Abstract Wirksamkeit Visalys

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Abstract Wirksamkeit Visalys
Studienprotokoll
Wirksamkeit hochkonzentrierter Zahnaufhellungspräparate - Visalys whitening vs.
Opalescence PF
D. Ziebolz, K. Helms, C. Hannig, T. Attin
Georg-August-Universität Göttingen, Zentrum ZMK, Abteilung Zahnerhaltung, Präventive Zahnheilkunde und Parodontologie,
Göttingen, Deutschland
Zusammenfassung:
Ziel der Studie war es, die Zahnaufhellungsgele Visalys whitening (VW: 7,5%
Wasserstoffperoxid) und Opalescence PF (OP: 20% Carbamidperoxid) auf Effektivität und
Nebenwirkungen zu untersuchen.
60 Probanden wurden nach Bestimmung der Ausgangszahnfarbe des Zahnes 11 (L-Wert),
sowie nach Raucher und Nichtraucher in 2 Gruppen zu je 30 Probanden (Gruppe A: VW,
Gruppe B: OP) gleichmäßig verteilt. Die Bleichtherapie mit individuellen Schienen dauerte 12
Tage. In Gruppe A erfolgte die Anwendung von VW 2mal täglich 30 min, in Gruppe B wurde
OP für 3-4 Stunden 1mal täglich angewendet. Vor Beginn der Bleichtherapie (=Basis) und 6
Tage
nach
Ende
der
Therapie
(=6d-post)
wurden
Zahnfleischirritationen
und
Hypersensibilitäten mittels Luftbläsertest erfasst. Die Probanden spülten einmal täglich mit
Kühlschrank kaltem Wasser und dokumentierten auftretende Überempfindlichkeiten in einem
Sensibilisierungskalender. Zusätzlich wurden standardisierte Fotos von den OberkieferFrontzähnen angefertigt. Die Zahnfarbe des Zahnes 11 wurde durch fotometrische
Farbbestimmung (CIELab-Wert; L: Helligkeit, a: rot/grün, b: gelb/blau) mit Adobe Photoshop®
nach digitaler Fotografie ermittelt. Die Farbveränderungen (∆: Differenz = 6d-post minus
Basis) der L- und b-Werte wurden statistisch ausgewertet.
Nach Beendigung der Bleichtherapie wurden bei beiden Bleichmitteln signifikante
Veränderungen der ermittelten Farbwerte beobachtet (p<0,05). Bei VW wurde ein ∆L: 1,60 +
1,83 und ∆b: – 2,26 + 1,29, bei OP ein ∆L: 2,59 + 3,05 und ∆b: – 3,15 + 1,27 erzielt. Bei OP
zeigte sich für ∆b eine signifikantere Zahnaufhellung gegenüber VW, bei ∆L war kein
signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen feststellbar (p<0,05). Luftbläsertest und
Sensibilisierungskalender
Überempfindlichkeiten
wiesen
nach,
wobei
einen
die
signifikanten
(p<0,05)
Sensibilisierungskalender
Anstieg
signifikant
der
höhere
Intensitäten (p<0,05) der Zahnüberempfindlichkeiten bei OP im Vergleich zu VW zeigten.
Es kann gefolgert werden, dass die Anwendung beider Präparate zu signifikanten
Zahnaufhellungen führt, wobei der Effekt bei OP geringfügig ausgeprägter ist. Jedoch ist
dieser Effekt mit durchschnittlich stärkeren Überempfindlichkeiten bei Anwendung von OP
verbunden.
Einleitung
Externes Bleichen von Zähnen mit Bleichschienen (sog. Home-Bleaching) ist die häufigste
von Zahnärzten angewandte Methode, um vitale Zähne nachhaltig aufzuhellen. Die
Behandlungserfolge in Form einer beachtlichen Verbesserung der Zahnfarbe werden
grundsätzlich sowohl vom Patienten als auch vom Behandler positiv beurteilt (Christensen1,
Haywood et al 2). Eine Metaanalyse von sieben klinischen Studien zeigte, dass mittels
Schienenbleichsystemen mit 10%igem Carbamidperoxidgel signifikante Aufhellungen von
durchschnittlich 6,4 Einheiten gemäß dem Vitapan Vita Farbring zu erreichen waren
(Niedermann et al.3).
Die mit Bleichmittel gefüllten Schienen werden über mehrere Tage mindestens eine Stunde
täglich getragen, bis der gewünschte Aufhellungsgrad der Zähne eingetreten ist. Es sind eine
Vielzahl von Bleichgelen mit unterschiedlichen Peroxidkonzentrationen,
Geschmacksrichtungen, Desensibilisierungszusätzen und anderen Modifikationen im Handel
erhältlich (Dunn 4).
Um die Wirksamkeit von Bleichprodukten zu erfassen, gibt es verschiedene Methoden
(Gegauff et al.7). Das Hauptmerkmal eines effektiven Bewertungsinstrumentes ist die
Möglichkeit, reproduzierbare, objektive und präzise Messungen der Zahnfarbe zu erhalten.
Eine Farbbestimmung mittels der üblicherweise angeführten Farbringe hat insofern
Einschränkungen, als die Farbklassifikation von den äußeren Faktoren sowie dem Behandler
abhängig ist (Gerlach et al. 6 , Kugel and Kastali 9). Die Instrumentalisierung der
Zahnfarbenbestimmung hat eine Vielzahl von Vorteilen gegenüber behandlerabhängigen
Bewertungstechniken (Horn et al. 10). Im besonderen liefet sie ein objektives, lineares und
quantitatives Mittel zur Bestimmung der Farbveränderung, wobei der Gebrauch von üblichen
Standards eine Instrumentenkalibrierung und Reproduzierbarkeit erlaubt. (Tung et al. 11,
Douglas12). Die L*a*b* CIE (Centre Internationale De L’Eclairage) dreidimensionale
Farbraumskala ist der in Vitalbleichstudien am häufigsten zitierte Index und kann aus
farbmetrischen, spektrophotometrischen und digitalen Bildanalysen hergeleitet werden. Die
digitale Fotographie der anterioren fazialen Dentition bietet einige Vorteile gegenüber
anderen Techniken, da die für die Bleichwirkung interessanteste Region aufgenommen wird
– die „Lächel-Zähne“ eines Probanden. Die Fotos werden auf einer Pixel für Pixel Basis
bezüglich ihrer Rot-Grün-Blau (RGB) Komponenten und der L*a*b Werte mithilfe einer
Computer-Software analysiert. Mehrere Publikationen berichten über die Bedeutung dieser
Herangehensweise im Zusammenhang mit der sichtbar erzielten Aufhellung und einer
positiven Korrelation zwischen der Veränderung des Gelbwertes der Zähne und der
subjektiven Zufriedenheit nach der Bleichtherapie (Gerlach et al. 6, Kugel and Kastali 7, Zhou
et al. 13, Gerlach et al. 14). Die Ergebnisse bezüglich der Erträglichkeit von Bleichmitteln auf
Peroxidbasis sind gut dokumentiert und charakterisiert: Als häufigste Nebenwirkungen wurde
über vorübergehende Zahnüberempfindlichkeiten oder Irritationen der Gingiva berichtet
(Christensen1, Mc Millan et al. 15, Gerlach et al. 16, Gerlach et al. 17, Pohjola et al.18, Haywood
et al. 19, Leonard et al. 20, Nathanson 21, Haywood et al. 22, Barnes et al. 23). Bis zu 65% der
Probanden waren während der Bleichtherapie zumindest einmal davon betroffen. Solche
Vorkommnisse sind grundsätzlich von milder Natur und lösen sich bereits während oder kurz
nach Beendigung des Bleichens auf. Entsprechende Nebenwirkungen wurden für praktisch
alle Trägersysteme und Peroxidkonzentrationen beschrieben, obgleich neuere
Forschungsergebnisse darauf hindeuten, dass vom Zahnarzt durchgeführte sog. “In-Office“
Behandlungen die Zahnsensibilitäten noch weiter erhöhen könnten (Nathonson 21).
Zahnüberempfindlichkeiten können auch ein Ergebnis der Penetration von Bleichmittel in die
Pulpakammer und der damit verbundenen vorübergehenden milden Entzündungsreaktionen
sein (Gonzalez-Ochoa et al. 24, Thitinantapan et al. 25, Cooper et al. 26, Cohan & Parkins 27,
Leonard et al. 28). Weiterhin wird die Dehydratation der Zähne während der Applikation des
Bleichgels als Grund für Hypersensibilitäten angenommen (Attin et al. 29). Über andere
Nebenwirkungen an den oralen Weichgeweben wurde ebenfalls berichtet. Pohjola et al. 18
beobachteten bei einer kürzlich durchgeführten Studie bei 20 bis 30% der Teilnehmer
Zahnfleischirritationen, ebenso fanden Haywood et al 22. in 31% der Fälle gingivale
Reizungen bei einer Home-Bleaching-Studie.
Es ist wichtig zu verstehen, wie neue Methoden des Zähnebleichens mittels
hochkonzentrierten Gelen auf Schienenträgern in Bezug auf Wirksamkeit und Erträglichkeit
zu bewerten sind.
Das Ziel der vorliegenden Studie war es, die Wirkungskraft eines Schienenbleichsystems auf
7,5%iger Wasserstoffperoxidbasis (Visalys whitening, Kettenbach, Deutschland), welches
vor allem für die Kurzzeitanwendung entwickelt worden ist, gegen ein 20%iges bewährtes
Carbamidperoxid –System zu vergleichen. Außerdem sollten der Umfang und Häufigkeit von
oralen unerwünschten Nebenwirkungen untersucht werden, um die klinische Erträglichkeit
während der Benutzung der zwei Bleichprodukte zu beurteilen.
Material und Methode
Verwendete Produkte
Die Studie erhielt vor Beginn ein positives Votum der Ethikkommission der Universität
Göttingen (Nummer des Votums 5/6/04).
Die zwei Schienen-Bleichsysteme, die in der Studie untersucht wurden, waren Visalys
whitening®, ein 7,5%iges Wasserstoffperoxidgel (Lot# 04139001) (Kettenbach,
Deutschland), und Opalescence PF®, ein 20%iges Carbamidperoxidgel (Lot# 85612.2)
(Ultradent, Salt Lake City,USA). Die Bleichtherapie wurde für 12 Tage nach Empfehlung der
Hersteller durchgeführt. Probanden, die in die Visalys-Gruppe (Gruppe A) eingeteilt waren,
verwendeten das Produkt zweimal täglich jeweils 30 min, während die Opalescence PFGruppe (Gruppe B) ihr Gel einmal am Tag für vier Stunden applizierte. Für eine Befüllung
der Schiene wurden ungefähr 200 bis 300mg Material verwendet.
Die Herstellung der Oberkieferschienen erfolgte per Tiefziehverfahren mit 1,5mm starken
weichen Acrylatfolien auf Gipsmodellen. Der Bereich der Schneide -und Eckzähne wurde
zuvor auf den Modellen mit einer 1,5mm dicken Compositeschicht ausgeblockt, um ein
Reservoir für das Bleichgel zu schaffen.
Die Schienen wurden mit Visalys whitening® oder Opalescence PF® im Bereich der
Schneide - und Eckzähne ungefähr zu zwei Dritteln gefüllt, damit eine gleichmäßige
Benetzung der Labialflächen möglich war und überquellendes Material nur in geringen
Mengen auftrat und mit einem Wattestäbchen leicht zu entfernen war.
Probanden
60 Freiwillige mit karies- und füllungsfreien Zähnen, Zahnfarbe Vita A2 oder dunkler und
ohne Kronen an den oberen Frontzähnen wurden für die Studie aufgenommen. Jeweils 30
Probanden wurden entweder mit den Schienenbleichsystem Visalys whitening (Gruppe A)
oder Opalescence PF (Gruppe B) behandelt. Die randomisierte Einteilung der Probanden in
die zwei Gruppen erfolgte nach der Zahnhelligkeit (L-Wert) und dem Gelbwert (b-Wert), die
vor Beginn der Bleichtherapie (Baseline) mittels „Vita Shadeeye“( Shofu Dental GmbH,
Ratingen, Germany) ermittelt wurden. Für das zervikale Drittel des Zahnes 11 wurden im
„analyse mode“ des Shade eye fünfmal die L*a*b-Werte gemessen und der Mittelwert
gebildet. Außerdem wurde das Kriterium Raucher/ Nichtraucher berücksichtigt, so dass in
beiden Untersuchungsgruppen die Ausgangskonditionen vergleichbar waren (Tab.1).
Tab.1: Probandencharakteristik vor Beginn der Studie (*MW ±SD, minimum - maximum)
Visalys whitening
Opalescence PF
30
30
m
12
10
w
18
20
26.9 + 5.27*
26.6 + 4.52*
(20 – 47)
(20 – 48)
14
14
6
7
9
11
n
Geschlecht
Alter
Raucher
Bestehende Überempfindlichkeit vor
der Bleichtherapie (n=60)
freiliegende Zahnhälse
(n=30)
Nicht zur Studie zugelassen wurden Patienten mit bekannten Zahnüberempfindlichkeiten,
Frontzahnrestaurationen, schlechter Mundhygiene, generalisierten gingivalen Rezessionen,
Karies, schweren Strukturveränderungen der Zahnoberfläche, Tetracyclin-Verfärbungen oder
Fluoroseflecken.
Die Teilnahme von Patienten mit Infektionskrankheiten, Hochrisikopatienten für Endokarditis,
Patienten mit bekannten Allergien gegen Komponenten der Bleichmittel oder mit Xerostomie
sowie von schwangeren oder stillenden Frauen war ausgeschlossen.
Die Probanden wurden angewiesen, keine weiteren Bleichmittel während des
Studienverlaufes zu verwenden und wurden mit Zahnbürsten (Oral B P35, Gillette, Boston,
USA) und Zahnpasta (elmex, GABA GmbH, Lörrach, Germany) ausgestattet, um
standardisierte Mundhygienemaßnahmen für die Dauer der Studie zu gewährleisten.
Auswertung der Wirksamkeit – digitale Bilder und Farbbestimmung
Die labiale Oberfläche des Zahnes 11 wurde zur Messung der Zahnfarbe mittels digitaler
Fotographie und Analyse über den Adobe Photoshop® verwendet (Bengel et al 30). Die
Fotoaufnahmen erfolgten vor Beginn der Bleichtherapie (Baseline) sowie 5 Tage nach
Bleichtherapie, jeweils 3 bis 5 Tage nach einer erfolgten professionellen Zahnreinigung.
Die standardisierten Fotos wurden mit einer hochauflösenden digitalen Farbkamera (Canon
EOS 10D, Tokyo, Japan) mit einem zusätzlichen Ringblitzlicht aufgenommen. Außerdem
wurde ein Polarisierungsfilter (hama, Monheim, Germany) verwendet, und die
Farbtemperatur der Kamera auf neutrale 5500K eingestellt.
Für jede Fotoaufnahme wurde das äußere Licht im Untersuchungszimmer minimalisiert und
standardisiert. Die Probanden wurden auf einem Stuhl so positioniert, dass sie ihr Kinn in
eine auf dem Tisch befindliche Kinnstütze platzieren konnten. Somit war ihr Kopf in einer
reproduzierbaren Position fixiert. Mit zwei Plastikretraktoren wurden Lippen und Wangen
zurückgezogen. Der Untersucher positionierte den Probanden so, dass der Zahn 11 in
vollem Fokus stand und möglichst wenige Reflektionen des Blitzes auf der Zahnoberfläche
zu erwarten waren. Die optische Achse der Kamera sollte senkrecht zur Frontalebene des
Probanden stehen und ohne Winkel in die okklusale Ebene übergehen. Auf die Gingiva
zwischen den Frontzähnen wurde eine Graukarte (QP Card 101, QPcard AB, Göteborg,
Sweden), d.h. ein Stück Karton mit einer Oberfläche mit einem Reflektionswert von 18%
gelegt. Dies entspricht dem für die Belichtungsbestimmung verwendeten Mittelton, der auf
halbem Weg zwischen reinem Schwarz und reinem Weiß liegt. Es wird somit etwas in das
Bild gebracht, das von der entsprechenden Software sicher als Grau identifiziert wird und
somit eine Abgleichung aller Fotos auf ein bestimmtes Farbniveau gewährleistet.
Die Farbwerte des Zahnes 11 wurden mittels Adobe Photoshop® bestimmt und in L*a*bWerte umgewandelt, welche einen standardisierten dreidimensionalen Farbraum darstellen
(L* = dunkel bis hell, a*= grün zu rot, b*= blau zu gelb), entsprechend der Commission
Internationale de L`Eclairage. Ein Durchschnittswert der Farbwerte (L*a*b) wurde von der
kompletten labialen Oberfläche des untersuchten Zahnes 11 gebildet. Für jeden Probanden
wurde dasselbe Foto dreimal ausgewertet und daraus der Mittelwert errechnet.
Subjektive Evaluation der Zahnfarbenbestimmung
Nach der Bleichtherapie wurden die Probanden gebeten, den Grad ihrer Zahnaufhellung
subjektiv einzuschätzen. Der erzielte Aufhellungseffekt wurde mit einer Bewertungsskala von
0 bis 10 (0= kein Bleicheffekt, 10= maximale Zufriedenheit mit der Aufhellung) klassifiziert.
Bestimmung der Überempfindlichkeiten
Die Untersuchung der Überempfindlichkeiten wurde zur vor Beginn der Bleichtherapie
(Baseline), am Ende der Bleichtherapie und fünf Tage post-Bleaching mit einem kalten
Luftbläserstrahl durchgeführt. Zusätzlich spülten die Probanden einmal täglich zu Hause mit
Kühlschrank-kaltem Wasser und beurteilten die Überempfindlichkeiten in einer Art
Tageskalender auf einer Skala von 0 bis 10 ( 0 = keine Überempfindlichkeiten, 10 = sehr
starke Überempfindlichkeiten).
Beurteilung der Erträglichkeit
Vor Beginn der Bleichtherapie (Baseline), am Ende der Bleichtherapie und fünf Tage postBleaching wurde eine ausführliche intraorale Untersuchung von einem erfahrenen Behandler
durchgeführt. Eine zusätzliche Inspektion des Mundraumes zu einem späteren Zeitpunkt
sollte ggf. zeigen, ob alle Nebeneffekte vollständig zurückgegangen waren. Jegliche
ungewöhnlichen/ unnormalen Befunde wie Rötung, Schwellung oder oberflächliche Irritation
der Weichgewebe wurden dokumentiert. Eine Irritation war definiert als eine Desquamation/
Ablösung der äußeren Schichten des Gingivaepithels, die als weiße aufgelagerte Schicht
imponierte. Die Probanden wurden außerdem bei jedem Untersuchungstermin bezüglich
jeglicher erlittener Symptome befragt. Alle dargelegten Nebenwirkungen wurden vom
Untersucher dokumentiert.
Beurteilung der Akzeptanz
Nach Abschluss der Studie wurden die Probanden bezüglich der Akzeptanz der
Bleichtherapie befragt. Sie sollten beurteilen, ob das Bleaching für sie angenehm, wenig
störend, unangenehm oder sehr unangenehm war. Fünf Tage nach der Bleichtherapie
sollten die Teilnehmer zusätzlich beantworten, ob sie das Schienenbleichen mit dem
jeweiligen Produkt an Freunde/ Bekannte weiterempfehlen würden und ob sie selbst die
Therapie wiederholen würden.
Einen Überblick über den zeitlichen Ablauf der Studie gibt Tab. 2
Tab.2: Studienablauf
Vorbereitungsphase
Zeitablauf
Tag 0
Visalys Whitening
Opalescence PF
`
`
`
`
`
`
Erfassungsbefund – Eignung?,
Unterschrift zur Einwilligung,
Ermittlung der Ausgangszahnfarbe mit „VITA-Shadeeye“,
OK-Abformungen mit Alginat, danach Anfertigung der Bleichschiene Oberkiefer,
Zahnreinigung,
Randomisierte Verteilung der Probanden
`
`
`
`
Einweisung in das Bleichverfahren,
Schleimhautbefund und Luftbläsertest (Überempfindlichkeiten?),
Ausgabe Info und Bleichmittel, sowie Sensibilisierungskalender
fotometrische Farbbestimmung der Ausgangszahnfarbe (Lab)
`
`
`
Schleimhautbefund und Luftbläsertest (Zahnüberempfindlichkeiten?),
genaue Befragung
Zahnreinigung
`
`
`
`
Schleimhautbefund und Luftbläsertest (Zahnüberempfindlichkeiten?),
fotometrische Farbbestimmung der Endzahnfarbe (Lab),
genaue Befragung
Einsammeln des Sensibilisierungskalenders
Bleachingphase
Tag 1
Tag 13
Kontrollphase
5 Tage post
bleaching
Statistische Analyse
Die statistische Analyse wurde mit einer nicht-parametrischen Varianzanalyse durchgeführt.
Ergebnisse
Abbrüche
Vier Probanden fielen aus Gründen, die nicht im Zusammenhang mit der Bleichtherapie
standen, aus der Studie heraus. Drei Probanden der Visalys-Gruppe und einer der
Opalescence-Gruppe traten während der Bleichtherapie wegen produktbezogener
Nebenwirkungen zurück. Diese wurden von den Teilnehmern als schwere
Zahnüberempfindlichkeit, Zahnfleischirritationen und Zahnschmerzen wahrgenommen.
Wirksamkeit: Digitale Fotos
Nach der 12-tägigen Bleichtherapie hat sich die Zahnfarbe in beiden Untersuchungsgruppen
im Vergleich zur Baseline signifikant verändert (p<0,05). Eine Verschiebung hin zu einer
weniger gelben (-∆b) und helleren (+∆L) Zahnfarbe wurde für beide Schienenbleichgruppen
beobachtet (Tab.3). ∆b war für die Visalys whitening Gruppe – 2,26 + 1,29 und für
Opalescence PF – 3,15 + 1,27 (MW +SD) (Abb.2), die Werte für ∆L betrugen für Visalys
+1,60 + 1,83 und 2,59 + 3,05 für Opalescence (Abb.1). Für ∆L lag zwischen den beiden
Untersuchungsgruppen kein statistisch signifikanter Unterschied vor, die ∆b
Farbveränderung war bei Opalescence jedoch signifikant höher als bei Visalys. Zwischen
Rauchern und Nichtrauchern konnte kein signifikanter Unterschied festgestellt werden.
Tab.3: Lab-Werte (MW+SD) vor und am Ende der Bleichtherapie
Farbbestimmung
Farbwerte vor der Bleichperiode
Farbwerte nach der Bleichperiode
Bleichmittel
L
Visalys
whitening
Opalescence
PF
74, 46 +
1,81
75,13 +
2,36
a
4, 90 + 0,64
4,67 + 0,57
b
L
11, 85 +
1,93
11,53 +
1,86
76,06 +
1,97
77,72 +
2,09
a
b
4,25 + 0,54
9,59 + 1,41
3,89 + 0,44
8,37 + 1,52
Abb. 1: ∆L für Visalys whitening (1) und Opalescence PF (2)
vor und zum Abschluss der Bleichtherapie 5 d post-bleaching
Abb. 2: ∆b für Visalys whitening (1) und Opalescence PF (2)
vor und zum Abschluss der Bleichtherapie 5 d post-bleaching
Wirksamkeit: subjektive Farbskala
Während der Bleichphase hat sich die Zahnfarbe nach Wahrnehmung der Probanden
signifikant verbessert. Der durchschnittliche Wert auf der subjektiven Farbskala von 0 bis 10
(0 = keine wahrgenommene Farbveränderung, 10 = vollkommene Zufriedenheit mit
Farbveränderung) war für jede Gruppe größer als fünf. Ein signifikanter Unterschied
zwischen den Gruppen lag nicht vor.
Beurteilung der Überempfindlichkeiten
Die Sensibilität wurde am Stuhl mittels eines kalten Luftbläserstroms ermittelt. Nach dem
Bleaching war die Intensität der Zahnüberempfindlichkeiten in beiden Gruppen signifikant
gegenüber Baseline erhöht (p<0.05). Die Hypersensibilitäten wurden mit 1 für geringe und 10
für hohe Intensität eingestuft, jeweils zu Beginn und am Ende der Bleichtherapie. Die
durchschnittliche Intensität war 1.67 ± 1.90 in der Visalys Gruppe (Baseline: 0.33 ± 0.52)
und 2.66 ± 2.70 in der Opalescence Gruppe (Baseline: 0.69 ± 1.05) (Abb.3). Es konnte kein
statistischer Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt werden. Fünf Tage nach
Abschluss des Bleachings waren die Überempfindlichkeiten mit denen der BaselineUntersuchung vergleichbar, für Gruppe A lagen die Werte bei 0.56 ± 0.82 und für Gruppe B
bei 0.69 ± 1.00.
3
2,5
2
Gruppe A
1,5
Gruppe B
1
0,5
0
Intensität vor
Bleaching
Intensität am Ende Intensität 5d post
der Bleichtherapie
Bleaching
Abb. 3: Mittlere Zahnüberempfindlichkeiten für Visalys whitening (A) und Opalescence PF (B)
(Grad 0-10)
Die von den Probanden geführten Sensibilisierungskalender zeigten für beide Gruppen
signifikante Anstiege der empfundenen Zahnüberempfindlichkeiten im Vergleich zur
Baseline. Jedoch lagen Unterschiede zwischen den Gruppen vor: Die empfundenen
Zahnüberempfindlichkeiten waren für die Opalescence Gruppe signifikant höher als für
Visalys (Abb.4).
0.9
0.8
0.7
0.6
0.5
Gruppe 1
Gruppe 2
0.4
0.3
0.2
0.1
0
0
1
2
3
4
Abb. 4: Überempfindlichkeiten nach Sensibilisierungskalender für Visalys whitening (1) und
Opalescence PF (2)
Erträglichkeit
Gingivairritationen während und nach dem Bleichen wurden durch den Untersucher bei
78,6% der Probanden in Form von Zahnfleischentzündungen (Rötung) und bei 41,1% der
Teilnehmer als erosive Veränderungen der Gingiva beobachtet (Tab.4).
76,8% der Probanden berichteten subjektiv über Zahnüberempfindlichkeiten, 67,9% über
Zahnfleischirritationen in Form von Zahnfleischbrennen. Einzelheiten über die Anzahl der
Patienten aus den beiden Untersuchungsgruppen, die Nebenwirkungen an den
verschiedenen Tagen erlitten, sind in Tab. 5 aufgeführt.
Tab.4: Anzahl der aufgetretenen Gingiva-Irritationen (Prozent in Klammern)
Gingiva- Irritationen
Rötung
Erosion
Gesamt
(n=56)
Visalys whitening
(n=27)
Opalescence PF
(n=29)
44 (78.6%)
21 (77.8%)
23 (79.3%)
23 (41.1%)
9 (33.3%)
14 (48.3%)
Tab.5: Anzahl der Probanden, die nach eigenen Angaben Beschwerden während und nach der
Bleichtherapie empfanden
Beschwerden während und nach Bleichtherapie
Gesamt
(n=56)
Visalys whitening
(n=27)
Opalescence PF
(n=29)
Überempfindlichkeit
43 (76.8 %)
18 (66.7 %)
25 (86.2 %)
Zahnfleischbrennen
38 (67.9 %)
20 (74.1 %)
18 (62.1 %)
Zahnfleischbluten
9 (16.1 %)
6 (22.2 %)
3 (10.3 %)
Zahnschmerzen
23 (41.1 %)
10 (37.0 %)
13 (44.8 %)
keine
12 (21.4 %)
9 (33.3 %)
3 (10.3 %)
Es lagen keine signifikanten Unterschiede in beobachteten oder berichteten Beurteilungen
der Erträglichkeit zwischen den beiden Bleichsystemen vor. In allen Fällen waren die
Gingivairritationen mild und von oberflächlicher Natur, begrenzt auf den Gingivarand. Diese
Nebenwirkungen waren vorübergehend und nach Ende der Bleichtherapie vollständig
zurückgegangen.
Weiterempfehlung und Wiederholung der Bleichtherapie
78% der Visalys-Gruppe gaben an, dass sie das Produkt an Freunde/ Bekannte
weiterempfehlen würden, wohingegen die Teilnehmer der Opalescence Gruppe nur in 62%
der Fälle ihr Produkt empfehlenswert fanden. Dieser Gruppenunterschied ist nicht statistisch
signifikant. An einer Wiederholung der Bleichtherapie mit dem jeweiligen Produkt wären 78%
der Visalys-Probanden und 66% der Opalescence Gruppe interessiert. Auch hierbei zeigt
sich keine statistische Signifikanz in den Gruppenunterschieden (Tab.6).
Tab.6: Anzahl der Probanden, die das Produkt an Freunde weiterempfehlen bzw. eine
Therapiewiederholung durchführen würden
Weiterempfehlung
Visalys whitening
(n=27)
Opalescence PF
(n=29)
21 (77.8 %)
18 (62.1 %)
Wiederholung der Therapie
Visalys whitening
(n=27)
Opalescence PF
(n=28)
21 (77.8 %)
19 (65.5 %)
Komfort/ Annehmlichkeit der Bleichtherapie
In beiden Gruppen beklagte sich ein gleicher Teil an Probanden über einen Mangel an
Komfort (Tab.7). Die Mehrzahl der Teilnehmer (76,7%) empfand das Bleichen als angenehm
(Gruppe A: 29,6%, Gruppe B: 27,6%) oder wenig unangenehm (Gruppe A: 55,6%, Gruppe B
41,4%). 18 Prozent (Gruppe A: 7,4%, Gruppe B: 27,6%) bzw. fünf Prozent (Gruppe A: 7,4%,
Gruppe B: 3,4%) der Probanden beurteilten die Bleichtherapie als unangenehm bzw. sehr
unangenehm. Signifikante Gruppenunterschiede lagen nicht vor (Tab.7).
Tab.7: Einschätzung der Probanden bezüglich des Komforts der Bleichtherapie
Komfort der Bleichtherapie
gesamt
(n=56)
Visalys whitening
(n=27)
Opalescence PF
(n=29)
angenehm
16 (28.6 %)
8 (29.6 %)
8 (27.6 %)
wenig unangenehm
27 (48.1 %)
15 (55.6 %)
12 (41.4 %)
unangenehm
10 (17.9 %)
2 (7.4 %)
8 (27.6 %)
sehr unangenehm
3 (5.4 %)
2 (7.4 %)
1 (3.4 %)
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