HWA Werre - Bezirksregierung Detmold

Transcription

HWA Werre - Bezirksregierung Detmold
Staatliches Umweltamt
Minden
Hochwasser-Aktionsplan Werre
Herford – Hochwasser Februar 1946
Erläuterungsbericht
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 1
Inhalt
Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
1
Anlass und Ziel(e) des Hochwasser-Aktionsplans
1.1
2
3
4
Aufbau des Berichts
Aktionsplangebiet
8
11
13
2.1
Politische Gliederung
13
2.2
Einzugsgebiet
13
2.3
Gewässerunterhaltung
16
2.4
Gewässerentwicklungskonzept
16
2.5
Gewässerstrukturgüte
17
2.6
Schutzgebiete
17
2.7
Hydrologie, Hydraulik, Hochwasserverhalten
17
2.8
Stauanlagen
20
2.9
Modelltechnik
20
2.10
Abflusskurven
24
2.11
Historische Ereignisse
25
2.12
Historische Hochwasserschutzplanungen
29
Allgemeine Bestandsaufnahme
29
3.1
Überschwemmungsgebiet (ÜG)
29
3.2
Empfindliche Hochwasserabflussgebiete
30
3.3
Allgemeine hochwasserrelevante Daten
32
3.4
Hochwasserschadenspotenzial
32
Allgemeine Maßnahmen
62
4.1
Schutzziel
62
4.2
Allgemeine Maßnahmen im Einzugsgebiet
63
4.3
Allgemeine kommunale Maßnahmen
76
4.4
Auswirkungen der Maßnahmen auf den Hochwasserabfluss
83
4.5
Schadensminderung durch Hochwasserschutzmaßnahmen
83
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
5
6
7
Kommunen
Seite 2
93
5.1
Hochwasser-Aktionsplan Bad Oeynhausen
5.2
Hochwasser-Aktionsplan Löhne
107
5.3
Hochwasser-Aktionsplan Kirchlengern
120
5.4
Hochwasser-Aktionsplan Bünde
124
5.5
Hochwasser-Aktionsplan Hiddenhausen
130
5.6
Hochwasser-Aktionsplan Herford
133
5.7
Hochwasser-Aktionsplan Bielefeld
146
5.8
Hochwasser-Aktionsplan Bad Salzuflen
149
5.9
Hochwasser-Aktionsplan Lage
161
5.10
Hochwasser-Aktionsplan Detmold
167
5.11
Hochwasser-Aktionsplan Lemgo
173
Zusammenfassung und Ausblick
93
184
6.1
Maßnahmen
186
6.2
Ausblick
189
Verzeichnis der Quellen
191
7.1
Vorträge
193
7.2
Internet-Ressourcen
193
7.3
Kartenwerke
194
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 3
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNG 1:
HERFORD HW1946, W ERRE AEO 871 KM²
ABBILDUNG 2:
LANDNUTZUNG IM EINZUGSGEBIET [DATENERHEBUNG
STAWA, 1987)]
15
ABBILDUNG 3:
W IRTSCHAFTSZWEIGE IM EINZUGSGEBIET
16
ABBILDUNG 4:
EINFLUSS DER GESCHWINDIGKEIT AUF DEN
BEOBACHTETEN W ASSERSTAND
24
ABBILDUNG 5:
PEGEL HERFORD HANSASTRAßE
26
ABBILDUNG 6:
HERFORD POSTAMT, 1946
27
ABBILDUNG 7:
HERFORD EISENBAHNLINIE, 1946
27
ABBILDUNG 8:
DETMOLD 1998
28
ABBILDUNG 9:
EMPFINDLICHES HOCHWASSERABFLUSSGEBIET
31
ABBILDUNG 10:
HOCHWASSERSCHUTZ UND ÖKOLOGISCHE
VERBESSERUNG
32
VERFAHREN ZUR ERMITTLUNG VON
HOCHWASSERSCHÄDEN
35
SCHADENSFUNKTIONEN VON PRIVATEN W OHNHÄUSERN
NACH SCHLÜSSEL-NR. HOWAS
44
SCHADENSFUNKTIONEN NACH RÄUMLICHER GLIEDERUNG
(ATKIS)
45
SCHADENSFUNKTIONEN NACH WIRTSCHAFTLICHER
GLIEDERUNG (LDS)
46
ABBILDUNG 15:
SCHADENSFUNKTIONEN FÜR KRAFTFAHRZEUGE
47
ABBILDUNG 16:
BERECHNUNGSMENÜ DES PROGRAMMS HWS-GIS
(HYDROTEC GMBH)
49
METHODE DER SCHADENSERMITTLUNG ÜBER
SCHADENSFUNKTIONEN
50
AUSZUG AUS DER ERGEBNISTABELLE DER
SCHADENSBERECHNUNG
50
ABBILDUNG 19:
BEISPIEL FÜR ATKIS-DLM 25-DATEN IN ARCVIEW
51
ABBILDUNG 20:
VERTEILUNG DER ANZAHL, VERMÖGEN UND SCHÄDEN
(HQ100) IM GESAMTGEBIET
58
ABBILDUNG 11:
ABBILDUNG 12:
ABBILDUNG 13:
ABBILDUNG 14:
ABBILDUNG 17:
ABBILDUNG 18:
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
8
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
ABBILDUNG 21:
Seite 4
ABFLUSSKURVE BESTAND – POTENTIELL NATURRAUER
ZUSTAND
68
VORLAND-AUFHÖHUNG PETERSHAGEN/W ESER SEIT 1971
(30 JAHRE)
72
ABBILDUNG 23:
PROFILPFLEGE IN ORTSLAGEN
79
ABBILDUNG 24:
FREIBORD
82
ABBILDUNG 25:
SCHADENSWAHRSCHEINLICHKEIT MIT UND OHNE
MAßNAHMEN
86
ABBILDUNG 26:
PREUßISCHE URAUFNAHME 1837
94
ABBILDUNG 27:
BESEITIGUNG VON AUFLANDUNGEN UND BEWUCHS
101
ABBILDUNG 28:
ELSEREGULIERUNG IN BÜNDE, 1926
125
ABBILDUNG 29:
HW JULI 1927
137
ABBILDUNG 30:
BREITE STRAßE UW, GEHÖLZBEWUCHS BEHINDERT DEN
ABFLUSS
165
AUSSCHNITT BESTANDSLÄNGSSCHNITT LAGE
165
ABBILDUNG 22:
ABBILDUNG 31:
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Seite 5
Tabellenverzeichnis
TABELLE 1:
MITTLERE ABFLÜSSE
15
TABELLE 2:
OBERIRDISCHE EINZUGSGEBIETE W ERRE
15
TABELLE 3:
BEMESSUNGSABFLÜSSE W ERRE [HYDROTEC/STUA
MINDEN, (2000/2001)]
21
TABELLE 4:
GRUNDLAGENERHEBUNG
22
TABELLE 5:
UMSCHLÜSSELUNGSREGELN (MITTELWERTE) VON LDSZU ATKIS DLM 25-W IRTSCHAFTSSEKTOREN
40
TABELLE 6:
GRÖßENKLASSEN OBJEKTE
41
TABELLE 7:
SCHADENSFUNKTIONEN NACH OBJEKT-NUTZUNGSARTEN
44
TABELLE 8:
SPEZIFISCHE SCHÄDEN AN LAND- UND
FORSTWIRTSCHAFTLICHEN NUTZFLÄCHEN
47
TABELLE 9:
SPEZIFISCHE SCHÄDEN AN DER INFRASTRUKTUR
48
TABELLE 10:
SCHADENSPOTENZIALE JE GEMEINDE INNERHALB
NATÜRLICHER ÜBERSCHWEMMUNGSFLÄCHEN
55
GESAMTSCHÄDEN IM EINZUGSGEBIET NACH
DIFFERENZIERTER NUTZUNG
57
SCHÄDEN INNERHALB DER POTENZIELLEN
ÜBERSCHWEMMUNGSFLÄCHEN NACH ÜBERGEORDNETEN
NUTZUNGEN
59
SCHÄDEN INNERHALB DER POTENZIELLEN
ÜBERSCHWEMMUNGSFLÄCHEN
60
TABELLE 14:
EINFLUSSFAKTOREN RETENTION
63
TABELLE 15:
EINFLUSSFAKTOREN TALRETENTION
67
TABELLE 16:
SZENARIEN VOLUMENWIRKSAMER
HOCHWASSERSCHUTZMAßNAHMEN
84
SCHÄDEN MIT UND OHNE VOLUMENWIRKSAMER
HOCHWASSERSCHUTZMAßNAHMEN
85
MAßNAHMEN IN ABHÄNGIGKEIT VOM W ASSERSTAND AM
OBJEKT (WH)
88
KOSTEN UND SCHADENSMINDERUNG DURCH
VOLUMENWIRKSAMEN HOCHWASSERSCHUTZ
90
TABELLE 11:
TABELLE 12:
TABELLE 13:
TABELLE 17:
TABELLE 18:
TABELLE 19:
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
TABELLE 20:
Seite 6
KOSTEN UND SCHADENSMINDERUNG DURCH LOKALEN
HOCHWASSERSCHUTZ
91
TABELLE 21:
HOCHWASSERSCHADENSPOTENZIAL IN BAD OEYNHAUSEN
99
TABELLE 22:
SCHÄDEN INNERHALB DER POTENZIELLEN
ÜBERSCHWEMMUNGSFLÄCHEN
100
TABELLE 23:
KOSTENSCHÄTZUNG MAßNAHMEN BAD OEYNHAUSEN
106
TABELLE 24:
HOCHWASSERSCHADENSPOTENZIAL IN LÖHNE
112
TABELLE 25:
SCHÄDEN INNERHALB DER POTENZIELLEN
ÜBERSCHWEMMUNGSFLÄCHEN
112
TABELLE 26:
KOSTENSCHÄTZUNG MAßNAHMEN LÖHNE
119
TABELLE 27:
HOCHWASSERSCHADENSPOTENZIAL IN KIRCHLENGERN
122
TABELLE 28:
KOSTENSCHÄTZUNG MAßNAHMEN KIRCHLENGERN
124
TABELLE 29:
HOCHWASSERSCHADENSPOTENZIAL IN BÜNDE
128
TABELLE 30:
SCHÄDEN INNERHALB DER POTENZIELLEN
ÜBERSCHWEMMUNGSFLÄCHEN
128
TABELLE 31:
KOSTENSCHÄTZUNG MAßNAHMEN BÜNDE
130
TABELLE 32:
HOCHWASSERSCHADENSPOTENZIAL IN HIDDENHAUSEN
132
TABELLE 33:
KOSTENSCHÄTZUNG HIDDENHAUSEN
133
TABELLE 34:
HOCHWASSERSCHADENSPOTENZIAL IN HERFORD
141
TABELLE 35:
SCHÄDEN INNERHALB DER POTENZIELLEN
ÜBERSCHWEMMUNGSFLÄCHEN
141
TABELLE 36:
KOSTENSCHÄTZUNG MAßNAHMEN HERFORD – AA
144
TABELLE 37:
HRB KOMBINATIONEN DES W ERRE-W ASSERVERBANDES
145
TABELLE 38:
KOSTENSCHÄTZUNG MAßNAHMEN HERFORD – W ERRE
146
TABELLE 39:
HOCHWASSERSCHADENSPOTENZIAL IN BIELEFELD
148
TABELLE 40:
KOSTENSCHÄTZUNG MAßNAHMEN BRAKE
149
TABELLE 41:
HOCHWASSERSCHADENSPOTENZIAL IN BAD SALZUFLEN
156
TABELLE 42:
SCHÄDEN INNERHALB DER POTENZIELLEN
ÜBERSCHWEMMUNGSFLÄCHEN
156
TABELLE 43:
KOSTENSCHÄTZUNG MAßNAHMEN BAD SALZUFLEN
160
TABELLE 44:
W IRKUNG DER FIKTIVEN HRB PASSADE UND OBERE
BEGA, WWV
161
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Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 7
TABELLE 45:
HOCHWASSERSCHADENSPOTENZIAL IN LAGE
164
TABELLE 46:
KOSTENSCHÄTZUNG MAßNAHMEN LAGE
167
TABELLE 47:
HOCHWASSERSCHADENSPOTENZIAL IN DETMOLD
171
TABELLE 48:
KOSTENSCHÄTZUNG MAßNAHMEN DETMOLD
173
TABELLE 49:
HOCHWASSERSCHADENSPOTENZIAL IN LEMGO
177
TABELLE 50:
KOSTENSCHÄTZUNG MAßNAHMEN LEMGO
181
TABELLE 51:
W IRKUNG DER FIKTIVEN HRB PASSADE UND OBERE BEGA
- HWS W ERRE-W ASSERVERBAND HERFORD
183
TABELLE 52:
SCHADENSMINDERUNG DURCH RETENTION UND
LINIENSCHUTZ
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186
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
1 Anlass und Ziel(e) des Hochwasser-Aktionsplans
Außerordentliche Hochwasser sind Naturereignisse mit seltenen Wiederkehrintervallen. Sie werden für den Menschen zur Katastrophe,
weil sie in seinen Lebensraum eindringen.
Abbildung 1:
Herford HW1946, Werre AEo 871 km²
Auch heute noch gehen extreme Hochfluten über das Vorstellungsvermögen der meisten Menschen hinaus. Dieser Mangel führte und
führt zu falscher Siedlungspolitik und Sorglosigkeit, die häufig auch eine Vernachlässigung der Unterhaltung der Gewässer und der Bauwerke zur Folge hat.
Um die schädliche Auswirkung außergewöhnlicher Hochwasserereignisse auf Leben und Sachwerte zu vermeiden oder gering zu halten
sind vorbeugende Anstrengungen erforderlich: Vorhersage und Vorsorge.
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Seite 8
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 9
Zur Vorsorge zählen:
·
Technischer Hochwasserschutz wie: Gewässerausbau, Deichbau,
und Hochwasserrückhaltung (Maßnahmenvorsorge)
·
Dezentraler Hochwasserschutz
·
Ausweisung der Überschwemmungsgebiete (Flächenvorsorge)
·
Bauvorsorge (der Hochwassergefahr angepasste Bauweisen und
Nutzungen)
·
Verhaltensvorsorge (Alarmpläne, Übungen der Einsatzkräfte)
·
Risikovorsorge (Bildung von finanziellen Rücklagen)
Für diese Aufgaben ist die öffentliche Hand zuständig. Sie muss
·
die Hochwassergefahren erkennen,
·
Vorsorgemaßnahmen ergreifen und
·
ihre Wirksamkeit auf Dauer sicherstellen.
Die Aufgaben sind komplex, es gibt viele Beteiligte und unterschiedliche Zuständigkeiten. Für die großen Flüsse wurden nach den Rheinhochwasser 1993 und 1995 Aktionspläne aufgestellt. Kleinere Flussgebiete sollen folgen (Empfehlung der 53. Umweltministerkonferenz
der Länder zur Verbesserung des Hochwasserschutzes in Deutschland).
Ziele sind :
·
Minderung der Schadensrisiken
·
Minderung der Hochwasserstände
·
Verstärkung des Hochwasserbewusstseins und
·
Verbesserung der Hochwasserinformationen
Grundlage ist die HANDLUNGSEMPFEHLUNG ZUR ERSTELLUNG VON
HOCHWASSER-AKTIONSPLÄNEN der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser
(LAWA) 1999.
Seit 2000 werden in NRW für mittlere Flussgebiete Hochwasseraktionspläne erarbeitet. Das Staatliche Umweltamt Minden beauftragte
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Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
die Unterzeichner mit der Erarbeitung des Hochwasser-Aktionsplanes
Werre.
Der Plan beschreibt die Hochwassersituation, gibt Empfehlungen und
schlägt Maßnahmen vor. In Vorbesprechungen wurden die Maßnahmen mit den Beteiligten abgestimmt. Beteiligte im Werreeinzugsgebiet
sind:
1. Bezirksregierungen Detmold
2. Staatliches Umweltamt Minden
3. Staatliches Umweltamt Bielefeld
4. Kreis Minden-Lübbecke
5. Kreis Herford
6. Kreis Lippe
7. Stadt Bad Oeynhausen
8. Stadt Löhne
9. Gemeinde Kirchlengern
10. Stadt Bünde
11. Gemeinde Hiddenhausen
12. Stadt Herford
13. Stadt Bad Salzuflen (Gemeinde Leopoldshöhe)
14. Stadt Lemgo
15. Stadt Lage
16. Stadt Detmold
17. Werre-Wasserverband Herford
Tatsächliche Verbesserungen werden erreicht, wenn die Beteiligten
die vorgeschlagenen Maßnahmen in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich umsetzen.
Warum es Hochwasser gibt und wie es entsteht ist den Menschen erst
seit weniger als 300 Jahren bekannt. Vorher nahmen es manche wie
es kam, andere hielten es für Gottes Gericht, die Strafe für sündiges
Leben. Es gibt historische Aufzeichnungen über Hochwasser an Elbe,
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Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Rhein und Weser, die sintflutartige Ereignisse im 14., 15. und 16.
Jahrhundert bezeugen (HOCHWASSER ... VOR 1850, M. Schmidt 2000).
Weil Hochwasser ein kleiner Teilaspekt der Wasserwirtschaft ist, gibt
es wenige Fachleute. Dennoch melden sich nach jedem Ereignis viele
zu Wort, die glauben seine Ursache klar zu kennen und sie vor allem
in den Folgen der Zivilisation sehen: Klimaveränderung, Flächenversiegelung, Gewässerausbau.
Der Hochwasser-Aktionsplan dient vor diesem Hintergrund der Aufklärung und des nüchterneren Umganges mit Hochwasser.
1.1
Aufbau des Berichts
Akteure am Gewässer und in den überschwemmungsgefährdeten Flächen sind die Menschen. Durch Hochwasser werden sie selbst bedroht und sie schaffen Gefährdungspotential in Form von Gebäuden,
deren Einrichtungen und Betrieben, die sie in Gewässernähe errichtet
haben.
Sie beeinflussen das Abflussvermögen des Talquerschnittes durch
bauliche Anlagen und Bepflanzungen, sowohl im Vorland als auch am
Gewässer. Sie sind mental und verwaltungsmäßig in den jeweiligen
Kommunen verankert. Diese sind zuständig für die Gewässerunterhaltung, Träger für eventuelle bauliche Maßnahmen am Gewässer und
Ordnungsbehörde im Katastrophenfall.
Sowohl die Kreise als auch die Bezirksregierungen und Staatlichen
Umweltämter unterstützen die Kommunen, koordinieren die Maßnahmen und halten Messeinrichtungen vor. Im Katastrophenfall sind sie
personell und wegen der Größe ihrer Bezirke häufig nicht in der Lage,
an Ort und Stelle Hilfestellung zu leisten.
Daraus ist abzuleiten, dass der Hochwasser-Aktionsplan vor allem die
spezifische Situation der jeweiligen Kommune behandeln sollte und für
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Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
die Bürger einfache, nachvollziehbare und langfristig durchhaltbare
Regeln enthalten muss. Der Hochwasser-Aktionsplan Werre ist deshalb in zehn kommunale Aktionspläne aufgegliedert, die jeweils einen
allgemeinen Überblick enthalten und die Gewässerstrecke innerhalb
der Kommunalgrenze behandeln.
Zeitgleich lässt der Werre-Wasserverband als Träger des überörtlichen Hochwasserschutzes ein Hochwasserschutzkonzept (HWS) aufstellen, dass Grundlage seines künftigen Handelns sein wird und die
Untersuchung des Leichtweiß-Institutes, Braunschweig (LWI) aus dem
Jahre 1963 ablösen soll. In diesem Konzept wird die Notwendigkeit
und Machbarkeit weiterer Hochwasserrückhaltebecken (HRB) untersucht.
Hochwasserschutz durch HRB ist eine konzentrierende Maßnahme, in
der durch Volumenkontrolle unterhalb liegende Gebiete geschützt
werden, wobei mit zunehmender Entfernung von der Sperrstelle die
Wirkung abnimmt. Es ist ausreichender Rückhalteraum notwendig und
die Errichtung und der laufende Betrieb ist außerordentlich Verfahrens-, Kosten- und Zeit aufwendig. Daher hat der Verband Alternativen
betrachtet und in das Konzept mit aufgenommen. In beiden Projekten
waren die gleichen Bearbeiter tätig. Es hat ständig eine intensive Abstimmung und einen Austausch der Ergebnisse gegeben. Beide Projekte haben sich gegenseitig positiv beeinflusst.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 12
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
2 Aktionsplangebiet
2.1
Politische Gliederung
Gesamtfläche
=
1.481,6 km²
Flächenanteil NRW
=
1.289,0 km²
Flächenanteil Nds.
=
191,0 km²
Politische Verwaltungen in NRW:
Bezirksregierung Detmold mit:
o
Kreisfreie Stadt Bielefeld
o
Kreis Gütersloh
o
Kreis Herford
o
Kreis Lippe
o
Kreis Minden-Lübbecke
Politische Verwaltungen in Nds.:
Bezirksregierung Weser-Ems mit:
o
2.2
2.2.1
Landkreis Osnabrück
Einzugsgebiet
Naturraum
Das Einzugsgebiet ist Bestandteil des Weserberglandes. Es wird begrenzt durch die nordwestlichen Ausläufer des Mittelgebirges: Eggegebirge, Teutoburger Wald und das Wiehengebirge. Es enthält die
Landschaftsräume Lipper Bergland, Ravensberger Land und Teile des
Osnabrücker Landes (Else).
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Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 14
Das Abflussverhalten wird durch folgende Elemente geprägt:
Gewässernetz
Das Hauptgewässernetz ist mit den wichtigsten Siedlungsgebieten in
Anlage 1.2 dargestellt. Es ist nicht so weit gefächert, wie das der
Nethe und der Emmer und nicht so dicht wie das der Ems jenseits des
Teutoburger Waldes. Die Werre durchfließt das Einzugsgebiet bis
Löhne in nordwestlicher Richtung und biegt dann nach Nordosten ab.
Ihre Gesamtlänge beträgt 69 km.
Niederschläge
Die Niederschläge betragen durchschnittlich 755 mm/Jahr. Spitzenwerte bis 1200 mm/Jahr werden auf dem Kamm des Teutoburger
Waldes gemessen (Veldrom).
Boden/Geologie
Löß bedeckt weite Teile des Einzugsgebietes und wird von den Gewässern
zu Tal transportiert. Aus dem Gebirgsmaterial Sandstein, Keuper und Kalk
besteht das Geschiebe, das Bettmaterial. Aa und vor allem Else liefern in
größeren Mengen Sand, der nach Hochwasser auf den Uferböschungen und
auf den Vorländern deutlich sichtbar ist.
Bodennutzung1
Zur Bodennutzung können folgende Angaben gemacht werden:
Landwirtschaftl. Nutzfl.
59,2 %
Wald
15,6 %
Freifläche (58,6 + 265,9 * 0,7)
19,0 %
versiegelte Fläche (265,9 * 0,3)
1 Rahmenplan Werre 1987 Tab. 3
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6,2 %
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Landwirtschaftl. Nutzfl.
Wald
Freifläche
Versiegelte Fläche
Landnutzung Werre
Abbildung 2:
Seite 15
Landnutzung im Einzugsgebiet [DATENERHEBUNG STAWA, 1987)]
Die aus diesen klimatischen, topographischen, geologischen und anthropogenen Verhältnissen entstehenden Abflüsse werden an der Werre an mehreren
gewässerkundlichen Landespegeln beobachtet und gemessen. Für den Pegel
2
Löhne (AEo = 1335 km ) macht das zuständige StUA Minden folgende Angaben (Jahresreihe 1983/1993)2:
Tabelle 1:
Mittlere Abflüsse
Abflussspende
l/s/km²
mittl. Niedrigwasser MNq
3,3
Mittelwasser
13,3
Die Werre hat drei große Zuflüsse:
Tabelle 2:
Gebiets-
Oberirdische Einzugsgebiete Werre
Werre
Else
Aa
Bega
46
466
464
462
1.481,6 km²
414,6 km²
254,5 km²
375,6 km²
kennzahl
Einzugsgebietsgröße
2 Gewässerkundliches Jahrbuch 1993
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
2.2.2
Wirtschaftszweige
59 % des Gewerbes im Einzugsgebiet fällt der produzierenden Industrie zu. Den Großteil stellt die Metallverarbeitende Industrie, gefolgt von
der Holzverarbeitenden. Dieses Diagramm wird sich in Zukunft anders
aufteilen. Das Dienstleistungsgewerbe(35 %) wird im Gegensatz zu
dem produzierenden Gewerbe und der Land- und Forstwirtschaft(6 %)
zunehmen.
Land- und Forstwirtschaft
Produzierendes Gewerbe
Dienstleistungsgewerbe
Abbildung 3:
2.3
Wirtschaftszweige im Einzugsgebiet
Gewässerunterhaltung
Die Gewässerunterhaltung obliegt den Kommunen, mit Ausnahme der
Gewässerstrecken innerhalb der Hochwasserrückhaltebecken, hierfür
ist der Werre-Wasserverband Herford zuständig. Die Unterhaltung ist
stark von der finanziellen Situation und der personellen Besetzung der
einzelnen Kommunen abhängig, so dass die Zustände der Gewässer/Gewässerabschnitte stark differieren.
2.4
Gewässerentwicklungskonzept
Ein durchgehendes Konzept zur naturnahen Entwicklung wird zur Zeit
erarbeitet. In einem solchen Konzept werden u.a. Maßnahmen zur naturnahen Entwicklung vorgeschlagen. Diese Maßnahmen können die
Hochwassersituation der Anlieger verschlechtern. Einschränkungen,
die bei der naturnahen Entwicklung gemacht werden müssen, sind im
Kapitel Gewässerunterhaltung unter den allgemeinen kommunalen
Maßnahmen beschrieben.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 16
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
2.5
Gewässerstrukturgüte
Als Grundlage für Gewässerentwicklungskonzepte wurde eine Gewässerstrukturgütekartierung durchgeführt. In dem Anhang sind die
Ergebnisse der Gewässerstrukturkartierung dargestellt [BR DETMOLD,
(2000)].
2.6
Schutzgebiete
In dem Einzugsgebiet der Werre liegen zahlreiche Schutzgebiete. Diese sind Naturschutzgebiete, Wasserschutzgebiete und neu auszuweisende FFH-Gebiete3. Sie sind zur Übersicht in der Anlage 1.5 dargestellt (FFH-Gebiete als Entwurf).
2.7
2.7.1
Hydrologie, Hydraulik, Hochwasserverhalten
Gewässer und Hochwasserverhalten
Das Niederschlags-Abflussverhalten ist von dem lebhaften Relief und
den überwiegend bindigen Böden des Einzugsgebietes, geprägt. Die
Abflusskonzentration erfolgt rasch, je nach Vorbodenfeuchte kommen
große Anteile des Niederschlages zum Abfluss und füllen die Täler bis
in die Bebauung hinein. Außergewöhnlich ausgedehnte Talräume besitzen die Else, die in einem urzeitlichen Weserbett fließt und die Bega.
Wegen der Größe des Einzugsgebietes springt die Werre außergewöhnlich nur bei flächendeckend, langanhaltend fallenden Starkniederschlägen an – siehe auch 2.11 Historische Ereignisse. Die Überlagerung der Hochwasserwellen der Else, der Aa, der Bega und der
Oberen Werre wird dabei nicht immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Durch das Ziehen der Regenfronten, die die Belastungen bei
3 Flora-Fauna Habitat-Richtlinie, Schutzgebiete nach EU-Regelung
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 17
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
jedem Ereignis verschieden ausfallen lassen, können im Verlauf der
Werrestrecke ungünstige aber auch günstige, d.h. zeitversetzte Scheitelüberlagerungen eintreten. Erfahrungen aus Pegelaufzeichnungen
liegen nur eingeschränkt vor. Beim Dezemberhochwasser 1986 eilte
der Werre Scheitel in Löhne dem der Else um rund 12 Stunden voraus, obwohl das Einzugsgebiet der Werre mehr als doppelt so groß
wie das der Else ist (AEo=914,9 km²/414,6 km²). Hier wirkt sich die
Trägheit der Else mit ihren ausgeprägten Retentionsräumen aus, die
in Kirchlengern auf die schnellere Werre trifft.
Mit 6,2 % ist das Einzugsgebiet gering versiegelt. Im Gesamtverhalten
des Werregebietes tritt dadurch bei Extremereignissen keine Verschärfung ein.
Teilgebiet Else, AEo=414,6 km²
Das Einzugsgebiet der Else hat einen kompakten Grundriss. Parallel
zur Else, die das Gebiet mittig durchläuft, verlaufen die Höhenrücken
Teutoburger Wald und Wiehengebirge. Am eigentlichen Kopfende westlich von Melle – ist praktisch kein Höhenrücken vorhanden. Hier
herrscht ein fast reliefloser Übergang zum Einzugsgebiet der Hase,
weswegen hier auch die seltene Einrichtung einer Bifurkation vorhanden ist. Hintergrund dieser topografischen Situation ist, dass die Else
auf der urzeitlichen Wesertrasse verläuft. Die Weser floss hier entlang, bevor die Öffnung der Porta Westfalica entstand. Durch die geringere Reliefenergie und die ausgedehnten Überschwemmungsflächen, die Talbreiten bis 1.500 m aufweisen, reagiert die Else gedämpft.
Teilgebiet Aa, AEo=254,5 km²
Das Aa-Einzugsgebiet ist in Fließrichtung gesehen gedrungen. Nach
10 km Laufstrecke - von Herford bis zum Zusammenfluss von Johannisbach und Lutter - beginnt ein dichtes Gewässernetz, das die Abdachung des Teutoburger Waldes entwässert. Schwerpunkt an diesem
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Seite 18
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oberen Ende des Einzugsgebietes ist das Siedlungsgebiet Bielefeld.
Diese Konstellation erzeugt ein Hochwasserpotential, das in Herford
doppelt so hohe Spenden erzeugt wie an der Else in Kirchlengern.
Teilgebiet Bega, AEo=375,6 km²
Zur Beschreibung des Teilgebietes Bega muss man das der Salze
außer acht lassen. Sie mündet 350 m oberhalb der Begamündung in
die Bega. Ohne das Salzegebiet ist der Bega-Gebietsgrundriss länglich. Der Rand des Einzugsgebietes erreicht die stark reliefierten Regionen des Lipper Berglandes und des Detmolder Hügellandes. Aber
ihr sehr dünnes Gewässernetz und die in den nachfolgenden Abschnittsbeschreibungen dargestellten ausgedehnten Retentionsräume
der Täler, erzeugen an der Bega eine behäbige Hochwasserreaktion
auf Niederschläge. Obwohl das Niederschlagsgebiet das 1,85-fache
der benachbarten Werre hat, sind die Hochwasserabflussspenden
Hq100 nur halb so hoch.
Teilgebiet Obere, Werre AEo=202,5 km²
Mit Oberer Werre ist hier das Teilgebiet oberhalb der Einmündung
Bega gemeint. Das Einzugsgebiet ist schmal und länglich, so dass für
weite Teile die Werre als Saumfluss bezeichnet werden kann, die die
Abdachungsgewässer vom Teutoburger Wald aufnimmt. Oberhalb
Lage ist das Relief außerordentlich lebhaft und umfasst die höchsten
Höhen des Teutoburger Waldes und nördlich die Bereiche des Detmolder Hügellandes. Obwohl allgemein eine derartige Einzugsgebietsform als Hochwasser dämpfend bezeichnet wird, hat die Werre deutlich höhere Abflüsse als die benachbarte Bega, deren Einzugsgebietsform und Gewässernetz für die Hochwasserkonzentration theoretisch
eher als ungünstig bezeichnet wird. Für die hohen Abflussspenden der
Oberen Werre sind auch die höheren Niederschläge verantwortlich,
die entlang des Gebirgskammes abregnen.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 19
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
2.7.2
Pegel und Niederschlagsmessstellen
Anlage 1.2 zeigt die Übersicht der zur Verfügung stehenden Niederschlags– und Pegelmessstellen.
2.8
Stauanlagen
Im Verlauf der Gewässerstrecken liegen mehrere Stauanlagen. Größtenteils werden sie nicht mehr zur Wasserkraftgewinnung genutzt. Ihr
Einfluss auf den Hochwasserspiegel kann den Spiegellängsschnitten
entnommen werden. Besonderheiten werden in den Abschnittsbeschreibungen der Kommunen dargestellt.
2.9
Modelltechnik
Zur flächendeckenden Ermittlung der Abflüsse und Wasserstände vor
allem für Hochwasser wurde die Werre modelltechnisch bearbeitet:
·
Abflüsse mit dem N-A-Modell LWANAS
·
Wasserspiegellagen mit dem WSP-Programm
WSPLWA/WSPWIN
Für die Bearbeitung des HWS (Werre-Wasserverband Herford) und
des Hochwasser-Aktionsplanes Werre (StUA Minden) wurden beide
Modelle aktualisiert. Auszugsweise werden die Hochwasserabflüsse
angegeben:
2.9.1
N-A-Modell LWANAS
Das N-A-Modell wurde 1989 vom StUA Minden aufgestellt. Im Auftrag
des Werre-Wasserverbandes Herford überarbeitete Hydrotec Aachen
1999 bis 2000 das Modell. Für die Katastrophenvariante HQ5000 lieferte
das StUA Minden 2001 die Abflüsse. Folgende Abflussangaben HQ2
bis HQ5000 stellen den Stand 2000/2001 dar. Es sind jeweils die
Höchstwerte aus den Simulationen Winter-/Sommerereignis aufge-
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 21
führt.
Tabelle 3:
TG Nr.
NASIM
U9980
U9950
U9900
U9300
U9150
U9100
U7800
U7300
U7100
U7309
U5950
U5900
U5350
U5300
U5300
U5250
U5101
U5100
O9980
O9970
O9960
O9950
O9930
O9920
O9900
O9500
O9300
O9100
O7960
O7940
O7920
O7100
O5000
O3900
O3100
O1980
O1960
O1940
O1920
O1300
O1120
Bemessungsabflüsse Werre [Hydrotec/StUA Minden, (2000/2001)]
AEo
km²
1485.1
1483.0
1450.2
1435.9
1427.7
1414.5
1342.1
1338.4
1334.7
1338.4
914.9
910.4
894.1
888.8
888.8
873.5
865.3
610.0
605.9
600.7
594.9
590.8
580.3
203.0
201.6
190.7
185.3
169.0
137.1
132.5
126.3
120.7
105.5
93.3
81.0
32.6
31.0
30.0
25.6
16.1
9.9
2.9.2
HQ2
Hq2
HQ5
Hq5
m³/s l/s/km² m³/s l/s/km²
242.4
163 275.00
185
242.4
163 274.77
185
235.7
162 267.11
184
231.1
161 262.03
182
229.5
161 260.31
182
227.2
161 257.77
182
223
166 253.22
189
222.7
166 252.93
189
222.1
166 252.22
189
222.7
166 252.93
189
148.7
163 174.76
191
148.60
163 174.69
192
148.1
166 174.20
195
148.8
167 175.04
197
148.8
167 175.04
197
148.2
170 174.35
200
147.9
171 173.94
201
89.20
146 105.76
173
88.82
147 105.35
174
88.50
147 104.94
175
88.21
148 104.56
176
87.90
149 104.19
176
86.97
150 103.04
178
47.18
232 55.45
273
47.24
234 55.52
275
46.18
242 54.13
284
45.79
247 53.61
289
22.97
136 38.06
225
19.94
145 32.94
240
19.66
148 32.45
245
19.00
150 31.40
249
18.28
151 30.20
250
16.81
159 27.55
261
16.05
172 25.89
277
14.92
184 23.62
292
7.22
221 10.81
332
6.83
220 10.31
333
6.67
222 10.04
335
5.88
230
8.80
344
3.86
240
5.75
357
2.52
255
3.73
377
HQ10
Hq10
m³/s l/s/km²
329.04
222
328.76
222
320.92
221
315.70
220
314.22
220
312.33
221
307.33
229
306.94
229
306.30
229
306.94
229
220.51
241
220.80
243
220.40
247
221.87
250
221.87
250
221.10
253
220.66
255
132.84
218
132.38
218
131.87
220
131.71
221
131.28
222
129.65
223
69.84
344
69.92
347
67.87
356
67.05
362
53.49
317
46.00
336
45.24
341
43.78
347
42.15
349
38.26
363
35.72
383
32.41
400
14.70
451
14.06
454
13.69
456
11.98
468
7.82
486
5.09
514
HQ20 Hq20
m³/s l/s/km²
407.06
274
406.73
274
397.09
274
390.33
272
388.25
272
385.73
273
378.77
282
378.35
283
377.59
283
378.35
283
273.72
299
278.98
306
278.54
312
282.19
318
282.19
318
281.03
322
280.47
324
163.23
268
162.67
268
161.79
269
161.89
272
161.30
273
158.70
273
90.04
444
90.46
449
87.41
458
86.17
465
66.99
396
57.58
420
56.69
428
54.91
435
52.89
438
48.04
455
44.97
482
41.01
506
19.13
587
18.33
591
17.85
595
15.62
610
10.15
630
6.66
673
HQ50
Hq50 HQ100
m³/s l/s/km² m³/s
428.60
289 505.98
428.04
289 506.28
414.65
286 493.74
409.71
285 488.77
407.41
285 486.6
403.37
285 481.97
381.39
284 457.82
439.55
328 491.32
438.82
329 490.14
380.00
284 457.38
319.08
349 354.76
325.15
357 365.96
324.26
363 364.69
327.93
369 368.66
327.93
369 368.66
326.43
374 366.70
325.53
376 365.52
186.43
306 207.11
185.68
306 206.23
184.54
307 205.09
184.25
310 204.74
183.53
311 203.91
180.28
311 200.40
105.85
522 120.68
106.28
527 121.20
102.68
538 117.24
101.16
546 115.59
86.97
515 104.29
74.73
545 89.14
73.90
558 88.62
71.58
567 85.83
68.91
571 82.50
62.81
595 74.92
59.35
636 70.39
54.16
669 64.57
25.08
769 30.15
24.07
776 28.95
23.43
781 28.17
20.49
800 24.63
13.32
827 15.98
8.69
878 10.39
WSP-Programm WSPLWA
Die Wasserspiegellagenberechnung wurde mit dem Programmsystem
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Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 22
HYDRA (Knauf, Darmstadt) durchgeführt. HYDRA wird von der Wasserwirtschaftsverwaltung des Landes NRW unter dem Namen
WSPLWA/WSPWIN als Prüfprogramm und für eigene Berechnungen
benutzt.
Das
Berechnungsverfahren
simuliert
das
Abfluss-
Wasserstand-Verhalten in einem Gerinne, das aus den Talquerprofilen und deren Abständen gebildet wird. Seine Rauheiten werden entweder durch den „Strickler-Parameter“ kSt oder der äquivalenten
Sandrauheit und Bewuchsparameter dargestellt. Die jeweiligen Profile
sind in der Regel ungleich und der Abfluss von Profil zu Profil ändert
sich über die Zeit nicht. Der Abfluss ist somit stationär ungleichförmig.
Die Strömungsrichtung ist eindimensional. Das Programmsystem
HYDRA ist für die gegebene Aufgabenstellung gut geeignet. Auf eine
detaillierte Beschreibung wird hier verzichtet.
Die Berechnungsabschnitte entsprechen in der Regel den Transportstrecken der N-A-Modellierung. Den Lageplänen kann die Teilgebietseinteilung und die Lage der Querprofile entnommen werden.
Das Grundmodell Werre und Bega basiert auf einer Modellierung des
ehemaligen Landesamtes für Wasser- und Abfall. Mit Hilfe extra vorgenommener Befliegungen und photogrammetrischer Auswertungen
wurden in den 70er Jahren sehr genaue Querprofile erzeugt. Für den
nicht erfassbaren Querschnittsanteil unter der Wasserspiegellinie
schätzte man einen Rechteckersatzquerschnitt. Bauwerke wurden nivellietisch aufgenommen und aktuelle bauliche Maßnahmen ergänzte
man durch Entwurfsunterlagen und Bestandspläne.
Durch vielfältige Bearbeitungen im Laufe der Jahre wurde diese Basis
ständig verbessert. Dennoch ist festzustellen, dass für konkrete Maßnahmen, die aus dem Hochwasser-Aktionsplan folgen, aktuelle Querprofile in ausreichend dichtem Abstand aufzunehmen sind.
Tabelle 4:
Gewässer
Grundlagenerhebung
Querprofilaufnahme
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Quelle/Jahr
Modellaufsteller
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 23
Werre
Luftbild
1972 bis 1984
StUA Minden
Werre i. Detmold
Nivellement
1980 (Redeker)
IB Sönnichsen
Werre i. Lage
Nivellement
1999
IB Sönnichsen
(Herrendörfer)
Bega
Luftbild
1972 bis 1984
StUA Minden
Bega i. Lemgo
Nivellement
1999
IB Sönnichsen
(Herrendörfer)
Else
Nivellement
1990
ProAqua Aachen
Aa
Nivellement
1995
IB Herrendörfer
Bad Salzuflen
Für die vorliegende Arbeit wurden die Modelldaten vom StUA Minden
übernommen, aktualisiert und mit den Abflüssen der Berechnungsergebnisse aus NASIM versehen.
Die Hydraulikmodelle wurden mit Hilfe von Abflussmessungen, Hochwassermarken und Pegelkurven verifiziert. Insbesondere die Hochwasser 1946, 1960, 1986/87, 1993 und Okt. 1998 wurden berücksichtigt. Für jeden Pegel wurde eine Abflusskurve (siehe Anlage 6) erstellt.
Der Vergleich zeigt eine gute Übereinstimmung zwischen dem
Hydraulikmodell und den Abflussmessungen.
In den Hydraulikprogrammen wird im allgemeinen mit einem Wasserspiegel über die ganze Profilweite gerechnet. Der Wasserspiegel kann
aber in Randbereichen und Stillwasserzonen aufgrund der fehlenden
V o r la n d
B e o b a c h te te H W - M a rk e =
E n e r g ie h ö h e
G e s c h w in d ig k e its h ö h e
V o r la n d
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
B e r e c h n e t e r m itt l. W a s s e r s p ie g e l
(H Y D R A )
Geschwindigkeitshöhe höher liegen als der gemittelte.
F lu s s s c h la u c h
G e s c h w in d ig k e its h ö h e
F lu s s s c h la u c h
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Abbildung 4:
Einfluss der Geschwindigkeit auf den beobachteten Wasserstand
In Abschnitten mit hohen Fließgeschwindigkeiten heißt dies, das der
Wasserspiegel in Stillwasser– und Anströmbereichen, um die Geschwindigkeitshöhe
hu =
v²
2* g
höher sein kann als im Flussschlauch. Bei einer Fließgeschwindigkeit
von 2,5 m/s sind dies immerhin >0,3 m. Dieser Sachverhalt erklärt Differenzen von gemessenen Wasserspiegeln zu berechneten, obwohl
diese mit zutreffenden Parameterkombinationen aus bekannten Verhältnissen gewonnen wurden.
Die Talquerschnitte sind modelltechnisch in die drei Fließbereiche linkes Vorland – Flussschlauch - rechtes Vorland getrennt. Variieren die
Bewuchsparameter (kSt-Wert) im Vorland, sind geeignete Mittelwerte
einzusetzen. Mit den Kennzeichnungen PA/PE können die Fließbereiche eingeengt werden. Diese Begrenzungen dürfen bei tatsächlich
ausufernden Flüssen nicht zu eng gesetzt werden, da sonst unrealistische Wasserspiegelhöhen errechnet werden.
Ergebnisse
In der Anlage 5ff sind die Berechnungsergebnisse als Spiegellagen
der Häufigkeiten HQ5 bis HQ5000 dargestellt.
2.10
Abflusskurven
Aus den Datensätzen des Hydraulikmodells Abflusskurven für die Pegel und die „empfindlichen Hochwasserabflussgebiete“ berechnet.
So kann für wichtige Punkte im Gewässersystem das jeweilige Leistungsvermögen des Talquerschnittes abgelesen werden. Zum Ver-
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 24
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
gleich sind teilweise die verbesserten Leistungen durch Maßnahmen
dargestellt (siehe Anlage 6).
2.11
Historische Ereignisse
Damit die Vorsorge- und Schutzmaßnahmen weder zu gering ausfallen noch überzogen sind, ist eine zutreffende Einschätzung des maßgebenden Hochwassers wichtig. Mit modernen Berechnungsmethoden
lassen sich synthetische Ereignisse beliebig erzeugen. Detaillierte NA-Modelle sind aufwendig und bei komplexen Flusssystemen stellt
sich die Frage nach der maßgeblichen Belastung. Jeder Anwender
weiß, dass die Ergebnisse solcher Abflussermittlungen große
Schwankungsbreiten aufweisen können. In der Regel ist der Beobachtungszeitraum, der mit Messwerten belegt ist, zu kurz und gerade die
Beobachtung außergewöhnlicher Ereignisse ist oft lückenhaft.
Wie in vielen anderen Bereichen ist daher auch bei der Hochwasserschutzplanung und Hochwasservorsorge die Kenntnis historischer Ereignisse von hohem Wert. Seltene Ereignisse beanspruchen den ganzen Talraum. Die Veränderung durch den Menschen sind, allein durch
die Größe des Gebietes, eher gering. Das heißt, aus einer Reihe historischer Beobachtungen lassen sich durchaus Schlüsse auch auf
künftig eintretende extreme Wasserstände ziehen.
Hochwassermarken als Zeitzeugen liefern die Informationen. Sie sind
leider nur selten und reichen zeitlich nicht weit genug zurück. Durch
Vergleiche mit Nachbarflüssen lassen sich Schlüsse auf die Ausdehnung von Ereignissen ziehen und Ausschlüsse treffen, dass für diese
oder jene Hochwassermarke zeitlich begrenzte Engstellen die Ursache
waren.
Über die Hochwassergeschichte gibt es an der Werre gibt es wenig
Zeugnisse. Am Pegel Hansastraße in Herford ist ein Zeitfenster von
rund 100 Jahren in Form von Hochwassermarken vorhanden.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 25
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Abbildung 5:
Pegel Herford Hansastraße
Angebracht sind allerdings nur zwei. Die übrigen findet man in Aufzeichnungen der Verwaltung (ab 1909).
1. HW Februar 1946
5,69 m
2. HW Dezember 1925
4,90 m
3. HW Dezember 1960
4,54 m
4. HW Februar 1909
4,40 m
5. HW Februar 1970
4,20 m
6. HW Dezember 1986
4,10 m
Das Ereignis vom Februar 1946, dass an der Weser in Minden erst an
6. Position erscheint, ist im Lebenszeitraum der heutigen Bevölkerung
das Höchste. Es war ein überregionales Hochwasser mit katastrophalen Erscheinungen an der Weser, der Lippe und der Ems mit Ijssel,
die zusammen ein Einzugsgebiet von rund 70.000 km² repräsentieren.
Verursacht wurde es durch hohe Niederschläge in Verbindung mit
Schneeschmelze und Frost. Nach 12 bis 14-tägigem leichten Frostwetter setzte am 28. Januar ein ausgebreiteter Landregen ein, der bis
zum 31. Januar flächendeckend rund 20 mm aufbrachte. Ein zweiter
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 26
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 27
Schub kam am 4., 5. und 6. Februar mit Summen zwischen 35 bis 68
mm. Katastrophal wurde die Situation durch einen dritten Block am 7.
und 8. Februar. mit Summen bis über 100 mm. Vom 1. bis zum 15.
Februar gab es eine Spannweite der N-Summen von 55 mm (Emden)
bis 347 mm (Bad Driburg).
Abbildung 6:
Herford Postamt, 1946
Abbildung 7:
Herford
1946
Eisenbahnlinie,
Vom Charakter vergleichbar war in der jüngeren Geschichte das Silvesterhochwasser 1986, dass jedoch bei weitem nicht die Abflussspitzen von 1946 erreichte.
Als außergewöhnlich sind auch zwei Ereignisse zu nennen, die die
obere Werre betrafen und enormen Schaden anrichteten. Im Juni
1981 richteten Niederschläge mit Intensitäten seltener als hundertjährlicher Wiederkehrhäufigkeit in einem sehr begrenzten Raum in Detmold außerordentliche Schäden an. Und am 27./28. Oktober 1998 erzeugte nach außergewöhnlichen Vorregen ein Tagesniederschlag
zwischen 40 und 50 mm im oberen Werregebiet als auch in der benachbarten Emmer- und Nethe-Region ein Ereignis mit Abflüssen die
im Mittel alle 70 bis 100 Jahre auftreten. Es betraf die Gewässer Aa
(Nethe), Brucht, Emmer bis Schieder-Schwalenberg, Werre bis Lage
Passade und abgeschwächt Bega. Auch hier traten in Detmold, Lage,
Lemgo und den kleineren Ortschaften enorme Schäden auf.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Abbildung 8:
Detmold 1998
Mit Sicherheit gab es in der Zeit vor diesen Aufzeichnungen größere
Hochwasser. Nur hatte man vermutlich nicht das Interesse und die Idee, sie zu dokumentieren. Eine ausgeprägte Wasserwirtschaftsverwaltung wurde erst Anfang des 19. Jahrhunderts von der Preußischen
Regierung begonnen.
Für die Werre sind überregional bedeutenden Marken in Minden und
Rheine zu finden. Ereignisse die beiderorts hohe Wasserstände verursachen, betreffen mit Sicherheit auch die Werre. Als höchste Wasserstände sind an beiden Orten übereinstimmend die vom Januarhochwasser des Jahres 1682 vermerkt. Ein ziemlich vollständiges Zeitfenster vermitteln die Darstellungen in Minden, die über 450 Jahre zurückreichen.
Aber nicht nur diese außergewöhnlichen Ereignisse stellten in der
Vergangenheit Katastrophen dar. In früheren Zeiten vernichteten kleinere Hochwasser neben der Beschädigung der Siedlungen Lebensgrundlagen. Anfang des 19. Jahrhunderts schildert der Lippstädter
Bürgermeister nach einer Reihe von aus heutiger Sicht unbedeutenden Hochwasser mit dramatischen Worten eine bedrohliche Situation.
Der Verlust der Kartoffelernte als Nahrungsgrundlage, die Vernässung
der Heideplaggen, die als sonst als Brennmaterial dienen und die Un-
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 28
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
benutzbarkeit der Fettweiden führten zu existenziellen Nöten in großen
Teilen der Bevölkerung.
Heute sind durch die umfangreichen Gewässerausbaumaßnahmen
die Verhältnisse in diesem Aspekt harmlos und die heutigen Verkehrsbedingungen und Transportmöglichkeiten lassen eine kurzfristige Ersatzbeschaffung zu. Jetzt richten die Hochwasser vor allem
Schaden an der Infrastruktur und an Wohn- und Gewerbegebäuden
an und es kann vorkommen, dass in den reißenden Fluten der Mittelgebirgsflüsse Menschen ertrinken.
2.12
Historische Hochwasserschutzplanungen
Nach dem Katastrophenereignis 1946, das in Städten und Gemeinden
verheerende Auswirkungen hatte, wurde in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts vom damaligen Wasserwirtschaftsamt Minden ein
Gutachten zur Vorbereitung einer wasserwirtschaftlichen Gesamtplanung erstellt.
Für dieses Gutachten wurden die Werre und ihre Nebenbäche vermessen. Als Ergebnis wurde der Bau einer Vielzahl von HRB empfohlen. Umgesetzt wurde der Plan nicht.
3 Allgemeine Bestandsaufnahme
3.1
3.1.1
Überschwemmungsgebiet (ÜG)
Gesetzliche Überschwemmungsgebiete
Als erste Hochwasservorsorge dieser Art erarbeitete die preußische
Wasserwirtschaftsverwaltung von 1905 bis 1915 flächendeckend Karten. Ausgenommen war davon das lippische Staatsgebiet. Die heute
dort vorzufindende dichte Bebauung bis an die Gewässerböschungen
ist eine Folge dieses Mangels. Von 1980 an beginnend wurden die
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 29
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Preußische Festsetzung überarbeitet und im Lippischen Neubearbeitungen vorgenommen. Am Hauptfluss Werre wurde in dieser Neubearbeitung das natürliche ÜG nicht dargestellt. Das Überschwemmungsgebiet der Else wurde 1994, das der Bega 1995 und das der Aa
1997 festgesetzt.
3.1.2
Hochwassergefährdetes Gebiet
Die Ermittlung des aktuellen hochwassergefährdeten Gebietes für den
Aktionsplan erfolgte durch Verschneiden der Wasserspiegel mit dem
digitalen Geländemodell. Besonderheiten, die durch Baumaßnahmen
und Gewässerverlegungen in einem Talraum unterschiedliche Fließwege erzeugen, waren manuell nach zu bearbeiten.
3.2
Empfindliche Hochwasserabflussgebiete
Eine vielfach angestrebte ökologische Verbesserung des jetzigen Zustandes verlangt Uferbewuchs und Bewuchs in der Aue. Das bedeutet
eine Verlangsamung der Fließgeschwindigkeit und damit bei gegebenem Abfluss eine Erhöhung des Wasserstandes, die im Hochwasserfall zu vermehrten Schäden in besiedelten Bereichen führen kann.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 30
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Abbildung 9:
Empfindliches Hochwasserabflussgebiet
Nachteilige Veränderungen dürfen nicht im Bereich von Ortslagen und
unterhalb vorgenommen werden. Die freizuhaltende Auslaufstrecke
hängt dabei vom Gefälle ab. Als „Empfindliche Hochwasserabflussgebiete“ wurden alle Siedlungsbereiche besonders bearbeitet. Die jeweiligen Gewässerstrecken wurden im Modell iterativ soweit verändert,
dass der Einfluss von zusätzlichem Bewuchs auf den Hochwasserstand in der Ortslage endet, oder vernachlässigbar gering ist. Als zukünftiger Zustand der Flussschlauch- und Vorlandrauheit lagen den
Variantenrechnungen die ungünstigen Bedingungen (KStVorland= 8; KSt
Flussschlauch
= 20/23) zugrunde. In den Lageplänen sind die empfindli-
chen Hochwasserabflussgebiete rot gewellt dargestellt.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 31
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Abbildung 10:
3.3
Hochwasserschutz und ökologische Verbesserung
Allgemeine hochwasserrelevante Daten
Als hochwasserrelevant wurden die Stauanlagen mit ihrer Stauhöhe
erfasst und die Art des Wasserrechtes aufgenommen und in den Plänen dargestellt. Aus den verschiedensten Quellen wurden die wichtigen Informationen über Hochwassermarken ebenfalls in die Lagepläne übernommen
3.4
3.4.1
Hochwasserschadenspotenzial
Methodik
Hochwasser können in dicht besiedelten Gebieten hohe volkswirtschaftliche Schäden anrichten. Für die Höhe der Schäden spielen neben der betroffenen Siedlungsdichte und den Nutzungen auch die Überschwemmungsfläche, -tiefe und -dauer eine wesentliche Rolle, die
wiederum abhängig von der Auftretenswahrscheinlichkeit des Hochwassers sind. Die Beziehung zwischen der Hochwasserwahrscheinlichkeit (der Kehrwert der einem bestimmten Hochwasser zugeordneten Wiederkehrzeit) und dem Schaden ergibt die sog. Schadenswahrscheinlichkeit. Aus dieser Funktion wird durch Integration die jährliche
Schadenserwartung berechnet.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 32
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Für eine monetäre Bewertung von Hochwasserschutzmaßnahmen
muss die Höhe der durch die Maßnahmen vermeidbaren Schäden bekannt sein. Hierzu dient das bis zu einer bestimmten Wiederkehrzeit
ermittelte Schadenspotenzial und die aus der Schadenswahrscheinlichkeit ermittelte Schadenserwartung.
In Anlehnung an die DVWK-Mitteilungen Nr. 10, „Ökonomische
Bewertung von Hochwasserschutzwirkungen“, (DVWK, 1985) wird
zwischen den folgenden Nutzungskategorien bzw. Auswirkungen
unterschieden:
·
verhinderte Schäden
§
Personenschäden
§
verletzte Personen, Grad der Verletzungen
§
Sachschäden
-
privater Wohnbereich (Gebäude, Inventar, Hof und Garten)
-
Öffentliche Einrichtungen
-
Einrichtungen von Handel und Gewerbe (Gebäude, Inventar, Lagerbestände, Produktionsausfall)
-
Industrie (Gebäude, Inventar, Lagerbestände, Produktionsausfall, Folgekosten (Vertragsstrafen))
-
Landwirtschaft (Gebäude, Inventar, Lagerbestände,
Produktionsausfall)
-
sonstige Infrastruktureinrichtungen (Verkehrs-, Versorgungseinrichtungen, Folgeschäden (Stromausfall, Verkehrsumleitungen))
-
Landschaft (Landschaftselemente, Bodenabtrag, Verschlammung)
§
Schäden an land- und forstwirtschaftlichen Kulturen und
Böden
-
Grünland
-
Ackerland
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 33
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
§
-
Sonderkulturen
-
Forsten
Seite 34
Viehschäden (Verlust, krankheitsbedingte Marktwertminderung, Kosten für zusätzlichen Seuchenschutz)
Die
·
Produktions- und Bodenwertänderungen,
·
Aufwandsänderungen und
·
indirekte und induzierte Einkommenseffekte.
Schadenserhebung
beschränkt
sich
beim
Hochwasser-
Aktionsplan Werre auf die Berechnung von Sachschäden an Inventar
und an Gebäuden (privat genutzte und öffentliche Gebäude sowie
Wirtschafts- und Industriegebäude), Produktionsausfall der Wirtschaft,
Schäden an land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen sowie an
der allgemeinen Infrastruktur und Kraftfahrzeugen.
Nicht oder nur sehr schwer monetär erfassbare Schäden wie Personenschäden, Viehschäden, ökologische Schäden (z.B. infolge Auslaufens von Heizöl), Bodenwertänderungen, Einkommenseffekte usw.
gingen in dieser Untersuchung nicht in die Kosten-Nutzen-Analyse von
Hochwasserschutzmaßnahmen ein. Diese Schäden können bei der
Bewertung einer geplanten Maßnahme bedeutsam sein und sollten bei
der Genehmigungsplanung bei der Begründung der Maßnahme erläutert werden.
Zur Ermittlung von hochwassergefährdeten Objekten und Flächen sowie zur Berechnung von durch Hochwasser verursachten Schäden
gibt es verschiedene Methoden und Programme. Hydrotec hat ein
Verfahren GIS-HWS entwickelt, das auf Grundlage des Programms
ArcView aus relativ leicht zu erhebenden Daten die betroffenen Objekte ermittelt und die Hochwasserschäden berechnet, wobei der geografische Bezug durchgehend erhalten bleibt.
In dieser Untersuchung wird vereinbarungsgemäß zwischen Objekten
in den Überschwemmungsflächen (blau) und den Objekten in den potenziellen Überschwemmungsflächen (gelb) unterschieden. Für diese
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 35
Flächen werden verschiedene Verfahren angewendet:
-
Das objektbezogene Verfahren, bei dem vor Ort erhobenen Kenndaten der Objekte benutzt werden (mikroskaliges Verfahren).
-
Das objekt-flächenbezogene Verfahren (mikroskalige und mesoskalige Erhebungen), das auf Grundlage der ATKIS-DLM254
Daten arbeitet.
Die Verfahren sind in der Abbildung 11 Schematisch dargestellt.
Objekte in ÜSG
HQ100/HQ50/
HQ20
Erfassung der Objekte
im GIS (DGK5) und vor
Ort:
- Ojekt-Id
- Nutzung (vor Ort)
- Eigenschaften
- Foto
Verschneidung der
Objekte mit:
- DGM5
- Kanaldeckel
- Wasserspiegellagen
Berechnung der
- Vermögen
- Schäden
Abbildung 11:
3.4.1.1
Objekte in
potenziellen
ÜSG HQ100
Erfassung der Objekte
nur im GIS (DGK5) :
- Ojekt-Id
- Nutzung aus ATKIS
- mittl. Eigenschaften
bei Nutzung
Gewerbe:
SchadensFragebogen
Schadensfunktion
prüfen,
Vermögenswert
Verschneidung der
Objekte mit:
- DGM5
- Kanaldeckel
- Wasserspiegellagen
Schadensfunktion
aus HOWAS,
Rheinstudie
spez. Vermögen
aus Statistiken
LDS
angepasst
Mittelwerte
Berechnung der
- Vermögen
- Schäden
Verfahren zur Ermittlung von Hochwasserschäden
Objekterfassung
Die Bearbeitung umfasst mehrere Arbeitsschritte:
·
Einzelobjekte erfassen: Alle Einzelobjekte, die sich innerhalb
(bzw. teilw. innerhalb) der Überschwemmungsfläche befinden,
4 Digitales LandschaftsModell des Amtlichen Topografisch-Kartografischen Informations-Systems, Basismaßstab 1:25.000.
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werden in ArcView auf Basis der DGK5 als Punktthema aufgenommen (digitalisiert wird die Objektmitte).
·
Einzelobjekte attributieren: Alle Objekte erhalten eine IDNummer, die in die für die Begehung erstellten Karten eingetragen
wird. Die Objekte werden den digital vorhandenen Verwaltungseinheiten (Gemeinden, Kreise, ...) zugeordnet und der Rechts- und
Hochwert wird ermittelt. Die Objekte werden in vier Größenklassen
eingeordnet (vgl. Tabelle 6). Zusätzlich wird die Attributierung der
Nutzung (z. B. Wohnhaus, Mehrfamilienhaus, Garage, ...), Keller
(ja/nein), Höhe Erdgeschoss über Gelände, Straßenname etc.
vorbereitet.
·
Begehung (nicht für Objekte in den potenziellen Flächen und
Lemgo Innenstadt): Vom Werre-Wasserverband wurden in mehreren Ortsbegehungen die Objekte in den Überschwemmungsflächen aufgenommen. Die Aufnahme umfasste 11 Gemeinden mit
1553 Einzelobjekten, im Zuge der Begehung wurden davon 46 in
den Karten nicht verzeichnete Einzelobjekte (Neubauten) aufgenommen. Bei der Begehung wurden die Objekte fotografiert. Für
jedes Objekt wurde aufgenommen:
·
Hat das Objekt einen Keller?
·
Wie hoch liegt das Erdgeschoss im Mittel über dem umliegenden Gelände (Treppenstufen geben hier meist Auskunft: 1 Stufe 15 bis 19 cm, 2 Stufen sind etwa 30 cm, usw.)?
·
Wie wird das Objekt genutzt (WH, MFH, Gewerbeart, sonstige
Nutzung) (Liste HOWAS, LAWA 1988)?
·
Fragebogenaktion: Alle größeren Gewerbebetriebe konnten über
einen Fragebogen Angaben machen über das Betriebsvermögen,
die Kosten bei Produktionsausfall und über die möglichen Schäden
in Abhängigkeit vom Wasserstand.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 36
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
3.4.1.2
Seite 37
Geländemodell, Kanaldeckelhöhen und Wasserspiegellagen
Für die Berechung der Geländehöhen an den Objekten wurde ein digitales Geländemodell aus 73 DGM5-Blättern (292 km² im 10 x 10 Meter
Raster) für die Werre, Bega, Aa und Else erstellt (GRID5). Jedem Objekt wurde über eine Verschneidung der Objektpunkte mit dem Geländemodell eine Geländehöhe (DGM5) zugewiesen.
Die Daten der einzelnen DGM5-Blätter stammen aus unterschiedlichen Jahren, die ältesten sind aus dem Jahr 1964, die aktuellsten aus
dem Jahr 1985. Dementsprechend sind diese Daten nur eingeschränkt vertrauenswürdig, vor allem in bebauten Gebieten. Deshalb
wurde zur Ergänzung und Prüfung des Geländemodells Schachtdeckelhöhen aus den Kanalkatasterdatenbanken der Gemeinden angefordert. Von elf Gemeinden wurden z.T. digitale Schachtdeckelhöhen
der Kanalnetze zur Verfügung gestellt. Zum Vergleich mit dem DGM5
wurden aus diesen Deckelhöhen je Gemeinde ein GRID erzeugt und
das DGM5 mit diesem verschnitten. Das Ergebnis waren Differenzgeländemodelle,
mit
denen
im
Form
von
Histogrammen
(Verteilungsfunktion) die Qualität des DGM5 beurteilt werden konnte.
Überwiegend lagen die Kanalschachtdeckel höher als das DGM5. Im
Mittel liegen die Varianzen der Abweichungen bei ca. 50 cm.
Über eine programmierte Abfrage konnten für 1357 Objekten
Schachtdeckelhöhen zugeordnet werden (Kdh), bei denen die Objekte
von den Schachtdeckelpunkten nicht weiter als 25 m entfernt sind. Die
endgültige Geländehöhe an den Objekten (Okg) wurde dann als Mittelwert der beiden Höhen DGM5 und Kdh berechnet. Bei den Objekten, bei denen keine Schachtdeckelhöhen zugewiesen werden konnten, wurden die DGM5-Höhen verwendet.
5 Zweidimensionales gleichmäßiges Raster mit je einem Zellwert (Geländehöhe)
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Die Wasserspiegellagen der untersuchten Jährlichkeiten 100, 50 und
20 und die verlängerten Querprofile der Gewässer wurden vom Auftraggeber zur Verfügung gestellt. Aus diesen Daten wurden für das
Untersuchungsgebiet die Wasserspiegellagenfläche als dreidimensionales Netz (TIN6) berechnet. Auch hiermit wurden die Objektpunkte
verschnitten und jedem Objekt eine Wasserspiegellage je Jährlichkeit
zugeordnet (wsp_100, wsp_50, wsp_20).
3.4.1.3
Vermögenswerte und Bruttowertschöpfung
Vermögen der Wirtschaftsektoren
Die Vermögenswerte stellen bei den Objekten innerhalb der Überschwemmungsflächen das maximale Schadenspotenzial dar, das jedoch i.d.R. nicht erreicht wird. Werden die Vermögenswerte nicht
durch den Eigentümer des Gewerbebetriebs explizit angegeben (Fragebogenaktion), so müssen diese aus Einheitswert-Statistiken des
Statistischen Landesamt NRW erhoben werden.
Bei den gewerblichen, öffentlichen Wirtschaftsektoren werden als Anlagevermögen die
-
Vermögen der Sachanlagen von technischen Anlagen und Maschinen sowie
-
andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattungen
und vom Umlaufvermögen die
-
Vorräte (Warenbestand, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, unfertige
und fertige Erzeugnisse)
angerechnet. Außer acht bleiben die Vermögenswerte wie Bodenwert
und Finanzanlagen (Geldbestände, Beteiligungen, Konzessionen).
Diese Vermögenswerte wurden aus der Veröffentlichung des Lan-
6 Triangulated Irregular Network
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Seite 38
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desamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen
(LDS, erschienen 03/2000) „Einheitswerte der gewerblichen Betriebe
in Nordrhein-Westfalen, 1995“ für alle gewerblichen Objekte, deren
eindeutige Nutzung bekannt ist, erhoben. Der Werteverzehr durch Abschreibungen und zwischenzeitlich stattgefundene Preissteigerungen
ist bis 1995 mit eingerechnet. Diese Vermögenswerte wurden mit einem mittleren Preisindex7 von 0,9 % aller Wirtschaftsbereiche auf die
Preisbasis 2001 hochgerechnet. Deren aktueller Wert wird durch das
Nettoanlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen angegeben.
Die gewerblichen Betriebe sind in 14 einzelne wirtschaftliche Bereiche
gegliedert, wobei diese wiederum in viele weitere Unterbereiche aufgeteilt sind (WZ93, ESVG 19958).
Die Gliederung in wirtschaftliche Sektoren ist folgende:
-
Land- und Forstwirtschaft (A)
-
Fischerei und Fischzucht (B)
-
Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden (C)
-
Verarbeitendes Gewerbe (D)
-
Energie- und Wasserversorgung (E)
-
Baugewerbe (F)
-
Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen und
Gebrauchsgütern (G)
-
Gastgewerbe (H)
-
Verkehr und Nachrichtenübermittlung (I)
-
Kredit- und Versicherungsgewerbe (J)
-
Grundstücks- und Wohnungswesen, Vermietung beweglicher Sachen, Dienstleistungen überwiegend für Unternehmen (K)
7 ermittelt aus den Angeben im „Statistische Jahrbuch 1996 für die Bundesrepublik Deutschland“
und unter http://www.statistik-bund.de/indicators/d/tkpre550.htm, Stand Mai 2001 105,6 % (1995
= 100 %)
8 Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 1993 (WZ 93), Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung (ESVG95) s.a. www.statistik-bund.de/allg/d/klassif/wz93.htm
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-
Erziehung und Unterricht (M)
-
Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen (N)
-
Sonstige öffentliche und persönliche Dienstleistungen (O)
Seite 40
Für alle Objekte in den potenziellen Flächen und in der Innenstadt von
Lemgo, deren Nutzung nicht bekannt ist bzw. deren Nutzungsgruppe
nur aus den ATKIS-DLM25-Daten ermittelt werden konnte, werden die
Vermögenswerte aus den Mittelwerten der wirtschaftlichen Bereiche
des LDS bestimmt. Hierzu wurden die Vermögenswerte auf die räumliche Gliederung der ATKIS DLM25-Siedlungsflächen verknüpft.
Tabelle 5:
TypenNummer
in ATKIS
Umschlüsselungsregeln (Mittelwerte) von LDS- zu ATKIS DLM 25Wirtschaftssektoren
Nutzungs-Typen
in ATKIS (räumliche Gliederung)
2112
2113
Industrie und Gewerbe
Gemischtes (+ priv. Wohnvermögen)
2114
besondere funktionale Prägung
2121
Bergbau
2126,2127, Energie (Kraftwerk, Umspann2129,2134, station, Kläranlage, Wasser2133
werk, Heizwerk)
LDSSystematik (wirtschaftliche Gliederung)
D, F, G, H, J
D, H, J, K
I, K, M, N, O
C
E
Da gewerbliche Objekte mit gleicher Nutzung aufgrund der Größe,
Beschäftigungszahl, Spezialisierung und wirtschaftlicher Auftragslage
nicht unbedingt den gleichen Vermögenswert besitzen, wurden über
Faktoren aus den Einheitswertgruppen (LDS) und den Größen der Objekte (aus der DGK5) die angepassten Vermögenswerte berechnet.
Hierbei wurden die Objekte in vier Größenklassen eingeteilt:
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Tabelle 6:
Einteilung
Seite 41
Größenklassen Objekte
Größe m²
kleine
Objekte
bis 200 m²
Vermögen
im Mittel
0,2
DM
Mio.
mittlere
Objekte
200
bis
500
2 Mio. DM
große
Objekte
500
bis
2000
7 Mio. DM
sehr Große
Objekte
größer
2000
58 Mio. DM
Über die Fragebogenaktion konnten für einige Gewerbebetriebe explizit Vermögenswerte angeben werden. Insgesamt wurden ca. 350 Gewerbebetriebe ermittelt, von denen 179 ein Fragebogen zum Schadenspotenzial zugeschickt wurde. Leider gab es nur 14 verwertbare
Antworten. Die im Fragebogen angegeben Vermögenswerte (Feuerversicherungssumme bei Totalverlust) wurden den Objekten zugewiesen und für die Berechnung der Schäden verwendet.
Bruttowertschöpfung der Wirtschaftssektoren
Die Bruttowertschöpfung gilt als Maßstab für die wirtschaftliche Leistung der Volkswirtschaft beziehungsweise - in tieferer Gliederung - ihrer Sektoren und der einzelnen Wirtschaftsbereiche. Sie dient zur Ermittlung der Verluste durch Produktionsausfall bzw. Betriebsunterbrechung.
Die Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen (1997) wurden aus
der Veröffentlichung des Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen (LDS, Erschienen 11/2000) „Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung und Arbeitnehmerentgelt in NordrheinWestfalen 1991 – 1999“ für alle Wirtschaftsbereiche erhoben und den
nach Größen klassifizierten Objekten entsprechend zugewiesen (vgl.
Kap. 3.4.1.5). Eine Wertanpassung auf die Preisbasis 2001 wurde
nicht durchgeführt, da die Wertschöpfung bei einigen Wirtschaftsbereichen (Baugewerbe, Bergbau und Produzierendes Gewerbe) rückläufig ist9. Die Bruttowertschöpfung wird als spezifische Wertschöp-
9 vgl. Statistisches Bundesamt: http://www.statistik-bund.de/indicators/d/pgw510ad.htm
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fung (Wertschöpfung in DM pro Betrieb und Tag) für die Berechnung
des Produktionsausfalles verwendet.
Privates Wohnvermögen
Das Wohnvermögen setzt sich aus dem Vermögen des Gebäudes
und des Inventars zusammen. Aus den statistischen Berichten vom
LDS „Grundvermögen privater Haushalte in Nordrhein-Westfalen“ und
vom Oberen Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Land
Nordrhein-Westfalen „Grundstücksmarktbericht 1999“ konnte das
Wohnvermögen (ohne Inventar) im Mittel mit 230.000 DM für Haushalte mit Haus- und Grundbesitz ermittelt werden. Dieser Mittelwert bezieht sich auf eine sog. äquivalente Wohneinheit mit 112 m² Wohnfläche, 75 m² Grundfläche. Das Hausratsvermögen (Inventar) wurde –
nach Anfrage bei der Allianz-Versicherung - je äq. Wohneinheit mit
90.000 DM (Unterversicherungsverzicht) angenommen. Somit ergibt
sich das Gesamtvermögen im Mittel zu 320.000 DM je äq. Wohneinheit (Preisbasis 2001).
Kraftfahrzeugvermögen
Laut Kraftfahrzeug-Bundesamt ist der Bestand an Kraftfahrzeugen in
den elf Gemeinden des Untersuchungsgebiets insgesamt mit ca.
439.000 Kfz angegeben (Stand: Juli 2000). Der Wert je vorhandenem
PKW wird mit einem durchschnittlichen Zeitwert entsprechend der
Rheinstudie10 - mit 17.000 DM angegeben. Mit eingerechnet sind dabei ca. 28.000 Motorräder. Deren mittlerer Wert wird mit 4000 DM angesetzt. Es wurde angenommen, dass sich innerhalb der Ortslagenflächen (ATKIS DLM25) 70 % der gesamten Kraftfahrzeuge verteilen.
Es ergibt sich ein spezifischer Vermögenswert von im Mittel ca. 16
DM/m² Ortslagenfläche. Aus der Verschneidung der Überschwemmungsflächen unterschiedlicher Jährlichkeit mit den Ortslagenflächen
10 „Hochwasserschadenspotenziale am Rhein in Nordrhein-Westfalen“, MURL, Feb. 2000
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 42
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und dem spez. Vermögenswert ergeben sich die jeweiligen Vermögenswerte und daraus wiederum die Anzahl an Pkws. Busse und Lkw
werden nicht berücksichtigt, da diese bereits im Vermögen der Wirtschaftsbereiche enthalten sind.
3.4.1.4
Schadensfunktionen
Die verwendeten Schadensfunktionen in dieser Untersuchung stammen aus unterschiedlichen Schadenspotenzial-Studien, der Datenbank des bayerischen Landesamtes für Wasserwirtschaft oder aus der
Auswertung der Fragebögen.
Für die Berechnung der Schäden an privaten Wohngebäuden stehen
aus der beim Bayerischen Landesamt für Wasserwirtschaft geführten
Datenbank HOWAS genügend abgesicherte Schadensfunktionen für
verschiedene Haustypen (n. Schlüsselnummern) zur Verfügung. Die
nutzungsspezifischen Schlüsselnummern mit zugehörigen Schadensfunktionen wurden für die Kategorie der privaten Wohnhäuser zu einer
Schadensfunktion zusammengefasst. Dabei wird jedoch noch zwischen Wohnhäusern mit und ohne Keller und zwischen Inventar- und
Gebäudeschaden unterschieden. Die HOWAS-Schadensfunktionen
stützen sich alle auf eine Wurzelfunktion, bei dem nur die Faktoren a
und b, die Steilheit und die Höhe des Schadens bestimmen, variiert
werden. Der Schaden ist über diese Wurzelfunktionen direkt abhängig
vom Wasserstand.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 43
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 44
Schadensfunktionen für private Wohngebäude mit und ohne Keller
140.000
Schadenssumme in DM
120.000
100.000
80.000
60.000
a Keller Geb.
b Keller Geb.
a EG Geb.
b EG Geb.
a Inv Keller
b Inv Keller
a Inv EG
b Inv EG
mit Keller
ohne Keller
Mittelwerte Mittelwerte
1,75
5,61
11,28
1,00
22,15
18,77
1,49
8,04
1,70
4,83
13,96
20,69
y = a* x + b* x
40.000
20.000
0
0,00
0,50
1,00
1,50
2,00
2,50
Wasserstand über Kellersohle in Meter
1247/1447
1268/1468
1261/1461
ohne Keller Mittelwerte
Abbildung 12:
1248/1448
1241/1441
1262/1462
3,00
3,50
4,00
1267/1467
1242/1442
mit Keller Mittelwerte
Schadensfunktionen von privaten Wohnhäusern nach Schlüssel-Nr.
HOWAS
Für die von Hochwasser betroffenen Gewerbe- und Industriebetriebe
gibt es nur sehr wenige abgesicherte Schadensfunktionen aus der
HOWAS-Datenbank (teilw. Datenkollektive). Weitere Schadensfunktionen für öffentliche Gebäude und Gewerbebetriebe waren:
Tabelle 7:
Schadensfunktionen nach Objekt-Nutzungsarten
Nutzung
Schule, Fortbildung
Vereinsheim
Gaststätte
Schreinerei (nicht verwendet)
Lagerhalle, Schuppen
Stall (Pferde, Schweine)
Schießstand
Garage
Funktion
1/2
Y = x+83,4*x
1/2
Y = x+21,3*x
1/2
Y = x+17,1*x
1/2
Y = x+37,2*x
1/2
Y = x+6,0*x
1/2
Y = x+4,1*x
1/2
Y = x+244*x
1/2
Y = x+3,0*x
Stichprobe
15
8
30
15
6
24
6
23
Diese Schadensfunktionen des bayerischen Landesamtes für Wasserwirtschaft stützen sich auf die ausgewerteten Schäden aufgetretener Hochwasserereignisse und sind deshalb den Schadensfunktionen,
die den Schaden in Abhängigkeit vom Vermögenswert berechnen,
vorzuziehen. Jedoch muss bedacht werden, dass mit diesen Schadensfunktionen unabhängig von der Größe eines Objektes die Schäden berechnet werden.
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Seite 45
Die Schadensfunktionen für Objekte der gewerblichen, öffentlichen
und sozialen Wirtschaftsbereiche stammen hauptsächlich aus der November 2000 veröffentlichten Kurzfassung der Studie „Hochwasserschadenspotenziale am Rhein in Nordrhein-Westfalen“. Die verwendeten Schadensfunktionen sind dort meist Wurzelfunktionen, aber auch
lineare Beziehungen in Abhängigkeit vom Wasserstand und geben als
Ergebnis den Schaden als Prozentwert vom Vermögen an. Da die in
dieser Studie verwendeten Schadensfunktionen z.T. anderen oder anders untergliederten Wirtschaftsbereichen zugeordnet waren, musste
eine Anpassung der Funktionen auf die räumliche Gliederung der
ATKIS-DLM 25 Siedlungsflächen geschehen.
Schadensfunktionen nach räumlicher Gliederung (ATKIS)
Schaden vom % vom Vermögen____
80,0
70,0
60,0
50,0
40,0
30,0
20,0
10,0
0,0
0,00
1,00
2,00
3,00
Wasserstand über Gelände in Meter
4,00
Energie- und Wasserversorgung
Objekte funktionaler Prägung
Bergbau
Industrie und Gewerbe
Gemischte Nutzung
Abbildung 13:
Schadensfunktionen nach räumlicher Gliederung (ATKIS)
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5,00
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Seite 46
Schadensfunktionen nach Wirtschaftsbereichen (LDS)
Schaden vom % vom Vermögen____
90,0
80,0
70,0
60,0
50,0
40,0
30,0
20,0
10,0
0,0
0,00
1,00
2,00
3,00
Wasserstand über Gelände in Meter
Energie- u. Wasserversorgung
Prod. und Verarb. Gewerbe, Baugewerbe
Verkehr- und Nachrichtenübermittlung
Öffentliche Dienstleistung
Abbildung 14:
4,00
5,00
Bergbau
Handel, Gast- Kredit- u. Versicherungsgewerbe
Dienstleistungsgewerbe
Schadensfunktionen nach wirtschaftlicher Gliederung (LDS)
In Anlehnung an die Studie „Hochwasserschutzkonzept Sauer/Our,
BCE, 1998“ wurde angenommen, dass ein Schaden erst ab einem
Wasserstand von 10 cm über Gelände entsteht, um damit eventuell
vorhandenen Türschwellen, Rampen oder Schutzeinrichtungen Rechnung zu tragen.
Über die ausgewerteten Fragebögen konnten, neben den Vermögenswerten, für die betroffenen Gewerbeobjekte z.T. auch die zugehörigen Schadensfunktionen aufgestellt werden. Die aus den Angaben
im Fragebogen abgeleiteten Schadensfunktionen entsprechen bis auf
eine Ausnahme Wurzel-Funktionen und bestätigen damit die allgemeine Funktion, wie sie auch sonst verwendet wird. Jedoch werden
die Schäden in den meisten Fällen überschätzt, bei 2 m Wasserstand
wird oft schon ein Schaden von 100 % des Gesamtvermögens erreicht. Darum wurde für die Schadensberechung die abgeleiteten
Schadensfunktionen aus der Rheinstudie bzw. aus der HOWASDatenbank verwendet.
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Die Schadensfunktion für Kraftfahrzeuge ist eine aus beiden o.g. Studien hergeleitete logarithmische Funktion, bei der erst ab 30 cm Wasserstand ein Schaden entsteht.
Schaden in Prozent vom Vermögen
Schadensfunktion KFZ
70,00
60,00
50,00
40,00
30,00
20,00
10,00
0,00
0,00
0,50
1,00
1,50
2,00
2,50
Wasserstand über Gelände
Abbildung 15:
Schadensfunktionen für Kraftfahrzeuge
Die Schäden an land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen sowie an
der Infrastruktur werden nicht über Schadensfunktionen in Abhängigkeit vom Wasserstand, sondern über Faktoren in Abhängigkeit der betroffenen Überschwemmungsfläche berechnet. Zur Schadensberechnung gibt es aus verschiedenen Studien spezifische Flächenfaktoren.
Hier werden folgende aus dem Gutachten „Berechnung vermeidbarer
Schäden durch das geplante HRB Siddinghausen, Alme“, Hydrotec
GmbH, 1993, benutzt:
Tabelle 8:
Spezifische Schäden an land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen
Spezifische Schäden DM pro m² Überschwemmungsfläche
Acker
0,141 DM
Gartenland
0,360 DM
Wald (Laub + Nadelwald)
0,035 DM
Wiese
0,066 DM
Für Schaden an der Infrastruktur wird in Anlehnung an die in Kraiburg/Inn durchgeführte Schadensermittlung (Günther u. Schmidtke,
1988) folgende spezifische Schäden angesetzt:
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Tabelle 9:
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Spezifische Schäden an der Infrastruktur
Spezifische Schäden nach Nutzung
HQ20
HQ50
HQ100
Sportplätze
Freizeitanlagen
Friedhof
Grünanlagen
Campingplatz
Brücken (Schaden je Objekt)
5 DM/m²
5 DM/m²
5 DM/m²
5 DM/m²
5 DM/m²
5.000 DM
7.500 DM
10.000
DM
Straßen
Wege
5 DM/m²
2,5 DM/m²
3.4.1.5
Schadensberechnung
Auch wenn hier von einer Schadensberechung gesprochen wird, so
bleibt doch die Ermittlung des Schadens für ein Objekt eine mehr oder
weniger genaue Schätzung, die sich auf eine Vielzahl von Annahmen
stützt.
Die Schadensberechnung erfolgt je nach Nutzungskategorie objektund flächenbezogen in Abhängigkeit des Wasserstandes bzw. über
die Überschwemmungsfläche.
Schäden an privaten, öffentlichen und gewerblichen Objekten
Die Auswahl der betroffenen Objekte erfolgt durch Verschneidung mit
den Überschwemmungsflächen der entsprechenden Jährlichkeiten
(20, 50, 100).
Im nächsten Schritt wird dann die Schadensberechnung in ArcView
durchgeführt.
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Abbildung 16:
Berechnungsmenü des Programms HWS-GIS (Hydrotec GmbH)
Bei der Schadensberechnung wird über eine Abfrage der Nutzung (vor
Ort ermittelt) die entsprechende Schadensfunktion im Programm gewählt. Danach wird über die für das Objekt berechnete Geländehöhe
(Okg) und die relative Höhe des Erdgeschosses über dem Gelände
aus der Begehung (Eg_ü_okg) die absolute Erdgeschosshöhe (Eg)
berechnet. Abhängig davon, ob das Objekt einen Keller besitzt oder
nicht, werden dann die entsprechenden Wasserstände im Keller
(wsp_kg) und im Erdgeschoss (wsp_eg) berechnet. Für Gewerbeobjekte liegen keine Keller-Schadensfunktionen vor. Es wurde angenommen das die Schäden im Keller ca. 20 % der ErdgeschossSchäden ausmachen. Sind im Feld Vermögen keine expliziten Werte
angegeben, werden diese aus den im Programm enthaltenen Vermögensdaten in Abhängigkeit der Nutzung (ATKIS) und der Größe des
Objektes berechnet. Dann werden die Schäden (S) und der Produktionsausfall (Spaf) (Verfahren s.u.) für die jeweilige Jährlichkeit (_100,
_50, _20) berechnet.
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3,5
0
3,0
0
2,5
0
2,0
0
1,5
0
WSP:
Wasserspiegelhöhe
OKEG:
Oberkante Erdgeschoß
OKG:
Oberkante Gelände
UKK:
Unterkante Keller
Abbildung 17:
Schadenssumme in DM
100.000
80.000
60.000
40.000
0
0,0
0
UKK
20.000
Keller
2,30 m
OKG
Schadensfunktion für ein
Wohnhaus mit Keller
1,0
0
WSP
OKEG
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0,5
0
Erdgeschoß
Wasserstand über Kellersohle in Meter
4,0
0
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Methode der Schadensermittlung über Schadensfunktionen
Der Schaden durch Produktionsausfall (spaf) wird für die jeweilige Objektnutzung und -größe über eine lineare Beziehung der Produktionsausfalldauer D in Abhängigkeit vom Wasserstand (x) mit der spezifischen Bruttowertschöpfung (bws) berechnet:
S = D * bws
mit D = 4,67 * x
Das Schadensergebnis für jedes Einzelobjekt ist die Summe aus den
einzelnen Schäden. Die Eingangsdaten und die Ergebnisse werden
raumbezogen (x,y-Koordinaten) in einer Access-Datenbank verwaltet
und können in ArcView visualisiert werden.
Abbildung 18:
Auszug aus der Ergebnistabelle der Schadensberechnung
Die Ergebnisse sind auf die Preisbasis 2001 bezogen.
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Schäden innerhalb der potenziellen Überschwemmungsflächen:
Innerhalb der potenziellen Überschwemmungsflächen (gelb, nur
HQ100, durch Deiche geschützt) und für die Objekte in der Innenstadt
von Lemgo (HQ100, HQ50 und HQ20) wurde die Schadensberechnung
für die auf der Grundlage der DGK5 erhobenen Objekte (Nutzung aus
ATKIS DLM25) durchgeführt (vgl. Abbildung 11). Nicht berechnet wurden Schäden an land- und forstwirtschaftlichen Flächen, der Infrastruktur und den Kfz innerhalb dieser Überschwemmungsflächen (außer in Lemgo).
Ein Beispiel der ATKIS-DLM 25-Daten, die mit der Überschwemmungsflächen in ArcView verschnitten werden, zeigt die folgende Abbildung:
Abbildung 19:
Beispiel für ATKIS-DLM 25-Daten in ArcView
Bei diesen Objekten sind die differenzierte Nutzung, die relative Höhe
des Erdgeschosses über dem Gelände sowie das Vorhandensein eines Kellers nicht bekannt. Darum werden für diese Objekte aus den
vor Ort erhobenen Objekten mittlere Eigenschaften für die fehlenden
Kenndaten berechnet und diesen zugewiesen.
Für die Objekte innerhalb der ATKIS-Nutzung „Wohnbauflächen,
2111“ wird die Erdgeschosshöhe über das statistische Mittel aus den
vor Ort erhobene Objekten festgelegt. Hiernach haben diese eine mitt-
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lere Erdgeschosshöhe von 55 cm über dem Gelände (Eg_ü_okg).
82 % der vor Ort erhobenen Wohngebäude besitzen einen Keller.
Dementsprechend wurde für diese Kennwerte eine angepasste Schadensfunktion aus der HOWAS-Funktion für priv. Wohngebäude abgeleitet.
Eine Vergleichsrechnung mit
den vor Ort erhobenen Objekten mit
dieser Methode ergab eine Vergleichmäßigung der Schäden und eine
Abweichung von nur 2 % bei ca. 21 Mio. DM berechneter Schaden.
Bei den gewerblichen und öffentlichen genutzten Objekten entspricht
die Schadensberechnung die der bei den vor Ort erhobenen Objekten.
Auch hier wird die Erdgeschosshöhe allgemein auf 10 cm über der
Geländehöhe festgelegt.
Schäden an Land- und Forstwirtschaft
Die Höhe der Schäden an land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen
ist nicht nur von der Größe der betroffenen Fläche, sondern auch wesentlich durch das jahreszeitliche Auftreten des Hochwassers beeinflusst. Hochwasser kurz vor der Ernte (z. B. Getreide) wird zu einem
Totalverlust führen, wohingegen ein Hochwasser im frühen Winter
evtl. nur zu einer Verzögerung der Bestellung führt, die während der
Wachstumsperiode wieder ausgeglichen werden. Die Auftretenswahrscheinlichkeit von Hochwasser zu bestimmten Jahreszeiten lässt sich
jedoch nicht vorhersagen (im Einzugsgebiet der Werre treten sowohl
Winter wie auch Sommerhochwasser auf), deshalb wird bei der Schadensberechnung der ungünstigste Fall berücksichtigt.
Die Überschwemmungsflächen werden mit den Vegetationsflächen
(ATKIS DLM 25) verschnitten und über die spezifischen Schadensfaktoren (Schaden je Fläche) je nach Nutzung die Schäden ermittelt.
Schäden wurden bei den Flächennutzungen Acker, Wiese, Gartenland
und Wald berechnet. An Brachland, Heide, Moor, Sumpf, Ried, Ge-
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hölz, Sonderkultur, Nasser Boden, und Vegetationslose Fläche wurden keine Schäden berechnet.
Schäden an der Infrastruktur (Straßen, Plätze, Brücken)
Eine finanzielle Bewertung möglicher auftretender Schäden ist in diesem Bereich sehr schwierig. Diese Schäden werden überwiegend
durch den Einsatz von Katastrophendiensten (Polizei, Feuerwehr,
Technisches Hilfswerk) bzw. durch Selbsthilfe der Anwohner beseitigt.
Es handelt sich hierbei zum großen Teil um Reinigungs- und Aufräumarbeiten.
Die flächenhafte Schäden an der Infrastruktur wurden über die anteiligen Siedlungsfreiflächen des ATKIS DLM 25 innerhalb der Überschwemmungsflächen berechnet (s. Tabelle 9).
Schäden an Brücken wurden über die Anzahl mit einem pauschalen
Schadensfaktor in Abhängigkeit des Hochwasserereignisses berechnet. Die Anzahl der Brücken wurde über die Verschneidung der „Bauwerke und Anlagen für Verkehr, Transport und Kommunikation“ des
ATKIS DLM 25 bestimmt.
Schäden an Straßen und Wegen wurden über die Verkehrsflächen innerhalb der Überschwemmungsflächen durch Multiplikation mit den
spezifischen Schadensfaktoren ermittelt. Die Verkehrsflächen wurden
über die Länge der Linienobjekte aus den ATKIS DLM 25 „Straßenverkehr“ je nach Nutzung mit einer mittleren Breite (Straßen 8 m, Wege 4 m) berechnet.
Schäden an Kraftfahrzeugen
Der Anteil der Ortslagenflächen, die innerhalb der Überschwemmungsflächen (HQ100, HQ50 u. HQ20) liegen, wurde durch Verschneidung der Flächen miteinander bestimmt und daraus mit der spezifischen Kraftfahrzeugdichte je Kommune die Anzahl der Kraftfahrzeuge
im Überschwemmungsgebiet sowie der mittlere Wasserstand in dieser
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Teilfläche ermittelt. Es wurde angenommen, das ein Schaden erst bei
einem Wasserstand über 30 cm und bei max. 30 % aller Kfz im Überschwemmungsgebiet der Ortslagenflächen eintritt. Der entstehende
Schaden ist abhängig vom Wasserstand und von der Höhe des Vermögens der Ortslagenteilfläche innerhalb der Überschwemmungsfläche.
Einsatzkosten des Katastrophenschutz
Der Anteil der Kosten für den Katastrophenschutz konnte aus den detaillierten Angaben im Bericht der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg „Das Hochwasser vom Oktober/November 1998 in
Baden-Württemberg“ ermittelt werden. Dieser liegt für das Ereignis
1998 bei ca. 9 % vom Gesamtschaden (12 Mio. DM, Schadensbilanz
der Stadt Baden-Baden) und wird für diesen Hochwasser-Aktionsplan
übertragen.
3.4.1.6
Schadenserwartung
Wie im Kap. 3.4.1 bereits erwähnt, ist die Schadenswahrscheinlichkeit
die Beziehung zwischen der Hochwasserwahrscheinlichkeit und dem
Schaden. Über die Differenz der Schäden bestimmter Wahrscheinlichkeiten wird durch eine geblockte Integration die Schadenserwartung für einen Zeitraum von 100 Jahren berechnet. Die Schadenserwartung gibt an, wie viel Kosten jedes Jahr durch Hochwasser im Mittel entstehen könnte bzw. wie viel Geld hierfür jährlich angespart werden müsste, um bei einem Hochwasser die möglichen Schäden zu
tragen.
Für die Berechnung des Schadenserwartungswertes ist es wichtig, die
Wahrscheinlichkeit bzw. Jährlichkeit zu kennen, ab wann ein erster
Objektschaden eintritt. Aufgrund der Kenntnisse vergangener Hochwasserereignisse an der Werre konnte diese statistische Wahrscheinlichkeit im Mittel für das Gesamtgebiet als 15 jährliches Hochwasserereignis abgeschätzt werden.
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3.4.2
Seite 55
Schadenspotenzial Gesamtgebiet
Einen Überblick über das Schadenspotenzial der 11 Gemeinden im
Untersuchungsbereich des Hochwasser-Aktionsplans gibt folgende
Tabelle:
Tabelle 10:
Schadenspotenziale je Gemeinde innerhalb natürlicher Überschwemmungsflächen
Gemeinde
Anzahl
Objekte
-
Bad
Oeynhausen
Bad Salzuflen
Bielefeld
Bünde
Detmold
Herford
Hiddenhausen
Kirchlengern
Lage
Lemgo
Löhne
Summe
Vermögen
Schaden
HQ100
Mio. DM Mio.
DM
79
27,29
Schaden
HQ50
Schaden
HQ20
Mio.
DM
Mio.
DM
Schadenserwartung
Mio.
DM/a
5,55
3,31
0,83
0,11
195
84
194
93
315
56
38
104
524
136
288,88 55,81
42,64
6,09
125,32 25,25
45,93
6,31
326,77 45,43
32,04
4,12
13,5
2,09
51,08
5,46
444,07 103,64
446,56 87,56
8,49
4,43
11,61
2,90
30,23
2,64
1,82
2,03
32,96
27,85
4,30
2,41
2,48
1,30
9,61
1,10
0,76
0,66
21,75
6,94
0,55
0,18
0,42
0,12
1,06
0,10
0,07
0,08
1,69
1,16
1.818
1844,09 347,31
128,27
52,15
5,52
Bei der Bewertung der Schadenssummen muss berücksichtigt werden, dass Hochwasser i. Allg. nicht gleichzeitig im gesamten Einzugsgebiet der Werre auftritt, d.h. die Schäden nicht gleichzeitig entstehen.
Zudem werden mögliche Maßnahmen zur Schadensminderung über
die bereits vorhandenen technischen Hochwasserschutzeinrichtungen
hinaus bei der Schadensberechnung nicht berücksichtigt, d.h. die berechneten Schäden würden nur entstehen, wenn keine Sofortmaßnahmen zur Verhinderung des Schadens ergriffen würden (Sandsäcke, Deichaufschüttungen, Speichersteuerung usw.).
Da für die Infrastruktur und die land- und forstwirtschaftlichen Flächen
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keine Vermögenswerte ermittelt wurden, können die Schäden die
Vermögenswerte z.T. übersteigen.
Im Untersuchungsgebiet liegen 1818 Objekte innerhalb der natürlichen
Überschwemmungsfläche bei HQ100 mit einem Gesamtvermögen von
1,85 Mrd. DM, das entspricht einem spez. Vermögenswert von ca. 70
DM/m² Überschwemmungsfläche und 1,02 Mio. DM pro Objekt sowie
einem spezifischem Schaden von 13,3 DM/m² Überschwemmungsfläche11. Im Mittel liegen die Schäden bei 19 % des Vermögenswertes.
Mit fast jeweils einer halben Milliarde DM Vermögen und über 100
bzw. fast 90 Mio. DM Schaden bei HQ100 liegen die beiden Gemeinden
Lemgo und Löhne in der Schadensstatistik an erster Stelle. Bei den
spezifischen Schäden liegt Lemgo aufgrund des hohen Wertepotenzials im Gewerbegebiet mit 36 DM/m² noch rund 17 DM/m² über denen
von Löhne.
Die mittleren und großen Gewerbebetriebe machen mit 246 Objekten
nur 1/7 der gesamten Objektanzahl aus, der Vermögensanteil liegt jedoch bei über 57 % des Gesamtvermögens. Über der Hälfte der Objekte sind private Wohngebäude, der Schaden liegt bei ca. 11% des
Gesamtschadens (bei HQ100) und das Vermögen entspricht 17 % des
Gesamtvermögens (s.).
Die nachfolgende Tabelle zeigt die Aufteilung der Vermögenswerte im
Gesamtgebiet nach Nutzungsarten.
11 Zum Vergleich die Werte der Rheinstudie: spez. Vermögen 170 DM/m², spez. Schaden 21
DM/m²
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Tabelle 11:
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Gesamtschäden im Einzugsgebiet nach differenzierter Nutzung
Schäden nach Nutzungsarten (Objekte vor Ort erhoben)
Nutzung
Anzahl
Vermögen Schaden Schaden Schaden
Objekte
HQ100
HQ50
HQ20
-
Mio. DM
Mio. DM Mio. DM Mio. DM
Energie/Wasser
14
17,05
1,80
1,64
1,34
Freizeit
9
11,04
0,98
0,32
0,02
Garage
51
0,41
0,12
0,06
0,02
Gaststätten
11
3,29
0,35
0,09
0,01
Gewerbe / Industrie
245
1025,13
184,94
72,56
30,77
Halle
11
0,95
0,07
0,05
0,02
k.A.
4
1,07
0,07
0,02
0,00
Maschinenhalle
2
0,41
0,01
0,01
0,01
MFH
110
83,30
9,92
5,57
1,80
MFH/Gewerbe
4
1,28
0,01
0,01
0,00
öff. Verwaltung
16
95,60
4,69
3,04
0,39
Scheune
32
2,08
0,13
0,09
0,05
Schule
18
42,41
0,67
0,37
0,13
Schuppen
29
0,14
0,05
0,02
0,01
Sport
21
21,84
5,78
1,44
0,07
Stall
22
5,50
0,07
0,05
0,04
Vereinsheim
12
1,17
0,18
0,12
0,09
WH
823
266,07
30,59
18,36
5,77
WH/Gewerbe
90
35,61
4,10
1,78
1,29
Zwischensumme
1.524
1614,33
244,53
105,61
41,84
Lemgo Innenstadt (Objekte nach ATKIS-Siedlungsflächen)
2111 Wohnbauflächen
47
15,04
3,41
0,63
0,00
2113 gemischten Flächen
232
142,61
32,38
0,00
0,00
2114 Fl. funkt. Prägung
13
35,87
24,76
1,48
0,00
Zwischensumme (Lemgo) 292
193,52
60,56
02,11
00,00
Kraftfahrzeuge (Pkw, Krad)
36,24
4,08
2,77
1,93
Land- und forstwirtschaftliche Flächen
2,38
1,99
1,41
Infrastruktur
8,29
6,10
3,20
Katastrophenschutz (9 % d. Zwsumme)
27,46
9,69
3,77
Summe
347,31
128,27
52,15
1.816
1844,09
Die Schäden an Kraftfahrzeuge machen etwa 1,2 %, Schäden an der
Landwirtschaft 0,7 %, Schäden an der Infrastruktur 2,4 % und die Kosten für den Katastrophenschutz 7,9 % vom Gesamtschaden aus. Rund
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88 % des Gesamtschaden bestehen demnach aus Gebäude- und Inventarschäden.
57.5%
53.0%
45.2%
60.0%
13.5%
50.0%
40.0%
Abbildung 20:
20.0%
10.0%
Gesamt-Vermögen
0.0%
Ställe
Gaststätten
öff. Verwaltung
Mehrfamilienhäuser
Wohnhäuser
30.0%
Verteilung der Anzahl, Vermögen und Schäden (HQ100) im Gesamtgebiet
Potenzielle Überschwemmungsflächen
In den potenziellen Überschwemmungsflächen würden Schäden von
über 130 Mio. DM auftreten. Das entspricht einem spezifischen Schaden von ca. 35 DM/m² bei einer Überschwemmungsfläche von etwa
372 ha. Die Erfahrung zeigt, dass in den durch Deiche geschützten
Gebieten vermehrt Werte entstehen, die dann bei einem möglichen
Deichbruch sehr hohe Schäden verursachen.
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Die folgende Tabelle zeigt die Verteilung der Schäden in den jeweiligen gefährdeten Gebieten:
Tabelle 12:
Schäden innerhalb der potenziellen Überschwemmungsflächen nach übergeordneten Nutzungen
VermöObjekte auf der Grundlage der Obgen
DGK5 erhoben, Nutzung aus jektAnzahl
ATKIS DLM 25
Mio.
DM
potenziell.
Schaden bei
HQ100
Mio.
DM
davon
Produktionsausfall
Mio.
DM
2111 Wohnbauflächen
2112 Gewerbe- und Industrieflächen
2113 gemischten Flächen
2114 Flächen funktionaler Prägung
2129 Energie- und Wasserversorgung
1.111
114
355,52
328,27
29,08
71,30
0,00
8,50
215
35
146,35
56,86
16,27
13,79
0,54
5,56
2
0,94
0,03
0,00
Summe
1.477
887,94
130,47
14,60
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Tabelle 13:
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Schäden innerhalb der potenziellen Überschwemmungsflächen
Gemeinde
Bereich
Fläche Anzahl Schaden
in ha Objekte bei HQ100
Bünde
Bismarkstr./Nordring/Goethepl.
Ernst-Reuter-Straße
Kleiner Bruch/Wittemeierstr.
Niedernkamp/Karrenbruch
6
34
10
29
6
263
20
12
0,98
13,08
1,69
0,80
Bad
Oeynhausen
Am Siel
Maschmulde/Dörgen
Prinzenwinken/Fürstenwinkel
Sielpark
15
34
25
22
64
145
218
10
1,09
11,19
9,54
1,00
Bad
Werler Str./Radweg
Salzuflen Ziegelstr./Schnatweg
16
14
6
7
0,09
0,91
Herford
Am Sportstation
B239/Kläranlage
Goebenstr./Normannstr.
Wiesestr./Schsenstr./Lützowstr.
5
5
13
30
4
13
50
261
0,45
0,98
11,87
5,96
Löhne
Auf dem Felde
Bünderstr./Verschiebebahnhof
Löhne
Obernbeck/Bahnhofstr./Masch
Werredam/Rathausstr.
30
4
11
60
10
37
13
14
303
27
59,82
0,20
1,18
7,51
2,13
Die versicherten Schäden dürften sich im Bereich von 10 % der Gesamtschadenssumme bewegen.
Durch ein waches Hochwasserbewusstsein und eine schnelle Vorwarnung könnten die Schäden um mindestens die Hälfte reduziert werden. Die Erfahrung zeigt: bei Gebieten, die häufig von Hochwasser betroffen sind liegen die spezifischen Schäden weit unter den Schäden,
die in Gebieten auftreten, die nur selten von Hochwasser überrascht
werden. Dies ist eine Folge des stärkeren Hochwasserbewusstseins.
Beispielsweise waren aufgrund der noch in Erinnerung gebliebenen
verheerenden Folgen des Hochwassers 1993 am Rhein, waren die
Schäden beim größeren Hochwasser 1995 mit 65 Mio. DM in Köln nur
annähernd halb so groß, obwohl die Anzahl der Betroffenen in etwa
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gleich groß war.12 Zum Vergleich betrug der Schaden durch das
Weihnachtshochwasser 1993 in Koblenz ca. 200 Mio. DM und in Köln
110 Mio. DM.
Die Ergebnisse der Schadensberechnungen sind in den Unterkapiteln
im Kapitel 5 für jede Gemeinde erläutert sowie in Karten mit Diagrammen als Anlage 2-1 bis Anlage 2-11 dargestellt. Die Anlage 2 enthält
die Ergebnisse für das Gesamtgebiet.
12 Aus BFG 1999, Eine Hochwasserperiode im Rheingebiet, Vortrag Nr. 7: „Schäden als Folge
der Hochwasser“
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4 Allgemeine Maßnahmen
Die nachfolgenden Kapitel enthalten allgemeine Maßnahmenvorschläge zur Hochwasserschadensminimierung. Sie sind in allgemeine übergebietliche und allgemeine kommunale Maßnahmen unterteilt.
Alle Maßnahmenvorschläge beruhen auf Berechnungen in denen folgende Rückhaltungen einbezogen worden sind:
-
Wiedergewinnbare Retentionsräume bei Ahmsen/Werre
-
HRB Werre/Werre
-
HRB Wiembecke/Wiembecke
-
Werre Auen in Bad Oeynhausen
-
Seeretention bei Lage/Werre
-
HRB Stedefreund/Aa
-
HRB Johannisbach bei Brake-Bielefeld/Johannisbach-Aa
Diese Rückhaltungen sind als die sinnvollste Kombination aus Maßnahmen zu Förderung des natürlichen Wasserrückhaltes und einzelnen, geplanten HRB [HWS des Werre-Wasserverbandes Herford].
Spezifische Vorschläge für die Kommunen werden in den jeweiligen
Kommunalabschnitten in Abschnitt 5 gemacht. Bei allen Maßnahmen
muss man sich darüber im klaren sein, dass die geschaffenen Einrichtungen 20 bis 30 Jahre ständig betriebsbereit zu halten sind, bis sie
einmal wirksam werden.
4.1
Schutzziel
Hochwasserschutzmaßnahmen in dicht oder hochwertig besiedelten
Gebieten sollten auf ein hundertjährliches Ereignis ausgelegt werden.
In diesem Plan werden alle Maßnahmen an diesem Schutzziel ausge-
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richtet. Unterschiedliche Schutzziele wären den Betroffenen nur
schwer vermittelbar.
4.2
4.2.1
Allgemeine Maßnahmen im Einzugsgebiet
Natürliche Retention
Das Niederschlag-Abflussverhalten ist von folgenden Faktoren abhängig:
Tabelle 14:
Einflussfaktoren Retention
Faktor
Eigenschaften
Für den Hochwasserabfluss veränderbar
1. Oberflächenrelief
(stark oder schwach geprägt)
nein
2. Flächennutzung
(Wald, Landwirtschaft, Siedlung,
in engen Grenzen
Verkehr)
3. Bodenart
(Fels, bindige Böden,
nein
sandige Böden, Moor)
4. Grundwasser-
(Fels, Karst, Locker-sedimente)
nein
(eng, steil, weit, flach)
in engen Grenzen
speicherung
5. Talretention
Auf die Faktoren 1 und 3 kann kein Einfluss genommen werden, auf den
Faktor 4 sind durch Grundwasserentnahme und Dränagen lokale Einflüsse möglich. Für den Hochwasserabfluss in dieser Region werden sie
vernachlässigt.
Für das HWS hat der Werre-Wasserverband mögliche Einflüsse und
deren Wirkung auf die Faktoren 2 und 5 hydrologisch und hydraulisch
untersuchen lassen. Versiegelung in kleinen Einzugsgebieten erhöht
die Abflüsse ebenso, wie in großen Einzugsgebieten die hohen Anteile
landwirtschaftlicher Nutzflächen.
Grundsätzlich ist anzumerken, dass in großen Gewässersystemen ei-
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ne deutliche Einflussmöglichkeit des Menschen auf das N-A Verhalten
extremer Ereignisse beschränkt ist. Die Behäbigkeit des Elsesystems die dazu führt, dass die Else ihren Scheitel an die Werre-Mündung
schickt,
wenn
der
Scheitel
des
doppelt
so
großen
Werre-
Einzugsgebietes trotz längerer Fließwege bereits durchgelaufen ist ist eine wasserwirtschaftliche Eigenschaft des Naturraumes. Dessen
Architektur kann der Mensch nur unwesentlich ändern.
4.2.1.1
Entsiegelung – Versickerung
Mit Hilfe des N-A-Modelles wurden eine defensive Einschätzung der
Versieglungszunahme und eine positive Einschätzung der Entsiegelung durch dezentralen Rückhalt der Abflüsse von versiegelten Flächen und Wiederversickerung in Mulden untersucht. Durch eine 5prozentige Rücknahme des Versiegelungsanteiles vermindern sich die
Abflüsse HQ100 am Knoten Herford und an der Einmündung in die
Weser vernachlässigbar um 0,1 m³/s – siehe N-A-Berechungen
Hydrotec 2002 zum HWS.
4.2.1.2
Wiedergewinnung natürlichen Retentionsraums
4.2.1.2.1
Seeretention
Hier wurden in das N-A-Modell die Auskiesungen unterhalb Detmold
optimiert. Nachfolgend der entsprechende Auszug aus der Erläuterung
des Büro Hydrotec Aachen:
„Die Berücksichtigung der Seeretention in Lage sorgt in erster Linie
unmittelbar unterhalb der Retentionsfläche für eine beachtliche Verringerung der Scheitelwerte von über 20 % beim HQ100. Die Vorgabe,
dass ein Einstau erst ab dem Scheitelwert des HQ20 beginnt sorgt dafür, dass der Scheitel eines selteneren Ereignisses optimal gekappt
wird. Bei einem früheren Einstaubeginn wäre zu erwarten, dass die
Seen bereits gefüllt sind, wenn der Scheitel der Welle eintrifft. Die Wirkung der Seeretention in der Werre wird jedoch ab dem Zufluss der
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der Bega weitestgehend wieder aufgezehrt. Beim HQ50 sorgt der bereits vorher ab einem Abfluss von 380 m³/s begonnene Einstau des
HRB Löhne dafür, dass eine Wirkung der Seeretention unterhalb des
Beckens nicht mehr festzustellen ist. D. h. Ereignisse, die das Becken
einstauen, aber nicht zum Überlauf führen, werden sowohl im IstZustand als auch in den Varianten auf die Basisabgabe von 380 m³/s
gedrosselt. Da das Becken Löhne vor dem HQ100 überläuft, ist die
Wirkung der Seeretention beim HQ100 auch unterhalb des Beckens
wieder feststellbar.“
4.2.1.2.2
Vorlandanschluss
Durch den Werre-Wasserverband wurde derzeit abgetrennte, größere
Vorlandbereiche gekennzeichnet. Sie wurden modelltechnisch erschlossen. Nachfolgend der Auszug aus der Erläuterung des Büro
Hydrotec (HWS HYDROTEC 2002):
„Die Nutzung von Vorlandbereichen, die durch Deiche abgegrenzt sind
führt bei HQ100 zu einer maximal 10prozentigen Abminderung der
Scheitelwerte, die bis zur Mündung in die Weser wirksam ist.
Der Retentionsraum in der Bega-Aue bei Lemgo (B3100) führt dabei
nur lokal zu einer geringen Abnahme der Scheitelwerte. Unterhalb der
Ilseeinmündung und im Bereich des HRB Lindemannsheide verursacht dieser Retentionsraum jedoch eine geänderte Wellenüberlagerung, die zu einer leichten Scheitelwerterhöhung führt. Eine Berücksichtigung dieses vergleichsweise kleinen Retentionsraumes ist daher
nicht zu empfehlen.“
4.2.1.3
Querriegel
In Land- und forstwirtschaftlich genutzten Auenbereichen, in denen
aufgrund der Lage und Topographie der Aue eine Verbesserung der
Retention möglich ist, soll durch Querbauwerke eine Erhöhung der
Wasserstände erreicht werden. Für ausgewählte beispielhafte Berei-
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Seite 66
che wurden in die Profildatensätze Querbauwerke eingebaut. Die sich
aus der Wasserspiegellagenberechnung ergebenden Abflusskurven
wurden an das hydrologische Modell übergeben –HWS HYDROTEC
2002.
Die Wirkung auf HQ100 wird am Beispiel der Wiembecke erläutert:
Mögl. Speichervolumen mit 4 Querbauwerken, H = 2 m über
Vorland
= 97.400 m³
= 25,6 km²
Einzugsgebiet AEo
Abflussvolumen HQ100 = 25,6 * 40.000 (= 40 mm Neff
Abflussvolumen HQ100 = 1.024.000 m³
Scheitelreduzierung HQ100
23,2
–
22,2
=
1,0
m³/sAufhebung der Tiefenerosion
An Gewässerstrecken, die durch die eingetretene Tiefenerosion die
Verbindung mit der Aue verloren haben und deren ursprüngliche Aue
auch bei hohen Abflüssen aufgrund der Leistungsfähigkeit des Gerinnes nicht mehr als Retentionsfläche zur Verfügung steht, soll die Tiefenerosion durch eine Umgestaltung der Gewässerprofile rückgängig
gemacht werden. Aus der Wasserspiegellagenberechnung wurden
Abflusskurven an das hydrologische Modell übergeben, die den Effekt
der Gefälleverminderung und Vorlandvolumennutzung an das N-AModell weitergeben (HWS HYDROTEC 2002).
Scheiteldämpfung am Knoten Herford (U5300):
HQ100 Ist-Zustand
= 368,7 m³/s
HQ100 ohne Tiefenerosion
= 366,0 m³/s
4.2.1.5
Talretention - Naturnahe Entwicklung
Auf ihrem Weg füllt die Hochwasserwelle den Talraum je nach der
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Seite 67
Größe des Abflusses mehr oder weniger hoch. Dadurch wird sie verzögert und gedämpft. Das Maß ist vom Speichervolumen abhängig.
Das Speichervolumen wird wesentlich von der Talform und dem
Längsgefälle bestimmt. Dazu wirkt die Rauheit durch Wandung und
Bewuchs.
Tabelle 15:
Einflussfaktoren Talretention
Faktor
Eigenschaften
Für den Hochwasserabfluss
veränderbar
1. Talform
weit, flach, eng steil
nein
2. Längsgefälle
stark, schwach
nein
3. Ebenheit
eben, wellig
in Grenzen
4. Gewässergrundriss
mäandrierend, gradlinig
ja
5. Gewässerquerprofil
ungleichförmig, klein, ausbau-
ja
glatt, groß
5. Bewuchs
Auwald, Grünland, Acker
ja
Um eine Aussage über die Wirkung potentieller natürlicher Verhältnisse machen zu können, wurde mit Hilfe des Hydraulikmodelles und des
N-A-Modelles Gewässerstrecken untersucht. Dazu wurde ein potentiell
naturrauer Zustand in Form erhöhter Rauheiten simuliert.
Diese Rauheiten führen zu erhöhtem Wasserspiegel und veränderten
Abflusskurven. Abbildung 21 zeigt diese Veränderung. Durch den Bewuchs nimmt die Fließgeschwindigkeit ab und bei gegebenem Abfluss
steigt der Wasserspiegel.
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Besta nd - na tur na her Bewuchs
5,00
4,50
4,00
Wasserstand [m]
3,50
3,00
2,50
2,00
naturnah
1,50
Bestand
1,00
0,50
0,00
0,0
50,0
100,0
150,0
200,0
250,0
300,0
350,0
400,0
450,0
Ab fluss [m ³/ s]
Abbildung 21:
Abflusskurve Bestand – potentiell naturrauer Zustand
In der Transportstrecke ändert sich die Volumen-Abflussbeziehung:
Das Retentionsvermögen nimmt zu.
Wasserstandserhöhungen durch natürliche Entwicklung des Bewuchses vergrößern zwar das Wasservolumen im durchflossenen Talquerschnitt, diese Erhöhung ist aber gering im Verhältnis zum Hochwasservolumen extremer Ereignisse. Eine Minderung außergewöhnlicher Hochwasserabflüsse an der Werre ist durch Bepflanzung der Aue
nicht zu erreichen. Dennoch ist sie positiv, da damit die negativen Folgen der notwendigen Maßnahmen in den Ortsdurchgängen ausgeglichen werden.
Aus den oben gemachten Ausführungen können außerdem folgende
Schlussfolgerungen gezogen werden: Bewuchs hat folgende Einflussqualität:
1. Geringe Verbesserung der Retention
2. Deutliche Erhöhung der Wasserspiegel und Hochwassergefährdung in Ortslagen
4.2.2
Hochwasserinformation aktuell
Während eines Hochwasserereignisses sind Informationen für die
Verantwortlichen und die Bürger von höchster Bedeutung.
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·
Wie viel Niederschlag ist im Einzugsgebiet mit welcher Entwicklung gefallen?
·
Welcher Wasserstand herrscht am Gewässer, welche Entwicklung wird stattfinden?
Mit diesen Informationen können sich die Betroffenen ein Bild über die
Hochwassersituation machen und sich entsprechend einrichten. Durch
die Lebenssituation am Gewässer, die ein Gefühl auch für Hochwasser erzeugt, sind die o.g. Größen eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Die Erfahrung zeigt, dass selbst diese elementaren Werte nicht
oder nicht zuverlässig zur Verfügung stehen. Es ist daher von großer
Bedeutung, wenige, aber auf Dauer zuverlässige Messeinrichtungen
bereit zu stellen, die für alle zugänglich sind.
Sicher ist es möglich, das bestehende N-A-Modell zur Vorhersage zu
nutzen, aber im entscheidenden Augenblick stehen die notwendigen
Daten ebenso wenig ausreichend aufbereitet zur Verfügung, wie der
Modellspezialist. Das gilt auch für Niederschlagsvorhersagen des
Deutschen Wetterdienstes. Wer ist bereit, dessen Informationen laufend abzufragen, auszuwerten und wer trägt die ständigen Kosten?
Für die Betroffenen am Rande des Einzugsgebietes ist die mögliche
Vorwarnzeit gering. Für Detmold, Lage und Lemgo beispielsweise
reicht die Information über den Niederschlag. Durch die kurzen Konzentrationszeiten des noch kleinen Einzugsgebiet entwickelt sich das
Hochwasser unter den Augen der Betroffenen.
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Folgende Messstellen werden vorgeschlagen:
Niederschlag
1. Station Veldrom
2. Station Detmold Zentral KLG
3. Station Oerlinghausen
4. .Station Enger-Dreyen
5. .Station Hiddenhausen
6. Station Melle KA
Wasserstand
1. Pegel Ottenhausen/Werre
2. Pegel Ahmsen/Werre
3. Pegel Herford/Werre
4. Pegel Löhne/Werre
5. Pegel Vossheide/Bega
6. Pegel Brake/Aa
7. Pegel Oberahle/Else
Alle Messstellen sind so auszurüsten, dass sie sowohl Sprachausgabe
leisten, als auch im Internet abrufbar sind. Es ist sicherzustellen, dass
gleichzeitig mehrere Anfragen bedient werden können.
4.2.3
Hochwasserinformation in Trockenzeiten
Außerhalb der Ereignisse besteht Informationsbedarf für
·
die Bürger am Gewässer und im überschwemmungsgefährdeten Bereich über die Flächenausdehnung und die Höhe
des Wasserspiegels.
·
die Fachdienststellen über die Flächenausdehnung, die Höhe des Wasserspiegels und die Entwicklung der Aue (Auflandung, Eintiefung).
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Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Überschwemmungsgebietskarten
Die überschwemmungsgefährdeten Flächen stehen längendeckend
als Karten im Maßstab 1 : 5.000 zur Verfügung. Sie sollten in geeigneter Form den Bürgern zur Verfügung gestellt werden (Broschüre).
Das ÜG der Werre von 1989 muss mit dem Ziel überarbeitet werden,
die gefährdeten Flächen auszuweisen. Derzeit sind nur die Flächen
dargestellt, die den gesetzlichen Beschränkungen unterworfen werden. Das vorhandene DGM5 basiert auf digitalisierten Höhenfolien der
Grundkarten, die zum Teil aus den 60er Jahren stammen. Durch die
beschränkte Anzahl der übernommenen Höhenpunkte sind diese Karten oft ungenau. Voraussetzung für eine Überarbeitung der Überschwemmungsgebiete ist daher eine Aktualisierung des digitalen Geländemodelles DGM5 durch Bildflug oder Laserscanning. Hier ist
rechtzeitig auf die Landesvermessung entsprechend einzuwirken.
Bauvorsorge
In überschwemmungsgefährdeten Gebieten müssen Baumaßnahmen
nicht ausgeschlossen werden. In vielen Fällen können durch angepasstes Bauen Schäden vermieden werden, wenn die notwendigen
Informationen über die Gefährdung den Bauwilligen mitgeteilt werden
– mindeste Oberkantefertigfußboden (OKFF).
Risikovorsorge
Überschwemmungsschäden als Elementarschäden sind versicherungsfähig. Auskunft geben die einzelnen Unternehmen. Innerhalb einer von den Versicherern ermittelten Abgrenzung mit häufigen Überschwemmungen (häufiger als 10-jährlich) wird kein Versicherungsschutz gewährt.
Kontrollprofile
Durch Geschiebe- und Schwebstofftransport ändern sich das Gewäs-
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ser und die Vorländer ständig. Hochwasser kann auf den Vorländern
über lange Zeiträume Auflandungen von mehreren Dezimetern verursachen.
Abbildung 22:
Vorland-Aufhöhung Petershagen/Weser seit 1971 (30 Jahre)
Aufhöhungen der Hochwasserspiegel sind die Folge. Um über die
Entwicklung Auskunft geben zu können, wird die Einrichtung von Kontrollprofilen vorgeschlagen. Es handelt sich dabei um ausgesuchte
Talprofile, die an beiden Talrändern dauerhaft versteint werden, so
dass ihre Lage und ihr Nullpunkt fixiert sind. Sie sollten als erster Vorschlag in 2-jährlichem Rhythmus kontrolliert (nivelliert) und die Ergebnisse der Erstmessung überlagert werden. Um den Aufwand zu begrenzen, werden drei Profile ausgewählt, siehe Anlage 4.1 Kontrollprofil und Lagepläne 2.1 ff.
1. Profil III Kirchlengern/Else
2. Profil II Herford/Werre
3. Profil I Bad Oeynhausen/Werre
Die Ergebnisse sollten allen Beteiligten zur Verfügung gestellt werden.
Hochwassermerkstein
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Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 73
Außergewöhnliche Hochwasserstände sollten als „Denkmal“ an öffentlich zugänglichen Stellen dauerhaft vermarkt werden. Damit ist auch
eine Wiedergabe über Zivilkatastrophen hinweg (Krieg) an die nachfolgenden Generationen sichergestellt. Außerdem wird ständig auf die
Möglichkeit außergewöhnlicher Wasserstände hingewiesen. In Anlage
4.1 ist ein Vorschlag für einen Hochwassermerkstein enthalten, der
durch den Einbau eines Auswaschpegels (Schlafpegel) zuverlässig
den Höchstwert eines Ereignisses festhält.
4.2.4
Betrieb des HRB Löhne/Werre
AEo
= 1.335 km²
Rückhalteraum
= 2.500.000 m³
Spezifischer Rückhalteraum
= 1.873 m³/km²
Regelabgabe
= 380 m³/s
(Neff=1,9 mm)
Das HRB Löhne/Werre sichert unmittelbar durch seine Randbedeichungen die Ortslage Löhne Obernbeck und drosselt im Endausbauzustand des HRB-Systemes den Abfluss für die Unterlaufstrecke Löhne – Bad Oeynhausen auf Abflüsse, die mit vertretbarem Aufwand
durch Maßnahmen für Gohfeld, Ostscheid und Werste beherrschbar
sind.
4.2.5
Betrieb des HRB Bad Salzuflen/Bega
AEo
= 295 km²
Rückhalteraum
= 2.582.000 m³
Spezifischer Rückhalteraum
= 8753 m³/km² (Neff= 8,8 mm)
Regelabgabe (empfohlen)
= 70 m³/s
Das HRB Bad Salzuflen/Bega drosselt den Abfluss für den Ortsdurchgang Schötmar und sichert im Verband mit den geplanten Becken die
Einhaltung der Regelabgabe für das HRB Löhne/Werre. In Herford
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
werden die erforderlichen Maßnahmen reduziert.
4.2.6
Betrieb des HRB Bustedt/Brandbach
AEo
= 30 km²
Rückhalteraum
= 308.000 m³
Spezifischer Rückhalteraum
= 10.267 m³/km² (Neff=10,3 mm)
Regelabgabe
= (je nach Druckhöhe)
4.2.7
Geplantes HRB Schötmar/Werre
AEo
= 202 km²
Rückhalteraum
= 2.200.000 m³
Spezifischer Rückhalteraum
= 10.913 m³/km² (Neff=10,9 mm)
Regelabgabe
= 50 m³/s
4.2.8
Geplantes HRB Wiembecke/Wiembecke
AEo
= 23 km²
Rückhalteraum
= 1.060.000 m³
Spezifischer Rückhalteraum
= 46.087 m³/km² (Neff=46,1 mm)
Regelabgabe
= 6 m³/s
4.2.9
Überregionaler Hochwassermelde- und Alarmplan
Für die Hauptgewässer des Werre-Systemes sollte ein Hochwassermelde- und Alarmplan aufgestellt werden.
Folgender Inhalt wird vorgeschlagen:
·
Definition des Katastrophenfalles
·
Angabe der Messstellen mit ihren Grenzwerten
·
Meldewege
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
·
Kompetenz der Beteiligten
·
Angabe aller Dienststellen
Konkrete Handlungsanweisungen für lokale Hilfsmaßnahmen und
Hilfsmittelquellen enthalten die kommunalen Hochwassermelde- und
Alarmpläne
4.2.10 Zusammenarbeit der Verwaltungen (Wasserverband)
Hochwasserschutz hat lokale und überörtliche Bestandteile. Die im
folgenden Abschnitt vorgeschlagenen lokalen Maßnahmen können
durch die Kommunen umgesetzt werden, während die o.a. Vorschläge
durch Dritte umgesetzt werden müssen. Diese sollten für das gesamte
Einzugsgebiet zuständig sein, Erfahrungen mit Hochwasser haben
und ständig verfügbar sein. Das trifft weder für die Kreise noch für die
Staatlichen Umweltämter zu.
Vor diesem Hintergrund ist die Erweiterung der Verbandsaufgaben
des Werre-Wasserverbandes empfehlenswert. Bisher ist der WerreWasserverband nur für die Errichtung und den Betrieb der HRB zuständig. Seine Aufgaben wären zu erweitern und eine neue Verteilung
des Aufwandes zu treffen (§ 92 LWG). Bereits bei der Gründung des
Werre-Wasserverbandes war die Einbeziehung der Gewässerbetreuung beabsichtigt, ist aber am Widerspruch der Kreise, die seinerzeit
Träger der Gewässerunterhaltung waren, gescheitert.
Nach dem Solidaritätsprinzip sind alle Kommunen des Einzugsgebietes am Werre-Wasserverband beteiligt, da sie mit ihren Flächenanteilen zum Abfluss beitragen. Sie sind in der Verbandsversammlung
durch die Kreise vertreten. Wegen des ureigensten Interesses, dass
die Kommunen am Hochwasserschutz haben, wäre deren direkte Beteiligung am Verband wünschenswert.
Ein Verband kann sich auf Grund seiner Zweckbestimmung besser für
die Belange der überörtlichen Maßnahmen (wie z.B. einem überregio-
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 75
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
nalen Hochwassermelde- und Alarmplan) einsetzen, kann die Kommunen beraten und sie bei der Umsetzung ihrer Maßnahmen betreuen
(Wasserrechtliche Genehmigung, Zuschussbeschaffung, Ausführung).
Es bietet sich an, wegen der gegenseitigen Beeinflussung, die Gewässerunterhaltung und die Umsetzung der Konzepte zur naturnahen
Entwicklung in den Aufgabenkatalog einzubeziehen.
Die Erweiterung der Verbandsaufgaben oder die Änderung der Struktur ist ein Kraftakt. Er setzt Einsicht in die sachliche Notwendigkeit,
Glauben an eine Verbesserung der Hochwassersituation und politischen Willen voraus.
4.3
Allgemeine kommunale Maßnahmen
4.3.1
Hochwasserbeauftragter
Hochwasservorsorge besteht nicht nur aus Zahlen und Plänen. Es ist
nötig ihre Inhalte und Ansinnen in die Menschen zu transportieren. Da
in langen Perioden ohne Hochwasser, vor allem ohne außergewöhnliche Hochwasser die Vorsorge vor Ort in Vergessenheit gerät, sollte
sie in einer Person qua Amt verankert werden: In jeder Kommune sollte eine Person der Verwaltung als Hochwasserbeauftragter benannt
werden. Seine Aufgaben sind es:
·
den Zustand des hochwasserempfindlichen Gebietes zu kontrollieren (Leistungsfähigkeit des Gewässers, Hindernisse im
ÜG)
·
Bürger zu beraten und zu informieren
·
die hochwasserrelevanten Unterlagen (ÜG-Karten, Messungen, Meldungen, Fotos, Melde- und Alarmpläne) zu verwalten
·
Ansprechpartner für die Feuerwehr und den Katastrophen-
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
schutz zu sein
·
sich mit seinen benachbarten Kollegen auszutauschen und
sie über außergewöhnliche Vorkommnisse zu unterrichten
4.3.2
Hochwassermelde- und Alarmplan
Im Kapitel 4.2.9 wurde auf die Notwendigkeit der Erstellung eines überregionalen Melde- und Alarmplans für das Hauptgewässersystem
des Werre-Einzugsgebietes hingewiesen. Er soll die betroffenen
Kommunen miteinander verbinden, was die Übermittlung von Nachrichten und Informationen betrifft, und er legt die Kompetenzen überörtlicher Handlungen fest.
Darüber hinaus sollte jede Kommune einen eigenen Hochwassermelde- und Alarmplan aufstellen. Es bietet sich an, ein einfaches Grundmuster zu erarbeiten, dass von allen Kommunen benutzt wird. Vorgeschlagener Inhalt:
·
Örtliche Definition des Katastrophenfalles (Marke Lattenpegel)
·
Nachrichtenverteilung, Meldepflichten und -wege
·
Kompetenz der Beteiligten
·
Angabe aller Dienststellen
·
Gefährdete Bereiche und Betroffene
·
Hilfsmittel und Anweisungen (Quellen, Anbringung)
Änderungen sind ständig einzuarbeiten und den Beteiligten bekannt
zu geben.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
4.3.3
Seite 78
Gewässerunterhaltung
Die Gewässerunterhaltung soll dem Hochwasserschutz, der ökologischen Verbesserung und in Siedlungsgebieten auch der Stadtgestaltung dienen. Eine natürliche Gewässerentwicklung bedeutet eine Verlangsamung der Fließgeschwindigkeit und damit bei gegebenem Abfluss eine Erhöhung des Wasserstandes. Im Hochwasserfall wird dadurch der Rückhalt des Wassers in der Fläche vergrößert, was in den
besiedelten Flächen zu vermehrten Schäden führt.
Bei extremen Hochwasserereignissen wird eine große Menge natürliches Treibsel aus der Fläche und Unrat aus besiedelten Bereichen zu
Tal geführt. In Abschnitten, die mit Holz bestanden sind, bilden sich
dichte Hindernisse, die zu Aufstau und Überschwemmung führen.
Verkrautete Flächen begünstigen die Ablagerung der mitgeführten
Sedimente.
In der freien Landschaft
In der freien Landschaft sollte die Gewässerunterhaltung eine naturnahe Entwicklung des Gewässers unterstützen. Wenn nicht andere
Interessen entgegenstehen, ist keine Unterhaltung erforderlich.
In den Ortschaften
In den Ortschaften, den besiedelten Auen und in der Nähe von
Gewerbegebieten muss die Gewässerunterhaltung mit anderen
Maßnahmen
zusammen
einen
schadlosen
Hochwasserabfluss
gewährleisten. Die entsprechenden Abschnitte sind in den Lageplänen
als
empfindliche
Hochwasserabflussgebiete
rot
gewellt
gekennzeichnet.
In diesen Bereichen dürfen abflusshindernde Maßnahmen nicht
durchgeführt werden!
Bepflanzungen mit Einzelbäumen in Fließrichtung sind davon
ausgenommen. Die Gehölzpflege am Gewässer und im Vorland muss
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die Belange des schadlosen Hochwasserabflusses berücksichtigen
(siehe Maßnahmekatalog). Guter Hochwasserschutz ist eine Nutzung
der abflusswirksamen Bereiche als Grünland (Naherholung oder
Landwirtschaft).
In der folgenden Skizze und in Anlage 4.3 sind profilpflegerische Maßnahmen dargestellt. Soll dichter, naturnaher Bewuchs zugelassen
werden, muss mit Abgrabungen zur Profilaufweitung ein Ausgleich geschaffen werden.
Abbildung 23:
Profilpflege in Ortslagen
Es sind gute Ideen und Absprachen der beteiligten Fachdisziplinen nötig, um in den Ortsdurchgängen das Gewässer hochwassersicher zu
halten und doch die ökologischen und stadtgestalterischen Ansprüche
zu berücksichtigen.
4.3.4
Bauvorsorge
Erweiterungen oder der Neubau von Gebäuden in überschwemmungsgefährdeten Flächen ist nicht grundsätzlich auszuschließen –
siehe Jugendzentrum Bad Salzuflen. Es kommt darauf an, dass die
Kommune mit Hilfe der Wasserwirtschaftsverwaltung und den Infor-
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Seite 79
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
mationen, die mit diesem Plan zu Verfügung gestellt werden, die Baulastträger so beraten, dass das Schadenspotenzial nicht vergrößert
wird.
4.3.5
Hochwasserschutzmaßnahmen
Hochwasserschutzmaßnahmen beinhalten entweder die Volumenkontrolle des Hochwassers (Rückhalt in Speichern), Linienschutzmaßnahmen durch Ausbau oder Eindeichung oder Objektschutzmaßnahmen (Gebäudeöffnungen verschließen, Rückstausicherungen).
Bei den vorgeschlagenen Linienschutzmaßnahmen wurde folgende
Priorität gesetzt:
·
Hochwasserfreiheit durch Absenkung der Wasserspiegel vor
·
Hochwasserfreiheit durch Verwallung, Eindeichung oder
Objektschutz
Die Absenkung der Wasserspiegel stellt eine betriebssichere Schutzeinrichtung dar. Ihr Erhalt ist durch eine ordnungsgemäße Unterhaltung des Abflussquerschnittes gewährleistet. Eine Absenkung wird
durch „Glättung“ der Geländeoberflächen erreicht (Minimierung des
Bewuchses, ebene Flächen) und durch die Herstellung zusätzlichen
Fließquerschnittes im Flussschlauch (Grundräumung) und im Vorland
(Bermen).
Derartige Maßnahmen bieten sich nur da an, wo der Fließquerschnitt
fassbar ist, d.h. die Ausuferung sich nicht unkontrollierbar ausdehnt.
Gehölzentfernung und Baggerarbeiten widersprechen dem Ziel einer
naturnahen Aue. Hier gilt es Kompromisse zu finden. In den Orts-
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durchgängen müssen sich die ökologischen Ansprüche dem Hochwasserschutz unterordnen. Die Bermengestaltung bietet für die ökologische Verbesserung viele Möglichkeiten (Blänken, Kiesinseln, Baumreihen).
In Bereichen mit ausgedehnten Überschwemmungsflächen bleibt oft
nur die Errichtung einer Verwallung oder eines Deiches. Dadurch wird
die Aue vom Fluss getrennt. Es sollte so eng wie möglich um die
Schutzobjekte trassiert werden. Für das anfallende Binnenwasser ist
oft die Errichtung von Schöpfwerken nötig, die ständig betriebsbereit
zu halten sind. Oder der Schutzwall wird von Bauwerken der Regenentwässerung gekreuzt, die durch Rückschlagklappen gesichert sind
oder erhält Scharten für Verkehrswege. Zur Erhaltung der Betriebssicherheit einer derartigen Schutzeinrichtung bedarf es also ständiger
Pflege und Aufmerksamkeit.
Um Unsicherheiten in der Bemessung auszugleichen und wegen des
sich ständig ändernden Zustandes des Abflussquerschnittes werden
die Schutzmaßnahmen mit einem Freibord von 0,3 m bis 0,5 m geplant.
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Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
f = 0 ,3 m
HW
f = 0 ,3 m
f = 0 ,5 m
HW
f = 0 ,5 m
HW
Abbildung 24:
Freibord
Für beide Varianten des Linienschutzes gilt: Die Planungen sollten
sowohl wasserwirtschaftliche, ökologische und städtebauliche Aspekte
berücksichtigen.
Grundräumungen oder Bermenherstellung sind massenintensive Umgestaltungen. Die nachfolgenden Kostenschätzungen gehen von einer
reinen Bodenbeseitigung aus. Eine Verwertung oder Koppelung mit
anderen Maßnahmen (Lärmschutzwall, Landschaftsbau) kann die
Kosten mindern.
Objektschutzmaßnahmen sind je nach Objekt individuell anzupassen.
Weil hier mit flussbaulichen Mitteln kein Hochwasserschutz erreicht
werden kann, und es der öffentlichen Hand nicht zugemutet werden
kann „Am-Haus-Maßnahmen“ vorzunehmen, wird die Umsetzung als
Eigenleistung der Eigentümer angesetzt. Wichtig ist allerdings die Bereitstellung der notwendigen Informationen für den Betroffenen. Es
wird die Anfertigung eines objektscharfen Informationsblattes durch
die Kommune empfohlen. Es enthält
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·
Seite 83
die Lage des Gebäudes in einem Katasterplanausschnitt mit
Flurstücksnummer,
·
die Gefährdungspunkte auf NN bezogen (Schwellenhöhen,
Fensterhöhen, Geländehöhen am Objekt)
·
den Bemessungswasserspiegel HW100
·
die empfohlene Schutzhöhe (WSP+ Freibord 0,3 m bis 0,5 m)
·
Schemadarstellung und Stichworte für Schutzeinrichtungen
(siehe Anlage Muster Objektschutz)
4.4
Auswirkungen der Maßnahmen auf den Hochwasserabfluss
Die hier vorgeschlagenen Maßnahmen beinhalten zumeist einen Gewässerausbau. Damit ist oft die Befürchtung einer Abflussbeschleunigung mit nachteiligen Auswirkungen auf die Unterlieger verbunden.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen haben in ihrer Summe einen
geringen Effekt auf das Retentionsverhalten der Gewässerstrecke.
Der Scheitelabfluss wird geringfügig erhöht; dies wirkt sich auf den
Wasserstand nicht merklich aus. Abflussverschärfungen werden durch
eine naturnahe Entwicklung in der freien Landschaft ausgeglichen.
4.5
Schadensminderung durch Hochwasserschutzmaßnahmen
4.5.1
Volumenwirksame Hochwasserschutzmaßnahmen
Um mögliche Hochwasserschäden an der Werre, Else, Aa und Bega
zu vermindern, sind verschiedene volumenwirksame (überörtlich wirksame) Hochwasserschutzmaßnahmen geplant. In der Studie „Hochwasserschutzkonzept,
Aktualisierung
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
des
N-A-Modells“,
Werre-
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Wasserverband und Hydrotec 2001, wurden detaillierte Lösungsvorschläge für den Hochwasserschutz erarbeitet. In dem vorliegenden
Hochwasser-Aktionsplan wird die Schadensminderung durch diese
Maßnahmen abgeschätzt.
Es werden folgende Maßnahmen unterschieden:
-
Maßnahmen zur Förderung der natürlichen Funktion des
Wasserrückhaltes. Diese beinhalten die Erschließung größerer Vorlandbereiche, den Bau von Querbauwerken, Seeretention, Tiefenerosion, Entsiegelung und Wiederversickerung
sowie naturnaher Gewässerzustand.
-
Hochwasserrückhaltung in Becken
Die drei maßgeblichen Szenarien sind Kombinationen aus Hochwasserrückhaltebecken und Maßnahmen zum natürlichen Wasserrückhalt.
Tabelle 16:
Szenarien volumenwirksamer Hochwasserschutzmaßnahmen
Szenario H18
HRB Werre, HRB Wiembecke,
Optimale Kombination
HRB Johannisbach (1 Mio. m³
mehr Volumen), Seeretention Lage, Vorlandretention
Szenario H20
HRB Werre, HRB Wiembecke,
sinnvolle Kombination
HRB Aa, HRB Johannisbach, Seeretention Lage, Vorlandretention
Szenario H21
HRB Werre, HRB Johannisbach,
Minimalprogramm
Seeretention Lage, Vorlandretention
Die Maßnahmen können das Hochwasser (HQ100) nur teilweise im
Einzugsgebiet der Werre auf ein schadloses Maß reduzieren. Die
nachfolgende Tabelle zeigt die Reduzierung des Schadenspotenzials
für diese drei Hochwasserschutzszenarien für die jeweiligen Gemeinden auf.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 84
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Tabelle 17:
Seite 85
Schäden mit und ohne volumenwirksamer Hochwasserschutzmaßnahmen
Geschätzte Schadenspotenziale
schutzmaßnahmen
Gemeinde
ohne Maßnahmen IstZustand
Scha Sden
Erwar
HQ100 tung
mit und ohne volumenwirksame HochwasserSzenario H18
Optimal
Scha
den
HQ100
Szenario H20
sinnvolle
Kombination
Scha SSErwar den
Erwar
HQ100 tung
tung
Szenario H21
Minimalprogramm
Scha Sden
Erwar
HQ100 tung
Mio.
Mio.
Mio.
Mio.
Mio.
Mio.
Mio.
Mio.
DM
DM/a DM
DM
DM
DM
DM
DM
Oeyn3,31 0,05
5,5
0,11
3,3
0,05
0,8
0,00
Bad
hausen
Bad Salzuflen
55,8
Bielefeld*
6,1
Bünde
25,2
Detmold
6,3
Herford
45,4
Hiddenhausen
4,1
Kirchlengern
2,1
Lage
5,5
Lemgo
103,6
Löhne
87,6
Summe Mio. DM 347,3
0,55
0,18
0,42
0,12
1,06
0,10
0,07
0,08
1,69
1,16
5,52
30,0
0,1
25,2
1,3
28,0
1,1
2,1
1,8
103,6
20,0
216,5
0,15
0,00
0,42
0,01
0,56
0,01
0,07
0,01
1,69
0,10
3,06
30,0
4,0
25,2
1,3
9,6
1,1
2,1
1,8
103,6
15
194,6
0,15
30,00
0,08
4,00
0,42
25,23
0,01
6,31
0,08
28,00
0,01
1,80
0,07
2,09
0,01
2,03
1,69 103,60
0,08
20,00
2,58 226,37
Um die Schadensminderung zu berechen, wurde folgende vereinfachte Methode benutzt: Es wurden die durch die Hochwasserschutzmaßnahmen reduzierten Abflüsse in die Funktion der Schadenswahrscheinlichkeit je Gemeinde neu eingeordnet und die zugehörigen
Schäden ermittelt. Z.B. reduziert sich der Abfluss an der Werre in Lage durch das Maßnahmenszenario H18 bei einem HQ100 um fast 25
%, was etwa einem HQ50 ohne Maßnahmen entspricht. Die Schadensminderung beträgt so in etwa 3,4 Mio. DM . Die Schadensminderungen sind nicht bei allen Wiederkehrzeiten gleich, da die Retentionsräume und HRB erst bei höheren Wiederkehrzeiten einstauen.
Für die Gemeinden Bünde, Kirchlengern und Lemgo sind bei den
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
0,15
0,08
0,42
0,12
0,56
0,03
0,07
0,01
1,69
0,10
3,27
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 86
Szenarien keine Hochwasserschutzmaßnahmen angesetzt worden.
Diese Gemeinden müssen allein durch lokale Schutzmaßnahmen vor
Hochwasserschäden bewahrt werden. Nach Vorgaben des WerreWasserverbandes würde - z.Z. noch ohne hydrologischem Nachweis der Schaden in Bielefeld aufgrund des größeren Volumens im HRB
Johannisbach beim Szenario H18 um 6 Mio. DM bis auf 0,1 Mio. DM
sinken (vgl. Tabelle 17).
Die folgende Grafik zeigt die Schadenswahrscheinlichkeiten mit und
ohne volumenwirksame Hochwasserschutzmaßnahmen für das gesamte Einzugsgebiet der Werre.
Funktion der Schadenswahrscheinlichkeit für das Einzugsgebiet der Werre
350
HQ100
Ist-Zustand
300
Maßnahmen H21
Maßnahmen H20
200
150
HQ50
100
HQ20
50
0
0,06
0,05
Abbildung 25:
0,04
0,03
Wahrscheinlichkeit 1/a
0,02
0,01
Schadenswahrscheinlichkeit mit und ohne Maßnahmen
Die ökologischen Vorteile einer Retentionsmaßnahme (z.B. Auenretention) auf die Flora und Fauna, die das Nutzen-Verhältnis positiv beeinflussen kann, konnten hier nicht monetär bewertet werden.
4.5.2
Lokale Hochwasserschutzmaßnahmen
Die untersuchten Maßnahmen des lokalen (örtlich wirksamen) Hochwasserschutzes können in folgende Gruppen eingeteilt werden:
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
0
Schaden in Mio. DM
250
Maßnahmen H18
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
-
Linienschutz (z.B. Deiche)
-
Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Gewässer
-
Objektschutz
Die Investitionskosten für den Linienschutz und den Ausbau der Gewässer wurden durch das Ing. Büro Sönnichsen im Einzugsgebiet zu
insgesamt ca. 14,5 Mio. DM ermittelt.
Der lokale Objektschutz umfasst folgende Maßnahmentypen:
-
Information der betroffenen Bürger (Merkblatt),
-
Vermessung der relevanten Gebäudehöhen, am Gebäude oder
auf dem Grundstück
-
Vorschlag und Planung von geeigneten Maßnahmen,
-
Schutzmaßnahme (Dammbalken, „Türschott“, Sandsäcke, „Deichsystem 2000“ u.a.)
Für die Objekte innerhalb der natürlichen Überschwemmungsfläche
HQ100 (entspr. Schutzziel), die nicht durch Linien- oder volumenwirksame Hochwasserschutzmaßnahmen geschützt werden, wurden mit
dem Programm HWS-GIS die notwendigen Maßnahmen und Kosten
in Abhängigkeit des Wasserstandes im Keller und Erdgeschoss ermittelt und je Gemeinde summiert.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 87
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Tabelle 18:
Seite 88
Maßnahmen in Abhängigkeit vom Wasserstand am Objekt (WH)
Bedingung
Maßnahmen z.B.
Kosten
Wasserstand über Gelände
im Mittel
bzw. über Erdgeschoss
DM
kein Keller vorhanden
keine
0
keine Information ob Keller keine
0
vorhanden
WSP > 1 cm < 1m ü. OKG
Dammbalken oder passgenaue
5.000
Abdichtungen an Türen, Fenstern
WSP > 1m
Dammbalken oder passgenaue
5.000
Abdichtungen (aufwendig)
WSP 0 - 10 cm ü. EG
Sandsäcke
1.000
WSP 0.1 - 1m ü. EG
Dammbalken oder passgenaue
3.000
Abdichtungen an Türen
WSP 1 - 1.5 m ü. EG
Dammbalken oder passgenaue
10.000
Abdichtungen an Türen, Fenstern
WSP > 1.5 m ü. EG
Dammbalken oder passgenaue
10.000
Abdichtungen (aufwendig)
Für Gewerbebetriebe werden die ermittelten Kosten in Abhängigkeit
ihrer Größe mit einem Faktor (klein 1, mittel 3, groß 6, sehr groß 20)
belegt.
Die Kosten für die Vermessung von Gebäudehöhen und die Kosten für
die Information und die Planung von geeigneten Maßnahmen werden
pauschal mit 50% der Investitionskosten angesetzt.
Eine Wirkungsanalyse brauchte für diesen Maßnahmentyp nicht
durchgeführt zu werden, da die am einzelnen Objekt vorgenommenen
Maßnahmen keinen Einfluss auf den Wasserstand haben werden.
Die Kosten für den lokalen Objektschutz betragen in der Summe im
Untersuchungsgebiet ca. 2,5 Mio. DM.
4.5.3
Kosten-Nutzen-Analyse
Die Kosten für die volumenwirksamen Hochwasserschutzmaßnahmen
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
wurden für die Szenarien H18, H20 und H21 überschlägig anhand der
zu schaffenden Retentionsvolumina berechnet. Hierbei wurden als
Herstellungskosten für Hochwasserrückhaltebecken pauschal 12 DM
pro m³ angesetzt, die Kosten für die Vorlandretentionsmaßnahmen
wurden mit 5 DM pro m³ nutzbarem Volumen berechnet.
Um den Nutzen der Maßnahmen zu berechnen, wurden die Investitionskosten zum Bau der Maßnahmen und die laufenden Unterhaltungskosten auf ein Bezugszeitpunkt umgerechnet (Basisjahr 2001).
In Anlehnung an die „Leitlinien zur Durchführung von Kostenvergleichsrechnungen, LAWA, 1995“ wurden die auf den Bezugszeitpunkt umgerechneten Maßnahenkosten einmal als Projektkostenbarwerte dem durch diese Maßnahmen vermeidbarem Gesamtschaden
und zum anderen als jährliche Kosten den verhinderten jährlichen
Schadenserwartungen gegenübergestellt. Liegt das Kosten-NutzenVerhältnis unter 1, so sind die Investitionen in der Summe für die
Durchführung der Hochwasserschutzmaßnahmen für den betrachteten
Zeitraum (100 Jahre) sinnvoll.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 89
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Tabelle 19:
Seite 90
Kosten und Schadensminderung durch volumenwirksamen Hochwasserschutz
H20
H21
H18
Volumen
H20
H21
H18
Mio.
Mio.
DM
DM
Kosten
Mio. m³ Mio. m³ Mio. m³ Mio.
DM
HRB Volumen
5,12
2,90
4,36
61,5
34,8
52,3
Vorland + Seeret.
3,85
3,85
3,85
19,3
19,3
19,3
Investitionskosten
80,8
54,1
71,6
geschätzte laufende Kos-
0,30
0,20
0,20
90,2
60,4
77,9
2,2
1,3
1,9
152,7
120,9
130,8
jährlich
2,9
2,3
2,5
Summe
62,5
60,5
52,9
jährlich
0,7
0,9
0,6
Summe
0,59
0,50
0,60
jährlich
0,76
0,58
0,75
ten
Projektkostenbarwert (Diskontierungsfaktor: 31,599)
jährliche Kosten (Kapitalwiedergewinnungsf.: 0,03165)
Schadensminderung
Nutzen
Kosten-Nutzen-Verhältnis
Summe
Durch alle Maßnahmenszenarien können die Schäden und die jährliche Schadenserwartung bei einem HQ100 um etwa 40% bis 50 % reduziert werden. Die Differenz Schadensminderungs-Kosten beträgt bei
dem favorisierten Szenario H18 etwa 53 Mio. DM bzw. etwa 0,6 Mio.
DM jährlich, das Kosten-Nutzen-Verhältnis (KNV; Nutzen = Schadensminderung) ca. 0,6 bzw. 0,75 bei der jährlichen Betrachtung.
Nach dieser überschlägigen Berechnung erweisen sich alle Maßnahmenszenarien unter Kosten-Nutzen-Aspekten als sinnvoll.
Für die Objekte, die durch die lokalen Hochwasserschutzmaßnahmen
geschützt werden, sind die Ergebnisse in der folgenden Tabelle dargestellt.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Tabelle 20:
Seite 91
Kosten und Schadensminderung durch lokalen Hochwasserschutz
Hochwasserschutz durch Linienschutz- und Einzelobjektschutzmaßnahmen,
Schutzziel HQ100 (Ist-Zustand)
Stadt / Gemeinde
Schadens- Minderung Investitions- laufende
minderung der
Scha- Kosten
Kosten
denserwarHQ100
0,5 % der IK
tung
S100
SJahr
IK
LK
Mio. DM
Bad Oeynhausen
Löhne
DM/Jahr
Mio. DM
DM/Jahr
5,2513
0,69
25.000
3.448
150.000
1.000
416.000
6.500
562.000
10.000
65.000
9.000
1.685.000
0,96
0,08
1,23
1,79
2,25
0,46
0,85
0,84
2,82
4.793
395
6.145
8.928
11.228
2.280
4.240
4.195
14.105
3.055.500
16,95
84.755
3,35
19,96
51.000
100.000
Bad Salzuflen
Bielefeld *
Bünde
Detmold
Herford
Hiddenhausen
Kirchlengern
Lage
Lemgo
30,00
0,10
25,25
1,30
28,03
1,10
2,09
1,80
103,60
Summe/Mittelwert
216,58
Das Kosten-Nutzen-Verhältnis (KNV) für das Gesamtgebiet liegt bei
ca. 0,09 bezogen auf die Projektkostenbarwerte bzw. 0,20 bei der
jährlichen Betrachtung. Da die lokalen Maßnahmen z.T. Gemeinde
übergreifend und nicht unabhängig voneinander ausgeführt werden
können, konnte nur für das Gesamtgebiet ein Kosten-NutzenVerhältnis berechnet werden.
Werden einzelne Objekte betrachtet, so zeigt sich meist, das Maßnahmen an Objekten mit der Nutzung Stall und Scheune ein schlechtes KNV aufweisen (>1). Objekte mit der Nutzung Gewerbe u.a. weisen wegen der meist hohen Schäden dagegen gute bis sehr gute KNV
auf.
13 Gemeinschaftsmaßnahme mit der Stadt Löhne
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
In der Summe werden durch die lokalen Schutzmaßnahmen mit ca.
216 Mio. DM Schadensminderung rund 62 % der Gesamtschäden im
Einzugsgebiet der Werre innerhalb der natürlichen Überschwemmungsfläche bei HQ100 verhindert.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Seite 92
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 93
5 Kommunen
5.1
5.1.1
1.
Hochwasser-Aktionsplan Bad Oeynhausen
Abschnittsbeschreibung
Abschnitt
Länge:
5,7 km
Beginn:
Mündung in die Weser
AEo = 1.481,6 km²
Ende:
Grenze zu Löhne o.h. Sielwehr
AEo = 1.430 km²
2.
Grundriss
Naturstrecken: keine
Ausbaustrecken historisch: O.h. Sielwehr
Ausbaustrecken Neuzeit: Sielwehr bis Mündung
(~1965 bis 1972)
Der bettbildende Untergrund sind eigene Ablagerungen aus Schluff, Sand und Kies der Niederterrasse. Bad Oeynhausen liegt am Unterlauf der
Werre, d.h. im Auflandungsbereich des Gesamtsystems.
Ursprünglich prägten Mäander den Grundriss der
Werre, deren Schlingen durchaus gegenläufig
waren. Durch die „Kultivierung“ ist der Grundriss
stark verändert worden. Diese Laufverkürzung
vergrößerte das Längsgefälle, deshalb wurden
für den Mittelwasserabfluss Grundschwellen eingebaut, die das Gefälle mindern (z.B. unter der
Brücke Eidinghauser Strasse).
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Abbildung 26:
3.
Aufriss
Seite 94
Preußische Uraufnahme 1837
Mittleres Sohlgefälle:
0,9 0/00
Der Aufriss wird von den Grundschwellen und vor
allem vom Sielwehr geprägt. Die Strecke befindet
sich aus flussmorphologischer Sicht im Unterlauf
des Flusses.
4.
Talform
Die Werre verläuft in einem flachwelligen, mit
sandig, lehmigen Böden bedeckten Talbereich
von West nach Ost. Im Stadtgebiet pendelt sie
zwischen den höheren Geländekanten im Süden
(Bereich Freibad und Stadion) und im Norden
(Flur Dörgen und Broikern). Durch die Darstellung der potentiell gefährdeten Flächen (gelbe
Flächen), die bei Überströmen der jetzigen Ufer
entstehen würden, ist der eigentliche Talbereich
gut zu erkennen.
5.
Wasserbauli-
An der unteren Werre sind umfangreiche was-
che Maß-
serbauliche Maßnahmen ergriffen worden, die die
nahmen der
Überschwemmungen und die damit einherge-
Vergangen-
hende Schadenswirkung auf die Bebauung Löh-
heit
ne und Bad Oeynhausen mindern sollten. Die
Maßnahmen unterscheiden sich in drei Kategorien:
– Eindeichung
– Gewässerausbau
– Hochwasserrückhaltung
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 95
Eindeichung
Vor mehr als 100 Jahren wurden vermutlich als
Folge des Novemberhochwassers von 1890 Deiche entlang der Werre zwischen Löhne und Bad
Oeynhausen errichtet. Sie bilden keine geschlossene Sicherheitslinie.
Gewässerausbau
In den 70er Jahren wurde die Werre im Stadtdurchgang Bad Oeynhausen ausgebaut. Die
Leistungsfähigkeit ist für ein hundertjährliches
Hochwasser ausreichend, auch wenn das HRB
Löhne überläuft.
6.
Profilzustand/Unterhaltungszustand
Durch die umfangreichen Ausbaumaßnahmen hat die Werre heute mehr oder
weniger technische Profile. Die Panzerung
der Sohle und der Böschungen durch
Steinschüttung stabilisiert den Querschnitt.
Geschiebe wird weitertransportiert, lediglich auf dem Gleitufer und teilweise auf den
Böschungen lagert der Fluss Sand ab.
Auf der Strecke zwischen Löhne und Bad
Oeynhausen im Bereich des Gohfelder
Deichverbandes ist das Profil bis HQ20 leistungsfähig, geringfügig behindert Gehölzbewuchs den Hochwasserabfluss. Für den
linksseitigen Deich wurde durch den Unterzeichner die Hochwassersicherheit untersucht (SÖNNICHSEN 1997) und festgestellt,
dass die Deiche weder standsicher sind
noch eine geschlossene Sicherheitslinie
darstellen. Die Standsicherheit betreffend
muss dieser Sachverhalt auch für den
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 96
rechtseitigen Deich angenommen werden.
7.
Leistungsfä-
Schadensbeginn:
~ 330 m³/s
Schadloser Abfluss
~ 300 m³/s
higkeit
einschließlich 0,5 m
Freibord:
HQ100:
8.
Hochwassergefährdung
506 m³/s
Die intensive Nutzung des Talraumes
beidseits der Werre birgt ein hohes Schadenspotenzial, so dass die Werrestrecke
im Stadtgebiet insgesamt als empfindliches
Abflussgebiet
gekennzeichnet
werden
muss. Für Bad Oeynhausen besteht durch
den Gewässerausbau Hochwassersicherheit für ein hundertjährliches Ereignis von
der Wesereinmündung bis zum Sielwehr.
Abschnitt I Werre-Park
Mündung bis Zusammenfluss Flutmulde –
Werre: hochwasserfrei.
Dieser Abschnitt ist stark durch den Weser
Rückstau beeinflusst. Bei Hochwasser lagert die Werre auf den Vorländern deutlich
sichtbar große Mengen Sedimente ab, die
die Profilleistung verschlechtern. Als maßgebende Unterwasserstrecke zum Engpass in Abschnitt II darf hier die Abflussleistung nicht verschlechtert werden.
Abschnitt II Prinzenwinkel - Fürstenwinkel
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 97
Verzweigung Flutmulde und Werre: hochwasserfrei.
Abschnitt III Sielpark:
Fürstenwinkel bis Sielwehr: hochwasserfrei.
Abschnitt IV Staustrecke:
Sielwehr bis Stadtgrenze: überschwemmungsgefährdet.
Oberhalb des Sielwehres ist die Ortslage
Werste und rechtsseitig das Gewerbegebiet um die Haferflockenmühle (Rückstau
Osterbach)
überschwemmungsgefährdet.
Dieser Abschnitt muss in Zusammenhang
mit der anschließenden Löhner Fließstrecke bis zur Kronprinzenbrücke gesehen
werden. Er enthält den Gewässerabschnitt
des Gohfelder Deichverbandes. Die Eindeichung wurde vor rund 100 Jahren durch
einen neu gegründeten Verband vermutlich
als Folge des Novemberhochwassers von
1890 errichtet. Das eingedeichte Gewässerprofil hat gegenüber den jüngerer Gewässerausbaumaßnahmen der Anschlussstrecken eine deutlich geringere Leistungsfähigkeit und der Schutz der Deiche ist aus
folgenden Gründen unvollständig:
1. Linksseitig endet der Deich 650 m
oberhalb der Wehranlage; Werste
wird
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
bei
Hochwasser
über-
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 98
schwemmt.
2. Rechtsseitig endet der Deich ebenfalls oberhalb des Wehres; der
Rückstau bei Hochwasser reicht
über den Osterbach bis zur Haferflockenmühle.
3. Die Rücklaufdeiche Blutwiesenbach
und
Rehmerloh-Mennighüffener
Mühlenbach sind nicht ausreichend,
so dass Ostscheid und Börstel bei
Hochwasser überschwemmt werden.
Es muss daher im Bemessungslastfall mit
ausgedehnten Überschwemmungen in die
Talbereiche gerechnet werden. Die Entwicklung der letzten 50 Jahre - seit dem
Katastrophenereignis 1946 - hat durch
Wohnbebauung und Gewerbeobjekte in
diesen Flächen ein hohes Schadenspotenzial geschaffen. Besonders zu nennen sind
die Gewerbeflächen beidseits der AlbertSchweitzer-Straße (östlich des Rathauses)
und die Bebauung Werste nördlich der
Werre.
Die Besonderheit der Hochwassergefährdung
dieses Abschnittes ist dadurch gekennzeichnet,
dass die historischen Ausbaumaßnahmen eine
relativ hohe Leistungsfähigkeit aufweisen. Das
heißt, nur außergewöhnliche Hochwässer führen
zu Schäden. Ereignisse bis zur Häufigkeit 20jährlich laufen schadlos ab. Katastrophenereignisse, für die der Hochwasser-Aktionsplan und
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 99
das Schutzkonzept ausgelegt sind, breiten sich
dann durch Versagen der Deiche und nicht ausreichender Schutzeinrichtungen schlagartig in
weite Bereiche aus und überraschen die Betroffenen.
5.1.2
Schadenspotenzial
In der Stadt Bad Oeynhausen sind bei einem Hochwasser HQ100 mit
80 % überwiegend Wohnhäuser betroffenen, die ein Schaden von
rund 45 % des Gesamtobjektschadens ausmachen und nur auf den
Ortsteil Werster-Masch beschränkt sind. Die höchsten Einzelschäden
entstehen an Gewerbe- und Sporteinrichtungen, mit nur sieben Objekten wird bei HQ100 53 % des Gesamtobjektschadens erreicht.
Tabelle 21:
Objekte
Hochwasserschadenspotenzial in Bad Oeynhausen
Vermögen
Schaden
Schaden
Schaden
HQ50
HQ20
HQ100
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
79
27,29
5,55
3,31
0,83
Durch die Deiche entlang der Werre entstehen bei einem HQ20 nur
noch an wenigen Objekten innerhalb der Eindeichung geringe Schäden.
Bei den potenziellen Überschwemmungsflächen treten bei einem
möglich Deichbruch bei den Gebieten Maschmulde/Dörgen und Prinzenwinken/Fürstenwinkel die höchsten Schäden auf.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Tabelle 22:
Seite 100
Schäden innerhalb der potenziellen Überschwemmungsflächen
Gemeinde
Bereich
Flä- Anzahl
che Objekin ha
te
Bad
Oeynha
usen
Am Siel
Maschmulde/Dörgen
Prinzenwinken/Fürstenwinkel
Sielpark
15
34
25
22
64
145
218
10
Schaden
bei
HQ100
1,09
11,19
9,54
1,00
Die Ergebnisse sind in der Anlage 2-1 zusammenfassend dargestellt.
5.1.3
Hochwasservorsorge
Überschwemmungsgebiet seit 1989
Alarmplan Kreis Minden-Lübbecke nicht vorhanden.
Kommunaler Alarmplan nicht vorhanden.
Bad Oeynhausen ist in den Melde- und Alarmplan für das HRB Löhne/Werre einbezogen.
5.1.4
Maßnahmen
5.1.4.1
Allgemeines
Von der Werremündung bis zum Sielwehr ist die Werre hochwasserfrei. Dieser Vorteil ist mit beträchtlichem finanziellen Aufwand und enormer Anstrengung der Beteiligten erreicht worden. In den potenziell
gefährdeten Gebieten haben die Menschen einen Anspruch auf den
Erhalt dieser Situation. Alle verändernden Maßnahmen im Abflussquerschnitt der Werre müssen daraufhin sorgfältig geprüft werden.
Um die Entwicklung der Verlandung im Rückstaubereich der Weser,
die die Vorflut beeinträchtigt, langfristig beobachten zu können, wird in
Höhe
des
Werre-Parks
die
vorgeschlagen.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Einrichtung
eines
Kontrollprofiles
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Abbildung 27:
Seite 101
Beseitigung von Auflandungen und Bewuchs
Der Maßnahmeschwerpunkt für den Hochwasser-Aktionsplan Bad
Oeynhausen ist die Sicherung der Werre-Aue auf dem Abschnitt zwischen Kronprinzenbrücke und Sielwehr Bad Oeynhausen. Weil die
Überschwemmungen nicht an politischen Grenzen Halt machen, müssen Schutzmaßnahmen gemeinsam von beiden Kommunen oder dem
Werre-Wasserverband geplant und umgesetzt werden. Die Empfehlungen für diesen Abschnitt sind daher in beiden Kommunalplänen deckungsgleich.
Der Streckenabschnitt war in der Vergangenheit des öfteren Diskussionsgegenstand für die Wasserbehörden und die Anliegergemeinden,
um die Angleichung der Hochwassersicherheit an die anschließenden
Abschnitte voranzubringen. In einer generellen Untersuchung des
Leichtweiß-Institutes, Braunschweig aus dem Jahre 1963 war vorgesehen, auch diese Strecke auf eine größere Leistungsfähigkeit auszubauen. Aus verschiedenen Gründen ist der Ausbau bisher unterblieben.
Eine Sanierung und Vervollständigung des Hochwasserschutzes auf
der jetzigen Deichtrasse ist aufwendig (SÖNNICHSEN 1998) und aus
wasserwirtschaftlicher Sicht nicht empfehlenswert. Es würde die Aue
als natürlicher Retentionsraum größtenteils vom Gewässer abgetrennt. In dem Sanierungskonzept wurde der Vorschlag unterbreitet,
die jetzige Deichlinie teilweise aufzugeben. Dieser Vorschlag wurde in
einer Maßnahmenplanung des Umweltinstitutes Höxter (UIH 2000)
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Seite 102
aufgegriffen. Die folgenden Maßnahmenvorschläge bauen darauf auf.
Um nicht alte Fehler zu wiederholen, werden in diesem Abschnitt sowohl der Hochwasserschutz verfolgt als auch eine natürliche Gewässerentwicklung berücksichtigt. Es gelten folgende Ziele:
1. Hochwasserschutz beidseitig der Werre von Kronprinzenbrücke
bis Sielwehr
2. Wiederherstellung von natürlichem Retentionsraum
3. Freihalten einer potentiell natürlichen Trasse eines natürlichen
Gewässergrundrisses als Ziel der naturnahen Entwicklung.
Für das Ziel 1 wird eine Sicherheitslinie definiert, die nicht mehr überall
der Deichtrasse entspricht. Entlang dieser Sicherheitslinie, die der
künftigen Überschwemmungslinie bei Hochwasser entspricht, ist der
Hochwasserschutz sicherzustellen. Teilweise liegt die Sicherheitslinie
auf der bestehenden Deichtrasse. Zur besseren Übersichtlichkeit werden die Maßnahmen entlang dieser Linie in einzelne Abschnitte unterteilt:
5.1.4.2
Nördliches Ufer
Hochwasserschutz Werste
Dieser Abschnitt umfasst die nördliche Sicherheitslinie vom Sielwehr
bis oberwasserseitig der Brückenstraße. Von der Brückenstraße bis zu
den Wochenendhäusern an der Stadtgrenze Bad Oeynhausen, ist der
bestehende Deich nach den anerkannten Regeln der Technik zu sanieren. Oberhalb muss ein Anschluss des Deiches an den hochwasserfrei liegenden Teil der Vogteistraße erfolgen. Unterhalb, im Bereich
Werster Masch, ist die Deichlinie aufzunehmen und bis zum Sielwehr
hochwasserfrei anzuschließen. Während die geplante Deichtrasse
(SÖNNICHSEN 1998) auf dem Kanutenweg verläuft, sieht eine Alternative des Umweltinstitutes Höxter (UIH 2000) eine Rückverlegung der
Trasse nördlich der Sportplätze vor. Dadurch bleibt mehr Retentions-
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Seite 103
raum erhalten. Welche Trasse letztlich gewählt wird, sollte mit der
Kommune,
der
Wasserwirtschaftsverwaltung
und
dem
Werre-
Wasserverband abgestimmt werden.
Der Rückstau in den Blutwiesenbach gefährdet einzelne Objekte im
Bereich der Blutwiesen. Wasserbauliche Maßnahmen sind hier unverhältnismäßig aufwendig. Es wird Objektschutz an den einzelnen Gebäuden empfohlen.
Hochwasserschutz Ostscheid
Dieser Abschnitt sichert die Bebauung Ostscheid und Börstel. Eine
Verwallung, die an der Börstelstraße zu beginnen hat und an der
hochwasserfrei errichteten Kläranlage anschließt, schützt die Bebauung Ostscheid und Börstel. Auch hier sind zwei Trassenvarianten
möglich.
Hochwasserschutz Binderbruch
Bei diesen Maßnahmen handelt es sich um kleinere Baumaßnahmen,
die detailliert im Sanierungskonzept (Sönnichsen, 2000) enthalten
sind.
5.1.4.3
Südlich der Werre
Hochwasserschutz Gohfeld
In diesem Bereich verläuft die Schutzlinie entlang der Autobahn
A 30. Zwischen der Autobahn und der Löhner Straße wird der Hochwasserspiegel möglicherweise durch Einleitungsbauwerke bzw. auch
durch den Osterbach südlich der A 30 ausgespiegelt. Hier ist die Gefährdung durch örtliche Erkundungen zu prüfen und durch Objektschutz oder Geländeaufhöhung Hochwassersicherheit herzustellen.
Gegen den Rückstau aus dem Mühlenbach, wird im Bereich der Mühlenwerke eine Verwallung vorgeschlagen.
Hochwasserschutz Gewerbegebiet östlich Rathaus Löhne
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Seite 104
Bei diesem Bereich handelt es sich um eine Fläche mit sehr hohem
Schadenspotenzial. Sie wird derzeit durch den Damm der Bundesautobahn und den Werre-Deich geschützt. Der Werre-Deich ist auf gesamter Linie entsprechend den anerkannten Regeln der Technik zu
sanieren. Im Bereich der Bundesautobahn ist zu prüfen, inwieweit
durch Einleitungsbauwerke eine ungewollte Ausspiegelung des Hochwassers in das tiefliegende Gewerbegebiet erfolgen kann.
Ziel 2 Retentionsraumgewinnung
Die Wiederanbindung des links- und rechtsseitig der Deiche vorhandenen Vorlandes als Retentionsraum kann über schwellenartige Absenkungen in der jetzigen Deichtrasse erfolgen. Sie dienen sowohl
dem Füllen als auch dem Entleeren der Vorlandpolder. Ihre Anordnung kann dem Lageplan entnommen werden. Durch diese Deichöffnungen entsteht oberwasserseitig der Brückenstraße eine begünstigende Spiegelabsenkung.
Ziel 3 Naturnahe Entwicklung
In dem Abschnitt Werre-Aue ist die letzte Möglichkeit einer naturnäheren Entwicklung für die untere Werre gegeben. In Abstimmung mit
dem UIH wurde eine Trasse braun strichpunktiert eingetragen, die einen natürlichen Verlauf auf historischen Wegen darstellt. Sie steht der
Hochwasserschutzplanung nicht entgegen. Eine Realisierung dieses
Verlaufes durch die eigene Kräfte des Flusses muss künstlich angestoßen werden. Als Flutmulde für den außergewöhnlichen Hochwasserabfluss muss die jetzige Trasse mindestens erhalten bleiben.
5.1.4.4
Voraussetzungen
Für die lokalen Schutzmaßnahmen ist zu klären, welcher Abfluss als
Bemessungsgrundlage zu verwenden ist:
·
BHQ = 380/400 m³/s (Regelabgabe HRB Löhne mit gepl.
HRB Wiembecke und gepl. HRB Schötmar/Werre)
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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·
Seite 105
BHQ = 494/491 m³/s (HQ100 Bestand)
Eine Bemessung auf die Regelabgabe setzt die Realisierung der zusätzlichen Becken voraus. Damit ist nicht innerhalb von 15 bis 20 Jahren zu rechnen. Wird der höhere Abfluss des Ist-Zustandes zugrundegelegt, leisten die realisierten lokalen Anlagen nach Fertigstellung der
HRB einen höheren Schutzgrad.
Die vorstehend beschriebenen Maßnahmen sind umfangreich und
aufwendig. Sie erfordern eine genaue Kenntnis der Geländeverhältnisse, der Gewässerprofile und der Situation der gefährdeten Objekte.
Als Grundlage für Planungen sollte daher das derzeitige Geländemodell durch eine aktuelle Überfliegung erneuert und verfeinert werden.
Dazu müssen durch terrestrische Aufnahmen am Rande der Überschwemmungsgrenzen, Objekte und Geländekanten aufgenommen
werden. Erst dadurch ist man in der Lage, die hydraulischen Verhältnisse über Profile, die sich auf den Talraum ausdehnen lassen, nachzubilden. Auch dann erst sind detaillierte Planungen für Schutzmaßnahmen möglich. Wegen der besonderen Verhältnisse ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aus Wasserbau-Wasserwirtschaft, Landschaftsökologie und Stadtplanung nötig.
Außer dem Planungsaufwand entsteht durch die Vielzahl Beteiligter
ein hoher Verfahrensaufwand. Es bietet sich an für dieses Projekt eine
eigene Arbeitsgruppe zu bilden.
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Tabelle 23:
Seite 106
Kostenschätzung Maßnahmen Bad Oeynhausen
Kostenschätzung Hochwasser - Ak tionsplan Bad Oeynhausen i. V. m it Löhne
Lei stun g en
M en g e
Ei n h .
EP
Gesa m tk osten
Pos. 1 Hochwasserschutz Werre-Aue Werste
Sanierung des bestehenden
Deiches von der Stadtgrenze bis
zu den Wochenendhäusern
300.0
m
900.00 DM
270,000.00 DM
Verlängern des Deiches aus
vorhergehender Pos. in der
Werster Masch
1000.0
m
900.00 DM
900,000.00 DM
Deich von Brückenstraße bis
Vogteistraße
375.0
m
500.00 DM
187,500.00 DM
700.00 DM
560,000.00 DM
Pos. 2 Hochwasserschutz Werre-Aue Ostscheid
Deich herstellen von Kläranlage
bis Ludwigstraße/ Verlängerung
Börstelstraße
800.0
m
Pos. 3 Hochwasserschutz Werre-Aue Binderbruch
Geländeaufhöhung Marktkauf
und Sportplatz, Deichrückbau
Binderbruch
30,000.00 DM
pau
Pos. 4 Hochwasserschutz Werre-Aue Gohfeld
Deich herstellen
Haferflockenmühle/ O sterbach
700.00 DM
70,000.00 DM
Rückstausicherungen durch
BAB 30 Damm
pauschal
40,000.00 DM
O bjektschutz (Löhne gesamt)
pauschal
439,500.00 DM
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
100.0
m
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Seite 107
Pos. 5 Hochwasserschutz Werre-Aue Gewerbegebiet östlich des Rathauses
Sanierung des bestehenden
Deiches von BAB30 bis
Tennisplatz
900.0
m
Rückstausicherungen im
BAB 30 Damm von Werre bis
Kleeblatt
1,000.00 DM
900,000.00 DM
130,000.00 DM
pauschal
Pos. 6 Hochwasserschutz Werre-Aue Retentionsraum-Rückgewinnung
Herstellung von Deichscharten
als Flutöffnungen
Bau einer Flutmulde uh.
Brückenstraße, linkes Vorland
6.0 Stck
600.00
20,000.00 DM
120,000.00 DM
700.00 DM
420,000.00 DM
pauschal
650,000.00 DM
pauschal
450,000.00 DM
m
Grunderwerb, Entschädigung
Pos. 7 Hochwasserschutz Werre-Aue N ebenkosten
Bildflug, DGM, Terrestrische
Vermessung, Planung,
Bauleitung, UVS, LBP
Unvorhergesehenes und
Aufrundung
83,000.00 DM
Sum m e
5.2
5.2.1
1.
5,250,000.00 DM
Hochwasser-Aktionsplan Löhne
Abschnittsbeschreibung
Abschnitt
Länge:
9,8 km
Beginn:
Stadtgrenze Bad Oeynhausen/ Werste
Ende:
Stadtgrenze Hiddenhau-
sen/Schweicheln
2.
Grundriss
Naturstrecken: keine
Ausbaustrecken Historisch:
Sielwehr bis
Kronprinzenbrücke und oberhalb Wehr Kissler
Ausbaustrecken Neu: Kronprinzenbrücke bis
Wehr Kissler
3.
Aufriss
Mittleres Sohlgefälle:
1,2 0/00
Im Verlauf des Kommunalabschnitts Löhne befin-
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Seite 108
den sich 4 Stauanlagen:
1. Auslaufbauwerk HRB Löhne,
2. EMR-Wehr am Pumpwerk,
3. Wehr Kissler (Behmer Mühle),
4. Altes Oberbehmer Wehr
Die Strecke befindet sich aus flussmorphologischer Sicht im Unterlauf des Flusses.
4.
Talform
Die Überschwemmungsflächen weisen im Kommunalabschnitt Löhne 4 charakteristische Bereiche auf. Sie werden nachfolgend gegen die Fließrichtung beschrieben.
a) Der Abschnitt im Anschluss an die Stadtgrenze Bad Oeynhausen hat überschwemmte
Talbreiten bis rund 1.500 m. Die ausgedehnten Flächen im Bereich Blutwiesen nördlich
der Werre, deuten auf eine urzeitliche Flutrinne hin, die mitten durch Werste verläuft.
b) Der Talcharakter wechselt im Ortsdurchgang
Löhne-Obernbeck. Hier schrumpft die Überschwemmungsfläche auf Breiten um 500 m
zusammen. Durch den Ausbau und die Eindeichung sind die ursprünglichen Flächen
nicht mehr erkennbar.
c) Als dritter separater Abschnitt ist der Bereich
des Zuflusses der Else zu nennen. Durch die
Schuttablagerungen im Lauf der Entwicklungsgeschichte der Gewässer ist hier ein flacher Talboden mit ausgedehnten Überschwemmungsflächen entstanden. Dieser Bereich wird von mehreren Verkehrswegen gekreuzt. Durch Unterführungen und andere
Vorflutöffnungen spiegelt sich das Hochwasser auch in rückwärtig liegende Bereiche aus.
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Seite 109
d) Oberhalb des Ortsteiles Falscheide wird das
Relief lebhafter, der Talraum enger. Die Überschwemmungsflächen benetzen nur noch ein
Sohlental mit einer Breite von rund 300 m.
5.
Wasserbauli-
Die Werre ist im gesamten Stadtabschnitt Löhnes
che Maß-
in der Vergangenheit kultiviert worden. Zu unter-
nahmen der
scheiden sind Alt-Abschnitte und jüngere Aus-
Vergangen-
bauabschnitte. Zu den Alt-Abschnitten gehört der
heit
Ausbau mit der Randbedeichung zwischen Löhne
und dem Sielwehr Bad Oeynhausen. Die Strecke
in ihrem heutigen Zustand unverändert wurde Ende des 19. Jahrhunderts hergestellt. Oberwasserseitig schließt sich der Ausbau für das Hochwasserrückhaltebecken Löhne/Werre an. Er fand
1982 seinen Abschluss mit dem Ausbau der Strecke zwischen Auslaufbauwerk Schützenstraße
und der Kronprinzenbrücke. Die Ausbaustrecke
endet im Unterwasser des Wehres Kissler.
Oberhalb schließt eine Gewässerstrecke an, die
zum Zwecke der Wasserkraftnutzung und zur
Verbesserung landwirtschaftlicher Nutzung mehr
oder weniger umgestaltet wurde. Durch Aufgabe
der Wasserkraftnutzung „Alte Oberbehmer Mühle“ und durch unterbliebene Unterhaltung entstehen mehr natürliche Strukturen.
Die herausragende wasserbauliche Maßnahme
im Kommunalabschnitt Löhne war die Errichtung
des Hochwasserrückhaltebeckens Löhne/Werre –
siehe Abschn. 4.2.4.
Das HRB regelt den Hochwasserabfluss auf 380
m³/s. Zusammen mit dem Abfluss des Rehmerloh-Mennighüffener Mühlenbach beträgt der Gesamtabfluss in Bad Oeynhausen dann rund 400
m³/s. Aufgrund des begrenzten Rückhalteraumes
läuft das Rückhaltebecken bei einem HQ100 allerdings über, und der Abfluss erhöht sich auf 488
m³/s (nach Einmündung Rehmerloh-
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Seite 110
Mennighüffener Mühlenbach.
6.
Profilzu-
Je nachdem Ausbauzeitpunkt sind die Profile
stand/Unter-
mehr oder weniger technisch. Auf der Strecke
haltungszu-
zwischen Löhne und Bad Oeynhausen im Bereich
stand
des Gohfelder Deichverbandes ist das Profil leistungsfähig, teilweise behindert Gehölzbewuchs
den Hochwasserabfluss. Für den linksseitigen
Deich wurde durch den Unterzeichner die Hochwassersicherheit untersucht (SönnichseN 1997)
und festgestellt, dass die Deiche weder standsicher sind noch eine geschlossene Sicherheitslinie
darstellen. Für die Standsicherheit muss dieser
Sachverhalt auch für das rechte Ufer angenommen werden.
Im direkten Ortsdurchgang Löhnes zwischen Albert-Schweitzer-Straße und Schützenstraße ist
der Bewuchs so dicht, dass er die Abflussleistung
deutlich beeinträchtigt. Das gilt vor allem für die
Strecke oberhalb der Kronprinzenbrücke, deren
Wasserstand-Abflussbeziehung maßgeblich für
die Abflussregelung aus dem HRB ist.
Weiter oberhalb – innerhalb des HRB – herrschen
gleichförmige technische Querschnitte vor. Sie
sind zum Teil dicht mit Gehölz bestanden. Das
hat für die Hochwassersicherheit untergeordnete
Bedeutung. Bis zum Erreichen der Regelabgabe
sind weite Teile des Beckens ohnehin geflutet, so
dass durch diese Abflussverschlechterung eine
merkliche nachteilige Vorfüllung nicht anzunehmen ist. In dem historischen Abschnitt oberhalb
Wehr Kissler ist das Querprofil ungleichförmig
und zum Teil mit Gehölz bestanden.
7.
Leistungsfä-
Schadensbeginn:
350 m³/s
higkeit
Schadloser Abfluss
einschließlich 0,5 m
Freibord:
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
- m³/s
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Seite 111
Freibord:
HQ100:
8.
490 m³/s
Hochwasser-
Im Kommunalabschnitt Löhne sind drei Bereiche
gefährdung
besonders Hochwasser gefährdet. Herausragend
ist der Abschnitt von der Kronprinzenbrücke bis
zur Stadtgrenze Bad Oeynhausen. Aus dem oben
geschilderten Sachverhalt, dass die über 100
Jahre alten Deiche nicht ausreichend standsicher
sind, nicht ausreichend hoch sind und keine geschlossene Deichlinie aufweisen, muss im Bemessungslastfall mit ausgedehnten Überschwemmungen in die Talbereiche gerechnet
werden. Die Entwicklung der letzten 50 Jahre seit dem Katastrophenereignis 1946 - hat durch
Wohnbebauung und Gewerbeobjekte in diesen
Flächen ein hohes Schadenspotenzial geschaffen. Besonders zu nennen sind die Gewerbeflächen beidseits der Albert-Schweitzer-Straße (östlich des Rathauses) und die Bebauung Werste
nördlich der Werre.
Die Flächen beidseits der Albert-SchweitzerStraße liegen auf einem Gelände, durch das die
Werre früher geflossen ist. Sie sind durch die alte
Deichanlage geschützt und daher in den Plänen
als potentielles Überflutungsgebiet gekennzeichnet.
Die Besonderheit der Hochwassergefährdung
dieses gesamten Abschnittes ist dadurch gekennzeichnet, dass die historischen Ausbaumaßnahmen eine relativ hohe Leistungsfähigkeit haben. Das heißt, nur außergewöhnliche Hochwässer führen zu Schäden. Ereignisse bis zur Häufigkeit 20-jährlich laufen schadlos ab. Katastrophenereignisse, für die der Hochwasser-Aktionsplan
und das Schutzkonzept ausgelegt sind, breiten
sich dann durch Versagen der Deiche und nicht
ausreichender Schutzeinrichtungen schlagartig in
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Seite 112
weite Bereiche aus und überraschen die Betroffenen.
Oberhalb der Kreuzung mit der Bundesautobahn
A 30, sind weitere Gewerbeflächen betroffen
(Schillenbrink). Das gilt ebenfalls für die
Gewerbeflächen oberwasserseitig der
Bundesbahnbrücke Dortmund-Hannover.
5.2.2
Schadenspotenzial
In der Stadt Löhne liegt das Schadenspotenzial von allen betroffenen
Kommunen mit ca. 88 Mio. DM Schaden bei HQ100 am zweithöchsten.
17 % der Objekte (Gewerbe) machen 81 % des Gesamtobjektschadens aus. Die Wohnbebauung ist mit 72 % der Gesamtobjektzahl nur
zu 4 % am Gesamtobjektschaden beteiligt. Der mittlere Schaden liegt
bei ca. 580.000 DM pro Objekt sehr hoch. Die höchsten Einzelschäden entstehen in den Gewerbegebieten Hofkamp/Gohfeld und Engebuhl.
Tabelle 24:
Objekte
Hochwasserschadenspotenzial in Löhne
Vermögen
Schaden
Schaden
Schaden
HQ50
HQ20
HQ100
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
136
446,56
87,56
27,85
6,94
Bei HQ20 sind die Objekte in der Kampstraße nicht mehr vom Hochwasser betroffen, die bei HQ100 durch Rückstau im Osterbach gefährdet sind.
Von den insgesamt fünf potenziellen Überschwemmungsflächen, die
bei einem möglichen Deichbruch entstehen, sind die Gebiete Auf dem
Felde und Obernbeck/Bahnhofstr./Masch die mit den höchsten Schäden.
Tabelle 25:
Gemeinde
Löhne
Schäden innerhalb der potenziellen Überschwemmungsflächen
Bereich
Auf dem Felde
Bünderstr./Verschiebebahnhof
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Fläche Anzahl Schaden
in ha Objekte bei HQ100
30
37
59,82
4
13
0,20
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Löhne
Obernbeck/Bahnhofstr./Masch
Werredam/Rathausstr.
11
60
10
Seite 113
14
303
27
1,18
7,51
2,13
Die Ergebnisse sind in der Anlage 2-2 dargestellt.
5.2.3
Vorhandener Hochwasserschutz
Im Bereich des Hochwasserrückhaltebecken Löhne ist die angrenzende Bebauung geschützt.
5.2.4
Hochwasservorsorge
Überschwemmungsgebiet seit 1989
Alarmplan Kreis Herford nicht vorhanden.
Kommunaler Alarmplan nicht vorhanden.
Löhne ist in den Melde- und Alarmplan für das HRB Löhne/Werre einbezogen.
5.2.5
Maßnahmen
Der Maßnahmeschwerpunkt für den Hochwasser-Aktionsplan Löhne
ist die Sicherung der Werre-Aue auf dem Abschnitt zwischen Kronprinzenbrücke und Sielwehr Bad Oeynhausen. Weil die Überschwemmungen nicht an politischen Grenzen Halt machen, müssen
Schutzmaßnahmen gemeinsam von beiden Kommunen oder dem
Werre-Wasserverband geplant und umgesetzt werden. Die Beschreibungen für diesen Abschnitt sind daher in beiden Kommunalplänen
gleich.
Der Streckenabschnitt war in der Vergangenheit des öfteren Diskussionsgegenstand für die Wasserbehörden und die Anliegergemeinden,
um die Angleichung der Hochwassersicherheit an die anschließenden
Abschnitte voranzubringen. In einer generellen Untersuchung des
Leichtweiß-Institutes, Braunschweig aus dem Jahre 1963 war vorge-
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Seite 114
sehen, auch diese Strecke auf eine größere Leistungsfähigkeit auszubauen. Aus verschiedenen Gründen ist der Ausbau bisher unterblieben.
Eine Sanierung und Vervollständigung des Hochwasserschutzes auf
der jetzigen Deichtrasse ist aufwendig (SÖNNICHSEN 1998) und aus
wasserwirtschaftlicher Sicht nicht empfehlenswert. Es würde die Aue
als natürlicher Retentionsraum größtenteils vom Gewässer abgetrennt. In dem Sanierungskonzept wurde der Vorschlag unterbreitet,
die jetzige Deichlinie teilweise aufzugeben. Dieser Vorschlag wurde in
einer Maßnahmenplanung des Umweltinstitutes Höxter (UIH 2000)
aufgegriffen. Die folgenden Maßnahmenvorschläge bauen darauf auf.
Um nicht alte Fehler zu wiederholen, werden in diesem Abschnitt sowohl der Hochwasserschutz verfolgt als auch eine natürliche Gewässerentwicklung berücksichtigt. Es gelten folgende Ziele:
1. Hochwasserschutz beidseitig der Werre von Kronprinzenbrücke
bis Sielwehr
2. Wiederherstellung von natürlichem Retentionsraum
3. Freihalten einer potentiell natürlichen Trasse eines natürlichen
Grundrisses.
Für das Ziel 1 wird eine Sicherheitslinie definiert, die nicht mehr überall
der Deichtrasse entspricht. Entlang dieser Sicherheitslinie, die der
künftigen Überschwemmungslinie bei Hochwasser entspricht, ist der
Hochwasserschutz sicherzustellen. Teilweise liegt die Sicherheitslinie
auf der bestehenden Deichtrasse. Zur besseren Übersichtlichkeit werden die Maßnahmen entlang dieser Linie in einzelne Abschnitte unterteilt:
5.2.5.1
Nördliches Ufer
Hochwasserschutz Werste
Dieser Abschnitt umfasst die nördliche Sicherheitslinie vom Sielwehr
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 115
bis oberwasserseitig der Brückenstraße. Von der Brückenstraße bis zu
den Wochenendhäusern an der Stadtgrenze Bad Oeynhausen, ist der
bestehende Deich nach den anerkannten Regeln der Technik zu sanieren. Oberhalb muss ein Anschluss des Deiches an den hochwasserfrei liegenden Teil der Vogteistraße erfolgen. Unterhalb, im Bereich
Werster Masch, ist die Deichlinie aufzunehmen und bis zum Sielwehr
hochwasserfrei anzuschließen. Während die geplante Deichtrasse
(SÖNNICHSEN 1998) auf dem Kanutenweg verläuft, sieht eine Alternative (UIH 2000) eine Rückverlegung der Trasse nördlich der Sportplätze
vor. Dadurch bleibt mehr Retentionsraum erhalten. Welche Trasse
letztlich gewählt wird, sollte mit der Kommune, der Wasserwirtschaftsverwaltung und dem Werre-Wasserverband abgestimmt werden.
Der Rückstau in den Blutwiesenbach gefährdet einzelne Objekte im
Bereich der Blutwiesen. Wasserbauliche Maßnahmen sind hier unverhältnismäßig aufwendig. Es wird Objektschutz an den einzelnen Gebäuden empfohlen.
Hochwasserschutz Ostscheid
Dieser Abschnitt sichert die Bebauung Ostscheid und Börstel. Eine
Verwallung, die an der Börstelstraße zu beginnen hat und an der
hochwasserfrei errichteten Kläranlage anschließt, schützt die Bebauung Ostscheid und Börstel. Auch hier sind zwei Trassenvarianten
möglich.
Hochwasserschutz Binderbruch
Bei diesen Maßnahmen handelt es sich um kleinere Baumaßnahmen,
die detailliert im Sanierungskonzept (SÖNNICHSEN, 2000) enthalten
sind.
5.2.5.2
Südlich der Werre
Hochwasserschutz Gohfeld
In diesem Bereich verläuft die Schutzlinie entlang der Autobahn A 30.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 116
Zwischen der Autobahn und der Löhner Straße wird der Hochwasserspiegel möglicherweise durch Einleitungsbauwerke bzw. auch durch
den Osterbach südlich der A 30 ausgespiegelt. Hier ist die Gefährdung durch örtliche Erkundungen zu prüfen und durch Objektschutz
oder Geländeaufhöhung Hochwassersicherheit herzustellen. Gegen
den Rückstau aus dem Mühlenbach, wird im Bereich der Mühlenwerke
eine Verwallung vorgeschlagen.
Hochwasserschutz Gewerbegebiet östlich Rathaus Löhne
Bei diesem Bereich handelt es sich um eine Fläche mit sehr hohem
Schadenspotenzial. Sie wird derzeit durch den Damm der Bundesautobahn und den Werre-Deich geschützt. Der Werre-Deich ist auf gesamter Linie entsprechend den anerkannten Regeln der Technik zu
sanieren. Im Bereich der Bundesautobahn ist zu prüfen, inwieweit
durch Einleitungsbauwerke eine ungewollte Ausspiegelung des Hochwassers in das tiefliegende Gewerbegebiet erfolgen kann.
Ziel 2: Retentionsraumgewinnung
Die Wiederanbindung des links- und rechtsseitig der Deiche vorhandenen Vorlandes als Retentionsraum kann über schwellenartige Absenkungen in der jetzigen Deichtrasse erfolgen. Sie dienen sowohl
dem Füllen als auch dem Entleeren der Vorlandpolder. Ihre Anordnung kann dem Lageplan 3.Werre-2 entnommen werden. Durch diese
Deichöffnungen entsteht oberwasserseitig der Brückenstraße eine begünstigende Spiegelabsenkung.
Ziel 3: Naturnahe Entwicklung
In dem Abschnitt Werre-Aue ist die letzte Möglichkeit einer naturnäheren Entwicklung für die untere Werre gegeben. In Abstimmung mit
Landschaftsökologen des UIH wurde eine Trasse strichpunktiert eingetragen, die einen natürlichen Verlauf auf historischen Wegen darstellt. Sie steht der Hochwasserschutzplanung nicht entgegen. Eine
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 117
Realisierung dieses Verlaufes durch die eigene Kräfte des Flusses
muss künstlich angestoßen werden. Als Flutmulde für den außergewöhnlichen Hochwasserabfluss muss die jetzige Trasse mindestens
erhalten bleiben.
5.2.5.3
Voraussetzungen
Für die lokalen Schutzmaßnahmen ist zu klären, welcher Abfluss als
Bemessungsgrundlage zu verwenden ist:
·
BHQ = 380/400 m³/s (Regelabgabe HRB Löhne mit gepl.
HRB Wiembecke und gepl. HRB Werre/Werre)
·
BHQ = 494/491 m³/s (HQ100 Bestand)
Eine Bemessung auf die Regelabgabe setzt die Realisierung der zusätzlichen Becken voraus. Damit ist nicht innerhalb von 15 bis 20 Jahren zu rechnen. Wird der höhere Abfluss des Ist-Zustandes zugrundegelegt, leisten die realisierten lokalen Anlagen nach Fertigstellung der
HRB einen höheren Schutzgrad.
Die vorstehend beschriebenen Maßnahmen sind umfangreich und
aufwendig. Sie erfordern eine genaue Kenntnis der Geländeverhältnisse, der Gewässerprofile und der Situation der gefährdeten Objekte.
Als Grundlage für Planungen sollte daher das derzeitige Geländemodell durch eine aktuelle Überfliegung erneuert und verfeinert werden.
Dazu müssen durch terrestrische Aufnahmen am Rande der Überschwemmungsgrenzen, Objekte und Geländekanten aufgenommen
werden. Erst dadurch ist man in der Lage, die hydraulischen Verhältnisse über Profile, die sich auf den Talraum ausdehnen lassen, nachzubilden. Auch dann erst sind detaillierte Planungen für Schutzmaßnahmen möglich. Wegen der besonderen Verhältnisse ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aus Wasserbau-Wasserwirtschaft, Landschaftsökologie und Stadtplanung nötig.
Außer dem Planungsaufwand sind entsteht durch die Vielzahl Beteilig-
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 118
ter ein hoher Verfahrensaufwand. Es bietet sich an für dieses Projekt
eine eigene kleine Arbeitsgruppe zu bilden.
5.2.5.4
Sonstige
Oberhalb der Einmündung Else im Bereich Schillenbrink sind Gewerbeflächen gefährdet. Hier kann durch eine Verwallung der Bereich abgeschirmt werden. Oberhalb der Bahnbrücke Dortmund-Hannover
sind Lagerhallen gefährdet. Hier wird Geländeaufhöhung oder Objektschutz empfohlen.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Tabelle 26:
Seite 119
Kostenschätzung Maßnahmen Löhne
Kostenschätzung Hochwasser - Ak tionsplan Löhne i. V. m it Bad Oeynhausen
Lei stun g en
M en g e
Ei n h .
EP
Gesa m tk osten
Pos. 1 Hochwasserschutz Werre-Aue Werste
Sanierung des bestehenden
Deiches von der Stadtgrenze bis
zu den Wochenendhäusern
300.0
m
900.00 DM
270,000.00 DM
Verlängern des Deiches aus
vorhergehender Pos. in der
Werster Masch
1000.0
m
900.00 DM
900,000.00 DM
Deich von Brückenstraße bis
375.0
m
500.00 DM
187,500.00 DM
700.00 DM
560,000.00 DM
Pos. 2 Hochwasserschutz Werre-Aue Ostscheid
Deich herstellen von Kläranlage
bis Ludwigstraße/ Verlängerung
Börstelstraße
800.0
m
Pos. 3 Hochwasserschutz Werre-Aue Binderbruch
Geländeaufhöhung Marktkauf
und Sportplatz, Deichrückbau
Binderbruch
30,000.00 DM
pau
Pos. 4 Hochwasserschutz Werre-Aue Gohfeld
Deich herstellen
Haferflockenmühle/ O sterbach
700.00 DM
70,000.00 DM
Rückstausicherungen durch
BAB 30 Damm
pauschal
40,000.00 DM
O bjektschutz (Löhne gesamt)
pauschal
439,500.00 DM
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
100.0
m
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 120
Pos. 5 Hochwasserschutz Werre-Aue Gewerbegebiet östlich des Rathauses
Sanierung des bestehenden
Deiches von BAB30 bis
Tennisplatz
900.0
m
1,000.00 DM
900,000.00 DM
pauschal
130,000.00 DM
Rückstausicherungen im
BAB 30 Damm von Werre bis
Kleeblatt
Pos. 6 Hochwasserschutz Werre-Aue Retentionsraum-Rückgewinnung
Herstellung von Deichscharten als
Flutöffnungen
Bau einer Flutmulde uh.
Brückenstraße, linkes Vorland
6.0 Stck
600.00
20,000.00 DM
120,000.00 DM
700.00 DM
420,000.00 DM
pauschal
650,000.00 DM
pauschal
450,000.00 DM
m
Grunderwerb, Entschädigung
Pos. 7 Hochwasserschutz Werre-Aue N ebenkosten
Bildflug, DGM, Terrestrische
Vermessung, Planung, Bauleitung,
UVS, LBP
Unvorhergesehenes und
Aufrundung
83,000.00 DM
Sum m e
5.3
5.3.1
1.
2.
5,250,000.00 DM
Hochwasser-Aktionsplan Kirchlengern
Abschnittsbeschreibung Else
Abschnitt
Grundriss
Länge:
5,2 km
Beginn:
Mündung in Werre
Ende:
Barrenbruch, Stadtgrenze zu Bünde
Naturstrecken: Oberhalb der Bahnlinie BündeHerford bis zum Kraftwerk EMR und oberhalb
Einmündung Brandbach im Naturschutzgebiet Elseaue
Ausbaustrecken historisch: vom EMR-Wehr entlang der Bahnlinie in Kirchlengern
Ausbaustrecken Neuzeit: Einmündung in die
Werre bis zur Bahnlinie Bünde-Herford (Becken-
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 121
bereich HRB Löhne/Werre)
Die Strecke befindet sich aus flussmorphologischer Sicht im Unterlauf des Flusses.
3.
Aufriss
Mittleres Sohlgefälle: 0,8 0/00 .
Der Aufriss wird von mehreren Stauanlagen geprägt:
1. Sohlschwelle im Bereich der ehemaligen
Kläranlage,
2. EMR-Wehr und
3. Brausemühle.
4.
Talform
Am Zusammenfluss mit der Werre liegen ausgedehnte Überschwemmungsflächen. Sie werden
noch vergrößert durch den Einstau des HRB
Löhne/Werre. Die Breite der Überflutungsflächen
liegt im Mittel bei 500 m. In Kirchlengern-Ort
durchfließt die Else einen Engpass. Erst oberhalb
liegen wieder ausgedehnte Überschwemmungsflächen mit mittleren Breiten von 300 m vor. Dieser Charakter reicht bis Bünde. Es handelt sich
um das Naturschutzgebiet Elseaue.
5.
Wasserbauli-
Durch den Bau der Bahnlinie und die Errichtung
che Maß-
von zwei Mühlen, ist der Ortsdurchgang Kirchlen-
nahmen der
gern durchweg umgestaltet. In den 70er Jahren
Vergangen-
des vorigen Jahrhunderts wurde die Else im Be-
heit
reich Einmündung Werre bis zur Bahnlinie Bünde-Herford als Bestandteil des Hochwasserrückhaltebeckens Löhne/Werre umfassend ausgebaut.
6.
7.
Profilzu-
Innerhalb des HRB sind die Profile ebenmäßig
stand/Unter-
und nur wenig mit Gehölz bestanden. Die übrige
haltungszu-
Strecke weist sehr ungleichförmige Profile mit
stand
stark bewachsenen Böschungen auf.
Leistungsfä-
Schadensbeginn:
higkeit o.h.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
90 m³/s
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 122
B239 alt
Schadloser Abfluss
einschließlich 0,5 m
8.
Freibord:
50 m³/s
HQ100:
137,6 m³/s
Hochwasser-
Im Bereich der Brausemühle werden im tieflie-
gefährdung
genden linken Vorland Objekte bei Hochwasser
überschwemmt. Oberhalb der B 239 liegen mehrere Objekte an den Straßen Finkenbusch und
Inselweg im Überschwemmungsgebiet. Im
hydraulischen Längsschnitt ist sichtbar, dass die
Wasserspiegellage oberhalb der B 239 – Straßenbrücke – einen deutlichen Sprung aufweist.
Ursache hierfür ist ein Drempel unter der Straßenbrücke, der deutlich aus dem Sohlverlauf
herausragt. Hochwasserschutzmaßnahmen sind
nicht vorhanden.
5.3.2
Schadenspotenzial
Die Gemeinde Kirchlengern liegt mit rund 2 Mio. DM Schaden bei
HQ100 von allen betroffenen Kommunen in der Schadensstatistik am
niedrigsten. Obwohl fast 6 % der Gemeindefläche bei einem HQ100
überflutet würde, gibt es aufgrund der geringen Objektanzahl und der
nur geringen Gewerbebebauung (5 %) keine hohen Schäden.
Dreiviertel der Objekte sind Wohnhäuser, die auch fast 80 % des
Gesamtschadens ausmachen. Der mittlere Schaden liegt bei ca.
34.000 DM pro Objekt. Die höchsten Einzelschäden entstehen an der
Wohnbebauung in der Straße Finkenbusch.
Tabelle 27:
Objekte
Hochwasserschadenspotenzial in Kirchlengern
Vermögen
Schaden
Schaden
Schaden
HQ50
HQ20
HQ100
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
38
13,50
2,09
1,82
0,76
Die Ergebnisse sind in der Anlage 2-3 dargestellt.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
5.3.3
Seite 123
Hochwasservorsorge
Gesetzliches Überschwemmungsgebiet seit 1994.
Alarmplan Kreis Herford nicht vorhanden.
Kommunaler Alarmplan fehlt.
5.3.4
Maßnahmen
Die stark überhöhte Sohle unter dem Brückenbauwerk Lübbecker
Straße/B239 bewirkt einen Wasserspiegelanstieg oberhalb des Durchlasses. Die Sohle ist an das durchschnittliche Gefälle des übrigen Verlaufes anzupassen. Dadurch ergibt sich eine Wasserspiegelsenkung,
das Gefährdungspotential oberhalb der Brücke wird gemindert. Die
Standsicherheit des Bauwerkes darf nicht beeinträchtigt werden.
Eine umfassendere Maßnahme wäre die Aufgabe der Stauanlage. Die
Brausemühle ist ein nicht mehr genutztes Hindernis, sowohl hydraulisch als auch ökologisch. 1996 ist vom Elektrizitätswerk MindenRavensberg bereits ein Konzept zur Gestaltung der ökologischen
Durchgängigkeit in Auftrag gegeben worden. Es wäre im Zuge dessen
in Betracht zu ziehen, die gesamte Anlage zu beseitigen und das
Staurecht abzulösen. Attraktiv gestaltet wäre diese Maßnahme eine
Bereicherung für die Anwohner und ihre Umwelt. Ferner wird damit die
Überschwemmungsgefahr gesenkt und eine Sanierung wäre unnötig.
Ergänzend wird für die betroffenen Gebäude in Kirchlengern Objektschutz als Eigenleistung der Eigentümer vorgeschlagen – siehe Anlage Muster Objektschutz. Die Profile innerhalb des Stadtdurchganges
sind von abflusshinderndem Bewuchs zu befreien.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Tabelle 28:
Seite 124
Kostenschätzung Maßnahmen Kirchlengern
Kostenschätzung Hochwasser - Ak tionsplan Kir chlenger n - Else
Lei stun g en
M en g e
Ei n h .
EP
Gesa m tk osten
Gewässer
Verwallung Häuser " An der Else",
"Rottkamp"
400
m
Umgestaltung/ Abriss Wehranlage
Brause Mühle
Profilumgestaltung
(Umgehungsgerinne) Brause Mühle
bis oberhalb B239, Beseitigung der
Sohlbefestigung im Brückenbauwerk
4400
m³
500.00 DM
200,000.00 DM
pauschal
150,000.00 DM
50.00 DM
220,000.00 DM
pauschal
198,000.00 DM
Sonstiges
O bjektschutz
Bauleitung, Unvorhergesehenes und
Aufrundung
80,000.00 DM
848,000.00 DM
Sum m e
Anmerkung: Maßnahmekosten in
Verbindung mit Herstellen der
Durchgängikeit
5.4
5.4.1
1.
Hochwasser-Aktionsplan Bünde
Abschnittsbeschreibung
Abschnitt
Länge:
8,0 km
Beginn:
Barrenbruch, Gemeindegrenze zu
Kirchlengern
Ende:
2.
Grundriss
Unterahle
Naturstrecken: Naturschutzgebiet Elseaue
Ausbaustrecken Historisch: Zulauf zur Elsemühle
Ausbaustrecken 20. Jahrhundert: Stadtdurchgang Bünde bis nach Bruchmühlen. Abbildung 28
zeigt die Planung der kommunalen Elseregulierung in Bünde von 1926 [ZUR VERFÜGUNG GESTELLT DURCH HERRN W ITTLER,
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
STADT BÜNDE].
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Abbildung 28:
3.
Aufriss
Seite 125
Elseregulierung in Bünde, 1926
Mittleres Sohlgefälle: 0,8 0/00 .
Der Längsschnitt wird durch 2 Stauanlagen unterbrochen: Elsemühle – unterhalb Bünde und
Nienburger Wehr – oberhalb Bünde
4.
Talform
Im Naturschutzgebiet unterhalb Bünde hat die Else ausgedehnte Überschwemmungsflächen mit
einer mittleren Breite von 300 m. Der eigentliche
Stadtdurchgang stellt einen Engpass dar, der
vermutlich auch die Siedlung an dieser Stelle begünstigt hat. Oberhalb Bünde öffnet sich ein weiter Talraum mit einer größten Ausdehnung der
Überschwemmungsfläche von 1.500 m. Diese
Talgestalt setzt sich im Prinzip fort bis über die
niedersächsische Landesgrenze und oberhalb
nach Melle. Ursache ist, dass die Else hier auf
einer erdgeschichtlich frühen Trasse der Weser
verläuft. Mit diesen enormen Ausdehnungen ist
auch eine außergewöhnliche Retentionswirkung
bei Hochwasser verbunden, die für Bünde und
Kirchlengern vorteilhaft ist.
5.
Wasserbauli-
Beherrschende wasserbauliche Maßnahme der
che Maß-
Vergangenheit ist der hochwasserfreie Ausbau
nahmen der
des Stadtdurchganges Bünde (um 1930). Ober-
Vergangen-
halb schließt sich der nicht hochwasserfreie Aus-
heit
bau mit der Aufteilung im Bereich Borrenkamp in
Neue Else und Else an.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
6.
Profilzu-
Die Beschreibung des Profilzustandes kann in
stand/Unter-
drei charakteristische Abschnitte unterteilt wer-
haltungszu-
den:
stand
Seite 126
a) Unterhalb Bünde hat die Else ein Naturprofil,
dessen Böschungen dicht bewachsen sind.
Der Querschnitt ist stark ungleichförmig. Leistungsträger im Hochwasserfall ist das Vorland, das meist aus Grünlandflächen besteht.
b) Im Stadtdurchgang Bünde ist der Querschnitt
für die Gewässergröße überbreit. Die angrenzenden Ufer sind Gras bestanden, Profil und
Vorländer sind sehr ebenmäßig. In Verbindung mit dem gestreckten Grundriss ist dieser
Querschnitt sehr leistungsfähig.
c) Oberhalb des Stadtdurchganges – mit Beginn
der Einlauftrompete im Bereich LevisonStraße - herrscht noch das Ausbauprofil vor.
Allerdings sind die Uferkanten hier mit Gehölzen bestanden. Im weiteren Verlauf liegt die
Elsetrasse wie ein Verkehrsweg im Gelände.
7.
Leistungsfä-
Schadensbeginn:
120 m³/s
higkeit Bünde
Schadloser Abfluss
einschließlich 0,5 m
8.
Freibord:
80 m³/s
HQ100:
125,3 m³/s
Hochwasser-
Der erste Abschnitt mit gefährdeten Objekten
gefährdung
liegt gegenüber der Elsemühle im Bereich der
Kläranlage. Nach den jetzigen Ergebnissen ist die
Gefährdung geringer, als sie in den gesetzlichen
Überschwemmungsgebietskarten ausgewiesen
ist.
Der weitere Verlauf – der eigentliche Ortsdurchgang von der Franz-Werfel-Straße bis zur Levison Straße – ist mit zwei Ausnahmen hochwas-
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 127
serfrei: Im Bereich Wasserbreite spiegelt sich der
Hochwasserstand über ein einmündendes Nebengewässer hinter die Sicherheitslinie aus und
des weiteren ist das Untergeschoss des Rathauses gefährdet.
Oberhalb Levison-Straße sind sowohl auf der
rechten Seite Gebäude im ungeschützten Vorland gefährdet, als auch Gewerbeobjekte, die im
Bereich Ernst-Reuter-Straße, Tonstraße, Elsedamm liegen. Das Sicherheitsniveau von der Levison-Straße bis an den Autobahndamm ist hoch,
reicht aber nicht aus. Das 100-jährliche Hochwasser überflutet die Deiche und führt zu außerordentlichen Schäden in den dahinterliegenden
hochwertigen Bereichen.
Durch die Ausspiegelung der Hochwasserstände
über den Sunderbach reicht die Gefährdung bis
nördlich der Autobahn und der Osnabrücker
Straße.
In der Borrenkamp-Talschüssel von der Autobahn bis zur Einmündung des Mühlenbaches
sind beidseits der Else einzelne Objekte betroffen.
Oberhalb des Nienburger Wehres ist die Else
eingedeicht. Die Eindeichung wird nicht mit dem
gesamten Abfluss belastet weil, die Else in
Oberahle ausufert und nach rechts dem Taltiefsten folgt, um dann in Unterahle und im weiteren Verlauf einzelne Gebäude zu gefährden. Das
Hochwasser wird oberhalb Borrenkamp bis in das
Hückermoor hinein ausgespiegelt.
5.4.2
Schadenspotenzial
Die Stadt Bünde weist aufgrund des hohen Anteils an Gewerbe/Industrie-Objekten innerhalb der Überschwemmungsflächen HQ100
mit rund 25 Mio. DM ein hohes Schadenspotenzial auf. 13 % der Ob-
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 128
jekte (Gewerbe) machen 75 % der Gesamtobjektschäden aus. Die
Wohnbebauung ist mit 62 % der Objekte nur zu 18 % am Gesamtobjektschaden beteiligt. Der mittlere Schaden liegt bei ca. 112.000 DM
pro Objekt. Die höchsten Einzelschäden entstehen in dem Gewerbegebiet Ernst-Reuter-Straße/Thon-straße, das durch einen Deich nur
bis zum HQ20 geschützt wird.
Tabelle 29:
Objekte
Hochwasserschadenspotenzial in Bünde
Vermögen
Schaden
Schaden
Schaden
HQ50
HQ20
HQ100
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
194
125,32
25,25
11,61
2,48
Im Gebiet Kösterkamp entstehen durch den Rückstau im Sunderbach
bei einem HQ20 noch über eine halbe Millionen DM Schaden.
Von den vier potenziellen Überschwemmungsflächen ist das Gebiet
Ernst-Reuter-/Bahnhof-Straße das mit dem höchsten Schaden bei einem möglichen Dammbruch.
Tabelle 30:
Schäden innerhalb der potenziellen Überschwemmungsflächen
Gemeinde
Bereich
Bünde
Bismarkstr./Nordring/Goethepl.
Ernst-Reuter-/Bahnhof-Straße
Kleiner Bruch/Wittemeierstr.
Niedernkamp/Karrenbruch
Fläche Anzahl Schaden
in ha Objekte bei HQ100
6
34
10
29
Die Ergebnisse sind in der Anlage 2-4 dargestellt.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
6
263
20
12
0,98
13,08
1,69
0,80
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
5.4.3
Seite 129
Vorhandener Hochwasserschutz
Durch großzügige Querprofile und Deiche ist Bünde weitgehend
hochwasserfrei. Maßgeblich für die Sicherheit dieser ausgebauten und
eingedeichten Strecke sind
1. der Erhalt der Leistungsfähigkeit des Fließquerschnittes,
2. die Höhe des Sicherheitsniveaus an den Deichen und
3. der freie Auslauf des Hochwassers Richtung Elsemühle.
Bei dem geringen Talgefälle wirken sich Verschlechterungen in der Else-Aue unmittelbar Wasserstand erhöhend in den Ortsdurchgang aus.
5.4.4
Hochwasservorsorge
Gesetzliches Überschwemmungsgebiet seit 1994.
Alarmplan Kreis Herford nicht vorhanden.
Ein kommunaler Alarmplan existiert, war aber nicht aufzutreiben.
5.4.5
Maßnahmen
Bei den vorhandenen Deichen handelt es sich um alte Hochwasserschutzeinrichtungen, die nicht mehr den anerkannten Regeln der
Technik entsprechen. Die Krone hat kein einheitliches Niveau, um ein
Extremereignis abzuwehren und die Böschungen sind mit Bäumen
bestanden (Hohlraumbildung durch Wurzeln). Um die hochwertige
Bebauung oberhalb der Levisonstraße zu schützen, sollte der Elsedamm und die daran angrenzende Sachsenstraße auf ein hochwasserfreies, einheitliches Niveau gebracht werden. Einschließlich Freibord sind Aufhöhungen zwischen 0,5 m und 1,1 m erforderlich.
Um die Auswirkungen des Rückstaus am einmündenden Sunderbach
zu verhindern, wird die Errichtung eines Sperrwerkes an dem Damm
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 130
der Osnabrücker Straße vorgeschlagen. Der Durchlass ist mit einer
Rückschlagklappe versehen, um den Rückstau der Else hinter den
Damm zu vermeiden.
Auf Grund der großen Ausdehnung des Überschwemmungsgebietes
oberhalb des Stadtdurchganges lassen sich die vereinzelten und weit
zerstreuten Gebäude wirtschaftlich nur mit Hilfe des Objektschutzes
schützen -siehe Anlage Muster Objektschutz. Für Neubauten wird eine
Höhenempfehlung ausgegeben.
Tabelle 31:
Kostenschätzung Maßnahmen Bünde
Kostensch ätzu ng Hochwa sser - Ak tion spla n Bü nde - Else
Lei stun g en
M en g e
Ei n h .
EP
Gesa m tk osten
Gewässer
Damm- und Straßenaufhöhung
Elsedamm
3500
m³
55.00 DM
192,500.00 DM
1
Stck
pauschal
60,000.00 DM
pauschal
879,000.00 DM
Sperrwerk mit
Rückschlagklappe
Schieber DN
ggf. Mahlbusen
Sonstiges
O bjektschutz
Bauleitung, Unvorhergesehenes und
Aufrundung
97,500.00 DM
Sum m e
5.5
5.5.1
1.
1,229,000.00 DM
Hochwasser-Aktionsplan Hiddenhausen
Abschnittsbeschreibung
Abschnitt
Länge:
4,3 km
Beginn:
Stadtgrenze Löhne/Falscheide
Ende:
Stadtgrenze Herford/Düsedieksbach
Der Kommunalabschnitt Hiddenhausen hat auf
der ganzen Länge eine gemeinsame Grenze mit
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 131
der Stadt Herford. Hiddenhausen liegt auf der linken Werreseite, Herford auf der rechten. Die Beschreibung für diesen Abschnitt ist auf beiden
Kommunalaktionsplänen identisch.
2.
Grundriss
Naturstrecken: keine
Ausbaustrecken Historisch: Auf dem gesamten
Abschnitt ist die Werre mehr oder weniger für die
landwirtschaftliche Nutzung ausgebaut worden.
Der Grundriss ist in Teilen natürlich.
3.
Aufriss
Mittleres Sohlgefälle:
0,12 0/00
Auf der Strecke befinden sich keine Stauanlagen.
4.
Talform
Es liegt ein Sohlental vor, dessen überschwemmte Breiten zwischen 150 m und 400 m liegen. In
diesem Sohlental hat die Werre oder der Mensch
an die Uferkanten angrenzende Vorlandbereiche
teilweise abgetragen, so dass ein dreiteiliges Talquerprofil entstanden ist: FlussschlauchHochflutbereiche-urzeitliche Talsohle.
5.
6.
Wasserbauli-
Für die Zwecke der Landeskultur sind vermutlich
che Maß-
in früheren Zeiten Mäanderschleifen beseitigt
nahmen der
worden. Von geringen Ausnahmen abgesehen,
Vergangen-
sind die Böschungsfüße mit Steinschüttung gesi-
heit
chert.
Profilzu-
In den letzten Jahren haben praktisch keine Un-
stand/Unter-
terhaltungsarbeiten mehr stattgefunden. Dadurch
haltungszu-
sind ungleichförmige Querschnitte entstanden, so
stand
weit der Fluss natürliche, nicht steinbewehrte Ufer
bearbeiten konnte.
7.
Leistungsfähigkeit
Schadensbeginn:
Eickhof
300 m³/s
Kartel
320 m³/s
Schadloser Abfluss
einschl. 0,5m Freibord:
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Eickhof
Kartel
HQ100:
8.
Seite 132
205 m³/s
240 m³/s
365 m³/s
Hochwasser-
Im Abschnitt Hiddenhausen sind prinzipiell zwei
gefährdung
Bereiche hochwassergefährdet. Es handelt sich
um Siedlungsflächen im Ortsteil Bermbeck, im
Besonderen um den Jugendhof Eickhof. Oberwasserseitig liegt die Siedlungsfläche Kartel teilweise im Überschwemmungsgebiet. Beide Siedlungsbereiche liegen auf höherliegenden Bereichen des Tales. Sie werden vom Hochwasser
mehr oder weniger nur benetzt. Eine detaillierte
Darstellung der Gefährdung bedarf einer terrestrischen Aufnahme des Geländes und der Objekte.
Hochwasserschutzmaßnahmen sind nicht bekannt.
Jedoch fallen die Gefährdungen durch die geplanten Maßnahmen des HWS durch Rückhaltungen
weg.
5.5.2
Schadenspotenzial
Die Gemeinde Hiddenhausen ist mit rund 23 km² die kleinste Gemeinde im Untersuchungsgebiet, das Schadenspotenzial liegt bei ca. 4
Mio. DM. Etwa 2,7 % der Gemeindefläche ist von Hochwasser bei einem HQ100 überschwemmt. Mit rund 85 % des Gesamtobjektschadens
sind hauptsächlich Ein- und Mehrfamilienwohnhäuser vom Hochwasser betroffen. 12 % des Gesamtschadens entstehen an Schulen. Gewerbe und Industriebetriebe sind in Hiddenhausen nicht betroffen. Der
mittlere Schaden liegt bei ca. 63.000 DM pro Objekt. Die höchsten
Einzelschäden entstehen an der Wohnbebauung in Bermbeck und an
Schul- und Sporteinrichtungen in Eickhof.
Tabelle 32:
Objekte
Hochwasserschadenspotenzial in Hiddenhausen
Vermögen
Schaden
HQ100
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Schaden
HQ50
Schaden
HQ20
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Mio. DM
56
Mio. DM
32,04
Seite 133
Mio. DM
4,12
Mio. DM
2,64
1,10
Die mittlere Schadenserwartung liegt bei 99.000 DM pro Jahr.
Die Ergebnisse sind in der Anlage 2-5 dargestellt.
5.5.3
Hochwasservorsorge
Gesetzliches Überschwemmungsgebiet seit 1989
Alarmplan Kreis Herford/Hiddenhausen nicht vorhanden.
5.5.4
Maßnahmen
Linienschutzmaßnahmen sind in diesem Bereich nicht erforderlich. Die
Hochwassersicherheit wird durch die geplanten HRB des WerreWasserverbandes Herford hergestellt – siehe HWS WWV. Bestimmte
Maßnahmenkombination dieses Planes stellen das nötige Freibord
nicht immer sicher. Daher ist in den hochwasserempfindlichen Abflussgebieten das Gewässer und das Vorland leistungsfähig zu halten.
In Kartel ist ergänzend Objektschutz in Erwägung zu ziehen, im Gewerbegebiet Falscheide sind die Oberkanten des Fertigfußbodens auf
Hochwassersicherheit zu prüfen.
Tabelle 33:
Kostenschätzung Hiddenhausen
Kostenschä tzun g Hoch wa sser - Ak tionspla n Hidd en ha u sen
Lei stun g en
M en g e
Ei n h .
O bjektschutz
Voraussetzung Hochwasserschutz
durch Rückhaltung (WerreWasserverband Herford)
Summe
5.6
EP
pauschal
Gesa m tk osten
456,000.00 DM
456,000.00 DM
Hochwasser-Aktionsplan Herford
Herford wird von der Werre und der Aa durchflossen. Für beide folgen
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Seite 134
getrennte Abschnittsbeschreibungen.
5.6.1
5.6.1.1
1.
Abschnittsbeschreibung
Abschnittsbeschreibung Aa
Abschnitt
Länge:
8,4 km
Beginn:
Mündung Werre
Ende:
Einmündung Milser Bach, Stadtgrenze
Bielefeld
2.
Grundriss
Naturstrecken:
keine
Ausbaustrecken Historisch: Gesamte Strecke
Der Grundriss der Aa ist auf der gesamten Strecke durch historische Ausbaumaßnahmen geprägt. Diese liegen - oberhalb der B 239 – zwar
schon so weit zurück, dass sich natürliche Strukturen wieder andeuten, aber vor Ort sind noch die
Relikte der Ausbaumaßnahme zu erkennen. Im
Stadtgebiet wird der Grundriss durch die historische Stadtentwicklung bestimmt. Hier mögen
Wasserkraftnutzung und Verteidigung eine Rolle
gespielt haben. Der historische Stadtkern wird
von der Aa und dem Stadtgraben eingeschlossen. Beide haben für den Hochwasserabfluss
Bedeutung.
3.
Aufriss
Mittleres Sohlgefälle: 1,5 0/00 .
Der Aufriss wird geprägt durch den Stau Radewiger Mühle am EMR-Verwaltungsgebäude. Im
Stadtgebiet Herford als auch in der Freilandstrecke oberhalb der B 239 befinden sich Grundschwellen.
4.
Talform
Am Zusammenfluss mit der Werre im Stadtgebiet
Herford ist das Tal völlig überprägt von der Bebauung. Die Annahme, dass beide Gewässer hier
im Laufe der erdgeschichtlichen Entwicklung
ausgedehnt sedimentiert haben, lässt vermuten,
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 135
dass die Talform ausgedehnt und eben ist. Einen
Hinweis darauf gibt das hölzerne, historische
Stadtmodell im Heimatmuseum Herford. Oberhalb der Eisenbahnlinie Herford-Altenbeken, wird
das überschwemmte Tal schmal, hat ein klar abzugrenzendes Überschwemmungsgebiet, das bis
nach Bielefeld hinauf eine mittlere Breite von 150
m hat. Seine Talkanten sind gut erkennbar.
5.
Wasserbauli-
Die Aa ist auf der gesamten Strecke ausgebaut
che Maß-
worden. Eine Reihenfolge der Ausbaumaßnah-
nahmen der
men kann wegen fehlender Unterlagen nicht an-
Vergangen-
gegeben werden. Dem Erscheinen nach jüngste
heit
Maßnahme ist der Ausbau der Aa oberhalb der
Radewiger Mühle bis zu den Gewerbeflächen oberhalb der B 239.
6.
Profilzu-
Im eigentlichen Ortsbereich von der Einmündung
stand/Unter-
in die Werre bis zur B 239, weist die Aa gleich-
haltungszu-
mäßige, mehr oder weniger technische Quer-
stand
schnitte auf, die von der Stadt Herford gut unterhalten werden.
Oberhalb ist folgende Besonderheit zu nennen.
Durch die erhöhten Abflüsse aus dem Stadtgebiet Bielefeld und das weiche, sandige Bettungsmaterial des Talgrundes, hat sich die Aa breit und
sehr tief eingegraben. Vermutlich bewahren die
aus Pflastersteinen festgefügten alten Sohlenschwellen – die noch sichtbar sind – lokal weitere
Eintiefungen. Das Profil der Aa ist sehr ungleichmäßig und hat mit der Zeit natürliche Strukturen
entwickelt.
7.
Leistungsfähigkeit
Schadensbeginn:
Steintor
105 m³/s
Bielefelder
Str./Hermannstr.
95 m³/s
Humana
105 m³/
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 136
Schadloser Abfluss einschließlich 0,5 m Freibord:
Steintor
85 m³/s
Bielefelder Str./ Her-
8.
mannstr.
65 m³/s
Humana
75 m³/s
HQ100:
158,9 m³/s
Hochwasser-
Herford wird durch die Aa in zwei Abschnitten
gefährdung
massiv gefährdet. Der erste Abschnitt liegt am
Zusammenfluss mit der Werre. Die bereits unterhalb der Einmündung vorhandene Überschwemmung im Bereich der Hansastraße setzt sich
nach oberhalb fort und endet erst wieder am Zusammenfluss Aa-Stadtgraben.
Der zweite Abschnitt beginnt oberhalb der
Radewiger Mühle. Tiefliegende Vorlandbereiche
beidseitig der Bielefelder Straße werden großflächig durchströmt. Diese Überschwemmung endet
erst oberhalb der Milchwerke Humana. Zwei Ursachen sind zu nennen. Der Mühlenstau Radewiger Mühle bedingt oberwasserseitig eine Wasserspiegellage, die mindestens bis in den Bereich
Berufsschule für ungünstig hohe Wasserstände
sorgt.
Und oberhalb der Bahnlinie ist zwar auf der linken
Seite eine Eindeichung vorhanden, jedoch reicht
die Kronenhöhe für ein 100-jährliches Ereignis
nicht aus. Das Wasser strömt über den Deich in
die Bebauung, berührt die Milchwerke und folgt
dann hinter der Deichlinie der Trasse der Bielefelder Straße. Dort ist dann vor allem der linksseitig tieferliegende Bereich um den Marktkauf betroffen. Das Hochwasser fließt durch die Siedlung
und gelangt über den Stadtgraben wieder in die
Aa. Das rechte Ufer ist, bis auf einen Siedlungs-
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Seite 137
bereich unterhalb der
B 239, hochwasserfrei.
Abbildung 29:
HW Juli 1927
Weiter oberhalb Richtung Bielefeld wird auf der
Hofstelle Meier zu Hartum die Reithalle benetzt
und in der Flur im Brock eine ehemalige Mühle
überschwemmt.
5.6.1.2
1.
Abschnittsbeschreibung Werre
Abschnitt
Länge:
7,9 km
Beginn:
Stadtgrenze Löhne/Falscheide
Ende:
Stadtgrenze Bad Salzuflen
Der Kommunalabschnitt Herford hat an der Werre
eine gemeinsame Grenze mit der Gemeinde Hiddenhausen. Hiddenhausen liegt auf der linken
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Seite 138
Werreseite, Herford auf der rechten. Die Beschreibung für diesen Abschnitt ist auf beiden
Kommunalaktionsplänen identisch.
2.
Grundriss
Naturstrecken: keine
Ausbaustrecken Historisch:
Herford-Hiddenhausen
Auf diesem Abschnitt ist die Werre mehr oder
weniger für die landwirtschaftliche Nutzung ausgebaut worden. Der Grundriss ist in Teilen natürlich.
Herford-Innenstadt
Im gesamten Stadtdurchgang wurde die Werre
ausgebaut bzw. verlegt. Ähnlich der Aa ist die
Werre geprägt von der historischen Stadtentwicklung, genutzt als Verteidigungslinie, Abwasserkanal und Energielieferant.
3.
Aufriss
Mittleres Sohlgefälle:
0
1,3 /00
Auf der Strecke befindet sich eine Stauanlage am
Bergertor. Schon auf historischen Karten findet
man an dieser Stelle Wehre.
4.
Talform
Herford-Hiddenhausen
Es liegt ein Sohlental vor, dessen überschwemmte Breiten zwischen 150 m und 400 m liegen. In
diesem Sohlental hat die Werre oder der Mensch
an die Uferkanten angrenzende Vorlandbereiche
teilweise abgetragen, so dass ein dreiteiliges Talquerprofil entstanden ist: FlussschlauchHochflutbereiche-urzeitliche Talsohle.
Herford-Innenstadt
Auch im Innenstadtbereich hatte die Werre ein
breites und flaches Tal. Bedingt durch das geringe Sohlgefälle und die Sedimentierung des stark
sandführenden Flusses sind ausgeprägte Mäan-
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Seite 139
der geschaffen worden, die allerdings seit der
Stadtgründung nach und nach beseitigt worden
sind.
5.
Wasserbauliche Maßnahmen der
Vergangenheit
Herford-Hiddenhausen
Für die Zwecke der Landeskultur sind vermutlich
in früheren Zeiten Mäanderschleifen beseitigt
worden. Von geringen Ausnahmen abgesehen,
sind die Böschungsfüße mit Steinschüttung gesichert.
Herford-Innenstadt
Bei der Gründung der Neustadt im 13. Jahrhundert wurde eine Umflut hinter die Stadtmauer gelegt und um die Stadt herum geleitet. Dies diente
den Einwohnern unter anderem als Verteidigungsgraben. Der ursprüngliche Verlauf wurde
1972 zugeschüttet. Durchstechung der Mäander
oberhalb Herfords 1786. In jüngster Vergangenheit wurde das Hochwasserrückhaltebecken Bad
Salzuflen/Bega gebaut. Weitere HRB sind in Planung.
6.
Profilzustand/Unterhaltungszustand
Herford-Hiddenhausen
In den letzten Jahren haben praktisch keine Unterhaltungsarbeiten mehr stattgefunden. Dadurch
sind ungleichförmige Querschnitte entstanden, so
weit der Fluss das natürliche Ufer bearbeiten
konnte.
Herford-Innenstadt
Die Stadt Herford unterhält die regelmäßigen,
technischen Querprofile im Stadtdurchgang gut.
Die Vorländer sind von der innerstädtischen Bebauung überprägt.
7.
Leistungsfä-
Schadensbeginn:
higkeit
Werrestraße r. Ufer
350 m³/s
Hansastraße
280 m³/s
Augustastraße (o. Aa)
135 m³/s
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 140
Schadloser Abfluss
einschließlich 0,5 m
Freibord:
8.
Hochwassergefährdung
Werrestraße r. Ufer
270 m³/s
Hansastraße
220 m³/s
Augustastraße (o.Aa)
100 m³/s
HQ100 (o. Aa)
207 m³/s
HQ100 (m. Aa)
367 m³/s
Herford-Hiddenhausen
Im diesem Abschnitt Herfords sind keine Siedlungen hochwassergefährdet. Der Bereich Bodelschwingstraße wird im Folgeabschnitt behandelt.
Herford-Innenstadt
In Herford sind zwei Bereiche von der Werre
hochwassergefährdet. Es handelt sich um Siedlungsflächen in der Innenstadt am Mündungsbereich der Aa und um den Mündungsbereich des
Düsedieksbach – Bereich Kläranlage.
Die Überschwemmungsflächen an der AaMündung betreffen den Bereich Augustastraße
und Bereiche des rechten Vorlandes. Sie treten
erst bei Ereignissen seltener als 20jährlich auf.
Neben der tatsächlichen Gefährdung, bestehen
auch potenzielle Gefahren. Im Lageplan sind diese potenziellen Überschwemmungsgebiete gelb
gekennzeichnet. Im Fall Herfords haben sie unterschiedliche Ursachen. Zum einen kommt es im
Kanalsystem der Stadt zu einer Ausspiegellung
der Hochwasserstände der Werre, die in diesem
Bereich höher liegen als das Entwässerungssystem, zum anderen besteht die Gefahr, dass sich
das Wasser über Durchbrüche der Uferkanten in
bebautes Gebiet ergießt.
Steigt der Wasserstand über die Krone der Verwallung, steht binnen sehr kurzer Zeit das Ge-
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Seite 141
werbegebiet entlang der Goebenstraße (Hansastraße bis Düsedieksbach) unter Wasser.
5.6.2
Schadenspotenzial
Das Schadenspotenzial in der Stadt Herford liegt bei einem HQ100 bei
ca. 45 Mio. DM. 16 % der Objekte (Gewerbe) machen 65 % des Gesamtobjektschadens aus. Die Wohnbebauung ist mit 63 % der Objekte zu 21% am Gesamtobjektschaden beteiligt. Der mittlere Schaden
liegt bei ca. 144.000 DM pro Objekt. Die höchsten Einzelschäden sind
weiträumig verteilt und treten im gesamten Stadtgebiet von Herford
auf. Durch Hochwasser an der Aa entstehen über 52 % des Gesamtobjektschadens.
Tabelle 34:
Objekte
Hochwasserschadenspotenzial in Herford
Vermögen
Schaden
Schaden
Schaden
HQ50
HQ20
HQ100
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
315
337,35
45,43
30,23
9,61
Von den vier relevanten potenziellen Überschwemmungsflächen sind
die
Gebiete
Goebenstr./Normannstr.
und
Wie-
sestr./Sachsenstr./Lützowstr. die mit den höchsten Schäden bei einem
möglich Dammbruch. Innerhalb der potenziellen Überschwemmungsflächen in dem Gebiet Wiesestr./Sachsenstr./ Lützowstr. konnten
durch die Verschneidung der Wasserspiegel in der Werre und dem
Gelände keine positiven Überflutungshöhen ermittelt werden. Darum
wurden für dieses Gebiet eine mittlere Fließtiefe von 15 cm über dem
Gelände angenommen. Diese Fließtiefe wurde über die Menge des
Wassers, dass bei einem Deichbruch an der ungünstigsten Stelle in
das Gebiet einfließen kann ermittelt. Mit dieser Wassertiefe wurden
die Schäden an den Objekten berechnet.
Tabelle 35:
Schäden innerhalb der potenziellen Überschwemmungsflächen
Gemeinde
Bereich
Herford
Am Sportstation
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Flä- Anzahl
che Objekin ha
te
5
4
Schaden
bei
HQ100
0,45
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
B239/Kläranlage
Goebenstr./Normannstr.
Wiesestr./Sachsenstr./Lützowstr.
Die
Ergebnisse
5.6.3
sind
in
der
5
13
30
Anlage
Seite 142
13
50
261
2-6
0,98
11,87
5,96
dargestellt.
Vorhandener Hochwasserschutz
Durch den großzügigen Ausbau im Zuge der Stadtentwicklung ist Herford teilweise hochwasserfrei.
5.6.4
Hochwasservorsorge
Gesetzliches Überschwemmungsgebiet seit 1989.
Alarmplan Kreis Herford nicht vorhanden.
Es liegt ein „Hochwasserschutzplan“ von 2001 der Stadt Herford vor.
Er enthält kritische Pegelwerte, allgemeine Meldehierarchien, die Aufforderung Sandsäcke und andere Materialien, sowie Maschinen und
Fahrzeuge bereitzuhalten.
5.6.5
5.6.5.1
Maßnahmen
Maßnahmen an der Aa
Die Maßnahmen an der Aa können in zwei Abschnitte aufgeteilt werden:
Mündungsbereich mit der Werre
·
Durch das geplante HRB Werre/Werre wird der Wasserspiegel
der Werre im Stadtbereich deutlich gesenkt. Nach der Mündung Aa beträgt die Verbesserung gegenüber dem Bestandswasserspiegel gut 0,5 m. Diese Absenkung wirkt sich vorteilhaft auf die Aa aus. Dennoch ist das Querprofil nicht leistungsfähig genug, um ein außergewöhnliches Hochwasserereignis
aufnehmen zu können. Neben einer weiterhin guten Profilpfle-
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Seite 143
ge wird hier auf eine Vergrößerung des Fließquerschnittes bis
zum Zusammenfluss Aa/Stadtgraben nicht verzichtet werden
können.
Radewiger Mühle bis B 239
Auf der Strecke zwischen der Bahnlinie und der alten B239 ist die vorhandene Verwallung nicht ausreichend hoch.
·
Der Deich linksseitig der Aa ist auf ein ausreichendes Niveau
zu erhöhen, um Schutz für die gefährdeten Objekte zu gewährleisten. Als Alternative ist eine zusätzliche Deichtrasse in die
Maßnahmenpläne eingetragen. Diese rückverlegte Variante
erschließt mehr Retentionsvolumen. Ein Neubau des Deiches
erfolgt entsprechend den anerkannten Regeln der Technik.
Die Radewiger Mühle hat durch ihre Stauhöhe und wegen der geringen Überfallbreiten großen Einfluss auf die Wasserspiegelhöhen oberwasserseitig.
·
Die nicht mehr genutzte Stauanlage sollte rückgebaut werden.
Dadurch können die Wasserspiegel soweit abgesenkt werden,
dass der Abschnitt bis zur DB Brücke hochwasserfrei wird. Zusammen mit dem Mühlenwehr ist das Wehr im Stadtgraben
ebenfalls zu beseitigen.
In Verbindung mit großzügiger Profil- und Vorlandgestaltung im Oberwasser bietet sich die Möglichkeit den Fließgewässercharakter wieder
herzustellen. Ein weiterer mit dem Hochwasserschutz verknüpfbarer
Vorteil ist die mit dem Abriss gegebene Möglichkeit, die Durchgängigkeit wieder herzustellen.
Die Beseitigung der Stauanlage ist ein massiver baulicher Eingriff, der
sorgfältiger Überlegungen und besonderer Vorbereitung bedarf.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Tabelle 36:
Seite 144
Kostenschätzung Maßnahmen Herford – Aa
Kosten schä tzun g Hoch wasser - Ak tionsplan Her for d - Aa
Lei stun g en
M en g e
Ei n h .
EP
Gesa m tk osten
Gewässer
Profilumgestaltung "Am
Möbelmuseum"
400
700
m
m
250.00 DM
250.00 DM
100,000.00 DM
180,000.00 DM
15000
m³
50.00 DM
750,000.00 DM
Umgestaltung Radewiger Mühle
pauschal
460,000.00 DM
O bjektschutz
pauschal
pauschal
25,500.00 DM
120,000.00 DM
Verwallung erhöhen
Profilumgestaltung/ -sanierung oh.
Radewiger Mühle
Sonstiges
Baunebenkosten
Unvorhergesehenes und
Aufrundung
Sum m e
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
60,000.00 DM
1,695,500.00 DM
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
5.6.5.2
Seite 145
Maßnahmen an der Werre
HRB Kombinationen des Werre-Wasserverbandes
sinnvollste Kombination
Minimalpro-
- Auswahl HRB -
H21
landretention
talsperre/Untersee, Seeretention Lage, Vor-
H20
HRB Wiembecke, Werre, Aa, Johannisbach-
ge, Vorlandretention
HRB Wiembecke, Werre, Aa, Seeretention La-
H19
retention
sperre/Untersee, Seeretention Lage, Vorland-
HRB Wiembecke, Werre, Johannisbachtal-
H18
mühle, Diemkerstraße
Johannisbachtalsperre/Untersee, Aa, Ober-
lebecke, Werre, Obere Bega, Passade, Salze,
HRB Obere Werre, Wörbke, Wiembecke, Ber-
H17
gramm
Das geplante Hochwasserrückhaltebecken Werre/Werre bei Bad Salzuflen bewirkt auch in Herford noch eine Wasserspiegelsenkung von
über einem halben Meter, das Szenario „H18“ (siehe Tabelle 12)
drückt den WSP um rund einem Meter im Einmündungsbereich der
Aa. Am Stadtausgang –im Bereich der Kläranlage bis oberhalb der
Umgehungsstraße– beträgt die WSP-Senkung durch die Auswahl
HRB Kombination noch durchschnittlich 70 cm.
·
Der Profilleistung der Werre muss auf eine Abflussleistung von
290m³/s aufgebessert werden. Dazu ist die Beseitigung von
Verlandungen notwendig, wie im Bereich der Hansastraße und
die Herstellung von Flutmulden und anderen möglichen Querschnittserweiterungen. Diese erlauben auch gewässerökologische Verbesserungen des ausgeräumten Profiles. Durch den
begrenzt zur Verfügung stehenden Abflussquerschnitt sind er-
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Seeretention Lage, Vorlandretention
alle HRB
HRB Werre, Johannisbachtalsperre/Untersee,
Tabelle 37:
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 146
höhte Anforderungen an die Unterhaltung zu stellen.
Tabelle 38:
Kostenschätzung Maßnahmen Herford – Werre
Kostenschä tzun g Hoch wa sser - Ak tionspla n Her for d - Wer r e
Lei stun g en
M en g e
Ei n h .
EP
Gesa m tk osten
Gewässer
Grundräumung, Beseitigung von
Auflandungen mit
Bewuchsbeseitigung
12,000.00
m³
40.00 DM
Baunebenkosten
70,000.00 DM
Summe
5.7
5.7.1
1.
480,000.00 DM
550,000.00 DM
Hochwasser-Aktionsplan Bielefeld
Abschnittsbeschreibung
Abschnitt
Länge:
1,9 km
Beginn:
Einmündung Milser Bach, Stadtgrenze
Herford
Ende:
2.
Grundriss
Verzweigung Johannisbach
Naturstrecken:
keine
Ausbaustrecken Historisch: Von Stadtgrenze zu
Herford bis Einmündung Johannisbach
Jüngere Ausbaustrecke: Johannisbach - Umflut
von der Luttermündung bis zur Sperrstelle Johannisbachtalsperre Untersee.
Der Grundriss ist mäßig kurvig, und oberhalb der
Milser Mühle völlig geradlinig.
3.
Aufriss
Mittleres Sohlgefälle: 2,1 0/00 .
Der Aufriss des eigentlichen Johannisbaches wird
von der Milser Mühle bestimmt.
4.
Talform
Während die überschwemmten Bereiche Richtung Herford schmal sind und nur mittlere Breiten
von 150 m erreichen, erweitert sich ab der Stadtgrenze Bielefeld/Herford am Zusammenfluss Lut-
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Seite 147
ter und Johannisbach typischerweise der Überschwemmungsbereich. Er erreicht unterhalb der
Mühle eine Breite von » 300 m. Der Talraum verzweigt sich dann in das Lutter- und das Johannisbachtal. Für die Mühlenzuleitung des Johannisbaches wurde ein kleines Nebental benutzt.
5.
Wasserbauli-
Wie bereits für den Nachbarabschnitt Herford er-
che Maß-
wähnt, ist die Aa in früheren Zeiten vollkommen
nahmen der
ausgebaut worden. Das gilt natürlich auch für den
Vergangen-
Bereich des Johannisbaches an der Milser Mühle
heit
und oberhalb. Während der eigentliche Johannisbach als Mühlenzuleiter älteren Datums ist,
wurde die Hochwasserentlastung Ende des vergangenen Jahrhunderts hergestellt.
6.
Profilzu-
Der Profilzustand der Aa weist auf der gesamten
stand/Unter-
Strecke bis nach Herford, eine Besonderheit auf.
haltungszu-
Durch die erhöhten Abflüsse aus dem Stadtge-
stand
biet und das weiche, sandige Bettungsmaterial
des Talgrundes, hat sich die Aa breit und sehr tief
eingegraben. Vermutlich bewahren die aus Pflastersteinen festgefügten alten Sohlenschwellen –
die noch sichtbar sind – lokal weitere Eintiefungen. Das Profil der Aa ist sehr ungleichmäßig und
hat mit der Zeit natürliche Strukturen entwickelt.
Das Profil des Hochwasser-Entlasters ist großzügig ausgebaut.
7.
Leistungsfä-
Schadensbeginn:
35 m³/s
higkeit Oertfeld
Schadloser Abfluss
einschl. 0,5 m Freibord:
25 m³/s
HQ100: Aa
129,3 m³/s
HQ100: Johannisbach
8.
70,6 m³/s
Hochwasser-
Die Hochwassergefährdung der Bebauung be-
gefährdung
ginnt oberhalb der Straßenbrücke Elsener Straße. Das gesamte Kläranlagengelände wird über-
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 148
flutet und oberhalb die Objekte, die in den niederen Bereichen des Zusammenflusses von Lutter
und Johannisbach errichtet wurden.
5.7.2
Schadenspotenzial
In der Stadt Bielefeld sind bei einem HQ100 etwa 6 Mio. DM Schaden
zu erwarten. Rund 47 % des Gesamtobjektschadens entstehen hauptsächlich an Ein- und Mehrfamilienwohnhäuser, die 69 % der Gesamtobjektanzahl ausmachen. Etwa 29 % des Gesamtobjektschadens
werden an Einrichtungen zur Energie- und Wasserversorgung (Anteil:
2 % der Objekte) auftreten. Gewerbe und Industriebetriebe (Anteil: 12
% der Objekte) sind mit 24 % des Gesamtobjektschadens betroffen.
Der mittlere Schaden liegt bei ca. 60.000 DM pro Objekt.
Die höchsten Einzelschäden sind in der Milser Straße, Elsener Straße
und Mehlstraße zu verzeichnen.
Tabelle 39:
Objekte
Hochwasserschadenspotenzial in Bielefeld
Vermögen
Schaden
Schaden
Schaden
HQ50
HQ20
HQ100
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
93
45,93
6,31
2,9
1,3
Die mittlere Schadenserwartung liegt bei 176.000 DM pro Jahr.
Die Ergebnisse sind in der Anlage 2-11 dargestellt.
5.7.3
Hochwasservorsorge
Gesetzliche Überschwemmungsgebiete Johannisbach/Lutter/Aa.
Kommunaler Alarmplan nicht bekannt.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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5.7.4
Seite 149
Maßnahmen
Aufgrund der Talbreiten und des geringen Längsgefälles sind Sohlvertiefungen und Vorlandabgrabungen keine vertretbare Lösung für den
Hochwasserschutz.
·
Für Brake wird für diesen Teil der Aa Objektschutz als Eigenleistung der Eigentümer vorgeschlagen- siehe Anlage Muster
Objektschutz. Im übrigen ist im empfindlichen Hochwasserabflussgebiet Profilpflege für den Erhalt der Leistungsfähigkeit zu
betreiben.
Das HWS des Werre-Wasserverbandes sieht in der optimalen Kombination das HRB Johannisbach vor. Die Überschwemmungsfläche
schrumpft dadurch in ihrer Ausdehnung erheblich zusammen. Die Anzahl der betroffenen Gebäude vermindert sich durch die Rückhaltung
im geplanten Untersee auf zehn.
Tabelle 40:
Kostenschätzung Maßnahmen Brake
Kostenschätzung Hochwasser - Ak tionsplan Br ak e - Aa
Lei stun g en
M en g e
Ei n h .
EP
Gesa m tk osten
Sonstiges
O bjektschutz
Sum m e
5.8
pauschal
80,000.00 DM
80,000.00 DM
Hochwasser-Aktionsplan Bad Salzuflen
Bad Salzuflen wird von der Werre und der Bega durchflossen. Für
beide folgen getrennte Abschnittsbeschreibungen.
Unterhalb Lage hat die Gemeinde Leopoldshöhe an der Werre auf ei-
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 150
nem Kilometer Länge mit der Stadt Bad Salzuflen eine gemeinsame
Grenze. Es handelt sich hier um einen sehr kurzen Abschnitt ohne
Hochwassergefahren. Für Leopoldshöhe wird deshalb kein gesonderter Aktionsplan angefertigt.
5.8.1.1
1.
2.
Abschnittsbeschreibung Bega
Abschnitt
Grundriss
Länge:
10,3 km
Beginn:
Einmündung Werre
Ende:
Grenze zu Lemgo bei Lückhausen
Naturstrecken: Bereich Lindemannshof, Umflut
Hölsen
Ausbaustrecken Historisch:
Einmündung Salze bis Lindemannshof,
Mühlengraben Ueckermann bis Lückhausen
Ausbaustrecken Neuzeit:
Einmündung Werre bis Einmündung Salze,
Beckenbereich HRB Bad Salzuflen/Bega
3.
Aufriss
Mittleres Sohlgefälle: 1,2 0/00 .
Die Strecke befindet sich aus flussmorphologischer Sicht im Unterlauf des Flusses.
Dauerstauanlagen:
Mühle Ueckermann existiert nicht mehr, Wasserführung als Relikt auf alter Trasse.
4.
Talform
Die Bega weist im Ortsdurchgang Bad Salzuflen
– Schötmar - im Gegensatz zur benachbarten
Werre ausgeprägte Überschwemmungsbereiche
auf. Oberhalb des Nadelöhres Krumme Weide
erstrecken sich im Bereich Königsmarsch und
Pluschkamp Überschwemmungsflächen, die im
Mittel 350m breit sind.
Auf 2km Tallänge liegen die Werre und die Bega
nur 100 m bis 500 m voneinander entfernt. Trotz-
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 151
dem die Bega ein wesentlich größeres Niederschlagsgebiet mit höheren Abflüssen besitzt, liegen ihre Sohle und anschließenden Vorländer
über denen der benachbarten Werre. Das hat zur
Folge, dass bei extremen Abflüssen das Hochwasser der Bega den tieferliegenden Vorländern
der Werre zustrebt. Nördlich der Krummen Weide
im Bereich Galgenbrink ist anhand der Höhenlinien eine deutliche Erosionsrinne zu erkennen.
5.
Wasserbauli-
Der Grundriss deutet darauf hin, dass die Bega
che Maß-
mit geringen Ausnahmen ausgebaut wurde. In
nahmen der
Teilen scheint der Ausbau länger als 50 Jahre zu-
Vergangen-
rückzuliegen, da keine Unterlagen bekannt sind.
heit
Jüngere Ausbauabschnitte sind der Bereich unterhalb und im HRB Bad Salzuflen/Bega und der
Abschnitt von der Einmündung der Salze bis zur
Einmündung in die Werre.
6.
Profilzu-
Auf den Ausbaustrecken jüngeren Datums sind
stand/Unter-
die Querprofile gleichmäßig und der unmittelbare
haltungszu-
Abflussbereich ist von Bewuchs weitgehend frei.
stand
Die übrige Strecke – das gilt vor allem für die
sensiblen Bereiche innerhalb der Ortslage
Schötmar – weist sehr ungleichförmige Profile
aus. Hier hat die Bega im Laufe der Zeit Anlandungen und Auskolkungen erzeugt. Zusätzlich
sind die Strecken mit dichtem Gehölzbewuchs
bestanden, der teilweise bis an die Wasserlinie
reicht. Dieser aus ökologischer Sicht attraktive
Zustand hat auf die Leistungsfähigkeit bei Hochwasser negativen Einfluss.
7.
Leistungsfä-
Schadensbeginn:
60 m³/s
higkeit
Schötmar
Schadloser Abfluss
einschließlich 0,5 m
Freibord:
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
40 m³/s
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
HQ100:
Seite 152
109,7 m³/s
(KrummeWeide)
einschl. der Wirkung
des HRB Bad Salzuflen/Bega
8.
Hochwasser-
Die Ortslage Schötmar gehört zu den besonders
gefährdung
hochwassergefährdeten Ortslagen im Einzugsgebiet der Werre. Herausragend sind die Gewerbeflächen zwischen Bega und Werre und die Bebauung zwischen Krummer Weide und Lockhauserstraße.
Die Nachbarschaft Gewässer - Siedlung ist gekennzeichnet durch eine bis an die Böschungskante heranreichende Bebauung. Dieser missliche Zustand ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass der Gewässerabschnitt zum ehemaligen Fürstentum Lippe gehört und bis 1994 kein
Gesetzliches Überschwemmungsgebiet – wie im
preußischen Staatsgebiet üblich– besaß. Insofern
war der zuständigen Wasserbehörde weder eine
technische Grundlage noch eine rechtliche
Handhabe gegeben, auf die Bebauung so einzuwirken, dass außergewöhnliche Hochwasserabflüsse schadlos ablaufen können.
Durch den Straßenriegel Lagesche Straße ist eine besondere Situation gegeben, die dort einige
Objekte gefährdet. Im Bereich Lindemanns Hof
ufert die Bega weiträumig in die Königsmarsch
aus und das Hochwasser sammelt sich in den
Fluren Königsmarsch und Pluschkamp. Dieses
Hochwasser kann nicht durch die Königsbrücke
abfließen, da die Bega hier nicht mehr im alten
Taltiefst verläuft.
Als Entlastung dient ein Durchlass in der Lageschen Straße, der Vorflut über ein Grabensystem
um das Schützenhaus herum hat. Die Vorflut dieses Grabens ist durch mangelnde Unterhaltung
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Seite 153
und durch Verrohrung nicht gegeben. So stellen
sich im Bereich der Häuser Lagesche Straße
schadbringende Wasserstände ein, obwohl die
Bega an beiden Durchlässen zeitgleich niedrigere
Hochwasserstände aufweist und eine schadlose
Vorflut möglich wäre.
Die Gefährdung Lagesche Straße ist immer dann
gegeben, wenn die Bega im Bereich Lindemanns
Hof ausufert. Dieser Zustand tritt schon bei Ereignissen geringerer Häufigkeit auf, die im
eigentlichen Ortsdurchgang noch keine Gefährdung darstellen.
Um die Bebauung Lagesche Straße zu schützen,
müsste theoretisch die Beckensteuerung des
HRB Bad Salzuflen/Bega unter die Ausuferungsgrenze gedrosselt werden. Der Stadtdurchgang
weist aber eine deutlich größere Leistungsfähigkeit auf, so dass solch eine Beckensteuerung
unwirtschaftlich ist und zu einem noch früheren
Überlaufen des Rückhalteraumes führt.
Am Stadtrand zu Lemgo sind Einzelgebäude in
Lückhausen bedroht.
5.8.1.2
1.
Abschnittsbeschreibung Werre
Abschnitt
Länge:
11,9 km
Beginn:
Stadtgrenze mit Herford unterhalb der
BAB 2
Ende:
Stadtgrenze mit der Gemeinde Leopoldshöhe und der Stadt Lage
2.
Grundriss
Naturstrecken: keine
Ausbaustrecken Historisch:
Gesamter
Kommunalabschnitt
3.
Aufriss
Mittleres Sohlgefälle:
1,5 0/00
Der Aufriss wird von folgenden Bauwerken bestimmt:
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Seite 154
Sohlabsturz Pegel Ahmsen,
aufgelassene Wehranlage Werl,
aufgelassene Wehranlage Krumme Weide,
Wehranlage Heerser Mühle,
Sohlgleite Wülfermühle.
4.
Talform
Die Talformen haben je nach Streckenabschnitt
unterschiedliche Charaktere. Von der Stadtgrenze
zu Herford bis nach Schötmar hat die Werre ein
ausgedehntes Tal. Die Überschwemmungsflächen im Hochwasserfall nehmen Breiten zwischen 400 m und 600 m ein. Oberhalb der
Krummen Weide in Schötmar liegt ein ausgeprägtes Sohlental vor, mit einer mittleren Breite von
rund 300 m. An der Grenze zu Leopoldshöhe beginnt der Engtalbereich (b = 50 m bis 100 m), der
bis Lage reicht.
5.
Wasserbauli-
Die Werre ist auf der gesamten Strecke für lan-
che Maß-
deskulturelle Zwecke, für die Wasserkraftnutzung
nahmen der
und für Verbesserungen des Hochwasserschut-
Vergangen-
zes verlegt und ausgebaut worden. Die Maßnah-
heit
men liegen länger zurück und können als historisch bezeichnet werden.
6.
Profilzu-
Von der Stadtgrenze mit Herford bis Werl ist die
stand/Unter-
Werre geradlinig ausgebaut und zum Vorland ab-
haltungszu-
gedeicht; das Profil ist gleichmäßig und Bewuchs
stand
fehlt, dadurch liegt eine große Leistungsfähigkeit
vor. Oberhalb schließen sich Bereiche an, die mit
Gehölz bestanden sind und in denen die Werre
im Laufe der Jahre mehr oder weniger ungleichförmige Querschnitte hergestellt hat. Die Böschungen - sind von wenigen Ausnahmen abgesehen - mit Gehölz bestanden. Dadurch wird die
Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt.
7.
Leistungsfähigkeit
Schadensbeginn:
Uferstraße/Industriestraße
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
90m³/s
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 155
Schadloser Abfluss
einschließlich
8.
0,5m Freibord:
60 m³/s
HQ100: unterh. Bega
205,7 m³/s
HQ100: oberh. Bega
121,2 m³/s
Hochwasser-
Für die Beschreibung der Hochwassergefährdung
gefährdung
ist der lange Abschnitt aufzuteilen.
a) Stadtgrenze zu Herford bis Einmündung Bega.
Auf diesem Abschnitt ist die Werre vollständig
an den Talrand verlegt worden. Sie ist von ihrer
ursprünglichen Aue durch eine durchgehende
Verwallung abgetrennt. Dieser historische Ausbau wurde so großzügig vorgenommen, dass
die angrenzende Aue hochwasserfrei ist. Im
Falle einer Flutung würden einzelne Objekte an
der Ziegelstraße und an der Werler Straße betroffen.
b) Einmündung Bega bis Heerser Mühle.
Auf dem größten Teil dieses Abschnittes verläuft die Werre parallel zur Bega. Das Hochwasser der höhergelegenen Bega tritt bei außergewöhnlichen Ereignissen an mehreren
Stellen zur Werre über und vermischt sich mit
dem Hochwasser der Werre. Das gilt für die
Wohnbebauung östlich der Umgehungsstraße bis zur Krummen Weide und für die Gewerbeansiedlungen im Bereich Ufer- und Industriestraße
c) Oberhalb Heerser Mühle.
d) Mit Ausnahme der Gebäude Wülfer Mühle
und Dreckhof sind hier keine Objekte gefährdet.
5.8.2
Schadenspotenzial
Die Schäden in der Stadt Bad Salzuflen betragen bei einem HQ100 fast
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 156
56 Mio. DM. Der mittlere Schaden liegt bei ca. 252.000 DM pro Objekt.
19 % der Objekte (Gewerbe) machen 79 % des Gesamtobjektschaden
aus. Die Wohnbebauung ist mit 61 % der Objekte zu 16 % am Gesamtobjektschaden beteiligt. Die höchsten Einzelschäden entstehen
im Gewerbegebiet zwischen Bega und Werre (Schötmar). Hauptsächlich durch Hochwasser an der Bega werden hier die Schäden durch
die höheren Wasserstände hervorgerufen.
Tabelle 41:
Objekte
Hochwasserschadenspotenzial in Bad Salzuflen
Vermögen
Schaden
Schaden
Schaden
HQ50
HQ20
HQ100
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
195
288,88
55,81
8,49
4,30
Die potenziellen Überschwemmungsflächen sind relativ wenig bebaut
und haben deshalb kaum hohe Schäden bei einem Deichbruch.
Tabelle 42:
Schäden innerhalb der potenziellen Überschwemmungsflächen
Gemeinde
Bereich
Bad
Salzuflen
Werler Str./Radweg
Ziegelstr./Schnatweg
Flä- Anzahl
che Objekin ha
te
16
14
6
7
Schaden
bei
HQ100
0,09
0,91
Die Schadenserwartung liegt mit 549.000 DM pro Jahr aufgrund schon
hoher Schäden auch bei kleinen Wiederkehrzeiten recht hoch. Die Ergebnisse sind in der Anlage 2-7 dargestellt.
5.8.3
Vorhandener Hochwasserschutz
Unterhalb der Krummen Weide befindet sich auf der linken Seite eine
behelfsmäßige Verwallung, die nicht den Regeln der Technik entspricht.
Die herausragende technische Schutzmaßnahme ist das HRB Bad
Salzuflen/Bega. Es ist bis auf wenige Randmaßnahmen im Bereich
Hölsen fertiggestellt, der Betrieb ist derzeit eingeschränkt möglich.
Das HRB Bega ist allein nicht in der Lage ein 100jährliches Hochwas-
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Seite 157
ser für Schötmar schadlos zu reduzieren. Der Rückhalteraum beginnt
bei Ereignissen zwischen 20- und 50jährlich überzulaufen.
Technische Daten HRB Bad Salzuflen/Bega:
Niederschlagsgebiet AEo:
295 km²
Gewöhnlicher Rückhalteraum:
2.582.000 m³
Spezifischer Rückhalteraum:
8.753 m³/km² (Neff=8,8 mm)
Genehmigte Regelabgabe:
mind. 30 m³/s
5.8.4
Hochwasservorsorge
Bega: Gesetzliches Überschwemmungsgebiet seit 1994.
Werre: Gesetzliches Überschwemmungsgebiet seit 1989.
Alarmplan Kreis Lippe fehlt.
Kommunaler Alarmplan fehlt.
5.8.5
5.8.5.1
Maßnahmen
Maßnahmen an der Bega
Für den Ortsdurchgang Schötmar/Bega wird folgende Vorgehensweise empfohlen: Nach den Ergebnissen des N-A-Modelles läuft das
Hochwasserrückhaltebecken Bad Salzuflen/Bega bei einem HQ100 ohne Scheitelminderung über. Bei einem HQ50 fließen noch knapp 70
m³/s durch Schötmar. Diesen Ergebnissen liegt eine Regelabgabe des
HRB von 50 m³/s zugrunde. Die Übereinkunft in Schötmar für ein 100jährliches Ereignis Hochwasserschutz zu leisten würde bedeuten, den
Ortsdurchgang auf die Überlaufmenge von 109 m³/s ausbauen zu
müssen. Bei den gegebenen beengten Verhältnissen ist damit ein enormer Aufwand verbunden. Hinzu kommt, dass für das Hochwasserrückhaltebecken dadurch Schadenspotenzial entfällt und die Anlage
unwirtschaftlicher würde.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 158
Wegen der Überlagerung mit den „schnellen“ Hochwasserwellen der
Oberen Werre und der Aa ist zu Beginn einer Katastrophe eine Drosselung
des HRB Bad Salzuflen/Bega auf
50 m³/s
nötig –
Hochwasserschutz für Herford und optimale Nutzung des HRB Löhne/Werre. Im weiteren Verlauf muss dann die Regelabgabe erhöht
werden um ein Überlaufen zu verhindern.
Es wird vorgeschlagen, den Ortsdurchgang für einen Abfluss von 70
m³/s umzugestalten. Damit ist auf jeden Fall ein 50-jährlicher Hochwasserschutz für die Ortslage gesichert und es bliebe im N-A-Modell
zu prüfen, inwieweit eine Erhöhung der Regelabgabe auf 70 m³/s, die
dann möglich ist, ein Überlaufen bei einem 100-jährlichen Ereignis
verhindert.
Wegen der extrem beengten Verhältnisse und wegen des geringen
Längsgefälles, kann die Hochwassersicherheit für 70 m³/s nicht alleine
durch Absenkung des Wasserspiegels erreicht werden. Vielmehr ist
eine Kombination aus Spiegelsenkung und Herstellung eines einheitlichen Uferniveaus erforderlich. Im Einzelnen sind folgende Maßnahmen nötig:
1. Entfernen des Gehölzbewuchses und Beseitigen von Profilengpässen durch Anlandungen von der Flur Kanzlerkamp bis zur
Bahnbrücke am Schützenplatz.
2. Anlegen von Bermen auf der stark gekrümmten Strecke von
der Krummen Weide bis zur Bundesbahnbrücke (siehe auch
Lageplan). Durch beide Maßnahmen wird erreicht, dass der für
die Königsmarsch kritische Wasserstand von NN + 74,10 m
nicht überschritten wird.
3. Herstellen eines einheitlichen Uferniveaus durch Verwallungen
oder Wegeerhöhungen auf dem gesamten linken Ufer von der
Brücke Lockhauser Straße bis zur Bundesbahnbrücke am
Schützenplatz.
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Seite 159
4. Herstellen einer ausreichenden Vorflut, in dem Graben von der
Lageschen Straße bis zum Bahndurchlass an der Bega.
Alternative 1: Wegen der Überbauung und teilweisen Verrohrung im Bereich der Schützenhalle, könnte eine Flutmulde
westlich
an
der
Ackergrenze
neu
verlegt
werden.
Alternative 2: Der Grabendurchlass in der Lageschen Straße
wird im Hochwasserfall durch Dammtafeln verschlossen. Die
Königsmarsch funktioniert als Retentionsraum. Eine Überlastung wird durch Ausspiegellung und den Ablauf des Hochwassers durch die Königsbrücke verhindert.
5. Erhöhung der Regelabgabe aus dem Hochwasserrückhaltebecken Bad Salzuflen/Bega auf 70 m³/s.
6. Detaillierte Aufnahme der Objekte im Bereich Schülerstraße, im
Bereich
Lagesche
Straße
und
Anfertigung
von
Informationsblättern für den Objektschutz als Eigenleistung der
Eigentümer – siehe Anlage Muster Objektschutz.
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Tabelle 43:
Seite 160
Kostenschätzung Maßnahmen Bad Salzuflen
Kostenschätzung Hochwasser - Ak tionsplan Bad Salzuflen
Lei stun g en
Va r i a n te Pr ofi l sa n i er un g
Profilpflege Gehölze
Profilräumung
Bermen Uferstraße
Uferlinie Lockhauser Straße bis DBBrücke
Graben Schützenplatz
O bjektschutz (ges. Bad Salzuflen)
M en g e Ei n h .
EP
2000
4000
4500
m
m³
m³
20.00 DM
55.00 DM
40.00 DM
40,000.00 DM
220,000.00 DM
180,000.00 DM
1000
350
m
m
150.00 DM
100.00 DM
pauschal
150,000.00 DM
35,000.00 DM
208,500.00 DM
pauschal
100,000.00 DM
Baunebenkosten
Unvorhergesehenes und
Aufrundung
25,000.00 DM
Sum m e
Lei stun g en
Va r i a n te Fl utb r ück e/ - m ul d e
Ufer str a ße
Profilpflege Gehölze
Bermen Uferstraße
FlutBrücke/ -mulde
Graben Schützenplatz
O bjektschutz (ges. Bad Salzuflen)
Baunebenkosten
Unvorhergesehenes und
Aufrundung
Sum m e
Gesa m tk osten
958,500.00 DM
M en g e Ei n h .
1000
2000
1
350
m
m³
m
EP
20.00 DM
40.00 DM
pauschal
100.00 DM
pauschal
pauschal
Gesa m tk osten
20,000.00
80,000.00
350,000.00
35,000.00
208,500.00
100,000.00
20,000.00 DM
813,500.00 DM
Unter der Voraussetzung, dass das HRB Werre/Werre fertiggestellt
ist, könnte in der Bega im Bereich der Uferstraße, unterhalb der Stadtwerke, eine Flutmulde zur Werre angelegt werden. In die durch das
HRB Bad Werre/Werre auf 50 m³/s gedrosselte Werre können
schadlos 20 m³/s übergeleitet werden. Der in der Bega verbleibende
Abfluss von 50 m³/s bliebe im jetzigen Profil bei ordnungsgemäßer Unterhaltung schadlos.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
DM
DM
DM
DM
DM
DM
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Tabelle 44:
Seite 161
Wirkung der fiktiven HRB Passade und Obere Bega, WWV
Krumme Weide/Bega
mit HRB Bad Salzuflen/Bega
HQ100
HQ50
[m³/s]
[m³/s]
109,7
66,9
94,5
58,5
+ HRB Passade
+ HRB Obere Bega
5.8.5.2
Maßnahmen an der Werre
Das Hochwasserrückhaltebecken Werre/Werre, dass vom WerreWasserverbandes realisiert wird, stellt die Ortslage Schötmar unter
der Vorraussetzung, dass die Maßnahmen an der Bega durchgeführt
werden, hochwasserfrei. Der Großteil der Überschwemmungsflächen
wird durch die höherliegende Bega verursacht. Maßnahmen an der
Bega und Werre sind in jedem Fall aufeinander abzustimmen.
Unterhalb Bad Salzuflens sind große Flächen als rückgewinnbare Retentionsräume vorgesehen, die bei einem Hochwasserereignis auch
positive Auswirkungen auf den Wasserspiegel in Herford und weitere
Unterlieger haben werden. Es ist zu beachten, dass diese Flächen von
den Siedlungsräumen, z.B. durch Dämme zu trennen sind (siehe Anlage 3.Werre-7).
5.9
5.9.1
1.
Hochwasser-Aktionsplan Lage
Abschnittsbeschreibung
Abschnitt
Länge:
10,5 km
Beginn:
Stadtgrenze mit der Stadt Bad Salzuflen in Alt-Holzhausen
Ende:
Stadtgrenze mit der Stadt Detmold
unterhalb des Meschesees (Hachheide)
2.
Grundriss
Naturstrecken: Von der Stadtgrenze AltH l h
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
bi W dd
h
S
Staatliches Umweltamt Minden – Hochwasser-Aktionsplan Werre
Seite 162
Holzhausen bis Waddenhausener See
Ausbaustrecken Historisch:
Waddenhau-
sener See bis Stadtgrenze mit der Stadt Detmold.
3.
Aufriss
Mittleres Sohlgefälle:
2,4 0/00
Im Verlauf der Strecke befinden sich die Stauanlagen Stadtmühle Lage und Wehr Zuckerfabrik
Lage.
4.
Talform
Im Bereich Alt-Holzhausen bis Soorenheide ist
das Tal eng, die Überschwemmungsflächen erreichen nur Breiten von 50 m bis 100 m. Vergleichbar ist der eigentliche Stadtdurchgang von
der DB-Brücke Bielefeld-Detmold bis zur Verzweigung Umflutgraben. Ausgedehnte Überschwemmungsflächen mit einem entsprechend
breiten Tal sind im Bereich der Auskiesungen zu
finden. Hier erreichen die Überschwemmungsflächen Breiten bis 300 m. Ähnlich verhält es sich
auf dem Abschnitt von der Breiten Straße –
Schul- und Sportzentrum bis zur Stadtgrenze zu
Detmold. Auch hier deuten die Teiche auf ehemalige Auskiesungen hin.
5.
Wasserbauli-
Außerhalb des eigentlichen Ortsdurchganges
che Maß-
wurde die Werre für die Anlegung der Auskie-
nahmen der
sungsflächen durchgehend verlegt und ausge-
Vergangen-
baut. Zeitangaben können nicht gemacht werden.
heit
Im eigentlichen Ortsdurchgang ist die Werre auf
ganzer Strecke ausgebaut. Der Ausbau diente
vermutlich der Siedlungsentwicklung und der
Wasserkraftgewinnung. Eine Ausbaumaßnahme
in jüngerer Zeit war die Herstellung des Umflutgrabens am Schul- und Sportzentrum.
Durch die umfangreichen Auskiesungen im Verlauf der Strecke wurden 43,7 ha Retentionsfläche
hergestellt. Diese Flächen werden ungesteuert je
nach den zufälligen Gegebenheiten der Uferkanten bei Hochwasser gefüllt.
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6.
Profilzu-
Auf der gesamten Strecke mit Ausnahme des
stand/Unter-
Umflutgrabens, sind die Werreprofile sehr un-
haltungszu-
gleichförmig und die Böschungen sind dicht mit
stand
Gehölzen bestanden. Aus der Sicht des Hoch-
Seite 163
wasserschutzes ist der Unterhaltungszustand in
der Stadt nachteilig.
7.
Leistungsfähigkeit
Schadensbeginn:
Werrestraße
73 m³/s
Schadloser Abfluss
einschließlich
8.
0,5 m Freibord:
60 m³/s
HQ100:
88,6 m³/s
Hochwasser-
Im Vergleich zu benachbarten Kommunen ist die
gefährdung
Hochwassergefährdung in Lage geringer. Im Verlauf der Werre durch die Stadt benetzen ihre Überschwemmungsflächen die an ihren Rändern
liegende Bebauung. Betroffen sind Gebäude an
Werrestraße, Stauffenbergstraße und Burgstraße, sowie ein Bereich um das Altenheim.
Potenziell überschwemmungsgefährdet ist der
ganze Inselbereich, den die Werre mit der Umflut
bildet. Er wurde nach dem Hochwasser vom Oktober 1998 durchgehend durch eine Verwallung
geschützt.
5.9.2
Schadenspotenzial
In der Stadt Lage entstehen bei einem HQ100 etwa 5,5 Mio. DM Schaden. Rund 55 % des Gesamtobjektschadens entstehen hauptsächlich
an Ein- und Mehrfamilienwohnhäusern. 4 % des Gesamtobjektschadens entstehen an Sporteinrichtungen, Gewerbe und Industriebetriebe
sind mit 35 % des Gesamtobjektschadens betroffen. Der mittlere
Schaden liegt bei ca. 40.000 DM pro Objekt. Die meisten Schäden treten hauptsächlich im Innenstadtbereich auf. Die höchsten Einzelschäden entstehen an der Wohnbebauung in der Liegnitzer Straße.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Tabelle 45:
Objekte
Seite 164
Hochwasserschadenspotenzial in Lage
Schaden
Schaden
Schaden
HQ50
HQ20
HQ100
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
104
51,08
5,46
2,03
0,66
Vermögen
Die Schadenserwartung liegt mit 85.000 DM pro Jahr aufgrund des
charakteristischen Verlaufs der Schadenswahrscheinlichkeit trotz des
hohen Schadens bei HQ100 relativ niedrig.
Die Ergebnisse sind in der Anlage 2-8 dargestellt.
5.9.3
Hochwasservorsorge
Gesetzliches Überschwemmungsgebiet seit 1989
Alarmplan Kreis Lippe nicht vorhanden.
Kommunaler Alarmplan nicht vorhanden.
5.9.4
Maßnahmen
Profilpflege/Grundräumung
In mehreren Bereichen hat die Werre im Laufe der Zeit Auflandungen
verursacht, die nach und nach zu immer größeren Abflusshindernissen wurden. Diese sollten beseitigt werden, ebenso der Uferbewuchs,
sofern dieser im Abflussquerschnitt steht. Diese Maßnahmen erfordern keinen großen Aufwand und sollten regelmäßig durchgeführt
werden. Im Gartenbereich der Anlieger ist darauf zu achten, dass Hindernisse beseitigt werden. Komposthaufen, Rasenschnitt, eigene unsachgemäß errichtete Ufersicherungen oder Verwallungen sind im Abflussquerschnitt der Werre abflusshindernd und müssen vermieden
werden.
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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Abbildung 30:
Seite 165
Breite Straße UW, Gehölzbewuchs behindert den Abfluss
Aufweitung Durchlass
Oberhalb der Stauffenbergstraße staut die Werre stark ein, ein Indiz,
dass der Durchlass der Straße nicht leistungsfähig genug ist. Im
Längsschnitt ist der Aufstau deutlich zu sehen, ebenso die Sohlerhebung im Bereich des Bauwerkes, der die Situation oberhalb der Brücke zusätzlich verschärft.
Abbildung 31: Ausschnitt Bestandslängsschnitt Lage
Dieses Hindernis im Sohlbereich muss beseitigt werden. Wenn die örtlichen Verhältnisse es zulassen, ist eine Aufweitung des Durchlasses
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Seite 166
Stauffenbergstraße zu prüfen, um den Aufstau im Oberwasser zu verringern.
Retentionsraumrückgewinnung
Die Wiese südlich des Werreangers bietet sich als Retentionsraum an.
Die Verwallung sollte beseitigt und die Fläche von jeglicher Bebauung
freigehalten werden (Vorschlag HERRENDÖRFER 1999).
Die ehemaligen Auskiesungen ober- und unterhalb des Stadtdurchganges sind ebenfalls als Retentionsraum mit einzubeziehen. Dafür ist
es sinnvoll die Wasserflächen so zu verwallen, dass sie bei Hochwasserereignissen mit einer Jährlichkeit größer 20 a über Flutmulden gefüllt werden. Die Fläche der Teiche ist in etwa 43,7 ha groß mit einem
entsprechenden Speichervolumen von 437.000 m³ je m Speicherlamelle.
Umflut Mühle Altrogge
Im Bereich des Wehres Altrogge besteht die Möglichkeit die Werre zu
entlasten und damit den Wasserspiegel im OW abzusenken. Hierzu
wird vorgeschlagen das Profil der Umflut auf 10 m² Fließquerschnitt
aufzuweiten. Dabei besteht die Chance das Gerinne in Kombination
wieder den natürlichen Gegebenheiten anzupassen und für Fische
und Kleinlebewesen durchgängig zu gestalten. Die Regeln des DVWK
Merkblattes 232/1996 „Fischaufstiegsanlagen-Bemessung, Gestaltung
und Funktionskontrolle“ sollten bei einem Umbau beachtet werden.
Diese Maßnahmen bewirken eine Wasserspiegelsenkung von knapp
0,40 m, wünschenswert wären Absenkungen von 0,5 bis 1,0 m.
Gefahrenverschärfend kommt hinzu, dass die aus dem N/A-Modell berechneten Abflüsse, bzw. die aus den Abflüssen ermittelten Wasserspiegel trotz zutreffender Parameterkombinationen für die Rauheiten
nicht mit denen aus der Vergangenheit beobachteten Wasserständen
übereinstimmen –siehe Abbildung 31, oben. Das HQ100 mit 90 m³/s ist
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Seite 167
demnach möglicherweise zu niedrig. Letztlich sollten alle Maßnahmen
mit Abflüssen berechnet und geplant werden, die zu den 1998 beobachteten Wasserständen passen.
Sanierungsmaßnahmen sollten daher im Stadtdurchgang (Profil 2895
bis Profil 3040) aus den genannten Gründen sehr großzügig bemessen werden, um Hochwassersicherheit in ausreichendem Umfang sicherzustellen.
Tabelle 46:
Kostenschätzung Maßnahmen Lage
Kostenschätzung Hochwasser - Ak tionsplan Lage - Wer r e
Leistun gen
M eng e
Ei n h.
EP
Gesa m tk osten
Gewässer
Grundräumung/ Sohlniveau
angleichen im Bereich
Stauffenbergstraße
Rückbau des vorhandenen Deiches
oberhalb Werreanger
Aufweitung des Umflutgrabens mit
Herstellen der Durchgängigkeit
1300
m
400.00 DM
520,000.00 DM
200
m
250.00 DM
50,000.00 DM
250
m
500.00 DM
125,000.00 DM
pauschal
pauschal
69,000.00 DM
75,000.00 DM
O bjektschutz
Baunebenkosten
839,000.00 DM
Sum m e
5.10
Hochwasser-Aktionsplan Detmold
5.10.1 Abschnittsbeschreibung
1.
Abschnitt
Länge:
15,3 km
Beginn:
Grenze mit der Stadt Lage unterhalb
Meschesee (Hachheide)
Ende:
Straßenbrücke Remmighauser Straße
in Remmighausen
2.
Grundriss
Naturstrecken: Die Werre hat einen natürlichen
Grundriss vom Meschesee bis zur Einmündung
Knochenbach und oberhalb der Bahnbrücke Bie-
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Seite 168
lefeld-Altenbeken bis zur Berechnungsgrenze
Remmighauser Straße.
Ausbaustrecken Historisch:
Oberhalb des
Knochenbaches und im eigentlichen Stadtdurchgang ist der natürliche Grundriss durch die Stadtentwicklung beeinflusst worden.
3.
Aufriss
Mittleres Sohlgefälle:
2,5 0/00
Mühlenstaue existieren in der Berechnungsstrecke nicht mehr; der Aufriss ist durch eine Vielzahl
von Sohlabstürzen getreppt.
4.
Talform
Das Tal ist entsprechend dem Geländerelief
schmal. Die überschwemmten Breiten reichen
von 50 m bis 100 m.
5.
Wasserbauli-
Im Zuge der Stadtentwicklung ist die Werre mehr-
che Maß-
fach ausgebaut worden. Jüngere Ausbaustrecken
nahmen der
befinden sich im Kernstadtbereich; z. B. der Ab-
Vergangen-
schnitt Bezirksregierung und der Bereich um das
heit
Kaufhaus Karstadt.
An der Stadtgrenze zu Lage liegt die aufgelassene Auskiesung Meschesee. Sie dient als Retentionsraum im Nebenschluss, der über eine Bodenschwelle bei Werrehochwasser gefüllt wird. Die
Überlaufkante liegt bei HW 10. Sie wurde wegen
nicht ausreichender Sicherung durch das Hochwasser 10/1998 zerstört.
6.
Profilzu-
In den Freilandstrecken weist die Werre ein sehr
stand/Unter-
ungleichförmiges Profil aus. Beide Ufer sind meist
haltungszu-
dicht mit Gehölzen bestanden. Im Kernstadtbe-
stand
reich herrschen Rechteckprofile mit lotrechten
Wänden aus Mauerwerk oder Stahlbeton vor. Die
Sohle ist durchgehend mit Wasserbausteinschüttung befestigt.
7.
Leistungsfä-
Schadensbeginn:
hi k it
Ingenieurbüro Sönnichsen - Minden
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higkeit
Seite 169
Einmündung Knochenbach
50 m³/s
Paulinenstraße
22 m³/s
Meierstraße
22 m³/s
Schadloser Abfluss
einschl. 0,5m Freibord:
Einmündung Knochen-
8.
bach
35 m³/s
Paulinenstraße
12 m³/s
Meierstraße
15 m³/s
HQ100:
30 m³/s
Hochwasser-
Die Werre ist im Stadtgebiet Detmold leistungsfä-
gefährdung
hig ausgebaut. Im Verlauf der Strecke finden sich
vier Schwachstellen. Sie sind aus den Ergebnissen der wassertechnischen Berechnungen zu erkennen. Bestätigt wurden die Ergebnisse durch
die in jüngerer Zeit abgelaufenen außerordentlichen Hochwasser im Juni 1981 und im Oktober
1998. Es handelt sich dabei um folgende Bereiche
a) Einmündung Knochenbach – Gewerbegebiet
Gehlskamp
Beide Gewässer haben hier im Laufe der erdgeschichtlichen Entwicklung durch Schuttablagerungen eine ebene Fläche erzeugt, die im Zuge
der Stadtentwicklung mit hochwertigem Gewerbe
bebaut wurde. Wenn es – wie 1998 – zu Ausuferungen kommt, sind weite Bereiche mit hochwertigen Nutzungen betroffen.
b) Wittekindstraße
Oberwasserseitig der Wittekindstraße ufert die
Werre linksseitig in die Bebauung aus.
c) Paulinenstraße
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Seite 170
Ein weiterer Abschnitt befindet sich an der Einmündung des Schlossgrabens in die Werre (oberhalb Paulinenstraße). Hier ufert die Werre in
den Schlossgrabenbereich aus und gefährdet angrenzende Bebauung.
d) Meierstraße
Die schadensintensivste Engstelle befindet sich
an der Meierstraße. Deren Brücke über die Werre
ist nicht ausreichend leistungsfähig, so dass es
bei Überlastung zur Ausuferung über das linke
Ufer kommt. In der Folge entstehen hohe Schäden, die für diesen Teil der Innenstadt charakteristisch sind. Die Werre verläuft hier nicht auf dem
eigentlichen Talboden. Ufert sie aus, benützt sie
die Straßen als Flutrinnen und überschwemmt
Teile der tiefer liegenden Kernstadt.
5.10.2 Schadenspotenzial
In der Stadt Detmold sind die Schadensanteile annähernd gleichmäßig
über alle Nutzungen verteilt. Mit rund 6,3 Mio. DM entstehen in der
dicht besiedelten Stadt Detmold im Vergleich zu den anderen Kommunen nur geringe Schäden bei einem HQ100.
Mit 42 % des Gesamtobjektschadens sind überwiegend Gewerbe bei
einem Hochwasser betroffenen. Etwa 26 % des Gesamtobjektschadens entstehen an Wohnobjekten und 36 % an öffentlichen Gebäuden.
Die höchsten Einzelschäden entstehen in der Wotanstraße, Karlstraße
und Lange Straße. Im Gewerbegebiet Klingenbergstraße werden die
Schäden u.a. durch Hochwasser im Knochenbach hervorgerufen, hier
gab es bereits in der Vergangenheit Schadensereignisse.
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Tabelle 47:
Objekte
Seite 171
Hochwasserschadenspotenzial in Detmold
Schaden
Schaden
Schaden
HQ50
HQ20
HQ100
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
93
45,93
6,31
2,90
1,30
Vermögen
Weil die Schäden bereits bei einem HQ50 schon etwa die Hälfte der
Schäden bei einem HQ100 erreichen, fällt die berechnete Schadenserwartung mit 120.000 DM pro Jahr Vergleichsweise hoch aus.
Die Ergebnisse sind in der Anlage 2-9 dargestellt.
5.10.3 Hochwasservorsorge
Gesetzliches Überschwemmungsgebiet seit 1989
Alarmplan Kreis Lippe nicht vorhanden.
Kommunaler Alarmplan nicht vorhanden.
5.10.4 Maßnahmen
a) Einmündung Knochenbach-Gewerbegebiet Gehlskamp
Bereits im Jahre 2000 ist für die Stadt Detmold ein Vorentwurf ausgearbeitet worden, der verschiedene Varianten zur Hochwasserfreilegung des Gebietes am Einmündungsbereich Knochenbach untersucht
[SÖNNICHSEN 2000]. Folgende Maßnahmen werden empfohlen:
·
Grundräumung mit Bewuchsentfernung, Sohlangleichung
·
Anlage von Bermen von der Orbker Straße bis zum Firmendurchlass unterhalb der Knochenbacheinmündung
Die Regelquerschnitte sind als einseitige Bermenprofile auszubilden,
die Breite der Bermen variiert zwischen 5 und 20 m. Im Flussschlauch
selbst kann ein Hochwasser nahe HQ2 ohne Inanspruchnahme der
Bermen abgeführt werden. Die Sohle wird auf der gesamten Ausbaustrecke vertieft und auf 2,8 ‰ Gefälle angeglichen. Damit kann auf
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eine zusätzliche Erhöhung der Uferkanten verzichtet werden, der Oberflächenzufluss zum Gewässer ist somit gewährleistet.
Hochwasserfreiheit für das Gewerbegebiet Gehlskamp kann nur in
Zusammenhang mit der Umgestaltung des Knochenbaches erreicht
werden.
b) Profilumgestaltung Wittekindstraße
Aus der Betrachtung des Längsschnittes ergeben sich gute Möglichkeiten den Wasserspiegel im Schadensgebiet zu senken. Dazu ist auf
einer Strecke von rund 500 m eine Sohlangleichung vorzunehmen und
es sind Engstellen zu beseitigen.
c) Profilumgestaltung – Objektschutz Paulinenstraße
Im Unterwasser der Brücke Paulinenstraße verläuft die Werre entlang
eines Parkplatzes mit geringer Profilbreite. Die angrenzende Ufermauer ist abgängig. Hier bieten sich Profilvergrößerungen an, die der
Leistungssteigerung und der ökologischen Verbesserung dienen können. Alternativ oder ergänzend wird Objektschutz durch die Eigentümer empfohlen.
d) Profilumgestaltung Meierstraße
Wegen des hohen Schadenpotentiales lohnen hier besondere Anstrengungen. Aus dem Längsschnitt erkennbar sind Leistungsverbesserungen durch Sohleintiefung möglich. Die Bearbeitungsstrecke
reicht in das Unterwasser bis zur Sohlgleite am Parkhaus hinter der
Bahn. Im Oberwasser der Brücke Meierstraße sind Maßnahmen für
einheitliche Uferkanten erforderlich, die auch das erforderliche Freibord enthalten sollten.
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Tabelle 48:
Seite 173
Kostenschätzung Maßnahmen Detmold
Kostenschä tzung Hochwasser - Ak tion splan Detm old - Wer r e
Lei stun g en
M en g e
Ei n h .
EP
Gesa m tk osten
Gewässer
Grundräumung/ Sohlvertiefung
Meierstraße, Thusneldastraße,
Wittekindstraße
1500
m
Sanierung Einmündung
Knochenbach (gemäß Vorentwurf
Sönnichsen 2000)
O bjektschutz
Baunebenkosten
400.00 DM
600,000.00 DM
pauschal
pauschal
pauschal
1,040,000.00 DM
85,500.0 0 DM
60,000.0 0 DM
1,785,500.00 DM
Sum m e
5.11
Hochwasser-Aktionsplan Lemgo
5.11.1 Abschnittsbeschreibung Bega
1.
Abschnitt
Länge:
9,5 km
Beginn:
Lieme, Grenze zu Bad Salzuflen
Ende:
Oberhalb Schloss Brake am Sport-
platz
2.
Grundriss
Naturstrecken:
Mühlenableiter Büllinghauser Mühle, Einmündung
Ilse bis KA Lemgo, Hintere Weide/Regenstor
Lemgo
Ausbaustrecken Historisch:
Lückhausen bis Lieme und Stadtdurchgang Lemgo bis o.h. Schloss Brake.
Das eigentliche Taltief verläuft durch die Altstadt
und im weiteren Verlauf durch das Gewerbegebiet, das beidseits des sogenannten alten Flusses liegt.
3.
Aufriss
Mittleres Sohlgefälle: 2,4 0/00 . I
Im Verlauf der Strecke bestehen 5 Stauanlagen.
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Seite 174
Außer der Mühle Büllinghausen und der Stauanlage am Schloss Brake liegen sie im Hauptschluss. Durch die Stauanlagen weist der Längsschnitt eine ausgeprägte Treppung auf.
4.
Talform
Von einer Einschnürung bei Lückhausen und in
Lieme im Bereich der L 968 abgesehen, erreicht
das überschwemmte Tal Breiten bis über 500 m.
Deutlich schmaler wird der Talraum oberhalb der
Einmündung der Ilse. Er erreicht hier mittlere
Breiten um 300 m.
Der Talbereich im Ortsdurchgang Lemgo ist völlig
überprägt durch die Besiedelung. Der gesamte
südliche Altstadtbereich liegt im alten Begatal und
der Schwerpunkt der Gewerbeansiedlung Grevenmarschstraße alter Fluss.
5.
6.
Wasserbauli-
Hier sind die Stauanlagen und die komplette Ver-
che Maß-
legung der Bega aus ihrem Taltiefst zu nennen.
nahmen der
Eine Hochwasserumgehung an der Langenbrü-
Vergangen-
cker Mühle – wie sie nach dem Hochwasser von
heit
1946 angedacht wurde – ist bisher unterblieben.
Profilzu-
Ortslage Lieme
stand/Unterhaltungszustand
Der natürlich geschwungene Gewässerlauf unterhalb der Mühle Büllinghausen ist beidseits
dicht mit Gehölz bestanden. Allerdings ist der
Gehölzsaum schmal. Dahinter beginnen ausgedehnte landwirtschaftliche Nutzflächen. Entsprechend ihrem natürlichen Zustand ist die Profilgeometrie stark ungleichförmig, die Flussschlauchleistung ist gering. Im Hochwasserfall fließt der
größte Anteil über die Vorländer ab.
Ortslage Lemgo
Im Bereich der Kläranlage und durch das ganze
Stadtgebiet hindurch, sind die Begaufer beidseitig
mit Gehölzen bestanden. Die angrenzenden Vorländer im Bereich Hörstmarer Wiesen werden
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Seite 175
landwirtschaftlich genutzt. Im Laufe der
Jahrzehnte hat die Bega ungleichmäßige
Uferstrukturen geschaffen. Unter
Hochwassergesichtspunkten behindern der
Bewuchs und die Profilgeometrie die
7a.
Leistungsfä-
Leistungsfähigkeit erheblich.
Schadensbeginn:
50 m³/s
higkeit Lieme
Schadloser Abfluss
einschließlich 0,5 m
7b.
Leistungsfähigkeit Lemgo
Freibord:
35 m³/s
HQ100:
96 m³/s einschl. Ilse
Schadensbeginn:
Altstadt
» 60 m³/s
Gewerbegebiet
» 50 m³/s
Schadloser Abfluss
einschließlich 0,5 m
Freibord:
8.
Hochwassergefährdung
Altstadt
31 m³/s
Gewerbegebiet
30 m³/s
HQ100:
85 m³/s
Ortslage Lieme
Vom Hochwasser sind 37 Einzelobjekte in Lieme
bedroht. Sie liegen am Rande des Überschwemmungsgebietes, das hier fast 600 m breit ist. Im
Wasserspiegellängsschnitt sichtbar, stellt die Brücke der L 968 einen deutlichen Engpass dar, der
im Oberwasser den Wasserspiegel anhebt und
auch oberhalb scheinen die hydraulischen
Bedingungen ungünstig zu sein.
Der bewachsene Mühlenableiter ist im außergewöhnlichen Hochwasserfall ein abflusshemmender Querriegel.
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Seite 176
Ortslage Lemgo
Lemgo Stadt ist bei außergewöhnlichen Hochwasserereignissen mehr noch als Bad Salzuflen
ein Schadensschwerpunkt. Dies ist darin begründet, dass nicht wie in einem natürlichen Tal das
Hochwasser langsam ansteigend die Talkanten
hinaufwandert, sondern das bei Überschreiten einer bestimmten Leistungsfähigkeit weite Teile der
Stadt bzw. des Gewerbegebietes durch Überströmen von Hochufern schlagartig geflutet werden.
In der Nachbarschaft zur Altstadt ist die Bega
weitsichtig großzügig ausgebaut worden und hat
eine ausreichend hohe Verwallung. Die
Schwachpunkte sind die Mühlenstaue Langenbrücker Mühle und Neue Mühle und obersowie unterwasserseitig zu finden.
Für den Bereich Altstadt ist die kritische Einströmstelle die Regenstorstraße am Regenstorplatz. Von hier folgt das Hochwasser den Wegen
Stiftsstraße und Heustraße und setzt die wertvolle Innenstadt unter Wasser. Im weiteren Verlauf
wird dann auch das Gewerbegebiet geflutet. Gelingt es, den Einströmbereich Regenstorstraße zu
beseitigen, besteht immer noch die Gefahr der
Flutung des Gewerbegebietes indem das Hochwasser wie über ein Streichwehr über die Straße
In der Bega in das Gewerbegebiet läuft und sich
über den alten Fluss mit der Bega im Bereich der
Kläranlage wieder vereint. Auch linksseitig der
Bega sind randlich Objekte betroffen. Das gilt
auch für Teile des Schlosses Brake. Die AltstadtGefährdung wird vor allem durch den Engpass
Langenbrücker Mühle verursacht.
Die Nachbarschaft Gewässer - Siedlung ist auch
hier wie in Bad Salzuflen durch eine bis an die
Böschungskante heranreichende Bebauung ge-
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Seite 177
kennzeichnet. Dieser missliche Zustand ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass der Gewässerabschnitt zum ehemaligen Fürstentum Lippe
gehört und bis 1994 kein Gesetzliches Überschwemmungsgebiet – wie es im preußischen
Staatsgebiet üblich war – besaß. Insofern war der
zuständigen Wasserbehörde weder eine technische Grundlage noch eine rechtliche Handhabe
gegeben, auf die Bebauung so einzuwirken, dass
außergewöhnliche Hochwasserabflüsse schadlos
ablaufen können
5.11.2 Schadenspotenzial
Das Schadenspotenzial in der Stadt Lemgo liegt mit ca. 103,6 Mio. DM
bei einem HQ100 von allen Kommunen am höchsten. Aufgrund der
großen Wassertiefen (Senken in Lemgo Innenstadt) werden über 21
% der Vermögenswerte an den Objekten geschädigt. 15 % der Objekte sind Gewerbe und machen 29 % des Gesamtobjektschaden aus.
Die reine Wohnbebauung ist mit 23 % der Objekte nur zu 8 % am Gesamtobjektschaden beteiligt. 49 % der Objekte befinden sich in Flächen mit gemischter Nutzung (Gewerbe und Wohnen) und machen 35
% des Gesamtobjektschadens aus. Objekte innerhalb der Flächen
funktionaler Prägung (3 %) (öffentliche Gebäude u.ä.) erreichen 27 %
des Gesamtobjektschadens.
Der mittlere Objektschaden liegt bei ca. 178.000 DM.
Tabelle 49:
Objekte
Hochwasserschadenspotenzial in Lemgo
Vermögen
Schaden
Schaden
Schaden
HQ50
HQ20
HQ100
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
Mio. DM
524
444,07
103,64
32,96
21,75
Vor einem HQ20 ist die Innenstadt von Lemgo durch die etwas höher
liegende Regenstorstraße gerade noch geschützt. Das tiefer liegende
Gewerbegebiet Grevenmarschstraße wird jedoch schon bei einem
HQ20 z.T. überschwemmt und die entstehenden Schäden an Gewer-
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Seite 178
beobjekten liegen bei fast 90 % des Gesamtobjektschadens (HQ20).
Weil hohe Schäden bereits bei einem HQ20 auftreten, ist die berechnete Schadenserwartung mit 1,69 Mio. DM sehr hoch.
Die Ergebnisse sind in der Anlage 2-10 zusammenfassend dargestellt.
5.11.3 Hochwasservorsorge
Gesetzliches Überschwemmungsgebiet seit 1994.
Alarmplan Kreis Lippe nicht vorhanden.
Kommunaler Alarmplan vorhanden.
Es liegt ein „Alarmplan bei Hochwasser“ von 1990 vor. Er enthält kritische Pegelwerte, allgemeine Meldehierarchien, die Aufforderung
Sandsäcke bereitzuhalten und die Adressen gefährdeter Objekte.
5.11.4 Maßnahmen
Abschnitt Altstadt
Um die Ortslage Lemgo hochwasserfrei zu stellen, sind umfangreiche
Umgestaltungen am Gewässer notwendig. Sie können in zwei Abschnitte aufgeteilt werden. Ein Abschnitt betrifft die Bega im Bereich
des Gewerbegebietes und der weitere Abschnitt betrifft die Bega von
der Langenbrücker Mühle nach oberhalb bis zur Pagenhelle - Altstadt.
Es ist nicht zwingend erforderlich – nach der Wasserbauregel – gegen
die Fließrichtung zuerst mit dem Abschnitt Gewerbegebiet zu beginnen. Welche Maßnahme vorgezogen wird hängt letztlich von den finanziellen und rechtlichen Möglichkeiten ab. Es bietet sich an, mit dem
Abschnitt Altstadt zu beginnen. Die wasserbaulichen Maßnahmen zielen darauf ab, die Wasserspiegel schadlos abzusenken. Dazu werden
folgende Teilmaßnahmen vorgeschlagen:
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1. Verbesserung der Profilleistung durch Profilpflege mit Sohlräumung. Auf der gesamten Strecke von der Langenbrücker
Mühle bis zum Bereich Regenstor-Platz muss der Bewuchs innerhalb des Abflussquerschnittes ausgedünnt werden. Profileinengungen durch Verlandungen sind zu beseitigen. Ebenfalls
ist eine Grundräumung der Sohle vorgesehen.
2. Im linken Widerlager der Langenbrücker Mühle wird der Einbau
eines Hochwasser-Bypasses empfohlen. Nach den Modellergebnissen könnte er eine Breite von 6 m und eine Drempelhöhe von NN + 92 m erhalten. Zusätzlich sind die Freilaufschützen an der Mühle umzubauen.
3. Abriss der nicht mehr genutzten Wehranlage Neue Mühle.
Durch die Stillegung besteht die Gefahr, dass die für den
Hochwasserabfluss notwendige Bedienung der Schütze nicht
mehr möglich ist.
4.
Vorlandaufhöhung Pagenhelle bis Regenstorplatz. Mit den
Maßnahmen zu 1. und 2. wird im Oberwasser der Langenbrücker Mühle eine Spiegelabsenkung von 60 cm erzeugt. Diese
Absenkung beträgt am Regenstor Platz noch 40 cm. Sie reicht
nicht aus, um ein Abströmen über die Regenstor Straße in die
Altstadt zu verhindern. Hier ist eine Geländegestaltung erforderlich - beispielsweise in Verbindung mit den vorhandenen
Fuß-Radwegen - die von der Pagenhelle bis zur Verwallung
am Regenstor Platz eine geschlossene Sicherheitslinie darstellt. Die Trasse und die erforderliche Höhe sind als Maßnahme in den Lageplan eingetragen.
Abschnitt Industriegebiet
Im Längsschnitt ist deutlich zu sehen, wie die Mühle Lindner in diesem
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Seite 180
Bereich die Sohlenlage und damit die Profilleistung beeinflusst. Es ist
fraglich - nach den Erfahrungen, die vielerorts gemacht werden – ob
die Mühle langfristig Bestand hat. Das gilt natürlich auch für die anderen Stauanlagen. Zum Betrieb derartig kleiner Wasserkraftanlagen ist
ein enormer Arbeits- und Finanzaufwand notwendig. Oft sind es nicht
monetäre Gründe, die die Staurechtsinhaber an ihrem Recht festhalten lassen. Nach einem Generationswechsel kann es zur Aufgabe der
Nutzung und zum Verfall der Anlagen kommen. Es gibt im WerreGebiet genug Beispiele dafür.
Aus diesem Grund wird vorgeschlagen, das Staurecht abzulösen, die
Mühle zu entfernen und diesen Gefällesprung zu nutzen, um die Strecke von hier bis zur Neuen Mühle durchgehend umzugestalten. Damit
ist sicherlich ein massiver Eingriff in den Fließquerschnitt verbunden.
Unter der Berücksichtigung, dass die Mühle seit 200 oder 300 Jahre
einen unnatürlichen Zustand darstellt und die Durchgängigkeit behindert, ist diese Umgestaltung eine Maßnahme, die auf lange Sicht nach
einer Übergangsphase wieder natürlichere Gewässerverhältnisse herstellt.
Der Maßnahmevorschlag wurde ebenfalls modelltechnisch nachempfunden. Mit einer vereinfachten Annahme einer gleichmäßigen Sohlbreite von 10 m und Böschungsneigung von 1 : 1,5 wurden Profile auf
der neuen Sohllinie angelegt und der Wasserspiegel neu berechnet.
Für den 100-jährlichen Abfluss wird am Endpunkt dieser Maßnahme
im Unterwasser der Neuen Mühle eine Absenkung um 1,3 m erreicht.
Dies ist umso bemerkenswerter, weil zu bedenken ist, dass durch die
Abriegelung der Altstadt sich in diesem Bereich die Planungswassermenge gegenüber den bestehenden Verhältnissen um rund 30 m³ erhöht.
Der Abschnitt von der Mühle Lindner in Fließrichtung bis zur Einmündung Alter Fluss, ist hochwasserfrei. Allerdings besteht nicht immer
ausreichend Freibord zum angrenzenden Weg an der Bega. Das gilt
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für den Bereich um Profil 1050. Hier ist bei konkreten Planungen
durch gezielte Geländeaufnahmen das Defizit zu ermitteln und die
Straße
An
der
Bega
in
Teilbereichen
ggf.
zu
erhöhen.
Vor baulichen Maßnahmen sollten aktuelle Profile neu aufgenommen
werden, da die Daten nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen.
Tabelle 50:
Kostenschätzung Maßnahmen Lemgo
Kostenschätzung Hochwasser - Ak tionsplan Lem go
Lei stun g en
M en g e Ei n h .
EP
Gesam tk osten
Gewässer
Profilpflege mit Sohlräumung
Flutmulde erstellen auf + 94.8
Verwallung Lemgo, Geländemod.
Verwallung Lemgo, Fußweg
Profilumgestaltung Mühle Lindner
bis Neue Mühle
1100
8750
350
300
m
m³
m³
m
20.00
30.00
50.00
200.00
DM
DM
DM
DM
22,000.00
262,500.00
17,500.00
60,000.00
DM
DM
DM
DM
48000
m³
30.00 DM
3 Stck
pauschal
pauschal
pauschal
pauschal
60,000.00 DM
125,000.00
30,000.00
60,000.00
20,000.00
180,000.00
DM
DM
DM
DM
DM
pauschal
pauschal
pauschal
pauschal
180,000.00
21,000.0 0
185,000.00
150,000.00
DM
DM
DM
DM
1,440,000.00 DM
Bauwerke
Bypass Langenbrücker Mühle
Stahlbetonrahmen
Umbau der Wehranlage
Natursteinverkleidung
Straßenaufbruch/ Brückenfundamente sichern
Sonstiges
Umgestaltung Mühle Lindner
O bjektschutz Lemgo
O bjektschutz Lieme
Baunebenkosten
Unvorhergesehenes und
Aufrundung
Sum m e
68,000.00 DM
2,821,000.00 DM
Die Maßnahmen zum Hochwasserschutz sollten zum Anlass genommen werden, die Situation der Mühlenstaue in Lemgo zu überdenken.
Folgender Sachverhalt stellt sich dar:
– Die Mühlenstaue sind mit ihren Staustrecken für die Bevölkerung
attraktiv.
– Wasserkraftnutzung ist bei derartig geringen Leistungen nicht mehr
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Seite 182
wirtschaftlich.
– Die Anlagen werden aufgegeben und sich selber überlassen. Sie
stellen für den Hochwasserabfluss ein Risiko dar. Der baufällige
Zustand ist unschön. Eine Wiederbelebung ist in absehbarer Zeit
nicht zu erwarten.
– Die Mühlenstaue sind ein massives Hindernis für Wanderfische.
Die Staustrecken verschlechtern die Wasserqualität.
Es bietet sich daher an, die Mühlenstaue und vor allem die Stadtstrecke unterhalb der Langenbrücker Mühle mit folgender Zielrichtung
umzugestalten:
– Hochwasserschutz (Abriss zur Leistungssteigerung)
– Durchgängigkeit (Verbesserung des Fließgewässercharakters)
– Wassersport (Wildwasser für Paddler)
– Attraktion für das Stadtbild (Wildwasser auf rauen Sohlgleiten, Zugangsstellen)
Ortslage Lieme
Im Ortsdurchgang Lieme wurde modelltechnisch untersucht, inwieweit
Veränderungen der Straßenbrücke L 968 durch Sohlvertiefungen und
die Entfernung einer Feldwegüberfahrt Verbesserungen liefern. Der
Erfolg war erwartungsgemäß gering. Das Tal ist zu ebenflächig ausgedehnt, als das mit vertretbaren Geometrieveränderungen Wasserspiegelsenkungen erzeugt werden können. Empfehlung: Detaillierte
Aufnahme der betroffenen Objekte, Erstellung eines Informationsblattes für den Objektschutz durch die Eigentümer.
Hochwassermelde- und Alarmplan
Zur Verbesserung der Vorsorge sollte der vorhandene Alarmplan ü-
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Seite 183
berarbeitet werden. Ziel sollte es sein, kritische Wasserstandshöhen
klar zu definieren,
zusätzlich die Niederschlagsinformation im Ein-
zugsgebiet mit aufzunehmen und die jetzt bekannten Schwachstellen
konkret als Schutzziele für Sandsackmaßnahmen o. ä. aufzuführen.
Tabelle 51:
Wirkung der fiktiven HRB Passade und Obere Bega - HWS WerreWasserverband Herford
Lemgo/Bega
mit HRB Bad Salzuflen/Bega
HQ100
HQ50
m³/s
m³/s
85,0
72,7
48,2
44,7
+ HRB Passade
+ HRB Obere Bega
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6 Zusammenfassung und Ausblick
Seit 2000 werden landesweit auch für mittlere Flussgebiete Hochwasseraktionspläne erarbeitet. Das Staatliche Umweltamt Minden beauftragte den Unterzeichner mit der Erarbeitung des HochwasserAktionsplanes Werre. Der Plan beschreibt die Hochwassersituation,
bewertet die potenziellen Schäden, gibt Empfehlungen und schlägt
Maßnahmen zum Hochwasserschutz überörtlich und in den einzelnen
Kommunen vor.
Für diesen Aktionsplan wurden die aktuellsten verfügbaren Daten miteinbezogen oder speziell aufbereitet. Dazu gehören insbesondere die
gesetzlichen Überschwemmungsgebiete, das Niederschlag-AbflussModell des Einzugsgebietes und die Hydraulikmodelle der Werre und
der Nebenflüsse Else, Aa und Bega. Alle Modelle wurden umfangreich
überarbeitet und verifiziert. Für Variantenrechnungen wurden verschiedene Zustände des Gebietes und der Gewässerauen hergestellt.
Die natürlichen Überschwemmungsgebiete für das HQ100 und den Katastrophenfall HQ5000 wurden ermittelt und in den Lageplänen dargestellt.
Unmittelbar Handelnde und Betroffene am Gewässer sind die Kommunen. Deshalb ist der Aktionsplan auf die jeweiligen Kommunen zugeschnitten und enthält darüber hinaus einen allgemeinen Teil.
Der derzeit nur für den überörtlichen Hochwasserschutz zuständige
Werre-Wasserverband Herford hat parallel ein Hochwasserschutzkonzept (HWS) als Grundlage seines künftigen Handelns erarbeiten lassen. Das HWS und der hier vorgelegte Hochwasseraktionsplan enthalten aufeinander abgestimmte Maßnahmenvorschläge.
Das vom Büro Hydrotec bearbeitete Schadenspotenzial hatte das Ziel,
die innerhalb der Überschwemmungsflächen einer bestimmten Jährlichkeit befindlichen gefährdeten Objekte zu erfassen und über Schadensfunktionen den möglichen Schaden an diesen Objekten monetär
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zu bewerten.
Mit den berechneten Schäden, den durch Maßnahmen vermiedenen
Schäden und den Kosten der Maßnahmen wird deren Nutzen ermittelt.
Es wurden für die folgenden Nutzungskategorien Sachschäden berechnet:
-
Schäden an Gebäuden (privat genutzte und öffentliche Gebäude
sowie Wirtschafts- und Industriegebäude) und dem Inventar,
-
Produktionsausfall der Wirtschaft,
-
Schäden an land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen,
-
Schäden an der allgemeinen Infrastruktur (Brücken, Straßen, Siedlungsfreiflächen) und
-
Schäden an Kraftfahrzeugen.
Hydrotec hat ein Verfahren HWS-GIS entwickelt, bei dem aus allgemeinen statistischen und geografischen Daten die betroffenen Objekte
ermittelt und z.T. aus vor Ort erhobenen Daten die Hochwasserschäden mit Hilfe des geografischen Informationssystems ArcView berechnet.
Im Untersuchungsgebiet liegen 1818 Objekte innerhalb der natürlichen
Überschwemmungsfläche bei HQ100 mit einem Gesamtvermögen von
1,85 Mrd. DM, das entspricht einem spez. Vermögenswert von ca. 70
DM/m² Überschwemmungsfläche und 1,02 Mio. DM pro Objekt sowie
einem spezifischem Schaden von 13,3 DM/m² Überschwemmungsfläche. Im Mittel liegen die Schäden bei 19 % des Vermögenswertes. Mit
fast jeweils einer halben Milliarde DM Vermögen und über 100 bzw.
fast 90 Mio. DM Schaden bei HQ100 liegen die beiden Gemeinden
Lemgo und Löhne in der Schadensstatistik an erster Stelle.
Obwohl die potenziellen Überflutungsgebiete nur etwa 15 % der natürlichen Überschwemmungsflächen ausmachen, würden bei einem
Hochwasser in diesen Flächen fast 40 % der Schäden entstehen als in
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den gesamten natürlichen Überschwemmungsgebieten an der Werre.
Durch eine Kombination aus geeigneten lokalen Hochwasserschutzmaßnahmen (Objektschutz und Linienschutz) können Schäden in einer Höhe von ca. 216 Mio. DM (entspr. 62 % der Gesamtschäden) bei
einem HQ100 innerhalb der natürlichen Überschwemmungsflächen
vermieden werden.
Mit vertretbarem Kostenaufwand können durch volumenwirksame
Maßnahmen etwa 131 Mio. DM Schäden innerhalb der natürlichen
Überschwemmungsflächen (HQ100) vermieden werden.
Situation Hundertjährliches Hochwasser (HW100)
Tabelle 52:
Schadensminderung durch Retention und Linienschutz
Hochwasserschaden
Maßnahmen
Maßnahme Retention H18
(Werre-Wasserverband
Herford)
Maßnahme Linienschutz/Objektschutz (Kommunen)
6.1
1818 Objekte
347,4 Mio DM
Anzahl
Kosten
Schadensminderung
8,2 Mio m³
71,6 Mio DM
130,8 Mio DM
11 Kommunen
17,0 Mio DM
216,6 Mio DM
Summe
88,6 Mio DM
347,4 Mio DM
Maßnahmen
Außerordentliche Hochwasser sind selten. Vorsorge- und Schutzmaßnahmen müssen daher einprägsam, einfach und auf Dauer leistbar
sein. Die Vorschläge wurden unter diesen Gesichtspunkten erarbeitet.
Es erfolgte eine Gliederung in einen allgemeinen Teil und einen kom-
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Seite 187
munalen Teil.
Allgemeine Maßnahmen
a)
Information im Hochwasserfall über Niederschlag und Wasserstand durch allgemein und jederzeit zugängliche InfoStationen
b)
Verbund-Hochwassermelde- und Alarmplan überörtlich
c)
Information in „Trockenzeiten“: Überschwemmungskarten
für Bürger, Hochwassermerksteine zur Dokumentation außergewöhnlicher Ereignisse, Kontrollprofile zur langfristigen
Beobachtung der Querschnittsentwicklung
d)
Erweiterung der Aufgaben des Werre-Wasserverbandes
Herford als Träger überörtlicher Info-Maßnahmen, Träger
der Gewässerunterhaltung und der ökologischen Verbesserung (EU-Rahmenrichtlinie) und als Berater der Kommunen
für lokale Hochwasserschutzmaßnahmen.
Generelle kommunale Maßnahmen
e)
Benennung eines Hochwasserbeauftragten in jeder Kommune für die Überwachung der hochwasserempfindlichen
Gebiete, Bürgerberatung, Dokumentation (ÜG-Karten,
Wasserstands-Messungen, Meldungen, Fotodokumentation,
Melde- und Alarmpläne), Ansprechpartner Feuerwehr und
Katastrophenschutz, Kontaktperson zu Nachbarkommunen
f)
Kommunaler Hochwassermelde- und Alarmplan
g)
Hochwassergerechte Unterhaltung der empfindlichen
Hochwasserabflussgebiete in Ortslagen
Lokale kommunale Maßnahmen
Bad Oeynhausen und Löhne
Hochwassersichere Umgestaltung der Werre-Aue zwischen Bad Oeynhausen und Löhne durch Aufgabe der Altdeiche und Wiederherstellung natürlichen Retentionsraumes. Zurückverlegung der Sicher-
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Seite 188
heitslinie an die BAB 30 und die Bebauung Ostscheid und Werste.
Kirchlengern
Angleichen der Sohle unter der B239, Umgestaltung der Stauanlage
Brausemühle, für die übrigen betroffenen Gebäude Objektschutz.
Bünde
Erhöhung Elsedamm und Sachsenstraße auf hochwasserfreies Niveau. Sperrwerk mit Rückschlagklappe an Sunderbach-Mündung, für
die übrigen Gebäude Objektschutz, bzw. für Neubauten Höhenempfehlung.
Hiddenhausen
Sicherstellung der Hochwasserfreiheit durch HRB des WerreWasserverbandes, für die übrigen, betroffenen Gebäude Objektschutz.
Herford
Aa: Sicherstellung der Hochwasserfreiheit durch HRB des WWV,
Sohlabgrabung, Niveau der Verwallung erhöhen, Rückbau Radewiger
Mühle
Werre: Ausbau des Querschnitts auf 290 m³/s Abflussleistung, Verlandung entfernen und Flutmulden herrichten.
Bad Salzuflen (Gemeinde Leopoldshöhe)
Bega: Ausbau des Ortsdurchganges auf 70 m³/s, Entfernen von Gehölz und Auflandungen, Errichtung von Bermen, Ausbildung eines
einheitlichen Uferniveaus, Vorflut des Grabens Lagesche Straße sichern und Objektschutz als Eigenleistung der Eigentümer. Eventuell
Errichtung einer Flutmulde (Voraussetzung HRB Werre/Werre)
Werre: Hochwassersicherheit durch HRB Werre/Werre, nur wenn
Maßnahmen an der Bega durchgeführt sind, Rückgewinnbare Reten-
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Seite 189
tionsräume freihalten.
Lemgo
Profilpflege mit Sohlräumung und Verlandungen beseitigen, Hochwasser-Bypass an Langenbrücker Mühle mit Umbau des Freilaufschütz,
Umgestaltung Neue Mühle, Sicherheitslinie Pagenhelle herrichten,
Umgestaltung Mühle Lindner und Folgemaßnahmen, tlw. Erhöhung
Straße An der Bega und Objektschutz für Lieme.
Lage
Profilpflege mit Grundräumung, Aufweitung des Durchlasses Stauffenbergstraße und Entfernung der Sohlerhebung, Retentionsraumrückgewinnung, Aufweitung der Umflut Mühle Altrogge.
Detmold
Grundräumung mit Bewuchsbeseitigung und Sohlangleichung, Anlage
von Bermen an Knochenbacheinmündung; Profilumgestaltung Wittekindstraße; Profilumgestaltung und Objektschutz Paulinenstraße; Profilumgestaltung Meierstraße.
6.2
Ausblick
Mit dem Hochwasser-Aktionsplan Werre liegt allen Beteiligten eine
umfassende, politische Grenzen überschreitende Bestandsaufnahme
der Hochwassergefährdung und des potenziellen monetären Schadens vor. Auf dieser Basis wurden mit den Beteiligten konkrete Maßnahmen erarbeitet. Es sind überörtlich wirkende als auch auf die spezifischen Probleme der jeweiligen Siedlungen ausgerichtete Maßnahmen. Die Vorschläge wurden vor dem Hintergrund erarbeitet, das außergewöhnliche Ereignisse in großen Zeitabständen auftreten. Schutzmaßnahmen müssen einfach gestaltet und finanziell auf Dauer leistbar
sein, damit eine langfristige Wirkung gesichert ist.
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Zur Verringerung der Gefahr und möglicher Schäden müssen sowohl
der Werre-Wasserverband als auch die Kommunen die Maßnahmen
konsequent umsetzen. Große Anteile liegen in der Verantwortung der
Kommunen. Aber die Art der Aufgaben verlangt fachliche Beratung
und vor allem auch finanzielle Unterstützung des Landes. Die Fachdienststellen erkennen die Notwendigkeit des Handelns. Es ist aber
darüber hinaus notwendig, durch Information in den politischen Gremien der Beteiligten die Bereitschaft zum Mittun zu erzeugen.
Minden, Aachen, Dezember 2001
Für die Planungsgemeinschaft
(Sönnichsen)
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(Bicknese)
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in Deutschland Schadenserfahrungen und Schadenspotenziale“, München
MURL NRW (1999): „Hochwasserfibel – Bauvorsorge in Hochwassergefährdeten Gebieten“, Düsseldorf.
MURL NRW, 1999: „Potenzielle Hochwasserschäden am Rhein in
NRW“, Düsseldorf.
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1999: „Grundstücksmarktbericht 1999“, Nordrhein-Westfalen.
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Sönnichsen
(2002):
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Wasserverband
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7.1
Vorträge
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7.2
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http://193.159.218.47/LUA/wiski/ph
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http://www.owlonlne.de/news/wetter/owl/
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http://www.topwetter.de/lexikon/lexikon.ht
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http://www.wetter.com/home/dwd/fr
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http://www.dwd.de/forecasts/unwfrm.htm
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http://www.umweltonline.de/recht/wa
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Verwaltungsverfahrensgesetz
7.3
http://dejure.org/gesetze/BVwVfG
Kartenwerke
Deutsche Grundkarte 1:5000, NRW, digital
Digitales Geländemodell 1:5000, NRW, (+analoge Daten)
Gewässerstationierungskarte NRW, analog
Müller-Wille, (1966): Bodenplastik und Naturräume Westfalens
Topografische Karte 1: 50 000, NRW, digital
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