Teil 1: Einleitung

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Teil 1: Einleitung
- Neidthard Kupfer -
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Teil 8
Teil 9
Teil 10
Einleitung
Zustandsbeschreibung
Ein kleiner, aber erhellender Einschub
Spermagnosis - die etwas andere Obsession des Peter-Robert König
Die Rache des Demiurgen
Meisterweihe leicht gemacht – eine Handreichung nach Meister PeRKa
Oops, he did it again! König, das Internet und sein "Homunculi"
Mit einem Gespräch mit Axel. M. Gruner
Homunculis Kronzeuge
Die Methode - Wissenschaft, Mashups oder esoterisches Lumpensammeln?
Politik: Peter-Robert König denkwürdige Weltsicht
Fußnoten und Quellen
Anhang Dokumente
Teil 1: Einleitung
Qui cum loqui non posset, tacere non potuit.
[Zwar konnte er nicht reden, zu schweigen aber verstand er auch nicht.]
Epicharm, zitiert von Gellius in Noctes Atticae 1.15,15
"ich denke niemals. ich schreibe."
Peter-Robert König in einer E-Mail vom 19.12.2002
Als ich "Satan - Jünger, Jäger und Justiz" kurz nach der Veröffentlichung geschenkt bekam, las ich Huettls Ausführungen
im ersten Teil mit Vergnügen, sie sind flott formuliert und Huettl schildert einige Sachverhalte, die mir so noch nicht
bekannt waren. Dann kam Königs Part - und es wurde furchtbar. Ich quälte mich förmlich durch seinen Text, noch viel
schlimmer wurde es mit dem "O.T.O. Phänomen Remix", das ich ergänzend las. Es ist eine schier endlos erscheinende,
eklektische Aneinanderreihung von Anekdoten, Schwänken und Schnurren aus dem Leben oftmals schon toter Männer
und Frauen, die - sowohl für sich genommen als auch in ihrer Summe - völlig belanglos und für nichts auf dieser Welt von
irgendwie weiterführendem oder gar anschlussfähigem Interesse sind. Diese Flut an Banalitäten und Bagatellen wird dem
Leser, was die Bewertung angeht, durch den Filter königlicher Klischees aufgenötigt, die wiederum nichts als eine
nörgelig-quengelnde und - wenn König auf den Umgang der Szene mit ihm und seinem Oeuvre zu sprechen kommt - oft
auch larmoyante Litanei seiner Aversionen und Ressentiments. Doch so dramatisch mein Eindruck auch klingen mag –
wer von robuster Gesundheit und darüber hinaus ziemlich hartnäckig ist, schafft es nicht nur, sich durch Königs Bücher
hindurch zu lesen, sondern übersteht die Lektüre auch unbeschadet. Allerdings stand für mich danach fest, dass ich den
Text "Satan - Jünger, Jäger und Justiz" nutzen werde, um einige grundsätzliche - und längst überfällige - Anmerkungen
zu Peter-Robert Königs Oeuvre, wenn man das so nennen mag, niederzuschreiben, insbesondere zu seiner Art und Weise,
Quellen zu validieren, zu bewerten und schlussfolgernd in einen Kontext zu stellen.
Ein wichtiger Aspekt für meinen Entschluss soll nicht unerwähnt bleiben. König hat seit 1994 de facto im Jahrestakt seine
Bücher veröffentlicht - bis zum "OTO-Phänomen-Remix" im Jahr 2001. Danach gabe es eine Lücke von fünf Jahren und
erst 2006 erschien mit "Satan - Jünger, Jäger und Justiz" ein weiteres Buch, das zwar nominell nicht unter seiner
Autorenschaft steht, das aber von ihm als Co-Autor maßgeblich bestimmt, wenn nicht sogar dominiert wird. Je mehr ich
mit der Lektüre des Buches vorankam, desto stärker wurde der Eindruck, dass da etwas anders war als in Peter-Robert
Königs bisherigen Veröffentlichungen. Ausgehend von der Tatsache, dass sich in Bewertungen nicht nur Motivation und
Intention, sondern auch Weltsicht und Wertekanon desjenigen widerspiegeln, der diese Bewertungen abgibt, bin ich der
Meinung, dass gerade letztere sich im Lauf der Jahre bei Peter-Robert König signifikant geändert haben. Noch 1998 hat
sich Peter-Robert König bezüglich seiner Intention folgendermaßen geäußert:
"Da ich eigentlich keine persönliche Meinung zu den Praktiken und Lehren der O.T.O.-Leute abgebe (also weder
käuflicher Kult-Apologet, noch anti-oder gegenkult bin), sondern versuche neutral zu bleiben, geniesse ich noch immer
das Vertrauen einiger Protagonisten. [...] Ungeachtet ihres religiösen Glaubens sind aber alle Menschen ernst zu
nehmen. Sicher gibt es im O.T.O.-Kontext viele, die leidenschaftlich suchende Geister sind. [...] Für mich gilt es
besonders, die Vielfalt der O.T.O.-Welten ernst zu nehmen und dies auch zu spiegeln. Manchmal will ich mit Hilfe der
Ironie Objektivität erzeugen. " [1]
Ich nehme ihm durchaus ab, dass er das damals noch so sah und in der Tat sind seine Bücher einschließlich des "OTODas Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Phänomen-Remix" von deutlich anderer Qualität als das, was er mit "Satan - Jünger, Jäger und Justiz" vorlegt. Das hat
natürlich wesentlich damit zu tun, dass die früheren Bücher primär dokumentierenden Charakter hatten, Königs
Bewertungen jedoch eher am Rande eine sekundäre Rolle spielten und oft in der Flut der Dokumente verschwanden,
während sein Beitrag zu Huettls Buch weniger dokumentierender als erörternder Natur ist. Die von Peter-Robert König in
seinen Büchern bis 2001 formulierten Wertungen entsprachen mehr oder weniger der oben zitierten Intention - das ist
nun anders. König ist nicht neutral und versucht es offenkundig auch gar nicht, er ist über jedes halbwegs vertretbare
Maß hinaus subjektiv und das, was früher Erörterung war, ist über weite Strecken bloßem Schwadronieren gewichen. Von
einem Ernstnehmen der Vielfalt innerhalb der okkulten und thelemitischen Szene kann nicht mehr die Rede sein, er
nimmt sie womöglich nicht einmal mehr wahr. König pauschalisiert und urteilt in Bausch und Bogen - immer hart am
Rande zur Verurteilung. Sein damaliger Vorsatz, ungeachtet ihres Glaubens alle Menschen ernst zu nehmen, ist nur noch
bloße Floskel, stattdessen ergeht er sich, wie ich in den folgenden Abschnitten zeigen werde, in epischer Breite in
küchenpsychologischen, oft pathologisierenden Spekulation über den Geistes- und Gemütszustand anderer Menschen.
Was er mal als Ironie verstanden wissen wollte, ist an vielen Stellen blanker Zynismus geworden.
Ich weiß nicht, wann und vor allem warum Peter-Robert Königs oben zitierte Vorsätze sich in Wohlgefallen auflösten. Ich
weiß auch nicht, warum er - wenn es um ihn selbst geht - irgendwo zwischen Selbstbeweihräucherung und Nabelschau
irrlichtert und dabei oft ziemlich verbittert wirkt. Mag sein, dass ihn die Mischung aus Anbiederung und schroffer
Ablehnung seitens der Esoterik- und Okkultszene so werden ließ. Möglicherweise trifft ihn die Verweigerung der
Anerkennung, die er zu verdienen meint, bei gleichzeitiger Nutzung seiner Recherchen seitens der akademischen Kreise
doch stärker, als er zugeben kann. Tatsache jedoch ist, dass er nicht loslassen kann. Das, was Peter-Robert König als ein
Hauptkriterium eines esoterisch-okkulten Persönlichkeitsbildes ausgemacht haben will, nämlich die obsessive bis
manische Fixierung auf den okkulten Themenkreis im weiteren Sinne als de facto Lebensmittelpunkt, trifft zumindest
nach meiner Erfahrung mit Esoterikern und Okkultisten verschiedenster Couleur in auf ihn selbst, den selbsternannten
Forscher und Kritiker zu. Wir wollen hierbei nicht vergessen, dass "Das O.T.O.-Phänomen" erstmals in der AHA als
fortlaufende Serie in den Heften 12/1990 bis 06/1992 im Peyn und Schulze Verlag in Bergen erschien.
Vorausschickend möchte ich darauf hinweisen, dass der folgende Text meine Meinung zu einigen Aussagen, die König
veröffentlichte, wiedergibt und keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder gar Wissenschaftlichkeit erhebt. Da ich
zum Beleg meiner Ansichten weder auf mehr oder minder lang besuchte Studiengänge noch auf wissenschaftlich
deklarierte Intentionen referenziere, kann ich es mir nicht nur leisten, sondern ich bestehe explizit darauf, dass meine
Meinung natürlich subjektiv Natur ist und, wo ich es als Stilmittel zur Pointierung meiner Ansichten für angebracht halte,
ironisch und gelegentlich polemisch formuliert ist.
Dass ich Huettls Text im ersten Teil und einige seiner Äußerungen im zweiten Teil des Buches, also in Königs Part, als
durchaus verdienstvoll ansehe, habe ich seinerzeit nach dem Erscheinen des Buches hinlänglich oft betont. Man könnte
auch Königs Ausführungen als in gewisser Weise verdienstvoll ansehen, allerdings unter einem ganz anderen Blickwinkel
als die des Herrn Huettl, denn wenn man etwas genauer hinschaut, wird an zahlreichen Stellen deutlich, wie
journalistische Recherche, die sich in Peter-Robert Königs Fall gerne auch "wissenschaftlich" gibt, nicht funktionieren
sollte. Das betrifft einerseits die Art und Weise der Zitation von Quellen und insbesondere deren mangelhafte bis nicht
vorhandene Referenzierung, anderseits in Hinsicht auf die Rezeption dieses Buches die Art und Weise der Bewertung
dieser Quellen und die mangelhafte bis nicht vorhandene Gesamtsicht im Rahmen des historischen Kontexts, also der fast
durchweg fehlende oder – besonders wenn es um politische Aspekte geht – der über weite Strecken schlicht falsche
historische Bezug. König betont zwar einerseits, dass er kein Historiker sei und das auch nicht als seine Aufgabe sehe,
andererseits beruft er sich auf die Tradition der narrativen Geschichtsschreibung, eine sehr schöne, aber von den
akademischen historischen Fakultäten gern unterschätzte Tradition, der wir nichtsdestotrotz die Bewahrung ansonsten
vergessener und damit verlorener Geschichte, insbesondere aus den sogenannten "unteren" Schichten, verdanken. Um
dieser Tradition gerecht zu werden, genügt es aber keineswegs, Anekdoten, Schwänke und Schnurren in einer
Endlosschleife aneinander zu reihen, wie Peter-Robert König das tut, sondern Geschichte sollte als erzählte Geschichten
in einen historischen Bezug gestellt werden und über das erzählende, also narrative Element das füllen, was die
akademische Geschichtsschreibung aus verschiedenen Gründen als Lücken in der Historie hinterlassen hat.
Grundsätzlich sei angemerkt, dass es sich im zweiten Teil des Buches weder um ein Gespräch noch um ein Interview
handelt, auch wenn das in der Selbstdarstellung durch die Autoren und in der Beschreibung des Verlages so behauptet
wird. Es handelt sich vielmehr um ein heute gerne so genanntes "E-Mail-Interview", was natürlich von der Begrifflichkeit
her Unsinn ist, denn der Begriff "Interview" impliziert, dass sich da zwei Personen zeitgleich gegenübersitzen. Der Begriff
"Gespräch" impliziert zwingend das gesprochene Wort. Ein sogenanntes "E-Mail-Interview" ist nichts anderes als das,
was man früher eine Korrespondenz nannte – ein Briefwechsel, via E-Mail eben. Der Punkt ist, dass es sich um
geschriebene Worte handelt und dass quasi mildernde Umstände wegen der in der Natur eines Gesprächs liegenden
Ungenauigkeiten, Unschärfen, Konnotierungen und zu schnellen bzw. ungenügend durchdachten Schlußfolgerungen im
Fall von Königs Text in diesem Buch nicht gelten. Er hatte genug Zeit, seine Äußerungen zu durchdenken, zumal er einige
einfach en bloc aus anderen, älteren Texten kopiert hat, zum Beispiel die Schilderung seiner Italienreise auf den Seiten
180 bis 182, die sich in Königs Buch "Der O.T.O. Phänomen Remix" auf den Seiten 500 bis 502 wiederfindet und einer
Fußnote zufolge im Juli 1998 in der Zeitschrift "Gnostika" erschien – genug Zeit also, um zu ventilieren, ob eine Äußerung
wie "Italienische Schauspielerinnen, oder was Italiener dafür halten, solange sie freizügige Kleider tragen, intonierten
Crowley-Gedichte." wirklich angemessen ist.
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Die - nun ja - bemerkenswerte Art und Weise, wie Peter-Robert König Quellen bewertet, wird in Fachkreisen, womit nicht
solche Experten wie Ingo Heinemann oder Ingolf Christiansen gemeint sind, durchaus zur Kenntnis genommen. Eine
kleine Passage in Marco Pasis Buch über Crowleys Verhältnis zur Politik ist in dieser Hinsicht aufschlussreich und
erheiternd. Dort findet sich König am Ende der Danksagung und in einigen Fußnoten wieder, weil er nun einmal auf
zahlreichen Dokumenten hockt und der Autor sah sich zu gleich in der ersten Fußnote zu folgender Anmerkung
veranlasst:
"Für diejenigen, die diesen Bereich vertiefen wollen, ist die Monographie von Peter R. König nützlich (doch Vorsicht ist
geboten): Das OTO-Phänomen, München: ARW, 1994 [...]"
[Marco Pasi: Aleister Crowley und die Versuchung der Politik, Ares Verlag 2006, Seite 28, Hervorhebung von mir]
Es ist sicher nicht notwendig zu betonen, dass dies ein unter Kollegen nicht gerade üblicher Hinweis ist, ich tue es
trotzdem. Ich bin der Überzeugung, dass Königs Darstellungen öfter mal von zweifelhaftem Wahrheitsgehalt und seine
Schlussfolgerungen von ebenso zweifelhafter Seriosität sind. Das Buch von Marco Pasi kaufte ich mir eigentlich nur
deshalb, um nachzulesen, was da seinerzeit eigentlich wirklich war mit der Martha Künzel. Was soll ich sagen - die
Lektüre von Pasis Buch ist außerordentlich informativ und nachgerade inspirierend, besonders nach der Zumutung durch
die Lektüre der königlichen Ergüsse, die durchaus das Zeug haben, als Ersatz für jüngst ausgemusterte Werkzeuge
fortgeschrittener Psychofolter zu dienen – eine Endlosschleife mit der Rezitation von Königs "Die McDonaldisation der
Occultur" (Allein schon der Titel!) in Guantanamo, das bringt jeden noch so verbohrten und verstockten Terroristen aus
der Fasson, und zwar aus nackter Verzweiflung. Nachdem man die Lektüre von Königs Werken zwar arg angeschlagen,
aber ansonsten weitgehend unversehrt überstanden hat, ist Pasis Buch ein wahrhaftes Lesevergnügen ist und es bietet
alles, was man bei König vermisst. Es hat ein klar definiertes Anliegen, das Pasi systematisch, strukturiert und immer in
Bezug auf den historischen Kontext ausarbeitet. Er tut das sehr detailliert, ohne sich in Nebensächlichkeiten zu verlieren.
Alle Schlussfolgerungen und Bewertungen werden argumentativ hergeleitet und an Quellen belegt, wobei Pasi nicht bis
zur Beliebigkeit zerkleinerte Zitatfitzelchen verwendet, sondern darauf achtet, dass der Zusammenhang erkennbar bleibt.
Alle Quellen sind akribisch belegt und referenziert, das Buch hat ein ausführliches Literatur- und Quellenverzeichnis
sowie ein Personenregister. Kurz – es ist das exakte Gegenteil von dem, was König dem Leser zumutet. Daneben ließt es
sich flüssig und ist von der ersten Seite bis zur letzten spannend, während Königs Texte zu allem Überfluss
sterbenslangweilig sind, sofern man nicht eine ausgeprägte Neigung als Spanner hat oder gar die Lindenstraße für hohe
Kultur hält.
Freilich kann man die beiden Bücher und auch deren Autoren nur bedingt miteinander vergleichen, was schon damit
anfängt, dass der eine stets nur anführt oder anführen lässt, was er alles studiert haben will, wofür schon die bloße
Existenz einer Matrikelnummer ausreicht, während der andere tatsächlich akademische Meriten vorweisen kann. Doch
der für das Ergebnis wichtigste Unterschied zwischen Peter-Robert Königs Darstellungen und den hier beispielhaft als
positiver Kontrast zitierten Darstellungen Pasis ist aber der, dass König einerseits - aus welchem Grund auch immer nicht im Ansatz die zur sachgerechten Bewertung erforderliche, innere Distanz zum Objekt seiner "Studien" aufbringen
kann und andererseits das ebenso erforderliche Verstehen des als Gegebenheit oder Erscheinung Fassbaren nicht zu
leisten vermag, was seine sachlichen und interpretatorischen Fehlleistungen bezeugen, von denen ich in den nächsten
Kapiteln einige erörtern werde. Stattdessen hält es Peter-Robert König offensichtlich für angemessen, sich nach
vollbrachter Zitatenhuberei der fortgeschrittenen Spökenkiekerei zu widmen, was dann in "Satan - Jünger, Jäger und
Justiz" in so ziemlich jedem Fall ins Denunziatorische, in das fingerwedelnde, penetrant geschwätzige "Ich weiß was, ich
weiß was!" abrutscht.
Es sind häufig Mutmaßungen über den Menschen König, über seine Motivation, über das, was ihn umtreiben mag,
angestellt worden, was König auch oft zum Besten gibt, und zwar ein bisschen zu oft, um ihm die behauptete
Gleichgültigkeit gegenüber diesen Mutmaßen wirklich abnehmen zu können. Deren Resultate sind in der Regel sicherlich
wenig freundlich bis dezidiert ordinär, aber immer auch irgendwie hilflos. Doch im Grunde ist es ganz einfach – alle
Spekulationen über Königs Person sind vollkommen müßig, denn als solche ist er uninteressant. Von Interesse ist nur
und ausschließlich, was König tut und eben nicht, was er sein möchte, was er vorgibt oder gar glaubt zu sein. Seine
Beteiligung an "Satan - Jünger, Jäger und Justiz" wäre für Peter-Robert König eine exzellente Gelegenheit gewesen, sein
Anliegen und den tieferen Sinn seines Oeuvres jenseits der bloßen Aneinanderreihung von Zitaten darzustellen. Diese
Gelegenheit hat er gründlich verpasst, was nur den Schluß zuläßt, dass sein Tun weder ein Anliegen noch einen Zweck
hat, das bzw. der - außer für ihn selbst - von Relevanz wäre. Peter-Robert König beschloß offensichtlich irgendwann, die
Mutter Beimer des Okkultismus zu werden und das ist ihm auch gelungen - na und?
Neidthard Kupfer, März 2010 [2]
Hinweis: Nicht anders ausgewiesene Seitenangaben beziehen sich mit der Kennzeichnung a.a.O., gefolgt von der
Seitenzahl, stets auf Andreas Huettl, Peter-R. König: "Satan - Jünger, Jäger und Justiz", Kreuzfeuer Verlag 2006.
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Teil 2: Zustandsbeschreibung
"was mein standpunkt ist? ich bin konsumorientiert, orientiere mein intellektuelles niveau an soap operas und bin
ansonsten ziemlich amoralisch gutaussehend."
Peter-Robert König, zitiert von einem W.F. in Manfred Ach: "Under Cover", ARW München 1995, S. 117
Ein Teil des Fazits gleich am Anfang: Mit den zutreffenden Erkenntnissen in Sachen okkultes Narrenschiff rennt PeterRobert König offene Türen ein, und zwar nicht nur bei mir, sondern bei jedem, der des verstehenden Denkens mächtig ist.
Allerdings muss man dazu nicht über 20 Jahre den notorischen Eckensteher auf dem okkulten Jahrmarkt geben, dazu
reichen - wenn man sich Zeit lässt - ein, zwei Jahre beobachtender Teilnahme. Das Grundproblem an Königs Sicht auf
Thelema und den Okkultismus scheint mir zu sein, dass er von derselben Grundannahme wie die
Weltanschauungsbeauftragten ausgeht, nämlich dass das Glauben und Dafürhalten derjenigen, über die er schreibt, kein
schützenswertes Gut ist und nach Belieben pathologisiert werden darf, und das tut er an etlichen Stellen in seinen
Aussagen. Die Weltanschauungsbeauftragten kriminalisieren darüber hinaus dort, wo sie es für opportun halten.
Beispielhaft sei König mit dieser Aussage zitiert, die sich mit dieser und ähnlicher Intention, z.B. auf Seite 293, in Huettls
Buch mehrfach finden läßt:
"Die psychische Konstitution der meisten Okkultisten lässt die Verbrechen, die man ihnen in den Medien vorwirft, gar
nicht zu. Die sind viel zu ängstlich, fürchten sich vor der Realität, leben in anderen Sphären, in Büchern und Träumen.
Im Internet. Im Katzentempel neben dem Bett. Wenn man zehn Jahre lang vierundzwanzig Stunden pro Tag die
Kabbala studiert, dann in jeder Tomate einen inkarnierten ägyptischen Gott sieht und ohne Drogen oder Knoten im
Yoga-Sitz keinen Orgasmus mehr erleben kann, der ja auch unbedingt ein Gebet ist oder ein Wunsch, den nörgelnden
Chef im Büro zu hypnotisieren: Da ist man wahrlich nicht fähig, organisiert Babies zu züchten, zu missbrauchen und zu
ermorden." (a.a.O. Seite 336)
An diesem Bild vom "irren" Okkultisten pinselt König fleißig weiter, zum Beispiel auf Seite 381f. Von Huettl auf Mathilde
Ludendorffs, auf den O.T.O. bezogenen, Spruch vom "induciertem Irresein durch Occultlehren" angesprochen
schwadroniert Peter-Robert König erst ein wenig über Salvador Dalis Außen- und Innenwelt und Surrealismus als "mehr
als die Realität" und landet im Handumdrehen bei den Okkultisten beziehungsweise dem, was er als solche augemacht zu
haben glaubt:
"Und genau das ist es, was die Okkultisten machen. Nur stopfen sie zuerst ihr Ich und ihr Es mit vorgefertigten Bildern
und Ideen voll. Ganz klar nach Rezeptur. Da werden zuerst alle Symbole der Menschheitsgeschichte studiert, alle
Magiebücher, die mittelalterliche Dämonenwelt, die ägyptische und griechische Götterwelt, alles wird genau
angeordnet, zugeordnet, eingeordnet. Wenn Okkultisten dann in den Himmel schauen, sehen sie keine Schafe, sondern
Baphomet, weisen der Wolke die Zahl 729 zu und werden ganz eins mit dem okkulten Universum."
Was für eine Haltung steht eigentlich hinter einem solchen Blick auf die Mitmenschen, was für Menschenbild manifestiert
sich in solchen Aussagen? Welches Menschenbild entblößt sich in der Tatsache, dass König es sich nicht verkneifen kann,
auf Huettls Nachfrage in Bezug auf Vorwürfe, König distanziere sich zu wenig von den Okkultorden, erst ein kleines
Lamento wegen der angeblichen "König-Bashing Seiten in den Yahoo-Foren der Okkultisten" anzustimmen und dann
seine "Studien" am Okkultisten an und für sich mit der Erforschung von Meerschweinchen zu vergleichen "Ist der
Verhaltensforscher, der Meerschweinchen beobachtet, nun für oder gegen Meerschweinchen?" (a.a.O. Seite 148)
Jeder hat das unhintergehbare Recht das zu glauben, wonach ihm gerade der Kopf oder auch der Bauch steht, und er hat
das Recht, diesen Glauben, und wenn er noch so dämlich ist, auf die ihm genehme Art und Weise zu praktizieren, solange
mit beidem geltendes Recht geachtet wird und Dritte weder signifikant beeinträchtigt oder gar geschädigt noch zu
irgendetwas genötigt oder gezwungen werden – und das konnte ja ausdrücklich nicht konstatiert werden. Peter-Robert
König hat keinen einzigen Schadensfall außer den der wiederholten Verletzung des guten Geschmacks benennen können.
Aber selbst wenn einer meint, auf einen Keks onanieren zu müssen, dann soll er das im Namen von wem auch immer tun,
solange er keinen Dritten nötigt, den Keks gegen seinen Willen zu essen. Und in der Tat wird PRK dann mit Wendungen
wie "keine nennenswerte Anzahl" und "eher selten" verdammt vage, wenn es konkrete Benennung spermagnostischer
Praxis geht (a.a.O. Seite 331 oben) – und das, obwohl er jedes Okkulteckchen kennt, in dem ein thelemisch-okkultes
Räucherstäbchen glimmt und jeden Okkultisten dazu, der nämliches Eckchen in Beschlag genommen hat.
In einem Interview für den Magickal Observer [3] sagte Andreas Huettl zu seinem Anliegen für sein Buch, er wollte sich
"darin mit der Frage befassen, ob es tatsächlich denkbar ist oder gar Beweise dafür vorliegen, dass 'satanistische
Sekten' massenhaft Kindesmissbrauch, Mord und Kannibalismus begehen." Fein – aber König stellt das, was er als die
Thelemiten ausmacht, weitestgehend als Soziopathen dar - ich verweise auf das Zitat - und seit wann gelten Soziopathen
als harmlos? Seit wann ist das bloße Zutrauen oder eben Nichtzutrauen, eine Art gefühlte kriminelle Energie sozusagen,
eine irgendwie in beweisführender oder meinetwegen auch justiziabler Hinsicht relevante Kategorie? Es ist reines Meinen
und Dafürhalten und als solches nicht einmal argumentativ von Interesse, geschweige denn, dass es irgendeinen
Nachweis führen könnte. Ich kann Verächtlichmachung und Diffamierung beim besten Willen nicht als Sachbeitrag zur
Klärung der von Huettl als Anliegen formulierten Frage sehen. Königs Darstellung und seine Schlußfolgerung beweisen
gar nichts außer der theoretischen Existenz spermagnostischer Praktiken in einem marginalen Randsegment des
Okkultismus. Theoretisch deshalb, weil König die Existenz aus reinem Hörensagen und einer handvoll Niederschriften
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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unklarer und von König nicht referenzierter Herkunft deriviert, er selbst hat es weder gesehen noch erlebt, wie er in
Huettls Buch selbst eingesteht.
Wieso behauptet König solch perfiden Dreck wie den oben zitierten? Ich kenne allerhand Thelemiten, aber keinen
einzigen, auf den diese Beschreibung auch nur ansatzweise passen würde. Der eine oder die andere hat zwar einen Altar,
einige wenige sogar einen kleinen Tempel, der ist aber nicht Katzen gewidmet und befindet sich nicht einmal in
Sichtweise des Bettes. Einige haben zwar die Kabbala studiert, und das auch mal länger als zehn Jahre, aber nie 24
Stunden am Tag, Thelemiten kennen und praktizieren – wie alle anderen Menschen auch - von Anpassung bis zum rabiat
durchgezogenen Alpha-Spiel sehr viel effizientere Methoden als Hypnose, um das Nörgeln eines Chefs abzustellen. Es
reicht keineswegs aus, hier oder da festzustellen, dass nicht alle Thelemiten auf Kekse onanieren und dass nicht alle
Okkultisten Freaks, Psychopathen oder Soziopathen sind. Das reicht so wenig aus, wie es absolut und bis hart an die
Infamie unzureichend wäre festzustellen, dass nicht alle Katholiken Kinderschänder sind, dass nicht alle Christen bigotte
Irre sind, die Tag für Tag ihre Kinder und Frauen züchtigen, dass nicht alle Moslems Sprengstoffgürtel als Accessoir
präferieren. Die Beschäftigung mit esoterisch-okkultem Wissen ist genauso viel oder wenig obskur, wie es die
Beschäftigung mit Bibellektüre, Katechismus, Koran, Hadits und Kirchendogmen egal welcher Religion ist. Die
Ablehnung einer angeblich christlichen Moral, die weder primär noch originär eine solche ist, bedeutet nicht die
Ablehnung westlicher und demokratischer Werte per se, auch ohne die Anerkennung christlicher Werte ordnen sich
Esoteriker und Okkultisten in Konsens und Kontext unserer Gesellschaft ein, und zwar nicht zuletzt aus
wohlverstandenem Eigeninteresse.
Wie wäre es denn damit: Die Thelemiten und Okkultisten begehen deshalb genauso viele oder wenige Schwerverbrechen
wie der Rest der Gesellschaft, und zwar deshalb, weil sie es nicht wollen und weil es ihren ethischen
Grundsätzen nicht entspricht - genauso, wie das beim allergrößten Teil der Menschen der Fall ist, in deren
Gesellschaft die Thelemiten und Okkultisten leben. Auf diesen Gedanken scheint König im Laufe seiner nun über zwanzig
Jahre dauernden Recherche noch nie gekommen zu sein, jedenfalls hat er ihn in dem gemeinsam mit Huettl verfassten
Buch nicht geäußert – und das wäre in Anbetracht von Huettls Intention für das Buch ein wirklich guter Platz gewesen,
diesen Gedanken der Welt in einem gut passenden Zusammenhang zur Kenntnis zu bringen, so er ihn entgegen meiner
Mutmaßung doch schon einmal gehabt haben sollte.
Huettl führt in dem oben angeführten Interview zur Ausgangslage zu Beginn seiner Arbeit an dem Buch weiter aus: "Die
Darstellung in der diesbezüglichen Literatur ist zusammengefasst folgende: Satanssekten existieren angeblich
generationenübergreifend und mit landesweiten bzw. gar internationalen Netzwerken, die von mafiöser Struktur und
absoluten Verschwiegenheitspflichten geprägt sind. Dies ermöglicht es ihnen, über Jahre und Jahrzehnte hinweg
unbehelligt von Polizei und Justiz Schwerverbrechen zu begehen." Natürlich gibt es mittlerweile ein ganzes Sortiment
wahrhaft horribler Darstellungen angeblicher Okkultverbrechen, das gute Aussichten hat, dass ihm von
Literaturwissenschaftlern späterer Generationen ein eigenes Genre, zum Beispiel die Okkulthorrorinfotainmentfiktion,
zugedacht wird. Der richtige Weg zur Erwiderung der Massenmordphantasien einiger Sektenbeobachter wäre zu zeigen,
dass die Textdeutungen von Knaut, Grandt, Fromm, um nur die lautesten zu nennen, keine auch nur annähernd
hinreichenden Beweisführungen und schon gar nicht auch nur annähernd sachgerechte Textanalysen sind, sondern
beliebiges und freischwebendes Ausdeuten und Dafürhalten zur Generierung eines veritablen Feindbildes. Dem ist aber
nicht mit einer anderen Variante reinen Meinens und Dafürhaltens zu begegnen, die lediglich versucht, Crowleys
Epigonen und Anhänger zu pathologisieren. König stellt die totale Verblödung gegen das totale Verbrechen – das ist alles.
Für den nicht in die Szene oder ins Geschehen involvierten Leser, für den "Laien" quasi, steht am Ende nur das eine
Meinen gegen das andere, das Resultat der Bewertung und die gewünschten und damit potentiellen Konsequenzen für die
Okkultisten sind dieselben – der Ausschluß aus der Gesellschaft durch Verbringung in eine so oder so geschlossene
Einrichtung. Der richtige Weg wäre der Nachweis, dass Crowleys Schriften textanalytisch und interpretatorisch keine
Verbrechen intendieren, geschweige denn explizit formulieren. Das ist natürlich aufwendiger und inhaltlich sehr viel
schwieriger, als eine handvoll Okkultfuzzis mit ein paar Zetteln als Vollidioten hinzustellen und kurzerhand pauschal auf
den Rest der Okkultgemeinde zu schließen. Aber es geht, es geht sogar sehr gut – Marco Pasi hat es bewiesen. [4]
Königs Texte bestehen zum größten Teil aus endlosen Schilderungen, wer wem was irgendwann in Sachen Logenpolitik,
Pöstchenschieberei, persönlicher Streitereien Fehden mitgeteilt, zugedacht, abgenötigt oder vorenthalten hat, in die
weitestgehend zusammenhangslos Dokumente esoterisch-okkulter Erkenntnisgewinnung eingestreut sind. Der Rest sind
Dokumente, etwa sogenannte "Urkunden" und "Patente", fragwürdiger Herkunft und nicht minder fragwürdigen Inhalts
sowie Königs - nun ja - sachdienliche Bewertungen. Insgesamt bleibt Königs Darstellung merkwürdig struktur- und
formlos und man fragt sich immer wieder, was der feine Herr König der Welt mit diesem Monument der Begehrlich- und
Eitelkeiten - denen seiner Protagonisten und natürlich seiner eigenen - eigentlich mitteilen will. Dass da andere eine
Sexualität präferieren, sei es zu ihrem Vergnügen, sei es für magische Zwecke, die König - aus welchen Gründen auch
immer - nicht mag? Wen interessiert das – außer denen, die das Zeug nach dem Motto "Sex sells" einer Zweit- und
Drittverwertung zuführen, um ihr eigenes Süppchen zu kochen?
Natürlich schreibt König nichts Explizites von Wegsperren der Szeneprotagonisten und fordert auch keine Verbote
irgendwelcher Okkultgruppierungen, aber das tun die "Sektenjäger" in Bezug auf Thelema auch nicht. Wie auch, denn
trotz intensivster Suche ist nicht ein einziger Hinweis zu finden, der eine solche Forderung irgendwie rechtfertigen würde.
Doch König arbeitet diesen Leuten auf zweierlei Weise zu. Einerseits berufen die sich immer wieder nicht zuletzt auf
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Königs krude Crowley-Exegese und seine Erfindung von der Spermagnosis als angeblich zentrales Element und quasi
Alleinstellungsmerkmal von Thelema, um im limbischen System ihrer Leser zu wühlen und Assoziationen zu angeblichen,
sexuellen Perversitäten zu generieren, die implizit sexuelle und andere schwere Straftaten in dramatisch übersteigertem
Maß als potentiell möglich erscheinen lassen. Andererseits bugsiert König durch die Diffamierung und Pathologisierung
Menschen als vermeintliche Soziopathen in eine Nische im sozialen Abseits, aus der sie dann bequem von den
"Sektenjägern" abgeholt werden können. Das tun die bei Bedarf auch, sie drücken den Betreffenden dann nur noch
Stempel a la "Acid-Satanist" oder "psychotischer Satanist" oder schlicht rechtsradikal auf. So ist nur logisch und
konsequent, dass beispielsweise Fromm sich in seinem "Satanismus in Deutschland" mehrfach auf den "Insider P.R.
König" beruft.
Im Grunde genommen macht König das nach, was ihm die bestallten und selbsternannten Weltanschauungsbeauftragten
vorführen. Zwar denke ich nicht, dass König das aus denselben Gründen wie diese tut, nämlich in ideologisierender
Absicht zur Generierung eines veritablen Feindbildes. Aber das ist in Hinsicht auf das identische Ergebnis dasselbe und
folgerichtig sind diese sogenannten Weltanschauungsbeauftragten seine besten Kunden. Und nebenbei bemerkt - ich
kann zwischen dem Gitter vor einem Zuchthausfenster und dem vor einem Irrenhausfenster keinen Unterschied
erkennen, jedenfalls keinen für das Resultat signifikanten. König gibt ein wirklich eindrucksvolles Beispiel dafür ab, dass
gut gemeint noch lange nicht gut getan ist. Der Punkt ist, dass König Esoterik und Okkultismus - das ist jedenfalls mein
Eindruck - fast ausschließlich als strukturelles Phänomen wahrnimmt. Es wäre aber Königs Aufgabe, wenn er seine
selbstgewählte Mission wirklich ernst nähme, sich auch und gerade den spirituellen Aspekten zu widmen, und zwar nicht
als Ziel von Hohn und Verächtlichmachung, sondern als ernstzunehmendes Phänomen und gutes, weil nicht zuletzt
verfassungsmäßiges Recht derjenigen, die diese Aspekte für ihr Leben als wichtig erachten. Dazu müsste er aber seine
"Studienobjekte" nicht als "Meerschweinchen", sondern als Menschen wahr- und und vor allem ernstnehmen - und das
tut er nicht, wie die obigen Zitate zeigen.
Insgesamt wirkt König auf mich in seinen Ausführungen über weite Strecken wie ein passionierter Briefmarkensammler,
der allerdings noch nie eine Weltkarte gesehen hat. Offensichtlich weiß König ganz gut über die organisatorische Historie
und die strukturelle Verfasstheit des OTO Bescheid, was nach zwanzigjähriger Beschäftigung mit derselben irgendwie
auch selbstverständlich sein sollte. Zwar schreibt er auf Seite 185, dass Thelema sich zum OTO verhalte, wie das
Christentum zur Kirche (wobei es passender wäre, den Vergleich auf die Dorfkirche von Schöpsroda zu beschränken) und
er wiederholt das Motiv auf Seite 270. Aber ansonsten folgt der ganze Text dieser Einsicht nirgends, er versteht nicht
(oder unterschlägt), dass die Funktionäre - mitunter nennen sie sich selbst "Beamte" - diverser Logen oder die Kader der
verschiedensten Orden zwar natürlich Thelemiten sind, aber genauso wenig die Thelemiten repräsentieren, wie Honecker
und seine Gefolgsleute die Sozialisten waren - und wie Ratzinger oder Käßmann die Christen sind. Der Vergleich paßt
auch deshalb ganz gut, weil die Politik von Honecker und Konsorten so die dogmatisierte und ideologisierte Manifestation
des Marxismus darstellte, weil die genannten und zahllose andere Christenfunktionäre so für Dogma und Ideologie in der
Christenheit stehen, wie die Politik diverser Ordensfunktionäre die dogmatisierte und ideologisierte Variation von
Thelema repräsentieren. Ich könnte das sehr viel konkreter ausführen, aber das würde den Rahmen dieses Textes
sprengen und das Problem ist an dieser Stelle hinreichend beschrieben: König meint und zitiert in dekontextualisierten
Textfragmenten diesen oder jenen Hochgradkader und schreibt die Thelemiten, König meint das, was er für
Spermagnosis hält, und schreibt die Thelemiten. König pauschalisiert und vergröbert auf der Grundlage einiger Papiere
zweifelhafter Herkunft, garniert mit allerhand Esogetratsche, und konstruiert im Nachgang eine Art esoterische
Sippenhaft. Deshalb macht er im Grunde nichts anderes als das, was die sogenannten Weltanschauungsbeauftragten von
ihm dafür erwarten, dass sie ihn zwar nicht als sachverständigen Experten in ihren Kreisen goutieren, ihn aber eingespannt für ihre Zwecke - als solchen öffentlich vorführen.
Teil 3: Ein kleiner, aber erhellender Einschub
An dieser Stelle ist ein kleiner, aber notwendiger und erhellender Einschub angebracht, der zur Überleitung von der
Zustandsbeschreibung im vorigen Kapitel zur Betrachtung von Peter-Robert Königs Analyse- und Bewertungsmethoden
in den folgenden Kapiteln dient. Peter-Robert König zeichnet ein Bild von Thelemiten und Okkultisten, das jeden
Psychiater die so beschriebenen Personen als pathologisch und jeden Ordnungspolitiker dieselben als notorisch asozial
einordnen ließe. Mir drängte sich aber an den zitierten und etlichen anderen Stellen der Eindruck auf, dass Peter-Robert
König eher über sich, sein Verhältnis zum Okkulten und seine Lebensumstände spricht als über die anderer Leute. Dazu
drei Beispiele:
1.) Einerseits lässt sich Peter-Robert König in epischer Breite über die angeblich so obsessive bis manische Beschäftigung
der Thelemiten mit esoterisch-okkulter Literatur und Praxis aus, was dann zum Beispiel so klingt: "O.T.O.-Mitglieder
sind belesener als ihre Mitokkultisten. Allein den riesigen Wust an Crowley-Material zu lesen, bedeutet einen enormen
Aufwand, einen wahren Lesemarathon. Um Crowley zu verstehen, benötigt es wiederum eine große Bibliothek mit all
der Literatur, die er empfiehlt, ja sogar verlangt [...]". (a.a.O. Seite 270) Andererseits plaudert er auch aus seiner
Biographie, wobei er sich zwar sehr viel kürzer fasst, dem Leser aber immerhin folgendes mitzuteilen weiß:
"Ich weiß es schlichtweg nicht, wann genau meine bewussten Recherchen begannen. Das Okkulte war eigentlich bis
circa 1985 außerhalb meiner Wahrnehmung. Ich glaube, was mich immer interessierte, schon als 10-Jährigen, war die
Manipulation. Manipulation von Wahrnehmung. Ich las da schon Fachbücher über Hypnose und versuchte, meine
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Mentopia.net
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Familie, inklusive Meerschweinchen, zu hypnotisieren. Als ich zu recherchieren begann, tat ich das nur für mich. Ich
hatte einfach zu viele Bücher herumliegen, die Wohnung wurde zu klein. Ich habe sie sortiert und gemerkt, da sind ja
etliche vom O.T.O., dem Schweizer O.T.O.. Wieso hatte ich die? Weil ich immer ratzekahl alle Quellen aufgekauft hatte
von Büchern, die mir gefielen. Ich meine die Recherchequellen, Fußnoten, Sachregister etc. [...] Seltsamerweise habe ich
zur selben Zeit die gesamte gnostische Fachliteratur vertilgt. Das muss sich auch zufällig ergeben haben. Wie gesagt:
Ich las mich immer durch alle Fußnoten und Anmerkungen." Dessen nicht genug waren da – natürlich, was sonst – noch
"...Navratils Analysen der schizophrenen Künstler von Gugging...", Watzlawick, Erdheim, Fuentes sowie die Tatsache,
dass ich Peter-Robert König "...nach dem Tode von P.K. Dick nochmals all seine Sachen las..." und dass er "...jeden
Science Fiction Roman, der je in deutscher Sprache publiziert worden ist, auch die DDR-Sachen..." besaß. (a.a.O. Seiten
157f.)
Ich finde das wirklich phantastisch, allerdings stellt sich mir die Frage, wann König die Zeit für solch profane Petitessen
wie die Verrichtung der Alltagsarbeit wie Kochen, Putzen und Wäschewaschen oder auch für eine geregelte Tätigkeit, um
das Geld für all die Bücher zu verdienen, fand. Sei's drum – noch einmal in der Kurzfassung, weil das so hochkomisch ist:
• Mit 10 Jahren las König Fachbücher über Hypnose.
• König hat von Büchern, die ihm gefielen, mit Recherchequellen, Fußnoten und Sachregister ratzekahl alle Quellen
aufgekauft.
• Zur selben Zeit hat er die gesamte gnostische Fachliteratur gelesen – nicht allerhand, nicht viel, nein – die gesamte
war es.
2.) Im fünften Kapitel des sogenannten Interviews unter der Überschrift "Schmieden sie im Flüsterton aus Gesprächen
Bomben – Die Weltverschwörung" jonglieren Huettl ("Zu den Berufen der Mitglieder [...]") und König mit einigen
Berufen und Tätigkeiten, die von diversen Ordens- und Logenmitglieder aus O.T.O. und Fraternitas Saturni bekannt sind.
Da finden sich Diplom-Buchhalter, Chemiker, Buchbinder, Buchhändler, ein Diplom-Physiker, ein Oberamtsanwalt,
Amtsangestellte, Vertreter, Immobilienmakler, Computerfachleute, Versicherungskaufleute, kaufmännische Angestellte,
Postbeamte, Arbeiter, Elektromechaniker, Elektriker, Schlosser, Metallarbeiter, Sekretärinnen, Lehrer, Dolmetscher,
Psychologen, einen Zahnarzt, ein Schauspieler, ein Maler, Kunstgewerbler, Rentner, Hausfrauen und ein paar Arbeitslose
(a.a.O. Seiten 264f.), was Peter-Robert König – wohl auch eine Frucht seiner, mittlerweile ein Vierteljahrhundert
währenden Recherchen - zu der fürwahr bahnbrechenden Erkenntnis brachte: "Bei den Saturn-Orden habe ich den
Eindruck, dass sich hier eher bürgerliche Berufe finden." (a.a.O. Seite 265) Die Studenten aller möglichen Fakultäten und
Künste haben die beiden selbsternannten Spezialisten für alle okkulten Lebenslagen zwar vergessen, aber ansonsten - jo,
so isses, so bürgerlich wie ein beliebiger Ortsverband einer der bürgerlichen Parteien. In ihrer überwiegenden Mehrheit
gehen Thelemiten, Esoteriker und Okkultisten, seien sie in Logen oder Orden organisiert oder auch nicht, einem
geregelten Tagewerk in einem bürgerlichen Beruf nach und schaffen dabei, wie alle anderen Mitbürger auch, mehr oder
minder erfolgreich einen wirtschaftlichen und sozialen Mehrwert. Das passt zwar irgendwie nicht wirklich zu PeterRobert Königs sonstigen, zum Beispiel oben zitierten Diagnosen. Natürlich teilt er dem Leser auch nicht mit, wie seiner
Meinung nach Menschen, deren – wie er befindet - "[...] zwischenmenschlichen Beziehungen außerhalb der künstlich
erzeugten Realität [...] jedoch zur Projektionsfläche des eigenen Versagens [...] verarmen" und die "[...] kaum mehr mit
Nicht-Thelemiten kommunizieren [...]" können, im Berufsleben bestehen können. (a.a.O. Seiten 293) Doch König wäre
nicht König, wenn ihn solche Widersprüche auch nur im Mindesten tangieren würde.
Doch dessen ungeachtet - welchem Beruf geht Peter-Robert König eigentlich nach? Während er, wenn es um die Belange
anderer Leute geht, jederzeit und aus dem Stand mindestens eine Bewertung, oft auch ein Urteil, parat hat, bleibt er in
Antworten zu dieser Frage merkwürdig unpräzise. Er berichtet gern, er habe studiert und an anderen Stellen spricht er
mal implizit ("In der Rolle als Ethno-Psychologe [...]") [5], mal explizit ("Natürlich muss ein Ethnologe ein paar
Stammesrituale mitmachen [...]", a.a.O. Seite 165) von sich als Ethnologe. Auf der Website der Autorinnen und Autoren
der Schweiz wird er als Journalist und Sachbuchautor geführt, im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek hingegen ist
er als Psychologe ausgewiesen, was ein ziemlich fragwürdiger Umstand ist, denn die Berufsbezeichnung Psychologe ist in
Deutschland geschützt. (Einige Anmerkungen dazu sind in der Fußnote [6] zu finden.) Auch der Wikipediaeintrag zu
Peter-Robert König gibt zu seiner beruflichen Qualifikation nicht viel her, dort steht nur das, was ich hier schon anführte:
"Peter-Robert König [...] ist ein Schweizer Journalist und Sachbuchautor. Er studierte an der Universität Zürich
Ethnologie und Psychologie." [7] Als Referenz sind ein Eintrag im Autoren-Lexikon des Vereins Autorinnen und Autoren
der Schweiz und ein Interview mit König in "Flensburger Hefte" Nr. IV/98 angegeben. Apropos "Flensburger Hefte" - dort
fand sich mit der Anmerkung, Peter-Robert König übertrage "fremdsprachige Lehrbücher in Blindenschrift" der einzige
Hinweis auf das, was man eine geregelte Tätigkeit nennen könnte, wenn er es denn einigermaßen regelmäßig täte. [8]
Dass sich der, aus dem Schaffen Peter-Robert Königs entstandene, wirtschaftliche Mehrwert in überschaubaren Grenzen
halten dürfte, ist wohl klar, aber welche soziale Relevanz haben fast 25 Jahre unermüdlicher Einsatz im Dienste der
fortgeschrittenen Spökenkiekerei, all die Jahre als Materiallieferant des ehren- und hauptamtlichen Eso-Voyeurismus, die
Begründung einer Art Ejakulationsethnologie?
3.) Fünfundzwanzig Jahre Recherche zahlen sich natürlich früher oder später doch irgendwie aus und so weiß uns PeterRobert König mit einer schier unglaublichen Beobachtung zu überraschen: "Okkultisten rücken sich mit Vorliebe in die
Nähe von Künstlern, speziell den sogenannten Underground- oder Counterculture-Künstlern." Das führt König über
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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diese Seite hinweg bis auf die nächste aus und reiht so ziemlich alles aneinander, was er dazu finden konnte, das aber in
den seltensten Fällen wirklich zusammengehört. Ich habe das zusammengeschnitten und gestrafft:
"So tummeln sich vor allem Musiker [...] zum Beispiel Rodney Orpheus (Caliphat), die Texaner ABSU (Typhonian
O.T.O.) [...] Splinter Test [...] Psychic TV [...] deren Exponent Genesis P'Orridge hin und wieder mit William Breeze
Platten aufnimmt, außerdem Coil, Current 93 [...] lokale Caliphats-Frauenloge einen a cappella Chor, der thelemitische
Lieder singt [...] Box mit zwei Schallplatten erschienen, die u.a. einen Text von Eugen Grosche [...] umsetzt. [...] Marc
Almond ehemals Mitglied von P'Orridges Okkultorden Thee Temple ov Psychick Youth [...]" (a.a.O. Seite 127)
Teufel noch eins - und Jimmy Page besaß Boleskine House und sammelt Crowleyana - blablabla. [9] Um die Sache für
seine Zielgruppe noch ein bisschen interessanter zu machen, plaziert König im Zusammenhang mit Genesis P-Orridge
(korrekterweise mit Bindestrich statt Apostroph) und COUM Transmissions die Wortsequenz "Livekopulationen,
Verwendung von benutzten Tampons und allerlei Körperausscheidungen". Das erfreut das Herz - oder was auch immer des rechtgläubigen Eso-Voyeurs! Zu Genesis P-Orridge und COUM Transmissions gäbe es jenseits der Königschen
Banalitäten etwas mehr zu sagen, aber das würde den Rahmen hier sprengen. Wen es interessiert, der findet in den
Fußnoten [10] und [11] weiterführende Links.
Wie aber verhält es sich mit der Nähe zu Künstlern in Peter-Robert Königs Vita? Und falls er sie oder sie ihn suchen - ist
das dann quasi Overground oder gar dominant culture? [12] Lesen wir also auf seiner Website, was uns König zu diesem
Thema mitzuteilen hat:
"Als man mir an der Uni andeutete, dass man unmöglich über die Unterhaltungsmusik der 1920er Jahre dissertieren
könne, da das nicht in die Studienfächer Ethnologie und Psychologie passe, zog ich 1981 nach Berlin um, nahm mit
einigen Exponenten der damaligen 'Neuen Wilden' sogar eine Schallplatte auf, "Geile Tiere Berlin", und gab mich auch
sonst etlichen Exzessen hin." [13]
Was immer König in Berlin getan hat, er hat offenkundig stante pede ein Sprichwort aus dem Berliner Volksmund zum
Lebensmotto erkoren, das fälschlicherweise oft Wilhelm Busch zugeschrieben wird: "Bescheidenheit ist eine Zier, doch
weiter kommste ohne ihr." Man beachte die Wortwahl: Peter-Robert König hat mit XY eine Platte aufgenommen - er hat
und die anderen haben mit. Nun gut, ich weiß zwar nicht, was König unter Counterculture versteht, doch dem folgend,
was die unter Fußnote 9 angegebene Quelle beschreibt, sowie meinen Kenntnissen - und ich kenne sie gut - über die
Berliner Szene Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts zufolge, war diese Szene genau das - nämlich die
deutsche, ganz speziell die Berliner Variante, dessen, was unter Counterculture üblicherweise verstanden wird. Der von
König angesprochene "Exponent" ist der Berliner Künstler Salomé (Wolfgang Cihlarz) [14], der in jener Zeit auch Aktivist
der "Homosexuellen Aktion Westberlin" war - das Café "Anderes Ufer", in dem Salomé zeitweise kellnerte, spielte damals
eine wichtige Rolle. Diese Szene, der im weiteren Sinne auch die Band "Geile Tiere" zugerechnet wird und an der PeterRobert König partizipiert haben will, wird in der oben angeführten Quelle als "Lesbian, gay, bisexual & transgender
counterculture" beschrieben. Ist dem Herrn König das wirklich nicht aufgefallen?
Aber vielleicht hat diese Königsche Wahrnehmungslücke, so will ich das Phänomen mal nennen, auch ganz andere
Gründe. Es gibt an Peterchens Berliner Mondfahrt nämlich ein klitzekleines Problem - offenkundig hat keiner von denen,
die sich als Fans oder aus professionellen Gründen mit "Geile Tiere" befassen, etwas von Königs Aktivitäten bemerkt - wie
gesagt: Peter-Robert König hat und die anderen haben mit. Es sei denn, König war 1981 in Berlin unter den Spitznamen
Knüsl, Mongo oder Burri unterwegs. [15]
Aber halt - ich muss mich korrigieren, es sind zwei klitzekleine Probleme. Die 10-Zoll-EP "Geile Tiere Berlin", die König
seiner Behauptung zufolge aufgenommen haben will, wurde im Juni 1980 in Berlin produziert - König kam aber seiner
Darstellung zufolge erst 1981 in Berlin an, womit er das Aufnehmen der Scheibe um mindestens ein halbes Jahr verpasst
hat. [16] Im Juli 1981 hat "Geile Tiere" die nächste Scheibe eingespielt. Hat König sich vielleicht nur vertippt und es geht
eigentlich um diese Platte? Na ja, zeitlich würde es passen, dumm ist nur, dass zwar König jetzt in Berlin war, die Geilen
Tiere die Scheibe aber in Genf aufnahmen. Richtig, das Genf in der Schweiz, aus der Peter-Robert König justament und
doofer Professoren wegen nach Berlin verzogen ist. [17]
Was, bitte schön, soll man dazu sagen? Vielleicht das: Dieses Zeug wurde mindestens dreimal von dritter Hand
abgedruckt - in den "Flensburger Heften", in Hakls "Gnostika" und schließlich in Huettls Buch. Ist wirklich keinem von
denen aufgefallen, dass da etwas nicht stimmen kann? Wenigstens Huettl hätte mit einigen Mausklicks herausfinden
können, dass das so nicht stimmen kann.
Aber dem kann natürlich abgeholfen werden, und zwar per Nachfrage bei dem Mann, der ausweislich der Quellen 16 und
17 tatsächlich hinter dem Projekt "Geile Tiere" stand - Salomé, der mit bürgerlichem Namen Wolfgang Cihlarz heißt. Am
07.03.2010 telefonierte ich um 15:50 Uhr mit Wolfgang Cihlarz und nach seiner Schilderung stellt sich die Sache so dar.
Peter-Robert König taucht tatsächlich bei "Geile Tiere" auf, und zwar auf der Scheibe aus dem Jahr 1981. Er ist in einem
Stück relativ kurz in den Background Vocals zu hören, Herr Cihlarz konnte sich nicht erinnern, in welchem Stück das
konkret ist. Herr Cihlarz sagte, das wäre "keine große Sache" gewesen, es wäre "Zufall" gewesen, Peter-Robert Königs
Stimme "wurde irgendwie mit aufgenommen" und dann in der Schweiz in das Stück eingemischt, was Königs
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Anwesenheit in dem Lied trotz der räumlichen Distanz erklärt. Ich weiß nicht, wie der geneigte Leser das sieht - PeterRobert König sieht es, wie gesagt, so: "[...] zog ich 1981 nach Berlin um, nahm mit einigen Exponenten der damaligen
"Neuen Wilden" sogar eine Schallplatte auf [...]" Tja, es ist manchmal schon verblüffend, wie sich die Wahrnehmung
zweier Menschen unterscheidet, die an derselben Sache beteiligt waren. Ich für meine Teil halte Herrn Cihlarz' Version
für glaubwürdig.
Teil 4: Spermagnosis - die etwas andere Obsession des Peter-Robert König
"418 ist eine thelemitisch wichtige Zahl, denn kabbalistisch gesehen korrespondiert die Zahl 418 mit dem Zahlenwert
des Begriffes Thelema."
Peter-Robert König in "Satan - Jünger, Jäger und Justiz"
Dass der Begriff "Spermagnosis" schon vor König zur Anwendung kam, muss er niemandem erzählen, schließlich kann
man im Netz einen Bericht von Epiphanius von Salamis über die Praktiken der Gnostiker nachlesen. Bemerkenswert ist
der Kontext, dem er entstammt – die Häretikerverfolgung. Epiphanius von Salamis, geboren um 315, war ab 367 Bischof
von Konstantia (Salamis) auf Zypern. Epiphanius sah Origenes [18] bzw. seine Schriften als Urheber aller Häresie [19]
an und bekämpfte sie erbittert, als Epiphanius' Hauptwerk gilt sein Panárion (als "Adversus haereses" oder einfach
"Haereses" bekannt, untertitelt als "Hausapotheke gegen die Schlangenbisse der Häresie"). Epiphanius gilt als
Hauptprotagonist des Ersten Origenistischen Streits [20] – das Einsetzen der Häretikerverfolgung zeichnete sich ab, die
Inquisition warf ihren ersten Schatten über die Christenheit und man kann in Epiphanius getrost den Urtypus des
heutigen Weltanschauungsbeauftragten sehen, auch wenn man sich ihrer in 1.600 Jahren garantiert nicht wegen ihrer
außerordentlichen Bildung und Sprachfertigkeiten erinnern wird, wie das heute mit Epiphanius der Fall ist.
Ist es Zufall, dass der wohl älteste Bericht über das, was man heute als spermagnostische Praxis bezeichnet, ausgerechnet
aus dem historischen Vorfeld der Inquisition stammt? Ist es Zufall, dass die Tradition des Rückgriffs auf sexuelle
Praktiken, auf die Darstellung sexueller "Perversionen", als vermeintlich argumentatives Muster sich über 1.600 Jahre
hinweg bis zu Peter-Robert Königs Darstellung spermagnostischer Praxis als zentrales Element und de facto
Alleinstellungsmerkmal von Thelema erhalten hat? Ich lasse die Fragen unbeantwortet im Raum stehen, denn ich habe
keine Antwort darauf, hoffe aber, dass sie dem Leser – und Herrm König – Denkanstoß sind.
"Üppige Speisen tragen sie auf, essen Fleisch und trinken Wein, auch wenn sie arm sind. Wenn so miteinander getafelt
und sozusagen die Adern mit ihrem Überschuß an Kraft angefüllt haben, gehen sie zur Anreizung über. Und der Mann
verlässt den Platz an der Seite seiner Frau und spricht zu seinem eigenen Weibe: Stehe auf und vollziehe die Agape mit
dem Bruder. Die Unseligen aber vereinigen sich miteinander, und wie ich mich in Wahrheit schäme, ihre schimpflichen
Handlungen zu erzählen, weil, um mit den Worten des heiligen Apostels zu sprechen [21], das, was bei ihnen geschieht,
auch zu sagen schändlich ist, so werde ich mich dennoch nicht scheuen, damit ich in jeder Hinsicht bei den Lesern der
von ihnen verübten Unzüchtigkeiten einen Schauder errege. Nachdem sie sich nämlich vereinigt haben, erheben sie,
nicht genug an dem Laster der Hurerei, noch ihre eigene Schande gen Himmel: Weib und Mann nehmen das, was aus
dem Manne geflossen ist, in ihre eigenen Hände, treten hin, richten sich nach dem Himmel zu auf mit dem Schmutz an
den Händen und beten als sogenannte Stratiotiker und Gnostiker, indem sie dem Vater, der Allnatur, das was sie an
den Händen haben, selbst darbringen mit den Worten: 'Wir bringen dir diese Gabe dar, den Leib Christus'. Und dann
essen sie es, kommunizieren ihre eigene Schande und sagen: 'Das ist der Leib des Christus, und das ist das Passah, um
dessentwillen unsere Leiber leiden und gezwungen werden, das Leiden des Christus zu bekennen.'"
Epiphanius von Salamis
Soweit die Geschichte - zurück zu Peter-Robert König. Auch mit häufiger Wiederholung seiner phänomenalen
Erkenntnisse redet König die beiden problematischsten Punkte nicht weg. Da ist zunächst die Frage, was er da eigentlich
an Quellen haben will. So, wie sich das in dem hier besprochenen Buch, aber auch in Königs "Der O.T.O. Phänomen
Remix" darstellt, hat er alle Aussagen und Papiere, die er als Beleg wertet, zu einem gewissen Teil von diversen
Szeneprotagonisten selbst aus erster Hand, den weitaus größeren Teil jedoch von irgendwelchen Lieferanten aus zweiter
oder dritter Hand. Die versichern König natürlich die Echtheit derselben und König versichert diese dem Leser - und der
soll sie ihm abnehmen, mithin glauben, wirklich prüfen kann der Leser das aber nicht. König hat, wie er im Buch selbst
angibt, spermagnostische Praktiken als Augenzeuge nie erlebt und er hat auch nie ein Produkt spermagnostischer
Herkunft oder Verwendung - einen Lichtkuchen oder ähnliches - gesehen, dessen spermagnostischer Gehalt auch nur
einigermaßen zweifelsfrei feststand. Also bleiben in Bezug auf spermagnostische Praktiken nur Aussagen, Niederschriften
über mehrere Ecken und Gekritzel, aus dem König "sexualmagische Anweisungen" mit direktem Bezug auf vermeintlich
oder tatsächliche spermagnostische Praktiken herauslesen will, wie das putzige Bildchen auf Seite 248, dessen
Untertitelung den Eindruck erweckt, Wolther sei immer noch Großmeister der Fraternitas Saturni. Mich erinnert das
Gekrakel eher an Omnipotenzphantasien pubertierender Jungsatanisten, aber sei's drum - verblüffend bleibt der
Umstand, dass König den Okkultisten definitiv und buchstäblich nichts von ihren Absichten, Anliegen und Werten
abnimmt, was dann schlußendlich in die Pathologisierung mündet, aber an ausgerechnet diesen einen Punkt, den König
da als praktizierte Spermagnosis belegt sehen will, glaubt er mit nachgerade obsessiver Inbrunst.
Die Backanweisungen für die "cakes of light" beispielsweise sind hinlänglich bekannt, und das sicherlich deshalb, weil
König sie so enthusiastisch ventilierte. Genau deshalb habe ich sie nie ernst genommen, genauso wenig, wie ich Königs
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Eisenbahngeschichte auf Seite 232f. ernstnehme, wobei ich nicht bestreite, dass ein solches Papier vor ziemlich langer
Zeit in irgendeiner Loge verfasst wurde und dass irgendwer dem König den Eisenbahnschwank tatsächlich erzählte.
Meine Skepsis resultiert aus meinen Erfahrungen mit "Großmagiern" jeder Couleur, die von den außergewöhnlichsten
magischen Experimenten und nachfolgenden Erfahrungen inklusive der tollsten sexualmagischen Praktiken und Rituale
an den geweihtesten Orten, die der Papst sich denken kann, zu berichten wussten, was in den allermeisten Fällen bei
näherer Befragung alles zu Illusionen, Halluzinationen oder bloßer Prahlerei zerbröselte. Es steckte schlicht nichts
dahinter. So gesehen bin ich bei solchen Berichten und Papieren grundsätzlich sehr skeptisch. Mehr noch, ich habe mehr
als einmal die verblüffte Nachfrage seitens diverser, an den höheren Mysterien interessierter Jungmagier gehört, dass es
"sowas" bei Thelema aber geben müsse, wo der König das doch schreibe. Was zumindest als Hypothese nahelegt, dass
Forschung a la König ihre Ergebnisse auch selbst generiert. Das liest sich im Original dann so:
PRK: Ich kenne da einen netten, jungen Mann, der sich selbst eine Tonbüste töpferte und sie in einem Wald salbte.
Derselbe junge Mann masturbierte auch in einem Zug, der um 04:18 abfuhr auf die Sitze (418 ist eine thelemitisch
wichtige Zahl, denn kabbalistisch gesehen korrespondiert die Zahl 418 mit dem Zahlenwert des Begriffes Thelema). Und
dann kratzte er im Warburg Institute London, wo die Originalgemälde von Crowleys Tarot lagern, ein Stückchen blaue
Farbe von einem dieser Ölgemälde ab, fügte es in die Vagina seiner Freundin ein, die nach vollführtem Verkehr über ein
Stück jungfräuliches Pergament kauerte, auf dem ein magisches Sigill gezeichnet war und alles darauf tropfen ließ.
Niemand von den Beteiligten war oder ist in einem Orden. Aber alles wurde mir detailliert berichtet.
Huettl: Nach diesem Einblick in die angeblich größten Geheimnisse, die doch niemals ein Außenstehender erfahren
dürfe, wären wir erneut bei der Arkansdiziplin, die von den Okkultgruppen angeblich mit solch großer Perfektion geübt
werden soll. [...]
[Andreas Huettl, Peter-R. König: "Satan - Jünger, Jäger und Justiz", Kreuzfeuer Verlag 2006, Seite 232f]
Es ist wirklich deprimierend - um solch grenzdebiles Geschwätz unter die Leute zu bringen, müssen unschuldige Bäume
sterben. Es ist, wie gesagt, ziemlich sicher, dass irgendwann irgendjemand dem König diesen Quatsch erzählte und
genauso sicher ist, dass derjenige sich nun diebisch freut, damit in einem Buch verewigt zu sein. König nimmt solch
groben Unfug nicht nur an der hier zitierten Stelle für bare Münze und Huettl reagiert, als hätte es Crowleys detaillierte
Darstellungen magischer Praktiken oder Grosches Veröffentlichung von Crowleys magischen Ritualen nie gegeben.
Dessen nicht genug – keiner der beiden ist in der Lage, sich die eigentlich doch naheliegende Frage zu stellen, ob es
wirklich wahrscheinlich ist, dass Kabbalisten Begriffe in griechischer Sprache deuten, was keine Frage von Spezialwissen,
sondern eine des gesunden Menschenverstandes gewesen wäre. Das ist natürlich nicht naheliegend und von einem, der
seit über zwanzig Jahren in dem Metier als Sachverständiger hausieren geht, sollte man erwarten können, dass er die
Korrespondenzen mittlerweile wenigstens soweit kennt, dass ihm nicht solch ein Unsinn unterläuft.
Die kabbalistische Korrespondenz zur 418 ist unter anderem der Begriff "Abrahadabra", das Wort des Neuen Aeons, wie
Crowley es im Liber 777 aus den Wortbestandteilen herleitet. Was König meinte, bleibt unklar, die Gematria des Begriffes
"Thelema", und zwar die griechische, ergibt allerdings 93. Deshalb auch der Gruß 93/93, Herr König, die zweite 93 steht
für die griechische Gematria des Begriffes "Agape", die auch 93 ergibt. Es ist nicht, wie Sie vermutlich bis dato annahmen,
die Mindestanzahl zu verzehrender Lichtkuchen zum Zwecke der vollständigen Erleuchtung gemeint.
Na da brat mir einer einen Storch! Da schreibt doch der Bischof Epiphanius, die ollen Gnostiker haben "Agape" bei ihren
Schweinigeleien gesagt! Na wenn das mal kein schlagender Beweis ist - mit der messerscharfen Logik Königscher
Induktion geschlossen heißt das, dass jeder (zumindest jeder Okkultist), der Agape sagt, ein Spermagnostiker ist.
Schlimmer noch, der Thelemitengruß 93/93, bei dem, wie eben erläutert, die eine 93 für Thelema und die andere für
Agape steht, heißt ohne jeden Zweifel – wenn man diesen schwarzokkultmagischgeheimbündlerischen Code
entschlüsselt, weil also Thelema für Wille und Agape nur dem Anschein nach für Liebe, in Wirklichkeit aber für
spermagnostischen Schweinkram steht – nichts anderes als "Ich will Spermagnosis mit dir machen." Die Antwort 93/93
heißt dann "Ich will auch Spermagnosis mit dir machen." und die gelegentlich im Gruß anzutreffende dritte 93 heißt somit
und erwiesenermaßen schlüssig "Los, laß uns Spermagnosis machen." Hömma, Herr Chefredakteur, wenn du nochmal 93
zu mir sachst, dann schreibe ich das dem Peter-Robert und der beweist dann unwiderlegbar schlüssig anhand dieses
absolut echten Originaldokuments, dass du ein Igittpfuiäbbäspermagnostiker bist! Jawollja!
Vorsorgliche Anmerkung: Dieser Absatz war Ironie.
Was tut Peter-Robert König eigentlich, wenn er die Spermagnosis als angeblich zentrales und, wenn man seiner
Darstellung folgt, fast alleiniges Element von Thelema konstituiert, und zwar für die Thelemiten in toto, was er nur hin
und wieder beiläufig in einer handvoll Nebensätzen relativiert? Zunächst konstruiert er über die
Spanne seines Textes in dem Buch einen ebenso banalen wie effizienten, weil in der Flut von Anekdoten und Schnurren
leicht zu übersehenden Zirkelschluss [22]: Er definiert sein selbst gewähltes Arbeitsfeld quasi axiomatisch [23] als das,
was er als das wirkliche Thelema bezeichnet und was per Definition spermagnostische Praxis beinhalten muss. Er
schlussfolgert aus den unter dieser Axiomatik ausgewerteten Quellen, dass Thelema sich über spermagnostische Praxis
definiert. Auffällig ist, dass König ausschließlich über eine handvoll Hochgradmitglieder aus einer handvoll Orden
schreibt oder sie zitiert - und ohne Unterlass auf den Thelemiten als solchen und überhaupt schließt, womit er praktisch 2
oder 3 Prozent auf den gesamten Rest der Thelemiten pauschalisiert. Die Spermagnosis ist nur ein Aspekt der Gnostik
und die Gnostik wiederum ist nur eine von ungefähr 20 Strömungen, die Crowley in Thelema einbrachte. Das heißt, sie
macht in Theorie und Praxis nur einen Bruchteil dessen aus, was Thelema ist. Auffällig ist, dass Reuß, Kellner, Metzger,
Jantschik, Heikaus, kurz – so ziemlich alle "spermagnostischen Kronzeugen" Königs, nicht nur in der Mehrheit tot sind,
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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sondern ausschließlich in den sehr eng gezogenen Grenzen ihrer jeweiligen Orden und Logen eine Rolle spielen und für
größten Teil der Thelemiten der nachfolgenden Generationen - wenn überhaupt bekannt - völlig irrelevant sind. Tatsache
ist, dass im deutschsprachigen Raum - und um den geht es in Huettls Buch - Orden und Logen der "spermagnostischen
Kronzeugen" Königs nicht im Ansatz die Bedeutung haben, die König ihnen zumisst. Eben weil heute die nicht an
Gradsystem und Arkandisziplin, weil die nur lose oder gar nicht an Gruppen gebunden Thelemiten nicht nur
zahlenmäßig, sondern auch vom ideellen Output her überwiegen (was ich mangels Wissen in Bezug auf den
angelsächsischen an dieser Stelle auf den deutschen Sprachraum beschränke), lohnt es weder in Hinsicht auf ihre
personelle und materielle Ausstattung und schon gar nicht in Hinsicht auf ihren ideellen Output den Aufwand, den König
in die Beschäftigung in diese Gruppen investiert. (Für die Fraternitas Saturni trifft das allein wegen Tegtmeiers Output
nicht zu.)
Dass König es trotzdem tut und sein bis dato fast komplettes
Erwachsenenleben damit verplempert hat, ist natürlich seine Sache.
Jedem Sternchen sein Laternchen, würde der Thelemit in Anlehnung an
Vers I/3 des Liber L. vel Legis sagen. Das aber als de facto definitives
oder gar finales Investigationsresultat und quasi der Weisheit letzten
Schluss zu nehmen, halte ich für ganz und gar unzulässig. Wer sich von
der möglichen Spannbreite in Sachen thelemische Weltsicht einen
Eindruck verschaffen will, der möge das Thelema-Heft des Magickal
Observer lesen [24].
An dieser Stelle möchte ich die Erörterung mit Hilfe einer Hypothese
fortsetzen - wir setzen der Einfachheit halber spermagnostische Praxis
als Faktum voraus und nehmen als gegeben an, dass es Menschen gibt,
die solche Praktiken wie die "cakes of light" benutzten, um was auch
immer zu bewirken. Wir haben jetzt also eine handvoll Dokumente und
Einlassungen inkl. der von Jantschik, die solches en detail und mit
Namensnennung beschreiben. Huettls Intention war – wie oben schon
erwähnt - der Nachweis, dass es regelmäßiges oder gar systematisches,
kriminelles Handeln aus einem vordergründig und motivierend
kausalen, esoterischen und/oder okkulten Grund nicht gibt, sein Part ist
der juristische und somit rein exoterische Aspekt. Königs Aufgabe war
als Sachverständiger für diesen Bereich die quasi Beweisführung von
der esoterisch-okkulten Seite her. So weit - so gut. Die Intention ist klar,
die Aufgaben sind definiert - und wir haben die Dokumente und
Einlassungen, die das, was im Buch als Spermagnostik als spezielle
Form sexualmagischer Praxis gilt, belegen sollen und von denen wir als
gegeben annehmen, dass sie es tun.
Und nun? Belegen oder beweisen diese Dokumente und Einlassungen
an und für sich und so genommen, wie sie vor uns liegen, in irgendeiner
Weise, dass es kein regelmäßiges oder systematisches kriminelles
Handeln aus kausal okkultem Grund nicht gibt? Nein, das tun sie nicht,
sie beweisen nur, dass es diese Form sexualmagischer Praxis gibt - und
nichts sonst. In dieser Konstellation ist nichts gegen die Möglichkeit systematischen, kriminellen Handeln belegt oder
bewiesen. Wie funktioniert also Königs Methode, die Unwahrscheinlichkeit systematischen, kriminellen Handelns als
schlüssig erscheinen zu lassen und sozusagen per "Indizienbeweis" in die Nähe eines tatsächlichen Beweises zu rücken?
König erklärt kurzerhand – wie beispielsweise eingangs zitiert - den Okkultisten an und für sich für krank und zum
psychopathischen Freak - er pathologisiert. Deshalb noch einmal meine Fragen - seit wann gelten Soziopathen als
harmlos? Seit wann ist das bloße Zutrauen oder eben Nichtzutrauen, eine Art gefühlte kriminelle Energie sozusagen, eine
irgendwie in beweisführender oder meinetwegen auch justiziabler Hinsicht relevante Kategorie?
Die Praktizierung sexualmagischer Techniken ist genauso viel oder wenig obskur wie das Verbot des Geschlechtsverkehrs
inklusive aller bekannten, physischen Varianten zur Selbstbefriedigung, das die größte und wahrscheinlich älteste Sekte
der Welt ihrer Priesterschaft und ihren Amtsträgern, sofern sie keine Laien sind, auferlegt - sie ist schlicht Privatsache
und von keinerlei öffentlichen Interesse, solange geltendes Recht geachtet wird und Dritte weder signifikant
beeinträchtigt oder gar geschädigt noch zu irgend etwas genötigt oder gezwungen werden. Esoterik und Okkultismus
bilden einen Querschnitt durch die Gesellschaft ab, wie auch alle anderen Religionen und Glaubensbekenntnisse das tun.
Deshalb finden sich da, wie überall sonst auch, Kriminelle. Aber sie sind in ihrer individuellen Verantwortung als
Menschen kriminell geworden und als nichts sonst. Sie bedürfen keiner Sonderbewertung, sondern ausschließlich der, die
das Recht dafür parat hat. Ebenso psychisch instabile oder psychotische Menschen, sie sind krank und bedürfen
medizinischer und keinesfalls weltanschaulicher oder okkultforschender Begutachtung und Behandlung. Wobei mir klar
ist, dass der Teil psychisch instabiler Menschen in der esoterisch-okkulten Szene höher als im Gesamtdurchschnitt der
Bevölkerung ist. Aber das trifft ebenso auf alle anderen Bekenntnisse mit intensiveren Glaubensmustern und damit
spirituellen Erfahrungen zu, als sie z.B. die Evangelische Landeskirche Berlin/Brandenburg zu bieten hat.
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Mentopia.net
[03/2010]
Zwar geht Huettl, außer in seinem Haupttext, gerade auf den Seiten 302ff. und 309ff auf diese Punkte ein. Es geht nur
leider unter in dem Berg von "Fakten", den König so hoch stapelt, dass definitiv kein Leser, der mit dem Sujet nicht tiefer
vertraut ist, noch drüber hinweg sehen, also Zusammenhänge und Kontexte erkennen kann. Es rutscht weg unter die
nachfolgenden Erörterungen in Sachen Messen, Opferungen und Rituale, bis auf Seite 336 das obige Zitat folgt, das bis
dahin systematisch aufgebaut wurde und dessen Motiv, wenn ich nicht irre, später noch einmal wiederholt wird.
Teil 5: Die Rache des Demiurgen
In Peter-Robert Königs Ausführungen finden sich einige Stellen, die beispielhaft geeignet sind, Pasis oben erwähntes
Vorsichtsgebot zu konkretisieren. Einige habe ich schon erwähnt, weitere werden noch folgen, doch einer anderen, welche
die tatsächliche Qualität des Sachverstandes des feinen Herrn König grell beleuchtet, möchte ich mich nun widmen.
Vorausgeschickt sei, dass ich dem Projekt, auf das sich Königs wirklich denkwürdige Mutmaßungen beziehen, zeitweise
selbst beteiligt war. Zuerst das Zitat von Peter-Robert Königs Behauptung:
"Vielleicht rundet es das Bild von Jantschik ab, wenn Sie sich vor Augen halten, dass er wirklich jedem alles
erzählt hat, um nach getaner Plauderei nachzureichen 'aber letzte Geheimnisse werde ich der profanen Welt niemals
offenbaren'. 1999 stimmte er in genau diesem Tenor einer szenebekannten 'Schwester Ritter' zu, die sich eifrig allen
möglichen ehemaligen Meistern und Großmeistern der Saturnorden anbiederte und auch Jantschik in ihre Fraternitas
Templi Saturni einbeziehen wollte. 'Herr König weiß von diesem Projekt nichts; [...] Alle Interna und Korrespondenzen
bleiben geheim. Von mir erfährt niemand etwas', lautete Jantschiks Versicherung. Er konnte einfach nie nein sagen."
[Andreas Huettl, Peter-R. König: "Satan - Jünger, Jäger und Justiz", Kreuzfeuer Verlag 2006, Seite174, Auslassungen von
König, Hervorhebung von mir]
Dokument 1 - Brief von Cara-Lastal an Jantschik [aktiver Sprunglink]
Dokument 2 - Antwort von Jantschik an Cara-Lashral [aktiver Sprunglink]
Zur Verdeutlichung: König behauptet, dass Jantschik wirklich jedem alles erzählt hat und zitiert, ohne eine Quelle
anzugeben, Jantschik mit einer Aussage, die er angeblich in Bezug auf evtl. Kenntnisse Königs über die Fraternitas Templi
Saturni (FTS) getätigt haben soll. Wie es der Zufall will bin ich im Besitz beider Dokumente - sowohl des Briefes, aus dem
König zitiert, als auch des Dokuments, auf das sich Jantschiks Brief bezieht. Ich stelle sie hier zur Einsichtnahme zur
Verfügung.
Die Lektüre der Dokumente macht folgendes klar:
➔ Es ging in dem Briefwechsel keineswegs um die FTS, sondern um die Publikation "SaturnArbeiter".
➔ Es wird weiterhin klar, dass die erwähnte Schwester sich mitnichten anbiederte, sondern sich recht deutlich zu
Jantschiks Berufung und Qualifikation äußert. Was immer man von Jantschik halten mag - er war Großmeister und
nach den Gepflogenheiten des Saturnkults (und anderer Logenstrukturen) war die Ansprache der Schwester nicht
anbiedernd, sondern auf eine Weise direkt, die mancher der Alten (und auch jüngere Meister) als eher unverschämt
empfände.
Tatsache ist:
➔ Die Briefe wurden Ende Dezember 1999 geschrieben, zu diesem Zeitpunkt wurde an die FTS noch nicht einmal
gedacht. Das dürfte erst im Sommer 2003 konkretere Gestalt angenommen haben, das Großlogenpatent wurde
Ostern 2004 ausgestellt
➔ Die Aussage "ihre FTS" ist schlicht falsch.
Was ist hier passiert? Es gibt drei Möglichkeiten:
➔ Jantschik hat König den Briefes der Schwester, auf den sich seiner, von König zitierte, bezieht, weder gezeigt noch
ausgehändigt. König kennt ihn nicht. Dann ist erstens Königs Aussage, Jantschik habe wirklich jedem alles erzählt,
schlicht falsch. Das bedeutet zweitens, dass König den Rest seiner o.a. Aussagen frei erfunden hat, was die für einen
"Rechercheur" seines, nun ja, Formats wirklich peinliche Verwechslung des "SaturnArbeiter" mit der FTS erklärt. En
passant hat er seine spekulativen Erwägungen genutzt, um die genannte Schwester zu diskreditieren. Ich denke, dass
die Publikation freier Erfindung nebst angehängter Diskreditierung Dritter eher selten unabsichtlich geschieht. Wie
ein solches Verhalten landläufig benannt wird, sollte jedem Leser bekannt sein.
➔ König hat sich von einer gewissen Person (oder einer anderen ähnlicher Verfasstheit) einen veritablen Bären
aufbinden lassen. Der Brief von Jantschik, an den König auch über diesen Weg gekommen sein kann, mag sich
beispielsweise in der 100-Euro-Kiste Esokrempel befunden haben, von der König auf Seite 169 spricht. Die
hinlänglich bekannte Person hat trotz aller Umtriebigkeit und auf doch recht putzige Weise zustande gekommener
Bischofsweihen nie auch nur im Ansatz verstanden, womit sie sich da befaßte - diesem Unverständnis könnte
einerseits die Verwechslung des "SaturnArbeiter" mit der FTS geschuldet sein, andererseits könnte König die
szenebekannten Aversionen der seinerzeit ausführlich erörterten Person ggü. der genannten Schwester für bare
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Mentopia.net
[03/2010]
Münze genommen haben, was die Diskreditierung erklären würde. Träfe diese Variante zu, wäre es, freundlich
formuliert, extrem bedenklich, wenn König damit seine Aussage, Jantschik habe wirklich jedem alles erzählt, hätte
belegen wollen.
➔ Königs Aussage, Jantschik habe wirklich jedem alles erzählt, trifft zu und Jantschik hat König Einsicht in den
vollständigen Briefwechsel gewährt oder ihm diesen gar überlassen. Wie in diesem Fall der Rest von Königs
Ausführungen in dem zitierten Abschnitt zu bewerten, muß ich sicher nicht näher erörtern.
Ich kann und mag mich an dieser Stelle nicht auf eine der drei Möglichkeiten festlegen, ich halte Variante 1 und 2 für die
schlüssigsten. Aber egal, welche der drei Möglichkeiten zutrifft - alle drei bieten Anlass genug, Königs Äußerungen mit
allerhöchster Vorsicht zu zitieren und sie in keinem Fall unkommentiert zu übernehmen. Natürlich haben solche
Schnurren, wie König sie hier dargeboten hat, immer auch ihre lustigen - in diesem Fall sogar hochkomischen - Aspekte.
Der Herr Peter-Robert König kann sich offensichtlich nicht vorstellen, dass eine derart despektierliche, ja nachgerade
impertinente Unterminierung seines höchstlöblichen Aufklärungswerkes von einem, im Selbstverlag von drei Leuten
publizierten, Blättchen unternommen wird, da muss schon mindestens eine Loge im Spiel sein und es sollten dabei
Begriffe wie "Fraternitas" und "Saturni" fallen, hier gab es sogar noch ein "Templi" als Zugabe. Tja, so geht das aus, wenn
Leute auf ihre eigene Eitelkeit hereinfallen.
Teil 6: Meisterweihe leicht gemacht – eine Handreichung nach Meister PeRKa
"Dasselbe gilt für Ordensnamen. Diese zu verwenden, bedeutet, sich auf das Spiel der Okkultisten einzulassen. Deren
Regeln zu befolgen. Auf deren Ebene zu argumentieren und zu berichten. [...] Das werde ich nicht tun. Ich werde
keine Klubnamen verwenden."
Peter-Robert König, "Satan - Jünger, Jäger und Justiz", Seiten 295f.
Der in diesem Buch absolute Höhepunkte unfreiwilliger Komik a la Peter-Robert König ist die Präsentation eines
angeblichen Meisterpatents der Fraternitas Saturni, das König besitzen will. Das Ding ist auf Seite 164 des besprochenen
Buches abgedruckt und provoziert bei jedem, der einen Hauch Ahnung von den Zusammenhängen hat und überdies weiß,
wie Google funktioniert, wieherndes Gelächter und heftiges Schenkelklopfen. Da finden sich nämlich zwei Namen - der
von Immanuel, der die Sukzession nach Grosche für sich reklamiert, und der von einem Meister Hermes, der in
Immanuels Vollmacht handeln will. Immanuel ist eine - das ist natürlich meine ganz persönliche Meinung - eher
tragische Figur im Saturnkult. Zu ihm in einem anderen Kapitel mehr, hier nur so viel: Was seine Vita als Saturnmeister
tragisch macht ist der Umstand, dass sich in ihm ein erstaunliches, esoterisches Fachwissen mit tiefer Gläubigkeit
verbindet, wobei die Grenzen zu bemerkenswerten, so möchte ich sie mal nennen, Gemütszuständen fließend sind, was
ihn im Ergebnis immer wieder auf die denk- und fragwürdigsten Einflüsterungen diverser Okkultkarrieristen und
-opportunisten hören ließ. Einer von denen ist dieser Meister Hermes, zu ihm gibt es darüber hinaus nur soviel zu sagen,
dass er so komisch wie Immanuel tragisch ist. Hermes wird nun damit als Fußnote in der Okkultgeschichte überleben,
dass er König einen veritablen Karnevalstitel verliehen hat, mit dem "Meister" Perka nun angibt wie Bolle mit seinem
neuen Melkeimer. Kurz - die beiden haben weder das ideelle noch das irgendwie manifeste Recht, irgendwem
Meisterpatente der Fraternitas Saturni auszustellen, das ist ungefähr vom selben Wert, als würde Frau Pauli
Bundesminister ernennen. [25]
Zu 1: Der Einstieg ist recht gut gelungen, allerdings hätte dem Namen etwas mehr Phantasie nicht geschadet. Man stelle
sich vor, der Heinz Schneider wäre Meister geworden, dann hieße der nach dem hier gewählten Prinzip jetzt Meister
Heischnei. Doof, oder? Gelungen hingegen ist die Unterbringung der Begriffe "alt", "angenommen", "schottisch" und
"Ritus", damit kann der Meister Perka nämlich nun ganz gepflegt ein paar Freimaurern auf den Wecker fallen, wenn ihm
danach der Sinn steht. Ernst nehmen werden sie ihn zwar nicht, aber zum Rumnerven reicht es allemal.
Zu 2: Das sieht auf den ersten Blick wie eine runde Sache aus. "Meister Perka darf alles" hätte es zwar auch getan, klänge
aber ein wenig prosaisch. Auf den zweiten Blick fällt allerdings auf, dass der Perka doch nicht alles darf, er kann nämlich
nur Gradus-Solis-Meister ernennen, was nun Perfomanceprobleme für die Umsetzung von Perkas Plänen nach sich
ziehen wird: "Originell fand ich dabei eigentlich nur die Idee, wonach der Saturngroßmeister mit mir eine Lesung aus
meinem Buch 'Der O.T.O.-Phänomen REMIX' veranstalten sollte. Wir hätten dann Patente am Fließband
unterschrieben und wie Konfetti unters Publikum gebracht." (Seite 169) So richtig effizient, nämlich mit dem Resultat
einer exponentiellen Logenvermehrung, wäre die Linzenz zur Ernennung von Gradus-Pentalphae-Meistern gewesen.
Zu 3: Ganz schlecht, mit dem Gradus Solis nimmt dem Perka keiner die Vollmachten unter Punkt 2 ab. Da hat er an der
falschen Stelle gespart, der Perka. So, wie der Verkäufer des Papiers bekannt ist, wäre für lumpige 20 Euro deutlich mehr
drin gewesen, ein schöner 29° Groß-Inspekteur zum Beispiel. Andererseits ist die Proklamation der Bestätigung und
Anerkennung durch die Fraternitas Saturni von ergreifender Schlichtheit und Eleganz – kurz und bündig, zackzack.
Ebenso der im "wird" implizite Verweis auf die Zukunft als Potential für den Zweifelsfall – welch geradezu anmutiger
Schachzug nach dem Motto "So oder so – ich bin allhier."
Zu 4 und 5: So ist es recht, wenn man schon auf den Putz haut, dann soll es auch richtig krachen. Der eine der beiden
Alten kann sich eh nicht mehr wehren, der andere auch nicht wirklich. Ein glatte Sechs gibt es allerdings für den
Verleiher, was somit auch für Punkt 5 gilt, und damit letztlich für das ganze, nun ja, Patent. Mit dieser Unterschrift hat
sich der Perka allenfalls den Heiterkeitserfolg gesichert, was andererseits ja auch etwas ist.
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Wo Perka allerdings die Unterschrift eines Großmeisters auf dem Zettel sehen will (König auf Seite 169: "Dazu [...] ein
Patent, [...] unterschrieben von einem ehemaligen Saturngroßmeister..."), bleibt mir schleierhaft, oder habe ich da in
Sachen Hermes etwas verpasst?
Was ist ein richtiges Patent ohne Siegel? Richtig, eigentlich gar nichts, Hermes hin oder her. Und genau das fehlt auf dem
ansonsten recht hübsch gelungenen Papier. Aber da kann der frisch gebackene und, wie in unserem Fall, als gelahrter
Studiosus in mancherlei Fakultät bewanderte Meister auf eine schöne Tradition häuslichen Bastelns zurückgreifen.
Immerhin haben sich dem Vernehmen nach diverse Päpste seinerzeit auf diese oder ähnliche Art und Weise den Besitz
ganzer Landstriche selbst beurkundet und was so ein oller Papst kann, das schafft doch ein von Tempelritter Hermes
patentierter Meister schon lange, nicht wahr? Na gut, das Ergebnis ist irgendwie verkehrt herum und ein wenig schief
geraten, passt aber gut zur Qualität der übrigen Dokumente, die sich im Fundus des Peter-Robert König finden, und hat
überdies den außerordentlichen Vorteil, dass man den peinlichen Fehlgriff von Punkt 4 bzw. 5 ganz ordentlich tarnen
kann.
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Eine zweite, prophylaktische Anmerkung: Auch dieser Absatz ist Ironie – mit durchaus ernst gemeinten Einschüben.
Das Schreiben ist das Papier nicht wert, auf das es gedruckt ist, wobei ich nur am Rande erwähne, dass der dort angeblich
vergebene Gradus Solis eine schriftliche und von mindesten zwei Meistern abgenommene Erarbeitung voraussetzt, der
irgendwann eine erste Arbeit bei der Erlangung des Gradus Mercurii vorausgegangen sein muß. Das alles weiß König
hoffentlich, möglicherweise aber auch nicht, denn er schreibt auf Seite 143, dass er zu dem Titel per Blankoformular
gekommen ist. Er schafft es aber nicht darauf hinzuweisen, dass das Papier vollkommen wertlos ist, sondern stellt es als
legitim dar und flunkert im selben Atemzug weiter, mit einem solchen Blanko könne man blitzschnell Hochgradmeister
generieren. Wer sich aber das Formular genau ansieht, stellt sofort fest, dass der Grad nicht blanko, sondern auf den
Gradus Solis (12°) festgelegt ist, die Hochgrade beginnen aber erst mit dem Magister Selectus Sapientiae (21°). Er hat
nicht einmal gemerkt, dass sein Grad und der angeblich verleihbare identisch sind, denn er schreibt auf derselben Seite
des Buches: "In alle Grade unterhalb meines eigenen Grades." Nö, da steht in alle Grade einschließlich seines eigenen
und genau das macht einen guten Teil der geradezu grandiosen Blödsinnigkeit des Zettels aus. Dass auf Königs
"Meisterpatent" das Siegel fehlt, mit dem Immanuel fröhlich Papiere im Namen seiner virtuell-mentalen "Fraternitas
Saturni" stempelt, ist typisch für Immanuel und seine innere Zerissenheit. Konsequenterweise hätte es auf das Papier
gehört, möglicherweise hat er den König quasi nur ein bisschen, aber doch irgendwie hinreichend für seine mentale
Fraternitas patentiert, was nichts anderes bedeutet, als dass er sich aus seiner Sicht ein Hintertürchen zur etwaigen
Delegitimation eingebaut hat. Im Grunde und ziemlich wahrscheinlich gehört König nach Immanuels Verständnis damit
zu seiner ganz eigenen Loge "Tetragrammaton". Ich glaube nicht, dass König sich dessen bewußt ist. Dass König einen
ausgerechnet von Hermes unterschriebenen Zettel ohne Siegel für ein legitimes Meisterpatent der Fraternitas Saturni
hält, beleuchtet ein wenig sein tatsächliches Hintergrundwissen über Interna des Saturnkultes jenseits bloßer Tratscherei.
Wenn er aber um die Wertlosigkeit des Papiers weiß, beleuchtet das nicht nur ein wenig, sondern ziemlich grell die
vermeintliche Seriosität seiner Darstellungen.
Teil 7: Oops, he did it again! König, das Internet und sein "Homunculi"
Mit einem Gespräch mit Axel. M. Gruner
Am 17. Februar 2010 erschien Peter-Robert Königs neuestes Buch, diesmal widmet er sich wieder dem Thema
Saturnlogen [26]. Glücklicherweise musste ich auch dieses Buch nicht käuflich erwerben, es wurde der AHA-Redaktion
von einem Leser geschenkt, dem an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt sei. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es mir
anderenfalls tatsächlich gekauft hätte, sicher ist nur, wo es landen wird, nämlich in der "Kammer des Schreckens", jener
finsteren Ecke meiner Bücherregale, in der schon Ron Hubbard, Karten-Kalle, Ursula Caberta und die anderen KönigBücher einstauben.
In diesem Kapitel möchte ich mich einem anderen Aspekt widmen. In seinen beiden letzten Büchern, also in "Satan Jünger, Jäger und Justiz" und in "Homunculi", befasst sich Peter-Robert König einerseits recht ausführlich bzw.
ausschließlich mit Ereignissen und personellen Konstellationen in esoterisch-okkulten und/oder thelemitischen Logen
und Gruppen, die nicht als O.T.O.-Ableger oder im näheren Umfeld des O.T.O. agieren. Natürlich gibt es ideelle und
personelle Überschneidungen, aber die von König zitierten Zeugen und beschriebenen Personen handeln selbstständig
und selbstverantwortlich. Andererseits befasst sich König - von der Wiederverwertung der obligatorischen
Altherrenschwänke abgesehen offensichtlich um Aktualität bemüht - ausführlich mit Ereignissen der jüngeren und
jüngsten Zeit seit Mitte der 1990er Jahre bis heute. Allerdings ergeben sich da vier Probleme.
Erstens ist die Quellenlage deutlich dürftiger als zu Jantschiks, Heikaus' oder Hembergers besten Zeiten. Nicht, dass
weniger geschrieben worden wäre, es wird König offensichtlich weniger zugetragen.
Zweitens ist das, was Peter-Robert König an Material aus dieser Zeit zugetragen wurde, von geringerer Aussagekraft und
Qualität als das ältere Material und so finden sich in diesem schmalen Quellenfundus allerhand Dokumente eher
zweifelhaften Gehalts und fragwürdiger Herkunft. Ich denke da an Dokumente, die Maikowski in die Welt entließ, oder an
diverse "Dokumente", die König offenkundig aus der Hand des unvermeidlichen Herrn T. empfing. Das einzige
interessante Material, das König aus jüngerer und jüngster Zeit zur Verfügung steht, ist für ihn offensichtlich nur bedingt
verwertbar. Es handelt sich hierbei um einen, von Thoth verfassten, neunseitigen Text mit der Beschreibung dessen, was
er für damals, Mitte Februar 2006, für eine gelungene, magische Arbeit hielt, eine private Mail erklärender Natur an ein
Logenmitglied und 276 Seiten E-Mails aus jener Zeit und den folgenden zwei Jahren. Peter-Robert König verhält sich
entsprechend und widmet sich in seinem "Homunculi" anhand weniger Auszüge aus dem Material auf gerade einmal vier
Seiten (ebd. Seiten 115ff.) diesen Ereignissen. Nach meiner Sicht der Dinge ist das Material gar nicht verwertbar, da es rechtlich gesehen - außerordentlich zweifelhafter Herkunft ist, es handelt sich um private E-Mails und solche aus dem
internen Mailverteiler der Fraternitas Saturni.
Drittens scheint die um 2000 einsetzende Diversifizierung der Szene Peter-Robert König echte Probleme hinsichtlich der
Zuordnung der Konstellationen und Ereignisse zu bereiten. Die Verlagerung zahlreicher, insbesondere natürlich
kommunikativer und publizistischer Aktivitäten ins Netz brachte Verkehrsformen hervor, die nicht wirklich zu Königs
Erfahrungen in der Verwertung des ihm zugesteckten Zettelkrams passen, zumal Peter-Robert König nicht unbedingt das
ist, was ich netzaffin nennen würde - dass sich einer im Netz tummelt heißt noch nicht, dass er wirklich weiß, was er da
tut. [27]
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Mentopia.net
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Viertens vertraut Peter-Robert König offensichtlich nur solchem Material, das ihm unter Umständen von Dritten
zugetragen wurde, die zumindest ein wenig konspirativen Charakters sind oder wenigstens den Eindruck der
Konspiration erwecken. Deshalb präferiert König ganz eindeutig Material, das von seinen Verfassern als nichtöffentlich,
intern oder gar geheim deklariert wurde - ungeachtet, wie blödsinnig der Inhalt auch sein mag, und das ist er oft. König
bevorzugt Material, das ihm von gewesenen oder seienden Mitglieder der Logen und Orden, von vermeintlichen oder
tatsächlichen Insidern oder von sich getäuscht Fühlenden und von - warum auch immer - Enttäuschten zugetragen oder
hinterbracht wurde. Peter-Robert König liebt Material, das ihm von selbsternannten oder tatsächlichen Meistern und
Großmeistern als quasi "Einweihung" in tiefste "Geheimnisse" des Okkulten zusammengeschrieben wurde.
Alles, was frei verfügbar war und ist, was also keinerlei konspirative Note im oben geschilderten Sinn hat, nimmt PeterRobert König offensichtlich nicht wahr. Es passt wohl nicht in sein Verständnis esoterischer, im weiteren Sinne
spiritueller Betätigung und deshalb erscheinen solche frei verfügbaren Dokumente de facto nicht in seiner Darstellung,
von wenigen Ausnahmen ausgesehen, wie zum Beispiel die ersten fünf Ausgaben des "SaturnArbeiter", von dem es
fünfzehn Ausgaben zuzüglich der neun Ausgaben des Nachfolgemagazins "Occulta" gab. Die andere Seite dieser Neigung
zum Konspirativen des Herrn König. Ganz offensichtlich kann er Material, das von den Szeneakteuren frei und ohne
Geheimniskrämerei der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird, nicht trauen.
Allerdings hindert ihn das nicht, dennoch Bewertungen zu Ereignissen und Protagonisten des Teils der Szene abzugeben,
der - in Gruppen organisiert oder auch nicht - neben den Logen und Orden agiert. Schon in "Satan - Jünger, Jäger und
Justiz", noch mehr aber im "Homunculi" fällt auf, dass Peter-Robert König, wenn er sich um - nun ja - Erkenntnisse
hinsichtlich der jungen, netzaffinen Szene seit Ende der 1990er Jahre bemüht, sich in etwas versucht, was man als
Extrapolation bezeichnen könnte. [28] Freilich will auch das gekonnt sein und so ohne relevantes Material und im Besitz
der doch eher gewagten, aber immerhin konspirativen Erkenntnisse aus der Hand fragwürdiger Zeitzeugen gerät der
Versuch des Herrn König, aus der solcherart dürftigen Quellenlage irgendwie Brauchbares zu extrapolieren regelmäßig zu
etwas, das in etwa die Qualität von Karl-Friedrich Freys Divinationskünsten hat, Spökenkiekerei halt. Ich jedenfalls
weigere mich, dem den Begriff Spekulation zu gönnen, denn den Peter-Robert König hat die ehrwürdige, philosophische
Tradition der Spekulation wirklich nicht verdient. [29] Dass die Ergebnisse sich nicht wirklich mit seinem Anspruch auf
wissenschaftliches Arbeiten vereinbaren lassen, stört König nicht sonderlich. Dabei wäre es besser gewesen, König hätte
sich hier und da an Ludwig Wittgensteins Erkenntnis gehalten, die der im Vorwort zu seinem "Tractatus logicophilosophicus" so formuliert: "Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann,
darüber muss man schweigen." [30]
Ich hielt das Buch keine fünf Minuten in der Hand, da fiel mir der erste Fehler auf. Er findet sich auf Seite 100 in der
Fußnote 470, dort schreibt Peter-Robert König: "Der eine Rest des NW um [Cara-Lashtal - Red.] gründete das Netzwerk
Occulta. Aus einem anderen Rest um die Spanier-Tolli-Fraktion herum entstand das Concilium Gena, aus dem dritten
Restteil entstand KultUrGeister [...] Dem Netzwerk Occulta war kein langes Leben beschieden, dem Concilium Gena ein
noch kürzeres". Dieses Beispiel verdeutlicht sehr anschaulich, was ich als viertes Problem des Peter-Robert König meine.
Alles, was das Netzwerk Occulta ausmachte und was es wollte und tat, war frei im Netz verfügbar. Das sogenannte
"Concilium Gena" - obwohl es öffentlich agieren wollte - war von Anfang an vom Hauch der Konspiration umweht, um es
etwas blumiger zu formulieren. Das begann schon mit der Zerlegung des "Netzwerks für magische Kommunikation", die
König in der oben genannten Fußnote erwähnt, das ging über die Ansprache der zur Teilnahme auserkorenen Gruppen
inklusive Kontaktaufnahme in weltanschauungsbeauftragte Richtung weiter, setzte sich über die Ausladung schon
eingeladener Gruppen fort und schloss mit dem Ende dieser seltsamen Veranstaltung. Deshalb gibt es da auch Zettelkram
ganz nach dem Geschmack des Herrn König, der zum Beispiel in Gestalt einer Teilnehmerliste der
Gründungsveranstaltung auf den Seiten 381ff. im "Homunculi" nachzulesen ist.
Nun zum Netzwerk Occulta. Kurios ist, dass Peter-Robert König schon den Einstieg in das Thema gründlich verpasst und
auf Seite 378 des "Homunculi" eine Einladung zu einem Treffen des "Netzwerks für magische Kommunikation"
präsentiert, das so nie stattgefunden hat. Das Schreiben wurde am 29.09.2001 verfasst und Legatus und Almansur luden
zu einem Treffen am 27.10.2001 in Düsseldorf ein. Doch dazu kam es nicht, denn die erwähnten Zerlegungsbemühungen
ließen die Lage eskalieren und das Treffen wurde in dieser Form und an diesem Ort abgesagt. Stattdessen fand
anderenorts, aber zum selben Zeitpunkt ein Treffen statt, auf dem zwei Tagesordnungspunkte standen - die Auflösung des
"Netzwerks für magische Kommunikation" und die Gründung des "Netzwerks für spirituelle Entwicklung Occulta".
Hier die Kurzfassung der Vorgeschichte - Anfang 2000 hatte ich die Idee für ein esoterisches Portal, in welchem sich
unter einem Dach unter verschiedenen, thematischen Schwerpunkten als solche selbstständig agierende Webseiten
präsentieren. Ich mietete einen, für damalige Verhältnisse großen Webspace an, buchte verschiedene Domains und
nannte das Ganze nach der gleichnamigen Hauptdomain Occulta.net. Im Mai 2000 kam ich in der noch jungen
Netzcommunity "New Aeon City" mit Cara-Lashtal ins Gespräch und ich regte an, dass sich die saturnische Diaspora, wie
sich die Gruppe nicht logengebundener Saturnis selbst definierte, mit einem eigenen Themenportal in Occulta.net
einbringt. Zugleich bot ich an, die SaturnArbeiter-Publikation netztauglich zu gestalten, was dann mit der 13. Ausgabe
vom Juni 2001 auch geschah. Um dieselbe Zeit zog die saturnische Diaspora mit sechs Netzseiten und ebenso vielen
Foren in ihr neues Saturnportal unter dem Dach von Occulta.net ein. Mit der vierzehnten Ausgabe des SaturnArbeiters
vom August 2001, die zugleich die letzte, auf Papier versandte war, wurde ich als quasi Netzbeauftragter Mitglied im
Redaktionsteam, die fünfzehnte und letzte Ausgabe des Magazins unter dem Namen SaturnArbeiter vom Oktober 2001
wurde erstmals ausschließlich als PDF-Datei herausgegeben. Wenige Tage vorher wurde das Netzwerk Occulta gegründet.
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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[03/2010]
Das Netzwerk Occulta war die logische Konsequenz aus der Gründung von Occulta.net, nämlich als Möglichkeit
realweltlicher Begegnung und nicht netzbasierten Austauschs in Ergänzung bzw. als nicht-virtuelles Pendant zu
Occulta.net. Die Idee trug ich schon eine Weile mit mir herum und die Selbstzerlegung des "Netzwerks für magische
Kommunikation" bot die Gelegenheit, in den Resten einer schon bestehenden Struktur eine neue zu etablieren. Die
Gespräche mit Cara-Lashtal und Legatus ergaben, dass die Idee von Seiten des Saturn-Portals und einer Fraktion des sich
gerade auflösenden "Netzwerks für magische Kommunikation" Zustimmung fand und weil der Zustand im Netzwerk nicht
mehr tragbar war, wurde das auf den 07.10.2001 anberaumte Treffen in Düsseldorf, von dem Peter-Robert König glaubt,
es habe tatsächlich stattgefunden, kurzerhand abgesagt und stattdessen zur selben Zeit anderenorts ein Treffen zur
Auflösung des "Netzwerks für magische Kommunikation" und zur Gründung des Netzwerks Occulta durchgeführt. Zur
Auflösung waren einige Vertreter des "Netzwerks für magische Kommunikation" angereist, darunter auch Aragon,
Agrippa und ein gewisser Lupus. Letzterer erschien allerdings uneingeladen und wurde von der Hausherrin in einem
Auftritt, der heute noch, wenn sich seiner erinnert wird, für Heiterkeitsausbrüche und Lachtränen sorgt, sofort vor die
Tür gesetzt. Die beiden anderen Herren wurde nach vollbrachter Tat mehr oder minder nachdrücklich verabschiedet, im
Fall des Herrn T. war wegen seines berüchtigten - nun ja - Beharrungsvermögens etwas mehr Nachdruck nötig. Die
anderen Vertreter des nunmehr ehemaligen "Netzwerks für magische Kommunikation" und die Berliner Delegation, zu
der auch ich gehörte, gründete danach das Netzwerk Occulta. Die Namensfindung zog sich im Nachgang noch über
diverse E-Mails hin. Mir wäre "Netzwerk für spirituelle Entwicklung" zwar lieber gewesen, was einen gewissen Abstand zu
Occulta.net signalisieren sollte, Legatus schlug statt des etwas sperrigen Namens, womit er Recht hatte, am 05.11.2001
kurz und bündig Netzwerk Occulta vor, was dann allgemeine Zustimmung fand. Am 24.11.2001 fand in Berlin die
konstituierende Mitgliederversammlung des Netzwerks Occulta statt, gefolgt vom ersten Netzwerktreffen am 16.02.2002,
ebenfalls in Berlin. Alle diesbezüglichen Dokumente wie Satzung, Gründungs- und Versammlungsprotokolle und die
dazugehörenden Debatten inklusive zweier handfester Auseinandersetzungen über Weg und Ziel waren im Netz frei
verfügbar. Ich habe zur Ergänzung meiner Darstellung das Gründungsprotokoll des Netzwerks Occulta und die Struktur
von Occulta.net für den interessierten Leser dokumentiert. [31]
Das alles ist Geschichte und so gesehen nur bedingt von Interesse, hiermit wurde es halt einmal in kompakter Form aus
der Sicht eines Beteiligten niedergeschrieben. Allerdings ergaben sich aus den geschilderten Ereignissen
Entwicklungslinien, die bis in die heutige Zeit führen.
Das Netzwerk Occulta, in dem die Berliner von Anfang an deutlich überrepräsentiert waren, wandelte sich im Sommer
2002 zum Stammtisch des Netzwerks Occulta, der an jedem ersten Samstag im Monat stattfand und auf dem sich in den
besten Zeiten bis zu 50 Menschen trafen. Der organisierte auch den ersten Thelema-Konvent in Berlin am 01. und
02.11.2003, zu dem sich mehr als 100 zahlende Gäste einfanden. Die mitorganisierende TS hatte leider aus Feigheit vor
wem auch immer mit der Absage eines Vortrages ihres Chefs ihren einzigen, interessanten Beitrag gestrichen und war
nun für Catering und Turnübungen zuständig, was sie nicht davon abhielt, bald die Idee und den Titel für sich zu
reklamieren. Beides hatte freilich keinerlei Berechtigung und entsprechend kläglich und schlussendlich erbärmlich
scheiterten ihre Versuche einer Zweit- und Drittauflage dieser Veranstaltung unter ihrer Regie in Stuttgart und Berlin.
Sei's drum - im Jahr 2004 wurde aus dem Stammtisch des Netzwerks Occulta der Mentopia-Stammtisch, einige bisherige
Teilnehmer blieben weg, andere kamen dazu, insgesamt pendelte sich die Teilnehmerzahl auf fünfzehn bis zwanzig,
mitunter fünfundzwanzig Personen ein. Das war mir auch recht, denn das Konzept war jetzt ein anderes - die
Stammtische waren nun themenorientiert. So gab es eine Veranstaltung zum Thema Orgonomie nach Wilhelm Reich
(September 2004), eine zum Thema Holarchie unter besonderer Berücksichtigung der Werke von Arthur Koestler und
Ken Wilber (Oktober 2004), eine zum Thema Empathie (November 2004) und eine zum Thema Kognition mit
Einführung in das Werk Howard Gardners (März 2005). Wir besuchten zum Beispiel die Ausstellung "Schrift - Bilder Denken. Walter Benjamin und die Kunst der Gegenwart" im Haus am Waldsee und veranstalteten einen sehr schönen
Stammtisch dazu (Januar 2005), auf dem Walter Benjamin gewidmete Gedichte von Hannah Arendt, Bertold Brecht und
Volker Braun vorgetragen wurden, im Anschluss referierte ich über Benjamins Aufsatz "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner
technischen Reproduzierbarkeit". Wir besuchten die RAF-Ausstellung "Zur Vorstellung des Terrors" im Kunst-Werke
Berlin e.V. und thematisierten die Ausstellung und die dort reflektierte Geschichte der RAF auf einem Stammtisch (April
2005), meine Rezension zur Ausstellung ist bis heute im Netz nachlesbar. [32] Der letzte Mentopia Stammtisch fand in
kleiner Runde zum Zwecke seiner Auflösung in meiner damaligen Wohnung statt. Im Januar 2006 gab es einen erneuten
Anlauf, diesmal unter anderer Leitung und Flagge, nämlich Urban Magic. Ich nahm nur zweimal an der Neuauflage teil
und das eher halbherzig, was daraus wurde, weiß ich nicht.
Auch das war öffentlich dokumentiert und mit wenigen Mausklicks verfügbar, bei Peter-Robert König wird es mit keinem
Wort erwähnt. Daran, dass er sich vielleicht auf den Pfaden seiner Recherchen im Netz verlaufen und uns nicht gefunden
hatte, liegt es nicht, schließlich wurde er gesichtet und hat auch Spuren in der ihm im Netz eigenen Diktion hinterlassen.
[33] Doch das dringt offensichtlich nicht in Peter-Robert Königs Wahrnehmung vor, was möglicherweise auch daran
liegen mag, dass er mit den oben angeführten Themen nicht allzu viel anfangen kann. In jedem Fall jedoch passt es nicht
in sein Bild vom esoterisch-okkult interessierten Menschen und es passt nicht zu seiner Intention, nämlich diese in einer
Weise darzustellen, die nur die Schlussfolgerung zulässt, es handele sich bei denen durch die Bank und per se um
Psychopathen.
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Mentopia.net
[03/2010]
Schließlich sei noch, um das Thema zu Ende zu bringen, erwähnt, dass sich Occulta.net als größte, deutschsprachige
Esoterikcommunity in der Technologie des Web 1.0 mit dem fast vollständigen Umzug der angeschlossenen Seiten nach
New Aeon City dort fortsetzte, aus dem die Web 2.0-Community My Event Horizon entstand. Aus der wiederum ging
Ende 2009 Agape-Thelema.de hervor, eine Site, die Content-Portal und Community in einem mit klarer, thematischer
Orientierung ist.
Um an dieser Stelle etwaige Missverständnisse zu vermeiden - es ist nicht so, dass ich König seine selektive
Wahrnehmung übelnähme. Nein, sie ist mir vielmehr sehr recht, denn ich gehöre nicht zu denen, welche die
Aufmerksamkeit des Peter-Robert König schätzen oder gar wünschen. Gar nicht recht ist mir, dass Herr König sich trotz
seiner Unkenntnis der Ereignisse gehalten sieht, selbige zu kommentieren. Im Ergebnis sind selbst seine noch so kurzen
Kommentare zu den oben dargestellten Sachverhalten und Ereignissen sachlich falsch. Diesen zu widersprechen ist das
Anliegen dieser doch etwas länger geratenen Plauderei. Doch vielleicht sollte ich dem Herrn König irgendwie auch
danken, schließlich war dieser Exkurs eine - zugegebenermaßen öfter mal auch sentimentale - Rückschau auf eine sehr
schöne und lustige Zeit. Ich muss gestehen, dass ich anlässlich der Recherche in meinem Archiv doch das eine oder
andere Tränchen der Rührung im Augenwinkel zerquetscht habe, insbesondere angesichts der schönen Ideen und Ideale,
die sich dann leider doch als Illusionen erwiesen, mit denen ich und viele andere Protagonisten jener Ereignisse antraten.
Auf Seite 105 bringt Peter-Robert König in Fußnote 495 den Schwellenbund ins Gespräch, in dem er Personen gesichtet
haben will, die nie etwas mit der Gruppe zu tun hatten. Weil Peter-Robert König auch Axel M. Gruner dazurechnet,
dachte ich mir, ich frage einfach nach - und siehe - es fanden sich noch etliche andere Sachverhalte, die sich als durchaus
erörterungsbedürftig erwiesen.
Die etwas andere Buchrezension - ein Gespräch mit Axel M. Gruner
Neidthard Kupfer: Axel, ich freue mich, dass du dich zu dieser etwas anderen Art einer Buchrezension bereit findest,
denn der eine oder andere Aspekt sollte, wie wir oben lesen können, korrigiert werden.
Axel M. Gruner: Ja, das denke ich auch, aber ich kann und möchte hier auch nicht über Leute reden, deren
Beweggründe - wenn sie denn welche haben - mir unbekannt sind. In dem Buch betreffen mich persönlich die Seiten 92
bis 122, und hier werde ich natürlich nur etwas dazu sagen, a) wo ich dabei gewesen bin oder b) was in der Zeit liegt, in
der ich gleichfalls aktiv war.
Neidthard Kupfer: Versteht sich, wenn sich alle der vermeintlichen, selbsternannten oder tatsächlichen Zeitzeugen an
diese sinnvolle Regel gehalten hätten, könnten wir uns jetzt über ein gewinnbringenderes Thema unterhalten, anstatt dem
Herrn König die Hausaufgaben hinterherzutragen. Sei's drum - wie stellen sich dir die Ereignisse dar, die Peter-Robert
König auf den Seiten 100 und 101 nebst Fußnoten zu beschreiben versucht?
Axel M. Gruner: Auf jeden Fall anders. Es ist auch tatsächlich nur der Versuch einer Beschreibung, da Herr König hier
anscheinend - sicher unabsichtlich (?) - dem teilweise doch sehr korrumpierten Material folgt, das ihm von seinen
"Informanten" zugespielt wurde. Als ich zur Großloge "Gregor A. Gregorius" (GAG) kam, bestanden zwar immer noch
freundschaftliche, aber reservierte Beziehungen zur Communitas Saturni (CS) und auch dem Kreis um Cara-Lashtal, diese
lösten sich aber bald auf - unter anderem auch, weil einige dieser Herrschaften meinten, sie könnten oder dürften die
Neumitglieder der GAG instruieren oder hätten gar Weisungsbefugnis ihnen gegenüber. Ich empfand dies als
haarsträubend. Vor allem, weil der Großmeister (GM) Aragon (sicherlich aus diplomatischen Gründen) dieses nur
vorsichtig unterbinden konnte. Die von mir damals gestellte Frage nach der Souveränität der GAG, wenn so viele andere
Grüppchen mit reinreden dürften, wurde im Nachhinein von Herren T. so verdreht, dass ich den GM absetzen wollte.
Concilium GENA entstand erst, nachdem der Kontakt zur Gruppe um Cara-Lashtal auf Null gefahren war, zu der Zeit
hatte jedoch Herr T. mehr als nur gute persönliche Kontakte zur CS. Diese waren irgendwann so "gut", dass er mehrfach
gefragt wurde, in welcher Loge er eigentlich aktiv sei, und sie waren auch einer der Gründe für seine späteren Probleme
und letztendlichen Ausschluss.
Ich habe übrigens Legatus nie kennen gelernt, auch die Aufzeichnungen und Gedankenspiele der damaligen Zeit wurden
archiviert und sorgsam vor den Neumitgliedern der GAG verborgen. Ihr Wiederauftauchen sorgte dann in der inzwischen
fusionierten Fraternitas Saturni (FS) für gelinde Verwunderung.
Neidthard Kupfer: Auf den Seiten 102 und folgende berichtet Peter-Robert König von den personellen und daraus
folgend organisatorischen Konstellationen um das Jahr 2001 herum, wovon ich einige Aspekte anders wahrgenommen
habe. Kannst du mir dazu etwas erzählen?
Axel M. Gruner: Auch ich habe es anders wahrgenommen, und aus einiger zeitlicher Distanz sicherlich auch kritischer.
Herr T. wurde mir wahrscheinlich Ende 2000 von unserem gemeinsamen Bekannten Rafael Magis vorgestellt. Herr T.
war zwischenzeitlich als freier Schriftsteller oder ähnliches in Hamburg aufgeschlagen, suchte aber weiterhin nach
Kontakten in esoterischen Kreisen. Von einer Ortsloge war damals noch keine Rede. Er hatte eher die Idee, eine
Gesellschaft aufzuziehen, die nicht nur esoterischen sondern auch wirtschaftlichen und sozialen Zwecken dienen sollte.
Nennen wollte er sie Pansophische Gesellschaft. Rafael Magis wies ihn deswegen daraufhin, dass es bereits eine (zu dieser
Zeit inaktive) Pansophische Gesellschaft (s.u.) in Hamburg gab, und er sich deswegen freundlicherweise einmal mit mir in
Verbindung setzen sollte, wenn er in Sachen Magie etwas in Hamburg machen wollte.
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Mentopia.net
[03/2010]
Herr T. ist nun weiß Gott kein Magier, nicht einmal ein Thelemit. Zu dieser Zeit schlief er immer gerne mit einer Bibel
unter seinem Kopfkissen. Rafael Magis und ich fanden aber andere esoterisch und magisch Interessierte, so dass wir
einen kleinen, rührigen Kreis vorzuweisen hatten, der gerne in die GAG aufgenommen wurde. Rafael Magis und ich
wurden der Neophytengrad, Gradus Mercurii und Gradus Solis aufgrund unserer Meistergrade im Ordo Templi Orientis
(O.T.O.) beschleunigt vergeben. Dies gefiel z.B. Hermes gar nicht - was ihn eigentlich gar nichts anzugehen hatte - und so
durften wir den Gradus Solis dann noch einmal komplett und rituell in Kaiserslautern nachholen. Aber das ist schon okay,
ich finde man kann gar nicht oft genug sterben. Beim Eintritt in die FS haben übrigens alle Mitglieder der GAG die
gleichen Prüfungen abgelegt wie alle anderen Mitglieder, um eine Bevorzugung oder Übervorteilung auszuschließen. Dies
schloss auch die rituelle Aufnahme in die betreffenden Grade ein.
Die Pansophische Gesellschaft wurde tatsächlich gegründet und hatte nicht nur Mitglieder aus dem esoterischen Bereich.
Die Idee, auch Wissenschaft, Wirtschaft und Soziales einzubinden, erschien damals eigentlich ganz gut, nur stellte sich
bald heraus, dass es keine saubere Trennung zwischen den einzelnen Körperschaften gab und Herren T.s Ziele nicht
unbedingt deckungsgleich waren mit denen aller anderen. Die Grenzen wurden sagen wir mal immer "unsauberer" und
"verschwommener", Mitglieder fühlten sich ausgenutzt und betrogen, so dass nach und nach alle Gründungsmitglieder
aus der PG austraten, da sie sich mit den Zielen von Herren T. nicht identifizieren konnten. Das ist alles hinlänglich im
Netz dokumentiert.
Zu dieser Zeit musste ich auch meine Arbeit im RAUR abbrechen (den Namen Pansophische Gesellschaft für die unteren
Grade des RAUR hatten wir inzwischen abgelegt). Zum einen ging es mir damals miserabel und ich wurde punkto PG
sagen wir mal reizbarer, außerdem flossen über die sich inzwischen gesponnenen Verbindungen zu anderen
Gruppierungen immer fremdartigeres Gedankengut in die Logenarbeit ein. Zu diesem Zeitpunkt legte ich den Namen
Knumis (der Töpfer), den ich auch als GM des RAUR führte, endgültig ab.
Ich bin NICHT aus der PG ausgetreten, um Meister vom Stuhl (MvSt) der GAG in Hamburg zu werden. Der MvSt Agrippa
wurde wegen der Verquickung von PG und GAG untragbar, vor allem auch wegen seinen regen Publizierungen unter
verschiedenen Nicknames im Internet. Er wurde schließlich abgesetzt, und ich zum MvSt gewählt. Er war damals schon
kurz davor, ausgeschlossen zu werden. Es ist nicht verwunderlich, dass er kurze Zeit später Hamburg verlassen musste
und dann u.a. bei den "Hexen von Udenheim" wohnte - in diese Zeit fällt anscheinend auch sein wieder erstarkendes
Interesse an der katholischen "Lebensart".
Neidthard Kupfer: Grundgütiger! Über die ist ja derzeit [März 2010 - Red.] allerhand aus den Medien zu erfahren. Auf
Seite 103 bezieht sich Peter-Robert König auf eine, am 29.05.2004 auf Arte ausgestrahlte Dokumentation "Magic Things Think Magic" [34] aus dem Jahr 2002 unter Beteiligung der GAG, die ich - vermutlich glücklicherweise - nicht gesehen
habe, zumal ich schon ein gutes Jahr vorher die Videoaufzeichnung einer Sendung namens "Die Hexen von Udenheim"
[35] nur in höchster Not knapp überstand. Was hat es denn mit der GAG und dem "magischen" Fernsehfilmchen auf
sich?
Axel M. Gruner: Sage nichts Schlechtes gegen die "Hexen von Udenheim", Neidthard! Du glaubst gar nicht, wie viel
Freude dieser Film in esoterischen Kreisen schon hervorgerufen hat. Die Herren, die sich da im Fernsehen rund um
Herrn T. tummelten, wurden für ihre Darstellung nicht aus den Reihen der GAG geholt, sondern vor allem aus den
Reihen der CS. Bedauerlicherweise gab es zu dieser Zeit tatsächlich Doppelmitgliedschaften, die logischerweise spätestens
zu diesem Zeitpunkt getrennt wurden. Herr T. kam seinem unehrenhaften Ausschluss aus der GAG um genau drei
Minuten mit einer "Deckung" zuvor. Ob er seitdem Mitglied in irgendeiner anderen Gruppierung ist oder geblieben ist,
entzieht sich meiner Kenntnis, aber in der FS war er nie, und im Nachhinein gibt es auch einige, die sagen, dass solange er
der Dunstkreis der GAG bildete, die spätere Fusion niemals durchgeführt worden wäre.
Neidthard Kupfer: Auf derselben Seite bringt Peter-Robert König in der Fußnote 482 auf Seite 103 diverse Gruppen ins
Gespräch, und zwar einige in Verbindung mit deinem Namen. Wie waren denn die Konstellationen wirklich?
Axel M. Gruner: Die Pansophische Gesellschaft (PG) war der Titel der untersten Triade des Gesellschaft von Himmel
und Erde im Reformierten Alten und Universellen Ritus (RAUR), das was bei den Maurern die Blauen Logen sind. Im
RAUR speisten sich das Brauchtum und die Ritualistik der unteren Grade vor allem aus dem Druidentum und anderem,
weswegen diese Grade auch die Grünen Logen genannt wurden. In späteren Zeiten vereinfachten wir den komplexen
Namen des Ordens einfach in RAUR. Dies war zwar eigentlich nur die Art und Weise der Arbeit, die Lehrart, wenn man so
will, aber einfacher zu handhaben.
Mit dem O.T.O. oder anderem hatte das nichts zu tun, so oft und so gerne das Herr König auch behaupten mag. Auch
besteht meinerseits keine Antipathie gegen den O.T.O. per se oder seine Mitglieder. Der RAUR wurde sogar noch
während meiner Mitgliedschaft im O.T.O. gegründet, da gab es auch keine Probleme. In der damaligen Zeit war
"magische Arbeit" insgesamt noch ein bisschen lockerer und offener. Gründer waren außer Mizrael und mir auch noch ein
dritter Herr, und die Gründung erfolgte auch nicht als Reaktion auf irgendwie geartete miesen Erfahrungen, die ich und
der dritte Herr auch nicht teilen könnten. Alles Bullshit.
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Mentopia.net
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Neidthard Kupfer: Auf den Seiten 103 und 104 nennt Peter-Robert König einige Titel, die er mal Ritualen, mal
Arbeiten zuordnet, wobei das "puplicus" in einem der Titel mich die Quelle seiner Recherche ahnen lässt. Könntest du das
ein wenig sortieren?
Axel M. Gruner: Herr König zitiert hier die Titel einiger Artikel aus der Logenpublikation der GAG, den von mir
redaktionell betreuten "Saturn Runen", die später übrigens von der FS weitergeführt wurden.
Wenn Herr König ein "Rituale verbo puplicus" veröffentlicht, so stammt dies aus den Aufzeichnungen von Herren T., der
drolligerweise trotz seiner Zeit als "Zeremonienmeister im Vatikan" teilweise auf dem Kriegsfuß mit der lateinischen
Sprache steht, wie z.B. seine gern zitierte Idee einer "Fraternitas Catena Aurensis" ja auch nahe liegt.
Auf Seite 104 geht Herrn König auch ein bisschen die Chronologie durcheinander. Die zitierte Stellungnahme der FS, die
vom Großkanzler verfasst wurde, stammt aus dem Jahre 2006, ein paar Jährchen, nachdem die Fusion der Rest-GAG und
der FS erfolgte.
Neidthard Kupfer: Der Hinweis auf die Diktion der Zuträger des Peter-Robert König ist interessant. In der Tat kann
man am konkreten Beispiel im "Satan - Jünger, Jäger und Justiz" und im "Homunculi" deutlich erkennen, was ihm der T.
zugetragen hat, der ja nicht nur mit der lateinischen Sprache auf Kriegsfuß steht, sondern mit jeder anderen auch, die er
glaubt, sprechen und schreiben zu können. Auf Seite 104 erzählt uns Peter-Robert König, in der GAG hätte man zum
Zwecke höherer Erkenntnis auch mal auf doch ziemlich weltliche Lektüre zurückgegriffen. Was war da los?
Axel M. Gruner: Nichts war da los. Herr König verweist ja selbst auf "Folklore und Klatsch" als Teile seiner Arbeit.
Warum also nicht mal in einem Klatschblatt nachblättern? Nur waren es damals Rafael Magis und Herr T., die blätterten.
Es ging auch nicht um korrekte Umgangsformen, sondern um "Social Skills". Andere Mitglieder der Loge fanden dies
nicht unbedingt so relevant, aber auch nicht so ein einschneidendes Erlebnis. Zum Beispiel all diejenigen, die in einer
festen Beziehung standen oder verheiratet waren.
Neidthard Kupfer: Das leuchtet ein, gleichwohl ist es natürlich und grundsätzlich löblich, hin und wieder auch
Presseerzeugnisse eher profanen Zuschnitts zu studieren, wenn auch im Fall des Herrn T. selbst die Lektüre von
Gesellschaftsmagazinen olfaktorisch und in puncto Satisfaktionsfähigkeit nicht mehr viel ausrichten konnte. Allerdings
war der Herr T. ja auch mehr für seinen, wenn man es so nennen will, Eifer im Dienste welches Herrn auch immer
bekannt. Ich nahm an, er sei ausgeschlossen worden, auf Seite 105 schreibt Peter-Robert König aber von einem Austritt
des T.
Axel M. Gruner: Zu Herrn T.s Mitarbeit siehe oben - wie gesagt kam er seinem Ausschluss um genau drei Minuten
zuvor. Die E-Mail von 2007 ist vollkommen korrekt.
Neidthard Kupfer: Ebenfalls auf Seite 105 bringt Peter-Robert König in Fußnote 495 den Schwellenbund ins Gespräch,
der in Berlin ansässig war, sich Königs Recherche zufolge mit Kampfkunst beschäftigt haben soll und in dem auch du,
Rafael Magis und der unvermeidliche Herr T. tätig gewesen sein sollen. Nun ja, wenn dem so gewesen wäre, hätte der
Schwellenbund den wahrscheinlich ersten Fernkurs zum Studium der Kampfkunst erfunden. Es gab in der Tat in Berlin
eine Gruppe namens Schwellenbund und einige ihrer Mitglieder befassten sich unter anderem auch mit Kampfkunst allerdings nicht im Schwellenbund, sondern in für diesen Zweck besser ausgestatteten und organisierten Einrichtungen.
Nur wurden weder du noch die anderen Herren dort je gesichtet. Der Schwellenbund war Teil des eingangs von mir
beschriebenen Netzwerks Occulta und ich kannte resp. kenne die seinerzeit tatsächlich Beteiligten persönlich.
Axel M. Gruner: Tja, … wem glauben? Der Herr König verortet mich in deinem Netzwerk, muss ich jetzt noch
Mitgliedsgebühren nachreichen? Das hättest du mir aber auch früher sagen können, bis zur erstmaligen Lektüre von
Herren Königs Homunkulus war mir das nämlich gar nicht bewusst.
Neidthard Kupfer: Na ja, es war nicht mein Netzwerk, das Portal Occulta.net lag auf einer Website, die ich hostete und
administrierte, und das Netzwerk Occulta war meine Idee. Der Schwellenbund war als Mitglied ein Teil von beidem. Aber
die Nachzahlung von Mitgliedsgebühren, natürlich zuzüglich der Zinsen und Säumniszuschläge, ist eine gute Idee. Ich
mache dann mal eine Rechnung fertig. :-)
Wenn man Peter-Robert Königs Darstellung auf Seite 107 glauben schenkt, kann man in der FS unter Umständen sehr
schnell Meister werden. Also ich hätte da gerade einen schicken Bilderrahmen frei und vielleicht könnte ich, so en passant
quasi, …
Axel M. Gruner: In der FS wurde nie jemand "hastig" zu Meistern gemacht. Selbst die Meister der GAG mussten alle
relevanten Prüfungen und Aufnahmen (erneut) ablegen. Wenn du einen leeren Bilderrahmen hast, kann ich dir da gerne
einen großen grünen Smiley reinmalen, oder du investierst so 100 Tacken und kaufst dir die gleiche windschiefe
"Urkunde", mit der auch Herr König sich seit einiger Zeit schmückt. Die kriegst du aber nicht in der FS, da müsstest du
dann doch deinen Widerwillen überwinden und noch an anderer übel beleumundeter Stelle nachfragen.
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Neidthard Kupfer: Hmm, das ist jetzt aber schade. Aber solange der angeblich echte und nur dort originale Stempel
der Fratermitas drauf ist - wer kann das in zehn Jahren noch prüfen? Doch ich bezweifle, dass der derzeitige Besitzer des
Stempels mir nach meiner Kurzrezension seines Lebenswerks [36] den noch auf ein Papier drückt.
Auf Seite 108 schreibt Peter-Robert König über Aragons Ausschluss aus der FS. Das klingt, als hätte GM Thoth den im
Alleingang vollzogen. War das so?
Axel M. Gruner: Herr König selbst druckt die Rüge an Aragon ab und ihm sollte klar sein, dass es hier nicht der
"Logenobere" ist, der gegenzeichnet, sondern der gesamte Großbeamtenrat, es also keine individuelle Äußerung war,
sondern eine amtliche.
Es gab auch keine "Mechanismen", von wem auch immer. Hier wird falsch aus dem alten Aufnahmeritual der FS zitiert,
und aus den symbolischen Strafen des Textes, wie man sie ähnlich auch bei den Freimaurern findet, eine heiße
Verschwörungsnummer komponiert. Das ist ungefähr das Niveau von Dan Brown.
Neidthard Kupfer: Ich protestiere energisch! Was immer man von Dan Brown halten mag - den Vergleich mit PeterRobert König hat er nun wirklich nicht verdient. Browns Bücher sind spannend und unterhaltsam geschrieben und seine
Stories sind in sich schlüssig. Nichts davon trifft auf Peter-Robert Königs - nun ja - Schaffen zu. Mit seinen Büchern ist es
eher umgekehrt, daran ist all das spannend und gelegentlich von hohem Unterhaltungswert, was nicht von ihm ist, also
die Texte und Dokumente, die von anderen Personen verfasst wurden. Apropos schlüssig - was hat es denn mit den
Regeln und Gesetzen auf sich, von denen Peter-Robert König auf Seite 118 erzählt?
Axel M. Gruner: Das ist eigentlich offensichtlich, wenn man genauer hinschaut. (Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.)
Allerdings weisen die auf dieser Seite erzählten Geschichten ziemlich deutlich auf den "Informanten" hin, dem Herr König
- sicherlich unabsichtlich - aufgesessen ist. Der Inhalt des Artikels ist schlicht eine Ermahnung zur Einhaltung der
Arkandisziplin, also auch der Privatsphäre der Mitglieder der Loge. Dies ist nicht ungewöhnlich, sondern sinnvoll: Es ist
selbstverständlich, dass eine Diskussion von internen und vertraulichen Inhalten mit Außenstehenden ein
Vertrauensbruch ist, der nicht gerne gesehen wird. Heutzutage würde man so etwas eine Datenschutzvereinbarung
nennen (vor allem im Bereich des IT wie man weiß sehr wichtig).
Und es geht hier um ausgeschlossene Mitglieder, nicht bloß um solche, die einfach ausgetreten sind. Aus der Loge
Fraternitas Saturni wird man nur ausgeschlossen bei kriminellem oder Ansehen und Wohl der Loge oder ihrer Mitglieder
schädigendem, man könnte auch sagen "antisozialem" Verhalten.
Natürlich kann die Loge niemandem den Umgang mit anderen Menschen verbieten, tut sie auch nicht. Mit vielen
ehemaligen Mitgliedern bestehen weiterhin Kontakte oder freundschaftliche Bindungen. Den alten Herren Englert in so
eine schwachsinnige Diskussion einzubinden, ist schon mehr als eigenartig. Es gibt nur eine Person, die in identischer
Wortwahl den Inhalt des Artikels trotz mehrfachem Hinweis so gründlich missverstand und sich deswegen künstlich
aufregte. Wenn so etwas direkt neben Mails und anderem widerrechtlich veröffentlichten privatem Material steht, kann
man sich des Verdachtes nicht erwehren, dass der Artikel in seiner Kürze vielleicht latent missverständlich formuliert
wurde, ihm die Ereignisse der letzten Zeit jedoch (leider) Recht gegeben haben.
Neidthard Kupfer: Damit wären wir mit diesem Kapitel durch, doch bevor wir zum Ende kommen, sei mir noch eine
Anmerkung bzw. ein Einwand gestattet. Du verweist an zwei Stellen darauf, dass Peter-Robert König "unabsichtlich"
Fehlinformationen aufgesessen wäre. Ich halte es - insbesondere angesichts der Tatsache, dass Peter-Robert König für
seine Bücher eine wissenschaftliche Herangehensweise reklamiert und sich immer wieder mehr oder weniger explizit als
Wissenschaftler darstellt - für wenig wahrscheinlich, dass jemand unabsichtlich eine oder mehrere Personen
zweifelhaften Rufs kontaktiert oder gar trifft, um von ihnen unabsichtlich Material von ebenso zweifelhafter Qualität zu
empfangen resp. zu kaufen, das er dann unabsichtlich in gleich zwei Büchern verarbeitet und, basierend auf dem
solcherart unabsichtlich erworbenen Material, unabsichtlich fragwürdige Schilderungen und Bewertungen der
seinerzeitigen Ereignisse abgibt. Darüber hinaus ist vollkommen irrelevant, in welcher Absicht er zu seinen
Einschätzungen kommt, für die Bewertung von Peter-Robert Königs Darstellungen ist nur relevant, dass er sie so
abgegeben hat, wie wir sie hier diskutiert haben. Mit anderen Worten - relevant ist ausschließlich sein Tun und seine
Verantwortung für selbiges, seine - wie auch immer gearteten - Absichten sind von keinerlei Interesse, allemal unter dem
Aspekt der von ihm selbst deklarierten Wissenschaftlichkeit. Das als Nachtrag, ich danke dir für das informative und
aufschlussreiche Gespräch.
Teil 8: Homunculis Kronzeuge
Peter-Robert Königs jüngstes Buch "In Nomine Demiurgi Homunculi" ist um eine Korrespondenz mit Johannes
Maikowski herum aufgebaut, der in diesem Rahmen gewissermaßen als Königs Kronzeuge fungiert. Die Legitimation für
diesen Auftritt leitet König offensichtlich aus Herrn Maikowskis Zeitzeugenschaft und der, von Herrn Maikowski
permanent und ziemlich vehement vorgetragenen, Behauptung ab, er sei der letzte und einzig legitime Großmeister der
Fraternitas Saturni in Nachfolge von Eugen Grosche. Beides - sowohl Herrn Maikowskis Kompetenz als Zeitzeuge als
auch seine behauptete Legitimation als Großmeister der Fraternitas Saturni - ist freilich höchst fragwürdig.
An dieser Stelle möchte ich zunächst zwei mögliche Einwände vorwegnehmen und einige Sachverhalte klarstellen, womit
ich natürlich nur - wie in diesem gesamten, Ihnen hier vorliegenden Text - meine ganz persönliche und damit durchaus
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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subjektive Wahrnehmung und die daraus resultierende Sicht der Dinge darstelle. Ich kann mir das leisten, schließlich bin
ich weder Ethnologe und/oder Psychologe. Ich bin nur ein einfacher Gießereiarbeiter. :-) Es geht mir nicht darum, die
Lebensgeschichte eines alten Herrn zu zerlegen oder ihn als was auch immer vorzuführen. Mein Anliegen ist vielmehr,
Herrn Maikowskis Rolle als quasi Kronzeuge des Peter-Robert König für den "Homunculi" zu hinterfragen und zu zeigen,
wie problematisch Königs Darstellung in Berufung auf Herrn Maikowskis Zeugenschaft tatsächlich ist - insbesondere
dann, wenn man Königs Anspruch auf Wissenschaftlichkeit in Rechnung stellt.
Der eine Einwand kann dahingehend lauten, daß der Herr Maikowski ein alter Herr sei, den man doch bitteschön nicht
mit penetranten Fragen belästigen, sondern ihm besser seine Ruhe gönnen solle. Der andere, alternativ angeführte
Einwand zielt darauf ab, dass man bei einem Herrn in diesem hohen Alter zumindest eine gewisse, wenn nicht gar
komplette Senilität unterstellen müsse - dieser Einwand wurde und wird oft - so oder ähnlich - formuliert vorgetragen,
insbesondere dann, wenn es um den Anspruch des Herrn Maikowski auf den Großmeistertitel der Fraternitas Saturni
geht. Ich halte beide Einwände für unberechtigt bzw. falsch. Einerseits implizieren sie eine Entbindung des Herrn
Maikowski von seiner Verantwortung für sein früheres und heutiges Tun. Tatsache ist jedoch, dass auch hohes Alter nicht
von der Verantwortung für das Handeln befreit, sofern nicht von einer Demenz auszugehen ist. Doch davon kann nicht
die Rede sein, Herr Maikowski hat zwar ein wirklich gesegnetes Alter erreichen dürfen, aber er ist nach allem, was ich von
ihm weiß und gelesen habe, geistig bei bester Gesundheit und er ist wirklich alles andere als senil. Er mag die
altersbedingt normalen Erinnerungslücken haben - andere haben die schon mit 60 Jahren - und er kann, wie er selbst
schrieb, nicht mehr so gut lesen. Aber er ist geistig durchaus rege und, um es salopp zu formulieren, regelrecht pfiffig. Mal
ehrlich, werte Leser, wieviele Menschen in diesem Alter kennen Sie, die mit zwei Computern soweit zurechtkommen und
mit einer derartigen Konzentration eine so intensive und voluminöse Korrespondenz führen, wie der Herr Maikowski das
über Wochen hinweg mit Peter-Robert König tat?
Andererseits ist zu beobachten, dass beide Einwände stets dann angeführt werden, wenn eine Auseinandersetzung mit
Herrn Maikowskis Rolle ein Hinterfragen der eigenen Position und der eigenen Arbeit in der Loge nach sich zöge. Anders
formuliert - beide Einwände dienen oftmals nicht dem behaupteten Schutz des Herrn Maikowski vor investigativen
Nachstellungen, sondern dem eigenen Schutz vor einer Auseinandersetzung mit der Problematik, die am Beispiel der Vita
des Herrn Maikowski deutlich wird.
Doch nun zur Sache - es ist schwer auszumachen, wer Johannes Maikowski eigentlich ist und welche Rolle er in der Szene
der Saturnlogen tatsächlich spielte. Das geht mit seiner Vita los, die er bereitwillig und in epischer Breite jedem erzählt,
der danach fragt oder auch nicht. Das zeugt zwar von Herrn Maikowskis offenherziger Wesensart, die ihm zueigen ist, das
Problem daran ist, dass er jedesmal eine andere Version parat hat und das einige seiner Erzählungen so abstrus, so
absurd und oft auch beides sind, dass sie als Zeitzeugnisse völlig unbrauchbar sind. Als die AHA-Redaktion mit Herrn
Maikowski korrespondierte, hatte erst der Chefredakteur eine Version, als ich mich später an dem Gespräch beteiligte,
bekam ich eine zweite und in Königs "Homunculi" ist wieder eine andere Version zu lesen. Alle drei Varianten sind teilweise nicht nur in Details - unterschiedlich. Es gibt einige feste Eckpfeiler, wie zum Beispiel seine Zeit in der
Fremdenlegion, seine beiden Ehen, der Eintritt in die Fraternitas Saturni und die Begegnung mit Eugen Grosche. Diese
sind relativ konstant. Doch innerhalb des Rahmens, der quasi von den Eckpfeilern gespannt wird, variieren seine
Angaben ständig - sei es die Anzahl seiner in der Sowjetzone absolvierten Studien und Staatsexamen, seien es die
Angaben zum Gefängnisaufenthalt in Rummelsburg oder seien es die Angaben zu seiner Familie. Völlig abstrus wird es,
wenn es um seinen Anspruch auf den Titel des Großmeisters der FS geht. Peter-Robert König gibt Herrn Maikowskis
Erzählungen teilweise über mehrere Seiten im Block wieder, wobei er offensichtlich insbesondere in Herrn Maikowskis
Lebensgeschichte die besonders abstrusen Teile weglässt. Andere Dinge, die König trotz ihre offenkundigen
Unstimmigkeiten wiedergibt, hätte König leicht überprüfen können. Da wäre zum Beispiel die Behauptung, Herrn
Maikowskis Vater Alfons habe das Ministerium der Wissenschaft in der DDR geleitet ("Homunculi" Seite 18). Das hat er
natürlich nicht, Alfons Maikowski war von Oktober 1948 bis 1953 Justitiar und Verwaltungsdirektor an der Ostberliner
"Deutschen Akademie der Wissenschaften" (DAW), also an der Einrichtung, an der später auch Frau Merkel tätig war.
[37] Im Januar 1954 erhielt er eine Zulassung als Rechtsanwalt in Westberlin. [38] Offensichtlich hat Alfons Maikowski
die DDR nach den Ereignissen des 17. Juni 1953 verlassen.
Außerordentlich widersprüchlich ist auch die Geschichte seiner Familie im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Je
nach Darstellung waren Herrn Maikowskis Vater Alfons, sein Onkel Adalbert, der ihn später an die Stasi verraten haben
soll, und ein Bruder, der angeblich auch Adalbert hieß und hingerichtet worden sein soll, daran beteiligt. Es ist schwer
vorstellbar, dass Vater Alfons, wie Maikowski im "Homunculi" auf Seite 18 berichtet, in Berlin "hunderte Juden auf dem
Dachboden verborgen hat, um sie bei Gelegenheit nach Holland oder sonst wohin zu bringen" und dass zugleich
ausgerechnet dieses Engagement nirgendwo dokumentiert ist. Um die Dimension zu verdeutlichen - auf der Website von
Yad Vashem ist folgendes zu lesen: "Researchers estimate that 5000-7000 Jews went underground in Berlin. They are
the so-called U-Boote (submarines), who made the difficult choice to enter an illegal existence rather than be deported.
Only a quarter of them – around 1200-1500 Jews – survived." [39] Ich halte es für unzulässig, solche Aussagen, wie
König sie von Herrn Maikowski offenkundig unbesehen übernommen hat, ohne jede weitergehende Recherche und
Prüfung und darüber hinaus auch noch unkommentiert wiederzugeben.
Das hat dann auch seltsame Folgen. Auf Seite 8 des "Homunculi" gibt König den Herrn Maikowski so wieder, dass 1944
dessen Bruder Adalbert hingerichtet worden sei und exakt sieben Zeilen später war es Onkel Adalbert, der sein Leben
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ließ. König bietet in der Fußnote eine URL als Referenz für diese Passage an, die sich auf das Namensregister eines
Lexikons zum Widerstand in Berlin bezieht. Ich habe mal nachgeschaut, was in diesem Lexikon eingetragen ist, das
Ergebnis ist in Fußnote [40] zu betrachten. Tatsache ist also, dass an den diesbezüglichen Erzählungen Herrn
Maikowskis durchaus etwas dran und dass sich seine Verwandten im Widerstand gegen den Nationalsozialismus
engagierten, womit dieser Sachverhalt zu den eingangs erwähnten Eckpfeilern seiner Vita gehören müsste. Wie und in
welchem Umfang das geschah, werden wir wohl nie erfahren, zumindest nicht von Herrn Maikowski.
Auch die Geschichten im Zusammenhang mit Herrn Maikowskis Verhaftung in der Sowjetzone ("Homunculi" Seiten
24ff.) können so nicht stimmen. Ich wunderte mich schon vor dem Erscheinen des Buches über die Formulierung
"Johannes Maikowski - Gefangener im Stasi-Gefängnis Berlin Rummelsburg" in der Vorankündigung auf Peter-Robert
Königs Webseiten. Rummelsburg, von den Häftlingen "Rummeline" genannt, war niemals ein Stasi-Gefängnis, das
ehemalige Arbeitshaus wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Haftanstalt der sogenannten Volkspolizei der Sowjetzone
genutzt. [41] Zwar wird es den Tatsachen entsprechen, dass Herr Maikowski 1958/59 inhaftiert war, allerdings gab es
damals den Straftatbestand der "Republikflucht" noch gar nicht, der wurde erst als § 213 in das erste Strafgesetzbuch der
DDR vom 12. Januar 1968 als "ungesetzlicher Grenzübertritt" mit einer Höchststrafe von fünf Jahren (1979 auf acht Jahre
erhöht) aufgenommen. Bis dahin galt in der DDR das Reichsstrafgesetzbuch von 1871, erweitert um das
Strafrechtsergänzungsgesetz (StEG) von 11. Dezember 1957. [42] Dort gibt es keinen derartigen Paragrafen. Käme also
noch das Passgesetz der DDR in Frage. Das wurde am 11. Dezember 1957 von der sogenannten Volkskammer
dahingehend geändert dass, nun mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft wurde, wer "ohne erforderliche Genehmigung
das Gebiet des DDR verlässt oder durch falsche Angaben eine Genehmigung zum Verlassen der DDR erschleicht". Hilde
Benjamin, die damalige Justizministerin der DDR, begründete die Änderung des Gesetzes als "Warnung und Schutz
unserer Bürger vor der Gefahr, von den Rattenfängern der NATO eingefangen zu werden". Herr Maikowski will aber
mit der "Höchststrafe für versuchte Republikflucht von 12 Monaten" bestraft worden sein. ("Homunculi" Seite 26) Das
passt alles genauso wenig wie der Umstand, dass Herr Maikowski zwar ständig die Stasi erwähnt, aber offensichtlich in
keiner der Untersuchungshaftanstalten des MfS war, wie es im Fall der Republikflucht, seitdem es sie als Straftatbestand
in der DDR gab, stets üblich war. Das wären in seinem Fall in Berlin entweder die zentrale Untersuchungshaftanstalt des
MfS in Hohenschönhausen oder die kleinere in Pankow gewesen. Wie es auch gewesen sein mag - so passt das nicht
zusammen.
Das Problem, das hier offenbar wird und das eigentlich Peter-Robert Königs haben sollte, wenn er denn so etwas wie ein
Problembewusstsein für solche Fälle besitzt, ist ganz anders gelagert. Das wurde mir erst klar, als ich in der kurzen
Korrespondenz, welche die AHA-Redaktion mit Herrn Maikowski hatte, feststellte, welch feines Gespür Herr Maikowski
dafür hat, wann es an die Essentials geht, wann er - sofern er unsere virtuelle Unterhaltung fortgesetzt hätte - gezwungen
gewesen wäre, sich selbst zu hinterfragen oder gar sein Tun damals und heute ernsthaft in Frage zu stellen. Das Problem
an seiner, ihm von König zugedachten Rolle als sozusagen Kronzeuge ist, dass Herr Maikowski sich in einem gewaltigen
Wolkenkuckucksheim eingerichtet hat, an dem er seit Jahrzehnten ohne Unterlass baut. Mancher würde das eine
Lebenslüge nennen, aber der Begriff passt deshalb nicht, weil sich die Lebenslüge in aller Regel nur auf einen ganz
bestimmten Aspekt der Lebensgeschichte bezieht und weil der Mensch mit dieser Lebenslüge auf Dauer nicht glücklich
wird. Herrn Maikowski hingegen scheint es wirklich prächtig zu gehen mit bzw. in dem, was ich in Ermangelung eines
treffenderen Begriffes Wolkenkuckucksheim nenne. Alles, was er an abstrus erscheinenden Begebenheiten aus seiner Vita
berichtet, was er an Titeln und Graden gesammelt und beidhändig wieder verteilt hat, jede seiner Logengründungen, und
jedes der dazugehörenden Grundsatzpapiere und schließlich der Anspruch auf den Großmeister FS sind Bausteine in
diesem Wolkenkuckucksheim, die er über die Jahre hinweg zwischen den eingangs erwähnten Eckpfeilern verbaut hat.
Mittlerweile ist dieses Gebilde so umfassend und so existentiell, dass die Frage nach dem Wahrheitsgehalt irrelevant
geworden ist. Seine Wahrnehmung und seine dementsprechende Sicht der Dinge ist für Herrn Maikowski so unmittelbar
und wesenhaft auf sein Leben, seine Person, sein ganzes Dasein bezogen, dass es für ihn schlicht keine Rolle spielt, ob sie
wahr oder falsch sind.
Das gilt aber nur für Herrn Maikowski selbst, denn Tatsache ist auch, dass der Plausibiltäts- und optimalerweise
Wahrheitsgehalt, so relativ Wahrheit auch sein mag, für eine zeitgeschichtliche und dokumentierte Darstellung, wie
Peter-Robert König sie für sein "Homunculi" beansprucht, sehr wohl eine Rolle spielt, und zwar eine wesentliche. König
hätte diese und andere Aspekte hinterfragen, auf Plausibiltät prüfen und wenigstens kurz kommentieren müssen. König
macht es sich sehr einfach, wenn er am Ende seiner Darstellung vor dem Dokumententeil unter der Überschrift
"Formelles und Rechtliches" folgende Anmerkungen einbaut: "Im Übrigen stelle ich selber keine eigenen Behauptungen
auf und kann auch keine Aussagen zum Wahrheitsgehalt dieser Behauptungen machen, sondern spiegle lediglich
wieder, wie sich die Okkult-Szene selbst präsentiert. Ich distanziere mich auch vom Inhalt aller hier wiedergegebenen
Meinungen und Dokumente." ("Homunculi" Seite 121). Das mag formalrechtlich korrekt sein, inhaltlich und
methodologisch ist das fragwürdig. Einerseits stellt Peter-Robert König sehr wohl Behauptungen auf, wie ich in Teil 7 an
einigen Beispielen exemplarisch gezeigt habe. Das sind zwar die Darstellungen und Meinungen Dritter, aber König weist
sie weder als solche aus noch dokumentiert er sie als solche, womit sie zu seinen Behauptungen werden. Andererseits sind
der Widerstand gegen den Nationalsozialismus und das Rechtsverständnis der DDR und dessen Folgen für die
Betroffenen zu ernste (und zu komplexe) Themen, um sie in einer Darstellung von fragwürdiger Sachlichkeit im
Plauderton zu verbraten - und das nur, um esoterisch-okkulte Befindlichkeiten damit zu untermalen. Ich denke, da wird
mir jeder zustimmen, der etwas mehr historischen Sachverstand zu diesen Themen aufbringt, als uns Peter-Robert König
hier vorführt.
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Nun zu Herrn Maikowskis Legitimation als Großmeister der Faternitas Saturni. Die Sachlage ist, wie eigentlich jeder nach
der Lektüre der verfügbaren Dokumente sehen kann, im Grunde eindeutig und das Thema ist dementsprechend schnell
abgehandelt. Je mehr ich in den Dokumenten und Darstellungen, in denen des Herrn Maikowski Darstellungen und
denen von dritter Seite, darüber las, desto mehr wunderte ich mich, wie Herrn Maikowskis Anspruch die Szene so lange
und so ausgiebig beschäftigen konnte. Nicht minder erstaunt mich, dass irgendwer ernsthaft glauben kann, eine von
Herrn Maikowski in seiner Eigenschaft als selbstbehaupteter Großmeister der FS - egal, mit welchem Zusatz - verliehene
Meisterwürde habe irgendeine Bedeutung außerhalb der, aus Herrn Maikowski und dem Urkundenempfänger
entstandenen, Zweierkonstellation. Zwar könnte man behaupten, und mancher tut das auch, Herr Maikowski stünde als
noch von selbigem in den Meisterstand erhobener Saturnmeister in der Sukzession von Eugen Grosche. Diese Sichtweise
unterschlägt allerdings die Tatsache, dass zu einer Sukzession etwas mehr gehört, als das bloße Handauflegen nebst
Aushändigung einer Urkunde. Von mindestens ebenso großer Bedeutung ist es, die geistige und spirituelle Nachfolge
anzutreten - und vor allem, ihr gerecht werden zu können. Ohne diesen Aspekt verkommt die Sukzession zum
Mummenschanz. Ich denke, dass Herr Maikowski seinerzeit zwar in Grosches Sukzession eintrat, ihr aber nicht im
Mindesten gerecht geworden ist. Er hat sie abreißen lassen.
Dazu einige Beispiele. Grosches Haltung zu Aleister Crowley war widersprüchlich und wechselte mehrmals während
seiner Zeit als erster Großmeister der Fraternitas Saturni. Einerseits unterschrieb er im August 1925 in Weida die
Formulierung "Wir Unterzeichneten haben mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört und wir wissen,
ohne Lügen gewiss, dass er [Aleister Crowley - Red.] in Wahrheit der Überbringer des Wortes ist, nach dem die Seele der
Menschheit dürstet.", gründete die Fraternitas Saturnis, nachdem sich Tränker und die Pansophischen Gesellschaft aus
dem Bekenntnis der Konferenz von Weida zurückzog, und gab das lesenswerte Buch "Aleister Crowley's Magische
Rituale" heraus. Andererseits distanzierte es sich von Crowley als Mensch und lehnte ein explizites Bekenntnis als
Thelemit ab. Gleichzeitig verkündete er: "Der immer stärker werdende magische und kosmische Influxus dieses
Zeitalters verlangt eine fluktuible Anpassung und Anwendung der von Therion [Aleister Crowley - Red.] gegebenen
Lehren. Trotzdem ist dieses Wissen und das gegebene Weistum wert, den kommenden Generationen erhalten zu bleiben.
Die Loge selbst verwendet dieses Wissen zur Persönlichkeitsschulung ihrer Brüder und Schwestern. Die Lehren sind
nicht immer wörtlich zu nehmen oder zu befolgen. Sie sind an erster Stelle sinngebend und wegweisend." So zitiert in
"Homunculi" Seite 22 - König leitet daraus ab, Grosche lehnte "Cowleys Thelema" ab und es ließen sich allenfalls
"thelemitische Worthülsen in den Grundritualen" finden. Das ist wieder eine der Behauptungen, die keine eigene des
Herrn König sein will - und eine reichlich gewagte überdies angesichts des Zitats. Dort lesen wir nämlich, dass Grosche
Crowleys "Wissen und das gegebene Weistum" als "sinngebend und wegweisend" immerhin "zur
Persönlichkeitsschulung" der Brüder und Schwestern seiner Loge eingesetzt sehen wollte. "Cowleys Thelema" ablehnen,
und zwar mittels "Persönlichkeitsschulung" mit Crowleys "Wissen und […] Weistum" - solch rasante Schlüsse sind PeterRobert Königs Spezialität, die bekommt wirklich nur er so hin.
Wenn jemand die Sukzession nach Eugen Grosche für sich beansprucht, aber angeblich noch nie von der Konferenz von
Weida gehört haben will [43], wenn einer, der in der Grosche-Sukzession stehen will, in Aleister Crowley lediglich einen
üblen Schwarzmagier mit verwerflichem Lebenswandel sehen kann, aber nach Belieben, wie zahllose Dokumente
beweisen, mit Versatzstücken aus Crowleys Werken wie dem Liber L. vel Legis herumhantiert, was noch dazu
offensichtlich meistens nur taktische Gründe hat, dann hat er nicht das Recht zu behaupten, er sei der Sukzession nach
Grosche gerecht geworden. Aber all das tat und tut Herr Maikowski. Tatsache ist auch, das sich die Fraternitas Saturni
ihrem Logengesetz zufolge zum Wegbereiter des Neuen Äons erklärt, und zwar "im Sinne des Gesetzes von Thelema" und
dass Herr Maikowski mindestens zweimal an der Abstimmung über dieses Logengesetz beteiligt war - Proteste seitens des
Herrn Maikowski, der erklärtermaßen nie etwas von Crowley gelesen hat ("Homunculi" Seite 23), sind nicht
dokumentiert.
Wenn einem der Anspruch auf ein Amt und/oder irgendwelche - optimalerweise möglichst hohe und davon viele Würdegrade wichtiger ist als das Wohlergehen der Loge, wenn einer von einem Amt zurücktritt, um wenig später mit
erneutem Anspruch wieder hervorzupreschen, wenn einer seine Unterschrift unter Dokumente setzt, in denen er
Ansprüche aufgibt und später davon nichts mehr wissen will, wird er der Würde einer Sukzession wie der nach Grosche
nicht gerecht. Auch das hat Herr Maikowski alles getan - der Verweis darauf, dass andere ebenso oder noch schlimmer
handelten, geht allenfalls für Kleinkinder in der Buddelkiste als "Entschuldigung" durch, aber nicht für einen
Saturnmeister. Für andere Meister übrigens auch nicht.
Herr Maikowski begründet seinen Anspruch mit seiner Wahl zum Großmeister in der Frankfurter Loge der Fraternitas
Saturni im Jahr 1964, die Berliner Loge wählte im selben Jahr Roxane - die Ereignisse sind hinlänglich bekannt. Das
Problem ist - es gibt keinerlei Nachweis dafür, dass Herr Maikowski tatsächlich gewählt wurde, er kann nicht einmal das
Datum seiner Wahl benennen und es gibt kein Dokument, das seine Wahl bestätigt. [44] Roxanes Wahl hingegen ist
dokumentiert. Roxane wurde Ende März 1964 gewählt, Herr Maikowski entschließt sich aber seinen eigenen Worten
zufolge erst am 17.04.1965, also ein gutes Jahr später, das Amt des Großmeisters dann auch anzutreten. Angeblich konnte
er 1964 seinen Arbeitsplatz in einer Pharmaklitsche nicht verlassen, um das anzutreten, was die offenbar Mission seines
Lebens ist. ("Homunculi" Seite 50) Was soll man dazu sagen? Allenfalls das, mehr muss zur Großmeisterwahl von 1964 an
dieser Stelle nicht mehr gesagt werden: Der einzige, der Herrn Maikowskis Geschichte von der Meisterwahl 1964 noch
bestätigen könnte, ist derzeit [März 2010 - Red.] Ptahhotep - wenn er das jemals hätte tun wollen, wäre das längst
geschehen.
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Herr Maikowski beruft sich darauf, nie von seinem Großmeisteramt zurückgetreten sei. Das ist eigenen, anderslautenden
Aussagen und Dokumenten zufolge definitiv falsch. Das erste Mal trat er 1969 anlässlich des Zusammenschlusses der
Logen zurück. O-Ton Herr Maikowski: "Die bisherigen Grossmeister IMMANUEL und DANIEL legen ihre Ämter als
Grossmeister nieder". Ich weiß nicht, wieviele Amtsniederlegungen und -wiederaufnahmen seitens des Herrn Maikowski
es noch gab, die letzte ist aus dem Jahr 2000. O-Ton Herr Maikowski: "Liebe Schwestern und Brüder der FS in KL,
hiermit teile ich Euch allen mit, daß ich als Bruder und Meister .°.Immanuel.°. mit sofortiger Wirkung am 20. April
2000 aus Gesundheitsgründen von meinem Amt als Grossmeister der FS in KL zurückgetreten bin."
Herr Maikowski beruft sich in seinem Anspruch, nach wie vor der Großmeister der Fraternitas Saturni zu sein, auf das
alte Gesetz der Fraternitas Saturni, in dem noch eine Großmeisterschaft auf Lebenszeit vorgesehen war. Von einer
Änderung des Gesetztes will Herr Maikowski entweder nichts wissen oder erst 1983 erfahren haben. Natürlich hat Herrn
Maikowski Wahrnehmung zufolge Giovanni - wer sonst - das Gesetz de facto im Alleingang geändert, und das nur, um ihn
zu schikanieren und ihm den Großmeistertitel abspenstig zu machen. [45] Tatsache ist, dass Herr Maikowski anlässlich
der Konzilien vom 27.10.1978 und vom 05.04.1980 den Änderungen des Gesetzes hinsichtlich der Amtszeit und der
Ernennung des Großmeisters zugestimmt hat.
Dokument 3 - Die Großmeisterwahl 1964 und Amtsniederlegung 1969 [aktiver Sprunglink]
Dokument 4 - Amtsniederlegung 2000 [aktiver Sprunglink]
Dokument 5 - Gesetzesänderung Konzilium 27.10.1978 [aktiver Sprunglink]
Dokument 6 - Gesetzesänderung Konzilium 05.04.1980 [aktiver Sprunglink]
Auf die Wahl von 1983, anlässlich der er von nur drei Meister bei insgesamt 14 stimmberechtigten Meistern zum
Großmeister gewählt worden sein will, gehe ich nicht ein, das ist ausreichend dokumentiert und es ergäbe sich nichts, was
ich hier nicht schon festgestellt habe.
Das Fazit ist, dass der Anspruch des Herrn Maikowski auf den Großmeistertitel der FS durch nichts legitimiert ist.
Daraus ergibt sich, dass die in dieser Eigenschaft von Herrn Maikowski vergebenen Meisterwürden völlig wertlos sind, sie
haben allenfalls sentimentalen Wert für ihre Inhaber. Herr Maikowski hat die Meisterwürde in den meisten Fällen aus
taktischen oder anderen Gründen, die allesamt nicht mit der Meisterschaft als solcher zu tun haben, vergeben, darunter
auch an Personen, die das Wort "Würde" nicht einmal buchstabieren konnten und recht wahrscheinlich immer noch nicht
können. Herr Maikowski vergab obskure Generalvollmachten an selbstgegründete und ebenso obskure Grüppchen, die er
Jahre zuvor eben ihrer Obskurität wegen aufgelöst hatte und die nun selbst obskure Meisterurkunden in seinem Namen
vergaben. Zu erwähnen sind noch die vergebenen Gefälligkeitsurkunden etwa in der Art, wie sich eine davon in Königs
"Homunculi" auf Seite 425 findet. Freilich gibt es die eine Meisterin oder den anderen Meister, die bzw. der sich die
Meisterschaft unabhängig von der Fragwürdigkeit ihrer Vergabe verdient, weil erarbeitet hat. Doch wenn diese Meister
ehrlich zu sich selbst wären, müssten sie sich den Titel nebst Urkunde an den Hut stecken. Am Rande bemerkt - es zeugt
von einem merkwürdigen Verständnis der Sache, wenn sich der eine oder andere Meister einbildet, ein beispielsweise
ordentlich verliehener Magister Magnificus Pneumaticos rehabilitiere einen zweifelhaften Gradus Solis und werte diesen
auf. Umgekehrt wird ein Schuh draus - der zweifelhafte Grad korrumpiert und entwertet alle nachfolgend verliehenen.
Das war jedenfalls einmal der Sinn der Sache gewesen.
Wenn sich Peter-Robert König mit seinem "Homunculi" auf Herrn Maikowski als zweimaligen Großmeister der
Fraternitas Saturni beruft, mag das unter Umständen dem Verkauf des Buches dienlich sein, es entbehrt aber jeder
vernünftigen und dokumentierbaren Grundlage. Herr Maikowski hingegen wird damit leben müssen, der Fraternitas
seinen bisher wohl größten Bärendienst erwiesen zu haben, indem er sich von König als Kronzeuge und Plauderonkel und
zu allem Überfluss auch noch als Werbeträger für dessen Buch einspannen ließ, denn da ist jetzt für jedermann zu lesen:
"Für die Geschichte der FS wird dieses Buch für alle Zeiten das wertvollste Dokument sein." Johannes Maikowski,
zweimal Großmeister der Fraternitas Saturni.
Ich hoffe, Herr Maikowski hat sich sein Engagement für Peter-Robert König wenigstens ordentlich vergüten lassen.
Teil 9: Die Methode - Wissenschaft, Mashups oder esoterisches Lumpensammeln?
Das grundsätzliche Problem an Königs Darstellung ist, dass er folgendermaßen vorgeht: Er hat, wie oben erläutert, ein
Axiom formuliert, das von der Spermagnosis als zentrales Element von Thelema. Wir nehmen immer noch als gegeben
an, dass es eine Reihe Dokumente und Aussagen gibt, welche die Existenz eines solchen Phänomens belegen. König
selektiert das verfügbare Material und ordnet es so an, dass dass die Spermagnosis als zentraler Inhalt von Thelema
erscheint. Daneben und drumherum drapiert er Dokumente, die Obskuritäten und Schrulligkeiten der verschiedensten
Art präsentieren, aber als Rahmen um die spermagnostischen Dokumente eine Tapete des Irrsinns als Gesamtkontext
ergeben. Alle anderen Dokumente, wie die eben angeführten Beispiele, werden entweder schlicht ignoriert oder sie
werden so unter den Dokumenten das Wahnsinns plaziert, dass allenfalls ein Eckchen hervorschaut. Ich denke, das hat in
Königs Darstellung taktische Gründe, denn der reine und nackte Wahnsinn wirkt - permanent zelebriert - auf Dauer
unglaubwürdig. Weil das nicht reicht, um im konkreten Fall ungefähr 300 Buchseiten zu füllen, werden Leerstellen mit
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Klatsch und Tratsch, mit Schwänken und Banalitäten so zugepflastert, so dass keiner wirklich sagen kann, was echt oder von wem auch immer - erfunden ist und ob irgendetwas tatsächliche Aussagekraft hat. Wo noch Platz ist, klebt König
reines Meinen und Dafürhalten hin und deklariert das als Nicht-Interpretationen Crowleyscher Einlassungen (a.a.O. Seite
313). Am Ende steht der Leser, knöcheltief in den Verbalsekreten aus Königs Mentalejakulationen watend, in einem
vollständig mit Textfragmenten und hin und wieder mit Bildern tapezierte Kubus und während König – der
selbsternannte Großmeister des Codes - auf die Versatzstücke deutet und sie mit Wendungen wie "nur wenige", "selten
berichtet", "nicht schlimm", "keine Folgen" kommentiert, wähnt sich der Leser in einem Panoptikum des kompletten
Wahnsinns und sucht verzweifelt nach dem Ausgang.
Was König also tut: Er verifiziert nicht etwa eine Hypothese anhand aller zur Verfügung stehenden Dokumente und
Aussagen und findet sie am Ende bestätigt oder nicht, wie das, wenn man einen wissenschaftlichen Anspruch behauptet,
sein sollte, sondern er wertet einen Bruchteil der zur Verfügung stehenden Dokumente und Aussagen so aus, dass er
glaubt, sein Axiom in jedem Fall bestätigt zu haben, was natürlich schon deshalb Unsinn ist, weil Axiome nicht bewiesen
werden können und sollen. Tatsächlich generiert König ein Dogma, nur haben Dogmen aber keinerlei Beweiskraft. Königs
permanent zum Vortrag gebrachter Verweis auf noch auszuwertendes Material ist deshalb obsolet, weil die Qualität des
Materials seit zwanzig Jahren dieselbe ist und der größere Teil an Dokumenten und Aussagen unter den Tisch fällt, weil er
eben nichts enthält, was sich als spermagnostisch oder potentiell irrsinnig interpretieren lässt. Hier schließt sich der Kreis
zu der Frage am Anfang dieses Abschnitts, wie die Königsche Beweisführung funktioniert.
Dabei entwickelt König eine Vorgehensweise, die man als geradezu typisch bezeichnen kann: Einige Fakten mit
Gerüchten und nicht belegten Aussagen, also reinem Hörensagen, vermischt, Dramatisierung des Ganzen und
Dekorierung mit reichlich Sex bzw. dem, was König darunter versteht, gerne auch mit einem Finalattribut a la "totalitär"
gewürzt und am Ende Bagatellisierung in einer beiläufigen Anmerkung a la "nur wenige", "selten berichtet", "nicht
schlimm", "keine Folgen", was freilich und vermutlich bei keinem Leser wirklich ankommen wird. Beispielhaft seien die
Seiten 186ff. "Crowley, immer in Geldnöten..." dafür erwähnt. Das bekäme Bild nicht besser hin, das ist Yellow Press in
Reinkultur. Er bringt es fertig, eine ganze Seite (a.a.O. Seite 321) das megalomanische Schwadronieren zweier
Knallchargen zu zitieren, natürlich ohne Quellenbeleg. Warum zitiert er nicht Crowleys Schrift "Über die Pflicht"? [46]
Warum nicht Crowleys Meinung zu den sexualmagischen Experimenten, die Jack Parsons und Ron Hubbard in der Wüste
von Nevada abhielten?
"Apparently Parsons or Hubbard or somebody is producing a Moonchild. I get fairly frantic when I contemplate the
idiocy of these louts."
Aleister Crowley am 19.04.1946 an Karl Germer
Warum zitiert er nicht John L. Crow [47], wie der den "members of the Eschnergroup" die Leviten las und ihnen ein paar
Takte in Sachen sozialer Urteilsbildung und Verantwortung flüsterte, als die in seinem damaligen Forum Thelema.nu
anläßlich des 100jährigen Liber-L-Jubiläums Werbung für die Thelema Society machen wollten - und nach dieser
Standpauke wie die begossenen Pudel wieder abtrabten, um sich in ihrem seinerzeitigen Forum über den ach so bösen
O.T.O. auszuheulen, dass ich dachte, sie würden König channeln.
"Thelemites CAN and SHOULD judge. How else can they determine what is right and what is not; what is within their
will and what is not. The choice is clear; either you stand above the masses or you are one of them. A KING stands
above the crowd and is not afraid of judging or being judged. If any be a King, then the judging will see nothing but
honor, integrity, virtue and right action. If this is not the character of the person being judged then they will be seen for
the beggar they are. A King can choose to go as they will; a beggar cannot hide their weakness."
John L. Crow im früher unter der Domain thelema.nu befindlichen Thelemaforum
Nein, Peter-Robert Königs Beweisführung stützt sich auf Dokumente ganz anderen Kalibers. Auf Seite 183 ist in Huettls
Buch eine "anonym verbreitete Liste einer angeblich geplanten Großloge" abgebildet, die angeblich nicht nur in
Thelemitenkreisen, sondern auch unter den Sektenexperten kursieren soll. Auf dieser Liste sind unter der Überschrift
"Loge Gotos" allerhand Personen nebst ihnen zugedachten Funktionen bzw. Eigenschaften aufgereiht, so zum Beispiel
LaVey als Satanist, Giovanni als Satanist F.S., Grant und Metzger als Crowlianer (O-Ton) und O.T.O., Hemberger als
Satanist F.S. O.T.O., Steiner als Satanist, Tegtmeier als Crowlianer Satanist F.S., Eschner als Satanist Crowlianer und
schließlich "R.P. König" (O-Ton) mit dem Zusatz "K**derp**no". Schon auf Seite 147 kommentiert König das
folgendermaßen: "Überhaupt kommt mir das Element des Spaßes ... sogar noch bei Konnotationen wie 'König –
K**derp**no' [Auslassung Red.] sehr entgegen. Es ist sehr aufschlußreich, was für einen Golem die Thelemiten aus mir
machen." König unterstellt umstandslos die Urheberschaft dieses Zettels - wem sonst - den Thelemiten - in toto natürlich.
Wer allerdings kurz innehält, erkennt wegen der Auflistung der prominentesten Hassfiguren auf den ersten Blick, dass
das Teil, wenn es denn echt ist, von einem Thelemiten- und Okkulthasser erstellt wurde und nicht von einem Thelemiten
oder Okkultisten. Kein einziger Thelemit würde Crowley und König gemeinsam auflisten, 95% der Thelemiten würden
niemals Crowley und Eschner auf eine gemeinsame Liste setzen und alle Eschner-Fans würden nur Crowley und Eschner
auflisten und alle anderen weglassen. Dass die, um König zu erwischen, sich selbst schlecht darstellen, also sozusagen
über Bande spielen, hat König als Möglichkeit wegen seiner Feststellung eines allgemeinen Schwachsinns in der
Okkultszene selbst ausgeschlossen, wobei wir nicht übersehen wollen, dass Außenstehende König gelegentlich für einen
Thelemiten oder gar die graue Eminenz des Okkultismus halten. Was aber nur eines beweist: Dümmer geht es immer. Wir
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sollten hier auch zur Kenntnis nehmen, dass jeder halbwegs bewanderte Computerbesitzer ein "Dokument" wie diese
ominöse Liste in zehn Minuten am Computer zusammentippt. Die Zurschaustellung dieses "Dokuments", untertitelt als
"anonym verbreitete Liste einer angeblich geplanten Großloge", und Königs Geschwurbel dazu sind beredtes Beispiel für
die beabsichtigten oder tatsächlich aus Unwissenheit resultierenden Interpretationen, die sich de facto im Seitentakt
durch Königs Text in Huettls Buch ziehen.
Lustig ist auch, wenn sich die Herren Huettl und König als Statistiker versuchen. Auf Seite den Seiten 254 und 255
präsentiert König die Verkaufszahlen des Phänomen-Verlages, um die angeblich marginalen Verkaufszahlen für Crowleys
Werke an und für sich zu belegen. Was König unterschlägt - und ich unterstelle, dass er das bewusst tut -, ist die Tatsache,
dass der seinerzeitige Phänomen-Verlag ein Kleinstverlag war und zum Zeitpunkt seiner Recherche einer seltsamen
Miniaturgruppe gehörte, die damals mit dem zumindest szenebekannten Resultat ihr Schicksal in die Hände eines
obskuren Leihbischofs gelegt hatte und sich ob ihrer Bemühungen zur Erweckung einer "Church of Thelema mit
Sakrament, Manifest und Katechismus" (Selbstaussage) in der Szene den Spitznamen "Thelema-Taliban" einhandelte,
was dann in etwa auch das Bemerkenswerteste an ihr war. [48]
Aber gut – König jedenfalls präsentiert dem geneigten Leser die phänomenalen Verkaufszahlen für die Jahre von 1995 bis
2003 mit beispielsweise 1939 Stück für das Liber L. vel Legis, mit 1279 für Magick und mit 799 für ein Liber 77, womit er
wohl das Liber 777 meint. Sagt das irgendetwas über den Verkauf von Crowleyana aus? Nein, das tut es nicht. Es wäre
wenigsten ein Hinweis seitens des Herrn König angezeigt gewesen, dass diese Phänomen-Liste in keiner Weise
repräsentativ ist. Kersken-Canbaz ist nunmal vor AGMüller Urania, der das Recht am Thoth-Tarot und dem dazu
gehörenden Buch Thoth hält, der größte Anbieter von Crowley-Literatur, aber das kommt mit keinem Wort zur Sprache.
Sagt das irgendetwas über die Verbreitung von Crowleyana aus? Nein, noch viel weniger, denn genauso wenig erwähnt
König, dass das Liber L. vel Legis sowohl auf der Webseite des OTO als auch auf vielen anderen Webseiten frei zugänglich
und kostenlos zur Verfügung steht. Stattdessen weist Huettl drauf hin, dass die Broschüre der Hamburger Innenbehörde
"Brennpunkt Esoterik - Okkultismus, Satanismus, Rechtsradikalismus" zum kostenlosen Download zur Verfügung steht,
wobei ich deren Bezeichnung als "Aufklärungs- und Informationsschrift" durch Huettl doch etwas gewagt finde.
Von all dem abgesehen war ich zumindest über die Verkaufszahlen des Buches, das der Phänomen-Verlag als Liber L. vel
Legis verkaufte, erstaunt, und zwar über deren Höhe. Ich hätte in Anbetracht des, nun ja, unternehmerischen Potenzials
des Verlages und unter Berücksichtigung der Qualität der Übersetzung des Buches mit deutlich weniger gerechnet, denn
die von Frau Peyn und Herrn Löffler erstellte Übersetzung des Liber L. vel Legis ist dermaßen schlecht, dass sie über den
enormen Trashfaktor fast schon wieder gut ist - als Groteske. Frau Peyn hat versucht, das Buch wörtlich, ich meine
wörtlich wörtlich, zu übersetzen und das Ergebnis ist zwar ein echter Brüller, deshalb habe ich es mir auch gekauft, hat
aber mit einer Übersetzung nichts zu tun, es ist schlicht nicht mehr lesbar.
En passant ist Königs Statistik als Bestätigung – wenn auch
nicht in dem Maße wie erhofft - meiner damaligen Vermutung beim Erwerb der Schwarte interessant, dass meine
Ausgabe des phänomenal peynlichen Liber L. vel Legis
tatsächlich irgendwann Sammlerwert haben wird. Ich werde
versuchen, sie von meinem Myspacefreund Lon Milo
signieren zu lassen. *g*
Angesichts des von König permanent wiederholten
Vorsatzes, nach journalistischen und gar wissenschaftlichen
Kriterien arbeiten zu wollen, angesichts der Tatsache, dass
er den bestallten und selbsternannten Weltanschauungsbeauftragten zuarbeitet, halte ich solche Fehlaussagen, die
manipulative Verwendung wertloser Statistiken zum Zweck
der Generalisierung und Pauschalisierung und die teilweise
wüsten Spekulationen für fatal.
An anderen Stellen fängt König einfach an zu schwurbeln,
wenn ihm nichts anderes einfällt, was ich für ebenso fatal
halte. Eine in die Hinsicht bemerkenswerte Stelle findet sich auf Seite 326, dort musste König in angeblicher
Ermangelung konkreter Dokumente passen, als ihn Huettl zu "einem undatierten Brief von vielleicht 2000" und den
Zusammenhängen in Bezug auf eine Anzeige in einem Okkultblatt befragte. Kann vorkommen, wobei König, wenn er die
strukturellen Zusammenhänge wirklich so überblickte, wie er stets vorgibt, auch ohne Kenntnis der Dokumente wegen
der prägnanten Namensreihung, die es in dieser Konstellation nur einmal für kurze Zeit gab, sofort hätte den Kontext
erkennen müssen, zumal er selbst Mitglied in diesem Verein war, der das Blättchen publizierte. Und was tut König? Er
schwurbelt stattdessen ein wenig über Arkandisziplin, wo es in Huettls Frage um eine Annonce als Stein des Anstoßes,
also eine doch sehr öffentliche Sache, geht. Was im Kopf der Leser hängen bleiben dürfte, ist die Wendung
"Arkandisziplin", die von den Weltanschauungsbeauftragten mit der angeblichen Verschleierung von Mord und Totschlag
konnotiert wurde.
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Abschließend sei noch angemerkt, dass sich Peter-Robert Königs Kenntnisse über esoterische, okkulte und magische
Praxis in wirklich sehr überschaubaren Grenzen halten, in dieser Hinsicht ist man wahrscheinlich sogar bei Christiansen
sachgerechter bedient. Ein Beispiel königlich-kabbalistischer Verwirrung habe ich oben schon kurz geschildert, ein
ausführlicher dargestelltes für Königs Sachkenntnis in Bezug auf saturnische Meisterweihen und Logenpraxis ebenfalls.
Das zieht sich in dieser Weise durch das ganze Buch, beginnend beim Einstieg mit Königs Okkultismus-Definition (a.a.O.
Seite 124f.) geht weiter über den Umstand, dass König offensichtlich mit der Golemlegende nicht allzuviel anfangen kann
(a.a.O. Seite 147), und endet noch lange nicht mit der einfältigsten Entäußerung zum Thema Egregor, die zu lesen ich
jemals das zweifelhafte Vergnügen hatte (a.a.O. Seiten 230f.). Lesen Sie das selbst nach, sofern Ihnen der Sinn danach
steht, ich lasse es hiermit dabei bewenden. Ich möchte als Kontrast zu Königs Geplapper noch eine Passage aus Pasis
Buch zitieren:
"Erst seit 1909 [...] begann Crowley, seine Eide zu brechen. In jenem Jahr gründete er, nachdem er den A.°.A.°. ins
Leben gerufen hatte, die Zeitschrift The Equinox, die das offizielle Organ des A.°.A.°. war. Darin wurden nach und nach
alle ihm bekannten Rituale und Unterweisungen der Golden Dawn der Öffentlichkeit preisgegeben. Für Crowley war
dies offensichtlich der Übergang zu einer andersartigen Betrachtung der Magie und der Geheimwissenschaften. Die
Magie wurde zu einem Wissen für alle, von dem potentiell alle Gebrauch machen konnten; Geheimnisse waren nicht
mehr nötig. [...] Der Hinweis auf die 'Demokratisierung der Magie' setzt nicht notwendigerweise eine Auswirkung auf
die politischen Positionen Crowleys voraus, die, wie wir gesehen haben, komplexere und verschlungenere Wege gehen.
Aber wir dürfen auch nicht denken, sie hätten keinerlei Beziehung dazu. Es ist klar, dass er ab einem bestimmten
Zeitpunkt seines Lebens davon überzeugt war, dass es sein Ziel war, mit seinen Lehren eine möglichst breite Schicht zu
erreichen und nicht nur eine esoterische Tradition mit einer geringen Anzahl von Anhängern fortzuführen.
[...] Crowley scheint sich stets darum bemüht zu haben, die 'Wissenschaftlichkeit' seiner Magie, seiner Mystik und auch
seiner neuen Religion zu unterstreichen. Dies war keine besonders originelle Einstellung, wenn wir Crowley als einen
Erben der englischen und vor allem französischen okkultistischen Strömungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
betrachten, was er auch tatsächlich war. Wir gebrauchen hier den Begriff 'Okkultismus' in einem bestimmten Sinn, um
auf eine besondere Strömung innerhalb der Geschichte der abendländischen Esoterik hinzuweisen, die sich zu einer
bestimmten Zeit herausbildet und die etwa von Eliphas Levi in Frankreich bis hin zur Golden Dawn in England reicht.
Eines der Wesenszüge dieser Strömung war eine besondere Sorge um die 'Wissenschaftlichkeit' ihrer Lehre, die
durchaus nicht als unvereinbar mir ihren 'okkulten' oder esoterischen Merkmalen, sondern, im Gegenteil, mit
verschiedenen Abschattungen je nach Autor, als unentbehrlicher Bestandteil davon galt. [...]
Aus dem Gesagten läßt sich schließen, dass es für ihn zwei Arten von Magie gibt: Die eine ist die der Tradition, die
negativ, weil antiwissenschaftlich, und empirisch ist, da sie nicht wie die Wissenschaft auf sicheren Gesetzen beruht,
sondern nur tastend verfährt; die andere ist die neue von Crowley selbst gegründete Magie, die nicht mehr traditionell,
sondern wissenschaftlich und somit positiv ist. Das Ziel, das er sich setzt, besteht darin, die erste Art von Magie zu
zerstören und auf diese Weise, wenn sich seine Methode durchsetzt, die Kluft zu überbrücken, welche die Magie von der
Wissenschaft trennt.
In erkenntnistheoretischer Hinsicht ist dieser Punkt wichtig. Hält man sich an seine Worte, so will Crowley - eher als
dass ihm an der Wiederherstellung einer verlorenen Botschaft gelegen wäre, von der die esoterischen Traditionen
einige Bruchstücke bewahren - einen Fortschritt der Magie, der Mystik, der Religion herbeiführen. Der Blick ist nicht
rückwärts gewandt, sondern vorwärts. Mehr noch. Für Crowley hat die Wissenschaft die Magie nie akzeptieren
können, gerade weil diese antiwissenschaftlich war. Deshalb ist der Wissenschaft aber die Möglichkeit abhanden
gekommen, die vernachlässigten Aspekte des Wirklichen zu erforschen, die 'der profanen Forschung bisher
unzugänglich' geblieben sind, da sie mit jener Art von Magie zusammenhingen. Aber mit der neuen Crowleyschen
Methode wird es keine Kluft mehr zwischen Wissenschaft und Magie geben, und auch die 'profane' Wissenschaft wird
die Mysterien des Daseins durchdringen können. Es ist interessant zu bemerken, dass sich der Aufruf zu Wissenschaft
und Rationalität als legitimierendes Mittel für Crowley nicht nur auf die Magie beschränkt, sondern sich bezüglich des
Thelema auch auf einer eigentlich politischen und gesellschaftlichen Ebene widerspiegelt."
Marco Pasi: Aleister Crowley und die Versuchung der Politik, Ares Verlag 2006, Seite 127f., Fußnotennumerierung
entfernt
Ich kann das Buch nur empfehlen, was nicht heißt, dass ich nun in jedem Punkt Pasis Meinung befürwortete. Das Buch
bietet viel mehr als nur Meinungskongruenz, nämlich Denkanregung und Inspiration, man kann sich argumentativ mit
dem Buch auseinandersetzen, kurz – es ist im besten Sinne diskutabel.
Teil 10: Politik - Peter-Robert König denkwürdige Weltsicht
"Durch meine Mutter habe ich eine tiefsitzende Abscheu gegenüber totalitären Lebenssystemen, von meinem Vater
das Grüblerische geerbt."
Peter-Robert König Der O.T.O. Phänomen REMIX, ARW 2001, S. 497
Richtig gruselig wird es, wenn Peter-Robert König politische Themen ventiliert. Im hier besprochen Buch äußert sich
König hauptsächlich an zwei Stellen ausführlicher zum Verhältnis der Thelemiten zur Politik, wobei er sich zuerst zum
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Thema Totalitarismus und später zum Faschismus bzw. politischen Extremismus auslässt. Nun ist es eine Sache, und
zwar eine recht komische, wenn Königs fürwahr ausdauernde Beschäftigung mit den Ejakulationsgepflogenheiten anderer
Leute offenbar zu dem Ergebnis führte, dass er politische Haltungen für genetisch veranlagt hält. Eine ganze andere,
absolut nicht komische Sache ist es, dass er die Stirn hat, die politische und strukturelle Verfassung einer esoterischokkulten Richtung mit dem Begriff Totalitarismus beschreiben zu wollen – mit einem Begriff, hinter dem das für uns
heute unvorstellbare Leid von Millionen und Abermillionen Menschen steht.
Zu der oben aus dem "Remix" zitierten, bemerkenswert sinnfreien Äußerung, er habe von seiner Mutter "eine tiefsitzende
Abscheu gegenüber totalitären Lebenssystemen" geerbt, verstieg sich Peter-Robert König - von Huettl nach seinem
"Einstieg in die okkulte Welt" gefragt (a.a.O. Seite 156) – auch in diesem Buch wieder. Man lasse sich das auf der Zunge
zergehen - "totalitäre Lebenssysteme"! Wenn Adolf Hitler, dessen Terrorregime mindestens 55 Millionen Menschen das
Leben kostete, und Josef Dschugaschwili aka Stalin, dessen ganz spezieller Weg zum Kommunismus geschätzte 30
Millionen Menschen umbrachte, das lesen könnten - endlich hat mit dem feinen Herrn Peter-Robert König einer
begriffen, dass ihre Todesherrschaft eigentlich "Lebenssysteme" war.
Auf Seite 187f. lässt es der Peter-Robert König in Sachen Totalitarismus richtig krachen:
"[...] Diese Konzeption des O.T.O. als ein auf einen Führer ausgerichteten Bund zeigt sich durchweg in der Betonung von
Symbolen und Ritualen, im Personenkult und in einer gemeinhin romantisch-irrationalen Selbstdarstellung. Das
Totalitäre findet sich theoretisch auch in der gewünschten Transzendierung Thelemas [...] Nichtsdestotrotz gebärden
sich die heutigen Führer der verschiedenen O.T.O.-Variationen immer noch als Tyrannen [...] Wehe, es wagt jemand,
dem Tyrannen zu widersprechen, dann werden anonyme Informanten herangezogen, es findet eine Art Anhörung ohne
Zeugen statt und der Übeltäter bekommt keinen Anwalt zur Verteidigung [...] Untere Grade lässt man jammern, privat
oder in den Internetforen, oder wo auch immer, und ignoriert sie [...] Und was passiert mit den SchuldigGesprochenen? Wird man auf dem Scheiterhaufen verbrannt? Nein, nein. Man wird aus dem O.T.O. verstoßen. Mehr
passiert nicht. So ähnlich ist es im Sommer 2006 geschehen. Etliche Hochgradmitglieder, die seit 20 Jahren im Caliphat
sind, wagten es, öffentlich Breezes Leitung des O.T.O. zu kritisieren. Und prompt wurde ihnen nahe gelegt,
auszutreten."
So lustig kann Totalitarismus also sein, wenn man Peter-Robert König heißt. Ich weiß nicht, warum König das tut. Aber
ich weiß, was er damit tut. Mit dem Historikerstreit 1986 und 1987 und später stärker noch nach der sogenannten Wende
kam eine fatale Neigung zum inflationären Gebrauch der Charakterisierung aller möglichen Strukturen als totalitär in
Mode. Die Ausweitung des von Giovanni Amendola geprägten und von Hannah Arendt in "Elemente und Ursprünge
totaler Herrschaft" wissenschaftlich ausgearbeiteten Begriffs auf diverse andere politische Strukturen wie den real
existierenden Sozialismus zum Beispiel in der nachstalinistischen Sowjetunion oder der DDR - daran entzündende sich
im Sommer 1986 der oben genannte Historikerstreit - wurde und wird vorzugsweise von der politischen Rechten
betrieben, um der "Entsorgung der deutschen Geschichte", wie Hans-Ulrich Wehler das nannte, Vorschub zu leisten. [49]
Er wurde de facto zum Lieblingsbegriff der sogenannten Neuen Rechten, die so viele totalitäre Regime und Strukturen
ausmachte, dass in ihrer Argumentation schlussendlich der deutsche Nationalsozialismus nichts mehr war, dem
besondere historische Bedeutung zukäme.
Wer auf diesem Phänomen Trittbrett fährt, um andere zu diffamieren und herabzusetzen, wer - wie diverse der
sogenannten Weltanschauungsbeauftragten - den Begriff vom Totalitarismus wider besseres Wissen benutzt, um
religionsideologische und kirchenpolitische Süppchen zu kochen, macht sich zum Wasserträger der Rechten. Darüber
hinaus bedeutet diese Beliebigkeit aus Opportunitätsgründen von der Opferseite her betrachtet, die Leiden der Opfern der
KZs, Gulags und Killing Fields zu banalisieren.
Einige Worte zur Erläuterung, ich halte mich in meiner Argumentation strikt an die von Hannah Arendt geschaffene
Begrifflichkeit und Bewertung. [50] Es gab in der Geschichte exakt drei totalitäre Systeme, das waren der deutsche
Nationalsozialismus, der sowjetrussische Stalinismus und das kambodschanische Khmer-Regime unter Pol Pot.
Es gibt vier Hauptkriterien für totalitäre Regime:
1) Das wichtigstes Kennzeichen ist die Intention und der Vorsatz zur und die Umsetzung der eleminatorischen Selektion,
denn der Totalitarismus intendiert die physische Vernichtung der Feinde. Zu diesen Feinden werden vom
Totalitarismus willkürlich selektiv ganze Bevölkerungsgruppen gemacht.
2) Ein anderes, zentrales Kriterium ist die Tatsache, dass der Totalitarismus ein geschlossenes System mit einer
geschlossenen Ideologie voraussetzt.
3) Das dritte Kriterium ist die, wie Hannah Arendt es formulierte, "Zweckwidrigkeit" totalitären Terrors. Faschistischer
Terror bzw. dessen Repressionsmaßnahmen verfolgten mit der Ausschaltung politischer und weltanschaulicher
Gegner konkrete Ziele und waren somit von Zweckgebundenheit gekennzeichnet. Faschistischer Terror folgt den
Maßgaben politischer Opportunität. Nationalsozialistischer Terror hingegen ist in der Wahl der Opfer absolut
willkürlich und lässt sich nicht an Zweckkriterien im herkömmlichen Sinn festmachen. Der Begriff "Zweckwidrigkeit"
selbst ist zwiespältig, denn die zweckwidrigen Lager stehen offenbar doch im Interesse des totalitären Staates. Er
braucht sie, auch wenn dafür auch kein nationalökonomischer Zweck gefunden werden kann, er benötigt Lager und
Terror gewissermaßen existentiell - zur Transformation der menschlichen Natur. Ein rationaler Zweck dieser
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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Transformation jedoch lässt sich nicht fassen, in ihr selbst liegt bereits aller Sinn totaler Herrschaft.
4) Schließlich ist für den Totalitarismus die Über- bis Hyperstrukturierung der Organisation kennzeichnend. Totalitäre
Systeme schaffen in ihrer Entstehungsphase Abbilder, quasi Duplikate existenter, gesellschaftlicher Strukturen und
und stülpen mit der Machtergreifung (oder für Deutschland der Machtübergabe) diese Abbildstrukturen über die
bisher existenten.
Nichts davon trifft auch nur annähernd auf Thelema zu, nichts davon ist auch nur ansatzweise implizit intendiert oder
explizit formuliert. Der Vorwurf kann Thelema nicht treffen. Er ist eine unverschämte Verhöhnung der Opfer totalitärer
Systeme.
Aleister Crowley war vom Gnostizismus und der Theosophie recht stark beeinflusst und hat diverse Elemente der beiden
Strömungen adaptiert und weiterentwickelt. Er wusste offensichtlich um die der gnostischen Ideologie innewohnende
Gefahr und einer seiner ganz großen Verdienste ist es, dem Modell von der Seelenteilung das selektiv differenzierende
Element genommen und es zu seinem Modell vom Menschen der Erde, dem Liebenden und dem Einsiedler transformiert
zu haben, das die drei Ebenen als gleichwertige Entwicklungspotentiale in jedem Individuum anlegt, was dann mit Vers
I/3 des Liber L. Legis "Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern." korrespondiert. Das ist schlicht genial, Crowley hebelte ohne dass er es zu jener Zeit als solches gekannt oder gar benannt haben konnte - das totalitäre Element komplett aus und
lässt den ideellen Kern des Entwicklungspotentials dabei nicht nur unbeschadet, sondern entwickelt ihn darüber hinaus
als thelemischen Weg weiter.
Ich weiß nicht, ob König Pasis Buch wirklich gelesen hat, er erweckt mit seiner Netzseite "Das Milieu des Templer Reichs
Die Sklaven Sollen Dienen" (So heißt das Teil wirklich! [51]) zumindest nicht den Eindruck, dass er es verstanden haben
könnte. Immerhin stellt er einen längeren Auszug aus Pasis Buch auf einer anderen Seite [52] zur Lektüre zur Verfügung,
was die Frage aufwirft, warum er seine Ansichten in Sachen Totalitarismus nicht ein wenig in Richtung Sachlichkeit
korrigiert hat. Sei's drum – Pasi argumentiert Crowleys Weltsicht und Motivation im historischen Kontext, wie der
nachfolgende Auszug belegt.
"Offenbar war das, was Crowley am Nationalsozialismus sowie am Kommunismus zusagte oder was ihn wenigstens
neugierig machte, der antichristliche Angriff, die revolutionäre und gesellschaftlich umstürzlerische Tragweite dieser
beiden Bewegungen. In deren subversiver Kraft sah er die Möglichkeit der Aufhebung der alten religiösen Traditionen,
der Schaffung einer Leere, die das Thelema in der Folgezeit würde ausfüllen können. [...] Im übrigen konnte Crowley
von dem Augenblick an, in dem er spürte, dass er auf religiösem Gebiet das "Neue" vertrat, ein etwaiges Bündnis mit
dem, was damals im Guten wie im Bösen dieses "Neue" auf politischem Gebiet vertrat, ob es sich nun um den
Kommunismus oder den Nationalsozialismus handelte, nur als natürlich empfinden. Beide schlugen radikale und
ehrgeizige Projekte vor, die den Aufbau des Neuen durch die gewalttätige, wenn auch unvermeidliche Zerstörung des
Alten vorsahen. Dies erklärt, warum Crowley, der [...] eigentlich ein geborener Antikommunist hätte sein müssen,
vielmehr einige Sympathie für die bolschewistische Revolution hegte. Hier zeigt sich übrigens der pragmatische Aspekt,
auf den ich mehrmals hingewiesen habe. Für Crowley hatte die Ideologie keine Bedeutung: Er war auf der Suche nach
dem besten Instrument, um das Thelema zu verbreiten. In den beiden Regimen und vor allem in deren aggressiver
Haltung gegenüber den christlichen Kirchen erkannte er ein Element der Übereinstimmung mit der neuen von ihm
verfochtenen geistigen Strömung."
Marco Pasi: Aleister Crowley und die Versuchung der Politik, Ares Verlag 2006, Seite 113, Fußnotennumerierung entfernt
Dass Peter-Robert König ein echtes Problem hat, Dokumente und seinerzeitige Ereignisse im Licht des jeweiligen
historischen Kontext zu bewerten, habe ich schon erwähnt. So kommt es immer wieder vor, dass er beliebig Äußerungen
von Szeneprotagonisten herausgreift und sie völlig dekontextualisiert als Zeugnis vermeintlich autoritärer, autokratischer,
faschistischer oder gar totalitärer Gesinnung präsentiert. In "Satan - Jünger, Jäger und Justiz" hält sich König bis auf drei,
vier Passagen weitgehend zurück, auf seiner Netzseite hat er, wie es scheint als Reaktion auf Pasis Buch, eine ganze Seite
auf diese Weise zusammengestellt (siehe Fußnote 51).
Auffällig ist hier einerseits neben der Tatsache, dass er mit zweierlei Maß misst und beispielsweise
mit der Theosophie oder mit Steiner sehr viel gnädiger ist, die Diskrepanz zwischen seinem
Anspruch und seinen immer wieder selbst getätigten Äußerungen zumindest fragwürdigen
Zuschnitts. Um einen historischen Bezug herzustellen, wäre ein Verweis auf die in der damaligen
Zeit übliche Geisteshaltung erforderlich gewesen, was nichts entschuldigen kann und soll, aber
einiges zu erklären vermag. Ich habe als Beispiel einige Zitate aus einem Schulbuch von 1912
zusammengestellt.
Ernst von Seydlitz in "Geographie, Ausgabe G in 5 Heften nebst Vorstufe und Ergänzungsheft
für höhere Lehranstalten", bearbeitet von Prof. Dr. A. Rohrmann, Ferdinand Hirt, Königliche
Universitäts- und Verlagsbuchhandlung, Breslau 1912.
Es wäre ungerecht, und zwar Ernst von Seydlitz gegenüber, den Mann unkommentiert in einen
Kontext mit einem wie Peter-Robert-König zu stellen. Deshalb zur Vermeidung etwaiger
Missverständnisse eine Anmerkung: Ernst von Seydlitz wuchs nach dem frühen Tod des Vaters
unter der Vormundschaft des pietistischen Sozialreformers Ernst von Kottwitz auf, zunächst in der
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Herrnhuter Brüdergemeine Gnadenfrei in der Nähe des Städtchens Piława Górna, damals Oberpeilau, später in der
Herrnhuter Knabenanstalt in Kleinwelka bei Bautzen. Dort und während der weiteren Ausbildung an den UnitätsAnstalten in Barby und Niesky traf er auf einen, zumindest für damalige Verhältnisse, weltoffenen und fast
kosmopolitischen Geist, was nicht zuletzt daran lag, dass dort Kinder von Herrnhuter Missionaren aus der ganzen Welt
lebten. Dieser Umstand weckte sein Interesse an der Geographie, nach verschiedenen Tätigkeiten als Pädagoge wurde er
1819 zum Inspektor der Gnadenfreier Erziehungsanstalten berufen. Er integrierte pädagogische Grundsätze
Philanthropen nach Johannes Bernhard Basedow ins brüderische Erziehungswesen, wozu auch der Turnunterricht nach
Johann Christoph Friedrich GutsMuths gehörte. 1824 veröffentlichte er seinen ersten "Leitfaden der Geographie", der in
ständig überabeiteter und erweiterter Fassung zum Standardlehrbuch wurde, weshalb man von der "Seydlitz'schen
Geographie" spricht. Ernst von Seydlitz gilt heute als engagierter Philantrop, der die Pädogogik, insbesondere die
Erstellung und Verwendung von Lehrmitteln, reformierte. [53] Der hier zitierte Ausschnitt spricht in keiner Weise gegen
Seydlitz, sondern soll die Ansichten jener Zeit illustrieren.
Wie weit sind denn folgende Aussagen, alle von Peter-R. König in "Satan - Jünger, Jäger und Justiz", Seiten 125, 165f, 180,
von der im Kasten zitierten Engstirnigkeit entfernt:
• "Die Zigeunerin, die Karten legt ist keine Okkultistin, keine Magierin. Ihr Zigeunerzelt ist kein magischer Kreis [...]."
• "Natürlich muss ein Ethnologe ein paar Stammesrituale mitmachen, um seine Erlebnisse nachher in seinen
Berichten spiegeln zu können: Wie werde ich Häuptling der Rothäute?"
• "Erstaunlicherweise versuchten viele Anwesende, Crowley als Poeten ernst zu nehmen. Italienische
Schauspielerinnen, oder was Italiener dafür halten, solange sie freizügige Kleider tragen, intonierten CrowleyGedichte."
Richtig, keinen Millimeter, König muß sich auch an dieser
Stelle die Frage gefallen lassen, ob er eigentlich weiß, was er
da schreibt. Dieser Rückgriff auf Ansichten, die im Verlauf
von nunmehr 185 Jahren und nach zwei Weltkriegen zu
klebrig-banalen Klischees geronnen sind, die Konstruktion
von Wertungen aus dem Fundus seiner Aversionen und
Ressentiments, zieht sich durch seinen ganzen Text in "Satan
- Jünger, Jäger und Justiz", aber auch im Remix, sobald er
aufhört, Zitate und Anekdoten aneinander zu reihen und
beginnt, Schlüsse zu ziehen und Wertungen zu treffen. Er
begegnet einem de facto immer, wenn König meint, sich zu
Crowleys Sexualität äußern zu müssen, was dann immer
irgendwie so klingt: "Selbstverständlich denken Italiener,
dass Crowley ein Frauenheld war und ignorieren dabei
völlig die Tatsache, dass Crowleys Vorlieben dem Oral- und
Analverkehr mit Männern galten." (a.a.O. Seite 180)
Abgesehen von dem extrem dämlichen Klischee "Italiener –
Frauenheld" mag es ja sein, dass Königs psychologische
Studien nicht lange genug dauerten, als dass ihm einer hätte
erklären können, dass die Grenzen zwischen hetero- und
homosexueller Neigung beim Menschen fließend sind und
kein Mensch als für all seine Lebenseit auf entweder die eine
oder aber die andere Neigung festgelegt auf die Welt kommt,
weswegen das als Grunddisposition anzunehmen ist, was
man landläufig Bisexualität nennt. Aber was geht König
Crowleys Sexualität an? Was geht König irgendjemandes
Sexualität an? Aber dann herumjammern, wenn es so aus dem Wald zurückschallt, wie er hineinplärrt und im Ergebnis
Mutmaßungen über Königs sexuelle Präferenzen durchs Netz geistern
Ich fürchte, dass König seine Sprüche in der oben zitierten Art lustig findet. Nun ja, es ist die Art bräsig-dumpfen
Humors, der sich beim mentalen Prekariat am Stammtisch mit Erreichen des 1-Promille-Pegels einstellt, ab dem zweiten
Promille wird es dann richtig vulgär. Es ist einfach nur widerlich.
Sapere aude!
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Fußnoten und Quellen
[1] Interview in "Flensburger Hefte" Nr. IV/98: href="http://parareligion.ch/2007/flens.htm
[2] Erstellt am 20.12.2007, Korrektur und Ergänzung am 03.01.2008, Überarbeitung und Ergänzung zur Reloaded Version am
20.03.2010
[3] http://magickal-observer.de/tmo_0207.html
[4] Marco Pasi @Universität Amsterdam: http://home.medewerker.uva.nl/m.pasi/
[5] Peter-Robert König: "Konzept O.T.O. Phänomen" in "Gnostika" Nr. 1 1996: http://parareligion.ch/dplanet/html/gnostika.htm"
[6] Peter-Robert König wird im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) mit der Berufsangabe "Psychologe" geführt. Dazu ist
zweierlei anzumerken: Einerseits ist es so, dass sich einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH 1985 AZ: I ZR 147/83) zufolge in
Deutschland nur Psychologe nennen darf, wer ein Diplom in Psychologie, also den Abschluss eines entsprechenden Hochschulstudiums
nachweisen kann. Andererseits ist die Verpflichtung der Autoren und Verleger zur Einreichung von Medienwerken zwecks Erfassung
im Katalog der DNB im Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek geregelt und nach § 15, der die Ablieferungspflichtigen benennt,
liegt es in Peter-Robert Königs Fall in der Verantwortung des jeweiligen Verlegers, das Werk einzureichen und damit auch, für die
sachliche Richtigkeit des Katalogeintrags zu sorgen. Bemerkenswerterweise hat sich König beim Verein der Autorinnen und Autoren
der Schweiz als Journalist und Sachbuchautor eintragen lassen, was lediglich Geschmackssache und keine Frage der Berechtigung ist.
Sucheergebnis "König, Peter-Robert" Katalog der DNB: https://portal.d-nb.de/opac.htm?
method=showFullRecord&currentResultId=K%25C3%25B6nig%252C%2BPeter-Robert%2526any&currentPosition=8
Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek: http://bundesrecht.juris.de/dnbg/index.html
FAQ der Website des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V.: http://www.bdpverband.org/psychologie/faq_titelanerkennung.shtml#01
König im Lexikon der Autorinnen und Autoren der Schweiz: http://lexikon.a-d-s.ch/edit/detail_a.php?id_autor=968
[7] Peter-Robert König @de.wikipedia.org: http://de.wikipedia.org/wiki/Peter-Robert_König
[8] Interview in "Flensburger Hefte" Nr. IV/98: http://parareligion.ch/2007/flens.htm
[9] Boleskine_House @en.wikipedia.org: http://en.wikipedia.org/wiki/Boleskine_House
[10] Genesis P-Orridge @de.wikipedia.org: http://de.wikipedia.org/wiki/Genesis_P-Orridge
Genesis P-Orridge Homepage: http://genesisp-orridge.com/homepage.html
RTL Boulevard-Magazin "Explosiv" über Genesis P-Orridge @Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=ZAEW02oBMb8
[11] COUM Transmissions @de.wikipedia.org: http://de.wikipedia.org/wiki/Coum_Transmissions
[12] Der Begriff "Counterculture" @en.wikipedia.org: http://en.wikipedia.org/wiki/Counterculture"
[13] Interview Peter-Robert König in "Gnostika" Juli 1998: http://parareligion.ch/dplanet/html/lichte.htm
[14] Salomé @de.wikipedia.org: http://de.wikipedia.org/wiki/Salomé_(Künstler)
[15] Geile Tiere @ndw-wiki.org:http://www.ndw-wiki.org/index.php?title=Geile_Tiere
[16] Geile Tiere Berlin 1980 @discogs.com: http://www.discogs.com/Geile-Tiere-Berlin-Untitled/release/872400 Recorded & mixed
at Havelland-Studio, June 1980
[17] Geile Tiere 1981 @discogs.com: http://www.discogs.com/Geile-Tiere-Geile-Tiere/release/383196 Mixed and recorded at Aquarius
Studios / Genf in July 1981
[18] http://de.wikipedia.org/wiki/Origenes
[19] http://de.wikipedia.org/wiki/Häresie
[20] http://de.wikipedia.org/wiki/Origenes#Wirkung_und_die_origenistischen_Streitigkeiten
[21] Epheser 5,12: "Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich."
[22] Ein Zirkelschluss, auch Zirkelbeweis, circulus vitiosus (lat. fehlerhafter Kreis) oder hysteron proteron (altgriech. das Spätere vor
dem Früheren), ist der Versuch, eine Aussage durch Deduktion zu beweisen, indem die Aussage selbst als Voraussetzung verwendet
wird. Damit wird also eine These aus Argumenten abgeleitet und diese Argumente werden ihrerseits aus der selben These
geschlussfolgert. Dies stellt eine Verletzung des Satzes vom zureichenden Grunde dar. Der Selbstbezug kann auch über mehrere Stufen
geschehen, sodass der Zirkelschluss einem unvorsichtigen Betrachter, oder gar dem Urheber selbst, verborgen bleibt. Zirkelschlüsse
sind in der philosophischen Logik keine legitime Form des logischen Schließens, es handelt sich um einen logischen Fehler. Sie werden
aber dennoch gerne verwendet, um wissenschaftlich nicht haltbare angebliche Tatsachen, aber auch Glaubenselemente zu "beweisen"
und so Anhänger für eine Idee bzw. Ideologie zu gewinnen. Um die Legitimität des Schlusses zu untermauern, wird der Zirkelschluss
oft ergänzt durch die Widerlegung eines angeblichen oder stark verfälschten unhaltbaren Arguments der Gegenseite. Die Deduktion
(von lat. deducere = herabführen) oder deduktive Methode ist in der Philosophie und der Logik eine Schlussfolgerungsweise vom
Allgemeinen auf das Besondere. Genauer gesagt werden mithilfe der Deduktion spezielle Einzelerkenntnisse aus allgemeinen Theorien
gewonnen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Zirkelschluß
[23] Hier im Sinne des modernen formalen Axiombegriffs nach Hilbert ein zu Grunde gelegter, nicht abgeleiteter Ausgangssatz Die
Evidenz oder der ontologische Status eines Axioms spielt keine Rolle und bleibt einer gesondert zu betrachtenden Interpretation
überlassen. Ein Axiom ist dann eine grundlegende Aussage, die Bestandteil eines formalisierten Systems von Sätzen ist, ohne Beweis
angenommen wird und aus der zusammen mit anderen Axiomen alle Sätze (Theoreme) des Systems logisch abgeleitet werden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Axiom
[24] http://www.magickal-observer.de/tmo_0107.html
[25] http://www.gabriele-pauli.de/
[26] Peter-Robert König: "In Nomine Demiurgi Homunculi"; A.R.W.; München 2010.
[27] Peter-Robert König war der erste der gefühlten halben Million Mailzusender (Spam nicht eingerechnet), von denen ich im Verlauf
meiner mittlerweile vierzehn Jahre währenden Netzaktivität Post erhielt, der es fertigbrachte, eine private Mail neben dem eigentlichen
Empfänger zusätzlich an exakt 227 Adressen gleichzeitig zu verschicken. (Auffällig war die überproportionale Präsenz von Adressen, die
der Communitas Saturni zuzurechnen sind.) Respekt! Das muß man erst einmal hinbekommen. Peter-Robert König bekam das hin,
indem er offensichtlich gleich zwei seiner selbst generierten Mailinglisten ins Adressfeld steckte. Tja, das kommt davon, wenn man mit
einer steinalten Mailsoftware herumhantiert (Eudora 6.1.2 vom Juni 2004 aus der Zeit, als Qualcomm das Produkt erfolgreich
ruinierte) So kam auch ich zu dem zweifelhaften Vergnügen lesen zu dürfen, wie Peter-Robert König mit Marcelo A.C. Santos unter
dem Betreff "from zuerich with glove" in der typisch Königschen Diktion allerhand Kram in Sachen F.R.A. ventilierte, was Peter-Robert
König dann in Erwartung auf auch fürderhin fruchtbare Kooperation so ausklingen ließ: "looking very much forward to your writing
the history of the current FRA (together with marcos pereira) and in a month or so you will receive the first part of the russian thingy
Das Peter-Robert-König-Phänomen Reloaded!
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to 'proofread'". Immerhin weiß ich jetzt, dass sich Peter-Robert König bei seinen langjährigen Zuträgern schon mal als "petrowsky"
empfiehlt. Marcelo A.C. Santos, einer dieser "thelemischen" Dampfplauderer, korrespondiert schon einige Jahre mit Peter-Robert
König. http://parareligion.ch/dplanet/collect/ok4.htm
[28] Unter Extrapolation wird die Berechnung und/oder Abschätzung eines meist mathematischen Verhaltens über den gesicherten
Bereich hinaus verstanden. Eine Extrapolation ist also das Errechnen von Werten, die außerhalb bekannter Funktionswerte liegen zur
Ermittlung unbekannter Außenwerte. Eine Extrapolation entspricht somit einer Hochrechnung - aus erhobenen Daten werden
Rückschlüsse auf eine Entwicklung gezogen und die dabei gezogenen Schlüsse sind nicht vollständig abgesichert. Ein Beispiel für eine
Extrapolation ist die Hochrechnung von Wahlergebnissen, hier wird von einem kleinen Teilergebnis, nämlich den bisher ausgezählten
Stimmen, auf das vollständige Endergebnis der Wahl geschlossen. Bei Extrapolationen wird zumeist auf umfassende Erfahrungswerte
der Vergangenheit zurückgegriffen. Daneben steht Extrapolation auch für solche Prognosen, die Aussagen über Zukunftswerte mit
Hilfe einer Reihe von Vergangenheitswerten zu gewinnen versuchen. Der Begriff der Extrapolation findet auch in der Literatur
Anwendung. Die "Science Fiction and Fantasy Writers of America" (http://www.sfwa.org/) definiert Extrapolation in der Science
Fiction als "Fortspinnen" von wissenschaftlichem Faktenwissen, so dass eine Handlung um eine absehbare technische, soziale oder
sonstige Entwicklung gebaut werden kann.
[29] Der Begriff bzw. die Methode der Spekulation hat in der Philosophie eine ehrwürdige Tradition. So schreiben Kirchner und
Michaelis folgendes dazu: "Spekulation (lat. speculatio), eigentlich Betrachtung oder Anschauung, bezeichnet die Erforschung eines
die gemeine Erfahrung übersteigenden Erkenntnisinhaltes. Je nach ihrem Standpunkte verstehen die Philosophen unter
spekulativem Wissen und spekulativer Methode etwas anderes. Die Neuplatoniker und Schelling (1775-1831) denken sich darunter
ein von dem reflektierenden Denken unabhängiges geistiges Schauen überirdischer Dinge. Hegel (1770-1854) dagegen nennt
spekulativ oder positiv vernünftig das Denken, welches durch die dialektische Methode alle Widersprüche in immer höhere Einheiten
aufhebt." (Friedrich Kirchner, Carl Michaëlis: "Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe", Berlin 1886). Eisler hält zur
Spekulation dieses fest: "Speculation (speculatio, theôria): Betrachtung, Anschauung, geistiges, denkendes Schauen, schauendes
Denken, sei es das mystische, phantasiemäßige Betrachten des anscheinend in der Innenwelt sich manifestierenden Übersinnlichen,
oder sei es die philosophische (durch 'Geistesblick') die Wesenheiten der Dinge concipierende und begrifflich construierende, zugleich
mit logischer Phantasie die Erfahrungsinhalte zur Einheit eines Gedankensystems verknüpfende Geistestätigkeit. Alles Denken,
welches aus ihren Principien die Tatsachen der Welt und des Geistes zu begreifen, abzuleiten sucht, welches Einheit und
Zusammenhang in den Complex der Dinge bringen will, ist speculativ. Im engeren Sinne ist die metaphysische Speculation das
Forschen nach dem Überempirischen." (Rudolf Eisler: "Wörterbuch der philosophischen Begriffe", Wien 1903).
Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Spekulation_(Philosophie)
[30] Der gesamte, in diesem Kontext interessante Absatz lautet:
"Das Buch behandelt die philosophischen Probleme und zeigt – wie ich glaube – dass die Fragestellung dieser Probleme auf dem
Missverständnis der Logik unserer Sprache beruht. Man könnte den ganzen Sinn des Buches etwa in die Worte fassen: Was sich
überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen. Das Buch will also
dem Denken eine Grenze ziehen, oder vielmehr – nicht dem Denken, sondern dem Ausdruck der Gedanken: Denn um dem Denken
eine Grenze zu ziehen, müssten wir beide Seiten dieser Grenze denken können (wir müssten als denken können, was sich nicht denken
lässt). Die Grenze wird also nur in der Sprache gezogen werden können und was jenseits der Grenze liegt, wird einfach Unsinn sein."
http://de.wikipedia.org/wiki/Tractatus_Logico-Philosophicus
http://tractatus.hochholzer.info/
http://tractatus-online.appspot.com/
[31] http://www.agape-thelema.de/dokumente/netzwerk_occulta.pdf [aktiver Link]
[32] http://www.mentopia.net/essays/111-die-raf-ausstellung-im-kunst-werke-berlin-ev
[33] http://web.archive.org/web/20040131023601/http://f19.parsimony.net/forum34274/messages/20005.htm
Interessant ist die Erwiderung des Herrn Agrippa, die beschreibt, wann und wie Peter-Robert König und er sich seiner Sicht der Dinge
zufolge tatsächlich kennenlernten - in gemeinsamer Mission zwecks - nun ja - Aufklärung von "60 Pfarrern, Lehrer, Therapeuten
usw.": http://web.archive.org/web/20040131013137/f19.parsimony.net/forum34274/messages/20032.htm
[34] http://www.lavafilm.com/de/p_magic_things.html
[35] http://www.crew-united.com/index.asp?show=projectdata&ID=24660
[36] siehe Teil 8: Homunculis Kronzeuge
[37] http://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/103_4_Scheler.pdf (auf Textseite 138, PDF-Seite 17)
[38] http://www.reference-global.com/doi/abs/10.1515/juru.1954.1954.2.78 (rechts unten)
[39] http://www.yadvashem.org/
http://www1.yadvashem.org/righteous_new/statistics_main.html
[40] http://www.agape-thelema.de/dokumente/adalbert-maikowski-widerstand.jpg [aktiver Link]
[41] http://parareligion.ch/2010/homunc/homunc.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Gefängnis_Rummelsburg
[42] http://www.verfassungen.de/de/ddr/strafrechtsergaenzungsgesetz57.htm
http://www.verfassungen.de/de/ddr/passgesetz54.htm
http://www.verfassungen.de/de/ddr/strafgesetzbuch74.htm
[43] Herr Maikowski schrieb dazu: "Gregorius hat mir jedenfalls 1962 nichts davon gesagt. Von dieser Weida-Konferenz hat mir
Gregorius nie etwas gesagt. ich wusste davon nichts." [E-Mail vom 03.03.2010]
[44] Herr Maikowski schrieb dazu: "Das Datum ist mir unbekannt; denn der Meister Manfred teilte es mir persönlich mit, dass ich
auf Lebenszeit nach dem alten Gesetz der FS gewählt sei. Ich habe ihn nach dem genauen Datum nicht gefragt. Damals war ich
gerade im Firmenwechsel, und hatte keine sichere Stellung. Erst im April 1965 kam mich Manfred in Nürnberg besuchen, nachdem
ich gerade die Prüfung bei Sandoz-AG bestanden hatte, und eine feste Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Sandoz
hatte." [E-Mail vom 08.03.2010]
[45] Herr Maikowski teilte dazu mit: "Was den GM-Titel angeht, so wurde ich von 7 Meistern nach dem Alten Gesetz der FS im März
1964 zum GM gewählt. Und das Alte Gesetz, das für mich allein gültig ist, und zwar für immer, wie wir es 1961 beschlossen hatten,
das noch unsere Unterschriften und die Unterschrift von Gregorius trägt, soll für solchen Leuten wie Hamupe und Giovanni aus
eigener Vollmacht abgeändert worden sein. Das wurde mir schon nach meiner an sich unnützen Wahl von 1983 klar gemacht.
Gesetz? Haben wir längst geändert. Was sollte ich anerkennen, oder nicht anerkennen, wo solche Vorstellungen herrschen?" [E-Mail
vom 04.03.2010]
[46] http://www.oto.de/documents/pflicht.htm
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[47] http://www.thelema.nu/
http://www.thelemacoasttocoast.com/
http://www.myspace.com/jlcrow
[48] http://www.phaenomen-verlag.de
Meine Aussagen gelten nur für die Zeit bis Ende 2003, also jenen Zeitraum, auf den König sich in seiner Statistik bezieht. Dem
Vernehmen nach hat Frau Peyn heute eine sehr viel differenziertere Sicht der Dinge auf die seinerzeitigen Ereignisse und ihre ganz
persönliche Rolle darin. Der Verlag selbst scheint sich unter neuer Leitung von den damaligen Turbulenzen einigermaßen erholt zu
haben und hat mit Ken Wilber, Robert Anton Wilson und John C. Lilly Autoren im Programm, die ich schätze. Ob er auch
wirtschaftlich reüssiert, vermag ich nicht einzuschätzen.
[49] http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Ulrich_Wehler
http://de.wikipedia.org/wiki/Historikerstreit
[50] http://de.wikipedia.org/wiki/Hannah_Arendt
http://de.wikipedia.org/wiki/Elemente_und_Ursprünge_totaler_Herrschaft
[51] http://parareligion.ch/2006/pro/peng.htm
[52] http://parareligion.ch/sunrise/pasi/politik.htm
[53] http://www.se-i-ydlitz.de/ernst.php
http://de.wikipedia.org/wiki/Herrnhuter_Brüdergemeine
http://www.ebu.de/
http://www.bautz.de/bbkl/k/Kottwitz.shtml
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Anhang: Dokumente
Dokument 1 - Brief von Cara-Lastal an Jantschik
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Dokument 2 - Antwort von Jantschik an Cara-Lashral
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Dokument 3 - Die Großmeisterwahl 1964 und Amtsniederlegung 1969
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Dokument 4 - Amtsniederlegung 2000
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Dokument 5 - Gesetzesänderung Konzilium 27.10.1978
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Dokument 6 - Gesetzesänderung Konzilium 05.04.1980
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