Ares | eLexikon | Mythologie - Griechische Mythologie

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Ares 1'299 Wörter, 8'740 Zeichen
?Ares (lat. Mars), in der griech. Mythologie der Gott des Kriegs, ursprünglich wohl Gott des Sturmes, besonders des Gewitters,
nach andern freilich Gott der Sonne (Welcker) oder der Erde (H. D. Müller, Stoll, Wieseler). Ares ist der Sohn des Zeus und der Hera,
deren streitsüchtiger Sinn nach Homer auf ihn übergegangen ist in einem Maß, daß er nur am wilden Toben der Schlacht seine Lust
hat. Daher ist er den Göttern, besonders der Athene, als der Göttin des lichten Äthers, der Weisheit und Kunstübung, verhaßt.
Letztere ist auch in der Ilias seine Gegnerin und verwundet ihn. Dagegen ist er schon bei Homer Freund und Liebhaber der
Aphrodite. Im goldenen Waffenschmuck fährt er auf dem Kriegswagen, den ihm seine Söhne Deimos und Phobos (»Furcht« und
»Schrecken«) schirren, in die Schlacht, Eris (»Streit«) als Schwester und Freundin voran. Auch Enyo, die mordende Kriegsgöttin,
gehört zu des Ares Gefolge, der selbst auch unter dem Namen Enyalios verehrt wird. Er heißt der »Stürmische«, der »Feindliche«,
der »Gewaltige«. Er schreit gleichwie Poseidon, der Gott des heulenden Seesturmes, als er von Diomedes verwundet ist, so laut wie
9000 oder 10,000 Männer zusammen (»Ilias«, V, 860; vgl. XIV, 148). Auch in dem Vergleich (»Ilias«, V, 864 ff.):
Jetzo wie hoch aus Wolken umnachtetes Dunkel erscheiÂ-net,
Wenn nach der Schwül' ein Orkan mit brauÂ-sender Wut sich erhebet,
Also dem Held Diomedes erschien der eherne Ares ...
klingt die alte Naturbedeutung noch durch; desgleichen, wenn es heißt, daß ihn die Aloiden, Otos und Ephialtes (wohl
Personifikation von Bergriesen), lange gefesselt hielten, bis er durch Hermes (den Windgott) befreit wurde. Zweimal kämpfte Ares mit
Herakles, den Fall seines Sohns Kyknos zu rächen; einmal trennte sie Zeus mit seinem Blitz, das andre Mal verwundete Herakles,
von Athene unterstützt, den Ares. Aus Eifersucht verwandelte er sich in den Eber, welcher den Adonis, den Liebling der Aphrodite,
tötete.
Allein unter den Göttern nicht zur Hochzeit des Peirithoos eingeladen, erregte er den Kampf zwischen Lapithen und Centauren.
Da er Poseidons Sohn Halirrhothios, der seiner Tochter Alkippe Gewalt anthat, tötete, ward er von ersterm als Mörder verklagt, aber
freigesprochen. Sein Lieblingssitz war Thrakien, das Land der Stürme. In Kolchis hing das goldene Vlies im Hain des Ares an einer
Eiche; von da brachten die Dioskuren sein Bild nach Lakonien, wo es am Weg nach Therapne als Ares Thereitas (deutet vielleicht auf
Menschenopfer, wie sie dem spartanischen Ares beigelegt werden) verehrt wurde. In Sparta war auch dem Tempel des Poseidon
Hipposthenes gegenüber eine alte Bildsäule des Ares Enyalios in Ketten (»Mannhaftigkeit und Kriegsglück stets an Sparta
gefesselt!«) errichtet. Auch in Theben hatte er einen berühmten Kult. Hier soll nach Tümpel ( Ares und Aphrodite«, Leipz. 1880) seine
Verbindung mit der bewaffneten Aphrodite, einer Umbildung der Erinys, entstanden sein.
Als ihre Tochter galt Harmonia, nach andrer Sage auch Eros und Anteros sowie Priapos. In Athen war die alte Stätte des
Blutgerichts, der Areopag, nach ihm benannt. Sonst war sein Dienst in Griechenland nicht allgemein. Die Römer identifizierten den
Ares mit ihrem auch zum Kriegsgott gewordenen Mars (s. d.).
Vgl. H. D. Müller, Ares (Götting. 1848);
Stoll, Über die ursprüngliche Bedeutung des Ares (Weilb. 1855);
? Welcker, Griechische Götterlehre, Bd. 1, S. 415 ff.; Roscher, Apollon und Mars;
Voigt, Beiträge zur Mythologie des Ares und der Athene (»Leipziger Studien«, Bd. 4, S. 225 ff.).
Wie Ares im Kultus sehr zurücktrat, so ist er auch in der bildenden Kunst der Griechen weniger als andre Götter des Olymp
behandelt worden. Unter den verloren gegangenen Werken waren die Statue von Alkamenes im Arestempel zu Athen und der
sitzende Areskoloß des Skopas, welcher später nach Rom versetzt wurde, am meisten berühmt. Erhalten haben sich wenige größere
Monumente, das bedeutendste ist die Statue des sitzenden in der Villa Ludovisi zu Rom (vgl. Abbildung), welche der Kunstrichtung
des Lysipp angehört und den Gott in Liebesgedanken versunken, daher von Eroten (einer zu Füßen, ein zweiter früher neben der
linken Schulter) umspielt, darstellt.
Hier hat Ares einen dem Hermes verwandten, nur etwas derbern Typus, kurz gelocktes Haar und etwas kräftigere Formen als die
jugendlichern Götter Apollon, Dionysos und Hermes, ist aber, wie in der Zeit der reifen Kunst stets, unbärtig, während ihn die ältere
Kunst und später die römische ebenso konstant vollbärtig auffaßten. Unsicher ist die Deutung des gewöhnlich als Achill erklärten
Ares Borghese im Louvre, welcher stehend und nur mit dem Helm bekleidet dargestellt ist.
In der römischen Kunst erscheint Ares stets vollgerüstet und meist stehend; auf Münzen bezeichnet ein lebhafter Schritt den
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Gradivus, ein Legionsadler und andre Feldzeichen den Stator und Ultor (der sie dem Feind wieder abgewonnen), Viktorien, Trophäen
und Ölzweig den Victor und Pacifer. Sehr beliebt war die Gruppierung mit Aphrodite, welche statuarisch und in Wandgemälden gern
verwertet wurde; in römischer Zeit ist zur Rhea Silvia niedersteigend, öfters behandelt worden.
^[Abb.: Ares (Rom, Villa Ludovisi).]
Ende Ares
Quelle: Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte
Auflage, 1885-1892;1. Band, Seite 784 im Internet seit 2005; Text geprüft am 7.10.2008; publiziert von Peter Hug; Abruf am
13.1.2017 mit URL:
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