Karte um 1939

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Karte um 1939
Gleichlautende Orte 1939 (deutsch – polnisch – Kreis – Einwohnerzahl)
Eckersdorf Bozanow Schweidnitz 190
Eckersdorf Biestrzykow Breslau 134
Eckersdorf Boznow Sprottau 1036
Eckersdorf Bozejowice Bunzlau 352
Eckersdorf Bozkowice Lauban 287
Eckersdorf Biestrzykowice Namslau 971
Eckersdorf Bozkow Glatz 1873
Karte um 1939
BoŜków (deutsch: Eckersdorf) ist heute ein Ortsteil der Landgemeinde Nowa Ruda
(deutsch: Neurode) in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Am Fuße des Eulengebirges, in
den westlichen Ausläufern des Warthaer Gebirges (Góry Bardzkie), zehn Kilometer nordwestlich der
Kreisstadt Glatz (Kłodzko). (2005) 1600 Einwohner.
Geographie
BoŜków liegt an der Landstraße von Gorzuchów nach Słupiec. Nachbarorte sind Słupiec und
Dzikowiec im Norden, Czerwienczyce und Wojbórz im Osten, Łączna im Südosten, Święcko und
Gorzuchów im Süden sowie Ścinawka Średnia im Westen.
Wappen der Grafschaft Glatz (Schlesien)
Geschichte
Eckersdorf wurde 1348 als „Ekkehardisdorf“ erstmals schriftlich erwähnt und
in alten Urkunden auch als Ekhardsdorf bzw. lateinisch Ekardi villa
bezeichnet. Es wurde als Waldhufendorf angelegt und war Sitz der
gleichnamigen Herrschaft Eckersdorf. Es gehörte zum Glatzer Land, mit dem
es die Geschichte seiner politischen und kirchlichen Zugehörigkeit teilte.
Von Anfang an war es eine selbständige Pfarrei, nur im Zeitraum 1652–
1730 gehörte es als Filiale zu Pischkowitz. Seit 1545 wurde
Steinkohlenbergbau betrieben. Eckersdorf bestand zunächst aus mehreren
Teilen, die verschiedene Besitzer hatten. Diese Teile wurden erst im 17. Jahrhundert unter einem
Besitzer vereint:
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Der Steinhof war ursprünglich ein Freirichtergut, dessen erster bekannter Besitzer Anfang des
15. Jahrhunderts Hans Clement war. Nach mehreren Besitzerwechseln kam der Steinhof 1520
an Melchior von Raueck und dessen Nachkommen. Da Wenzel von Raueck ein Anhänger des
Winterkönigs Friedrich von der Pfalz war, wurde er nach der Schlacht am Weißen Berg
enteignet. 1624 tauschte der damalige Genusshaber der Grafschaft Glatz, der Breslauer Bischof
Erzherzog Karl diesen Anteil mit seinem Leibarzt Caspar Jäschke gegen dessen Güter Rothund Schwarzwasser bei Johannesberg in Schlesien. Caspar Jäschke wurde nach dem Tod des
Erzherzogs 1625 Leibarzt des Kaisers Ferdinand III., der ihm das Prädikat von Eisenhut
verlieh. In der Folge wurde der Steinhof zum Hauptsitz der Herrschaft und deshalb als
Schlosshof bezeichnet.
Zum sogenannten Niederhof gehörten die Dörfer Halbendorf, Steinwitz, Birgwitz, Hollenau
und Rauschwitz. Er war in ältester Zeit vermutlich im Besitz der Familie von Eckersdorf, die
sich nach dem Ort benannte. Hans von Eckersdorf verkaufte 1466 den Niederhof an Jacob
Güsner, bei dessen Nachkommen er bis 1590 verblieb. In diesem Jahre verkaufte Wenzel von
Güsner den Niederhof mit allem Zubehör dem Wenzel von Raueck, dem bereits der Steinhof
gehörte. Der Niederhof wurde nachfolgend abgetragen und dessen Grundbesitz mit dem
Steinhof vereinigt.
Der Lindenhof war zunächst ein Lehen. Er war ebenfalls im Besitz der Familie von Raueck. Da
Christoph von Raueck, der mit Magdalena von Haugwitz verheiratet war, 1589 ohne
männliche Nachkommen starb, erbte dessen Besitzungen sein Vetter Wenzel von Raueck.
Nachdem dieser enteignet wurde, gelangte der Lindenhof um 1624 ebenfalls an Caspar Jäschke
von Eisenhut.
Den Oberhof besaß um die Mitte des 14. Jahrhunderts Eberhard von Maltwitz. Dessen Erben
verkauften ihn 1358 an Hartung von Nimptsch (Nimancz, Niemancz). Dessen Sohn Conrad
verkaufte einen Teil des Lehens um 1400 dem Braunauer Vogt Nickel Güsner. Anschließend
hatten Mitglieder dieser Familie den Oberhof über 200 Jahre in Besitz. Am 29. Januar 1622
wurde der Oberhof von sächsischen Dragonern abgebrannt. Die Erben des Heinrich von
Güsner verkauften daraufhin 1624 das abgebrannte Lehngut an Kaspar Richel. Dessen Witwe
Elisabeth verkaufte 1629 als Vormund ihrer Kinder den Oberhof ebenfalls an Caspar Jäschke
von Eisenhut, für den es der Kaiser zu einem Erbgut umwandelte.
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Das Vorwerk Waldhof wurde in älteren Urkunden als der Rothwaltersdorfer Niederhof und
später nach seinem Besitzer Hans Langer als das Langhansische Gut bezeichnet und gehörte
ursprünglich zur Gemeinde Rothwaltersdorf. 1544 erwarb es Barthel von Raueck, der als
Erbherr bereits den Steinhof besaß. Diesen verband er mit dem Waldhof, so dass dieser
nunmehr zum Eckersdorfer Grund gehörte. 1684 erwarb der Reichsgraf Johann Ernst von
Götzen den Waldhof mitsamt der Obergerichtsbarkeit und anderen Rechten von der
kaiserlichen Alienantions-Kommission.
Nach dem Tod des kinderlosen Caspar Jäschke von Eisenhut 1633, wurde dessen Witwe Anna Barbara
Erbin seiner Eckersdorfer Besitzungen, was ihr am 19. April 1634 der Glatzer Landeshauptmann
Johann Arbogast von Annenberg bestätigte. Sie verheiratete sich danach mit Philipp Jacob Carl von
Carlshofen. Nach ihrem Tod ging das Eckersdorfer Gut testamentarisch an ihren Sohn Nikolaus
Faringer, der dem Jesuitenorden angehörte sowie an das Jesuitenkolleg Steyr in Oberösterreich. Das
Gut wurde zunächst von zwei österreichischen Jesuiten verwaltet und unterstand danach dem Glatzer
Jesuitenkolleg. Während dieser Zeit wurde das Steinkohlenbergwerk angelegt, welches 1663 der
Rektor des Steyrer Kollegiums, Pater Jacob Topf, an den Untertanen Georg Scholz verpachtete, der
die Hälfte des damit erzielten Reingewinns an die Jesuiten abzuführen hatte.
Am 14. Juni 1663 verkaufte das Steyrer Kollegium mit Erlaubnis des Ordensgenerals das Gut
Eckersdorf dem Glatzer Landeshauptmann Johann Georg von Götzen, dem bereits die Lehnsgüter
Scharfeneck und Tuntschendorf gehörten. Unter seiner Herrschaft wurden die ältesten Teile des
Eckersdorfer Schlosses erbaut.
Als Folge der Schlesischen Kriege kam Eckersdorf zusammen mit der Grafschaft Glatz 1763 mit dem
Hubertusburger Frieden an Preußen.
Nach dem Tod des Grafen Johann Josef von Götzen 1771, mit dem die männliche (katholische) Linie
derer von Götzen ausgestorben war, erbten die Besitzungen zunächst dessen drei Schwestern und 1780
der Neffe Anton Alexander von Magnis. Er war ein Bahnbrecher für die Einführung moderner
landwirtschaftlicher Methoden. Neben der Hebung der Bodenerträge widmete er sich der Zucht von
Merinoschafen und Rindern und betätigte sich auch als Unternehmer in industriellen Bereichen. Unter
ihm erlebten Eckersdorf und Umgebung eine wirtschaftliche Blütezeit.
Für die Zeit um 1800 sind nachgewiesen: Eine Pfarrkirche, ein Pfarrhaus, eine Kapelle mit Einsiedelei,
ein herrschaftliches Schloss, eine Schule, ein Kretscham, vier herrschaftliche Vorwerke, eine Brauerei,
zwei Wassermühlen, 24 Dienstbauern sowie 60 Gärtner und 12 Häusler. 1801 wurden 788 Einwohner
gezählt, unter ihnen je ein Bäcker, Binder, Brauer, Fleischer, Schmied, Schneider, Schuster, Tischler
und ein Ziergärtner. Betrieben wurden die Steinkohlenbergwerke „St. Franziska“ und „Frischauf“.
Nach der Neugliederung Preußens gehörte Eckersdorf seit 1815 zur Provinz Schlesien.
Auf Anton Alexander von Magnis folgte 1817 dessen Sohn Anton. Er setzte die landwirtschaftlichen
und unternehmerischen Erfolge seines Vaters fort. 1829 gründete er eine Zuckerrübenfabrik, die zu
einem modernen und rentablen Großbetrieb ausgebaut wurde und als Vorbild für andere Gründungen
in Deutschland diente. Sie wurde von seinen Nachkommen bis 1907 betrieben. Seit 1896 waren die
Magnis'schen Besitzungen ein Familienfideikommiss.
Von 1854 bis 1932 gehörte es zum Landkreis Neurode 1816–1853 zum Landkreis Glatz
Kolonie Louisenhain
Die Kolonie Louisenhain liegt nördlich von Eckersdorf. Sie wurde 1787 auf gerodetem Forstboden
erbaut und 1787 nach der Gemahlin des Grundherrn Anton Alexander von Magnis benannt. Für die
Zeit um 1800 sind nachgewiesen: ein Kretscham (Gasthaus) sowie 12 Freistellen mit Acker, die von
Bergleuten und einem Schmied bewohnt wurden.
Amtsbezirk Eckersdorf (Niederschlesien)
1. 1. 1874
Einführung der Kreisordnung für die Provinzen Preußen, Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien
und Sachsen vom 13. 12. 1872.
Es gelten:
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Gesetz betreffend die Landgemeinde-Verfassungen in den sechs östlichen Provinzen der
Preußischen Monarchie vom 14. 4. 1856,
Gesetz betreffend die ländlichen Ortsobrigkeiten in den sechs östlichen Provinzen der
Preußischen Monarchie vom 14. 4. 1856.
27. 3. 1874
Bildung des Amtsbezirks Eckersdorf Nr. 7 im Kreis Neurode aus der Landgemeinde Eckersdorf und
dem Gutsbezirk Eckersdorf (2 Gemeinden/Gutsbezirke).
Er wird zunächst verwaltet vom Amtsvorsteher in Eckersdorf.
1. 4. 1881
Einführung der Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern,
Schlesien und Sachsen vom 19. 3. 1881.
1. 4. 1892
Einführung der Landgemeindeordnung für die sieben östlichen Provinzen vom 3. 7. 1891.
1. 1. 1908
Der Amtsbezirk Eckersdorf umfaßt die Landgemeinde Eckersdorf und den Gutsbezirk
Eckersdorf (2 Gemeinden/Gutsbezirke).
1. 1. 1914
Eingliederung des Gutsbezirks Eckersdorf (teilweise)1 und der Landgemeinde Rothwaltersdorf
(teilweise)2 aus dem Amtsbezirk Rothwaltersdorf in die Landgemeinde Eckersdorf.
1. 4. 1922
Eingliederung der Landgemeinde Eckersdorf (teilweise)3 in die Landgemeinde Eckersdorf.
30. 9. 1928
Eingliederung des Gutsbezirks Eckersdorf in die Landgemeinde Eckersdorf.
1. 2. 1933
Der Amtsbezirk Eckersdorf umfaßt die Landgemeinde Eckersdorf (1 Gemeinde).
1933–1945 gehört Eckersdorf zum Landkreis Glatz
1. 1. 1934
Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. 12. 1933.
1. 4. 1935
Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. 1. 1935;
Umbenennung der Landgemeinden in Gemeinden.
1. 1. 1945
Der Amtsbezirk Eckersdorf umfaßt die Gemeinde Eckersdorf (1 Gemeinde).
Er wird zuletzt verwaltet vom Amtsvorsteher in Eckersdorf.
Amtsvorsteher (Amtsbezirk Eckersdorf):
- 27. 3. 1874: Güterrevident von Kujawa in Eckersdorf für 6 Jahre,
Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Eckersdorf 1945 an Polen und wurde in BoŜków umbenannt.
Die deutsche Bevölkerung wurde 1945–1946 vertrieben. 1975–1998 gehörte BoŜków zur
Woiwodschaft Wałbrzych. Ab 1998 Landkreis: Kłodzki
Postleitzahl: 57-441 Telefonvorwahl: (+48) 74 Kfz-Kennzeichen: DKL
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister Bogusław Rogiński
ul. Niepodległości 1
57-400 Nowa Ruda
Sehenswürdigkeiten
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Die Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde erstmals 1352 erwähnt und 1704–1708 vom
damaligen Grundherrn Johann Franz von Götzen als barocke Saalkirche neu errichtet. Die um
1760 geschaffene Schiffskanzel zeigt den Apostel Petrus beim Einholen des Fischnetzes. Das
Schiffssegel auf dem Baldachin über der Kanzel trägt das Wappen der Familie von Götzen. Die
Kanzel wurde vom Schnitzer L. W. Jaschke aus Wartha geschaffen. In einem Mausoleum an
der Kirche befinden sich die Gräber der Familie von Magnis.
Das Pfarrhaus neben der Kirche wurde 1797 errichtet.
Das Schloss Eckersdorf war Sitz der gleichnamigen Herrschaft. Es war ursprünglich ein
Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert und wurde 1670 umgebaut. Unter Anton Alexander
von Magnis wurde es 1791 vergrößert und im Übergangsstil vom Barock zum Klassizismus
verändert. Nach einem Brand 1870 erfolgte 1877 der Wiederaufbau. Es soll die prächtigste
Residenz des Glatzer Landes gewesen sein. Bis 1945 war es im Besitz von Ferdinand Graf von
Magnis. Heute wird das Schloss als landwirtschaftliche Fachschule genutzt.
Der Schlosspark war in mehrere Terrassen gegliedert und beherbergte zwei Kavalierhäuschen
sowie eine Orangerie. 1827–1887 wurde er nach Entwurf von J. Kittel um einen
Landschaftsteil erweitert und um 1860 nach Plänen des Landschaftsgärtners Eduard Petzold
verändert. Heute befinden sich im Park Sportanlagen.
Die vom Reichsgrafen Johann Ernst von Götzen entsprechend seinem Testament fundierte St.Marien-Andachstkapelle wurde nach dem Vorbild der Kapelle in Loreto erbaut und 1722
eingeweiht. Sie befand sich auf einer Anhöhe auf der Ostseite des Dorfes (nach 1945 zerstört).
Persönlichkeiten
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Franz Xaver Gebauer (1784–1822), Komponist, Kirchenmusiker, Dirigent und Chorleiter
Anton Franz von Magnis (1862-1944), Bergwerksbesitzer, Reichstagsabgeordneter (Zentrum)
Franz Magnis-Suseno (* 1936), Jesuit, Rektor der philosophischen Hochschule in Jakarta,
Indonesien
Gabriele von Magnis (1896–1976), Fürsorgerin und Sonderbeauftragte des Breslauer Bischofs
Adolf Bertram für die Betreuung der katholischen „Nichtarier“ Oberschlesiens
Literatur
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Joseph Kögler: Die Chroniken der Grafschaft Glatz. Neu bearbeitet von Dieter Pohl. Band 5,
ISBN 3-927830-19-4, 125–156
Hugo Weczerka (Hg.): Handbuch der historischen Stätten Schlesien. Stuttgart 1977, ISBN 3520-31601-3, S. 88–89
Verlag Aktion Ost-West e.V.: Das Glatzer Land. ISBN 3-928508-03-2, S. 32–33
Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen Schlesien. München·Berlin 2005, ISBN 3-42203109X, S. 166−167
Kirche und Schloß vor 1939
Schloß, Schule, Kirche 1938
Schloss Eckersdorf um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Schloß (nachkolor. Foto)
Schloß 2004
Festsaal 2005
Speisesaal 2005
Nepomuk-Statue mit Kirche und Schloß
Kirche und Schloß
Friedhof 2010 (Allerheiligen)
2010
2010