10. Sonntag im Jahreskreis (B) - Katholische Kirchengemeinde St

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10. Sonntag im Jahreskreis (B) - Katholische Kirchengemeinde St
Predigt am 9./10.6.2012 (Beginn der Fußball-EM) (B,10) in Lohne
Les.: 2 Kor 4,13-5,1; Ev.: Mk 3,20-35
Liebe Brüder und Schwestern!
In den vergangenen Wochen ist von der Stadt Lohne der neueste Lohner Zahlenspiegel 2012
erschienen. Als ich dieses kleine Heftchen durchblätterte, kamen mir so Gedanken in den Sinn,
wie sehr sich doch das Leben im vergangenen halben Jahrhundert verändert hat. Und was ich
jetzt in dieser Predigt vortrage, sind zunächst einfach nur Feststellungen, die ich ohne Wertung
nenne.
Als ich im Jahre 1973 nach Lohne kam, waren 91% der Einwohner Katholiken und 8%
Protestanten; nur etwa 1% andere oder konfessionslos. Jetzt im Jahre 2012 sagt der
Zahlenspiegel, dass in Lohne 65% der Einwohner r.k. und 15% evangelisch und 20% andere oder
konfessionslos sind. (Als ich mir den Zahlenspiegel noch genauer anschaute, machte ich die für
mich überraschende Entdeckung, dass von den 27.038 Einwohnern die männliche Bevölkerung
überwiegt, zwar ganz knapp, aber immerhin gibt es 16 mehr männliche als weibliche Einwohner
in Lohne. Für mich überraschend, weil in unserem Land die Frauen ja eine weit höhere
Lebenserwartung als die Männer haben. Im Stadtrat dominieren die Männer übrigens im
Verhältnis von 28:6).
Wie schnelllebig unsere Welt ist und wie sehr sich unsere Welt verändert, ist mir außerdem
aufgefallen, als ich mir Lieder aus vergangenen Zeiten genauer anhörte und unter die Lupe nahm.
Ich schaue zwar wenig Fernsehen (bis auf die nächsten drei Wochen), aber Musik, gerade auch
die Musik aus meiner Jugendzeit, höre ich immer wieder gerne.
Zwei Beispiele: Rudi Carrell ist den Älteren unter Euch als großer Entertainer und
Showmaster sicher ein Begriff. Er hat auch einige Schlager gesungen, z. B. das Lied: "Wann
wird's mal wieder richtig Sommer?". In einem anderen Lied mit dem Titel "Mein Dorf" aus dem
Jahre 1978 beklagt er sich darüber, dass in seinem Dorf auf seiner Lieblingswiese über Nacht ein
Hochhaus entstanden sei. Und dann wörtlich in dem Lied: "Die Jugendlichen sind auf Zack, sie
haben städtischen Geschmack und ein Cassettenradio. Ich weiß, es ist ihr gutes Recht, die neue
Zeit ist gar nicht schlecht, jedoch sie macht mich nicht sehr froh". In diesem Lied, liebe
Schwestern und Brüder, wird also das Cassettenradio als der Inbegriff des Neuen und Modernen
erwähnt. Da merke ich so richtig, wie die Zeit uns alle verändert hat. Kennen Kinder und
Jugendliche überhaupt noch ein Cassettenradio im Zeitalter von MP3 und I-Pod und und und?
Ein weiteres Beispiel: Ihr alle, ob jung oder alt, kennt den wohl berühmtesten
deutschsprachigen Schlagersänger Udo Jürgens. Wer kennt nicht seine Lieder "Griechischer
Wein", "Mit 66 Jahren, das fängst das Leben an" oder "17 Jahr, blondes Haar, so stand sie vor
mir". In einem nachdenklichen Lied aus Jahre 1982 "Ich war noch niemals in New York" heißt es
wörtlich: "Und als er draußen auf der Straße stand, da fiel ihm ein, dass er fast alles bei sich trug:
den Pass, die Eurochecks und etwas Geld..." Gibt es eigentlich heute noch sog. Eurochecks?
Weiter heißt es in dem Lied: "Die Frau rief: Mann, wo bleibst Du bloß? 'Dalli, dalli' geht gleich
los." Die Älteren unter Euch wissen es noch: Dalli dalli mit Hans Rosenthal: "Das war Spitze".
Liebe Brüder und Schwestern! Wie sehr sich unsere Welt und unser Verhältnis und unsere
Einstellung zu den Dingen in den vergangenen Jahren verändert hat, wird auch deutlich, wenn
wir unseren Blick am heutigen Tag einmal kurz auf die Welt des Fußballs richten. Die seit
Freitag begonnene Fußball-EM bestimmt vielfach unser Denken und verändert bei vielen ihr
Verhalten in den nächsten drei Wochen. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat vier
Ehrenspielführer. Der erste war Fritz Walter, der zweite Uwe Seeler, der dritte Franz
Beckenbauer und der vierte Lothar Matthäus. Fritz Walter, vor kurzem gestorben, ist zeitlebens
seiner Frau Italia verbunden geblieben, ebenso Uwe Seeler seiner Frau Ilka. Bei Franz
Beckenbauer sieht das ein wenig anders aus. Und bei Lothar Matthäus??? Wer weiß das schon so
genau.
Liebe Schwestern und Brüder, ich habe ja zu Beginn gesagt, ich wolle diese Veränderungen
in unserem Leben und unserem Lebensstil nur feststellen, nicht kommentieren. Wem steht schon
ein Urteil zu?
Die Veränderungen in unserem Land werden auch sehr deutlich, wenn wir unsere
Fußballnationalmannschaft einmal genauer betrachten, auch im Vergleich zu früher. Die
Mannschaft, die am 4.7.1954 in Bern in der Schweiz Fußballweltmeister wurde, bestand
seltsamerweise ausschließlich aus Katholiken. Im Vergleich dazu ist unsere jetzige
Nationalmannschaft religiös und kulturell vielschichtiger. Fast die Hälfte der Spieler könnte
sogar für ein anderes Land spielen. Unter den 23 Spielern sind auch drei sehr überzeugte
Moslems.
Zum Schluss dieser Predigt möchte ich doch etwas Wertendes sagen: Die anderen 20 Spieler
sind evangelische oder katholische Christen, wie auch der Trainer Löw und der Teammanager
Bierhoff. Sehr viele waren früher Messdiener. Sehr positiv erstaunt bin ich, wie viele der Spieler
sich in eigenen Stiftungen einsetzen für notleidende Menschen. Ich könnte wirklich von
mindestens 15 der an der EM teilnehmenden Spieler Beispiele bringen, dass sie sich in
überzeugender Weise in Veranstaltungen und Stiftungen für benachteiligte Menschen einsetzen.
Hier können unsere Spieler vielen als Vorbild dienen, und wir dürfen ihnen, so meine ich, von
ganzem Herzen in den kommenden Wochen die Daumen drücken.
Amen.