STERNZEIT Jahrgang 04 / Ausgabe 01 / Frühjahr

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STERNZEIT Jahrgang 04 / Ausgabe 01 / Frühjahr
Jahrgang 04 / Ausgabe 01 / Frühjahr 2015
Zeitung aus Treptow-Köpenick für freiwilliges Engagement
Schwerpunktthema
Nachgefragt
Kulturelles Engagement
Seite 1-3
Angekündigt
Jan Engelmann
von Wikimedia
Deutschland e.V., Seite 5
Veranstaltungshinweise
rund ums Engagement
Seite 7
Köpenicker durch und durch
Im „Hauptmann von Cöpenick“
treffe ich mich mit Dr. Kurt Wernicke. Er macht auf mich einen
sympathischen Eindruck, ist intelligent, redselig, authentisch
und eine „Berliner Schnauze.“
Der 1930 in Charlottenburg Geborene wohnt schon fast sein
ganzes Leben lang in Köpenick.
Nach seinem Abitur wollte
Wernicke eigentlich Deutschlehrer werden, allerdings gab
es während seiner Studienzeit
ein folgenschweres Missverständnis: Statt Deutsch wurde
Wernickes Zweitfach Geschichte als Hauptfach angesehen. So
wurde er Historiker - ein Umstand, über den er heute sehr
froh ist. 1952 fing Wernicke seine Arbeit im neu gegründeten
Deutschen Historischen Museum an, leitete Ausstellungen
und wurde schließlich stellvertretender Direktor.
Aber auch nach seiner Arbeit im Museum interessierte
er sich für Geschichte, insbesondere Lokalhistorie. Als
ehrenamtliches Mitglied des
Heimatvereins widmete er sich
unter anderem der Eingemeindung zahlreicher Ortschaften
in das Stadtgebiet Berlin in den
Foto © Reginald Gramatté
Segel gesetzt
Kurs: Freiwilliges Engagement
Dr. Wernicke zu Recherchezwecken in der Bibliothek
1920er Jahren. Für diese Leistungen wurde er vom Bezirk
Treptow-Köpenick mit der Bürgermedaille ausgezeichnet.
Neben dem Heimatverein
misst Wernicke aber auch seinem Hobby Segeln eine große
Bedeutung bei. Durch einen
Schulfreund kam er in jungen
Jahren zum Wassersport und
auch hier engagiert sich Wernicke ehrenamtlich, nämlich als
mittlerweile ältester Kampfrichter Berlins. Vom Segelverband
wurde dies mit dem EhrenzeiMarian Boger
chen honoriert.
Liebe Leserinnen und Leser,
kulturelles Engagement ist ein weites Feld - und auf dieses
interessante Feld begibt sich die ehrenamtliche Redaktion der
STERNENZEIT in dieser Ausgabe. Wir schauen nach, wo sich
Menschen in Treptow-Köpenick freiwillig engagieren und so
unser Leben bunter, informativer und kultureller gestalten - sei
es mit einer Zeitreise ins Mittelalter oder mit einem alternativen
Kulturverein in Alt-Treptow. Gemeinsam ist allen Engagierten
die Leidenschaft für Kultur und eine aktive Beteiligung am
vielfältigen Leben im Bezirk.
Genießen Sie die STERNENZEIT - wir freuen uns auf Ihre
Leserbriefe.
Ihre STERNENZEIT-Redaktion
Hingeschaut
Verein Zeitfluss e.V.
Die Lehrerinnen Marlies und
Ines Böttcher haben mit anderen Lehrern zusammen überlegt, wie man Kindern das Mittelalter näher bringen könnte.
Vorbild wurde eine MittelalterStadt hinter dem Otto-vonGuericke-Museum in Magdeburg. Dort wird jeder Fremde
freundlich begrüßt, bekommt
einen mittelalterlichen Namen
und eine Gewandung. Man
kann beim Schmied, bei der
Tischlerin, beim Bader oder bei
der Gastwirtin in die Lehre gehen. „So etwas soll es in Treptow-Köpenick auch geben!“
sagten sich die Böttchers und
gründeten den Verein Zeitfluss,
der auf dem Gelände Friedrichshagener Str. 7, in Nachbarschaft zur Gartenarbeitsschule, zum Bellevue-Park und
zum Stadttheater Coepenick
Foto © Reginald Gramatté
Mittelalter-Freaks gesucht!
Marlies und Ines Böttcher, Partnerinnen im Leben und im Verein Zeitfluss
eine kleine mittelalterliche Stadt
bauen will.
Die Baugenehmigung für zunächst zehn Gebäude und ein
Stadttor ist schon erteilt. Als
professionelle Partner für die
Bauphase wurden der Architekt Wolff und Herr Henning
von der Jugendbauhütte BerlinBrandenburg gewonnen. Frei-
willige vom Verein Zeitfluss sind
mit Arbeitseinsätzen am Wochenende dabei und bringen
so die Mittelalterstadt voran.
Falls Sie Interesse an der Mitarbeit haben, sind Sie herzlich
willkommen. Es gibt nicht nur
Zimmerer- und Tischlerarbeiten, sondern es muss auch ausgeschachtet werden. Für die
Verwendung bei der Lehmbauweise sollen Weiden gepflanzt
werden. Für gute Verpflegung
bei den Freiwilligeneinsätzen ist
gesorgt.
Schon jetzt werden Bastelstände vorbereitet. Der Verein
Zeitfluss ist beim Frühlings-,
Herbst- und Weihnachtsmarkt
auf der Späthschen Baumschule vertreten. Kinder können sich Schwerter, Pfeil und
Bogen oder Buchstützen aus
Speckstein bauen. Auch hierfür
werden Ehrenamtliche gesucht,
die die Kinder bei den Bastelarbeiten begleiten.
Interessierte melden sich bitte
bei Marlies und Ines Böttcher:
Tel.: 030/6264254
blog.mittelalter-in-berlin.de
Christiane Hartmann-Kraatz
Das Repair Café im Industriesalon Schöneweide
Mittwoch, 17.30 Uhr. Drei Tische und drum herum wird an
defekten Geräten gebastelt. Ein
Laptop, eine Küchenwaage,
eine Kompaktanlage und oh ...
sogar eine Heckenschere. Bei
der Kompaktanlage leuchtet
wohl nur noch die rote Standby-Lampe. Der Experte schaut
sich das Innenleben an. Die Besitzerin hofft auf ein Comeback
der guten alten Anlage, muss
sich aber bis zum nächsten
Treffen gedulden. „Zu zeitaufwendig, jetzt nach dem Fehler
zu suchen.“ Es warten noch andere Teilnehmer auf die Begutachtung ihrer Problemfälle. Sie
2
lässt das Gerät vor Ort und ist
dankbar, dass es sich jemand
anschauen wird. Ganz im Sinne des Recycling-Gedankens
kann man seit August 2014 im
Repair Café am 1. und 2. Mittwoch im Monat seine kaputten Elektrogeräte, Spielzeug,
Kleidung oder Fahrräder selbst
reparieren. Ein Expertenteam
aus fünf Ehrenamtlichen steht
einem dabei zur Seite. Die Reparatur ist kostenlos. Ersatzteile müssen selbst besorgt und
bezahlt werden. Eine freiwillige
Spende ist erwünscht. Weitere
ehrenamtliche Experten/innen
werden gesucht: Elektroniker/
Foto © Reginald Gramatté
Ein besonderer Ort der
Begegnung
Wegwerfen? Nein! Fast jedem zweiten Gerät kann im Repair Café geholfen werden.
innen, Fahrradmechaniker/innen, Näher/- oder Schneider/
innen sind herzlich willkommen!
Auch der Industriesalon benötigt dringend Unterstützung
für die zahlreichen Führungen
durch die Industriekultur von
Schöneweide. Susanne Reumschüssel, Leiterin des Industrie­
salons, würde gern interessierte Menschen mit Bezug zu
Schöneweide zu Stadtführer/
innen ausbilden.
Öffnungszeiten Industriesalon Schöneweide:
Mi, Fr und So von 14-18 Uhr
Öffnungszeiten Repair Café:
1. und 2. Mittwoch im Monat,
17-20 Uhr. Keine Anmeldung
erforderlich.
Industriesalon Schöneweide
Reinbeckstr. 9, 12459 Berlin
Tel.: 030/5300 7042
[email protected]
Andrea Paproth
SternenZeit
Hingeschaut
Die Kulturbanausen der Wagenburg Lohmühle
An der Bühnenwand prangt
noch die Werbung für das
Sommerfest vom vergangenen
Jahr. Der Kulturbetrieb in der
Wagenburg Lohmühle hat Winterpause und Zosch Hans Zeit
zum Auftanken für die neue
Saison. Es wird die achtzehnte
für die Kulturbanausen. So haben die Wagenburgbewohner
ihren 1998 gegründeten Verein
genannt. Zosch Hans, einer der
Gründerväter, ist so was wie
der Bürgermeister für die 18
Erwachsenen und drei Kinder,
die derzeit in der Lohmühle zu
Hause sind. Und zugleich treibende Kraft beim Kulturprojekt.
Wobei die Kulturbanausen den
Begriff Kultur nicht so eng sehen wollen. Für sie schließt er
ihre Lebenskultur mit ein. Die
Wagenburg ist ein offener Platz.
Offen für die Nachbarn im Alt-
Treptower Kiez und ein Freiraum für Künstler vieler Genres.
Einen der Wohnwagen haben
die Lohmüller zum Ausstellungsraum umfunktioniert. Er
liegt direkt am Uferweg, der am
Landwehrkanal entlang führt.
Für die Spaziergänger gibt es
hier Kunst quasi im Vorbeigehen. Für Werbung fehlt den
Kulturbanausen das Geld. Aber
die sei auch kaum nötig, meint
Zosch Hans. Im Kiez spricht
sich rum, wann in der Lohmühle
was los ist - Kino, Konzerte, Lesungen. Mitte April startet die
neue Kultursaison. Zwei bis drei
Bands werden spielen. Ohne
Gage, dennoch gibt es reichlich Anfragen von Musikern. So
viele, dass bis Mitte Oktober
jedes Wochenende Konzerte
stattfinden. Kostenlos, das gehört zum Selbstverständnis der
Foto © Reginald Gramatté
Eine feste Größe im Kiez
Zosch Hans auf der Bühne, dem kulturellen Herzstück der Wagenburg Lohmühle
Kulturbanausen. Und sie sehen
ihre Kulturangebote auch als
Gegenleistung dafür, dass sie
den Wagenplatz in begehrter
Innenstadtlage kostenlos nutzen dürfen. Mit dem Stadtbezirk gibt es einen Vertrag, wenn
auch befristet. Für Zosch Hans
ist klar: Ohne die Kulturangebote würde die Lohmühle heute
nicht mehr existieren.
www.lohmuehle-berlin.de/
blubb/
Claudia Berlin
Schlüssel zur Kultur
Die Kulturloge Berlin in Treptow-Köpenick
Kulturloge? „Was soll das denn
sein?“ Seit über einem Jahr ist
Rüdiger Görbing aus Köpenick nun Gast der Kulturloge,
förmlicher: Kulturloge Berlin –
Schlüssel zur Kultur e.V. „Da bekommst du kostenlos Karten?
Ich dachte, das kann nicht sein,
da musst du irgendwas bringen. Dann hab ich mich schlau
gemacht und nichts Schlimmes
dabei gefunden, meine Anmeldung ausgefüllt und mit einer
Kopie meines BerlinPasses zur
Kulturloge gefaxt.“
Im April wird die Kulturloge
Berlin fünf Jahre alt. 2010 ins
Leben gerufen von Angela
Meyenburg ermöglicht sie kul-
turelle und soziale Teilhabe für
Menschen, die es sich sonst
nicht leisten können oder wegen einer geistigen Behinderung lieber in Begleitung, aber
selbstbestimmt Kulturveranstaltungen besuchen. 350 Kulturpartner sind heute dabei, alle
Genres vertreten.
„Man hat mir dann auch sofort
eine Veranstaltung vermittelt“,
erinnert sich Rüdiger Görbing.
„Das war in der O2-World, war
eine hervorragende Veranstaltung. Ich war vorher noch nie
da, weil ich mir das eben nicht
leisten konnte. Und wir waren
beide begeistert, mein Sohn
und ich.“
Zeitung Für Freiwilliges Engagement AUS Treptow-Köpenick
Mittlerweile ist Rüdiger Görbing selbst ehrenamtlicher Mitarbeiter der Kulturloge. Er hat
das Büro in Friedrichshagen mit
aufgebaut, das im September
2014 eröffnet wurde. Für Gäste aus Berlins Südosten ist der
Weg zur persönlichen Anmeldung nun wesentlich kürzer.
„Wir würden uns wünschen,
dass weitere Veranstalter im
Bezirk gefunden werden“, formuliert Rüdiger Görbing das
Ziel der Kulturloge in Friedrichshagen. Von einem kürzeren Weg zur Kultur würden
insbesondere ältere Gäste profitieren.
„Ich kann es nicht in Worten
ausdrücken, was das für eine
Bereicherung für mein Leben
ist“, fasst eine ältere Dame in
einem Dankschreiben ihre Gefühle in Worte.
Adresse
Kulturloge Berlin – Schlüssel
zur Kultur e.V.
c/o KIEZKLUB VITAL
Myliusgarten 20
12587 Berlin-Friedrichshagen
Bürozeiten
Di 10.00–13.00 Uhr,
Do 14.30–17.30 Uhr
[email protected]
www.kulturloge-berlin.de
Stephan Schulte
3
Nachrichten
Grünauer Wassersportmuseum
wird 25
Das neue Köpenicker Flüchtlingsheim ist größtenteils fertiggestellt. Die Arbeiten am Containerdorf dauerten bis in den
Januar hinein, trotzdem wurde
es bereits zum Ende des Monats
von über 100 Menschen bewohnt. Geschätzt wird, dass die
Gesamtkapazität von 380 Menschen schon bald ausgeschöpft
sein wird.
In den 15 Quadratmeter großen Zimmern stehen meist
zwei Betten und eine einfache,
aber funktionale Einrichtung.
Alle Bewohner verpflegen sich
selbst und können dafür die
Gemeinschaftsküche benutzen,
ebenfalls gemeinschaftlich werden die Sanitäreinrichtungen
genutzt.
Im Frühling werden die Arbeiten
im Außenbereich fortgesetzt,
dann soll es Sitzmöglichkeiten
und einen Spielplatz geben.
Falls Sie Fragen zum Flüchtlingsheim haben oder dieses
unterstützen möchten, erhalten
Sie weitere Informationen unter:
www.allende2hilft.de
Marian Boger
Foto © Reginald Gramatté
Flüchtlingsunterkunft in
der Alfred-Randt-Straße
fertiggestellt
25 Jahre lang war Werner Philipp der Chef im Wassersportmuseum.
Das Grünauer Wassersportmuseum lockt jedes Jahr rund
3000 Besucher in die Räume
unter den Grünauer Regattatribünen. Seit dem Jahr 2000
sind die Exponate hier ausgestellt: hölzerne Boote, Vereinsfahnen, historische Dokumente und Fotos. Zeugnisse des
Berliner Wassersports vom
Kaiserreich bis zum Ende der
DDR.
Werner Philipp hat die rund
200 Schätze zusammengetra-
gen und sie 1990 seiner Stadt
geschenkt. 25 Jahre ist das
her, doch zum Feiern sieht er
wenig Grund. Philipp ist jetzt
82, will mit seinen Ehrenämtern kürzertreten und sich aus
dem Museumsbetrieb zurückziehen. Eine Nachfolgerin hat
er eingearbeitet, doch ob sie
es schafft, das Museum wie
bisher jeden Sonnabend zu
öffnen, ist fraglich. Fest steht
nur: am 25. April ist Saisoneröffnung.
Werner Philipp hat sich ein
neues Ziel gesetzt. Er investiert jetzt seine ganze Kraft in
das „Denkzeichen des Berliner
Wassersports.“ Ein Nachfolger
des Deutschen Sportdenkmals, das in Grünau stand und
aus politischen Gründen 1973
abgerissen wurde. Noch existiert es nur im Modell.
Kontakt
www.wassersportmuseumgruenau.de
Claudia Berlin
Gernot Klemm neuer stellvertretender Bezirksbürgermeister
Foto © BA Treptow-Köpenick
Am 29.01.2015 wurde Gernot
Klemm von der BVV TreptowKöpenick zum stellvertretenden
Bezirksbürgermeister
gewählt. Er übernimmt die
Leitung der Abteilung Arbeit,
Soziales und Gesundheit von
Ines Feierabend, die Ende
2014 in die thüringische Landespolitik gewechselt ist.
Gernot Klemm, Jahrgang
1965, Mitglied DIE LINKE,
war von 1995 bis 2006 Mit4
glied des Abgeordnetenhauses. Er übernahm, nachdem
er schon 1990 bis 1992 Bezirksverordneter in Köpenick
gewesen war, 2012 wieder
Verantwortung im Bezirk als
Bezirksstadtrat für Jugend und
öffentliche Ordnung.
Einen Schwerpunkt seiner
neuen Arbeit sieht Gernot
Klemm in der Förderung des
bürgerschaftlichen und ehrenamtlichen Engagements
mit der bestehenden Infrastruktur, wie dem Freiwilligenzentrum STERNENFISCHER,
dem Beirat zur Förderung des
Freiwilligenengagements, dem
Marktplatz und den Freiwilligentagen.
Sein zentrales Ziel ist es, mit
Blick auf die Altersstruktur der
Menschen Treptow-Köpenick
als einen alters- und generationengerechten Bezirk zu
Stephan Schulte
gestalten.
SternenZeit
Nachgefragt
Wikipedia ist ein Werkzeug der Meinungsfreiheit
Jan Engelmann von Wikimedia Deutschland e.V. im Gespräch mit STERNENZEIT-Chefredakteurin Sandra Holtermann
Seit September 2014 ist Jan
Engelmann Interimsvorstand
von Wikimedia Deutschland
e.V., dem Förderverein der
deutschsprachigen
OnlineEnzyklopädie Wikipedia.
Sonderfall, der aber auch schon
in die Zukunft weist.
Was
Welche
Aufgaben verfolgt Wikimedia Deutschland?
Im Jahr 2004 gründeten deutsche Wikipedianer, d.h. Autoren der Online-Enzyklopädie
Wikipedia, den Verein Wikimedia Deutschland. Schon bei der
Gründung war dem Verein die
Förderung freien Wissens als
Mission mitgegeben.
Wichtig ist: Wir betreiben nicht
selbst die Wikipedia, das macht
eine amerikanische Stiftung.
Der deutsche Verein setzt eher
an der lokalen Basis an. Neben
Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit und der Unterstützung der freiwillig engagierten
Wikipedianer sind für den Verein in den letzten Jahren sehr
gezielte Aktivitäten in den Feldern Bildung, Kultur und Politik
hinzugekommen.
Wer
sind die freiwilligen
Wikipedianer?
Viele Wikipedia-Nutzer sind erst
einmal überrascht, wenn sie
hören, dass die Autoren Freiwillige sind. Deren typisches Profil? Männlich, Akademiker und
zwischen 25 und 45 Jahren alt.
Die Alterskohorte ist einfach
erklärt: In dem Moment, in
dem man eine Familie gründet, bleibt wenig Zeit für ein
so intellektuelles Hobby wie
die Wikipedia. Dass der Anteil an Akademikern hoch ist,
merkt man schnell, wenn man
die Wikipedia liest. Die Einträge sind teilweise sehr voraus-
Für Jan Engelmann ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia ein wichtiges Experiment
für zukünftige Freiwilligenarbeit
setzungsvoll. Dagegen kommt,
zu unserem großen Bedauern,
die Vermittlung von handwerklichem Erfahrungswissen noch
viel zu kurz.
Hang zur Rechthaberei. Und
man fängt ja an bei Wikipedia
zu schreiben, wenn man etwas
liest und denkt: Nein, das ist
falsch, ich weiß es besser!
Und wo sind die Frauen?
Was
Ja, der Männerüberhang ist
ein Rätsel, doch es gibt ihn auf
der ganzen Welt. Die Schätzungen für die rund 280 sprachlichen
Wikipedia-Versionen
schwanken zwischen fünf bis
15 Prozent Frauenanteil. Das
bedeutet, dass bei der Wikipedia wichtige weibliche Perspektiven auf viele Themen stark
unterrepräsentiert sind, auch
wenn wir mit verschiedenen
Modellen daran arbeiten, den
Frauenanteil zu erhöhen.
Ein Erklärungsansatz für das
Fehlen weiblicher Perspektiven
ist, dass Online-Kommunikation
dazu tendiert, relativ rüde zu
sein. Das könnte Frauen abschrecken. Als monokausale
Erklärung taugt das meines Erachtens aber nicht, denn Frauen können sich ja an den Ton
gewöhnen.
Meine These zur männlichen
Dominanz lautet: Männer haben einen ausgeprägteren
Zeitung Für Freiwilliges Engagement AUS Treptow-Köpenick
unterscheidet freiwillige Arbeit bei Wikipedia
von anderen Ehrenämtern?
Verbände oder Vereine fahren
normalerweise einen bedarfsorientierten Ansatz. D.h. sie
sehen einen Veränderungsbedarf und können diesen nur
mit freiwilliger Unterstützung
angehen. So entstehen Bedarfe an ehrenamtlicher Mitarbeit,
für die dann Leute angeworben
werden.
Wir bei Wikimedia Deutschland e.V. dagegen haben quasi
ein Distanzgebot zur Wikipedia. So ist z.B. meine Meinung
nicht erwünscht, wenn es um
interne Abstimmungsprozesse
geht. Das würde als absolut
übergriffig empfunden. Der Aktiven-Schwarm organisiert sich
selbst, mit einem großen Ethos
auch der direkten Demokratie.
Das ist ein sehr spannendes
soziales Experiment. In ehrenamtlichen Zusammenhängen
ist Wikipedia also ein gewisser
kann man von diesem Experiment lernen?
Diese Art der Freiwilligenarbeit
wird es bald häufiger geben,
vielleicht nicht immer mit vielen
Tausenden Beteiligten und nicht
immer mit so vielen Lesern.
Aber je online-gestützter Kommunikation wird und je mehr
dabei auch Projekte verhandelt
werden, desto mehr kann man
auf die Wikipedia schauen und
sehen, was da geklappt hat und
was nicht.
Welche Parallelen gibt es
dennoch zu klassischer Freiwilligenarbeit?
Eine wichtige Gemeinsamkeit
ist, dass sich Ehrenamtliche für
ihr Engagement Wertschätzung
wünschen. Die Wikipedianer
haben ein klares Sensorium
dafür, dass man die Aktiven
ins Rampenlicht stellen muss,
denn das motiviert. So gibt es
den Zedler-Preis, der besonders gute Artikel hervorhebt.
Einmal im Jahr gibt es zudem
ein großes Freiwilligentreffen,
die WikiCon. Dort wurden beim
letzten Mal erstmals in über 20
Kategorien Auszeichnungen
für herausragendes Engagement verliehen.
Welche
Werte sind den
Wikipedianern wichtig?
Wenn ich die Wikipedianer ideologisch verorten sollte, würde
ich sie als libertär bezeichnen.
Sie sind dann am radikalsten,
wenn der Aufklärungsanspruch
in Frage gestellt wird. So ist die
Wikipedia im besten Sinne ein
Werkzeug der Meinungsfreiheit.
www.wikimedia.de
5
Vorgestellt
Daniela Kemmer
Ein STERN im Kunger-Kiez
Katzenliebhaber
Seit Januar 2014 arbeitet Daniela Kemmer (34) als STERNEN-Lotsin im Treptower
Kunger-Kiez. Zuvor hatte sie
schon zahlreiche Erfahrungen
als Ehrenamtliche in der Kinder- und Jugendarbeit und im
politischen Bereich sammeln
können. Mit der LotsinnenAufgabe im Auftrag der STERNENFISCHER hat Daniela
Kemmer nun die Perspektive
Kontakt
Monika Grützmacher
Kreutziger Str. 5 | 10247 Berlin
[email protected]
www.tierhilfe-berlin.de
ad
Thomas Nicolai
Ehrenamt auf zwei Rädern
Thomas Nicolai (64) engagiert
sich seit 2004 mit der Idee der
Tandem-Hilfen für blinde und
sehbehinderte Menschen. Der
Initiator, selbst stark sehbehindert, gründete dann 2009 den
Verein "Tandem-Hilfen e.V.",
der mit zahlreichen Veranstaltungen, der Vermittlung von
Tandempiloten an blinde und
sehbehinderte Interessenten
und durch Öffentlichkeitsar-
Foto © Paul Schulz
beit die Tandemfahrten und
-touren ermöglicht. Das Hilfsprojekt unterstützt außerdem
blinde und sehbehinderte
Jugendliche bzw. Blindeneinrichtungen in Osteuropa und
demnächst auch auf Kuba. Die
Botschaft des Projekts lautet:
„Es geht nur gemeinsam.“
www.tandem-hilfen.de
ad
Unterstützung bei der Betreuung von Menschen
mit Demenz gesucht
In der "Alzheimerangehörigen Initiative gGmbH" werden in allen Berliner Bezirken
Menschen mit Demenz betreut. Durch Angebote wie
die persönliche Beratung,
Gesprächsgruppen,
Krankenbetreuung oder gemeinsame Aktivitäten werden die
Erkrankten und ihre Angehörigen entlastet.
Zur regelmäßigen Umsetzung von verschiedenen An-
6
sh
Foto © Reginald Gramatté
20-30 ausgesetzte oder abgegebene Katzen leben zurzeit in
der Aktionsgemeinschaft Tierhilfe e.V. und suchen eine neues
Zuhause. Auf 90 m² haben die
Vierbeiner genug Platz für Bewegung und werden regelmäßig durch unterschiedliche Portale vermittelt. Der ehrenamtlich
geführte Verein befindet sich in
Friedrichshain und sucht freiwillige Helfer für die Katzenbetreuung. Die Freiwilligen sollten einmal die Woche für 3-5 Stunden
Zeit haben, um dann in kleinen
Teams die Katzen zu betreuen
und zu versorgen. Dazu gehört
das Füttern, Saubermachen und
die Pflege der Katzen bei Krankheiten. Über Ihre Tierliebe und
jede Menge Streicheleinheiten
werden sich die Samtpfoten
freuen!
Foto © Reginald Gramatté
gesucht
gewechselt und hilft anderen
Interessierten dabei, die ideale
ehrenamtliche Betätigung zu
finden. Geleitet wird sie dabei
von der Überzeugung, dass es
für jede Person das passende Engagement gibt - ganz
gleich, wie viel Zeit jemand zu
verschenken hat und welches
Thema einen interessiert. Infos:
www.freiwillig-in-treptow.org
geboten sucht die Initiative
Freiwillige im Umfang von
28 Stunden im Monat. Dazu
gehören die Betreuung im
häuslichen Umfeld, aber auch
Spaziergänge, Museumsbesuche oder gemeinsames
Radfahren. Einmal im Monat
ist die Teilnahme an einer
vierstündigen Betreuungsgruppe der Demenzkranken
unter Anleitung eines Altenpflegers erwünscht.
Für das Engagement müssen
sowohl fachliche als auch
persönliche Voraussetzungen
erfüllt sein. Die Freiwilligen
erhalten eine Aufwandsentschädigung.
Nähere Informationen insbesondere zu den Voraussetzungen:
Frau Zischner/Frau Fehlau
Tel.: 030/47378995
www.alzheimerforum.de
ad
SternenZeit
Angekündigt
Veranstaltungshinweise für
Treptow-Köpenick
Aha ...
von Annette Kunsch
Frühjahr 2015
25.04.2015, 11.00-17.00 Uhr
Berliner Freiwilligenbörse
Interessierte können sich rund um das
Engagement informieren. An mittlerweile
über 100 Ständen wird eine Vielzahl von
Möglichkeiten aus verschiedenen Engagementbereichen vorgestellt. Lotsinnen und
Lotsen stehen mit Rat und Tat zur Seite.
Wo: Rotes Rathaus Berlin
Rathausstraße | 10178 Berlin
25.04.2015, ganztägig
Saisoneröffnung Wassersportmuseum
Grünau
Zum 25. Jubiläum öffnet das Wassersportmuseum Grünau nach der Winterpause seine Türen für die Saison 2015. Interessierte
Besucher können sich zahlreiche Exponate
rund um das Thema Wassersport anschauen und danach einen Frühlingstag an der
alten Regattastrecke genießen.
Wo: Regattastraße 191
12527 Berlin-Grünau
01.05.-03.05.2015
Berliner Wassersportfest
Bereits zum dritten Mal bietet die abwechslungsreiche Veranstaltung beiderseits
der Dahme auf, im und am Wasser allen
Wassersportfans und denen, die es noch
werden möchten, ein abwechslungsreiches
Programm mit Wettkämpfen und unterhaltsamen Aktivitäten zu Wasser und zu Lande.
Interessierte können für sich den passenden Verein finden oder zumindest einen
Ausgleich vom stressigen Alltag.
Wo: Regattastrecke Berlin-Grünau
30.05.2015, 13.00-20.00 Uhr
Fest für Demokratie und Toleranz,
gegen Angsträume
Das Bündnis für Demokratie und Toleranz
Treptow-Köpenick lädt an diesem Tag wieder zu einem bunten Fest, auf dem gezeigt
wird, wie vielfältig und lebendig das Leben
im Bezirk ist.
Wo: S-Bahnhof Schöneweide
Michael-Brückner-Platz
Die
STERNENZEIT-Redaktion
wünscht frohe Ostern
Zeitung Für Freiwilliges Engagement AUS Treptow-Köpenick
Foto © Reginald Gramatté
21.04.2015, 17.00-18.00 Uhr
Veranstaltung „Engagement in Treptow-Köpenick – Hier bin ich dabei!“
Vorstellung von Möglichkeiten eines Engagements in Treptow-Köpenick.
Zielgruppe 63+ (offen für alle)
Wo: Café Grenzenlos (PSV Treptow e.V.),
Plesser Straße 1 | 12435 Berlin
Nähere Information/Anmeldung:
[email protected]
Telefon: 030/24 35 85 75
Wie gut, dass es die neuen
Medien gibt! Mein Telefon zum
Beispiel: Gehe ich einkaufen,
zeigt es mir das Memo - das
ist der Einkaufszettel. Eine
Spiele-App sorgt dafür, dass ich
mich nicht langweile. Im Zug
kann ich online Zeitung lesen.
Wenn ich eine SMS verfasse,
kann ich diese mit komischen
kleinen Zeichen verzieren, die
meine Gemütslage vermitteln
sollen. Natürlich kann ich auf
meinen Reisen allen zeigen,
wo ich gerade bin. Und mein
Telefon weist mir via Navigation
den Weg nach Hause. Letztlich
kann ich auch erfahren, wie das
Wetter in Honolulu ist. Nicht,
dass ich dort hin will, aber ist
das nicht interessant? Wohlgemerkt, es ist ein Telefon! Man
könnte ja die Kinder, die Freunde und Bekannten anrufen, mal
hören, wie es geht. Aber wann
ist es günstig? Man könnte gerade stören. Deshalb habe ich
meinem Sohn neulich eine SMS
geschickt. Wir haben hin und
her „gesimst“, bis mein Telefon
klingelte. Mein Sohn meinte,
wir könnten doch eigentlich
miteinander sprechen. Es wurde ein längeres, angenehmes
Gespräch. Mein Telefon kann
so viel. Aber das persönliche
Gespräch kann es mir nicht ersetzen.
7
Mein Tipp
... zum Frühjahrsputz
Wenn Sie diese Ausgabe
lesen, haben wir den
Winter überstanden und
der Frühjahrsputz steht
an. Alles muss raus –
und landet zumeist wieder in den Schränken.
Die Sachen sind doch
noch tragbar! Im
Keller stapelt sich
Omas Geschirr,
lagert die alte
Skiausrüstung,
rostet der Grill vor
sich hin. Ein neues
Wohnzimmer wäre
auch nicht verkehrt. Aber
wohin mit der noch brauchbaren Sitzecke, der Schrankwand und den
Leuchten?
Unter dem
Suchwort
„Sozialladen“
habe ich im Internet u.a.
das Sozialkaufhaus Fairkauf der USE
GmbH in der Goertzallee 311 und
den Socialladen in der Oberspreestraße 37 gefunden.
An Bedürftige werden dort kostenfrei
bzw. für einen geringen Preis gebrauchte
Möbel, Elektrogeräte, Kleidung, Spielzeug
und anderer Hausrat aus Wohnungsauflösungen und Spenden abgegeben. Ehrenamtliche Helfer holen Ihre Spenden auch
gerne bei Ihnen ab.
Annette Kunsch
STERNEN - Rätsel - ZEIT
Aus den unten angegebenen Silben sind Wörter mit folgenden Bedeutungen zu bilden:
Das Rätsel ist gelöst, wenn alle Silben richtig verwendet worden sind.
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
Worüber freut sich jede Katze der Tierhilfe?
Eingetragener Verein auf zwei Rädern:
Wo kann man Elektrogeräte wieder flott machen?
Wo kann man in Schöneweide die Berliner Industriekultur entdecken? Welches Hobby betreibt Dr. Wernicke?
Bis wann dauerten die Arbeiten am Flüchtlingsheim?
Welche Einrichtung vermittelt Tickets für kulturelle Veranstaltungen?
Neuer stellvertretender Bürgermeister im Bezirk Treptow-Köpenick:
Was fördert der Wikimedia e.V.? ar - ca - chel - dem - dus - ein - es - fé - fen - frei - ge - geln - ger - hei - hil - in - ja - klemm - kul - lo - lon - not - nu - pair
- re - sa - se - sen - strei - tan - ten - trie - tur - wis
Lösungen der letzten Ausgabe:
Friedliches Miteinander, United Games, Freiwilligendienst, Maracuene, Mediator, UNICEF, Zivilcourage, Dankeparty, TEA,
Frieden
Impressum Herausgeber: STERNENFISCHER Freiwilligenzentrum Treptow-Köpenick, Oberspreestr. 182, 12557 Berlin, Tel. 030-24 35 85 75, Fax 030-68 07 41 61, www.sternenfischer.org, www.facebook.com/STERNENFISCHER.Freiwilligenzentrum, STERNENFISCHER ist ein Projekt der Union Sozialer Einrichtungen gemeinnützige GmbH (USE gGmbH), Geschäftsführung USE gGmbH: Wolfgang Grasnick, Andreas Sperlich, V. i. S. d. P.:
Stefanie Wind, Leitung STERNENFISCHER, Chefredaktion: Sandra Holtermann (sh), Redaktion: Christiane Hartmann-Kraatz (chk), Andrea Paproth (ap), Fanny Schröder (fs), Annika Duft (ad), Franziska Pfeil (fp), Annette
Kunsch (ak), Marian Boger (mb), Stephan Schulte (ssch), Claudia Berlin (cb), Tel. 030-24 35 85 75, [email protected], Fotograf: Reginald Gramatté, Herstellung: Union Sozialer Einrichtungen gemeinnützige
GmbH (USE gGmbH). Gedruckt auf 100 Prozent chlorfrei gebleichtem Papier. Erscheinungsweise: quartalsweise, Auflage: 1.000 Stück, Redaktionsschluss der aktuellen Ausgabe: 18.02.2015, Hinweise: Namentlich
gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Spendenkonto: Union Sozialer Einrichtungen gemeinnützige GmbH, Konto-Nr. 3 165 909, Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 100 205 00),
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