Link öffnet in einem neuen Fenster.•Herbst

Transcription

Link öffnet in einem neuen Fenster.•Herbst
Praxis
32
OBSTGARTEN
KERNOBSTERNTE
Nach und nach werden die Herbstund Lagersorten reif. Äpfel und Birnen werden mit Stiel sorgfältig geerntet, damit sie keine Druck- und
Schlagstellen aufweisen, welche eine
nachfolgende Lagerung beeinträchtigen. Für den Frischverzehr die
Früchte am Baum bis zur Konsumreife hängen lassen. Früchte, die eingelagert werden sollen, in voll entwickeltem Zustand kurz vor der Kon-
sumreife pflücken. Dadurch lassen
sich Äpfel zwei bis drei Monate lagern,
bei sehr guten Lagerungsbedingungen auch länger. Birnen sind meist nur
kurze Zeit lagerfähig. Voll entwickelte
Früchte sind daran zu erkennen, dass
sie die sortentypische Grösse erreicht
haben. Zudem ist die Grundfarbe unter der meist roten Deckfarbe von
grün nach gelb aufgehellt. Der Stiel
löst sich leicht vom Baum.
HOLUNDER- UND ANDERE WILDOBSTBEEREN
Bei den meisten Wildobstarten ist im September Erntezeit. Eine grosse Anzahl der
Beeren kann zu Köstlichkeiten – wie Gelees, Marmelade oder Likör – verarbeitet
werden. Je nach Inhaltsstoffen haben viele
Beeren auch eine Bedeutung in der Volksheilkunde.
Name
Reifezeitpunkt Beeren
Besonderheiten
Inhaltsstoffe
Sanddorn
(Hippophae
rhamnoides)
August/September
zur Fruchtbildung sind
männliche und weibliche
Pflanzen nötig, sehr frosthart
Vitamin C (300–1300 mg/ Saft, Sirup, Gelee, Marme100 g), B-Vitamine,
lade, Dessert
Carotine, Vitamin E
Schwarzer Holunder
(Sambucus nigra)
September/Oktober
kein Verzehr von rohen
Vitamin C (20 mg/100 g),
Früchten, zuerst erhitzen!
B-Vitamine
für grosse Fruchtdolden ist ein
jährlicher Schnitt nötig
Wilde Heckenrose
(Rosa canina u.a.)
September/Oktober
Vitamin C (400 bis max.
3000 mg/100 g), Mineralstoffe
Nach Entfernen der Samen
Verarbeitung zu Gelee,
Marmelade, Mark, Likör
Weissdorn
(Crataegus laevigata)
September/Oktober
Weissdorn ist feuerbrandanfällig und darf nicht mehr
überall gepflanzt werden
Blüten und Früchte
enthalten kreislaufregulierende Inhaltsstoffe
Gemischt mit anderen
Früchten kann Weissdorn
zu Marmelade verarbeitet
werden.
Schwarzdorn
(Prunus spinosa)
Kornelkirsche
(Cornus mas)
Vogelbeere/
Eberesche
(Sorbus aucuparia)
September
bis in den Winter
September
Vitamin C (60 mg/100 g),
Anthocyane, Pektine
sehr frosthart, für bessere ErVitamin C
träge sind zwei Sträucher nötig (90 mg/100 g)
kein Verzehr von rohen
Vitamin C
Früchten, zuerst erhitzen!
(100 mg/100 g)
Likör, Wein, Schnaps
Wirtspflanze von Feuerbrand Vitamin C (24 mg/
100 g), diverse Mineralstoffe
Frischkonsum nur kleine
Mengen, Verarbeitung zu
Marmelade, Gelee, Sirup
Ab August
Felsenbirne/Kupfer- Juli/August
felsenbirne (A. ovalis/
A. lamarckii)
Verarbeitung zu
Marmelade, Gelee, Likör,
Schnaps, Dessert
Saft, Gelee, Marmelade,
Liköre, Schnaps
Gelee, evtl. in Mischung
mit Himbeeren oder
Äpfeln
(Quellen: Stoll/Gremminger, Besondere Obstarten, Ulmer Verlag und S. Schwizer, Steinobstzentrum Breitenhof, Wildobst und besondere Obstarten)
Schweizer Garten 9/2009
Leser FRAGEN…
…wir ANTWORTEN
FRASSSCHADEN
?
REBEN – VOR DER ERNTE AUSLAUBEN
Von Mitte bis Ende September (frühreifende Tafeltrauben etwas früher) werden die Reben ausgelaubt, das heisst, die Blätter werden in
der Traubenzone entfernt. Freihängende Trauben trocknen besser ab
und sind somit weniger anfällig für Fäulniskrankheiten, wie beispielsweise Botrytis (Graufäule). Gut besonnte Trauben weisen zudem eine bessere Qualität auf als Schattentrauben: Der Zuckergehalt
ist höher und der Säuregehalt tiefer.
Damit nicht alle Trauben von Vögeln weggefressen werden, empfiehlt
es sich, die Reben mit einem Vogelschutznetz abzudecken. Die angepickten Trauben ziehen ihrerseits Wespen an. In der Reifephase werden die Trauben weich, und der Zuckergehalt beginnt anzusteigen.
Die Säure hingegen nimmt ab. Während dieser Zeit bilden sich auch
die sortentypischen Aromastoffe.
ERNTE VON BAUMNÜSSEN
Sobald im Herbst die grünen
Hüllen der Nüsse aufreissen,
beginnt die Ernte. Das Gras
unter den Bäumen wird kurz
gehalten. Damit die Nussschalen sich nicht dunkel verfärben, sollten sie nur kurze
Zeit am Boden liegen bleiben.
Beim Zusammenlesen – etwa alle zwei bis drei Tage – werden die restlichen Hüllen entfernt. Gleich nach der Ernte, spätestens am folgenden
Tag sind die Nüsse zu waschen. Dazu Nüsse in Holzharasse füllen (Einfüllschicht etwa 8 bis 10 cm hoch) und mit Hochdruckreiniger
oder Gartenschlauch abwaschen. Für den Konsum müssen die Nüsse
trocken sein. Sind sie noch frisch, schmecken sie bitter. Zum Trocknen
Nüsse bei schönem Wetter auf einfachen Gitterrosten auslegen und gelegentlich wenden. Bei nebligem, feuchtem Wetter sind die Nüsse drinnen in der Nähe eines Ofens zu trocknen. Bei zu hohen Temperaturen
(gegen 30 °C) können die Nüsse ranzig werden.
Cornelia Schweizer, Inforama (FOB) Oeschberg, Koppigen
Schweizer Garten 9/2009
Die Früchte am Apfelbaum haben Frassschäden und sind zum Teil
schon faul. Welcher Schädling ist dafür verantwortlich?
Hanspeter Bänziger
3110 Münsingen
Offensichtlich wurden die Äpfel von Wespen angefressen, möglicherweise waren vorgängig andere Schädlinge am Werk (Vögel, Wurmstichigkeit durch Apfelwickler). Als Folge dieser Verletzungen beginnt der Apfel
zu faulen.
Wespenfrass: Je nach Grösse des Baums diesen evtl. einnetzen, das
schützt die Äpfel auch vor Vogelfrass. Früchte rechtzeitig ablesen, Wespen werden durch Überreife eher angezogen.
Apfelwickler: Falls viele Früchte verwurmt sind, kann der Apfelwickler
beispielsweise mit «Insegar» (Syngenta) bekämpft werden. Je nach Witterungsverlauf fällt der Druck an Pilzkrankheiten wie Monilia unterschiedlich aus.
APFEL
?
Die Früchte unseres Apfelbaums der Sorte ‘Lobo’ tragen ringförmig
angeordnete Sporen auf der Fruchthaut. Ein Teil der Früchte ist
bereits abgestorben. Was kann ich tun?
E-Mail-Anfrage
Die Früchte sind
von der Pilzkrankheit Fruchtmonilia
(Monilia fructigena) befallen. Dieser
Pilz überwintert
auf den Bäumen als
Fruchtmumie. Das
sind im Vorjahr befallene Früchte, die
später vertrockTypischer Befall an Birne nach Wespenstich. Quelle: Pflanzenschutz an
nen und am Baum Zier- und Nutzpflanzen (M. Bürki, B. Frutschi, W. Schloz), Verlag Eugen Ulmer,
hängen bleiben. Stuttgart
Im Frühjahr, bei feuchter Witterung, vermehrt sich der Pilz und befällt primär als Wundparasit Äpfel, die Verletzungen (Hagel, mechanische Schäden, Frassschäden und andere) aufweisen. In Hausgärten mit extensiv betriebenem Pflanzenschutz wird häufig festgestellt, dass nach dem Befall
der Früchte durch Sägewespen oder Apfelwickler die Früchte zu faulen beginnen und dabei die typischen ringförmigen Kreise aufweisen. Je feuchter die Witterung, desto häufiger tritt das Erscheinungsbild auf.
Vorerst stehen indirekte Massnahmen im Vordergrund: Sorgfältig sämtliche Fruchtmumien beim Winterschnitt vom Baum lösen und aus der Umgebung entfernen. Befallene Astpartien sind grosszügig bis ins gesunde
Holz zurückzuschneiden.
Als direkte Massnahme kommt nebst der Bekämpfung der erwähnten
Schädlinge (Sägewespen mit «Quassan» und Apfelwickler mit «Madex 2»,
beide Andermatt Biogarten) der zwei- bis dreimalige Einsatz von «Rondo
Combi» (Syngenta) als Fungizid in Frage. Auf diese Weise sollte der Befall
wirkungsvoll eingeschränkt werden können.
Praxis
30
OBSTGARTEN
LETZTE ERNTEARBEITEN
PFLANZUNG VORBEREITEN
Herbsthimbeeren: Diese können problemlos bis zum ersten Frost zwei bis
dreimal wöchentlich überpflückt werden. Faule Früchte laufend aus der Anlage entfernen. Bei nasser Witterung können die Beerenreihen mit Plastik
abgedeckt werden. Allerdings ist dazu vorher ein geeignetes Gerüst nötig.
Plastik schützt vor Nässe und Frost. Die Qualität kann verbessert und die
Erntezeit dadurch verlängert werden.
Brombeeren: Auch bei spätreifenden Sorten, wie zum Beispiel die dornenlose ‘Chester Thornless’, ist in Spätlagen die Ernte noch im Gange. Sobald
die letzten Früchte geerntet sind, abgetragene Brombeerruten sogleich
herausschneiden und aus der Anlage entfernen.
Kernobst: Die Ernte spätreifender Apfel- und Birnensorten sowie von
Quitten steht noch bevor. Der Erntezeitpunkt richtet sich im Wesentlichen nach dem Verwendungszweck der Früchte. Obst, das für den Konsum im Winter eingelagert wird, ist knapp vor der Genussreife, sobald
sich die Grundfarbe von Grün nach Gelb aufhellt, zu ernten. Früchte für
den sofortigen Konsum am Baum ausreifen lassen. Das Gleiche gilt für
Früchte, die für die Verarbeitung bestimmt sind. Die Qualität von Trockenfrüchten, Süssmost und selbst von gebrannten Wassern wird vor allem durch die Qualität der Früchte bestimmt.
Wildfrüchte: Bei Mispeln oder Schlehen wird empfohlen, die Früchte
erst nach dem ersten Frost zu ernten.
Sobald klar ist, was
alles gepflanzt werden soll, werden
die Vorbereitungen für die Pflanzung getroffen:
– Spezielle Sortenwünsche frühzeitig bei vertrauenswürdigen Baumschulisten anmelden
– Parzelle ausmessen, Pflanzenbedarf ermitteln
– Qualitativ hochstehendes Pfahlmaterial anschaffen; Draht, Bodenankern, Drahtspanner, Bindematerial, Agraffen beschaffen
– Bei Mäusedruck engmaschige Knotengitter (verzinkt, Maschenweite max. 13 mm), ca. 1,5 ҂ 1,5 m, einsetzen
– Zu ersetzende Bäume bzw. Sträucher roden, Wurzelstöcke ausgraben und Wurzelreste sorgfältig entfernen
– Boden vorbereiten, den neuen Standort mit gutem Humus
oder Kompost aufwerten
NEUPFLANZUNGEN PLANEN
Idealer Pflanzmonat für Strauchbeeren, Kern- und
Steinobst ist der November. Vorgängig sollte jedoch
geplant werden, was, in welcher Menge und an welchem Standort angepflanzt werden soll.
Massgebende Faktoren für die Pflanzung sind einerseits der zur Verfügung stehende Platz, andererseits
die Menge, welche gegessen oder verarbeitet werden
kann. Die nachfolgende Tabelle zeigt auf, welche
Menge für einen vierköpfigen Haushalt etwa benötigt wird:
Strauchbeeren
Stachel-/Johannisbeere/
Cassis
Heidelbeeren
Besteht der Wunsch, einen Hochstammbaum zu pflanzen, muss berücksichtigt werden, dass dieser mit
100 m2 (10 ҂ 10 m) einen wesentlich höheren Platzbedarf hat als ein
niederstämmiger Baum. Ebenfalls
ist mit einer grösseren Erntemenge
zu rechnen, bei einem Apfelbaum
beispielsweise zwischen 200 bis 600
kg je nach Grösse und Jahr. Will
man wärmebedürftige Obstarten
Anzahl
Platzbedarf/m2 Pflanzabstand (Reihen- Zu erwartende wie Aprikose, Pfirsich oder Birnen
abstand x Pflanzabstand) Erntemengen anpflanzen, so sollte eine Süd- oder
Südwestfassade gewählt werden.
Für den Anbau als Spalier an einer
2
2–3 Stück 6–8 m
Hecke 2,5 ҂ 1 m
6–10 kg
Fassade eignen sich ebenfalls Kiwis,
Busch 1,5 ҂ 1,5 m
Minikiwis oder Tafeltrauben.
2,5 ҂ 1,5 m
1–2 Stück 8 m2
4–6 kg
Spindelbäume
Äpfel, Birnen
Kirschen
Zwetschgen
1 Stück
1 Stück
1 Stück
Obst-, Beerenart
7 m2
14 m2
12 m2
3,5 ҂ 2 m
4 ҂ 3,5 m
4҂3m
15–20 kg
10–15 kg
15–20 kg
Leser FRAGEN…
…wir ANTWORTEN
‘BLISSY’
?
RICHTIGE LAGERUNG
Idealerweise werden verschiedene Obst- und Gemüsearten separat gelagert. Quitten beispielsweise wirken reifefördernd und beeinflussen
mit ihrem intensiven Geruch den Geschmack von anderen Früchten.
Styropor-Boxen: Diese eignen sich ausgezeichnet für die Lagerung
auf der Terrasse, in der Garage oder im Keller. Fallen die Temperaturen unter 0 °C, müssen die Styropor-Boxen zur besseren Isolation zusätzlich abgedeckt werden. Einmal gefrorene Früchte sind langsam
aufzutauen und innert kürzester Zeit zu konsumieren.
Hurden und Harassen: Ein guter Naturkeller sollte nicht mehr als
8 °C und eine Luftfeuchtigkeit von 90 bis 92 % aufweisen. Falls der
Keller zu trocken ist, kann beispielsweise der Boden mit Wasser besprüht und die Luftfeuchtigkeit so erhöht werden. In Obsthurden lassen sich die Früchte gut kontrollieren. Die reifen Früchte werden laufend konsumiert, angefaulte Früchte sofort entfernt.
PE(Polyethylen)-Säcke: Solche Säcke reduzieren die Wasserverdunstung und das Atmen der Früchte, was den Reifungsprozess verzögert. Ein feiner, feuchter Niederschlag in den verschlossenen Säcken ist normal. Die Lagerungstemperatur sollte unter 10 °C liegen,
andernfalls können sich Pilze im Sack zu stark vermehren.
Für eine optimale Lagerung können verschiedene Verfahren selbstverständlich kombiniert werden.
KIWIZEIT
Minikiwis (Actinidia arguta) reifen
je nach Jahr und Sorte zwischen
Mitte September und Mitte Oktober.
Je nach Sorte kann man zwischen 10
und 30 kg Früchte pro Pflanze ernten. Am besten werden die Früchte
mit der Schere von der Pflanze geschnitten – einzeln oder ästchenweise. Bei Einzelfruchternte verletzen sich die weichen Früchte gegenseitig leicht an den holzigen Stielen.
Die kleinen, glattschaligen Früchte
können frisch und ungeschält direkt
ab Pflanze gegessen werden. Reif geerntet sind Minikiwis etwa zwei
Wochen im Kühlschrank haltbar, knapp reif geerntet können die
Früchte bei 0 °C während etwa zweier Monate gelagert werden.
Der Reifezeitpunkt der grossen Kiwis (Actinidia deliciosa) folgt eher
später. Gekühlt lassen sich die Früchte bis im Januar lagern. Um die
Nachreife zu beschleunigen, Kiwis bei Raumtemperatur einige Tage
in die Fruchtschale legen.
Cornelia Schweizer, Inforama (FOB) Oeschberg, Koppigen
Schweizer Garten 10/2009
Seit zehn Jahren habe ich Herbsthimbeeren. Die Ernte in den
vergangenen Jahren war ausgesprochen gut. Ende Oktober, wenn die
Beerenzeit vorüber war, habe ich die Stauden geschnitten und die
Pflanzenbasis mit Kompost und Holzschnitzeln abgedeckt. Im Frühling
habe ich ein wenig Beerendünger und bei Trockenheit Wasser verabreicht. Nun haben nicht mehr alle Pflanzen ausgeschlagen, die Ruten
wurden weniger hoch. Schon im Juli sind die Blätter teilweise gelb
geworden. Was fehlt den Himbeeren?
Beat Willimann, 6162 Entlebuch
Die Schadbilder weisen auf drei Schadorganismen hin, welche den
Herbsthimbeeren zusetzen:
1. Himbeerrost: Die Pilzkrankheit befällt im Spätsommer
Himbeerpflanzen, vorzugsweise
bei feuchter Witterung. Die
Blätter werden vom Boden her
anfänglich von orangefarbenen
Pilzpusteln überdeckt, später
werden sie schwarz. Nach und
nach vertrocknen die Blätter. Ein
intaktes Blattwerk hingegen lagert Reservestoffe in den Wurzeln ein für den nächsten Austrieb im Frühjahr. Wird nun aber
das Blattwerk jährlich im Spätsommer vom Himbeerrost befallen, reduziert sich die Leistung und somit die Menge eingelagerter Reservestoffe. Das
wird der Grund sein, weshalb
Ihre Himbeeren nicht mehr so
hoch werden. Leider gibt es keinen Wirkstoff für den Hausgartenbereich, der zuverlässig gegen die Krankheit wirkt, umso mehr, als der
Befall genau zum Zeitpunkt der Ernte auftritt.
2. Spinnmilben: Die Sorte ‘Autumn Bliss’ (‘Blissy’) weist eine hohe Anfälligkeit gegenüber Spinnmilben auf. Es wird regelmässig beobachtet,
dass auf den Blattunterseiten solche Schädlinge angesiedelt sind, die bei
passenden Witterungsbedingungen zahlreiche Generationen bilden und
die Pflanzen durch ihre Saugtätigkeit beeinträchtigen. Gegen Spinnmilben kann mit Seifepräparaten oder mit «Spomil» gespritzt werden.
3. Halimasch: Anhand Ihrer Schilderung werden in der Himbeerkultur
Holzschnitzel eingesetzt. Zwar ist die Überlegung zum Einsatz von
Schnitzeln nachvollziehbar, dennoch empfehlen wir, keine zu verwenden.
Einerseits trocknet dadurch die Rutenbasis meistens schlecht ab (Risiko
für Rutenkrankheiten), und andererseits kann der Pilz Halimasch durch
Holzschnitzel in die Anlage geschleppt werden. Absterbende bzw. über
dem Boden abbrechende Ruten, die an der Basis von einem weissen Pilzgeflecht überzogen sind und auffällig riechen, deuten darauf hin. Die
Pflanzenausfälle auf Ihrem Bild könnten auf einen Halimasch-Befall zurückzuführen sein.
Praxis
32
OBSTGARTEN
FRUCHT DES MONATS: APFEL (MALUS DOMESTICA)
AROMATISCH UND NICHT GRASIG
Der Apfel stammt ursprünglich aus dem asiatischen Raum.
Dank der Auslese über Jahrtausende und der modernen
Züchtung gibt es heute viele wohlschmeckende, saftigknackige Sorten mit einer grossen Vielfalt bezüglich Reife,
Aussehen, Aroma und Verwendung. Die meisten der heute
bekannten, «klassischen» Apfelsorten sind jedoch nicht viel
älter als 100 Jahre. Im 19. Jahrhundert wurde weltweit
versucht, aus Zufallssämlingen (zum Beispiel ‘Golden
Delicious’, 1890, USA) ertragreiche, aromatische Sorten mit
knackigem Fruchtfleisch und ansprechendem Äusseren zu
züchten. Äpfel sind dank einer Vielzahl von Sorten an verschiedene Klimabedingungen angepasst. Im Alpenraum gedeihen sie
bis auf rund 1000 m ü. M., in speziellen Lagen noch höher. Für
einen humosen, durchlässigen Boden sind Apfelbäume wie alle
anderen Obstbäume dankbar. Der Platzbedarf richtet sich nach
der Form: Bei Hochstämmen rechnet man mit etwa 100 m2
(10 ҂ 10 m) pro Baum. Halbhochstämme (gleicher Aufbau wie
Hochstämme mit Mitteltrieb und Leitästen auf einer Höhe von 1,20 m) brauchen halb so
viel Platz. Ein Niederstammbaum (Spindel) benötigt etwa 7 m2 (3,5 ҂ 2 m).
Hoch- und Halbstämme im Spätwinter während der ersten 10 bis 15 Jahre auf einen
konsequenten Aufbau mit Mitteltrieb und 3 bis 4 Leitästen zurückschneiden. Entsprechend später ist mit Ertrag zu rechnen. Niederstämme bestehen nur aus Mitteltrieb und
den daran befestigten Fruchtästen. Sie kommen schneller in Ertrag, sollten jedoch immer
an einem Pfahl gebunden sein.
Apfelsorten werden in drei Kategorien unterteilt:
– Frühsorten: ‘Klarapfel’, ‘Gravensteiner’ (Bild), ‘Primerouge’, ‘Summerred’
– Herbstsorten: ‘Cox Orange’, ‘Elstar’, ‘Kidds Orange’, ‘Rubinette’
– Lagersorten: ‘Boskoop’, ‘Braeburn‘, ‘Elstar’, ‘Gala’, ’Golden Delicious’, ‘Idared‘,
‘Jonagold’, ‘Maigold’
Frühsorten werden möglichst frisch ab Baum verzehrt und sind nur kurze Zeit lagerfähig.
Herbstsorten können ein paar Wochen gelagert werden, dazu sollten sie bei der Ernte
knapp essreif sein. Dasselbe gilt für Äpfel, welche bis Weihnachten oder sogar bis in den
nächsten Frühling gelagert werden können. Apfelbäume sind anfällig für Pilzkrankheiten
wie Schorf, Mehltau oder Monilia. Für ein Minimum an Pflanzenschutz wird deshalb eine
schorfresistente Sorte (etwa ‘Topaz’) gewählt. An Schädlingen müssen vor allem Blattläuse und Apfelwickler überwacht und gegebenenfalls bekämpft werden.
Vermutlich mit etwas mehr Aufwand als Wildobst
kann jetzt Kernobst geerntet werden. «Wann sind
denn Äpfel oder Birnen richtig reif?», wird sich
manch frischgebackener Obstgärtner fragen. Bei
Kernobst wie auch bei Kiwis wird zwischen Pflückund Essreife unterschieden. Bei Frühsorten ist dies
praktisch zur gleichen Zeit. Herbstsorten werden
knapp essreif geerntet und können kurze Zeit aufbewahrt werden. Lagersorten hingegen werden vor
der Essreife gepflückt, damit sie länger halten. Reife
Äpfel oder Birnen haben ihre sortentypische Gestalt und Farbe erreicht: Die Grundfarbe ist aufgehellt und die Deckfarbe intensiver.Wird ein Schnitz
probiert, sollte die Frucht nicht grasig schmecken.
Reife Äpfel oder Birnen lösen sich leicht vom Ast,
das heisst, der Stiel bleibt an der Frucht und der Ast
am Baum.
REBEN AUSLAUBEN UND VOR FRASS SCHÜTZEN
Mitte bis Ende September (frühreifende Tafeltrauben etwas zeitiger) werden Reben ausgelaubt. Dazu werden in der Traubenzone die
Blätter entfernt. Freihängende Trauben
trocknen besser ab und sind somit weniger
anfällig für Fäulniskrankheiten wie Botrytis
(Graufäule). Gut besonnte Trauben haben einen höheren Zuckergehalt.
Damit Vögel nicht alle Früchte stibitzen, Reben mit einem Vogelschutznetz abdecken.
WILDOBST
Wildobststräucher sind dankbar: Im Frühling und
Sommer hatte man kaum Arbeit mit ihnen, und
jetzt dürfen die Früchte geerntet werden. Je nach
Höhenlage reifen Sanddorn, Kornelkirschen,
Weissdorn, Schwarzer Holunder, Wilde Heckenrose (Hagebutte) oder auch Schwarzdorn heran.
Um diese Früchte zu verarbeiten, erntet man sie
möglichst ausgereift. Wer selber keine Wildsträucher im Garten hat, wird solche bestimmt auf einer
spätsommerlichen Wanderung finden.
Schweizer Garten 9/2010
Leser FRAGEN…
…wir ANTWORTEN
ÄPFEL
ERDBEEREN
Die Blütenbildung bei Erdbeeren beginnt bereits im
September des Vorjahres. Wer
im folgenden Jahr einen grossen Ertrag will, ist also schon
früher gefordert. Um genügend Nährstoffe für die Blütenbildung einlagern zu können, muss die Pflanze im September schon gut angewachsen sein. Bei trockenem Wetter gut wässern und konkurrenzierende Unkräuter entfernen. Falls im Sommer Frassschäden von
Dickmaulrüsslern aufgetreten sind, Erdbeeren jetzt mit nützlichen
Nematoden giessen.
Bezug: Andermatt Biogarten, Telefon 062 917 50 00 und
www.biogarten.ch.
?
Unser Usterapfelbaum ist etwa 15 Jahre alt. Warum haben fast alle
Äpfel so viele glasige Stellen? Ist dies auf einen Mangel zurückzuführen oder handelt es sich um eine Alterserscheinung?
M. Honegger-Knuchel, Baden
Die Glasigkeit wird als physiologische Lagerkrankheit eingestuft und deutet in der Regel auf einen gestörten Nährstoffhaushalt von Calcium und
Kalium hin. Das hat nicht zwingend mit einer geringen Nährstoffmenge im
Boden zu tun, sondern mit einem Ungleichgewicht zwischen Triebwachstum und Fruchtansatz im Baum. Alle Massnahmen, die mithelfen, ein
Gleichgewicht zu erreichen (Schnitt, Düngung, regelmässige Ernten), verringern die Glasigkeit. Die Früchte sind für den raschen Konsum bestimmt.
BEERENERNTE
Um reife Brombeeren und Herbsthimbeeren (im Bild die Sorte
‘Himbo Top’) zu ernten, braucht es Fingerspitzengefühl im wahrsten
Sinne des Wortes. Der ideale Zeitpunkt ist erreicht, wenn die Beeren
glänzen und prall gefüllt sind. Im Zweifelsfall hilft das Probieren.
Wartet man mit dem Pflücken zu lange, werden die Früchte matt und
unansehnlich und ihre Festigkeit lässt nach. Falls vom Gerüst her
möglich, kann man die Pflanzen mit einer Plastikfolie abdecken. Trockene Früchte sind besser haltbar und werden weniger von Graufäule
(Botrytis) befallen. Nach der Ernte bei Brombeeren Tragruten möglichst bodeneben abschneiden. Bei Herbsthimbeeren Ruten erst im
Winter wegschneiden, damit die Pflanze das verbleibende Laub noch
zur Assimilation bzw. zur Einlagerung von Nährstoffen in die Wurzeln
nutzen kann.
Cornelia Schweizer (FOB) Oeschberg, Koppigen
Glasigkeit an einem Apfel (links). Apfel ohne Befall (rechts). Quelle: Pflanzenschutz an
Zier- und Nutzpflanzen (M. Bürki, B. Frutschi, W. Schloz), Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ALTER BRINBAUM
?
Unser in die Jahre gekommener
Birnbaum trägt nicht mehr
viele Früchte und zeigt auch sonst
Merkmale von Altersschwäche. Wir
möchten den Baum aber so lange
wie möglich erhalten. Was können
wir tun?
Aus dem telefonischen
Beratungsdienst
Um den alten Baum optimal mit
Nährstoffen zu versorgen, sollte
man um die Kronentraufe einen tiefen Graben ziehen. Diesen mit guter
Erde, zerhackten Rasenziegeln, grobem Kompost und Ähnlichem füllen.
Sie sollten auch den Rasen innerhalb
der Kronentraufe abheben, ebenso
die Erde bis zu den oberen Wurzeln.
Auch hier bringen Sie gute Erde,
verrotteten Mist und Kompost oder dergleichen aus. Der Boden unter dem
Baum sollte etwa ein Jahr lang offen gelassen und im Sommer bei Trockenheit gut gegossen werden. Der Birnbaum wird sich zusehends erholen. Nach
einem Jahr können Sie unter dem Baum wieder Gras aussäen.