Die Sexualität positiv erleben

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Die Sexualität positiv erleben
pharmacieplus | Die Gesundheitszeitung | Juli / August 2009
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Gesundheit
Die Sexualität positiv erleben
Die Sexualität ist eines der Fundamente unserer weiblichen bzw. männlichen Identität. Doch trotz ihrem provozierendem Gehabe hat die Sexualität nach wie vor mit
Tabus zu kämpfen : angefangen bei den Normen, über
Libidoprobleme und sexuell übertragbare Krankheiten
bis zum Teamwork in der Partnerschaft: Antworten…
die Lustgefühle wecken.
p Kristin Aubort
« Entspreche ich der Norm, Herr
Doktor ? » Die Frage mag komisch
klingen, doch ( fast ) alle von
uns stellen sie sich. Gründet das
Geheimnis einer positiv erlebten
Sexualität doch auf Aufklärung und
Kommunikation. Mehr über « die
schönste Sache der Welt » erfuhren
wir im Gespräch mit Dr. Christian
Rollini, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Vizepräsident der Swiss Society of Sexology.
Dr. Rollini, was bedeutet Sexologie ?
Die Sexologie ist eine alte Fachrichtung, in ihrer zunehmend medikalisierten Form aber eher neu.
Geblieben ist der holistische Ansatz,
da die Person interdisziplinär in
ihrer Ganzheit behandelt wird.
Da der Beruf nicht geschützt ist,
wollten wir ihm einen Rahmen geben
und ihn mit einem Qualitätslabel
versehen. Und so beschlossen wir
2008 die Gründung der Swiss Society
of Sexology. Die Ausbildungen in
diesem Bereich müssen wissenschaftlich klar zertifiziert sein, und dies
möchte die SSS sicherstellen. Auch
muss der Patient wissen, ob er es mit
einem Psychiater, einer Psychologin,
einer Gynäkologin, einem Urologen,
einem plastischen Chirurgen usw.
zu tun hat.
Worin besteht die Rolle des Sexologen ?
Der Spezialist führt eine gründliche
medizinische Beurteilung durch,
die nicht nur den mechanischen,
sondern auch den toxikologischen,
psychologischen, somatischen, beziehungsmässigen und schliesslich sexologischen Aspekten Rechnung trägt.
Merkwürdig, dass der sexologische Aspekt zum Schluss kommt…
Das heisst nicht, dass er weniger
wichtig ist; ein sexuelles Problem
durch Sex zu behandeln wäre
aber vielleicht etwas reduzierend.
Manchmal kann man z.B. zwei, drei
Jahre vor einem Herzanfall eine
Erektionsstörung beobachten. Sie
kann dann ein wichtiger Hinweis
für Gefässkrankheiten sein. Und
auch wenn diese Störung meist psychologische Ursachen hat, ist eine
seriöse medizinische Abklärung
notwendig, um oft damit verbundene Krankheiten wie Diabetes oder
altersbedingte Hormonprobleme
aufzuspüren.
Offenbar haben bestimmte
Medikamente wie Blutdrucksenker oder Psychopharmaka
Nebenwirkungen, die sich negativ auf die Libido auswirken können. Ist das ein häufiges Thema
in der Arztpraxis ?
Nein ! Es ist nach wie vor ein Tabuthema, obschon 80 % der Patienten
es völlig normal fänden, wenn ihr
Arzt sie darauf anspräche… doch
80 % der Ärzte scheuen sich davor,
das Thema anzuschneiden.
Vermutlich beeinflussen auch
Drogen und Alkohol die Sexualität…
Bei vielen Leuten wirken sich
Drogen auf die Sexualität aus… und
manchmal nehmen sie sie auch, um
sexuellen Problemen abzuhelfen !
Das gleiche Phänomen beobachtet
man bei der Einnahme von Alkohol
als Reaktion auf Angst. Zu diesem
Thema sind Studien im Gange.
Herr Doktor, gibt es in der Sexualität eine Norm ?
Es ist wichtig, sich in diesem Bereich
von Schuldgefühlen zu befreien, da
es keine Norm gibt, an die man sich
halten muss ! Dem Sexologen geht
es darum, der Person zu helfen,
ihr persönliches Gleichgewicht zu
finden, Normen sind da weniger
wichtig. Für eine erfüllte Sexualität
gibt es Zutaten, und die Sexualität
ist mit 20 nicht dieselbe wie mit 30,
40 oder danach. Ein Jugendlicher
wird vielleicht eine erotische Zeit-
schrift durchblättern… wenn er es
aber dabei belässt, wird er mit seiner
ersten Partnerin Probleme haben.
Er wird dann neue Gesten kennen
lernen, die Sinneslust.
In andern Worten: « liebe dich
selbst ? »
Wenn es darum geht, eigene Wünsche auszudrücken, ja. Wer sich
selbst nicht liebt, hat ein Problem
mit der Selbsteinschätzung.
denkt, dass es uns ohne Sexualität
gar nicht gäbe !
Sind sexuelle Probleme demnach
oft die Folge fehlender Kommunikation ?
Studien belegen, dass 50% der Probleme durch fehlende oder falsche Informationen entstehen :
Penislänge, Dauer der Penetration,
Häufigkeit des Sexualverkehrs pro
Woche usw. Bei den restlichen 50%
handelt es sich um echte sexuelle
Störungen, bei denen « darüber
reden » allein nicht genügt.
Nicht alle Leute sind sexuell aktiv…
Auch die Häufigkeit des
Die Sexualität ist keine Pflicht. Man
Geschlechtsverkehrs ist ein Dausollte sich aber fragen, weshalb es so
erthema. Was sagen die Zahlen ?
ist, vor allem, wenn man darunter
Laut einer grossen, internationalen
leidet. Wer keinen Sex hat, sich aber
Studie haben Herr
in seiner weiblichen
und Frau Schweizer
bzw. männlichen Iden« Für eine
jährlich 104 Mal Sex,
tität wohl fühlt, braucht
während der weltkeinen Spezialisten.
erfüllte
weite Durchschnitt
Im Grunde ist zu defiSexualität
Gibt es den « Honeymoon » wirklich ?
bei 103 Mal liegt. Man
nieren, ob von NormaDiese leidenschaftliche Phase dauert 6
kann aber auch glücklität oder Konformismus
gibt es
bis 24 Monate, selten länger. In dieser
lich sein, wenn man
gesprochen wird.
Zutaten »
Zeit tragen viele Hormone zu der Leialle drei Monate nur
denschaft bei, darunter Dopamin und
einmal GeschlechtsNicht einfach, sich
das « Liebeshormon » Oxytozin.
verkehr hat. Die Häufigkeit des
dem Konformismus zu entzieSexualverkehrs ist auch abhängig
hen angesichts der Botschaften
Wie hält man die Flamme auch
von Alter, Stress usw.
in gewissen Medien und in der
danach aufrecht ?
Werbung, die uns beeinflussen.
Danach werden in der Beziehung
Was sagt man einem Mann in
Wie sehen Sie das ?
mehr zwischenmenschliche und
wenigen Worten, damit er die
Vorsicht vor den karikaturistischen
intellektuelle Seiten entwickelt,
Erwartungen seiner Partnerin
Aussagen einiger Presseerzeugzärtliche und freundschaftliche
besser erfüllt ?
nisse, vor Abbildungen junger, als
Bande geknüpft. Die Flamme kann
Die Partnerin anhören, den Mut
leblose Sexualobjekte dargestellte,
aber dennoch aufrecht erhalten
haben, über Sexualität zu sprechen.
Mädchen. Es geht bei der Sexualität
bleiben. In einer gesunden BezieFür Frauen gilt übrigens dasselbe.
aber nicht nur um Prävention : Man
hung entstehen die Probleme häufig
Auch nach 30 Jahren kennen sich
sollte sie auch fördern. Sagen, dass
durch den Alltag. Daher tritt eine
viele Paare in sexueller Hinsicht
sie auch durchaus positiv ist, dass
Verbesserung in der Beziehung
nicht… und das lässt sich nicht auf
man durch sie viel über die menschmeist durch Änderungen im Verden Orgasmus reduzieren ! Durch
lichen Beziehungen lernt. Das wird
halten ein und nicht durch den
Gespräche über die eigenen Bedürfoft vergessen.
Intellekt. Am Wichtigsten ist, dass
nisse und Wünsche kann viel Lust in
man aufeinander eingeht, dass man
der Beziehung entstehen.
Eine Art Lehre, über das Leben
sich Zeit für die Erotik nimmt, sich
und auch die eigene Identität ?
Ruhepausen gönnt…
Und Ihre Botschaft an die Frauen ?
Die Adoleszenz dient dazu, sich
Dass sie nicht denken sollen, beim
selbst kennen zu lernen : eine GeleSind wir da wieder beim VergnüMann genüge es, grob gesagt, mit
genheit, dem eigenen Körper näher
gen angelangt ?
den Fingern zu schnalzen und dann
zu kommen. Typisch dafür ist die
Genau. Wichtig ist ja, zusammen
muss es klappen ! Männer sind
Selbstbefriedigung, die immer noch
zu sein, sich zu streicheln, einander
in dem Bereich nämlich viel empein grosses Tabu ist, auch wenn
Vergnügen zu bereiten… ohne zwinfindlicher als man denkt. Es bringt
nichts beweist, dass sie schädlich
gend Geschlechtsverkehr haben zu
nichts, sich unter Druck zu setzen.
ist… etwa taub macht oder sonst
müssen. p
Wichtig ist, dass man den Mut hat,
schadet. Verwirrung herrscht auch
miteinander zu reden… und daran
bei der Selbstbezogenheit ( an sich
denken ) und dem Egoismus. Der
Egoismus ist negativ besetzt; an sich
denken ist hingegen wichtig und
positiv und hindert nicht daran,
Generalsekretariat der SSS, Chemin Paul-Rose 7, 1213 Onex oder
auch an andere zu denken.
auf www.swissexology.ch.
Mehr Infos über die Swiss Society for Sexology
pharmacieplus | Die Gesundheitszeitung | Juli / August 2009
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Nur mit Orgasmus glücklich ?
Dadurch, dass man das Thema todredet und die Leistung der Qualität voranstellt, wird der vaginale oder der klitoriale
Orgasmus zu einem Synonym für Tyrannei der Lust. Hat die Technik die Zärtlichkeit verdrängt ?
Woran erkennt man eigentlich diese Welle wonniger Lustgefühle ? « Es handelt sich dabei um eine körperliche und
psychische Entladung, einen emotionalen Höhepunkt, der durch medizinische Hirnbildgebung sichtbar ist und sich
gewöhnlich durch Muskelkontraktionen im Dammbereich äussert », erklärt Dr. Christian Rollini. « Mann muss diesen
Zustand aber nicht unbedingt erreichen, um sexuell glücklich
zu sein », ergänzt er. « Auch braucht es nicht unbedingt einen
Orgasmus, um fortpflanzungsfähig zu sein ! »
Ein vaginaler Orgasmus ist schwieriger zu erreichen ; die Frau
muss ihren Körper, die eigenen Wünsche und Abneigungen
genau kennen. Er tritt ein, wenn sie loslassen kann, wenn Körper
und Geist entspannt sind. Bereitet das Thema aber Probleme,
muss um Hilfe gebeten und die Ursachen – hormonelle, psychische, Schmerzen usw. – herausgefunden werden, um eine
Lösung zu finden. Manchmal sind medizinische Abklärungen
und eine Psychotherapie notwendig », erläutert der Sexologe. p
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Kopfschmerzen
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Hilft bei Schmerzen
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Ferienflirt
Sie sind zurzeit ohne festen Partner und haben beschlossen : diesen Sommer wird’s heiss ! Einige
Tipps, damit auf den « One-NightStand » keine sexuell übertragbare Krankheit folgt.
« Entspannt und in Ferienstimmung
lassen wir uns eher auf Abenteuer
ein – aber auch auf Risiken ! Zuverlässige Prävention sollte zu den Ferienvorbereitungen gehören wie das
Reisegepäck. In Bezug auf die STI gilt
dieselbe Alarmstufe wie im übrigen
Jahr », betont Jean Fleurimont, Leiter
der pharmacieplus du mont d’or,
Vallorbe. Zwei Verhaltensregeln sind
für ihn unverzichtbar :
Dies ist ein Arzneimittel. Bitte lesen Sie die Packungsbeilage.
Erhältlich in Apotheken und Drogerien.
Die mit dem Regenbogen
pbeim Intimverkehr unnötige
Risiken vermeiden : sich auf vertrauenswürdige Partner beschränken
pein männliches Präservativ
anwenden, vor allem wenn Sie mit
mehr als einem Partner oder
mit wechselnden Partnern
Verkehr haben
Bakterien wie Chlamydia
trachomatis verursachen diverse Infektionen im Urogenitalbereich. Erneut am
Ansteigen sind Chlamydeninfektionen; sie sind zwar
oft symptomfrei ( stummer Verlauf ),
können aber schwere Folgen haben.
Durch frühzeitige Erkennung
können sie rechtzeitig behandelt
werden.
Viren wiederum verbreiten Krankheiten wie zum Beispiel Hepatitis B
und Herpes. Sie müssen alle unbedingt behandelt werden, da sonst
mit schweren Folgen, allenfalls
sogar Sterilität, zu rechnen ist. Diese
Infektionen – mit Ausnahme des
HI-Virus- sind demnach, trotz ihrer
Gefährlichkeit und sofern sie rechtzeitig entdeckt werden, durch Antibiotika behandelbar. Die den Parasiten angehörenden Filzläuse und
Trichonomaden sind harmloser,
erfordern aber dennoch
einen unverzüglichen
Arztbesuch !
Informationen auf www.savetravel.ch
und www.lovelife.ch.
Damit Ihre Haut
bereit ist, auch in
der Sonne blendend
auszusehen.
Die menschlichen Papillomaviren ( HPV ) sind die
häufigste Ursache von STI und
können zu Gebärmutterhalskrebs
führen. Sie sind derzeit Gegenstand
einer grossen Präventionskampagne, bei der vor allem Mädchen
ab 11 aufgefordert werden, sich
impfen zu lassen ( mehr Infos auf
www.infovac.ch ). p KA
(1) Quelle :
Sexually transmitted diseases diagnosed
among travelers returning from the tropics, S. Ansart
et col., J Travel Med 2009 ; 16 : 79-83.
STI ( sexuell übertragbare
Infektion ) : Rendez-vous in
ihrer pharmacieplus-Apotheke
Sexuell übertragbare Krankheiten werden hauptsächlich über Geschlechtsverkehr, aber auch durch Oralsex weiter
gegeben. Dies ist u.a. bei Syphillis
und Hepatitis B der Fall, die ebenfalls
via Blut übertragen werden, oder bei
Herpes ( erneut ansteigend ), der über
die Schleimhäute weitergegeben wird.
Hüten Sie sich auch vor Tätowierungen und
Piercings, die mit unsterilem Material
und unter mangelhaften hygienischen
Bedingungen durchgeführt werden.
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Trotz Aufrufen zur Vorsicht bleibt
die Zahl der Ferienflirt-Anhänger,
die sich systematisch schützen,
extrem tief. Laut einer kürzlich
durchgeführten wissenschaftlichen
Studie (1) mit Patienten aus einer
Abteilung für Tropenmedizin – alle
mit Infektionen, die auf eine sexuell
übertragbare Infektion ( STI ) hindeuteten – gaben 60 % der Patienten an,
nie ein Kondom, und 40 %, nur unregelmässig Kondome zu benutzen !
Eine erschreckende Bilanz, denn
ohne systematischen Gebrauch
eines männlichen Präservativs ist
Sex mit einem Risikopartner potentiell gefährlich und kann sogar tödliche Folgen haben !
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Jean Fleurimont, Apotheker : « Der Apotheker
steht Ihnen jederzeit zur Verfügung und ist
offen für Ihre Fragen rund um Sexualität
und Verhütung. Wie bei allen Themen, die
Vertraulichkeit und Diskretion erfordern,
findet das Gespräch in einem geschützten Raum statt. Für Ratschläge und
Dokumentationen kann sich der Patient also direkt an seinen Vertrauensapotheker wenden oder wird von
diesem wenn nötig an einen anderen
Gesundheitsspezialisten weitergeleitet. »
Eignet sich bei UV-Belastung durch starke Lichteinwirkung. Calcium-Sandoz ®
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übermässiger Sonneneinstrahlung schützen. Darum eignet sich dieses Nahrungsergänzungs-mittel in der Freizeit, beim Sport und bei der Arbeit im
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