Instituto Superior Economia e Gestão(2014/2015)

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Instituto Superior Economia e Gestão(2014/2015)
Erasmus Erfahrungsbericht:Wintersemester 2014/15 an der Iseg (Instituto Superior de
Economia e Gestão) in Lissabon
Vorbereitung:
Im Februar 2014 erhielt ich die Nachricht, dass ich mein Wintersemester 14/15 an der Iseg
verbringen werde. Über die Stadt wusste ich vorher kaum etwas, habe nur von Bekannten gehört
das es eine der schönsten Städte Europas sein soll. Die Entscheidung, Lissabon als meine Erstwahl
für mein Auslandssemester auszuwählen war vor allem das schöne Wetter und die lauen Winter.
Der Bewerbungsprozess, die Annahme und Absprache der Kurse verliefen reibungslos da sowohl
das internationale Büro der Viadrina als auch das Erasmus Büro der Iseg sehr gut organisiert sind.
Zum Beispiel hat die Iseg mir meinen Stundenplan und die Login Daten für das Onlineportal der
Universität (Aquila) schon über einen Monat bevor das Semester begonnen hat zugeschickt. Auf
Fragen erhielt ich auch immer eine freundliche und auch schnelle Antwort. Im großen und ganzen
kann, wenn man sich an die Checkliste der Viadrina hält bei der Vorbereitung nicht viel
schiefgehen.
Meinen Flug habe ich zwei Wochen vor Beginn des Semesters gebucht. Über eine Wohnung habe
ich mich vorher nicht großartig informiert. Ich habe mir online ein Zimmer in einem Hostel gebucht
und wollte mich dann erst vor Ort um eine Wohnung kümmern. Für Direktflüge nach Lissabon
würde ich Erasmus Studenten vor allem die portugiesische Airline Tap empfehlen, da diese ein
weiteres Gepäckstück mit einem Gewicht von bis zu 10 kg kostenlos aufgeben können. Wer sehr
billig fliegen möchte, kann auch mit Ryan Air fliegen, die aber nicht von Berlin sondern von
Hamburg aus fliegen.
Außerdem sollte man viele Passfotos von sich selbst mitnehmen, da für jede ausgestellte Karte
(Metroausweis, Bibliotheksausweis, Erasmus Organisation Mitgliedskarten) ein Passfoto benötigt
wird.
Ankunft:
Da ich Anfang September noch gearbeitet habe, konnte ich erst 3 Tage vor dem Willkommenstag an
der Iseg nach Lissabon fliegen. Rückblickend war ich etwas spät dran, da die besten Wohnungen
schon weg waren und ich nicht mehr große Auswahl hatte. Deswegen waren die ersten Tage
stressig, vor allem da man nebenbei auch viele andere Kleinigkeiten ( SIM-Karte, Metroausweis) zu
erledigen hat. Außerdem muss man sich in einer komplett fremden Stadt erst mal zurecht finden
muss. Allen Neuankömmlingen empfehle ich am besten sofort ein Büro einer Erasmus Organisation
aufzusuchen. Da es viele Erasmus Studenten in Lissabon gibt, hat die Stadt auch 2 große Erasmus
Organisationen. Erasmus Student Network (ESN) und Erasmus Life Lisboa (ELL). Ich war immer
bei ELL aber beide Organisation sind sehr hilfsbereit und ein guter Ansprechpartner bei Problemen.
ELL war es dann auch die mir einen Termin zu einer Wohnungsbesichtigung vermittelt haben und
die ich dann auch gleich genommen habe.
Ansonsten war der Willkommenstag der Iseg gut organisiert. Es gab eine Begrüßungsveranstaltung,
eine Stadtrundfahrt und ein Abendessen, wo man automatisch viele andere Erasmus Studenten
kennengelernt hat.
Unterkunft:
Da ich, wie gesagt, recht spät dran war waren die Wohnungen mit dem besten PreisLeistungsverhältnis schon weg. In Lissabon ist es unter den Studenten üblich, in einer
Wohngemeinschaft mit mindestens drei Mitbewohnern zu wohnen. Meine Wohnung war ein
riesiges Apartment im vierten Stock in der ich mit 16 anderen Erasmus Studenten zusammen
gewohnt habe. Wir hatten insgesamt zwei Küchen und vier Badezimmer und jeder hatte sein
eigenes Zimmer. Der Vermieter der Wohnung war eine Organisation namens Erasmus Palace, die in
Lissabon auch viele weitere Wohnungen vermietet. Erasmus Palace hat auch in der Stadt mit
Plakatwerbung auf sich aufmerksam gemacht. Sie warben mit dem vielversprechenden Slogan
„Live Like a King“. Dieser Slogan bildet die Realität in keiner Weise ab. Wir hatten öfter Probleme
mit Elektrizität, WLAN und außerdem war die Einrichtung der Wohnung auf ein Minimum
reduziert. Des weiteren hatten wir öfter Probleme mit den Leuten, die zuständig für unsere
Wohnung waren, da diese öfter nicht zu erreichen waren.
Gut gefallen hat mir die Lage meiner Unterkunft. Ich habe im Stadtteil Santos gewohnt. Für mich
bedeutete das einen 5 minütigen Fußweg zur Iseg und außerdem Nähe zum Fluss Tejo. Abends ist
Santos ein Partyviertel. Die Anbindung zum Stadtverkehr war sehr gut. So hatte ich direkt bei mir
die Bahnhaltestelle Santos, von wo man relativ schnell zum Strand fahren kann. Das Leben mit 16
weiteren Erasmus Studenten stellte sich als sehr harmonisch heraus. Abgesehen von ein paar
kleineren Konflikten, die in einer WG immer auftreten, ist man gut miteinander ausgekommen.
Lebenshaltungskosten:
Frische Lebensmittel wie Fleisch und Gemüse bekommt man kostengünstiger als in Deutschland.
Vor allem bei den in Portugal produzierten Lebensmitteln wie Fisch und Wein konnte man einen
deutlichen Preisunterschied ausmachen. Bei allen anderen Supermarktartikel konnte man keinen
Preisunterschied ausmachen. Nur Drogerieartikel sind teurer als in Deutschland. Die Supermärkte
haben auch sonntags immer geöffnet.
Mieten sind ähnlich wie in Berlin. Preise liegen zwischen 250 € - 350 €. die meisten meiner
Kommilitonen haben über 300 € bezahlt. Wenn man wirklich günstig leben will, sollte man sich mit
den Einheimischen verständigen, die noch alte Mietverträge besitzen. Da ist es möglich ein
Schnäppchen zu bekommen.
Vom Preis-Leistungsverhältnis war die WTF SIM-Karte sehr gut. Der erste Monat ist kostenlos und
man erhält zum Preis von 7.50 € 500 MB Internet und 500 Freiminuten jeden Monat, womit ich
immer gut hingekommen bin.
Das Metroticket kostet im Monat 36 € und ist somit recht teuer, da es keinen Rabatt für Studenten
gibt. Man hat hier auch Einschränkungen z.B. gilt das Ticket nicht für die Fähre oder bestimmte
private Buslinien und auch nicht bis in die Vororte Carcavelos und Cascais.
Für die Sportinteressierten gibt es dort auch günstige Fitnessstudios vergleichbar mit MC Fit in
Deutschland. Ich war in dem Fitnessstudio der Universidade de Lisboa für 30 € im Monat.In dem
Preis ist auch die Nutzung eines Schwimmbades enthalten.
Studium an der Gasthochschule
Die Fakultät Iseg gehört zur größten Universität Portugals, der Universidade de Lisboa. Der
Campus der Universidade de Lisboa liegt allerdings bei der Metrostation Cidade Universitaria, die
ungefähr 30 Minuten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von der Iseg entfernt ist.
Das Studium ist unterschiedlich zu dem an der Viadrina. Die Kurse sind kleiner und finden in
kleinen Räumen mit nicht mehr 30-50 Leuten statt. Deswegen sollte man auch früh die Kurse
wählen und absprechen, da es passieren kann, dass Kurse voll sind. Durch die kleineren Kurse hatte
man ein persönlicheres Verhältnis zu dem Professor und konnte auch mehr Fragen stellen. Vom
Unterrichtniveau und vom Arbeitsaufwand ist die Iseg nicht schwerer als die Viadrina. Manche
Kurse sind praktischer angelegt mit Projektarbeiten und Vorträgen. Die Klausurenphase ist
unterteilt in eine Haupt- und eine Wiederholungsphase. Alle Studenten, die die erste Klausur nicht
bestehen oder ihre Note verbessern wollen haben die Möglichkeit die Klausur gegen eine Gebühr
von 15 € nachzuschreiben. Das Notensystem in Portugal erstreckt sich von 1-20 Punkte. Die
Umrechnungstabelle der Viadrina sieht eine 1.0 ab 17 Punkten vor, was ich sehr fair finde, da es
sehr schwer ist mehr als 17 Punkte in einem Kurs zu erreichen.
Alle die ein wenig Portugiesisch lernen wollen, empfehle ich einen Sprachkurs an der Iseg für 50 €.
Andere Möglichkeiten, Portugiesisch zu lernen, bieten sich nicht so viele da man mit den meisten
Studenten Englisch redet.
Alltag und Freizeit
Lissabon bietet viele Freizeitmöglichkeiten für jeden Geschmack. Schon allein wenn man sich bei
den Erasmus Organisationen anmeldet, bekommt man ständig neue Infos für Unternehmungen. So
werden Ausflüge, Dinner und Partys angeboten, die eine gute Möglichkeit bieten, andere Erasmus
Studenten kennenzulernen.
Vor allem würde ich jedem kommenden Studenten raten, an dem von der Studentenverbindung der
Iseg organisierten Ausflug an die Algarve teilzunehmen.
Generell gibt es viele Erasmus Gruppen bei Facebook. Zum Beispiel auch eine Gruppe, die 2-3mal
wöchentlich Fußball und Basketballspiele organisiert. Wer surfen lernen möchte, kann für 10 € am
Strand von Carcavelos eine Surfstunde nehmen.
In Lissabon ist vieles zu Fuß zu erreichen, doch muss beachtet werden, dass die Stadt auf sieben
Hügeln gebaut wurde. Somit kommt man durch die vielen stark ansteigenden Straßen leicht ins
Schwitzen. Der Vorteil daran ist, dass es dadurch auch sehr viele schöne Aussichtspunkte
(portugiesisch: Miradouro) über die ganze Stadt gibt.
Für Kulturbegeisterte gibt es viele Museen und Sehenswürdigkeiten. Vor allem der Stadtteil Belem
ist bei Touristen sehr beliebt.
Zentrum des Nachtlebens, zumindest bis zur Sperrstunde um 3 Uhr am Wochenende, ist das Viertel
Bairro Alto. Dort sind fast jeden Abend die Straßen voller Leute, die sich das eine oder andere
Getränk gönnen.
Meine persönlichen Highlights der Sehenswürdigkeiten sind die Jesusstatue auf der anderen Seite
des Tejos und der Cabo da Roca (der westlichste Punkt des europäischen Festlands).
Auch der Ort Sintra mit seinen vielen Schlössern ist sehenswert.
Mit Sporting Lissabon und Benfica Lissabon stellt die Stadt zwei der besten Fußballclubs aus
Portugal, die regelmäßig in der Uefa Champions League oder der Europa League vertreten sind. Ich
fand beide Stadien sehr schön. Die Stimmung war jedoch bei Sporting Lissabon besser.
Für Ausflüge außerhalb Lissabon gibt es das Busunternehmen Rede Expressos, mit dem man relativ
preisgünstig das ganze Land entdecken kann.
Lohnenswert ist ein Wochenende in Porto oder in Coimbra.
Wer essen gehen möchte, sollte vor allem in die typischen portugiesischen Restaurants gehen, in
denen man vermehrt Einheimische trifft. Ein Hauptgericht kostet dort um die 6 €. Außerdem kann
man in der Nähe vom Martim Moniz sehr billig chinesisch essen gehen.
Eine Umstellung im Alltag stellt die Mentalität der Portugiesen dar. So muss man in fast allen
Geschäften und Supermärkten mehr Geduld aufbringen als in Deutschland. Auch kann es passieren,
dass am frühen Abend in einem Restaurant die Küche noch nicht geöffnet hat.
Fazit:
Insgesamt war mein Erasmus Semester eine tolle Erfahrung in einer der schönsten europäischen
Städte. Die Menschen dort sind alle sehr freundlich und entspannt. Außerdem konnte ich durch das
tägliche Sprechen von Englisch meine Kenntnisse verbessern. Nachdem mein Auslandssemester
beendet war, habe ich noch eine kleine Reise durch Portugal und Spanien unternommen. Von den
von mir besuchten Städten hat mir Lissabon am besten gefallen. Schlechte Erfahrungen habe ich
keine gemacht und ich habe auch nicht einen Moment bereut, nach Lissabon gegangen zu sein.