Risikoreiche Russendeals

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Risikoreiche Russendeals
© Facts; 26.01.2006
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SMD ecl1WelzGf> mediendetenbank
Ausgaben-Nr. 4; Seite 42
Wirtschaft' Titel
Risikoreiche Russendeals
Die Schweiz ist eine wichtige Drehscheibe im
Milliardenpoker um russische Investitionen. Aufder Achse
Zürich-Zug-Moskau hat sich nun auch Gerhard Schröder
ideal positioniert. Doch mit seinem Gazprom-Mandat betritt
der Ex-Kallzler ein Minenfeld.
Die Firmen sind vor allem in den Kantonen Zürich, Zug und
Genf domiziliert. Überrasch~nd: Die Deutschschweiz ist bei
den geschäftigen Russen inzwischen beliebter als der welsche
Landesteil. 431 Firmen geschäften in der Deutschschweiz. In
der bei Russen traditionell bevorzugten Romandie sind es 246.
Von Claude Baumann, Monica Fahmy und Mattin Stoll
Gerhard Schröder darf sich freuen. Sein kugelsicheres Büro an
der Zürcher Dufourstrasse ist bezugsbereit. Um allen
Wünschen des früheren deutschen Bundeskanzlers zu
entsprechen, wird zwar noch da und dort Hand angelegt. Doch
insgesamt ist der einstige SPD-Spitzenpolitiker, der seit Januar
im Sold des Medienkonzems Ringier steht, in der Schweiz
angekommen.
Dabei sind die Russenfirmen in gewinnträchtigen Branchen
tätig. Laut der Auswertung beschäftigen sich 251
Unternehmen mit Grosshandel, vorab dem Handel mit Öl,
Eisen und chemischen Produkten. 180 Firmen mit russischem
Bezug treten als Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater oder
Managementbüro auf. Ein wichtiger und mächtiger Faktor
sind Banken: 84 Finanzinstitute m)t Russlandbezug sind in der
Schweiz registriert.
Gross war das Echo, als Ende November bekannt wurde, der
59-jährige Deutsche baue sich hier ein neues Standbein auf.
Schröder wird bei Ringier als Türöffner und Berater ftir
«Fragen der internationalen Politik» dienen. Inzwischen ist es
aber ein offenes Geheimnis, dass ihn weitere Motive in die
Schweiz ziehen: Sein Verbindungsbüro zum staatlichen
russischen Energiekonzern Gazprom, die North European Gas
Pipeline (NEGP), befindet sich nur gerade 40 Kilometer von
der Dufourstrasse entfernt in der Steueroase Zug.
In den kantonalen Handelsregistern finden sich prominente
Namen: Viktor Feliksovich Vekselberg etwa. Der russische
Industriemilliardär, der eine namhafte Beteiligung am
lmmobilienkonzern Züblin erworben hat, lebt im Kanton
Zürich. Oder Michail Gorbatschow: Der letzte sowjetische
Präsident hat seine Umweltorganisation Grünes Kreuz in
Chene-Bougeries bei Genf einschreiben lassen. Insgesamt
erscheinen in den Schweizer Handelsregisterämtern 850
russische Staatsbürger. 322 von ihnen leben in Russland und
88 im übrigen Ausland. Die Mehrzahl aber, exakt 440
Personen, haben ihren Wohnsitz in der Schweiz. Das Visum
erhalten sie problemlos, wenn sie Investitionen in
Millionenhöhe tätigen und Arbeitsplätze generieren.
Mit Präsident Wladimir Putin, den Schröder gern als
«lupenreinen Demokraten» bezeichnet, verbindet ihn eine
enge Freundschaft. Dieser Beziehung verdankt er seinen neuen
Job als Verwaltungsratsvorsitzender der NEGP, an der
Gazprom die Mehrheit hält. Das deutsch-russische
Unternehmen wird die 1200 Kilometer lange Erdgaspipeline
von Russland durch die Ostsee nach Deutschland betreiben.
Sein neues geschäftliches Umfeld hat Schröder mit Bedacht
ausgewählt. In keinem anderen Land Westeuropas laufen so
viele Fäden des russischen Geschäftsaktivismus so diskret
zusammen wie in der Schweiz.
«In der Schweiz sind gegen 150 Firmen bekannt, die von
Bürgern der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS)
kontrolliert werden oder in denen diese Einsitz im
Verwaltungsrat haben», schreibt der Schweizer
Inlandgeheimdienst DAP (Dienst fUr Analyse und Prävention)
im Bericht zur inneren Sicherheit des Landes.
Tatsächlich sind es vielmehr Firmen. Das hat eine exklusive
Analyse ergeben. Im Auftrag von FACTS eruierte die Orell
Füssli Wirtschaftsinformationen AG alle in der Schweiz
registrierten Firmen, in denen russische Staatsangehörige im
Verwaltungsrat oder in der Geschäftsleitung sitzen. Anfang
2006 waren in der Schweiz 712 russisch beeinflusste
Untemehmen aktiv - fast flinf Mal mehr als offiziell
angenommen.
Die Zahlen zeigen: Das Russland-Geschäft in der Schweiz
floriert. In der Tat legt das russische Bruttoinlandprodukt
jährlich um'sechs bis sieben Prozent zu. Dieses Wachstum
generiert riesige Vermögenswerte, vor allem seit die
Rohstoffpreise steigen.
«Früher brachten die Russen Vermögen in die Schweiz, weil
es in ihrer Heimat zu wenig sicher war. Heute suchen sie hier
langfristige und breit abgestützte Anlagemöglichkeiten»,
erklärt Walter Fetsche- rin, ehemaliger Schweizer Botschafter
in Moskau. Die Schweiz biete steuerliche Vorteile, attraktive
Hotdingstrukturen, qualifiziertes Personal und eine gute
Infrastruktur.
Vor diesem Hintergrund hat sich Gerhard Schröder mit seinen
künftigen Betätigungen ohne Zweifel ideal positioniert - auf
der Achse Zürich-Zug-Moskau.
Aller wirtschaftlichen Euphorie zum Trotz: Das Geschäft mit
dem Osten ist mit enormen Risiken verbunden: zweifelhafte
Geschäftspartner, dubiose Geldquellen, politische
Rällkespiele,juristisches Glatteis· all das macht Russland zu
einem heissen Pflaster auch ftir Schröder. Ein Indiz liefert der
Korruptionsindex der regierungsunabhängigen Organisation
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Transparency International: In der aktuellen Erhebung belegt
RusslandRang 126,36 Plätze schlechter als im Vorjahr.
Russland ist heute korrupter als Moldawien, Kasachstan, die
Ukraine oder Weissrussland.
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SM I:) schweizer mediendatenbenl<
«Erhöhtes Kriminalitätsrisiko»
Das Business ist allerdings immer eine Gratwanderung. Die
Privatbanker stehen unter Erfolgsdruck, möglichst viele
Vermögenswerte zu akquirieren. Umgekehrt soll es aus Sicht
der bankinternen Kontrollorgane (Compliance) nur
unproblematisches Geld sein.
Die heiklen Branchen des Russengeschäfts sind in Zürich und
Zug besonders stark vertreten: Kriminalisten weisen darauf
hin, dass bei der Finanzierung von Warenkontrakten, egal ob
mit Öl, Holz oder Metallen, hohe Geldbeträge leicht
gewaschen werdell können. Der Modus Operandi ist oft
derselbe: In einem undurchschaubaren Firmengeflecht stellt
ein Schweizer Mittelsmann Rechnungen rur fiktive oder
Uberfakturierte Leistungen.
«Diese Ambivalenz erklärt, weshalb die grossen Banken in
den letzten runf Jahren über hundert Compliance-Experten
eingestellt haben, die nichts anderes tun, als die Herkunft von
Vermögenswerten zu prüfen», erklärt Michael Alkalay, Berater
bei Strategie Alliances und frUher Compliance Officer bei
einer Schweizer Grossbank. Doch selbst mit dieser Armada an
Fachleuten sind die Geldhäuser vor Kriminellen nie ganz
gefeit.
«Russen gelten teilweise zu Recht als erhöhtes
Kriminalitätsrisiko», sagt der Zürcher Wirtschaftsanwalt
Daniel Fischer. Darum seien seriöse Juristen mit mssischen
Kunden zurückhaltend. Wenn Russen zu einer umfassenden
Sicherheitsüberprtiful1g bereit seien, gebe es «bei positivem
Ergebnis keinen Grund, sie als Klienten zweiter Klasse zu
behandeln», sagt Fischer.
Das Marktpotellzial ist indessen riesig: In Russland leben
heute 84 000 Millionäre, die zusammen ein verfUgbares
Privatvennögen von rund 720 Milliarden Franken besitzen,
wie dem aktuellen Global Wealtb Report von Merrill Lynch
und Cap Gemini zu entnehmen ist. Der Grossteil dieses Geldes
liegt im Ausland. Schätzungsweise 200 Milliarden Franken
russischer Herkunft sind in Zürich, Genf oder Lugano parkiert,
wobei die Grenzen zwischen sauberen Privatvermögen,
steueroptimierten Anlagen und kriminellen Geldern fliessend
sind.
Aufwelch heiklem Terrain sich das Russland-Geschäft
bewegt, illustriert die Justizzusammenarbeit zwischen der
Schweiz und Russland. Durchschnittlich einmal wöchentlich
erhält Bern ein Rechtshilfeersuchen aus Russland. «Oft
betreffen sie schwer wiegende, grosse Fälle von organisierter
Kriminalität und Wirtschaftskriminalität», sagt Foleo Galli,
Informationschefbeim Bundesamt rur Justiz.
Zu schaffen machen die hohen Risiken im Russland-Geschäft
der Schweizer Finanzbranche. Im Gegensatz zur Schweiz
kennt Russland weder vergleichbare Geldwäschereigesetze
noch Sorgfaltspflichtvereinbarungen bei der Entgegennahme
von Kundengeldern. «Es gibt keine Eckpfeiler, auf die man
sich verlassen kann», sagt Daniel Schlauri von der Zürcher
Bank Hugo Kahn & Co. So nimmt das Institut nur «sehr, sehr
selektiv» allfll.llige Gelder russischer Provenienz entgegen.
«Ein einziger schlechter Kunde wäre für uns als kleine Bank
mtal», sagt Schlauri.
Für die Branche besteht das Problem mit den Ostgeldern darin,
dass sie meist nicht direkt aus Russland in die Schweiz
fliessen, sondern über Offshore-Gesellschaften, namentlich in
Hongkong, Gibraltar, in der Karibik oder auf Zypern. Gerade
der kleine Inselstaat im Mittelmeer befmdet sich seit einigen
Jahren in russischer Investorenhand. Von dort gelangt sehr viel
Geld über Anwälte, Treuhänder und Banker auf die Depots
von Schweizer Instituten. Dadurch ist die Herkunft des Geldes
umso schwieriger zu eruieren.
Trotzdem können und wollen die grossen Schweizer
Finanzinstitute auf dieses lukrative Geschäft nicht verzichten.
Für die Credit Suisse ist Russland ein «wichtiger
Wachstumsmarkt» und rur die UBS ein Markt «mit Potenzial».
Eine Annada von Experten kontrolliert
Kein Wunder also, dass Misstrauen aufkommt, wenn russische
Investoren in Erscheinung treten. Zum Beispiel in Charmey
FR. wo ein Thermalbad mit Bergsicht gebaut wird. Als der
Freiburger Treuhänder Gilbert Jacquat einen Investor rur das
Wellnessprojekt präsentierte, machten wilde Spekulationen die
Runde. In der Investitionsgesellschaft sitzt nämlich ein Russe,
der mit Glücksspielautomaten reich geworden ist. «Wir hatten
uns an die strengen Vorschriften. Die Herkunft des Geldes
wurde von Banken überprUft», sagt Jacquat. Er will allerdings
«weder bestätigen noch dementieren», dass in Charmey
russisches Geld verbaut wird.
Um investitionsfreudigen Russen die Orientierung zu
erleichtern, bieten inzwischen renommierte
Wirtschaftsanwälte ihre Dienste an. Seit 1967 ist in dieser
Domäne die Genfer Kanzlei Secretan Troyanov tätig. «Die
Nachfrage ist gross», erklärt Cyril Troyanov und ergänzt, dass
sich vor allem während des Prozesses gegen Michail
Chodorkowski, den ehemaligen Besitzer des Ölkonzerns
Yukos, viele Russen bei ihm erkundigt hätten.
Der Fall Yukos ist exemplarisch fUr die Risiken des
Russland-Geschäfts. Chodorkowski wurden erst
Mafia-Verbindungen nachgesagt, dann galt er plötzlich als
Business-Wunderkind. Jetzt sitzt er in Sibirien in Haft. In der
Schweiz hatte die Bundesanwaltschaft Yukos-Konten im Wert
von 6,2 Milliarden Franken gesperrt, auf Antrag Russlands.
In den ehemaligen Sowjetstaaten verschmelzen Geld und
Politik wie kaum anderswo. So sind 18 der 27 Milliardäre in
Russland entweder Parlamentarier oder Republikpräsidenten.
Geschl1ftsbeziehungen mit ihnen sind unwägbar, weil Moskau
ihr Schicksal mitbestimmt.
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Die Krux beim Ostgeschäft: Wer kriminell und wer
rechtschaffen ist, lässt sich nur schwer enlieren - selbst wenn
der Businesspartner an bester Adresse firmiert. Heute haben
sich Verbrecherbanden in Russland breit etabliert. «Russisches
organisiertes Verbrechen kontrolliert zentrale Bereiche der
russischen Wirtschaft, darunter die 500 wichtigsten
Unternehmen», heisst es in einer aktuellen Analyse des
Schweizer Staatsschutzes.
Der Fall Boris Beresowski ist ungeklärt
«Mit einem Fuss sind alle international tätigen russischen
Mafiagruppen hier aktiv», sagt Sylvia Mathis, Spezialistin filr
organisierte Kriminalität aus der GUS bei Fedpol, der
zentralen Polizeibehörde in Bern. «Kriminelle Organisationen
aus der GUS nutzen die Schweiz zur Legalisierung und
Anlage von Gewinnen», schreibt der Inlandgeheimdienst DAP
im Bericht zur inneren Sicherheit der Schweiz. Das Geld
stamme aus Veruntreuung, Betrug sowie Drogen- und
Waffenhandel.
Noch immer nicht geklärt ist der Fall Boris Beresowski. Im
November 2003 eröffnete die Bundesanwaltschaft ein
Strafverfahren gegen den Geschäftsmann. Er soll 600
Millionen Dollar der russischen Fluggesellschaft Aeroflot
veruntreut haben. Auch ein Schweizer geriet ins Visier der
Ermittier: der Treuhänder Hans-Petel' Jenni, ehemaliger
Präsident von Bere- sowski-Firtnen in Bern und Lausanne.
Beresowski war einst Verwaltungsrat der russischen
Ölgesellschaft Sibneft, die kürzlich von Gazprom
übernommen wurde. Heute lebt er in London im Exil.
Seltsam mutet der Fall des 2004 in Freiburg verhafteten Oleg
Abramov an. Der ehemalige Geschäftsfilhrer des russischen
Autoherstellers AvtoVaz so115,3 Millionen Dollar veruntreut
haben. Abramov wurde an Russland ausgeliefert, wo er zwei
Tage in Untersuchungshaft sass. «Vermutlich Hessen sie ihn
frei, nachdem er eine bestimmte Summe bezahlt hatte», sagt
ein Schweizer Geldwäschefahnder.
Wenn ein in Moskau gut vernetzter Angeschuldigter die
Strippen zieht, sind die Schweizer Behörden aber am kürzeren
Hebel. Um Geldwäscherei nachweisen zu können, sind sie auf
die Hilfe ihrer russischen Kollegen angewiesen. Nur: «Die
Justizzusammenarbeit mit Russland ist oft schwierig und nicht
schnell genug», sagt ein Ermittler des Bundes.
Selbst wenn sich deshalb der Erfolg vor Gericht bescheiden
ausnimmt, die Strafverfolgungsbehörden in Bern sind
überzeugt, dass solche Verfahren eine abschreckende Wirkung
auf verbrecherische Organisationen aus Russland haben. Nach
wie vor ist die Schweiz eine solide Fluchtburg fur dubiose
Gelder. Das lässt sich aus Zahlen des Schweizer
Staatsschutzes schliessen: In den wilden Neunzigerjahren, der
Zeit der rechtlosen Privatisierung, flossen jährlich zwölf
Milliarden Dollar Fluchtgelder in die Schweiz. Heute sind es
immer noch acht Milliarden Dollar.
Mit seinem Russland-Engagement geht Gerhard Schröder ein
erhebliches Imagerisiko ein. Schon beim geringsten Verdacht
aufUnregelmlissigkeiten bei seinen russischen Partnern wäre
der Ruf des ehemaligen deutschen Spitzenpolitikers
ramponiert.
Zug ist wichtiger Rohstoffhandelsplatz
Die Firma, in der Schröder als Verwaltungsrat amtet, hat ihren
Sitz in Zug. «Der Kanton Zug hat in den letzten Jahren sehr
viel unternommen, um die Wirtschaftskriminalität wirksam zu
bekämpfen», sagt der Zuger Regierungsrat und Vorsteher der
Sicherheitsdirektion Hanspeter Uster. Die Abteilung
Wirtschaftsdelikte der Zuger Polizei beschäftigt 14
spezialisierte Ermittier. Die personellen Mittel mUssten aber
mit der wacbsenden Zahl der in Zug domizilierten Firmen
angepasst werden, sonst würde «aus dem politischen Willen,
kein schmutziges Geld in Zug zu dulden, ein biosses
Lippenbekenntnis», sagt Uster. Wegen tiefer Steuern müsste
man sparen, und «tiefe Steuern wirken genlde auf dubiose
Firmen besonders attraktiV».
Für Russland ist Zug der wichtigste Rohstoffhandelsplatz. In
den letzten Jahren habe es kaum Verdachts:flille von
Geldwäscherei gegeben, sagt Dina Balleyguier-Beti, Leiterin
der KontrollsteIle fur die Bekämpfung der Geldwäscherei
beim eidgenössischen Finanzdepartement. Dass der
Rohstoffhandel nicht dem Geldwäschegesetz unterstellt ist, sei
nicht weiter problematisch. «Man könnte ja jeden Handel zur
Geldwäsche missbrauchen.»
In Zug haben zallireiche Firmen ihr Domizil, unter anderem
RosUkrEnergo, welche jüngst wegen dem Gasstreit zwischen
Russland und der Ukraine in die Schlagzeilen geriet. Hinter
der Firma steckt die Gazprom-Bank. Und
RosUkrEnergo-Verwaltungsrat Konstantin Chuychenko ist
Leiter der Gazprom-Rechtsabteilung.
Putins Unterwe1tfreunde in Zürich
«Gazprom ist ein Synonym mr KorruptiOn», sagt der deutsche
Mafia-Kenner Jiirgen Roth. So stehe der Konzern unter
Verdacht, illegal Geld in der Schweiz deponiert zu haben.
Roth llihrt eine Geldwäsche-Verdachtsmeldung des deutschen
Zolls an: Gazprom-Kuriere hätten Millionen US-Dollars in die
Schweiz gebracht. Ein ehemaliger Gazprom-Direktor habe
mindestens zwei Milliarden Dollar beiseite geschafft, zitiert
Roth Informationen der Schweizer Bundesanwaltschaft.
Putins Freunde haben Kontakt zur Unterwelt. Und sie sind
auch in der Schweiz aktiv. Das belegt ein Bericht des
Bundesamtes filr Polizei. Der Rapport listet Reisen von
Wladimir Smirnow in die Schweiz und nach Liechtenstein auf.
Der ehemalige Geheimdienstler aus St. Petersburg war mit
Putin ftir die S1. Petersburg Immobilien und Beteiligungs AG
(SPAG) tätig - eine Firma, gegen die in Deutschland seit
Jahren ermittelt wird. SPAG soll mehrere Millionen Euros der
berüchtigten Petersburger Tambow-Mafia gewaschen und in
Immobilien in Russland reinvestiert haben.
Der Schweizer Ermittlungsbericht belegt, dass Smirnow
wiederholt nach Zürich und Liechtenstein reiste und Banken
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und Treuhänder besuchte, Begleitet wurde er dabei von
Wladimir Kumarin, dem mutmasslichen Tambow~Boss, Laut
Polizeibericbt hatte er sich nach einem misslungenen
Anschlag aufsein Leben nach Deutschland und in die Schweiz
abgesetzt und dirigierte von hier aus seine Organisation.
Beide, Putin-Freund Smirnow und Kumarin, standen laut dem
Ermittlungsbericht in Kontakt mit der Treuhandfirma C3
Consulting AG, in welcher der Zürcher Wirtschaftsanwalt
Richard C. Ritter und der Unternehmensberater Kurt Spörry
sassen, Spörry bestreitet dies, ihm sei nur Smimoff-Wodka ein
Begriff.
Schröder soll rur seinen Job bei NEGP eine Million Euro
kassieren. Daraus könnte noch mehr werden: Putin dUrfte
seinen Freund nächstens in den Verwaltungsrat von Gazprom
holen - um das Image des Konzerns aufzupolIeren, Denn
spätestens wenn das Unternehmen ausserhalb Russlands an die
Börse geht, braucht es prominente Aushängeschilder, Ulll
grosse Investoren anzulocken.
Herr Schröder, diese Leute sollten Sie kennen
Der übervater
Mare Rich, 71, machte Zug zum Rohstoff-Mekka, Der
steuertlüchtige Financier wurde Ende 2000 von.BiIl CUnton
begnadigt. Weiterhin im Ostgeschäft aktiv.
Der Banker
PE1ER WUFFLI, 48, ist Konzemchef der UBS. Die grösste
Schweizer Bank will 2006 auch vor Ort in St. Petersburg und
Moskau im Private Banking aktiv werden.
Der Türöffner
andy stutz, 57, beliefert die russische Oberschicht mit
Seidenstoffen, Die Schweiz kann enonn von seinem engen
Beziehungsnetz in Moskal! profitieren.
Der Vemetzte
emst milhlemann, 75, Ex-FDP-Nationalrat, fUr die Einbindung
Russlands im Europarat verantwortlich, guter Freund von
Michail Gorbatschow.
Der Anwalt
peter nobel, 60, vielseitiger Rechtsanwalt, Finanzfaclunann,
Experte in der Geldwäscherei-Prävention, mehrfacher
Verwaltungsrat und Russland-Kenner.
Der Hotelier
hans wiedemann, 52, jahrelang Direktor im «Montreux
Palacc», nun Direktor in «Badrutt's Palace» in St. Moritz, wo
die russische Schickeria am liebsten absteigt.
Der «Botschafter»
thomas Dorer, 49, früherer Schweizer Botschafter, heute enger
Berater von Oligarch Vekselberg und aktiv in dessen ZUrcher
Investmellt.Holding Renova.
Der Fitlancier
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mikhail friedman, 41, 01 igarch der ersten Stunde, extrem
einflussreich, kontrolliert Russlands weit verzweigte
Alfa-Gruppe und hat einen Wohnsitz in Zürich.
Die Gastgeberin
Ljuba manz, 64, schaffte es von der einfachen russischen
Austemverkäuferin zur Chefin eines Hotel1mperiums,
veranstaltet den russischen Silvester in Ziirich.
Der Oligarch
viktor Vekselberg, 4&, russischer Milliardär mit Wohnsitz in
Zürich, im Aluminium-, Metall- und Öigeschäft tätig,
Vennögen: etwa neun Milliarden Franken.
Der Vemlittler
cyril troYanoV, 48, Anwalt, Russland-Experte und Sohn von
Tikhon Troyanov, der 1967 in Genf eine Kanzlei grUlldete, die
auf das Ostgeschäft spezialisiert ist.
Der Verleger
jUrg marquard, 60, Medienpionier der ersten Stunde in
Osteuropa, schillernder Jetsetter und umsichtiger Unternehmer
mit Russland-Ambitionen.
Wodka-Partys im Heidiland
Shopping-Orgien, Frisclne/lenkur, ein Platz im
Luxusinternat: Die Rllssen lieben die SChweiz und lassen
hier viel Geld liegelI.
Noch nie sind zum Jahreswechsel auf dem Flugplatz Samedan
so viele Privaljets aus Moskau gelandet wie diese Saison: 52
an der Zahl, mit insgesamt 303 Passagieren an Bord. Hoteliers
und Boutiquebesitzer in St. Moritz reiben sich die Hände, der
russische Geldadel stopft ihr Januarloch. In der ersten
Monatshälfte, in die orthodoxe Weihnachten und Neujahr
fallen, sind Orte wie St. Moritz und Zermatt in russischer
Hand. Allein in der Silvesternacht betrug der Umsatz des
Filnfstemehotels «Badrutt's Palacel> zwei Millionen Franken den Russen sei Dank. Und die betuchte Klientel zahlt bar,
schliesslich soll in Moskau niemand anhand von
Kreditkartenbelegen verfolgen können, wer wofiir wie viel
ausgegeben hat.
Während sieb die Männer ihre Zeit mit Networking und
Wellness vertreiben, frönen deren Gattinnen ihrem liebsten
Hobby und kaufen ein. Dabei sind die Auswahlkriterien
einfach: Marken müssen es sein, je teurer, desto besser.
Kleider ab der Stange sind jedoch nicht fUr alle gut genug.
«Etliche Frauen aus der Oberscbicht lassen ihre Kleider
exklusiv schneidern», weiss Andy Stutz. Sein Zürcher
Seidensalon erhält öfters Besuch von russischen
Modedesignern, die edle Stoffe rur spendierfreudige
Kundinnen suchen. Regelrechte Shopping~Orgien veranstalten
die Russen in der Weihnachtszeit, am liebsten an der ZUrcher
Bahnhofstrasse: Morgens mit der Swiss von Moskau nach
Zürich, abends zurück. Beim Shoppingmarathon blättern die
Damen aus dem Osten für eine Mal'ken-Uhr schon mal 50 000
Franken hin.
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Die Russen zählen fUr den Schweizer Tourismus mittlerweile
zu den zehn wichtigsten Glistegmppen. Sie bescheren dem
Land jährlich einen Umsatz von über 100 Millionen Franken.
«Durchschnittlich geben sie 400 Franken täglich aus», sagt
Edith Zweifel von Schweiz Tourismus. Bei einem Japaner sind
es 120 Franken. Von den rund 17 Millionen ausländischen
Logiernächten im letzten Jahr fielen 300000 auf Russland.
Um noch mehr Rubel ins Land zu locken, stellte sich
Verkehrsminister Moritz Leuenberger vor die Kamera des
grössten russischen TV-Kanals Rossia und pries die VorzUge
der Verkehrsinfrastruktur. Den Werbefilm aus Heidiland sahen
50 Millionen Zuschauer.
«Sie sind sehr gebildet»
Wer in Moskau etwas auf sich hält, verbringt seinen Urlaub in
der Schweiz. Vornehmlich im Januar, Juli und August.
GeschäftstUchtige Tour Operators wissen das Prestigedenken
der russischen Oberschicht zu nutzen. So organisiert das
Genfer Reisebüro Incorpore seit drei Jahren Gesundheits- und
Schönheitspakete ftlr russische VIPs. Im Angebot sind
medizinische Checks, Wellness, Schönheitschirurgie und
Verjüngungskuren. Flug, Chauffeur, Übersetzer und
Unterkunft in einer Nobelklinik am Genfersee inklusive. «Die
Russinnen sind regelrecht vertUckt aufFrischzellkuren mit
embryonalen SchafteHem>, sagt Incorpore-Direktor Nicolas
Stucki. Die Kosten verrät er nicht. Über Geld spricht man
nicht, man hat es.
Die Zeiten, wo noble Gäste ob dem auffälligen Gebaren der
«ungehobelten neureichen Russen» indigniert das Weite
suchten, sind vorbei. Wenn heute Wodka und Champagner in
Strömen messen, lassen die Russen zwar immer noch den
Bären tanzen - aber sie halten ihn an der kurzen Leine. partys
im privaten Rahmen, an denen Wodka aus dem Bauchnabel
einer Tänzerin geschlUrft und Kaviar von Brnsten geleckt
wird, werden seltener. Selbst an der traditionellen Neujahrsfete
von Hoteliere Ljuba Manz in der Zürcher Herberge «St.
Gotthard» geht es inzwischen gesitteter zu und her als einst.
Für Wladimir Putins Landsleute ist die Schweiz längst mehr
als ein Vergnügungs- und Geschäftsort. Allein im Raum
Zürich leben inzwischen über 3000 Russen. «Unauffallige,
schicke Leute», sagt Andy Stutz. «Sie sind sehr gebildet, die
meisten haben einen Hochschulabschluss.» Noch lieber als
Zürich sind den Russen die Gestade des Genfersees, wo etwa
Wiatcheslaw Kantor, Präsident des Europäischen Jüdischen
Kongresses und einer der hundert reichsten Russen, in Pully
ein 8200 Quadratmeter grosses GrundstUck kaufte. Auch ftlr
ihre Sprösslinge ist der russischen Oberschicht gerade das
Beste gut genug. In Schweizer Luxusinternaten wie Le Rosey
in Genf ist die Nachfrage wohlhabender Russen mittlerweile
so gross, dass die Bildungsanstalten eine Obergrenze festlegen
mussten. Maximal zehn Prozent der Schüler dürfen Russen
sein.
Ans hiesige Leben haben sich die Russen schnell angepasst.
Gab bisher die Monatszeitung «Russkaja Schwejzarija»
NeuzuZUgem banale Tipps. um sich in der Schweiz
I; SMD schweizer mediendeeenbank
zurechtzufinden, wurde in der letzten Ausgabe selbstbewusst
darauf hingewiesen, dass die Schweizer die Russen lieben. Zur
Beweisftlhrung bediente man sich grosszilgig der Statistik:
Fast die Hälfte der Schweizer, so behauptete das Blatt, habe
mittlerweile eine Russin als Frau.
Monica Fahmy
Die Russische Kommerzial Bank in Zürich ist die Schweizer
Antenne der staatlichen Aussenhandelsbank in Moskau,
KOl1zern-CEO Andrei Kostin gilt als «Putins Banker».
Hofackerstrasse, Zürich
Hier verwalten Ex-Botschaf-ter Thomas Borer und
Wirt-schaftsanwalt Carl Stadelhofer das Milliardenvermögen
des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg.
Haus zur Palme, Zürich
Bei Wirtschaftsanwalt Hans W. Niederer trifft Hochfinanz auf
Öl: Niederer sitzt in der mssischen Lukoil-Bank SLB und in
der Russischen Kommerzial Bank.
Bahnhofstrasse, Zürich
Die Rosbank ist die älteste Russenbank in der Schweiz.
Milliardär Wladimir Potanin erhielt die Lizenz per
Gegengeschäft: Die SKA war die erste Schweizer Bank in
Moskau.
Rue du Rhöne, Genf
Untermüli, Zug
Anwalt Urs Hausheer ist ftlr die Gazprom-Tochter NEGP
Company tätig, zusammen mit dem deutschen Ex-Kanzler
Schräder und einem einstigen Stasi-Mitarbeiter.
Rue Senebier, Genf
Sitz des Ölhändlers Lukoil. 2000 lies Präsident Putin
Lukoil-ChefVagit Alekperow wegen Steuerbetmgs anklagen.
Heute kooperiert PlItins Gazprom mit der Firma.
Ave LOllis-Casai, Genf
Die Ölhandelst1rma Petroval steht im Visier der mssischen
Behörden. Im Zusammenhang mit der Yukos-Affare sollen
Firmenkonten blockiert worden sein.
Forchstrasse, Zürich
Gute Adresse furs Networking. Tatneft-Europe-Präsident
Thomas Ladner ist Präsident des «Entrepreneur's Roundtable»,
des exklusiven Zirkels der jungen Schweizer Wirtschaftselite.
Rampe de Cologny
Am Genfersee lebt Guennadi Timtchenko, ein einflussreicher,
diskreter Berater des russischen Präsidenten. Timtchenkos
Millionen kommen aus dem RohstofthandeI.
Rte Arsenaux, Fribourg
Die von Russland aus gesponserte Firma Finas organisiert
Symposien mit hochkarätigen Namen, im März auch in
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SMO schweizer lTlediendatenbenk
Zürich, mit mssischen Ministern, Oligarchen und Bundesrat
Deiss.
FACTS: Welchen Anteil machen russische Gelder im
Depotbestand der Schweizer Banken aus?
Rue C.-Bonnet, Genf
Fetscherin: Vorläufig wohl weniger als zehn Prozent. Tendenz
steigend.
Seit 1967 berät die Anwaltskanzlei Secretan Troyanoy aus
Genfrussische und andere ausländische Businessleute, die mit
der Schweiz Geschäfte machen.
Sihlporte, Zürich
Der Russisch sprechende Anwalt Andres P. Baumgartner
setzte rur den Aluminiumhändler Aldeco AG eine
lOQ·MilIiollen-Dollar-Klage gegen zwei Oligarchen durch.
Bahnhofstrasse, Zürich
Rechtsanwalt Richard C. Ritter sitzt in einer Treuhandfirma
die laut Schweizer Polizei mit einem Mafiaführer aus St. '
Petersburg Kontakte gepflegt hat.
Hegibachstrasse, Zürich
Vor dem Schiedsgericht der Intel11ationalen Handelskammer
streiten die Alfa-Gruppe und der Investmentfonds IPOC um
Aktienpakete des russischen Mobilfunkanbieters Megafon.
Rte d'Hermance, Genf
Die Bundeskriminalpolizei stürmt in einer filmreifen Aktion
mit Schützenpanzem das Anwesen von Roustam Aksenenko
bei Genf. Der Verdacht: Geldwäscherei.
Brunnademrain, Bern
Dimitri Tscherkaschin ist der russische Botschafter in der
Schweiz. Moskau unterhält heuer seit 60 Jahren diplomatische
Beziehungen mit Bem.
Sälistrasse, Olten
Die Firma Glohe Nuclear Servioes and Supply GNSS soll
Drehscheibe für illegalen Geschäfte des ehemaligen russisohen
Atomministers Jewgeni Adamow gewesen sein.
«Die russische Seele verstehen lemen»
Der kUhere Schweizer Botschafter in Russland, Walter
Fetscherin, tiber Putin, Korruption und andere Risiken.
Facts: Herr Fetscherin, russische Geschäftsleute stehen unter
Generalverdacht, mit der Mafia verbandelt zu sein. Zu Recht?
Waltel' Fetscherin: Überhaupt nicht. Die organisielte
Kriminalität in Russland spielt längst nicht mehr dieselbe
Rolle wie in den Neunzigerjahren, und auf die
Aussenhandelsbeziehungen hat sie weniger Einfluss, als man
im Westen annimmt. Das Image, das russischen
Geschäftsleuten vorauseilt, hängt eher mit der Korruption im
Land zusammen.
FACTS: Fliesst deshalb so viel Geld aus Russland in die
Schweiz?
Fetscherin: Nein. Der Auslöser daflir sind die prosperierende
Wirtschaft und die zurzeit hohen Rohstoffpreise.
FACTS: Ist es alles Schwarzgeld?
Fetscherin: Nein. Heute gelangen kaum mehr illegal
erworbene russische Gelder auf Schweizer Bankkonten. Die
Branche wird streng überwacht und kontrolliert sich selber
genau. Auch bei Anwälten und anderen Finanz- intermediären
scheinen die Lücken nun weit gehend geschlossen zu sein.
FACTS: Was sind die grössten Risiken im Geschäft mit den
Russen?
Fetscherin: Dass Sie den falschen Leuten aufsitzen und in
unrentable Projekte investieren. Vertrauen ist unerlässlich.
Deshalb sollten Sie sich Zeit und Mühe nehmen, um die
Verhaltensmuster der «russischen Seele» verstehen zu lernen
FACTS: ... und trinkfest sein.
Fetscherin: Sagen wir es so: Wollen Sie mit einem Russen ins
Geschäft kommen, müssen Sie ein bissehen sein Herz erobern.
Sie sollten ihm zu spUren geben, er sei Ihnen wichtig.
FACTS: Wie haben Sie Wladimir Putin während Ihrer Zeit in
Moskau erlebt?
Fetscherin: Präsident Putin hat ein besonderes Geschick,
jederzeit aufseine Gesprächspartner einzugehen. Er wirkt als
Russe aus dem Norden eher scheu und zurückhaltend. Er ist
sehr intelligent und jemand, der viel arbeitet. Selbst die
kleinsten Dossiers kennt er aus dem Effeff. Er spricht fliessend
Deutsch. Seine Rolle als Staatschefin der russischen
Geschichte ist nicht zu unterschätzen.
FACTS: Wie wird Russland in zehn Jahren aussehen?
Fetscherin: Geht die Normalisierung weiter, wird Russland
eine wirtschaftliche Supermacht sein; ideal gelegen zwischen
den asiatischen Wachstumsmärkten im Osten und Europa im
Westen. Russland ist ein «re~emerging»-Land. Der Wohlstand
gedeiht schneller und wird sich besser konsolidieren.
FACTS: Wo steht Russland politisch?
Fetscherin: Die Staatsflihrung hegt nicht mehr die
hegemonialen AnsprUche der Sowjetzeit. Sie setzt die
Prioritäten im Land, wo grosse Herausforderungen bestehen.
Bis zu 30 Prozent der Be-völkerullg lebt unter dem
Existenzminimum. Auf Grund seiner Dimensionen wird
Russland weiterhin den Anspruch erheben, eine Grossmacht
zu sein. Es wird aber versuchen, sein politisches Gewicht
wirtschaftlich besser zu untermauern.
Interview: Claude Baumann
Zürich: Die heiklen Branchen des Russengeschäfts sind hier
und in Zug besonders stark vertreten.
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© Facts; 26.01.2006
41; SMD schweizer medlendseanbenk
Gerhard Schröder vor Erdgastanks der BASF-Tochter
Wintershall in der libyschen Wüste: Geht ein erhebliches
Image-Risiko ein.
Spatenstich für ein Thermalbad in Charmey FR:
Spekulationen über die Herkunft des Geldes.
Gebäude in Moskau, in dem die UBS ein Büro unterhält (1.),
Anhänger des inhaftierten Ex-Yukos-Besitzers Chodorkowski:
Schweiz sperrte 6,2 Milliarden Franken.
St. Moritz: Russen zählen fur den Schweizer Tourismus zu den
zehn wichtigsten Gästegruppen.
Russische Silvesterparty im Hotel «St. Gotthard», Zürich:
Inzwischen geht es gesitteter zu.
Ehemalige Yukos-ÖJraffinerie in Sibirien (1.), Gaspipeline des
deutsch-russischen Jointventures Achimgaz: Schröders neues
Geschäftsumfeld.
Walter Fetscherin, Schweizer Botschafter in Russland
2000-2003, heute Präsident der Handelskammer
Schweiz-Russland.
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