Regionales Entwicklungskonzept

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Regionales Entwicklungskonzept
SPESSARTregional –
die starke Brücke zwischen der Metropolregion
und dem ländlichen Raum
Regionales Entwicklungskonzept
SPESSARTregional –
die starke Brücke zwischen der Metropolregion
und dem ländlichen Raum
Regionales Entwicklungskonzept
Spessart-regional
Verband zur Entwicklung des hessischen Spessart e.V.
Frankfurter Straße 2
63619 Bad Orb
Oktober 2007
Inhalt
0. Zusammenfassung
1
1. Gebietsanalyse
1.1
Räumliche Lage, Identität und Gebietsabgrenzung
1.2
Bevölkerungsstruktur und demografische Entwicklung
1.2.1 Bevölkerungsentwicklung 1980 –2005
1.2.2 Altersstruktur der Bevölkerung
1.2.3 Räumliche Wanderung
1.2.4 Bevölkerungsprognose bis 2020
8
8
9
11
12
1.3
Wirtschaftliche Ausgangssituation
1.3.1 Wirtschaftsdaten
1.3.2 Arbeitsmarktdaten
1.3.3 Wissensinfrastruktur, Innovations- und Kooperationsprojekte
15
15
16
19
1.4
Wirtschaftsbereiche
1.4.1 Landwirtschaft
1.4.2 Forstwirtschaft
1.4.3 Industrie und Handwerk
1.4.4 Tourismus-, Kultur- und Gesundheitswirtschaft
1.4.5 Energiewirtschaft
20
20
22
23
23
28
1.5
Umweltsituation und Landnutzung
1.5.1 Natur und Landschaft
1.5.2 Kulturhistorie
30
30
32
1.6
Lebensqualität
1.6.1 Infrastruktur und Dienstleistungseinrichtungen
1.6.2 Entwicklung der Dörfer und Städte
1.6.3 Regionale Identität
34
34
37
38
1.7
Bisheriger Einsatz strukturverbessernder Programme und Maßnahmen
39
1.8
Zusammenfassende SWOT-Analyse
42
1.9
Handlungsbedarf und Handlungsfelder
45
1.10 Entwicklungsszenario für SPESSARTregional
47
2.
Regionale Entwicklungsstrategie
5
49
2.1
Entwicklungsleitbild
49
2.2
Strategische Entwicklungsziele
51
2.3
Leitprojekte
55
2.4
Begründung des Maßnahmeneinsatzes
57
3.
‚
5
Maßnahmen
58
3.1
Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Forstwirtschaft
3.1.1 Modernisierung land- und forstwirtschaftlicher Betriebe
3.1.2 Erhöhung der Wertschöpfung land- und forstwirtschaftlicher Erzeugnisse
3.1.3 Flurneuordnung
59
59
60
61
3.2
Umweltsituation und Landnutzung
3.2.1 Klimaschutzmaßnahmen
3.2.2 Regional bedeutsame Maßnahmen im Zusammenhang mit
Schutzgebieten, Gewässer- und Auenentwicklung, Lösung von
Landnutzungskonflikten
3.2.3 Maßnahmen zur nachhaltigen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Flächen
62
62
62
63
3.2.4
3.3
3.4
Übernahme der wichtigsten Entwicklungsaussagen der RAKs
Diversifizierung und Entwicklung der Wirtschaft
3.3.1 Förderung von Unternehmensgründungen und –entwicklungen
3.3.1.1 (L) Existenzgründungsinvestitionen Nichtlandwirtschaftlicher Träger
einschließlich Dienstleistungen
3.3.1.2 (L) Diversifizierungsinvestitionen landwirtschaftlicher Betriebe
als Teilexistenzgründungen
3.3.2 Förderung der Entwicklung des Tourismus
3.3.2.1 (L) Landtouristische Investitionen landwirtschaftlicher Betriebe einschl.
Dienstleistungen
3.3.2.2 (L) Landtouristische kleine Infrastrukturinvestitionen und Marketingaktivitäten sonstiger Träger einschließlich Dienstleistungen
3.3.2.3 Investitionen in die Tourismusinfrastruktur
3.3.2.4 Touristische Marketinginvestitionen
3.3.3 Entwicklung der regionalen Energiewirtschaft
3.3.3.1 (L) Investitionen landwirtschaftlicher Betriebe zur Nutzung von
Biorohstoffen einschließlich Dienstleistungen
3.3.3.2 (L) Investitionen sonstiger Träger zur Nutzung von Biorohstoffen einschl.
Dienstleistungen
3.3.3.3 Nutzung anderer regenerativer Energiequellen
3.3.4 Andere für die Region wichtige wirtschaftliche Maßnahmen
3.3.5 Schulungs- und Begleitungsmaßnahmen mit wirtschaftlicher Zielsetzung
3.3.5.1 (L) Schulungen für Wirtschaftsakteure
3.3.5.2 Andere Bildungsmaßnahmen zur Verbesserung der beruflichen
Qualifikationen, ggf. in Verbindung mit arbeitsmarktpolitischen
Aktivitäten (auch:ESF)
Verbesserung der Lebensqualität
3.4.1 (L) Investitionen für Versorgungseinrichtungen einschließlich
Dienstleistungen
3.4.2 Dorferneuerung und –entwicklung
3.4.3 Stadtumbau, Stadterneuerung
3.4.4 (L) Investitionen für Einrichtungen zur Information über Landschafts- und
Kulturgeschichte einschl. Dienstleistungen
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64
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66
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70
70
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71
71
71
72
72
73
73
74
3.5
Weitere für die Region wichtige Entwicklungsmaßnahmen (wie z.B. in den Bereichen
Verkehrsanbindung, ÖPNV, Bildung, medizinische Versorgung, Freizeiteinrichtungen,
Landesplanung, etc.)
74
3.6
Kompetenzentwicklung und Sensibilisierung
3.6.1 (L) Entwicklungskonzepte, Moderation, Publikation
3.6.2 (L) Information über Gebiet und die lokale Entwicklungsstrategie
(Binnenmarketing)
3.6.3 (L) Schulung von ehrenamtlich tätige Akteuren auf der örtlichen und
regionalen Ebene
3.6.4 (L) Schulung der leitenden Akteure der Regionalforen durch Fortbildung und
Coaching
75
75
75
75
75
3.7 (L) Umsetzung von Projekten der Zusammenarbeit mit anderen LAGs
77
3.8 (L) Aufbau eines Regionalmanagements
78
3.9
79
Finanztabelle für den geplanten Einsatz der LEADER-Mittel
4.
Organisationsstruktur des Entwicklungsprozesses
80
5.
Erfolgskontrolle und Programmfortschreibung
84
6.
Anhang
90
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1
Gebietskulisse SPESSARTregional
5
Abb. 2:
Prozentuale Veränderung der Einwohnerzahl SPESSARTregional im Vergleich
8
Abb. 3:
Bevölkerungszuwachs 1995-2005 SESSARTregional
9
Abb. 4:
Altersstruktur der Bevölkerung von SPESSARTregional im Jahr 2005 im Vergleich
10
Abb. 5:
Vergleich ausgewählter Altersklassen 1980-1990-2005
10
Abb. 6:
Wanderungssalden SPESSARTregional von 2000 bis 2005 im Vergleich
11
Abb. 7:
Wanderungssalden nach Altersklassen SPESSARTregional von 2000 bis 2005
12
Abb. 8:
Bevölkerungsprognose 2021 in korrigierter Variante in prozentualer Veränderung
13
Abb. 9:
Vergleich ausgewählter Altersklassen 2005-2020
13
Abb. 10:
Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftssektoren in prozentualer
Verteilung im Vergleich 2005
15
Abb. 11:
Prozentuale Veränderung der SV-Beschäftigten von 2000 bis 2006
17
Abb. 12:
Übernachtungszahlen nach Kommunen 2006
24
Abb. 13:
Übernachtungsaufkommen nach Betriebsart in prozentualen Anteilen 2006
24
Abb. 14:
Übersicht zur medizinischen Infrastruktur / Gesundheitsangeboten der Kurorte
26
Abb. 15:
Naturräume im Main-Kinzig-Kreis
30
Abb. 16:
Einschätzung zur ÖPNV-Anbindung
34
Abb. 17:
Einschätzung zur Grundversorgung
35
Abb. 18:
Ablauf zur Erstellung des REK
81
Abb. 19:
Evaluierungsschema
85
Tabellen
Tab. 1:
Übersicht der Kommunen
6
Tab. 2:
Altersdurchschnitt 1980 bis 2005 im Vergleich
Tab. 3:
SV-Beschäftigte nach Wirtschaftszweigen in SPESSARTregional 2006 im Vergleich 15
Tab. 4:
Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt für den Main-Kinzig-Kreis und Hessen
18
Tab. 5:
Bioenergiepotentiale Main-Kinzig-Kreis
28
Tab. 6:
Einsatz des Förderprogramms zur regionalen Entwicklung 2000 bis 2006
39
Tab. 7:
Einsatz des Förderprogramms zur Dorferneuerung 2000 bis 2006
39
Tab. 8:
Leitbilder und Schwerpunktsetzung in der Dorferneuerung
40
Tab. 9:
Fördermaßnahmen nach ESF seit 2000
41
Tab. 10:
Übersicht zum Maßnahmeneinsatz
57
Tab. 11:
Umsetzungsschritte Leitprojekt „Stiftungszweck Spessart“
83
Tab. 12:
Vordringliche Förderbedarf 2008
83
Tab. 13:
Methoden zur Datenerhebung
87
Tab. 14:
Übersicht zu Indikatoren im Handlungsfeld „Regionale Identität“
88
Tab. 15:
Übersicht zu Indikatoren im Handlungsfeld „Natur und Landschaft“
89
11
Abkürzungsverzeichnis
EPLR
Entwicklungsplan für den ländlichen Raum des Landes Hessen 2007 bis 2013
LF:
Landwirtschaftlich Nutzfläche
VSR
Verband SPESSARTregional – Verband zur Entwicklung des hessischen Spessart e.V.
LFS
Landwirtschaftlicher Fachplan Südhessen
SV
Sozial Versicherungspflichtig
0.
Zusammenfassung
Der Spessart liegt im Main-Viereck zwischen den Städten Hanau, Miltenberg, Wertheim,
Gemünden und Schlüchtern. Im Norden wird er durch den Lauf des Kinzigtals zwischen Hanau und Schlüchtern begrenzt. In Nordosten bildet das Sinntal den geografischen Abschluss.
Der nördliche Teil des Spessart, rund 40 % der Gesamtfläche, gehört zum Land Hessen, der
südliche Teil zum Freistaat Bayern.
Mit 12 Kommunen des Main-Kinzig-Kreises bildet der hessische Spessart die Region SPESSARTregional. Sie ist dem Regierungsbezirk Darmstadt zugeordnet. Mit dem Kinzigtal, dem
Bergwinkel und dem inneren Spessart ergeben sich gewachsene Teilregionen. Träger des
regionalen Entwicklungskonzeptes und damit Regionalforum ist der „Verband Spessartregional / Verband zur Entwicklung des hessischen Spessart e.V.“. Insgesamt haben drei
Landkreise und die kreisfreie Stadt Aschaffenburg Anteile am Spessart. Damit ergeben sich
spezifische Erfordernisse an eine hessisch-bayerische Zusammenarbeit, die im regionalen
Entwicklungskonzept Berücksichtigung finden. Bei der Erstellung des REK wurde konsequent die Bezeichnung SPESSARTregional eingeführt.
SPESSARTregional ist als Teil des Spessarts ein klar zu begrenzender Naturraum mit einem
sich daraus ergebenden Zuschnitt der Gebietskulisse. Der südliche Teil der Region wird in
seiner Entwicklung von der Nähe zur Metropolregion Rhein-Main geprägt und weist als Ordnungsraum in Teilbereichen eine städtische Prägung aus. Dagegen ist der nördliche Teil
stark ländlich strukturiert. Die ebenfalls schon historisch bedingte Zerrissenheit des Spessarts und die heutige Verwaltungsstruktur haben weder zu einer regionalen Identität in
SPESSARTregional geführt, noch zu einer auf Nachhaltigkeit ausgelegten Zusammenarbeit
der hessischen und bayerischen Akteure. Mit einem Waldanteil von 52 % gehört der Spessart zu den waldreichsten Regionen im Bundesgebiet.
Im Vergleich zu anderen Regionen weist SPESSARTregional ein vergleichsweise stabiles
Bevölkerungswachstum auf. Allerdings ergeben sich innerregional große Unterschiede hinsichtlich der zu erwartenden Bevölkerungsverluste und der Überalterung. Der Rückzug von
Infrastrukturen und Dienstleistungen der Grundversorgung, hat insbesondere im nordöstlichen Teil der Region eingesetzt. Allein die medizinische und soziale Versorgung weist einen
guten Versorgungsgrad auf. Die Kommunen der Region sind bis dato wenig gewappnet für
die Auswirkungen des demographischen Wandels. Die öffentliche und politische Auseinandersetzung mit dem Thema und dazugehörenden Sachfragen steckt in den Anfängen. Ebenso kann in der Interkommunale Zusammenarbeit zunächst nur von Ansätzen gesprochen
werden. Mit der Ende September 2007 veröffentlichten regionalen Bevölkerungsvorausberechnung des Main-Kinzig-Kreises wurde die Brisanz des Themas für die Region deutlich.
In SPESSARTregional haben die für die Landwirtschaft ungünstigen Standorte zu einer charakteristischen, von Wald- und Grünlandflächen geprägten, Kulturlandschaft geführt. Der
Anteil des Dauergrünlandes liegt bei 65%. Die Artenvielfalt der Landschaft schlägt sich in
einem hohen Anteil geschützter Flächen nieder. Die Schutzwürdigkeit und der Erlebniswert
der Landschaft werden entsprechend hoch eingestuft. Die landwirtschaftlichen Betriebe sind
kleinstrukturiert, die Region weist einer der höchsten Nebenerwerbsquote für Hessen aus.
Die Kulturlandschaft ist durch den anhaltend starken Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe in ihrem Erhalt gefährdet. Besonders augenfällig ist der Rückgang der milchviehhaltenden Betriebe.
Im Gegensatz zu anderen Regionen ist der Grad der Diversifizierung landwirtschaftlicher
Einkommen gering. Die Direktvermarktung regionaler Produkte hat sich trotz guter Absatzmöglichkeiten nicht entwickelt. Eine Verknüpfung von Landwirtschaft und Tourismus findet
nur in geringem Umfang statt. Das kulturhistorische Potential, dass sich durch die wechselhafte Geschichte von SPESSARTregional begründet, bleibt weitgehend ungenutzt. Auch
1
ergibt sich keine nennenswerte Verknüpfung mit der touristischen Angebotsentwicklung. Die
größten Biomassepotentiale ergeben sich derzeit noch durch den Energieträger Holz, andere
Bereiche der regenerativen Energiegewinnung sind in SPESSARTregional weitgehend ausgeschöpft.
Die Wirtschaft in SPESSARTregional wird vom produzierenden Gewerbe, dem Handel und
der Gesundheitswirtschaft. Die gute Ausstattung mit Industriebetrieben sorgt für eine gute
Wirtschaftskraft, zieht aber eine hohe Abhängigkeit des regionalen Arbeitsmarktes nach sich.
Weiche Standortfaktoren wie das soziale und kulturelle Leben nehmen in ihrer Bedeutung für
die regionale Wirtschaftpolitik zu.
Bad Orb und Bad Soden-Salmünster sind als Kurorte für die regionale Tourismuswirtschaft
bestimmend. Mit den in der Region ansässigen Kreiskliniken und dem bestehenden Ärztenetz ist die Region sehr gut im Bereich der Gesundheitsausgestattet. Eine ausgesprochene
Profilbildung im Bereich des Aktivurlaubs besteht nicht. Der Prozess für eine länderübergreifende Destinationsbildung Spessart befindet sich am Anfang. Der Verband SPESSARTregional befürwortet die Entwicklung zu einer gemeinsamen Destination.
Zur Beseitigung von Schwächen wird Handlungsfeld „Regionale Identität“ formuliert. Es
knüpft an die identitätstiftenden Potentiale des geographisch begrenzten Raumes und die
Kulturgeschichte an. Einhergehend mit einem gesunden Selbstverständnis, schafft erst die
regionale Identität die Grundlage für ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes regionales Handeln.
Zum Ausbau von Stärken werden im Handlungsfeld „Natur- und Kulturlandschaft“ die naturräumlichen und kulturhistorischen Potentiale zusammengeführt. Gleichzeitig gilt es das Risiko der Nutzungsaufgabe für den Erhalt der Kulturlandschaft zu minimieren. Parallel zur Stärkung der Landwirtschaft, der Nutzung des Waldes Energiegewinnung, ist die Schutz- und
Erholungsfunktion gleichbedeutend auszubauen. Durch die Nutzung beider Potentiale für
eine touristische Profilbildung soll den Chancen der Region Rechnung getragen werden.
Ebenso knüpft das Handlungsfeld „Gesundheitswirtschaft“ an die Stärken des Kur- und Bäderwesens und die des regionalen Gesundheitswesens an. Dabei ist die Chance zur Profilbildung einer Gesundheitsregion nur in der Kooperation der Orte sehen.
Das Handlungsfeld „Lebens- und Arbeitsort“ fasst die Stärken und Schwächen für den Lebensraum und Wirtschaftsraum zusammen. Der stabilen regionalen Bevölkerungsentwicklung, stehen die innerregionale eine Mischung von Zuwachs und Schrumpfung gegenüber.
Die Region ist für den demographischen Wandel noch nicht ausreichend gerüstet. Defizite in
der Innenentwicklung und der Versorgung sind abzubauen. Die „jungen“ Bevölkerungspotentiale sind durch Qualifizierung / Ausbildung für die Region zu gewinnen.
Folgendes Leitbild wird von den regionalen Akteuren für die Region formuliert:
SPESSARTregional die starke Brücke zwischen der Metropolregion
und dem ländlichem Raum
Für die Verknüpfung von urbanem Leben und erhaltenswerter Kulturlandschaft
Von den traditionellen Kurorten zur innovativen Gesundheitsregion
Mit einer Natur, Kultur und Geschichte als neue Tourismuskraft
Für eine regionale Identität, die den Lebensraum für Generationen gestaltet
2
SPESSARTregional ist die starke Brücke zwischen der Metropolregion und dem ländlichen
Raum. Selbstbewusst versteht es die Region von der Nähe zum Rhein-Main-Gebiet als Wirtschaftsraum, Verbraucher- und Quellmarkt zu profitieren. Die Region ist kein nachgeordneter
Raum, sondern verfolgt mit Gestaltungswillen erfolgreich die eigenständige Entwicklung.
SPESSARTregional steht für eine gelungene Verknüpfung von urbanem Leben und erhaltenswerter Kulturlandschaft: Die Tendenz zur Suburbanisierung der südlichen Region steht
in keinen Widerspruch zu der verantwortlichen Aufgabe der Erhaltung der Kulturlandschaft
der nördlichen Region.
SPESSARTregional hat sich mit seinen traditionellen Kurorten zur innovativen Gesundheitsregion entwickelt: Die Kurorte haben in der Verknüpfung mit der regionalen Gesundheitswirtschaft den Wandel vom klassischen Kurwesen zur modernen Gesundheitsversorgung mit
Prävention, Rehabilitation und Medical Wellness vollzogen. Menschen und Gäste der Region
profitieren gleichermaßen von dem Angebot.
SPESSARTregional wird in seinem touristischen Profil durch die Natur, Kultur und Geschichte bestimmt. Mit seinen erlebnisorientierten Angeboten zur Natur und Kulturhistorie zählt die
Region in Verbindung mit seinem Wander- und Radwegenetz zu einem der gefragtesten
Ziele für den Tagesbesucher und Kurzurlauber des Rhein-Main-Gebiets. Kulturveranstaltungen haben sich zum Wirtschaftsfaktor entwickelt.
SPESSARTregional steht für Akteure, die in der Region und dem Naturraum Spessart den
Ausgangspunkt ihres Denken und Handelns sehen. Dem demographischen Wandel wird mit
spezifischen, auf die innerregionalen Unterschiede in der Bevölkerungsentwicklung abgestimmten, Projekten begegnet.
Daraus abgeleitet werden für die vier Handlungsfelder als Strategischen Entwicklungsziele
formuliert: Schaffung einer regionalen Identität, Erhalt und Inwertsetzung der Natur- und Kulturlandschaft, Etablierung einer Gesundheitsregion Spessart, Sicherung des Lebens- und
Arbeitsstandortes für den Bedarf von Generationen. Die Entwicklungsziele sind mit Unterzielen so konkretisiert, dass sich vertiefende Entwicklungsschwerpunkte ergeben. Besondere
Kernprobleme oder herausragenden Stärken sind als Leitprojekte identifiziert. Jedes der Projekte steht für eine Vielzahl von Einzelvorhaben. Als Leitprojekte werden benannt:
Stiftungszweck: Spessart: Mit dem Prinzip „Anstiften zur Identität“ verfolgt das Leitprojekt,
das im Handlungsfeld „Regionale Identität“ genannte Entwicklungsziel. Übergreifend nimmt
es den Gedanken zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements auf. Mit Projekten, die
eine lebendige Auseinandersetzung mit dem eher abstrakten Begriff der regionalen Identität /
Heimat in Sprache, Musik und kreativer Gestaltung erlauben, soll der Prozess der Identitätsfindung unterstützt werden. Die Verbesserung der Kommunikationsstrukturen und die Einrichtung eines Spessart-Zentrum leisten hierzu ebenso einen Beitrag. In Konsequenz münden die Aktivitäten in der Initiierung einer Bürgerstiftung Spessart, die jenseits aller Verwaltungshürden im Sinne der am Gemeinwohl orientieren regionalen Entwicklung wirken kann.
Grünlandprojekt: Das Leitprojekt greift das Ziel zum Erhalt der Kulturlandschaft auf. Über ein
verbessertes Flächenmanagement, der Vernetzung der Akteure und einer flankierenden Beratung zum Ausbau der Produktion und Vermarktung regionaler Produkte sollen landwirtschaftlicher Einkommen gesichert werden. Parallel sind Projekte vorgesehen, die die Bildung
eines Netzwerkes von Direktvermarktern und Gastronomen vorantreibt.
Abenteuer Spessart: Abenteuer sind per Definition ein ungewöhnliches, spannendes,
Erlebnis. Das ist die Maxime zur Entwicklung einer Erlebnisregion Spessart. Das Leitprojekt
akzentuiert damit die touristischen Inwertsetzung. Erlebnisorte sind zu schaffen, die Inwertsetzung von Pfaden, Museen und Beherbergungsmöglichkeiten hat sich daran zu orientieren.
3
Gesundheitsregion Spessart:. Um die hohe Bedeutung der Gesundheitswirtschaft zu dokumentieren wird hier das Leitprojekt benannt. Kooperation und Vernetzung sind unabdingbare
Vorraussetzung. Zusätzlich ist eine Reihe von investiven Vorhaben notwendig, die die Defizite in der Infrastruktur beseitigen bzw. zur Modernisierung von Einrichtungen beitragen können. Zudem erfolgt eine Verknüpfung mit der Kulturwirtschaft.
Zur Erreichung der Ziele werden nicht nur isoliert investive Maßnahmen durchgeführt. Vielmehr sollen wo nur möglich verschiedene Vorhaben miteinander verzahnt werden. So ist
zum Beispiel mit der Existenzgründung in der Gesundheitswirtschaft und des Landtourismus
eine branchenspezifische Qualifizierung verbunden, die ggf. noch in einer Marketingkooperation mündet. Damit sollen auf breiter Basis Angebotsdefizite beseitigt werden und gerade die
für den Tourismus vermarktungsfähigen Einheiten entstehen. Neben der Schulung der Wirtschaftsakteure wird der Schulung der regionalen Akteure eine große Bedeutung bei gemessen, um professionell und effizient wirken zu können.
Der Verband Spessartregional ist seit 1995 als eingetragener Verein organisiert. In einer die
Satzung ergänzenden Geschäftsordnung sind die Organisationsstrukturen und Aufgaben
des Regionalforums benannt, so dass eine Beteiligung der regionalen Akteure in der Gestaltung der Region und der Entscheidungsfindung gesichert ist. Die Bearbeitung des REK erfolgte auf breiter Basis. Ingesamt fünf Arbeitskreise waren zu unterschiedlichen Themen aktiv. Den Rahmen bildete eine öffentlichen Auftakt- und Abschlussveranstaltung zur gemeinsamen Abstimmung der regionalen Entwicklungsstrategie. Mit der Mitgliederversammlung im
September 2007 wurden die Weichen zur Finanzierung des Regionalmanagements gestellt.
Die Umsetzung des regionalen Entwicklungskonzeptes konzentriert sich in den Leitprojekten.
Für jedes der Projekte ist eine verantwortliche Projektgruppe benannt. Der Verband selbst
nimmt sich wegen der herausragenden Bedeutung für den Gesamtprozess dem Leitprojekt
„Stiftungszweck: Spessart“ an. Für das „Grünlandprojekt“ zeichnet sich eine Projektgruppe
aus dem Naturpark, dem Landschaftspflegeverband, dem Biotopverbundprojekt und dem
Kreisbauernverband verantwortlich. Für das „Abenteuer Spessart“ hat sich eine Gruppe aus
dem Referat Tourismus, dem Naturpark, Forstamt Schlüchtern und Jossgrund, dem Schullandheim Wegscheide und der Kooperation Zauberwald gegründet. Die Gesundheitsregion
wird durch die beiden Kurorte und das Gesundheitsnetzwerk Main-Kinzig getragen. Erste
zielführende Vorhaben können bereits auf den Weg gebracht werden.
4
1.
Gebietsanalyse
1.1
Räumliche Lage, Identität und Gebietsabgrenzung
Der Spessart liegt im Main-Viereck zwischen den Städten Hanau, Miltenberg, Wertheim,
Gemünden und Schlüchtern. Im Norden wird er durch den Lauf des Kinzigtals zwischen Hanau und Schlüchtern begrenzt. In Nordosten bildet das Sinntal den geografischen Abschluss.
Der nördliche Teil des Spessart, rund 40 % der Naturraumfläche, gehört zum Land Hessen,
der südliche Teil zum Freistaat Bayern.
Mit 12 Kommunen des Main-Kinzig-Kreises bildet der hessische Spessart die Region SPESSARTregional. Sie ist dem Regierungsbezirk Darmstadt zugeordnet. Durch das Kinzigtal,
den Bergwinkel mit den Kommunen Bad Soden-Salmünster, Schlüchtern, Sinntal und Steinau wie auch den inneren Spessart, bestehend aus den Gemeinden Flörsbachtal, Jossgrund
und Ortsteilen von Bad Soden-Salmünster, Biebergemünd und Steinau ergeben sich zudem
gewachsene Teilregionen (vgl. Abb. 1). Als Besonderheit darf sich die Region bzw. die Stadt
Gelnhausen als neue geografische Mitte der Europäischen Union bezeichnen.
Insgesamt haben drei Landkreise und die kreisfreie Stadt Aschaffenburg Anteile am Spessart. Damit ergeben sich spezifische Erfordernisse an eine hessisch-bayerische Zusammenarbeit, die im regionalen Entwicklungskonzept besondere Berücksichtigung findet.
Träger des regionalen Entwicklungskonzeptes und damit Regionalforum ist der „Verband
Spessart-regional / Verband zur Entwicklung des hessischen Spessart e.V.“ (VSR).
Im nachfolgenden wird für das hier zu beschreibende Gebiet die Bezeichnung SPESSARTregional bzw. ersetzend der Begriff „Region“ verwendet. Im Gesamtzusammenhang des Naturraumes und damit der hessischen und bayerischen Teile des Spessart wird von der Bezeichnung „Spessart“ Gebrauch gemacht. Die für die Regionalanalyse verwendeten Quellen
sind in einem eigenen Verzeichnis im Anhang zusammengefasst. Gesonderte Hinweise werden lediglich in Verbindung mit Abbildungen und Übersichten gegeben.
Abb. 1:
Gebietskulisse SPESSARTregional
SPESSARTregional umfasst eine Fläche von 866 km². Der südliche Teil mit Freigericht, Linsengericht, Biebergemünd und Gelnhausen wird in der Raum- und Siedlungsstruktur als
Ordnungsraum eingestuft. Mit einer polyzentralen Siedlungsstruktur sollen hier die räumli5
chen Vorraussetzungen für ein vielfältiges Arbeitsplatzangebot geschaffen und die Wohnund Umweltbedingungen verbessert werden. Die nördlichen Kommunen werden als ländlicher Raum bestimmt. Dieser soll als eigenständiger Funktionsraum zu einem attraktiven Lebens- und Wirtschaftsraum gestaltet werden. Eine einseitige Entwicklung zum Wohnstandort
und Ergänzungsraum für den Ordnungsraum soll vermieden werden. Entsprechend des im
EPLR verwendeten Ansatzes, ist die gesamte Region den ländlichen Gebieten zuzuordnen.
Zentrale Orte als Mittelzentren sind die Städte Bad Orb, Bad Soden-Salmünster, Gelnhausen
Schlüchtern und Wächtersbach. Eine Funktion als Unterzentrum soll durch die Gemeinde
Freigericht und die Stadt Steinau wahrgenommen werden. Als Regionalachse wird die von
Frankfurt kommende Verbindung Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern mit einer Weiterführung
nach Fulda ausgewiesen. Bis Gelnhausen wird der Achse eine Funktion als überörtliche
Nahverkehrs- und Siedlungsachse zugeschrieben. Eine weitere Achse wird von Schlüchtern
über die Landesgrenze nach Gemünden benannt.
Tab. 1:
Übersicht der Kommunen
Kommune
Fläche in km²
Einwohner
Bad Orb.
47,78
10.052
Funktion
Mittelzentrum
Bad Soden-Salmünster
58,60
13.912
Mittelzentrum
Biebergemünd
78,55
8.378
Kleinzentrum
Flörsbachtal
52,11
2.598
Kleinzentrum
Freigericht
33,42
14.982
Unterzentrum
Gelnhausen
45,18
21.837
Mittelzentrum
Jossgrund
50,61
3.725
Kleinzentrum
Linsengericht
29,82
9.763
Kleinzentrum
Schlüchtern
113,32
17.302
Mittelzentrum
Sinntal
111,79
9.604
Kleinzentrum
Steinau a.d. Str.
104,87
11.153
Unterzentrum
Wächtersbach
50,79
12.389
Mittelzentrum
Gutsbezirk Spessart
89,30
0
866,14
135.695
1.397,52
409.941
SPESSARTregional
Main-Kinzig-Kreis
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis und Regionalplan Südhessen 2000
Gemäß der Verkehrsachsen verläuft die überregionale Erschließung mit der A 66 und den
Anschlussstellen Gelnhausen, Bad Orb / Wächtersbach, Bad Soden-Salmünster, Steinau
und Schlüchtern. Das Zentrum der Metropolregion Rhein-Main ist in weniger als einer Stunde Fahrtzeit zu erreichen. Der Bau der A 66 bis zum Fuldaer Dreieck mit dem bundesweiten
Anschluss an die Nord-Süd-Verbindung der A 7 wird bis zum Jahr 2014 abgeschlossen sein.
Zusätzlich ist das Kinzigtal über die Bahnstrecke Frankfurt-Fulda erschlossen.
Landschaftlich gesehen ist der Spessart ein niedriges Mittelgebirge (vgl. Kap. 1.5). Er erhebt
sich mit flachen Bergrücken zwischen 300 und 500 m über NN. Die höchste Erhebung in
Hessen ist mit 567 m die Hermannskoppe, die im Januar 2007 durch Kyrill entwaldet wurde.
Das Klima ist mild und unterliegt atlantischem Einfluss. Die Niederschläge betragen 650 bis
1.000 mm im Jahr.
Der Spessart zählt zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten Deutschlands. Mit
einem Waldflächenanteil von 52 % für SPESSARTregional liegt dieser weit über dem Landesdurchschnitt von 40%. In Bad Orb und in Flörsbachtal beträgt der Waldanteil sogar 70 %,
gefolgt von Biebergemünd mit 68 %. Als Ausnahme ist der Gutsbezirk Spessart, Eigentum
des Land Hessen, zu sehen, der mit 89,3 km² vollständig bewaldet ist. Damit befinden sich
75 % der Waldfläche des Main-Kinzig-Kreises in der Region (vgl. A 1). Hinsichtlich der
6
Landwirtschaftsfläche liegt der Anteil von SPESSARTregional mit 35 % zwar unter der des
Landes Hessen, doch sind in der Region 56% der Landwirtschaftsflächen des Main-KinzigKreis (vgl. Kap. 1.4) zu finden.
Prägend für das Landschaftsbild sind die bewaldeten Höhen mit großen Eichen- und Buchenbeständen wie auch umfangreiche Mischwälder. Im Wechsel mit extensiv genutzten
Grünlandflächen wie den Waldwiesen, den Magerrasen und den blütenreichen Wiesen des
Berglandes ergibt sich eine reich gegliederte und charakteristische Kulturlandschaft. Damit
einhergehend ist ein Artenreichtum, der sich in einer hohen Anzahl von Schutzgebieten (vgl.
Kap. 1.5) und insgesamt 10% der Fläche von SPESSARTregional dokumentiert.
Mit dem Ziel, den Spessart unter Wahrung des Natur- und Artenschutzes als Vorbild- und
Erholungslandschaft zu gestalten, wurde vor 45 Jahren der Naturpark Hessischer Spessart
ausgewiesen. Mit einer Fläche von 730 km² sind die Kommunen von SPESSARTregional bis
auf die Stadt Wächtersbach dem Naturpark angeschlossen. Dies verpflichtet die Region,
zusammen mit den ebenfalls zum Naturpark gehörenden Kommunen Hasselroth, Rodenbach und Langenselbold, zu einer umwelt- und naturverträglichen Landnutzung und Wirtschaftsentwicklung sowie einer schonenden und nachhaltigen Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen.
Der Name Spessart wird hergeleitet von den Worten Specht, für das zahlreiche Vorkommen
der Vogelart, und Hardt für „Bergwald“. Der geographischen Lage, die dem Spessart von
jeher Handelsstraßen und Wege bescherte, dem Waldreichtum und einer über mehrere
Jahrhunderte andauernden Beherrschung bzw. Regierung von außen ist es zu verdanken,
dass SPESSARTregional auf eine wechselhafte Kulturgeschichte zurück blicken kann, die in
einem eigenen Kapitel ausgeführt wird (vgl. Kap. 1.5).
7
1.2
Bevölkerungsstruktur und demografische Entwicklung
Zum Ende des Jahres 2005 lebten in SPESSARTregional 135.695 Einwohner. Damit verteilen sich 33 % der Bevölkerung des Main-Kinzig-Kreises auf 61 % der Landkreisfläche. Insgesamt ist der Main-Kinzig-Kreis der bevölkerungsreichste Landkreis in Hessen, doch konzentrieren sich die Einwohner im Südwesten des Kreisgebietes.
SPESSARTregional weist mit durchschnittlich 205 Einwohner je km² eine deutlich niedrigere
Bevölkerungsdichte als der Landkreis 293 EW/km², der Regierungsbezirk 508 EW/km² und
das Land Hessen 289 EW/km² auf. Innerhalb der Region setzt sich die für den Main-KinzigKreis zutreffende Bevölkerungskonzentration fort. So kann die Stadt Gelnhausen
483 EW/km² verzeichnen, hingegen sind die im inneren Spessart gelegenen Gemeinden
Flörsbachtal mit 50 EW/km², Jossgrund mit 74 EW/km² und Sinntal mit 86 EW/km² äußerst
dünn besiedelt.
Von der Bevölkerung sind 49,3 % männlich und dementsprechend 50,7 % weiblich. Im Vergleich zum Main-Kinzig-Kreis mit 49,1 %, dem Regierungsbezirk mit 49,0 % und dem Land
Hessen mit 49,0 % männlicher Einwohner ergeben sich hier keine nennenswerten Abweichungen.
1.2.1 Bevölkerungsentwicklung 1980 - 2005
Die Bevölkerungsentwicklung für SPESSARTregional verläuft im Zeitraum von 1980 bis
2005 deckungsgleich mit der des Main-Kinizig-Kreises, des Regierungsbezirkes und des
Landes Hessen. Im Zeitraum von 1980 bis 1990 stieg die regionale Bevölkerung von
115.578 Einwohnern auf 122.086 Einwohner. Bis zum Jahr 1995 konnten mit 8,3 % deutliche
Zuwächse auf 132.232 Einwohner verzeichnet werden. In den folgenden 10 Jahren verläuft
die Wachstumskurve sichtlich gebremst. Hier betrug der Zuwachs nur noch 2,6 %, so dass
zum Stichtag 31.12.2005 die genannten 135.695 Einwohner registriert werden konnten. Damit hat die demographische Wirklichkeit die Bevölkerungsprognose der Entwicklungskonzeption für den hessischen Spessart aus dem Jahr 1997 längst eingeholt. Diese hatte für 2005
einen Bevölkerungsstand von 145.000 Einwohnern prognostiziert.
B evölkerungsentw icklung 1980 bis 2005 in % V eränderung
20,0%
18,0%
16,0%
14,0%
12,0%
10,0%
8,0%
6,0%
S P E S S ARTregional
M ain-Kinzig-Kreis
Land Hessen
4,0%
R B D arm stadt
2,0%
0,0%
1980
1990
1995
2000
2005
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis
Abb. 2:
Prozentuale Veränderung der Einwohnerzahl SPESSARTregional im Vergleich
8
Nicht alle Kommunen haben vom Bevölkerungszuwachs profitieren können. Vergleichbar der
regionalen und landesweiten Entwicklung wuchs zwischen 1980 und 1995 in allen Kommunen die Bevölkerung, jedoch waren dabei im Zeitraum von 1990 bis 1995 in der Regel die
größeren Zuwächse zu verzeichnen. Nach 1995 war die Entwicklung in den Gemeinden
Flörsbachtal, Jossgrund und Sinntal wiederum rückläufig.
Betrachtet man den für die Bevölkerungsentwicklung maßgeblichen Zeitraum von 1990 bis
2005 zählen zu den großen Gewinnern die Kommunen Schlüchtern mit 18,4 %, Bad SodenSalmünster mit 17,6 % und Wächtersbach mit 15,4 % Bevölkerungszuwachs. Damit lagen
die Kommunen weit über dem Zuwachs von SPESSARTregional mit 11,1 %, dem MainKinzig-Kreis mit 9,0 %, dem Regierungsbezirk mit 6,5 % und dem Land Hessen 5,7 %.
Gleichwohl lagen etliche Kommunen unter der durchschnittlichen positiven Entwicklung von
Region und Landkreis. Dazu zählen Steinau mit 4,9%, Flörsbachtal mit 2,8 % und Jossgrund
mit 1,3 % Bevölkerungszuwachs. Eine negative Entwicklung ist für die Gemeinde Sinntal mit
-2,6 % bereits eingetreten (vgl. A 2).
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis
Abb. 3: Bevölkerungsentwicklung 1995-2005 SPESSARTregional
Der Anteil der ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger ist in der Region im Verhältnis
zum Kreisgebiet bzw. der Stadt Hanau gering. Im Sozialatlas 2003/2004 des Main-KinzigKreises werden für den größten Teil der Kommunen ein Anteil an der Bevölkerung von 2,3
bis 7,2 % ausgewiesen. In Bad Orb, Bad Soden-Salmünster, Gelnhausen und Wächtersbach
liegt der Anteil geringfügig höher.
1.2.2 Altersstruktur der Bevölkerung
Die Altersstruktur der Bevölkerung in SPESSARTregional im Jahr 2005 zeigt Unterschiede
zum Landkreis, dem Regierungsbezirk und dem Land Hessen. Ist die Altersklasse der bis 6
jährigen und der 18 bis unter 25 jährigen noch vergleichbar, liegt die Altersklasse der 25 bis
30 jährigen mit 5,26 % an der Gesamtbevölkerung mit 2,5 % unter dem Landesdurchschnitt.
Auch in der Gruppe der 30 bis 50 jährigen wird der Anteil unterschritten. Wiederum ist der
Anteil der 65 jährigen und älter mit 19,38 % über dem der Vergleichswerte. Die Summe der
erwerbsfähigen Bevölkerung der 18 bis 65 jährigen ist mit 61,7 % niedriger als der Landesdurchschnitt von 63,3 %. Bezogen auf die einzelnen Kommunen fällt mit 29,67 % der hohe
9
Anteil der über 65 jährigen in der Stadt Bad Orb auf (vgl. A 3). Insgesamt 9 % und absolut
930 Einwohner sind über 80 Jahre alt.
19,38%
18,51%
18,19%
18,82%
18,14%
19,01%
18,82%
18,47%
30,56%
31,00%
31,84%
31,26%
5,26%
5,50%
6,05%
7,74%
7,74%
7,53%
7,35%
7,69%
13,67%
13,06%
12,17%
12,42%
5,26%
5,39%
5,59%
5,46%
SPESSARTregional
Main-Kinzig-Kreis
0 bis u 6
6 bis unter 18
18 bis unter 25
RB Darmstadt
25 bis unter 30
30 bis unter 50
Hessen
50 bis unter 65
65 u. älter
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis
Abb. 4:
Altersstruktur der Bevölkerung von SESSARTregional im Jahr 2005 im Vergleich
Betrachtet man die Altersstruktur im Verlauf der Jahre von 1980 bis 2005 zeigt sich, dass die
ehemals „junge“ Region mit bis dato deutlich höheren Anteilen der unter 18 jährigen sich der
allgemeinen Altersstrukturveränderung mit höheren Anteilen der über 65 jährigen angepasst
hat. Aktuell liegt der Anteil der über 65 jährigen mit 19,4% über dem der unter 18 jährigen mit
18,9 %.
1980
24,1%
1990
2005
17,7%
19,4%
18,5%
18,8%
18,9%
18,5% 17,9%
23,5%
22,2%
19,3%
16,5%
14,5%
15,6%
Ma
SP
He
sse
ES
inKin
SA
n
zig
RT
-Kr
reg
eis
ion
al
18,4%
15,8%
14,4%
15,5%
Ma
SP
He
sse
ES
inKin
SA
n
zig
RT
-Kr
reg
eis
ion
al
unter 18 in %
Ma
SP
He
sse
ES
inKin
SA
n
zig
RT
-Kr
reg
eis
ion
al
65 und älter in %
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis
Abb. 5:
Vergleich ausgewählter Altersklassen 1980-1990-2005
Entsprechend des oben aufgezeigten Trends entwickelte sich der Altersdurchschnitt. Lag
dieser in den 90 er Jahren von SPESSARTregional noch unter dem Landesdurchschnitt, so
hat er sich bis 2005 angeglichen.
10
Tab. 2: Altersdurchschnitt 1980 bis 2005 im Vergleich
Altersdurchschnitt
1980
1990
1995
2000
2005
SPESSARTregional
38,3
39,3
39,4
40,8
42,2
Main-Kinzig-Kreis
37,7
39,4
39,7
40,8
42,1
RB Darmstadt
38,4
40,1
40,4
41,2
42,1
Land Hessen
38,4
40,0
40,3
41,1
42,1
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis
1.2.3 Räumliche Wanderung
SPESSARTregional weist wie der Main-Kinzig-Kreis positive Wanderungssalden auf. In den
Jahren von 2000 bis 2005 konnte ein Wanderungsgewinn von absolut 3.134 Einwohnern
verbucht werden. Das sind 43 % des Saldos des Main-Kinzig-Kreises. Der Vergleich der
Wanderungssalden weist allerdings einen klaren Abwärtstrend auf. Konnten in den Jahren
2000 und 2001 noch Zuzüge von 640 bzw. 1.063 Personen gezählt werden, waren es im
Jahr 2005 nur noch 58 Personen.
3000
2500
2396
2000
1837
1500
1582
1063
1000
876
563
640
509
500
480
330
79
58
0
2000
2001
2002
SPESSARTregional insgesamt
2003
2004
2005
Main-Kinzig-Kreis insgesamt
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis
Abb. 6: Wanderungssalden SPESSARTregional von 2000 bis 2005 im Vergleich
Die Zusammenstellung der Wanderungssalden nach Altersklassen in den Jahren 2000 bis
2005 legt dar (s. Abb. 7), dass die geringsten Wanderungsgewinne bis hin zu Verlusten in
der Klasse der 20 bis 30 jährigen vorliegen, gefolgt von der Alterklasse der 15 bis 20 jährigen. Da sich die Wanderungsbewegungen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus
der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder Arbeitsplatz ergeben, sind die Zahlen ein Hinweis auf die Rahmenbedingungen des regionalen Arbeitsmarktes. Ein anhaltender negativer
Wanderungssaldo würde auf einen Mangel an Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten hinweisen.
Bezogen auf die einzelnen Kommunen mussten die Gemeinden Jossgrund und Sinntal im
Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2005 einen negativen Wanderungssaldo von -11 bzw. -34
Einwohner hinnehmen. Alle anderen Kommunen können bis auf die Stadt Steinau mit durchschnittlich vier Personen, auf geringe Wanderungsgewinne zurück blicken.
11
270
220
170
120
70
20
-30
2000
2001
2002
2003
2004
2005
-80
-130
-180
unter 15
15-20
20-30
30-40
40-50
50-60
60 u. ä
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis
Abb. 7: Wanderungssalden nach Altersklassen SPESSARTregional von 2000 bis 2005
1.2.4 Bevölkerungsprognose bis 2020
Für das Jahr 2020 wird vom Hessischen Statistischen Landesamt ausgehend vom Jahr 2006
für den gesamten Main-Kinzig-Kreis ein Bevölkerungszuwachs von 0,96 % prognostiziert.
Damit wird der Landkreis deutlich vom landesweiten Trend abweichend eingeordnet. Im gleichen Zeitraum wird im Regierungsbezirk mit -1,70 % und dem Land Hessen mit -1,49 % Bevölkerungsverlusten gerechnet. Doch selbst für den bevölkerungsstarken Main-Kinzig-Kreis
werden bis zum Jahr 2050 Verluste von -13,36 % erwartet.
Wesentlich ernüchternder fallen die Ergebnisse der regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung bis 2031 des Main-Kinzig-Kreises aus. Die Ergebnisse wurden im September 2007
veröffentlicht und bestätigen, die von den regionalen Akteuren geäußerten Einschätzungen,
dass sich der demographische Wandel auch in dem vermeintlich bevölkerungsstabilen MainKinzig-Kreis, vor allem aber in SPESSARTregional, niederschlagen wird.
Bei der Bevölkerungsvorausberechnung wurde vergleichbar zum Wegweiser Demographie
der Bertelsmann Stiftung die Bevölkerungsentwicklung für die einzelnen Kommunen prognostiziert. Um eine möglichst hohe Transparenz zu erreichen, wurden drei Varianten ermittelt. Der ersten Prognose wurde die natürliche Bevölkerungsentwicklung ohne Wanderungsbewegungen zugrunde gelegt. In der zweiten Variante fand der Mittelwert der Wanderungen
der letzten fünf Jahre Eingang. Bei der dritten Variante wurden neben den Wanderungen
zusätzliche Korrekturen eingeführt, die sich aus einer Einschätzung der kommunalen Vertreter und Stadtplanern ergeben. Für den Vergleich werden nachfolgend die erste und letzte
Variante der Bevölkerungsprognose bis 2021 heran gezogen, da in einzelnen Kommunen
die Wanderungsgewinne realistisch nicht gehalten werden können. Selbst die korrigierte Variante ist mit Vorbehalt zu betrachten. Die Einschätzung zur Bevölkerungsentwicklung aus
der Sicht der Kommunen fußt im Wesentlichen auf die ausgewiesenen Baugebiete. Faktoren
wie wohnortnahe Arbeitsplätze, Betreuungs- und Bildungsangebote bleiben außen vor. Zudem stehen die Kommunen bei der Gewinnung von Neubürgern in einem sich verschärfenden Wettbewerb.
Für SPESSARTregional wird bis 2021 ein Bevölkerungsrückgang von -6,8 % bei der natürlichen Bevölkerungsentwicklung und ein Minus von -2,2 % bei einer korrigierten Wanderungsbewegung prognostiziert. Bis zum Jahr 2031 bewegt sich der Verlust von -13,1 % bis -6,7 %.
12
Quelle: Demographische Entwicklung im Main-Kinzig-Kreis
Abb. 8:
Bevölkerungsprognose 2021 in korrigierter Variante in prozentualer Veränderung
Damit liegt der Rückgang unabhängig der zugrunde gelegten Variante über dem Regierungsbezirkes und Hessen, wenn auch der Schrumpfungsprozess als langsam bezeichnet
werden kann (vgl. A 4). Für die Kommunen fällt die Entwicklung sehr unterschiedlich aus.
Von der natürlichen Bevölkerungsentwicklung ausgehend, liegen die Verluste bis 2021 zwischen -15,2 % für Bad Orb und -4,3 % in Biebergemünd. In der durch die Wanderung korrigierten Variante, werden die Verluste für Sinntal mit -8,4 % am höchsten eingestuft. Die Bevölkerung ist in Wächtersbach mit einem Plus von 0,8 % und Linsengericht mit -0,1 % vergleichsweise stabil. Für 2031 fallen die Verluste entsprechend höher aus. In Sinntal ist mit 16,7 % der höchste Verlust zu erwarten, gefolgt von Jossgrund und Steinau mit rund -10%.
Auf den geringsten Schwund können Schlüchtern und Wächtersbach mit -2,6 % bzw. -3,8 %
verweisen.
2005
2020
31,71%
24,40%
24,20%
18,40%
17,90%
Ki
nz
n
se
M
ai
n-
H
ig
-
es
Kr
io
eg
Tr
R
SA
ES
SP
unter 18
15,20%
ei
s
l
15,20%
na
n
se
es
H
nd
La
ai
nM
SP
ES
SA
R
Ki
nz
Tr
ig
-
eg
io
Kr
na
ei
s
l
15,38%
nd
18,80%
29,70%
La
24,50%
30,60%
60 und älter
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis und Wegweiser Demografie
Abb. 9:
Vergleich ausgewählter Altersklassen 2005-2020
13
Wenn auch der Bevölkerungsrückgang in SPESSARTregional langsam einsetzt, zeigen sich
die Auswirkungen der Überalterung um so stärker. Eine Gegenüberstellung der im Wegweiser Demographie ausgewiesenen Altersklassen der unter 18 und über 60 jährigen zeigt die
Entwicklung auf. Zwar liegt der Anteil der unter 18 jährigen im Jahr 2020 etwa beim Landeswert, doch wird der Wert der über 60 jährigen eindeutig überschritten. Insgesamt steigt in
den nächsten 15 Jahren der Anteil der älteren Mitbürger um 7,2 %, der in Hessen um 5,3%.
Zusätzlich ist die Überalterung innerhalb der Region unterschiedlich ausgeprägt. Alternder
Brennpunkt ist die Stadt Bad Orb mit einem prognostizierten Anteil der über 60 jährigen von
43 %. (vgl. Kap. 1.2.2). Gleichzeitig liegt der Anteil der unter 18 jährigen bei 10 %. Das erwartete Durchschnittsalter von 55 Jahren wird den Landesdurchschnitt von 47 Jahren weit
überschreiten. Die quasi junge Gegenposition nimmt die Gemeinde Biebergemünd ein. Hier
liegt der prognostizierte Anteil der unter 18 jährigen bei 20,4 %, die über 60 jährigen bei 27,5
%. Die Gemeinde bildet damit die absolute Ausnahme.
14
1.3
Wirtschaftliche Ausgangssituation
1.3.1 Wirtschaftsdaten
Der Main-Kinzig-Kreis zählt zu den wirtschaftsstarken Landkreisen in Hessen. Mit einem
Bruttoinlandsprodukt von 10,05 Mrd. Euro im Jahr 2005 hat der Kreis 5,0 % zum Bruttoinlandsprodukt des Landes beigetragen. Seit 1995 konnte der Kreis sein Bruttoinlandsprodukt
überdurchschnittlich um 25 % steigern. Seit dem Jahr 2000 bewegt es sich mit geringfügiger
Abweichung bei 10 Mrd. Euro. Bereinigt man die Angaben um den Teil, der 2005 durch die
Stadt Hanau erbracht wurde, verbleiben für den Landkreis immer noch 6,44 Mrd. Euro bzw.
3,2 % zum BIP des Land Hessen.
0,5%
Hessen
25%
19%
37%
19%
0,3%
RB Darmstadt
16%
41%
20%
22%
0,8%
Main-Kinzig-Kreis
Land- und
Forstwirtschaft,
Fischerei
31%
19%
32%
Produzierendes Gewerbe
Handel,
Gastgewerbe
u. Verkehr
Finanz.,
Vermietung
u. Unternehmensdienstleister
16%
Öffentliche
u. private
Dienstleister
Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt
Abb. 10:
Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftssektoren in prozentualer Verteilung im Vergleich 2005
Im Vergleich der Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftszweigen zeigt sich, dass das Produzierende Gewerbe mit 32 % mit der wichtigste Wirtschaftszweig im Main-Kinzig-Kreis ist. Die
allgemeine Dienstleistungsorientierung der Wirtschaft prägt sich im Kreis mit einem Tertärisierungsgrad von 66% nicht so stark aus wie im Regierungsbezirk und dem Land Hessen.
Daten zum Bruttoinlandsprodukt und der Wertschöpfung nach Wirtschaftszweigen oder bezogen auf die Region liegen nicht vor. Auch haben regionale Wirtschaftsexperten von einer
derart kleinteiligen Analyse abgeraten, weil aufgrund der starken Vernetzung mit dem RheinMain-Gebiet diese kaum zu einem sinnvollen Ergebnis führen würde.
Die Auswertung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen nach Wirtschaftszweigen gibt
Aufschluss über die Bedeutung des produzierenden Gewerbes für SPESSARTregional.
Tab. 3: SV-Beschäftigte nach Wirtschaftszweigen in SPESSARTregional 2006 im Vergleich
Wirtschaftssektor
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
SPESSARTregional
Main-Kinzig-Kreis
393
1,2 %
1.213
1,1 %
13.088
39,0 %
40.205
36,8 %
Handel, Gastgewerbe und Verkehr
7.338
21,9 %
25.574
23,4 %
Finanzierung, Vermietung, Unternehmensdienstleister
2.841
8,5 %
17.768
16,2 %
Öffentliche und private Dienstleister
9.852
29,4 %
24.634
22,5 %
Produzierendes Gewerbe
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis
15
Mit insgesamt 39,0 % der SV-Beschäftigen am Arbeitsort hat das Gewerbe den größten Anteil am regionalen Beschäftigungsmarkt. Danach folgen Handel, Gastgewerbe und Verkehr.
Verhältnismäßig wenig Beschäftigte sind im Bereich der Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister tätig. Der vergleichsweise hohe Wert der öffentlichen und privaten
Dienstleister begründet sich durch den Sitz der Kreisverwaltung, diverser Kliniken und anderer öffentlicher Einrichtungen in Gelnhausen. Mit den hier darunter gefassten 5.679 Beschäftigen im Gesundheits-,Veterinär- und Sozialwesen ergibt sich hier eine weitere wirtschaftliche Säule für die Region. Der Anteil der Beschäftigung in der Land- und Forstwirtschaft spielt
trotz des Waldreichtums in der Region keine Rolle.
Für die weitere wirtschaftliche Entwicklung stehen mit knapp 177 ha in allen Kommunen der
Region Gewerbeflächen zur Verfügung. Die Schwerpunkte bilden aufgrund der A 66 die
Städte Gelnhausen mit 817.000 m², Steinau mit 255.000 m² und Schlüchtern mit 224.500 m².
Auch die Kommunen im inneren Spessart bieten Flächen in einer Größenordnung von je
30.000 m² an. Das Flächenangebot in Wächtersbach ist aufgrund der Lage im Kinzigtal unterdurchschnittlich. Zum begrenzenden Faktor wird jedoch die Breitbandversorgung. Nach
Aussagen des Referats für Wirtschaft und Arbeit im Main-Kinzig-Kreis bestehen Defizite im
östlichen Kreisgebiet und damit auch in SPESSARTregional. In Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern wurden die Unternehmen und
Kommunen bereits über alternative Möglichkeiten eines schnellen Internetanschluss über
das Fernseh- oder Stromkabel wie auch die Datenübertragung via funkgestützter Netze oder
Satelliten informiert. Wo die flächendeckende Versorgung mit DSL nicht gegeben ist, könnten diese Alternativen relativ schnell und zu annehmbaren Preisen eingerichtet werden.
Doch fehlen derzeit noch detaillierte Grundlagen über den tatsächlichen Handlungsbedarf.
Der Breitbandatlas kann hier nur eine Tendenz im Versorgungsdefizit aufzeigen.
Die Kaufkraftkennziffern liegen im Kreis für die Jahre 2005 und 2006 mit 108,4 über dem
Bundesdurchschnitt. Allerdings kann das Niveau nur teilweise in der Region erreicht werden.
Sieben Kommunen liegen unter 100, die Werte variieren von 94,4 in Steinau bis zu Bad Orb
mit 99,1. Darauf folgen die Gemeinden Biebergemünd mit 104,4 und Freigericht mit 109,2.
Spitzenwerte ergeben sich für Linsengericht mit 114,0 und Gelnhausen mit 115 Punkten.
Die Kaufkraftbindungsquote als Zentralitätskennziffer fällt für die Mittelzentren in SPESSARTregional sehr unterschiedlich aus. Am niedrigsten ist sie in Bad Soden-Salmünster mit
93,7, gefolgt von Gelnhausen mit 145,2, Schlüchtern mit 168,9 und Wächtersbach mit 225,5.
Die beiden letztgenannten Städte liegen über der für Hanau als Oberzentrum genannten
Kennziffer von 154,4. Der niedrige Wert aus Bad Soden-Salmünster deutet an, dass es dem
Kurort nicht gelingt Kaufkraft an sich zu binden. Vielmehr fließt diese in die umliegenden
Städte ab.
1.3.2 Arbeitsmarktdaten
In SPESSARTregional waren im Jahr 2006 33.580 Personen in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis am Arbeitsort registriert. Das sind 30,7 % aller Beschäftigten im Main-Kinzig-Kreis. Gemessen am regionalen Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung der 15 bis 65 jährigen ergibt sich damit ein vergleichbares Verhältnis. Der mit Abstand
größte Teil der SV-Beschäftigen, nämlich 32,5 %, arbeitet in Gelnhausen. Die nächsten größeren Arbeitgeber sind im Stadtgebiet von Schlüchtern mit 13,5 % und Bad SodenSalmünster mit 11, 5 % angesiedelt (vgl. A 5). Ein Blick auf die Beschäftigtenentwicklung legt
offen, dass sich der allgemeine Beschäftigungsrückgang stärker in der Region niederschlägt.
16
15,00%
10,20%
10,00%
Bad Orb
Bad Soden-Salmünster
Biebergemünd
5,00%
1,70%
1,10%
0,00%
-5,00%
-3,50%
-5,30%
-10,00%
-9,30%
-9,00%
-9,60%
Flörsbachtal
Freigericht
Gelnhausen
Jossgrund
Linsengericht
Schlüchtern
Sinntal
Steinau
Wächtersbach
-12,20%
-13,60%
-15,00%
-14,90%
-16,10%
-20,00%
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis
Abb. 11:
Prozentuale Veränderung der SV-Beschäftigten von 2000 bis 2006
Im Zeitraum von 2000 bis 2006 beläuft sich der Rückgang um - 5,1 %, gegenüber dem im
Main-Kinzig-Kreis mit -2,1 % und dem im Land Hessen mit -2,3 %. Vom Beschäftigungsrückgang sind die einzelnen Kommunen im prozentualen Vergleich sehr unterschiedlich betroffen. Der stärkste Rückgang ist in Bad Orb u.a. mit Verlusten im Gastgewerbe zu verzeichnen, gefolgt von Beschäftigungsrückgängen in Freigericht und Steinau. Anzumerken ist,
dass bei einer niedrigen Beschäftigtenzahl wie in den Gemeinden Jossgrund mit 394 Beschäftigen und Flörsbachtal mit 181 Beschäftigten bereits die Schließung eines mittelständischen Unternehmens ausreicht, um zweistellige prozentuale Veränderungen herbeizuführen.
Neben den prozentualen Veränderungen sind die absoluten Verluste an Beschäftigen in der
Stadt Schlüchtern mit 480 Personen, gefolgt von Steinau und Bad Orb mit jeweils 408 und
405 Personen am größten.
Fast traditionell ist SPESSARTregional von starken Pendlerverflechtungen geprägt. Insgesamt 43.972 SV-Beschäftigte waren im Jahresdurchschnitt von 2006 am Wohnort gemeldet,
SV-Beschäftigte am Arbeitsort hingegen sind die oben genannten 33.580 Personen. Mit
21.988 Einpendlern und 31.952 Auspendlern ergibt sich ein Pendlersaldo von knapp 10.000
Erwerbstätigen. Seit dem Jahr 2000 liegt das regionale Pendlersaldo vergleichsweise konstant zwischen 9.500 und 10.000 Personen. Bereits in den 90 er Jahren lag ein vergleichbares Pendlermuster mit dem hohen Anteil von Auspendlern in Biebergemünd, Freigericht und
Linsengericht vor.
Insgesamt 2.137 Personen waren zum Juni 2005 als Beschäftige in beruflicher Ausbildung
am Arbeitsort in SPESSARTregional gemeldet. Gegenüber den im Main-Kinzig-Kreis gemeldeten Auszubildenden von 5.986 Personen ist dies ein Anteil von 36 %. Mit 2.226 neuen
Ausbildungsverträgen im Jahr 2006 hat sich Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Kreisgebiet von dem Tiefstand des Vorjahres mit 2096 Plätzen erholen können.
Dennoch bleibt es mit rund 200 Ausbildungsplätzen weniger, hinter dem Niveau von 2000
zurück. Gut ein Drittel der Verträge kommen in der Region zu stande. Die größten Ausbildungsplatzverluste sind im Handwerk zu vermelden (vgl. A 6). Gleichzeitig wird seitens der
Handwerkskammer beklagt, dass es zu wenige, ausreichend qualifizierte Bewerber gebe.
Die Handwerksberufe mit einem hohen Grad an Mechanisierung setzten ein technisches
Grundverständnis voraus, das vielfach nicht vorhanden sei. Zusätzlich fehlten den Jugendlichen oftmals die soziale Kompetenz und eine Vorstellung vom dem, was sie im Ausbildungsberuf erwartet.
17
Mit Blick auf die Arbeitslosenquote kann der Main-Kinzig-Kreis auf eine positive Entwicklung
verweisen. Die Quote lag in den letzten Jahren stets deutlich unter der Landesquote. Im Jahr
2006 hat sie sich mit 8,7 % gegenüber dem Land Hessen mit 10,4 % weiter verbessert.. Die
Quote der Frauen hat sich erst im Jahr 2006 zum Landesdurchschnitt verbessert. Nach Aussagen der IHK wurde in den letzten beiden Jahren dem Ausbildungspakt Rechnung getragen, d.h. es sind keine potenziellen Ausbildungsplatzbewerber "leer" ausgegangen. Wenn
wegen mangelnder Qualifikation kein Vertrag zustande kam, wurden diese Bewerber in Qualifizierungsprojekten untergebracht. Das Ergebnis schlägt sich in einer niedrigen Arbeitslosenquote der unter 20 jährigen nieder.
Tab. 4: Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt für den Main-Kinzig-Kreis und Hessen
Main-Kinzig-Kreis
Hessen
Main-Kinzig-Kreis
Hessen
Main-Kinzig-Kreis
Hessen
Main-Kinzig-Kreis
Hessen
2000
2001
7,8
7,0
8,1
7,4
Quote Frauen
8,1
7,2
7,9
7,1
Quote unter 20 Jahre
4,9
4,0
5,7
4,4
Quote unter 25 Jahre
6,5
6,2
7,2
6,5
2002
7,3
7,8
2003
8,1
8,8
2004
8,1
9,2
2005
9,6
10,9
2006
8,7
10,4
7,2
7,1
7,7
7,9
7,8
8,3
10,2
10,6
9,3
10,3
3,8
3,8
4,0
3,6
4,1
4,0
6,7
8,1
5,7
7,3
6,9
7,1
7,7
8,0
7,9
8,6
9,9
11,7
8,6
10,1
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit
Für SPESSARTregional kann keine eigene Arbeitslosenquote genannt werden, da diese auf
Gemeindeebene üblicherweise nicht errechnet wird. Auch können die absoluten Zahlen der
Arbeitslosen nur bedingt zur Analyse der Entwicklung herangezogen werden, da die Zahlen
bis 2004 mit den folgenden Jahren nicht vergleichbar sind. Mit dem Jahr 2005 wurde die Arbeitslosenstatistik um den Anteil der erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger erweitert, so dass
ein allgemeiner, systembedingter Anstieg der Arbeitslosenzahlen bzw. der Quote zu verzeichnen war.
Im Jahr 2006 waren im Jahresdurchschnitt in der Region 4.796 Personen arbeitslos gemeldet. Insgesamt 28,8 % der Arbeitslosen des Landkreises entfallen auf die Region. Ausgehend von 2000 mit 4.143 Arbeitslosen war die Zahl in den Jahren 2001 und 2002 zunächst
rückläufig, um dann minimal auf 4.221 Personen anzusteigen. In den Jahren 2004 bis 2006,
mit der veränderten Erfassung der Arbeitslosenzahlen, ergab sich ein Anstieg auf 4.796 Personen bzw. 13,6 %. Im gleichen Zeitraum lag der Anstieg im Main-Kinzig-Kreis bei 12,3 %.
Als Optionskommune hat der Main-Kinzig-Kreis zum Januar 2005 die AQA-Gemeinnützige
Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung mbH gegründet. In einer dezentralen
Organisationsstruktur finden die Beratung, die Qualifizierung und die Vermittlung der Langzeitarbeitslosen aus einer Hand statt. Die AQA-gGmbH bietet hierzu eine auf den regionalen
Arbeitsmarkt angepasste Auswahl von berufsorientierenden Maßnahmen wie auch Qualifizierungs- und Ausbildungsmaßnahmen an. Bei externen Bildungsträgern werden weitere
Integrationsmaßnahmen eingekauft. Im Gebiet von SPESSARTregional befinden sich der
AQA-gGmbH zugehörige Regionalzentren für Arbeit in Gelnhausen und Schlüchtern, in Bad
Soden-Salmünster ist eine Ausbildungs-/Qualifizierungsstätte ansässig. Von 12.500 erwerbsfähigen Langzeitarbeitlosen konnten in den ersten beiden Jahren erfolgreich 5.670 Personen
in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden.
18
1.3.3 Wissensinfrastruktur, Innovations- und Kooperationsprojekte
SPESSARTregional verfügt derzeit über keine spezifischen Einrichtungen, Projekte und Initiativen im oben genannten Sinne. Derzeit sind es die kreisweiten Angebote und Netzwerke,
die ihre Wirkung in der Region entfalten. Wenn auch der Main-Kinzig-Kreis über keine universitäre Einrichtung verfügt, so bestehen doch vielfältige Möglichkeiten für eine Hochschulausbildung, sei es über die vom Land Hessen anerkannte Europäische Studienakademie
„Kälte-Klima-Lüftung“ oder das duale Studienangebot von ortsansässigen Unternehmen in
Kooperation mit der Fachhochschule Gießen-Friedberg. Seit 2003 wird das „Ingenieurstudium + Ausbildung“ in den Studiengängen Maschinenbau, Mechatronik und Material- und
Fertigungstechnologie erfolgreich angeboten. Zudem ist der Main-Kinzig-Kreis in das „Technologietransfer-Netzwerk Hessen“ eingebunden. Zahlreiche Betriebe arbeiten in branchenfokussierten Netzwerken zusammen.
Für die Unterstützung von Gründern hat sich das „Forum Existenzgründung Main-Kinzig“ als
Netzwerk organisiert, um die Kompetenzen zum Thema „Existenzgründung“ bündeln zu
können. Partner sind unter anderem die Industrie- und Handelskammer Hanau-GelnhausenSchlüchtern, das Referat Wirtschaft und Arbeit des Main-Kinzig-Kreises, das Technologieund Gründerzentrum Hanau, die Kreishandwerkerschaften, die Wirtschaftsjunioren und die
Wirtschaftsförderung Hanau. Das Forum begreift sich als „Lotse“: Es koordiniert verschiedene Aktivitäten und vermittelt zwischen Existenzgründer und Berater für ein optimales Beratungsangebot.
Seit 2002 besteht zudem das Netzwerk für Bildung „Lernende Regionen Main-Kinzig +
Spessart“. Mit seinen Vorhaben und Projekten will das Netzwerk das derzeitige Bildungsangebot erweitern, Lebensbegleitendes Lernen fördern und zur zukunftsorientierten Entwicklung des Main-Kinzig-Kreises und des Bayerischen Untermains beitragen. Das Projekt wird
gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit Unterstützung des Europäischen Sozialfonds. Mehr als 20 regionale und überregionale Partner aus Bildung, Wirtschaft,
Verwaltung, Kultur und dem Sozialbereich sind im Netzwerk vertreten.
19
1.4
Wirtschaftsbereiche
1.4.1 Landwirtschaft
In SPESSARTregional werden 35 % der Fläche landwirtschaftlich genutzt (vgl. Kap. 1). Im
Landwirtschaftlichen Fachplan Südhessen (LFS) werden die Flächen in ihrer Feldflurfunktion
mit einer mittleren Nutzungseignung für Acker- bzw. Grünland beurteilt. In Folge wird die
Ernährungs- und Einkommensfunktion zum überwiegenden Teil mit der mittleren und niedrigsten Stufe bestimmt. Ein ähnliches Bild ergibt sich für die Arbeitsplatzfunktion. Hier überwiegt die mittlere Einstufung. Im umgekehrten Verhältnis wird der Feldflur nahezu flächendeckend die höchste Stufe der Erholungsfunktion zugesprochen. Gleiches gilt für die Schutzfunktion.
Die landwirtschaftliche Nutzung spiegelt die im LFS getroffenen Aussagen wieder. Von den
25.434 ha Fläche werden 65 % als Dauergründland genutzt. Damit steht die AckerGründlandverteilung im genau umgekehrten Verhältnis zu der im Land Hessen. Für den Getreideanbau werden 22% und für Ackerfutter 4% der Fläche genutzt. Der Anbau von Hackfrüchten, Körnermais und Ölfrüchten ist von untergeordneter Bedeutung, 3% der Flächen
sind stillgelegt. Zusätzlich zeigt sich im Vergleich der letzten Jahre, dass sich das Verhältnis
der Acker-Gründland-Nutzung in fast allen Kommunen zugunsten des Gründlandes verschiebt.
Ein Teil des Gründlandes wird als schutzwürdig eingestuft. Laut EPLR sind es in einzelnen
Kommunen 6 bis10% der landwirtschaftlichen Fläche. Entsprechend werden die Förderangebote für eine extensive Gründlandbewirtschaftung nach HEKUL und HELP reichlich genutzt. Mit einem Flächenanteil von 60 bis 70 % und absolut 12.792 ha ist der Umfang der
extensiv bewirtschafteten Gründlandflächen im Main-Kinzig-Kreis mit Abstand der größte in
Südhessen. Flörsbachtal und Sinntal bilden hier Schwerpunkte, der Anteil der HEKULFlächen an der bewirtschafteten Fläche beträgt über 50 %.
Die regionalen Flächen werden von 1.031 Betrieben bewirtschaftet. Die durchschnittliche
Betriebsgröße beträgt 27,6 ha LF und liegt weit unter der durchschnittlichen Betriebsgröße
von 32,6 ha LF des Landes. Nur 14 % der Betriebe können mit mehr als 50 ha bewirtschafteter Fläche dem Haupterwerb zugeordnet werden. Die Nebenerwerbsquote von 86 % zählt zu
den höchsten in Hessen. Entsprechend der geringen Durchschnittgröße sind die Betriebe
außerordentlich klein strukturiert. Von den im Jahr 2005 erfassten 929 Betrieben - die Differenz ergibt sich aus Datenschutzgründen - weisen knapp 20 % eine Größe von 2 bis 5 ha
aus, ein fast ebenso großer Anteil liegt zwischen 5 und 10 ha. Selbst in der Größenklasse
von 10 bis 20 ha sind es immer noch über 20 % der Betriebe. Der Pachtpreis als Indikator
der Flächennachfrage wird im LFS für das Kreisgebiet mit einem mittleren Niveau von 101150 €/ha angegeben.
Wichtigster Betriebszweig der Landwirtschaft in SPESSARTregional ist die Milchkuhhaltung.
Über 70 % der Milch des Main-Kinzig-Kreises werden in der Region erzeugt. Dabei ist ein
leicht zurückgehender Milchquotenbestand zu verzeichnen. Die Anzahl der melkenden Betriebe nimmt in der Region stetig ab. Waren es im Jahr 2003 noch 243 Betriebe, sind es nun
192. Lediglich 32 % der Betriebe liefern über 200.000 kg Milch pro Jahr. In diesen zukunftsträchtigen Betrieben scheint der Strukturwandel vollzogen. Sie weisen eine durchschnittliche
rechnerische Milchquote in Höhe von knapp 500 TSD kg pro Betrieb auf. Jedoch scheint bei
einer Vielzahl von Betrieben die Milchviehhaltung für die Zukunft nicht gesichert. Rund 78 %
der regionalen Milchbetriebe melken noch in Anbindeställen. Ingesamt 68 % liefern eine
rechnerische Durchschnittsquote von 81 TSD kg, die sich deutlich unter der betriebswirtschaftlich notwendigen Milchmenge befindet. Die frei werdende Milchquote verbleibt seit Einführung der Milchbörse West nicht mehr in der Region, sondern wandert ab. Mit Biebergemünd gibt es in der Zwischenzeit die erste „milchkuhfreie“ Gemeinde in SPESSARTregional.
20
Insgesamt 65 % der Betriebe halten Schweine. Mit durchschnittlich 8,3 Tieren ist dies bei
einer Reihe von Betrieben weniger als Betriebszweig einzustufen, vielmehr als Haltung für
den Hausgebrauch. Bemerkenswert ist der Anteil der Schafhaltung. Mit 10.615 Tieren kann
sich die Region durchaus mit dem Landkreis Fulda und dem Rhönschaf als bekanntesten
Vertreter mit 14.380 Tieren messen (vgl. EPLR). Auch wird im Entwicklungsplan der MainKinzig-Kreis als „pferdestark“ bezeichnet, die Hälfte der Tiere wird in der Region gehalten.
Rund 12 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden von 77 Betrieben ökologisch bewirtschaftet. Der Flächenanteil liegt weit über dem Landesdurchschnitt von 7%. So gesehen bildet SPESSARTregional einen der Schwerpunkte des Öko-Landbaus in Hessen.
Der ökonomische Beitrag durch diversifizierte Einkommen ist in der Landwirtschaft sehr gering. Im Fachplan wird für den Main-Kinzig-Kreis ein durchschnittlicher Einkommensanteil
von 10% angegeben. Das ist mit Abstand der niedrigste in Südhessen. Sonst beläuft er sich
im Durchschnitt auf 16,6 % des Betriebseinkommens.
Nach Angaben des Amtes für den ländlichen Raum sind 35 Betriebe in der landwirtschaftlichen Direktvermarktung aktiv. Mit 90 % sind die Direktvermarkter auf dem Fleisch- und
Wurstsektor tätig. Der Grad der Professionalisierung ist gering. Allgemein besteht wenig Bereitschaft zur gemeinsamen Organisation im Marketing oder der Qualitätssicherung. Ebenso
ist die Anzahl der Hofläden gering. Der Verkauf von regionalen Produkten mit mobilen Einheiten zur Beschickung von Wochenmärkten oder im Direktverkauf bildet die Ausnahme. In
aller Regel erfolgt der Verkauf direkt am Hof und dies verständlicherweise nur in überschaubaren Mengen. Eine Ausnahme bildet ein Betrieb im Raum Wächtersbach, der Milchprodukte bis hin zur Schulmilch und Wildprodukte sehr aktiv mit Hofladen und mobilen Einheiten/Verkaufswagen vertreibt. Heimisches Wild wird im Waldladen im Forstamt HanauWolfgang verkauft. Hier gehen auch die erlegten Stücke aus der Jagd in der Region zur
Vermarktung ein. In den 90 er Jahren wurde mit dem Projekt Bergwinkellamm, einem Zusammenschluss der Schäfereien und dem Landschaftspflegeverband Main-Kinzig e.V., der
Versuch unternommen, regional erzeugtes Lammfleisch an die Gastronomie zu vermarkten.
Der Verein hat noch Bestand, doch hat sich die Vermarktung nicht nachhaltig durchsetzen
können. Die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Gastronomie ist derzeit auf Einzelfälle
begrenzt.
Der Betriebszweig „Urlaub auf dem Bauernhof“ ist schwach ausgeprägt. Nur 21 Betriebe sind
im Gastgeberverzeichnis Spessart-Kinzigtal für die Region aufgeführt. Vier Betriebe, alle im
Bergwinkel gelegen, sind Mitglied im Verband „Bauernhof- und Landurlaub in Hessen e.V.“
und präsentieren dort ihr Angebot. Mit der im Jahr 2001 erstellten Reitstationenkarte wurden
erstmalig reittouristische Angebote gebündelt. Momentan sind nur 3 Betriebe in der landesweiten Initiative „Reiterland Hessen“ vertreten. Eine Weiterentwicklung zur Reitregion erfolgte nicht. Damit bleibt SPESSARTregional hinter seinem touristischen Entwicklungspotential
zurück. In einer vom Amt für den ländlichen Raum durchgeführten Befragung stuften sich
100 Betriebe in einer Größe von 30 bis 50 ha als Haupterwerbsbetrieb ein, obwohl die Betriebsgröße wenig zukunftsträchtig ist. Bei diesen Betrieben könnte die Diversifizierung einen
Beitrag zur Sicherung des Einkommens leisten. Die Nähe zum Rhein-Main-Gebiet sowie die
hohe Anzahl von Tagesbesuchern im Erlebnispark Steinau und junger Gäste im Schullandheim der Stadt Frankfurt (vgl. Kap. 1.4.4) lassen die Entwicklung von Erlebnisangeboten auf
dem Bauernhof aussichtsreich erscheinen. Für das Beherbergungsangebot stellt die Spezialisierung als Kinderbauernhof eine Perspektive dar. Auch hier ist die Metropolregion bedeutender Quellmarkt, da Eltern von Kleinst- und Kleinkindern erfahrungsgemäß die ländliche
Urlaubsalternative mit kindertauglicher Anfahrtszeit bevorzugen. Ferner wäre zu klären, inwieweit die naturräumlichen Potentiale der Region mit Angeboten der Natur- und Umweltpädagogik zur Angebotsentwicklung von Urlaub auf dem Bauernhof verknüpft werden können.
Dagegen ist eine Entwicklung reittouristischer Angebote mit Vorbehalt zu prüfen. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass eine Positionierung als Reitregion nur mit einer hohen
Anzahl qualitativ hochwertiger und vor allem engagierter Reitbetriebe zu erreichen ist. Aus21
gehend von der Reitstationenkarte ist das Potential möglicher Betriebe kritisch zu prüfen.
Abschließend betrachtet muss mit einem starken Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe
und einer Gefahr der Nutzungsaufgabe gerechnet werden. Die regionale Agrarstruktur wie
auch die charakteristische Kulturlandschaft sind im Erhalt gefährdet. Zu den genannten Umständen kommt die persönliche Situation der Betriebsleiter erschwerend hinzu. Zwar ist das
Durchschnittsalter der Betriebsleiter im Kreis mit das niedrigste in Südhessen, doch ist der
Anteil der Betriebsleiter, die älter als 50 Jahre sind und einen Hofnachfolger haben, erschreckend niedrig. Für den Kreis ermittelt der LFS, dass in rund einem Drittel der Betriebe kein
Hofnachfolger bestimmt ist. Bei einem weiteren Drittel ist die Hofnachfolge noch offen bzw.
ungeklärt. In Biebergemünd, Flörsbachtal, Jossgrund und Linsengericht wird der Anteil der
Betriebsleiter älter 50 Jahre ohne Hofnachfolger mit mehr als 75% eingeschätzt.
1.4.2 Forstwirtschaft
SPESSARTregional hat einen Wandanteil von 51,7 %, der deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 30 %, dem Landesdurchschnitt von 40% und dem Kreisdurchschnitt von 43%
Fläche liegt. Größter Eigentümer mit 67% der Fläche ist das Land Hessen mit der Sonderform des „Gutsbezirk Spessart“ mit 89,3 km ². Weitere 27 % der Waldfläche sind Kommunalwald. Einige Gemeinden verfügen über beachtlichen Waldbesitz, so die Städte Bad Orb,
Bad Soden Salmünster, Schlüchtern und Steinau. Der Anteil der Privatwaldflächen ist entsprechend gering.
Der Wald wird nach der Verwaltungsreform von den drei staatlichen Forstämtern Jossgrund,
Hanau-Wolfgang sowie Schlüchtern bewirtschaftet. Die staatlichen Forstämter betreuen alle
Besitzarten, d.h. den Staatswald des Landes Hessen, den Kommunalwald und den Kleinprivatwald. Auch einige größere Privatwaldeigentümer wie das Kloster Schlüchtern werden
staatlich beförstert. Die Stadt Bad Orb ist nicht mehr in der Betreuung der staatlichen Forstämter, sondern hat den Stadtwald an ein Unternehmen zur Bewirtschaftung abgegeben. Der
Fall hat seinerzeit Aufsehen erregt und einige Nachahmer gefunden.
Die Baumartenverteilung ist innerhalb der Region und in den Besitzarten sehr unterschiedlich ausgeprägt. Hauptbaumarten sind Eiche, Buche, Fichte und Kiefer. Größte Anteile mit
ca. 60 % haben Buche und Fichte zusammen, 40 % haben Kiefer und Eiche. Die Bewaldungsprozente schwanken z.B. im Forstamt Jossgrund von 44 % Fichte zu 20 % Fichte im
Forstamt Hanau-Wolfgang. Eine generelle Baumartenverteilung sagt somit wenig über die
Wirtschaftlichkeit aus. So muss man den Blick eher auf die Verwendung lenken.
Auf der gesamten Waldfläche wird pro Jahr ein Zuwachs von 3 bis 10 fm erreicht. Das bedeutet einen Zuwachs von 260.000 bis 866.000 fm. Auf der Basis eines angenommenen
Holzeinschlags für alle Verwendungen von 6,5 fm/Jahr ergibt sich bei 560.000 fm und einem
Durchschnittswert von 25 €/fm ein volkswirtschaftlicher Wert von rund 14 Mio €.
Von der Gesamtholzmenge, die bearbeitet wird, sind 10 bis 15 % nicht wirtschaftlich nutzbar
und verbleiben im Wald. Ebenfalls 10 % ist Spitzenware, die zu sehr guten Preisen verkauft
werden kann. 40 % der Holzmasse liefern normale Qualitäten z. B. für die Sägewerke oder
Profilzerspaner in der Nadel- und Laubholzbranche. 35 bis 40 % der Holzmenge wird industriell verwertet z.B. für die Papier- und Holzwerkstoffindustrie oder als Spanplatten. Seit einiger Zeit drängen die Hackschnitzelerzeuger als Interessenten auf den Markt. Die Energiepreise bestimmen, wie viel Holzmenge letztlich für energetische Zwecke verwertet wird. Hier
steht die Region in den Anfängen. Die Potentiale sind mit ca. 244.000 fm Industrieholz pro
Jahr nicht ausgeschöpft. Der Vertrieb durch die Forstämter erfolgt in der Region, dem MainKinzig-Kreis, Hessen und darüber hinaus. Der Anteil des Holzverkaufs im Raum des Spessarts selbst ist mit ca. 15 % sehr gering. Durch den Strukturwandel in der holzverarbeitenden
22
Industrie, mit heute wenigen großen Sägern, wird das Holz inzwischen über weite Strecken
transportiert.
Die große Bedeutung und Rolle der Forstwirtschaft für SPESSARTregional und die daraus
resultierenden Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten sind weitgehend verschwunden. Maschinen erledigen den größten Teil der Arbeit, der früher noch händisch erfolgte. Arbeitsplätze
wurden massiv abgebaut. Ganze Dörfer bzw Ortsteile waren früher durch diesen Wirtschaftszweig geprägt wie Marjoss, Mernes, Oberndorf oder Lohrhaupten.
Die Aufgabe der Forstwirtschaft ist heute sehr reduziert auf die reine Holzernte und den
Holzverkauf. Die Tendenzen gehen, vor allem vom Land Hessen selbst forciert, in Richtung
einer Privatisierung und Kommerzialisierung des Wirtschaftszweiges. Dabei treten die übrigen Funktionen der Wälder, wie z.B. die Erholungsfunktion, Schutzfunktionen diverser Art
und die Grundwassergewinnung, besonders für die Wasserversorgung der Stadt Frankfurt,
in den Hintergrund.
1.4.3 Industrie und Handwerk
Laut der Branchenstudie Industrie der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern weist den größten Umsatz innerhalb des produzierenden Gewerbes die Metallerzeugung- und Bearbeitung
aus, gefolgt von den Gummi- und Kunststoffwaren, der Herstellung von Büromaschinen und
Elektrotechnik und der Chemischen Erzeugnisse. Von den 833 kreisansässigen Unternehmen liegen mindesten 26 % in SPESSARTregional, ebenso viele wie im Stadtgebiet von
Hanau. Die bedeutsamen Industriestandorte liegen, beeinflusst durch die verkehrstechnische
Erschließung, im Kinzigtal. Industrielles Zentrum ist Gelnhausen mit 9% aller Betriebe des
Kreisgebiets, gefolgt von Schlüchtern mit 5 %. Weitere Unternehmen sind mit Schwerpunkten in Freigericht, Steinau und Wächtersbach angesiedelt. Zu den größten hier tätigen Unternehmen gehören nach der Branchenstudie die Woco Industrietechnik GmbH in Bad Soden-Salmünster mit ihrem Firmensitz und 939 Beschäftigen, die Veritas AG in Gelnhausen
mit 1469 Beschäftigten, Standorte der Degussa Gruppe / EVONIK Industries in Steinau mit
260 Beschäftigen. Die Nennung darf nicht darüber hinweg täuschen, dass ansonsten die
kleineren Betriebe dominieren.
Rund 1.300 Handwerksbetriebe sind in der Region tätig. Auch hier liegen die Schwerpunkte
in Gelnhausen mit 215, Schlüchtern mit 166, Steinau mit 147 und Freigericht mit 136 Handwerksbetrieben. In der Kreishandwerkerschaft Gelnhausen-Schlüchtern sind 12 Innungen
zusammengeschlossen. Wegen fehlender Datenbereitstellung sind weiter gehende Aussagen nicht möglich.
1.4.4 Tourismus-, Kultur und Gesundheitswirtschaft
Im nachfolgenden werden die drei Bereiche der Tourismus-, Kultur- und Gesundheitswirtschaft aufgrund der engen Verzahnung miteinander zusammenfassend beschrieben.
SPESSARTregional bildet mit 866.637 Übernachtungen 3,4% des gesamten Übernachtungsaufkommens für 2006 im Land Hessen. Im erfassten Zeitraum von 2001 bis 2006 ist
das Übernachtungsaufkommen mit einem Verlust von knapp 300.000 Übernachtungen stark
rückläufig (vgl. A 7). Die jährlichen Verluste lagen dabei in einer Größenordnung von 50.000
Übernachtungen. Erst im letzten Jahr konnte die Entwicklung sichtlich gebremst werden*.
Damit spiegeln die Zahlen, die im Tourismuspolitischen Handlungsrahmen 2007 getroffene
Aussage wieder. Das Reisegebiet Spessart-Kinzigtal musste seit 1997 die zweitgrößten
Markanteilverluste von knapp 15 % hinnehmen.
*Anmerkung: Im Vergleich zum Jahr 2005 mit 896.524 Übernachtungen ist festzuhalten, dass neben dem tatsächlichen Übernachtungsrückgang auch statistische Veränderungen das Ergebnis beeinflussten. Aus Gründen des Datenschutzes werden die
Daten aus Freigericht und Wächtersbach für 2006 nicht mehr benannt.
23
Bad Orb
300.000
Biebergemünd
Flörsbachtal
339.755
400.000
421.620
Bad Soden-Salmünster
Freigericht
Gelnhausen
Jossgrund
Schlüchtern.
Sinntal
0
4.530
Linsengericht
9.824
0
27.837
38.073
0
0
9.262
100.000
0
15.736
200.000
Steinau
Wächtersbach
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis
Abb. 12:
Übernachtungszahlen nach Kommunen 2006
Bezogen auf die Kommunen bilden die Kurorte Bad Orb mit 421.620 Übernachtungen und
Bad Soden-Salmünster mit 339.755 Übernachtungen die tragenden Säulen der regionalen
Tourismuswirtschaft. Allerdings sind hier seit 2001 mit rund 240.000 Übernachtungen auch
die größten Verluste zu verbuchen. Nennenswerte Übernachtungszahlen werden noch in
Gelnhausen und Schlüchtern erreicht. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer wird im MainKinzig-Kreis mit 4,1 Tagen ermittelt und liegt in der Region mit 9,5 Tagen in Bad SodenSalmünster und mit 7,7 Tagen in Bad Orb am höchsten.
Das Übernachtungsangebot setzt sich aus 153 Betrieben mit rund 6.500 Gästebetten zusammen. Gemäß den Übernachtungszahlen tragen die Sanatorien und Kureinrichtungen
den mit Abstand größten Anteil am Übernachtungsaufkommen. Bemerkenswert ist mit 10 %
der Anteil an Übernachtungen in Ferien- und Schullandheimen. Mit dem in Bad Orb seit 1920
angesiedelten Schullandheim Wegscheide der Stadt Frankfurt ist hier eine der maßgeblichen
Einrichtungen zu benennen.
70%
Sanatorien,
Kureinrichtungen
60%
50%
40%
30%
20%
10%
Hotels
Pensionen
Gasthöfe
Erhol-, Ferien-,
Schulungsheime,
Boardinghäuser
Ferienhäuser,
Ferienwohnung,
Ferienzentren Hütten,
Hotels garnis
0%
Jugendherbergen
u.ä.
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis
Abb. 13:
Übernachtungsaufkommen nach Betriebsart in prozentualen Anteilen 2006
24
Obwohl nicht zahlenmäßig erfasst, ist das Tagesbesucheraufkommen für SPESSARTregional von besonderer Bedeutung. Als Ausflugsorte bzw. Angebote sind unter anderem der Erlebnispark in Steinau, die märchenorientierten Angebote in Steinau und die historischen
Stadtführungen in Gelnhausen weit über die Region hinaus bekannt.
Ausgehend von den landschaftlichen Gegebenheiten konzentriert sich die touristische Ausstattung auf das Wandern und Radwandern. Verschiedene Ferien- und Themenstraßen, allen voran die Deutsche Märchenstraße wie auch empfohlene Motorradtouren sind Teil des
regionalen Tourismusmarketings.
Im Bereich Wandern sind es einmal die vier Hessenwanderwege, die durch die Region führen. Als Besonderheiten sind die auf den historischen Handelsstraßen verlaufenden Wanderwege anzuführen. (vgl. Kap. 1.5.2). Nur diese werden überhaupt im Portal Wanderbares
Deutschland aufgeführt. Die „Birkenhainer Straße“ führt mit 71 km als ehemals wichtige
Handels- und Heerstraße von Hanau über den Spessart nach Gemünden, der Eselsweg folgt
auf 111 km von Schlüchtern nach Großheubach am Main. Anknüpfend an historische Begebenheiten verläuft der Schneewittchen-Wanderweg auf 36 Kilometer als „Fluchtweg“ von
dem Schloss in Lohr zu den früheren Bieberer Bergleuten, vorbei an historischen Abbaustellen von Silber, Kupfer, Blei sowie Eisen und Kobalt. Europäische Kulturwanderwege, initiiert
durch das Archäologische Spessartprojekt, vermitteln auf Tagestouren die Kulturgeschichte
der Region. Rund um Bad Orb befindet sich die Hessen-Extratour, der einzige mit dem
Deutschen Wandersiegel ausgezeichnete Weg in SPESSARTregional. Fernwanderwege mit
dem Gütesiegel „Qualitätswege Wanderbares Deutschland“ sind mit dem Spessartweg 1 und
2 auf den bayerischen Teil des Naturraums beschränkt. Der Naturpark hessischer Spessart
unterhält 70 Wanderparkplätze mit rund 500 km Rundwanderwegen, die stark frequentiert
werden. Zusätzlich haben die Gemeinden Wanderwege ausgewiesen und geben eigene
Wanderkarten heraus.
Das radtouristische Angebot der Region wird von den Hessischen Radfernwegen R 2, R 3
und R 4 bestimmt. Der R 4 bildet zugleich die Märchen- und Sagenroute von „Dornröschen
bis zu den Nibelungen. Der Vogelsberger Südbahnradweg stellt von Wächtersbach kommend die Verbindung in den Vogelsberg zum Vulkanradweg her. Die „Hessischen Apfelweinund Obstwiesenroute“ ist Teil des regionalen Radwegenetzes. Des Weiteren werden mit
dem „Bikewald Spessart“ und der „8 Spessart Berge“ spezielle Mountainbikestrecken ausgewiesen. Daneben werden im Radroutenplaner Hessen vier MTB-Touren für SPESSARTregional vorgestellt. In diesem Zusammenhang auffallend ist die fehlende Verknüpfung der
auf Landesebene vermarkteten Angebote mit den auf Destinationsebene eingesetzten Medien. Weder auf die hier vorgestellten MTB-Angebote, noch auf die Hessen-Extratour wird
verwiesen.
In Anbetracht der Wettbewerbssituation im Aktivurlaubssegment wird verständlich, dass das
Reisegebiet Spessart-Kinzigtal weder ein ausgeprägtes Profil im Bereich Wandern noch im
Bereich Radwandern hat. Die Infrastruktur entspricht insbesondere bei den Wanderwegen
nicht mehr den heutigen Qualitätserfordernissen, um sich in der fast schon inflationären Fülle
von Qualitäts- und Premiumwanderwegen im Markt behaupten zu können. Auch findet bei
den touristischen Leistungsträgern kaum eine diesbezügliche Positionierung statt.
Insgesamt 16 Museen sind im Gastgeberverzeichnis des Main-Kinzig-Kreises für SPESSARTregional beschrieben. Aufgrund der beschränkten Öffnungszeiten haben aber nur wenige der Museen touristische Relevanz. Das Museum der Barbarossastadt, die Kaiserpfalz
und das Brüder-Grimm-Haus in Steinau sind die herausragenden Einrichtungen. Gleichwohl
sind die anderen Museen und Sammlungen, die oftmals mit ehrenamtlichem Engagement
betrieben werden, Kleinode der Geschichte wie etwa das Biebergrund-Museum zur Bergbaugeschichte, das Holzgeräte-Museum in Schlüchtern oder das Radio Museum in Linsengericht.
25
Der Naturpark Hessischser Spessart verfügt über ca. 40 zertifizierte Natur- und Landschaftsführer, die Führungen im ganzen Spessart und zu allen Themen anbieten. Die Aktivitäten
sind schon in Kurkliniken und bis in die ersten Gastronomiebetriebe vorgedrungen. Die Jugendherberge Geislitz-Linsengericht und das Schullandheim Wegscheide mit zusammen ca.
20.000 Gästen pro Jahr sind ebenfalls Schwerpunkte der Naturparkführer. Allerdings sind
noch keine Urlaubsangebote zu nennen, die sich gerade unter der Zielrichtung Naturerlebnis
etabliert haben.
Mit Bad Orb und Bad Soden-Salmünsterliegen gleich zwei bekannte Heilbäder in SPESSARTregional.
Gesundheitsangebote
Ergänzende Therapie
Indikation
Abb. 14:
Übersicht zur medizinischen Infrastruktur und den Gesundheitsangeboten der Kurorte
Bad Orb
Atemwege, Bewegungsapparat,
Erkrankungen im Kindesalter, Frauenleiden,
Haut, Herz und Kreislauf, Rheumatische
Erkrankungen
Erkrankungen der Stütz- und Bewegungsorgane, Nachbehandlung nach Operationen
und Unfallverletzung an den Bewegungsorganen, Kranken- und Atemgymnastik, Krankengymnastik im Bewegungsbad, Massagen in verschiedenen Formen, Naturmoorpackungen und -vollbäder, Naturfangopackungen, natürliche Sole- oder Kohlensäurebäder, Elektrotherapie, Inhalationen
Chirotherapie, Orthopädische Nachsorge,
Unfall-Nachsorge, Onkologische Nachsorge,
Nachsorge Innere Medizin, Diabetes mellitus, Arthrosen, Arthritis, Geriatrische Behandlung, Adipositas, Naturheilkunde, Neuraltherapie
Verschiedene Heil- und Fastenkuren, Trinkkuren, Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie, Aktiv- und Fitnessurlaub, Gradierwerk, KneippTretanlage, Naturheilverfahren, Akupunktur,
Rücken-Kompaktkur
"Wellness im Kurort" zertifizierte Wellnesspauschalen, Wassergymnastik und Trinkkuren, Sole-Inhalationen, Ernährungsberatung,
Gesundheit-Check-Up mit Risikoprofilerstellung, Psychotherapeutische Beratung zur
Stressbewältigung, Fitness-Wellnesstraining,
Rückenschule, Krankengymnastik, Chirogymnastik, Manuelle Therapie, Massagen,
Kryotherapie, Sole-Packungen, SoleWannenbäder und vieles mehr.
ƒ Fachklinik Rehabilitationsmedizin St. Marien - Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie,
Rheumatologie, Neurologie und Innere
Medizin
ƒ Fachklinik St. Georg von Mallinckrodt
Innere Medizin, Diabetologie,Stoffwechselund Atemwegserkrankungen, Rehabilitative Medizin und Adipositas
ƒ Kinzigtal Klinik Pitzer GmbH & Co. KG
Orthopädie, Onkologie, Urologie und Diabetes mellitus
ƒ Klinik Lohrey- Orthopädie / Innere Medizin
ƒ Reha-Klinik Bellevue
AHB- und Nachsorgeklinik für Innere Medizin, Onkologie und Orthopädie
ƒ Salztal Klinik -Fachklinik für ganzheitliche
Orthopädie und Rheumatologie
ƒ Knappschafts-Klinik-Rehabilitationsklinik
für Orthopädie und Innere Medizin
ƒ Rhönblick Klinik- Fachklinik für Innere
Medizin, Orthopädie, AHB/AR-Reha
ƒ medinet Spessart-Klinik - Kardiologie, Diabetes, Adipositas,
ƒ Mediclin - Neuro-orthopädisches RehaZentrum Bad Orb
ƒ Sanatorium Regena - Schul- und Naturheilmedizinin, Regenerationskuren
ƒ Privatklinik „Der Annenhof“
ƒ Reha-Klinik Küppelsmühle
ƒ Dialysezentrum
Kliniken und Einrichtungen
Bad Soden-Salmünster
Atemwege, Bewegungsapparat, Herz und
Kreislauf, Rheumatische Erkrankungen
Quelle: Hessischer Heilbäderverband e.V. und eigene Zusammenstellung
26
Mit zwei Dritteln der Übernachtungen des Landkreises gehen die beiden Kurorte mit dem
Slogan „Natur erleben, Gesundheit fördern, Natur entdecken“ in die Marketingstrategie von
Spessart-Kinzigtal ein. Bad Orb kann auf 100 Jahre Geschichte als Heilbad blicken, im Jahre
1909 hat die Stadt den Titel offiziell erhalten. Eine ähnlich lange Tradition hat Bad SodenSalmünster, im Jahr 2005 wurde sie als erster Kurort in Hessen mit dem Gütesiegel des
Deutschen Heilbäderverbandes e.V. „Wellness im Kurort“ ausgezeichnet. Das ThermalsoleBad „Spessart Therme“ mit umfassendem Wellnessbereich wird seit der Ende 2006 erfolgten
Schließung des Bades in Bad Orb von den Gästen beider Kurorte genutzt.
Vier Kliniken aus Bad Soden-Salmünster mit dem Schwerpunkt der Orthopädie und die
Spessart Therme sind im „Netzwerk für Gesundheit Main-Kinzig - Zentrum für Prävention
und Rehabilitation“ zusammen geschlossen. Das Netzwerk richtet sich an die Menschen der
Region und begreift sich als regionaler Ansprechpartner für die ambulante Rehabilitation, die
Versorgung chronisch kranker Menschen und die Prävention. Darüber hinaus ist es erklärtes
Ziel des Netzwerkes, die Rehabilitationsforschung in der Region zu verankern. Im Ärztenetz
Spessart haben sich 35 niedergelassene Ärzte aus Bad Orb, Bad Soden-Salmünster, Biebergemünd, Jossgrund, Schlüchtern, Steinau und Wächtersbach zusammengeschlossen.
Ziel des Netzes ist die Verbesserung der Zusammenarbeit, um im ambulanten Bereich die
haus- und fachärztliche Versorgung in der Region nicht nur zu erhalten sondern zu optimieren. Mit den beiden Kurorten, deren medizinischer Infrastruktur, den Gesundheits- und Wellnessangeboten, den drei regionalen Standorten der Kreiskrankenhäuser der Main-KinzigKlinik und den vorhandenen Netzwerkstrukturen verfügt SPESSARTregional über ein außerordentlich hohes Angebot in der Gesundheitsversorgung.
Kulturelle Angebote als begleitendes Programm von Kuraufenthalten gewinnen zunehmend
an Bedeutung. Das klassische Kurkonzert wurde vielerorts bereits erfolgreich durch hochkarätige Kulturfestivals ersetzt. Die beiden Kurorte wie auch SPESSARTregional können hier
nur bedingt auf landesweit bedeutsame Kulturveranstaltungen verweisen. Schwerpunkte im
Veranstaltungsangebot sind der Kultursommer Main-Kinzig-Fulda und das umfassende
Programm aus Theater und Konzert der Stadt Bad Orb.. Zusätzlich haben sich die Puppenspieltage in Steinau, die Deutsche Operakademie in Bad Orb, der Kulturfrühling in Wächtersbach, das Musikfestival in Schloss Rahmholz und diverse Jazzkonzerte in der regionalen
Kulturszene verankern können.
Seit Juni 2005 obliegen touristische Aufgaben im Main-Kinzig-Kreis dem Referat für Tourismus und Marketing. Das Tourismusmarketing auf der bayerischen Seite des Spessarts obliegt dem Gebietsausschuss Spessart-Main-Odenwald, dem der Landkreis Main-Spessart,
Miltenberg, Gemeinden dieser Kreise und die Stadt Aschaffenburg angehören. Der Gebietsausschuss ist Teil des Tourismusverband Franken e.V.
Im Entwicklungsprozess der Destinationen befürwortet der Main-Kinzig-Kreis im Bereich des
Spessarts die konsequente Fortführung des begonnen Prozesses zur Bildung einer leistungsfähigen Organisationsstruktur, der Destination Spessart. Laut Statistik wurden im Jahr
2006 im bayerischen Spessart 1.089.163 Übernachtungen gezählt. Gemeinsam mit SPESSARTregional ergibt sich ein ansehnliches Aufkommen von fast 2 Mill. Übernachtungen. Für
2008 ist die Bildung der Destination Spessart geplant. Vorgesehen ist der Beitritt des MainKinzig-Kreises zum Gebietausschuss Spessart-Main-Odenwald. Ferner wollen Bad Orb, der
Luftkurort Schlüchtern, die Brüder-Grimm-Stadt Steinau und die Gemeinde Sinntal Mitglieder
des Gebietsausschusses werden, sodass hier mit allen wichtigen Tourismusorganisationen
eine schlagkräftige neue Tourismuseinheit entstehen kann. Bad Soden-Salmünster ist dem
Ausschuss bereits beigetreten. Mit der neuen Organisationseinheit sollen neben der bisherigen Produktvermarktung, der Erlebnis- und Aktiv-Urlaub vor allem auch das Gesundheitsangebot präsentiert werden. SPESSARTregional unterstützt die Entwicklung zur gemeinsamen
Destination. Den zu genannten Kerngeschäften soll in der regionalen Entwicklungsstrategie
Rechnung getragen werden.
27
1.4.5 Energiewirtschaft
Die Energieversorgung von SPESSARTregional wird zum überwiegenden Anteil durch die
Kreiswerke Gelnhausen GmbH sichergestellt. Die nördliche Region ist dem Netz der Überlandwerk Fulda AG angeschlossen. Mit 17% „grünem“ Stromanteil liegen die Kreiswerke
über dem Bundesdurchschnitt von 9 %. Für die Zukunft strebt der Main-Kinzig-Kreis eine
Versorgung von 300.000 Einwohnern mit „grünem“ Strom an.
In SPESSARTregional erfolgt die regenerative Energiegewinnung aus Wind, Wasser und
Sonne. Der Betrieb von Windkraftanlagen konzentriert sich mit 17 Anlagen auf die Standorte
in den Mittelgebirgslagen. Das Gemeindegebiet von Steinau bildet hier einen Schwerpunkt.
Mit der gewonnenen Energie der insgesamt 38 Anlagen im Kreis können über 70.000 Menschen versorgt werden. Im Entwurf „ Regionalplan Südhessen“ werden mit Stand Mai 2007
neue Vorzugsflächen für Windenergie u.a. in Flörsbachtal und Jossgrund bestimmt, so dass
mit weiteren Anlagen zu rechnen ist. Die Wasserkraft wird derzeit in 45 Anlagen des MainKinzig-Kreises genutzt. Mit durchschnittlich 33 kW/Anlagen werden 8.000 Menschen mit
Strom versorgt. Ein Schwerpunkt bildet die Stromerzeugung am Kinzigstausee. Mit der Neufassung des Erneuerbare–Energien-Gesetz (EEG) im Jahr 2000 ergab sich ein enormer
Anstieg bei den Installationen von Photovoltaikanlagen. Es hat sich gezeigt, dass eine Planungs- und Investitionssicherheit mit festgelegten Einspeisungsvergütungen die private und
öffentliche Hand zu stärkerem Engagement motiviert. Auf Dächern der Liegenschaften des
Main-Kinzig-Kreises sind derzeit 14 Photovoltaikanlagen installiert, 11 zusätzliche Standorte
sind in Planung. Darüber hinaus bestehen konkrete Umsetzungsvorschläge, die Flächen der
Altdeponiestandorte in Gelnhausen-Hailer sowie Schlüchtern-Hohenzell für die Stromproduktion mit Photovoltaikanlagen zu nutzen. In der Endausbausbaustufe ist mit einer Leistung zu
rechnen die den Strombedarf von ca. 5.000 Menschen deckt. Bei dem Bau des Landratsamtes in Gelnhausen hat der Main-Kinzig-Kreis auf die Erdwärmenutzung gesetzt. Damit können im Jahr bis zu 30.000 Liter Heizöl gespart werden.
Die Biomasse-Potenzialstudie Hessen weist für den Main-Kinzig-Kreis ein Bioenergiepotenzial von 1.000.000 bis 1.250.000 Mwh pro Jahr aus. Bezogen auf das spezifische Energiepotenzial liegt der Kreis mit 700 bis 800 Mwh pro km² im mittleren Drittel. Das entspricht einem
potentiellen Endenergieverbrauch von 13% des Landkreises bzw. einem Heizöläquivalent
von 75 Mio. Liter /Jahr. Das entspricht einer Verteilung auf die Bereiche:
Tab. 5: Bioenergiepotential Main-Kinzig-Kreis
Biomasse
Holz
Ackerbau
Grünland und Reststoffe
Energiepotential
% Anteil
295.700 MWh/a
326.300 MWh/a
182.800 MWh/a
37 %
40 %
23 %
Quelle: Biomasse-Potenzialsstudie Hessen
Führt man sich vor Augen, dass 74 % der Waldanteile des Main-Kinzig-Kreises in der Region
liegen, jedoch nur 55 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche, wird deutlich, dass im Energieträger Holz mit 218.818 MWh/a das größte Potenzial für SPESSARTregional zu sehen ist.
Aktuell erfährt die Biomasseverwertung auch in der Region einen Aufschwung. In privaten
Haushalten, im gewerblichen Bereich sowie bei öffentlichen Gebäuden werden Heizungsanlagen für die Verwertung von Holz zur Wärmeversorgung umgestellt. In der Gemeinde Jossgrund entsteht auf Initiative der Bürger ein gemeinschaftliches zentrales HolhackschnitzelKraftwerk zur Energieversorgung von 110 Häusern. Damit werden etwa 420.000 Liter Heizöl
gespart. Das Sicherheitszentrum, das landesweit einmalig die Freiwillige Feuerwehr, die Polizei und den Rettungsdienst in einem Gebäude beherbergt und die Gesamtschule in Wächtersbach sollen zusammen mit anderen öffentlichen Gebäuden ebenfalls die Wärmelieferung
aus einer Holzhackschnitzelheizung erhalten. Das Heizöläquivalent beträgt ca. 210.000 Liter.
Eine neue Dimension der Holzverwertung würde durch das geplante Biomasseheizkraftwerk
28
in Steinau erreicht. Strom und Wärme für Industrie und Gewerbe von 20 MW Wärmeleistungen entsprechen 4.000.000 Litern Heizöl. Die Anlage könnte mit einer elektrischen Leistung
von über 5 MW die Versorgung von ca. 50.000 Menschen mit Strom sicherstellen.
Mit vier Biogasanlagen in SPESSARTregional, allein drei davon im Gemeindegebiet von
Steinau, liegt hier der Schwerpunkt im Kreisgebiet. Die Anlagen erzeugen zusammen 1.700
Kilowatt Strom, der für eine Grundversorgung von ca. 17.000 Menschen ausreicht. Nach
Einschätzung regionaler Experten wie auch der Betreiber wird deutlich, dass die derzeit erschlossene Biomassenutzung kaum ausreichen wird, um die vorhandenen und in Planung
befindlichen Anlagen effektiv und nachhaltig zu versorgen. Eine auf die Region basierende
Studie, die die Möglichkeiten zur Steigerung der Biomasse durch die Aufforstung oder den
Anbau von Energiepflanzen aufzeigt, liegt nicht vor.
Bei der Deponiegasnutzung in Gelnhausen-Hailer produzierte die Verwertungsanlage mit
zwei jeweils 600 kW starken Gasmotoren Strom für etwa 6.000 Menschen im Jahr. In der
Annahme das zukünftig weitere Flächen wegen der Aufgabe der Viehhaltung nicht mehr
landwirtschaftlich genutzt werden, bestehen Überlegungen wie diese Materialien energetisch
über die Biogasverwertungsanlage genutzt werden können. Der Standort bietet sich an, da
hier eine ausreichende Zuwegung vorhanden ist und die Technik genutzt werden kann.
29
1.5.
Umweltsituation und Landnutzung
1.5.1 Natur und Landschaft
SPESSARTregional wird im Wesentlichen von den Naturräumen Spessart und Büdinger
Wald, dem Schlüchterner Becken und dem Kinzigtal geprägt. Der Anteil des BüdingenMeerholzer Hügellandes wie auch der des Naturraumes Vogelsberg und Rhön ist auf Randbereiche beschränkt und bleibt nachfolgend unberücksichtigt.
Abb. 15:
Naturräume im Main-Kinzig-Kreis
In dem regional größten Naturraum
Spessart und Büdinger Wald sind die
Wälder dominierend. Hervorzuheben
sind zwei unzerschnittene verkehrsarme Räume, der Büdinger Wald nördlich Gelnhausen und der Spessart südöstlich von Wächtersbach/Bad Orb.
Die offenen Landschaften verfügen
über strukturreiche Kulturlandschaften.
Charakteristisch sind neben dem hohen Grünlandanteil die Hecken und
Gebüsche insbesondere an den waldfreien Hängen der größeren Täler.
Darüber hinaus ist SPESSARTregional
durch ein weitmaschiges Netz wasserreicher Bäche geprägt. So bilden Bieber, Jossa und Sinn mit ihren artenreichen und vielfältigen Auen besonders
hochwertige ökologische Fließgewässersystem-Komplexe.
Als Leitziele für den Naturraum werden u.a. der Erhalt der zusammenhängenden Waldgebiete, die Umwandlung in naturnahe Buchen- und Buchenmischwälder, der Erhalt der Kulturlandschaft und die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen, insbesondere der
Grenzertragsstandorte formuliert. Ebenso wird der Erhalt der Wässerwiesen als historische
Nutzungsform beschrieben.
Das Schlüchterner Becken ist sehr vielfältig und bewegt. Es reicht von ebenen Tallandschaften über flache Hügel, vereinzelte Kuppen, lang gestreckte Bergrücken bis hin zu steilen
Hängen unterschiedlicher Exposition. Diese Mittelgebirgslandschaft wird von engen Kerbtälern durchschnitten. Streuobstwiesen sind flächig verbreitet. Die Vielfalt an Magerrasenstandorten auf Buntsandstein, Muschelkalk und Basalt ist hervorzuheben. Zusätzlich zu den
oben genannten Zielen wird der Erhalt von Streuobstwiesen und Magerrasenkomplexen gefordert.
Das Kinzigtal als Hauptachse des Fließgewässersystems von Spessart und Büdinger Wald
zeichnet sich durch seinen mäandrierenden Flusslauf mit Altarmen, einem durch Überschwemmungen entstandenen Kleinrelief von Flutmulden und zusammenhängenden Grünlandbereichen aus. Der Erhalt der Auenwälder, der Schutz naturnaher Fließgewässerabschnitte bzw. deren Renaturierung und die Entwicklung von artenreichem Grünland sind hier
zusammenfassende Leitziele.
In SPESSARTregional befinden sich 78 % der Natura 2000-Gebiete des Landkreises. Sofern
ein Flächenbezug hergestellt wird, sind es mit rund 6.500 ha sogar 81 % aller Flächen. Auch
bei den Naturschutzgebieten liegt mit 63 Gebieten bzw. 72 % der überwiegende Anteil in der
Region. Die Flächen umfassen 1.809 ha. Der Flächenanteil der Vogelsschutzgebiete beträgt
30
in der Gebietskulisse 8.500 ha. Zusätzlich befinden sich in der Gebietskulisse fünf große
Landschaftsschutzgebiete, die den Erhalt der Kulturlandschaft, den Erhalt der Mittelgebirgswiesen und den Schutz der Talsohlen und Flusslandschaften als Schutzziele formulieren.
Damit stehen in der Summe 90 % der Fläche von SPESSARTregional unter Schutz. Lediglich in den Kommunen Freigericht, Gelnhausen und Linsengericht sind wenige Bereiche vom
Landschaftsschutz ausgenommen.
Die Gewässer in SPESSARTregional sind von sehr unterschiedlicher Strukturgüte. Bieber,
Sinn und Jossa können auf rund einem Drittel der Fließstrecke noch als bedingt naturnah
eingestuft werden. Ein nahezu ebenso großer Abschnitt kann als mäßig beeinträchtigt dargestellt werden. Hervorzuheben ist, dass die Bieber auf 6 % der Strecke eine naturnahe Bewertung vorweist. Umgekehrt verhält es sich mit der Strukturgüteklasse der Kinzig. Ein Drittel
der Fließstrecke ist deutlich, ein weiteres Drittel merklich geschädigt. Insgesamt 16 % des
Fließgewässers müssen sogar als stark geschädigt eingestuft werden.
Für SPESSARTregional sind derzeit vier Projekte bzw. Besonderheiten des Naturschutzes
anzuführen.
Ende der 80 er Jahre wurden im Spessart an den Nebengewässern der Sinn 18 Biber angesiedelt. Die erfolgreiche Wiederbesiedelung führte zu einer Ausbreitung in die Fließgewässersysteme von Jossa, Sinn und Kinzig. Der heutige Bestand des Bibers wird auf 130 Tiere
geschätzt. Mindestens ebenso viele Tiere leben auf der bayerischen Seite. Da sich die Biber
ihren Lebensraum in hohem Maße selbst gestalten, treten immer wieder Nutzungskonflikte
auf. Der Dammbau führt zur Überflutung und Vernässung landwirtschaftlich genutzter Flächen. Der Anstau ist, insbesondere bei Hochwasser, mit Treibgutanschwemmungen verbunden, die Ablagerungen und Erschwernisse in der Nutzung nach sich ziehen. Auch behindern
gefällte Bäume die Nutzung. Die Konflikte werden durch ein Flächenmanagement und den
Übergang von wertvollen Auenlebensräumen in das Eigentum des Landes Hessen minimiert.
Aktuell besteht Handlungsbedarf durch Anstauungen im Bereich der Sinn.
Seit Juni 2005 wird das „Biotopverbundprojekt Spessart“ durchgeführt. Das länderübergreifende Vorhaben zum Arten- und Biotopschutz ist eine Gemeinschaftsinitiative der Naturparke
in Hessen und Bayern und des Forschungsinstituts Senckenberg. Ziel des Projekts ist, die
Realisierung von erfolgreichen Beispielen des Arten- und Biotopschutzes im Naturraum
Spessart auf der Basis eines Zielartenkonzepts. Neben den rein naturschutzfachlichen Zielsetzungen wird die nachhaltige Entwicklung des Spessarts durch die Verknüpfung von Naturschutzzielen mit Interessen der Landnutzung als Teilziel postuliert. In der NaturschutzUmsetzung finden die Biotoptypen Wald-Offenlandkomplexe, unzerschnittene Wälder, Buchenwald, Eichenwald, Borstgrasrasen, Bäche und Feuchtgründland Berücksichtigung. Insbesondere das Feuchtgrünland muss Eingang in die Ziele der Regionalentwicklung finden.
Wenn auch die extensive Grünlandnutzung als so genannte Rückewiesen charakteristisch
für den Spessart ist, sind heute nur noch wenige Landwirte in der Lage, die Nutzung der floristisch und faunistisch hoch interessanten Standorte sicher zu stellen. Dabei erweist sich
das hier flächige Vorkommen der Schachblume zunehmend als Besuchermagnet. Das von
der Deutschen Bundesumweltstiftung (DBU) geförderte Projekt endet im Mai 2009.
Mitte der 90er Jahre wurde für den Main-Kinzig-Kreis in Folge zahlreicher Großeingriffe und
im Vorgriff auf potenzielle Eingriffe ein flächenübergreifendes Konzept zur Umsetzung von
Kompensationsmaßnahmen erarbeitet. Auf der Grundlage landschaftsökologischer Raumeinheiten und einer Realnutzungskartierung mit Biotopstrukturmerkmalen wurden naturraumspezifische Ausstattungs-, Empfindlichkeits- und Beeinträchtigungsprofile ermittelt. Mit
dieser Kenntnis wurden Leitbilder entwickelt und beispielhafte sowie auf zukünftige Fragestellungen übertragbare Kompensations-Maßnahmenkomplexe gebildet. Das Kompensationskonzept Kinzig ist ein noch heute anwendbares Grundlagenstandardwerk, um (Ersatz)maßnahmen umzusetzen und damit einen großräumigen und zusammenhängenden
Biotopverbund zu schaffen bzw. weiter zu entwickeln.
31
Das Ende der 90er Jahre erarbeitete Rahmenkonzept Kinzigrenaturierung ist ebenfalls ein
Standardwerk mit entsprechender Grundlagenerarbeitung und Planung, welches darauf abzielt im Einzugsbereich der Kinzig und seiner Nebengewässer Maßnahmen umzusetzen, die
die Erfordernisse des Hochwasserschutzes mit jenen des Naturschutzes verknüpft. Insbesondere geht es um den Erhalt und die Ausweitung von Retentionsräumen, die Verlangsamung des Wasserabflusses zur Vermeidung von Hochwasserschäden im Mittel- und Unterlauf der Kinzig, die Erhöhung der natürlichen Dynamik als vorbeugender Hochwasserschutz,
die Förderung von Austauschwanderungen von Fischen und anderen Wasserorganismen
und den Erhalt bzw. die Wiederherstellung überlebensfähiger Populationen und artenreicher
Biozönosen der Gewässer und Auen.
Im Hinblick auf mögliche Landnutzungskonflikte insbesondere in Schutzgebieten oder beim
Gewässer- und Auenschutz sind die im Rahmen des Kompensationskonzeptes Kinzig analysierten Defizite aufzuführen. Als naturraumunabhängige Defizite werden die nicht standortgerechten Nadelholzaufforstungen und unzureichenden Waldrandgestaltungen sowie die
Ackernutzung auf erosionsgefährdeten Standorten genannt. Die Defizite der Täler beziehen
sich auf die Acker- und intensive Grünlandnutzung in der Aue, den Erholungsdruck, Gebiete
mit Grundwasserabsenkungen, aber auch Bereiche mit fehlender landwirtschaftlicher Nutzung. Spezifische Defizite für das Schlüchterner Becken ergeben sich durch Beeinträchtigungen der Magerstandorte, Quellstandorte und Streuobstbestände. Die Ursachen sind vielschichtig, zu nennen sind: fehlende landwirtschaftliche Nutzung einerseits, Intensivierung der
landwirtschaftlichen Nutzung andererseits, Umbruch, Verbrachung, Aufforstung.
1.5.2
Kulturhistorie
SPESSARTregional kann auf eine wechselvolle Kulturgeschichte zurückblicken, die sich
durch den Waldreichtum, die geographische Lage und die stets von außen wirkenden kirchlichen und weltlichen Regierungsmächte begründet.
Das markanteste Merkmal der Region wie auch des Naturraums ist der besagte Waldreichtum. Durch seine Geologie mit dem an Nährstoffen armen Buntsandstein ist der Spessart
nicht für eine ertragreiche Landwirtschaft geeignet. Deshalb blieb der Waldanteil als Folge
einer fehlenden landwirtschaftlichen Nutzung erhalten. Die Besiedlung im Spessartinneren
blieb mäßig, der Raum wird nur wenig von Verkehrsadern zerschnitten, die Randlagen der
Täler und die Lage an den Flüssen war und ist bis heute bevorzugt. Kaiser Friedrich, genannt Barbarossa, gründete 1170 die Reichsstadt Gelnhausen. Kaiserliche Privilegien und
die verkehrsgünstige Lage ließen die Stadt rasch zu einem zentralen Ort des mittelalterlichen
Fernhandels aufsteigen.
Zunächst als kaiserlicher Bannwald belegt und damit Jagdzwecken vorbehalten, wurde der
Wald ab dem 13. Jahrhundert als Holzlieferant genutzt. Prägend für die Industriegeschichte
sind das kleinräumige Gewerbe des Bergbaus, der Glasherstellung und die Salzgewinnung
in Bad Orb. In den folgenden Jahrhunderten wurde der Wald intensiv genutzt, um den auch
durch eine wachsende Bevölkerung gestiegenen Bedarf decken zu können. Armut war über
viele Jahrhunderte harte Lebensrealität. Die Kunst der Menschen bestand darin, zu überleben und Freude am Leben zu haben. Es entstanden private Glasmanufakturen, ausgeklügelte Bewässerungssysteme der Wiesen und Töpferwerkstätten mit eigner Traditionen. In die
Zeit des 16. Jahrhunderts fällt der Bau der Schlösser in Orb und Burgjoß, die mit Amtmännern besetzt zu einer effizienten Verwaltung der Waldgebiete führen sollten. Prägend für die
Industriegeschichte ist die Salzgewinnung in Bad Orb und die Bergbaugeschichte in Biebergemünd. In den folgenden Jahrhunderten wurde der Wald intensiv genutzt, um den auch
durch eine wachsende Bevölkerung gestiegenen Bedarf decken zu können. Armut war über
viele Jahrhunderte harte Lebensrealität. Die Kunst der Menschen bestand darin zu überleben und Freude am Leben zu haben. Es entstanden private Glasmanufakturen, ausgeklügelte Bewässerungssysteme der Wiesen und Töpferwerkstätten mit eigner Traditionen. In die
32
Zeit des 16. Jahrhunderts fällt der Bau der Schlösser in Orb und Burgjoß, die mit Amtmänner
besetzt zu einer effizienten Verwaltung der Waldgebiete führen sollte. Prägend für die Industriegeschichte ist die Salzgewinnung in Bad Orb, die Bergbaugeschichte oder der Bergbau in
Biebergemünd. Nachdem die Glasindustrie an Bedeutung verloren hatte, beanspruchte die
arme Bevölkerung den Wald zur Viehweide und Streugewinnung. Auf diese Zeit einer ungeregelten Nutzung folgten mit Anfang des 19. Jahrhunderts gezielte Aufforstungen mit schnell
nachwachsenden Nadelhölzern, um den steigenden Nutzholzbedarf durch die Industriealisierung decken zu können.
Bedingt durch die geographische Lage ist die Region seit ältester Zeit von Handelsstraßen
durchzogen. Die alte Handelsstraße von Frankfurt nach Leipzig wie auch die alte Weinstraße
verliefen durch das Kinzigtal und begünstigten die wirtschaftliche Entwicklung. Der Eselsweg, die traditionelle Route der Orber Salzkarawanen, führt von Bad Orb nach Großheubach
an den Main. Der Name "Eselsweg" erinnert an die schwer mit Salzsäcken bepackten Esel,
die das kostbare Gut transportierten. Als Handels- und Heerstraße verläuft die Birkenhainer
Straße von Hanau nach Gemünden. Beide Wege sind in das heutige Wanderangebot der
Region integriert (vgl. Kap. 1.4.4).
In seiner Geschichte wurde der Spessart immer von außen regiert. Das Erzbistum Mainz,
das Hochstift Würzburg und eine Reihe von Herrschergeschlechtern wie derer von Rieneck
und Hanau prägten mit ihren Streitigkeiten um Besitz und Herrschaft die Jahrhunderte. Die
großen historischen Ereignisse, wie z.B. der dreißigjährige Krieg gingen am Spessart in den
Tälern vorbei. Die Beschreibung ist bei dem Gelnhäuser Dichter Grimmelshausen in seinem
„Simplicius Simplicissimus“ nachzulesen. Ebenso nahmen Revolutionen, nationalen wie
internationalen Machtwechsel keinen Einfluss auf die Region. Für die Menschen änderte sich
wenig. Der Spessart war immer nur eine Randerscheinung. Gerade diese Kleinräumigkeit
der Geschichte in den Dörfern und Städten macht jedoch den Schatz der Region aus. Die
Menschen mussten sich selbst kümmern. Lokale Eigenarten und Besonderheiten mussten
die Dörfer selbst pflegen, sollten diese nicht für immer verloren gehen. Die Kulturhistorie umfasst auch den bayerischen Teil des Spessarts. Hier sind die Entwicklungen sehr ähnlich
verlaufen. Sprachlich hat sich der fränkische Dialekt gehalten.
Zu den wichtigsten historischen Persönlichkeiten zählen die Brüder Grimm, die ihre Kinderund Jugendjahre in der Stadt Steinau verbracht haben. Mit dem Bergbau wird das Märchen
von Schneewittchen und den sieben Zwergen verbunden. Ulrich von Hutten, der deutsche
Humanist und Petrus Lotichius, der katholische Abt des Klosters Schlüchtern, der zum Protestantismus wechselte, aber katholisch blieb, sind ebenfalls zu nennen.
Dank der historischen Zersplitterung war es mit der Strafverfolgung kein Leichtes, so dass
sich ein eigenes Räuberwesen entwickeln konnte. Vor allem in der Zeit um 1800 nutzten die
Banden den Wald als Versteck. Unterstützung fanden sie bei der einheimischen Bevölkerung
deren Dienste und Schweigen sie sich erkauften. Bad Soden-Salmünster ist als „Räubernest“ historisch verbürgt. Das Räuberwesen wiederum lieferte die Vorlage für die Erzählung
von Wilhelm Hauffs Märchen „Das Wirtshaus im Spessart“. Die Ende der 50 er Jahre erfolgte
Verfilmung zählte zu den größten Erfolgen des deutschen Nachkriegskinos und hat den Bekanntheitsgrad des Spessarts für Generationen geprägt. Heute wird das „Räuberwesen“ zu
Marketingzwecken und der touristischen Angebotsentwicklung eingesetzt.
Auch die heutige Geschichte war mit der Gebietsreform der sechziger und siebziger Jahre
bis auf wenige Ausnahmen immer aus dem Spessart hinaus orientiert und nicht hinein. So
sind die Gemeinde Sinntal und die Städte Bad Soden-Salmünster, Gelnhausen, Schlüchtern,
Steinau und Wächtersbach Gemeindekonglomerate, die auch aus Spessartdörfern bestehen.
33
1.6
Lebensqualität
Zur Analyse der Lebensqualität wurden in einem gesonderten Verfahren in den Kommunen
Aussagen und Daten zur vorhandenen Infrastruktur und den Dienstleistungseinrichtungen
erfasst. Um Handlungsbedarfe der kommenden Jahre ableiten zu können, lag der Schwerpunkt weniger in der Erfassung der Einrichtungen, sondern in der Beurteilung des ISTZustandes und einer Einschätzung der Entwicklung (vgl. A AngabeX). Auch wurde nach
Strategien und Maßnahmen gefragt, mit denen die Kommunen den Auswirkungen des demographischen Wandels begegnen wollen. Fragen zur regionalen Identität als Teil der Lebensraumqualität haben in SPESSARTregional einen besonderen Stellenwert und werden
nachfolgend in einem eigenen Kapitel behandelt.
1.6.1 Infrastruktur und Dienstleistungseinrichtungen
In SPESSARTregional wird die Verkehrsanbindung der Orts-/und Stadtteile durch den ÖPNV
von den Kommunen sehr unterschiedlich eingestuft. Derzeit werden die südlichen Orte der
Region durch die KVG Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig bedient. Die im Bergwinkel
gelegenen Kommunen sind im Liniennetz der VFG Verkehrgesellschaft Region Fulda angebunden. Die Städte Bad Orb, Gelnhausen und Wächtersbach verfügen über einen Stadtbus.
Abb. 16:
Einschätzung zur ÖPNV-Anbindung
Erfreuen sich die Kommunen Gelnhausen, Schlüchtern und Sinntal nach eigener Einschätzung einer guten Verkehrsanbindung, wird diese von Bad Soden-Salmünster, Flörsbachtal
und Jossgrund als schlecht eingestuft. Alle anderen Orte betrachten die Verkehrsanbindung
als durchschnittlich. Allerdings werden in fast allen Kommunen Orts- und Stadtteile benannt,
die erhebliche Defizite in der Anbindung aufweisen bzw. in denen eine Verschlechterung der
Verkehrsanbindung absehbar zu erwarten ist. In einzelnen Kommunen haben sich zur Verbesserung der Mobilität alternative Beförderungssysteme entwickelt.
In Gelnhausen, Wächtersbach und Linsengericht bestehen Linien für ein Anruf-Sammeltaxi.
In Schlüchtern kommt unregelmäßig ein Seniorenbus zum Einsatz, in Steinau besteht eine
Mitnahmemöglichkeit für ältere Mitbürger im Kindergartenbus. Die Gemeinde Flörsbachtal
hat zur Beförderung ein eigenes Fahrzeug angeschafft.
34
Ähnlich heterogen stellt sich die Situation der Grundversorgung dar. Die Hälfte der Kommunen schätzt die Lage als gut ein, die andere Hälfte bezeichnet die Situation als durchschnittlich bzw. schlecht. Zusätzlich werden einzelne Geschäfte wegen fehlender Nachfolge oder
zu starker Konkurrenz schließen müssen, so dass mit einer Verschlechterung der Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfes in Biebergemünd, Flörsbachtal und Jossgrund zu
rechnen ist. Akuter bzw. absehbarer Leerstand von Ladengeschäften wird für Bad Orb, Biebergemünd, Flörsbachtal, Gelnhausen, Jossgrund und Steinau festgestellt.
Abb. 17:
Einschätzung zur Grundversorgung
Weiterführende Aussagen zur Situation des Einzelhandels vermittelt die Branchenstudie der
IHK aus dem Jahr 2005. Hier wurden die Kommunen Bad Orb, Bad Soden-Salmünster, Freigericht, Gelnhausen, Schlüchtern, Steinau und Wächtersbach als Einzelhandelsstandorte
untersucht. Die Städte Gelnhausen, Schlüchtern und Wächtersbach können sich in Verbindung mit ihren historischen Innenstädten ansatzweise als Einzelhandelsstandorte behaupten. Dennoch steht selbst die attraktive Kernstadt Gelnhausen direkt in Konkurrenz zur eigenen peripheren Einzelhandelskonzentration. Gleichzeitig sind einzelne Stadtteile mit Waren
des täglichen Bedarfs unterversorgt.
In Bad Orb schlägt sich der Rückgang im Kurwesen deutlich durch Leerstand im Einzelhandel nieder. Zusätzlich hat sich der Einzelhandel der Entwicklung nicht angepasst und präsentiert sich wenig zeitgemäß. In Bad Soden-Salmünster richtet sich der Einzelhandel stark an
den Bedürfnissen der Kurgäste aus. Auch hier setzt sich der Trend zur peripheren Einzelhandelskonzentration durch, mit nachteiligen Folgen für den mittelständischen Einzelhandel.
In Freigericht hat sich einerseits der Ortsteil Neuses durch Sitz eines Warenhauses als gefragter Einkaufsstandort entwickeln können, andererseits wird die Einzelhandelsversorgung
in drei Ortsteilen als mangelhaft beschrieben. Steinau kann seine Versorgungsfunktion aufgrund der wenig attraktiven Einzelhandelsstruktur und mangelhaften Kundenorientierung nur
bedingt erfüllen.
Zusammenfassend wird in der Branchenstudie festgestellt, dass die Innenstädte als Einzelhandelsstandorte gegenüber den peripheren Standorten an Bedeutung verloren haben. Der
Trend aus den Innenstädten heraus ist allenthalben erkennbar und läuft der im Regionalplan
ausgewiesenen Funktion entgegen. Nur wenige Innenstadtstandorte wurden in der Vergangenheit konsequent zu interessanten Einkaufsstandorten ausgebaut, die Kaufkraft fließt in
die nahe gelegenen Einkaufszentren von Hanau, Frankfurt und selbst Fulda ab. Ebenso
bleiben positive Impulse durch Tagesbesucher, Kurgäste und Urlauber in Ermangelung eines
35
ansprechenden Angebots hinter ihren Möglichkeiten zurück. Für die nächsten Jahre wird ein
weiterer Verlust des Einzelhandelsangebotes erwartet, der eine Unterversorgung der regionalen Bevölkerung nach sich zieht.
Der Rückzug von Einrichtungen zur Grundversorgung wird zum Teil von mobilen Händlern
und Bringdiensten aufgefangen. Seit Juni 2007 bietet der 1-2-3-Markt in Bad Soden Salmünster mit einem mobilen Supermarkt die Möglichkeit, direkt vor der Haustür einzukaufen.
Es handelt sich hierbei um einen großen Verkaufsbus mit einem umfangreichen Sortiment.
Angeboten werden rund 1.000 Artikel einschließlich Frischeprodukten für den täglichen Bedarf und Bioprodukte vom Hofgut Marjoß. Derzeit fährt der Mobile Supermarkt 5 Touren mit
insgesamt ca. 20 Stadt- und Gemeindeteilen – im Wesentlichen im Westteil des Main-KinzigKreises - an. Eine Ausweitung des Tourenangebots wird durch den Träger des Unternehmens - das Behindertenwerk des Main-Kinzig-Kreises - in Aussicht gestellt. Zusammenfassend eröffnet sich der Region durch das Engagement des Unternehmens die Chance, Defizite in der Grundversorgung auszugleichen In gewissem Maße scheint die Nachfrage das Angebot zu regeln und Perspektiven für Betriebe und Einrichtungen zu eröffnen.
Als nahezu durchgehend gut wird die Lage der sozialen und medizinischen Versorgung eingeschätzt. Von den 11 Kommunen, die hierzu Angaben machten, schätzen Gelnhausen und
Schlüchtern ihre Lage als sehr gut ein. Weitere fünf Kommunen benennen die Situation als
gut, vier Kommunen bezeichnen sie als durchschnittlich. Auch wird in den meisten Kommunen mittelfristig keine Verschlechterung erwartet. Diese Einschätzung wird vom Bundesamt
für Bauwesen und Raumordnung im Rahmen der Raumbeobachtung bestätigt. Bei der Ausstattung mit Krankenhäusern zur Grundversorgung zählt der Main-Kinzig-Kreis zu den am
besten versorgten Landkreisen in Hessen. Für 98 % der Bevölkerung ist das nächste Krankenhaus im Individualverkehr in 15 min zu erreichen. Die Arztdichte der allgemeinen/praktischen Ärzte befindet sich im mittleren Segment.
Als ebenso gut ist die Ausstattung mit Bildungseinrichtungen einzustufen. Mit 41 Grundschulen wird die Region flächendeckend bedient. Bei den Haupt- und Realschulen finden sich 9
Schulangebote, z.T. in Verbindung mit Grundschulen. Zwei der genannten Schulen verfügen
über ein Ganztagsangebot. Drei Gesamtschulen als Ganztagsschulen und zwei Gymnasien
bilden das weiterführende Angebot. Zwei Schulen für praktisch Bildbare und diverse Förderangebote stehen zur Verfügung. Die Beruflichen Schulen in Gelnhausen und Schlüchtern
sind weitere Schwerpunkte.
Das Betreuungsangebot ist ebenfalls umfassend. Allein in der Betreuung der unter 3 jährigen
sind erhebliche Defizite zu vermelden, in 6 Kommunen fehlen derlei Angebote. Auch können
nicht für alle Kommunen Ansprechpartner für Tagespflege benannt werden. Im Bergwinkel
wurde ein eigenes Tagespflegeprojekt geschaffen.
Spezifische Strategien in der Kinder-, Jugend- und Familienpolitik weisen acht Kommunen
auf. Dabei steht vielfach das Betreuungsangebot für Kinder im Vordergrund. Nur in drei Fällen werden Angaben zu besonderen Aktivitäten gemacht. Zum Beispiel beteiligt sich die
Stadt Gelnhausen an der Bundesinitiative „Lokales Bündnis für Familien“, die Gemeinde
Freigericht hat ein Kinder- und Jugendparlament berufen. Vereinzelt werben die Kommunen
mit einer Baugrundförderung für Familien.
Wesentlich weniger Kommunen verfügen über spezifische Strategien in der Seniorenpolitik.
Nur fünf Kommunen verweisen auf ihr Angebot. Diese erschöpfen sich vielfach in den klassischen Seniorennachmittagen und der Organisation vergleichbarer Freizeitangebote. Allein
Bad Soden-Salmünster hat eine Seniorenagenda erstellt. In Bad Orb haben sich Senioren in
einem eigenen Verein organisiert. In Linsengericht wird derzeit eine Organisation „Bürger für
Bürger“ aufgebaut. Die Gemeinde Sinntal benennt einen Seniorenbeauftragten sowie einen
Förderverein als Maßnahmen.
36
Gefragt nach dem demographischen Wandel betrachten drei Kommunen den Einfluss auf
die zukünftige Entwicklung als sehr wichtig, sechs als wichtig und drei als durchschnittlich.
Mit einer Ausnahme wird angegeben, dass die Daten des demographischen Wandels in der
Kommune bekannt sind. Allerdings wird das Thema nur in acht der Städte und Gemeinden
auch in kommunalen Gremien behandelt. Am ehesten hat Bad Soden-Salmünster auf die
Entwicklung reagiert. Seit fünf Jahren stehen Fragen zum demographischen Wandel auf
dem Programm. Der größte Teil der Kommunen ist erst in den letzten beiden Jahren in die
Thematik eingestiegen. Dementsprechend besteht derzeit noch kein ausgeprägtes Bewusstsein und Handeln zu den Auswirkungen des demografischen Wandels.
1.6.2 Entwicklung der Dörfer und Städte
Die Dörfer und Städte in SPESSARTregional zeigen mit Gebäuden und Strukturen die Lebensweisen in ihrer ganzen historischen Vielfalt. Während im Bereich der Kinzigachse in den
letzten Jahrzehnten Neubaugebiete für Wohnen, Gewerbe und Handwerk entstanden, sind
die landwirtschaftlich geprägten Dörfer abseits dieses Korridors von einer Überformung verschont geblieben. Aber auch die Städtchen im Kinzigtal haben es geschafft, ihre Kerngebiete
mit Unterstützung der einfachen Stadterneuerung weitgehend zu erhalten. Als besonders
positive Beispiele treten hier Gelnhausen und Steinau in Erscheinung.
Auch mit dem Dorferneuerungsprogramm wurden in den letzten 25 Jahren in SPESSARTregional bereits 35 Dörfer erreicht. Nach Einschätzung der Kommunen konnte damit zur Bewahrung und Weiterentwicklung der ländlichen Kultur und Infrastruktur mit ihren orts- und
landschaftstypischen Erscheinungsformen beigetragen werden. Aus der Vielzahl von geförderten Projekten konnten einige herausragende Maßnahmen auf den Weg gebracht werden
(vgl. Kap. 1.7.2). Durch den Wandel der Dorferneuerung, heute neben den baulichräumlichen Themen noch stärker soziale und kulturelle Themen aufzugreifen und über Fragen der Existenzsicherung des Dorfes insgesamt nachzudenken, ist die Nachfrage zur Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm nochmals gestiegen.
Informationen zu den Gebäudeleerständen bzw. zur Unternutzung ehemals landwirtschaftlicher Hofreiten liegen nicht vor. Lediglich im Dorf Weichersbach wurde eine erste Erhebung
durchgeführt. Dabei wurde ermittelt, dass im Dorfkern bereits 7 % der Wohngebäude leer
stehen bzw. untergenutzt sind. Ähnliches wurde für die Wirtschaftsgebäude erhoben, 9 %
der Bausubstanz steht leer bzw. ist unternutzt. In die Erhebung ist allerdings noch nicht die
Altersstruktur der Bewohner eingegangen. Sieht man Weichersbach aufgrund der Lage und
Struktur als „Referenzdorf“ für SPESSARTregional an, lassen sich erste Rückschlüsse auf
die zu erwartenden Leerstände in den übrigen 85 Dörfern ziehen.
Zur Bewältigung des demographischen Wandels kommt integrierten Handlungskonzepten
zur Erhaltung und Belebung der Dorfkerne eine hohe Bedeutung zu. Auch die Dorferneuerung spielt dabei eine wichtige Rolle, kann aber alleine aufgrund der begrenzten Anerkennung von Förderschwerpunkten und Finanzmittelausstattung die Probleme nicht insgesamt
lösen.
Das baugeschichtliche Erbe in SPESSARTregional zeigt auch die Ausweisung der Denkmaltopographie: mit 1.227 Einzelgebäuden und 22 Gesamtanlagen steht die Region bei der
Erhaltung vor einer großen Herausforderung. Hier gilt es künftig Nutzungsideen zu entwickeln, ohne die eine Erhaltung der Gebäude nicht möglich sein wird. Es ist aber auch der
regionale Konsens zu erreichen, dass auch ein Abriss von Gebäuden zur Verbesserung des
Wohnumfeldes im Einzelfall möglich sein muss und qualitätsvolle Neubauten in Architektur
und Gestaltung den traditionellen Vorgaben folgen können.
37
1.6.3 Regionale Identität
Der „Hessische Spessart“ ist eine Bezeichnung aus der Geographie, der Politik, der Verwaltung und anderer Sachgebiete. Der „Hessische Spessart“ ist aber Teil des Naturraums
Spessart und eigentlich nicht isoliert davon zu sehen. Für die gemeinsame Arbeit am Regionalen Entwicklungskonzept wurde konsequent der Begriff SPESSARTregional eingeführt.
Einerseits wird damit die Zugehörigkeit zum Naturraum jenseits der Verwaltungsgrenzen
dokumentiert. Andererseits wird zum Ausdruck gebracht, dass es sich um eine handlungsfähige Region handelt. Eine regionale Identität der Bewohner des hessischen Spessart ist
nicht sehr ausgeprägt.
Die Gründe dafür sind vielfältig:
ƒ
Die Grenzen und Eigentumsverhältnisse wechselten über viele Jahrhunderte immer wieder in verschiedene Richtungen. Eine traditionelle Zugehörigkeit des hessischen Spessart hat so nie bestanden.
ƒ
Volkskundlich sind die Bewohner des hessischen Spessart, Franken, genau wie im bayerischen Spessart. In Bayern hat sich das Selbstverständnis als Unterfranken bis heute
gehalten und die regionale Identität ist deutlicher ausgeprägt.
Das Kinzigtal mit der wichtigen Handels- und Heerstraße von Frankfurt nach Leipzig hat
die Menschen aus den Seitentälern deutlich geprägt und beeinflusst. Bei Grimmelshausen ist in seinem Simplicius Simplicissimus nachzulesen, wie im dreißigjährigen Krieg die
Heerscharen durch das Tal zogen und den Krieg in den letzten Winkel brachten. Damals
lebten die Menschen vom Wald und der kargen Landwirtschaft
Zu Beginn der Neuzeit wurde der Handel intensiver, Erwerbsmöglichkeiten waren neben
der Landwirtschaft eher im Kinzigtal und im Rhein-Main-Gebiet zu finden. Diese Entwicklung hat sich über Jahrzehnte immer weiter verstärkt und ist durch den Autobahnbau
noch weiter forciert worden. So ist im kleinen Dorf Ahlersbach im Schlüchterner Becken
der größte Arbeitgeber der Flughafen in Frankfurt
Wenn die Menschen zur Arbeit verstärkt in den Ballungsraum fahren, so ist beim Wohnen eine umgekehrte Entwicklung zu verzeichnen. Die Neubaugebiete der Spessartgemeinden, und besonders die in unmittelbarer Kinzigtal- und Autobahnnähe, sprechen hier
eine deutliche Sprache. Mit den „Rhein-Main-Auswanderern“ bekam die dörfliche Identität und auch die regionale Identität Konkurrenz. Eine Einbindung und Integration in die
dörflichen Kulturträger fand und findet oft nicht statt.
Im Spessart bestehen Gesamtgemeinden, deren Ortsteile auch der Rhön, dem Vogelsberg und auch dem Schlüchterner Becken zuzuordnen sind. Dies ist eine Folge der Gebietsreform und hat die Identitätsbildung weiter behindert, bzw. gar nicht mehr entstehen
lassen.
Die Presselandschaft im Hessischen Spessart ist zweigeteilt. Die Fuldaer Zeitung im
Schlüchterner Becken berichtet fast nichts über den Spessart und die Kreisteile im Westen. Die Gelnhäuser Zeitungen berichten wiederum nichts aus dem Schlüchterner Becken. So wissen einige Nachbardörfer nichts von den Aktivitäten der Nachbarn. Die Informationskontakte nach Bayern sind noch dürftiger.
Die Sportvereine im Osten sind in den Fußball- und Handball Ligen immer nach Fulda hin
eingebunden. Erst ab Wächtersbach sind die Sportler der westlichen Region zugeordnet.
Es findet im Sport über die Presse hier keine gegenseitige Information statt.
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Die Beteiligung der Akteure am Entwicklungsprozess des Konzeptes und die intensive Auseinandersetzung in den Arbeitskreisen hat in einem ersten Schritt die persönliche Begegnung bewirkt und zum Abbau von Informationsdefiziten beigetragen. Eine Vielzahl von Menschen konnte für die Gestaltung ihrer Region motiviert werden (vgl. Kap. 4).
38
1.7
Bisheriger Einsatz strukturverbessernder Programme und Maßnahmen
Der bisherige Einsatz strukturbedeutsamer Instrumente wurde nachfolgend für die Jahre
2000 bis 2006 zusammengestellt. Für den Bereich der Tourismusförderung und der Biorohstoffanlagen konnten keine Daten erfasst werden. Eine Beteiligung am Programm Stadtumbau West hat in den vergangenen Jahren noch nicht stattgefunden.
Neben den im Verband von SPESSARTregional vertretenen Institutionen kann an folgenden
Initiativen in der Region angeknüpft werden bzw. sind diese in den Prozess zur Erstellung
des REK eingebunden. Die Kommunen im Bergwinkel arbeiten seit 2003 in einem Netzwerk
zusammen. Gemeinsame Messeauftritte und der Bergwinkelmarkt gehören zu den Aktivitäten. Für den Bereich Bildung und Qualifizierung ist das Netzwerk „Lernende Regionen MainKinzig + Spessart“ maßgeblicher Partner im regionalen Entwicklungsprozess (vgl. Kap.
1.3.3).
Anzumerken ist, dass der Verband SPESSARTregional nach Nichtanerkennung als LEADER+ - Gruppe Mitte 2002 keine Motivation zur weiteren Arbeit hatte. Es wurde ernsthaft
über die Auflösung des Verbandes nachgedacht. Die in diesem Zeitraum geförderten Projekte sind ausschließlich auf Einzelinitiative im Bereich Kultur und Tourismus zurück zu führen.
Erst Anfang 2005 nach Verpflichtung eines Regionalmanagers sind gemeinsame Aktivitäten
entstanden.
Tab. 6:
Einsatz des Förderprogramms zur regionalen Entwicklung 2000-2006
kommunal
Fallzahlen
privat
Gesamt
6
14
20
Gesamtinvestitionen in €
700.100
625.300
1.325.400
Förderfähige Kosten in €
695.100
602.100
1297.200
Zuschuss in €
367.400
181.400
548.800
Quelle: Main-Kinzig-Kreis
An der Dorferneuerung haben im Main-Kinzig-Kreis bis jetzt 65 Ortsteile teilgenommen, davon liegen 35 Ortsteile in SPESSARTregional (vgl. A 8). Das Programm bietet in Zeiten
knapper werdender Mittel die Möglichkeit, die Lebensqualität in den ländlichen Orten nachhaltig zu erhöhen. Daher wird die Dorferneuerung als Chance begriffen, so dass sich regelmäßig mehr Orte um die Anerkennung bemühen, als neue aufgenommen werden können.
Tab. 7:
Einsatz des Förderprogramms Dorferneuerung 2000-2006
kommunal
Fallzahlen
privat
Gesamt
97
214
311
Gesamtinvestitionen in €
3.459.300
5.618.100
9.077.400
Förderfähige Kosten in €
3.355.200
5.262.200
8.617.400
Zuschuss in €
2.222.600
1.507.500
3.730.100
Quelle: Main-Kinzig-Kreis
Die Teilnahme am hessischen Dorferneuerungsprogramm setzt zunächst die Anerkennung
als „Förderschwerpunkt“ durch das HMUVL voraus. Mit Schlüchtern-Hohenzell ist ein sehr
erfolgreicher Förderschwerpunkt ausgelaufen, dafür ist Steinau-Marborn als neuer Schwerpunkt anerkannt worden. Da die Teilnahme an der Dorferneuerung für die jeweilige Kommune ein finanzieller Kraftakt ist, nimmt im Regelfall jeweils nur ein Ortsteil einer Kommune am
Dorferneuerungsprogramm teil. Die in der Tabelle aufgeführten Orte sind derzeit im Programm. Betreut werden die Verfahren durch das Amt für Umwelt, Naturschutz und Ländlicher
Raum des Main-Kinzig-Kreises.
39
Tab. 8:
Leitbilder und Schwerpunktsetzung aktueller Dorferneuerungsschwerpunkte
Gemeinde
Bad SodenSalmünsterAhl
Jossgrund Burgjoß
Freigericht Neuses
Biebergemünd Kassel
Sinntal Oberzell
WächtersbachWittgenborn
Leitbild
Motto: "aus Ahl mach neu", Verkehrsberuhigung, Erhaltung der Wohn- und Lebensqualität, Wirtschaftliche Stärkung, Erhalt
der Dorfgemeinschaft, Schaffung eines
Kommunikationsortes, Weiterentwicklung
des Tourismus
Wiederbelebung des Tourismus, Mitbestimmung bei der zukünftigen Energieversorgung "Energiedorf", Dorfmitte als Treffpunkt: „Miteinander aller Generationen“
Schwerpunktsetzung
Wohnqualität und Tourismus erhalten,
Rückbau der Ortsdurchfahrt, Durchgrünung
des Ortes, Sanierung und Erweiterung der
Alten Schule als Gemeinschaftszentrum
Dorfchronik
Erhalt des attraktiven Wohnstandortes,
Verbesserung der vorhandenen Vereinstätigkeiten und des Kulturlebens, Verbesserung / Schaffung von Einrichtungen für den
Gemeinbedarf, ökologische, verkehrstechnische und städtebauliche Verbesserungen im Ortskern
"Der Mittelpunkt des Dorfes ist der
Mensch." "Die eigene Entwicklung des
Dorfes selbst in die Hand nehmen." Sicherung und Verbesserung von vorhandenen
Arbeitsplätzen, Steigerung der Wohn- und
Aufenthaltsqualität und Erhalt der historischen Bausubstanz, Tourismusentwicklung
"Wir wollen unser Dorf für die Zukunft fit
machen!" Stärkung der Dorfgemeinschaft,
funktionale Synergieeffekte des Bürgerhauses mit dem Neubau des Feuerwehrgerätehauses, Verkehrsberuhigung der
belasteten Ortsdurchfahrt durch Schwerlastverkehr, Bewahrung des Wohnstandortes, Entwicklung der Vielfalt dörflicher
Lebensformen
Erhalt der Wohnqualität und der Arbeitsplätze, Sicherung der örtlichen Eigenentwicklung, Aufwertung des Ortskernes,
Verbesserungen der Naturschutz- und
Freizeitqualität, Stärkung des kulturellen
Lebens, Erhaltung und Entwicklung der
örtlichen Grünstruktur
Städtebaulicher Rahmenplan in Teilbereichen, Umbau und Sanierung der Turnhalle,
des Dorftreffs und der Alten Kapelle für
Gruppen und Vereine, Schaffung multifunktional nutzbarer Räumlichkeiten
Regionale Tourismusprojekte, Gründung
einer Genossenschaft für ein zentrales
Holzhackschnitzelheizwerk, Neugestaltung
Ortsmitte
Bürgertreff Altes Rathaus (multifunktionale
Nutzung durch die evangelische Kirche,
Vereine und Gruppen), Neubau Seniorenpflegeheim in der Ortsmitte, Verbesserung
der Verkehrssituation im Verlauf der Ortsdurchfahrt, Gestaltung der Freifläche der
Ortsmitte, Sanierung und Umbau von
Wohn- und Nebengebäuden
Sanierung und Anbau des Bürgerhauses
und Feuerwehrgerätehauses zur Schaffung
eines Zentrums, Begrünungsmaßnahmen,
Sanierung und Umbau von Wohnhäusern
und Nebengebäuden, Schaffung von Entwicklungsmöglichkeiten für Gewerbe
Sanierung und Umbau von Gebäuden,
Anpassung an den heutigen Wohnstandard, Gestaltung von Platz- und Straßenräumen incl. Begrünungsmaßnahmen,
Töpfermuseum, Wiederaufbau des Bornrades, Anlage eines Naturlehrpfades um den
Weiher
Als besonders beispielhaft sind folgende Projekte der letzten Jahre zu benennen.
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
In Kassel wurde das alte Rathaus saniert und umgebaut und erhielt einen Raum zur sakralen Nutzung durch die Evangelische Kirche. Der Neubau eines Seniorenzentrums im
Ortskern wurde gefördert.
In Wittgenborn wurde im alten Backhaus, das als solches noch in Betrieb ist, parallel ein
Töpfermuseum eingerichtet. Beides wird von den ansässigen Landfrauen betreut.
In Burgjoß konnte eine Machbarkeitsstudie bearbeitet werden, die zur Entscheidungsfindung für eine zukünftige Wärmeversorgung durch eine zentrale Holzhackschnitzelheizung beiträgt. Hieraus könnte sich ein besonderes Projekt entwickeln, das die natürlichen
Ressourcen des Spessarts nutzt und zum Modell für andere Orte werden kann.
In Schwarzenfels sind die vorhandenen Fußwegeverbindungen im denkmalgeschützten
Ortskern ausgebaut und neu gestaltet worden. Im Rahmen der Dorferneuerung konnte
auch die Laien-Theatergruppe, die in der Burgruine Stücke aufführt, unterstützt werden.
In Hintersteinau ist unter großem Bürgerengagement mit Hunderten von unbezahlt geleisteten Arbeitsstunden das Bürgerhaus umgebaut und erweitert worden.
40
Im Bereich der Flurneuordnung sind - ungeachtet der Flächen im Gutsbezirk Spessart und
im der Bereich der Stadt Gelnhausen, in denen kein Neuordnungsbedarf besteht - bis zum
heutigen Tag nahezu alle Gemeinden der Region von einem Flurbereinigungsverfahren nach
§ 1 FlurbG erfasst worden. Ausnahmen bestehen lediglich für Bereiche von Bad Orb und die
Gemarkungen Hesseldorf sowie Weilers der Stadt Wächtersbach.
Die Vielzahl der Flurbereinigungsverfahren wurde in einem Zeitraum ab 1900 durchgeführt.
Als Ausnahmen sind die Gemarkungen Wahlert, Eckardroth, Romsthal und Kerbersdorf der
Gemeinde Bad Soden-Salmünster anzuführen. Hier wurden die Neuordnungsverfahren bereits bis zum Jahr 1900 zum Abschluss gebracht. Die aktuell anhängigen Flurbereinigungsverfahren Bad Soden-Salmünster/Ahl, Steinau und Schlüchtern/Niederzell dienen der Umsetzung des Großbauvorhabens Bundesautobahn 66. Anlass für die Anordnung des Verfahrens Sinntal/Mottgers war der Bau der ICE Trasse Fulda-Würzburg. Die Kosten wurden in
diesem Fall von der Straßenbauverwaltung getragen. Mit Ausnahme des Verfahrens Steinau
sind die neu gestalteten Grundstücke bereits in die Örtlichkeit übertragen und in die Nutzung
übernommen worden. Auch die Neugestaltung des Wege- und Gewässernetzes in der Örtlichkeit, sowie die Ausführung landschaftspflegerischer und landschaftsgestaltender Maßnahmen sind abgeschlossen. Die zurzeit noch anhängigen Flurbereinigungsverfahren Wächtersbach/Aufenau (Teilgebiet II) und Schlüchtern/Hutten stehen kurz vor ihrem formellen Abschluss. Die Ausführungen nach dem Flurbereinigungsplan sind bereits bewirkt.
Durch die umgesetzten Maßnahmen wurden die Ziele der Flurbereinigungsverfahren entsprechend ihrer jeweiligen Zeit erreicht. Durch den ständigen Strukturwandel der Landwirtschaft kann davon ausgegangen werden, dass die Neuordnung nicht mehr überall nachhaltig
wirkt.
Von zumeist kreisweit agierenden Trägern wurde eine Vielzahl von sozialen Projekten
durchgeführt, die auch in der Region ihre Wirkung zeigten. Die ESF- Fördermaßnahmen
garantieren insbesondere in der AQA gGmbH den weit über die Grenzen bekannten Erfolg
bei der Vermittlung oder Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen, älteren Arbeitnehmern und
Berufsanfängern - ohne entsprechende Qualifikation(vgl. Kap. 1.3.3).
Tab. 9:
Fördermaßnahmen nach ESF seit 2000
Träger
VHS
Projekt
Lernende
Regionen
Gesamtinvestitionen in €
Förderfähige
Kosten in €
Zuschuss in €
Main-Kinzig-Kreis
Kultur und Sport
Dopingprävention
Main-Kinzig-Kreis
Sozialamt / AQA
HARA –
Regionale Arbeitsmarktpolitik
2000 - 2004
Main-Kinzig-Kreis
Sozialamt / AQA
PIA –
Passgenau in Arbeit
2006/07
200.000
220.000
468.263
756.590
200.000
220.000
468.263
756.590
90.000
100.000
468.263
756.590
Quelle: Main-Kinzig-Kreis
41
1.8
Zusammenfassende SWOT-Analyse
In der SWOT-Analyse werden die Stärken und Schwächen wie auch die Chancen und Risiken für SPESSARTregional formuliert. Die Analyse stellt in kurzer und prägnanter Form die
Erkenntnisse aus der Regionalanalyse zusammen. Sie bildet die Grundlage für notwendige
und mögliche Handlungsbedarfe der Region. Die Handlungsbedarfe können sich aus den
bereits vorhandenen Stärken der Region ergeben, die es in geeigneter Weise weiter zu entwickeln gilt. Ansätze ergeben sich aber auch aus erkennbaren Schwächen, da sie Defizite
ausweisen und einen Nachholbedarf in der Entwicklung signalisieren. Die SWOT-Analyse
basiert in erster Linie auf den faktischen Ergebnissen der Regionalanalyse. Zusätzlich sind
die Einschätzungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Workshops und Arbeitskreise
eingeflossen. Diese führten einerseits zur Bestätigung und Verdichtung von Ergebnissen,
andererseits konnten einzelne für die Region wichtige Aussagen durch Experten gesichert
aufbereitet werden. Der Aufbau der Analyse orientiert sich an der Gliederung der Regionalanalyse. Zusammenfassend sind die Analysefelder Lebensraum, Wirtschaftsraum und Naturraum dargestellt. Entwicklungshemmende und fördernde Faktoren sind, sofern sie in mehreren Felder wirken, auch mehrfach benannt.
Das Analysefeld Lebensraum beschäftigt sich mit der Bewertung des Gebietes, der Bevölkerungsstruktur, den Auswirkungen des demographischen Wandels und der Lebensqualität.
Analysefeld Lebensraum
Stärken
Schwächen
ƒ SPESSARTregional klar umgrenzter geografischer Teil des Naturraums Spessart
ƒ Nähe zur Metropolregion Rhein-Main
ƒ Ländlicher Raum mit hoher Lebensqualität
ƒ Stabile Bevölkerungsentwicklung
ƒ Leicht überdurchschnittlicher Anteil junger
Menschen
ƒ Zentrale Lage in Deutschland mit guter überregionale Verkehrsanbindung
ƒ Gutes Angebot an Bauplätzen
ƒ Gute Ausstattung mit Schulen
ƒ Herausragende medizinische Versorgung
ƒ Gute Vereinsstrukturen und vielfältige
Freizeitangebote
ƒ Heterogene Struktur und Entwicklungsunterschiede innerhalb der Region
ƒ Einzelne Kommunen von hohem Bevölkerungsrückgang betroffen
ƒ Überalterung mit alternden Brennpunkten
ƒ Tendenz zur Abwanderung der 15 / 20 jährigen und 20 / 30 jährigen
ƒ ÖPNV unzureichend
ƒ Abbau der VHS
ƒ Defizite der Grundversorgung und mangelnde
Koordination zur Sicherung
ƒ Defizite in der Betreuung unter 3 Jähriger
ƒ Wenig attraktive Einzelhandelsstandorte
ƒ Vernachlässigte „Innenentwicklung“ mit
Leerstand zur Folge
ƒ Öffentliches und politisches Bewusstsein zum
demographischen Wandel wenig ausgeprägt
ƒ Nur vereinzelt kommunale Strategien zur
Familien- und Seniorenpolitik
ƒ Keine regionale Identität „Spessart“
ƒ Kein „Spessartzentrum“, alle Aktivitäten orientieren sich zum Spessartrand
ƒ Diversifizierte Presselandschaft behindert
Austausch der regionalen Akteure
ƒ Wenig partnerschaftliche Zusammenarbeit
der hessischen und bayerischen Akteure
ƒ Interkommunale Zusammenarbeit auf einige
wenige Kommunen beschränkt
42
Chancen
Risiken
ƒ Nähe zur Metropolregion und ländlicher
Raum mit hoher Lebensqualität
ƒ Aufbau regionaler Identität als Basis regionalen Handelns für SPESSARTregional und den
Gesamtspessart
ƒ Gestaltung des demographischen Wandels
unter Mobilisierung der jungen Potentiale und
Strategien für den 3. Lebensabschnitt
ƒ Stärkung der Innenentwicklung der Dörfer
und Städte als Wohn- und Einkaufsstandorte
ƒ Interkommunale Zusammenarbeit für eine
angepasste Sicherung und Entwicklung von
Versorgungseinrichtungen
ƒ Verstärkung der innerregionalen Disparität
ƒ Bevölkerungsrückgang mit Abbau des Infrastruktur- und Dienstleistungsangebots, insbesondere im inneren Spessart und Bergwinkel
ƒ Mangelnde Kooperationsbereitschaft der
regionalen Akteure
ƒ Verschärfung der öffentlichen Haushaltslage
ƒ Verwaltungstechnische Hürden der hessischbayerischen Zusammenarbeit
Das Analysefeld Naturraum trifft Aussagen zu den natürlichen und kulturhistorischen Ressourcen sowie zu den auf natürliche Grundlagen basierenden Wirtschaftsbereichen.
Analysefeld Naturraum
Stärken
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Hohe naturräumliche Ausstattung
Charakteristische Kulturlandschaft
Hohe Biodiversität
Einzigartiger Biberlebensraum
Hoher Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen
Große kulturhistorischen Potentiale
Naturpark Spessart als flächendeckende
Handlungsebene für Naturschutz und Landschaftspflege
Vielfältiges Angebot im Bereich der Naturund Umweltpädagogik
Waldreichtum und Holz als Energiequelle
Hohe Anteile von „grünem“ Strom
Schwächen
ƒ Ungünstige natürliche Vorraussetzungen für
die Landwirtschaft
ƒ Anhaltend starker Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe
ƒ Rückzug der Nutztierhaltung verbunden mit
einer Unternutzung der Grünlandflächen
ƒ Geringe diversifizierte Einkommen
ƒ Fehlende Identifikation der Produzenten und
Konsumenten mit regionalen Produkten
ƒ Qualität der Direktvermarktung unzureichend
ƒ Unzureichende Vermarktung von „SpessartProdukte“
ƒ Massiver Arbeitsplatzabbau im Wald
ƒ Unzureichende Koordination der Aktivitäten
im Bereich der Biomassenutzung
ƒ Geringe regionale Verarbeitung von Holz
ƒ Kulturhistorisches Kapital bleibt ungenutzt,
vorhandene Angebote werde nicht ausreichend vermarktet
ƒ Zu schwache Verknüpfung der natur- und
kulturhistorischen Angebote mit dem Tourismus
Chancen
Risiken
ƒ Nutzung der naturräumlichen und kulturhistorischen Potentiale
ƒ Biodiversität durch landwirtschaftliche Nutzung sichern
ƒ Diversifizierung landwirtschaftlicher Einkommen durch regionale Produkte, landtouristische Angebote, nachwachsende Rohstoffe
ƒ Verknüpfung Landwirtschaft und Tourismus
ƒ Weiträumige Nutzungsaufgabe und Verlust
der charakteristischen Kulturlandschaft
ƒ Entwicklung der Rahmenbedingungen zur
Förderung der Landschaftspflege
ƒ Wirtschaftliche Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien mit Risiko behaftet
ƒ Landnutzungskonflikte im Spannungsfeld von
Energieproduktion und Kulturlandschaft
43
Im Analysefeld Wirtschaftraum sind die Ergebnisse aus der wirtschaftlichen Ausgangslage
und den Wirtschaftsbereichen Industrie, Handel, Tourismus und Gesundheit aufbereitet.
Analysefeld Wirtschaftraum
Stärken
Schwächen
ƒ Nähe zu Rhein-Main-Gebiet
ƒ Niedrige Arbeitslosenquote
ƒ Vielzahl qualifizierter Handwerksbetriebe und
Industriebetriebe
ƒ Hochtechnologie-Betriebe
ƒ Herausragende Infrastruktur und Netzwerke
im Gesundheitswesen
ƒ Kooperation/Netzwerk Bildung/Weiterbildung
ƒ Gutes Angebot Industrie- / Gewerbeflächen
ƒ Engagierte Gewerbevereine
ƒ National bekannter Destinationsname „Spessart“
ƒ Hohes Tagesbesucheraufkommen
ƒ Vielfalt kulturelle Angebote
ƒ Zwei Kurorte mit vielfältigem Angebot
ƒ Prädikat „Wellness im Kurort“
ƒ Erlebnisangebote Märchen/Räuber
ƒ Gute Infrastruktur HOGA
ƒ Übergang v. verarbeitenden Gewerbe zum
Dienstleistungsbereich sehr zögerlich
ƒ Keine Innovationsbündnisse
ƒ Mangel qualifizierter Lehrstellenbewerber
ƒ Breitband-Anbindung nicht ausreichend
ƒ Gastgewerbe als Wirtschaftsfaktor von Entscheidungsträgern wenig anerkannt
ƒ Rückgang von Ausbildungsplätzen im Gastgewerbe
ƒ Hohes Pendleraufkommen
ƒ Zentrale Orte in ihrer Entwicklung als Einkaufsstandorte vernachlässigt
ƒ Destination zu schwach ausgeprägt, Inhalte
u. Identität von „Spessart“ wird am Markt nicht
kommuniziert
ƒ Fehlende zentrale Vermarktung aller hessisch-bayerischen Tourismusangebote im
Spessart
ƒ Kein ausgeprägte touristische Profilbildung
ƒ Marktanteilverluste in den letzten Jahren
ƒ Schlechte „Gastgeber“ und Defizite in der
Modernisierung der Betriebe (Bezug vorne?)
ƒ Konkurrenzsituation der beiden Kurorte
ƒ Geringe Investitionsbereitschaft/Finanzkraft
zur Modernisierung touristischer Strukturen
ƒ Mängel in der Infrastruktur und Qualitätssicherung im Bereich Wandern und Radwandern
Chancen
Risiken
ƒ Weiche Standortfaktoren als Beitrag einer
zukunftsorientierten Wirtschaftspolitik
ƒ Innenstadtentwicklung und Stadtmarketing
ƒ Interkommunale Zusammenarbeit als Wirtschaftsfaktor
ƒ Bündelung der Kräfte von Wirtschaft und Regionalmanagement
ƒ Förderung und Qualifizierung von KMUs
ƒ Profilbildung im Bereich der Gesundheit durch
die beiden Kurorte
ƒ Kultur/Historie als Wirtschaftsfaktor
„Brüder Grimm“ und Kulturveranstaltungen
ƒ Verknüpfung Natur, Kultur und Tourismus zur
Angebotsentwicklung
ƒ Bildung der Destination Spessart
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Allgemeine Tendenz zur Abwanderung von
Arbeitsplätzen im Produzierenden Gewerbe
Weiterer Attraktivitätsverlust der zentralen
Orte mit negativen Auswirkungen für die
Grundversorgung und den Tourismus
Weitere Marktverluste und Rückgang der
Übernachtungszahlen bei zögerlicher Destinationsentwicklung
Fehlende Qualitätsoffensive im Tourismus
mit der Gefahr weiterer Marktverluste
Kommunalpolitik und Verwaltungsstrukturen
als Hemmschuh touristischer Kooperationen
44
1.9
Handlungsbedarf und Handlungsfelder
Der vordringliche Handlungsbedarf für SPESSARTregional ergibt sich einerseits aus dem
konsequenten Ausbau von Stärken, andererseits aus der Beseitigung eindeutig formulierter
und realistisch zu beseitigender Schwächen. Chancen, die absehbar zu einer nachhaltigen
Entwicklung der Region führen, sollen aufgegriffen werden. Risiken, die eine Beeinträchtigung der Lebens- und Erholungsqualität von SPESSARTregional nach sich ziehen, sind zu
minimieren, sofern sie durch regionale Entwicklungsstrategien beeinflusst werden können.
Basierend auf diesen Grundsätzen lassen sich die Handlungsfelder „Regionale Identität“,
„Natur- und Kulturlandschaft“, „Gesundheitswirtschaft“ und „Lebens- und Arbeitsort“ ableiten.
Sie bündeln die in den Analysefeldern benannten Stärken und Schwächen, setzen bei den
größten Entwicklungspotentialen und Erfordernissen an und leisten einen Beitrag zur Bewältigung der Risiken.
Das Handlungsfeld „Regionale Identität“ knüpft im Sinne identitätstiftender Potentiale an die
Stärke der geographisch begrenzten Gebietskulisse und die Kulturgeschichte von SPESSARTregional an. Einhergehend mit einem gesunden Selbstverständnis, schafft erst die regionale Identität die Grundlage für ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes regionales Handeln.
Die Schwäche der „fehlenden Identität“ ist zu beseitigen. Die Hemmnisse in der Kommunikation, das fehlende „Spessartzentrum“ wie auch die Defizite in der länderübergreifenden Zusammenarbeit sind zu beheben Für das Handlungsfeld ergeben sich insofern erfolgversprechende Ansätze, da mit der Erstellung des REK viele Bürgerinnen und Bürger zur aktiven
Gestaltung ihrer Region mobilisiert werden konnten (vgl. Kap. 4). Auch für eine länderübergreifende Zusammenarbeit ergeben sich durch die LEADER-Bewerbung des bayerischen
Spessart verbesserte Rahmenbedingungen. Bis zum März 2008 wird ein regionales Entwicklungskonzept durch den Landkreis Miltenberg und die fünf, ebenfalls zum Spessart gehörenden, Gemeinden des Landkreises Aschaffenburg erstellt.
Für das Handlungsfeld „Natur- und Kulturlandschaft“ werden die naturräumlichen und kulturhistorischen Potentiale sowie die Risiken zum Erhalt der Kulturlandschaft zusammengeführt.
Parallel zur Stabilisierung der Landwirtschaft und der Nutzung des Waldreichtums zur Energiegewinnung, ist die Schutz- und Erholungsfunktion gleichbedeutend als eine der Stärken
auszubauen. In Folge begründen sich vertiefende Schwerpunkte. Zum einen sind die
Schwächen in der Diversifizierung landwirtschaftlicher Einkommen zu beseitigen, zum anderen ist der Bereich der landschaftsgebundenen Aktivurlaubsarten aufzuwerten. Der Begriff
der Kulturlandschaft versteht sich im doppelten Sinne. Die kulturhistorischen Potentiale, insbesondere der Themenkomplex Märchen sind aufgrund der vielfältigen Verknüpfungen bewusst dem Handlungsfeld zugeordnet. Durch die Nutzung beider Potentiale für eine touristische Profilbildung soll den besonderen Chancen von SPESSARTregional Rechnung getragen werden. Die Bearbeitung des Handlungsfeldes ist trotz der Komplexität aussichtsreich,
da die Bereitschaft zum gemeinsamen Handeln außerordentlich hoch ist. Der Verband, der
Kreisbauernverband, der Naturpark Spessart und der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig
ziehen an einem Strang. Die „Kultur“-landschaft betreffend herrscht breiter Konsens darüber,
dass die Kulturgeschichte von SPESSARTregional endlich als eine Eigenständige gewürdigt
und für Menschen und Besucher der Region erlebbar gemacht werden soll.
Im Handlungsfeld „Gesundheitswirtschaft“ kommen die Stärken des Kur- und Bäderwesens
und die des regionalen Gesundheitswesens zum Tragen. Dabei ist die Chance zur Profilbildung einer Gesundheitsregion nur in einer umfassenden Kooperation der beiden Kurorte und
dem Abbau der genannten Defizite zu sehen. Flankierend sind die Stärken und Schwächen
in der Kulturwirtschaft in Verbindung mit dem Kurwesen zu bearbeiten. Gemäß der Definition
der Gesundheitswirtschaft, ist die Förderung von Unternehmen, die sich mit Gütern und
Dienstleistungen zur Wahrung und Wiederherstellung der Gesundheit befassen, als weitere
Perspektive zu beachten. In der Summe ist das Handlungsfeld außerordentlich chancenreich, doch unterliegt es wie kein anderes den kommunalpolitischen Einflüssen der beiden
45
Kurorte. Gerade hier kann das Regionalmanagement in neutraler Position und an Sachfragen orientiert im Sinne einer nachhaltigen Regionalentwicklung besonders positiv wirken.
Das Handlungsfeld „Lebens- und Arbeitsort“ fasst die für den Lebensraum und Wirtschaftsraum formulierten Stärken und Schwächen zusammen. Der Stärke einer vergleichsweise
stabilen Bevölkerungsentwicklung für die Region, stehen die Schwächen der innerregionalen
Diskrepanz von Zuwachs und Schrumpfung der einzelnen Kommunen gegenüber, die sich in
dem Risiko einer regionalen Entwicklungsschere niederschlägt. Gleichzeitig ist die Region
für den demographischen Wandel noch nicht ausreichend gerüstet, wenn auch in der Gestaltung desselben größte Chancen gesehen werden. Defizite in der Innenentwicklung und der
Versorgung sind abzubauen. Bezogen auf den Arbeitsort gilt es, an die Stärke der „jungen“
Bevölkerungspotentiale anzuknüpfen und diese mit Qualifizierung und Ausbildung zu gewinnen. Durch die direkte Betroffenheit und die spürbare Einschränkung der Lebensqualität ist
das Problembewusstsein der regionalen Akteure für das Handlungsfeld geschärft und das
Engagement und die Handlungsbereitschaft hoch. Auch sind die Ansätze zur interkommunalen Zusammenarbeit zukunftsträchtig.
Wenn auch die Schwächen in der Destinationsentwicklung des Spessart als besonders hoch
bewertet werden, sind diese nicht ausdrücklich in einem der Handlungsfelder benannt. Während der Bearbeitungszeit des REK wurden die Weichen für die länderübergreifende Destinationsentwicklung gestellt (vgl. Kap. 1.4.4). Für 2008 ist die gemeinsame Bildung der Destination geplant. SPESSARTregional bzw. der VSR als Regionalforum setzen konsequent auf
die gemeinsame Destination. Mit der neuen Organisationseinheit soll nach bisherigen Verlautbarungen die Markenführung und das Themenmarketing gebündelt werden. Neben der
bisherigen Produktvermarktung, dem Erlebnis- und dem Aktivurlaub wird sich der Spessart
zukünftig auch als Gesundheitsregion präsentieren. Mit den Handlungsfeldern wie auch den
nachfolgend formulierten Zielen wird den zu erwartenden Entwicklungen Rechnung getragen.
In der 1997 erstellten „Entwicklungskonzeption für die „Spessart - Region“ werden vergleichbare Handlungsfelder nicht ausdrücklich benannt. Vielmehr sind strategische Leitlinien und
Oberziele formuliert, die in Kap. 2 bearbeitet werden.
46
1.10
Entwicklungsszenarien für SPESSARTregional
Der Blick in die Zukunft hat in der Regel etwas Aufregendes: Beim Blick in die Zukunft, entstehen stehen Bilder vor den Augen von etwas, das noch nicht ist, aber sein könnte. Szenarien können zum Nachdenken anregen - also rechtzeitig darauf aufmerksam machen, wie
wichtig es ist, früh in erkennbare Entwicklungstendenzen einzugreifen und zu handeln.
Im Rahmen des Spessartkongresses 1995 wurden bereits damals zwei Szenarien für das
Jahr 2025 entworfen, die nach wie vor nicht an Aktualität verloren haben. Dabei wurde ein 30
Jahre entfernter Zustand als plakatives Bild dargestellt. An dieser Stelle soll eine Kurzfassung aufzeigen, dass Trend und Alternative heute immer noch denkbar sind:
Trendszenarium
Die Metropolregion Rhein-Main vereinnahmt den Spessart, die Entwicklung wird fast vollständig von außen, aus der Rhein-Main-Region gesteuert. Der Spessart wird das wichtigste
Zentrum für Freizeit und Tourismus. Es gibt einen Regionalpark Spessart, der an den Wochenenden von den „Städtern“ bevölkert wird. Weiche Standortfaktoren und Datenautobahn
ermöglichen Hauptsitze des Dienstleistungssektors im ländlichen Raum. Land- und Forstwirtschaft sind der Park-Pflege untergeordnet und orientieren sich an den jeweiligen Freizeitinteressen der städtischen Gesellschaft. Entlang der Hauptverkehrsachsen ist eine Urbanisierung eingetreten, die von Dienstleistungsbetrieben und Shopping Malls gekennzeichnet
sind. Landkreise, Planungsverbände und Regierungsbezirke sind abgeschafft, für die Metropolregion gibt es die Regierung Rhein-Main.
Alternativszenarium
Das Alternativszenarium versucht aufzuzeigen, ob die Zukunft nicht auch ganz anders aussehen könnte. Es rechnet alle Entwicklungen herunter, und setzt am endogenen Potential
des Spessarts an. Der Spessart entwickelt sich aus sich selbst heraus. Der Wald spielt dabei
die Hauptrolle, die gewohnte Kulturlandschaft verschwindet, da die Landwirtschaft ohne finanzielle Förderung nicht mehr lebensfähig ist.
Die Rhein-Main-Region hat den Wettbewerb mit den anderen europäischen Metropolregionen verloren. Frankfurt muss seine wichtigste Funktion als Dienstleistungs- und Bankenstandort an Berlin abgeben. Eine erneute Stadtflucht hat begonnen, die Großstadt wird durch
die drei großen A´s gekennzeichnet: Arme, Alte und Ausländer.
Der Spessart sucht sich seinen eigenen Weg. Er vermarktet sein jahrhundertealtes Potential:
den Wald. Aufgrund der weltweit veränderten ökologischen Rahmenbedingungen (striktes
Verbot der Nutzung von Tropenholz) hat die Holzproduktion wieder eine ungeahnte wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Die private Holzwirtschaft in Verbindung mit schnell wachsenden, resistenten Baumsorten sorgt für den Exportschlager Holz in Form des „SpessartHauses“ und weiterer Holzprodukte.
Den ehemaligen Spessart-Wiesen wird das Gütesiegel „Besonders wertvoll – kräuterreiches
Spessart-Heu“ verliehen. Norddeutsche Agrarkonzerne kaufen die Grünlandnutzungsrechte
und produzieren mit speziell entwickelten Erntemaschinen industriell Heu, welches nach Holland exportiert wird. 2/3 der Naturschutzgebiete haben ihren Schutzstatus verloren, da die
traditionelle Landwirtschaft abhanden gekommen ist. Die Alteingesessenen bleiben unter
sich, die neu hinzugezogenen Arbeiter aus dem Osten bewerkstelligen die Holzverarbeitung.
Die eigenständige Region Spessart
Das regionale Entwicklungskonzept versucht demgegenüber aufzuzeigen, wie sich der
Spessart zwischen urbanisierten und ländlichen Teilräumen als eigenständige Region entwickeln kann. Die Kulturlandschaft ist von Menschen gemacht. Der Spessart wurde seit Jahrhunderten von außen bestimmt und wird auch weiterhin von außen bestimmt werden. Gegen
47
diese Fremdbestimmung muss sich der Spessart behaupten und eine eigene Identität ausbilden. Die Ressourcen des Spessarts sind seine Menschen, die ihn unabhängig von den
Landesgrenzen bewohnen, die historisch investierten Erfahrungen dieser Menschen und die
Regenerationspotenzen der Waldlandschaft.
In SPESSARTregional leben über 130 000 Menschen, die im Vergleich zu anderen Landesteilen eine noch relativ günstige Demographie aufweisen. Im Europa der Regionen kann der
Spessart ein Beispiel dafür sein, die ungleich ausgestatteten Teilräume ausgleichend planend aufeinander zu beziehen, ihre räumliche Arbeitsteilung als produktive Vielfalt zu nutzen
und für die sozialräumlichen Gegensätze territoriale Kompromisse zwischen den Teilräumen
auszuhandeln.
Der Spessart gehört zu den am besten abgeschirmten Regionen der Republik - viele fahren
vorbei, nur wenige kommen herein. Diese „Qualität“ gilt es zu erhalten, dennoch sind der
Personennahverkehr sowie ein leistungsfähiges Straßennetz als Grundvoraussetzung für die
Bevölkerung sowie die Ansiedlung von Dienstleistungs- und Produktionsbetrieben überlebenswichtig.
Nicht jeder Spessart-Gemeinde wird es möglich sein, attraktive und gut erschlossene gewerbliche Bauflächen anzubieten. Insbesondere auch hier muss ein Ausgleich über die
kommunale Zusammenarbeit eingeleitet werden.
Das Gastgewerbe ist ein wichtiger, oft unterschätzter Wirtschaftsfaktor. In Verbindung mit
der Gesundheitswirtschaft ist im Spessart ein hohes Potential vorhanden. Der Spessart
muss sich nach außen „verkaufen“, professionell und gemeinsam. Der Tourismus hängt von
der Erhaltung der Kulturlandschaft ab. Bauern und Förster sind die traditionellen Landschaftspfleger. Beide entscheiden jedoch nicht autonom über ihre Wirtschaftsweise, sondern
erhalten je nach der nationalökonomischen Situation der Gesellschaft Zielvorgaben und Beihilfen. Kernaufgaben sind der Erhalt des bestehenden Landschaftsbildes, Erhalt der faunistischen und floristischen Artenvielfalt, die Sicherstellung der Wasserversorgung durch umfassenden Schutz des Grund- und Oberflächenwassers sowie der Waldökosysteme. Der Naturraum Spessart ist auch Erlebnisraum. Dieses Potential gilt es für einen naturverträglichen
Tourismus zu nutzen.
„Städtische“ und „ländliche“ Lebensformen stoßen im Spessart hart aufeinander. Mit einer
eigenständigen Regionalentwicklung soll die Chance der Vermittlung der Lebensstile durch
innovative Kultur- und Sozialpolitik angenommen werden. Mit einer aktiven Dorfentwicklung
soll der Lebens- und Kulturraum Dorf lebendig bleiben und nicht nur zum bloßen Ausstattungsmerkmal ländlicher Kulturen reduziert werden.
48
2
Regionale Entwicklungsstrategie
Die regionale Entwicklungsstrategie setzt sich aus dem Entwicklungsleitbild, den strategischen Entwicklungszielen und weiter präzisierten Unterzielen zusammen. Die zur Umsetzung der Entwicklungsstrategie notwendigen Kristallisationspunkte werden als Leitprojekte
benannt. Auf der Ebene der strategischen Entwicklungsziele wird in Anschluss an die Darstellung derselben der Maßnahmeneinsatz erläutert. In Fortführung dessen erfolgt die Zuordnung der Leitprojekte in Kapitel 3.
2.1
Entwicklungsleitbild
Das Leitbild ist in das Ergebnis des breit angelegten Beteiligungsprozesses zur Erstellung
des REK. Ausgehend von der IST-Situation beschreibt es den angestrebten Zielzustand von
SPESSARTregional. Es formuliert in Kernaussagen, wohin sich die Region entwickeln will,
hebt sich von der Ausgangsituation ab und formuliert realistisch erreichbare Ziele.
Das Leitbild bildet das Fundament für die regionale Entwicklungsstrategie und soll in seinen
Grundsätzen in die integrierten Handlungskonzepte anderer Förderprogramm einfließen.
Den regionalen Akteuren ist bewusst, dass sich das Handeln der nächsten Jahre daran
messen lassen muss. Im Rahmen der Mitgliederversammlung konnte das Leitbild unter Einbindung der Teilnehmer der Arbeitskreise in großem Einvernehmen verabschiedet werden.
Die bewusst kurz gehaltene Darstellung ist nachfolgend in ihren Aussagen als Zukunftsbild
der Region beschrieben.
Leitbild
SPESSARTregional die starke Brücke zwischen der Metropolregion
und dem ländlichem Raum
SPESSARTregional
Für die Verknüpfung von urbanem Leben und
erhaltenswerter Kulturlandschaft
Von den traditionellen Kurorten zur innovativen
Gesundheitsregion
Mit einer Natur, Kultur und Geschichte als neue Tourismuskraft
Für eine regionale Identität, die den Lebensraum für
Generationen gestaltet
SPESSARTregional ist die starke Brücke zwischen der Metropolregion und dem ländlichen
Raum. Selbstbewusst versteht es die Region von der Nähe zum Rhein-Main-Gebiet als Wirtschaftsraum, Verbraucher- und Quellmarkt zu profitieren. Dabei begreift sich die Region
nicht als ein der Metropolregion nachgeordneter Raum, sondern verfolgt mit hohem Gestaltungswillen erfolgreich die eigenständige Entwicklung.
SPESSARTregional steht für eine gelungene Verknüpfung von urbanem Leben und erhaltenswerter Kulturlandschaft: Die Tendenz zur Suburbanisierung der südlichen Region steht
49
in keinen Widerspruch zu der verantwortlichen Aufgabe der Erhaltung der Kulturlandschaft
der nördlichen Region. Mit auf die innerregionalen Unterschiede abgestimmten Strategien
wird die Region der charakteristischen Landschaft wie auch den mannigfaltigen Lebensentwürfen der Menschen gerecht.
SPESSARTregional hat sich mit seinen traditionellen Kurorten zur innovativen Gesundheitsregion entwickelt: Die Kurorte haben in der Verknüpfung mit der regionalen Gesundheitswirtschaft den Wandel vom klassischen Kurwesen zur modernen Gesundheitsversorgung mit
Prävention, Rehabilitation und Medical Wellness vollzogen. Menschen und Gäste der Region
profitieren gleichermaßen von dem bundesweit herausragenden Angebot. Das Gesundheitsangebot hat sich zu einem weichen Standortfaktor entwickelt.
SPESSARTregional wird in seinem touristischen Profil durch die Natur, Kultur und Geschichte bestimmt. Mit seinen erlebnisorientierten Angeboten zur Natur und Kulturhistorie zählt die
Region in Verbindung mit seinem Wander- und Radwegenetz zu einem der gefragtesten
Ziele für den Tagesbesucher und Kurzurlauber des Rhein-Main-Gebiets. Kulturveranstaltungen, insbesondere zum Thema Märchen, haben sich zum Wirtschaftsfaktor entwickelt.
SPESSARTregional steht für Akteure, die in der Region und dem Naturraum Spessart den
Ausgangspunkt ihres Denken und Handelns sehen. Dem demographischen Wandel wird mit
spezifischen, auf die innerregionalen Unterschiede in der Bevölkerungsentwicklung abgestimmten, Projekten begegnet. Mehr denn je ist der Lebensraum in seiner Funktion nicht nur
Wohn- und Arbeitsort, sondern auch ein Heimat für alle Generationen.
50
2.2
Strategische Entwicklungsziele
Die strategischen Entwicklungsziele zeigen auf, was in den aus der SWOT-Analyse abgeleiteten Handlungsfeldern bewirkt werden soll. Gemeinsam bilden sie im Sinne von Hauptzielen
die Säulen der regionalen Entwicklungsstrategie. Die Zielformulierung folgt den Grundsätzen
einer nachhaltigen regionalen Entwicklung. Für die vier Handlungsfelder werden folgende
strategischen Entwicklungsziele formuliert.
Handlungsfelder und Strategische Entwicklungsziele
Handlungsfeld: Regionale Identität
Schaffung einer regionalen Identität
Handlungsfeld: Natur- und Kulturlandschaft
Erhalt und Inwertsetzung der
Natur- und Kulturlandschaft
SPESSARTregional
Handlungsfeld: Gesundheitswirtschaft
Etablierung einer Gesundheitsregion Spessart
Handlungsfeld: Lebens- und Arbeitsort
Sicherung des Lebens- und Arbeitsstandortes für den Bedarf von Generationen
In die strategischen Entwicklungsziele sind die in der Entwicklungskonzeption von 1997 benannten Oberziele in ihren Grundzügen eingegangen. Die Oberziele „Erhaltung der Kulturlandschaft Spessart“, „Erhaltung der Spessart-Region als Wohnstandort“ und „Stärkung der
Spessart-Region als Standort von Unternehmen mit zukunftsfähigen Arbeitsplätzen“ haben
an Bedeutung nicht verloren und finden sich unmittelbar wieder. Gleichwohl ergibt sich eine
Verschiebung zugunsten der Sicherung des Wohnstandortes. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels besteht hier der größere Handlungsbedarf. In dem erst 10 Jahre
alten Entwicklungskonzept hat der demographische Faktor noch keine Rolle gespielt. Tatsächlich sind die dort gemachten Prognosen von einem weit höheren Bevölkerungswachstum ausgegangen, als es in der Realität der Fall ist. Das Oberziel „Etablierung der Spessart-Region als Tourismusregion auf der Basis der natürlichen Vorraussetzungen“ ist in zwei
der oben aufgeführten strategischen Entwicklungsziele enthalten. Allerdings wird mit dem
Ziel der „Etablierung einer Gesundheitsregion Spessart“ in der touristischen Entwicklung ein
den aktuellen Trends angepasster Fokus gesetzt.
Für die weitere Verdeutlichung werden den strategischen Entwicklungszielen in ihrer Aussage vertiefende Ziele zugeordnet. Für diese wird zugunsten einer klaren Sprachregelung der
Begriff der „Unterziele“ eingeführt. Jedes diese Ziele entfaltet für sich seine eigene Wirkung,
doch leistet es in der Konsequenz einen Beitrag zur Erreichung der strategischen Entwicklungsziele und damit zu der Gesamtstrategie. In den folgenden Übersichten sind den strategischen Zielen jeweils die abgeleiteten Unterziele zugeordnet und anschließend erläutert.
51
Schaffung einer regionalen Identität
ƒ Sensibilisierung für ein regionales Selbstverständnis
ƒ Stiftung einer eigenständigen Identität durch die Verknüpfung von Kulturhistorie und Moderne
Regionale Identität
ƒ Verbesserung der regionalen und länderübergreifenden
Kommunikationsstrukturen
ƒ Schaffung einer virtuellen Region und Erhöhung der Medienkompetenz in allen Altersgruppen
ƒ Aufbau verbindlicher Formen einer Hessisch-Bayerischen
Zusammenarbeit in Politik und Verwaltung
ƒ Stärkung der länderübergreifenden Zusammenarbeit in Projekten, Initiativen und Netzwerken
Einhergehend mit einem gesunden Selbstverständnis schafft erst die regionale Identität ein
auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes regionales Handeln. Ohne Frage: Regionale Identität kann
nicht verordnet werden. Sie bedarf eines breit angelegten Entwicklungsprozesses. Was regionale Identität ausmacht, wie sie sich gestaltet und vor allem wie sie sich im regionalen
Handeln durchsetzen kann, muss für die Menschen in SPESSARTregional erfahrbar sein.
Dabei ist der Bekanntheitsgrad des Spessarts ein nach innen positiv wirkender Faktor. Mit
Verbesserungen der Kommunikationsstruktur wird der Aufbau einer virtuellen Region verfolgt. Die viel zitierte digitale Spaltung findet nicht nur mit der Bereitstellung von Technologie
statt, sondern auch in der Kompetenz, um diese Medien zu nutzen. Können die Defizite in
der Kommunikationsstruktur mit pragmatischen Lösungsansätzen beseitigt werden, bedarf
es gemeinsamer Projekte/Initiativen, um die länderübergreifende Zusammenarbeit über einen rein informellen Charakter hinaus nachhaltig entwickeln zu können. Bis heute ist es noch
nicht gelungen, dass sich die Organisationen im Sinne einer echten Partnerschaft begegnen.
Natur- und Kulturlandschaft
Erhalt und Inwertsetzung der Natur- und Kulturlandschaft
ƒ Erhalt der charakteristischen Kulturlandschaft
ƒ Schutz und Entwicklung ökologisch wertvoller Flächen und
Lebensräume
ƒ Entwicklung und Ausbau der Strategie
„Schutz durch Nutzung“
ƒ Sicherung der landwirtschaftlichen Einkommen durch
Diversifizierung
ƒ Ausbau einer regionalen Wirtshauskultur
ƒ Steigerung des Einsatzes Erneuerbare Energien, vorrangig
des Energieträgers Holz
ƒ Ausbau der stofflichen Nutzung von Biomasse
ƒ Inwertsetzung der natürlichen und kulturhistorischen Potentiale für eine touristische Profilbildung
ƒ Verbesserung der Attraktivität und Qualität im Bereich der
landschaftsgebundenen Aktivurlaubsarten
ƒ Förderung eines am Naturerlebnis orientierten Kinder-, Jugend- und Familientourismus
Innerhalb des Handlungsfeldes „Natur- und Kulturlandschaft“ werden vier, eng miteinander
52
verzahnte Entwicklungsschwerpunkte mit einer Reihe von Unterzielen konkretisiert. Das Unterziel zum Erhalt der Kulturlandschaft ist nicht zu trennen von der Strategie “Schutz durch
Nutzung“. Durch eine verbesserte Vermarktung regionaler Produkte, der Verknüpfung von
Tourismus und Landwirtschaft, die in einer eigenen Wirtshauskultur mündet, werden die Betriebe mit Viehhaltung in ihrer Existenz gesichert. Der zweite Entwicklungsschwerpunkt widmet sich dem Schutz und der Entwicklung der für die Region charakteristischen Biotoptypen
und dem Biberlebensraum. Der dritte Entwicklungsschwerpunkt knüpft im Wesentlichen an
das Biomassepotential des Waldes an. Wertschöpfungsketten sind unter dem Gesichtspunkt
der regionalen Holzverwertung zu initiieren. Ausgehend von dem hohen Niveau des Einsatzes von Biomasse gilt es, die weitere Nutzung maßvoll und mit Blick auf mögliche Landnutzungskonflikte auszubauen. Im letzten Entwicklungsschwerpunkt konzentriert sich die touristische Inwertsetzung der Natur- und Kulturlandschaft. Neben der Erschließung kulturhistorischer Orte ist der Bereich der Natur- und Umweltpädagogik konsequent mit der touristischen
Angebotsentwicklung zu verzahnen. Die Infrastruktur im Bereich der Aktivurlaubsarten hat
nach erlebnisorientierten Maßgaben zu erfolgen.
Gesundheitswirtschaft
Etablierung einer Gesundheitsregion Spessart
ƒ Ausbau und Stärkung der beiden Kurorte Bad Orb und Bad
Soden-Salmünster
ƒ Entwicklung einer Strategie zur Profilierung der gemeinsamen Heilstärke und Wahrung von Alleinstellungsmerkmalen
ƒ Nutzung von Synergieeffekten in Infrastrukturentwicklung,
Produktentwicklung und Marketing
ƒ Ausbau der Angebote in den Bereichen „medical wellness“
und Prävention unter Einbeziehung des Netzwerkes für
Gesundheit Main-Kinzig
ƒ Ausbau von Kooperationen der beiden Gesundheitsnetzwerke in Bad Orb und Bad Soden Salmünster
ƒ Verknüpfung von Kur und Kultur „KURtur“ durch die Schaffung überregional bedeutsamer Kulturevents und Stärkung
der Kulturwirtschaft
ƒ Ausbau und Verbesserung der sportlichen Begleitangebote
ƒ Förderung von Existenzgründungen im Gesundheitswesen
und begleitender Dienstleistungen
Im Handlungsfeld der Gesundheitswirtschaft ist das wesentliche Ziel die Zusammenarbeit
der beiden Kurorte. Sie entwickeln die gemeinsamen Stärken weiter, und lassengleichzeitig
Raum für den Ausbau spezifischer Handlungsansätze. So hat sich Bad Orb bereits mit einem umfassenden Kulturprogramm profiliert, Bad Soden-Salmünster hat sich mit „Wellness
im Kurort“ eine eigenständige Identität geschaffen. Die räumliche Nähe der beiden Orte erlaubt es, vorhandene Synergien zu nutzen und neue zu stiften. Darüber hinaus sollen durch
die in den Unterzielen genannten Handlungsbereiche die Kooperation mit der regionalen
Gesundheitswirtschaft ausgebaut werden, die einen Beitrag zur Versorgung der einheimischen Bevölkerung leistet. Mit der Verknüpfung von Kur und Kultur fließen zudem Überlegungen für eine erweiterte Profilbildung ein. Mit einem Angebot herausragender Kulturveranstaltungen ist die Kulturwirtschaft zu stärken.
53
Lebens- und Arbeitsort
Sicherungs- des Lebens- und Arbeitsortes für den Bedarf von
Generationen
Lebensort
ƒ Belebung von Orts- und Stadtkernen
ƒ Schaffung eines attraktiven Wohnumfeldes für junge Erwachsene und
Familien, vor allem in den Gemeinden und Stadtteilen des inneren
Spessarts
ƒ Entwicklung und Umsetzung spezifischer Strategien für alternde
Brennpunkte
ƒ Sicherung der Mobilität durch alternative Beförderungskonzepte
ƒ Stärkung der Grundversorgung durch Sensibilisierung des regionalen
Einkaufsverhaltens
ƒ Entwicklung regionaler Einzelhandelskonzepte zur Verbesserung der
Attraktivität der Einkaufsstandorte
ƒ Stärkung von Initiativen und Kooperation im Gewerbe
ƒ Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements
Arbeitsort
ƒ Erweiterung des Ausbildungs- und Arbeitsplatzangebots insbesondere
für Jugendliche und junge Erwachsene
ƒ Verbesserung der Nahtstelle von Schule und Beruf
ƒ Intensivierung von Initiativen und Projekten zur Berufsfindung im
Handwerk, der Industrie, dem Gesundheitswesen und dem Gastgewerbe
ƒ Förderung der Gründung und Entwicklung von Kleinstunternehmen zur
Versorgung des ländlichen Raum mit Waren und Dienstleistung
Kommunale Zusammenarbeit
ƒ Profilierung durch Bündelung von Potenzialen, Finanzierung von Verwaltungseinrichtungen und Infrastruktur
Das breite strategische Entwicklungsziel erfährt durch die Unterziele eine Differenzierung.
Die Schaffung eines anziehenden Wohnumfeldes, vor allem in den von Bevölkerungsverlusten bedrohten Orten, ist ein Ziel, das dem demographischen Wandel geschuldet ist. Gleiches
gilt für die von Überalterung betroffenen Kommunen. Diese sind in der Entwicklung spezifischer Konzepte außerordentlich gefordert, wollen sie nicht endgültig als generationsübergreifender Wohnstandort unattraktiv werden. Orts- und Stadtkerne sollen wieder soziale Mittelpunkte werden, um dem Trend zur peripheren Einzelhandelskonzentration etwas entgegen
setzen zu können. Jedoch machen sich Fragen der Grundversorgung nicht allein an den
Versorgungsmöglichkeiten fest. Den regionalen Akteuren ist es ein Anliegen, zu regionalem
Einkaufsverhalten zu motivieren, um die Wirtschaftlichkeit noch vorhandener Strukturen zu
stärken. Gleichzeitig sollen Existenzgründungen von Unternehmen der Daseinvorsorge gefördert werden, um hier einen weitern Beitrag zu leisten. Die Unterziele zur Sicherung des
Arbeitsortes konzentrieren sich auf die durch regionales Handeln beeinflussbaren Bereiche.
Die junge Bevölkerung soll mit attraktiven Ausbildungs- und Arbeitsplätzen für die Region
gewonnen werden. Problemen in der Berufsfindung wird mit einer „Nahtstelle“ zwischen
Schule und Beruf begegnet, die den Übergang erleichtern soll. Die Motivation zur Ausbildung
in den für die Region wichtigen Wirtschaftszweigen soll erhöht werden. Insbesondere am
Image der schlechten Gastgeber soll durch junge und engagierte Nachwuchskräfte der Hotellerie und Gastronomie gearbeitet werden.
54
2.3
Leitprojekte
Leitprojekte sind ihrem Charakter nach keine Einzelvorhaben, sondern setzen sich im Regelfall aus einer Summe von Projekten zusammen und ziehen weitere Vorhaben nach sich. In
einer Mischung aus inhaltlich-konzeptionellen, investiven sowie Arbeitsplatz schaffende und
qualifizierenden Maßnahmen bedienen sie sich verschiedener Förderinstrumente und Maßnahmen.
Die Leitprojekte von SPESSARTregional knüpfen an die benannten Handlungsfelder, strategischen Entwicklungsziele und Unterziele an. In ihrer strategischen Funktion leisten sie einen
besonderen Beitrag zur Umsetzung der regionalen Entwicklungsstrategie und sind demzufolge prioritär zu behandeln. Nachfolgend sind die vier Leitprojekte in ihren Grundzügen erläutert. Die dazugehörenden Projekte sind, soweit sie den Einsatz von LEADER-Mitteln betreffen, in Kap. 4 in den geplanten Umsetzungsschritten beschrieben.
Stiftungszweck: Spessart
Von einer Stiftung spricht man, wenn ein Vermögen oder ein Teil davon einem bestimmten,
auf Dauer angelegten Zweck unwiderruflich gewidmet wird. Nur geht es in diesem Leitprojekt
zunächst nicht um Geld, sondern um das Anstiften zur regionalen Identität. Denn auch hier
wird die Identifikation und Heimatverbundenheit mit dem Spessart auf Dauer angelegt. Wie
Stiftungen, die sich fördernd und operativ für das Gemeinwohl einsetzen, wirkt die regionale
Identität in einem breiten Spektrum für das regionale Leben. „Vorsätzliche Anstiftung“ gehört
zum guten Ton bürgerschaftlichen Engagements, um mehr Mensch gezielt und absichtlich
für die gute Sache zu gewinnen.
Mit dem Prinzip „Anstiften zur Identität“ verfolgt das Leitprojekt, das im Handlungsfeld „Regionale Identität“ genannte Entwicklungsziel und die meisten der dazu gehörenden Unterziele. Übergreifend nimmt es den Gedanken zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements
aus dem Handlungsfeld „Lebens- & Arbeitsort“ auf. Auftakt für den gemeinsamen Entwicklungsprozess ist eine dem Thema gewidmete Regionalkonferenz. Darauf aufbauend sind
Projekte angedacht, die eine lebendige Auseinandersetzung mit dem eher abstrakten Begriff
der regionalen Identität / Heimat in Sprache, Musik und kreativer Gestaltung erlauben. Ein
neu zu schaffendes Internetportal bildet das Grundgerüst regionaler Kommunikation. Bisher
medienferne Menschen sollen an die Nutzung herangeführt und somit an der virtuellen Form
sozialen Lebens teilhaben können. In einem gesonderten Projekt können sich Jugendliche
als virtuelle Scouts qualifizieren, um im generationsübergreifenden Dialog gerade ältere
Menschen für das surfen im Internet zu begeistern. Die Qualifikation der Scouts wird sich,
mit Blick auf die Berufsfindung, auf einem hohen Niveau bewegen, so dass die hier gemachten Erfahrungen einen Beitrag zur Verbesserung der sozialen und kommunikativen Kompetenz der jungen Menschen leisten können. Somit findet hier eine weitere handlungsfeldübergreifende Verknüpfung statt. Das fehlende Spessart-Zentrum soll ggf. in Verbindung mit der
Dorferneuerung realisiert werden. In Konsequenz münden die Aktivitäten in der Initiierung
und Gründung einer Bürgerstiftung Spessart, die wie kein anderes Instrument in der Lage ist,
im regionalen und länderübergreifenden Kontext jenseits aller Verwaltungshürden im Sinne
der am Gemeinwohl orientieren regionalen Entwicklung zu wirken.
Grünlandprojekte
Das Grünlandprojekt greift den im Handlungsfeld „Natur- und Kulturlandschaft“ benannten
Entwicklungsschwerpunkt zur Erhalt der Kulturlandschaft auf. Die Nutzung des oftmals relativ kleinflächig parzellierten Grünlandes kann an vielen Stellen für die Zukunft nicht mehr
sichergestellt werden. In einem Zeitrahmen von 4 bis 5 Jahren soll das Problem durch Förderung einer großflächigen Beweidungs- und Mahdnutzung gelöst und damit der langfristige
Erhalt der Offenbereiche gewährleistet werden. Über ein verbessertes Flächenmanagement,
55
der Vernetzung der Akteure und einer flankierenden Beratung zum Ausbau der Produktion
und Vermarktung regionaler Produkte wird das Unterziel der Sicherung landwirtschaftlicher
Einkommen durch Diversifizierung umgesetzt. Zudem soll die Flurneuordnung mit dem Instrument des Freiwilligen Nutzungstausch zur Umsetzung des Leitprojektes beitragen. Der
Nutzungstausch dient der Verbesserung der Agrarstruktur und der Erhaltung der Schutzgebiete durch die Zusammenlegung von Pachtflächen. Ohne Eigentumsveränderungen können
so schnell wirtschaftlichere Bewirtschaftungseinheiten erreicht werden.
Parallel dazu ist ein weiteres Projekt vorgesehen, dass die Bildung eines Netzwerkes von
Direktvermarktern und Gastronomen voran treibt, die Rahmenbedingungen für die Initiierung
eine regionalen Wirthauskultur erarbeitet und dafür Sorge trägt, dass die in der Region erzeugten Produkte auch in bestmöglichen Umfang in der heimischen Gastronomie umgesetzt
werden. Das Vorhaben soll an die Aktivitäten der Initiative „Mein Zauberwald“ anknüpfen, ein
länderübergreifender Zusammenschluss touristischer Leistungsträger, Lebensmittelproduzenten und regionalen Direktvermarktern.
Abenteuer Spessart
Abenteuer sind per Definition ein ungewöhnliches, spannendes, prickelndes, seltsames
Erlebnis aber auch ein gefahrvolles, risikoreiches, gewagtes, verwegenes Unternehmen. Das
ist die Maxime zur Entwicklung einer Erlebnisregion Spessart. Es geht nicht nur um das bloße Erlebnis, dass sich vom Alltag unterscheidet, sondern um das Abenteuer in der Begegnung mit der Natur und Kulturhistorie. Das Leitprojekt akzentuiert den im Handlungsfeld „Natur- und Kulturlandschaft“ genannten Entwicklungsschwerpunkt zur touristischen Inwertsetzung. Vorhandene Infrastrukturen sollen sich dem Aspekt der vier Elemente Feuer, Wasser,
Luft und Erde bedienen und als Erlebnisorte ausgebaut werden. Weitere Erlebnisorte sind
neu zu schaffen. Auch erfolgt die Inwertsetzung von kulturhistorischen Pfaden, Einrichtungen
und Museen dem abenteuerlichen Anspruch folgen. Ebenso richten sich neu zu schaffende
Beherbergungsmöglichkeiten daran. Mit der Einrichtung eines Forums mit Anbietern von
kinder- und jugendspezifischen Angeboten soll eine bessere Vernetzung untereinander, als
auch ein gezielte Verzahnung mit der touristischen Angebotsentwicklung und des Marketings
erfolgen.
Gesundheitsregion Spessart
Das Leitprojekt ergibt sich geradlinig aus dem im Handlungsfeld Gesundheitswirtschaft formulierten strategischen Entwicklungsziel. Um die hohe Bedeutung des Vorhabens für die
regionale Wirtschaft zu dokumentieren ist es als Leitprojekt benannt. Wie oben ausgeführt ist
die Kooperation und Vernetzung unabdingbare Vorraussetzung zur Umsetzung des Vorhabens. Ansätze zur beiderseitigen Nutzung von Infrastruktureinrichtungen oder die Durchführung gemeinsamer Marketingaktivitäten sind gemacht. Nichtsdestoweniger werden mit dem
Leitprojekt eine Reihe von investiven Vorhaben verbunden, die die Defizite in der Infrastruktur des Kur- und Bäderwesen beseitigen bzw. zur Modernisierung von Einrichtungen beitragen können. Die Förderung von Existenzgründern im Bereich der Gesundheitswirtschaft soll
Angebotslücken zu füllen und zur Profilierung der Gesundheitsregion beitragen.
Für den Bereich der Kulturwirtschaft ist die Einrichtung eines Kulturforums geplant, dass die
Kulturveranstalter miteinander vernetzt. Die Vielzahl der Veranstaltungen muss besser koordiniert und abgestimmt werden, so dass die einzelnen Veranstaltungen eine höhere Auslastung erfahren kann. Das Kulturforum ist Motor für die Schaffung überregional bedeutsamer
Kulturevents.
56
2.4
Begründung des Maßnahmeneinsatzes
Die Maßnahmen, die zur Erreichung der strategischen Entwicklungsziele eingesetzt werden
sollen, sind in der Übersicht mit grüner Kennung aufgeführt.
Tab. 10: Übersicht zum Maßnahmeneinsatz
Strategisches Entwicklungsziel
Schaffung
einer
regionalen
Identität
Erhalt und
Inwertsetzung der
Maßnahmen
Natur- und
Kulturlandschaft
3.1 Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Forstwirtschaft
Etablierung
Gesundheitsregion
Spessart
Sicherung
Lebens und
Arbeitsort
3.1.1 Modernisierung land- und forstwirtschaftlicher Betriebe
3.1.2 Erhöhung der Wertschöpfung land- und
forstwirtschaftlicher Erzeugnisse
3.1.3 Flurneuordnung
3.2 Umweltsituation und Landnutzung
3.2.2 Regional bedeutsame Maßnahmen: Schutzgebiete,
Gewässer- /Auenentw., Landnutzungskonflikte
3.2.3 Maßnahmen zur nachhaltigen Bewirtschaftung von
land- und forstwirtschaftlichen Flächen
3.2.4 Übernahme der wichtigsten Entwicklungschancender RAKs
3.3 Diversifizierung und Entwicklung der Wirtschaft
3.3.1 Förderung von Unternehmensgründungen und
Entwicklungen
3.3.2 Förderung der Entwicklung des Tourismus
3.3.3 Entwicklung der regionalen Energiegewinnung und
Versorgung
3.3.5 Schulungs- und Begleitungsmaßnahmen mit wirtschaftlicher Zielsetzung
3.4 Verbesserung der Lebensqualität
3.4.1 Versorgung mit gemeinwohlorientierten Einrichtungen für Dienstleistung, Versorgung, Betreuung u.a.
3.4.2 Dorferneuerung und -entwicklung
3.4.3 Stadtumbau, Stadterneuerung
3.4.4 Erhaltung und Verbesserung des ländlichen Kulturerbes
3.5 Weitere wichtige Entwicklungsmaßnahmen
3.6 Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung und Sensibilisierung für regionale Entwicklungsstrategien
3.6.1 Dienstleistungen im Zusammenhang mit Entwicklungskonzepten
3.6.2 Information über Gebiet und die lokale Entwicklungsstrategie
3.6.3 Schulung von ehrenamtlich tätigen Akteuren auf örtlicher und regionaler Ebene
3.6.4 Schulung der leitenden Akteure der Regionalforen
durch Fortbildung und Coaching
3.7 Umsetzung von Projekten der Zusammenarbeit
3.8 Arbeit der lokalen Aktionsgruppen
57
3.
Maßnahmen
Im Nachfolgenden werden die Maßnahmen aufgeführt, die zur Erreichung der strategischen
Entwicklungsziele und den daraus resultierenden Leitprojekten zum Einsatz kommen sollen.
Die Ausführungen knüpfen an den in Kap. 2.4 dargestellten Maßnahmeneinsatz an.
Maßnahmen nach dem LEADER-Prinzip werden mit ihren Problemen, Zielen, Strategien und
erwarteten Wirkungen beschrieben. Die dazu gehörenden operationellen Ziele und Indikatoren sind benannt. Diese bilden die Grundlage für die Evaluierung. Der Maßnahmenbereich
3.6 ist in der Darstellung zusammen gefasst. Der geplante Fördermitteleinsatz nach LEADER wird benannt und in der Finanztabelle zusammengefasst (vgl. Kap. 3.9). Alle weiteren
Maßnahmen, die aus den Bereichen des ELER-Fonds, aus der GAK oder anderer Förderprogramme zur Zielerreichung beitragen sollen, werden so weit möglich in Kurzform erläutert. Für die Maßnahmenbeschreibung wird zur besseren Übersicht ein Formblatt eingesetzt.
Vorab wird die Maßnahme dem jeweiligen Handlungsfeld bzw. strategischen Entwicklungsziel wie auch dem Leitprojekt zugeordnet und ist als solche farbig gekennzeichnet.
Maßnahmen, die nicht zum Einsatz kommen sind anschließend aufgeführt. Zur Beibehaltung
der Chronologie des REK-Anforderungskataloges wird die Inhaltsangabe weiter geführt.
3.2.1
Klimaschutzmaßnahmen
Es werden keine ausdrücklichen Klimaschutzmaßnahmen durchgeführt. Die Maßnahmen im
Bereich der Erneuerbaren Energien leisten im Sinne des Klimaschutzes ihren Beitrag.
3.2.4
Übernahme der wichtigsten Entwicklungsaussagen der RAKs
Der Maßnahmenbereich entfällt.
3.3.3.1.1 (L) Investitionen landwirtschaftlicher Betriebe zur Nutzung von Biorohstoffen
einschließlich Dienstleistungen
Aufgrund der hohen Anzahl Biogasanlagen sind hier keine weiteren Maßnahmen in Planung.
3.3.3.3 Nutzung anderer regenerativer Energiequellen
Der Maßnahmenbereich wird auf der Ebene des Kreisgebiets durch die Kommunen genutzt.
3.3.4
Andere für die Region wichtige wirtschaftliche Maßnahmen
Der Maßnahmenbereich entfällt.
3.3.5.2 Andere Bildungsmaßnahmen zur Verbesserung der beruflichen Qualifikationen, ggf. in Verbindung mit arbeitsmarktpolitischen Aktivitäten
ESF-Vorhaben werden derzeit ausschließlich auf der Ebene des Landkreises durchgeführt.
Sie entfalten ihre Wirkung auch in der Region, spezifische regionale Vorhaben sind nicht in
Planung.
3.4.3
Stadtumbau, Stadterneuerung
Am Programm Stadtumbau West in Hessen wollen sich in Kürze die Kommunen Bad Soden
Salmünster, Schlüchtern, Sinntal und Steinau. teilhaben. Es ist beabsichtigt die Anerkennung
als Gruppe „Interkommunale Zusammenarbeit“ bei der Hessen-Agentur zu beantragen. Ein
integriertes Handlungskonzept ist derzeit in Arbeit. Des Weiteren beabsichtigen Biebergemünd, Flörsbachtal, Jossgrund, Wächtersbach und Bad Orb, in Zusammenarbeit mit der
Hessen-Agentur ein Strategiekonzept zu entwickeln, dass die Möglichkeiten zur interkommunalen Zusammenarbeit aufzeigt. Danach wird auch diese Gruppe die Anerkennung beantragen, um im Programm Stadtumbau West aufgenommen zu werden.
3.5
Weitere für die Region wichtige Entwicklungsmaßnahmen
Weitere wichtige Entwicklungsmaßnahmen ergeben sich durch die Investition in die touristische Infrastruktur im Kurwesen. Die Maßnahmen sind unter 3.2.3 aufgeführt.
58
3.1
Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Forstwirtschaft
3.1.1
Modernisierung land- und forstwirtschaftlicher Betriebe
Code Nr. 121 :-Maßnahmeneinsatz – Agrarinvestitionsprogramm AFP
Natur- & KulturlandRegionale Identität
Gesundheitswirtschaft
schaft
Erhalt und Inwertsetzung
Schaffung einer
Etablierung einer Gesundheitsregion
regionalen Identität
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Leitprojekt
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
Stiftungszweck Spessart
Grünlandprojekt
Lebens & Arbeitsort
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Bedingt durch den hohen Anteil von Dauergrünland ist die regionale Landwirtschaft von
der Milchviehhaltung geprägt. In den letzten Jahren wurden vermehrt Milchviehbetriebe
aufgegeben. Der fehlende Hofnachfolger und/oder finanzielle Motive waren die Gründe. In vielen Betrieben ist die Zukunft der Milchviehhaltung nicht gesichert. Nicht nur
die geringen Betriebsgröße, sondern auch der geringe Grad der Mechanisierung lassen den Verlust weitere Betriebe und die Unternutzung der Grünlandflächen befürchten. Die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass ausschließlich AFP-Förderungen im
Bereich der Milchviehhaltung stattfanden. Insgesamt wurden in der letzten Förderperiode.
Unterziele:
ƒ Erhalt der charakteristischen Kulturlandschaft
ƒ Unterstützung der Strategie „Schutz durch Nutzung“
Strategie:
Für den Erhalt der Kulturlandschaft ist es ein Grundstock tierhaltender Betriebe im
Haupterwerb unentbehrlich. Betriebe erhalten einen Zuschuss, wenn Sie hier entsprechend investieren. Damit sind in erster Linie Investitionen in die Milchviehhaltung
(Boenlaufstall und Melktechnik) betroffen, die erfahrungsgemäß von den Betrieben
getätigt werden, die in nächster Generation weiter bestehen werden bzw. wollen. Die
Förderung kommt so den HE-Betrieben zu Gute, wenn gleich NE-Betriebe grundsätzlich auch förderfähig sind.
Erläuterungen
So wje sich der Strukturwandel in den letzten Jahren vollzogen hat, wird der Förderung
im AFP weiter ihren Schwerpunkt in der Milchviehhaltung haben. Vereinzelt finden
Förderungen in NE-Betrieben im Bereich der Mutterkuhhaltung statt. Die AFPPrioritätenliste sieht zwar auch die Förderung derSchweinehaltung vor, doch ist dieser
Betriebszweig in der Region von unter geordneter Bedeutung. Für die nächsten Jahren
kann in der Region von einer reihen Milchkuhförderunge ausgegangen werden. Das
AFP ist damit ein wichtiges Förderinstrument, zu oben genannten Zielerreichung.
59
3.1.2
Erhöhung der Wertschöpfung land- und forstwirtschaftlicher Erzeugnisse
Code Nr. 123 :-Maßnahmeneinsatz
Natur- & KulturlandRegionale Identität
schaft
Schaffung einer regionaErhalt und Inwertsetzung
len Identität
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Leitprojekt
Grünlandprojekt
Stiftungszweck Spessart
Gesundheitswirtschaft
Lebens & Arbeitsort
Etablierung einer Gesundheitsregion
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
Unterziele:
ƒ Erhalt der charakteristischen Kulturlandschaft
ƒ Schutz und Entwicklung ökologisch wertvoller Flächen und Lebensräume
ƒ Ausbau der Strategie Schutz durch Nutzung
ƒ Sicherung der landwirtschaftlichen Einkommen durch Diversifizierung
Eine Erhöhung der Wertschöpfung von land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnissen wird durch die unterschiedlichsten Projektvorschläge unter anderem im
Bereich Direktvermarktung erzielt. Voraussetzung hierfür ist ein Zusammenschluss der in SPESSARTregional vorhandenen land- und forstwirtschaftlichen
Betriebe die im Bereich Direktvermarktung arbeiten. Dies ist im Zusammenhang
mit Kommunikation/Werbung, eines gemeinsamen Marktauftrittes, Professionalisierung der Vertriebs der Logistik und nach Möglichkeit eines neu zu entwickelten Markennamen zwingend erforderlich. Für die Produktpalette Rind- und
Schaffleisch, für die Veredlung von Milchprodukten, für Produktion von Bioprodukte sind vorgegebene oder neue Qualitätskriterien erforderlich. Gleichzeitig
werden durch die Steigerung der Direktvermarktung regionale wirtschaftliche
Kreisläufe initiiert. Eine Intensivierung der Direktvermarktung trägt ganz entscheidend zur Stärkung der regionalen Identität bei.
Erläuterungen
Eine weitere Möglichkeit bietet die geplante Steigerung zur stofflichen Nutzung von
Biorohstoffen. Hier verfügen Land- und Forstwirtschaft über die geeigneten Flächen zur
Produktion von Biomasse. Um die Versorgung der derzeit in Betrieb, und die Planung
befindlichen Anlagen nachhaltig versorgen zu können, ist eine Biomassenpotenzialstudie für den Main-Kinzig-Kreis erforderlich. Schon jetzt wird deutlich, dass die derzeit
erschlossenen Biomassenpotenziale kaum ausreichen werden um eine nachhaltige
Versorgung sicher zu stellen. Grünlandnutzung ist durchaus auch denkbar, indem man
den Aufwuchs in alternativen Kraftwerken (z.B. Biogasanlagen) zur Strom und/oder
Wärmegewinnung einsetzt. Wird diese Wiesennutzung gemäß guter landwirtschaftlicher Praxis betrieben, entspricht auch dies einer Maßnahme zur nachhaltigen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen.
60
3.1.3
Flurneuordnung
Code Nr. 1252 :-Maßnahmeneinsatz
Natur- & KulturlandRegionale Identität
schaft
Schaffung einer regiona- Erhalt und Inwertsetzung
len Identität
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Leitprojekt
Grünlandprojekt
Stiftungszweck Spessart
Gesundheitswirtschaft
Lebens & Arbeitsort
Etablierung einer Gesundheitsregion
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
Um Maßnahmen der Landentwicklung, insbesondere Maßnahmen des Naturschutzes,
des Umweltschutzes, der naturnahen Entwicklung von Gewässern und der Landschaftspflege zu ermöglichen oder auszuführen ist das vereinfachte Flurbereinigungsverfahren ein geeignetes Instrument. Insbesondere können im Fall von Landnutzungskonflikte - hier zwischen Naturschutz und Landwirtschaft- durch Neuordnung des
Grundeigentums aufgelöst werden. Bei Bedarf können auch Maßnahmen des Wegeund Gewässerbaues, sowie landschaftspflegerische Maßnahmen durchgeführt werden.
Unterziele:
ƒ Erhalt der charakteristischen Kulturlandschaft
ƒ Unterstützung der Strategie „Schutz durch Nutzung“
ƒ Schutz und Entwicklung ökologisch wertvoller Flächen und Lebensräume
Handlungsbedarf:
ƒ Sicherstellung des Biberlebensraumes
ƒ Sicherstellung der Gründlandnutzung
Erläuterungen
Biberlebensraum
Durch die Bautätigkeit von Bibern ist es in der letzten Zeit wieder verstärkt zum Anstau
von Gewässern im Einzugsbereich von Jossa und Sinn gekommen. Durch die Überflutung der angrenzenden Flächen kommt es zu Konflikten mit Eigentümern und Bewirtschaftern. Das Ziel „Erhaltung des Biberlebensraumes und gleichzeitige Sicherstellung
der angrenzenden Grünlandnutzung“ kann durch Bereitstellung der erforderlichen Flächen erreicht werden. Durch Anlage von Vorflutern auf diesen Flächen wird der schadlose Wasserabfluss ermöglicht und damit die Bewirtschaftbarkeit des angrenzenden
Grünlandes erhalten. Die Flurneuordnung soll im Zuge der Durchführung von vereinfachten Flurbereinigungsverfahren (§ 86 FlurbG) einen gezielten Beitrag zur Lösung
der Problemstellung leisten.Die Anlage der Vorfluter auf den Grünlandnutzungsflächen
kann im Zuge der Durchführung des vereinfachten Flurbereinigungsverfahrens erfolgen. Aufgrund der enormen Dynamik der Lebensraumgestaltung der Biber sind die
notwendigen Verfahren aktuell zu beantragen und die Verfahren kurzfristig zu bearbeiten.
Grünlandprojekt Spessart
Gemäß dem Leitprojekt soll zur Sicherung der Gründlandnutzung die Beweidung auf
möglichst weiträumiger, zusammen hängender Flächen erfolgen. Die Flurneuordnung
soll mit dem Instrument des Freiwilligen Flächentausch zur Umsetzung beitragen. Ohne Eigentumsveränderungen können schnell die notwendigen Bewirtschaftungseinheiten erreicht werden. Umfang und Lage der Flächen sollen im Rahmen der Umsetzung
des Entwicklungskonzeptes vorbereitet werden.
61
3.2
Umweltsituation und Landnutzung
3.2.2
Regional bedeutsame Maßnahmen im Zusammenhang mit Schutzgebieten,
Gewässer- und Auenentwicklung, Lösung von Landnutzungskonflikten
Maßnahmeneinsatz
Regionale Identität
Schaffung einer regionalen Identität
Leitprojekt
Stiftungszweck Spessart
Natur- & Kulturlandschaft
Erhalt und Inwertsetzung
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Grünlandprojekt
Gesundheitswirtschaft
Lebens & Arbeitsort
Etablierung einer Gesundheitsregion
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
Der Spessart ist geprägt durch eine geologische Vielfalt von Buntsandstein über Basalt
bis hin zu Kalkstandorten. Dies und die Jahrhunderte währende Nutzung bewirkten
eine Ausdifferenzierung verschiedener Biotopqualitäten und Landschaftsbilder. Wald
und Grünland sind dabei die vorherrschenden Lebensraumtypen, die zum Teil besonders empfindliche und selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten vorweisen. Vorherrschende Gefährdung ist die Verkleinerung, Isolation und Zerstückelung der wertvollen
Lebensräume.
Unterziele:
ƒ Erhalt der charakteristischen Kulturlandschaft
ƒ Schutz und Entwicklung ökologisch wertvoller Flächen und Lebensräume
Strategie:
ƒ Sicherstellung der Gründlandnutzung (vgl. 3.1.3)
ƒ Vernetzung wertvoller Lebensräume
Besondere Beachtung sollen die Magerrasen auf Kalk und Basalt in der Region erhalten, ihre Bewahrung erfordert einen detaillierteren und lokal passgenaueren Fokus, da
sie ihre Entstehung einer sehr spezifischen und kleinräumig variierenden Bewirtschaftung verdanken. Es wird ein gesondertes Konzeption für die Erhaltung und Vernetzung
dieser wertvollen Lebensräume erstellt, die in das Grünlandkonzept eingepasst wird.
Kosten ca. 25.000 €. Ähnliches gilt für ein Schutzprogramm für Pfeifengraswiesen,
Borstgrasrasen und Kleinseggenrieder Kosten ca. 20.000 €
Im dörflichen Randbereich befinden sich im Spessart viele Obstgürtel. Besonders ist
hier die Zusammensetzung der Obstsorten, da es sich meist nicht um klimatisch begünstigte Standorte handelt und dennoch seit langer Zeit dort erfolgreich Obstbau betrieben wird. Ein spezielles Projekt zu diesem Thema soll die besondere genetische
Vielfalt der Sorten im Blick haben, eine Konzeption zu ihrer Sicherung entwerfen und
Maßnahmen zur Realisierung in Angriff nehmen. Kosten ca. 25.000 €
Erläuterungen
Es soll ein kohärentes Netz von bestehenden Alt- und Totholzinseln geschaffen werden, das die aktuellen Bestände als Trittsteine im Wirtschaftswald ergänzt und die natürliche Prozesse bis zum Erreichen der Zerfallsphase erlaubt. Kosten ca. 215.000 €
Da es sich ausschließlich um Kulturlandschaft handelt, sind bei allen geplanten Maßnahmen die jeweiligen Landnutzer einbezogen, bzw. als Hauptträger Adressaten für
die zukünftige Entwicklung. Bei allen Einzelprojekten ist eine umfassende Öffentlichkeits- und Beratungsarbeit eingeschlossen, um für die speziellen Situationen vor Ort,
auch für die Landnutzer, passend zugeschnittene Kompromisse zu finden.
62
3.2.3
Maßnahmen zur nachhaltigen Bewirtschaftung land- und
forstwirtschaftlicher Flächen
Code Nr. 121 :-Maßnahmeneinsatz
Natur- & KulturlandRegionale Identität
schaft
Erhalt und Inwertsetzung
Schaffung einer regionalen Identität
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Leitprojekt
Stiftungszweck Spessart
Grünlandprojekt
Gesundheitswirtschaft
Lebens & Arbeitsort
Etablierung einer Gesundheitsregion
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
Seit 2005 haben landwirtschaftliche Betriebe nur dann einen Anspruch auf Direktbeihilfen, wenn sie eine Reihe von Vorschriften in den Bereichen Umwelt, Gesundheit von
Mensch und Tier sowie Pflanzen- und Tierschutz einhalten und ihre Nutzflächen in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand erhalten. Weiterhin haben
wir die Verpflichtung zum Erhalt des Dauergrünlandes.
Maßnahmen im Einzelnen sind die Erosionsvermeidung durch Winterbegrünung, der
Erhaltung der organischen Substanz im Boden und der Bodenstruktur durch Fruchtfolgegestaltung, die Humusbilanzierung und Bodenhumusuntersuchung, das Beseitigungsverbot von Landschaftselementen, die Regelungen für den Bereich der Vogelschutzrichtlinie und FFH-Richtlinie und die Umsetzung der Grundwasser-, Klärschlamm-, Nitrat- und Pflanzenschutzmittelrichtlinie, mit der Absicht, Boden, Grundund Oberflächenwasser zu schützen sowie einen nachhaltigen Pflanzenbau zu gewährleisten.
Als Projekte und Initiativen sind zu benennen:
ƒ
„Grünlandprojekt Spessart“ (Landwirte, Bauernverbände, Naturpark Spessart u.
Biotopverbundprojekt, Landwirtschaftsverwaltungen, Landschaftspflegeverbände, Naturschutzbehörden) mit dem Ziel, Erhalt der grünlandtypischen Artengemeinschaften als Bestandteil dieser Kulturlandschaft.
ƒ
Vorzug der „biologischen Wirtschaftsweise“ im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Diese Nachhaltigkeit wird durch ein vielseitiges System von sich gegenseitig ergänzenden und bedingenden umweltverträglichen Maßnahmen unter Mithilfe
der regulierenden Wirkung des Ökosystems sichergestellt.
Erläuterungen
War die Gewinnung erneuerbarer Energien vom Feld bisher eine Nische, wird sie in
Zukunft Auswirkungen auf die gesamte Branche haben. Eine nachhaltige Wirtschaftsweise gilt es hier zu erhalten.
63
3.3
Diversifizierung und Entwicklung der Wirtschaft
3.3.1
Förderung von Unternehmensgründungen und -entwicklungen
3.3.1.1
(L) Existenzgründungen und Teilexistenzgründungen
Code Nr. 312 : -Maßnahmeneinsatz
Natur- & Kulturlandschaft
Regionale Identität
Schaffung einer regionalen Identität
Probleme
Leitprojekt
Stiftungszweck Spessart
Erhalt und Inwertsetzung
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Grünlandprojekt
Gesundheitswirtschaft
Lebens & Arbeitsort
Etablierung einer Gesundheitsregion
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
SPESSARTregional ist von starken Pendlerbewegungen geprägt. Wie in anderen ländlich strukturierten Räumen auch, bestehen Defizite im Angebot wohnortnaher Arbeitsplätze. Die Gründung eines Kleinstunternehmens eröffnet Perspektiven der Beschäftigung. Durch eine Teilzeitgründung ergibt sich insbesondere für Frauen die Möglichkeit
zum beruflichen Wiedereinstieg wie auch zu einer Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Indikatoren
Erwartete Wirkungen
Unterziele und Strategien
ƒ Förderung von Existenzgründungen im Gesundheitswesen und
begleitender Dienstleistungen
ƒ Förderung der Gründung und Entwicklung von Kleinstunternehmen zur Versorgung
des ländlichen Raum mit Waren und Dienstleistung
ƒ Ausbau der Angebot von Medical Wellness und Prävention
ƒ Ausbau und Verbesserung von sportlichen Begleitangeboten
Zur Unterstützung der Profilbildung zur Gesundheitsregion soll im Bereich der Gesundheitswirtschaft die Anzahl von gewerblichen Unternehmen durch Existenzgründungen erhöht werden. Ausgehend von Kleinstunternehmen zählen dazu Gründungen
in den Bereichen Wellness / Fitness, Produktion und Handel von Gesundheits- und
Pflegebedarf. Auch sollen Betriebserweiterungen, wenn sie mit der Schaffung von Arbeitsplätzen verbunden ist, in die Förderung eingehen: Zur Sicherung der Versorgung /
Betreuung werden zudem Gründungen im Dienstleistungssektor bevorzugt behandelt.
Operationelles Ziel:
Schaffung von 6 Kleinstunternehmen
Schaffung von 8 Vollzeitarbeitsplätze / äquivalent Teilzeitarbeitsplätze
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Erschließung von Angebotslücken in der Gesundheitswirtschaft und
dem Dienstleistungssektor
Profilierung als Gesundheitsregion
Positive Beschäftigungseffekte
Steigerung der regionalen Wirtschaftsentwicklung
ƒ
ƒ
ƒ
Anzahl der neu geschaffenen und erweiterten Kleinstunternehmen
Höhe des Investitionsvolumens
Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze / Ausbildungsplätze
Mitteleinsatz: 120.000 €
64
3.3.1.2
(L) Diversifizierungsinvestitionen landwirtschaftlicher Betriebe in
Handwerk, Dienstleistung
Indikatoren
Erwartete Wirkungen
Ziele und Strategien
Probleme
Code Nr. 311 C : L-Maßnahmeneinsatz
Natur- & KulturlandRegionale Identität
schaft
Erhalt und Inwertsetzung
Schaffung einer regionalen Identität
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Leitprojekt
Grünlandprojekt
Stiftungszweck Spessart
Gesundheitswirtschaft
Lebens & Arbeitsort
Etablierung einer Gesundheitsregion
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf
der Generationen
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
Für die Region ergibt sich ein hoher Anteil von Haupterwerbsbetriebe, deren Zukunft
aufgrund ihrer Betriebsgröße und Ausstattung nicht gesichert ist. Diese Betriebe benötigen zusätzliche wirtschaftliche Perspektiven.
ƒ Sicherung der landwirtschaftlichen Einkommen durch
Diversifizierung
Neben den „klassischen“ Diversifizierungsmöglichkeiten wie Landschaftspflege, Grüngutkompostierung, Übernahme kommunaler Aufgaben wie z.B. Heckenschnitt, Winterdienst, Brennholzproduktion, Lagerung und Trocknung für städtische Haushalte, eröffnen sich insbesondere im sozialen Bereich Aufgaben für landwirtschaftliche Betriebe
die geregelte Nebeneinkünfte garantieren. Mit Sicht auf die demografische Situation in
der Region wird der Bereich Altenpflege, Essen auf Räder, Einkaufsservice, Apothekendienst in immer stärkeren Umfang nachgefragt., aber auch andere Dienstleistungen
wie therapeutisches Reiten wird eine ständig steigende Nachfrage erfahren. Es ist neben der Landwirtschafts- und Sozialverwaltung Aufgabe des Regionalmanagements
potenziellen Existenzgründern zu beraten und unterstützen
Operationelles Ziel:
Schaffung von 8 Kleinstunternehmen
Schaffung von 6 Arbeitsplätzen
ƒ
ƒ
ƒ
Erschließung von Angebotslücken
für Landwirtschaftliche Betriebe
Erhalt von landwirtschaftlichen Betrieben
Verbesserung der regionalen Wertschöpfung
ƒ
ƒ
ƒ
Anzahl der neu Teilzeitgründungen
Höhe des Investitionsvolumens
Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze / Ausbildungsplätze
Mitteleinsatz: 75.000 €
65
3.3.2
Förderung der Entwicklung des Tourismus
3.3.2.1
(L) Landtouristische Investitionen landwirtschaftlicher Betriebe
einschl. Dienstleistungen
Probleme
Code Nr. 311 B : L-Maßnahmeneinsatz
Natur- & KulturlandRegionale Identität
schaft
Schaffung einer regionaErhalt und Inwertsetzung
len Identität
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Leitprojekt
Grünlandprojekt
Stiftungszweck Spessart
Gesundheitswirtschaft
Lebens & Arbeitsort
Etablierung einer Gesundheitsregion
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
Für die Region ergibt sich ein hoher Anteil von Haupterwerbsbetriebe, deren Zukunft
aufgrund ihrer Betriebsgröße und Ausstattung nicht gesichert ist. Diese Betriebe benötigen zusätzliche wirtschaftliche Perspektiven. Für bestehende landtouristische Anbieter gilt es sich den gestiegenen Qualitätsanforderungen anzupassen. Mit den neuen
Klassifizierungskriterien des DTV sind die Ansprüche an die Infrastruktur und Ausstattung so gestiegen, dass eine Auszeichnung mit drei Sternen nur bei einem überdurchschnittlichen Angebot zu erreichen ist, eine mit vier Sternen ein herausragendes Angebot mit zusätzlichen Freizeiteinrichtungen erfordert. Auch ist eine wirtschaftlich rentable
Auslastung von 160 Belegtagen vielfach erst in Verbindung mit einem spezialisierten
Angebot und einem zielgruppenorientierten Marketing möglich.
ƒ Sicherung der landwirtschaftlichen Einkommen durch Diversifizierung
ƒ Ausbau einer regionalen Wirthauskultur
ƒ Förderung eines am Naturerlebnis orientierten Kinder-, Jugend- und Familientourismus
Ziele und Strategien
Zur Umsetzung des Leitprojektes „Abenteuer Spessart“ sollen bei der Schaffung landtouristischer Beherbergungsangebote vornehmlich Betriebe gefördert werden, die aufgrund ihrer räumlichen Lage eine enge Verzahnung der typischen Bauernhoferlebnisse
(Umgang mit den Tieren) mit dem Erlebnis in Natur und Landschaft erlauben. Übernachtungsformen, die den abenteuerlichen Charakter unterstreichen, sollen bevorzugt
behandelt werden. Dazu zählen die Übernachtung im Heu, in Baumhäusern, Zelten am
Bauernhof oder „Räuberhöhlen“ als Neukonzeption, die sich in Verbindung mit der Kulturhistorie von SPESSARTregional begründet. Die Neuschaffung der Angebote soll
zeitgleich mit mehreren Betrieben erfolgen und wird mit einer Maßnahme zur Qualifizierung und einem Kooperationsvorhaben im Marketing verknüpft. Dem Gesamtvorhaben wird eine enge Zusammenarbeit mit dem Naturpark und den Angeboten der Naturund Umweltpädagogik zu Grunde gelegt. Im Sinne einer UaB-Spezialisierung „Naturerlebnis“ soll diese Modellcharakter. Die Maßnahmen sollen in Kooperation mit dem Verband „Bauernhof und Landurlaub in Hessen“ und dem Landesbetrieb Landwirtschaft
durchgeführt werden.
Zum Ausbau einer regionalen Wirtshauskultur soll ein Angebot an bäuerlicher Gastronomie geschaffen werden, deren Konzeption nachweisliche einen umfassenden Wareneinsatz regionaler Produkte vorsieht. Landwirtschaftliche Betriebe, die sich mit Aktionstagen am Bauernhof eine zusätzliches Einkommen erwirtschaften wollen, erfahren
ebenso Unterstützung.Für eine Anpassung an die gestiegenen Qualitätsanforderungen
werden bestehende Betriebe im Bereich der Qualitätssicherung und Verbesserung der
Infrastrukturausstattung gestützt.
Operationelles Ziel:
Schaffung von 10 landtouristische Angeboten einschließlich der Weiterentwicklungen
66
lErwartete Wirkungen
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Erhalt der landwirtschaftlichen Betriebe
Profilbildung im Bereich Landtourismus
Qualitätssteigerung
Positive Beschäftigungseffekte
Verbesserung der regionalen Wertschöpfung
ƒ
Anzahl der neu geschaffenen landtouristischen Angebote im Bereich der
Beherbergung, der bäuerlichen Gastronomie und Dienstleistung
Anzahl der neu geschaffenen Infrastrukturausstattungen in Verbindung mit bestehenden landtouristischen Angeboten
Höhe des Investitionsvolumen
Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze
Indikatoren
ƒ
ƒ
ƒ
Mitteleinsatz: 200.000 €
67
3.3.2.2
(L) Landtouristische kleine Infrastrukturinvestitionen und
Marketingaktivitäten sonstiger Träger einschließlich Dienstleistungen
Probleme
Code Nr. 313 : L-Maßnahmeneinsatz
Natur- & KulturlandRegionale Identität
schaft
Schaffung einer regionaErhalt und Inwertsetzung
len Identität
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Leitprojekt
Grünlandprojekt
Stiftungszweck Spessart
Gesundheitswirtschaft
Lebens & Arbeitsort
Etablierung einer Gesundheitsregion
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
Die Region weist einen Mangel an touristischer Infrastruktur auf, die geeignet ist die
Natur und Kulturhistorie der Region für den Gast erlebbar zu machen. Der Grad der
Kooperation von touristischen Leistungsträgern ist gering, gemeinsame Marketingmaßnahmen werden nicht durchgeführt. Doch gerade diese führen oftmals erst zu einer professionellen Präsentation insbesondere bei kleinstrukturierten Betriebe.
Erwartete Wirkungen
Ziele und Strategien
ƒ Inwertsetzung der natürlichen und kulturhistorischen Potentiale für eine touristische
Profilbildung
ƒ Verbesserung der Attraktivität und Qualität im Bereich der
landschaftsgebundenen Aktivurlaubsarten
ƒ Förderung am Naturerlebnis orientierten Kinder-, Jugend- und Familientourismus
ƒ Sicherung der landwirtschaftlichen Einkommen durch Diversifizierung
ƒ Ausbau einer regionalen Wirtshauskultur
Zur Profilbildung und Umsetzung des Leitprojektes sollen Infrastrukturmaßnahmen mit
geringem finanziellen Aufwand zur Schaffung von Erlebnisorten beitragen. Kulturhistorische Pfade in Verbindung mit bestehenden Wanderwegen konzipiert, sollen das Angebot im Bereich der landschaftsgebundenen Aktivurlaubsarten erweitern. Die Maßnahmen sollen dem formulierten Anspruch eines Abenteuers gerecht werden und
hochwertige Erlebnisse im Umgang mit der Natur und Kulturhistorie erlauben. Damit
gehen neu geschaffene Wege weit über einen informativen Charakter hinaus, vielmehr
sollen sie die Möglichkeit zur Interaktion und dem Spiel bieten.
Touristische Kooperationen, die für die genannten Ziele einen Beitrag leisten erfahren
Unterstützung. In den Kooperationen sollen zielgruppenorientiert vergleichbare Angebote gebündelt und professionelle präsentiert werden.
Operationelles Ziel:
Umsetzung von 4 Infrastrukturmaßnahmen im Bereich Aktivurlaub
Umsetzung von 3 Infrastrukturmaßnahmen „Erlebnisorte“
Unterstützung von 3 touristischen Marketingkooperationen
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Profilbildung im Bereich Landtourismus
Profilbildung im Bereich Natur- und Kulturhistorie
Profilierung und Professionalisierung touristischer Leistungsträger / Betriebe
Zunahme der touristischen Nachfrage insbesondere durch erhöhtes Tagesbesucheraufkommen
Positive Beschäftigungseffekte
Verbesserung der regionalen Wertschöpfung
Indikatuoren
ƒ Anzahl der geförderten Infrastrukturmaßnahmen
ƒ Anzahl der Kooperationen
ƒ Höhe des Investitionsvolumens
ƒ Anzahl zusätzlicher Tagebesucher
ƒ Anzahl zusätzlicher Übernachtungsgäste
Mitteleinsatz: 120.000 €
68
3.3.2.3
Investitionen in die Tourismusinfrastruktur
3.3.2.4
Touristische Marketinginvestitionen
Maßnahmeneinsatz
Regionale Identität
Natur- & Kulturlandschaft
Gesundheitswirtschaft
Lebens & Arbeitsort
Schaffung einer regionalen Identität
Erhalt und Inwertsetzung
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Grünlandprojekt
Etablierung einer Gesundheitsregion
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Leitprojekt
Stiftungszweck Spessart
Die Region weist Defizite in der Infrastrukturausstattung im Bereich des Kurwesen und
der Kulturwirtschaft auf. Verschiedene Einrichtungen weisen einen Modernisierungsbedarf auf, andere bedürfen der Erweiterung.
Unterziele:
ƒ Ausbau und Stärkung der beiden Kurorte Bad Orb und Bad Soden-Salmünster
ƒ Entwicklung einer Strategie zur Profilierung der gemeinsamen Heilstärke und Wahrung von Alleinstellungsmerkmalen
ƒ Nutzung von Synergieeffekten in Infrastrukturentwicklung, Produktentwicklung und
Marketing
ƒ Ausbau der Angebote in den Bereichen „medical wellness“ und Prävention unter
Einbeziehung des Netzwerkes für Gesundheit Main-Kinzig
ƒ Ausbau von Kooperationen der beiden Gesundheitsnetzwerke in Bad Orb und Bad
Soden Salmünster
ƒ Verknüpfung von Kur und Kultur „KURtur“ durch die Schaffung überregional bedeutsamer Kulturevents und Stärkung der Kulturwirtschaft
ƒ Ausbau und Verbesserung der sportlichen Begleitangebote
Wenn auch in der Kooperation der beiden Kurorte die Synergieeffekte zu prüfen sind,
sind mit der Profilbildung zur Gesundheitsregion absehbar umfangreiche Investitionen
verbunden.
Aktuell werden folgende Vorhaben benannt:
ƒ Neubau eines Thermalbades in Bad Orb
ƒ Erweiterung der Spessarttherme
ƒ Lichtgestaltung Kurpark Bad Soden-Salmünster
Des Weiteren werden sind zur Sanierung von Veranstaltungsräume für kulturelle Veranstaltungen in Planung.
Erläuterungen
Ein Bedarf an touristischen Marketinginvestitionen für die Gesundheitsregion ist wahrscheinlich, kann zum derzeit in Art und Umfang noch nicht abgeschätzt werden.
69
3.3.3
Entwicklung der regionalen Energiegewinnung und Versorgung
3.3.3.2
(L) Investitionen sonstiger Träger zur Nutzung von Biorohstoffen
einschl. Dienstleistungen
Indikatoren
Erwartete Wirkungen
Ziele und Strategien
Probleme
Code Nr. 321 B : (L)-Maßnahmeneinsatz
Natur- & KulturlandRegionale Identität
schaft
Schaffung einer regionalen Erhalt und Inwertsetzung
Identität
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Leitprojekt
Grünlandprojekt
Stiftungszweck Spessart
Gesundheitswirtschaft
Etablierung einer Gesundheitsregion
Lebens & Arbeitsort
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Das Biomassepotential insbesondere des Energieträgers Holz ist in der Region noch
nicht ausreichend erschlossen. Die regionale Holznutzung bleibt derzeit hinter ihren
Möglichkeiten zurück.
Derzeit sind die mit den bereits in Betrieb befindlichen Anlage mit den leicht zu erschließenden Potenzialen.ausgeschöpft.
ƒ Steigerung des Einsatzes Erneuerbare Energien, vorrangig des
Energieträgers Holz
ƒ Ausbau der stofflichen Nutzung von Biomasse
Ziel der Maßnahme ist die Erhöhung des Anteils der dezentral erzeugten und genutzten Wärme aus regionaler Biomasse. Die Förderung ist auf die Projekte zu konzentrieren, wo hohe Wirkungsgrade hinsichtlich der Energienutzung und zu erwarten sind. Im
Hinblick auf die Planungen ist es Ziel, über die bisher eingesetzten Rohstoffe aus Forst
– und Landwirtschaft zu klären, ob und welche anderen Rohstoffe der Region zur
Energieerzeugung zur Verfügung stehen. Beispiel: Gras, Stroh etc. Das Vorhaben
Biomassehof Sinntal und die kommunalen Hackschnitzelheizwerke sollen z.B. die Zusammenarbeit innerhalb der Forstbetriebsgemeinschaften fördern und die Potentiale
erst erschließen.
Operationelles Ziel:
Schaffung von 10 Holzfeuerungsanlagen und andere Verwertungen
ƒ Erhöhung der CO2-Einsparung
ƒ Positive Beschäftigungseffekte
ƒ Verbesserung der regionalen Wertschöpfung
ƒ
ƒ
ƒ
Anzahl der geförderten Anlagen
Höhe des Investitionsvolumens
Durchschnittliche CO2 Einsparung
Mitteleinsatz: 120.000 €
70
3.3.5 Schulungs- und Begleitungsmaßnahmen mit wirtschaftlicher Zielsetzung
3.3.5.1
(L) Schulungen für Wirtschaftsakteure
Code Nr. 331 : (L)-Maßnahmeneinsatz
Regionale Identität
Natur- & Kulturlandschaft
Gesundheitswirtschaft
Lebens & Arbeitsort
Schaffung einer regionalen Identität
Erhalt und Inwertsetzung
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Grünlandprojekt
Etablierung einer Gesundheitsregion
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Erwartete Wirkungen
Ziele und Strategien
Probleme
Leitprojekt
Stiftungszweck Spessart
Das vorhandene Bildungsangebot reicht nicht aus, um Existenzgründer themenbezogen und projektorientiert auf ihre selbstständige Tätigkeit vorzubereiten. Gerade Frauen, die den beruflichen Wiedereinstieg suchen, werden die vorhandenen Bildungsangebote nicht gerecht. Insbesondere im Bereich Tourismus fehlen entsprechende Angebote. Gleichzeitig gibt es gerade hier zur Verbesserung der Servicequalität erhöhten
Schulungsbedarf.
ƒ Ausbau einer regionalen Wirtshauskultur
ƒ Förderung von Existenzgründungen im Gesundheitswesen und begleitender Dienstleistungen
ƒ Intensivierung von Initiativen und Projekten zur Berufsfindung im Handwerk, der
Industrie, dem Gesundheitswesen und dem Gastgewerbe
ƒ Förderung der Gründung und Entwicklung von Kleinstunternehmen zur Versorgung
des ländlichen Raum mit Waren und Dienstleistung
Durch projektorientiert Schulungen sollen Existenzgründer, das für sie notwendige
spezifische Wissen, gezielt Branchenkenntnis erhalten und in der Phase der Gründung
begleitet werden. Die Qualifizierungsmaßnahmen ergeben sich damit in Verbindung
mit dem der Gesundheitswirtschaft, dem ländlichen Tourismus und den Dienstleistungen der Versorgung und Betreuung. Im Gastgewerbe sollen geeignete Schulungen die
Servicequalität verbessert und zum Ausbau einer Wirtshauskultur beitragen.
Operationellen Ziel
Durchführung von 4 projektorientierte Qualifizierungsmaßnahmen
Durchführung von 4 themenbezogenen Informationsveranstaltungen/Schulungen
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Indikatoren
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Erhalt von Basisqualifikationen im ländlichen Raum
Verbesserung der beruflichen Qualifikation
Aufbau neuer Qualifikationen im Tourismus
Stärkung von Existenzgründungen und Verbesserung der Insolvenzrate
Anzahl der Informationsveranstaltungen sowie Schulungen einschließlich der Teilnehmer/innen
Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, gegliedert nach Zielgruppe
Anzahl der Unterrichtseinheiten und Ausbildungstage
Kenntnisgewinn der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Professionalisierung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Mitteleinsatz: 100.000 €
71
3.4
Verbesserung der Lebensqualität:
3.4.1
(L) Investitionen für Versorgungseinrichtungen einschl. Dienstleistungen
Code Nr. 321 A : (L)-Maßnahmeneinsatz
Regionale Identität
Natur- & Kulturlandschaft
Gesundheitswirtschaft
Lebens & Arbeitsort
Schaffung einer regionalen Identität
Erhalt und Inwertsetzung
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Grünlandprojekt
Etablierung einer Gesundheitsregion
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Probleme
Leitprojekt
Stiftungszweck Spessart
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
In der Region ist die Ausstattung an Dienstleistungseinrichtungen nicht ausreichend.
Noch dazu gibt es kaum Einrichtungen, die vor dem Hintergrund des demographischen Wandels Versorgungsbereiche bündeln und so zu einer Sicherung des Angebots beitragen. Durch den Abbau der VHS geht ein Rückzug von Bildungsangeboten
und Veranstaltungen einher, der derzeit von keiner anderen Einrichtung abgefangen
wird. Die Möglichkeiten zur innerregionalen Kommunikation werden beklagt.
Erwartete Wirkungen
Ziele und Strategien
ƒ Verbesserung der regionalen und länderübergreifenden Kommunikationsstrukturen
ƒ Schaffung einer virtuellen Region und Erhöhung der Medienkompetenz in allen Altersgruppen
ƒ Belebung von Orts- und Stadtkernen
ƒ Schaffung eines attraktiven Wohnumfeldes für junge Erwachsene und Familien, vor
allem in den Gemeinden und Stadtteilen des inneren Spessarts
Die Schaffung und Anpassung von Dienstleistungseinrichtungen Information, Kommunikation und Betreuung ist zu fördern. Dabei sollen die Einrichtungen insbesondere
einen Beitrag zur Stärkung der regionalen Identität leisten. In jedem Fall wird ein Beitrag zur Belebung von Orts- und Stadtkernen erwartet. Daher sind Standorte streng
nach ihrem Beitrag zu Innenentwicklung und als Impuls zur sozialen Entwicklung zu
prüfen.
Operationelles Ziel:
Schaffung von 6 Dienstleistungseinrichtungen.
ƒ
ƒ
Verbesserung der Lebensqualität
Stärkung der regionale Identität
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Indikatoren
Anzahl der geförderten Dienstleistungseinrichtungen
Höhe des Investitionsvolumen
Durchschnittliches Gesamtinvestitionsvolumen je Vorhaben
Bevölkerung der ländlichen Gebiete, die von den verbesserten Dienstleistungen
profitiert
ƒ Anteil der Bevölkerung die von Verbesserung der Lebensqualität profitiert
ƒ Anzahl mit den Dienstleistungseinrichtungen in Verbindung geschaffenen Arbeitsplätzen
Mitteleinsatz: 300.000 €
72
3.4.2
Dorferneuerung und - entwicklung
Code Nr. ? :-Maßnahmeneinsatz
Natur- & KulturlandRegionale Identität
schaft
Schaffung einer regionaErhalt und Inwertsetzung
len Identität
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Leitprojekt
Stiftungszweck Spessart
Grünlandprojekt
Gesundheitswirtschaft
Lebens & Arbeitsort
Etablierung einer Gesundheitsregion
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
An der Dorferneuerung haben aus der Region schon 35 Ortsteile teilgenommen. Aktuell sind 6 Schwerpunkte im anerkannt. Das Programm bietet die Möglichkeit, die Lebensqualität in den ländlichen Orten nachhaltig zu erhöhen. Daher wird die Dorferneuerung als Chance begriffen, so dass sich regelmäßig mehr Orte um die Anerkennung bemühen, als neue aufgenommen werden können.
Zwingende Voraussetzung für eine Bewerbung ist die Bekenntnis zur Innenentwicklung
und der Verzicht auf Ausweisung konkurrierender Baugebiete vor und während der
Laufzeit des DE-Verfahrens. Dadurch sollen vorrangig zentrale Funktionen in den historischen Ortskernen gestärkt, eine gute Wohnqualität erhalten oder geschaffen und
einem zunehmenden Gebäudeleerstand entgegengewirkt werden. Daneben gilt es
eine umfangreiche Strukturdatenerhebung durchzuführen und die Antragstellung individuell zu begründen. Interessierte Gemeinden sind bereits im Vorfeld gefordert, sich
intensiv mit ihren Entwicklungsmöglichkeiten auseinander zu setzen. Hierbei sollte zunächst gar nicht die Aussicht auf Förderung im Vordergrund stehen, sondern die Motivation, sich mit dem Heimatdorf auseinander zu setzen und Eigeninitiative zu entfalten.
Die Dorferneuerung kann zur Zielerreichung in allen Handlungsfeldern bzw. aller strategischen Entwicklungsziele beitragen.
Derzeit bewerben sich Schlüchtern-Kressenbach, Hasselroth-Niedermittlau, Biebergemünd-Roßbach. Es werden ab 2008, 2 neue Förderschwerpunkte anerkannt.
Bedingungen: Es sollen je Stadt/Gemeinde nur 1 Förderschwerpunkt anerkannt sein.
Laufzeit eines Förderschwerpunktes: 8-9 Jahre; max. 3000 Einwohner je.
Interessiert am Programm sind Sinntal-Weichersbach, Linsengericht-Großenhausen,
Bad Soden Salmünster Kerbersdorf, Bad Soden Salmünster Huttengrund, JoßgrundOberndorf, Wächtersbach-Neudorf, Hesseldorf, Weilers. Die drei Ortsteile wollen gemeinsam einen Schwerpunkt bilden. (
Erläuterungen
Es dürften, über die Bewerber/Interessent hinaus, noch insgesamt 23 Stadt/Ortteile im
Bereich der Gebietskulisse von SPESSARTregional als Förderschwerpunkt anerkannt
werden. Sofern das Programm Bestand hat würde es noch mind. 20 Jahre dauern bis
alle Ortsteile DE-Schwerpunkt werden.
73
3.4.4 (L) Investitionen für Einrichtungen zur Information über Landschaft- und
Kulturgeschichte einschl. Dienstleistungen
Indikatoren
Erwartete Wirkungen
Ziele und Strategien
Probleme
Code Nr. 323: (L)-Maßnahmeneinsatz
Natur- & KulturlandRegionale Identität
schaft
Erhalt und Inwertsetzung
Schaffung einer
regionalen Identität
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Leitprojekt
Stiftungszweck Spessart
Grünlandprojekt
Gesundheitswirtschaft
Lebens & Arbeitsort
Etablierung einer Gesundheitsregion
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
SPESSARTregional wie auch der Naturraum Spessart verfügt über keine regionale
Identität. Das fehlenden Bewusstsein um die eigenen Landschafts- und Kulturgeschichte dokumentiert sich in der Feststellung der regionalen Akteure, dass die eigene
Geschichte erst geschrieben werden müsse. Um die Zusammenhänge wie auch regionale Identität erlebbar. Auch fehlen Einrichtungen bzw. ergeben sich Defizite in vorhandenen Einrichtungen, die Wissenswerte um das kulturelle Erbe mit zeitgemäßen
Mittel darstellun und in Interaktionen erfahrbar machen. Letzteres trifft insbesondere für
den Themenkomplex Märchen zu. Vor diesem Hintergrund wird vor allem das Fehlen
eines „Spessartzentrum“ angeführt, das als Zentrum für Information, Bildung und Austausch der Bevölkerung und der Besuchern der Region dienen kann.
ƒ Sensibilisierung für ein regionales Selbstverständnis
ƒ Stiftung einer eigenständigen Identität durch die Verknüpfung von Kulturhistorie und
Moderne
ƒ Inwertsetzung der natürlichen und kulturhistorischen Potentiale für eine touristische
Profilbildung
ƒ Belebung von Orts- und Stadtkernen
ƒ Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements
Mit der Schaffung und Aufwertungen von Einrichtungen zur Information über die Landschafts- und Kulturgeschichte wie auch das besondere kulturelle Erbe soll die regionalen Identität gestärkt, aber auch neue touristische Potential erschlossen werden. Gemäß der Formulierung des Leitprojekts soll das „Anstiften zur eigenen Identität“ zu einem „Anstiften zu mehr Eigenverantwortung und bürgerschaftlichen Engagement“ für
die Region führen.
Operationelles Ziel
Schaffung / Verbesserung von 3 Einrichtungen
Schaffung von 6 Projekten und Initiativen zu Erlebbarkeit von regionaler Identität
ƒ Stärkung der regionalen Identität
ƒ Verbesserung der Attraktivität des Lebensraumes
ƒ Erschließung touristischer Potentiale
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Anzahl der geförderten Investitionsprojekte
Anzahl der geförderten Studien und Projektplanungen
Höhe des Investionsvolumens
Einstellungs- und Bewusstseinänderung zur regionalen Identität
Mitteleinsatz: 360.000 €
74
3.6
(L) Kompetenzentwicklung und Sensibilisierung
Wegen der gemeinsame Ziele, Strategien und erwarteten Wirkungen sind die nachfolgenden
Maßnahmen in der Darstellung zusammen gefasst.
3.6.1
3.6.2
3.6.3
3.6.4
(L) Entwicklungskonzepte, Moderation, Publikation
(L) Information über das Gebiet und die lokale Entwicklungsstrategie
(Binnenmarketing)
(L) Schulung der ehrenamtlich tätigen Akteure der Regionalforen durch
Fortbildung un Coaching
(L) Schulung der leitenden Akteure der Regionalforen durch Fortbildung
und Coaching
Code Nr. 341 Projektbereich 1-4 : (L)-Maßnahmeneinsatz
Natur- & Kulturlandschaft
Regionale Identität
Gesundheitswirtschaft
Schaffung einer
regionalen Identität
Erwartete Wirkungen
Ziele und Strategien
Probleme
Leitprojekt
Stiftungszweck Spessart
Erhalt und Inwertsetzung
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Grünlandprojekt
Etablierung einer Gesundheitsregion
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
Lebens & Arbeitsort
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Mit der Ablehnung als lokale Aktionsgruppe im Jahr 2002 hatten sich die Aktivitäten
des Verbandes SPESSARTregional auf ein Minimum reduziert. Zwischenzeitlich wurde
sogar die Auflösung in Erwägung gezogen. Mit der Erstellung des REK ergab sich
nach langjährigem Stillstand, die Möglichkeit regionale Akteure zu mobilisieren und
umfassend mit ihren Wünschen und Vorstellungen hier einzubinden (vgl. Kap. 4). Das
Verständnis für ein gemeinsames Regionalforum konnte auf den Weg gebracht werden. Mit der neuen Förderphase sollen ehrenamtliche Akteure weit stärker in den Umsetzungsprozess der regionalen Entwicklungsstrategie eingebunden werden. Insgesamt sind die Akteure jedoch mit der Umsetzung von Projekten und Fragen des Projektmanagements wenig erfahren. Zudem sind in Verbindung mit dem demographschen Wandel Teile der Bevölkerung einzubinden die bis dato wenig angesprochen
waren. Im Rahmen der REK-Erstellung wurden zudem Arbeitsbereiche identifiziert, die
im Rahmen von weiterführenden Studien
Die Maßnahmen tragen unmittelbar zur Umsetzung der regionalen Strategie bei. Neben Maßnahmen des Binnenmarketings, sollen die ehrenamtlichen Akteure umfassend
für die kommenden Projektaktivitäten geschult werden. Die leitenden Akteure sollen
vertieft über Instrumente und Strategie der Prozesssteuerung als auch der Evaluierung
geschult/gecoacht werden, ggf. können vereinzelt Maßnahmen in Kooperation mit anderen Entwicklungsgruppen durchgeführt werden.
Operationelles Ziel:
Durchführung von 2 Studien/Aktivierenden Konzeptentwicklung
Durchführung von 2 Maßnahmen zum Binnenmarketing
Durchführung von 4 Schulungs-/Coachingtagen für die regionalen Akteure
Durchführung von 2 Schulungs/Coachingmaßnahmen für die leitenden Akteure
ƒ Stärkung der Eigenverantwortung zu Umsetzung der regionalen Entwicklungsstrategie
ƒ Erweiterung des an der regionalen Entwicklung beteiligten Personenkreises
ƒ Professionalisierung in der Umsetzung einzelner Vorhaben und der Gesamtstrategie
75
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Indikatoren
Anzahl der geförderten Studien
Anzahl der Maßnahmen zum Binnenmarketing
Anzahl der erreichten Bürgerinnen und Bürger
Anzahl der zusätzlich gewonnenen regionalen Akteure
Anzahl der Schulungs-/Coachingmaßnahmen in Tagen in Unterscheidung zwischen
ehrenamtlichen und leitenden Akteuren
ƒ Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Schulungs-/Coachingmaßnahmen
in Unterscheidung zwischen ehrenamtlichen und leitenden Akteuren
ƒ Kenntnis-/Verständnisgewinn zur regionalen Entwicklungsstrategie
Mitteleinsatz: 45.000 €
76
3.7
(L) Umsetzung von Projekten der Zusammenarbeit mit anderen LAGs
Indikatoren
Erwartete Wirkungen
Ziele und Strategien
Probleme
Code Nr. 121 :-Maßnahmeneinsatz
Natur- & KulturlandRegionale Identität
schaft
Schaffung einer regionaErhalt und Inwertsetzung
len Identität
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Leitprojekt
Stiftungszweck Spessart
Grünlandprojekt
Gesundheitswirtschaft
Lebens & Arbeitsort
Etablierung einer Gesundheitsregion
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
Mit der Entwicklung von Projektideen wurden Vorhaben identifiziert die eine Zusammenarbeit mit anderen Regionen sinnvoll erscheinen lassen. Insbesondere bei projektbezogenen Schulungsmaßnahmen, dem Aufbau geeigneter Vermarktungsstrukturen
und Kooperation zeichnet sich im genannten Handlungsfeld Bedarf ab. Mit der Erstellung des REK durch die Aktionsgruppe Main-Spessart ergeben sich grundsätzlich Möglichkeiten zur Kooperation, deren Inhalte zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.
Projekte in Kooperationen sollen zur der regions- und länderübergreifenden Zusammenarbeit führen und die Entwicklungsarbeit der beiden Regionen unterstützen. Der
Schwerpunkt liegt in der länderübergreifenden Kooperation, die unter anderem für die
gemeinsame Destinationsentwicklung Spessart förderlich sein kann. Je nach Ausgestaltung der Kooperation können die Kooperationen in den Handlungsfeldern wirken.
Operationelles Ziel:
Anbahnung und Durchführung von 3 Projekten in Kooperation
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Verbesserung der länderübergreifenden Zusammenarbeit
Anzahl der kooperierenden Regionen
Anzahl der entstandenen nachhaltig angelegten Kooperationen
Anzahl gemeinsam durchgeführter Projekt
Kenntnis-/Verständnisgewinn zur länderübergreifenden Zusammenarbeit
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Anzahl der geförderten Projekte
Anzahl der kooperierenden Regionen
Anzahl der entstandenen nachhaltig angelegten Kooperationen
Anzahl gemeinsam durchgeführter Projekt
Kenntnis-/Verständnisgewinn zur länderübergreifenden Zusammenarbeit
Mitteleinsatz: 60.000 €
77
3.8
(L) Arbeit der lokalen Aktionsgruppe
Indikatoren
Erwartete Wirkungen
Ziele und Strategien
Probleme
Code Nr. 431 EPLR :-Maßnahmeneinsatz
Natur- & KulturlandRegionale Identität
schaft
Schaffung einer regionaErhalt und Inwertsetzung
len Identität
der Natur- und Kulturlandschaft
Leitprojekt
Leitprojekt
Stiftungszweck Spessart
Grünlandprojekt
Gesundheitswirtschaft
Lebens & Arbeitsort
Etablierung einer Gesundheitsregion
Sicherung des Wohn- und
Arbeitsortes für den Bedarf der Generationen
Leitprojekt
Gesundheitsregion Spessart
Leitprojekt
Abenteuer Spessart
SPESSARTregional verfügt über kein professionelles Regionalmanagement. Die Zusammenarbeit der Kommunen und regionalen Akteure ist bis dato wenig organisiert.
Funktionierende Netzwerkstrukturen sind noch nicht, und wenn dann allenfalls in Ansätzen vorhanden.
Mit der Einrichtung eines professionellen Regionalmanagement kann zur Zielerreichung in allen Handlungsfeldern bzw. aller strategischen Entwicklungsziele ein Beitrag
geleistet werden.
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Verbesserung der Kooperations- und Netzwerkstrukturen
Stärkung und Bündelung von Kompetenzen
Stärkung der Eigenverantwortung
Gestaltung des Demographischen Wandels
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Hohe des Investionsvolumens
Anzahl der Förderprojekte
Anzahl der Netzwerke und Kooperationen
Wirtschaftswachstum und Beschäftigungseffekte
Mitteleinsatz: 200.000 €
78
3.9
Finanztabelle für den geplanten Einsatz der LEADER-Mittel
Maßnahmen
Projekte
3.3.1.1
(Code 312 EPLR)
(L) Existenzgründungsinvestitionen Nichtlandwirtschaftlicher Träger einschl. Dienstleistungen
6
120.000,-€
3.3.1.2
(Code 311 C EPLR)
(L) Diversifizierungsinvestitionen landwirtschaftlicher Betriebe in Handwerk, Dienstleistung
Quantifizierung: Anzahl der geplanten Förderung von Kleinstunternehmen, neu geschaffene Arbeitsplätze
(L) Landtouristische Investitionen landwirtschaftlicher Betriebe einschl. Dienstleistungen
8
75.000,-€
10
200.000,-€
3.3.1
Kennziffer
3.3.2.2
(Code 313 A EPLR)
(L) Landtouristische kleine Infrastrukturinvestitionen und Marketingaktivitäten sonstiger
Träger einschließlich Dienstleistungen
10
120.000,-€
3.3.3.1
(Code 311 A EPLR)
(L) Investitionen landwirtschaftlicher Betriebe
zur Nutzung von Biorohstoffen einschließlich
Dienstleistungen
0
0,- €
3.3.3.2
(Code 321 B EPLR)
(L) Investitionen sonstiger Träger zur Nutzung
von Biorohstoffen einschl. Dienstleistungen
10
120.000,-€
3.3.5.1
(Code 331 EPLR)
(L) Schulungen für Wirtschaftsakteure
8
100.000,-€
3.4.1
(Code 321 A EPLR)
(L)Investitionen für Versorgungseinrichtungen
einschl. Dienstleistungen
6
300.000,-€
3.4.4
(Code 323 EPLR)
(L)Investitionen für Einrichtungen zur Information über Landschafts- und Kulturgeschichte
einschl. Dienstleistungen
9
360.000,-€
3.6.1
(Code 341 Projektbereich
1 EPLR)
Entwicklungskonzepte, Moderation, Publikation)
2
15.000,-€
3.6.2
(Code 341 Projektbereich
2 EPLR)
Information über das Gebiet und die lokale
Entwicklungsstrategie (Binnenmarketing)
2
15.000,-€
3.6.3
(Code 341 Projektbereich
3 EPLR)
Schulung ehrenamtlich tätiger Akteure auf der
regionalen und örtlichen Ebene
4
10.000,-€
3.6.4
(Code 341 Projektbereich
4 EPLR)
Schulung der leitenden Akteure der Regionalforen durch Fortbildung und Coaching
2
5.000,-€
3.7
(Code 421 EPLR)
Umsetzung von Projekten der Zusammenarbeit mit anderen LAGs
3
60.000,-€
3.8
(Code 431 EPLR)
Aufbau eines Regionalmanagements
1
200.000,-€
3.8
3.7
3.6
3.4
3.3.5
3.3.3
3.3.2
3.3.2.1
(Code 311 B EPLR)
Fördermittel
Summe:
1.700.000,-€
79
4.
Organisationsstruktur des Entwicklungsprozesses
Die Erstellung des Regionalen Entwicklungskonzeptes hat den Verband SPESSARTregional
in vielerlei Hinsicht vor eine Herausforderung gestellt. Nach der Nichtanerkennung im vorherigen Förderzeitraum und zahlreicher Personalwechsel, verbunden mit der fehlende Perspektiven wurde die Auflösung des Verbandes ernsthaft in Erwägung gezogen. Mit dem Entschluss sich ein weiteres Mal um LEADER-Mittel zu bewerben, mussten neue Organisationsund Arbeitsstrukturen geschaffen werden und die regionalen Akteure erst wieder informiert
und mobilisiert werden.
Zur Bearbeitung des REK wurden folgende Strukturen und Verantwortlichkeiten geschaffen:
ƒ
Steuerungsgruppe
Die Steuerungsgruppe war zuständig für den inhaltlichen und organisatorischen Rahmen zur Erarbeitung des REK. Mitglieder der Steuerungsgruppe waren die Vorstandsmitglieder sowie Vertreter der Wirtschaft- und Sozialverbände wie zum Beispiel der IHK
Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, des Kreisbauernverbandes, die Referate Wirtschaftsförderung und Tourismus des Main-Kinzig-Kreises, des Naturpark und Landschaftspflegeverband.
ƒ
Arbeitskreise
Zur Einbindung möglichst vieler regionaler Akteure wurden fünf thematische Arbeitskreise initiiert. Hier sollte die inhaltliche Basis für das REK geschaffen wie auch Projekte
erarbeitet werden. Neben den Vertretern der Wirtschafts- und Sozialverbände, der Behörden und Institutionen war es erklärtes Ziel möglichst viele Unternehmen, interessierte
Bürgerinnen und Bürger interessierte für den Prozess zu gewinnen, um gerade ihnen die
aktive Mitgestaltung ihrer Heimatregion zu ermöglichen.
ƒ
Arbeitsgruppe
Die Arbeitsgruppe sicherte den Gesamtprozess zur Erstellung des REK. Als operative
Einheit war sie verantwortlich für die Abwicklung aller Arbeitsschritte, von der Beschaffung von Informationen und Materialien, der Organisation von Arbeitskreisen und Diskussionsforen wie auch der Aufbereitung und Bündelung der Ergebnisse in das Gesamtkonzept. Die Arbeitsgruppe setzte sich zusammen aus dem Geschäftsführer von
SPESSARTregional e.V. und Vertretern des Amtes für den ländlichen Raum. Für die
Mitarbeit wurde ein externes Beratungsbüro hinzu gezogen.
Im März 2007 konnte die Arbeitsgruppe und die Steuerungsgruppe ihre Tätigkeit aufnehmen.
In einem ersten Schritt wurden die notwendigen Daten und Materialien für die Regionalanalyse recherchiert, aufbereitet und zusammengeführt. Die Ergebnisse der Regionalanalyse
wurden im April zur SWOT-Analyse verdichtet und daraus die Handlungsbedarfe bestimmt.
Mit einer Öffentlichen Auftaktveranstaltung im Mai wurden die Arbeitsgruppen initiiert. Es
wurde der Ablauf und die Arbeit in den Arbeitsgruppen vorgestellt und vor allem die Wichtigkeit einer umfassenden Beteiligung aller Akteure verdeutlicht. Die anschließende Diskussion
über vordringlich zu bearbeitende Handlungsfelder wurde durch die Steuerungsgruppe zusammengefasst. Im Ergebnis konnten 5 Arbeitskreise mit den folgenden Arbeitsschwerpunkten gebildet werden:
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Natur und Landschaft
Landwirtschaft und Energie
Tourismus und Naherholung
Dorf und Soziales
Wirtschaft und Arbeit
80
Die Zusammenführung aller Arbeitsergebnisse aus den Arbeitskreisen erfolgte im Juli in der
Steuerungsgruppe. Auf der Grundlage konnten Strategische Entwicklungsziele abgeleitet
und der erste Entwurf eines Leitbilds erarbeitet werden.
Abb. 18: Ablaufsschritte zur Erstellung des REK
April 2007
Steuerungsgruppe
Mai 2007
Initiierung der
Arbeitskreise (AK)
Öffentliche Auftakt-Veranstaltung
Juni / Juli 2007
Juli 2007
August 2007
September 2007
Arbeitskreise
Steuerungsgruppe
Steuerungsgruppe
Mitglieder und
Teilnehmer der AK
ƒ Vorstellung Regionalanlyse
ƒ Erarbeitung SWOT-Analyse
ƒ Bestimmung des Handlungsbedarfs
ƒ Erläuterung zur Vorgehensweise
ƒ Vorstellung der Ergebnisse aus Regional- und SWOT-Analyse sowie
der Handlungsbedarfe
ƒ Diskussion der vordringlich zu bearbeitenden Handlungsfelder
ƒ Themenspezifische Aufarbeitung in 5
AK:
ƒ Natur- und Landschaft
ƒ Landwirtschaft und Energie
ƒ Tourismus und Naherholung
ƒ Dorf und Soziales
ƒ Wirtschaft und Arbeit
ƒ Zusammenführung der Ergebnisse
der AK
ƒ Verdichtung der Ergebnisse
ƒ Ableitung Strategische Entwicklungsziele
ƒ Leitbild erster Entwurf
ƒ Verfeinerung der Strategischen Entwicklungsziele mit Unterzielen
ƒ Erstellung des Leitbildes
ƒ Verabschiedung Leitbild und regionale Entwicklungsstrategie
Öffentliche Abschluss-Veranstaltung
Oktober 2007
Steuerungsgruppe
ƒ Formale Verabschiedung des REK
81
Die bereits jetzt vorhandene gute Verankerung der im REK formulierten Ziele dokumentiert
sich durch den hohen Anteil der Mitarbeiter in den Arbeitskreisen. 90 Menschen haben regelmäßig an den Arbeitskreistreffen teilgenommen. Erwähnenswert sind vor allem die Teilnehmer, die nicht aus den Mitgliedskreisen gekommen waren, wie z. B. kirchliche Vertreter,
ehrenamtliche Naturschutzverbände, Forstämter, Vertreter aus dem Gesundheitsbereich, der
Presse, der Gewerbe- und Verkehrsvereine, den Vereinen und dem Hotel- und Gaststättenbereich. Und es haben auch die Vertreter des länderübergreifenden Biotopverbundprojektes
aus dem Naturpark Spessart in Bayern an den Arbeitskreisen teilgenommen. Damit ist auch
sichergestellt, dass Projektideen aus allen Bereichen der Akteure von SPESSARTregional
stammen. Der Entwicklungsprozess wurde intensiv von der Öffentlichkeit verfolgt. Auszüge
des Pressespiegels befinden sich im Anhang.
Der Verband SPESSARTregional ist seit 1995 als eingetragener Verein organisiert. In einer
die Satzung ergänzenden Geschäftsordnung sind die Organisationsstrukturen und Aufgaben
des Regionalforums, hier als Aktionsgruppe benannt, zur Umsetzung des regionalen Entwicklungskonzeptes bestimmt.
ƒ
Aktionsgruppe / Regionalforum
Die Aktionsgruppe ist das zentrale Steuerungs- und Entscheidungsgremium. Sie berät
und entscheidet über die Gesamtstrategie und beschließt die Förderprojekte. Die Aktionsgruppe kann projektbezogene Arbeitsgruppen benennen. Die Aktionsgruppe setzt
sich aus den lokalen Akteuren zusammen.
ƒ
Vorstand
Aus der Mitte der Aktionsgruppe wird der Vorstand gewählt. Er vertritt diese in der Öffentlichkeit. In besonderen Fällen kann er über einzelne Fördervorhaben entscheiden.
ƒ
Projektbezogene Arbeitsgruppe
Die Arbeitsgruppen werden jeweils für die Projekte ernannt. Grundsätzlich sollen sie
Teilbereich der regionalen Entwicklungsstrategie bearbeiten und Teilaufgaben lösen helfen.
ƒ
Geschäftstelle / Regionalmanagement
Das Regionalmanagement unterstützt die Aktionsgruppe, den Vorstand und die Arbeitsgruppen. Es organisierte die Projekte der Aktionsgruppe, berät potentielle Antragsteller,
dokumentiert die Projekte für die Evaluierung und klärt Fördermöglichkeiten von Projektträgern ab.
Mit der Mitgliederversammlung im September 2007 wurde eine Erhöhung der Beitrag beschlossen. Sollte der Verband anerkannt werden, so ist der Beitrag für die 30% Eigenbeteiligung an der vollen Regionalmanagementstelle und der Geschäftsführungsassistenz, wie
auch für Projekt sicher gestellt.
Die Umsetzung des regionalen Entwicklungskonzeptes konzentriert sich in den Leitprojekten.
Eine kurze Projektbeschreibung und die sich daraus ableitbaren Einzelvorhaben sind in Kap.
2.3 vorhanden. Die Umsetzung der Leitprojekte erfolgt jeweils unter Federführung einer verantwortlichen Projektgruppe. Der VSR selbst nimmt sich wegen der herausragenden Bedeutung für den Gesamtprozess dem Leitprojekt „Stiftungszweck: Spessart“ an. Für das „Grünlandprojekt“ zeichnet sich die Projektgruppe aus dem Naturpark, dem Landschaftspflegeverband, dem Biotopverbundprojekt und dem Kreisbauernverband verantwortlich. Für das
„Abenteuer Spessart“ hat sich eine Gruppe aus dem Referat Tourismus, dem Naturpark,
Forstamt Schlüchtern und Jossgrund, dem Schullandheim Wegscheide und der Kooperation
Zauberwald gegründet. Die Gesundheitsregion wird durch die beiden Kurorte und das Gesundheitsnetzwerk Main-Kinzig getragen.
82
Für das Leitprojekt zur Schaffung der regionalen Identität werden beispielhaft die Umsetzungsschritte für die nächsten Jahre skizziert. Der genannte Finanzansatz steht für die gesamten Projektkosten. Die aufgeführten Projekte sind in den unter Kap. 3 aufgeführten Maßnahmen berücksichtigt. Mit der Umsetzung der Projekte sollen Spenden und Sponsorbeiträge akquiriert werden, um auch hier zu „Identität anstiften“ zu können. Träger der Vorhaben
ist, soweit nicht anders benannt der VSR selbst, jedoch sollen Kooperationspartner in die
Vorhaben mit eingebunden werden.
Tab. 11: Umsetzungsschritte Leitprojekt „Stiftungszweck Spessart“
Leitprojekt „Stiftungszweck Spessart!
Verantwortliche Projektgruppe:
Verband SPESSARTregional
Finanzbedarf
Zeitplan
Einzelprojekte
Regionalkonferenz „Regionale Identität“
5.000 €
2008
„Der Klick zu den News“- Internetportal Spessart
30.000 €
„Babbeln oder schwätze mer“ – Regionale Spurensuche beim
Dialektwettbewerb
Pop, House oder Heimatgesang – Ein Lied für den Spessart
Regionaler Songcontest
15.000 €
Machbarkeitstudie Filmprojekt für Image und Identität
10.000 €
2008
25.000 €
2009/2010
25.000 €
2009
500.000 €
2009
15.000 €
2010
Virtuelle Region - Qualifizierung zum virtuellen Scout und zur
Medienkompetenz
Pack Dir Deinen Spessart ein! – die Heimatregion im Koffer
Aktion mit den Schulen und anschließender Ausstellung
Spessarthaus – ein Zentrum für den Spessart
Gemeinde Jossgrund
Bürgerstiftung Spessart
Aktivierende Konzeptentwicklung
30.000 €
2008
2008
2008
Zusätzlich zu den oben genannten Vorhaben wird vordringlicher Bedarf zur Realisierung für
folgende Projekte gesehen.
Tab: 12: Vordringlicher Förderbedarf 2008
Projekt!
Regionalmanagement
Träger: Verband SPESSARTregional
Schaffung eines Erlebnisortes „Feuerwiese“
Träger: Naturpark und Forstamt Schlüchtern
Schaffung touristischer Infrastruktur im Aktivurlaub
Diverser Träger
Neugestaltung des Brüder-Grimm-Haus
Träger: Stadt Steinau
Kennziffer
Mitteleinsatz
3.8
50.000 €
3.3.2.2
7.500 €
3.3.2.2
7.500 €
3.4.4
100.000 €
Außerdem sollen das Grünlandprojekt und die Infrastrukturverbesserung „Gesundes Wandern“ aus anderen Mitteln realisiert werden. Für das erste Jahr des Regionalmanagements
ist die Schaffung von Netzwerkstrukturen und Foren von besonderer Bedeutung. Hier sind zu
nennen das Kulturforum, das Energieforum und die Kooperation der beiden Kurorte.
83
5.
Erfolgskontrolle und Programmfortschreibung
Bei der Erfolgskontrolle als eine Form der Evaluierung, steht die Frage nach der Erreichung
der Ziele in dem Handlungsfeld, dem Leitprojekt, der Maßnahme oder dem Projekt im Mittelpunkt der Untersuchung. Die Evaluierung dient dem Zweck, aus laufenden oder abgeschlossenen Projekten zu lernen. Sie kann Hinweise geben, welche Aspekte eines Projekts verbesserungswürdig erscheinen bzw. wie diese Verbesserungen erreichbar sind. Damit kann
nicht nur der Umsetzungsprozess im z.B. Handlungsfeld als Teil der regionalen Entwicklungsstrategie verbessert werden, es wird auch eine Grundlage geschaffen für Entscheidungen über die Veränderung, Fortsetzung oder den Abbruch von Projekten.
Für die Evaluierung der regionalen Entwicklungsstrategie von SPESSARTregional wird die
Ebene des Handlungsfeldes bzw. des strategische Entwicklungszieles mit den dazugehörenden Projekten gewählt (vgl. Abb. 19).
Erfolgskontrolle
Im Rahmen der Erfolgskontrolle werden die tatsächlich erreichten Ergebnisse mit dem in den
Zielen definierten Zustand verglichen. Im ersten Schritt der Erfolgskontrolle ist zu klären, ob
die angestrebten Zielgrößen erreicht bzw. bis zu welchem Grad sie erreicht worden sind
(Zielerreichungskontrolle). Dieser Zielerreichungsgrad ist eine Messziffer zur Feststellung der
Wirkung des Projekts. Um den Vergleich vorzunehmen, müssen die Ausgangssituation und
Daten über Einflussfaktoren bekannt sein. Die Erfolgskontrolle stellt also Fragen zum Zielniveau:
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Wurde das Projekt so umgesetzt wie geplant?
Wo gab es Abweichungen/Änderungen in Umsetzung?
Wann und in welchem Ausmaß gab es die Abweichungen?
Erreichen die Maßnahmen das Ziel/die Zielgruppe?
Wurden (Teil-)Zielsetzungen erreicht?
Im nächsten Schritt erfolgt die Ermittlung des Erfolgs (Erfolgskontrolle i.e. Sinne). Dafür ist
der nachträglich feststellbare Zielerreichungsgrad die Basis. Darüber hinaus ist es sinnvoll,
den gesamten Umsetzungsprozess zu berücksichtigen. Denn wann ist ein Projekt erfolgreich? Nur bei 100% Erreichung des Ziels oder schon bei einer nachvollziehbaren Veränderung gegenüber dem IST-Zustand? Die Frage nach dem Erfolg ist also eine durch das Regionalmanagement oder die verantwortlichen Projektgruppen zu leistende Aufgabe im Rahmen der Kontrolle selbst.
Die Erfolgskontrolle wird nach Beendigung eines Projekts durchgeführt. Die tatsächlich erreichten Ergebnisse werden dabei mit den definierten Zielgrößen verglichen.
Prozessbegleitende Evaluierung der Projekte
Damit die Rahmenbedingungen, die zu dem ermittelten Ergebnis geführt haben für alle Beteiligten nachvollziehbar sind, ist es sinnvoll, eine prozessbegleitende Evaluierung durchzuführen, d.h. schon während der Laufzeit sind bestimmte Evaluierungsschritte vorzunehmen.
Insbesondere ist die Evaluierung dort hilfreich, wo Maßnahmen und Einzelprojekte eng miteinander verzahnt zu einem Ergebnis führen sollen. Als Beispiel ist die Verknüpfung der
Förderungen von Existenzgründungen mit einer begleitenden themen/branchenbezogenen
Qualifizierung im Bereich der Gesundheitswirtschaft zu sehen. Dabei werden aktuelle Veränderungen und möglicherweise nicht kontrollierbare Einflüsse auf die Zielerreichung dokumentiert. Fortlaufend wird die Frage untersucht „Sind wir noch auf dem richtigem Weg?“
Für die prozessbegleitende Evaluierung sind Daten zu erheben bzw. zu dokumentieren. Sie
sind die Grundlage, um feststellen zu können, wie sich ein Projekt entwickelt, was nach Plan
läuft und wo ggf. korrigiert werden muss. Die Daten müssen anschließend interpretiert und
84
bewertet werden. Damit kann nicht nur der Prozess beurteilt werden – läuft das Projekt so
wie es soll? – sondern die Daten sind auch die Grundlage für eine (Zwischen-) Bilanz – ist
das Projekt (bis jetzt) auf dem richtigen Weg, ist es ein Erfolg?
Abb. 19: Evaluierungsschema
Strategisches Entwicklungsziel
Unterziel a
Unterziel b
Sind wir erfolgreich?
Projekt y
Meilenstein 1
Meilenstein 2
„messbar“ mit
„messbar“ mit
Qualitativer
Indikator 1
Qualitativer
Indikator 2
Quantitativer
Indikator 1
Quantitativer
Indikator 2
Datenerhebung
Datenerhebung
Datenerhebung
Erfolgskontrolle
Projekt
Daten aus der
prozessbegleitenden
Evaluierung
zusätzlicher
qualitativer
Indikator x
zusätzlicher
quantitativer
Indikator y
Datenerhebung
Ja
Wie hoch ist der
Zielerreichungsgrad?
Welchen Zielerreichungsgrad
wollen wir als Erfolg werten?
Warum?
Erfolgskontrolle
Nein – was muss
geändert werden?
Wie hoch ist der
Zielerreichungsgrad?
Zielerreichungskontrolle
Prozessegleitende Evaluierung
Sind wir auf dem richtigen Weg?
„messbar“ mit
Projekt x
Das Strategische
Handlungsziel ist
erreicht / nicht erreicht
Welchen Zielerreichungsgrad wollen
wir als Erfolg werten?
Warum?
Das Projekt ist erfolgreich /
nicht erfolgreich
85
Prozessbegleitend sollen also Daten ermittelt werden, mit denen die folgenden Fragen beantwortet werden können:
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Sind die Projekte durchführbar?
Wer ist am Projekt beteiligt?
Wie sind die Verantwortungsstrukturen?
Was wurde schon umgesetzt?
Was wurde nicht umgesetzt? Warum?
Welche Wirkungen gehen von dem Projekt (bereits) aus?
Gibt es unerwartete Effekte?
Welche Veränderungen sind aufgetreten?
Tragen die bis jetzt erreichten Ergebnisse zur Umsetzung des Ziels bei?
Während des Prozesses werden für jedes Projekt bzw. im Verbund der Projekte „Meilensteine“ definiert, die sagen, in welcher Zeit welcher Umsetzungsgrad des Projekts angestrebt ist
wie z.B. Gewinnung von 15 Teilnehmern für die Qualifizierung. Erreicht man diese Wegmarken nicht, muss eine Antwort darauf gefunden werden: warum haben wir das nicht erreicht?
Dafür kann es viele Gründe geben, die teilweise beeinflussbar, teilweise nicht beeinflussbar
sind. In dem genannten Beispiel wäre zum Beispiel zu fragen, ob die Kommunikationswege
zur Erreichung der potentiellen Teilnehmer die richtigen waren? Die Beantwortung der Frage
hilft, den Prozess an die tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen, aus der bereits geleisteten Arbeit zu lernen und ggf. Korrekturen vorzunehmen.
Für die Durchführung von Projekten ist von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ein Leitfaden herausgegeben worden, der sich auch als Hilfestellung bei einer Prozessbegleitenden
Evaluierung nutzen lässt (http://www.dbu.de/643publikation223.html).
Die zu erhebenden bzw. zu dokumentierenden Daten müssen es ermöglichen, eine Aussage
über Verlauf und Ergebnis eines Projekts zu machen und diese zu beurteilen. Diese Daten
sind als Indikatoren entweder zähl- und messbar und damit quantitativ. Oder sie spiegeln
Meinungen, Einstellungen und Ansichten wieder und sind qualitativ. Welche Indikatoren zum
Einsatz kommen, hängt von den Zielen ab. Ist ein Ziel rein quantitativ beschrieben - z.B.:
Schaffung von Erlebnisorten, dann sind die Indikatoren relativ einfach, denn man kann messen, wie viele Orte sind geschaffen worden. Aber hat sich damit die erhoffte Wirkung, nämlich die Profilbildung im Sinne des formulierten Leitprojektes „Abenteuer Spessart“ ergeben?
Das lässt sich nicht so ohne weiteres messen. Die gewünschte Zielgruppe z.B. Familien als
Tagebesucher, muss nach ihrer Einschätzung befragt werden. Welche und wie viele Indikatoren notwendig sind hängt von den Zielen ab und von dem Präzisionsgrad der Ziele. In einem konkreten Projekt in der Umsetzung müssen andere Faktoren berücksichtigt werden als
bei übergeordneten Zielen, die eher allgemeine Verbesserungen für die gesamte Region
ausdrücken. Außerdem muss sich der Aufwand zur Erhebung der Indikatoren in Grenzen
halten, sie dürfen nicht zur „Hauptarbeit“ werden.
Für die Erhebung der Daten stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die je nachdem,
ob sie für einen quantitativen oder qualitativen Indikator gesammelt werden, zum Einsatz
kommen können. Eine Übersicht gibt die nachfolgende Tabelle.
Die Datenerhebung ist Aufgabe des Regionalmanagements bzw. der Projektgruppen. Viele
Daten können relativ einfach während der Durchführung der Projekte bzw. nach Abschluss
von Projekten auf Grundlage vorhandener Unterlagen erhoben werden. Bei anderen Daten,
überwiegend bei qualitativen Indikatoren, muss ggf. ein externer Evaluator hinzugezogen
werden. Die Interpretation der Daten sollte dann in der Zusammenarbeit mit dem Regionalmanagement erfolgen.
86
Tab. 13: Methoden zur Datenerhebung
Methode
Quantitativ
Datensammlung
Beobachtung
Teilnehmern
Qualitativ
xxx
Vorteil
Nachteil
Systematisch, leicht verfügbar, ergibt analysierbare Daten
Eindrücke, Ideen, Einstellung zu der Sache werden
nicht abgebildet
von
xxx
x
Tatsächliches Verhalten
wird festgestellt
Beobachter muss über
hohe Qualifikation verfügen; Gefahr von Beeinflussung des Verhaltens
Schriftliche Befragungen (Fragebogen)
xx
xx
Billiger als Interviews,
größere Gruppen sind
befragbar, einfach durchzuführen und auszuwerten
Weniger flexibel als Interviews;
möglicherweise
ungeeignet, weil die Befragten ihre Meinung nicht
gerne zu Papier bringen
möchten; evtl. schlechter
Rücklauf
Interview
(face to face oder
telefonisch)
x
xx
Strukturierte Befragungen
können quantitative Daten
ergeben (ja /nein, Punkte);
flexibel, Nachfragen ist
möglich
Hoher Zeit- und Kostenaufwand;
Interviewer
muss qualifiziert sein;
Auswertung von Interviews kann schwierig sein
xxx
Problematische Ansichten
können aufgedeckt werden; Input von Personen,
die sich ungern schriftlich
äußern kann verbessert
werden
Muss professionell geleitet und dokumentiert werden; Gefahr der Dominanz von einzelnen Personen; Einzelmeinungen
und –einstellungen können nicht erhoben werden
Gruppendiskussion
Anzahl x = Eignung für die Erhebung von qualitativen oder quantitativen Daten
Zur Überprüfung des Strategischen Entwicklungsziels im Sinne des „Sind wir erfolgreich?“
wird ebenso eine Erfolgskontrolle durchgeführt, bei der in einem ersten Schritt eine Zielerreichungskontrolle durchgeführt wird und dann – wie auf der Ebene des Projekts – nach dem
Erfolg gefragt wird. Im Folgenden wird anhand von zwei strategischen Entwicklungszielen
beispielhaft aufgeführt, welche Indikatoren für die Erfolgskontrolle der Strategischen Entwicklungsziele genutzt werden können. Diese Indikatoren müssen dann für die jeweiligen Projekte für die prozessbegleitende Evaluierung weiter verfeinert werden. Die prozessbegleitende
Evaluierung findet in erster Linie auf der Ebene der Projekte statt, in ihnen müssen die o.g.
„Meilensteine“ definiert werden. Gleichzeitig sind die dort erhobenen Daten wiederum eine
wichtige Grundlage für die Erfolgskontrolle der Strategischen Entwicklungsziele.
In der Summe müssen die Erkenntnisse zum dem „Was“ und „Wie“ und der abschließenden
Beurteilung „Das Strategische Entwicklungsziel ist erreicht/nicht erreicht“ führen. Das Ziel
„Schaffung einer regionalen Identität“ ist beispielhaft für die Notwendigkeit wohl überlegter
quantitativer Indikatoren. Das Unterziel „Verbesserung der länderübergreifenden Zusammenarbeit“ lässt sich wohl kaum mit der Anzahl gemeinsamer Sitzungen bemessen. Im Gegensatz dazu steht das in Auszügen dargestellte Entwicklungsziel „Erhalt und Inwertsetzung
der Natur- und Kulturlandschaft“. Hier kann mit überwiegend quantitativen Indikatoren gearbeitet werden. Beide Übersichten erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, vielmehr
zeigen sie auf, wie die Evaluierung in der Region erfolgen kann und soll.
87
Schaffung einer regionalen Identität
Tab. 14: Übersicht über Indikatoren Handlungsfeld: Regionale Identität
Unterziele
Zielgröße
Sensibilisierung für ein regionales
Selbstverständnis
ƒ Intiierung einer
Bürgerstiftung
Stiftung einer eigenständigen Identität
durch die Verknüpfung von Kulturhistorie und Moderne
ƒ Schaffung / Verbesserung von 3
Einrichtungen
ƒ
ƒ Schaffung von 6
Projekten und Initiativen zu Erlebbarkeit von regionaler Identität
ƒ
ƒ Schaffung von
6 Dienstleistungseinrichtungen
ƒ
Verbesserung der regionalen und länderübergreifenden Kommunikationsstrukturen.
quantitativer Indikator
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Stärkung der länderübergreifenden
Zusammenarbeit in Projekten, Initiativen, und Netzwerken
ƒ Anbahnung und
Durchführung von
3 Projekten in
Kooperation
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
*PG = Projektgruppe o. Reginoalmanagement
qualitativer Indikator
Datenerhebungsmethode
ƒ Einstellungs- und Bewusstseinsänderung zur regionalen Identität
ƒ Befragungen von
Bürgern und Multiplikatoren vor,
während und nach
Einführung der
Stiftung
E
Anzahl der geförderten Investitionsprojekte
Anzahl der geförderten Anschubfinanzierungen
Anzahl der geförderten Studien und
Projektplanungen
Höhe des Investionsvolumens
ƒ Einstellungs- und Bewusstseinsänderung zur regionalen Identität
ƒ Auswertung Projektunterlagen
ƒ Befragung von
Bürgern zur Identität vor und nach
den Projekten
PG /
E
Anzahl der geförderten Dienstleistungseinrichtungen
Höhe des Investitionsvolumen
Durchschnittliches Gesamtinvestitionsvolumen je Vorhaben
Bevölkerung der ländlichen Gebiete, die von den verbesserten
Dienstleistungen profitiert
ƒ Einschätzung der Kommunikationsstrukturen vor und
nach den Projekten
ƒ Auswertung Projektunterlagen
ƒ Befragung von
Beteiligten und
Zielgruppen der
Dienstleistungseinrichtungen
PG /
E
Anzahl der geförderten Projekte
Anzahl der kooperierenden Regionen
Anzahl der entstandenen nachhaltig angelegten Kooperationen
Anzahl gemeinsam durchgeführter
Projekt
ƒ Kenntnis-/Verständnisgewinn
zur länderübergreifenden Zusammenarbeit
ƒ Auswertung Projektunterlagen
ƒ Befragung vor und
nach den Projekten
PG /
E
E = externer Evaluator
88
Wer*
Tab. 15: Übersicht über Indikatoren Handlungsfeld: Natur- & Kulturlandschaft
Unterziele
Sicherung der landwirtschaftlichen
Einkommen durch Diversifizierung
Operationelles Ziel
quantitativer Indikator
ƒ
Schaffung von 6
Kleinstunternehmen
Schaffung von 4
Arbeitsplätzen
ƒ
Schaffung von 12
landtouristischen
Angeboten einschließlich der
Weiterentwicklungen
ƒ
ƒ
Erhalt und Inwersetzung der Natur- und Kulturlandschaft
ƒ
Steigerung des Einsatzes Erneuerbare
Energien, vorrangig des Energieträgers
Holz
Inwertsetzung der natürlichen und
kulturhistorischen Potentiale für eine
touristische Profilbildung
qualitativer Indikator
Datenerhebungsmethode
Wer*
Anzahl der neuen Teilzeitgründungen
Höhe des Investitionsvolumens
Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze / Ausbildungsplätze
ƒ Auswertung Projektunterlagen
PG
ƒ Auswertung Projektunterlagen
ƒ Selbsteinschätzung der Projektteilnehmer über
die finanzielle Zukunft
PG
ƒ
Anzahl der neu geschaffenen landtouristischen Angebote im Bereich
der Beherbergung, der bäuerlichen
Gastronomie und Dienstleistung
Anzahl der neu geschaffenen Infrastrukturausstattungen in Verbindung mit bestehenden landtouristischen Angeboten
Höhe des Investitionsvolumen
ƒ Auswertung Projektunterlagen
PG
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
Schaffung von 8
Holzfeuerungsanlagen
ƒ
ƒ
ƒ
Anzahl der geförderten Anlagen
Durchschnittliche CO2 Einsparung
Höhe des Investitionsvolumens
ƒ
4 Infrastrukturmaßnahmen im
Bereich Aktivurlaub
4 Infrastrukturmaßnahmen „Erlebnisorte“
ƒ
Anzahl der geförderten Infrastrukturmaßnahmen
Anzahl zusätzlicher Tagebesucher
Anzahl zusätzlicher Übernachtungsgäste
ƒ Wahrnehmung / Wertung der
Kulturhistorie
ƒ Bewertung der touristischen
Angebote
ƒ Auswertung Projektunterlagen
ƒ Befragung von
Touristen und
Bürgern
PG
ƒ
ƒ
ƒ
Verbesserung der Attraktivität und
Qualität im Bereich der landschaftsgebundenen Aktivurlaubsarten
ƒ
4 Infrastrukturmaßnahmen im
Bereich Aktivurlaub
ƒ
Anzahl der geförderten Infrastrukturmaßnahmen
ƒ Bewertung der touristischen
Angebote
ƒ Auswertung Projektunterlagen
ƒ Befragung von
Touristen und
Bürgern
PG
Förderung eines am Naturerlebnis
orientierten Kinder-, Jugend- und Familientourismus
ƒ
4 Infrastrukturmaßnahmen „Erlebnisorte“
ƒ Anzahl der geförderten Infrastrukturmaßnahmen
ƒ Bewertung der touristischen
Angebote
ƒ Auswertung Projektunterlagen
ƒ Befragung von
Touristen und
Bürgern
PG
89
6.
Anhang
A 1: 1.1 Räumliche Lage: Flächennutzung SPESSARTregional im Vergleich
Gesamt
Bad Orb
Bad Soden-Salm.
Biebergemünd
Flörsbachtal
Freigericht
Gelnhausen
Jossgrund
Linsengericht
Schlüchtern
Sinntal
Steinau a.d.Str.
Wächtersbach
Gutsbezirk Spessart
SPESSARTregional
Main-Kinzig-Kreis
RB Darmstadt
Hessen
Fläche in
Km2
47,78
58,60
78,55
52,11
33,42
45,18
50,61
29,82
113,32
111,79
104,87
50,79
89,30
866,14
1.397,52
7.444,88
21.114,90
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis
Landwirtschaftsfläche
Anteil in %
21,5
44,9
22,3
20,3
35,1
26,9
36,4
37,6
51,7
44,1
55,3
35,9
2,1
35,1
39,40
38,70
42,60
Waldfläche
Anteil in %
Fläche in
Km2
10,27
69,9
26,31
35,7
17,52
67,9
10,58
71,7
11,73
44,8
12,15
47,0
18,42
53,4
11,21
44,2
58,59
31,3
49,30
42,8
57,99
31,0
18,23
47,7
1,88
96,5
304,19
51,68
550,62
43,30
2881,17
40,00
8994,95
40,00
Gebäudeund Freifläche
Verkehrsfläche
Fläche in Anteil in % Fläche in Anteil in %
Km2
Km2
33,40
5,0
2,39
2,4
20,92
7,9
4,63
7,0
53,34
3,9
3,06
4,3
37,36
2,3
1,20
4,5
14,97
10,3
3,44
5,7
21,23
12,9
5,83
9,1
27,03
3,0
1,52
4,9
13,18
9,8
2,92
6,2
35,47
6,1
6,91
8,3
47,85
4,0
4,47
6,6
32,51
4,6
4,82
6,7
24,23
7,2
3,66
6,4
86,17
0,0
0,00
0,9
447,66
5,18
44,86
5,68
605,13
7,50
104,81
6,50
2977,95
10,10
751,93
7,10
8445,96
7,30
1541,39
6,60
Fläche in
Km2
1,15
4,10
3,38
2,34
1,90
4,11
2,48
1,85
9,41
7,38
7,03
3,25
0,80
49,18
90,84
528,59
1393,58
Siedlungs- und
Verkehrsfläche
Anteil in %
8,2
16,6
8,4
7,1
18,7
23,9
9,4
16,9
15,1
11,0
11,7
14,3
1,2
11,64
15,10
18,90
15,10
Fläche in
Km2
3,92
9,73
6,60
3,70
6,25
10,80
4,76
5,04
17,11
12,30
12,27
7,26
1,07
100,80
211,03
1407,08
3188,35
A 2: 1.1 Bevölkerungsentwicklung 1980 - 2005
Bad Orb
Bad Soden-Salm.
Biebergemünd
Flörsbachtal
Freigericht
Gelnhausen
Jossgrund
Linsengericht
Schlüchtern
Sinntal
Steinau
Wächtersbach
SPESSARTregional
Main-Kinzig-Kreis
RB Darmstadt
Hessen (in Tsd.)
1980
1990
1995
2000
8.248
11.293
6.924
2.352
12.642
18.526
3.322
8.098
13.970
9.373
10.445
10.385
115.578
362.246
3.438.050
5.601
9.146
11.829
7.550
2.528
13.248
19.559
3.679
8.702
14.618
9.857
10.631
10.739
122.086
376.035
3.547.205
5.763
10.011
13.181
7.983
2.653
14.486
21.263
4.652
9.208
16.067
9.996
11.161
11.571
132.232
401.349
3.684.624
6.010
9.963
13.467
8.250
2.559
14.662
21.799
3.780
9.646
16.998
9.776
11.183
12.246
134.329
405.942
3.737.589
6.068
Quelle:Statistik Main-Kinzig-Kreis
2005 männlich weiblich Bevölke- VerändeVerändeVerändeVerände2005
2005
rungsrungen
rungen
rungen
rungen
dichte
1990-2005
1995-2005 1980-1990 1990-1995
10.052
47,5%
52,5%
210
9,90%
0,41%
10,89%
9,46%
13.912
49,9%
50,1%
237
17,60%
5,55%
4,75%
11,43%
8.378
49,7%
50,3%
107
11,00%
4,95%
9,04%
5,74%
2.598
50,0%
50,0%
50
2,80%
-2,07%
7,48%
4,94%
14.982
49,3%
50,7%
448
13,10%
3,42%
4,79%
9,34%
21.837
48,5%
51,5%
483
11,60%
2,70%
5,58%
8,71%
3.725
51,9%
48,1%
74
1,30%
-19,93%
10,75%
26,45%
9.763
49,2%
50,8%
327
12,20%
6,03%
7,46%
5,81%
17.302
49,5%
50,5%
153
18,40%
7,69%
4,64%
9,91%
9.604
50,4%
49,6%
86
-2,60%
-3,92%
5,16%
1,41%
11.153
49,9%
50,1%
106
4,90%
-0,07%
1,78%
4,99%
12.389
48,5%
51,5%
244
15,40%
7,07%
3,41%
7,75%
135.695
49,3%
50,7%
205
11,10%
2,62%
5,63%
8,31%
409.941
49,1%
50,9%
293
9,00%
2,14%
3,81%
6,73%
3.778.124
49,0%
51,0%
507
6,50%
2,54%
3,17%
3,87%
6.092
49,0%
51,0%
289
5,70%
1,36%
2,89%
4,29%
A 3: 1.2.2 Altersstruktur der Bevölkerung 2005
Gemeinde/Stadt
EW
Bad Orb
10.052
Bad Soden-Salm.
13.912
Biebergemünd
8.378
Flörsbachtal
2.598
Freigericht
14.982
Gelnhausen
21.837
Jossgrund
3.725
Linsengericht
9.763
Schlüchtern
17.302
Sinntal
9.604
Steinau
11.153
Wächtersbach
12.389
SPESSARTregional
135.695
MKK
409.941
RB Darmstadt
3.778.124
Hessen
6.092.354
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis
unter 6
390
708
466
143
780
1.123
186
511
948
497
637
750
7.139
22.093
211.208
332.486
%
6 bis 18
3,90
1.002
5,09
1.913
5,56
1.239
5,50
355
5,21
2.096
5,14
2.946
4,99
564
5,23
1.321
5,48
2.444
5,17
1.308
5,71
1.649
6,05
1.706
5,26
18.543
5,39
53.548
5,59 459.626
5,46 756.419
%
18 bis u 25
9,97
622
13,75
1.121
14,79
658
13,66
184
13,99
1.171
13,49
1.786
15,14
284
13,53
673
14,13
1.352
13,62
777
14,79
837
13,77
1.042
13,67
10.507
13,06
30.869
12,17
277.531
12,42
468.200
%
25 bis u 30
6,19
482
8,06
722
7,85
402
7,08
120
7,82
776
8,18
1.260
7,62
207
6,89
515
7,81
892
8,09
491
7,50
521
8,41
771
7,74
7.131
7,53
22.538
7,35
228.454
7,69
358.708
%
30 bis u 50
4,80
2.737
5,19
4.217
4,80
2.731
4,62
762
5,18
4.833
5,77
6.646
5,56
1.187
5,28
3.193
5,16
5.231
5,11
2.892
4,67
3.351
6,22
3.757
5,26
41.464
5,50
127.082
6,05
1.202.828
5,89
1.904.768
%
50 bis u 65
27,23
1.837
30,31
2.526
32,60
1.527
29,33
476
32,26
2.687
30,43
4.102
31,87
651
32,71
1.881
30,23
2.991
30,11
1.718
30,05
1.986
30,33
2.269
30,56
24.618
31,00
77.927
31,84
711.134
31,26
1.125.198
%
18,27
18,16
18,23
18,32
17,93
18,78
17,48
19,27
17,29
17,89
17,81
18,31
18,14
19,01
18,82
18,47
65 u. älter
2.982
2.705
1.355
558
2.639
3.974
646
1.803
3.444
1.921
2.172
2.094
26.293
75.884
687.343
1.146.575
%
29,67
19,44
16,17
21,48
17,61
18,20
17,34
18,47
19,91
20,00
19,47
16,90
19,38
18,51
18,19
18,82
A 4: 1.2.4 Bevölkerungsprognose 2021
ohne WB
Gemeinde / Stadt
Bad Orb
Bad Soden-Salmünster
Biebergemünd
Flörsbachtal
Freigericht
Gelnhausen
Jossgrund
Linsengericht
Schlüchtern
Sinntal
Steinau a.d. Straße
Wächtersbach
SPESSARTregional
2006
9.506
13.813
8.432
2.590
15.038
22.316
3.753
9.850
16.822
9.616
11.240
12.429
135.405
2021
8.061
12.287
8.069
2.406
14.195
21.218
3.534
9.225
15.689
9.072
10.612
11.886
126.254
%
-15,2
-11,0
-4,3
-7,1
-5,6
-4,9
-5,8
-6,3
-6,7
-5,7
-5,6
-4,4
-6,8
koorgierte
WB
2021
9.071
13.645
8.232
2.535
14.961
21.758
3.608
9.842
16.705
8.813
10.705
12.534
132.409
Quelle: Demographiebericht Main-Kinzig-Kreis
Erläuterung
ohne WB:
Variante ohne Wanderungsbewegung
korrigierte WB: Variante mit korrigierter Wanderbewegung
ohne WB
%
-4,6
-1,2
-2,4
-2,1
-0,5
-2,5
-3,9
-0,1
-0,7
-8,4
-4,8
0,8
-2,2
2031
7.031
11.889
7.554
2.239
13.133
19.761
3.277
8.520
14.775
8.451
9.936
11.155
117.721
%
-26,0
-13,9
-10,4
-13,6
-12,7
-11,4
-12,7
-13,5
-12,2
-12,1
-11,6
-10,3
-13,1
A 5: 1.3.2 Arbeitsmarktdaten: SV-Beschäftige SPESSARTregional
Jahr
1990 (1)
1995 (1)
2000 (1)
2001 (1)
2002 (1)
2003 (1)
2004 (1)
2005 (1)
2006 (1)
Bad Orb
Bad Soden-Salmünster
Biebergemünd
Flörsbachtal
Freigericht
Gelnhausen
Jossgrund
Linsengericht
Schlüchtern
Sinntal
Steinau
Wächtersbach
Spessart-regional
Main-Kinzig-Kreis
2.719
4.443
923
178
2.212
8.876
478
1.347
4.430
2.177
3.042
2.522
33.347
116.421
2.984
4.727
1.070
184
2.197
9.362
520
1.528
4.862
2.111
3.056
2.821
35.422
112.230
2.520
4.015
1.049
179
2.062
9.903
463
1.452
5.015
2.042
2.995
3.091
34.786
112.196
2.449
4.153
1.061
169
2.029
10.180
438
1.469
4.913
2.098
2.953
3.244
35.156
111.145
2.278
4.278
1.192
180
1.911
10.413
405
1.407
5.092
2.000
2.984
3.233
35.373
113.602
2.226
4.257
1.093
186
1.824
10.443
393
1.391
5.086
1.956
2.833
3.134
34.822
112.053
2.165
4.183
1.099
199
1.797
10.345
386
1.371
5.098
1.945
2.741
3.112
34.441
110.667
2.107
4.079
1.040
190
1.798
10.391
401
1.296
4.781
1.848
2.663
3.008
33.602
109.899
2.115
3.875
1.067
181
1.810
10.914
394
1.322
4.535
1.853
2.587
2.927
33.580
109.412
2004
2168
1211
676
50
180
35
2152
2005
2096
1227
629
39
161
43
2099
2006
2226
1297
694
38
151
46
2226
Quelle: Statistik Main-Kinzig-Kreis
(1)
(2)
am Arbeitsort, jeweils 30.06.
SV-Beschäftigte am Wohnort
A 6: 1.3.2 Arbeitsmarktdaten: Ausbildung
Gesamt
IHK
Kreiskandwerkerschaft
Öffentlicher Dienst
Freie Berufe (z.B. Ärzte)
Landwirtschaft
Gesamt
Quelle: IHK Hanau-Gelnhausen
2000
2417
1226
835
65
227
k.A.
2353
2001
2317
1259
748
57
201
k.A
2265
2002
2161
1042
772
46
202
45
2107
2003
2154
1098
746
53
189
48
2134
%
1990/06
-22,2
-12,8
15,6
1,7
-18,2
23,0
-17,6
-1,9
2,4
-14,9
-15,0
16,1
0,7
-6,0
%
2000/06
-16,1
-3,5
1,7
1,1
-12,2
10,2
-14,9
-9,0
-9,6
-9,3
-13,6
-5,3
-5,1
-2,1
2006
(2)
2.573
4.251
2.963
845
5.437
7.342
1.297
3.406
5.031
3.227
3.467
4.133
43.972
138.056
A 7: 1.4.4 Übernachtungszahlen 2000-2006
Stadt / Gemeinde
Bad Orb, St.
Bad Soden-Salm,St.
Biebergemünd
Flörsbachtal
Freigericht
Gelnhausen, St.
Jossgrund
Linsengericht
Schlüchtern, St.
Sinntal
Steinau a.d.Str.,St.
Wächtersbach, St.
Region Spessart
Main-Kinzig-Kreis(ohne
Campingpl.)
Campingplätze*
Main-KinzigKreis(einschl.Campingpl.)
Ü b e r n a c h t u n g e n
2001
541.837
456.998
18.670
3.048
11.859
49.271
4.701
22.716
25.790
12.246
9.367
3.043
1.159.546
.
2003
491.648
409.180
18.044
.
2004
458.443
351.759
17.841
.
11.523
43.369
4.239
22.749
26.319
12.121
9.196
3.483
1.100.421
12.217
44.805
3.632
20.973
26.645
10.461
7.467
3.275
1.048.347
1.480.846
20.393
1.405.176
20.746
1.501.239
1.425.922
. keine Angaben aus Gründen der Geheimhaltung
* nur als Kreisergebnis
2002
505.813
442.406
19.203
2005
439.405
327.199
16.905
.
11.683
40.056
2.548
20.965
26.132
9.651
6.188
.
2006
421.620
339.755
15.736
.
9.174
41.064
1.927
20.357
26.004
9.836
4.653
.
9.262
38.073
.
.
27.837
9.824
4.530
.
945.266
896.524
866.637
1.343.189
21.195
1.243.658
20.489
1.222.622
23.861
1.250.389
1.364.384
1.264.147
1.246.483
Veränderung gegenüber d. Vorjahr /Zu-bzw. Abnahme (-) in
%
2001
2002
2003
2004
2005
-1,5
-6,6
-2,8
-6,8
-4,2
1,6
-3,2
-7,5
-14,0
-7,0
-8,1
2,9
-6,0
-1,1
-5,2
-0,6 .
.
.
.
23,8
-2,8
6,0
-4,4
-21,5
-1,6
-12,0
3,3
-10,6
2,5
-8,8
-9,8
-14,3
-29,8
-24,4
10,4
0,1
-7,8
0,0
-2,9
-3,6
2,1
1,2
-1,9
-0,5
32,8
-1,0
-13,7
-7,7
1,9
-6,7
-1,8
-18,8
-17,1
-24,8
-13,0
14,5
-6,0 .
.
-5,4
-5,0
-10,9
-5,4
0,1
12,7
-5,1
1,7
-4,4
2,2
-7,4
-3,3
-1,7
16,5
0,2
-5,0
-4,3
-7,3
-1,4
Quellenverzeichnis
Literatur:
Demographische Entwicklung im Main-Kinzig-Kreis
Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreis, Gelnhausen 2007
Einzelhandel im Kinzigtal
Branchenstudie der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, Hanau 2005
Entwicklungsplan für den ländlichen Raum des Land Hessen - EPLR 2007 – 2013
Hessisches Ministerium für Umwelt, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz,
Wiesbaden 2007
Industrie im Main-Kinzig-Kreis
Branchenstudie der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, Hanau 2005
Landwirtschaftlicher Fachplan Südhessen
Hessischer Bauernverband, Koblenz 2003/2004
Regionalökologisches Gutachten Spessart Leitfaden 06/1999
SPESSARTregional e.V., Biebergemünd 1999
Regionalplan Südhessen 2000
Regierungspräsidium Darmstadt, Abteilung Regionalplanung, Darmstadt 2000
Sozialatlas Jugendhilfeplanung Ausgabe 2003/2004
Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises, Hanau 2003
Spessart - Bilanz einer Kulturlandschaft
Projekt-Büro Spessart, Bad Orb 1996
Tourismuspolitischer Handlungsrahmen Hessen 2007,
Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, Wiesbaden 2007
Umweltbericht 2003
Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises, Gelnhausen 2003
Internetrecherche:
www.bbr.bund.de
www.hessen-landurlaub.de
www.hessen-tourismus.de
www.hessischer-heilbaeder.de
www.mkk.de
www.reiterland-tourismus.de
www.spessart.de
sowie die Webseiten der Kommunen und Organisationen von SPESSARTregional
Daten:
Bundesagentur für Arbeit
Hessische Statistisches Landesamt
Statistik Main-Kinzig