Boom in China - CHINABRAND CONSULTING

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Boom in China - CHINABRAND CONSULTING
Absatzchancen und Wettbewerbsrisiken des chinesischen IBV-Marktes
Bild: © lily/Fotolia.com
Deutsche Hersteller, die am chinesischen IBV-Markt interessiert sind, sollten zuvor entsprechende Marktstudien durchführen.
Boom in China
Absatzchancen und Wettbewerbsrisiken
des chinesischen IBV-Marktes
Während chinesische Unternehmen traditioneller Branchen mit massiven Überkapazitäten kämpfen, expandieren Unternehmen innovativer und digitaler Branchen mit zweistelligen Wachstumsraten. Das gilt auch für
die industrielle Bildverarbeitung in China. Prognosen zufolge wird alleine die Industrieautomation von 2015 bis
2020 um etwa 15 Prozent pro Jahr wachsen. Damit wird das Land der größte und wachstumsstärkste Markt
für industrielle Automatisierungstechnik in der Welt. Diese Entwicklung wird durch den neuen strategischen
Plan ‘Made in China 2025’ noch forciert.
Der Plan gibt vor, in der industriellen Steuerung und Automatisierung technische
Durchbrüche zu fördern, den Markt weiter
zu öffnen und ausländische Investitionen
zu fördern. In dieser Entwicklung liegen
große Absatzchancen, aber auch erhebliche Wettbewerbsrisiken für deutsche Hersteller. Markt- und Patentanalysen sind
jetzt unabdingbar. Die chinesischen IBVUnternehmen konzentrieren sich auf Optik,
Bildverarbeitung, Sicherheitstechnik und
Beleuchtung. Neuerdings besteht reges Interesse an Identifikationssystemen (z.B.
über Fingerabdruck), an automatischen
Personenkontrollen für Fabriken und an
Technik für 3D-Applikationen.
IBV mit starkem Wachstum
Aufgrund steigender Lohnkosten und
wachsender Qualitätsanforderungen bis
2020 wird für die Bildverarbeitung ein
durchschnittliches jährliches Wachstum
von 16 Prozent erwartet. In dem Segment
sind etwa 100 ausländische Unternehmen
Auszug aus der inVISION, Machine Vision • Identification • Imaging, Ausgabe 2/2016.
Digitales Belegexemplar mit freundlicher Genehmigung der inVISION. Dieses Dokument ist ausschließlich zur elektronischen Speicherung
durch den Autor sowie zur Weitergabe per E-Mail bestimmt. Abweichende Verwendung nur mit schriftlicher Zustimmung des Verlages.
Absatzchancen und Wettbewerbsrisiken des chinesischen IBV-Marktes
aktiv. Ihnen stehen etwa 200 chinesische
Distributoren und 50 Systemintegratoren
gegenüber, die bei ihren Lösungen bisher
auf ausländische Lieferanten zurückgegriffen haben. Doch jetzt beginnen einheimische Unternehmen, eigene Komponenten
zu entwickeln. Chinesische Hersteller
preisgünstiger Lösungen werden stärker
wachsen als der Markt, z.B. im AOI-Bereich. Das chinesische Unternehmen
Shanghai Tofflon Science and Technology
hat jetzt eine vollautomatische Anlage zur
optischen Inspektion von Ampullen, Arzneimittelfläschchen oder Infusionsbehältern
entwickelt, die Glassplitter, Aluminiumpartikel, Gummigranulat, Haare, Fasern oder
andere Verunreinigungen identifiziert. Außerdem werden Beschädigungen wie Materialrisse oder Einschlüsse erkannt, verunreinigte oder fehlerhafte Produkte werden
automatisch ausgeschleust. Auch in den
Bereichen PLM-Software, PLC, Robotik,
Systemintegratoren, Motion-Controller,
Werkzeugmaschinen und 3D-Drucker
haben chinesische Unternehmen angefangen, neben reinen Integrationsleistungen
eigene Kompetenzen aufzubauen. Während chinesische Komponenten im HighEnd-Bereich noch rar sind, besitzen einheimische Hersteller im mittleren und niedrigeren Marktsegment einen größeren
Marktanteil. Nach Vorgaben des Plans
‘Made in China 2025’ wird China in den
kommenden Jahren mehr eigene Akzente
in der Automatisierung setzen. Die Nachfrage nach unkomplizierten Maschinen mit
ausreichender Funktionalität und intuitiver
Bedienung wird weiter zunehmen. Es gibt
noch viele arbeitsintensive und unterkapitalisierte Branchen, die zu automatisieren
sind. Hier sind aber nicht die besten, sondern die geeignetsten Produkte gefragt.
Sie sollen günstig, flexibel und nahe am
Kunden sein und kurze Lieferzeiten haben.
Deshalb greifen die Anwender im mittleren
und niedrigeren Marktsegment in erster
Linie auf einheimische Lieferanten zurück.
Chinesische Hersteller verfügen über Preisvorteile, sind flexibler als ihre ausländischen
Wettbewerber und können besser auf die
Bedürfnisse ihrer chinesischen Kunden
eingehen. Zudem bieten chinesische Lieferanten ihren Kunden auch kostenlose
Schulungen oder Dienstleistungen bei der
Produktanpassung an.
Patente genau analysieren
Chinesische IBV-Anbieter sind für deutsche Hersteller als Partner und Wettbewerber gleichermaßen interessant. Deutsche Hersteller, die am chinesischen IBVMarkt interessiert sind, sollten vorher entsprechende Marktstudien durchführen.
Auch die Suche nach chinesischen Kunden und Partnern ist eine Herausforderung, denn der chinesische Markt ist extrem unübersichtlich. Die richtigen Käufer,
Absatzmittler oder Kooperationspartner zu
finden, gleicht für deutsche Hersteller oft
einem Stochern im Nebel. Chinesische
IBV-Anbieter sollten aber auch als Wettbewerber genauer beobachtet werden.
Dabei bringt die Analyse chinesischer Patente oft ausgesprochen interessante Ergebnisse zutage, die auch Rückschlüsse
auf die Strategien chinesischer Hersteller
zulassen. Patentanalysen auf Basis der
Originaldokumente in chinesischer Sprache offenbaren, welche...
...chinesischen Unternehmen sich in
einem Technologiefeld betätigen,
...relevanten chinesischen Innovationen
es gibt und
...Trends und abrupten Veränderungen
erkennbar sind.
Sie zeigen, ob ein deutscher Anbieter in
China überhaupt noch Ausübungsfreiheit
hat (Freedom to Operate) oder chinesische Schutzrechte verletzen würde. Mit
ihrer Hilfe kann ein deutsches Unternehmen besser entscheiden, ob es in China
■
eigene Patente anmelden soll.
www.chinabrand.de
Autor | Hans Joachim Fuchs, Chinabrand Consulting Ltd.