Handbuch der heimischen Räucherpflanzen

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Handbuch der heimischen Räucherpflanzen
Renate Kauderer
Handbuch
der heimischen
Räucherpflanzen
Räucherduft und Rituale zum
Wohlfühlen und Krafttanken
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INHALTSVERZEICHNIS
Impressum
I Räuchern: Tradition und Inspiration
Ursprung und Tradition des Räucherns
Riechen, der archaische Sinn
Die Signatur als Schlüssel zum Wesen der Pflanze
Die Planetenkräfte
Duft, die Sprache der Pflanzen
Duft als Brücke zum Unbewussten
II Räucherpraxis im modernen Alltag
Handhabung und Utensilien
Räucherduft für Körper und Seele
Störfelder im Wohnbereich neutralisieren
Wohlfühlenergie statt „dicke Luft“
Krankenzimmer klären und desinfizieren
Die Aura reinigen
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Schnelle Hilfe im Alltag
Essensgerüche neutralisieren
Plagegeister aus dem Insektenreich vertreiben
Energie aufbauen
Konzentrieren und fokussieren
Selbstvertrauen und Willensstärke fördern
Im Alltag innehalten
Zentrieren – nach innen lauschen – Balance finden
Entspannen
Meditation
Erholsamer Schlaf und schöne Träume
Gut schlafen und erfrischt aufwachen
Träume als Boten des Unbewussten
Veränderungen und Neubeginn
Schwierige Zeiten
Prozesse abschließen und loslassen
Neubeginn
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Duftgenuss für die Sinne
Erotik und Sinnlichkeit
Das Wohlbefinden steigern
III Die Energie der Jahreskreisfeste zelebrieren
IV Pflanzenporträts A – Z
V Praktische Arbeit mit Räucherpflanzen
Sammeln und Trocknen
Aufbereitung der Räucherpflanzen
Räuchermischungen herstellen
Quellenverzeichnis
Autorin
Weitere Titel
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I
Räuchern: Tradition und Inspiration
Ursprung und Tradition des Räucherns
A
m Anfang war das Feuer.
So muss unsere Geschichte beginnen, denn es braucht
ein Feuer, um den Zauber des Räucherns zu ermöglichen. Die ältesten Feuerstellen kennen wir aus Fundorten in
Afrika. Sie sind etwa 1,5 Millionen Jahre alt. Diese ersten Feuerstellen, die unsere Vorfahren sorgfältig hüteten, entstanden
als Geschenk der Götter. Das kosmische Feuer kam in Form von
Blitzen aus der Welt der himmlischen, unfassbaren Mächte auf
die Erde. Als die Menschen vor rund 400.000 Jahren lernten, mit
Steinen Funken zu schlagen und damit gezielt Feuer zu machen,
wurde ein neues Kapitel im Werdegang der Menschheit aufgeschlagen. Feuer war ein mächtiger Verbündeter im Kampf ums
Überleben. Es versorgte die frühen Menschen mit Wärme, ermöglichte das Kochen der Nahrung und bot Schutz vor wilden
Tieren. Die Zusammenkunft um ein Feuer wurde zum Zentrum
der Kommunikation. Aus diesen Anfängen in den Nebeln der
Zeit weiß unser Unbewusstes heute noch, dass Feuer gleichbedeutend mit Leben ist.
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Mit dem aufsteigenden Rauch, der sich aus dem Verglimmen
(nicht Verbrennen) der Harze, Hölzer, Wurzeln und Blätter ergab, schickten unsere Vorfahren Gebete und Wünsche zu den
Göttern. Zu dieser sakralen Bedeutung des Räucherns gesellte
sich auch bald ein medizinischer Aspekt. Irgendwann lehrte die
praktische Erfahrung, dass bestimmte Pflanzen, die geräuchert
wurden, nicht nur eigene Düfte verströmten, sondern auch unterschiedlichen Zwecken dienten. Von Rheuma schmerzende
Gliedmaßen erfuhren im Wacholderrauch Linderung, Fichtenharz milderte Husten. Bestimmte verglimmende Substanzen
beflügelten die Stimmung und wieder andere ermöglichten
Visionen. Bald entstanden Rituale, die von Medizinfrauen und
-männern gepflegt wurden. Um die Feuer in den Höhlen wurden Dufterlebnisse in Verbindung mit medizinischen Erfahrungen praktiziert und im Wissensschatz der Menschen verankert.
Gebete und Bitten wurden mit verschiedenartigen Duftkreationen übermittelt. Das Wissen um die Wirkung und den Einsatz der Räucherstoffe bedeutete Ansehen und Macht. Über
die Jahrtausende hinweg war Räuchern in allen Hochkulturen
ein fester Bestandteil des täglichen Lebens und der religiösen
Praktiken. Unsere Vorfahren wussten um die feinstofflichen
Kräfte der Pflanzen und um die Unterstützung, die sie aus dem
Pflanzenreich erhielten. Es wurde zu allen festlichen Anlässen
geräuchert und in jedes der Jahreskreisfeste waren Räucherrituale eingebunden. Haus und Hof wurden mit dem Rauch verglimmender Kräuterbüschel geschützt, die man zu besonderen
Tagen achtsam und mit großem Respekt vor dem Pflanzengeist
des jeweiligen Krautes sammelte. Die tiefe Verbundenheit mit
der Natur machte unsere Ahnen offen für die Begegnung mit
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der feinstofflichen Wesenheit der Pflanzen. Die Hilfe eben jenes
Pflanzengeistes erbat man, wenn es um die Vertreibung von
Krankheitsdämonen oder den Schutz vor destruktiven Kräften
ging.
Im Zuge der Christianisierung wurden diese „heidnischen“
Bräuche in das Kirchenjahr integriert. Während Räucherrituale
für religiöse, meditative, reinigende und medizinische Belange
in vielen Kulturen bis heute ohne Unterbrechung selbstverständlich ausgeübt werden, war das Räuchern in unserem Kulturraum bis vor wenigen Jahren auf den kirchlichen Gebrauch
beschränkt. Bei vielen Menschen löst der Begriff „Räuchern“
unmittelbare Erinnerungen an Kirchenweihrauch aus, die oftmals mit einer instinktiven Abwehrhaltung verbunden sind. In
einer Atmosphäre von Sünde/Strafe, Leiden/Buße und strengen, liturgischen Abläufen hat der intensive Duft von Kirchenweihrauch bei vielen einen starken Eindruck hinterlassen und
negative Gefühle fixiert. Im Brauchtum sind die Räucherrituale rund um die Rauhnächte noch als Schutz für Wohnbereiche
und Ställe erhalten. Oft wird Räuchern aber auch nur mit der
Haltbarmachung von Fleisch oder Fisch verbunden. Beinahe
wäre die archaische Kunst des spirituellen Räucherns verloren
gegangen. Während die Verwendung ätherischer Öle in den
letzten Jahren steigende Beachtung fand, befindet sich die alte
Kunst des Räucherns noch in einer langsamen Wiederentdeckungsphase. Der Wunsch nach Verbundenheit mit der Natur,
nach dem Einklang mit dem Rhythmus der uns umgebenden
feinstofflichen Welt, bringt uns wieder in die Nähe der Kräfte
aus dem Pflanzenreich.
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Beim Verräuchern erfahren wir die transformative Kraft des
Feuers unmittelbar. Im Feuer wird Altes zerstört, um Raum
für Wandlung, für Neues, zu schaffen. Beim Verglimmen des
Pflanzenkörpers wird der Duft im aufsteigenden Rauch freigesetzt. In dieser Essenz birgt die Pflanze ihre feinstoffliche Kraft,
ihre Wesenheit, die sie uns mitteilt. Über diesen Duft und die
Botschaft, die wir erfahren, kann die Pflanze im besten Sinne
ausgleichend und regulativ für uns wirken. Beim Räuchern erleben wir die Wesenheit der Pflanze auf besonders starke und
eindrucksvolle Weise. Wir erfahren die mystische, archaische
Verbindung von Mensch und Pflanze sehr wirkungsstark.
Für uns moderne Menschen ist Zeit etwas, das man nicht einfach hat, sondern etwas, womit der Tag in überschaubare Leistungseinheiten zerschnitten wird. Wenn man sich dabei selber
kaum noch spürt, bringt ein Räucherritual heilsame Erlösung.
Räuchern braucht Zeit und schafft Raum in der Zeit, befreit sie
sozusagen aus ihrem engen, konkreten Rahmen, um uns Spielraum für Entfaltung zu geben. Die Wirkung setzt unmittelbar
und wohltuend ein.
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Riechen, der archaische Sinn
V
on all unseren Sinnen verbindet uns der Geruchssinn
am stärksten mit den Urformen des Lebens. Diese allerersten Lebensformen existierten in einem Urmeer,
in dem undurchdringliche Dunkelheit und Stille herrschten.
Einzig über den Geruchssinn war es möglich, sich zu orientieren,Nahrungzufinden,Feindezuerkennenodereinenmöglichen Sexualpartner zu orten. Daher war der Geruchssinn
nicht nur der erste unserer Sinne, sondern auch der Beginn
des Denkens, denn unser komplexes Gehirn hat sich aus dem
Riechhirn entwickelt. Im Laufe der Evolution verließen viele
Arten das Meer, um sich auf dem Land in mannigfaltiger Weise weiter zu entwickeln. Die Herausforderungen des neuen Lebensraumes verliehen dem Seh- und Gehörsinn zunehmende
Bedeutung, während der Geruchssinn in den Hintergrund trat.
Die Urmenschen hatten überaus feine Nasen, mit deren Hilfe
sie Gefahren witterten, Nahrung aufspürten und sich in ihrem
Lebensraum zurechtfanden. Wer überleben wollte, musste
einen „guten Riecher“ haben. Die stete Reizüberflutung, verursacht durch Unmengen von synthetischen Düften, hat uns
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moderne Menschen vollends abstumpfen lassen. Allerdings
lebt der Urmensch immer noch in uns und erwacht, wenn es
um die Partnerwahl geht. Wenn wir jemanden „nicht riechen
können“, so kommt er als Partner für uns auch nicht infrage.
Instinktiv wählt unsere Nase denjenigen aus, dessen Immunsystem am stärksten von unserem eigenen abweicht. Auf diese
Weise vererben wir unseren Nachkommen eine Vielzahl an genetischen Informationen.
Beim Riechen nehmen wir mit jedem Atemzug unzählige Duftinformationen aus der Umwelt auf. Über die Riechschleimhaut
mit ihren rund 10 Millionen Riechzellen und den Riechkolben
gelangen diese Informationen in das limbische System und den
Hypothalamus, der das vegetative Nervensystem steuert. Das
limbische System ist der Sitz von Gefühlen, Instinkten, Trieben, Kreativität, Verdauung und Sexualität. Auch unsere Erinnerungsspeicher liegen in diesem Gehirnteil. Kommt die Duftinformation dort an, so werden damit augenblicklich Gefühle,
Instinkte und Erinnerungen ausgelöst, ohne dass der wertende
Intellekt die Möglichkeit hat, zu zensurieren. Düfte lösen kraftvolle Bilder aus und katapultieren uns sozusagen durch Raum
und Zeit. Der Geruch von Apfelstrudel kann uns blitzschnell in
Omas gemütliche Küche versetzen und das Gefühl der Geborgenheit vermitteln. Der Duft von Sommer verbindet uns mit
der Zeit der ersten Liebe. Der Geruch von Desinfektionsmitteln
lässt uns mit Schaudern an einen Krankenhausaufenthalt denken. Mit Düften steigen Bilder und Emotionen aus dem tiefen
Brunnen des Unbewussten auf. Und doch sind Gerüche flüchtig,
sie verschwinden rasch, wir nehmen sie nach kurzer Zeit nicht
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mehr wahr. Sie sind so flüchtig, dass man sie kaum in Worte fassen kann. Dufteindrücke werden meist in vergleichender Weise beschrieben oder dem Geschmackssinn zugeordnet. Etwas
riecht süß, nach „faulem Fisch“ oder nach „Sonne und Meer“.
Wie sehr der Geruchssinn uns leitet, merken wir erst, wenn wir
ihn – ausgelöst etwa durch eine Krankheit – verlieren. Über
unseren Geruchssinn und die olfaktorischen Informationen
(Duftinformationen), auf die er unterschwellig pausenlos
reagiert, sind wir mit dem gesamten komplexen Kommunikationssystem unserer Umgebung verbunden. Pflanzen schicken
Duftbotschaften aus, um sich mit anderen Lebensformen auszutauschen. Mit lockenden Düften werden willige Bestäubungspartner herbeigerufen, andere Duftkompositionen signalisieren den Feinden der Pflanzenschädlinge, dass reiche Beute,
zum Beispiel Blattläuse, auf sie wartet. Ein Gutteil des Soziallebens innerhalb von Tierverbänden läuft über den Austausch
von Duftbotschaften ab. Über den natürlichen, ständigen Geruchstransit sind wir eingebunden in die Gefühle und die
Sprache der Erde mit all ihren Lebensformen. Darüber hinaus
erhalten wir über Gerüche Zugang zu den ältesten Schichten
unserer Entwicklungsgeschichte, zu unserer Urform, die in den
Tiefen des Unbewussten dämmert. Bei synthetischen Düften
fehlt der olfaktorische Informationsaustausch, denn hinter
diesen Essenzen steht keine Lebensform als „Absender“. Die
Überflutung mit diesen künstlichen Duftformen löst den
Menschen aus der Verbundenheit mit dem lebendigen Ganzen,
isoliert ihn geradezu. Ohne die bunte Vielfalt der Düfte und
ihrer Botschaften geht die Lebensfreude verloren und macht
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Harze zu verglimmen beginnen. Danach können Sie das Stövchen noch eine Zeit lang an einer zentralen Stelle stehen lassen.
Binnen kurzer Zeit werden Sie Kräuterduft anstelle von Essensgeruch im Raum haben.
Plagegeister aus dem Insektenreich vertreiben
Kaum ist der ersehnte Sommer da, werden wir mit Quälgeistern
wie Motten und Gelsen konfrontiert. Diese lästigen Zeitgenossen im Haus lassen sich mithilfe von Lebensbaum, Lavendel,
Rainfarn, Wacholder, Waldmeister und Eberraute vertreiben.
Um das Grillvergnügen im Garten ungestört genießen zu können, lassen Sie diese Kräuter auf Ihrem Räucherstövchen verglimmen und fügen eventuell noch Kampfer und Nelken dazu.
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Energie aufbauen
Überarbeitung und geistige Erschöpfung
I
n vielen östlichen Kulturen sind aktivierende Morgenräucherungen ein fester Bestandteil der Räuchertradition.
Unser Alltag lässt uns vermutlich für diesen morgendlichen
Energieschub kaum Zeit. In Phasen der Übermüdung, wenn wir
uns erschöpft und ausgelaugt fühlen, ist eine „Energieräuche39
rung“ aber ein wahrer Segen. Revitalisierende Räucherpflanzen
helfen durch die hektische Vorweihnachtszeit oder anstrengende Berufsphasen und stärken nach kräftezehrenden Krankheiten. Sie regen den Energiefluss an und erfrischen den Geist.
Mithilfe dieser Kräuter fühlen Sie sich bald wieder fit und energiegeladen. Manche dieser Räucherdüfte wecken die Erinnerung an Sommertage und das sommerliche Lebensgefühl. Das
hilft Ihnen zusätzlich dabei, Ihren Alltag schwungvoll in Angriff
zu nehmen.
Anregende Räucherpflanzen sind:
Alant, Apfelminze, Eberraute, Ehrenpreis, Eisenkraut, Fichtenharz, Immergrün, Kalmus, Kiefernharz, Lavendel, Raute,
Rosmarin, Salbei, Sonnenhut, Wacholder, Weidenrinde und
Wermut.
Konzentrieren und fokussieren
Eine permanente Reizüberflutung und die mediale „Dauerberieselung“ machen es vielen Menschen schwer, Aufgaben konzentriert und zügig zu erledigen. Mitunter wird es zum Kraftakt,
die mannigfaltigen Informationen zu verarbeiten und daneben
auch noch geistig kreative Arbeit zu leisten. Ruhelos schwirren
die Gedanken in alle Richtungen, statt im Jetzt einer Aufgabe
gewidmet zu sein. Als Folge dieser geistigen Überlastung stellen sich Konzentrationsmängel, Stress, Schlafstörungen und
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Unruhe ein. Dieser Kontrolle durch die Außenwelt kann man
einen Moment des Innehaltens entgegensetzen. Duftende
Kräuter und inspirierende Stille erlauben es dem erschöpften Geist, zur Ruhe zu kommen und das Wesentliche zu erfassen. Die verglimmenden Kräuter und Harze setzen Duftimpulse frei, die den Geist gleichermaßen erfrischen und
wach werden lassen. Sie stärken die Konzentrationsfähigkeit
und ermöglichen es Ihnen, Ihre Gedanken zu fokussieren und
zielgerichtet bei einer Aufgabe zu bleiben. Mit einem Räucherritual gehen Sie für einige Zeit auf Abstand zu Ihrem fordernden Alltagsleben und öffnen sich für Ihren Energiefluss.
Folgende Räucherpflanzen unterstützen die Konzentration:
Apfelminze, Eberraute, Eisenkraut, Kalmus, Lavendel, Rosmarin, Thuje und Ysop.
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Frühlings-Tagundnachtgleiche / Alban Eilir, Ostara
21. März
Nun sind die Lichtkräfte wieder soweit erstarkt, dass sie mit der
Dunkelheit im Gleichgewicht sind. In diese Zeit fällt das Osterfest, dessen Name mit der germanischen Frühlingsgöttin Ostara
verbunden ist. Unsere Ahnen verbrannten aus Weidenzweigen
gemachte Winterriesen, um die kalte Jahreszeit endgültig zu
verabschieden und den Frühling gebührend zu empfangen. Die
christlichen Osterfeuer erinnern noch an diesen Brauch. Die
Energie zu diesem Zeitpunkt spiegelt die Balance der Kräfte,
das Gleichgewicht von Licht und Dunkelheit, wider. Die Energie
der Vegetation ist auf Wachstum ausgerichtet und signalisiert
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uns, dass es Zeit ist, nach der Winterträgheit aktiv zu werden.
So wie der Same die Idee der Pflanze in die Realität umsetzt,
indem er sich zu entwickeln beginnt, ist es für uns an der Zeit,
zu handeln, um Pläne in die Tat umzusetzen.
Spüren Sie dem Gleichgewicht der Kräfte in sich selbst in einem
Ritual nach:
o Wählen Sie aus den am Ende des Kapitels angeführten
Pflanzen einige aus, um die Energie dieses Jahreskreisfestes
zu spüren.
o Setzen Sie sich an einen ungestörten Platz und beginnen
Sie, die vorbereiteten Kräuter auf dem Sieb zu verglimmen.
o Schließen Sie die Augen und atmen Sie den Duft tief ein
und aus. Was ist in Ihnen selbst nicht im Gleichgewicht? Ist
die Stimme des Herzens stark genug, um gegen die vor dergründige Verstandesweisheit bestehen zu können?
Wovon könnten Sie mehr in Ihrem Leben gebrauchen, um
sich wohlzufühlen, und was wäre abzuschließen und loszu lassen? Die Energie in der Natur unterstützt Sie zu diesem
Zeitpunkt dabei, Schieflagen auszugleichen und ins Gleich gewicht zu kommen. Dieses Ritual lässt sich auch wunder bar in der Natur zelebrieren.
Für dieses Ritual eignen sich folgende Räucherpflanzen:
Apfelminze, Baldrianwurzel, Birkenrinde, Dost, Gänseblümchen, Gundelrebe, Holunder, Koriander, Lebensbaum, Melisse,
Muskatellersalbei, Propolis, Rainfarn, Raute, Rosmarin, Schafgarbe, Sonnenhut, Wacholder, Waldmeister und Weidenrinde.
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IV
Pflanzenporträts
A-Z
Alant
Apfelminze
Baldrian
Beifuß
Beinwell
Birke
Dost
Eberraute
Ehrenpreis
Eibe
Eiche
Eisenkraut
Engelwurz
Fichte
Frauenmantel
Gänseblümchenl
Goldrute
Gundelrebe
Haselnuss
Heiligenkraut
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91
93
96
99
102
104
106
108
110
112
115
118
120
122
124
126
128
130
133
Holunder
Hopfen
Immergrün
Iris
Jasmin
Johanniskraut
Kalmus
Kamille
Katzenminze
Kiefer
Königskerze
Koriander
Labkraut
Lavendel
Lebensbaum – Thuja
Linde
Mariendistel
Mädesüß
Meisterwurz
Melisse
135
138
140
142
145
147
149
152
154
157
159
161
163
165
167
169
172
174
177
179
87
Mistel
181 Schafgarbe205
Muskatellersalbei184
Sonnenhut
207
Pfingstrose
186
Stechpalme
209
Propolis 189Wacholder212
Quendel
191 Waldmeister215
Rainfarn 193Wegwarte 218
Raute
196Weide
220
Rose
198Weißdorn 222
Rosmarin 201Wermut 225
Salbei
203Ysop
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Alant
Inula helenium
Synonyme: Darmwurz, Donnerwurzel, Edelwurz, Elfenampfer, Fadenwurzel, Gottesauge, Odinskopf, Schlangenwurzel, Sonnenwurz,
Wodanskraut
Sonne im Herzen
Alant ist eine der ältesten europäischen Heilpflanzen, die von
keltischen Stämmen auf ihren
Wanderzügen von Innerasien
nach Europa gebracht wurden.
In der imposanten Pflanze mit
dem stattlichen Wuchs drückt
der Planetenkönig Jupiter sein
majestätisches Wesen aus. Bietet man so einem königlichen
Pflanzengast einen Platz im Garten an, so muss daher natürlich auch für ausreichend Raum gesorgt werden.
Die Überlieferung berichtet, der Alant sei aus den Tränen der
schönen Helena entstanden, als sie um ihren Geliebten Paris
weinte. Vermutlich half er ihr auch mit seiner Sonnenkraft, ihre
Traurigkeit zu überwinden. Als Heilpflanze wurde Alant bei Er89
krankungen der Lunge, der Atemwege, und in der Frauenheilkunde eingesetzt. Die strahlenden, sonnenförmigen Blüten auf
den verzweigten Stängeln ziehen das Elfenvolk in seine Nähe.
Der Glaube an die Lichtkraft der „Sonnenwurz“ ist im einfachen Volk seit Jahrhunderten verankert. Weit in die keltische
und slawische Kultur zurückreichend wurde die Alantwurzel in
der dunklen Jahreszeit geräuchert, um mit ihrer Sonnenkraft
Traurigkeit und Melancholie zu vertreiben. Mit dem warmen,
freundlichen Duft begrüßte man zur Wintersonnenwende das
Wiedererwachen der Lichtkräfte. In rituellen Räucherungen
war der Lichtbringer eine starke Schutzkraft gegen „Verzauberung“ und die Mächte der Finsternis. Die Völker des Nordens,
die der Herrschaft des dunklen Winters lange ausgesetzt waren,
zolltendiesemPflanzengeistbesonderenRespekt.Sieverbanden ihn mit ihrem Gott Odin (südgermanisch Wodan), dem zauberkundigen Urschamanen Alteuropas, und gaben dem Alant
die Namen Odinskopf und Wodanskraut.
Räucherung:
Alantwurzel duftet in der Verräucherung warm, weich und heimelig. Der Duft erfüllt uns mit Lichtenergie, die sowohl trübe
Stimmungen und Stress heilsam ausgleicht, als auch Kraft und
Selbstwertgefühl aktiviert. Räucherungen zu den Sonnenwenden sollten unbedingt Alant enthalten.
Sammeltipps:
AlantisthauptsächlichinGärtenzufinden,woerallerdingsgenügend Platz braucht. Die Wurzel wird in der Ruhephase, im
Oktober, ausgegraben.
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Apfelminze
Mentha Suaveolens
Synonyme:
Rundblättrige Minze, Wohlriechende Minze
Aktiv sein
Die griechische Nymphe Mentha war die Namensgeberin für
alle Minzearten. Sie war die Geliebte des Gottes Hades. Um sie
vor der Wut seiner Frau Persephone in Sicherheit zu bringen,
verwandelte er Mentha in eine Minze.
Unter den vielen Minzearten sticht die Apfelminze durch ihren geringen Mentholgehalt heraus. Pflanzt man sie im Garten
an ein feuchtes Plätzchen mit ausreichendem Nährstoffgehalt,
wird sie sich gern und rasch ausbreiten. Jeder, der verschiedene Minzesorten kultivieren möchte, wird feststellen, wie gerne sich die Arten zu neuen Varianten kreuzen. Die Ausdauer
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Aufbereitung der Räucherpflanzen
Die Aufbereitung der gesammelten Kräuterschätze für das Verräuchern verbindet Sie noch einmal ganz intensiv mit dem
Pflanzenwesen. Ihre Freude über die Schönheit der Pflanze,
Ihre Dankbarkeit für die üppige Ernte, Ihre Bewunderung für
diebezauberndenBlüten–alldasfließtindenVerarbeitungsprozess mit ein und bereichert das energetische Potenzial Ihrer
Räucherpflanzen.WennSiediegetrocknetenStängelundBlätter zerkleinern, werden Sie über den Duft, der Sie dabei einhüllt, unmittelbar mit dem Pflanzenwesen verbunden. All Ihr
„Kopfwissen“ über diese Pflanze wird in diesem Moment um
die Dimension der Herzenserfahrung erweitert. Auf diese Art
vollziehen Sie den Schritt vom „Kräuterwissenden“ zum „Kräuterkundigen“.
Wenn Sie das Material anschließend in Schraubgläsern aufbewahren, sollten Sie diese an einen dunklen Platz stellen, damit
die Kräuter nicht ausbleichen.
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Räuchermischungen herstellen
Die Herstellung einer Räuchermischung ist ein kontemplatives,
faszinierendes Ritual, das bereits auf die Freude der VerräucherungeinstimmtunddieVerbindungzurPflanzensphäreintensiviert.
Um eine Mischung herzustellen, ist es notwendig, das Pflanzenmaterial zu zerkleinern und zu mörsern. Zunächst einmal
sollten Sie sich darüber im Klaren sein, zu welchem Zweck Sie
die Mischung herstellen möchten. Soll die Wirkung entspannend sein, Energie aufbauen oder möchten Sie damit eine atmosphärische Reinigung durchführen? In den Kapiteln zu den
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verschiedenen Einsatzmöglichkeiten finden Sie Vorschläge zu
denRäucherpflanzen,diedieunterschiedlichenThemenunterstützen.NachdemSieIhreWahlanKräuterngetroffenhaben,
braucht Ihre Mischung als Verbindung und Duftverstärkung
noch Harze.
Als Faustregel für eine Mischung gilt folgendes Verhältnis: Etwa
3/4 Kräuter und 1/4 Harze. Die Auswahl an heimischen Harzen ist begrenzt. Während Kiefer- und Fichtenharz ausreichend
vorhanden sind, wird es schwierig bis unmöglich sein, an Tannen- oder Lärchenharz zu gelangen. Tanne und Lärche werden
in den Forstmonokulturen oft von der Fichte verdrängt, und sie
produzieren auch weniger Harz als beispielsweise eine Kiefer.
Propolis oder Bienenkittharz ist ebenfalls aufgrund der geringen Produktion eine Kostbarkeit. Es gibt jedoch exquisite exotische Harze, die sich gut mit heimischen Kräutern verbinden.
Dazu gehören Weihrauch, der schon seit keltischer Zeit bei uns
bekannt ist, sowie Myrrhe, Copal, Guggul und Sandarak. Lassen
Sie sich bei der Menge der Kräuter von Ihrer Nase und Ihrem
Herzen leiten. Ihrer Experimentierfreudigkeit sind keine Grenzen gesetzt.
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Um alle Pflanzenteile optimal miteinander zu verbinden, wird
das getrocknete und kleingeschnittene Material im Mörser weiterbehandelt. Mörsern ist ein Prozess, bei dem das Räuchermaterial noch einmal energetisch aufgeladen wird. Zudem werden
Kräuter und Harze auf diese Weise miteinander verbunden und
ihre ätherischen Öle so verteilt, dass die Verglimmung bestmöglich gewährleistet ist. Der Duft, der beim Zermahlen aus
dem Mörser in Ihre Nase steigt, ist schon ein Genuss, bevor Sie
zu räuchern beginnen. Die einzelnen Pflanzenwesenheiten machen sich dabei ganz unterschiedlich bemerkbar.
Die anschließende Verräucherung der Mischung entführt Sie in
eine Welt abseits des Alltags und hüllt Sie in eine ganz besondere, weihevolle, zauberhafte Stimmung.
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Die Autorin
Mag. phil. Renate Kauderer studierte Germanistik und Anglistik
in Graz, wo sie heute auch lebt und als Autorin tätig ist. Vor
über 30 Jahren kam sie über ein Projekt der Sprachforschung in
der Steiermark mit der Kräutertradition und dem Heilkräuterwissen unserer Ahnen in Berührung. Weitere Nachforschungen
über die „magischen Zauberpflanzen“ führten zu Ausbildungen
über Aromatologie und Osmologie mit besonderem Fokus auf
die prozessorientierte Duftarbeit. Aus der Freude an der Arbeit
mit den Pflanzenwesen und aufgrund der Resonanz, die das
Unbewusste auf die Duftbotschaften zeigt, haben sich Seminare
für interessierte Menschen entwickelt. Der Brückenschlag zum
Wesenhaften der Pflanzensphäre hat sich als inspirierende Erfahrung für viele Menschen erwiesen. Vor 20 Jahren haben Renate Kauderer und ihr Mann ein Haus in den Weinbergen des
südlichen Burgenlands entdeckt. Es war Liebe auf den ersten
Blick. In einem jahrelangen Prozess wurde ein Teil des Areals
in einen Wohlfühlgarten gewandelt, in dem bereits vorhandene alte Bäume liebevoll integriert wurden. Die sanfte, heilende
Energie dieses Platzes als Brücke zum Naturbewusstsein bildet
den Rahmen für Seminare und Workshops.
Informationen zu Büchern, Ausbildungslehrgängen, Seminaren und Workshops sind auf www.rauch-zeichen.at angeführt.
Individuelle Beratungstermine erhalten Sie nach Vereinbarung.
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Alle Produkte, die in diesem Buch angeführt sind, sowie eine
Auswahl an sorgfältig und fachkundig erstellten Räuchermischungen zu verschiedenen Themenbereichen sind unter
www.rauch-zeichen.at erhältlich.
Mag. Renate Kauderer
Hugo-Wolf-Gasse 10
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