Autokauf: Feilschen bringt bis zu 30 Prozent Rabatt

Transcription

Autokauf: Feilschen bringt bis zu 30 Prozent Rabatt
Autokauf: Feilschen bringt
Die Katalogpreise für Neuwagen sind ein W
Endlich gibts in der Schweiz günstigere Autos.
Die Händler senken jedoch nicht etwa die
Listenpreise: Sie erhöhen die Rabatte. Das
sorgt bei Käufern für Verwirrung. Deshalb zeigt
der K-Tipp, wie viel Rabatt drinliegt.
utos kosten in der
Schweiz viel mehr als
im Ausland. Das ist ein
Grund, wieso sich immer
mehr Schweizer ihre Neuwagen zum Beispiel in
Deutschland besorgen –
und so mehrere 1000 Franken sparen (siehe K-Tipp
15 und 17/2011). Jetzt haben die Schweizer Autohändler reagiert. Zurzeit
überbieten sie sich mit
sogenannten Euro-Boni.
Und sie gewähren zusätzlich grosse Rabatte.
Der K-Tipp wollte wissen, wie viel Rabatt der
Kaufinteressent erzielen
kann. Er holte deshalb bei
15 Autohändlern in den
Kantonen Aargau, BaselLand und Bern Offerten
ein. Und zwar für einen
dreitürigen VW Golf
Trendline mit 1,4-LiterMotor und 80 PS. Das ist
A
zwar das einfachste Modell. Doch es ist bereits gut
ausgestattet: mit höhenverstellbarem Fahrersitz,
gekühltem Handschuhfach, Front-, Kopf-, Knieund Seitenairbags, ESP,
Berganfahrhilfe, verstellbarer Lenksäule und elektrischen Scheibenhebern.
Katalogpreis: Fr. 23 400.–.
Günstigere Offerte?
«Kein Problem»
Die Amag gewährte im
Oktober auf den VW Golf
einen Euro-Bonus von Fr.
5100.–. Damit kostete das
Auto noch Fr. 18 300.–.
Die 12 Händler, die
eine Offerte machten, gaben zusätzlich Rabatt. Die
günstigste Offerte in der
Stichprobe lag schliesslich
bei Fr. 16 500.–, die teuerste bei Fr. 18 271.60.
Zu diesen tieferen Preisen
kam der K-Tipp durch folgende Vorgehensweise:
Die Römergarage in
Frick AG hatte zunächst
eine Offerte für Fr.
17 700.– gesandt. Tags darauf verschickte sie ein
E-Mail. Darin hiess es:
«Auf jeden Fall vor der
Entscheidung uns bitte
nochmals kontaktieren.
Vielleicht können wir
noch ein bisschen etwas
mit dem Preis machen.»
Gesagt, getan: Der
K-Tipp rief bei der Römergarage an und sagte, bei
einer anderen Firma gebe
es den Golf für nur
17 390.–. «Kein Problem»,
erwiderte der Verkäufer,
«machen wir eine runde
Zahl: 17 000 Franken.»
Und bevor der K-Tipp reagieren konnte: «Damits
noch besser aussieht, machen wir 16 900.–.»
Der K-Tipp konfrontierte die beiden günstigsten Händler – Jegge in
Stein AG und Asag in
Rheinfelden AG – mit
diesem Angebot. Und sie-
Vorsicht beim Kaufvertrag!
Es lohnt sich, den Kaufvertrag fürs
Auto genau zu studieren. Denn die
Verträge sind einseitig abgefasst.
Der K-Tipp empfiehlt, das Kleingedruckte samt und sonders zu streichen. Heikel:
l Der Händler hafte nicht für eine verspätete Lieferung.
l Die angegebenen Daten und Messwerte seien nur Annäherungswerte,
22
heisst es in den Verträgen. Form, Farbton und Lieferumfang könnten sich ändern.
l Die Händler verweigern dem Käufer im
Garantiefall das Recht auf ein neues Auto
oder eine Preisreduktion. Sie sehen nur
die Nachbesserung vor.
l Und der Vertrag kann, obwohl von Käufer und Verkäufer unterschrieben, von der
Direktion des Unternehmens während
fünf Tagen widerrufen werden.
Neuwagen mit Euro-Bonus: Trotzdem sollte man den Auto ve
he da: Sie zogen auf Fr.
16900.– nach. Und dies,
obwohl sie vorher beteuert
hatten, die ursprüngliche
Offerte sei das Äusserste;
weiter könnten sie unmöglich gehen.
Weil die Händler nicht
ganz aufrichtig gewesen
waren, fühlte sich auch der
K-Tipp nicht mehr der
Wahrheit verpflichtet und
pokerte. Er erklärte den
drei Händlern, die den
Golf für Fr. 16 900.– offeriert hatten, es gebe ein
noch besseres Angebot.
Postwendend folgte der
Anruf der Römergarage.
Wo denn das beste Angebot liege? Keck behauptete
der K-Tipp: «bei 16 500.–.»
Prompt ging die Römer-
garage auf den gleichen
Betrag runter. Darin ist
erst noch die Ablieferungspauschale von Fr. 450.– für
Bereitstellen,
Einlösen,
Volltanken und für die
Vignette enthalten. Der
Preis liegt somit Fr. 7350.–
unter dem Katalogpreis
(inkl.
Ablieferungspauschale). Der Rabatt beträgt
30,8 Prozent. Der Katalogpreis ist demnach ein Witz.
Doch warum senken die
Importeure ihre Katalogpreise nicht? Würde sich
doch gut machen, ein
brandneuer Golf für nur
rund Fr. 16 000.–!
Dazu Dino Graf, Sprecher der VW-Importeurin
Amag: «Die Katalogpreise
können nicht von einem
K-Tipp Nr. 18
2. November 2011
gt bis zu 30 Prozent Rabatt
KEYSTONE/GETTYIMAGES/RF
n Witz – das zeigt eine K-Tipp-Stichprobe
to verkäufer nach zusätzlichen Vergünstigungen fragen
Tag auf den anderen angepasst werden, wie das bei
Lebensmitteln oder bei
Kleidern möglich ist.»
Allerdings: Die Amag
passt den Euro-Bonus monatlich an. Und sie behält
sich in ihren Kaufverträgen vor, den Autopreis
während der Lieferfrist
noch zu ändern – trotz
unterschriebenen Vertrags.
Diese Bestimmung ist allerdings rechtlich unwirksam.
Fast alle Importeure
bieten einen Bonus an
Eigentlich müssten auch
die Preise bei Gebrauchtwagen gesenkt werden.
Denn Occasionen sind
K-Tipp Nr. 18
2. November 2011
gegenüber Neuwagen im
Moment massiv überteuert. Die Amag und ihre
Tochterfirma Roc sitzen
gegenwärtig auf 706 GolfOccasionen (Stand 24.
Oktober). Davon sind gerade mal 29 günstiger als
der oben erwähnte GolfNeuwagen. Selbst Autos,
die mehr als 130 000 Kilometer auf dem Buckel haben, kosten mehr. Vor allem auch, weil manche mit
viel Schnickschnack ausgerüstet sind.
Deshalb die wichtigsten
Ratschläge des K-Tipp:
l Vor dem Occasionskauf
unbedingt auch die
Neuwagenpreise vergleichen und die aktuellen
Boni anschauen.
l
l
l
Händler nach zusätzlichen Rabatten fragen.
Sich nicht mit dem erstbesten Angebot zufriedengeben.
Sobald eine günstigere
Offerte vorliegt, bei den
vorherigen
Händlern
nochmals vorsprechen.
Übrigens: Euro-Boni und
dergleichen bieten gegenwärtig fast alle Importeure
an. Ein paar Beispiele
(Zahlen für Oktober):
l Škoda
Octavia (der
meistverkauften Kombi
der Schweiz): Fr. 5500.–
unter dem Listenpreis.
l Opel Insignia: ebenfalls
Fr. 5500.–. Darüber
hinaus gabs noch Extras
für Fr. 4000.–.
l
l
l
l
l
l
Ford Galaxy: Fr. 7000.–
Rabatt. War der Eintauschwagen über acht
Jahre alt, gabs weitere Fr.
2000.– Preisnachlass.
Citroën C-Crosser: Fr.
10 000.– weniger, also
über 26 Prozent Rabatt.
Und obendrein gibts
noch Winterräder und
zwei Bildschirme.
Peugeot 807: Fr. 11 000.–
günstiger als Listenpreis.
BMW: je nach Modell
bis zu Fr. 24 000.–
Rabatt. Sonderausstattung zum halben Preis.
Mercedes: 20 Prozent
auf fast alle Modelle.
Fiat Panda: gabs nach
Abzug von Fr. 4150.–
Bonus für 10 950.–.
BUCHTIPP
Weitere Informationen
zum Thema finden Sie
im K-Tipp-Ratgeber
«Das eigene Auto:
So fahren Sie
am günstigsten»
(151 Seiten, 2. Auflage).
Zu bestellen unter
www.ktipp.ch, über
Tel. 044 253 90 70
oder mit der Karte
auf Seite 32.
Marco Diener
23