Kunsthaus Bregenz KUB 2016 Programm 2016

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Kunsthaus Bregenz KUB 2016 Programm 2016
Kunsthaus Bregenz
KUB 2016
Programm 2016
30 | 01 | 2016 — 15 | 01 | 2017
Deutsch
Leitbild 2016
Cover
© Kunsthaus
Bregenz
Kunsthaus Bregenz,
Fassadengang
Foto: Hélène Binet
© Kunsthaus
Bregenz
02 03
KUB 2016
Programm
Das Programm des Kunsthaus Bregenz baut auf Themen des
konkreten Ortes auf. Geplant sind monografische Setzungen, die
das Gebäude und die Verfasstheit von Geschichte und Gegenwart
ansprechen. Denn mit sinnlichen Mitteln kann Kunst dazu verführen, nicht hinterfragte Urteile, gegebene Maßstäbe der Moral
und des Selbstverständnisses neu zu überdenken. 2016 werden
sich vier Künstler/innen mit aktuellen Aspekten auseinandersetzen:
die Flüchtlingsbewegung, die Reibeflächen von Kulturen und
Religionen, die Vormachtstellung des digital gesteuerten Kapitals
und die Bruchlinien verdrängter Geschichte.
Wenn Kunst nur angeliefert, aufgehängt und wieder abgeholt
wird, bleibt sie bezugslos. Vielmehr sollte sie aus dem Ort entstehen, einen Anreiz aus dem Gefüge erhalten, sich zum Gegebenen
verhalten. Es geht um individuelle Prägnanz und Aussage, um
Passgenauigkeit, Inspiration und große Geste. Dafür steht das KUB.
2016 werden im ganzen Haus Ausstellungen aus einem Guss ausgerichtet. Neue Programmschienen werden die vier Monografien
begleiten: die KUB Billboards an der Seestraße, die künftig einer
jüngeren Künstler/innen-Generation vorbehalten sind, aufgewachsen in einer zunehmend digitalisierten und globalisierten Welt,
sowie die KUB Projekte, die den Außenraum nutzen, um Kunst auch
als soziale Praxis sichtbar werden zu lassen.
Heimo Zobernig
ohne Titel, 2015
Pressspan
beschichtet,
Stahlrahmen
auf Rollen
292 x 202 x 80 cm
Foto: Archiv HZ
Ich bin stolz, die Zukunft des Kunsthaus Bregenz und die Führung
seines Teams übernehmen zu dürfen. Das Kunsthaus Bregenz
steht für eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Seit seiner
Eröffnung 1997 ist ihm weltweite Anerkennung sicher. Vor allem
die Innenräume provozieren eine produktive Befindlichkeitsstörung. Es ist, als würden sich Augen, Ohren und Poren öffnen. Es
verwundert nicht, dass der Architekt Peter Zumthor sich der Musik
verbunden fühlt. Auch für die bildende Kunst schuf er beste
Bedingungen. An kaum einem anderen Ort werden die Gemälde
der US-amerikanischen Malerin Joan Mitchell, die in der Sommerausstellung Joan Mitchell: Retrospective 2015 zu sehen waren, zu
derart souveräner Entfaltung gelangen. Die Verve und malerische
Vitalität, mit der Mitchell die Farbe auftrug, wird vor dem
Hintergrund der puren Betonwände erst lebendig. Unrast und
Ruhe, Drang und Demut treffen aufeinander. Das Publikum nahm
diese Darstellungsenergien der Ausstellung begeistert auf.
Derzeit bereiten wir die letzte Ausstellung dieses Jahres vor.
Heimo Zobernig, von Yilmaz Dziewior als Vertreter Österreichs zu
der diesjährigen Biennale in Venedig eingeladen, baut die für den
österreichischen Pavillon in Venedig geschaffene Installation in den
Räumen des Kunsthauses nach. Dafür wird die berühmte Glasdecke
zum Teil entfernt. Im Außenraum, an der Wand des Vorarlberger
Landestheaters zum Karl-Tizian-Platz hin, lässt Zobernig eine
überdimensionale schwarze Wandfläche aufstellen. Die nüchterne
Wand ist eine Referenz an die eigene lakonische Kunst und an das
Gebäude — e in monumentaler Schlagschatten aus Sperrholz mit
teerigem Anstrich. Als Vorbote auf der Einladungskarte und
dem Plakat zur Ausstellung zeigt Zobernig eine weiße Stellwand,
eine sachlich-wertfreie Tabula rasa. Die lapidaren Platzhalter
Heimo Zobernigs sind Beispiele für eine Kunst, die die Befähigung
besitzt, eingeübte Denkmuster zu irritieren. Diesen Reiz des
Vordenkens und Nachdenkens ruft Kunst allerdings nur hervor,
wenn sie von Zerstreuung, Lieblichkeit und blinder Bestätigung
des Gegebenen absieht. Gelingt sie, wird sie Ist-Zustände und
Ansichten zu wenden verstehen.
04 05
KUB 2016
Programm
Ausstellungen 2016
Susan Philipsz
30 | 01 — 03 | 04 | 2016
Theaster Gates
23 | 04 — 26 | 06 | 2016
Wael Shawky
16 | 07 — 23 | 10 | 2016
Lawrence Weiner
12 | 11 | 2016 — 15 | 01 | 2017
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KUB 2016
Programm
Kunsthaus Bregenz
Foto: Matthias
Weissengruber
© Kunsthaus
Bregenz
Peter Zumthor schrieb, er habe das KUB Gebäude aus der Anregung,
die durch die besonderen Witterungsverhältnisse der Lage am
Bodensee, ihrem Licht, Dunst und Nebel entstehen, entworfen.
Das Gebäude ist eine Reaktion, eine Verbildlichung des Ortes.
Die schottische Künstlerin und Turner-Preisträgerin Susan Philipsz
beschäftigt sich mit dem musikalischen Erbe deutschsprachiger
Emigrant/innen und nimmt dafür die Nebelmetapher Zumthors
indirekt auf. Hanns Eisler schrieb die Musik für den Film Night
and Fog von Alain Resnais aus dem Jahr 1955. Er erzählt von den
Deportationen während des Holocaust. Im Kunsthaus werden
Tonspuren dieser Musik zu hören sein. Das Gebäude wird Resonanzkörper von Verlust, Verbrechen und Geschichte. Des Weiteren
wird das KUB mit dem Jüdischen Museum Hohenems kooperieren.
Eine Außenarbeit von Philipsz am Jüdischen Friedhof wird die
Geschichte dieser Region aufgreifen.
Der US-amerikanische Künstler Theaster Gates gilt in der
gegenwärtigen Kunstwelt als Shooting Star. Gates ist als Initiator für
das jährliche Zusammentreffen afro-amerikanischer Künstler/innen
in Chicago bekannt. Für Bregenz schwebt ihm eine Variante seines
Black Artist Retreat vor, unter Umständen unter Berücksichtigung
hier lebender Flüchtlinge. Theaster Gates schafft in seinem bildnerischen Werk raumgreifende Skulpturen. Sie sind roh, gezimmert,
mit Bitumen bestrichen oder mit Dachschindeln verkleidet. Bevor
Gates als Künstler arbeitete, war er Beamter bei der großen Chicagoer
Verkehrsbehörde Chicago Transit Authority. Die Beschäftigung mit
sozialen und urbanen Fragen prägt auch sein künstlerisches Schaffen.
Mit dem Dorchester Project, für das Gates brach liegende, verfallene
Gebäude erwirbt, wiederherstellt und sie in Kulturinstitutionen verwandelt, wird er über seine Heimatstadt hinaus bekannt.
Im Sommer folgt Wael Shawky. Der ägyptische Künstler wurde
schlagartig berühmt, als er auf der Istanbul Biennale 2011 seinen
Film Cabaret Crusades vorstellte. Als Grundlage diente ihm ein Buch
des libanesisch-französischen Literaten Amin Maalouf, der die
Kreuzzüge des Mittelalters aus arabischer Perspektive nacherzählt.
Theatralik und üppige Kostümierung legen den Sommertermin
während der Festspiele nahe. Teile dieser Filme werden arabisch
gesprochen. Die Differenz von West und Ost, die gemeinsame und
zugleich strittige Geschichte ihrer heiligen Stätten, die Partnerschaft von Bregenz und Akkon sind die aktuellen Bezüge.
Die vierte Einzelausstellung im Herbst 2016 ist Lawrence
Weiner gewidmet, einem der letzten lebenden Meister der Conceptual
Art. Weiner ist eine Kultfigur im gegenwärtigen Kunstleben. Seine
Themen sind Sprache und Schrift, die er räumlich und skulptural
auffasst. Es geht um Lektüre und Dekodierung, um Lesarten und
Assoziationen, nicht zuletzt um die Frage nach dem Werk selbst.
Für das KUB plant er eine umfangreiche Präsentation seines Werkes
und eine Außenarbeit an der prägnanten Glasfassade.
KUB 2016.01
Susan Philipsz
30 | 01 — 0 3 | 04 | 2016
Susan Philipsz
War Damaged
Musical Instruments
(Pair), 2015
Zwei-Kanal-SoundInstallation
Installationsansicht
Theseustempel,
Kunsthistorisches
Museum, Wien
Foto: Thomas Ritter
08 09
KUB 2016
Programm
Die Schottin Susan Philipsz gehört zu den herausragenden
Künstler/innen der Gegenwart. Ihr Werk setzt sich, auf der Grundlage eines melancholischen Daseinsgefühls, mit der menschlichen
Stimme auseinander. In ihren akustischen Arbeiten verwebt sie
Räume mit menschlichen Befindlichkeiten, meist arbeitet sie dabei
ortsspezifisch. Bekannt wurde Philipsz mit a cappella gesungenen
Liedern, zum Beispiel mit ihrer Arbeit Filter (1998), in der sie
Stücke von Nirvana, Marianne Faithfull, Velvet Underground und
Radiohead zitiert. Das Werk wurde über Lautsprecher an eine
Bushaltestelle und in einen Supermarkt übertragen. 1999 sang
sie Die Internationale in einem öffentlichen Durchgang auf der
3. Manifesta in Ljubljana. 2000 beschäftigte sie sich mit James
Joyce’ Kurzgeschichte The Dead. Für das Glasgow International
Festival 2010 entwickelte sie nach einer Ballade aus dem 16. Jahrhundert das Werk Lowlands. Das Liebeslied — in drei Versionen
gesungen, um unter drei Brücken in Glasgow übertragen zu werden — wird später an der Tate Modern in London zur Aufführung gebracht.
Es bringt ihr den renommierten Turner Prize ein (2010).
Themen der Erinnerung, des Traumas und der Trauer finden
in jüngster Zeit verstärkt Beachtung, so auch in einer Arbeit für
die Rotunde im Solomon R. Guggenheim Museum in New York und
2012 für die dOCUMENTA (13) am Bahnhofsgelände in Kassel. In einer
neueren Werkserie arbeitet sie mit Instrumenten, die durch den
Krieg beschädigt wurden. Für ihr aktuelles Projekt bildet Peter
Zumthors Architektur, konzipiert als Leuchtkörper zwischen Berg
und See im Wechselspiel unterschiedlicher Witterungen, Lichtverhältnisse und den für die Stadt in der kalten Jahreszeit sich
festsetzenden, charakteristischen Nebel den Ausgangspunkt. Nebel
als Metapher für einen undurchdringlichen, alles einhüllenden Dunst
war auch titelgebend für den französischen Dokumentarfilm Night
and Fog von Alain Resnais aus dem Jahr 1955, der die Deportationen
in die Lager Auschwitz und Majdanek rekonstruiert. Philipsz zerlegt
die von Hanns Eislers für den Kurzfilm komponierte Filmmusik in die
einzelnen Stimmen der Instrumente. Voneinander isoliert und aus
der Gesamtkomposition gerissen, füllen deren Timbres die archaisch
wirkenden Räume des Kunsthaus mit fast skulpturaler Präsenz.
Susan Philipsz wurde 1965 in Glasgow geboren. Sie schloss das
Kunststudium mit einem BA in Fine Art am Duncan of Jordanstone
College of Art, Dundee (1989 — 1993), und einem MA in Fine Art an der
University of Ulster, Belfast (1993/1994), ab. 2000 wurde sie vom PS1
Studio Residency Program zu einem Künstleraufenthalt in New York
eingeladen. 2001 nahm sie am Studioprogramm KW Residencies
der Kunst-Werke Berlin e.V. teil und lebt seitdem in Berlin. Im Jahr
2010 gewann sie den Turner Prize, 2014 wurde ihr der britische
Verdienstorden OBE (Order of the British Empire) verliehen.
Einzelausstellungen in jüngster Zeit waren unter anderem
War Damaged Musical Instruments, Duveen Galleries, Tate Britain,
London (2015/2016); Follow Me an unterschiedlichen Ausstellungsorten in Genua und im Museo d´Arte Contemporanea di Villa Croce,
Genua (2015); War Damaged Musical Instruments (Pair), Theseustempel, Kunsthistorisches Museum, Wien (2015); The Distant Sound
an unterschiedlichen Ausstellungsorten in Dänemark, Schweden,
Norwegen (2014); Part File Score, Hamburger Bahnhof — M useum für
Gegenwart — B erlin, Berlin (2014); It Means Nothing To Me, Mizuma &
One Gallery, Peking (2012); Seven Tears, Ludwig Forum, Aachen
(2011), You Are Not Alone, Haus des Rundfunks, Berlin (2011);
We Shall Be All, MCA — Museum of Contemporary Art, Chicago (2011).
Jüdischer Friedhof
Hohenems
Foto: Rudolf
Sagmeister
© Kunsthaus
Bregenz
Susan Philipsz,
2015
Foto: Rudolf
Sagmeister
© Kunsthaus
Bregenz
»I see the voice as a means to infiltrate spaces, like a ghost in
the machine, and return experience to a human scale. I also see the
voice as a means to address people both individually and as a
collective. Experiencing a lone, disembodied voice in a public setting
can produce a strange experience among an unsuspecting
audience, like feeling alone in a crowd.«
Susan Philipsz
In einer Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems wird
Philipsz eine zweite Soundinstallation erarbeiten, die parallel zur
Laufzeit im KUB auf dem Jüdischen Friedhof zu hören sein wird.
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KUB 2016
Programm
Susan Philipsz hat zudem an zahlreichen Gruppenausstellungen
teilgenommen, darunter Saltwater, 14. Istanbul Biennial (2015);
Soundscapes, The National Gallery, London (2015); Parasophia, Kyoto
International Festival of Contemporary Culture, Kyoto (2015);
Manifesta 10, St. Petersburg (2014); Soundings, A Contemporary
Score, MoMA — T he Museum of Modern Art, New York (2013);
dOCUMENTA (13), Kassel (2012); Haunted, Solomon R. Guggenheim
Museum, New York (2010); Turner Prize, Tate Britain, London (2010);
29. Biennale von São Paulo, São Paulo (2010).
Ihre Werke sind in zahlreichen öffentlichen Sammlungen vertreten, wie z. B. Tate Britain, London; Solomon R. Guggenheim
Museum, New York; Walker Art Center, Minneapolis; MCA Chicago;
Museum Ludwig, Köln; Museo Nacional Centro Reina Sofía, Madrid;
Moderna Museet, Stockholm; Palazzo Reale, Mailand.
KUB 2016.02
Theaster Gates
23 | 04 — 2 6 | 06 | 2016
Die Ausstellung
wird mit großzügiger Unterstützung von
Phileas - A Fund for
Contemporary Art
realisiert.
Theaster Gates
Roofing Sample:
Weitzman
Roofing, 2014
Metall, Holz und
Dachschindeln
152,4 x 154,9 x 80 cm
© Theaster Gates.
Foto © White Cube
(Prudence Cuming
Associates Ltd)
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KUB 2016
Programm
Theaster Gates ist ein US-amerikanischer Künstler, Performer und
Aktivist. Seine Praxis umfasst Skulpturen, Installationen, Performances und urbane Interventionen, die darauf abzielen, den Abstand
zwischen Kunst und Leben zu verringern. In seinen Projekten
setzt er sich für die Entstehung von Kulturgemeinschaften ein.
Sie fungieren als Katalysatoren für soziales Engagement, das zu
politischen und räumlichen Veränderungen führen kann.
In seinem Werk entstehen Wälle, Bühnen und benutzbare
Bauten. Holz und schwarzer Bitumenanstrich dominieren, Dachbedeckungen und Wandverkleidungen sind roh verarbeitet. Die
Objekte sprechen nicht nur für sich, sondern weisen auch auf soziale
Wirklichkeiten hin. Im Mittelpunkt von Gates’ Interesse steht
deren poetisches sowie rituelles Potenzial und nicht zuletzt ihre
sozialpolitische Energie. Gates ist nicht nur als Bildhauer, sondern
ursprünglich als Stadtplaner ausgebildet. Er war Beamter der
Chicago Transit Authority, einem Unternehmen, das das zweitgrößte
öffentliche Verkehrsnetz der USA in Chicago und in 40 umliegenden
Vorstädten betreibt. Seine von gesellschaftlicher Verantwortung
geprägten Werke beschäftigen sich mit kommunalem Verkehr,
Stadtplanung und Sozialgeschichte. Gates’ bekannteste Initiative ist
The Dorchester Project, ein nachhaltiges, andauerndes ImmobilienEntwicklungsprojekt. Ende 2006 erwarb Gates ein leer stehendes
Gebäude auf der Chicagoer South Side und arbeitete mit einem Team
von Architekten und Entwicklern zusammen, um das Gebäude zu
sanieren, wobei unterschiedliche gefundene Materialien zum Einsatz
kamen. Das Gebäude, zu dem später noch einige andere aus der
Nachbarschaft hinzukamen, wurde zu einem Treffpunkt für kulturelle
Aktivitäten. Es beherbergt heute nicht nur eine Bücherei, sondern
wurde ein Veranstaltungsort, an dem Konzerte und Performances
stattfinden und gemeinschaftliche Abendessen zelebriert werden
(choreografierte Anlässe, die als »Plate Convergences« ausgewiesen
sind). Gates beschreibt dieses Projekt als »Immobilienkunst« und
betrachtet es als Teil eines »ökologischen Kreislaufs«, da die Renovierungsarbeiten an den Gebäuden ausschließlich aus Verkäufen
von Skulpturen und anderen Kunstwerken finanziert werden. Deren
Materialien wiederum wurden allesamt aus den Innenbereichen
der Bauten gerettet.
Seine Werke sind für das KUB wegen ihrer raumgreifenden
Präsenz geeignet. Es sind widerständige Setzungen und sperrige
Monumente, deren gesellschaftskritische Haltung auf soziale
Zusammensetzungen zielt. Für das KUB wird ein eigenständiger
Werkkomplex entwickelt.
Theaster Gates
Classroom, 2013
Holz, Plastik
und Metall
Maße variabel
© Theaster Gates.
Foto © White Cube
(Edouard Fraipont)
Theaster Gates wurde 1973 in Chicago geboren, wo er lebt und
arbeitet. Er hat weithin ausgestellt, unter anderem in Gruppenausstellungen wie Saltwater, 14. Istanbul Biennale (2015), der
Whitney Biennial in New York (2010), der dOCUMENTA 13 in Kassel
(2012), The Spirit of Utopia in der Whitechapel Gallery, London
(2013), und When Stars Collide im Studio Museum in New York
(2014). 2015 war er Teilnehmer der Biennale in Venedig. Zu seinen
wichtigsten Einzelausstellungen zählen unter anderem To Speculate
Darkly: Theaster Gates and Dave, the Slave Potter im Milwaukee
Art Museum (2010), Theaster Gates: The Listening Room im Seattle
Art Museum (2011/2012) und Theaster Gates: 13th Ballad im MCA
Chicago (2013) sowie The Black Monastic, ein Künstleraufenthalt
im Museu de Serralves, Porto (2014).
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KUB 2016
2013 war Gates der erste Künstler, der mit dem Vera List Center
Prize for Art and Politics ausgezeichnet wurde, 2015 erhielt er
den Preis Artes Mundi 6. Gates gründete zudem die gemeinnützige
Rebuild Foundation. Seit 2011 ist er Director of Arts and Public Life
an der Universität von Chicago und Ehrendoktor am San Francisco
Art Institute.
Theaster Gates,
2014
Foto: Sara Pooley
Courtesy of
Theaster Gates
Programm
Theaster Gates
Herbert Read
and All Things
Freed., 2014
Mixed media
210 x 76 x 76 cm
© Theaster Gates.
Foto © White Cube
(Markus Haugg)
KUB 2016.03
Wael Shawky
16 | 07 — 2 3 | 10 | 2016
Wael Shawky
Cabaret Crusades:
The Secrets of
Karbala, 2014
Marionette #125
Glas, Stoff,
Emaille, Faden
42 x 20 x 18 cm
Unikat
Courtesy of Wael
Shawky und
Sfeir-Semler Galerie,
Hamburg |Beirut
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KUB 2016
Programm
Der in Alexandria geborene Künstler wurde vor einigen Jahren
beinah schlagartig bekannt. Er arbeitete an einer Filmtrilogie, die
sich Cabaret Crusades nennt und die er erstmals auf der Biennale in
Istanbul 2011 präsentierte. Thema sind die mittelalterlichen Kreuzzüge des 11. und 12. Jahrhunderts, Schauplatz die Kriegsstätten des
Orients. Im Unterschied zu herkömmlichen Verfilmungen erzählt
Wael Shawky die Kreuzzüge aus arabischer Sicht und hält sich
dabei an das 1983 erschienene Buch Der heilige Krieg der Barbaren
des französisch-libanesischen Literaten Amin Maalouf. Der Schwerpunkt liegt auf der Analyse schriftlicher Dokumente, wobei Shawky
sich von einer Vielzahl historischer Quellen inspirieren lässt, um die
Geschichte der Kreuzzüge (crusades) aus einer frischen Perspektive
darzustellen und neu zu übersetzen. Die Filme Cabaret Crusades:
The Horror Show File (2010) und Cabaret Crusades: The Path to Cairo
(2012, Musicalfilm) wurden zusammen mit thematisch zugehörigen
Installationen aus Zeichnungen und Objekten im Sommer 2012 auf
der dOCUMENTA (13) präsentiert.
Shawky nutzt Marionetten als Akteure und eine selbst gebaute
Bühne als Spielstätte. Einige der mit großem Aufwand bekleideten
Holzfiguren stammen aus dem 18. Jahrhundert, andere wurden aus
Keramik neu gefertigt. Neuerdings, wie auf der Art Basel 2015 zu sehen,
werden sie auch aus Glas gegossen und in beleuchteten Vitrinen wie
stumme Ahnen und schrullige Geister präsentiert.
Wael Shawky benutzt eine Vielzahl von Medien, unter anderem
Film, Zeichnung, Fotografie und Performance, um reale und imaginäre
Geschichte(n) und Erzählungen der arabischen Welt zu untersuchen
und zu analysieren. In seinen vielschichtigen Rekonstruktionen und
Neuerzählungen fordert er sein Publikum zur Auseinandersetzung
mit Fragen auf, in denen es um Wahrheit, Mythen und Klischees
geht. Der Künstler betrachtet sich selbst als Übersetzer, der Momente
der Zivilisation in Form verwandelt. Es geht um Geschichte, um
Manipulation und Ideologie, aber auch um Kritik an den Medien und
deren Darstellung. Brisanz erhalten diese Spiele durch die Konflikte der Religionen in der Gegenwart. Kairo, Aleppo und Damaskus
sind damals wie heute Orte feindlicher und blutiger Auseinandersetzungen. Durch die Flüchtlingswelle werden diese Konflikte in
Europa unmittelbar spürbar, eine Entwicklung, die vor einigen
Monaten, als die Ausstellung fixiert wurde, noch nicht absehbar war.
Wael Shawky, 1971 in Alexandria geboren, absolvierte ein Kunststudium an der University of Alexandria. 2000 erwarb er seinen
M.F.A. an der University of Pennsylvania.
Sein Werk war in wichtigen internationalen Ausstellungen vertreten,
unter anderem in Saltwater, 14. Istanbul Biennale, Re:emerge:
Towards a New Cultural Cartography, Sharjah Biennial 11 (2013),
Here, Elsewhere, La Friche Belle de Mai, Marseille (2013), dOCUMENTA
(13), Kassel (2012), 9th Gwangju Biennial, Südkorea (2012), 12th
International Istanbul Biennial (2011), SITE Santa Fe Biennial (2008),
9th International Istanbul Biennial (2005), Urbane Realitäten:
Fokus Istanbul, Martin-Gropius-Bau, Berlin (2005), 50. Biennale
von Venedig (2003).
Einzelausstellungen in jüngster Zeit waren im MoMA PS1, New
York (2015), Mathaf — Arab Museum of Modern Art, Doha (2015),
K20 — K unstsammlung NRW, Düsseldorf (2014), Serpentine Gallery,
London (2013), KW — Institute of Contemporary Art, Berlin (2012),
Nottingham Contemporary (2011), Walker Art Gallery, Liverpool
(2011), Delfina Foundation, London (2011), Sfeir-Semler Gallery,
Beirut (2010/2011), Cittadellarte — Fondazione Pistoletto, Biella,
Italien (2010), sowie Townhouse Gallery of Contemporary Art,
Kairo (2005, 2003).
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KUB 2016
Shawky erhielt zahlreiche Auszeichnungen für sein Werk, unter
anderem den Mario Merz Prize (2015, gemeinsam mit Cyrill Schürch),
den Sharjah Biennial Award für einen herausragenden Beitrag
(2013), den von Luis Vuitton und dem Kino der Kunst gestifteten
Award for the Filmic Oeuvre (2013), den Abraaj Capital Art Prize
(Mitgewinner, 2012), den Kunstpreis der Schering Stiftung (2011)
sowie den Grand Prize der 25. Alexandria Biennale (2009). 2011 war
er Artist in Residence im Centre for Possible Studies der Serpentine
Gallery, London.
Wael Shawky lebt und arbeitet in Alexandria, Ägypten, und ist
Gründer von MASS Alexandria, einem Atelierprojekt für junge
Künstler.
Programm
Wael Shawky
Courtesy of Wael
Shawky und
Sfeir-Semler Galerie,
Hamburg |Beirut
Wael Shawky
Cabaret Crusades:
The Path to Cairo,
2012
HD-Video, 59
Minuten, Farbe,
Ton (Filmstill)
Courtesy of Wael
Shawky und
Sfeir-Semler Galerie,
Hamburg |Beirut
Wael Shawky
Cabaret Crusades:
The Horror
Show File, 2010
HD-Video, 31:49
Minuten, Farbe,
Ton (Filmstill)
Courtesy of Wael
Shawky und
Sfeir-Semler Galerie,
Hamburg |Beirut
KUB 2016.04
Lawrence Weiner
12 | 11 | 2016 — 1 5 | 01 | 2017
Lawrence Weiner
1992, Ausstellung: Euromast, Witte de
With Center for
Contemporary Art,
Rotterdam, 1993 Foto: Courtesy of
Moved Pictures
Archive, NYC
© Lawrence Weiner |
Bildrecht, Wien, 2015
20 21
KUB 2016
Programm
Lawrence Weiner zählt zu den bekanntesten Künstlern weltweit.
Weiner ist eine der herausragenden Figuren der ersten Generation
der amerikanischen Conceptual Art. Diese Kunstform, die sich
während der 1960er Jahre entwickelt hat, stellt den Werkcharakter
und die Materialisierungsanforderung von Kunstwerken infrage. Im
Jahr 1968 verfasste Weiner ein für ihn bis heute gültiges Manifest.
Drei Thesen werden darin festgeschrieben. Die erste formuliert die
Möglichkeit des Künstlers, ein Werk herzustellen (»The artist may
construct the piece«), die zweite geht auf dessen Anfertigung ein
(»The piece may be fabricated«) und die dritte besagt, dass das Werk
nicht ausgeführt werden muss (»The piece need not be built«).
Jede der drei Möglichkeiten ist gleichwertig und entspricht
der Absicht des Künstlers. Die Entscheidung bezüglich der Ausführung liegt beim Empfänger zum Zeitpunkt des Empfangs (»Each
being equal and consistent with the intent of the artist, the decision
as to condition rests with the receiver upon the occasion of the
receivership«). Durch diese Satzung ist festgelegt, dass das Werk
lediglich aus einem gedanklichen Gebilde bestehen kann. Trotz dieser
radikalen Thesen sieht sich Weiner als Plastiker. Sein künstlerisches
Material ist dennoch fast ausschließlich die Sprache. Es gibt zwar
Performances und Filme in seinem Werk, doch charakteristisch sind
vor allem seine Textarbeiten, die in Zeichnungen entwickelt und
meist großflächig auf Wände aufgetragen werden. Weiner verfasst
sie häufig sowohl in der Sprache des Landes, in dem das Werk zu
sehen ist, als auch parallel in Englisch, der eigenen Muttersprache.
Dadurch lenkt er den Fokus auf die Übersetzung als einen fortdauernden Prozess von Lektüre und Dekodierung, die jeder sinnlichen Erfassung zugrunde liegt. Typografie, Oberfläche und
Platzierung spielen eine ebenso entscheidende Rolle wie die Form
der Wiedergabe. Einige Arbeiten existieren als Audioaufnahmen,
andere als Druckerzeugnisse, Graffiti, Tattoos, Lyrics oder Poster.
Für das Kunsthaus Bregenz ist Weiner nicht nur wegen seines
künstlerischen Rangs attraktiv, sondern vor allem auch wegen
seines profunden Raumdenkens. Ortsbezug und Auseinandersetzung
mit Raum und Gegebenheiten kennzeichnen Weiners Œuvre, grundlegend auch für das KUB als Ausstellungsort und -architektur. Hier
wird Weiner — b ezugnehmend auf die Stapelung von vier nahezu
identischen Räumen zu vier Ausstellungsgeschossen — die Vertikalität
von Raum und Gebäude herausarbeiten. Derzeit denkt er an einen
»künstlerischen Geysir« — eine Idee, deren Entwicklung eine
spannende Auseinandersetzung verspricht.
Lawrence Weiner,
2014
Courtesy of
Moved Pictures
Archive, NYC
© Lawrence Weiner |
Bildrecht, Wien, 2015
Lawrence Weiner
2003, Ausstellung:
Time As Matter,
Museu D’Art
Contemporani De
Barcelona, 2009
Collection Museu
D’Art Contemporani
De Barcelona
Foto: Courtesy of
Moved Pictures
Archive, NYC
© Lawrence Weiner |
Bildrecht, Wien, 2015
Lawrence Weiner wurde am 10. Februar 1942 in der New Yorker
Bronx geboren. Nach seinem Highschool-Abschluss in New York
verbrachte er die späten 1950er und frühen 1960er Jahre mit Reisen
durch Nordamerika (USA, Mexiko und Kanada). Die erste Präsentation seines Werks fand 1960 im kalifornischen Mill Valley statt.
Lawrence Weiner realisierte Einzelausstellungen im Stedelijk
Museum in Amsterdam (2013), im Museu d‘Art Contemporani in
Barcelona (2013), im Haus der Kunst in München (2007), im Museo
Tamayo Arte Contemporáneo in Mexico City (2004), im Kunstmuseum Wolfsburg (2000), im Walker Art Center, Minneapolis (1994),
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KUB 2016
Lawrence Weiner
1998, Ausstellung:
SpilleRom,
Kunstfestivalen I
Lofoten, Norwegen,
1999
Collection Bury
Metro City Council,
United Kingdom
Foto: Madeline
Maus, Courtesy of
Moved Pictures
Archive, NYC
© Lawrence Weiner |
Bildrecht, Wien, 2015
und im Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, D.C.
(1990). Er war Teilnehmer an der documenta 5, 6, 7 und 13 (1972, 1977,
1982, 2012) in Kassel und bei der 36., 41., 50. und 55. Biennale in
Venedig (1972, 1984, 2003, 2013). Zu den zahlreichen Preisen zählt
ein Guggenheim Fellowship (1994), der Wolfgang-Hahn-Preis der
Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig in Köln (1995),
der Roswitha Haftmann-Preis der gleichnamigen Züricher Stiftung
(2015) und ein Ehrendoktorat der City University of New York (2013).
Lawrence Weiner lebt und arbeitet wechselweise in seinem Atelier
in New York City und auf seinem Boot in Amsterdam.
Programm
KUB Projekte 2016
Kunsthaus Bregenz
Foto: Matthias
Weissengruber
© Kunsthaus
Bregenz
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KUB 2016
Programm
Die KUB Projekte bilden ein Forum der erweiterten Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunst
und Gesellschaft. Anhand von experimentellen Formaten und
Arbeitsweisen, von Diskussionen und Interventionen im öffentlichen
Raum treten die KUB Projekte mit der Stadt, ihrer Geschichte und
den Menschen in direkten Dialog. Sie versuchen, Narrative aufzugreifen, sich in diese einzuschreiben, um auf aktuelle gesellschaftspolitische Ereignisse reagieren zu können. Die Räumlichkeiten im
alten Postgebäude bilden dabei den örtlichen Ausgangspunkt. Sie
werden im Verlauf des Jahres auf unterschiedliche Weise aktiviert:
als Ort der Begegnung und Diskussion, als eine Art Basislager für
Interventionen in der Stadt, als offenes Schaulager oder als Raum
für Proben, Recherchen und künstlerische Produktionen.
In einer Zeit, die gezeichnet ist von permanenten Neuordnungen und Umstrukturierungen, soll so mit den KUB Projekten ein
Raum geschaffen werden, mit dem innerhalb der Institution spontan
auf aktuelle Entwicklungen — im Feld der Kunst und darüber hinaus —
r eagiert werden kann.
Für den Sommer 2016 laden die KUB Projekte zu einem Sommerprogramm auf dem Karl-Tizian-Platz ein, das aus einem kuratierten
Filmprogramm, Performances, Vorträgen und Interventionen
besteht und den Platz als Licht- und Veranstaltungsbühne öffnet. Im
Herbst präsentieren die KUB Projekte ein internationales Symposium,
ausgehend von der Beobachtung, dass seit einigen Jahren kulturgeschichtliche Phänomene zunehmend aus ökonomietheoretischer
Sicht interpretiert werden. In enger Zusammenarbeit mit dem
Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich werden
während dieser Konferenz die Grundzüge der aktuellen ökonomietheoretischen Konjunktur genauer in den Blick genommen.
Weitere Programmpunkte der KUB Projekte sowie Details zu
Sommerprogramm und Symposium werden gesondert bekannt
gegeben. Die KUB Projekte werden in Zusammenarbeit von Thomas
D. Trummer und Eva Birkenstock kuratiert.
KUB Billboards 2016
Feminist Land
Art Retreat
Karl Marx Allee,
Berlin, July 22,
2014, 2014
© Feminist Land
Art Retreat
26 27
KUB 2016
Programm
Ab 2016 werden die KUB Billboards eine neue, programmatisch
unabhängige Linie verfolgen. Die KUB Billboards stellen Künstler/innen vor, die inmitten jüngster epochaler Wendepunkte
aufgewachsen sind: vom Fall des staatlich verordneten Sozialismus
hin zu einer zunehmend globalisierten Welt, die seit den 1990er
Jahren von einer digitalisierten Kapitalisierung sämtlicher Lebensbereiche geprägt ist. In unserem heutigen vernetzten Zeitalter sind
es das Internet, die Logik algorithmischer Verarbeitungsprozesse,
soziale Medien und ein Zustand allgegenwärtiger Überwachung,
die unser Denken und Handeln maßgeblich bestimmen. Die Wahrnehmung dessen, was wir »Realität« nennen, hat sich grundlegend
gewandelt und erfordert Bedenken und kritische Darstellung. Für
diese neue Projektschiene des Kunsthaus Bregenz sind fortan jährlich vier Künstler/innen eingeladen, parallel zu den Ausstellungen
im KUB ortsspezifische Interventionen für die Billboards zu
entwickeln, um sie in Bildschirme, Leinwände, Räume, Skulpturen
oder andere Interfaces zu verwandeln. Für die ersten beiden Projekte
im Jahr 2016 sind die Wiener Künstlerin Anna-Sophie Berger und
das kanadische Kollektiv Feminist Land Art Retreat eingeladen,
neue Arbeiten zu entwickeln. Ihre Beiträge werden begleitet von
Künstler/innengesprächen und Performances, um über die Billboards
hinaus Einblicke in ihre jeweilige Arbeitsweise zu geben. Die KUB
Billboards werden von Eva Birkenstock kuratiert.
R ückblick 2015
28 29
KUB 2016
Programm
Kunsthaus Bregenz
Bilanz 2015
Ausstellungsansicht
Rosemarie Trockel,
Kunsthaus
Bregenz, 3. OG
Foto: Markus
Gmeiner
© Kunsthaus
Bregenz
Eröffnung Joan
Mitchell: Retrospective, Kunsthaus
Bregenz, EG
Foto: © Christian
Hinz und Kunsthaus
Bregenz
30 31
KUB 2016
Programm
Das Jahr 2015 war neben den bemerkenswerten Ausstellungen
personell vom Führungswechsel in der KUB Direktion geprägt.
Yilmaz Dziewior, ab 2009 Direktor des Kunsthaus Bregenz,
wechselte im Februar an das Museum Ludwig nach Köln. Das
Ausstellungsprogramm 2015 trägt noch seine Handschrift.
Seit Mai dieses Jahres steht Thomas D. Trummer dem Kunsthaus Bregenz als neuer Direktor vor. Eine prominent besetzte
Findungskommission hatte über 80 Bewerbungen selektiert.
Bei den finalen Hearings war die Wahl der Fachjury einstimmig
auf Thomas D. Trummer gefallen.
Aufgrund der herausragenden Ausstellungsräume des
Schweizer Architekten Peter Zumthor treten im Kunsthaus Bregenz
Architektur und Kunst in einen für beide Seiten fruchtbaren Dialog.
Die besondere Ausstrahlung des Gebäudes motiviert die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler zumeist zu neuen Werken,
die auf die Architektur reagieren beziehungsweise eine Symbiose
mit ihr eingehen.
Auch Heimo Zobernig, der die kommende und damit abschließende Ausstellung dieses Jahres derzeit vorbereitet, setzt sich
intensiv mit dem KUB-Gebäude auseinander. Der Künstler, der den
diesjährigen Beitrag Österreichs auf der Biennale in Venedig verantwortete, setzt damit einen prägnanten Schlusspunkt in einem
sehr erfolgreichen Ausstellungsjahr. Einer der Höhepunkte war
die Sommerausstellung Joan Mitchell: Retrospective. Her Life and
Paintings, die zum Publikumsmagneten wurde: Über 20.000 Besucher
werden die großformatigen Werke der Amerikanerin bis zum
Ausstellungsende am 25. Oktober gesehen haben. Im Anschluss wird
die Ausstellung vom Museum Ludwig in Köln übernommen.
Berlinde De Bruyckere — T he Embalmer konnte zuvor rund 8.500
Besucher verzeichnen. In einer erfolgreichen Kooperation mit dem
Kunstraum Dornbirn entstand diese Ausstellung als zweiteilige Schau
für zwei höchst unterschiedliche Ausstellungsorte, die jeweils
spezifische Facetten der künstlerischen Arbeit Berlinde De Bruyckeres
betonten und sich so gegenseitig erweiterten und ergänzten.
Zu Jahresbeginn hatte zuvor Rosemarie Trockel speziell für
das Kunsthaus Bregenz eine umfangreiche Ausstellung mit dem
Titel Märzôschnee ûnd Wiebôrweh sand am Môargô niana më
realisiert. Rund 9.000 Besucher sahen die nach mehr als 20 Jahren
erste Einzelausstellung der Kölnerin in Österreich.
32 33
KUB 2016
Programm
Mitarbeiter/innenführung,
Rosemarie Trockel
Foto: Markus
Gmeiner
© Kunsthaus
Bregenz
Auch die KUB Arena erfuhr große Aufmerksamkeit bei Medien und
Besucher/innen. Zum Auftakt traten die Schweizer Architekten
Trix und Robert Haussmann mit einer Spiegelintervention in
Dialog mit der Architektur des Hauses und eröffneten ungeahnte
Räume im Erdgeschoss. Im Frühjahr präsentierten die New Yorker
Grafikdesigner Dexter Sinister mit At 1:1 Scale.* einen sprechenden
Asterisk, der die Besucher/innen durch vergangene KUB Arena
Projekte führte. Für KAMP KAYA feat. KAYA (Kerstin Brätsch, Debo
Eilers, Kaya Serene) & Guests ist das KAYA-Projekt in Interaktion mit
dem Bregenzer Sommergeschehen getreten — im Rahmen von
Performances, Filmscreenings, Bootstouren, Wanderungen und
Seilbahnfahrten. Abschluss des KUB Arena-Programms bildet Yes &
No der international renommierten Malerin Amy Sillman. Auch wenn
die Ausstellung ausschließlich von Malerei handelt, zeigt sie alles
außer Malerei, und gibt Hintergründe zur Entstehung abwesender
Werke preis. Wichtig für das Selbstverständnis und die Rezeption des
Kunsthaus Bregenz ist auch das KUB Sammlungsschaufenster. 2015
wurde dort nach der Ausstellung Neuerwerbungen von Ai Weiwei
bis Zobernig, die einen Ausschnitt aus der KUB Sammlung zeitgenössischer Kunst zeigte, die viel beachtete Schau Per Kirkeby.
Backstein: Skulptur und Architektur präsentiert. Die Ausstellung ist
noch bis zum 25. Oktober zu sehen.
Im Zusammenspiel mit einem breit aufgestellten Vermittlungsprogramm, das neben Führungen auch Workshops für alle Altersgruppen und Filmvorführungen umfasst, werden die Inhalte
zeitgenössischer Kunstproduktion auf möglichst unterschiedlichen
Ebenen verhandelt. 2015 wurden bisher über 500 Veranstaltungen
realisiert.
Wissenschaftlich fundierte Publikationen und in enger Zusammenarbeit mit den Künstlerinnen und Künstlern entstehende
Editionen zu den Ausstellungen vervollständigen das Spektrum
des Kunsthaus Bregenz. Der weltweite Vertrieb stärkt die
internationale Positionierung des Hauses.
Mit einer Gesamtbesucherzahl von voraussichtlich 50.000
Besucher/innen im Jahr 2015 kann das KUB an die positiven Zahlen
des letzten Jahres an- und auch in wirtschaftlicher Hinsicht zufriedenstellend abschließen. Der Beitrag des Landes Vorarlberg
für das Jahr 2015 beträgt 2,55 Millionen Euro, die Eigeneinnahmen
liegen bei rund 1 Million Euro, was knapp 30 Prozent des Gesamtbudgets entspricht.
Pressestimmen 2015
Einen wesentlichen Beitrag zur Ausstellungsrezeption leistet
die Arbeit der Kommunikation. Die Ausstellungen 2015 wurden
zahlreich und positiv von der internationalen wie von der regionalen Presse besprochen.
Rosemarie Trockels Märzôschnee ûnd Wiebôrweh sand
am Môargô niana më bildete den Auftakt des Programms. Alle
heimischen Medien wie Blättle, die NEUE und Wann&Wo berichteten
über die Ausstellung. Christa Dietrich, Vorarlberger Nachrichten,
bezeichnete die Ausstellung als »Markstein« in der Geschichte
des Kunsthauses. Carina Jielg, ORF, lobte in ihrem TV-Beitrag:
»Das Kunsthaus kann mit einer Sensation aufwarten«. Deutsche
Tageszeitungen wie die Allgäuer Zeitung, die Goslarsche Zeitung, die
Mittelbayerische Zeitung, das Offenburger Tagblatt, der Reutlinger
General-Anzeiger, der Südkurier, die Stuttgarter Nachrichten und
die Westfälische Rundschau berichteten. Die Frankfurter Allgemeine
Zeitung vom 29. Januar 2015 widmete Trockels Ausstellung eine
ganze Seite mit der Überschrift »Die Unbeirrbare — R osemarie
Trockel will mit uns spielen: Über ihre großartige Ausstellung in
Bregenz«. Auch in den Schweizer Medien finden sich zahlreiche
Artikel — b eispielsweise im Sarganserländer, im St.Galler Tagblatt,
in der NZZ und Südostschweiz sowie in Fachzeitschriften wie
Kunstbulletin, monopol und artline.
Berlinde De Bruyckere, die mit der Ausstellung The Embalmer
folgte, stieß auf ein ähnlich großes mediales Interesse — i n Zeitungen
wie den Vorarlberger Nachrichten, Neue, Kultur, Weekend Magazin,
Der Standard, aber auch in Magazinen wie The Gap, Bolero, Art und
artline. In Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein berichteten
zum Beispiel der Tages-Anzeiger, die Schwäbische Zeitung, der
Westallgäuer, die Neue Züricher Zeitung, die Thurgauer Zeitung, das
St. Galler Tagblatt und das Liechtensteiner Volksblatt positiv über
The Embalmer. In der Badischen Zeitung schrieb Hans-Dieter Fronz
am 24. April: »Die raumgreifende Installation ist ein unerhörtes, in
den Details schier unerschöpfliches visuelles Erlebnis.«
Ein Highlight des diesjährigen Jahres bildete die Sommerausstellung Joan Mitchell: Retrospective. Her Life and Paintings. Neben
ungemein positiven Rezensionen in den Vorarlberger Zeitungen
las man unter anderem in den Salzburger Nachrichten und der Tiroler
Tageszeitung über die Ausstellung. In Deutschland wurde unter
anderem in der Augsburger Allgemeinen, der Schwäbischen Zeitung,
der Südwest Presse, der Frankfurter Rundschau und der Welt am
Sonntag berichtet. Sigmund Kopitzki, Südkurier, schrieb am 31. Juli
über Mitchell: »Der zweite Blick auf diese wilden pastosen
Kompositionen verrät mehr.«
34 35
KUB 2016
Programm
Auch in der Schweiz und in Liechtenstein wurde die Ausstellung
rezensiert — b eispielsweise in der Südostschweiz, im Bieler
Tagesblatt, in der taz, in der NZZ und im Liechtensteiner Vaterland.
Auffallend sind bei Mitchell die zahlreichen Artikel in Fachmedien
wie Architectural Digest, ARTNEWS, artdaily, ARTFORUM und in
Monopol. In Blau. Ein Kunstmagazin liest man: »Das Leben der Joan
Mitchell war ein einziges Schlachtfeld, nur die Leinwand der Ort, an
dem sich alles fügte.« In Radio und Fernsehen wurde die Ausstellung
in Zeit im Bild, Bild, SRW 2, B5 aktuell sowie im Ö1 Mittagsjournal
aufgegriffen.
Nicht nur über die vier Hauptausstellungen, auch über die
Projekte der KUB Arena wurde an zahlreichen Stellen berichtet.
Über die erste Ausstellung des KUB Arena-Programms im Jahr 2015
von Trix und Robert Haussmann, Reflexion und Transparenz, war
beispielsweise in Hochpaterre zu lesen : »So stellen die Ikonen der
Schweizer Postmoderne Wahrnehmungsgewohnheiten auf den
Kopf. Hingehen! « Auch die darauffolgende Ausstellung At 1:1 Scale.*
von Dexter Sinister wird unter anderem von akzent positiv rezensiert: »Selbstreferenziell, reflexiv und herausfordernd (..)«.
Das KUB Arena Sommerprogramm KAMP KAYA feat. KAYA
(Kerstin Brätsch, Debo Eilers & Kaya Serene) & Guests erhielt
öffentliche Aufmerksamkeit unter anderem in Wann&Wo, den
Vorarlberger Nachrichten oder Vorarlberg heute. Auch in internationalen Online-Medien wie KubaParis und e-flux wurde das Projekt
aufgegriffen.
Heimo Zobernig
Installationsansicht
österreichischer
Pavillon, Giardini
della Biennale,
La Biennale di
Venezia 2015
Foto: Archiv HZ
KUB 2015
La Biennale di Venezia 2015 — ein Rückblick
Yilmaz Dziewior,
Heimo Zobernig und
Josef Ostermayer
Eröffnung, La
Biennale die
Venezia 2015
Foto: © Christian
Hinz und Kunsthaus
Bregenz
36 37
Yilmaz Dziewior — v on Oktober 2009 bis Ende Januar 2015 Direktor
des Kunsthaus Bregenz — wurde 2015 als Kommissär des österreichischen Pavillons für die 56. Biennale von Venedig bestellt. Für die
Bespielung wählte er mit dem Kärntner Heimo Zobernig einen
Künstler, der sowohl die Kunstszene im eigenen Land prägt als auch
im internationalen Kunstdiskurs und Ausstellungsbetrieb zu den
erfolgreichsten Positionen zählt. Für die letzte Schau im Ausstellungsjahr 2015 setzt Zobernig seine Überlegungen für den Hoffmann’schen
Pavillon in Venedig fort und überträgt sie auf die KUB Architektur.
Vom 7. bis zum 9. Mai ermöglichte die Vorarlberger Kulturhäuser Betriebsgesellschaft mbH dem KUB Team die Teilnahme
an den Eröffnungsfeierlichkeiten der Biennale in Venedig. 17 KUB
Mitarbeiter/innen konnten gemeinsam mit KUGES-Geschäftsführer
Dr. Werner Döring die Arbeit Zobernigs in Venedig besichtigen.
KUB 2016
Programm
Tanzperformance
Romeu »My Deer«
Foto: Rudolf
Sagmeister
© Kunsthaus
Bregenz
K UB 2015
Vermittlung, Kooperationen,
Veranstaltungen
Harfinistin bei der
Dialogführung
Martina Mätzler
(Juppenwerkstatt
Riefensberg) und
Kirsten Helfrich
Foto: Miro Kuzmanovic ©Kunsthaus
Bregenz
Für das Kunsthaus Bregenz erfüllt die Vermittlung an der Schnittstelle von Werk, Publikum und Gesellschaft eine essenzielle Aufgabe.
Das KUB Vermittlungsteam entwickelt für die verschiedenen
Besucher- und alle Altersgruppen maßgeschneiderte Vermittlungsformate. Mit Statements von den Künstlerinnen und Künstlern sowie
Hintergrundinformationen zur Ausstellungskonzeption und zum
Aufbau bietet beispielsweise der Audioguide einen unmittelbaren
Einstieg. Besondere Highlights, die zu jeder Ausstellung speziell
erarbeitet werden, sind Vorträge der ausstellenden Künstler/innen,
Führungen mit dem Direktor oder den Kurator/innen sowie Tanz-,
Literatur- und Musikveranstaltungen, welche oft in Kooperation mit
anderen Institutionen entstehen. 2015 wurden bisher über 500
Veranstaltungen realisiert, darunter so unterschiedliche Formate
wie die Themenführung Textil & Tracht mit einer Exkursion zur
Juppenwerkstatt Riefensberg im Rahmen der Ausstellung von
Rosemarie Trockel, die Tanzperformance Romeu »My Deer« in enger
Zusammenarbeit mit Berlinde De Bruyckere oder das MortonFeldmann-Konzert in Kooperation mit den Bregenzer Festspielen im
Obergeschoss der Ausstellung mit Werken von Joan Mitchell.
38 39
KUB 2016
Direktorführung
mit Thomas D.
Trummer zu
Joan Mitchell:
Retrospective. Her
Life and Paintings
Foto: Miro
Kuzmanovic
© Kunsthaus
Bregenz
Programm
Rosemarie Trockel
Märzôschnee ûnd
Wiebôrweh sand am
Môargô niana më Herausgegeben von
Yilmaz Dziewior;
mit Beiträgen
von Johanna Burton,
Yilmaz Dziewior,
Sam Pulitzer
und Beate Söntgen
Grafische Gestaltung:
Lars Heller,
HELLER & C, Köln
Deutsch|Englisch,
216 Seiten,
25 x 31 cm,
Hardcover
Erscheinungstermin: Juli 2015
42,– EUR
Berlinde
De Bruyckere
The Embalmer
Herausgegeben von
Kunsthaus Bregenz
und Kunstraum
Dornbirn;
mit Beiträgen
von J. M. Coetzee,
Berlinde
De Bruyckere,
Benjamin Delmotte,
Caroline Lamarche,
Thomas Häusle,
Herta Pümpel und
Rudolf Sagmeister
Gestaltung:
Bernd Altenried,
Stefan Gassner,
Lindau
Deutsch|Englisch,
232 Seiten,
21,3 x 28,5 cm,
Hardcover
Erscheinungstermin:
Juni 2015,
42,– EUR
KUB 2015
Publikationen
Das Kunsthaus Bregenz veröffentlicht Publikationen in enger Zusammenarbeit mit den ausstellenden Künstler/innen sowie namhaften
Grafiker/innen. Die die Ausstellungen begleitenden Katalogbücher
setzen in der grafischen Gestaltung Thema und Bildsprache des
jeweiligen Künstlers um, sodass jedes Katalogbuch Dokumentation
und auch Teil des Werks und Fortführung der Ausstellung ist.
Im Jahr 2015 erschienen zu den Ausstellungen von Rosemarie
Trockel und Berlinde De Bruyckere mit den Künstlerinnen gestaltete
Katalogbücher. Der umfassende Band zur retrospektiven Schau der
amerikanischen Malerin Joan Mitchell erlaubt über die Erörterung
ihres Werks hinaus anhand zahlreicher, zum Teil erstmals veröffentlichter Dokumente und Skizzenbücher aus dem Archiv der Joan
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KUB 2016
Programm
Joan Mitchell
Retrospective.
Her Life
and Paintings
Herausgegeben von
Yilmaz Dziewior;
mit Beiträgen
von Yilmaz Dziewior
und Ken Okiishi,
einem Gespräch
zwischen Isabelle
Graw und Jutta
Koether, einem Interview von Yves
Michaud und einer
bebilderten Timeline,
zusammengestellt
von Laura Morris
Grafik: Martha
Stutteregger, Wien
Deutsch|Englisch,
184 Seiten,
28,2 x 28,7 cm,
Hardcover
Erscheinungstermin:
Oktober 2015,
54,– EUR
Heimo Zobernig
Herausgegeben von
Thomas D. Trummer,
Kunsthaus Bregenz ;
mit Beiträgen
von Penelope Curtis,
Yilmaz Dziewior,
Thomas D. Trummer
und Heimo Zobernig
Grafik: Dorothea
Brunialti, Wien
Deutsch|Englisch,
ca. 208 Seiten,
21 x 29,7 cm,
Hardcover
Erscheinungstermin:
Dezember 2015
42,– EUR
Mitchell Foundation einen neuen Blick auf ihr Leben und Werk. Das
Buch wird mit dem Museum Ludwig, Köln, und in enger Zusammenarbeit mit der Joan Mitchell Foundation, New York, herausgegeben.
Zum österreichischen Biennale-Künstler (2015) Heimo Zobernig
erscheint ebenfalls ein Katalogbuch.
Die Publikationsreihe der KUB Arena wird mit einer weiteren
Ausgabe fortgeführt.
Die Reihe der Katalogbücher setzt sich 2016 zu den Ausstellungen der Künstler/innen Susan Philipsz, Theaster Gates, Wael
Shawky und Lawrence Weiner fort. Eine neue Publikationsreihe
fasst Projekte der KUB Billboards zusammen, darüber hinaus
sind Textbücher und eine Publikation zum Thema kulturelles
Gedächtnis geplant.
Grundsätzlich zweisprachig (Deutsch/Englisch) angelegt,
sind die Publikationen außer für den Verkauf im KUB auch für die
weltweite Distribution bestimmt.
Rosemarie Trockel
Sunset, 2015
Druck auf Aluminium, gerahmt
hinter Plexiglas
80 x 80 cm,
limitierte Auflage
von 18 Exemplaren
+3 A.P., signiert
und nummeriert;
4.800,– EUR
vergriffen
Berlinde
De Bruyckere
Zonder Titel,
2001—2002, 2015
Pigmentdruck,
limitierte Auflage
von 80 Exemplaren
+ 10 A.P., signiert
und nummeriert;
1.500,– EUR
KUB 2015
Editionen
Heimo Zobernig
ohne Titel (Hand),
2015, Bronze,
limitierte Auflage
von 25 Exemplaren
+ 5 A.P., signiert
und nummeriert;
6.500,– EUR
42 43
KUB 2016
Programm
Aus der Werk- und Produktionsnähe zu den Künstlerinnen und
Künstlern entstehen exklusiv für das Kunsthaus Bregenz spezielle
Künstler-Editionen. 2015 wurden Editionen zu den Ausstellungen
von Rosemarie Trockel, Berlinde De Bruyckere und Heimo Zobernig
aufgelegt. Aus dem Kontext der Ausstellung heraus und gemeinsam
mit den Künstlern entwickelt, erscheinen die KUB Editionen in
limitierter Auflage und stellen ein besonderes Angebot für Sammler
zeitgenössischer Kunst dar.
2016 erscheinen Editionen zu den Ausstellungen von Susan
Philipsz, Theaster Gates, Wael Shawky und Lawrence Weiner.
KUB Technik
Wie entstehen die KUB Ausstellungen?
Ausstellungsaufbau
von Joan Mitchell:
Retrospective. Her
Life and Paintings
Foto: Rudolf
Sagmeister
© Kunsthaus
Bregenz
Am Anfang aller Projekte stehen die Ideen der Künstler/innen,
die im Austausch mit den Kurator/innen weiterentwickelt und
konkretisiert werden. Das Technikteam um Markus Tembl hat
die Aufgabe, diese Visionen präzise auszuführen. Um »unmögliche«
Projekte innerhalb eines straffen Budgets dennoch möglich
zu machen, bedarf es oft ungewöhnlicher Lösungsansätze. Jeder
Auf- und Abbau erfolgt unter großem Zeitdruck, um die KUB
Schließzeiten möglichst kurz zu halten. Das schlanke, fix angestellte
Technikteam wird dafür von einem bewährten freien Mitarbeiterstab und auch immer wieder von Personal aus anderen Institutionen
unterstützt, so brachte Berlinde De Bruyckere zehn zusätzliche, im
Umgang mit ihrer Arbeit erfahrene Mitarbeiter/innen mit. Für den
Aufbau ihrer raumgreifenden Installation Kreupelhout /Cripplewood
im zweiten Stockwerk mussten vier Türen ausgebaut werden, weil
44 45
KUB 2016
Programm
die Größe des Lastenlifts nicht für den Transport der Kisten mit
ihrem fragilen Inhalt ausreichte. Und für die Schau mit Arbeiten von
Joan Mitchell wurden Werke und Leihgaben aus aller Welt mit einer
Gesamtversicherungssumme von etwa 160 Millionen Euro gehängt.
Das Technikteam ist nicht nur für die Ausstellungs-, sondern
auch für die komplette Haustechnik, auch des Verwaltungsgebäudes,
verantwortlich. Die Ausstattung des Gebäudes wird fortwährend
verändert und optimiert. Kunstwerke werden direkt an die Betonwände gehängt, teilweise mit beträchtlichem Gewicht. Jedes der
gebohrten Löcher muss anschließend wieder aufwendig repariert
werden. Die Techniker betreiben dabei regelrecht »Betonkosmetik«:
Seit Eröffnung des Kunsthaus Bregenz wurden insgesamt etwa
22.000 Löcher nahezu unsichtbar wieder geschlossen. Der
Terrazzoboden in allen vier Stockwerken sieht nach 18 Jahren
immer noch wie neu aus. Um das zu erreichen, werden die 470
Quadratmeter Ausstellungsfläche pro Stockwerk täglich gereinigt.
Das Kunsthaus Bregenz lässt immer wieder Visionen von
Künstler/innen wahr werden, die die Grenzen des Mach- und
Denkbaren aufs Neue verschieben — d as funktioniert nur Dank der
vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Technik, Künstler/in
und Kurator/in sowie dem gesamten Team.
K UB Sammlungsschaufenster 2015
Neuerwerbungen
von Ai Weiwei bis Zobernig
22 | 02 | 2014 — 0 8 | 02 | 2015
Zum ersten Mal in der 17-jährigen Geschichte der Institution präsentierte das Kunsthaus Bregenz einen kleinen, aber hochkarätigen
Ausschnitt aus seiner Sammlung zeitgenössischer Kunst.
Per Kirkeby
Backstein: Skulptur und Architektur
27 | 02 — 2 5 | 10 | 2015
1997 fand im Kunsthaus Bregenz die Personale Per Kirkeby statt, im
Zuge derer auch das Werkverzeichnis zur Backsteinskulptur und
Architektur erschien. Die erfolgreiche Zusammenarbeit, die der
Künstler mit einer Schenkung von über 300 Originalzeichnungen
würdigte, wurde mit dieser Ausstellung fortgesetzt. Gezeigt werden
zahlreiche Entwurfszeichnungen, Skizzenhefte, Bücher und
Fotografien aus der KUB Sammlung.
Österreichische Kunst aus der
Sammlung des Kunsthaus Bregenz
26 | 11 | 2015 — 1 0 | 01 | 2016
Per Kirkeby
Backstein: Skulptur
und Architektur
Ausstellungsansicht
KUB Sammlungsschaufenster
Foto: Markus
Tretter © Kunsthaus
Bregenz
46 47
KUB 2016
Programm
Für die neue Ausstellung im KUB Sammlungsschaufenster wurde
Heimo Zobernig eingeladen, Werke aus der KUB Sammlung
auszuwählen. Die von Heimo Zobernig, Thomas D. Trummer und
Rudolf Sagmeister gemeinsam kuratierte Ausstellung legt den
Schwerpunkt auf Malerei und Skulptur. Es werden unter anderem
Arbeiten von Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Elke Krystufek, Maria
Lassnig, Ruth Schnell, Franz West und Heimo Zobernig präsentiert.
K UB 2015
Freunde und Partner
Sommerfest der
Gesellschaft der
Freunde des KUB
Foto: © Christian
Hinz und Kunsthaus
Bregenz
48 49
KUB 2016
Programm
Eine elementare Voraussetzung für die erfolgreiche Arbeit des
KUB besteht in der langfristigen kulturpolitischen Absicherung
durch das Land Vorarlberg als Träger des Hauses. Die Vorarlberger
Kulturhäuser Betriebsgesellschaft mbH als zentraler Dienst spielt
hierbei eine entscheidende Rolle.
Ein wichtiger Partner ist seit der Gründung des Hauses die
Gesellschaft der Freunde des Kunsthaus Bregenz. Der Verein
unterstützt das KUB bei der Realisierung seines Konzepts und im
Besonderen bei der Umsetzung des Vermittlungsprogramms.
Der Haussponsor des Kunsthaus Bregenz, die Vorarlberger
Kraftwerke AG, hat auch 2015 einen bedeutenden Beitrag zur
Finanzierung der großen Werkschauen geleistet. Ein langjähriger
KUB Sponsor ist zudem die Hypo Landesbank Vorarlberg. Auch die
Firma Zumtobel fördert das Kunsthaus Bregenz seit vielen Jahren
kontinuierlich und ist ein unverzichtbarer Partner, insbesondere bei
der Umsetzung von Ausstellungen und Projekten, bei denen Licht
zum Einsatz kommt. Ein weiterer langjähriger Sponsor-Partner
ist UNIQA, der 2015 die international bedeutende Ausstellung von
Joan Mitchell maßgeblich unterstützte. Unverzichtbare Partner und
Sponsoren bei dieser Schau waren außerdem die Joan Mitchell
Foundation, New York, sowie die Cheim & Read Gallery, New York.
2016 ist besonders die Förderung der Einzelausstellung von
Theaster Gates durch Phileas - A Fund for Contemporary Art, Wien,
hervorzuheben. Darüber hinaus wird es 2016 eine Kooperation
mit dem Jüdischen Museum Hohenems im Rahmen der Ausstellung
von Susan Philipsz geben.
Dem Haus langjährig verbunden sind die Kooperationspartner
Art Bodensee, Bodensee-Vorarlberg, Bregenzer Festspiele, Ö1 Club,
Pfänderbahn, Stadtmarketing Bregenz, Verkehrsverbund Vorarlberg,
Vorarlberg Lines Bodenseeschifffahrt, Vorarlberg Tourismus sowie
die Museen der Kulturachse (Kunstmuseum St. Gallen, Kunstmuseum
Liechtenstein, Vaduz, und Bündner Kunstmuseum, Chur).
Haussponsor
des Kunsthaus Bregenz
Mit freundlicher
Unterstützung von
Mit großzügiger
Unterstützung von
Gesellschaft der Freunde
des Kunsthaus Bregenz
Mit freundlicher
Unterstützung von
Mit freundlicher
Unterstützung von
Kunsthaus Bregenz
Foto: Matthias
Weissengruber
© Kunsthaus
Bregenz
50 51
KUB 2016
Programm
Kunsthaus Bregenz
Kunsthaus Bregenz
Karl-Tizian-Platz | 6900 Bregenz | Österreich
Telefon +43-5574-485 94-0 | Fax +43-5574-485 94-408
[email protected] | www.kunsthaus-bregenz.at
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10 — 18 Uhr | Donnerstag 10 — 20 Uhr
Sommeröffnungszeiten: Montag — S onntag 10 — 2 0 Uhr
Sommeröffnungszeiten 2016: 01.07. — 3 1.08.2016
Kasse DW -433
Eintrittspreise
Erwachsene 9,– EUR | Ermäßigungen 7,– EUR
Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche
Kombiticket KUB und KUB Sammlungsschaufenster 11,– EUR |
Ermäßigungen 9,– EUR | Kombiticket KUB, KUB Sammlungsschaufenster
und vorarlberg museum 15,– EUR | Ermäßigungen 12,– EUR
Kulturhäuser Card 99,– EUR
Information und Anmeldung zu Führungen
Lidiya Anastasova | DW -415
l. [email protected]
Sekretariat
Margot Dörler-Fritsche | DW -409
[email protected]
Direktor Thomas D. Trummer Kaufmännischer Geschäftsführer Werner Döring Kurator Rudolf
Sagmeister Kuratorin KUB Billboards|KUB Projekte Eva Birkenstock Marketing|Sponsoring
Birgit Albers, DW -413, [email protected] Presse|Onlinemedien Martina Feurstein,
DW -410, [email protected] Kunstvermittlung Kirsten Helfrich, DW -417,
[email protected] · Assistentin Lidiya Anastasova Publikationen|Künstler-Editionen
Katrin Wiethege, DW -416, [email protected] · Assistentin Claudia Voit Verkauf
Editionen Caroline Schneider-Dürr, DW -444, [email protected] Assistentin des
Direktors Beatrice Nussbichler, DW -418, [email protected] Technik Markus
Tembl, Markus Unterkircher, Stefan Vonier, Helmut Voppichler Konzeption Kunsthaus Bregenz
Text Thomas D. Trummer, Birgit Albers, Eva Birkenstock, Martina Feurstein, Kirsten Helfrich,
Rudolf Sagmeister, Katrin Wiethege Redaktion Martina Feurstein Lektorat Artlanguage, Claudia
Voit, Katrin Wiethege, Christiane Wagner Übersetzung Artlanguage, Volker Ellerbeck Bildrechte
© bei den Fotografen, Künstler/innen, Rechtsnachfolger/innen Basiskonzept Grafik Design
Clemens Theobert Schedler, Büro für konkrete Gestaltung Gestalterische Ausführung Graphik
Design Bernd Altenried, Stefan Gassner Papier Munken Polar 120 g, FSC Druckvorstufe und
Bildbearbeitung Boris Bonev, PrePress & PrintService Druck Thurnher Druckerei GmbH
KUB Programm 2016