- Tomburger Ritterbund

Transcription

- Tomburger Ritterbund
Juni 2011
BUNDES-
ZEITUNG
Wandervogelgemeinschaft Tomburger Ritterbund e.V.
1
25 Jahre
Tomburger Ritterbund e.V.
IMPRESSUM
Herausgeber:
Wandervogelgemeinschaft
Tomburger Ritterbund e.V. Ruitscher Mühle
56751 Polch-Ruitsch
[email protected]
www.tomburger.de
Postanschrift:
Tomburger Ritterbund e.V.
c/o Steven Frenyea
Kirschheck 5 · 66115 Saarbrücken
Redaktion:
Dirk Leimkuhl (Trampel)
Ibellstr. 12 · 65232 Taunussstein
[email protected]
Druck:
nahedruck
MEDIENDESIGN · SATZ · DRUCK
Ralf Stieber (Pui)
Lindenstraße 1a · 55596 Waldböckelheim
www.nahedruck.de
Erscheinung:
halbjährlich
Und schon wieder gibt es
ein Jubiläum zu feiern!
Nachdem im letzten Jahr der Orden der Korsaren
sein 40-jähriges kräftig gefeiert hat, steht nun auch
der Tomburger Ritterbund schon seit 25 Jahren
zusammen.
Für viele von uns ein Lebensabschnitt, Teil unseres
Lebens. Und so soll es auch weitergehen. Lasst
unsere Freundschaft (mit allen Höhen und Tiefen)
Vorbild sein für alle, die uns folgen möchten.
Wir sind ein Lebensbund, offen, herzig und auch etwas rustikal. Gerade das
macht es leicht neue Freunde zu gewinnen, für den Bund, für die Ruitscher
Mühle und für sich selbst. So ist es und so soll es bleiben. Dann werden wir
noch viele Jubiläen gemeinsam feiern und in schönen Erinnerungen schwelgen.
So konnte jetzt auch der Orden der Samojeden zum Frühlingsfest kräftig
auf die Pauke hauen. 25 Jahre Orden! Gratulation, weiter so! Ihr seht, all die
Mühe lohnt sich. Eine bessere Entlohnung als Freundschaft kann ich mir
nicht wünschen.
Na ja, bleiben wir mal realistisch. Leider kann man mit Freundschaft nicht
alles bezahlen. Wer Interesse hat unseren Bund zu unterstützen, dem steht es
offen unserem Freundschafts- und Förderkreis beizutreten. Ein Anmeldeformular findet Ihr im Heft.
So, genug der Worte. Lasst uns feiern!
Ich wünsche Euch eine gelungenes Mitsommerfest und ein schönes Fahrtenjahr.
Horridoh
Stiefel
3
25 Jahre Tomburger Ritterbund
„Wo kommen wir eigentlich her?“,
so heißt es in einem bekannten
Fahrtenlied.
Um mich hier nicht in Einzelheiten zu
verlieren fällt die Antwort ganz kurz aus:
Der Tomburger Ritterbund ist aus verschiedenen Orden des
Nerother Wandervogels entstanden.
Da wir aber auch heute noch gefragt werden, warum wir den
Tomburger Ritterbund gegründet haben, auch hierauf eine kurze
Antwort:
Weil wir damals wie heute dazu stehen, unseren eigenen Weg zu
gehen.
Wer uns kennt, der weiß, dass diese Antworten ausreichend sind.
Eigentlich sind diese Fragen für uns aber auch gar nicht so
wichtig, denn wir leben nicht in der Vergangenheit, sondern
heute und sind einfach so wie wir sind. Hier dennoch ein paar
Eckdaten aus der Gründungszeit unseres Bundes:
28. -31.03.1986
Osterlager in Bosen bei Wadern
Nach dem Ausscheiden des Ordens der Korsaren aus dem
Nerother Wandervogel wurde vereinbart einen eigenen Bund zu
gründen.
12.04.1986
Treffen im Saarbrücker Nest
8 Ältere sind bereit für den neuen Verein zu unterschreiben,
damit die Haftung übernommen wird: Volker, Hai, Lato, Stiefel,
Glöckchen, Klaus, Muli, Trampel
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19.04.1986
Treffen in Schwemlingen. Hai regt
an drei Orden zu bilden Saarland,
Naheland, Köln. Ein vierter
Orden soll durch Muli und Trampel
entstehen
16. Juni 1989
Hai unterschreibt den Kaufvertrag
für die Ruitscher Mühle
27.12.1989 – 01.01.1990
Erste Hadschifahrt von der
Burg Tomburg nach Ruitsch
Pfingsten 1986
Offizielles Gründungsdatum des
Tomburger Ritterbundes an der
Saarschleife bei Merzig/Dreisbach
31.12.1989
Einweihung des Jungenhauses
23. /24. Juni 1990
1. Mittsommerfest auf der
Ruitscher Mühle
Hai wird Bundesführer
Volker Bundeskanzler
20. /21 Oktober 1990
Vorstellungsabend in Ruitsch
Erste Tomburger werden
zum Ritter geschlagen:
09./10. September 1995
1. überbündischer Sängerwettstreit
auf der Ruitscher Mühle.
Mehr als 200 Teilnehmer erlebten
2 herrliche Tage auf der Mühle.
Volker Hoffmann Saarbrücken
Ralf Stieber Sobernheim
Frank Oliver Sobernheim
Frank Hoffmann Saarbrücken
Steven Frenyea Saarbrücken
Erhard Steffenhagen Saarbrücken
Helmut Müller Köln
Wolfgang Senz Langenlonsheim
Ingo Wittke Kirchheimbolanden
Dirk Leimkuhl Taunusstein
Klaus Müller Saarlouis
25./26.11.1995
25 Jahre Orden der Korsaren
Fest auf der Ruitscher Mühle
04.09.1999
Sängerfest unter dem Motto:
„10 Jahre Bundessitz, Ruitscher
Mühle“ Es erscheint eine Broschüre
„10 Jahre Bundeszentrum Ruitscher
Mühle“
01.11.1986
Bundestreffen bei Schloss Reifenthal
am Baybach Einweihung der
Bundesfahne.
19. Mai 1988
Der Tomburger Ritterbund e.V.
wird gemeinnützig
Wir haben viel erreicht in den
letzten 25 Jahren. Ich freue mich
heute schon auf unser 50-jähriges
Jubiläum!
12. – 16.10.1988
Teilnahme am überbündischen
Treffen auf dem Hohen Meißner
Trampel
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EIN WEITER WEG
Wandervogel ➾ Nerother ➾ Tomburger
Rückblick von Scheich (Kurt Wollweber)
Wandervogel
tisches Gymnasium“, über dessen
sandsteinfarbenem Spitzbogenportal zwei wütende Engel – oder sind
es gar Krieger??? ein breites Spruchband schleifen: „Non scholae sed
vitae discimus!“ Also nicht nur für
die Schule, sondern für das Leben
sollen wir lernen. Wer das Glück hat
in dieses hohe Haus gehen zu dürfen
kriegt es vom ersten Tag an beigebracht – weshalb nur steht´s dann
noch einmal über dem Eingang?
– zur täglichen Erinnerung – wo
es selbst der kleinste Sextaner liest!
Wandervogel Wandervogel……“
Wie alles angefangen hat
und weiterging.
„weiße Akazien
auf endloser Straße.
Hell ist der Staub –
doch weißer Blütenschnee…“
Berlin-Steglitz, eine kleine Kreishauptstadt mit Ober-, Mittel- und
Unterstadt, gediegen, freundlich mit
Prunkfassaden, Plätzen, Denkmalen und bürgerlichen Schutzgittern
versehen, auf dass sie keiner ungestraft und widerrechtlich betrete.
„Der Zugang zu den Rasenflächen
ist behördlich streng verboten!!! Der
Bürgermeister!“ Das ist grausam,
aber keineswegs unüblich in den
1890er Jahren des Wilhelminischen
Kaiserreichs, wo Sauberkeit und
Ordnung erste Bürgerpflicht sind.
Und wenn abends gegen 9:00 Uhr
die Laternen erlöschen schläft eine
friedliche kleine Stadt gewohnt ruhig bis zum Morgen für sich hin…
Ein großer geräumiger Schulhof mit
lanzengeschmückten Gittern grenzt
das hehre Gebäude geziemend sicher ein. Die rundgezogenen breiten
Marmorstufen führten durch ein
schweres geschnitztes Schlosstor mit
Löwenköpfen aus Messing zur düsteren Eingangshalle von wo sich armdicke geschnitzte Geländer über breite
Stufen nach oben zu den Klassenräumen emporschrauben. Würdevolle
Lehrer, nein Studienräte oder gar
Professoren schreiten gemessenen
Schrittes einher nach oben, wo das
erstrebte Wissen aus ihren schwarzfarbenen Rockschößen gerecht verteilt wird an Dumme wie Gescheite.
Aber – da gibt es noch einen unter
ihnen, der so gar nicht in das übliche Gepräge der Pädagogen passen
Aber: da gibt es unter anderem auch
ein recht umfangreiches „Humanis6
will. Seit kurzer Zeit erst ist er, Gott
weiß wie zum Lehrkörper gestoßen
und der sonst so starre Direktor
hat ein Zugeständnis an die neuen Zeiten gemacht: Ein Referendar,
der Juristerei und Pädagogik studiert, gibt Unterricht in Stenographie? Stolze-Schrey-Kurzschrift und
Deutsch, was bisher noch keineswegs üblich war. Ein Versuch – aber
nicht desto weniger erfolgreich.
so kam es wie es kommen musste.
Karl Fischer, der sich keineswegs
dem üblichen Schulkomment entgegenstellte, wurde gemocht. Er
hatte, wie berichtet wird ein klares
offenes Wesen und ging mit aufrechtem Gang durch seine Zeit. Der
kantige Kopf mit schmalem Gesicht,
energischem Kinn und den offenen
Augen musste jeden für sich einnehmen, dem er gegenüber trat.
Seine Schüler mochten ihn. Da er
vieles und manches mehr als üblich
wusste und vorzuleben verstand,
ging er den Versuch ein zu fordern.
Mit spitzem Bleistift abgekürzte Vokale und Endungen und Dehnungen
- eine Geheimschrift, die man lernen
und verstehen und sogar verwenden
kann – geheimnisvoll, aber doch
begreiflich – es geht – es klappt –
man muss nur wollen. Karl Fischer
heißt er und er ist so gar nicht stur.
Im Gegenteil, man kann mit ihm
reden, auch wenn er erwachsen ist
und eigentlich eine Respektsperson.
Auf kleinen Tagestouren, die damals noch völlig ungewohnt waren,
brachte er einen kleinen Kreis von
älteren Schülern das Erlebnis der näheren und unerschlossenen Umgebung nahe auf Tageswanderungen in
die umliegenden Dörfer und Wälder.
Das Fach Stenographie ist im Kommen, auch wenn es kein Pflichtfach
ist. Immer mehr Interessenten melden sich. Hat der alte Direx, der
bärbeißige Schuldirektor, da mit
der neuen Lehrkraft einen guten
Griff getan gegenüber der alten
Form im Unterricht? Ja das hat
er – er weiß es nur noch nicht.
Es muss ein Erlebnis gewesen sein
ihn zu beobachten, wie er Erdlöcher
aufhob und kleine Feuerlöcher baute, Holz beitrug und mit Gras und
Blättern, dürrem Reisig und wenig
Streichhölzern ein Feuer entfachte,
an dem Kartoffeln, Brotstücke und
Speckscheiben geröstet und gebraten
wurden. Das Erlebnis als ein besonders wagemutiger ein Säcklein mit
Zwiebeln ächzend mitschleifte, die
am Feuer gebraten dem ungewohnten Festmahl die Krone aufsetzten.
Vielleicht ist das der Aufbruch in
eine neue Zeit, obwohl es noch keiner wahrhaben will – sie kommt
– weil schon vieles Gewesene vorbeigegangen ist. Muss alles Gewesene
bleiben, weil Neues nicht geprobt
wurde? Sollen neue Wege nicht begangen werden nur weil noch keiner
der Mut besaß sie zu gehen? Und
Die ausgerollten Mäntel und Decken
unterm freien Himmel und dickichten Waldesrand von Sternengeflimmer überzogen, das Glimmern
des Feuerleins, die Vogelstimmen
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beim Dämmern des Morgens im
nebeldichten kalten Frührot des
neuen Tags. Wer das miterlebte
konnte, wollte, durfte – wollte er
wegbleiben von solchem Erleben?
geln die Wissenschaft beschert, dass
ihr vom hohen Norden nach Süden
heimwärts kehrt“ Die Jungen haben gedacht, sinniert und überlegt.
Und einer, von dem keiner mehr
weiß wer es war, soll gesagt haben:
Wandervögel, sind das nicht wir
wie wir leben und sind – Wandervögel??? Und der Name eines neuen
lebendigen Jungenbundes war erkannt und geboren: „Wandervögel“
Und die kleinen Erlebnisfahrten
wurden mehr und mehr. Keiner
auf dem Gymnasium, der etwas auf
sich hielt, wollte fernbleiben, denn
das gehörte sich so. Der Kreis der
gymnasialen Abenteuerer wuchs
und wuchs. Sogar Karl Fischer
wunderte sich. Ob er das so gewollt
hatte weiß heute niemand mehr.
Nerother
Wandervogel
Das einmal entflammte Bedürfnis
nach frei sein wollen griff um sich
wie ein Steppenbrand. Rings um
Steglitz entstand Gruppe um Gruppe. Dass Karl Fischer, der als Oberpachant wie er sich selbst nannte,
etwas dagegen gehabt hätte ist nicht
bekannt. Wenn er – da niemals unbeteiligt – mit seinem berühmten
Schlapphut auf irgendwelchen längst
ausgedehnten Treffen erschien muss
er wohl sehr stolz gewesen sein.
Das Gymnasium aber war nicht
sehr begeistert über diese Entwicklung. Doch als Diplomat, der er war
griff Fischer zu einem Kunstgriff.
Man schreibt das Jahr 1918/19.
Ganz Deutschland ist in Verwirrung. Nach nur 4 Jahren eines
schrecklich verlustreichen Krieges
ist alles in Auflösung. In Flensburg und Kiel kommt es zu einem
offenen Aufruhr als die Matrosen
eines Schlachtschiffs eine offene
Meuterei beginnen. Seit Monaten
haben sie keinen regulären Sold
erhalten und unter schlechter Ernährung gelitten. Kapitän und Offiziere
speisen sichtbar besser und reichlicher als ihre Mannschaften und als
der erste Offizier wegen einer Kleinigkeit einen Bootsmaat rügt und geohrfeigt haben soll, bricht der Sturm los.
Anlässlich einer ausgedehnten
Samstagsfahrt kehrte die Steglitzer Gruppe an einem Abend noch
vor Dunkel werden über einen am
Rande der Stadt liegenden nicht
mehr benutzten Friedhof nach hause zurück. Im Abendlicht des ausgehenden Tags las einer der Jungen
kopfschüttelnd den Vers eines Grabsteins ab: „Wer hat euch Wandervö-
Die Mannschaft verweigert den
Dienst, die Offiziere werden entwaffnet und alle verlassen das Schiff.
Alles begibt sich an Land; Achselklappen und Abzeichen werden von
den Uniformen gerissen, Kokarden
und rote Armbinden werden angesteckt – allgemeine Verbrüderung
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mit anderen Schiffsbesatzungen,
das ist offener Aufruhr und Rebellion. Offizieren, die ihnen auf den
Straßen begegnen, werden Schulterstücke und Abzeichen vom Rock
gerissen, das große Chaos ist da.
Auch die vielen der Wandervögel hatten schrecklich gelitten und
waren nun deutlich kleiner als zuvor. Ihre Älteren und Gruppenführer wurden nach draußen gezogen.
Notgedrungen versuchten Wandervogel-Mädchen die Jungengruppen
weiter zu halten und zu führen. Eine
zweckmäßige Maßnahme, denn
so sind immerhin die Fähnlein
der jüngeren erhalten geblieben.
Über die Rheinbrücken bei Mainz
und anderswo fluten Gruppen, Kompanien und ganze Battallionsteile
von den Frontabschnitten zurück
ins hilflose ausgehungerte Deutschland – noch herrscht Disziplin und
Ordnung bei den Truppenteilen
– neben vielen verletzten bringen
sie ihre Haubitzen, Geschütze und
Pferdegespanne zurück. Frauen
und Mädchen aus den Städten laufen ihnen entgegen und nebenher
und versorgen die völlig erschöpften Soldaten aus großen Blechkannen mit heißem Tee und belegten
Broten. Die Glocken von Kirchen
und Domen donnern und dröhnen
einen Frieden ein, der erst einmal
schrecklich wird. Es soll und muss
alles besser werden nach 4 allzu langen und verlustreichen Kriegsjahren.
Unter den glücklich zurückgekommenen Alten sind auch zwei Bonner,
die der Gauführung der dortigen
Wandervogelgruppen keine Unbekannten sind. Die Gebrüder Oelbermann – Robert und Karl. Und denen
passt nun gar nicht „das ganze Mädchengehabe und Getändel“. Wie sich
Karl spöttisch äußerte. Das soll und
muss alles anders werden. Jungen zu
Jungen und Mädchen zu Mädchen.
„Das ewige Poussiergehabe passt
nicht zu uns!“ Und das geben die auch
allen zu verstehen, auch wenn die
das zehnmal nicht einsehen wollen.
Schon bald in der folgenden Zeit
ziehen sie sich mit ihren Leuten auf Bundestreffen, Festen und
Gautagen mehr und mehr vom
„allgemeinen
Trubel“
zurück,
zeitweilig sogar schon – ganz ungewohnt – mit den „roten Samtmützen“, eine Art achteckigen Barett´s
wie sie später als das sogenannte
„Nerother Barett“ überall auftauchen und bekannt werden sollen.
Von den jungen Wandervögeln haben
sich tausende und tausende oftmals
freiwillig zu den Fahnen gemeldet –
ganze Schulklassen gingen geschlossen zu den Einschreibestellen des
Heeres, aber so schrecklich viele von
ihnen kamen nicht mehr zurück.
In dieser unvorstellbar schrecklichen
Situation kamen auch die jungen
Wandervögel zurück, die als 16 – 18
jährige eingezogen, in einer völlig
neuen Welt sich nun zurechtfinden
sollten – nichts war mehr wie es war.
Sie ziehen sich aus dem üblichen
Wandervogelbetrieb mehr und mehr
zurück, an Sylvester 1919/20 treffen
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sich 8 Wandervögel im einsamen
Eifeldörfchen Neroth, wo sie in
einer außerhalb gelegenen riesigen
Vulkansteinhöhle ein mächtiges
Feuer entfachen. Der lang gehegte Plan, etwas Eigenes zu schaffen,
geht nun in Erfüllung. Robert
Oelbermann ruft zur Mitternacht
den „Nerommenbund“ aus. Es sind
8 Gefährten, die sich das Versprechen bei flammenden Ästen und
mächtigen Gesängen geben: „Echt
und treu und immer wahr bleib
ewig unsre Ritterschar! Freundschaft
und Treue sind die Wurzeln, aus denen ein Bund sein Leben schöpft“
– der Jugendburg – ergeben soll.
Die 8 Freunde gehen wie Sendboten in ihre Städte zurück, sie
sollen werben und begeistern und
„viel Volk um sich sammeln“, wie
Karl beim Auseinandergehen sagt.
„Waldeck´s Trutze raget
Weit hinaus ins Land
Kameradschaft, Treue
Sind des Bundes Band
Und es lebt der Bund –
Solang noch ein Mund
In´s Tal schickt laut: Horridoh!
Im Sinne der ritterlichen Ordensgemeinschaft, in Wahrheit und
ritterlichem Wesen, so sollen die
neuen
Gruppengemeinschaften
entstehen – „Orden“ sollen sie heißen – und jede von ihnen kann
sich entwickeln und eigene Ideen
umsetzen. Im Untergrund schwelt
schon ein Fünkchen des Feuers,
aus dem sich die Idee und Vorhaben zum Bau einer eigenen Burg
Tomburger
Ritterbund
braver Mann sein Bündel gepackt
und ist gegangen. Unser stabiler
Hai ist aber nicht alleine in die
Fremde gegangen – wenn man eine
„brave Kompanie Soldaten“ hat
gehen sie eben tapfer mit – und
wenn es Steine regnen sollte! Und
weil ein gesundes Kind eben auch einen Namen braucht, gab es plötzlich
den Tomburger Ritterbund.
„Wer immer hinterm Ofen sitzt
Und Grillen fängt und Hölzchen spitzt
Und fremde Lande nie geschaut,
der bleibt ein Narr in seiner Haut“
Als in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Krumpel und
Querelen auch bei den Nerothern
nicht ausbleiben wollten hat ein
So sind also schon viele Jahre übers
Land gezogen und Pläne gemacht
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und verworfen worden. Und noch
mal geplant und gedacht. Aber dann
war es soweit: Wir hatten unsere
Heimstadt und Bleibe. Die Mühle!
Und alles kam wie gedacht:
Die Ruitscher Mühle gehört dem
Tomburger Ritterbund und jedem
der dazugehört.
Als ich das erste Mal mit einem
Fähnlein der Mainzer Gruppe die
Mühle anfuhr war Herbstnebel,
kahles Geäst und leere Wiesen. Und
ein Betonklotz von riesigen Ausmaßen, Wände, leere Fensterhöhlen,
Betontreppen und steile Abstürze
ins Kellergeschoss, endlose verwinkelte Gänge, Zugwind und Herbstregen jagten einen von einer Wand zur
anderen.
Aber weiter muss noch viel getan
werden, vom Träumen alleine wird
nichts wahr. Über das was wir wahr
machen und leben wollen gibt es
wenige Regeln. Im Jahr 1949, als alles am Boden war, gab es auch keine
Nerother mehr. Damals haben sich
auf Burg Grenzau im Westerwald,
die Burg mit dem einzigen Dreiecksturm weitum, 14 Ritter aus dem
Vorkriegsbund getroffen und im
Turmzimmer ein Kapitel gehalten.
Sie haben weinige aber klare Regeln
aufgestellt wie alles wieder werden
und leben soll im Bund.
Wir hatten mit Kohtenplanen ein
leeres Fensterloch und die Türöffnung zugehängt, an der Wand ein
winziges Feuer gemacht und im
Qualm unsere Schlafsäcke hingelegt.
Einer ist ins Dorf und hat ein paar
Flaschen organisiert, wir haben Brot
geröstet, ein bisschen getrunken,
geraucht, gesungen bis es kalt geworden und auch etwas später war.
Hier habt ihr das seltene Dokument –
es ist überliefert aus der alten Gemeinschaft des Ordens der Rabenklaue.
Sollte man sich nicht an vieles davon halten was diese 14 Vorkriegsritter da aufgeschrieben und mit
ihrer eigenen Unterschrift bekräftigt
haben? Vielleicht sollten wir – nein
– nicht vielleicht: WIR SOLLTEN!!!
Morgens haben wir uns die
Trümmerlandschaft angesehen –
aber dann:
Das Gelände, die Tannen, die Wiesen
und Büsche und Bäume am Waldrand
und der Bach – die Nette – das große
alte eiserne Mühlrad – es war einfach
schön, zu schön um wahr zu sein!
Ob man so etwas bekommen könnte zum bauen, etwas machen, feiern
und singen und Feuer und Treffen
und und und…
Tausend Pläne was wo und wie
gemacht werden könnte wenn…
Scheich
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Aus den Orden
Berichte zum 25. Jährigen
Orden der Samojeden
1. Tomburger Bundesgründung
aus Sicht der Samojeden
Um zu erklären wie der Orden der
Samojeden die Bundesgründung
erlebte, bedarf es einer 25jährigen Rückschau! Und alles begann
noch ein paar Jährchen davor!
Namen wie Vormy, Hundefänger,
Anouschka,
Hanny
werden
heute wohl kaum noch jemanden
irgendetwas
sagen,
aber es gab eine kleine bündische
Szene in und um Bad Kreuznach.
Bekannter sind euch vielleicht die
Namen Lombi und Kräuter, die beide im Orden der Korsaren im NWV
waren. Erster damals schon inaktiv,
zweiter noch aktiv! Obwohl ich damals in Langenlonsheim wohnte,
sollte es doch noch eine ganze Zeit
dauern bis ich Wolfgang kennenlernte.
1982: Feuchty und ich fanden uns
zusammen in der Erzieherausbildung und lernten uns in der Schule in Bad Kreuznach kennen. Ob
Feuchty damals noch bei den Feuerreitern war, oder schon nicht mehr,
kann ich heute nicht mehr sagen!
Jedenfalls hatte er nerothane Vorerfahrung. Ich war damals gerade
21 Jahre alt und mein bündischer
Werdegang war über CVJM und die
im Kreis Bad Kreuznach vertretene
beJ-Nahe (bündisch evangelische Jugend) noch nicht drüber hinaus gekommen! Damals war ich noch bei
der beJ aktiv als Gruppenleiter der
Gruppe von Rüdesheim/Nahe. Es
gab also Anknüpfungspunkte und
über die Schule lernten wir uns besser kennen und schlossen Freundschaft!
Im Sommer 1984 war unsere schulische Ausbildung beendet und es
ging nun daran in einem Anerkennungsjahr in der Praxis zu beweisen,
dass man die schulischen Kenntnisse
auch umzusetzen wusste. Bis hierher hatte ich mit Feuchty und auch
mit Hundefänger, der damals das
Fähnlein der Saporoger in der Deutschen Freischar führte, als „Gast“
einige Fahrten mitgemacht. Unter
anderem lernte ich Schnapsi, Keks,
Hexe, Pan, usw. kennen! Kurz um
es war für mich eine intensive Zeit,
mit vielen neuen Erfahrungen und
Begegnungen, die mich bis heute
Über Feuchty fand ich dann auch
meine ersten Kontakte zu anderen Bünden und Einzelpersonen
mit bündischer Vergangenheit!
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geprägt haben! In diesem Zeitraum
lernte ich auch den Steffenshof und
die Burg Waldeck kennen. Über
diese Erfahrungen begann ich mich
dann auch mit der Geschichte der
Wandervogelbewegung zu informieren und kämpfte mich durch Werke
von Blüher und Arno Klönne und
las die Morgenlandfahrt von Hesse!
Kurz um: ich begann „bündisch“ zu
werden! Mein bisheriges pseudobündisches Leben, was doch nur kirchliche Jugendpflege mit Freizeiten und
organisierten Zeltlagern zu Pfingsten
und im Sommer waren, begann mir
nicht mehr zu genügen! Ich wollte
mehr!
dann ein Pennertippel veranstaltet. Es ging darum, die Zeit bis zum
Abend zu überbrücken und das Ziel
war es, sich durch Gesang und ordentliches Auftreten, Freigetränke
und Essen zu „erbetteln“. Viele Korsaren sah ich dort zum ersten Mal!
Das Jahr 1984 war dann wohl das
entscheidende, dass Feuchty und
mich bewog in 1985 zum ersten Male
an einem Ordenslager der Korsaren im NWV teilzunehmen! Einen
nicht unerheblichen Anteil hatte sicherlich Kräuter an dieser Entwicklung! Zu ihm hatten wir in dieser
Zeit einen regelmäßigen Kontakt.
Ein Beleg hierfür ist, dass ich im
Advent 1984 ein kleines Bändchen,
welches Kräuter zur Jahreswende
entwarf und innerhalb des Ordens
der Korsaren verteilte bereits erhielt!
Durch das Anerkennungsjahr als
Erzieher, welches ich in Kirchheimbolanden in einem Kinder- und
Jugendheim antrat, war ein Wohnungswechsel verbunden, der dazu
führte, dass ich meine beJ-Gruppe
in Rüdesheim/Nahe aufgeben musste! Ein Einschnitt, der mir half, das
Alte hinter mir zu lassen und mich
dem Neuen zuzuwenden! Ob es
noch im Jahre 1984 oder im darauffolgenden Jahr weiß ich nun
nicht mehr so genau zu sagen, aber
auf jeden Fall war es im Herbst, als
ich als erster beJ‘ler beim Thing am
Feuer mein Halstuch offiziell zurückgab!
An Ostern 1985 war es dann soweit:
Feuchty, Flachi und ich nahmen am
Osterlager des Orden der Korsaren
im NWV im Hahnenbachtal teil.
Wie immer wenn Ältere zu einer
Gruppe stoßen, wurden wir beäugt
und uns vom Ordensführer Volker
eine Aufnahme in den Orden in Aussicht gestellt, wenn wir unser Interesse durch rege Teilnahme am Ordensgeschehen unter Beweis stellten.
Das aber ging Kräuter nicht schnell
genug und er gründete daher spontan auf dem Lager noch das Probefähnlein der Klabautermänner im Orden der Korsaren. Als Ordensritter
hatte er ja hierzu die Berechtigung.
Wir erhielten unsere Halstücher
und waren so ratz fatz Korsaren geworden! Es folgte ein Lager im Mai
In diesen Zeitraum fiel auch ein
Fest, dass Feuchty in Weinsheim
(Kreis Bad Kreuznach) ausrichtete.
Der Grund zu diesem Fest ist mir
leider nicht mehr bekannt, aber es
war ein Fest, zu dem er viele Bündische einlud. Am Samstag wurde
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in der Nähe von Sobernheim, dass
vielen noch durch sein wechselhaftes Wetter in Erinnerung geblieben sein dürfte. Regen, Schnee und
Sonnenschein alles vertreten! Flachi
zauberte aus Käseresten ein Käsefondue zum Kochwettstreit - sehr
zum Verdruss der Jury, der wir gerne eine ordentliche Portion abtraten!
Der Nebel wird durch die ersten wärmenden Sonnenstrahlen unterbrochen und wir stimmen das Lied an
„Wenn ich einmal der Herrgott wär“.
Irgendwann danach kam es zu
Streit zwischen Flachi und Kräuter,
was dazu führte, dass wir nun ohne
Kräuter weiter machten.
Noch in 1985 fanden dann
die Elternabende in Köln und
Langenlonsheim statt. Beendet wurde das Jahr dann mit einem HadschiTippel von Steffenshof nach Langenlonsheim.
Das Lager sollte eigentlich zur
Vorbereitung des Bundestages des
Nerother Wandervogels an Pfingsten dienen. Aber leider kam etwas
unvorgesehenes dazwischen und der
Orden der Korsaren
beteiligte sich in diesem Jahr nicht an
dem Bundestag! Sehr
zu meinem Bedauern, da ich so um das
Vergnügen beraubt
wurde einen Bundestag der Nerother
mal live erleben zu
dürfen! Im Sommer
machte ich dann mit
Flachi eine Tramptour
nach Bayern, wo wir uns immer mal
wieder mit Kräuter trafen, der mit
seiner Frau dort Urlaub machte und
sich Land und Leute und viele kulturelles ansah. In der nachfolgenden
Zeit, begann Feuchty sein Fähnlein
aufzubauen.
Im November 1985 feierte der Orden
der Korsaren dann sein 15jähriges
Bestehen noch auf der Bastion von
Burg Waldeck. Hier erhielt ich mein
blaues Barett. Für mich unvergesslich
geblieben: Am Morgen versammeln
sich Ältere um die leeren Bierfässer.
Der Grund für das
fernbleiben
vom
Orden der Korsaren
beim Bundestreffen
war ein Brief von
FM,
Bundesführer der Nerother,
vom 2.05.85 Darin schrieb er das
er den KorsarenOrden aus dem
Nerother
Bund
entlassen wollte. Die
Nachricht traf uns
sehr überraschend. Die Korsaren
waren zu dieser Zeit der mit Abstand
größte Orden im Bund, sehr aktive
und hatten noch auf dem letztjährigen Bundestreffen im Sängerwettstreit den 1. Preis im Ordensgesang
erobert. Und trotzdem wollte er
uns aus dem Bund entlassen, „in
beiderseitigem Einverständniss“ wie
er schrieb. Wie sich in späteren Gesprächen herausstellte ging es Ihm
nicht darum alle Mitglieder der
Korsaren aus dem Bund zu entlassen sondern lediglich um die Auf16
lösung vom Orden der Korsaren im
Bund. Er hat das Angebot gemacht
das sich die Korsaren-Fähnlein
anderen Orden anschließen können. Dies wurde aber abgelehnt.
Der Orden wollte seine langjährige
Gemeinschaft nicht aufgeben und
so wurde sich in der Folgezeit viele Gedanken gemacht wie wir das
erreichen konnten. Trotz Fürsprache
anderer Ordensführer und Nerother-Bundesritter für einen Verbleib
des Ordens im Nerother-Bund war
für uns jedoch schnell klar das die
Differenzen mit FM so groß waren
das wir letztendlich dem Austritt zustimmten.
Feuchty sein Fähnlein, trotz Familie
weiterführen will. Wie wir dann du
den Namen Samojeden kamen ist
eine andere Geschichte und kann
auf unser Homepage gerne nachgelesen werden. Feuchty wurde der
erste Ordensführer der Samojeden!
Und dann ging alles sehr schnell!
Bereits an Pfingsten 1986 feierte der
Tomburger Ritterbund seine offizielle Gründung an der Saarschleife
bei Merzig im Saarland. Hai wurde
zum ersten Bundesführer ernannt
und Volker wurde sein Kanzler. In
Mainz entstand das Probefähnlein
um Hacky und Donald. Im Sommer begann ich mit dem Aufbau des
Kirchheimbolandener Fähnleins, das
den Namen Tawgy führte, Feuchty
Fähnlein hieß Awam! Noch vor den
Sommerferien fand dann ein weiteres Bundeslager auf der Schmidtburg
statt. Hier schlug Hai seine ersten 10
Gefolgsmänner zu Rittern und ich war
stolz darauf, einer von ihnen zu sein.
Schnell setzte sich die Ansicht durch,
dass wir einen eigenen Bund gründen wollen. Auf dem Ordenstreffen
Ostern 1986 wurde der Entschluss
gefast einen eigenen Bund zu gründen.
Und nun ging alles Schlag auf
Schlag. Bereits 14 Tage später
trafen wir uns im Saarbrücker Nest
und stellten die ersten Weichen für
den neu zu gründeten Bund, der noch
ohne Name war. In seinem Rundbrief schlägt Hai vor, dass drei Orden
gegründet werden sollen: Saarland,
Naheland, Köln. Ein vierter Orden soll
durch Muli und Trampel entstehen.
Diesem Wunsch wurde aber nur teilweise entsprochen und für Feuchty
und mich war es eigentlich schnell
klar, dass wir unseren eigenen Orden gründen wollen. So informierte ich Hai in einem Brief vom
06.05.1986 das Flachi ausgetreten
ist, Glöckchen in Kirchheimbolanden ein Fähnlein aufbauen wird,
In den Ferien führte ich dann die
Großfahrt nach Frankreich an. Während der Großfahrt bekamen die
Pimpfe die noch das Korsarenhalstuch trugen, das neue Halstuch der
Samojeden (blau-schwarz) verliehen. Damit war der Wechsel zu den
Samojeden vollzogen. Im Laufe des
Jahres musste Feuchty aus familiären
Gründen etwas kürzer treten und
übergab mir die Ordensführung.
Im Mai 1987 erfolgt dann der
Zusammenschluss des Probefähnlein Mainz mit dem Orden der Samojeden. Wir einigten uns darauf,
dass die Halstuchfarbe nun gelb-rot
sein sollte!
17
Am Bundeslager zu Pfingsten 1987
an der Mühle Fockenbach erschien
der Orden mit 14 Samojeden!
Bereits 1988 trennten wir uns von
Donald und 1989 wechselten wir
letztmalig unsere Ordensfarben in
die nunmehr gültigen weiß-braunen.
Weiß für den Schnee Sibiriens und
braun für die Farbe des Rentieres.
Es bleibt noch vieles zu erzählen
übrig, wie es mit dem Bund und
dem Orden der Samojeden weiterging, aber dies soll hier nicht dargestellt werden! Ich hoffe ich konnte
euch einen ausreichenden Überblick
verschaffen über die Entstehung des
Ordens der Samojeden!
Horridoh Glöckchen
Wie der Orden entstand, könnt ihr
an anderer Stelle dieser Zeitung
lesen. Hier gilt es eine Rückschau
auf unser Fest zu halten. Bereits
im Herbst begannen die Vorbereitungen hierzu. Hacky erklärte
sich bereit einen großen Teil der
Organisation zu übernehmen. Er
sprach mit Lamy und Erik, die ja
als Organisatoren des Frühlingsfestes bereits eine Menge an Erfahrungen sammeln konnten, was für
ein solch groß angelegtes Fest alles
notwendig ist. Hierbei wuchs dann
der Gedanke, das Frühlingsfest
und die Feier zum Ordensjubiläum
zusammen zulegen.
Ein Termin wurde schnell
gefunden: Vom 13. - 15. Mai 2011
sollte dies stattfinden, wobei der
Samstag der Hauptfeiertag sein
sollte. Aber soweit war es ja noch
nicht! Hacky machte sich gleich
auch Gedanken für ein mögliches
Programm. Einiges würde disku-
Fest 25 Jahre Orden der Samojeden
2. 25 Jahre
Orden der Samojeden
18
tiert und nach reiflicher Überlegung wieder verworfen, (Bündische Disco) anderes scheiterte
schließlich an dem Mangel an
Zeit zur Vorbereitung (kleines
Theaterstück)und am Wetter (just
in dem Moment, als eine offizielle Begrüßung erfolgen sollte,
begann es zu regnen und jeder
suchte ein trockenes Plätzchen
zu erhaschen - da war nicht mehr
an diese Form der Begrüßung zu
denken). Aber ich greife vor, noch
war es ja nicht soweit. Zunächst
wollte eine Einladung entworfen
werden und Adressen gesichtet
werden! Und das war noch die
kleinste der Aufgaben, denn Hacky hat sich in den Kopf gesetzt
mit einer Diashow aus 25 Jahren zu glänzen. Da mussten jede
Menge Fotos und Dias erst mal
eingescannt und dann sortiert
werden. Auch durfte die Diashow
nicht zu lange dauern, da es sonst
ermüdend auf unsere Gäste wir-
ken würde und es musste ein Vortragskonzept erstellt werden! Hier
an dieser Stelle, sei Hacky‘s Arbeit
für die gelungene Umsetzung Dank
ausgesprochen. Ich kann euch versichern, dass er noch bis kurz vorher
an der Auswahl und dem Vortragskonzept gearbeitet hat.
kommt, liefen nur recht schleppend
ein und eine gesicherte Grundlage
für die Bestellungen war dies nicht.
Hacky telefonierte daher etlichen
Leuten hinterher um eine möglichst
zutreffende Aussage treffen zu können. Aber es blieben ein paar Unwägbarkeiten. Letztlich korrigierten
wir die veranschlagten 20 kg Spießbraten noch zweimal nach oben, bis
es zuletzt dann 35 kg wurden.
Dann war da aber auch noch die
Versorgungsfrage zu klären - bisher
wurde ja an den Frühlingsfesten immer etwas Besonderes gegrillt oder
gekocht. Aber es galt auch unsere
wenigen Kräfte nicht zu sehr mit
Aufgaben zu überfüllen,
schließlich wollten auch
wir noch Zeit haben an
unserem Fest mit unseren
Gästen den ein oder anderen Plausch zu halten und
das zu tun, wofür wir uns
eigentlich zusammenfanden, nämlich zu feiern! So entwickelte sich
die Idee Spießbraten fertig zubereitet einzukaufen.
Schnell herrschte Einigkeit, dass
der weltbeste Spießbraten nur im
Globus-Markt in Gensingen zu bekommen sei!
Hacky hatte Zusagen von ca. 80 Personen, aber es fehlten doch noch
einige Fremdgruppen, die wir eingeladen hatten und von denen wir
keine Rückmeldung erhielten!
Auch hatten wir am ersten Zugvogel Sängerwettstreit in Dünkelfeld noch
Werbung gemacht und so
war es völlig unklar, wie
viele Personen es nun
letztlich werden sollten?
So näherte sich der Tag
des Festes.
Ein Wochenende davor war
ein Arbeitseinsatz angesetzt worden um die Mühle in einem ordentlichen und die Wiese in einem gemähten Zustand präsentieren zu können!
Jedenfalls fanden Lemmy und ich
die Mühle am Montagnachmittag
in einem sehr gepflegten Zustand
vor und auch die Wiese war gemäht.
Hierfür meinen Dank an Erik, Guido, Wolfgang und Hacky! Wir beiden
rechten dann noch das gemähte Gras
zusammen und schnitten mit der
Sense noch die Uferböschungen und
den Mühlgraben frei, machten die
notwendigen Einkäufe und sorgten
Doch wie viel sollten wir bestellen
und wie das ganze bezahlen? So einigten wir uns schließlich auf eine
Essensumlage und beschlossen, dass
unser Beitrag zum Fest aus 25 Kisten
Freigetränke bestehen sollte, die wir
samstags ausgeben wollten - mehr
war bei den wenigen erwachsenen
Schultern und den Einkommen der
Einzelnen auch nicht zu holen! Aber
die Rückmeldungen wer zum Feste
19
dafür, dass das Außenwaschbecken
wieder funktionierte (Dank Jochen),
die Feuerstelle wurde gesäubert.
Donnerstags wurde dann auch der
Kühlwagen geliefert und so begannen wir zwei dann mit dem Jurtenaufbau: Es galt ja die zwei Großraumjurten zu stellen und zwei weitere
Jurten, die der Essensausgabe und
dem Orden als Schlafplatz dienen
sollten aufzubauen.
Bis Donnerstagabends um 20.30 Uhr
standen die drei Jurten und die vierte lag gerade in ihrer Vollendung, als
uns mit Scheich, Thorsten und Hacky, die heiß ersehnte Unterstützung
eintraf. Bis 22.00 Uhr hatten wir dann
unseren Aufbau soweit beendet, dass
uns für Freitags nur noch das Stellen
der Stangen und das Hochziehen der
Jurten übrig blieb! Gern hätte ich
dies noch am Abend gemacht, aber
die einbrechende Dunkelheit zwang
uns dies zu verschieben. Der Abend
wurde dann noch ausgefüllt, mit einer Sichtung des zusammengestellten Diavortrages und der Absprache,
was nun noch alles zu organisieren
und zu tun sei.
es höchste Zeit sich um Feuerholz
für die Nacht zu sorgen! Während
Lemmy und Thorsten im Wald vom
Kneipen-Gonzo Brennholz zusammensuchten, begab ich mich auf
Einkaufsfahrt der noch benötigten
Dinge, die wie immer erst vor Ort
auftauchten und eigentlich nicht eingeplant waren.
Anschließend wurde mit dem Anhänger eine erste Fuhre Holz aus dem
Wald gefahren. Jetzt war es schon
nachmittags und die ersten Tomburger trafen bereits zur Mittagszeit ein.
Nun galt es den weiteren Ankömmlingen, den Service zu bieten, den
wir ihnen zu bieten vorgenommen
hatten. So wurde der Getränkeverkauf und der Erwerb von Essensmarken organisiert. Wolfgang kümmert
sich um die Beleuchtung des Verkaufstandes, Hauke übernahm die
Kasse und Rüdiger und Sandra und
nicht zuletzt Rumpel vom Zugvogel
sollten ihn am gesamten Wochenende tatkräftig unterstützen! Lamy und
Hacky bereiteten die Verfeinerung
einer Kartoffelsuppe zum abendlichen Verzehr! Lemmy und ich kümmerten uns darum, dass das bestellte
und nun gelieferte Holz an Ort und
Stelle gebracht wurde.
Der Freitag war dann wieder mal
früh aufstehen angesagt, schließlich
gab es noch Arbeit genug. Und es
begann uns die Zeit davon zu laufen!
Würde alles noch rechtzeitig fertig werden, vor dem Eintreffen der
ersten Gäste? Hektik überfiel mich
und Lemmy angesichts der noch zu
klärenden Fragen und der zu bewältigenden Aufgaben! Nachdem uns
das Stellen der Jurtenstangen und
das Hochziehen der Jurten doch
länger aufhielten als geplant, wurde
Irgendwie verging der Tag im Flug
mit Arbeiten. Mit Einbruch der
Dämmerung begann Lemmy das
Feuer zu entzünden und ca. 35 - 40
Personen fanden sich ein um den
Tag mit Gesang am Feuer ausklingen
zu lassen! Es war ein sehr schöner
Abend und mal wieder kroch ich viel
zu spät in meinen Schlafsack, glück20
lich darüber, dass bisher alles doch
noch recht gelungen abgelaufen war!
Nach einem viel zu kurzem Schlaf,
folgte ein weiterer arbeitsreicher
Tag für die Samojeden. Nach einem zugegebener weise recht späten
Ordens-Frühstück, welches durch
die Brötchen- und Mettspende von
Holger noch besonders gehoben
wurde, galt es nun die weitere Feier
zu gestalten. Da wir Freitagabend
den gesamten bereits gesammelten
Holzvorrat verfeuert hatten, musste
Nachschub besorgt werden, es galt
daneben die Fahrzeuge vom Gelände zu entfernen, da bereits jetzt alle
Parkplätze besetzt waren und noch
weitere Gäste erwartet wurden. Wir
mussten daher einen Shuttledienst
organisieren.
kauf, Christian besorgte dann noch
die notwendige Abholung des bestellten Spießbratens, Lemmy baute
mit Unterstützung von ausgesuchten
Pimpfen das Ordensfeuer vor und
Hacky und ich widmeten uns nach
der gelungenen Diashow, der Vorbereitung der Essensausgabe!
Leider erfuhr Christian, als er zur
Abholung in Gensingen eintraf, dass
es dem Globus nicht gelungen war
die 35 kg zur Abholzeit rechtzeitig fertig gegart zu haben. Dadurch
wurde das Abendessen um ca. 1,5
Stunden verzögert! Nachdem es am
Nachmittag etwa gegen 15.00 Uhr
geregnet hatte, schaffte es die Sonne nicht mehr zu den bisherigen
Temperaturen und so war es denn
nach der von uns unverschuldeten
verspäteten Essensausgabe schon
etwas angezogen und kalt! Da nun
auch die Dunkelheit schnell eintrat,
wurde das Ordensfeuer bald darauf
entzündet und die hochschlagenden
Flammen ließ uns den Kreis um das
Feuer vergrößern um den sich so ca.
100 Personen versammelten.
Des Weiteren galt es einen Zeitplan
im Auge zu behalten. Begrüßung,
Diashow, Essen abholen und die
Ausgabe vorbereiten, Ordensfeuer
aufbauen, Gäste willkommen heißen, die Bewirtung sicher stellen und
vieles mehr galt es zu berücksichtigen! Es gab daher viel zu tun und wir
packten es an!
Was nun folgte wird für mich unvergesslich bleiben! Nach den obligatorischen Reden begann ein Fest am
Feuer, das bis in die frühen Morgenstunden dauern sollte und die letzten
sich erst bei Einbruch des Tages in
ihren Schlafsack trieb. In der Rückschau kann ich wohl sagen, dass es
uns gelungen war ein schönes Fest
zu feiern!
Einen besonderen Dank, möchte ich
an dieser Stellen an jenen Pimpfen
aussprechen, die mit Lemmy, Thorsten und Andreas (Ex-Pimpf von mir)
ca. 3 Stunden im Wald verbrachten
um das benötigte Brennholz für
das Ordensfeuer und den weiteren
Abend zu sichern. Dabei sei lobend
erwähnt, dass sich hieran viele Korsarenpimpfe beteiligten! Christian
und Holger teilten sich den Shuttledienst, Hauke übernahm den Ver-
Von den Anstrengungen die in der
Vorbereitung und der Nachberei21
tung des Festes lag, will ich nun mal
schweigen und nur so viel verraten,
dass ich noch eine Woche später mit
den Nachwirkungen wie Schlafmangel und Muskelkater zu kämpfen hatte! Ich glaube es war ein gelungenes
Fest, auch wenn ich dann noch den
Montag bis ca. 21.00 Uhr benötigte,
um alles wieder in einen ordentlichen Zustand zu versetzten!
Obelix folgten den Aufruf! Für
unser gemeinsames Großfahrtenabschlusstreffen wünsche ich mir
noch die Beteiligung von anderen weiteren befreundeten Gruppen, wie z.B. von der Freischar, von
Bossi und Joker aus Wuppertal!
Vielleicht ist das Mittsommerfest
vom 24. - 26.Juni besser besucht!
Dies würde mich sehr freuen, da es
ja hier gilt ein weiteres Jubiläum zu
feiern: Der Tomburger Ritterbund
feiert sein 25jähriges Bestehen!!!
Was die Samojeden auf nur wenige
Schultern verteilt erreicht haben,
sollt mit Unterstützung des gesamten
Bundes nicht zurück bleiben! Lasst
uns ein schönes 25jähriges Jubiläum
feiern! Unsere Gäste seien herzlich
dazu eingeladen, den unseren sei
eine aktive Unterstützung ans Herz
gelegt, damit sich die Arbeit nicht
nur auf so wenige Schultern verteilt.
An dieser Stelle möchte ich auch
mal Pui unseren Ex-Bundesführer
meinen Dank aussprechen. Seit
Jahren druckt er uns die notwendigen Essens- und Getränkemarken
unentgeltlich und auch diese Zeitung!
Mein großer Dank gilt hier auch unserem Bundeskanzler Hauke, der
mit seinem unermüdlichen Einsatz
dafür Sorge getragen hat, dass wir
nicht nur im eigenen Saft schmorten, sondern auch andere Gruppen uns besuchten. Die Rede vom
bündischen Netzwerk beginnt zu
wirken!
Zugvogel,
Fahrtengemeinschaft Weißer Kranich und
Gruß
Glöckchen
22
Orden der Nordländer
Zur Entstehungsgeschichte
der Nordländer
In Berlin gab es seit je her eine ziemlich eigenwillige Entwicklung bei
der Entstehung wandervogelartiger
Gruppen. Erste Nerother Wandervögel, nach dem 2. Weltkrieg, gab es hier
etwa seit Anfang der 1960ger Jahre.
wollte mal ein Buch über die
Ereignisse über unsere Berliner
Wandervogelgeschichte verfassen.
Kurz und gut, nach einigen brausenden Jahren im Nerother Wandervogel, der von Karl Oelbermann
– kurz Oelb genannt – königlich
geführt wurde und der dann leider
auch altersbedingt verstorben war,
kam es wegen erheblicher Differenzen zum neuen Bundesführer FM
zum Austritt des Ordens der Korsaren, der von Hai geleitet wurde, aus
dem Nerother Wandervogel, und der
Gründung eines neuen Bundes, nämlich des Tomburger Ritterbundes.
Sehr stark vertreten waren die Pfadfinder, in erster Linie der Bund
Deutscher Pfadfinder und der Deutschen Pfadfinderbund in dem ich
von 1953 bis 1965 aktiv war, nachdem mich Spielkameraden aus meiner Wohnstraße einmal zu einer
Sommersonnenwendfeier in Berlin
mitgenommen hatten und ich kurz
darauf gleich mal eine Gruppe übernehmen musste. 1965 waren viele
meiner Pfadfinderkameraden bereits
Nerother geworden,
was dazu führte, dass
auch ich mit meiner
Gruppe zu den Wandervögeln wechselte.
Zur gleichen Zeit gab es mit dem
neuen Ordensführer im Orden
der „Weißen Ritter“, Jochen Krüger,
ebenfalls Auseinandersetzungen über
Form und Stil meiner althergebrachten
Gruppenarbeit,
so
dass ich, auf Grund
der guten Freundschaft, die mich mit
Hai verband, Antrag um Aufnahme
bei den Tomburgern
für mich und meine Gruppe stellte,
was stattgegeben wurde. Hier entstand dann der Orden der Nordländer (lever dot üs slav), der zum
Ärger mancher anderer Orden zum
Zu
der
bewegten Geschichte der
Orden, die dann
in Berlin beheimatet waren und über
unsere
Kellerheime und Aktivitäten
zu berichten würde
hier zu weit führen, unser Gründer und seit 1970
erster Ordensführer der „Weißen
Ritter“ Wau, leider im November
im vergangenen Jahr verstorben,
23
Pfingstlager immer die ersten Preise
beim Singewettstreit abräumten. Die
aktive Phase des Ordens ging bist
etwa 1998, bis ich aus meiner lange bewohnten Behausung im Wedding auszog und nun in Mahlsdorf
residieren. Aktiv sind nun nur
noch Andi und Heiko, Ritter und
auch Mitbegründer des Tomburger
Ritterbund e.V. und sicher wäre auch
Steppel, Stefan Berneburg noch dabei
wäre er nicht 1989 tödlich mit seinem
Motorrad in Jugoslavien verunglückt.
erreicht hat. Dieser Kreis trifft sich
selbstverständlich auch mit anderen ehemaligen Ordensmitgliedern
aus dem Nerotherbund läd zu Treffen ein und geht noch auf Wanderfahrt, in diesem Jahr in die Masuren.
Nun, wir letzten drei Aktiven aus
dem Orden der Nordländer werden
wohl altersbedingt keine Gruppen
mehr direkt führen, obwohl es noch
kribbelt, wir sind aber gerne bereit
so weit wie möglich andere junge
Gruppen zu unterstützen, so wie wir
es damals auch erlebt haben.
Heutzutage treffen sich alle 14 Tage
ehemalige, übrig gebliebene Mitglieder der einstigen Orden Weiße
Ritter und Wikinger zum Musikantenzirkel, der unter der derzeitigen
Leitung von Andi ein beachtliches
Niveau im Singen und Musizieren
Horridoh und noch mal:
Lever dot üs slav
Benno
(Mai 2011)
24
Orden der Korsaren
Auch ein Jocker
war mal ein Pimpf
Es war einmal, wie es keinmal war,
wenn es anders gewesen wäre,
würde es nicht erzählt werden. Und
eines ist klar, aber unvorstellbar:
Auch ein Jocker war mal Pimpf.
in einem Zelt (!!) sitzen zu dürfen
und den Gesängen der Alten ( J ) zu
lauschen: der erste Geschmack von
Freiheit in diesem jungen Leben.
Der Aufbau und Ausbau des Gruppennests in der Ludwigstrasse in
Saarbrücken, mit eigener Hand und
unter Verwendung von Material,
das (was den offenen Kamin betraf)
auf dem Weg zur Gruppenstunde
in Form von Klinkern auf den Baustellen der Stadt zusammengebettelt wurde, das Gefühl, als dieser
Kamin ein erstes Mal entzündet
wurde (musste natürlich ein komplettes Sofa dafür
herhalten), der erste
selbstgestaltete Elternabend mit Diavortrag
von
stattgehabten
Fahrten an den Wochenenden und in den
Ferien: unbeschreiblicher Stolz auf aus
eigener Kraft Geleistetes. Erstes Geklimper
auf der Gitarre, jeder
der es besser konnte,
wurde auf jedem Lager, bei jeder
Gelegenheit genötigt, weitere Tricks
zu verraten, um weiter zu kommen,
besser zu werden, mitspielen zu
können, wenn abends auf Fahrt am
Feuer oder auch in Gaststätten mit
ehrfurchtgebietenden Inhaberinnen
(ja, ja, Thea) gesungen und gespielt
Ohne Barett. Ohne Fahrtenmesser. Ohne Batzen. Ohne Fahrtenerfahrung. Und ohne Gitarre.
Aber immerhin hatte er schon damals einen älteren Bruder, der aufgrund der Tatsache, dass dieser zum
Konfirmandenunterricht gezwungen
wurde zufällig auf einen Wommer
stieß: Ralf Wommer. Außer seinem
Talent, massenhaft Pimpfe zu Gruppenstunden des Nerother
Wandervogels
zu schleppen ist von
Ralf nicht viel überliefert. Aber immerhin.
Als Klein-Jocker dann
im zarten Alter von
11 Jahren das erste
Mal mit in diese geheimnisvolle
Gruppenstunde und dann
kurz darauf auch mit
auf die erste Fahrt durfte, war er
begeistert. Quasi den ganzen Tag
unbeaufsichtigt im Wald umher
tollen zu können, mit etlichen anderen gleicher Gesinnung (um hier
nur Pirmi, und Alfred zu nennen),
abends so lange, bis man freiwillig
in den Schlafsack kroch, am Feuer
25
wurde. Und zuhause die nicht vorhandenen Nerven der Eltern und
Nachbarn ertragen zu müssen, deren Einsicht auf die Wichtigkeit
der stundenlangen Vorbereitung
auf den nächsten Sängerkrieg doch
teils arg zu wünschen übrig ließ!
gen auf einem Campingplatz, „You
have burned Lappland“, ein Vorwurf, der gegen Deutsche im Allgemeinen, aber doch sehr persönlich
gemeint war. Eine Erfahrung mehr.
Korsika, einige Jahre später: Zwei
14-jährige Pimpfe (Hallo, Frank
Auler!) trampen quer durch diese
Insel, verabredet mit dem Rest der
Mannschaft heute oder spätestens
morgen an einem Ort, den man
zuvor nie gesehen hat (und Vorteil
der Jugend, die die Landessprache leidlich beherrscht: wir waren
meist die Ersten!). Griechenland,
Marokko, Korsika-Sardinien, Portugal, Fahrten nach Frankreich,
aber auch Tippeltouren in Deutschland, Oberpfalz, Franken, Hunsrück
und Eifel, jährliche Besuche bei
den damals noch als Insulaner bekannten Weißen Rittern in Berlin.
Großfahrten! Für Korsika noch für
zu jung erklärt, um mitgenommen
zu werden (trotz energischem Protest der Eltern, sie wären gerne beide
Kinder losgeworden), im Jahr darauf
endlich mit, auf großer Fahrt nach
Finnland und Schweden, Mücken,
Traumlandschaften mit frei zugänglichen Saunen an traumhaften
Seen in menschenleeren Wäldern.
Die nächtliche Begegnung beim
Pinkeln mit einer Elchkuh und ihrem Jungen im Zwielicht der Mitternachtssonne, die ohne die am
Tag darauf gefundenen Fährten als
Träumerei abgetan worden wäre.
Stell Dir vor, Du stehst verschlafen
mit übervoller Blase an einem Gebüsch, um diese zu leeren. Und im
Moment, der Erleichterung bringen
soll, teilt sich der erwartete Sichtschutz, eine riesenhafte Oberlippe,
gefühlte zwei Meter über Dir schwebend, ist Dein erster Eindruck, ohne
dass Du auch nur die geringste Vorstellung von dem ganzen Tier hast,
das nur schaut, sich herumdreht
und mit seinem Kälbchen, dessen
Schulterhöhe Dich mit Deinen 121/2
Jahren um Haupthöhe überragt,
würdevoll davon schreitet, wohlwissend, Du warst keine Gefahr.
Unverhofft anonyme Beschimpfun-
Später dann die Gründung eines
eigenen Fähnleins. Weder Krümel,
noch der Direktor unserer Schule
waren von der Methode, einen mutmaßlichen Neu-Korsaren zur ersten
Gruppenstunde einzuladen wirklich
begeistert (4. Stock, Fenster ist offen, Jocker fragt Krümel freundlich:
„Kommst du oder soll ich loslassen?“). Okay, kopfüber aus dem Fenster hängend kam nur eine Antwort in
Frage, aber ich wusste schon damals,
dass es ihm gefallen wird. Bis heute.
Ordensleben im Baybachtal rund
um die Waldeck: Pfadfinderlager
überfallen? Kein Problem, die gehen
früh schlafen, haben nur Pfeifen als
26
Wachen und sind erpressbar, was
Rückgabeverhandlungen
betrifft.
Cafenions, Basaren, am Straßenrand
beim Tramp oder auf Wanderschaft,
beim Einkauf von Verpflegung,
der bei einer Mannschaft von 20
oder mehr Leuten schon logistische
Dorfgrenzen gesprengt hat, und geblieben ist die Erkenntnis, dass nur
die Erkundung des Unbekannten
die Angst davor nehmen kann. Außerdem die Hoffnung, dass noch
viele Generationen von Pimpfen
mit Neugier auf Unbekanntes in
diese unglaublich schöne, vielfältige
Welt ziehen, um höchstpersönliche
Eindrücke zu sammeln von dem,
was Leben an dem einen oder anderen Ort wirklich ist und bedeutet.
Hadschitippel in Schnee und Eis, aber
auch bei 12 Grad plus im Allgäu, und
das zwischen Weihnachten und Sylvester. Vorbereitung auf Sängerkriege? Ehrensache, Singen und Gitarre
spielen kann ja jeder lernen! Na gut,
fast jeder, wie ich heute weiß. Und
dann die Gründung der Tomburger,
alles an Preisen erreicht, was damals
möglich war und ein wahrlich feines
Leben geführt (an manchem leide
ich noch heute!)! /:Wild und Toll./:
Gelernt habe ich in all diesen wilden
und tollen Jahren, dass man nur auf
Fahrten ohne Herrn Neckermann
mit denen in Kontakt kommt, die
Bewohner des erstrebten Landes
sind: in ihren eigenen Kneipen,
Raah Hui
Jocker
Der Tag an dem alles begann
(oder wie ich Korsar wurde)
Als ich im zarten Alter von 11 Jahren
von der Grundschule zum Gymnasium wechselte (schlaues Kerlchen;
bis dato wenigstens) war mir noch
nicht bewusst wie tiefgreifend sich
mein Leben ändern würde. Frank
Paszinger ( Mennje) Patrick Weber
(Websel) und Ich gingen auf eine
der strengsten Schulen im Saarland,
damit was aus uns werden sollte.
auf sich. Doch zog ich auch die Aufmerksamkeit eines älteren Schülers auf mich. Obwohl ich flink wie
ein Wiesel war und Frank (wer das
wohl ist?) damals ein Gipsbein hatte,
schnappte er mich -mit der Frage, ob
ich nicht Lust hätte in einer Jugendgruppe meinen Unsinn auszuleben.
Nun ja, rennen auf dem Schulgelände oder im Schulflur war nicht gern
gesehen und man zog schnell die
Aufmerksamkeit der Lehrerschaft
27
Misstrauisch fragte ich welche Art
von Unsinn er wohl meinte. Das hätte ich besser nicht fragen sollen. Er
öffnete das Fenster im dritten Stock
und hielt mich einhändig kopfüber,
am Bein festhalten, aus dem Fenster. Diese Art von Unsinn- „Willst
Du Korsar werden?“ fragte er.
fee(!) erläuterte durfte ich meine erste Fahrt nach Heisterberg erleben.
Lagerfeuer- völlig unbekannte Zelte
die nach Rauch und Abenteuer riechen. Hai zeigte mir wie man einen
Speer schnitzt, Schocker lieh mir
seine Tarnjacke (weil ich wohl nicht
zu übersehen war lach) Mann, die
Tarnjacke ging mir bis zu meinen
Fußknöchel aber 1000 Taschen hatte sie. Abends nach Kochen, Spülen Lagerleben, Liedersingen und
Nachtwanderung zum ersten Mal
in einem Schlafsack. Raufen, lachen,
lange aufbleiben. Freunde fürs Leben- ein Bund fürs Leben. Diese
Fahrt hat mein Leben verändert.
Mann welche Perspektive! Kreischende Mädchen, entsetzte Erwachsene. Die Welt von oben! Die Welt
steht Kopf! JAAAA ich will Korsar
werden. OK, sagte Frank. Ab sofort
bin ich Schocker, Dein Fähnleinführer im Orden der Korsaren, Fähnlein Seeadler. Websel war schlauer.
Er fragte nix und sagte sofort Ja.
„Wandern lieb ich für mein Leben,
ob Regen oder Sonnenschein.
Ach, was könnt es Schönres geben,
als ein Wandervogel sein.“
Zuhause sagte ich meiner Mutter:
„Ich will Korsar werden!“ So ganz
verstanden hatte sie meinen Wunsch
nicht. Sie dachte wohl, ich wolle ab
sofort mit Augenklappe und Säbel
in die Schule segeln. Erst als Hai die
Hintergründe bei einer Tasse Kaf-
Krümmel
28
Rückblick
Fahrten · Singen · Bauen
Die Wanderung durch
ein weißes Wunderland
2010 war es wieder so weit, nach
langen Jahren gab es wieder einen
Hadschitippel. Am Gastmahl sagte Hauke kurz entschlossen dass
er dieses Jahr einen Hadschitippel
durchführen wird. Am 27.12. trafen wir uns auf der Mühle um gemeinsam zum ersten Quartier zu
fahren. Geplant war in 3 Etappen
von Rheinbach über Altenahr und
Maria-Laach zurück zur Mühle zu
laufen. Dort wollten wir mit dem
Fahrtenbund Weißer Kranich und anderen Freunden ins neue Jahr feiern.
Auto zu beladen und einzukaufen
bevor er zur Lagersuche weiterfuhr.
Solang wir Innerorts waren, ließ es
sich in der Winterlandschaft super
laufen. Kaum aus Rheinbach draußen ging es dann los: verschneite und
kaum begehbare Feld- und Radwege
und kniehohe Schneewehen. Der
Tiefschnee behinderte uns ständig,
Danny und Ich hatten mit unseren kaputten Beinen die größten Probleme.
Aber es gab auf dem Teilstück, wie
auch in den nächsten Tagen keine
Klagen. Jeder lief seine Strecke, jeder half jedem: „Alle für einen, einer für alle“. Nur Hauke bekam allabendlich den ganzen aufgestauten
Frust zu hören und das Gemecker
wegen den Quartieren. Doch wenn
es dann ein warmes Essen und einen trockenen und warmen Schlafplatz gab waren alle wieder Froh.
Am zweiten Abend nächtigten wir in
Altenahr in einem Schulungsraum
der Jugendherberge und am 29ten
im Sportlerheim in Wassenach.
Wir fuhren mit 2 Bussen los nach
Rheinbach, wo wir für die erste
Nacht im Gruppenheim des DPSG,
dem Kallenturm, die erste Nacht
verbringen durften um von dort am
nächsten Morgen zu starten. Es war
ein schönes Quartier, nur leider war
die Heizung ausgefallen und nur mit
dem Kamin Meterdicke Mauern innerhalb von ein paar Stunden warm
zu bekommen war ein Ding der Unmöglichkeit. Da Hauke mit seinem
Kreuz angeschlagen war, hatte er das
Los des Versorgers zu tragen. Er nahm
seine Aufgabe ernst und versorgte
uns dann direkt am ersten Abend
noch mit einem warmen Mahl.
Am nächsten Morgen ging es los.
Grobe Richtung Altenahr. Hauke
blieb am Turm um aufzuräumen, das
Wir kamen am 30ten abends gegen
halb Zehn geschafft aber glücklich
auf der Mühle an wo schon das Essen auf uns wartete und heißer Kakao (mit Schuss). Nach dem wir
am nächsten Tag erst einmal ausgeschlafen haben, machten wir uns
29
an die Vorbereitungen für unsere
Silvesterfeier und Hauke zauberte uns ein wunderbares Festessen.
ger zusammen geschweißt. Wenn
du nicht dabei warst, wirst du
leider nie wissen welche Erfahrung dir verloren gegangen ist!
1.Singewettstreit
des Zugvogels
in Dümpelfeld
Das „Wir-Gefühl“ war auf der ganzen Fahrt einzigartig, jeder war
glücklich die Strapazen gemeistert
zu haben und es hat alle noch en-
Horrido
Lemmy und Hauke
Willkommen in Dümpelstein!
Äähhh Ottenfeld?! Ach nein: Dümpelfeld war es ja!
Wie angekündigt gab es dieses Jahr wieder
einen neuen Sängerwettstreit vom Zugvogel.
Das Konzept sollte „Back to the roots“ sein.
Der Termin war geblieben, nämlich das Wochenende um den 1.Mai, aber die Lokation und das
drum herum hatten sich geändert. Es ging nicht wie
früher Richtung niederländische Grenze sondern
in die schöne Eifel nach Dümpelfeld. Die Umgebung war deutlich schöner als früher. Als Gelände
30
standen der Sportplatz sowie die angrenzende Wiese zur Verfügung, auf
der die von der Freischar geliehene
große Jurtenburg zum Feiern aufgebaut stand.
Pimpfenstimmen alle ausgefallen
und beim üben vom „Kalle Theodor“ merkten wir recht schnell das
das nicht gut gehen würde.
Die „Flammenreiter“ klappten super aber mit einem Lied brauchten wir nicht aufzutreten. Da wir
für einen Tag erst mal genug geübt
hatten und die Konzentration eh‘
nachließ, ging es wieder in Richtung
Jurte. Hier angekommen überlegten
wir, was wir nun machen sollten?
Einer von uns, war schon im Vorfeld
der Meinung gewesen, dass wir nicht
auftreten sollten. Aber die restlichen
freuten sich eigentlich auf den Auftritt und wollten auftreten. Es kam
dann der Vorschlag kurzerhand den
„Kalle Theodor“ zu streichen und
vom Waldeckauftritt das „Sauflied“
nochmal aufzugreifen, da fast alle
die dieses Jahr dabei waren, auch
schon auf der Waldeck mit aufgetreten sind. Auch wenn dieser Gedanke
allgemeine Zustimmung fand, war
noch die Frage, ob wir es schaffen
würden!
Anreise war freitags. Als ich ankam
waren Glöckchen, Lemmy und das
Fähnlein Trinitarier schon da. Nach
einem Rundgang übers Gelände und
dem Begrüßen aller Freunde und
Bekannten, kamen auch schon meine Jungs aus Alsenz und Bingen mit
Danny. Jetzt hieß es erst mal Jurte
aufbauen und Sorge dafür zu tragen,
dass wir nicht verdursten ;).
Nachdem Aufbau konnten sich die
Pimpfe auf dem Sportplatz erst mal
eine Runde austoben bevor es dann
doch ans Üben ging. Ja das leidige
Thema üben… es ist wie immer, wir
nehmen uns vor aufzutreten und
schaffen es dann irgendwie nicht,
uns regelmäßig vorher zu treffen.
Wir hatten uns im Vorfeld einmal
gesehen um gemeinsam die ausgewählten Lieder zu singen. Das sollten
wir doch mal in Griff bekommen:
dass die Lieder früh genug feststehen
und dass wir rechtzeitig regelmäßig
anfangen zusammen zu üben.
Nach dem Abendessen ging es in die
Jurtenburg zum Feiern und es wurde ein angenehmer Abend der bis in
die frühen Morgenstunden ging. Am
nächsten Morgen wurde dann direkt
nach dem Frühstück wiedergeübt.
Und siehe da, das „Sauflied“ ging
viel besser als der Kalle, auch wenn
die Jungs anfangs nicht mehr so textsicher waren. Um 15 Uhr meldeten
wir uns dann doch für den Auftritt
an. Um dann nochmals schnell üben
zu gehen.
Wir sind hingefahren und haben
uns gesagt: „Mal hören wie es freitags beim üben läuft!“ Je nach dem
melden wir uns zum Singen an oder
nicht…. Wir wollten mit den Liedern „Flammenreiter“ und „Kalle
Theodor“ auftreten, die Betonung
liegt auf „wollten“. Durch verschiedene Umstände sind unsre hellen
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Um 16 Uhr sollte es losgehen, aber
wo doch gleich? Denn wir waren
etwas verspätet. Die haben doch irgendwas von einer Halle gesagt. Wo
war die? Wir müssen auf jeden Fall
mal da vorne hoch. Jetzt rechts oder
links? Wir hätten vielleicht doch mal
genau fragen sollen und uns pünktlich mit den anderen auf den Weg
machen sollen. Nach einigem Fragen
fanden wir die Halle dann doch noch
und waren auch um zwanzig nach
vier immer noch früh genug da. Der
Beginn hatte sich ein wenig verzögerte.
den zweiten Platz und nahmen einen
Hordenpott als Preis in Empfang.
Wahrscheinlich hat unser Humor
uns die 2 Punkte gekostet, aber der
Anblick von der Bühne zur Jury war
zu schön als denen allen die Kinnladen runter gefallen sind als KleinNico mit seinen 6 Jahren am Ende
vom Sauflied mit Stoßbewegung rief:
“5 Kinder gezeugt“ und Fabio mit
erhobener Faust: “8 Männer verhauen“. Paar Sekunden ungläubige Stille
und dann jubelte das Publikum….
Die Gruppe vom Zugvogel hat Übrigens nur den vorletzten Platz belegt
;). (Denk, grübel, sinnen)
Doch dann ging es los! Zuerst das
übliche: Begrüßung vom Bundesführer des Zugvogels, Vorstellung der
Jury, Bedanken bei allen Beteiligten,
Helfern und beim Bürgermeister…
Nach dem Auftritt vom Zugvogel Sängerkreis ging
es mit dem eigentlichen
Wettstreit los. Wir hatten
wie schon im Jahr vorher
die Startnummer 8 und
hatten dementsprechend
auch Zeit bis nach der Pause
um uns seelisch und moralisch und teilweise flüssig auf
den Auftritt vorzubereiten.
Das Warten auf die Jury sowie die
Bekanntgabe der Platzierungen dauerte leider eine kleine Ewigkeit und
sollte in den folgenden Jahren in die
Jurtenburg verlegt werden,
da es doch schnell langweilig in dem Saal wurde.
Man hätte nämlich auch
zwischenzeitlich essen,
singen und feiern auf
dem Lager können um
die Wartezeit zu überbrücken.
Abends wurde wieder
in der Jurtenburg bis
in die frühen Morgenstunden gefeiert und am
nächsten Tag war dann Abbauen und
Abschied nehmen angesagt.
Es gab dieses Jahr im Gegensatz zu den vorherigen Jahren eine
Änderung in der Bewertung. Es
wurde in zwei Kategorien gewertet,
Gruppen mit dem Durchschnitt über
18 und Gruppen die im Durchschnitt
darunter lagen. Da wir fast nur mit
Pimpfen auftraten fielen wir in die
zweite Kategorie. Wir machten mit 2
Punkten Unterschied zu den Siegern
Ich werde nächstes Jahr wieder da
sein, ob wir auftreten? An mir soll es
nicht liegen!
Horridoh
Hauke
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Der Älterentippel…
… ist schon Tradition geworden.
ansprechbaren Leute stark hier im
Karneval engagiert waren. Dennoch haben wir uns hier im hiesigen
Schützenhaus breitmachen können.
Seit Jahren treffen sich die
„Altgedienten“ an einem Wochenende – weitab von den Dingen um unsere Mühle, um die Kameradschaft
untereinander aufzufrischen und zu
festigen. Es ist ein Beisammensein,
bei dem auch alte und neue Lieder ausgetauscht werden - und ein
Tippel schweißt halt nicht nur die
Jungengruppen zusammen…
Am Freitagabend, dem 26. März, haben wir uns dort getroffen. Nachdem
wir unser „Lager“ gerichtet hatten,
sind wir zum gemeinsamen Abendessen in das Restaurant „Waldhof “
eingefallen. – Dort gaben wir unsere Stimmen und sonstige Töne zur
Guitarre her, was manch einem Gast
doch sehr gefallen hat.
In diesem Sinne haben wir uns auch
dieses Jahr Ende März wieder getroffen zu unserem Älterentippel 2010
im Vorgebirge.
Am Samstag war nach gemeinsamem Frühstück ein ereignisreicher
Tag! Zunächst ging es zur Edelobstplantage. Dort sollte ein Besuch im
Obstmuseum stattfinden – aber leider war der Museumsleiter erkrankt
– so mussten wir besichtigungslos
und wissensdurstig weiter durch die
Plantage zum nächsten Ort: „Hofanlage Vorgebirgsblick“
.
Die Lage war ernst, aber nicht hoffnungslos: Nachdem eine Verkäuferkolonne sich „vom Acker“ machte,
wurden wir dann doch noch gefragt:
„Könnt Ihr die Wacht am Rhein?“ –
Wir konnten ein paar schönere Dinge zur Guitarre singen und spielen,
was uns doch dann ziemlich aufgehalten hat….
Vorgebirge? – wo ist denn das? –
Nun es gibt ein - ehedem von den
Kelten und später von den Römern –
besiedeltes Gebiet in der sogenannten „Köln-Bonner Bucht“ am Rhein.
Genauer gesagt zwischen Köln und
Bonn; dort liegt das schöne Örtchen
Bornheim und noch präziser gesagt
unser schönes Merten, die „Perle des
Vorgebirges“.
Dort haben wir, d.h. Glöckchen, Hacky, Benno, Rüdiger, Thorsten aus
Kastellaun, Peter und Carsten, sich
eingefunden. Leider konnten viele aus beruflichen und familiären
Gründen nicht teilnehmen, was eigentlich schade war.
Eine frühzeitige Organisation wegen Übernachtungsmöglichkeit und
angedachten „Highlights“ war uns
leider nicht möglich, da die dafür
Nächste Etappe war dann der Ortsteil Waldorf. Dort kehrten wir in
eine kleine, sehr gemütliche Kneipe
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ein und wir wollten eigentlich gar
nicht mehr weg. -ABER: Wir hatten
ja noch vor, uns beim Radio-Studio
Merten einzufinden! Nach einigem
Aufwand gelang das dann auch den
Fußkranken fast rechtzeitig zur verabredeten Zeit einzutreffen.
Hause fahren, aus beruflichen
Gründen. Wir wussten natürlich
nicht, dass gleichzeitig eine Geburtstagsgesellschaft das Etablissement
bevölkerte. Aber nach kurzer Zeit
hatten wir die Gesellschaft auf unserer Seite…. – und der Gastwirt hat
bekundet, dass wir noch einmal wiederkommen sollen.
Dort haben wir dann – völlig ohne
Absprache – spontan gemeinsam
mit dem Betreiber des Radio-StudioMerten, Herrn Ganser, ein Interview
mit Peter, Hacky und Carsten aufgenommen. Dabei wurde erörtert,
welche Aufgaben der Tomburger
Ritterbund in der Jugendarbeit wahrnimmt und wie sich dies hier bei uns
darstellt. Dieses Interview wurde
am 10.06.2010 abends über Radio
Bonn-Rhein-Sieg ausgestrahlt.
Am Sonntag war Eierschießen beim
Schützenverein angesagt, quasi im
selben Haus. Da haben wir selbstverständlich mitgemacht…- die
„erschossenen“ Punkte werden hier
nicht verraten.
Jedenfalls haben wir zusammen einen wunderschönen, ereignisreichen „Älterentippel“ erlebt. Wer von
unseren „Alten“ Interesse hat, am Älterentippel 2011 an einem Wochenende in den Sommerferien teilzunehmen, oder den zu organisieren,
meldet sich am besten frühzeitig bei
Hacky oder bei der Bundesleitung.
Danach ging es ständig per Pedes bergauf, zurück zu unserem
Quartier im Schützenhaus. Nach
Abendbrot mit Spießbraten und
„Wunden lecken“ ging es dann noch
zur Kneipe mitten im Ort. Leider
musste Glöckchen vorher nach
Horridoh Carsten
Notitzen aus der
Bei unseren Arbeitseinsätzen für 2011
haben wir bis jetzt nur Pflege- und kleinere
Reparaturarbeiten machen können.
Des Weiteren sind schon einige Vorbereitungsarbeiten zum weiteren Ausbau der
Räume gemacht worden.
Bauhütte
Hallo kleine Arbeitergilde!
In der Planung für das zweite Halbjahr steht
der Umbau der Küche und der Vorratskammer an. Natürlich auch Arbeiten zum
Erhalt unserer Mühle.
Wir können Euch jetzt mitteilen, dass auch
wir nicht geschlafen haben. Zwecks unserer Nutzungsänderung haben wir mit einem befreundeten Architekten (Andi) in
den letzten 8 Monaten einen Bauplan für
das Bauamt (Bauplanungsbüro) erstellt.
Der Antrag zur Nutzungsänderung wurde
daraufhin gestellt.
Es würde uns freuen, wenn einige
Helfer und Freunde (auch Gruppen oder
Gastgruppen) uns nach Absprache mit
der Bauhütte unterstützen könnten.
Erik
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Tomburger Ritterbund
„Tomburger Ritter auf der Ruitscher Mühle“ –klingt das nicht gut?
Aber auch:
“Die Welt ist ein Piratennest
Wir sind der Rest, der letzte Rest
Noch klingen die friedlichen Glocken
hoch über der flammenden Erde!“
„Komm pack Dich auf mein kleiner Boy
Die Welt ist jung, die Welt ist neu
Wer wollte die Erde denn spalten
Wenn wir zusammen halten?“
„Das Leben ist ein Bumerang. Es kommt nur auf die Schwungkraft an…“
Dieses Lied wurde von Alo Hamm (Trenk), dem Ordensführer der Hanseaten als er noch im Nerother Bund war gesungen und gedacht.
Man könnte glauben, dass da ein großes Stück Weisheit oder auch Prophetengabe drinnen liegt.
Oh, Ihr lieben Herren Tomburger: Mit der so schönen Mühle und dem
herrlichen Gelände – wo denn – wo lebt und feiert es sich denn so froh und
frei wie bei uns?
Wir sind heute der vereinsmäßigen Form nach keine Nerother mehr.
Wer aber die Muttermilch einer Äthiopierin eingsäugt hat, der kann wohl nie
ein sturer Amerikaner sein.
Wer einmal bei uns und mit uns auf der Mühle gefeiert hat, weiß doch was die
Glocke geschlagen hat. HABEN heißt auch machen und machen heißt auch
dabei sein. Jeder nach seiner Kraft – und dabei sein dürfen heißt auch mitmachen müssen. Wie hat vor viiiiielen 1000 Jahren der gute alte Ritter Oelb
gesagt: „Denken ist schön, machen ist besser“ und nach einer langen herrlichen Nacht hat mal einer zu mir gesagt: „Besser als wie mit dummem Gerede,
wenn man mit beiden Händen was täte.“
Und wenn wir nach so vielem Aufbau und Bund mit Mühle immer noch da
sind kann das doch nur zeigen: Von nichts kommt nichts. Eigentlich soll und
muss doch jeder von uns Herren – egal ob wir groß oder kleiner sind – einfach ein Stück dazu beitragen, dass das Mühlenrad weiterläuft.
Vor mehr als 100 (nicht 1000) Jahren hat es einen blöden kleinen Spruch
gegeben: „Müller Müller mahle, einen Sack voll Hahle“ (Hahle soll wohl
Hafer heißen). Ach Leute, wenn wir wirkliche Müller auf unserer Mühle sein
wollen, müssen wir dann eben auch mahlen wollen!
Scheich
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Tomburger
Rittergesang
in Ruitsch
Aber seitwärts an der Fensterbank
sind drei Tische aneinandergerückt
und auf den Stühlen drum herum hat
sich eine lustige Mannschaft breit gemacht. Die Lachgesichter mit den aufgestülpten blauen und roten Baretts
blinzeln uns zu als wir herankommen.
Am Tischende mit gewaltigen Ausmaßen ein Mensch so breit wie hoch,
der Präsident: Hai! Das runde,
lachende Gesicht mit dem energischen Kinn und den fröhlich lächelnden Augen kommt mir entgegen – jeder Blick geballte Lebenslust
und Freude am Hier- und Dasein.
E
s muss wohl im Spätsommer
1986 gewesen sein. Wir kommen
durch den steinernen Torbogen, der
auf der steinernen Zufahrtsstrasse
ins Dorf führt. Nach unten ins Tal
soll es gehen, wo zwischen Tannen
und wenigen Bäumen die „Mühle“
mit dem großen Weiher und zerfallenen Stallgebäuden zwischen Felswand und Wiesen liegt.
Aus den hochgerollten Hemdsärmeln kommen die muskelbepackten
Arme mit Schaufeln als Hände. Mit
Links drückt er mich gewaltig an
sich, während der rechte Arm mit
gespreizten Fingern viele Signale zur
Wirtin gibt. Schon klingen Gläser
aneinander und herrliche Zischgeräusche aus dem Zapfhahn sind hörbar.
Es war ein heller, heißer Tag gewesen; wie eine wackelnde Glaswand
hängen noch Hitze und Sonne in
der Luft – gleich rechts rutscht die
steile Wegbiegung direkt bis vor die
100-jährige Pinte „Maifeldstube“.
Der Mund ist trocken, die Lust auf
kühles, nasses, herrliches Bier wird
zu groß und nichts führt daran vorbei. Schon stehen wir vor der Treppe
zum Schankraum, aus dem Gelächter
und Krawall laut über uns herfällt.
Schon stehen wir drinnen vor der
breiten Theke mit den blankgeputzten Zapfhähnen, das ist der Himmel
auf Erden!
„Ei jo, sin er ach do, also dann huckener eich!“ Von der gewaltigen Begrüßung bleibt mir die Luft weg, am
besten lasse ich mich einfach auf die
Bank neben ihm plumpsen und winken und grüßen mit viel Gelächter
geht jetzt Tischauf und Tischab. Jetzt
kommt auch schon Frau Wirtin, die
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gute Brigitte, mit großem Tablett und
stellt volle schäumende Gläser auf
den Tisch. Der Präsident schiebt sie
nach oben und zur Seite, dass auch
jeder seinen Teil bekommt.
„Ach Tochter, liebe Tochter
Was hast Du Dir denn gedenkt
Dass Du Dich an einen Rhein´schen
Dragoner hast gehängt.“
„Un – wo bleibt des Salz in de
Supp´?“ brüllt er, aber Brigitte weiß
was gemeint ist und im Handumdrehen stehen die „Fingerhütche“ mit
Schnaps vor jedem. „Na, denn wolle
mer emol“ wird gerufen. Von draußen schmeißt die liebe Frau Sonne
im Herabsinken nochmals breite
Strahlenbündel in und über die gehobenen Gläser. Es kann nur schöner
werden. Mit Geknarre werden schon
die ersten Klampfen von den Wänden herbeigeholt – viel zu lange hat
die Ruhe gedauert und nur mit Gerede ist die schöne Zeit vertan. „Wo
rote Baretts beisammen hocken ist
Feiern ohne Singen trocken“ schreie
ich, weil ich meine, dass ich schon
viel zu lange ruhig gewesen bin.
Bei all dem lautgewaltigen Singen
ist es mir, als wenn von drüben im
Hunsrück, wo viele von uns auf
Fahrten und beim Bauen waren, eine
unüberhörbare starke Stimme mit
dabei wäre – Unser Oelb. Das war
auch eines seiner Lieblingslieder –
von ihm haben wir es ja übernommen.
Als ich zu Hai hinsehe ist der aufgestanden und hat sich umgedreht.
So gehe ich die paar Schritte hinter
ihm her; wie ich vorbei will und vor
die Tür – nur mal an die Luft, bloß
raus – merke ich wie ihn etwas schüttelt. Er packt mich fest am Arm und
sieht mich an. Seine Augen sind ganz
anders und leer, leer als wäre er weit
weg und ganz woanders. Drei-, Viermal schüttelt er den Kopf und geht
zurück an seinen Platz. War noch jemand unter uns in dieser Runde, den
keiner gesehen hat???
Und so geht´s mit dem Lieblingslied
vom guten Hai, das wir schon in alten Zeiten im Hunsrück auf unserer
Waldeck so oft und gerne bei solchen
Gelegenheiten gesungen haben:
Und ich glaube, dass es Dinge gibt…
reden wir einfach nicht darüber. Einfach reicht nicht immer. Also gehe
ich zu Brigitte und hole vier doppelte
Hütchen – Medizin ist gut wenn sie
stark ist. Nur dann hilft sie auch. Die
vier Schnäppslein stelle ich auf die
Kante vor den Hai und drücke ihm
das erste in die Hand. Stehend schlucken wir jeder seinen Teil. Hai sagt
nicht hörbar: „Auf…“
„Frau Wirtin, Frau Wirtin
Schenke sie nur tapfer ein –
Für die rhein´schen Dragoner
Ein kühles Glas Wein…“
„Dragoner gehen früh schlafen
Steh´n des morgens zeitig auf
Und dann trinken sie ihren
Branntewein
Nach Dragoner Ihren Brauch.“
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Er sieht mich an und seine Augen
sind wieder so wie sie immer sind.
Warum auch nicht, denn da sind
doch Freunde, Fahrtenbrüder, Lachen und Leben wie sich´s gehört.
Wir singen „Die Vöglein in dem
Walde…“und Hai singt die Ballade
vom prächtigen Hahn, der „tucktucktuck“ und „kikirikiki“ seine
Hühner ruft.
auch keiner der übrigen Herren. Wer
wohl denn auch sonst braucht wohl
niemand zu fragen. Wir gehen und
einige – nicht nur ich – stolpern zur
Mühle hinunter, aber es wird trotzdem dabei gesungen. Wo und wann
denn nicht bei uns? Bei der Ankunft
sehen wir nicht mehr viel von der
Mühle und Gebäuden, es ist Nacht
geworden.
Zum Aufbruch wird es Zeit, die
größere Zeche zahlen nicht ich und
Scheich
„Hanny Bar“
Es wurde ja bereits am letzten Bundeslager
darüber gesprochen, dass wir auf der Mühle
eine Mühlenkneipe einrichten sollten und es
gab verschiedene Vorschläge welcher Raum
der beste dafür sei. Hauke und Danny
haben inzwischen begonnen den Gewölbekeller unter dem Haupthaus für die Mühlenkneipe
herzurichten. Ziel ist es, sich an kalten Wintertagen auch in kleineren Gruppen mit den Älteren auf der Mühle zu treffen und in einer
urigen Umgebung gemeinsam einen schönen Abend zu verbringen.
Bei der Namensgebung unserer Mühlenkneipe gab es verschiedene
Vorschläge, von Bingo-Bongo-Bar bis hin zu Hanny-Bar (Zusammengesetzt aus Hauke-Danny-Bar), wobei sich inzwischen mehr
und mehr der Name Hanny-Bar durchsetzt. Die Einweihung der
Mühlenkneipe ist noch für dieses Jahr geplant, so dass wir hier auf
den Termin für ein schönes Fest warten. Wie immer sind für den
Ausbau der Mühlenkneipe helfende Hände willkommen.
Hauke und Danny
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Zu guter Letzt...
Ja– das mein ich im Ernst.
„Danke FM für die Entlassung aus dem Nerother
Bund. Alleine hätten wir das nicht geschafft,
dafür waren wir zu sehr mit Leib und Seele
Nerother.“
Und dann– gäb‘s uns heute noch? Währen wir
noch so aktive? Hätte der Orden eine Chance
gehabt über diese lange Zeit? In einem Bund der
nur noch dem Namen nach unser Bund war.
Nerothan wollten wir sein, so wie es Oelb uns vorgelebt hat. Nach unserem
Verständniss waren wir das auch. Innerhalb unserers Ordens lebten wir
unsere Art weiter, gleichzeitig veränderten sich aber die Nerother unter FM.
Viele alte Nerother Orden schrumpften oder verschwanden ganz. Durch
Aufnahme von neuen Gruppen, meist aus der Pfadfinderschaft, prägte FM
den Bund nach seinen Vorstellungen. Wir passten da nicht rein, das wussten
wir. Aber – wären wir selber gegangen?
Heute sage ich, nein Nerother will ich nun nicht mehr sein, aber nerothan!
Und das sind wir geblieben, dank unserem neuen Bund.
Darum...
Pui
* Bundesführer des Nerother Wandervogel, FM = Fritz-Martin (Schulz)
(und nicht wie fälschlich behauptet „Fiese Möp“)
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