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reise / C Ô T E
D ’A Z U R
Besser kann ein Tag nicht beginnen:
Private Breakfast im Hôtel Majestic
Barrière mit Blick auf das Meer
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Fotos: beigestellt
TOUR DE
PLAISIR
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Der Süden Frankreichs verführt
seine Besucher mit azurblauem
Meer, mondänen Küstenstädten
und verträumten mittelalterlichen
Dörfern im Hinterland – aber auch
mit einer formidablen Küche. Man
findet sie in renommierten Hotels
oder in versteckten Restaurants
mit Sinn für zeitgemäße Cuisine
provençale. Ein Lokalaugenschein
von Nizza bis Saint-Tropez.
T E X T SY LV I A M . S EDL NI T Z K Y
Die Hotellegende von Cannes wurde
generalsaniert und ist wieder der
Stolz der Côte d’Azur
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Fotos: beigestellt
as berühmte Hôtel Majestic in
Cannes präsentiert sich nach
seiner Generalsanierung in
prachtvollem Glanz. Der neue Flügel mit dem
450 Quadratmeter großen Penthouse mit Dachterrasse und Pool ist nun der ganze Stolz des
Hauses. Vor dem strahlend weißen Art-déco-Palast an der von Palmen gesäumten Croisette patrouillieren livrierte Doormen. In der lichtdurchfluteten Lobby sind die griechischen Skulpturen
und Säulen verschwunden, dafür zeigen erdfarbene Sofas und elegante Blumenarrangements,
dass man auch hier in der Jetztzeit angekommen
ist. Nur von den Fotografien einstiger Hollywoodstars, die hier zu Gast waren, konnte man
sich doch nicht trennen. Was soll’s – ein wenig
Glanz vergangener Tage darf auch ein modernes
Grandhotel noch versprühen. Die Côte d’Azur
ist ja mittlerweile schon modern genug.
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as merkt man ganz deutlich in dem
malerischen, wie Rom auf sieben Hügeln gelegenen Ort Le Cannet, nördlich von Cannes. In der Rue NotreDame-des-Anges herrscht schon am späten
Vormittag reges Treiben. Denn Bruno Ogers
neuer Restaurantkomplex, die »Villa Archange«,
wurde nach der Eröffnung im Frühling prompt
mit zwei Michelin-Sternen gekrönt. Ogers neues
Provence-Imperium aus dem 18. Jahrhundert
umfasst nicht nur ein Feinschmeckerrestaurant,
sondern auch ein schickes Bistro mit Terrasse,
das kein Loch in die Kasse reißt. Der Bretone
kocht aromareicher denn je – etwa Neukreationen wie Froschschenkel-Cappuccino mit süßem
Knoblauch. Freilich stehen auch Klassiker, die
man aus seiner vorherigen Wirkungsstätte »Villa
des Lys« im Hôtel Majestic kennt, auf der Karte.
Wer in Cannes logiert, sollte unbedingt einen
Abstecher zum besten Vietnamesen Südfrankreichs, dem »Le Jade«, machen und Herrn Mys
Empfehlungen vertrauen. Das Interieur ist kaum
der Rede wert, doch die »Griffe de Crabe au Jus
de Citron vert« hat Kultstatus. Eine Reservierung ist anzuraten, da die Öffnungszeiten nach
Lust und Laune des Besitzers variieren können.
Die Laune dürfte übrigens dem wunderbaren
Jacques Chibois in Grasse vergangen sein, hat er
doch auf einen Schlag seine zwei Sterne verloren.
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Jacques Chibois
wurde überraschend abgewertet
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ine derartig hohe Dichte an
Spitzenrestaurants ist eine
äußerst rare Angelegenheit.
Paris, Côte d’Azur – und dann
kommt lange nichts.
Völlig überraschend. Wir finden Chibois’ Küche
in der »Bastide Saint-Antoine« nach wie vor souverän, und seine Kompositionen schmecken keinen Deut schlechter. Chibois ist nach wie vor einer der großen Meister der leichten Mittelmeerküche und versteht sich wie kein anderer auf den
perfekten Umgang mit Olivenöl, das übrigens
selbst hergestellt wird. Mediterrane Gerichte wie
Steinbutt mit Artischocken und Waldchampignons oder Walderdbeeren-Soufflé mit frischem
Verveine-Kraut, das rund um die Bastide üppig in
Heckengröße gedeiht, bringen Gourmets ob ihrer
leichten und subtilen Aromen ins Schwelgen.
Auch Chibois’ ehemaliger Schüler Sebastien
Mahuet macht seit einem Jahr von sich reden.
Mit der Übernahme des »La Réserve de Nice«,
eines schön renovierten Gebäudes aus den 30erJahren im Hafen von Nizza, ist es dem jungen
Koch gelungen, den hohen Standard seines Vorgängers Jouni Tormanen fortzusetzen. Mahuet,
der sich seine Sporen zuvor im famosen »Château de la Chevre d’Or« verdient hat, zaubert
Köstlichkeiten ohne Espuma-Showeffekte in bemerkenswerter Qualität auf den Teller: Das DreiGänge-Menü mit in Ingwer marinierten Crevetten und Calamari, gefolgt von einem exquisiten Hasen à la niçoise und einer Crème Ivoire
mit Matcha-Geschmack als Abschluss überzeugt
selbst extrem verwöhnte Gaumen.
Fotos: beigestellt
»La Réserve de Nice« ist
das kulinarische Highlight
im Hafen von Nizza
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Zeitgenössische
Gemälde im »Les
Bacchanales«
Hervorragende Meeresfrüchte von Christophe
Dufau in Vence
Natürlich kann man in Südfrankreich an vielen Plätzen ausgezeichnet speisen. Nirgendwo
sonst in Europa, Paris ausgenommen, gibt es so
viele hoch dekorierte Restaurants in einer solchen Dichte. Was leicht zu erklären ist, denn hier
treffen mit Italien und Frankreich nicht nur die
besten Küchen Europas aufeinander, es ist auch
eine stattliche Fangemeinde der feinen mediter-
»Ich besinne mich gern zurück
auf eine Einfachheit, die sich
auf zwei oder drei Geschmacksrichtungen konzentriert.«
YA NNICK F R A N QUES
Fotos: beigestellt
In der »Bastide
Saint-Antoine« von
Jacques Chibois
Yannick Franques
kombiniert Edles
mit Populärem
ranen Kochkunst vorhanden. Christophe Dufau
in Vence bringt es fertig, den Kunstanspruch seiner preisgünstigen Küche in einer derart gelassenen Atmosphäre (manchmal wird gejazzt) zu
demonstrieren, dass sein »Les Bacchanales« niemals wie ein erhabener Schlemmertempel wirkt.
Das moderne Ambiente ist von bunten Plastiken
im Garten und zeitgenössischen Gemälden in
den schlichten Speiseräumen geprägt. Auch seine
Küche, in der regionale Zutaten und die liebevolle Gestaltung die Hauptrolle spielen, ist überzeugend innovativ.
Von dort aus ist es ein Katzensprung zu einem
der renommiertesten Häuser Südfrankreichs,
dem Château Saint-Martin in Vence. Im ehemaligen Konventshaus der Tempelritter hat man einen gigantischen Ausblick, der bei klarem Wetter
die Sicht bis Korsika erlaubt. Chefkoch Yannick
Franques, ein ehemaliger Ducasse-Schüler, bringt
dort ebenfalls die Provence in einer Neuauflage
auf den Teller: »Ich besinne mich gern zurück
auf eine Einfachheit, die sich auf zwei oder drei
Geschmacksrichtungen konzentriert.« Interessant ist seine Küche auch deshalb, weil er Edles
mit Populärem kombiniert, etwa Sellerie mit
Schokolade oder Taube mit Kirschen und kleinen Rüben.
Die pittoreske Gegend um Vence und Grasse
ist Pflichtprogramm jeder Côte-d’Azur-Reise! >
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> Denn nur ein kleines Stück von der Küste
entfernt konnten sich die Dörfchen ihre Ursprünglichkeit bewahren. Der Gang des Lebens ist dort oben um einiges langsamer und
bedächtiger als an der Küste. Im Herzen dieser kleinen Provence-Orte treffen sich am
späten Nachmittag Männer mit Baskenmützen unter den Platanen auf ein Boule-Spiel –
für uns das klassische Südfrankreich-Klischee.
Noch ein kräftiges Stückchen Richtung Süden
liegt Saint-Tropez, wo die Schönen schon in
den Sechzigern ihre liberale Grundhaltung
durch das Weglassen von Bikini-Oberteilen
zeigten und wo sich samstags alles auf dem
»Marché provençal« am Place des Lices tummelt. Ein Geheimtipp für alle, die dort eher
dem Trubel fernbleiben wollen: das superschicke neue »MUSE – Hôtel de luxe« oberhalb von Saint-Tropez. Mit seinen verschachtelten Suiten mit Privatpools liegt das 20-Millionen-Euro-Projekt versteckt in einem
terrassenförmig angelegten provenzalischen
Garten, gestaltet von der bekannten Landschaftsarchitektin Sophie Agata Ambroise.
Jede der 15 Suiten ist nach Musen wie Edith
Piaf oder Catherine Deneuve benannt, und
das Hotel wirbt mit »Sun-Butler«, Mac-Books
auf jedem Zimmer und einem Bentley-BeachShuttle um junges betuchtes Publikum. Das
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Im »La Pinède«
muss das Börserl
gut gefüllt sein
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ie Côte d’Azur steht für
leichte mediterrane Küche
für höchste Ansprüche. Neben
teuren Nobelrestaurants gibt
es auch einfache und authentische Küche.
fashionable »M«-Hotel-Restaurant wird kulinarisch von Clement Bruno, der in Frankreich
als Spezialist für Schwarze-Trüffel-Gerichte berühmt ist, beraten.
Keinesfalls sollte man einen Besuch in der
»Résidence de la Pinède« vor den Toren des
ehemaligen Fischerdorfs auslassen. Zumindest
für ein Essen, denn die Zimmerpreise des rosafarbenen Landhauses mit seinen weißen Fensterläden sind kaum zu verschmerzen. Unter der
Leitung des Chefkochs Arnaud Donckele wird
abends auf der Terrasse mit Traumblick auf den
alten Hafen diniert. Seine Effekte erzielt der
Belgier mit dem Geschmack und der Frische
seiner Zutaten, »und ich liebe es, traditionelle
mediterrane Rezepte mit viel Fantasie und Eleganz neu umzusetzen«. Wo das Meer so nahe
ist, erwarten den Gast Fische wie etwa eine
Rotbarbe in zwei Gängen: zuerst kalt und
frisch in Aspik mit einem leichten Limonenton
und im zweiten Gang in Meerwasser gedünstet
mit Kaviarperlen und schwarzen Spaghetti serviert. Wem das alles zu manieriert und gekünstelt ist, dem bleibt immer noch ein Abstecher
zu Madame Berenguier. In ihrem einfachen
Strandrestaurant »Chez Camille« kocht sie eine
köstliche klassische Bouillabaisse. Das mag kulinarisch vielleicht wenig spektakulär klingen,
aber dafür schmeckt sie herrlich.
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Fotos: beigestellt Illustration: Bianca Tschaikner
Exklusives Urlaubsvergnügen
im Hotel Résidence de la
Pinède in Saint-Tropez
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Fotos: beigestellt Illustration: Bianca Tschaikner
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ie Küste ist ein Dauerbrenner. Eine Auswahl
der besten Adressen zwischen
Nizza und Saint-Tropez.
DIE BESTEN
ADR ESSEN
AN D ER C ÔTE
HOTELS &
HOTELRESTAURANTS
1 BASTIDE SAINT-ANTOINE
Jacques Chibois zählt nach wie vor zu den großen
Köchen der Provence, aber auch ein großer Pool und
hübsche pastellfarbene Zimmer und Suiten (jene mit
einem Jacuzzi auf dem Dach kann nicht getoppt werden) erwarten den Gast.
48 Avenue Henri Dunant
06130 Grasse
T: +33/(0)4/93 70 94 94
Restaurant: Mo.–So. 12–14.30 Uhr und 20–22.30 Uhr
www.jacques-chibois.com
2 CHÂTEAU SAINT-MARTIN
Im Gourmetrestaurant »Le Saint-Martin« versteht
es Yannick Franques, feine Geschmacksnuancen mit
berückenden Aromen zu verbinden, und wurde dafür
bereits mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet.
2490 Avenue des Templiers
06140 Vence
T: +33/(0)4/93 58 02 02
Restaurant: 12.30–14.30 Uhr und 19.30–22 Uhr
www.chateau-st-martin.com
3 RÉSIDENCE DE LA PINÈDE
Auf der Sonnenterrasse von Arnaud Donckeles feinem
Restaurant darf man sich mit perfektem Service und
kreativer, leichter Côte-Küche wie Gott in Frankreich
fühlen. Das hat jedoch seinen Preis!
Plage de la Bouillabaisse
83990 Saint-Tropez
T: +33/(0)4/94 55 91 00
Restaurant: Mo.–So. 12.30–14.30 Uhr und 19–21.30 Uhr
www.residencepinede.com
Jacques
Chibois kocht
aromatisch und
farbenfroh
Im Château Saint-Martin
werkt Ducasse-Schüler
Yannick Franques
4 MUSE – HÔTEL DE LUXE
Das durch die Slow-Food-Philosophie inspirierte »M«-Restaurant wird von Frankreichs
Trüffelkönig Clement Bruno beraten, toller
Hotel-Konzeptstore und herrliche Suiten in
Cremefarben!
Route des Marres
83350 Ramatuelle
T: +33/(0)4/94 43 04 40
Restaurant: Mo.–So. 18–2 Uhr
www.muse-hotels.com
5 HOTEL CHÂTEAU DE LA CHEVRE D’OR
Im mittelalterlichen Eze muss die Geldbörse
prall gefüllt sein, dafür gibt es den besten
Blick auf die Steilküste, korrekt gekochte
Côte-d’Azur-Gourmetküche und ein Hideaway der Superklasse!
Rue du Barri, 06360 Eze
T: +33/(0)4/92 10 66 66
Restaurant: Do.–Di. 12.30–14 Uhr
und 19.30–22 Uhr
www.chevredor.com
6 HÔTEL MAJESTIC BARRIÈRE CANNES
Dank einer Komplettrenovierung erstrahlt
das legendäre Luxushotel an der Croisette
wieder in neuem Glanz.
10 La Croisette
06407 Cannes
T: +33/(0)4/92 98 77 00
www.lucienbarriere.com
3 LES BACCHANALES
Ein kleines, modernes Gourmetparadies
mit einer günstigen Auswahl an ordentlichen Provence-Weinen, manchmal wird
im Sommer im Garten Jazz gespielt.
247 Avenue de Provence
06140 Vence
T: +33/(0)4/93 24 19 19
Do.–Mo. 12.30–14 Uhr und 19.30–22 Uhr
www.lesbacchanales.com
4 CHEZ CAMILLE
Die Bouillabaisse ist legendär, deshalb
muss man im Sommer rechtzeitig reservieren, da allabendlich tout le monde mit
Yachten und kleinen Motorbooten von der
Plage Pampelonne herüberschippert. Einfaches Ambiente.
Quartier de Bonne Terrasse
83350 Ramatuelle
T: +33/(0)4/98 12 68 98
Mi.–Mo. 12–14 Uhr und 20–22 Uhr
www.chezcamille.fr
5 LE JADE
Gleich hinter der Croisette gelegen, gilt der
sensationelle Vietnamese als Geheimtipp,
nur zu den Filmfestspielen ist eine Tischreservierung fast aussichtslos.
24 Rue Pasteur
06400 Cannes
T: +33/(0)4/93 94 33 49
Mo.–So. 12–14.30 Uhr und 19–21.30 Uhr
RESTAURANTS
1 LA VILLA ARCHANGE
Eine herrliche Panoramaterrasse und die
schöne zeitgemäße Zwei-Sterne-Küche von
Bruno Oger machen Le Cannet zu einem
neuen gastronomischen Hotspot.
15 Rue Notre-Dame-des-Anges
06110 Le Cannet
T: +33/(0)4/92 18 18 28
Di.–Sa. 19.30–22 Uhr, Fr.–Sa. 12–14 Uhr
www.bruno-oger.com
2 LA RÉSERVE DE NICE
Die zur Institution gewordene »La Réserve«
mit Blick auf Nizzas Hafen hat den Abgang
von Jouni Tourmanen gut verkraftet. Sein
Nachfolger Sebastien Mahuet steht ihm in
nichts nach. Wer auf seine Brieftasche achten
will, bucht mittags.
60 Boulevard Franck Pilatte
06300 Nizza
T: +33/(0)4/97 08 14 80
Mo.–So. 12–14 Uhr und 19–22 Uhr
www.lareservedenice.fr
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