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STADTGEWÄSSER
Flüsse, Bäche, Altarme entdecken
Einleitung
Die Geschichte von Frankfurt am Main ist eng mit seinen Fließgewässern verbunden.
Keramikfunde aus der Jungsteinzeit um 5000 v. Chr. sind erste Zeugnisse für eine
Besiedlung der Main- und Niddaniederungen um Frankfurt. Eine Furt in der Nähe des
Fahrtors an der Alten Brücke gab der Stadt den Namen Francono Furth. Erstmals
schriftlich erwähnt wird dieser Name in einer Urkunde, die Karl der Große im Jahr 794
unterzeichnete. Seit Frankfurt 1866 preußisch wurde, ergänzt der grosse Fluss offiziell
den Namen der Stadt „Frankfurt am Main“.
Nicht nur der Main und die Nidda prägen das Stadtbild. Eine Vielzahl von kleineren
Fließgewässern geben insbesondere den Stadtteilen einen besonderen Charakter. Zwar
können in der vorliegenden Broschüre nicht alle Gewässer beschrieben werden, aber
die Vielfalt der ausgewählten Flüsse, Bäche und Altarme ist erstaunlich.
Manchmal ist die ursprüngliche Lage der Bäche so verändert, dass das bestehende
Kartenmaterial nicht immer deren tatsächlichen Verlauf zeigt. Auffällig ist auch, dass
die Namensgebung der Gewässer zahlreiche Eigenheiten aufweist: Mal wechselt der
Name eines Gewässers innerhalb der Stadt (z. B. Riedgraben / Entengraben); mal wird
er mehrfach verwendet (Lachegraben in Eschersheim und Lachegraben in Griesheim).
Aber auch an der Stadtgrenze wechseln einige Gewässer ihren Namen. Manche Bäche
sind nicht nur „von der Landkarte“, sondern auch tatsächlich verschwunden (z.B. Braubach, Rohrbach, Marbach und Elkenbach). Lediglich Straßenbezeichnungen erinnern
noch an deren ehemaligen Verlauf.
Bachpaten – wie Vereine und Privatpersonen – leisten vorbildliche Dienste bei der
Pflege einzelner Gewässer. Die fachgerechte Gewässerunterhaltung einschließlich des
naturnahen Umbaus der Bäche und Altarme ist eine Aufgabe der Stadtentwässerung
Frankfurt am Main, der auch für die aktive und umfassende Mitarbeit an dieser
Broschüre besonderer Dank gebührt. Vielfältige Aufgaben im Rahmen des Gewässerschutzes werden vom Umweltamt der Stadt Frankfurt am Main wahrgenommen.
Exemplarisch zu nennen sind die Wasserschau an Fließgewässern, der Schutz der
Gewässerqualität sowie Maßnahmen zur Abwehr von Gefahren für das Gewässer. Viele
Erfahrungen und Daten, die wir hierbei gesammelt haben, wollen wir Ihnen mit dieser
Broschüre vorstellen. Um die Stadtgewässer zu erhalten und ihre Qualität zu sichern
und zu fördern, bedürfen sie Ihrer besonderen Aufmerksamkeit.
Was Sie an Flüssen, Bächen und Altarmen Besonderes erwartet, ist für die einzelnen
Gewässer beschrieben. Zusätzlich werden Freizeittipps gegeben und Ausflugsziele genannt. Die beigefügte Karte soll Ihnen einen Überblick zur Lage der Gewässer im Stadtgebiet geben und Sie bei Ihren Entdeckungsreisen in Frankfurt am Main begleiten.
Main bei Höchst
Gewässerübersicht
Zeichenerklärung und Abkürzungen
Lage im GrünGürtel Frankfurt am Main
Nächster Parkplatz
C
U-Bahn
B
S-Bahn
E
Straßenbahn
Q
Bus
Behindertengeeigneter Parkplatz für Selbstfahrerinnen
und Selbstfahrer
Bedingt behindertengeeigneter Parkplatz für Selbstfahrerinnen und Selbstfahrer: Beim Ein- und Aussteigen
oder wegen fehlender Bordsteinabsenkung ist mit
Gefährdungen zu rechnen
Behindertenfreundlicher Zugang (ebenerdig, höchstens
eine Stufe): Wege sind auch für Rollstuhlfahrerinnen
und Rollstuhlfahrer ohne Begleitung geeignet
Behindertengerechter Zugang (mehrere Stufen): Wege
sind für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer mit
Begleitung geeignet
Wege zum oder am Gewässer sind für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer nicht geeignet
WC
Behindertentoilette
m ü NN Meter über Normalnull
Freizeittipp
3
Inhalt
Seite
Seite
Gewässergüte – was bedeutet das? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Historie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
Bonames . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
Praunheim, Hausen und Rödelheim . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
Griesheim, Sossenheim und Nied . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
Umweltschutz
Gewässerkunde
Wo lebt was am und im Gewässer? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Definitionen
Technische Bauwerke an Frankfurts Fließgewässern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Main
Der Fluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
Altarme Nidda I - III
FREIZEITTIPP
8 Vogelkundliche Wanderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
Nördliche Niddazuflüsse
Erlenbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
Eschbach und Mühlgraben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
FREIZEITTIPP
1 Gerbermühle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
2 Licht- und Luftbad Niederrad . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
3 Staustufe Griesheim . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
4 Mainfähre Höchst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Östliche Mainzuflüsse
Riedgraben und Entengraben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
Enkheimer Mühlbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
Seckbacher Mühlbach / Draisborngraben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
Südöstliche Mainzuflüsse
Goldbach und die Gräben im Oberräder Feld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
Königsbach / Luderbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
FREIZEITTIPP
9 Rund um den Mühlgraben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
Nördliche Niddazuflüsse
Brunnengraben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
Kalbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
Oberwiesengraben mit Lachegraben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
Rohrborngraben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
Urselbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
FREIZEITTIPP
10 Mühlenwanderung von der Untermühle nach Oberursel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
Südliche Niddazuflüsse
Südwestliche Mainzuflüsse
Schwarzbach. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
Lachegraben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
Kelster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
Steinbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
Wooggraben und Ochsengraben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
Westerbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
Dottenfeldgraben / Laufgraben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
Sulzbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
FREIZEITTIPP
5 Lehrpfade um die Schwanheimer Wiesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
Rheinzufluss
Hengstbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
Westliche Mainzuflüsse
Liederbach. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
Lachgraben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
Welschgraben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
Nidda
Der Fluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
FREIZEITTIPP
6 Petrihaus und Brentanopark . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
7 Floßfahren auf der Nidda . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
Nidda
38 Wege über die Nidda . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
4
Nidder-/Niddazuflüsse
Feldbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
Eselsborngraben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
Angeln und Fischen in Frankfurt
Aus dem Fluss auf den Tisch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
Hochwasser
Ursachen, Gefahren und Konsequenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92
Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
Impressum. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
Karte im Maßstab 1:30.000. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage
5
Altarm der Nidda
Umweltschutz
Gewässergüte – was bedeutet das?
Fragen wie „kann man im Main baden?“
oder „wie gut geht es dem Bach in unserem Stadtteil?“ werden oft gestellt. So
verständlich diese Fragen sind, so
schwierig ist es, eine allgemein gültige
Antwort zu finden. Zahlreiche Verfahren
wurden im Laufe der letzten Jahrzehnte
entwickelt, die eine Bewertung der
Gewässer unter verschiedenen Fragestellungen ermöglichen sollen. Hierbei
kann die Ermittlung der Lebewesen im
Gewässer Auskunft über die biologische
Gewässergüte geben. Chemische und
physikalische Untersuchungen führen zu
einer Einstufung der Belastungssituation. Daneben geben Kartierungen
der Struktur, z.B. die Gestaltung des
Gewässerbettes und des Ufers, einen
Hinweis auf den Zustand des Gewässers.
Insbesondere bei einer Wassernutzung
sind auch hygienische Anforderungen zu
beachten. All diese Untersuchungen dienen zur Einschätzung der Selbstreinigungskräfte eines Gewässers, zur Gewässerüberwachung und als Qualitätskontrolle. Sie bilden die Grundlage für
die Umsetzung von Schutz- und
Pflegemaßnahmen am Gewässer.
Biologische Gewässergüte
Die biologische Gewässergüte kann mit
Hilfe des sogenannten Saprobiensystems
bewertet werden. Hierbei werden Untersuchungen hinsichtlich der Vorkommen
der im Gewässer lebenden Tierarten
durchgeführt, da diese gegen organische
Verunreinigungen unterschiedlich widerstandsfähig sind und eine typische Wasserqualität beanspruchen. Je nach
Empfindlichkeit oder Toleranz werden
Wassertiere als sogenannte Leitorganismen bestimmt.
Diese biologischen Gewässeruntersuchungen können Verunreinigungen anzeigen, die möglicherweise schon Stunden, Tage oder sogar Monate zurückliegen.
Physikalische und chemische
Qualitätsuntersuchungen
Die Qualität der Fließgewässer lässt sich
auch durch physikalische Eigenschaften,
wie zum Beispiel den pH-Wert und die
Temperatur oder durch chemische
Inhaltsstoffe bestimmen. Zur Bewertung
der chemisch-physikalischen Wasserqualität wurde der Chemische Index entwickelt, der anhand ausgesuchter
Parameter ermittelt wird. Die untersuchten Parameter richten sich nach der
Nutzung des Wassers bzw. den eingeleiteten Stoffen.
Gewässerverunreinigung
Gewässerhygiene
Die Untersuchung der hygienischen
Gewässerqualität ist von der Gewässernutzung abhängig. Besonders bei der
Nutzung als Trinkwasser und als Badegewässer sowie zur Bewässerung von
Gemüse- und Salatfeldern sind bakteriologisch-hygienische Untersuchungen
notwendig und werden regelmäßig vorgenommen. Im Mittelpunkt stehen
gesundheitsschädliche Wirkungen, die
von einer Reihe von Organismen ausgehen können. An erster Stelle sind hierbei
im Darm lebende Bakterien und Parasiten zu nennen, die durch tierische und
menschliche Ausscheidungen in die
Gewässer gelangen können.
Künstliche Uferbefestigung
8
Umweltschutz
Gewässerkunde
Wo lebt was am und im Gewässer?
Strukturgüte
Ein intaktes Fließgewässer ist mehr als
ein Gerinne mit sauberem Wasser. Häufig
macht es der Aus- oder Umbau eines
Gewässers den Tieren und Pflanzen trotz
guter Wasserqualität unmöglich, sich
dort (wieder) anzusiedeln oder zu leben.
Viele Tiere und Pflanzen benötigen neben
einer bestimmten Wasserqualität spezielle Gewässerstrukturen. Einige Fischarten können auf kiesigem Gewässergrund, andere nur an Wasserpflanzen
laichen. Manche Insektenlarven benötigen Stillwasserzonen zur Entwicklung,
während andere starke Strömungen verlangen. Diese mosaikartige Strukturvielfalt ist in naturbelassenen Fließgewässern gegeben. Durch Begradigung,
Betonierung des Bachbettes, Ausbaggern, Aufstauen und vieles mehr
wurde und wird teilweise immer noch
den Gewässern die naturnahe Strukturvielfalt und somit auch der Lebensraum
für viele Wasserorganismen genommen.
Für die Gewässerstrukturgüte wurde ein
Bewertungsschema entwickelt, mit dem
z.B. die Ausbildung der Sohle, des Ufers
und das Gewässerumfeld in 100 m- Abschnitten erhoben und bewertet werden.
Gewässeruntersuchungen in Frankfurt
am Main
In Frankfurt am Main wird die physikalisch-chemische Qualität von Nidda und
Main jeweils an einem Messpunkt im
Ortsteil Nied in der Nähe der Wörthspitze von der Hessischen Landesanstalt
für Umwelt und Geologie (HLUG) untersucht. Hierbei werden einige physikalische Parameter kontinuierlich gemessen.
In mehrjährigen Abständen (z.B. 1994
und 1999/2000) bestimmt die HLUG in
10
Main und Nidda die biologische Gewässergüte. Auf Frankfurter Stadtgebiet
wurden beide Flüsse 1975 noch als „kritisch belastet“ bewertet. Heute sind sie
„mäßig belastet“ und haben damit eine
höhere Gewässergüte erreicht. Die
Ergebnisse können im Internet
(http://www.hlug.de/ medien/wasser)
eingesehen werden. Die Gewässerstrukturgüte wurde in 1996/97 durch
das Land Hessen an nahezu allen Fließgewässern kartiert und im Internet
(http://www.mulf.hessen.de/umwelt/
wasser) veröffentlicht. Die hygienische
Überwachung der Gewässer in Frankfurt
am Main wurde von dem Stadtgesundheitsamt in mehrmonatlichen Abständen
vorgenommen und die Ergebnisse in
Berichten veröffentlicht.
Ausblick
Die beschriebenen Verfahren sind nicht
direkt miteinander vergleichbar. Zusammen betrachtet ergeben sie wichtige
Hinweise auf die Qualität eines Gewässers und gezielte Maßnahmen zu deren
Verbesserung. Die Europäische Kommission beabsichtigt mit der Umsetzung der
Europäischen Wasserrahmenrichtlinie
die Methoden europaweit zu vereinheitlichen und als Standard zur Sicherung
bzw. Erreichung eines zumindest guten
ökologischen Zustandes aller Gewässer
umzusetzen. Damit soll auch eine länder- und grenzübergreifende Betrachtung der Flussgebiete ermöglicht werden. Es bleibt zu hoffen, dass die damit
angestrebte stetige Verbesserung der
Gewässergüte z.B. das unbeschwerte
Baden in den Flüssen wieder zulässt.
Bachforelle
Fließgewässer prägen die Landschaft und
sie werden von der Landschaft geprägt.
Ebenso unterschiedlich wie das Erscheinungsbild des Gewässers sind auch die
Lebensbedingungen für die im, auf und
am Gewässer lebende Pflanzen- und
Tierwelt. Vereinfacht lassen sich bei
Fließgewässern fünf verschiedene Abschnitte beschreiben, in denen typische
Lebensbedingungen herrschen und charakteristische Lebensgemeinschaften
vorkommen.
Der Quellbereich
Viele Fließgewässer entspringen im
Hoch- oder Mittelgebirge. Das aus dem
Boden oder Felsspalten tretende Wasser
ist kalt, klar und sauerstoffreich. Es ist
aber andererseits nährstoffarm, so dass
dort nur wenige Tierarten vorkommen.
Diese müssen zudem durch eine besonders angepasste Körperform wie
Abflachung oder die Ausbildung von
Haftorganen der oft reißenden Strömung
widerstehen können. Im Quellbereich
11
Gewässerkunde
finden sich z. B. Eintagsfliegenlarven,
Strudelwürmer, große Steinfliegenlarven
oder die Larve der Lidmücke, die Saugnäpfe entwickelt hat. Aufgrund der
wenigen Nährstoffe können in diesem
Gewässerabschnitt nur wenige Wasserpflanzen überleben. Auf Frankfurter
Stadtgebiet sind weder Berg- noch
Mittelgebirgsregionen anzutreffen. Dennoch gibt es auch in Frankfurt zahlreiche
Quellen und Quellbereiche – wie z. B. am
Berger Hang –, die zum Teil typische
Tier- und Pflanzenarten beherbergen.
Der Oberlauf
Im weiteren Bachverlauf nehmen Gefälle
und Strömung ab; das Bachbett besteht
aus Kies und groben Sanden. Immer noch
ist das Wasser klar und kalt. Wegen der
guten Wasserqualität und Sauerstoffversorgung wird dieser Gewässerbereich von Forellen und Äschen
bevorzugt und auch als Forellenregion
bezeichnet. Auch hier werden viele „strömungsliebende“ Organismen wie Strudelwürmer oder Larven von Eintags-,
Stein- und Köcherfliegen angetroffen.
Steine im Bach sind von einem dunkelgrünen Belag aus Moosen und Algen
überzogen. Die Ufer sind gesäumt von
Weiden, Erlen und Eschen, die oft bis
zum Unterlauf anzutreffen sind.
Für einige Taunusbäche, die in die Nidda
münden, lässt sich außerhalb des
Frankfurter Stadtgebiets die typische
Ausprägung eines Gewässeroberlaufs
feststellen.
Der Mittellauf
Im Bereich des Mittellaufs weist das
Gelände eine geringere Neigung auf.
Durch die geringere Fließgeschwindigkeit hat das Wasser nicht mehr die ero-
12
sive Kraft, d. h., es schiebt nicht mehr so
viel Geröll und Sand talwärts, wie dies in
steileren Lagen der Fall ist. Im Gewässer
bilden sich Schleifen und Nebenarme
durch schnell und langsam fließende
Abschnitte. Das Wasser kann sich durch
die geringere Fließgeschwindigkeit auch
stärker erwärmen als im Oberlauf, und
der Nährstoffgehalt ist durch Einträge
aus den größer werdenden Einzugsgebieten höher. Leitfisch ist hier die
Barbe.
In Stillwasserbereichen wird Falllaub
von Wasserorganismen verwertet; dort
kommen Bachflohkrebse, Schnecken,
schwimmende und kriechende Eintagsfliegenlarven, Stein- und Köcherfliegenlarven vor. Strömungsberuhigte Nebenarme sind Lebensraum für Libellen und
viele Amphibien. Steine können stark mit
einem Algenteppich, dem so genannten
Aufwuchs überzogen sein, der Lebensraum für eine Vielzahl von mikroskopisch
kleinen Lebewesen bietet.
Bei den naturnahen Bächen auf Frankfurter Stadtgebiet sind typische Merkmale eines Mittellaufs zu beobachten.
Der Unterlauf
Hier wird das Gefälle noch geringer, so
dass das Gewässer an Breite gewinnt. Die
noch mitgeführte Sand- und Schlammfracht wird in Bereichen mit geringerer
Fließgeschwindigkeit abgesetzt. Leitfisch
ist hier die Brachse, die trübes Wasser
und schlammigen Grund bevorzugt.
Das Wasser erwärmt sich im Sommer oft
über 20°C und weist dadurch dann niedrige Sauerstoffgehalte auf. Im Uferbereich können grabende Eintagsfliegen
siedeln; hinzu kommen Organismen, die
tolerant gegenüber einem geringeren
Sauerstoffgehalt im Wasser sind, wie
Köcherfliegenlarve
Egel, Schlammröhrenwürmer und Zuckmückenlarven. Im naturnahen Zustand
finden sich auch im Unterlauf Auwälder
mit ihrer typischen Vegetation, die z.B.
im Bereich des Niedwaldes als Relikt
noch vorhanden ist. Im Frankfurter
Stadtgebiet sind vor allem der Main und
die Nidda in ihrem Unterlauf zu betrachten.
Die Mündung
Nidda und Main nehmen die Zuflüsse der
Frankfurter Bäche und Gräben auf.
Ausgeprägte Mündungsbereiche mit
einem ausgebildeten Flussdelta sind hier
jedoch nicht mehr zu finden. Der
Mündungsbereich der Nidda bei Höchst
und Nied wird bei Hochwasser besonders
vom Main beeinflusst, der die Nidda
zurückstaut.
Eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten
Neben der natürlichen Ausbreitung von
Tieren und Pflanzen, die mitunter viele
tausend Jahre dauerte, sind es vom
Menschen bewusst eingebürgerte oder
unbeabsichtigt eingeschleppte Tier- und
Pflanzenarten (Neobiota), die oft Anlass
zur Besorgnis geben. Diese „neuen Arten“
kommen oft aus weit entfernten
Regionen und verdrängen heimische
Tiere und Pflanzen, wenn sie Konkurrenzvorteile haben oder einfach ihre
natürlichen Feinde im Herkunftsland
zurückgeblieben sind. An den Ufern vieler Bäche machen sich eingeschleppte
Pflanzenarten (Neophyten) wie Indisches
Springkraut, Staudenknöterich oder die
Herkulesstaude breit und verdrängen die
heimische Ufervegetation. Auch in den
Fließgewässern selbst verdrängen zum
Teil über das europaweite Kanalsystem
(Rhein-Main-Donau-Kanal) eingewanderte Tiere, wie zum Beispiel die Zährte
oder der Weißflossengründling, sowie
durch den Menschen ausgesetzte oder
eingeschleppte Tierarten die heimische
Fauna. Neozoen in Fließgewässern sind
beispielsweise der Ochsenfrosch, die
Rotwangenschildkröte, Sonnenbarscharten oder der Tigerflohkrebs, um nur
einige zu nennen.
13
Definitionen
Technische Bauwerke an Frankfurts
Fließgewässern
Fließende Gewässer waren schon immer für die Ansiedlung der Menschen von zentraler Bedeutung. Der Mensch hat sie sich durch eine Vielfalt technischer Bauwerke nutzbar gemacht und ihr natürliches Erscheinungsbild dadurch oft grundlegend verändert.
Einige auch für die Frankfurter Gewässer relevanten wasserbaulichen Einrichtungen
werden im Folgenden vorgestellt:
Gewässerausbau
Wehre und Staustufen
Wehre sind Absperrbauwerke innerhalb
eines Flusslaufs und stauen Gewässer
auf. Es entsteht ein Niveauunterschied
zwischen Oberwasser (oberhalb des
Wehres) und Unterwasser (unterhalb des
Wehres), der für verschiedene Zwecke
genutzt werden kann: z.B. zur Versorgung oberhalb des Wehres abzweigender
Kanäle für Bewässerungen, zur
14
Schiffbarmachung oder zur Energiegewinnung durch Mühlen oder Kraftwerke. Die Nidda im Frankfurter Stadtgebiet verfügt über 6 Wehre in Eschersheim, Praunheim, Hausen, Rödelheim,
Sossenheim und Höchst. Im Main bilden
Wehre in Kombination mit den
Schleusen die Staustufen Offenbach und
Griesheim (siehe Freizeittipp 3).
Deiche
Deiche sind künstlich errichtete Erddämme längs eines Gewässers. Sie riegeln Teile des natürlichen Überschwemmungsgebietes von der anschließenden
Bebauung ab und schützen somit das
Hinterland vor Hochwasser. Deiche werden bei Normalwasser in der Regel nicht
vom Gewässer benetzt, sondern nur bei
Hochwasser. Man unterscheidet höhere
Winterdeiche und flachere Sommerdeiche. Auch Frankfurt verfügt im Bereich der Kläranlage Sindlingen über
einen Winterdeich am Main und über
weitere Deiche an Kalbach, Sulzbach und
Nidda.
.
Fischtreppen
Wehre und Staustufen versperren Wanderfischen, die zur Fortpflanzung stromaufwärts zu ihren angestammten Laich-
gebieten im Gewässeroberlauf zurückkehren müssen, den Weg. Eine
Lösungsmöglichkeit besteht im Bau von
Fischtreppen. Bislang sind diese jedoch
nur darauf getestet worden, ob die Fische
körperlich in der Lage sind, die Stufen zu
überspringen. Jüngste Studien in Frankfurt und Würzburg ergaben, dass
Fischtreppen meist an Stellen angebracht
wurden, wo sie kaum ein Fisch findet. Die
meisten Fische sind nämlich dort unterwegs, wo die Strömung am stärksten ist,
und zwar vor den Schleuseneingängen
oder den Turbinen der Wasserkraftwerke.
Sie können dann von den Turbinen angesaugt und durch die Schaufeln regelrecht
in Stücke gerissen werden. Funktionierende Treppen, die die Fische problemlos
finden und überspringen können, sind
bislang noch selten.
15
Definitionen
Binnenschifffahrt
Wassernutzung
Häfen
Natürliche oder künstliche geschützte
Uferbereiche für die Schifffahrt, die
meist durch ein System von Anlegestellen und Hafenmauern / Molen gebildet werden, nennt man Häfen. Es werden
nach deren Lage Binnenhäfen (Flusshäfen, Kanalhäfen, Binnenseehäfen) und
Seehäfen unterschieden. In Frankfurt am
Main gibt es 6 Flusshäfen: Oberhafen,
Osthafen, Westhafen, Gutleuthafen
sowie die Werkshäfen im Industriepark
Höchst und in Fechenheim.
Wassermühlen
Wassermühlen sind durch Wasser angetriebene Maschinen, mit denen beispielsweise Getreide zu Mehl oder Ölsaaten zu
Öl gemahlen werden. Sie werden durch
Wasserräder angetrieben, die die Bewegungsenergie des Wassers in mechanische Arbeit umwandeln. In Frankfurt gab
es zahlreiche Wassermühlen, von denen
heute überwiegend nur noch die Namen
übrig geblieben sind (siehe Freizeittipps
1 und 10).
Schleusen
Schiffsschleusen, wie an den Staustufen
Offenbach und Griesheim (Freizeittipp 3),
ermöglichen Schiffen Höhenunterschiede
in Wasserstraßen zu überwinden und die
Stauwehre zu umfahren. Sie bestehen
aus einem großen Becken im Fluss, das
auf beiden Seiten mit Toren verschlossen
werden kann. Durch Füllung bzw.
Entleerung des Beckens steigt oder sinkt
der Wasserspiegel, wodurch das Schiff
gehoben oder abgesenkt wird. Hierzu
sind bei Fließgewässern keine Pumpen
nötig, sondern das Wasser fließt beim
Heben aus dem höher gelegenen
Gewässerabschnitt in die Schleusenkammer und beim Senken aus der
Schleusenkammer in den tiefer gelegenen Gewässerabschnitt.
Fähren
Die einzige Fähre in Frankfurt am Main
passiert als Personenfähre im Linienverkehr den Main zwischen Schwanheim
und Höchst (siehe Freizeittipp 4).
Brauchwasser
Je nach gewünschter Brauchwasserqualität für die Nutzung muss das geförderte oder gespeicherte Flusswasser aufbereitet werden. Dabei werden Verfahren
wie Absetzen (Sedimentation) von
Schmutzteilchen, Filtern z. B. durch
natürlich anstehenden Boden (Sand,
Kies) oder Desinfektion durch ultraviolette Strahlung, Ozon oder Chlorung
angewendet. In Frankfurt am Main wird
durch Industrie- und Gewerbebetriebe
Brauchwasser für Kühlzwecke und in der
Produktion verwendet.
Uferfiltrat
Städte und Siedlungsgebiete in Flussnähe gewinnen ihr Trinkwasser vielfach
aus Uferfiltrat. Das heißt, das
Flusswasser wird durch ufernahe Pumpwerke durch Flusssohle und Flussufer
hindurch gefördert. Im Frankfurter
Stadtgebiet wird z.B. an der Staustufe
Griesheim Uferfiltrat zusammen mit
Grundwasser gefördert. Als Filter dient
hier der im Untergrund vorhandene Sand
und Kies. An diese natürliche Filtration
schließen sich, je nach Qualität des
geförderten Filtrates noch weitere
Wasseraufbereitungsschritte an.
Binnenschifffahrt
16
Main
Der Fluss
Lage
Der Main entsteht durch die Vereinigung der beiden Quellzuflüsse, dem Weißen und
dem Roten Main, bei Kulmbach in Bayern. Nach insgesamt 541 km Fließstrecke mündet er bei Mainz-Kastel in den Rhein. Das Frankfurter Stadtgebiet durchquert er von
Fechenheim bis Sindlingen auf einer Gesamtlänge von rund 27 km.
Charakter
und Entwicklung
Bereits während der Steinzeit siedelten Menschen entlang des Mains, zum Beispiel auf
der Halbinsel des Osthafens oder auf dem Domhügel. Um 500 n. Chr. entstanden im
Bereich des Dom- und Karmeliterhügels erste fränkische Siedlungen, weil die Lage aufgrund der hier vorhandenen Furt verkehrsgünstig war. Der Wasserspiegel des Mains
war an dieser Stelle damals so niedrig, dass er bequem zu Fuß durchwatet werden
konnte. Insgesamt gab es auf dem heutigen Stadtgebiet 11 Furten, die eine
Durchquerung des Maines ermöglichten. 794 wird Frankfurt als „Francono Furth“ von
Karl dem Großen erstmals urkundlich erwähnt.
Frankfurt wurde im frühen Mittelalter ein wichtiger Handels- und Umschlagsplatz.
Sein erster Hafen entstand im Bereich des Eisernen Stegs und der St. Leonhard-Kirche.
Der Frankfurter Wein- und Holzmarkt wurde dort ebenso abgehalten wie der
Fruchtmarkt auf dem Römerberg. Zum Transport von Menschen und Gütern wurden
Schiffe und Flöße eingesetzt, die stromaufwärts von Menschen oder Pferden gezogen
werden mussten (Treidelschifffahrt, Leinreiter). Von diesen flussbegleitenden Wegen
zeugt heute noch der Leinpfad zum Beispiel in Fechenheim und in Schwanheim. Die
eingesetzten Schiffe waren an das seichte Mainwasser angepasst und hatten deshalb
nur geringen Tiefgang.
Mit zunehmender Industrialisierung wurde der Main als Wasserstraße ausgebaut und
als Vorfluter für Abwässer „benutzt“. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde als erste
große bauliche Veränderung am Nordufer der sogenannte „Main-Quai“ gebaut, eine
Ufermauer im Bereich der Innenstadt, die zum Anlegen der Schiff diente. Die Fahrrinne
des Mains wurde ab 1846 durch Einengung der Flussbreite vertieft. Dadurch wird eine
höhere Fließgeschwindigkeit in der Flussmitte erzielt. Im Zuge dieser Vertiefung wurde
der im Main gelegene „Kaiserlay-Felsen“ im Bereich der heutigen Kaiserlei-Brücke
gesprengt. Auch die ehemals vorhandenen 11 Furten wurden beseitigt. Mitte des 19.
Jahrhunderts verdrängte die Dampfschifffahrt nach und nach die „veralteten“ Segelund Treidelschiffe.
Im Jahr 1883 wurde nach langen Planungen begonnen, den Main mit Schleusen und
Wehren auszubauen, um die Wassertiefe zu erhöhen. Schon seit dem Mittelalter
existierte die Idee einer durchgängig schiffbaren Verbindung zwischen Rhein, Main
und Donau, die aber erst im Jahr 1992 mit dem Rhein-Main-Donau-Kanal umgesetzt
wurde.
Main
19
Main
Natur und
Erholung
1886 wurde bei Kostheim die erste geregelte Staustrecke zwischen Frankfurt und der
Mainmündung eingerichtet sowie der Westhafen als erster großer Mainhafen eröffnet.
Nach dem Bau von damals 5 Staustufen im Stadtgebiet Frankfurts war der Main auch
bei Niedrigwasser schiffbar. In der 35 m breit und 2,8 m tief ausgebaggerten Fahrrinne
lag damals eine eiserne Kette, die von Mainz bis Aschaffenburg reichte. An dieser Kette
zogen sich Kettenschleppdampfer mit einer Geschwindigkeit von 6 km pro Stunde mainaufwärts. Bis 1930 war der etwa 40 m lange Schleppdampfer in Betrieb. Er wurde „Maakuh“ genannt, weil sein Signalhorn dem Brüllen einer Kuh sehr ähnlich gewesen sein soll.
Durch die Flussregulierung konnten in den 20er- und 30er-Jahren ein Strandbad auf
dem Sachsenhäuser Ufer und, im Bereich des „Nizza" mit dem Mosler'schen Bad, die
größte schwimmende Flussbadeanstalt Deutschlands betrieben werden. Nach dem
Zweiten Weltkrieg war durch das vergrößerte Schiffsaufkommen eine weitere
Vertiefung und Verbreiterung der Fahrrinne nötig, die 1960-1961 vorgenommen
wurde. Nebeneffekt dieser wasserbaulichen Maßnahmen war die Möglichkeit der
Energiegewinnung in Laufwasserkraftwerken (z.B. Staustufe Griesheim, siehe
Freizeittipp 3).
Diese Ausbaumaßnahmen hatten und haben jedoch auch ökologische Nachteile. Der
nachträgliche Einbau funktionierender Fischtreppen an den Stauwehren soll zumindest
den Fischen wieder Gelegenheit geben, zu ihren Laichgebieten zurückzukehren und
damit den gesamten Fluss ungehindert zu besiedeln.
Der Main ist Bundeswasserstraße von Kilometer 0,00 (Mündung in Mainz) bis 387,69
(bei Bamberg) und ein Stück der transkontinentalen Wasserstraßenverbindung zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer über den Rhein-Main-Donau Kanal.
20
Der Main ist in Frankfurt seit jeher ein Ort der Erholung, der schon im „Osterspaziergang“ in Goethes Faust beschrieben wurde. An beiden Mainseiten finden sich unzählige Sehenswürdigkeiten. Vor allem wegen des berühmten und einmaligen Museumsufers und insgesamt 13 Museen auf beiden Mainseiten genießt Frankfurt am Main den
Ruf einer bedeutenden Kulturstadt. Jeden Samstag findet vormittags auf der Sachsenhäuser Seite ein großer Flohmarkt statt und Ende August strömen alljährlich rund 3
Millionen Besucher zum Museumsuferfest. Eine Fähre sowie 19 Brücken und Stege
verbinden innerhalb des Frankfurter Stadtgebiets das linke mit dem rechten Mainufer.
Historisch am bedeutendsten ist die „Alte Brücke“, die Jahrhunderte lang die
Verbindung zwischen Norden und Süden ermöglichte.
Der Main ist nicht nur Bundeswasserstraße, sondern steht jedermann für private
Bootsausflüge zur Verfügung. So kann man sich zum Beispiel am Eisernen Steg Tretund Ruderboote mieten, um eine Bootsfahrt zu unternehmen. Am Eisernen Steg legen
auch die Ausflugsschiffe ab, die vom Frühjahr bis zum Herbst Rundfahrten auf dem
Main und bis zum Rhein anbieten. Darüber hinaus kann der Main mit dem passenden
Bootsführerschein auch mit einem Motorboot befahren werden.
Entlang des Mains kann man dem ausgeschilderten Rad- und Fußweg folgen. Dieser
verbindet linksseitig die Gerbermühle (Freizeittipp 1), das Museumsufer, das Licht- und
Luftbad Niederrad (Freizeittipp 2), die Staustufe Griesheim (Freizeittipp 3) und die
Mainfähre Höchst (Freizeittipp 4).
Der Main bietet aber auch mit seinen Uferbereichen vielfältige Lebensräume für
Pflanzen und Tiere. Von besonderer Bedeutung sind der Fechenheimer Mainbogen, die
Griesheimer Schleuseninsel und das Schwanheimer Unterfeld. Der Fechenheimer
Mainbogen ist das größte zusammenhängende Auengebiet Frankfurts. Die künstliche
Insel der Schleuse Griesheim ist aufgrund der bedeutsamen Brutvorkommen von
Graureihern und Kormoranen als europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Das
Schwanheimer Unterfeld stellt zusammen mit dem Naturschutzgebiet Schwanheimer
Düne eine besondere Landschaftsform dar. Die ornithologische Bedeutung des Mains
wird durch die jährliche Schwimmvogelzählung der Vogelkundlichen Beobachtungsstation Untermain e.V. bestätigt (http://home.t-online.de/home/eidam/).
FREIZEITTIPP
Gerbermühle
Lage
Deutschherrenufer 105
1
Eine lebhafte Vergangenheit besitzt die Gerbermühle, die sich am linken Mainufer im
Ortsteil Oberrad befindet. Die ursprünglich zum heute nicht mehr existierenden Hofgut
’Wasserhof’ gehörende Wassermühle wurde zunächst zum Mahlen von Getreide
genutzt. Im 17. Jahrhundert diente sie dann als Farb- und Schleifmühle. Kunigunde
von Holzhausen verpachtete 1688 die Mühle an einen Gerber aus Lothringen, der hier
bis 1723 seinem Beruf nachging. Nach dem Bau von neuen Nebengebäuden und der
Wiedereinrichtung eines Mühlteiches wurde das Gebäude anschließend wieder als
Getreidemühle in Betrieb gesetzt. Der Name Gerbermühle blieb jedoch erhalten.
Bereits 1755 wurde dort eine Gastwirtschaft betrieben, bis der Bankier Johann Jakob
von Willemer am 1. April 1785 das Anwesen pachtete. Er führte einige bauliche
Veränderungen durch und nutzte die Gebäude als Sommersitz.
Johann Wolfgang Goethe wohnte vom 12. August bis zum 18. September 1815 in der
Gerbermühle. Der Dichter feierte am 28. August hier seinen 66. Geburtstag, „schöner
als er es bisher erlebt hat“ und erlag dem Zauber der lebensfrohen und anmutigen Frau
seines Gastgebers, Marianne von Willemer. Abends sang Marianne zur Gitarre und
Goethe las Liebesgedichte vor. In die Literaturgeschichte ging die Gerbermühle durch
die Romanze zwischen eben diesen beiden und durch die Gedichte des „Westöstlichen
Divan“ ein. Nach dem Tod des Bankiers von Willemer wechselte die Mühle noch oft den
Besitzer und verfiel dabei zunehmend. 1904 änderte sich die Situation. Der neue
Pächter richtete ein Goethezimmer ein, wodurch die Gerbermühle zum beliebten
Ausflugsziel wurde.
Die Gerbermühle wurde im Zweiten Weltkrieg bis auf die Außenmauern zerstört und
Anfang der 50er-Jahre mit geringen Mitteln wieder aufgebaut. Sie war lange Jahre ein
beliebtes Ziel für Sonntagsausflüge.
Neuere Planungen sehen eine geänderte Nutzung der zur Zeit geschlossenen
Gerbermühle vor. Wenn man heute an der Gerbermühle den Blick flussabwärts schweifen lässt, präsentiert sich ein beeindruckendes Panorama der Skyline Frankfurts.
E
Anfahrt
• Straßenbahn 15 und 16, Haltestelle „Buchrainstraße“ oder „Bleiweißstraße“
• Parkmöglichkeiten direkt an der Gerbermühle
Barrierefreier
Zugang
FREIZEITTIPP
22
23
FREIZEITTIPP
Licht- und Luftbad
Niederrad
Lage
Niederräder Ufer 10
2
Das im Mai 2003 wiedereröffnete Licht- und Luftbad ist eine Oase für Klein und Groß.
Die Halbinsel im Main ist ein Rest der ehemaligen Frankfurter Schleuse. Von der Innenstadt aus erreicht man die Halbinsel in 10 Minuten per Fahrrad. Vom Niederräder Ufer
führt ein Weg über eine Brücke über die ehemalige Schleusenkammer. Bereits der
Anblick der dort vertäuten und teilweise mit Gras und sogar mit Bäumen bewachsenen Boote lässt Urlaubsgefühle aufkommen.
FREIZEITTIPP
Die riesige Wiese auf der Maininsel bietet Platz für Kinder zum Austoben, aber auch
für ein genüssliches Sonnenbad mit Blick auf die City. Der Spielplatz wurde 2003 neu
aufgebaut. Er entstand in Gemeinschaftsarbeit des Vereins „Umweltlernen in Frankfurt
am Main e.V.“ und der Frauenhof Schule in Niederrad. Die Werkstatt Frankfurt am
Main e.V. (Servicebetriebe Telefon 069 / 95 04 85 21) betreibt auf der grünen Insel ein
Cafe in Schiffsform. Auf dem Dach des „Schiffskörpers“ können Piratenflaggen gehisst
und die auf dem Main vorbeifahrenden Last- und Personenschiffe beobachtet werden.
Die 19 m lange und 5,50 m breite, preisgekrönte Pontonarchitektur sorgt für eine
ansprechende Atmosphäre. Sie ist so mit dem Boden verankert, dass das Cafe bei
Hochwasser zwar angehoben wird, aber nicht davonschwimmen kann. Auf einer
Holzterrasse werden vom Frühjahr bis Herbst Speisen und Getränke gereicht. Es ist
aber auch möglich, auf der Wiese die eigene Picknickdecke auszubreiten und Mitgebrachtes zu verzehren.
Bei der Eröffnung des Licht- und Luftbades im Jahre 1900 konnten die Besucher,
zumeist Arbeiterfamilien, noch unbesorgt im Main schwimmen. Zu diesem Zeitpunkt
war die Maininsel auch als Strandbad großzügig ausgebaut. Bis 1938 war das Lichtund Luftbad das letzte öffentliche Bad, das für jüdische Bürgerinnen und Bürger in
Frankfurt am Main zugänglich war. Eine Gedenktafel erinnert seit 1994 an die
Verfolgung der jüdischen Bevölkerung.
Anfahrt
E
• Straßenbahnen 12/15/19/21,
Haltestelle „Heinrich-Hoffmann-Str./Blutspendedienst“
• Parkmöglichkeiten am Niederräder Ufer
Barrierefreier
Zugang
24
WC
25
FREIZEITTIPP
Staustufe Griesheim
Lage
An der Staustufe 3
3
Die Staustufe Griesheim ist nicht nur ein interessantes Bauwerk, sondern auch eine
spannende Aussichtsplattform. Von hier aus lassen sich die auf der Griesheimer
Schleuseninsel in einer Kolonie brütenden Graureiher beobachten. Auch den
Kormoranen, die hier Dauergäste sind, kann mit etwas Glück und Geduld beim Fischen
im Main zugeschaut werden.
Neben der Naturbeobachtung ermöglicht der Standpunkt über der Schleusenkammer
auch ungewohnte Blicke auf die passierenden Last- und Personenschiffe. Durchschnittlich 62 mal pro Tag wird die Schleuse von durchfahrenden Schiffen genutzt.
Primärer Zweck der Staustufe Griesheim ist es, den Wasserstand auf dem Main für die
Binnenschifffahrt zu erhalten und zu regulieren. 1932 eingeweiht, wird die Staustufe
vom Wasser- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg betrieben. Sie besteht aus einer
Wehranlage, zwei Schleusen und einem Laufwasserkraftwerk. Die beiden Schleusenkammern haben eine Nutzlänge von je 344 m und eine Breite von 12 m. Bei einer
Schleusenfüllung werden in der Nordschleuse 18.800 m3 Wasser bewegt. In der
Südschleuse sind es sogar 23.700 m3. Die Höhendifferenz von ca. 4,5 m zwischen
„Oberwasser“ und „Unterwasser“ wird mit der Schiffsschleusenanlage überwunden.
Die Mainova AG bezieht aus dem Laufwasserkraftwerk an der Staustufe Griesheim
Strom. Im Kraftwerk werden pro Jahr durchschnittlich 35 Millionen kWh elektrische
Energie erzeugt.
Für organisierte Führungen können Schülergruppen ab Klasse 4 und Erwachsene sich
direkt an das Wasser- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg wenden (Telefonnummer
06021 / 38 53 01, E-Mail [email protected]).
Anfahrt
Q
• In Schwanheim: Bus 51, Haltestellen „Tannenkopfweg“ oder „Ruhestein“
• In Griesheim: Bus 54, Haltestelle „Staustufe Griesheim“
• In Schwanheim: In der Straße „An der Staustufe“ und in den Parkbuchten
der Schwanheimer Uferstraße.
• In Griesheim: Parkmöglichkeiten in der „Elektronstraße“.
Barrierefreier
Zugang
26
27
FREIZEITTIPP
Mainfähre Höchst
Lage
Höchster Ufer: Batterie
Schwanheimer Ufer: Höchster Weg
4
FREIZEITTIPP
Die einzige Fähre im Frankfurter Stadtgebiet befördert ausschließlich Personen und
Radfahrer zwischen Höchst und Schwanheim. Die Fahrt über den Main mit der neuen
Fähre „Walter Kolb“ ist ein richtiges Vergnügen und die Historie der Fährverbindung
nicht minder spannend.
Die Geschichte der Höchster Fähre ist bis zurück ins Jahr 1623 dokumentiert. Der
Fährmann Jost Ferg zahlte sieben Gulden an den Landgrafen von Hessen-Kassel für das
Recht, in Höchst eine Fähre zu betreiben. Auch über die Preise der Überfahrt gibt es
einige Überlieferungen: Einen Simmer Korn (Getreide), das sind 32 Liter, musste man
entrichten, um während der gesamten Zeit der Heuernte über den Fluss gesetzt zu
werden. Für Beamte und Hofdiener gab es eine Ermäßigung; für sie betrug der
Fahrpreis nur drei Achtel Simmer Korn.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die
Fähre an einem Seil - genannt Gierseil –
festgehalten. Durch Schrägstellung des
Bootskörpers zur Fließrichtung des Mains
wurde das Schiff ohne Motorkraft über den
Main bewegt. Bis 1992 wurde an der heutigen Stelle eine Autofähre betrieben, die
durch einen kleinen Dieselmotor mit 12 PS
Leistung angetrieben wurde.
Am Schwanheimer Ufer kann man unter Linden sitzend wunderbar das bunte Treiben
auf dem Main beobachten und die Landschaft genießen. Der neue Rastplatz auf der
Schwanheimer Mainseite wurde 1998 am Fähranleger eingerichet. Die in unmittelbarer Nähe stehende „Tillylinde“ erinnert an die historische Schlacht bei Höchst im Jahre
1622, als die siegreichen kaiserlichen Truppen unter Feldmarschall Tilly hier lagerten.
Der Fähranleger Schwanheim ist auch ein guter Ausgangspunkt für einen Besuch des
südlich angrenzenden Schwanheimer Unterfeldes, in dessen Herzen das landschaftlich
besonders reizvolle Naturschutzgebiet „Schwanheimer Düne“ liegt. Unweit der
Fähranlegestelle liegt am nördlichen Ufer des Mains die malerische Altstadt von
Höchst mit den Fachwerkhäuschen rund um das mittelalterliche Schloss mit dem einladenden Schlossplatz sowie dem pittoresken Zollturm. Sehenswert ist auch die im
Jahr 850 fertiggestellte Justinuskirche, das bedeutendste historische Bauwerk in
Höchst.
28
Anfahrt
Q
• Busse 54/55/57, Haltestelle „Mainberg“
• In Höchst: Parkplätze an der Batterie
• In Schwanheim: Parkmöglichkeiten am Höchster Weg
Barrierefreier
Zugang
29