Ascent magazine 2013 - German

Transcription

Ascent magazine 2013 - German
Gemeinsam
von Innovationen und Ideen profitieren
Das technologische und wirtschaftliche
Umfeld hat sich mit einer beispiellosen
Geschwindigkeit gewandelt. Als
Mitarbeiter eines der weltweit führenden
IT-Unternehmen haben unsere Business
Technologists die Verantwortung, stets
einen Schritt vorauszudenken und
bevorstehende soziale, geschäftliche
und technologische Herausforderungen
vorausschauend zu erkennen. Gemeinsam
mit unseren Kunden und der Gesellschaft
müssen sie neue Wachstumsmodelle
entwickeln, die der wirtschaftlichen Lage
nach der Krise angemessen sind.
Thought leadership from Atos
Ein besserer Fahrer
dank Ihres Autos
Fünf berufliche
Perspektiven für
Ihre Kinder
Das Ende des
Einkaufens, wie
wir es kennen
zusammenwachsenden
Wir stellen vor:
den technikbegeisterten
Organisationschef
von Sotschi 2014
Haben Sie Interesse an unseren Veröffentlichungen
im Rahmen der Serie Ascent – Thought Leadership?
Unsere neuesten zukunftsorientierten Veröffentlichungen
zu geschäftlichen und technologischen Themen
vermitteln Denkanstöße und halten Sie über die
neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden.
www.atos.net/ascent
Die Versprechen einer
Winter/Frühjahr 2014
Welt
Inhalt
Vorwort
Die Datenexplosion durch
Smartphones und soziale
Netzwerke verwischt die
Grenzen zwischen einst klar
getrennten Bereichen.
DEMOGRAFIE
WIRTSCHAFTLICHE NACHHALTIGKEIT
Wie sieht eine
bargeldlose Welt
aus?
4
Entdecken Sie die
Geschäfte von
morgen
6
12
23
8
Big Data
GLOBALISIERUNG
Sotschi 2014: Lehren aus einem
abgeschiedenen Winkel Russlands
2 Ascent-Magazin | Atos
26
Dimitri
Tschernyschenko:
Weichensteller für
die Zukunft
20
30
Datenschutz: Die
große Debatte
Cloud-Prognose
32
Cloud
18
Die Menschheit gegen
Big Brother: Wer gewinnt?
Keine Zukunft
ohne Vertrauen
24
wirklich
riesig wird
14
VERTRAUEN
Falsche
Fakten:
Die Risiken
von OnlineBewertungen
Big Data
16
Fahrzeugvernetzung
Wir stellen vor:
den Mann, der
mehrseitige
Märkte für
Renault entdeckt
2020: Wenn
Warum Ihr
10-Jähriger nicht
Personalvermittler
wird
Mobilität
34
Sicherheit
Das
Büro
2.0
Soziales
Thierry Breton,
Vorsitzender und CEO von Atos
W
illkommen zur neuen
Ausgabe unseres AscentMagazins, in dem wir
einen Blick in die Zukunft
unserer zunehmend
vernetzten Welt werfen.
Die Aufgabe von Atos besteht darin,
bevorstehenden Veränderungen stets
einen Schritt voraus zu sein – und
unseren Kunden den gleichen Vorteil zu
verschaffen.
Unser Ascent-Programm ist dafür
gedacht, unseren Partnern und Kunden
innovative Konzepte und Denkansätze zu
aufkommenden Trends in einer Vielzahl
verschiedener Bereiche aufzuzeigen.
Unser Ascent-Magazin ist ein Forum,
das auf Zusammenarbeit beruht und
wichtige Erkenntnisse unserer Business
Technologists mit den Ansichten und
Ideen externer Experten aus Forschung
und Industrie vereint.
In der vorliegenden Ausgabe setzen wir
uns mit der „Revolution eines vernetzten
Universums“ auseinander. Wir gehen von
der Prämisse aus, dass die gegenwärtige
technologische Revolution einen echten
Einschnitt darstellt, der uns alle betrifft.
In den kommenden Jahren werden
wir entscheidende Veränderungen in der
internationalen Technologielandschaft
erleben. Sie werden die Art und Weise, in
der wir miteinander in Kontakt treten und
uns vernetzen, unser Leben und unsere
Geschäfte führen, weiter beeinflussen.
Die Datenexplosion durch Smartphones
und soziale Netzwerke verwischt...
Bereichen.
Früher deutlich voneinander
abgegrenzte Einheiten wie Unternehmen
und Verbraucher, Regierung und Bürger
sowie unterschiedliche Staaten wachsen
auf bis dato ungekannte Weise zusammen.
Wir haben uns in dieser Ausgabe des
Magazins das Ziel gesetzt, die Zukunft
aus verschiedenen Blickwinkeln zu
beleuchten, und zu verstehen, was diese
Revolution für das tägliche Leben von
Milliarden Menschen bedeuten wird.
Im Umfeld all dieser vernetzten
Endbenutzer gibt es einige kritische
Interaktionspunkte, an denen die
Unterstützung von Unternehmen
gefragt ist, um den Fortschritt weiter
voranzutreiben.
Wir möchten Ihnen ein Ihnen aufzeigen,
wie Unternehmen von den Möglichkeiten
profitieren können, die sich durch diese
neuen Technologien bieten, und wie sie
den aufkommenden Trends am besten
begegnen.
Insbesondere konzentrieren wir
uns dabei auf vier Trends, die unserer
Ansicht nach die kommenden Jahre in
entscheidender Weise prägen werden:
• die Entstehung neuer
Geschäftsmodelle, die wirtschaftliche
Nachhaltigkeit bieten,
• der demografische Wandel,
einschließlich der Volljährigkeit der
„Digital Natives“,
• die wachsende Globalisierung,
die eine stärkere Nachfrage nach
Technologie auslösen wird, und
• Vertrauen, das als Voraussetzung
für die erforderliche stärkere
Zusammenarbeit unerlässlich ist.
Sicher ist jedoch, dass der Mensch
weiterhin im Mittelpunkt dieses
technologischen Wandels stehen wird.
Jeder der Berichte in diesem Magazin
kann uns Aspekte der Welt vermitteln,
die uns erwartet.
Ich hoffe, dass Ihnen unser Blick in die
Zukunft gefallen wird.
Ascent-Magazin | Atos 3
Wirtschaftliche Nachhaltigkeit
M-Commerce
Kauf und Verkauf von Waren oder
Dienstleistungen über tragbare drahtlose
Geräte wie Mobiltelefone
Länder-Ranking nach Nutzung mobiler Zahlungsformen
P2P (Peer-to-Peer)
Online-Technologie, mit der Kunden über ihr
Mobiltelefon Zahlungen von ihrem Bankkonto
oder ihrer Kreditkarte auf das Konto eines
Empfängers veranlassen können
3%
4%
POLEN
Die Möglichkeiten
einer
hochentwickelten
mobilen Umgebung
werden von den
Verbrauchern nicht
ausgeschöpft.
5%
GROSSBRITANNIEN
1%
4%
FRANKREICH DEUTSCHLAND
Aufgrund der
Bekanntheit und
Bereitschaft zur
Nutzung mobiler
Zahlungsformen ist ihr
Anteil doppelt so hoch
wie im internationalen
Durchschnitt.
USA
MEXIKO
T
3%
4%
CHINA
SÜDKOREA
JAPAN
TAIWAN
1%
TÜRKEI
2%
6%
INDIEN
13%
Mobile
Zahlungsformen sind
in einer Wirtschaft,
in der 90 % aller
Transaktionen
bar erfolgen, eine
attraktive Lösung.
8%
BRASILIEN
ARGENTINIEN
6%
SÜDAFRIKA
22%
SAUDI-ARABIEN
38%
Kenia
1%
VIETNAM
SINGAPUR
5%
MALAYSIA
HONGKONG
PHILIPPINEN
INDONESIEN
THAILAND
7%
6%
14%
15%
NIGERIA
1%
Die Nutzung
aller mobilen
Zahlungsformen
zusammen
genommen ist
doppelt so hoch wie
in Großbritannien.
Der Anteil
mobiler PoSZahlungen ist
derzeit doppelt
so hoch wie der
internationale
Durchschnitt.
4%
11%
und genutzt werden, schafft es
derzeit kein europäisches oder
nordamerikanisches Land unter
die Top Ten. Stattdessen geben
Kenia, Vietnam und die Philippinen
den Ton an. Von den drei mobilen
Zahlungsformen – Peer-to-Peer
(P2P), Point of Sale (PoS) und
M-Commerce – ist die letztgenannte
derzeit am beliebtesten. Dabei
werden Transaktionen mit
Mobiltelefonen durchgeführt.
13%
VAE
ITALIEN
ÄGYPTEN
KOLUMBIEN
raditionelle Vorreiter
wie die Vereinigten
Staaten, Frankreich,
Großbritannien
und Japan verfügen
aufgrund ihres technologischen
und wirtschaftlichen
Entwicklungsstandes über die
besten mobilen Infrastrukturen.
Untersucht man jedoch, in welchen
Ländern mobile Zahlungsformen
am stärksten angenommen
UNGARN
16%
4%
14%
5%
2%
6%
RUSSLAND
7%
KANADA
M-Commerce wächst
überdurchschnittlich,
während mobile
P2P- und PoSZahlungen sich
unterdurchschnittlich
entwickeln.
PoS (Point of Sale)
Mobile Systeme am Verkaufsort, die den
Einsatz von Smartphones als Mini-Kasse zur
Abwicklung von Kreditkartentransaktionen
ermöglichen
7%
AUSTRALIEN
5%
NEUSEELAND
Dieses Schaubild wurde auf der Grundlage der Ergebnisse des „MasterCard’s Mobile Payment Readiness Index“ (MPRI) erstellt.
Ascent hat ein Ranking der Länder erstellt, in denen mobile Zahlungsformen am stärksten angenommen werden — und dabei einige Überraschungen zutage gefördert. Könnte bargeldloser Zahlungsverkehr wirklich das Gesicht der Welt verändern?
Die Welt — bargeldlos
4 Ascent-Magazin | Atos
Ascent-Magazin | Atos 5
Wirtschaftliche Nachhaltigkeit
Wir stellen vor: Worldline...
... eine Tochtergesellschaft von Atos und weltweit
tätiger europäischer Marktführer für Geschäftsund Zahlungstransaktionsdienstleistungen.
Das Unternehmen bietet geschäftsfördernde
IT-Dienstleistungen zur Unterstützung des
Umsatzwachstums seiner Kunden durch
eine innovative, neue und lückenlose
Benutzererfahrung, die Kunden ansprechen
soll. Dank seiner konkurrenzlosen 40 Jahre
Erfahrung und seiner starken lokalen
Verbindungen ist Worldline optimal aufgestellt,
Einkaufsliste
Bargeldlos
und vernetzt
Santi Ristol beschreibt,
was die veränderten
Kundenerwartungen
für Ihr Geschäft
bedeuten.
Santi Ristol und Guy Lidbetter, zwei
Mitglieder der Scientific Community
von Atos, sehen angesichts der
Verschmelzung von Online- und
Offline-Verkäufen einen radikalen
Wandel im Einzelhandel voraus.
H
at noch irgendjemand
Spaß am Einkaufen? Viele
Kunden werden Ihnen auf
Ihre Nachfrage antworten,
dass man heute nicht mehr
ordentlich bedient wird, dass es schwer
ist, das Gesuchte zu finden, und dass
es online ohnehin günstiger erhältlich
ist. Die Einzelhändler wiederum
beschweren sich, dass Kunden unhöflich
sind, immer alles umsonst haben wollen
und ihre Läden missbrauchen, um sich
die Ware anzuschauen und dann doch
online zu kaufen.
Anfang des Jahres erregte ein auf
glutenfreie Lebensmittel spezialisiertes
Reformhaus im australischen Brisbane
weltweit Aufsehen, als die Inhaberin
von Kunden 5 Dollar verlangte, nur
um ihre Waren zu betrachten. Sie
hatte genug davon, dass Menschen in
ihr Geschäft kamen, ihre Zeit und ihr
Fachwissen in Anspruch nahmen und
gingen, ohne etwas zu kaufen. „Die
Sache mit den 5 Dollar war niemals als
Kampagne gedacht“, betonte sie, „es
war nur eine Entscheidung, die ich aus
Verzweiflung getroffen habe, um mein
Geschäft vor Ort zu retten.“
Zwar behauptet die Inhaberin,
dass ihre Geschäfte seither besser
gehen, doch stellt sich die Frage, ob
Einzelhändler zu solch drastischen,
potenziell selbstschädigenden
Maßnahmen greifen müssen, um
ihr Überleben zu sichern. Oder
kann das Internet zum Nutzen von
Einzelhändlern und Kunden eingesetzt
werden? Unsere Experten heben zehn
positive Veränderungen hervor, die
sich durch die Verschmelzung von
Online- und Offline-Handel erzielen
lassen könnten.
6 Ascent-Magazin | Atos
1. Maßgeschneiderter
Kundendienst
Kunden sind nicht mehr anonym.
Beim Betreten des Geschäfts
„checken“ Sie über Ihr Mobilgerät ein,
teilen dadurch Informationen über
sich mit und erhalten automatisch
Zugang zu nützlichen Apps. Zugleich
ermöglichen Sie es den Mitarbeitern,
die Beratung auf Sie abzustimmen und
Ihr Einkaufserlebnis zu verbessern. Auf
diese Weise wächst das Geschäft mit
Stammkunden. „Denken Sie dabei nicht
an Big Brother, sondern an Big Mother:
Je mehr Sie Ihrer Mutter erklären, desto
mehr wird sie sich um Sie kümmern.“
2. Keine Warteschlangen
mehr
Das Schlangestehen an der Kasse,
während die Person ganz vorne
endlos nach Bargeld kramt, wird der
Vergangenheit angehören. Während Sie
einkaufen, können Sie Ihre Produkte
mit Ihrem Smartphone scannen und
zum Schluss mobil bezahlen. So wird Ihr
Einkaufserlebnis angenehmer und der
Einzelhändler kann seine Umsatzkosten
senken, während die Schlange an der
Kasse schrumpft.
3. Weniger lästige Werbung
Wenn Kunden ihre persönlichen
Vorlieben angeben, um einen
besseren Service zu erhalten, können
Einzelhändler ihre Werbemaßnahmen
wirksamer und gezielter einsetzen.
Auf diese Weise können sie mehr
Kunden auf ihr Geschäft aufmerksam
machen und ihnen auf ihre Bedürfnisse
abgestimmte Angebote unterbreiten.
Über dynamische Bildschirme, deren
um Unternehmen jeder Größenordnung
zu unterstützen und ihnen in der
wachstumsstarken und sich kontinuierlich
weiterentwickelnden Marktlandschaft von
heute zum Erfolg zu verhelfen. [ worldline.com ]
Anzeige auf den jeweiligen Betrachter
abgestimmt ist, werden Kunden
informiert und erhalten Angebote, die
ihrem spezifischen Geschmack und
ihren Vorlieben entsprechen.
4. Alle notwendigen
Informationen über
Einkäufe
Sie sind nicht sicher, ob der Kuchen, den
Sie gerade kaufen wollen, Inhaltsstoffe
enthält, auf die Sie allergisch reagieren?
Nehmen Sie Ihr Smartphone, scannen
Sie das Etikett und rufen Sie alle
erforderlichen Informationen ab.
Ebenso können Sie das Etikett des
Pullovers scannen, der nicht in Ihrer
gewünschten Farbe vorrätig ist, und
herausfinden, welches Geschäft ihn auf
Lager hat.
5. Kein zielloses
Herumsuchen mehr
Mit der Eingabe Ihrer Einkaufsliste in Ihr
Smartphone stellen Sie sicher, dass Sie
nichts vergessen. Doch das ist noch nicht
alles: Beim „Einchecken“ im Geschäft
können Sie eine App nutzen, die Ihre
Liste verarbeitet und Ihnen auf einem
Grundriss anzeigt, wo die gewünschten
Artikel sind. Zudem wird der schnellste
Weg durch das Geschäft dargestellt.
6. Steht mir das Kleid
überhaupt?
Wen fragen Sie nach einer zweiten
Meinung, wenn Sie alleine shoppen?
Eine Augmented Reality-Brille könnte
Ihnen die Frage ehrlich beantworten, für
ein intensiveres Einkaufserlebnis sorgen
und vielleicht sogar das Smartphone
ganz verdrängen.
7. Weg mit den schweren
Tüten
Sie lieben Einkaufsbummel, hassen es
jedoch, Ihre Tüten von einem Geschäft
ins nächste schleppen zu müssen?
Kein Problem. Scannen Sie einfach die
Artikel, die Sie kaufen möchten und
wählen Sie bei der mobilen Bezahlung
eine Lieferoption. Die Artikel werden
Ihnen nach Hause geliefert und Sie
können Ihren Einkaufsbummel
„unbeschwert“ fortsetzen.
8. Keine verlorenen
Kassenzettel mehr
Wie viele verschiedene Karten stecken in
Ihrem Geldbeutel und wie oft hatten Sie
bereits den Kassenzettel verlegt, wenn
Sie einen Artikel zurückgeben wollten?
Ab sofort werden all Ihre Zahlungen
und Treuepunkte über Ihr Mobilgerät
aufgezeichnet und in der Cloud gesichert,
sodass sie jederzeit abgerufen werden
können. Auf diese Weise werden
Rückgaben und Erstattungen zur
Formsache.
9. Wieder mehr Spaß beim
Einkaufen
Online-Shopping wird anschaulicher
gestaltet, sodass Sie Geschäfte
durchstöbern können, als wären Sie direkt
vor Ort. Ziehen Sie die gewünschten Waren
einfach in Ihren Einkaufskorb. Das OnlineShopping der Zukunft wird noch schneller
und bequemer sein. Spieltechniken
werden sowohl das Einkaufserlebnis als
auch die Kundenbindung intensivieren,
sodass Einkaufen wieder Spaß macht.
10. Mehr als nur ein Geschäft
Seien Sie nicht überrascht, wenn
Ihre lokale Tierhandlung plötzlich
Pflegeversicherungen für Haustiere
anbietet. Der Zugriff auf große
Mengen von Kundendaten wird zur
Entstehung mehrseitiger Märkte
führen. Im Zuge dessen werden
sich traditionelle Ladengeschäfte
zu Schnittstellen zwischen anderen
Dienstleistungsunternehmen und
Verbrauchern entwickeln und für einen
nahtlosen Service beim Einkauf sorgen.
„Denken
Sie dabei
nicht an Big
Brother,
sondern an
Big Mother:
Je mehr Sie
Ihrer Mutter
erklären,
desto mehr
wird sie
sich um Sie
kümmern.“
Einzelhändler mit traditionellen
Ladengeschäften stehen heute vor einer
einfachen, aber entscheidenden Wahl: Sie
können das mobile Internet und seine Tools
nutzen und den Kampf mit Online-Händlern
aufnehmen – oder untergehen. Wir nähern
uns schnell einem Punkt, an dem Verbraucher
es geradezu als ihr Recht betrachten, immer
und überall online zu sein. Angesichts dieser
Einstellung werden vor allem die Einzelhändler
erfolgreich sein, die das Potenzial der Situation
erkennen und die Gunst der Stunde nutzen, um
eine größere Kundennähe zu erreichen.
Zugleich hat das mobile Internet bei
Verbrauchern zu größeren Erwartungen an ihr
Einkaufserlebnis geführt: mehr Informationen,
mehr Bequemlichkeit und mehr Service. Die
persönlichen Daten, die sie den Einzelhändlern
angeben müssen, um all dies zu erhalten,
erleichtern es diesen wiederum, die Kunden
gemäß ihren Wünschen zu betreuen und auf ihre
Kosten zu kommen.
Einzelhändler können an zwei Punkten
ansetzen: Sie können Maßnahmen ergreifen,
die nach außen gerichtet sind, um ihren
Bekanntheitsgrad zu steigern und Kunden zu
einem Besuch zu ermuntern: beispielsweise
durch den Versand von persönlichen
Mitteilungen oder Gutscheinen, durch
Unterhaltungs- und Freizeitangebote und die
Verbesserung ihrer Internetpräsenz. Zweitens
können sie im Laden selbst etwas ändern: Sie
können das Einkaufserlebnis ihrer Kunden
verbessern und Verkaufsschlagern mehr Platz
einräumen, indem sie mehr Artikel außerhalb
lagern. Sie haben auch die Chance, Kunden mehr
Interaktion zu bieten und die Bezahlung zu
erleichtern.
Der Phantasie sind in dieser Hinsicht keine
Grenzen gesetzt, und sämtliche Ideen führen zu
einer engeren Beziehung zwischen Einzelhändler
und Kunde - zu einem insgesamt besseren
Erlebnis.
Ascent-Magazin | Atos 7
Wirtschaftliche Nachhaltigkeit
Fahrzeugvernetzung
Fernseher, Smartphones,
Tablets und nun auch Autos: Der
neueste Interaktionskanal mit
dem Internet bietet Autofahrern
faszinierende Lösungen in Sachen
Sicherheit, Leistung und Komfort.
Darüber hinaus entstehen neue
Einnahmequellen von wesentlicher
Bedeutung für Hersteller.
5
Sensoren
1
4
Kontrollzentrum
Mobile Geldbörse
Eine übersichtliche
Benutzeroberfläche
mit Head-up-Display im
Blickfeld des Fahrers, sowie
Lenkradfernbedienung,
Gesten- und
Spracherkennung
gewährleistet eine minimale
Ablenkung des Fahrers.
Sie können
sowohl Apps und
Entertainmentprodukte
erwerben als auch Ersatzund Zubehörteile für Ihr
Fahrzeug wie Scheinwerfer
und Rücklichter bestellen.
3
Fahrzeugeigenes
Unterhaltungssystem
Streamen Sie Musik,
Videos und Spiele aus
dem Internet oder
tauschen Sie sie mit
anderen Fahrzeugen aus.
“
6
2
Batterie- und
Tankanzeige
Fällt der Füllstand des
Benzintanks oder die
Batterieladung unter
ein bestimmtes Niveau,
meldet Ihnen Ihr Fahrzeug
rechtzeitig Standorte zum
Tanken oder Aufladen
neben Preisen und
Sonderangeboten.
8 Ascent-Magazin | Atos
Die Sensoren Ihres
vernetzten Fahrzeugs
erfassen nicht nur
Hindernisse, sondern
„kommunizieren“
darüber hinaus mit
anderen Fahrzeugen
in der unmittelbaren
Umgebung und können
schneller als der Fahrer auf
Bewegungen reagieren.
Diese Vernetzung spielt
auch eine wesentliche Rolle
bei der Aufrechterhaltung
der Internetverbindung des
Autos während der Fahrt.
Vorausschauende
Instandhaltung
Ihr Instandhaltungsprogramm kontrolliert
laufend den Zustand
Ihres Fahrzeugs und
benachrichtigt Sie, wenn
Teile ausgetauscht werden
müssen. Zudem kann das
Programm die betroffenen
Zubehörteile oder Reifen
ausfindig machen und
bestellen.
„Keine Technologie wird
je allein alle Funktionen
bereitstellen, die für ein
vernetztes Fahrzeug
benötigt werden. Da das
Fahrzeug sich fortbewegt,
ändert sich die Lage des
Netzwerks ständig. Aus
diesem Grund muss
man alle verfügbaren
Möglichkeiten zur
Kommunikation nutzen:
beispielsweise mit anderen
vernetzten Fahrzeugen
und mit vernetzten
Verkehrsanlagen wie
Ampeln und Radargeräten.“
Professor Giovanni Pau, Lehrstuhl für Smart Mobility
an der Universität Pierre und Marie Curie, Paris
Ascent-Magazin | Atos 9
Wirtschaftliche Nachhaltigkeit
Atos und Samsung
Vernetzte Fahrzeuge und ihre integrierten
Anzeigegeräte sind einer der Schwerpunkte der
neuen strategischen Partnerschaft zwischen
Atos und Samsung Electronics. Die im Juni
2013 bekanntgegebene Partnerschaft ist auf die
10
„Apps für vernetzte Fahrzeuge
sollen Ihnen helfen, besser zu
fahren, und dürfen Sie auf keinen
Fall stören. Fahrzeughersteller
arbeiten jedoch bereits daran,
Apps für Zeiten zu entwickeln,
in denen Autofahrer nicht mehr
selbst fahren müssen.“
Pascal Pediroda, Worldline Connected Vehicles Offering Manager,
Mitglied der Scientific Community von Atos
“
Pannen
9
Im Falle einer Störung
benachrichtigt das
Fahrzeug sofort den
Pannendienst Ihres
Herstellers und erstellt
eine gründliche Diagnose
des Problems. Auf diese
Weise wird die Reparatur
beschleunigt.
Anhalten, ausschalten,
anschließen
Udo Sebald, Mitglied der
Scientific Community von
Atos, stellt sich die Frage,
ob Elektrofahrzeuge eine
Zukunft haben.
Kilometerstand
Nutzungsdaten wie
zum Beispiel der
Kilometerstand sind beim
Verkauf an Dritte, etwa an
Versicherungsgesellschaften,
wertvolle Aspekte.
7
Die persönliche
Anpassung der vernetzten
Umgebung ist ein
wichtiger Aspekt für das
Benutzererlebnis. Dabei
wird jedes Element bis hin
zum Akzent oder Dialekt
der Computerstimme auf
den Benutzer abgestimmt.
10 Ascent-Magazin | Atos
8
Leistung
Jeder Fahrer hat eine
andere Fahrweise. Die
Erfassung von Daten
über Umdrehungen,
Gangwechsel, Bremsen
usw. wird Herstellern
helfen, ihr Design so
anzupassen, dass es
für die meisten Fahrer
effizient ist. Dadurch wird
die Lebensdauer des
Fahrzeugs verlängert und
Benzin gespart.
Elektrofahrzeugs mehrere Stunden in
Anspruch nimmt.
Trotz dieser Hindernisse gibt es echte
Bemühungen, eine stärkere Verbreitung
von Elektrofahrzeugen in der Zukunft
zu fördern. Regierungen stehen einer
Umstellung auf Elektrofahrzeuge
äußerst positiv gegenüber. Das gleiche
gilt für die Eigentümer stark genutzter
Kurzstreckenflotten, einschließlich des
Kurierdiensts FedEx, der französischen
Post und des deutschen Postdienstleisters
DHL, der seit Kurzem in einem Pilotprojekt
in Bonn eine Reihe von Elektrofahrzeugen
zur Paket- und Postzustellung einsetzt.
Automobilhersteller und ihre Lieferanten
sind geteilter Meinung: Einige haben viel
zu verlieren, andere viel zu gewinnen.
Alle jedoch haben mittlerweile entweder
Elektrofahrzeuge im Umlauf oder
Forschungsprogramme eingeleitet.
Kostensenkungen
E
Persönlicher
Geschmack
Entwicklung und Vermarktung leistungsfähiger
IT-Lösungen für B2B-Märkte ausgerichtet.
Die Lösungen sollen alle Elemente der
Einzelhandelsprozesskette sowie die Bereiche
Digital Signage, Fahrzeugvernetzung, EndbenutzerIT, Drucken und Mobilität abdecken.
ine Umstellung auf
Elektrofahrzeuge ist
besonders aus zwei
Gründen attraktiv: Der
eine ist die Umwelt,
der zweite die Kosten – und
letztlich wird der Kostenfaktor
entscheiden. Regierungen, die
sich dem Ziel verschrieben haben,
den Ausstoß von Schadstoffen
zu verringern, erlassen bereits
Gesetze und bieten staatliche
Unterstützung für den Kauf
von Elektrofahrzeugen an.
Angesichts der ständig
steigenden Benzinpreise sind die
geringeren Gesamtbetriebskosten
für Elektrofahrzeuge
für Autobesitzer – und
insbesondere Flottenbetreiber
– ein zunehmender Anreiz.
Mobilitäts- und CarsharingAnbieter wie DriveNow, Cambio
und Multicity bieten ihrer
wachsenden Kundschaft nun
auch Elektrofahrzeuge und
Infrastrukturen zum Aufladen von
Batterien an.
Ein weiterer Anreiz für die
Zukunft ist die Möglichkeit zur
Nutzung von Elektrofahrzeugen
als Zellen in einem intelligenten
Stromnetz („Smart Grid“),
um eine effiziente und
flexible Energieverteilung zu
gewährleisten. Dadurch können
die Besitzer von Elektrofahrzeugen
potenziell über ein eigenes
Energiespeichersystem verfügen
und wären zunehmend
unabhängiger von der zentralen
Energieversorgung.
Hindernisse überwinden
Gegenwärtig gilt es jedoch drei
große Hindernisse zu überwinden.
Das erste sind die hohen
Batteriekosten – bis zu 15.000 Euro
für einen Mittelklassewagen. Für
die meisten Privatpersonen sind
Batterien daher unerschwinglich.
Das zweite Hindernis besteht
ist die fehlende Infrastruktur.
Zwar werden nach und nach in
einigen Städten Aufladestationen
installiert, doch ihre Zahl ist
derzeit noch viel zu gering, als
dass eine signifikante Umstellung
auf Elektrofahrzeuge möglich
wäre. Das dritte Hindernis ist der
Zeitfaktor: Es dauert ungefähr fünf
Minuten, bis ein Benzintank gefüllt
ist, während das Aufladen eines
Die Frage ist, ob die Hindernisse, die
dem Einsatz von Elektrofahrzeugen
entgegenstehen, überwunden werden
können, bevor eine andere Energiequelle
sie überholt. Ich denke, die Antwort ist ja.
Die Batterietechnologie entwickelt sich
ständig weiter. Das Fraunhofer-Institut für
Werkstoff- und Strahltechnik in Dresden
gab beispielsweise vor Kurzem einen
Durchbruch bei der Verbesserung des
Lebenszyklus von Lithium-SchwefelBatterien bekannt. Diese Batterien
sind wesentlich leistungsfähiger
und kostengünstiger als die bislang
bekanntere Lithium-Ionen-Variante und
können zu Kostensenkungen beitragen.
Eine weiter verbreitete Nutzung wird
ebenfalls helfen die Kosten zu senken.
Weitere Infrastrukturanbieter werden
dem Beispiel von Tesla Motors folgen
und das Netz der Aufladestationen
erweitern (Tesla will bis Ende des Jahres
alle größeren Städte in den USA und
Kanada an das Netz anbinden) sowie
an der Entwicklung schnell ladender
Technologien arbeiten.
Gleichzeitig mehren sich Hinweise,
dass sich die Einstellung gegenüber dem
Besitz eines eigenen Autos ändert: Viele
Menschen verzichten lieber auf ein Auto,
das den ganzen Tag ungenutzt in der
Garage steht. Der Trend geht vielmehr zur
punktuellen Anmietung von Fahrzeugen,
die vollständig aufgeladen oder
aufgetankt startbereit an gut erreichbaren
Orten abgeholt werden können.
Kurzfristig bieten Hybrid-Fahrzeuge
einen guten Einstieg, um die Vorteile von
Elektrofahrzeugen kennenzulernen. Ich
glaube jedoch, dass bis 2030 oder 2035
die meisten Autos im Straßenverkehr
vollständig elektrisch betrieben sein
werden und jede neue Kraftstoffquelle
dieses System bedienen wird.
Ascent-Magazin | Atos 11
Wirtschaftliche Nachhaltigkeit
Der Schlüssel zu neuen
Umsatzpotenzialen
Während die meisten Automobilhersteller noch über die
Umsetzung der Fahrzeugvernetzung nachdenken, hat Renault sein
bahnbrechendes System R-Link bereits eingeführt. Ascent fragt
François Gayral von Renault, welche Gründe sein Unternehmen
überzeugt haben, die Entwicklung des Systems voranzutreiben.
A
utomobilhersteller stehen derzeit
vor einer großen Herausforderung:
Fahrzeugvernetzung wird sich
unweigerlich überall durchsetzen,
und die Hersteller müssen ein
wirtschaftlich tragbares Modell entwickeln, mit
dem sie Kunden diesen Komfort zu einem Preis
anbieten können, den diese zu zahlen gewillt
sind. „Ich wette, dass in zwei, drei Jahren niemand
von uns mehr ein Auto kaufen will, das nicht
vernetzt ist“, vermutet Hubert Tardieu, ein Mitglied
der Scientific Community von Atos. Eile ist also
geboten.
Bei Renault wird nicht gewartet, bis
andere Wettbewerber die Initiative ergreifen.
Getreu dem Motto „Innovation für alle“, nach
dem der französische Hersteller als erster
integrierte Lenkradfernbedienungen und
Navigationssysteme auf den Markt gebracht
hat, wagt Renault jetzt einen erneuten Vorstoß
mit R-Link, einem integrierten System, das
mit der Cloud, dem Smartphone und dem
fahrzeugeigenen Netzwerk verbunden ist. Mit
über 50 serienmäßig vorinstallierten Apps
besteht laut François Gayral, Cross Carline VP
Marketing, das Hauptziel darin, die bestehenden
Konnektivitätsdienste von Renault wie
beispielsweise das integrierte Navigationssystem
Carminat TomTom LIVE so vielen Kunden wie
möglich zur Verfügung zu stellen.
Renault R-Link bietet sowohl Renault selbst
als auch seinen Kunden und Drittanbietern eine
Vielzahl potenzieller Vorteile. Und genau hier
zeigt sich, dass das Geschäftsmodell wirtschaftlich
tragbar ist.
Mehrwert
„Wir sind bereit, unseren Großkunden
Leistungen zu verkaufen, die Daten zur
Nutzungsweise ihrer Fahrzeuge verwerten.
Auf diese Weise können wir ihnen helfen, ihre
Flotten effizienter einzusetzen“, erklärt Gayral.
„Wir könnten diese Daten auch verkaufen.
Wir untersuchen beispielsweise „Pay As You
Drive“-Versicherungsmodelle, bei denen
Versicherungsnehmer ihre Monatsprämien
senken können, indem sie Informationen über die
von ihnen zurückgelegten Kilometer verkaufen.“
Was Gayral beschreibt, ist das wirtschaftliche
Prinzip des mehrseitigen Marktes, bei dem
Unternehmen ihren Kunden Mehrwertdienste im
Austausch für deren persönliche Informationen
Kurzlebenslauf
Geburtsdatum: 21. Juni 1956
Geburtsort: Pau, Frankreich
Qualifikation: Diplomingenieur, INSA Lyon
Berufliche Stationen: 34 Jahre in der Automobilbranche, Einstieg bei Valeo als Betreuer
mehrerer Kunden, Wechsel zu PPG als PSA WW Account Director, 13 Jahre bei Renault,
Aftersales-Direktor für Renault Frankreich und Cross Carline VP Marketing seit 2009
Heimatstadt: Sceaux, Frankreich
Familie: Verheiratet, zwei Kinder und Enkelkinder
Auto: Renault Espace
Lieblings-App in R-Link: E-Mail mit Text-to-Speech-Funktion, Pages Jaunes (Gelbe Seiten)
12 Ascent-Magazin | Atos
anbieten. Diese Informationen können
anschließend an Drittanbieter weiterverkauft
werden. Für Renault und jeden anderen
Automobilhersteller ist dies ein ausgesprochen
vielversprechender Ansatz: Wenn ausreichend
Daten von vernetzten Autos erfasst würden,
könnten sie genug Einnahmen erzielen, um
die Zukunft des Geschäftsmodells zu sichern.
Deshalb bringt Renault solche Innovationen
gezielt gleichmäßig und präzise verteilt in die
Serienproduktion ein, damit die wichtigste
Voraussetzung für einen mehrseitigen Markt erfüllt
ist: eine große Anzahl von Nutzern.
Es gibt allerdings einige Tücken: Ein Aspekt,
der den Erfolg dieses Modells gefährden kann
(was in einigen Fällen bereits geschehen ist), ist die
allgemeine Besorgnis über den unverantwortlichen
Umgang mit persönlichen Verbraucherdaten.
Wie wird Renault das Vertrauen seiner Kunden
aufrechterhalten?
„Das Kundenvertrauen steht natürlich auf dem
Spiel“, gibt Gayral zu. „Bei den Leistungen, die wir
unseren Großkunden anbieten möchten, sind
diese Fragen alle berücksichtigt worden.
Die Daten sind nicht personenbezogen,
„aber dennoch vertraulich. Wir werden
selbstverständlich sicherstellen, dass die
länderspezifische Gesetzgebung eingehalten
wird. Wir müssen alle Vorschriften über
den Schutz personenbezogener Daten
einhalten. So müssten wir im Falle des
bereits erwähnten Versicherungsmodells
sicherlich einen Vertrag zwischen den
Versicherungsgesellschaften und den
Fahrern ausarbeiten.“
Kundenkontakt
Stimmt er der Aussage zu, dass Kunden –
vor allem die jüngeren Generationen – ihre
Zurückhaltung in Bezug auf die Weitergabe
persönlicher Daten ablegen?
„Das hängt von dem Mehrwert ab, den der
Dienst bietet. Nehmen wir beispielsweise die
Verkehrsmeldungen des HD Traffic Service,
den wir täglich über Carminat TomTom LIVE
und nun über R-Link nutzen. Jeder ist sich
mittlerweile der Tatsache bewusst, dass das
System den Input von Benutzern benötigt,
um in Echtzeit präzise Verkehrsmeldungen
liefern zu können. Diese Daten sind nicht
personenbezogen, aber es ist klar, dass
all diese Informationen an einer Stelle
zusammengefasst und gespeichert werden,
um diese von Kunden sehr geschätzten
Dienste anbieten zu können.“
R-Link bietet Renault zudem in einer
weiteren Hinsicht einen erheblichen Vorteil.
Über R-Link kann Renault die Nähe zu seinen
Kunden aufrechterhalten und sämtliche
Informationen erfassen, die notwendig sind,
um sicherzustellen, dass Renault in Bezug
auf Kundendienst ihre erste Wahl bleibt.
„Dies ist der Schlüssel“, meint Gayral.
„Wie bewahren wir den Kontakt zum
Kunden? Unsere Website verfügt über
einen My Renault-Link, der es ihnen
ermöglicht, mit uns in Verbindung zu
bleiben. Mit R-Link können wir noch
einen Schritt weiter gehen und Kunden
spezifische Angebote für Wartungen,
Zubehörteile und so weiter unterbreiten.
Dies ist ein bedeutender Meilenstein im
Kundenbeziehungsmanagement – eine
einzigartige Gelegenheit.“
Glaubt er, dass Renault durch die
Einführung von R-Link an der Konkurrenz
vorbeigezogen ist?
„Uns ist es wichtiger, konkrete Nachweise
zu erbringen, als zu sagen, dass wir die Ersten
waren“, sagt Gayral. „Dieses Urteil steht nur
unseren Kunden zu. Ich würde sagen, wir
befinden uns mitten im Kampf.“
„Kunden
können ihre
Prämien
senken,
indem sie
Informationen
über die
von ihnen
zurückgelegten
Kilometer
verkaufen.“
Mit der grünen
Welle fahren
Ascent im Gespräch mit dem Gewinner
des Atos 2013 Global IT Challenge für
vernetzte Fahrzeuge
Die Sieger-App Evergreen wurde von einem
Team der Fachhochschule Hagenberg in
Österreich entwickelt. Sie berechnet die RotGrün-Phasen der Ampeln innerhalb einer
Stadt und gibt Fahrern Geschwindigkeiten
vor, mit denen sie im Optimalfall vor
keiner roten Ampel anhalten müssen.
Die übersichtliche, benutzerfreundliche
Gestaltung des Displays von Evergreen
überzeugte die Jury, und Renault entschloss
sich, die App in den Entwicklungsprozess
von R-Link zu integrieren.
Was waren die größten
Herausforderungen?
Warum haben Sie
Verkehrsampeln ausgewählt?
Warum war die Jury von
der Benutzeroberfläche so
beeindruckt?
[Rainhard Findling, Entwickler:] Wir
stolperten über das Problem, dass wir
uns bei roten Ampeln gefragt haben,
wie lange wir warten müssen. Es ist ein
Routineproblem, dass wir alle haben, und
wir wollten es einfach lösen.
Was waren die entscheidenden
Kriterien?
[RF:] Wir wollten Autofahrern Informationen
darüber geben, wie lange sie vor roten
Ampeln warten müssen. Zugleich wollten
wir ihnen helfen, ihre Benzinkosten zu
senken und beispielsweise den Verschleiß
von Bremsen durch das Abbremsen und
Beschleunigen zu verhindern. Nebenbei
wollten wir auch den Städten etwas Gutes
tun, indem wir einen Beitrag zur Senkung
der Schadstoffemissionen leisten.
[RF:] Wir wollten beweisen, dass die App
funktioniert. Deshalb haben wir eine
Simulation mit Fahrzeugen innerhalb von
Linz, der drittgrößten Stadt in Österreich,
durchgeführt. Die Ergebnisse haben gezeigt,
dass Autos, die Evergreen verwenden,
weniger beschleunigen und bremsen.
Entsprechend sanken auch die Kosten,
Abgase und Wartezeiten vor Ampeln.
[RF:] Der Bildschirm ist perfekt in das
Fahrzeug integriert. Dadurch können Sie ihn
so berühren, wie Sie es von herkömmlicher
Software in Fahrzeugen gewohnt sind. Der
Bildschirm ist besonders darauf abgestimmt,
was Sie in Ihrem Auto sehen müssen. Sie
verstehen sofort, was das Gerät von Ihnen
verlangt.
Wann wird die App einsatzbereit
sein?
[RF:] Das hängt von den Städten ab. Sie
müssen uns die Informationen über ihre
Verkehrsampeln zur Verfügung stellen,
damit wir sie in unser System eingeben
können. Wir führen derzeit Gespräche mit
einigen Städten und werden sehen, ob ein
Bedarf besteht, unser System zu testen.
Ascent-Magazin | Atos 13
Demografie
D
ie ersten beiden Jahrzehnte des World
Wide Web haben Menschen wie Du
und Ich zahlreiche Möglichkeiten
eröffnet, unabhängiger zu werden.
Jedes Kind konnte plötzlich Popstar
werden, jeder Schriftsteller ein Bestseller-Autor.
Jeder konnte nun am Geschehen teilnehmen.
Dann ermöglichte Crowdfunding, clevere neue
Geschäftsideen zu verwirklichen und den Status
Quo infrage zu stellen.
Will Brooks, ein Fan des englischen Fußballklubs
Fulham FC, rief 2007 die Seite MyFootballClub.
co.uk ins Leben. Er wollte Fußballfans die
Gelegenheit bieten, ihren eigenen Verein zu
managen, bis hin zur Auswahl der Spieler. Über
30.000 Menschen aus aller Welt meldeten sich
bei der Plattform an. Jedes Mitglied leistete einen
Beitrag von 35 Pfund und gemeinsam wurde der
englische Fünftligist Ebbsfleet United erworben.
Sender aus mehr als 50 Ländern berichteten über
die Übernahme. Der Funke sprang über: Ähnliche
Initiativen wurden in Italien und Deutschland
gestartet.
„Vorsitzende und Manager von Fußballklubs
glaubten im Großen und Ganzen nicht daran, dass
die Fans sich selbst organisieren oder als Gruppe
rationale Entscheidungen treffen könnten“, so
Brooks. „Sie rechneten mit einem Chaos.“ Doch
das Chaos blieb aus. In der ersten Saison brachte
MyFootballClub.co.uk 25.000 Fans ins WembleyStadion, die zusahen, wie Ebbsfleet United die FA
Trophy gewann.
Vor der Übernahme waren im Durchschnitt
jeweils 900 Fans im Stadion. Wie nicht anders zu
erwarten, verursachte die Tatsache, dass „einfache“
Fans den Verein allein stemmen konnten,
beträchtliches Unbehagen unter der traditionellen
Fußballelite. Doch das Potenzial des Internets, eine
Revolution auszulösen, sollte bald eine ganze neue
Dimension annehmen.
„Vor 2011, unter der Regierung von Hosni
Mubarak, verboten Gesetze gegen öffentliche
Versammlungen die Zusammenkunft von
mehr als fünf Ägyptern an einem Ort. In einem
solchen Umfeld konnte eine normale, langsam
und organisch wachsende Demonstration
einfach nicht zustande kommen. Wenn jedoch
Alle
Macht
dem Volk?
Das Internet hat
bereits eine erhebliche
Machtverlagerung
weg von Industrie und
Regierung auf den
Einzelnen bewirkt.
Doch wie wird die
Entwicklung auf lange
Sicht aussehen?
500.000 Menschen gleichzeitig an einem Ort
zusammenkommen, kann niemand mehr
etwas dagegen unternehmen. Und hier kam
Facebook ins Spiel“, erklärt Reza Aslan, Autor,
Berichterstatter und Experte für den Arabischen
Frühling. „Die Kraft, die im Arabischen Frühling
die wahrscheinlich größte Rolle spielte, war AlDschasira“, erläutert er, „aber ohne die sozialen
Netzwerke wäre es nicht gelungen, sich gut genug
zu organisieren, um den Sturz dieser Regierungen
herbeizuführen.“
Doch wird diese Entwicklung zukunftsweisend
sein? Sind wir hier Zeugen einer Verlagerung der
Kräfteverhältnisse zwischen Regierungen und Volk,
Geschäftswelt und Verbrauchern geworden? Oder
war dies alles einfach ein Strohfeuer, ein kurzer
Zeitraum, in dem das Volk den Regierungen die
Schau stahl, sich aber dennoch letztendlich auf
eine neue Form der Kontrollausübung einließ? Wie
Aslan betont, ist dieser Geist im Nahen Osten bereits
wieder gebannt. „Der Iran verfügt innerhalb seines
nationalen Sicherheitsapparats über eine ganze
Abteilung, deren einzige Aufgabe darin besteht,
soziale Netzwerke zu überwachen, aufrührerisches
Gedankengut zu verbreiten und Menschen auf
diese Weise in die Falle zu locken. Sobald sie darauf
eingehen, ist es nur noch ein kurzer Weg vom
Computer bis zum Klopfen an der Haustür.“
Ist dies also bereits das Ende vom Lied für die
neue Online-Macht des Volkes? Nicht, wenn man
Jan Krans Glauben schenkt, einem Mitglied der
Scientific Community von Atos. Tatsächlich gibt
es täglich zahlreiche Beispiele, in denen soziale
Netzwerke die Geschäftswelt aufhorchen lassen
und sie zwingen, auf ihre Kunden zu hören.
Doch die Entwicklung geht weit über eine
reine soziale Vernetzung hinaus. „Menschen
werden ihr Mobiltelefon nicht mehr nur für soziale
Netzwerke nutzen, sondern als Lebensader zur
Außenwelt.“, sagt Krans voraus. Als Beleg dafür,
dass künstliche Intelligenz bald jedermann zur
Verfügung stehen wird, verweist er auf das von
IBM entwickelte Computerprogramm Watson, das
in der amerikanischen Quizshow Jeopardy zwei
Menschen schlug.
In Bereichen wie dem Gesundheitswesen,
der Landwirtschaft und dem Umweltschutz
Links Menschen
waren keine ernst
zu nehmenden
Gegner für das
Computerprogramm
Watson von IBM.
Ganz links
Facebook ermöglichte
Demonstranten die
aktive Beteiligung am
Arabischen Frühling.
finden Menschen durch das Suchen und
Austauschen von Informationen online bereits
eigene Lösungen. Menschen aus aller Welt
schließen sich zu Interessengruppen zusammen,
formieren sich wie eine Schar Zugvögel und
wählen, ohne jegliches Zutun von Regierungen
oder Forschungsgruppen eine Richtung. „Dank
des mobilen Internets haben wir mehr Gewicht
und können den Status quo in Frage stellen“,
sagt Krans.
Er räumt ein, dass es stets Infiltration durch
Regierungen sowie Internetkriminalität geben
wird und dass Unternehmen mit Sicherheit
versuchen werden, Meinungsführer zu „kaufen“.
Doch er glaubt auch daran, dass die Menschen
ein stärkeres Gespür für Authentizität entwickeln
werden und dass eine „vernetztere Gesellschaft“
letztlich mehr Freiheit bringen wird.
Aslan ist davon überzeugt, dass wir Zeugen
einer gewissen Machtverschiebung werden.
Er beschreibt dies als „Durchbrechung des
Monopols, das Wächter einst über den freien
Fluss von Informationen, Nachrichten und
Meinungen hatten.“
Mit anderen Worten: Staatlich kontrollierte
Medienkanäle können den Menschen nicht länger
Sand in die Augen streuen.
Die Informationen sind verfügbar und die
Mittel, um darauf zuzugreifen, werden bald in
der Hosentasche jedes zweiten Menschen zu
finden sein.
Fünf Möglichkeiten,
die neue Macht
des Volkes positiv
zu nutzen
Jan Krans, Mitglied der Scientific
Community von Atos, berät
Unternehmen im Umgang mit einer
gestärkten Klientel.
„Die alten
Marketingstrategien
ziehen nicht
mehr.“
Auf offene Innovation setzen
Große Unternehmen haben die
Chance, sich strategisch nach außen zu
öffnen und einen fruchtbaren Boden zu
schaffen, um gemeinsam mit Partnern
oder durch Crowdsourcing ihr
Innovationspotenzial zu vergrößern.
Sie müssen ein Teil des Ökosystems
werden.
Kunden kennen und ihr
Interesse aufrechterhalten
Erfassen Sie so viele Daten wie
möglich über Ihre Kunden: welchen
Marktsegmenten sie angehören, wo sie
aktuell stehen, wie Sie sie begeistern
können. Wecken Sie ihr Interesse
durch Erfahrungswerte und Gespür
für Trends, nicht mit traditioneller
Werbung.
Authentisch sein und
Vertrauen schaffen
Die alten Marketingstrategien ziehen
nicht mehr. Vernetzte Kunden
erkennen Effekthascherei sofort.
Vertrauen steht an oberster Stelle.
Starke Social Media-Präsenz
aufbauen
Ihr Unternehmen braucht mehr als
eine Person, die als Ihr Sprachrohr
in sozialen Netzwerken fungiert. Die
Mehrheit Ihrer Mitarbeiter sollte mit
der Markenwahrnehmung in der
Außenwelt vertraut sein oder sogar an
der Vermittlung Ihrer Marke über Social
Media beteiligt sein. Interne Maßnahmen
müssen nach außen getragen werden.
Ein Netzwerker werden
Eröffnen Sie neue Kommunikationswege
für Ihre Kunden untereinander.
Stellen Sie Plattformen für Menschen
mit ähnlichen Interessen bereit.
Krankenhäuser könnten beispielsweise
Patienten mit derselben Erkrankung
miteinander vernetzen und so den
Austausch von Erfahrungen und Wissen
begünstigen.
Hyper sapiens: die Evolution des vernetzten Menschen
1960er
Erste Computernetzwerke
14 Ascent-Magazin | Atos
Frühe 1990er
W3 ermöglicht
Konnektivität
von Desktop-PCs
Späte 1990er
Laptops mit WLAN
ermöglichen Internetverbindungen außerhalb
des Büros
Frühe 2000er
Smartphones – das
Internet für die
Hosentasche
Späte 2000er
Tablets eröffnen
neue Wege der
Vernetzung
Heute
Fahrzeugvernetzung
revolutioniert die
Motorwelt
Nahe Zukunft
Vernetzte Fernseher
holen die Welt in
Ihr Wohnzimmer
Zukunft
Das Internet der
Dinge erledigt
alles für Sie
Ascent-Magazin | Atos 15
Demografie
Fünf
berufliche
Perspektiven
für Ihre Kinder…
Die IT-Revolution dürfte den Arbeitsmarkt
nachhaltig verändern. Deswegen bereiten
Schulen junge Leute bereits heute auf Berufe
vor, die es noch gar nicht gibt. Wir haben einige
Berufe der Zukunft ausgewählt...
Business Technologist
Das dynamische und sich stetig
verändernde Geschäftsumfeld
der Zukunft wird ganz besondere
Experten erfordern – Experten, die
nicht vorgeben, alle Antworten zu
wissen, sondern wirklich zuhören
und mit innovativen Ansätzen
und Ideen auf die geschäftlichen
Herausforderungen ihrer Kunden
reagieren. Business Technologists
sind mehr als nur Technikfreaks
oder Berater, die nicht wirklich
Verantwortung für die endgültigen
Ergebnisse übernehmen. Sie haben
die gesamte Wertschöpfungskette
im Blick mit der Absicht, zur
Geschäftsstrategie beizutragen.
Ihre Aufgabe wird es sein, ganze
Ökosysteme zu orchestrieren,
Teams aus qualifizierten Beratern
und Branchenspezialisten zur
Verfügung zu stellen und ein
von A bis Z durchkomponiertes
Konzept auszuarbeiten und
auch umzusetzen, das die
Unternehmensziele erfüllt.
16 Ascent-Magazin | Atos
Social Media-Redakteur
Einzelpersonen wie auch Unternehmen
nutzen verstärkt soziale Medien zur
Selbstdarstellung gegenüber ihren
Kunden und Kollegen. Wie schaffen es
Menschen in dieser hektischen, von
Termindruck geprägten Welt eigentlich,
ihre Profile zu aktualisieren und stets
auf dem neuesten Stand zu halten? Hier
kommt der Social Media-Redakteur
ins Spiel, der ihr Online-Profil betreut
und im Namen seiner Auftraggeber
regelmäßig interessante Inhalte ins
Netz stellt.
Medizinischer
Cyborg-Spezialist
Mit der Zunahme von
Technologieimplantaten wird sich
eine vollkommen neue medizinische
Fachdisziplin entwickeln. Die
Möglichkeiten, die das „Internet der
Dinge“ bietet, werden immer mehr statt
Menschen ermutigen, Nanosensoren
und Chips in ihren Körpern zu tragen.
Diese neue Gruppe von Ärzten dürfte
also sehr gefragt sein. An wen sonst
sollen sich die Menschen wenden,
wenn ihr Magen nicht mehr mit ihrer
Mikrowelle kommuniziert?
Digitaler Agraringenieur
Die steigenden Anforderungen der
ständig wachsenden Weltbevölkerung
an die Lebensmittelproduktion werden
zwangsläufig eine Umstellung auf
effizientere, produktivere Formen
der Landwirtschaft erfordern. In
Entwicklungsländern ermöglicht
die Nutzung von Smartphones es
Landwirten bereits, digital vernetzte
Genossenschaften zu bilden
und auf diese Weise zu besseren
Konditionen Ein- und Verkäufe zu
tätigen und Ressourcen zu teilen. Auf
internationaler Ebene ist es wertvolles
Fachwissen, Mobiltechnologie
zum Mikromanagement der
Lebensmittelproduktion zu nutzen,
um damit weltweit landwirtschaftliche
Synergien zu schaffen. Es trägt zur
Verringerung von Engpässen und
Überangeboten bei und gewährleistet
minimale Verschwendung bei
maximaler Versorgung.
Umfeld-Designer
In wenigen Monaten werden die
ersten „intelligenten Brillen“ im Handel
erhältlich sein, mit denen wir die
tatsächliche und die virtuelle Welt
gleichzeitig erleben können. In zehn
Jahren werden Datenbildschirme
im Sichtfeld der Nutzer zum
Alltag gehören. Ein vollkommen
neuer Industriezweig wird mit
dieser Technologie entstehen. Ein
persönlicher Umfeld-Designer könnte
eine medizinische Untersuchung durch
einen Facharzt am anderen Ende der
Welt veranlassen, per Fernschaltung die
Bedienung von Geräten ermöglichen
sowie imaginäre Umgebungen als
herunterladbare Designs gestalten und
den Kunden die Welt so erleben lassen,
wie er es wünscht. Heute steht uns der
Sinn ganz nach Art Déco...
… und ein Beruf,
der untergehen
wird
Personalvermittler
Personalvermittler versuchen
vorauszusagen, welche Berufe
in Zukunft am meisten gefragt
sein werden. Allerdings ist es
äußerst unwahrscheinlich, dass
ihr eigener Beruf die IT-Revolution
überlebt... Soziale Netzwerke wie
LinkedIn beginnen schon heute,
Arbeitssuchenden automatisch
geeignete Stellenangebote
vorzuschlagen. Unsere persönlichen
Daten, die unter anderem auch
Leistungsbeurteilungen enthalten,
werden immer transparenter. Für
Arbeitgeber wird es daher immer
einfacher, mit wenigen Mausklicks
online nach idealen Kandidaten zu
suchen, ohne einen Personalvermittler
einzuschalten.
Ascent-Magazin | Atos 17
Demografie
Riesig
100
Quintillionen Bytes – so viele
Daten werden 2020
pro Tag produziert.
g Data
Big
Persönlich
Jeder Mensch hinterlässt
täglich eine digitale Spur,
die unter anderem aus
GPS-Daten, Textnachrichten
(SMS), Beiträgen in
sozialen Netzwerken und
Kreditkartenzahlungen
besteht. Doch dies ist nichts
im Vergleich zu der Spur,
die wir in den kommenden
Jahren hinterlassen werden,
wenn unsere Kühlschränke,
Autos, Mikrowellen und
sogar unsere Kleidung Daten
übertragen werden.
Unter den
industriellen
Anwendungen von
Big Data werden viele
von erheblichem
Nutzen für die
Umwelt sein.
Emotional
In den ersten 24 Stunden nach der
Geburt eines Babys werden weltweit
2,5 Quintillionen Bytes an Daten produziert.
Dies entspricht dem Datenvolumen, das
alle US-Bürger zusammen genommen
erzeugen würden, wenn sie 222 Jahre lang
jede Minute einen Tweet veröffentlichen.
Erscheinen Ihnen diese Zahlen schon
enorm, bereiten Sie sich auf einen Schock
vor. 2020, wenn unser Baby sieben Jahre alt
ist, wird das tägliche Datenvolumen mehr
als 100 Quintillionen Bytes betragen.
Nachhaltig
Unter den industriellen Anwendungen
von Big Data werden viele von
erheblichem Nutzen für die Umwelt sein.
Beispielsweise ermöglicht ein Abgleich
meteorologischer und geographischer
Daten es, die optimale Ausrichtung von
Windturbinen zu bestimmen, um die
maximale Energieleistung zu erzielen.
2020
Bei den amerikanischen
Präsidentschaftswahlen im Jahr 2012
nutzten beide Parteien Tools zur
Stimmungsanalyse, um die online geäußerte
öffentliche Meinung auszuwerten. Einer
Medienagentur gelang es sogar, allein auf der
Basis von Daten aus Twitter die Ergebnisse
jedes einzelnen der 50 US-Bundesstaaten
korrekt vorauszusagen. Bis spätestens 2020
werden Politiker in der Lage sein, in Echtzeit
zu messen, wie sich Wahlversprechen
und politische Entscheidungen auf ihre
Wählerschaft auswirken.
Sicher
Sicherheitsbehörden werden in der Lage
sein, Datenmengen aus einem breiteren
Spektrum von Bereichen als zuvor zum
Nutzen der Gesellschaft zusammenzufassen.
Die Polizeikräfte werden beispielsweise
in der Lage sein, historische Daten über
Delikte mit Daten aus sozialen Netzwerken,
psychologischen Gutachten und
Standortdaten von Smartphones und anderen
Geräten abzugleichen und zu kombinieren.
Auf diese Weise können Muster für Verbrechen
vorausgesagt und vorausschauend
Maßnahmen ergriffen werden.
Momentaufnahmen eines Tages im Leben von Big Data in sehr naher Zukunft
Schnell
Unternehmen werden Big Data nutzen, um
ihren Kunden einen persönlicheren Service
zu bieten und zu verhindern, dass sie zur
Konkurrenz abwandern. Stellen Sie sich
vor, Sie könnten in Echtzeit eine detaillierte
Stimmungsanalyse von 500 Millionen
Kundenanrufen pro Tag durchführen. Nun
stellen Sie sich vor, Sie könnten diese Daten
mit Angaben aus sozialen Netzwerken und
Transaktionsinformationen kombinieren. Ein
Callcenter-Mitarbeiter erhält somit genaue
Hinweise zum „Abwanderungsrisiko“ eines
Kunden und kann seine Reaktion auf den
Kunden abstimmen.
18 Ascent-Magazin | Atos
500
Millionen
Kundenanrufe
werden in Echtzeit
analysiert.
Wissenschaftlich
Schnellere, günstigere Rechenleistungen
werden die Aufschlüsselung der
DNA-Sequenz einer Person für nur
70 Euro ermöglichen. Dies wird den
Weg zum Aufbau „anonymisierter“
DNA-Datenbanken ebnen. Diese können
von medizinischen Forschern genutzt
werden, um ein breites Spektrum von
Gesundheitsproblemen zu ermitteln.
So können Menschen identifiziert
werden, die aufgrund ihrer genetischen
Veranlagung anfällig für bestimmte
Krankheiten sind.
Zuverlässig
Dank der schnellen Verbreitung
von Sensoren und Satelliten
sowie der erheblich gestiegenen
Rechengeschwindigkeiten können
Wetterveränderungen präziser und
detaillierter vorhergesagt werden. Neue
Modelle werden hunderttausende
atmosphärische Informationen und
historische Daten der letzten Jahrzehnte
verarbeiten und mehrere Wochen im
Voraus zuverlässige, fundierte
Vorhersagen liefern.
Wettervorhersagen
werden präziser
und detaillierter sein.
Ascent-Magazin | Atos 19
Vertrauen
85 %
S
icherheitsverstöße bei einigen
der weltweit renommiertesten
Unternehmen haben dafür
gesorgt, dass der Datenschutz
in die Schlagzeilen geriet.
Unsere IT-Anwendungen sollen
möglichst einfach zugänglich sein,
gleichzeitig fordern wir jedoch, dass
Vertraulichkeit und Integrität Standard
sind.
Deswegen muss Vertrauen im
Mittelpunkt jeder Beziehung stehen.
Ein Vertrauensverlust in Bezug auf
Datenschutz und Datensicherheit
kann schwerwiegende Folgen für
den digitalen Fortschritt haben – und
in geschäftlichen Beziehungen mit
Kollegen, Kunden und Aktionären
potenziell großen Schaden anrichten.
Technologie ist in unserem Leben
inzwischen allgegenwärtig. Wir
denken selten darüber nach, wie
sehr wir der Technologie vertrauen.
Wenn neue Plattformen entwickelt
werden, beeilen wir uns, unter den
Nutzern der ersten Stunde zu sein.
Doch der rasche Wandel in unserer
Nutzung von IT-Systemen und die
häufig wahllose Verbreitung der
darin erfassten Daten bedeuten, dass
bestehende Sicherheitslösungen rasch
unzulänglich sein können.
Betrachten Sie beispielsweise die
Verwischung der Grenzen zwischen
unserem privaten und beruflichen
Leben. Noch bis vor wenigen
Jahren nutzten wir an unserem
Arbeitsplatz IT-Geräte, die für uns
privat unerschwinglich waren. Heute
besitzen viele von uns höherwertige
Geräte als jene, die unsere Arbeitgeber
zur Verfügung stellen. Da liegt es nahe,
Unternehmensdaten mit unseren
schnelleren, leistungsfähigeren
privaten Geräten zu verwalten und zu
bearbeiten.
Digital Natives
Unternehmen sind mit diesem
Szenario nicht unzufrieden, denn sie
können auf diese Weise ihre Kosten
senken und die Produktivität steigern.
Es bedeutet aber auch das Ende der
klar definierten operativen Grenzen,
die zuvor das Sicherheitskonzept und
entsprechende Kontrollmaßnahmen
unterstützten. Zudem setzt das
Szenario voraus, dass Unternehmen
Benutzern in Bezug auf den
verantwortungsvollen Umgang
mit ihren Geräten mehr Vertrauen
schenken. Wir gehen im Allgemeinen
vorsichtig mit unseren Geldbörsen um,
deshalb sollten wir im Umgang mit
unseren Mobilgeräten ebenso große
Vorsicht walten lassen.
Zu viele Menschen erkennen
20 Ascent-Magazin | Atos
schlichtweg nicht, wie viele
Möglichkeiten diese Geräte bieten
und welche Risiken sich durch diese
Geräte eröffnen, die so sehr Teil
unseres Alltags geworden sind. Ein
Mobiltelefon ist nicht mehr nur ein
Gerät zum Telefonieren oder Surfen;
damit können durch direkten Zugriff
auf unsere Bankdaten, Zahlungen
getätigt werden.
Leider neigen einige
Benutzergruppen dazu, blind auf
die Technologie zu vertrauen,
sie verkennen die potenziellen
Datenschutzrisiken. Dies gilt vor
allem für die unter 25-jährigen „Digital
Natives“, die mit Mobiltelefonen und
dem Internet aufgewachsen sind.
Junge Leute sind bereit, Einschnitte in
ihre Privatsphäre zuzulassen, wenn Sie
einen Nutzen darin sehen.
Zugleich verzeichnete Facebook
bei der Gruppe der Menschen im Alter
von über 50 Jahren, die sich früher nur
zögerlich auf digitale Technologien
eingelassen haben, in den vergangenen
Jahren den größten Zuwachs. Sobald
sie herausfinden, dass sie mit ihren
Enkeln am anderen Ende der Welt
sprechen können, freunden sie sich
stärker mit dem zuvor fremden Gerät
an. Ihre Vorbehalte schwinden, und
anfängliche Skepsis weicht rasch
Vertrauen.
Größere Risiken
Keine
Zukunft ohne
Vertrauen
Mangelnde Datensicherheit stellt eine
erhebliche Bedrohung für den künftigen
technologischen Fortschritt dar. Werden
wir in dieser Hinsicht möglicherweise
wirklich in das Zeitalter vor dem Internet
zurückkatapultiert? Jose Esteban, Mitglied
der Scientific Community von Atos,
untersucht diesen Aspekt.
Die Sachlage stellt sich bei allen
Benutzersegmenten anders dar.
Junge Leute, die von Kindesbeinen
an mit der Technologie aufgewachsen
sind, erkennen oft nicht, wie viele
persönliche Daten sie preisgeben.
Ältere Generationen wiederum sind
aufgrund mangelnder Vorsicht anfällig
für Phishing-Angriffe und Betrügereien.
Ihnen allen gemein ist, dass sie infolge
der erhöhten Übertragbarkeit von
Daten über Cloud-Dienstleistungen und
benutzereigene Geräte einem erhöhten
Risiko des Missbrauchs oder der
unbeabsichtigten Preisgabe von Daten
ausgesetzt sind.
Zuvor nur über von Unternehmen
kontrollierte Infrastrukturen und
Systeme verfügbare Daten können nun
auch über private Geräte abgerufen
werden. Unser umfangreiches
Netzwerk beruflicher und privater
Kontakte befindet sich an einem
einzigen Ort. Vor zehn Jahren waren
Sie komplett von all Ihren Kontakten
abgeschnitten, wenn Sie Ihr Telefon
verloren. Heute wären Sie nicht nur
komplett abgeschnitten, andere hätten
auch die Möglichkeit, alles über Sie zu
erfahren.
Vor diesem Hintergrund hat das
amerikanische National Institute of
Technology kürzlich seine Richtlinien
über die Sicherheit von Mobilgeräten
in Unternehmen (Guidelines for
Managing the Security of Mobile
Devices in the Enterprise) überarbeitet.
Die Richtlinien sagen unverblümt, dass
Unternehmen bei der Planung ihrer
IT-Sicherheit „annehmen sollten, dass
Mobilgeräte von böswilligen Dritten
angegriffen werden“.
Wenn Vertrauen weiterhin
aufrechterhalten werden soll, muss
gewährleistet sein, dass selbst bei
einem unbefugten Zugriff auf ein
Gerät nur befugte Personen in der
Lage sind, die darauf gespeicherten
Daten zu nutzen. Die Trennung
privater und beruflicher Daten wird
zur Wahrung der Vertraulichkeit
beitragen. Automatisiertes „Vergessen“
oder Löschen nicht mehr genutzter
Daten sollte die Regel sein. Auch
Fortschritte im Identitätsmanagement
wie beispielsweise biometrische
Erkennung oder Verschlüsselung
sollten zum Schutz von Daten in
Subsystemen der Komponenten
eingesetzt werden.
Nachhaltige
Geschäftsmodelle
Im Online-Banking ist Vertrauen
zwischen Privatpersonen und
Organisationen unumgänglich.
Viele von uns haben ihre Bank
bereits vor dem Internetzeitalter
ausgewählt, und ihr ist es gelungen,
unser Vertrauen während vieler
Jahre zu bewahren. Heute sind wir
aus Bequemlichkeit dazu bereit, den
Online-Diensten unserer Bank zu
vertrauen, und überlassen es jeweils
der Bank, die Notwendigkeit robuster
Sicherheitsvorkehrung gegen den
Wunsch ihrer Kunden nach einem
bequemen Zugang abzuwiegen.
Eine kürzlich veröffentlichte
Studie des auf Transaktionssicherheit
spezialisierten Unternehmens
Entersekt ergab, dass 85 Prozent
der erwachsenen US-Bürger, die ein
Bankkonto besitzen, zumindest ein
wenig Besorgnis in Bezug auf OnlineBankbetrug verspüren. 71 Prozent
gaben an, dass sie wahrscheinlich ihre
Bank wechseln würden, falls sie Opfer
eines Online-Betrugs würden.
der erwachsenen USBürger, die ein Bankkonto
besitzen, verspüren
Besorgnis in Bezug auf
Online-Bankbetrug.
„Planen Sie
ausgehend
von der
Annahme,
dass
Mobilgeräte
verloren
gehen,
gestohlen
oder gehackt
werden
können.“
71 %
würden wahrscheinlich
ihre Bank wechseln,
falls sie Opfer eines
Online-Betrugs würden.
Erkenntnisse für
Ihr Unternehmen
1.
2.
3.
4.
5.
Hindernisse abbauen
Neue Geschäftsmodelle sind auf die Zusammenarbeit von
Organisationen angewiesen, um Mehrwert zu schaffen. Wer
dafür nicht bereit ist und Vertrauen nicht bei allen geschäftlichen
Tätigkeiten in den Mittelpunkt stellt, setzt sich der Gefahr des
Scheiterns aus.
Grenzen kontrollieren
Planen Sie ausgehend von der Annahme, dass Mobilgeräte
verloren gehen, gestohlen oder gehackt werden können.
Entwickeln Sie ein Sicherheitssystem, das Daten so gliedert, dass
selbst bei einem unbefugten Zugriff auf ein Gerät nur befugte
Personen in der Lage sind, die darauf befindlichen Daten zu
nutzen.
Alle in einem Boot
Die gesamte Organisation muss Verantwortung für die
Datensicherheit übernehmen, nicht nur eine eigens dafür
vorgesehene Abteilung, Eine zentrale Planung anstatt einer Adhoc-Umsetzung von Lösungen trägt zum Aufbau eines guten Rufs
in puncto Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit bei.
Wo gehobelt wird, da fallen Späne
Am wichtigsten ist Ihre Reaktion. Zu viele Organisationen
reagieren erst, wenn es wirklich zum Ernstfall kommt, anstatt
wirksame, langfristige Datensicherheitsstrategien umzusetzen.
Vertrauen ist eine Sache der Wahrnehmung – und die
Veröffentlichung vertraulicher Daten kann erheblichen Schaden
anrichten.
Schweigen ist Gold!
Sie können die ausgeklügeltsten Sicherheitssysteme einsetzen,
doch eines der größten Risiken ist und bleibt leichtfertiges Gerede.
Vertrauliche Informationen können bereits über ein mitgehörtes
Telefongespräch auf der Straße, im Aufzug oder im Zug an die
Öffentlichkeit gelangen.
Ascent-Magazin | Atos 21
Vertrauen
Jede Benutzeranmeldung
ist für Hacker eine potenzielle
Chance zum Angriff – zugleich aber
eine Gelegenheit für Banken, das
Vertrauen ihrer Kunden zu stärken.
Sichere Multi-Channel-Vorgänge
erfüllen die Anforderungen an einen
benutzerfreundlichen Zugang und
stärken das Vertrauen der Benutzer.
Informationssicherheit ist eine der
Säulen nachhaltiger Geschäftsmodelle.
Das Vertrauen in diese Sicherheit ist
entscheidend, wenn Organisationen
das Potenzial von gemeinsamer
Datennutzung, offenen Innovationen
und dem Auflösen physischer Grenzen
ausschöpfen wollen. Die Globalisierung
wird schließlich nicht plötzlich
aufhören. Wenn Organisationen nicht
in der Lage sind, einen effektiven und
verantwortungsvollen Umgang mit
Daten nachzuweisen, verlieren sie ihre
Glaubwürdigkeit, das Vertrauen der
Verbraucher – und schließlich auch
Geld.
Digitale Zertifikate sind ein
Schlüsselfaktor bei OnlineTransaktionen. Sie dienen zur
Identifizierung von Benutzern, als
Gütesiegel und ermöglichen das
digitale Signieren von Software. Einige
„Wenn
Organisationen
nicht in der Lage
sind, einen
effektiven und
verantwortungsvollen Umgang
mit Daten
nachzuweisen,
verlieren sie ihre
Glaubwürdigkeit,
das Vertrauen
der Verbraucher
– und schließlich
auch Geld.“
Fälle von Betrug mit gefälschten
Zertifikaten haben das Vertrauen
in diese Möglichkeit jedoch
beeinträchtigt. Bei Servern und
Anwendungen wie beispielsweise WebBrowsern, die sich auf automatisierte
digitale Zertifikate verlassen, ohne
Benutzer direkt zu involvieren,
haben die Analysen einiger
Zertifizierungsstellen überraschend
nachlässige Sicherheitskontrollen für
Computersysteme und Netzwerke
aufgezeigt.
Aktive Strategien
Daraus wird ersichtlich, dass
Organisationen Datensicherheit nicht
nur in ihr Sicherheitsmodell, sondern
in ihr übergeordnetes Geschäftsmodell
integrieren müssen. Vertrauen beruht
auf Wahrnehmung: Sie können das
anspruchsvollste Sicherheitssystem
entwickeln, doch mangelnde zentrale
Kontrolle und unzureichende
Kommunikation werden trotzdem
erhebliche Auswirkungen darauf
haben, wie Ihr Unternehmen
wahrgenommen wird. Zu viele
Unternehmen neigen dazu, in Sachen
Datensicherheit mit Ad-hoc-Lösungen
zu reagieren, statt aktiv langfristige
Strategien zu entwickeln. Im Gegenzug
kann eine erfolgreich gesteuerte
Reaktion auf eine Bedrohung der
Datensicherheit das Vertrauen stärken.
Zwischenfälle wird es immer geben;
viel wichtiger ist, wie Sie darauf
reagieren.
Technologie bietet die Möglichkeit
zum Aufbau von Communitys.
Soziale Netzwerke werden in Firmen
eingeführt, um die Zusammenarbeit
zu erleichtern. Sie bieten uns die Mittel,
Andere mit ähnlichen Interessen
zu finden sowie fachgebietsund grenzüberschreitend zu
kommunizieren. Wer hätte vor wenigen
Jahren etwa das Wachstum im Bereich
der offenen Innovation vorhergesagt?
Wir begegnen unbekannten
Menschen nicht mehr instinktiv als
Fremden, sondern als potenziellen
Kollegen, und bei unseren digitalen
Interaktionen streben wir die goldene
Mitte zwischen blindem Vertrauen und
absoluter Vorsicht an. Tatsache ist, dass
Organisationen, die Vertrauen keine
Priorität einräumen, nicht in der Lage
sein werden, das volle Potenzial der
digitalen Innovation auszuschöpfen
und nachhaltiges Wachstum zu
erzielen.
W
arum entscheiden Sie
sich für den Kauf einer
bestimmten neuen
Waschmaschine oder
ein bestimmtes Hotel?
Eine überwältigend positive OnlineBewertung, ein Blog oder ein Beitrag
können großen Einfluss haben. Eine
Studie von Nielsen aus dem vergangenen
Jahr zeigt, dass Online-Bewertungen als
Quelle für Markeninformationen nach
Mundpropaganda das größte Vertrauen
genießen.
Doch wie vertrauenswürdig sind
diese Bewertungen überhaupt? Ein
Bericht der britischen Zeitung Guardian
deckte auf, dass Bewertungen auf
mehreren Empfehlungsseiten unter
Pseudonymen und falschen Adressen
verfasst wurden.
„Anonymität hat Benutzern einerseits
mehr Macht verliehen, andererseits
wird sie aber auch ausgenutzt“, so João
Baptista, Dozent für Informatiksysteme
an der Warwick Business School.
„Vertrauenswürdigere
Umgebungen werden mit
besseren Erlebnissen und
einem effektiveren Austausch
assoziiert. Eine Steigerung der
Vertrauenswürdigkeit erfordert
mehr Kompetenz und
Professionalität, Wohlwollen – und
damit meine ich gute Absichten –
sowie Integrität und Fairness.“
Selbstkontrolle
Ein möglicher Ansatz besteht in
der Selbstkontrolle. Das französische
Institut für Normung (AFNOR)
hat die weltweit erste Norm mit
freiwilligem Charakter veröffentlicht,
die Regeln und Verfahrensweisen
für Bewertungsportale im Internet
(siehe Kasten rechts) festlegt.
43 Organisationen aus dem
Bereich des E-Commerce sowie
Verbraucherorganisationen und
professionelle Vereinigungen haben
18 Monate lang zusammengearbeitet,
um die Norm fertigzustellen, die unter
dem Kürzel NF Z74-501 bekannt ist.
AFNOR ist überzeugt, dass
Betreiber, die diese Norm umsetzen,
erhebliche wirtschaftliche Vorteile
winken. Tatsächlich könnte die Norm
NF Z74-501 eines Tages im Rahmen
der Internationalen Organisation für
Normung (ISO), zu deren Mitgliedern
AFNOR zählt, zur Grundlage einer
internationalen Norm werden.
„Jede Online-Plattform muss sich
mit dem Risiko auseinandersetzen,
dass sie das Vertrauen von Benutzern
auf höchster Ebene einbüßen kann“,
meint Baptista. „Es handelt sich nicht
nur um eine Funktion auf einer Website,
22 Ascent-Magazin | Atos
Falsche
Fakten
Wie können Unternehmen
vertrauenswürdige OnlineUmgebungen schaffen, wenn
Benutzer die Möglichkeit haben,
anonym falsche oder absichtlich
schädliche Inhalte veröffentlichen?
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sondern ist eine Angelegenheit des
Managements, die den Dienst und die
Probleme prägen, die mit seiner Nutzung
einhergehen, und Auswirkungen
für Systeme, Richtlinien und die
Governance haben wird.
Die Aufhebung der vollen
Anonymität und der Umgang mit
Identität bei Dienstleistungen, über die
Menschen Informationen austauschen
und soziale Kontakte knüpfen und
pflegen, wird zusehends wichtiger.
Bei einigen Online-Präsenzen von
Zeitungen beispielsweise besteht
ein Trend zur Überwachung der
Kommentarfunktion und zur
Feststellung der Identität, um Risiken
zu reduzieren und das Vertrauen
zu stärken.“
Risiken für den Fortschritt
Baptista ist besorgt, dass OnlineAnonymität den digitalen Fortschritt
verhindern wird: „Wie wir aus den
Fehlschlägen mit digitalen Zertifikaten
Anfang des Jahrtausends gelernt haben,
kann Vertrauen von oben nur schwer
aufgebaut werden. Geschlossene
Umgebungen funktionieren in der
Regel nicht und die Gesetzgebung hinkt
meistens hinterher, wie beispielsweise
an der verspäteten Verbannung sozialer
Medien aus Gerichtssälen deutlich wird.“
Die Herausforderung für Betreiber
besteht also darin, sich das Vertrauen
der Benutzer aktiv zu erarbeiten.
Dieser Prozess, so meint Baptista,
funktioniert online genau so wie offline:
„Der gute Ruf muss auf der Grundlage
der bisherigen Erfolgsgeschichte und
mithilfe von Zertifikatssystemen,
Empfehlungen, Verweisen und so weiter
aufgebaut werden. Ebenso wichtig ist
eine angemessene Verwendung von
Hinweisen, die von der Markenbildung
bis zum Tonfall reichen kann.
Ich sehe Chancen in diesem Bereich,
in dem Drittanbieter einen Rahmen für
den digitalen Austausch bereitstellen
könnten, der beispielsweise wie
der App Store von Apple aussehen
könnte. Die Rolle der Zertifikate wird
wahrscheinlich als unmittelbar
sichtbare Signale ebenfalls wichtiger
werden.
„Letztendlich handelt
es sich jedoch um ein
gesellschaftliches Problem, das
nur durch eine Änderung unseres
Zugriffsverhaltens auf diese
Dienstleistungen gelöst werden
kann – durch Training, Bewusstsein
und Lernen.“
Ascent-Magazin | Atos 23
Vertrauen
DE
EB
David Erdos
Emmanuelle
Bartoli
Katzenbach Research
Fellow am University of
Oxford Centre for SocioLegal Studies
AM Wenn wir uns mit den Auswirkungen
aufstrebender Technologien
auseinandersetzen, wird deutlich, dass
eine Reihe moralischer Gesichtspunkte
berücksichtigt werden muss, um wirksame
Lösungen hervorzubringen.
Eine der Herausforderungen im Umgang
mit sozialen Medien besteht darin, dass
Nutzer keine Bezugspunkte dafür haben,
wie sie am besten in dieser Welt navigieren
oder von welchen Regeln sie sich leiten
lassen sollten. Aus diesem Grund kommt
es derzeit zu vielen aufsehenerregenden
Kontroversen.
Kürzlich wurden eine Aktivistin der
britischen Frauenbewegung und eine
Abgeordnete, die sie verteidigte, über
Twitter mit sexueller Gewalt bedroht.
Sowohl in Großbritannien als auch in
den USA wurden zudem Tweets mit
Bombendrohungen an prominente
Journalistinnen und Aktivistinnen
geschickt.
Emmanuelle, glauben Sie, dass
Menschen einfach nicht wissen, wie sie
online wirksam und zugleich respektvoll
kommunizieren sollen, oder dass sie
schließlich mit der Trial-and-ErrorMethode auf den richtigen Weg gelangen
werden? Besteht das Problem darin, dass
die Nutzer nicht unterscheiden können,
was öffentlich und was privat ist?

EB Andy, ich glaube nicht, dass
Menschen nicht wissen, wie sie online
wirksam und zugleich respektvoll
kommunizieren können. Wir alle sind

24 Ascent-Magazin | Atos
Leiterin der
Rechtsabteilung für
Datenschutz und
Sicherheit bei Atos
AM
Andy Miah
Lehrstuhlinhaber für
„Ethics and Emerging
Technologies“ und
Leiter des Instituts
„Creative Futures“ an
der University of the
West of Scotland
Gefangen
im Netz
Elefanten vergessen
nichts – ebenso wenig wie
das Internet. Allerdings
würden wir so manchen
Teil unserer Vergangenheit
lieber vergessen und
die entsprechenden
Daten aus dem Internet
entfernen. Welche
rechtlichen, moralischen
und praktischen
Auswirkungen hat
das „Recht auf
Vergessenwerden“?
von der Art und Weise überrascht, in der junge
Leute – die sogenannte Y-Generation – private
Informationen vor einem breiten Publikum
ausbreiten. Dieser Trend wurde von Politikern und
Prominenten übernommen.
Die Nutzer sind sich der Konsequenzen ihres
Handelns nicht bewusst. Wenn Jugendliche
Fotos posten, steht der unmittelbare Effekt
im Vordergrund: Sie wollen sich über ein
schönes Erlebnis austauschen. Ihnen ist jedoch
nicht bewusst, dass dieses Foto einer breiten
Öffentlichkeit für eine unbestimmte Dauer zur
Verfügung stehen wird. Fotos und Beiträge, die
von einem 16-Jährigen veröffentlicht werden,
sind immer noch da, wenn er 30 ist. Dies kann
dramatische Auswirkungen auf seinen Ruf oder
seine Berufsaussichten haben.
Stellen wir uns vor, eine Frau bewirbt sich
14 Jahre, nachdem sie bei einer Party betrunken
fotografiert wurde und diese Bilder auf Facebook
veröffentlicht hat, auf eine Stelle. Der Arbeitgeber
führt eine Online-Recherche durch, findet die
besagten Bilder und erteilt ihr eine Absage, weil er
solches Benehmen für unangebracht hält. Dieses
Beispiel trägt zur Rechtfertigung des „Rechts auf
Vergessenwerden“ bei, das von der Europäischen
Kommission derzeit vorgeschlagen wird. Es ist Teil
eines neuen Gesetzesvorschlags zur Reform des
EU-Datenschutzrechts.
Studien haben durchweg ergeben, dass
Menschen aus allen Altersgruppen ein solches
Gesetz unterstützen würden. Von 6.000 der 2012
bei der französischen Datenschutzkommission
(La Commission nationale de l’informatique et des
libertés) eingegangenen Beschwerden betrafen
mehr als 1.000 das „Recht auf Vergessenwerden“.
David, glauben Sie, dass dieses Recht Menschen
dazu bewegen würde, soziale Netzwerke weiterhin
zu benutzen, ohne Jahre nach der Veröffentlichung
eines Posts oder Beitrags noch Konsequenzen
befürchten zu müssen?
Gegenstand eines solchen Beitrags ist, sollte ein
Widerspruchsrecht eingeräumt werden.
Im Optimalfall sollte das Recht sofort nach der
ursprünglichen Veröffentlichung genutzt werden
können. Aber es kann durchaus vorkommen, dass
die betroffene Person nichts von der Veröffentlichung
weiß oder das Ausmaß des Schadens erst später
deutlich wird. Bei anderen Informationen mag die
Verbreitung ursprünglich im öffentlichen Interesse
liegen, später entfällt diese Rechtfertigung aber. In
sollen Fällen könnte das „Recht auf Vergessenwerden“
angewandt werden.
Bei vor langer Zeit veröffentlichtem und weit
verbreitetem Material sollte das Gesetz spezifische
Arten von invasiven Vorgehensweisen verbieten,
insbesondere die Indexierung von Namen
oder anderen persönlichen Kennzeichen in
Suchmaschinen, anstatt die Information selbst zu
unterdrücken.
Emmanuelle, welche Auswirkungen hätte ein
solches Gesetz auf die Geschäftswelt?
EB Als Dienstleister und Eigentümer
von blueKiwi, einem sozialen Netzwerk für
Unternehmen, interessiert sich Atos in besonderem
Maße für das „Recht auf Vergessenwerden“.
Das Recht mutet zwar sehr revolutionär an, ist
jedoch bereits Teil des bestehenden Prinzips
der begrenzten Vorratsdatenspeicherung.
Das aktuelle Datenschutzrecht sieht vor, dass

„Eine Frau bewirbt sich
14 Jahre, nachdem sie bei
einer Party betrunken
fotografiert wurde
und diese Bilder auf
Facebook veröffentlicht
hat, auf eine Stelle. Der
Arbeitgeber führt eine
Online-Recherche durch,
findet die besagten
Bilder und entscheidet
sich für einen anderen
Bewerber.“
personenbezogene Daten nicht länger als
nötig gespeichert werden dürfen. In anderen
Worten bedeutet dies, dass das „Recht auf
Vergessenwerden“ bereits gesetzlich verankert ist.
Außerdem muss festgelegt werden, welcher
Grad der Unsichtbarkeit im Internet akzeptabel
ist. Die vollständige Auslöschung aller Spuren
ist eine Sache der Unmöglichkeit, weil mehrere
Sicherheitskopien von Systemen erstellt werden.
Ich würde aber behaupten, dass ein Mensch in der
breiten Öffentlichkeit tatsächlich als „vergessen“
gelten kann, wenn die großen Suchmaschinen
keine Ergebnisse zu ihm finden.
Wir sollten meiner Ansicht nach das
Konzept des „eingebauten Datenschutzes“
als Ziel vor Augen haben, obwohl es eine
technische Herausforderung darstellt. Dazu
wären Einschränkungen beim Datenschutz
notwendig und die Umsetzung des „Rechts auf
Vergessenwerden“ müsste im Vorfeld in den
gesamten Lebenszyklus aller Systeme einbezogen
werden, statt nachträglich angewandt oder
übersehen zu werden.
Es ist jedenfalls sicher, und hierin sind wir uns
alle einig, dass „eingebauter Datenschutz“ mit
einem geschärften Bewusstsein für akzeptables
Verhalten im Internet einhergehen muss. Nutzer
müssen zudem darüber nachdenken, wie sie ihre
Privatsphäre am besten schützen.
DE Ich bin der gleichen Meinung wie Emmanuelle.
Nutzer sind in der Tat oft kurzsichtig, was ihr Handeln
angeht, wenn sie der Welt bewusst Informationen
über sich selbst mitteilen. Sie sollten das Recht haben,
ihre Beiträge im Nachhinein entfernen zu können.
Das heiklere Problem betrifft Fälle, in denen
diese Inhalte von Dritten legal aufgegriffen und
erneut veröffentlicht werden. Wie soll in solchen
Fällen vorgegangen werden? Abgesehen von
offensichtlichen Ausnahmen (damit meine ich vor
allem Kinder), sollte das Gesetz meiner Ansicht
nach davon ausgehen, dass der ursprüngliche
Verfasser die Verantwortung für die natürlichen
Konsequenzen seiner Veröffentlichung übernehmen
muss. Bestimmte Online-Foren können gute Gründe
haben, in Ihren Nutzungsbedingungen zusätzliche
Benutzerrechte und -pflichten vorzusehen.
Die schwierigste rechtliche Herausforderung
betrifft Fälle, in denen Nutzer Informationen nicht
über sich selbst, sondern über andere veröffentlichen.
Wie Andy bereits angedeutet hat, können solche
Veröffentlichungen sehr aggressiv, beleidigend
oder bedrohend sein. Darüber hinaus besteht oft
kein offensichtliches öffentliches Interesse an der
Verbreitung dieser Materialien. Der Person, die

Ascent-Magazin | Atos 25
Globalisierung
Sotschi – Vernetzung
aus dem Nichts
In gerade einmal sieben Jahren hat sich Sotschi von einer Ansammlung
abgeschiedener Dörfer am Schwarzen Meer zu einem High-TechStandort gewandelt. In kommenden Winter, wenn dort die technologisch
fortschrittlichsten Olympischen und Paralympischen Spiele aller
Zeiten stattfinden, wird die ganze Welt nach Sotschi blicken. Ascent
geht der Frage nach, was die Entwicklung Sotschis uns über unsere
zusammenwachsende Welt lehren kann.
A
lexander Zolotarew kam
2008 als 25-jähriger
Doktorand nach Sotschi,
im Gepäck einen Laptop
und einen Traum: Er
wollte eine Website aufbauen, die
im Stil des Bürgerjournalismus die
außergewöhnliche städtebauliche
Wandlung der Stadt vor der Austragung
der Olympischen und Paralympischen
Spiele festhalten sollte.
Das Ausmaß der Herausforderung
wurde ihm bereits wenige Stunden
nach seiner Ankunft klar. „Für mich als
Neuankömmling aus Moskau war es
eine riesige Überraschung“, erinnert
er sich. „Internetcafés musste man
sprichwörtlich mit der Lupe suchen.
McDonald’s war praktisch der einzige
Ort in der Stadt, an dem die Bewohner
schnelles WLAN nutzen konnten. Am
Ende habe ich auch die meiste Zeit dort
verbracht, zusammen mit jedem Geek
und Hipster im Umkreis von 50 km.“
So war Sotschi damals –
eine Ansammlung hübscher
Fischerdörfer, aufgereiht wie eine
Perlenschnur entlang der russischen
Schwarzmeerküste und eingerahmt
von den majestätischen Berggipfeln des
Kaukasus, der das Gebiet vom Rest der
Menschheit trennt.
Eine Beschreibung, der Marta
Sanfeliu, Chief Integrator von Atos für
die Olympischen Spiele in Sotschi, nur
beipflichten kann. Sie besuchte die
Stadt erstmals Anfang 2010. Damals
wollte sie herausfinden, wie schwierig
es sein würde, die umfassende
Systeminfrastruktur für das weltweit
größte und wichtigste Sportereignis
aufzubauen.
„McDonald’s war
praktisch der
einzige Ort in der
Stadt, an dem
die Bewohner
schnelles WLAN
nutzen konnten.“
Stromausfälle
Ein verrückter Traum
„Mein erster Eindruck war der eines
wunderschönen Ortes mit KleinstadtFlair, was an sich ungewöhnlich war“,
sagt sie. „Es war sehr abgeschieden. In
der Stadt wurde damals nur sehr wenig
Englisch gesprochen.“
Die Aussicht, die Olympischen
und Paralympischen Spiele in
dieser entlegenen Gemeinde zu
organisieren, schien zunächst eher
ein verrückter Traum zu sein – sogar
für Dimitri Tschernyschenko, den
ortsansässigen Unternehmer, der
später Präsident der Bewerbungs- und
Organisationskommitees werden sollte.
Bei der Wahl des Austragungsortes
im Juli 2007 war Tschernyschenko
jedoch wie viele andere schließlich
davon überzeugt, dass Sotschi durchaus
das Potenzial hatte, wirklich innovative
High-Tech-Spiele auszurichten.
Spiele, die seine Heimatstadt in ein
internationales Reiseziel verwandeln
26 Ascent-Magazin | Atos
würden.
Von Beginn an war Sotschi 2014 ein
Projekt, dessen Antrieb – ganz im Sinne
Tschernyschenkos – die Technologie
war (siehe S. 30).
„Er ist besessen von IT“, lacht
Alexander Zolotarew. „Wenn er
jemanden kennenlernt, ist seine erste
Frage oft: „Bevorzugen Sie Macs oder
PCs?“
Zugleich haben wir Wladimir Putin
und unseren Expräsidenten Dimitri
Medwedew, der in Russland auch
‚Internet-Präsident‘ genannt wird, da
er der digitalen Welt gegenüber sehr
offen ist. IT ist also ein wesentlicher
Schwerpunkt.“
Marta Sanfeliu stimmt zu: „Die
Russen sehen diese Spiele als
Riesenchance für die Entwicklung
einer technologischen Infrastruktur,
insbesondere im Kommunikationsund Energiesektor. Die Mentalität hier
ist heute sehr stark auf Technologie
ausgerichtet.“
Links Der Kaukasus
trennt Sotschi vom Rest
der Welt.
Seit Sommer 2012 arbeiten Marta
und die Mitglieder des für die Spiele
verantwortlichen Technologieteams
von Sotschi aus. Es war eine Zeit
voller Herausforderungen, in der sie
versuchten, die Technologie- und
Kommunikationsinfrastruktur
für die Spiele parallel zu den
massiven Bauvorhaben und der
Entwicklung einer Straßen- und
Transportinfrastruktur fertigzustellen.
„Sie dürfen nicht vergessen, dass
jeder einzelne Veranstaltungsort ganz
neu aus dem Boden gestampft wird“,
sagt sie. „Koordinierungsprobleme sind
daher unvermeidlich und manchmal
kommt es zu Stromausfällen. Fast jeden
Monat hatten wir ein paar Tage ohne
Strom oder Internetverbindung.“
Für die Einheimischen sind solche
Betriebsstörungen ein kleiner Preis
für den Einzug hochmoderner
Kommunikationstechnologie in der
Stadt. Im Jahr 2009 brachte das junge
Telekommunikationsunternehmen
Yota kommerzielles 4G-Internet nach
Sotschi und die Kommunalverwaltung
sorgte in einer großangelegten
Initiative dafür, dass in allen Parks und
öffentlichen Bereichen per WLAN
Internetzugriff möglich ist.
Die gesellschaftlichen Auswirkungen
dieser Initiativen waren immens und
in vieler Hinsicht auch überraschend.
Fragen Sie Alexander Zolotarew
nach dem Erfolg seiner über
Crowdsourcing finanzierten NewsWebsite. Er wird Ihnen sagen, dass sie
innerhalb kürzester Zeit mehr als 600
Bürgerjournalisten aus allen
Ascent-Magazin | Atos 27
Globalisierung
Bereichen der Gesellschaft anlockte
und fast 3.000 Seitenaufrufe pro Monat
verzeichnet.
„Die Bewohner von Sotschi
machen regen Gebrauch von
sozialen Netzwerken“, sagt er. „Das ist
sehr schnell gegangen. Interessant
daran ist, dass ich Social Media
eigentlich immer nur als Kanal
gesehen habe, um diese fantastische
Entwicklungsgeschichte zu erzählen.
Tatsächlich sind sie jedoch selbst zu
einem wesentlichen Akteur in dieser
Geschichte geworden.
Einerseits können Stadt und
Bürger nun mit der ganzen Welt
kommunizieren, doch der größte
Effekt war letztlich die Stärkung der
Ortsverbundenheit.
Die ungewöhnliche Geografie
von Sotschi bleibt unvergessen,
das sich vom Meeresufer bis weit in
die Berge erstreckt und über eine
kilometerlange Küste verfügt.
Über Social Media tauschen
Einwohner ihre Meinungen aus und
es entstehen Verbindungen über
natürliche Grenzen hinweg - zwischen
28 Ascent-Magazin | Atos
den verschiedenen Küstenorten,
zwischen den Küsten- und
Berggemeinden und sogar zwischen
verschiedenen Generationen. Der
Witz ist immer, dass wir hier eigentlich
von ‚senkrechten Verbindungen‘
sprechen sollten.
Wirklich bemerkenswert ist, dass
die Menschen sich ihrer Stadt heute
viel stärker bewusst sind. Sotschi
ist eine offenere Stadt mit einem
stärkeren Zusammenhalt geworden,
und die Bewohner beweisen ein
viel stärkeres Engagement für ihre
Gemeinschaft.
Die Veranstalter der Spiele
haben die Vorzüge einer digital
aktiven einheimischen Bevölkerung
ebenfalls zu spüren bekommen. Denn
Netzwerke wie VK und Facebook
laden mit kritischen Plattformen zu
Dialogen über sensible Themen wie
beispielsweise Zwangsumsiedlung ein.
Social Media waren darüber
hinaus der Hauptkanal zur Förderung
des öffentlichen Engagements für
die Spiele in Russland und über die
Landesgrenzen hinaus.“
„Ich habe Social
Media eigentlich
immer nur als
Kanal gesehen, um
diese fantastische
Entwicklungsgeschichte
zu erzählen.
Tatsächlich
sind sie jedoch
selbst zu einem
wesentlichen
Akteur in dieser
Geschichte
geworden.“
Unten Der Iceberg
Skating Palace, der
für die Spiele aus dem
Boden gestampft wurde
Neuer Maßstab
Marta Sanfeliu, die seit den
Olympischen Spielen von Sydney im
Jahr 2000 an allen weiteren Spielen
mitgewirkt hat, glaubt, dass die
öffentliche Begeisterung in Sotschi alles
bisherige übertrifft. „Es ist unglaublich,
wie motiviert die Menschen hier sind.
Man kann es wirklich spüren.
Es scheint überhaupt keinen
Widerstand zu geben. Auffallend ist
auch, wie viele junge Menschen an den
Spielen mitarbeiten. Sie kommen aus
ganz Russland, um bei diesem Ereignis
dabei zu sein.“
Marta und Alexander sind sich sicher,
dass Sotschi 2014 das Potential hat,
neue Maßstäbe in der Entwicklung der
sogenannten „digitalen Spiele“ zu setzen.
Doch während im Social MediaBereich (siehe Seitenleiste) Riesenschritte
nach vorne zu erwarten sind, unterliegt
der Fortschritt auf anderen Gebieten den
bekannten Beschränkungen.
„Die Einstellung zur Cloud ist immer
noch sehr konservativ“, erklärt Marta.
„Zunächst wurden viele der wichtigsten
technologischen Weichen bereits 2010
gestellt, als der Markt für die Cloud noch
nicht so ausgereift war.
Außerdem waren Sicherheitsaspekte
zu klären. Die russischen Behörden
hätten einer Datenspeicherung im
Ausland nie zugestimmt, und sicher
wäre Russland auch nicht das einzige
Land gewesen, das dies verboten hätte.
Trotzdem wird Sotschi einige
bedeutende technologische
Innovationen erleben, so zum Beispiel
die Bereitstellung der offiziellen Website
der Spiele über die Cloud. Darüber hinaus
bedienen die Business Technologists von
Atos zum allerersten Mal zwei primäre
Rechenzentren. Alle Logistiksysteme
der Spiele werden zentral in Moskau
verwaltet, während das Sochi Center
lediglich zur Bekanntgabe der
Ergebnisse eingesetzt wird.“
Wie viele andere Bereiche scheinen
sich auch die Spiele in Richtung Cloud
zu bewegen. Wie wird sich diese
Entwicklung auf künftige Olympische
und Paralympische Spiele auswirken?
Könnte es bedeuten, dass in Zukunft
viele weitere Austragungsorte nach
dem Vorbild von Sotschi gestaltet
werden? Ebenso könnte das genaue
Gegenteil eintreten, dass nämlich die
Konnektivität, die nun für die Überund Austragung der Spiele notwendig
ist, andere abgelegene Standorte
automatisch als Anbieter ausschließt.
Marta setzt auf die Cloud. „Am
Einsatz der Cloud für künftige Spiele
geht kein Weg mehr vorbei“, sagt sie.
„Sobald sich der Markt an das Konzept
gewöhnt hat, davon bin ich überzeugt.
Für mich persönlich ist allerdings
das Erlebnis des Zuschauers von
besonderer Bedeutung. Dann können
alle Sportbegeisterten rund um die Welt
auch ohne Eintrittskarten die Spiele
auf eine Art und Weise genießen, die
der Wirklichkeit vor Ort sehr nahe
kommt. Das ist die wirklich spannende
Veränderung, die auf uns zukommt.“
„Am Einsatz
der Cloud
für künftige
Spiele geht
kein Weg
mehr vorbei.“
Soziales
Sotschi
Ein weltweites Ziel
Und was hält die Zukunft für Sotschi
bereit?
Marta glaubt, dass die Stadt nun
über die notwendige materielle
und kommunikative Infrastruktur
verfügt, um ein ganzjährig attraktives
Ausflugsziel des internationalen
Tourismus zu sein.
Die Zukunft des Technologiesektors
vor Ort ist allerdings nicht so eindeutig.
„Natürlich war es eine Herausforderung,
hier vor Ort qualifizierte Fachkräfte
zu finden“, erklärt Marta. „Tatsächlich
kommen 95 Prozent der technischen
Fachkräfte von außerhalb. Ich hoffe,
dass sie bleiben werden.“
Dies und die Gewährleistung, die aus
Sotschi 2014 gewonnenen Erfahrungen
und Fachkenntnisse zu nutzen, obliegt
künftig Institutionen wie der Russian
International Olympic University.
Bekannt unter der Abkürzung RIOU hat
die neu gegründete Universität gerade
die Pforten ihres Campus im Herzen der
Stadt für die ersten Studenten geöffnet.
Ihr Vorzeigestudiengang ist der
Master of Sports Administration
unter Leitung von internationalen
Spitzenkräften. Dazu zählt auch
Alexander Zolotarew, der heute Leiter
der äußerst innovativen Social MediaForschungsabteilung der Universität ist.
Alexander ist zuversichtlich, dass
die RIOU ihren Teil dazu beitragen wird,
Sotschi in ein globales Kompetenzzentrum
für Sportpädagogik zu verwandeln. Social
Media sollen dabei das Herzstück sein.
Aber seine Stimme verrät auch einen
Hauch von Nostalgie, wenn er über
den veränderten Charakter der Stadt
nachdenkt. „Die Menschen hier sind
nun eher wie die Moskowiter“, sagt er.
„Ich bin mir sicher, dass sie nicht mehr
so oft zum Angeln gehen wie vorher.“
Wir stellen vor: Zoich (oben), das berühmteste
olympische Maskottchen, das nie Wirklichkeit wurde.
Zoich ist ein Beispiel für die neue Ära des Social
Marketing, durch das sich Sotschi 2014 mit seinen
Spielen definiert.
Der pedantische Frosch, der eine Karikatur des
stereotypischen russischen Funktionärs darstellt,
war Teil eines Crowdsourcing-Wettbewerbs, in dem
das Maskottchen für die Olympischen Spiele 2014
entworfen werden sollte.
Zoich war eine virale Sensation, die wuchs, gedieh
und seine Rivalen in jeder Online-Umfrage weit
hinter sich ließ. Er war in Russland in aller Munde
und wurde zum Schreckgespenst der Sport- und
Regierungsfunktionäre, die entsetzt waren über die
Möglichkeit, dass eine solche Figur womöglich die
Nation verkörpern sollte.
So weit, so 2008. Tatsächlich war Zoich jedoch nicht
die Idee eines subversiven Webkünstlers, sondern die
Kreation des Organisationskomitee von Sotschi 2014.
Er wurde im Wettbewerb platziert, um die mächtigen
sozialen Netzwerke Russlands anzuregen.
„Das war ein wirklich cleverer Schachzug der
Organisatoren“, sagt Alexander Zolotarew, Dozent
an der Russian International Olympic University.
Er macht uns auch auf ein Kartierungsprojekt mit
Bürgerpartizipation aufmerksam, einen weiteren
Beweis für die wachsende Popularität und den
innovativen Einsatz von Social Media in Sotschi. Das
preisgekrönte Projekt animiert die Öffentlichkeit
dazu, barrierefreie Gebäude und Orte auf einer
Online-Karte mit einem Tag zu versehen. Es war die
erste Crowdsourcing-Initiative dieser Art in Russland
– zu einer Zeit, als Google Maps dieses Gebiet noch
nicht erfasst hatte – und spielte eine wichtige Rolle,
Barrierefreiheit ins Bewusstsein zu rücken. Zugleich
stellte es ein geeignetes Tool für Einwohner und
Besucher mit Behinderungen dar.
Und welche Social Media-Entwicklungen können
wir 2014 noch aus Sotschi erwarten? „Die großen
Netzwerke werden die Spiele dazu nutzen, neue
Modelle und Produkte für Sponsoren in der Praxis zu
testen“, sagt Alexander. „Ich persönlich erwarte, dass
Sotschi zum Durchbruch für die Videosoftware Vine
von Twitter werden wird.“
Ascent-Magazin | Atos 29
Globalisierung
A
ls Sotschi sich um
die Austragung der
Olympischen und
Paralympischen
Winterspiele 2014 bewarb,
versprach die Stadt ein Ereignis,
das die „Weichen für die Zukunft“
stellen wird. Das Gesicht hinter
diesem Versprechen war Dimitri
Tschernyschenko, Präsident und CEO
des Organisationskomitees von Sotschi
2014, ein Geschäftsmann mit einer
ausgeprägten Vorliebe für Technologie,
der in der abgelegenen Küstenstadt
geboren wurde und aufwuchs, in
der die nächsten Spiele ausgetragen
werden. Tschernyschenko und Sotschi
haben die letzten sieben Jahre daran
gearbeitet, ihr Ziel – Innovation –
umzusetzen und selbstbewusst eine
Marke für die digitale Generation
entwickelt. Ascent hat sich im Vorfeld
der Spiele mit dem Technikfan
unterhalten.
Woher rührt Ihre
Begeisterung für
Technologie?
Technologie ist ein wesentlicher
Bestandteil der modernen Welt. Sie
vereinfacht unser Leben und erfüllt
es zugleich mit leuchtenden Farben.
Wie die meisten von uns, verbringe
ich einen Großteil meines Lebens bei
der Arbeit und komme nicht ohne
innovative Technologien und Gadgets
aus.
Das Wichtigste für mich und das
gesamte Organisationskomitee ist die
Austragung der bisher innovativsten
Winterspiele im kommenden Winter.
Sie werden der Welt ein inspirierendes
Bild des modernen Russlands zeigen.
Und ich verspreche, wir werden
etwas vorzuzeigen haben, auf das
wir stolz sein können! Dies gilt
insbesondere für das einheitliche
Identifikationssystem, das zum Zugriff
auf technologische Dienste verwendet
wird, sowie für die Ausstrahlung der
Spiele in rekordverdächtiger High
Definition-Qualität. Hinzu kommen
die innovativen Spinnenkameras,
Teleskopkrane und Phantomkameras
für Aufnahmen in Zeitlupe. Wir haben
alles, was wir brauchen, um sogar
langjährige Zuschauer zu überraschen.
Ferner bieten wir ein umfassendes
Angebot von Lösungen an, das von
elektronischen Essensmarken für
Freiwillige bis zu Druckerdiensten für
vertrauliche Dokumente reicht, um
allen das Leben etwas angenehmer zu
gestalten.
„Wir haben
alles, was wir
brauchen, um
sogar langjährige
Zuschauer zu
überraschen.“
In welchem Maße haben
die Spiele den Startschuss
für die Entwicklung
der technologischen
Infrastruktur in der Region
um Sotschi gegeben?
Dank der Spiele gab es einen
Durchbruch im Bereich der
Telekommunikation. In der Region
wurden erstmals digitales Fernsehen
und Glasfasernetzwerke eingeführt.
Es freut mich, dass unsere Partner
aktiv an diesem Prozess beteiligt
waren. Beispielsweise liefert Atos
die Infrastruktur für die Technologie
sowie die IT-Systeme, welche die
Austragung der Spiele ermöglichen.
2014 wird Atos eine IT-Infrastruktur
verwalten, die insgesamt aus 900
Servern, 1.000 Netzwerk- und
Sicherheitskomponenten sowie 6.500
Computern besteht.
Daneben wird Rostelecom im
Rahmen der Spiele ein GlasfaserKommunikationsnetz von mehreren
Tausend Kilometern verlegen. Bei allen
Ereignissen wird WLAN verfügbar sein.
Zudem wird der WLAN-Zugang das
erste Mal in der Geschichte der Spiele
komplett kostenlos angeboten.
Und das ist nicht alles: Genau ein
Jahr vor den Spielen in Sotschi hat
Megafon die 501. Basisstation im
Großraum Sotschi eröffnet. Mit der
Inbetriebnahme dieser Station konnte
Weichensteller
für die Zukunft
Dimitri Tschernyschenko ist der
bekennende Technikfan am Steuer der
Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014.
30 Ascent-Magazin | Atos
Partner in der
Revolution
durch die Qualität der Stimmübertragung und der
mobilen Internetdienste in der Gegend von Krasnaya
Polyana die Kapazität des mobilen Netzwerks
insgesamt um 30 Prozent gesteigert werden.
Welche Rolle spielten Social Media in
der Entwicklung von Sotschi?
Für uns stellen soziale Medien nicht nur einen
Weg zur Informationsübermittlung und zur
Kommunikation mit unserem Publikum dar, sondern
auch ein Tool, um die Wirkung der Spiele langfristig
zu nutzen.
Unser innovatives Kartierungsprojekt zur
Barrierefreiheit beweist dies. Nutzer haben bereits
9.000 Orte auf der Karte eingetragen, die vergangenes
Jahr mit dem Runet-Preis prämiert wurde. Die
Partner von Sotschi 2014 haben ebenfalls großartige
Initiativen ins Leben gerufen. Gemeinsam mit einem
weiteren Partner der Spiele, Samsung, planen wir die
Eröffnung eines mobilen Olympic Hub, der die Spiele
so offen zugänglich wie möglich gestalten soll.
Meine Lieblingsinitiative ist das Spiel „Sochi 2014
Olympic Resort“ von Vkontakte, dem beliebtesten
sozialen Netzwerk in Russland. Es geht darum, die
Nutzer mit den Austragungsorten der Spiele und
den Sehenswürdigkeiten von Sotschi bekannt zu
machen. Es haben sich bereits mehr als 650.000 Leute
eingetragen.
Wie schätzen Sie langfristig den
Einfluss von sozialen Netzwerken
auf das Sport-Sponsoring ein?
Die Struktur der Sponsorenverträge hat sich dank
der Möglichkeiten, die durch digitale Technologie
und soziale Netzwerke entstanden sind, stark
verändert. Sponsoring ist heutzutage nicht nur auf
Markenbewusstsein, sondern auf eine tiefere und
emotionalere Verbindung mit den Fans ausgerichtet.
Beispielsweise bietet Rostelecom als Partner
von Sotschi 2014 bereits die Internetübertragung
der Cultural Olympiad-Events an. Megafon hat
ein Internetportal ins Leben gerufen, das sich
ausschließlich Sportthemen widmet.
Was glauben Sie wird das wichtigste
Vermächtnis der Spiele von Sotschi sein?
Ein überwältigendes Beispiel für das Vermächtnis
der Spiele ist das Wiederaufleben des freiwilligen
Engagements in Russland. Während der Suche
nach Freiwilligen wurde unsere Seite mehr als
eine Million Mal besucht und wir erhielten etwa
200.000 Bewerbungen. Es ging zu wie bei einer
Eliteuniversität, im Durchschnitt kamen auf eine
Stelle acht Bewerbungen! Dank der Arbeit der in den
landesweit besten Bildungsinstituten untergebrachten
26 Freiwilligenzentren von Sotschi 2014 konnten
Tausende Russen als Freiwillige teilnehmen. Nach
Daten des „World Giving Index“ landete Russland
erstmals unter den Top Ten der Länder mit einem
besonders hohen Freiwilligenbestand. Und dies ist
nur der Anfang.
„Es kommt Bewegung
in die Sache“,
versichert
Thierry Borra,
Direktor des
Olympic Games
Management von
Coca-Cola.
„Coca-Cola
setzt auf
EchtzeitMarketing.“
Welche Innovationen planen
wir in unserem digitalen
Marketing im Umfeld von Sotschi
2014? Die Wahrheit ist, dass
es selbst vier Monate vor der
Eröffnungszeremonie noch zu früh
ist, etwas dazu zu sagen. Und genau
dies ist die größte Veränderung,
die wir über die letzten vier Jahre
beobachtet haben.
Wir haben selbstverständlich
bereits viel unternommen –
insbesondere eine großangelegte
Aktion in Verbindung mit der
Rekrutierung der Fackelträger.
Coca-Cola setzt jedoch voll und ganz
auf die Möglichkeiten des EchtzeitMarketings. Wir haben einen Social
Listening-Hub eingeführt, der es
uns ermöglicht, auf Gelegenheiten
zu reagieren und aufzubauen,
wenn sie aufkommen. Mit diesen
Olympischen Spielen sind wir in eine
neue Ära des Echtzeit-Marketings
vorgedrungen. Ich will Ihnen ein
kleines Beispiel geben: Als Madrid,
Istanbul und Tokio sich um den
Zuschlag für die Austragung der
Spiele im Jahr 2020 bewarben,
hatten wir die Idee, Coladosen
mit dem Namen jeder Stadt zu
beschriften. Rund fünf Tage später
überreichte unser Vorsitzender dem
japanischen Premierminister bei der
Siegesfeier eine „Tokyo“-Dose.
Das ist es, was Marketing
heute ausmacht. In einer Online-
Umgebung, in der Nutzer sich
ständig über sich selbst äußern, ist
es umso wichtiger, dass der Markt
Augen und Ohren offenhält und
äußerst schnell reagiert. Und es ist
noch wichtiger als je zuvor, dass
unsere Aktionen aussagekräftige
Botschaften vermitteln. Ich erwarte,
dass die soziale Verantwortung von
Unternehmen noch stärker in den
Mittelpunkt rückt, als dies bei CocaCola bereits der Fall ist.
Das Schöne an den neuen
digitalen Medien ist, dass Sie bei
Ihren Aktionen viel gezielter und
kreativer vorgehen können. Dies ist
ein Trend, der zur Verwischung der
Grenzen zwischen den Sendern und
Partnern führt, da beide Parteien für
ihre eigenen Marken werben und
ihre eigenen Inhalte erzeugen.
Trotz der zunehmenden
Globalisierung besteht
die Herausforderung der
Marketingfachleute weiterhin in
der Entwicklung kreativer Ideen,
die über kulturelle Grenzen hinweg
Anklang finden. Klar ist jedoch,
dass es nicht länger möglich ist,
unterschiedliche Botschaften für
verschiedene Märkte einzusetzen.
Das Wesen der sozial vernetzten
neuen Welt zeichnet sich dadurch
aus, dass alles verbreitet werden
kann.
Ascent-Magazin | Atos 31
Globalisierung
Die Cloud –
eine
Prognose
Ascent hat zwei Experten
der Scientific Community von
Atos, Paul Albada Jelgersma
und Jordan Janeczko
gebeten, die Entwicklung
des Cloud Computing in den
kommenden fünf Jahren
einzuschätzen.
Wir stellen vor: Canopy...
… ein von EMC und VMware unterstütztes Tochterunternehmen von Atos.
Canopy bietet Fachdienstleistungen im Bereich Cloud Computing aus einer
Hand an. Das Ziel besteht darin, die Vorteile der Cloud für große öffentliche und
multinationale Unternehmen in privater Hand zur Verfügung zu stellen. Dadurch
ergeben sich erhebliche Vorteile: eine Senkung der IT-Kosten und Vermeidung von
Investitionsaufwand aufgrund flexibler Preismodelle und Zugang zu innovativer,
agiler Technologie, die die schnelle Umsetzung der Cloud und eine schnellere
Einführung von Produkten und Dienstleistungen ermöglicht. Die von Canopy
angebotenen Leistungen beruhen auf offenen Standards. Deshalb können Kunden
ihre bevorzugte Technologie auswählen und dann entscheiden, ob die Lösungen zur
bestmöglichen Erfüllung ihrer geschäftlichen Anforderungen am eigenen Standort
oder außerhalb betrieben werden sollen.
Ascent-Magazin
1
Mobilität und Cloud
werden eins
Zu einem nicht allzu
fernen Zeitpunkt werden
wir Mobilität und Cloud
als ein und dasselbe
verstehen. Nehmen
wir ein beliebiges
Smartphone. Sie denken
wahrscheinlich noch in
Kategorien von 32 GB
oder 64 GB Speicherplatz.
Ihr Gerät ist aber bereits
eine Einheit, die sich
teilweise in der Cloud
befindet. Es ist skalierbar,
kann auf Tausende von
Anwendungen zugreifen
und Daten austauschen.
Die Herausforderungen
und Chancen
von Mobilgeräten
verschmelzen
zunehmend mit den
Herausforderungen
und Chancen des Cloud
Computing.
2
Verabschieden Sie
sich von Ihren
Sorgen um Sicherheit
und Privatsphäre.
Zunächst wird es
einen Wandel der
technologischen
Architektur geben. Im
Zuge dessen wird sich
der Sicherheitsaspekt
von der Netzwerk- und
Infrastrukturebene
vollständig auf die
Daten- und App-Ebene
verschieben.
In einem weiteren
Schritt werden die
Regierungen zwingend
Vorschriften erlassen
müssen. Den Ansatz
hierzu konnten wir bereits
im Zusammenhang
mit dem Skandal um
das US-amerikanische
Überwachungsprogramm
PRISM beobachten.
Hinzu kommen
die Auswirkungen
auf die Mobilität. Ein
Smartphone wird in der
Regel nur im Besitz eines
Eigentümers sein, insofern
besteht ein stärkeres
Vertrauensverhältnis.
3
Kein CloudGerede mehr
Derzeit ist der Begriff
Cloud Computing in aller
Munde. In Wirklichkeit
bestehen jedoch bereits
100 Prozent der neuen
IT-Systeme aus Cloud
Computing-Lösungen.
Gmail beispielsweise ist
eine Cloud-Lösung, nur
spricht es niemand aus.
Alle erfolgreichen
Neugründungen
verwenden Cloud
Computing, und dies
aus gutem Grund: Die
Investitionskosten sind
bedeutend geringer.
Die Cloud ermöglicht
ebenfalls mehr Flexibilität
in der Interaktion mit
Kunden. Die Vorteile
sind insbesondere für
Kleinunternehmen
offensichtlich.
Bis 2018 werden
mehr als 50 Prozent
aller generischen
Anwendungen –
Kommunikationssysteme, E-Mail-Lösungen,
Dokumenten-management
etc. – cloudfähig sein.
5
4
Eine europäische
Cloud
Die europäische Cloud
wird hhauptsächlich
wegen der wirtschaftlichen
Gründe Wirklichkeit
werden, insbesondere
in der gegenwärtigen
Situation.
Ein jüngst
veröffentlichter EUBericht besagt, dass
die Implementierung
einer europäischen
Cloud-Umgebung sich
auf 970 Milliarden Euro
belaufen würde. Dies
entspricht bis 2020
3,8 Millionen neuen
Arbeitsplätzen.
Bei der europäischen
Cloud-Lösung geht es nicht
um eine verbindliche
Regelung, sondern um
die beste Möglichkeit,
eine Vereinheitlichung
zwischen Ländern und
Branchen zu erzielen,
deren Aktivitäten derzeit
noch in hohem Maße
fragmentiert sind.
Es geht darum,
mehr Projekte wie
beispielsweise die
Forschungen der ESA
zu „Helix Nebula“ ins
Leben zu rufen. Damit
können hunderte
dezentral angesiedelte
Wissenschaftler auf
Informationen zugreifen
und sie analysieren.
Es ist wichtig, darauf
hinzuweisen, dass es sich
bei der europäischen
Cloud nicht um eine
protektionistische Idee
handelt, die nur auf Europa
ausgerichtet ist. Die Ideen
sollen von Personen und
Organisationen weltweit
genutzt werden.
Ascent: Die Versprechen einer
zusammenwachsendenWelt wurde von Atos
produziert.
Hybride Herrschaft
Von sämtlichen Modellen
zur Umsetzung der Cloud
wird die hybride Lösung in
fünf Jahren beherrschend
sein. Nicht alle Apps und
Daten werden für die
öffentliche Cloud bereit
sein, doch werden sie
in dieser verfügbar sein
müssen. Genau dies macht
das hybride Modell so
attraktiv.
Die meisten
Unternehmen werden
zu diesem Zeitpunkt die
Cloud nutzen und sich
ebenfalls größtenteils
für das hybride Modell
entscheiden. Meist geht es
um die Möglichkeit, Daten
in unvorhergesehenen
Fällen aus einer privaten
in eine öffentliche Cloud
zu verschieben. Wir
wissen, dass 50 Prozent
der Unternehmen bereits
solche Pläne in Erwägung
ziehen.
6
Eine internationale
Norm für CloudMessaging
Aufgrund des besseren
und stärkeren
Informationsaustausches
zwischen Endgeräten
(M2M) – dem sogenannten
„Internet der Dinge“ –
wird das Bedürfnis nach
Inter-Cloud-Konnektivität
anwachsen. Im Gegenzug
wird ein Bedarf nach
weltweit definierten
Standards für die
Kommunikation zwischen
beiden Clouds entstehen.
Die Wirkung wird die
gleiche sein wie im Falle
der Standardisierung von
Netzwerkprotokollen und
der Mobil- und Telefonsystematisierung.
Chefredakteur & Global Head of Talents und
Communications, Atos: Marc Meyer
Marketingleiterin für Olympische Spiele,
Großevents und Ascent – Thought Leadership,
Atos: Dorien Wamelink
Chefredakteur, Atos Scientific Community:
Guy Lidbetter
For Seven46 (S46)/Havas Sports & Entertainment
(HSE)
Editorial: Catherine Inkster, Andrew Shields und
Tim Glynne-Jones
Account Director: Augustin Penicaud
Illustrationen: Mikey Carr und Richard Nunn
Danksagungen an: Nick Varley und Lucien Boyer
Hauptmitwirkende: Paul Albada Jelgersma (Atos
Scientific Community (ASC)), Reza Aslan (Autor
und Islamhistoriker), João Baptista (Dozent für
Informatiksysteme, Warwick Business School),
Emmanuelle Bartoli (Rechtsberaterin bei Atos),
Thierry Borra (Director of Olympic Games
Management, The Coca-Cola Company), Will
Brooks (Unternehmer, MyFootballClub.co.uk),
Dimitri Tschernyschenko (Präsident und CEO,
Sotschi 2014), David Erdos (Katzenbach Research
Fellow, University of Oxford Centre for Socio-Legal
Studies), Jose Esteban (ASC), Rainhard Hindling
(Student, Universität Hagenberg), Francois
Gayral (Renault Cross Carline Marketing VP),
Olivier Gibert (Pressesprecher, AFNOR), Jordan
Janeczko (ASC), Jan Krans (ASC), Professor Andy
Miah (Direktor des Instituts „Creative Futures“,
University of theWest of Scotland), Professor
Giovanni Pau (Lehrstuhl für Smart Mobility der
Universität Pierre und Marie Curie, Paris), Pascal
Pediroda (ASC), Santi Ristol (ASC), Marta Sanfeliu
(Atos Head of Integration für Sotschi 2014), Udo
Sebald (ASC), Hubert Tardieu (ASC), Mischa van
Oijen (Product Director, blueKiwi), Alexander
Zolotarew (Social Media-Forscher, Russian
International Olympic University).
Atos, das Atos-Logo, Atos Consulting, Atos
Worldline, Atos Cloud und Atos WorldGrid sind
eingetragene Warenzeichen von Atos SA. August
2013 © 2013 Atos. Atos SE (Societas europaea) ist ein
internationaler Anbieter von IT-Dienstleistungen
mit einem Jahresumsatz von 8,8 Milliarden Euro
(2012) und 77.000 Mitarbeitenden in 47 Ländern. Der
internationale Kundenstamm des Unternehmens
profitiert von einem umfangreichen Portfolio, das
drei Bereiche umfasst: Beratung und Technologie,
Systemintegration und Managed Services & BPOund transaktionsbasierte High-Tech-Services durch
Worldline. Mit seinem fundierten Fachwissen im
Bereich der Technologie und branchenspezifischen
Kenntnissen unterstützt Atos Kunden in folgenden
Marktsegmenten: produzierendes Gewerbe,
Einzelhandel, Dienstleistungen, Öffentliche
Verwaltung, Gesundheits- und Transportwesen,
Banken und Versicherungen, Telekommunikation,
Medien und Versorgungsunternehmen. Der
Fokus liegt dabei auf Business Technology, dank
der Kunden ihr Geschäft nachhaltig vorantreiben
und zukunftsorientiert entwickeln können. Atos
ist der weltweite IT-Partner der Olympischen und
Paralympischen Spiele und an der Pariser Börse in der
NYSE Euronext notiert. Atos firmiert unter Atos, Atos
Consulting & Technology Services, Worldline und Atos
Worldgrid. Nähere Informationen finden Sie auf der
Internetseite: atos.net
32 Ascent-Magazin | Atos
Ascent-Magazin | Atos 33
Und zu guter Letzt…
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7
6
5
1
2
3
Büroräume werden immer öfter
als strategische Posten statt als
reine Kostenfaktoren empfunden,
bei denen gespart werden kann.
Zentral ist, die Bedeutung der Büroräume beim
Aufbau des sozialen Kapitals zu verstehen, das
entscheidend dazu beiträgt, dass sich zwischen
den Teammitgliedern Vertrauen entwickelt. Viele
frühe Befürworter dezentralisierter Arbeitsmodelle
wurden eines Besseren belehrt. Sie hatten
unterschätzt, wie wichtig es ist, diese soziale
Verbindung aufrechtzuerhalten. Soziale Netzwerke
helfen ebenfalls die Lücken zu schließen, die durch
die neuen Arbeitsweisen entstanden sind.
Der wichtigste Punkt, den Architekten künftig
berücksichtigen müssen, ist die Entwicklung
flexibler Bürokonzepte. Wir müssen in der Lage sein,
uns ständig veränderten Bedürfnissen anzupassen.
Sowohl im materiellen als auch im virtuellen
Raum sollten wir Lösungen zur Gestaltung einer
Umgebung finden, die unsere Zusammenarbeit
optimal fördert und Gelegenheiten für „glückliche
Zufälle“ schafft. Oft führen gerade solche
Gelegenheiten, bei denen sich Experten zufällig
generations- und standortübergreifend mit anderen
Experten austauschen, zu schnellen, unerwarteten
Fortschritten.
34 Ascent-Magazin | Atos
Frischer
Wind im Büro
Mischa van Oijen,
Product Director bei
blueKiwi, entwirft Ihren
neuen Arbeitsplatz,
der für die soziale
Ära in Unternehmen
bereit ist, wenn Berufsund Privatleben
zusammenwachsen…
1
2
3
5
7
Wo ist die Bar?
Nutzen Sie die menschliche Cloud
Gestalten Sie Ihr Büro mobil
Öffnen Sie die Türen
Sagen Sie es mit Bildern
Schon jetzt ist das Büro häufig nicht mehr
der beste Ort, um online zu gehen. Die
meisten Menschen verfügen zu Hause über
ebenso schnelle Breitbandverbindungen. Im
Allgemeinen lassen sich Aufgaben abseits
von den Ablenkungen im Büro einfacher
erledigen.
In Zukunft werden wir alle unser Büro
nicht mehr als den besten Arbeitsort ansehen,
sondern als den Ort, an dem wir uns mit
Kollegen austauschen und an dem es den
besten Kaffee gibt!
Dies ist sehr wichtig, weil ungeachtet der
Größe des weltweiten Netzwerks verfügbarer
Experten, kulturelle Unterschiede
weiterhin Hindernisse darstellen. Projekte
lassen sich immer noch am besten
verwirklichen, wenn Menschen an einem Ort
zusammenarbeiten und sich austauschen –
zumindest am Anfang des Projekts.
Sie sind vielleicht nicht immer von morgens
um 9 Uhr bis um 17 Uhr im im Büro und Ihr
Arbeitsort ist nicht immer der gleiche. Das
Büro wird jedoch der Ort bleiben, an dem
soziales Kapital aufgebaut wird.
In einer Welt, in der Fachkompetenz
weltweit über soziale Netzwerke
abgerufen werden kann, gibt es weniger
Raum für Generalisten.
Der IT-Helpdesk wird zuerst
verschwinden. Sobald Richtlinien
eingeführt werden, nach denen die
Nutzung eigener Geräte zugelassen
ist, werden Helpdesks angesichts der
Flut verschiedener Gerätetypen sehr
schnell überfordert sein. An ihre Stelle
werden virtuelle Communitys von
Benutzern ähnlicher Geräte treten.
Ich glaube sogar, dass dies für
viele Unternehmen der einfachste
und gefahrloseste Weg ist, das soziale
Experiment einzuläuten.
Die Verbindung wird zunehmend
wichtiger als Rechenleistung.
Infolgedessen benötigen wir weniger
IT-Ausstattung.
Bereits heute können Sie Ihr Büro
in Ihrer Tasche mit sich herum tragen.
Alles, was Sie zur Arbeit benötigen, ist
ein Mobiltelefon mit einem Browser.
Vergessen Sie aufwendige physische
Sicherheitslösungen. Der Zugriff
auf Anwendungen wird für alle ein
Kinderspiel sein. Der Bereich Sicherheit
wird eher Daten als Geräte schützen.
Wir werden uns von umfangreichen
Berichten, die nur aus Text bestehen
und die ohnehin niemand liest,
verabschieden können. Dank
der Globalisierung, größerer
Netzwerkkapazitäten und des
Wandels kultureller Erwartungen
wird alles viel anschaulicher
gestaltet – und kann gemeinsam
genutzt werden. Wir werden
beispielsweise Videoanleitungen
sowie anschauliche Planungstabellen
und Beschilderungen einführen.
6
Flexibilität ist König
4
Tschüss Chef!
Das Eckbüro wird der Vergangenheit
angehören, da engere Zusammenarbeit
den Übergang von einer hierarchischen
zu einer aufgabenspezifischen
Arbeitsweise fördert.
Mitarbeiter werden zufriedener
und produktiver sein. Sie werden
ihre Zeit nicht mehr mit E-Mails und
Besprechungen verschwenden,
sondern ihre Arbeitszeiten und ihren
Arbeitsort viel flexibler auswählen
können.
Ascent-Magazin | Atos 35