Lacaune-Schafe im Stall Hier kommt die Milch her und hier wird sie zu Käse 19 Roquefort: Quoten und strenge Regeln Roquefort-Reifung in den Höhlen Fotos: imago der Molkerei Société Der zweite Teil der Exkursion führte in die Region Midi-Pyrénées. Die Region ist in Frankreich führend in der Produktion von Schafmilch und Bio-Schafmilch. Im zugehörigen Département Aveyron befindet sich der Schwerpunkt der französischen Schafmilchverarbeitung, kein Wunder: Hier wird der berühmte Roquefort hergestellt. Anders als in der vorher besuchten Region Rhône-Alpes liefern die meisten Erzeuger in Midi-Pyrénées ihre Milch in der Molkerei ab, nur sehr wenige verarbeiten sie selbst. Rund 1.300 Lacaune-Schafhalter wirtschaften in der Region, ihre Höfe sind fast ausschließlich in den Départements Aveyron und Tarn angesiedelt. Auch 60 Prozent der französischen Bio-Schafe weiden in Midi-Pyrénées, die allermeisten im Département Aveyron. Auf nationalem Niveau haben die Bio-Milchschafe einen Anteil von knapp fünf Prozent an allen Milchschafen. Midi-Pyrénées ist im Übrigen französischer Spitzenreiter, was die BioFläche angeht: Rund 2.600 Bio-Betriebe bewirtschaften hier einen Anteil von knapp sechs Prozent der Landwirtschaftsfläche. Von den sieben Molkereien, die Roquefort herstellen, verarbeiten drei auch Bio-Schafmilch: Société (Lactalis-Gruppe, nach Danone die zweitgrößte in Frankreich), Papillon und Gabriel Coulet. 2012 haben diese drei Molkereien 3,6 Mio. Liter Bio-Schafmilch von 44 Betrieben aufgenommen, das waren 2,2 Prozent ihrer gesamten Verarbeitungsmenge. Bei der Bio-Schafmilch gibt es allerdings einen Überschuss, der zu schlechten Preisen außerhalb des Roqueforts vermarktet werden muss. (Alle Infos: La Lettre Régional de l’Agriculture Biologique en Midi-Pyrénees, Nr.5/2013). 20 Quote Die Erzeugung von Schafmilch für den Roquefort unterliegt seit 1987 einer Quote, die sich an einer Referenzmenge aus Mitte der achtziger Jahre bemisst. Für die abgelieferte Milch werden A-, B- und C-Preise bezahlt: der A-Preis für Milch, die zu Roquefort verarbeitet wird, der B-Preis für Milch, die die Molkerei zu anderen Käsen, Joghurt etc. verarbeitet und der C-Preis für Übermilch, die exportiert oder zu Milchpulver verarbeitet wird, meist zur Aufzucht der Lämmer. Die Quote wird inzwischen stark kritisiert, weil sie den Landwirten keine Entwicklungsmöglichkeiten lässt und sie im hohen Maße abhängig von Preisen und vorgegebenen Mengen macht. Das Problem verschärft sich dadurch, dass der Absatz von Roquefort seit einigen Jahren sinkt. Auch Brüssel macht Druck, weshalb die Quote im nächsten Jahr aufgelöst werden soll. Stattdessen wird es künftig Einzelverträge der Molkereien mit den Schafhaltern geben. Wie es dann weitergeht, ist offen. Manche Landwirte befürchten, dass dann mehr und mehr große Wachstumsbetriebe zum Zuge kommen, kleine und abgelegene Betriebe kein Lieferrecht mehr erhalten. Roquefort Roquefort ist ein Blauschimmelkäse aus roher Schafmilch, die ausschließlich von Schafen der Rasse Lacaune und einigen lokalen Schlägen stammen darf. Die Milch wird in der Umgebung (200 km Umkreis) des Dorfes Roquefort-sur Soulzon im Département Aveyron erzeugt. Sieben spezialisierte Molkereien verarbeiten die Milch. Der Käse wird mit Blauschimmel geimpft. „Penicilium roquefortii“ wird aus eigens dafür gebackenen Roggenbroten gewonnen, die in den Felshöhlen des Hausberges Cambalou die Schimmelkultur entwickeln. Der Käse reift während einer gewissen Periode in den Höhlen, nur dann darf er sich Roquefort nennen. Der Roquefort hat 1925 als erster französischer Käse das AOC-Siegel erhalten und gilt als eine der teuersten Käsespezialitäten. Ein hoher Anteil geht in den Export. Die Herkunftsbezeichnung verlangt unter anderem, dass die Schafe mindestens 75 Prozent Futter (Grünfutter, Heu, Getreide) aus der Region bekommen, täglicher Weidegang in der Vegetationszeit ist Vorschrift. Die Schafe werden ab Dezember bis Juli zweimal täglich gemolken, die Milch wird täglich abgeholt. Pierre und Marie Hélène Bousquet, Belmont sur Rance Auf diesem konventionellen Betrieb mit Milchschafen informierten sich die Exkursionsteilnehmer über das „Système Roquefort“. 21 Pierre Bousquet bewirtschaftet knapp 160 Hektar Land, von denen 148 Hektar ackerfähig sind. Auf 130 Hektar baut er Luzerne(gras) an, auf 30 Hektar Getreide. Die Luzerneflächen werden nach dem Schnitt beweidet. Der Betriebsleiter hat eine leistungsfähige Heutrocknung installiert. Er hält 420 Lacaune-Milchschafe mit Nachzucht im isolierten Warmstall. Wer im „Système Roquefort“ arbeitet, hält sich an sehr genaue Produktionsabläufe. Die Mutterschafe werden im Betrieb Bousquet alle am 10. Juni besamt. Dafür werden sie hormonell synchronisiert. Die Befruchtungsrate bei Frischsperma liegt bei etwa 67 Prozent im Zuchtverbandsdurchschnitt. Nach zehn Tagen kommen Zuchtböcke in die Herde, um die restlichen Schafe zu decken. Der Betrieb ist Teil des Zuchtprogramms, ein Teil der Muttertiere wird mit Testböcken besamt. Mit welchen Böcken die Schafe belegt werden, bestimmt die Zuchtstation, die aber gemeinsam mit den Landwirten die Zuchtziele festlegt. Der Betrieb liefert im Gegenzug Bocklämmer seiner besten Mutterschafe an die Zuchtstation. Die Jungschafe werden komplett am 10. August besamt. Zwischen dem 1. und dem 10. November lammen die Tiere ab. Die Lämmer bleiben 30 Tage bei der Mutter, anschließend werden die Schafe zweimal täglich gemolken. Bousquet füttert seine Schafe im ersten Monat nach dem Absetzen mit 400-500 g Gerste pro Tag, sie erhalten sehr gutes Luzerne-Heu. Danach wird das Kraftfutter peu à peu reduziert. Die Laktation dauert sieben Monate, gemolken wird exakt bis zum 15. Juli. Ab dem 1. März kommen die Tiere auf die Weide, ab dem 1. Mai macht der Landwirt Heu, die Tiere kommen erst wieder zum 1. September nach draußen, da es im Sommer zu heiß und trocken ist. Der Melkstand umfasst 2 x 24 Melkplätze (Swing-over); 400 Schafe zu melken, dauert 70 Minuten bei etwa drei Minuten Melkzeit je Tier (zeitgesteuerte Melkzeugabnahme). Nur zu Beginn der Melkperiode und bei den Jungschafen wird zu zweit gemolken. Die Milchleistung liegt bei 330 kg/Schaf im Herdendurchschnitt. Alle Zuchtschafe werden über die gesamte Nutzungsdauer siebenmal pro Laktation milchleistungsgeprüft. Nur zu Beginn der ersten oder zweiten Laktation wird zwei- oder dreimal eine Analyse auf Fett- und Eiweißgehalt sowie auf Keim- und Zellzahl vorgenommen, um den Zuchtwert der Tiere zu bestimmen. Außerdem wird das Euter jedes Jungschafs im zweiten Laktationsmonat nach Euterform und Melkbarkeit bewertet. Zusätzlich kontrolliert die Molkerei die Tankmilch viermal monatlich auf Inhaltsstoffe und Hygienestatus. Myriam Vionnet vom Zuchtverband Gènes Innovation Diffusion (GID) Lacaune gab auf der Station in Lauras zusätzliche Informationen zur Zucht von Lacaune-Schafen (http://www.gidlacaune.fr). Die Zuchtziele haben sich über die Jahre von der Milchleistung über Milchinhaltstoffe, Gesundheitsparameter auf aktuell Euterform und Langlebigkeit weiterentwickelt. Alle Zuchtschafe sind in einem Scrapieprogramm auf ihre Resistenz gegen TSE getestet (ARR/ARR). Da auch im Ausland ein großes Inte22 resse an Lacaune-Schafen besteht, plant die Zuchtstation, künftig auch gefrorenes Sperma zu exportieren. Die Station führt im Jahr 260.000 Besamungen mit Frischsperma in der Region durch, davon rund 100.000 zwischen dem 15. Mai und dem 15. Juni. In Lauras befinden neben den Büros der GID auch drei Mastställe für Schlachtlämmer, überwiegend Lacaune und Lacaune-Kreuzungen mit Suffolk. Insgesamt werden von einem eigens dafür gegründeten Unternehmen jährlich rund 10.000 Schlachtlämmer für den konventionellen Markt produziert. Auf dem Weg nach Aveyron: Der Viaduc de Milchschafhalter Pierre Bousquet und Millau, die längste Schrägseilbrücke der Welt, Myriam Vionnet vom Zuchtverband Gènes Innovation das höchste Bauwerk Frankreichs. Lacaune-Schafe bei Pierre Bousquet Swing-over-Melkstand mit 24 Plätzen 23 Bergers du Larzac, La Cavalerie „Es gibt viele Vorteile, nicht im Système Roquefort zu arbeiten“, sagt André Parenti, Gründer und Geschäftsführer der Käserei „Bergers du Larzac“ (http://www.bergersdularzac.fr). Die Käserei versteht sich als Gegenmodell zur vorherrschenden Vermarktungsform in Midi-Pyrénées. Parenti sieht die Entwicklung dort kritisch, denn die Vermarktung des hochpreisigen Roquefort stagniert, viel Schafmilch muss zu schlechten Preisen exportiert werden, beispielsweise nach Griechenland. Die Kooperative aus Landwirten, die die Käserei betreibt, hat sich 1996 mit damals sechs angeschlossenen Betrieben gegründet. Heute sind es 23 Höfe, darunter 18 GAEC, insgesamt 50 Landwirte. Ziel der Bauern war und ist es, ihre Milch gut zu verwerten, sich zu diversifizieren und von den großen Roquefort-Molkereien unabhängig zu machen. Die neu gebaute Käserei verarbeitet im Jahr etwa 2,5 Mio. kg Schafmilch, davon knapp 40 Prozent bio, aus einem Einzugsgebiet bis zu etwa 100 km Entfernung. Sie verfügt über einen Felskeller mit vier Stockwerken in die Tiefe, in der die Käse reifen. Eine Erweiterung der Produktionsfläche um 1.200 m² ist geplant. Die 32 Mitarbeiter der Käserei stellen ein breites Sortiment von Käse her: verschiedene Sauermilchund Labkäse aus Rohmilch oder pasteurisierter Milch, Schnittkäse, Weichkäse, Blauschimmelkäse, Käse à „Croute fleurie“ oder „Croute lavée“, Feta, Joghurt und Frischmilch. Die Kooperative zahlt den Schafhaltern für konventionelle Milch etwa einen Euro, für Bio-Milch 1,20 Euro/Liter. Im Gegensatz zu den Roquefort-Molkereien verarbeitet die Käserei das ganze Jahr über Milch. Die Schafe auf den Höfen lammen daher auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten, dies wird gemeinsam mit den Landwirten geplant. Große Anteile des Bio-Käses gehen nach Deutschland. „Wegen der deutschen Nachfrage haben wir im Jahr 2000 überhaupt mit Bio-Käse begonnen“, berichtet André Parenti. Der erste deutsche Kunde war die ÖMA. Bei der Gründung der Kooperative habe es auf dem französischen Markt noch kein Interesse für Bio-Käse gegeben, inzwischen hat sich das stark gewandelt. Die Käse werden an BioGroßhändler und an traditionelle Käsefachgeschäfte, die sich mehr und mehr für Bio interessieren, vertrieben. Der köstliche Käse der „Bergers du Larzac“ fand reißenden Absatz unter den Exkursionsteilnehmern, die so zu einer weiteren Exportsteigerung nach Deutschland beitrugen. 24 Kooperative Bergers du Larzac Käsereileiter André Parenti (re.) mit Dr. Ulrich Jaudas von der Landesberufsschule für Tierwirte Hohenheim „Croute fleurie“ Käse mit Naturschimmelrinde, in der Höhle der Käserei Bergers des Larzac gereift, rechts Bio-Käse 25 … und viele begeisterte Exkursionsteilnehmer Autoren des Berichts: Annegret Grafen, Jochen Haun, Seb Schäfer Fotos: alle außer Seite 20 von Annegret Grafen 26