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Montag, 4. Mai 2015 | Fr. 3.–
(inkl. MWSt)
Nummer 102 | 173. Jahrgang
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Meinungen/Profile/Impressum 8–9 Region 11–17 Kino 12 Wetter 18 Kultur 19–28 Reisen 21 Bildung 23 Notfälle 24 Bestattungen 24 Fernsehen/Radio 26–27 Wirtschaft 29–30 Sport 31–36
Schweiz
Wahlkampf. Obwohl Umweltthemen
derzeit nicht gefragt sind, setzen die
Grünen auf ihr Kernthema. Dabei
lassen sie sich auch durch Verluste in
den Kantonen nicht beirren. Seite 6
International
Familienzwist. Die Fronten im Front
National verhärten sich. Parteichefin
Marine Le Pen will ihrem Vater JeanMarie jegliche Äusserung im Namen
der Partei verbieten lassen. Seite 7
Basel
Soziale Muskeln. Ein Theater der
anderen Art feierte vergangenes
Wochenende Premiere. Sein Name:
Social Muscle Club. Seite 13
Fantasy-Leben. Theresa Stangl
investiert ihre ganze Freizeit für Cosplay
und fiebert der Fantasy-Messe in Basel
entgegen. Seite 13
Autos verdrängen. Birsfelden will
mittels Tropfensystem nur noch wenige
Fahrzeuge ins Dorf lassen. Seite 17
Kultur
Gezupfte Laute. Bassekou Kouyaté,
ein Meister an der Ngoni, spielte im
Rahmen des Jazzfestivals in Basel.
Und als es richtig gut wurde, war das
Konzert schon vorbei. Seite 20
Schweizer Tierschutz
greift die Fischer an
Jugendarbeit streicht Angler-Kurs aus Ferienpassprogramm
Von Boris Gygax
Allschwil. Die Vorwürfe gegen den
Kantonalen Fischerverband Basel
(KFVBS) wiegen schwer: Tierquälerei
und Verstösse gegen die artgerechte
Haltung und den Transport von Fischen,
lauten sie. Gemäss der Darstellung des
Schweizer Tierschutzes (STS) müssen
während den Jungfischer-Schnuppertagen die Tiere im Allschwiler Weiher
Qualen erleiden.
Der BaZ liegt ein Beschwerdebrief
vor, der unter anderem auch an die
Jugendarbeit Basel (Juar) verschickt
wurde. Sie organisiert den Ferienpass.
«Fische müssen den Stress der Umsiedlung, Fang und Tötung durch Laien
erdulden», schreibt der STS darin, ohne
den Kurs besucht zu haben. Den Kin-
dern werde das Töten von Tieren beigebracht. Zudem befürchtet man traumatische Erlebnisse.
Mit Kampagne gedroht
Die massiven Beschuldigungen an
die Adresse des KFVBS, der den Kurs
durchführt, blieben nicht ohne Wirkung: Die Jungfischer-Schnuppertage
wurden kurzerhand aus dem Programm
gestrichen. «Durch die Blume hat man
uns mit einer öffentlichen Kampagne
gedroht», sagt Juar-Präsident Christian
Platz. Aus Furcht vor einem Imageschaden wollte man nicht mehr zum
Kurs stehen, der schon seit etwa zehn
Jahren stattfindet.
Der Fischerverband fiel aus allen
Wolken. «Wir wissen nicht, wie der
Tierschutz auf solche Anschuldigungen
kommt. Noch nie hat bei uns ein Kind
einen Fisch getötet. Das übernehmen
ausschliesslich Ausbildner mit Fachausweis», sagt der Präsident Jörg Alioth. Er
befürchtet nun einschneidende Konsequenzen. Denn der Anlass ist eine wichtige Veranstaltung, um den Nachwuchs
zu sichern.
Warum sich ein nationaler Verband
auf die Basler Jungfischer-Schnuppertage einschiesst, zeigen die Recherchen
der BaZ. Bereits im Sommer 2014 hat
Christine Rüedi, Präsidentin der Stiftung Mensch und Tier, gegen den Kurs
öffentlich protestiert. Sie gelangte an
den Tierschutz, der ihre Anliegen
bereitwillig aufgenommen hat, weil sie
gerade in seine aktuelle Kampagne
passten: Er fordert ein Mindestalter von
16 Jahren für Angler. Seite 11
Federer triumphiert auf Istanbuls Sand
Wirtschaft
Florierend. Der VIP-Flugzeugausstatter
Amac Aerospace kann sich nicht über
fehlende Aufträge beklagen. Derzeit
befindet sich der vierte Hangar am
Basler EuroAirport im Bau. Seite 30
Sport
Box-Spektakel. Der US-Amerikaner
Floyd Mayweather besiegt Manny
Pacquiao (Phil) im Jahrhundert-Kampf
und ist nun um über 150 Millionen
Dollar reicher. Seite 32
Fetz: «Stimmung kippt»
SVP und FDP gaben die Nein-Parole
aus. Auch die Grünliberalen beschlossen in zahlreichen Kantonen ein Nein.
Und selbst von der Linken muss die SRG
Kritik einstecken. Die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz hatte die neue
Mediensteuer schon im Parlament als
«Zwangsgebühr» bezeichnet und kritisiert nun die SRG in der Schweiz am
Sonntag, weil sie daran zweifle, ob die
SRG den Service-public-Auftrag noch
erfülle. Im urbanen Umfeld kippe die
Stimmung gegen die SRG. Fetz bemängelt, worauf viele Gegner der Vorlage
hinweisen: Die grundsätzliche Frage,
was Service public sei und was nicht,
bleibe unbeantwortet.
Roger de Weck sagt im Interview,
auf die unübliche Reihenfolge angesprochen: Die Frage, weshalb man nicht
mindestens gleichzeitig mit der Finanzierung über den Service public entschieden habe, müsse das Parlament
beantworten. Es werde aber noch zahlreiche Gelegenheiten für eine solche
Diskussion geben. fi Seiten 4, 5
Mailand. In den ersten drei Tagen wurde
www.baz.ch
Online. Wie sieht 2015 die Lage des
Nachrichtendienstes des Bundes aus?
Ueli Maurer nimmt heute in einem
Kasernengespräch in Bern dazu
Stellung. Wir berichten.
Zweisatzsieg gegen Pablo Cuevas. Zum Schluss machte es Roger Federer in Istanbul noch einmal spannend. Über eine
Viertelstunde dauerte das Tiebreak im zweiten Satz des Endspiels, ehe es der Baselbieter mit 13:11 für sich entscheiden
und seinen 85. Turniersieg feiern konnte. 6:3, 7:6 gewann Federer den Final gegen Pablo Cuevas aus Uruguay und kann sich
nun erster Sieger des Istanbul Open nennen – das Turnier am Bosporus erlebte 2015 seine Premiere. fal Foto Keystone Seite 36
GLP will der CVP Cameron kämpft
den Sitz abjagen um Machterhalt
David Wüest-Rudin: «Wähler
sollen eine Wahl erhalten»
Britischer Premier zeigt vor den
Wahlen am 7. Mai Leidenschaft
Basel. Nachdem führende Politiker von
London. Knapp eine Woche vor der bri-
FDP und LDP die CVP-GLP-Listenverbindung bei den eidgenössischen
Wahlen im Herbst harsch kritisiert hatten, geben sich jetzt CVP-Präsidentin
Andrea Strahm und GLP-Präsident
David Wüest-Rudin nun im Interview
mit der BaZ betont harmonisch.
Wüest-Rudin rechnet zwar damit,
dass die GLP Markus Lehmanns Sitz
erobern wird: «Wir haben gute Chancen,
diesen Sitz zu holen.» Andrea Strahms
oberstes Ziel hingegen ist es, Lehmanns
Sitz nicht an die Linke zu verlieren und
erst in zweiter Linie gegenüber der GLP
zu verteidigen: «Ausschlag für die Listenverbindung gab das Ziel, den dritten
bürgerlichen Sitz im Nationalrat halten
zu wollen.» Dies sei bei einer Verbindung
mit FDP, LDP und BDP nicht möglich, so
Strahm. aag Seite 14
Zürich. Die SRG sei kein Hindernis für
die Medienvielfalt in der Schweiz. Das
sagt Roger de Weck, Generaldirektor
der SRG, im Interview mit der BaZ. In
einigen Teilen der Schweiz garantiere
sie sogar, dass es mehr als ein Medienhaus gebe. Die SRG sei einer der zahlreichen Mechanismen, welche die Schweiz
zusammenhielten. Ohne die Gebühren
würde die Schweiz von ausländischen
Medien überrollt. Das neue Gebührensystem, über das am 14. Juni abgestimmt werde, sei einfacher und fairer.
Gleichzeitig wächst der Widerstand
gegen das neue Radio- und Fernsehgesetz. Sogar an der CVP-Delegiertenversammlung gab es einige Nein-Stimmen.
Zwiespältiger Eindruck der Expo
Region. Unverändert nass gibt sich
das Wetter heute. Dafür sorgt eine
Höhenströmung, die weiterhin feuchte
Luft zu uns transportiert. Seite 18
9 771420 300001
Roger de Weck im Interview
Ein Weltdorf vor
Mailands Toren
Wetter
00102
SRG – unklarer
Service public
tischen Parlamentswahl hat die oppositionelle Labour Party in einer Umfrage
knapp die Nase vorn. Die Sozialdemokraten um Herausforderer Ed Miliband
kommen aktuell auf 34 Prozent. Dies
geht aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Instituts YouGov für
die Zeitung Sun hervor. Die Konservativen von Premierminister David Cameron liegen demnach bei 33 Prozent. Die
beiden grossen Parteien haben somit je
einen Prozentpunkt verloren. Das seit
einem Jahr andauernde Kopf-anKopf-Rennen setzt sich damit fort.
In den letzten Wahlkampftagen
krempelt Cameron nun wortwörtlich
die Ärmel hoch und zeigt sich mit neuer
Leidenschaft. Denn das wird dem
48-jährigen Konservativen vorgeworfen: dass er zu kühl ist. SDA/S.B. Seite 7
Nächste Woche Meister
Nach dem Sieg gegen GC ist der FCB bald am Ziel
Von Fabian Löw
Basel. Der 18. Schweizer Meistertitel
ist für den FC Basel zum Greifen nah.
Am Samstagabend besiegten die Rotblauen in der 31. Runde der Super
League den Grasshopper Club aus
Zürich mit 2:1. Mohamed Elneny
und Davide Callà sorgten nach der
Pause dafür, dass die drei Punkte nach
einem zwischenzeitlichen 0:1-Rückstand doch noch in Basel blieben. Yoric
Ravet hatte GC kurz vor der Pause etwas
überraschend in Führung geschossen.
Der Sieg der Basler war durchaus
verdient. Wie schon am Mittwoch gegen
den FC Vaduz setzte Trainer Paulo
Sousa auch am Samstag wieder auf eine
Dreierkette in der Abwehr – Marek
Suchy, Fabian Schär und Walter Samuel
hatten die GC-Offensive mehrheitlich
im Griff. Mit diesem System gelang es
dem FCB, ein erfolgreiches Pressing
aufzuziehen und die Zürcher über weite
Strecken zu dominieren. Mit diesem
Sieg erhöhte Basel den Druck auf die
Young Boys, deren Spiel erst gestern
angesetzt war.
Die Verfolger aus Bern konnten den
Rückstand in der Tabelle auf den FCB
zwar wieder auf elf Punkte verringern –
die Young Boys besiegten den FC Zürich
auswärts dank einem Penaltytor von
Guillaume Hoarau mit 1:0. Trotzdem
könnten die Basler aber bereits am kommenden Wochenende als Schweizer
Meister feststehen. Sie sind dafür
jedoch noch auf Schützenhilfe vom FC
St. Gallen angewiesen. Die Ostschweizer spielen am Sonntag, 10. Mai, um
13.45 Uhr auswärts gegen YB. Geben
die Berner in dieser Partie Punkte ab,
könnte sich der FCB mit einem Sieg
gegen den FC Zürich (Sonntag, 16.00
Uhr/SRF2) bereits zum Schweizer
Meister krönen. Seiten 34, 35, 36
die Mailänder Weltausstellung von rund
einer halben Million Menschen besucht.
Während in der Innenstadt der lombardischen Metropole bei Demonstrationen
gegen die Expo 2015 mehrere Polizisten
verletzt wurden, begann die gigantische
Schau mit offiziell 145 teilnehmenden
Ländern mit einem Massenansturm.
Das Thema lautet: «Den Planeten
ernähren, Energie für das Leben». Was
den meisten Ländern dazu einfällt, ist
bloss landwirtschaftlich orientierte Tourismuswerbung mit einem Souvenirshop
und einem Restaurant. hm Seite 19
Warren Buffett
mag noch immer
Der US-Starinvestor lässt sich
von seinen Aktionären feiern
Omaha. Der 84-jährige Warren Buffett
gibt sich auch nach 50 Jahren an der
Spitze seines Firmenimperiums Berkshire Hathaway nicht amtsmüde. Am
Aktionärstreffen in Omaha mit 44 000
Teilnehmern lieferte er am Samstag
keine Anzeichen dafür, dass seine Zeit
als Firmenchef bald enden könnte. Laut
jüngsten Schätzungen ist Buffett der
drittreichste Mensch der Welt, sein Sinn
fürs Geldverdienen ist legendär. Er hat
binnen eines halben Jahrhunderts aus
dem unbedeutenden Textilhersteller
Berkshire Hathaway eines der wertvollsten Unternehmen der Welt
gemacht. An der Börse bringt es das
Konglomerat auf mehr als 350 Milliarden Dollar. Für weitere Einkaufstouren
habe er jetzt insbesondere Europa und
Deutschland «auf dem Radar», sagte
Buffett. SDA Seite 29