Das Festival - ProgPower Europe

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Das Festival - ProgPower Europe
Das Festival
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Sie hatte uns wieder, die Idylle von Baarlo! War also schon wieder ein Jahr vergangen? Doch irgendetwas
scheint in dem verträumten Städtchen passiert zu sein. Haben die Metaller nun doch den Zorn der Götter auf die
Ortschaft gezogen? Es regnete! Während im letzten Jahr über Baarlo auf wundersame Weise ein weißes Loch im
Wolkenhimmel schwebte und die heile Welt vollkommen war, mussten sich die Besucher des ProgPower heuer
mit dem Nass von oben abfinden, was natürlich vor allem die kleine Schar an Campern traf.
Ein Glück, dass sich die Gigs da in der Halle abspielen und das war nicht das einzige, was von jeder Änderung
verschont blieb.
Im Grunde genommen war alles wie im Vorjahr - von einer wesentlichen Umstellung abgesehen: das Festival
fand am Samstag und Sonntag statt, was für eine derartige Veranstaltung sicher ungewöhnlich ist, wohl aber auf
vielfachen Wunsch der ausländischen Gäste so
umgesetzt wurde.
Ansonsten durfte man sich endlich wieder einmal
über ein so richtig stressfreies und angenehmes
Festivalerlebnis freuen. Von der Stimmung her gibt
es in unseren Breitengraden sicherlich nichts
vergleichbares und auch dieses Jahr war wieder
deutlich, dass sich dieses Publikum unterscheidet.
Vom alternden Prog-Proll bis hin zu kindlichen
Nachwuchs-Gothern fand man wieder ein breites
Sammelsurium an Musikbegeisterten, denen
selbstauferlegte Genregrenzen egal sind. Das
ProgPower Europe ist eben eine sehr familiäre
Angelegenheit und das macht sich in allen Belangen
bemerkbar.
Es geht ja schon los, wenn man die Halle betritt.
Securities sucht man hier vergebens,
Einlasskontrollen gibt es nicht. Warum auch, bei
einem derart friedfertigen Volk? Und vielleicht liegt
es ja auch daran, dass man von diesem dunklen
Heinneken einfach nicht betrunken werden kann,
dass es insgesamt etwas gesitteter zuging. Mit 1,20
Euro für 0,2 Liter Bier lag man mit den
Getränkepreisen dann auch gerade noch im Rahmen, schade war allerdings, dass man nach wie vor in der Halle
nichts zu essen bekam und so auf die Restaurants in der Umgebung zurückgreifen musste. Diese waren dann zu
Stoßzeiten auch entsprechend mit langhaarigem Volk gefüllt, das vor allem die Dinner-Pause zur
Nachmittagszeit zu Schätzen wusste. Genau so was tut einfach enorm gut, wenn man zwischendurch einfach
auch mal Zeit hat, sich von der Dauerbestrahlung zu erholen.
Im Gegensatz zum Nahrungsangebot wurde dieses Jahr die Merchandise-Abteilung ausgebaut. Im Keller gab es
so nun zumindest mal drei Ständchen mit einem ganz guten Angebot, das sich in erster Linie natürlich auf das
konzentrierte, was der ProgPower-Fan gerne zu
hören bekommt.
Gleichzeitig konnte man aber auch weiterhin in
der Kellerkneipe abhängen (oder nachts bei den
Aftershowparties abfeiern), in der während der
Dinnerpausen auch Coverbands spielen sollten,
was am Samstag mit UP THE IRONS (IRON
MAIDEN) der Fall war, die LED ZEPPELINTribute-Truppe The Song Retains the Name
hatte dann aber das Glück, durch die kurzfristig
ausgefallenen THEORY IN PRACTICE (der
Bus der Band blieb irgendwo in Deutschland
liegen) ihr Pausenständchen auf der Hauptbühne
zu geben.
Bis auf diese Tatsache blieben die Veranstalter
des ProgPower Europe aber von Absagen
während des Wochenendes verschont und
konnten so ein wirklich gutes Billing bieten, das
mit dem des Vorjahres aber nicht mithalten
konnte. Aus Proggie-Sicht waren auf jeden Fall viele Leckerbissen dabei, für mich persönlich bestand die
Auswahl allerdings zum größten Teil aus Bands, deren Leistung ich sehr anerkenne und die auch alle meine
Sympathien haben, deren Musik mich auf CD aber noch nie so richtig in den Bann ziehen konnte Und auch bei
den Bands, die mir bislang unbekannt waren, gab es für mich außer A.C.T. keine echte Überraschung. Und es
würde mich halt freuen, wenn doch etwas mehr auf das "Power" im Namen der Veranstaltung wert gelegt
werden würde, aber das ist natürlich Geschmackssache.
Ansonsten ist es halt einfach schön auf dem ProgPower. Die Bands werden auf der einen Seite noch richtig wie
Stars behandelt und jeweils einzeln vor den Auftritten angekündigt - der schwarze Vorhang gibt dem ganzen
dazu noch ein besonders Flair -, auf der anderen Seite erlebt man die Musiker noch so nah, wie fast nirgends
mehr (der Vergleich mit den ersten Bang Your Head-Veranstaltungen liegt auf der Hand).
Und genau aus all diesen Gründen wünscht man sich, dass das ProgPower Europe gar nicht viel größer wird.
Aus kommerziellen Gesichtspunkten wäre es den Veranstaltern zu gönnen, die dieses Jahr mit der Konkurrenz in
Form von AYREON/STAR ONE und CANDLEMASS zu kämpfen hatten. Rein aufgrund des Risikos, dass die
Veranstaltung ihre besondere Atmosphäre verliert, wäre es aber zu hoffen, dass alles so bleibt, wie es ist.
Samstag, 05. Oktober 2002
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DIVIDED MULTITUDE
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Nachdem ANTARES gerade ihren Set beendeten,
als wir das Sjiva-Jugendzentrum betraten, begann
das ProgPower 2002 für uns also mit den
Norwegern DIVIDED MULTITUDE, die optisch
alles andere als auf Prog-Metal schließen ließen.
Die beiden wohlernährten Gitarristen wollten mit
ihren nackten, verschwitzten Oberkörpern nicht
wirklich ins Klischee passen, was ja aber auch alles
andere als schlimm ist. Ansonsten bestätigten
DIVIDED MULTITUDE den Eindruck, den die CD
hinterlassen hat. Ganz gute Band, aber es fehlt
einfach noch einiges, um wirklich groß zu werden.
Sindre Antonson zeigte sich alles andere als
stimmgewaltig und auf Platte klingt der gute doch
ein Stück tonsicherer als live. Von der Songauswahl
her legten DIVIDED MULTITUDE natürlich wie
die meisten Acts den Schwerpunkt auf das neue
Album "Falling to Pieces" und eröffneten den Set
auch mit dem klasse Opener "Enter Paradise", der
live allerdings nicht ganz die Wirkung entfalten
wollte, wie es auf CD der Fall ist. Umso hittiger
kamen dagegen Songs wie "Focus" oder "Falling to
Pieces", deren Wiedererkennungswert und
Ohrwurmcharakter erst live so richtig zur Geltung
kam. Mit großspurigen Ansagen der Marke "hey,
wir kommen extra aus Norwegen hier her, also
macht gefälligst Lärm" machte Sindre vermutlich
nicht unbedingt Sympathiepunkte, aber wer den
quirligen und trinkfreudigen Sunnyboy im weiteren Verlauf des Festivals zu anderen Acts durch die Gegend
hüpfen sah oder auch sonst stets freundlich und spitzbübisch erlebte, dem dürfte recht schnell klar geworden
sein, dass der gute Mann derartige Aussagen alles andere als bierernst meint. Ein netter Auftakt also, von dem
ich mir allerdings etwas mehr versprochen habe.
STONEHENGE
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Den Ungarn STONEHENGE eilt schon längere Zeit ein
sehr guter Ruf in der Prog-Metal-Szene voraus, doch
die bisherigen Hörproben haben mich nie derart
überzeugt, dass ich unbedingt mehr über diese Band in
Erfahrung hätte bringen müssen. Dennoch wollte ich
mich dem Auftritt auf dem ProgPower natürlich nicht
verwehren, vielleicht sollten sich hier ja endlich die
vielen Vorschußlorbeeren bestätigen. Doch leider sollte
auch dies nicht der Fall sein und so hinterließen
STONEHENGE bei mir den Eindruck einer weiteren
äußerst sympathischen Prog-Metal-Combo, die aber
keine echten Akzente setzen kann und eher zum großen
Heer der Durchschnittsband gezählt werden muss.
Hängen geblieben ist von den Songs jedenfalls so gut
wie nichts, gute Ansätze gingen wie so oft in
unausgegorenem Songwriting unter - immer wenn man
dachte, jetzt wird´s so richtig geil, verfehlte die Band
das Ziel, die Spannung zu halten. Dabei war der Truppe
ihr Enthusiasmus doch deutlich anzumerken und vor
allem Frontmann Zoltán Batky verlieh seiner Freude an
diesem Gig ganz besonders Ausdruck, indem er
plötzlich von der Bühne verschwand um dann in der
ersten Reihe im Publikum zu erscheinen und dort
ordentlich abzubangen. Sympathiepunkte hin oder her,
es bleibt dabei: so richtig reißen konnten die Ungarn
auf dem ProgPower einfach nichts und ich denke da
muss doch noch einiges passieren, bevor
STONEHENGE mehr sind, als ein weiterer Act unter
vielen. Gönnen würde ich den Jungs diese
Weiterentwicklung aber auf jeden Fall.
DEAD SOUL TRIBE
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DEAD SOUL TRIBE ließen nach der
Dinnerpause - während der ja eigentlich
genügend Zeit zum Umbauen vorhanden war erstmal lange auf sich warten. Man hörte zwar
deutlich, dass hinter dem Vorhang ordentlich
gewerkelt und gesoundcheckt wurde und
irgendwann ging auch das Licht aus und das
Intro wurde gestartet, doch die Band wollte
einfach nicht auftauchen. Nach gut 20
Minuten öffnete sich der Vorhang dann doch
und René Janssen entschuldigte die
Verzögerung mit der Erklärung, dass es wohl
technische Probleme gegeben habe.
Als Devon Graves und DEAD SOUL TRIBE
dann die Bühne betraten, schienen diese
allerdings noch nicht hundertprozentig
behoben. Die Musiker wendeten ihren Blick
immer wieder zum Soundtechniker, Roadies
schraubten noch ein bisschen an
irgendwelchen Geräten rum und das ganze wirkte alles andere als so, wie es sein sollte.
Diesen Eindruck bestätigten dann auch die Blicke von Mr. Devon Graves, der auf mich zunächst alles andere als
"gewandelt" erschien. Genauso wie bei den letzten PSYCHOTIC WALTZ-Gigs, die ich miterleben durfte,
quittierte Devon alias Buddy mit wütenden und hektischen Blicken evtl. vorhandene Bühnensoundprobleme verbissen und mit sich und seiner Welt unzufrieden, so hatte ich den Wahlösterreicher von den letzten Konzerten
in Erinnerung und so wirkte er auch zu Beginn dieser Show auf mich. So ganz zu dem stocknüchternen und vor
allem sehr kontaktfreudigen Genossen, den ich den Nachmittag über im Publikum beobachten konnte, wollte
dieses Verhalten jedenfalls nicht passen. Doch schon nach kurzem zeigte sich Devon dann von einer etwas
anderen Seite. Zwar immer noch auf eine gewisse Art unnahbar, aber doch wesentlich fannäher präsentierte sich
der Mann, dessen Ausstrahlung nach wie vor ungebrochen ist. Und er schien es zu genießen, dass er inzwischen
auch ständig eine Gitarre umhängen hat, zumindest poste er wie wild damit herum und so manche Gestik ließ
fast den Verdacht aufkommen, als wolle er einen auf "The Artist formerly known as Buddy Lackey" machen.
Und auch, wenn er gegen später mal die Gitarre verwechselte ("oh, wrong guitar!"), schien er sich doch wieder
so richtig in dieses Instrument verliebt zu haben, das er auch mal mit einem Streicherbogen bearbeitete und auch
sonst immer sehr körperbetont einsetzte.
Keine Frage, dass bei einer derartigen Präsenz die Begleitband weit in den Hintergrund gedrängt wird, auch
wenn Buddy diese immer wieder ins Rampenlicht zu zerren versuchte. Letzten Endes ist es doch er, um den sich
alles bei den Fans dreht. Wer weiß, vielleicht waren es ja Ego-Probleme, die dazu führten, dass die Band ihren
Gitarristen seit dem Dynamo Open Air nicht mehr gesehen hat (der Mann ist anscheinend tatsächlich spurlos
verschwunden) und deshalb an diesem Abend den neuen (jungen) Sechssaiter als festes Bandmitglied vorstellte
(was dieser mit einem Kuss auf den verschwitzten Glatzkopf von Devon quittierte), der allerdings noch etwas
unsicher wirkte - was natürlich auch damit zusammen hängen mag, dass er sich das gesamte Material innerhalb
von zwei Wochen aufarbeiten musste.
Ansonsten muss ich sagen, dass DEAD SOUL TRIBE live genau das in mir auslösten, was ich mir von diesem
Gig versprochen habe: nachdem das Album nie so richtig bei mir zünden wollte, hat die Band live den Funken
überspringen lassen. Die hervorragende Auswahl an Songs vom Debüt (Powertrip, Coming Down, The Haunted,
You, Once) wurde zunächst lediglich durch "Skeleton" unterbrochen, einem der jüngeren PSYCHOTIC WALTZ
Stücke. Mit den "akustischen" "Empty" und "Under the Weight of my soul" gingen DEAD SOUL TRIBE dann
erwartungsgemäß zu "I Remember" über - einem der PSYCHOTIC-Klassiker, bei dem Buddy dann auch zum
ersten mal (trotz "Empty") die Querflöte auspackte. Seltsamerweise brachte aber auch dieser Song die Stimmung
nicht derart zum Kochen, wie man es erwarten hätte können und hier wurde ganz klar, dass PSYCHOTIC
WALTZ-Stücke in ihrer ganzen Intensität eben nur von der einen Band intoniert werden können, ohne die
Leistung von DEAD SOUL TRIBE schmälern zu wollen. Bei "Locust" kam dann auch endlich ansatzweise das
berühmte Pantomimenspiel von Devon zum Einsatz und mit "Bleeding" und "...Into the Spiral Cathedral"
beendeten die Österreicher ihren Gig, den ich einfach nur als sehr cool bezeichnen würde.
HEAVEN´S CRY
(nach oben...)
HEAVEN´S CRY gehörten ohne Zweifel zu
den Hauptattraktionen der diesjährigen
Veranstaltung, auch wenn ich wieder einmal
zugeben muss, dass mich - trotz der Genialität
der musikalischen Leistung - das
Songmaterial des Debüts "Food for Thought
Substitude" nie so richtig packen konnte.
Als Liveband konnten die Kanadier aber
völlig überzeugen und waren sowohl ein
optischer, als auch akustischer Leckerbissen
allererster Güte.
Mit den zwei Gitarristen an den Außenseiten
und den zwei Sängern - zusätzlich mit Gitarre
und Bass bewaffnet - in der Mitte, bot das
Quintett schon mal einen eigenwilligen
Anblick und eigenwillig war außerdem vor
allem der Sound. Die beiden E-Gitarren
kombiniert mit der Akustik-Klampfe ergaben
schon eine ganz besondere Klangwirkung und
diesen wussten HEAVEN´S CRY durch eine
einmalige Kombination voll auszuschöpfen. Das muss man schon mal gehört und auch gesehen haben (vor
allem, wie Olaf Quinzanos mit seiner Gitarre werkelt), um wirklich nachvollziehen zu können, was gemeint ist.
Doch auch die gesangliche Leistung war erste Sahne und die beiden Frontmänner ergänzen sich wirklich
hervorragend. Zwar tendieren beide in eine ähnliche stimmliche Richtung, doch gerade Live kamen die
unterschiedlichen Charakteristika der zwei so richtig zur Geltung.
Die komplexen und technisch anspruchsvollen Stücke wurden mit einer faszinierenden Lockerheit dargebracht
und eine relaxte, freundliche Atmosphäre machte sich im Saal breit. Insgesamt wurde eine ausgewogene
Mischung aus alten und neuen Stücken dargeboten, wobei die Songs vom aktuellen Album "Primal Power
Addiciton" nur den wenigsten bekannt gewesen sein dürften, da es - zumindest in Deutschland - noch nicht
offiziell erhältlich ist, auf dem ProgPower aber schon mal reichlich Absatz fand.
Umso besser kamen da natürlich Stücke wie "Your God´s Crime", "Out of me", "Wings" oder das umjubelte
"The Horde" mit seinen geilen Eröffnungsschreien und dem verzwickten Gitarrenspiel an. Tatsächlich hatte ich
aber das Gefühl, dass die stärkeren Stücke auf dem neuen Album zu finden sind, bei denen die Band noch mehr
auf diesen eigentümlichen Sound wert gelegt zu haben scheinen - sofern man das vom ersten Eindruck her
überhaupt sagen kann.
Auch HEAVEN´S CRY gewannen bei ihrem Auftritt wieder alle Sympathien und unterstrichen einmal mehr,
was für Ausnahmeacts im Underground Kanadas "schlummern".
THRESHOLD
(nach oben...)
Ich denke man kann THRESHOLD sicherlich
zu den Bands zählen, die sich ihren Status
redlich über viele Jahre hinweg erspielt haben
und die vor allem durch qualitative Konstanz trotz diverser Line-Up- und vor allem
Sängerwechsel - überzeugen.
Das letzte Mal, dass ich die Band live erlebt
habe, ist schon einige Jährchen her - um genau
zu sein war es die "Psychodelicatessen"-Tour,
als noch Glynn Morgan (für mich ganz klar der
unterbewertetste Sänger - und vor allem auch
Frontmann (der diese Bezeichung auch wirklich
verdient hat - xxx <- weitere unnötige
Verschachterlung des Satzes - ) - in der
Bandhistory) am Mikro stand. Und um ehrlich
zu sein hatte ich die Band wesentlich agiler in
Erinnerung. Da ging noch richtig was ab und
vor allem durch die starken mehrstimmigen
Gesangsarrangements wusste die Band für
offene Münder zu sorgen. Derartige Vokalakrobatiken gibt es sicherlich auch heute noch im THRESHOLDSound, werden aber wesentlich dezenter eingesetzt als zur damaligen Zeit und auch was das Stageacting angeht,
ist insgesamt mehr Zurückhaltung angesagt. Böse Menschen könnten von alternden Rockstars sprechen, doch so
weit möchte ich nicht gehen. Vielmehr strahlen die Briten die gereifte Entspanntheit aus, wie man sie z.B. von
Acts wie DEMON her kennt, auch wenn Frontmann Mac mit der Theatralik eines Dave Hill auf keinen Fall
mithalten kann. Vielmehr ist er ein Sänger, der sich trotz seiner Position nicht in den Vordergrund spielen muss
und dennoch sehr präsent ist. Vor allem sein ständiger Kontakt zum Publikum bringt viel Nähe zu den Fans und
so kommuniziert er mit seinen Anhängern eigentlich ständig durch Blicke und Gestik.
THRESHOLD als Band sind einfach gut. Keine außergewöhnlichen Stars, vielmehr erfahrene Musiker, denen
man den Spaß am Musik machen ansieht.
Mit dem Opener zum neuen Album "Critical Mass" legten die Männer los und wiesen damit auch gleich den
Weg für den restlichen Abend. THRESHOLD 2002, das sind eben THRESHOLD mit dem Ex-Sargant FurySänger und dementsprechend hielt man sich auch bei den Alben aus dieser Ära auf. Ich persönlich fand das
Schade, denn eigentlich sind es die ersten beiden Werke der Band, die mir bislang am meisten gaben, wobei das
neue Album allerdings wieder sehr stark ausgefallen ist, was die Briten an diesem Abend u.a. auch mit "Falling
Away" oder "Fragmentation" bewiesen. Mit "Oceanbound" oder "Long Way Home" bekam natürlich auch das
Vorgängerwerk die gebührende Aufmerksamkeit und mit "Virtual Isolation" wagte man sich sogar bis zum
"Extinct Instinct"-Album vor - weiter ging´s aber leider nicht. Zu Schade, zumindest den Hit vom Debütalbum,
"Sanity´s End" hätte ich zu gerne mal wieder zu Ohren bekommen, aber es sollte halt nicht sein.
THRESHOLD boten ihren Fans letztendlich das, was sie sehen wollten und waren ein wirklich guter Headliner,
mit dem man den ersten Tag des ProgPower so richtig entspannt ausklingen lassen konnte.
Sonntag, 06. Oktober 2002
(nach oben...)
ARABESQUE
(nach oben...)
Nachdem der Samstag durchaus als reine
Prog-Veranstaltung gewertet werden darf,
wurde der Sonntag nun doch deutlich
angedüstert. AFTER FOREVER als
Headliner, ASHES TO ASHES gezwungenermaßen - auf dem zweitobersten
Platz im Billing und ARABESQUE als
Auftakt - letztere als idealer Hybrid zwischen
den beiden Polen. Denn musikalisch brachten
die Holländer die Welten des Prog und des
"Easy-Listening-Goth" der Marke LACUNA
COIL/THE GATHERING zusammen, wobei
die Band durch gleich zwei Sängerinnen
natürlich für Aufmerksamkeit sorgte. Und so
geschah es wohl zum ersten Mal an diesem
Wochenende, dass die Blicke der Zuschauer
selbst bei ausufernden Instrumentalteilen nicht gebannt auf den Gitarrenhälsen lagen, sondern bei den sehr
unterschiedlich agierenden Frontfrauen. Kein Wunder also, dass ARABESQUE zunächst ihrer Vergangenheit
Tribut zollten und den Set mit einem Instrumental begannen - so hatten die Musiker zumindest in dieser Zeit die
ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums auf ihrer Seite.
Songwriterisch boten ARABESQUE nicht wirklich weltbewegendes. Echte Höhepunkte blieben aus und auch
wenn man meinen könnte, die Band hätte eine recht eigenständige Mischung am Start, so erschienen einem die
Stücke insgesamt doch zu berechenbar und abgenutzt. Aufgelockert wurden die Songs zwar immer wieder durch
jazzige oder gar angefunkte Parts (durch letzteres lies sich Sängerin Nicole auch dazu verleiten, das Publikum
zum Hüpfen zu animieren), doch auch das machte die Sache nur wenig interessanter. Es war halt irgendwie
wieder alles ganz okay, ohne den optischen Reiz und die ungewöhnliche Bandkonstellation aber nur wenig
bewegend.
SUN CAGED
(nach oben...)
Für mich persönlich war SUN CAGED klar
die beste Band unter den "Vor-Dinner-Acts".
Das mag mit daran liegen, dass die Holländer
auch mal wieder etwas heftiger zur Sache
gingen und so den Metal-Anteil auf dem
Festival wieder deutlich steigerten. Doch vor
allem beeindruckten SUN CAGED durch
instrumentales Können und songwriterische
Stärken, die auf Dauer aber auch etwas
abflachten. Zumindest für eine ganze Weile
schaffte es die Band aber, eine Spannung
aufzubauen, die den Kollegen so nicht
gelingen wollte. Und endlich war auch wieder
richtig Bewegung auf der Bühne (okay,
ARABESQUE waren auch sehr lebhaft, aber
doch auf eine andere Weise), allen voran
Keyboarder Joos van den Broek, der hinter
dem Tasteninstrument die gesamte Dauer des
Konzerts über gut abging und mit einigen
schönen Soloeinlagen zu glänzen wusste.
Schade nur, dass die Band mit André
Vuurboom nicht gerade einen Sänger mit besonders starker Ausstrahlung vorweisen kann, zumal seine
Melodielinien insgesamt noch stark ausbaufähig sind. Vor allem gegen Ende des Sets erkrankte er etwas am
LaBrie-Syndrom, was dazu führte, dass er seine Melodien nur noch in den höchsten Tonlagen herauspresste.
Wie bereits erwähnt war die Instrumentalfraktion dagegen umso stärker und sorgte für so manches Aha-Erlebnis.
Auch hier gilt einmal mehr: etwas mehr Eigenständigkeit und das könnte was geben!
A.C.T.
(nach oben...)
Zu einer echten Überraschung sollte der Gig von
A.C.T. für mich werden, denn eigentlich habe ich von
den Schweden so gar nichts erwartet - zumindest nicht
eine derart unterhaltsame Show. Wenn ich in diesem
Zusammenhang von den "Clowns des Prog" rede, dann
sollte das auf jeden Fall nicht negativ verstanden
werden! Vor allem Sänger Herman Saming ist ein
begnadeter Entertainer, der die Bezeichnung
"Frontkasper" wahrlich mal verdient. Denn seine
unvergleichliche Art, sich auf der Bühne zu bewegen,
zu springen oder Grimassen zu schneiden, ist schon was
ganz besonderes und es fällt schwer, sich von seinem
Charme nicht mitreißen zu lassen. Zudem scheint diese
Band aus fünf echten Freunden zu bestehen, bei denen
die Chemie auf jeden Fall stimmt. Und trotz all der
Rumalberei auf der Bühne schaffen es A.C.T. in ihre
"Prog-Poppigen" Stücke viel Gefühl einzubauen, wobei
es die Schweden aber auch nicht schaffen, die Songs
völlig ulkfrei zu belassen. Da tauchen immer wieder
kleine Jahrmarkts- bzw. Kindermelodien auf, die für
Herman geradezu ein gefundenes Fressen sind, um sich
wieder einmal in Szene zu setzen. Da werden mal
Faxen mit den Bandmitgliedern gemacht, da macht man
mal einen auf völlig besoffen, da werden ganze
Kilometer zurückgelegt, ohne sich auch nur einen
Zentimeter vom Fleck zu bewegen. Und weil das ganze
so viel Spaß auf der Bühne macht, kann es dann doch
durchaus mal vorkommen, dass man beinahe seinen
Einsatz verpasst oder man fasziniert seinem Gitarristen
zuschaut, ob er seinen Gesangspart denn nun sauber
hinbekommt, wobei man sich ein hämisches Grinsen
nicht verkneifen kann. Und gerade bei diesen
mehrstimmigen Gesangspassagen, bei denen auch immer wieder Keyboarder Jerry Sahlin mitmischt, spürt man
deutlich wie gut die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Bandmitgliedern funktioniert. Zumindest live auf
der Bühne wirken die Jungs wie eine Einheit und so etwas wie Egoprobleme scheint bei A.C.T. niemand zu
haben. Kein Wunder also, dass diese Band vom Publikum eine unglaubliche Resonanz erhielt und ich denke dass
A.C.T. beim ProgPower eine ganze Menge neue Fans gewinnen konnte. Tja, DREAM THEATER haben
irgendwann gemerkt, dass Humor in der Musik ein sehr starkes Instrument sein kann, A.C.T. scheinen das auch
wirklich verinnerlicht zu haben.
ASHES TO ASHES
(nach oben...)
Ca. 45 Minuten, bevor ASHES TO ASHES auf
den Brettern stehen sollten, erzählte mir ein trotz der Situation völlig relaxter - René
Janssen, dass es doch langsam Zeit wäre, dass
die Band auftaucht, denn schließlich müsse man
ja noch das Equipment abladen. Bedenkt man,
dass der Gig der Norweger eigentlich ohne den
Ausfall von THEORY IN PRACTICE zu
diesem Zeitpunkt gerade in vollem Gange sein
sollte, fragt man sich doch, ob die Band es auf
die Reihe bekommen hätte, rechtzeitig vor Ort
zu sein. Jedenfalls schien dieser Auftritt unter
allem anderen als einem guten Stern zu stehen
und so kam es auch, dass ASHES TO ASHES
ihren Gig ca. 30 Minuten zu spät begannen. Mit
dem Titelsong des neuen Albums "Cardinal
VII" begannen ASHES TO ASHES zudem
mächtig deftig, was den ein oder anderen
Proggie wohl ziemlich verschreckt haben durfte.
Aber schließlich waren ASHES TO ASHES
auch die ideale Band um die Atmosphäre zu
AFTER FOREVER etwas anzugothen und
natürlich stimmte bei den Norwegern da auch
das Outfit. Lackhosen und Samtkleidchen
bekam ich an diesem Wochenende nun
jedenfalls zum ersten Mal zu sehen. Leider ist es
aber so, dass es ASHES TO ASHES nicht
wirklich geschafft haben, das großartige
Material von der Konserve live auf der Bühne
entsprechend umzusetzen. Zu steif wirkte das
ganze Auftreten der Band, zu unzufrieden mit
der eigenen Leistung die einzelnen Musiker.
Lediglich Bassist Bjorn Luna übte sich so
richtig im Posen und schwankte dabei zwischen
Black Metal Bösewicht und Rotz ´n´ Roller. Keine Bewegung konnte man dagegen bei Tastenfrau Zilla
(HAGALAZ RUNEDANCE - ich denke zumindest, dass sie es war...) feststellen, die sich an diesem Abend auch
die Bezeichnung "Keyboarderin" nur schwerlich verdienen konnte. Denn von ein paar kleinen Melodiechen mal
abgesehen war sie in erster Linie für das Abspielen von Samples verantwortlich, was aufgrund technischer
Probleme auch nicht immer so funktionieren sollte, wie das eigentlich gedacht war und so blieb ihr im Grunde
auch gar nichts anderes übrig, als ab und an verschüchtert in die Menge zu blicken und den ein oder anderen
Gesangspart zu übernehmen. Da konnte natürlich auch der mächtige Frontmann Kenneth Brastad kaum noch die
Kohlen aus dem Feuer holen, zumal er auch nicht gerade einer der bewegungsfreudigsten Akteure auf diesem
Festival darstellte und so zuschauen musste, wie die Menge vor der Bühne immer kleiner wurde. Irgendwie
wirkte alles zerfahren und dennoch hatte ich meinen Spaß bei diesem Gig. Denn zu sehen bekommt man diese
Band nicht jeden Tag und hervorragende Songs haben ASHES TO ASHES zu Genüge zu bieten. Der
Schwerpunkt lag dabei natürlich auf dem neuen Album "Cardinal VII" und davon wurden auch alle Hits
gebracht: "Embraced in Black", "Truth on Scaffold", "Dualism", "Behind Closed Eyes" und selbstredend das
mächtige "New World Obscure", mit dem dieser Auftritt abrupt beendet wurde und ein fragendes Publikum
zurück ließ. Sollte es das wirklich schon gewesen sein? Ich glaube die Band selbst war sich da nicht ganz sicher,
verließ dann aber doch etwas zögerlich die Bühne. Genauso zögerlich dann auch die Reaktion der inzwischen
recht kleinen Menge, die sich dann aber doch zu Zugaberufen durchringen konnte, wodurch das Licht nochmals
gelöscht und der Vorhang aufgezogen wurde. Doch die Band erschien nicht mehr....
…ja und damit fand das ProgPower 2002 für uns auch sein Ende, da am Montag wieder die Arbeit rief und noch
eine lange Fahrtstrecke vor uns lag. Für 2003 steht bereits fest, dass es erneut ein ProgPower Europe geben wird
und für uns, dass wir wieder dabei sein werden!