Arbeitsanweisung zur Fertigung von Managementplänen für

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Arbeitsanweisung zur Fertigung von Managementplänen für
LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
Arbeitsanweisung
zur Fertigung von Managementplänen
für Waldflächen in
NATURA 2000-Gebieten
November 2004
Bearbeiter:
unter Mitwirkung von:
S. Müller-Kroehling, Dr. M. Fischer, H.-J. Gulder
Dr. H. Walentowski, Dr. C. Kölling
Titelbild: Blockschluchtwald im FFH-Gebiet 6340-301 „Blockschuttwälder am Pleysteiner Sulzberg“ mit dem
Naturwaldreservat „Schloßhänge“ (S. Müller-Kroehling)
Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft
LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
Inhalt
1
Einleitung .......................................................................................................................... 4
2
Aufgabenstellung............................................................................................................... 5
3
Beteiligte und Ablauf......................................................................................................... 6
4
Managementplanung für FFH-Gebiete ........................................................................... 8
4.1
Räumliche Kulisse................................................................................................................ 8
4.2
Gliederung und Inhalte ....................................................................................................... 9
4.3
Zusammenstellung und Auswertung vorhandener Unterlagen..................................... 12
4.3.1
4.3.2
4.4
Außengrenzen der NATURA 2000-Gebiete ................................................................................. 12
Thematische Unterlagen................................................................................................................ 13
Lebensraumtypenkarte ..................................................................................................... 14
4.4.1
4.4.2
4.4.3
4.4.4
4.5
Definitionen und Abgrenzungen ................................................................................................... 14
Erstellung der Lebenraumtypenkarte ............................................................................................ 20
Vegetationsaufnahmen .................................................................................................................. 25
Einsatz von Feldcomputern........................................................................................................... 27
Bewertung des Erhaltungszustands der Lebensraumtypen........................................... 28
4.5.1
4.5.2
4.5.3
4.5.4
4.6
Bewertungsstufen.......................................................................................................................... 28
Räumliche Bewertungseinheit....................................................................................................... 29
Bewertungsmerkmale.................................................................................................................... 29
Gesamtbewertung.......................................................................................................................... 41
Erhebung der Bewertungsmerkmale ............................................................................... 42
4.6.1
4.6.2
Stichprobenventur ......................................................................................................................... 43
Qualifizierter Begang .................................................................................................................... 48
4.7
Habitatkarte ....................................................................................................................... 48
4.8
Bewertung von Arten nach Anhang II der FFH-Richtlinie ........................................... 49
4.9
Maßnahmenplanung.......................................................................................................... 50
4.9.1
4.9.2
4.9.3
4.9.4
4.9.5
Erhaltungsmaßnahmenkarte .......................................................................................................... 50
Planungseinheit ............................................................................................................................. 50
Erhaltungsmaßnahmen .................................................................................................................. 50
Verbesserungsmaßnahmen............................................................................................................ 51
Konkrete Maßnahmenplanung und Angaben der Kosten.............................................................. 51
5
Managementplanung für Vogelschutzgebiete................................................................ 52
6
Managementplanung für kombinierte FFH-/Vogelschutzgebiete ................................ 52
7
Monitoring und Erfolgskontrolle ................................................................................... 52
8
Herstellung, Dokumentation und Bekanntmachung der Pläne.................................... 53
9
8.1
Datenformate...................................................................................................................... 53
8.2
Datenschutz ........................................................................................................................ 53
8.3
Vertrauliche Informationen .............................................................................................. 53
8.4
Datenhaltung und Archivierung....................................................................................... 54
8.5
Korrektur des Standard-Datenbogens............................................................................. 55
Literatur ........................................................................................................................... 56
Anlagen ............................................................................................................................... 58
Anlage 1:
Mustergliederung Managementplan .............................................................. 58
Anlage 2:
Aufnahme-/Eingabemaske für Stichprobenpunkte ....................................... 58
2
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Anlage 3:
Erforderliche Stichprobenumfänge................................................................ 58
Anlage 4:
Aufnahmeformular für Vegetationsaufnahmen............................................ 58
Anlage 5:
Definition Biotopbaum.................................................................................... 58
Anlage 6:
a) Referenzwerte für Totholz .......................................................................... 58
Anlage 6:
b) Referenzwerte für Biotopbäume................................................................. 58
Anlage 7:
Haupt-, Neben- und Pionierbaumarten der Lebensraumtypen..................... 58
Anlage 8:
Gesamt-Bewertungsschema für Lebensraumtypen ....................................... 58
Anlage 9:
Umfrage nach NATURA 2000-relevanten Naturschutz-Informationen bei
den Forstämtern............................................................................................... 58
Anlage 10:
Vertraulich zu behandelnde Artvorkommen .................................................. 58
Anlage 11:
Abkürzungsverzeichnis ................................................................................... 58
Anlage 12:
Glossar ............................................................................................................. 58
Zitiervorschlag:
Müller-Kroehling, S., Fischer, M. & Gulder, H.-J. (2004): Arbeitsanweisung zur Fertigung
von Managementplänen für Waldflächen in NATURA 2000-Gebieten. – Freising (Bayerische
Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft), 58 S. + Anl.
Danksagung
Die Arbeitsanweisung ist ein Gemeinschaftswerk, zu dem zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, insbesondere das gesamte "Team Natura 2000 im Wald", beigetragen haben. Für die
Durchsicht der Entwürfe und die hilfreichen Anmerkungen und Anregungen möchten wir
allen Beteiligten herzlich danken.
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1
Einleitung
Die Staaten der Europäischen Union haben 1992 einstimmig beschlossen, ein Netz natürlicher
und naturnaher Lebensräume zu schaffen, um so das europäische Naturerbe zu bewahren. Die
rechtlichen Grundlagen dafür sind die „FFH-Richtlinie“ (92/43/EWG) (FFH-RL) und die
„Vogelschutzrichtlinie“ (79/409/EWG) (VS-RL). Der günstige Erhaltungszustand bestimmter
Lebensraumtypen (Anhang I der FFH-RL) sowie bestimmter Arten (Anhang II FFH-RL und
Anhang I VS-RL) soll gewährleistet werden.
In Deutschland obliegt die Umsetzung dieser Richtlinien den Ländern. Um die Richtlinien im
Freistaat Bayern zweckmäßig und einheitlich umzusetzen, haben die betroffenen Ministerien
die Gemeinsame Bekanntmachung vom 04.08.2000 zum Schutz des Europäischen Netzes
„NATURA 2000“ (GemBek) veröffentlicht. In Managementplänen werden für jedes
NATURA 2000-Gebiet die Erhaltungsmaßnahmen festgelegt, die notwendig sind, um einen
günstigen Erhaltungszustand zu gewährleisten.
Ein Großteil der bayerischen NATURA 2000-Fläche ist Wald. Zuständig für das Gebietsmanagement im Wald sind die Forstbehörden (Forstdirektionen).
Die vorliegende Arbeitsanweisung stellt die verbindliche Arbeitsgrundlage für die Erstellung der Managementpläne für die Waldflächen dar, unabhängig davon, wer die Federführung
hat. Auch bei Kleinstwaldflächen, die durch die Umweltverwaltung mit bearbeitet werden,
soll sie verwendet werden.
Grundlage der Arbeitsanweisung sind die Ergebnisse der Projektgruppe „Umsetzung von
NATURA 2000 im Wald“ (vgl. Abschlußbericht dieser Projektgruppe) und die Erfahrungen
aus den forstlichen Testgebieten „Hienheimer Wald“ und „Leiten der unteren Isar“ sowie aus
den Testgebieten der Umweltverwaltung, für die forstliche Fachbeiträge erstellt wurden, sowie den Erfahrungen der Forstdirektionen bei der Erstellung der Managementpläne. Ebenfalls
berücksichtigt wurden die Empfehlungen der LANA und Forstchefkonferenz-Kontaktgruppe
(LANA/FCK) zur Managementplanung vom 21.1.2004 (vgl. BURCKHARDT et al. 2004).
Weitere Hinweise und Anregungen sind sehr willkommen und sollten an folgende Adresse
gerichtet werden:
Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Kennwort "NATURA 2000",
Am Hochanger 11, 85354 Freising
E-Mail: [email protected]
Diese Arbeitsanweisung wird ergänzt durch:
- die Kartieranleitung für Lebensraumtypen nach Anhang I FFH-RL in Bayern
(LANG et al. 2004)
- das LWF-Artenhandbuch zu den Arten der Anhänge II FFH und I VS-RL
(MÜLLER-KROEHLING et al. 2003)
- die Kartieranleitung zu den Arten der Anhänge (LfU & LWF in Vorber.)
- die Ausfüllanleitung des Standard-Datenbogens der EU (EU 1997)
- Ablaufschemata und Prozessbeschreibungen zur Umsetzung von NATURA 2000
(StMLF unveröff.)
- Pflichtenheft und Musterlegenden für die GIS-Bearbeitung der Pläne und
ACCESS-Speicherung der Daten (LWF unveröff.)
Diese Werke sollen in den Managementplänen wie im Literaturverzeichnis der vorliegenden
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Arbeitsanweisung zitiert werden.
Folgende Grundsätze sind bei allen Teilarbeiten zu beachten:
- fachliche Qualität
- größtmögliche Effizienz
- Transparenz gegenüber allen Beteiligten
2
Aufgabenstellung
Die FFH- und Vogelschutzgebiete wurden durch die Staatsregierung nach den Kriterien des
Anhanges III der FFH-RL ausgewählt und nach Durchführung eines Dialogverfahrens an die
EU gemeldet. Mit dieser Meldung unterliegen diese Gebiete dem in Art. 6 Abs. 2 FFH-RL
bzw. Art. 13c BayWaldG festgelegten Verschlechterungsverbot. Dieses Verschlechterungsverbot gilt für die in den Anhängen der Richtlinien aufgeführten Schutzobjekte:
•
Lebensraumtypen gem. Anhang I FFH-RL
•
Tier- und Pflanzenarten gem. Anhang II FFH-RL
•
Vogelarten gem. Anhang I VS-RL
Für diese Schutzobjekte ist der „günstige Erhaltungszustand“ zu bewahren bzw. bei
schlechter Ausgangslage wiederherzustellen (Art. 2 Abs. 2 FFH-RL). In Art. 6 Abs. 1 schlägt
die EU als eine Möglichkeit die Erstellung von Managementplänen vor, um die nötigen Erhaltungsmaßnahmen festzulegen. Der Freistaat Bayern hat in einer Gemeinsamen Bekanntmachung der betroffenen Ministerien (GemBek) vom 4.8.2000 (Nr. 62-8645.4-2000/21) diese
Möglichkeit aufgegriffen. Nr. 6 der Gemeinsamen Bekanntmachung regelt das Gebietsmanagement, welches sich aus den folgenden Komponenten zusammensetzt:
(1) Erstellung Managementplan: Festlegung der Erhaltungsmaßnahmen, die notwendig sind,
um einen günstigen Erhaltungszustand der Lebensraumtypen und/oder Arten zu gewährleisten. Er begründet keine Verpflichtungen für private Grundeigentümer.
(2) Umsetzung Erhaltungsmaßnahmen: Durchführung der im Managementplan vorgesehenen
notwendigen Maßnahmen, im Privatwald i.d.R. auf freiwilliger Basis und gegen Entgelt.
(3) Monitoring: regelmäßige Beobachtung des Erhaltungszustands der relevanten Schutzobjekte im Gebiet und der Wirkung der durchgeführten Maßnahmen, ggf. Anpassung des
Managementplans.
(4) Berichtspflichten: regelmäßiger Bericht an die EU-Kommission über die Maßnahmen,
deren Wirkungen und den aktuellen Erhaltungszustand der Gebiete.
Die GemBek regelt auch die Zuständigkeit für das Gebietsmanagement im Wald:
In Waldgebieten obliegt das Gebietsmanagement der Forstbehörde (Forstdirektion) im Benehmen mit der höheren Naturschutzbehörde. In Mischgebieten, die Wald und Offenland enthalten, wurde die Federführung für die Managementplanung zwischen den Ressorts einvernehmlich festgelegt. Die nicht federführende Stelle liefert einen Fachbeitrag für ihren Flächenanteil.
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Beteiligte und Ablauf
Bei der Erstellung des Managementplanes ist eine gute Zusammenarbeit der unterschiedlichen
Beteiligten erforderlich. Abb. 1 gibt einen Überblick der an der Managementplanung im Wald
Beteiligten und ihrer Aufgaben. Es ist die Aufgabe der Forstdirektion, die Managementpläne
für den Wald bzw. die Fachbeiträge zu erstellen. Sie kann aber Teilaufgaben an Externe vergeben oder durch andere Dienststellen erstellen lassen (z.B. Fachbeiträge).
Abb. 1: Übersicht der am Management von bewaldeten NATURA 2000-Gebieten Beteiligten und ihrer Aufgaben bzw. Beiträge.
Die Organisation des Ablaufs der Managementplanung obliegt der federführenden Behörde.
Alle Beteiligten sind rechtzeitig und offen in das gesamte Vorhaben einzubinden.
Größtmögliche Transparenz dient dazu, Vertrauen zu schaffen und eine konstruktive
Zusammenarbeit aller Ebenen zu gewährleisten.
FoD und HNB sollten sich zu Beginn der Managementplanung eines Gebiets eingehend über
die fachliche und organisatorische Vorgehensweise abstimmen, insbesondere in WaldOffenland-Mischgebieten.
6
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Tab. 1 zeigt den Ablauf der Erstellung des Managementplans bei Federführung durch die
Forstdirektion. Es handelt sich um das Regelverfahren, welches, wenn erforderlich, modifiziert werden kann (je nach Gebietsgröße, Heterogenität, Akzeptanz durch die Waldbesitzer
etc.).
Tab. 1: Ablaufschema zur Managementplanung (Regelverfahren bei Federführung der Forstdirektion (Fettdruck
= organisatorische Federführung bezüglich des Waldteiles (nicht identisch mit formaler Federführung)
Maßnahmen
Organisation
FoD
1. Jährlicher Abstimmungstermin
(u.a. zur Gebietsauswahl)
FoA
WaldLWF Reg. Planbesitzer,
(HNB) fertiger WBV/FBG
(X)
X
2. Informationsgespräch über
Vorgehensweise
3. Vorarbeiten
a) Information der FoÄ/FoDSt.
b) Digitalisierung StK, FE-Karte
c) örtl. Recherche; FE-NatSchKarte
d) vorl. LRTK; Recherche Arten
4. Bekanntmachung der lfd. Jahr
geplanten Objekte
5. Informationsveranstaltung(en)
im Wald und/oder im Saal
6. Arbeiten am MP
(Aufnahmen, Auswertung,
Kartierung)
7. Zwischenbegang
(soweit erforderlich)
Beteiligte
Verbände
(GrundLokale
weitere
besitzer, Vereine, Behörden
NaturExperten (z.B. KVB,
schutz)
etc.
Gde.)
X
X
X
X
X
X
X
X
X
X
X
X
(X)
X
X
X
(X)
(X)
X
X
X
X
*
X
X
X
X
X
X
X
(X)
X
X
X
X
X
X
X
8. Gelegenheit zur Äußerung
X
X
X
9. Vorstellung und Abstimmung
bisherigen Arbeiten (im Wald)
X
10. Herstellung des Benehmens
X
X
11. Endfassung des MPs (incl.
Einarbeitung des Fachbeitrags der HNB)
X
X
X
12. Festsetzung des MPs
X
13. Drucklegung
X
14. öffentl. Präsentation der
Ergebnisse mit Beteiligten
und Presse (im Wald)
X
X
X
15. Möglichkeit zur Einsichtnahme für Betroffene und Öffentlichkeit
X
16. Veröffentlichung des MPs im
Internet
X
X
X
X
X
X
X
X
X
X
*soweit Expertenwissen erforderlich
Insbesondere bei kleinen Gebieten stellen die Termine zur Beteiligung der Betroffenen einen
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relativ hohen Anteil am Gesamtaufwand dar. Um Zeit- und Kostenaufwand zu reduzieren,
sollten daher die Termine für mehrere benachbarte NATURA 2000-Gebiete zusammengelegt
werden.
In Sonderfällen kann die Bearbeitung durch andere Stellen erfolgen. So können zum Beispiel
Managementpläne für FFH-Gebiete, die überwiegend aus Naturwaldreservaten bestehen,
durch die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft bearbeitet werden.
Die Bundesforstverwaltung kann als fachlicher Vertreter des Eigentümers in dessen Auftrag
die MP für alle bundeseigenen Flächen bzw. alle Flächen, auf denen der Bundesforstverwaltung das forstliche Geländemanagement obliegt (auch Nutzungsvertrag nach NV 19), erstellen. Sie stimmt sich dabei mit den zuständigen Landesbehörden (Forstdirektion bzw. Regierung) und den jeweiligen Nutzern der Bundesliegenschaften (US-Armee, US-Luftwaffe, Bundeswehr, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung) ab. Die Landesbehörden begleiten die Arbeiten, nehmen die Managementpläne ab und setzen sie in Kraft.
Soweit kleinere Waldflächen Dritter Bestandteil des Gebietes sind, erstellt die Staatsforstverwaltung entsprechende Beiträge. Liegt das Schwergewicht des NATURA 2000-Gebiets außerhalb der Bundesflächen, kann die Bundesforstverwaltung für ihre Teilbereiche in enger
Abstimmung mit den jeweiligen Nutzern und den Landesbehörden MP-Beiträge erstellen, die
von den Landesbehörden in den MP integriert werden.
Das konkrete Vorgehen wird jeweils im Einzelfall festgelegt.
4
Managementplanung für FFH-Gebiete
Managementpläne für Vogelschutzgebiete werden in Kapitel 5 behandelt. FFH- und Vogelschutzgebiete können sich ganz oder teilweise überdecken. Hinweise für diesen Fall sind Kapitel 6 zu entnehmen.
4.1
Räumliche Kulisse
Der Managementplan bezieht sich auf die Gebietskulisse, die im Maßstab 1:25.000 an die
EU-Kommission gemeldet wurde. Bzgl. Korrekturen an den Grenzen vgl. Kap. 4.3.1.
Flächen ausserhalb des NATURA 2000-Gebietes werden nicht beplant. Allgemeine Zielaussagen zu solchen Flächen sind nur zulässig, sofern sie sich auf den Umgebungsschutz oder die
Kohärenz im Sinne des Art. 10 FFH-RL beziehen. Umliegende Waldflächen um punktuelle
FFH-Gebiete (Fledermaus-Wochenstuben oder Überwinterungshöhlen o.ä.), die nicht Teil des
FFH-Gebietes sind, werden daher beispielsweise nicht mit beplant. Zu ihrer Beschaffenheit
dürfen nur allgemeine Aussagen gemacht werden (z.B. Walderhaltung).
Es können auch gemeinsame Managementpläne für mehrere FFH-Gebiete, die einen starken
räumlichen und thematischen Bezug zu einander haben, oder für Überschneidungsgebiete
(FFH- und Vogelschutzgebiete), erstellt werden.
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4.2
Gliederung und Inhalte
Grundsatz
Die Managementpläne sollen möglichst „schlank“, umsetzungsorientiert und gut lesbar sein
und sich auf das Wesentliche konzentrieren.
Die Mustergliederung für Managementpläne in der Federführung der StFoV findet sich in
der Anlage 1. Wichtigstes Gliederungskriterium ist das FFH-Schutzobjekt (LRT, Arten). Alle
Darstellungen orientieren sich daher von der Gliederung her an diesen Schutzobjekten.
Zweck der Gliederung ist es in erster Linie, eine gute Lesbarkeit und „Benutzerfreundlichkeit“ für die Anwender, und somit für die Umsetzung des Managementplans sicherzustellen.
Abweichungen von der Mustergliederung sind zulässig, wenn die Eigenheiten des Gebiets
bzw. die Zusammenarbeit mit weiteren Stellen, oder der o.g. Zweck einer guten Lesbarkeit
dies erfordern. Die Entscheidung hierüber liegt bei der federführenden Stelle.
Kerninhalte des Managementplans sind:
•
Erhaltungsziele: Die Erhaltungsziele konkretisieren – bezogen auf die jeweiligen
Schutzobjekte im Gebiet - das Ziel der Erhaltung eines günstigen Erhaltungszustands.
Die Erhaltungsziele werden in der Regel für alle Gebiete zwischen der federführend zuständigen Höheren Naturschutzbehörde und der Forstdirektion einvernehmlich abgestimmt. Abgestimmte Erhaltungsziele sind Voraussetzung für den Beginn der Managementplanung.
•
Schutzobjekte: Der Standarddatenbogen nennt die Schutzobjekte des Gebiets:
Lebensraumtypen gem. Anhang I FFH-RL
Tier- und Pflanzenarten gem. Anhang II FFH-RL
Der Zustand der Schutzobjekte muss aufgenommen, hergeleitet und bewertet werden.
Die Lebensraumtypen werden in jedem Fall auf ganzer Fläche des FFH-Gebietes kartiert.
Arten werden vorrangig in Form ihrer Lebensräume bzw. spezieller Habitatrequisiten
bewertet, ergänzt durch direkte (teilweise stichprobenhafte) Nachweise der Arten selbst.
Der Erhaltungszustand der Schutzobjekte wird auf einer dreistufigen Skala (A – C) bewertet. Dabei bedeutet
Wertstufe A: hervorragender Zustand
Wertstufe B: guter Zustand
Wertstufe C: mittlerer bis schlechter Zustand
Bewertungseinheit
Die Bewertung pro Schutzobjekt erfolgt regelmäßig für die Gesamtheit eines Lebensraumtyps oder einer Art in einem NATURA 2000-Gebiet (z.B. für den gesamten Lebensraumtyp 9110 Hainsimsen-Buchenwald oder die gesamte(n) Population(en) der Gelbbauchunke). Es gelten folgende Grundsätze:
• Der MP muss in jedem Fall – analog zum Standarddatenbogen - eine einheitliche
Gesamtbewertung des Erhaltungszustands enthalten.
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•
•
Teilflächen werden in der Regel nicht separat beschrieben, bewertet oder beplant.
Bei der Formulierung von Maßnahmen wird aber darauf geachtet, ob sich diese auf
das gesamte Gebiet bzw. LRT/Habitat beziehen oder ob Hinweise zu räumlichen
Schwerpunkten für die spätere Umsetzung sinnvoll sind.
Räumlich differenziertere Aussagen sind (in Ausnahmefällen) möglich
• bei sinnvoll abgrenzbaren Teil-LRT in sehr großflächigen FFH-Gebieten (z.B. Spessart)
• bei großflächigen FFH-Gebieten, wenn sich größere Teilgebiete in ihrem Zustand
deutlich voneinander unterscheiden
• bei räumlich getrennten Punkt-LRT (z.B. Kalktuffquellen, Höhlen)
Diese Aufnahmen/Bewertungen sind die Basis für das später stattfindende Monitoring
und die darauf beruhende Berichterstattung an die EU-Kommission.
•
notwendige Erhaltungsmaßnahmen: Im Managementplan werden die Erhaltungsmaßnahmen festgelegt, die notwendig sind, um den günstigen Erhaltungszustand der Schutzobjekte zu gewährleisten, die maßgeblich für die Aufnahme in das Netz NATURA 2000
waren.
Daneben können Hinweise gegeben werden, mit welchen zusätzlichen Maßnahmen der
Erhaltungszustand des Lebenraumtyps bzw. der Art stabilisiert oder sogar verbessert
werden kann.
Im Übrigen vgl. Kap. 4.9.
•
Karten: Der Managementplan umfasst in der Regel drei Karten:
Lebensraumtypenkarte (LRTK): sie stellt die LRT nach Anhang I FFH-RL dar.
Diese Karte sollte auch die Vorkommen bzw. Vorkommensschwerpunkte der „charakteristischen Arten“ im Sinne des Art. 1 FFH-RL bzw. Leitarten enthalten, sofern solche untersucht werden.
Habitatkarte (HK): Die Habitate der Arten nach Anhang II FFH-RL sollen dargestellt
werden.
Erhaltungsmaßnahmenkarte (EMK): Sie enthält in flächenhafter Darstellung die Erhaltungsmaßnahmen, die für die Schutzobjekte (LRTen, Arten) geplant werden, sowie optional auch die freiwilligen Erhaltungsmaßnahmen. Es werden die Maßnahmen in der Karte dargestellt, die auch im Plan hergeleitet und beschrieben werden.
Sofern es sich um einfache Verhältnisse handelt, oder in anderen Sonderfällen (z.B. FFHGebieten, die ausschließlich aus Naturwaldreservatsflächen bestehen), können auch Karten entfallen oder zusammengefasst werden.
Grundsätzlich ist das Schutzobjekt (Lebensraumtyp oder Art) die Planungseinheit, mit
dem Schwerpunkt auf den Lebensraumtypen, da deren Vorhandensein und Qualität i.d.R.
maßgebend bei der Auswahl der FFH-Gebiete im Wald war. Die Maßnahmen beziehen
sich daher im allgemeinen auf den gesamten Lebensraumtyp. Das heißt, dass in der Regel
nicht parzellenscharf geplant wird.
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Parzellenscharfe oder punktuelle Darstellungen können aber im Ausnahmefall zweckmäßig sein, wenn
- es sich um eindeutig konzentrierte Vorkommen von LRT oder Arten handelt,
- notwendige Maßnahmen nur an ganz bestimmten Stellen notwendig und möglich sind
(z.B. Rückbau einer Anlage zur Moorentwässerung)
- aufgrund einer örtlich besonders schlechten Ausprägung bzw. Zustandes konkret Verbesserungsmaßnahmen erforderlich sind
Im Übrigen vgl. Kap. 4.9.
Eine Karte der Vegetationsgesellschaften kann als Anlage zum MP beigegeben werden,
wenn dies auf Basis digitaler Grundlagen ohne erheblichen Mehraufwand für den überwiegenden Teil des Gebietes möglich ist.
•
weitere Inhalte:
- Naturschutzfachlicher Kenntnisstand
Da die Gebiete auch bedeutsame Vorkommen von Arten und Lebensräumen enthalten
können, die nicht nach der FFH- oder Vogelschutzrichtlinie geschützt sind, sollen diese in
einem allgemeinen Kapitel erwähnt und ggfs. ganz kurz – ohne zusätzlichen Erhebungsaufwand - beschrieben werden, der Bedeutung des Vorkommens entsprechend.
Anhang IV- und V-Arten der FFH-RL werden in diesem Abschnitt ebenfalls erwähnt, und
so weit möglich – ohne zusätzlichen Erhebungsaufwand - kurz der Kenntnisstand zu ihrem Vorkommen wiedergegeben. Diese Arten sind jedoch für den MP in der Regel nicht
relevant, sondern sind Gegenstand des Artenschutzrechts (auch ausserhalb der NATURA
2000-Gebiete) und eines landesweiten Monitorings.
Diese Informationen dienen ausschließlich dazu, mögliche Synergien oder Zielkonflikte
zu den eigentlichen NATURA 2000-Schutzobjekten frühzeitig zu erkennen.
-
Mögliche Gefährdungen für die Schutzobjekte von innerhalb und außerhalb des
Gebiets
Hier sind alle bekannten Pläne und Projekte, soweit sie das Gebiet mittel – oder unmittelbar betreffen könnten, zu erwähnen und kurz in ihren möglichen Auswirkungen zu beschreiben.
- Vorschläge für eine Schutzkonzeption
Zuständig für die Schutzkonzeption ist die Umweltverwaltung. Der MP kann jedoch hierzu einen begründeten Vorschlag machen, der sich aus dem bestehenden Schutzstatus einsereits und den vorhandenen Gefährungen andererseits ergeben sollte. Gemäß GemBek.
hat die vertragliche Sicherung Vorrang vor der rechtlichen.
- Aussagen zum räumlichen Kontext des Gebietes
Die Raumbeziehungen des Gebietes zu anderen NATURA 2000-Gebieten, vor allem solchen mit vergleichbarer Ausstattung an LRTen und Arten, sollen im Plan (und möglichst
auch als Karte) soweit dies möglich ist, kurz beschrieben werden.
-
Empfehlungen für das Monitoring
-
Literatur und Quellenangaben
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Die Angaben sind auf die für den Plan wesentlichen Arbeiten, soweit sie im Text zitiert
werden, zu beschränken. Querverweise zu vertiefenden gebietsrelevanten Arbeiten sollten
auch in das Literaturverzeichnis aufgenommen werden, ebenso wie mündliche und schriftliche Mitteilungen von Gebietskennern (mit Angabe des Themas und Datum der Mitteilung).
- Kostenabschätzung für die Umsetzung der Erhaltungsmaßnahmen
Es sollen nach Möglichkeit auch bereits Schätzungen der Kosten aufgeführt werden, sofern konkrete Maßnahmen geplant werden, deren Umsetzung Kosten verursacht. Soweit
bei bestimmten Maßnahmen (z.B. „Weiterfürhung der bisherigen naturnahen Bewirtschaftung“ keine Kosten entstehen, ist dies ebenfalls zu dokumentieren.
Fachbeiträge
Es soll nur ein Managementplan pro Gebiet erstellt werden, d.h. der jeweilige Fachbeitrag soll
vollinhaltlich integriert werden. Dabei ist die erforderliche fachliche Abstimmung herzustellen, insbesondere hinsichtlich der Grenz- und Übergangsbereiche der Wald- und OffenlandLRT sowie der Arten, die mehrere Lebensräume nutzen. Einander widersprechende Aussagen
würden bei der Umsetzung des Planes im Wege stehen. Aus diesem Grund ist es grundsätzlich zu vermeiden, Fachbeiträge oder Teile davon nur als Anlage des Planes beizugeben.
Externe Beiträge und Gutachten
Im Zuge der Managementplanung erstellte Kartiergutachten sind nicht Bestandteil des Managementplanes und auch nicht als solche zu bezeichnen, da sie in der Regel von externen Dritten erstellt werden und auch nicht abgestimmt sind.
Es ist in der Regel nicht sinnvoll oder erforderlich, sie als Anlage dem Plan fest beizugeben.
Auch würde es den Umfang des Planes erhöhen. Stattdessen sollen
- die wesentlichen, planungs- und bewertungsrelevanten Inhalte der Gutachten inhaltlich an den einschlägigen Stellen des Planes integriert und
- die Gutachten, auch durch Aufnahme in das Literaturverzeichnis (z.B. als eigener Unterpunkt: im Zuge der Managentplanung gefertigte Gutachten), vollständig zitiert werden, und ggfs. für eine Einsicht bei der zuständigen Stelle zur Verfügung stehen.
Die anläßlich des MP erstellten Gutachten werden während der Planerstellung den anderen
beteiligten Stellen auf Anfrage zur Kenntnis gegeben.
4.3
Zusammenstellung und Auswertung vorhandener Unterlagen
4.3.1
Außengrenzen der NATURA 2000-Gebiete
Die offizielle Meldung der Gebiete an die EU-Kommission erfolgte im Maßstab 1 : 25.000.
Vor Beginn der Managementplanung sollte im Regelfall als Arbeitsgrundlage die (federführrend von den Naturschutzbehörden erstellte und mit der Forstverwaltung abgestimmte) Feinabgrenzung im Maßstab 1 : 5.000vorliegen.
Falls die Außengrenzen noch nicht im Maßstab 1:5000 vorliegen, müssen sie im Vorfeld der
eigentlichen Managementplan-Erstellung festgelegt werden.
Hierbei ist wie folgt vorzugehen:
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-
4.3.2
Inhaltliche Korrekturen der Meldung (Herausnahme miterfasster, aber nicht geeigneter
Teilflächen bzw. umgekehrt Hinzunahme geeigneter, aber bisher nicht einbezogener
Teilflächen) sind nicht zulässig.
Maßgeblich sind die offiziell gemeldeten Grenzen im Maßstab 1 : 25.000. Spielraum
für Korrekturen besteht deshalb grundsätzlich nur im Umfang der Zeichenungenauigkeit ("Strichstärke"), also ca. 10 – 20 m.
Eine Ausnahme stellen nahezu flächengleich verschobene Polygone dar: Hier kann
das "gemeinte Gebiet" bearbeitet werden.
Erhebliche Abweichungen und Unplausibilitäten sollten mit der Höheren Naturschutzbehörde erörtert und abgestimmt sowie in einer „Fehlerdatei“ für eine spätere
Korrektur der Gebietsmeldung vorgemerkt werden“
Thematische Unterlagen
Die entscheidenden, verbindlichen Grundlagen für die Erstellung des Managementplans sind
die offiziellen, abgestimmten Erhaltungsziele, sowie der Standard-Datenbogen (SDB) mit
den für das Gebiet gemeldeten Lebensraumtypen und Arten.
Für den Fall von Abweichungen zwischen den Angaben im Standarddatenbogen und den
tatsächlichen Verhältnissen ist wie folgt vorzugehen:
Alle im Standarddatenbogen genannten LRT und Arten sind im Managementplan anzusprechen. Kommen sie im Gebiet tatsächlich nicht vor (bzw. unter der Nachweisgrenze), ist dies - möglichst unter Angabe von Gründen – darzustellen
Alle im Gebiet vorkommenden LRT sind zu bearbeiten.
Bei Anhang II-Arten, die nicht im Standarddatenbogen genannt werden, ist die LWF
zu konsultieren. Prioritäre Arten werden immer bearbeitet, nicht-prioritäre Arten in der
Regel nur, wenn es sich um ein signifikantes Vorkommen handelt.
Vor Beginn von Außenarbeiten, sind alle verfügbaren, relevanten Unterlagen wie alle Kartierungen, Pläne, Gutachten, wissenschaftlichen Arbeiten usw. zu sichten und (falls einschlägig)
zu berücksichtigen bzw. verwenden. Existiert z.B. bereits eine flächenhafte Vegetationskartierung, können deren Einheiten (nach einer Überprüfung anhand von topographischer Karte,
Luftbildern und kurzem Begang) in die FFH-Lebensraumtypen übersetzt werden.
Innerhalb der Forstverwaltung sind sowohl die LWF als auch die Forstämter wichtige Ansprechpartner bei der Sichtung und Zusammenstellung der vorhandenen Informationsquellen,
ferner das Landsratsamt (Untere Naturschutzbehörde) mit Arten- und Biotopschutzprogramm
(ABSP) und Biotopkartierung, sowie sonstigen Gutachten. Unterlagen liegen an den genannten Stellen oft direkt vor. Zumindest können Hinweise gegeben werden, wo Informationen
vorhanden sind (in Form von Berichten , aber auch von Expertenwissen).
Die immer vorhandenen und unerlässlichen Unterlagen sind:
Topographische Karte 1 : 25.000 (TK 25)
Orthophoto 1 : 5.000
Eine weitere hilfreiche aber bayernweit nicht flächendeckend vorhandene Kartenunterlage ist
die
Geologische Karte 1 : 25.000
Das Ausscheiden von Lebensraumtypen wird ganz wesentlich erleichtert durch
Forsteinrichtungsoperat und –karte
13
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
Standortsoperat und –karte
Forsteinrichtungs-Operate und -Karten (FE) sind im Staatswald flächendeckend vorhanden,
die Standortskartierung nur außerhalb des Hochgebirges (Ausnahmen: Schwaben und Nationalpark Berchtesgaden). Im Privatwald sind diese Unterlagen, insbesondere die Standortskarte, zum Teil vorhanden, stehen aber ohne Zustimmung des Waldbesitzers nicht zur Verfügung. Der Gutachter sollte zusammen mit dem Forstamt versuchen, die Zustimmung zur Nutzung dieser Unterlagen zu erhalten. Die Arbeitsersparnis ist beträchtlich. Dabei ist wie folgt
vorzugehen (s. LMS F3-NL 370-335 vom 18.9.2002):
- In der Regel war die Forstbetriebsgemeinschaft/Waldbesitzervereinigung (FBG/WBV)
Auftraggeber und Zuwendungsempfänger bei der Erstellung der Standortkarten. Ihre
Zustimmung soll deshalb stets eingeholt werden.
- Kommunale Waldbesitzer und größere Privatwaldbesitzer mit eigenem Personal sind
einzeln anzuschreiben und um Zustimmung zu bitten.
- Bei bis zu 50 kleineren Privatwaldbesitzern sind diese einzeln anzuschreiben und um
Zustimmung zu bitten.
- Bei mehr als 50 kleineren Privatwaldbesitzern ist der Wunsch nach Verwendung der
Standortkarten ortsüblich öffentlich bekannt zu machen und der örtlichen FBG/WBV
mitzuteilen.
- In den Anschreiben/Bekanntmachungen soll darauf hingewiesen werden, dass von einer Zustimmung ausgegangen wird, wenn binnen einer angemessenen Frist (mindestens zwei Wochen) kein Widerspruch erhoben wird.
Eine weitere mögliche Informationsquelle ist die
Waldfunktionskarte
Als naturschutzfachliche Datenquelle vorhanden ist der jeweilige
Landkreisband zum Arten- und Biotopschutzprogramm
Die oben aufgeführten Unterlagen erhält der Planfertiger von der Forstdirektion oder dem
Forstamt. Die folgenden Unterlagen werden in Form einer Regelabfrage beim LfU besorgt,
oder (soweit verfügbar) über das Fachinformationssystem FIS-Natur genutzt.
Pflege- und Entwicklungspläne (PEPL)
Schutzgebietsverordnungen
Artnachweise der Artenschutzkartierung Bayern (ASK)
Sehr häufig sind weitere Unterlagen vorhanden, wie wissenschaftliche Arbeiten, Berichte von
Verbänden oder Arbeiten von lokalen Artenschützern. Diese können, insbesondere was die
Anhang-II-Arten und Leitarten betrifft, eine besondere Hilfe sein.
Grundsätzlich gilt, dass eine intensive Sichtung und Bewertung vorhandener Unterlagen vor
den Außenaufnahmen den Zeitaufwand für diese beträchtlich reduzieren kann.
4.4
Lebensraumtypenkarte
4.4.1
Definitionen und Abgrenzungen
Die Lebensraumtypen wurden von der EU-Kommission im verbindlichen Interpretation
Manual of European Union Habitats (Eur 15/2, October 1999) definiert (nur in englischer
Sprache verfügbar). Sie sind vor allem vegetatationskundlich definiert. Allerdings wurden in
14
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
den meisten Lebensraumtypen mehrere Waldgesellschaften zusammengefasst. Eine (nicht
verbindliche) Interpretation für deutsche Verhältnisse erfolgte durch Ssymank et al. (1998).
Sie ist zumindest teilweise durch Entscheidungen der EU-Kommission überholt. Die „Kartieranleitung Lebensraumtypen“ (LANG et al. 2004) ist für die Ausscheidung der Lebensraumtypen in Bayern verbindlich und ergänzt die vorliegende Arbeitsanweisung.
Die räumliche Verbreitung dieser Lebensraumtypen wird im Managementplan in Form einer
Karte dargestellt, der Lebensraumtypenkarte oder LRTK (vgl. Abb. 2).
Abb. 2:
Ausschnitt aus der Lebensraumtypenkarte des NATURA 2000-Gebietes 7439-301 „Leiten der Unteren Isar“
Der Maßstab der Lebensraumtypenkarte hängt von verschiedenen Faktoren ab. In Waldgebieten ist in den folgenden Maßstäben zu kartieren:
• Gebiete über 30 ha: i.d.R. 1 : 10.000
• (Teil-)Gebiete mit inniger Durchmischung von Wald und Offenland oder sonstigen Besonderheiten i.d.R. 1 : 5.000
• Einfach strukturierte Großgebiete (z.B. Spessart): i.d.R. 1 : 25.000
15
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
Weitere Inhalte der LRTK
Neben flächenhaften Angaben zum Vorkommen der LRT enthält die Karte auch die nachgewiesenen Vorkommen der charakteristischen Arten bzw. Leitarten (flächenhaft oder als
Punktdarstellung), sofern sich diese sinnvoll kartenmäßig darstellen lassen (siehe Abschnitt
4.5.3.2).
Mindestgröße der Lebensraumtypen
Die Mindestgröße eines darzustellenden Lebensraumtyps beträgt für Wald in Anlehnung an
die Forsteinrichtungsrichtlinie von 1982 (FER 1982) und die Erhebungen im Rahmen der
Biotopkartierung zwischen 0,25 und 1 ha, abhängig von der Größe des Gebietes und der
Bedeutung des LRT in diesem Gebiet. Insbesondere zonale LRTen müssen nicht grundsätzlich ab 0,25 ha kartiert werden. Vor allem die prioritären Lebensraumtypen (wie z.B. 9180
Schlucht- und Hangmischwälder) kommen allerdings oft nur kleinflächig vor, so dass hier
aufgrund deren großer Bedeutung die Mindestgröße an der unteren Grenze liegen sollte (bei
0,25 ha, in besonderen Fällen auch darunter). Als Richt-Mindestgröße für Offenland im Wald
kann 0,1 ha gelten. Die Mindest-Erfassungsgrößen werden vor Beginn der Kartierungsarbeiten abgestimmt.
Von Natur aus nur punktuelle LRT (wie z.B. LRT *7220 Kalktuffquellen) werden in der Regel ab einer Mindestgröße von 5*5 m (in Gebieten mit seltenem Vorkommen) oder 10*10 m
(bei häufigem Vorkommen) erfasst.
Auf die Ausscheidung von Komplexlebensräumen mehrerer verzahnter Wald-LRT (z.B.LRT
9150 kleinflächig in 9130 eingestreut) wird verzichtet. Ist es nicht möglich, die einzelnen Flächen auszukartieren, müssen pragmatische Grenzen gezogen, und dies im Text erläutert werden.
Sonstiger Lebensraum
Alle Flächen, die nicht einem LRT zugeordnet werden können, sind „Sonstiger Lebensraum“
(SL) bzw. "Sonstiger Lebensraum Wald". Der SL ist räumlicher Bestandteil des FFH-Gebiets,
wird aber hinsichtlich der Lebensraumtypen nicht näher beschrieben und bewertet. Meistens
handelt es sich hier um von Nadelhölzern dominierte Bestände auf Standorten, die von Natur
aus Buchen- oder Buchenmischwaldtypen tragen würden.
Hinsichtlich der Anhang II-Arten (bzw. Anh. I-VS-Arten) kann SL durchaus wichtige ökologische Funktionen erfüllen, z.B. als Nahrungs- oder Überwinterungshabitat, und wird als solcher im Plan berücksichtigt.
Die Mindestgröße für die Ausscheidung von SL (Waldflächen) ist in der Regel 1 ha. Insbesondere in Gebieten mit einem Mosaik von kleinflächigen Lebensraumtypen ist es sinnvoller,
sie auch kleinflächiger auszuscheiden, da sonst ihre Gesamtfläche innerhalb der LRT zu groß
werden kann.
Befestigte, LKW-fahrbare Forstwegeflächen
Diese Flächen gehören nicht zur Lebensraumtypenfläche. Soweit befestigte, LKW-fahrbare
Forstwege (Forststraßen) digital vorliegen, werden sie als eigenständige Polygone behandelt
und keinem Lebensraumtyp zugeordnet. Soweit sie nicht digital vorliegen, sollen sie nach
Möglichkeit im Rahmen der Digitalisierarbeiten miterfasst werden. Grundlagen können z.B.
das Luftbild, die TK oder Flurkarte sein. Dieser - i. d. R. einmalige - Aufwand erhöht die Ü16
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
bersichtlichkeit der Karten ganz erheblich.
Liegt ein Forstweg oder Wald-Feld-Weg auf der Gebietsgrenze, so soll er bei der Feinabgrenzung im Zweifelsfall mit in das Gebiet einbezogen werden, da der Forstweg in der Regel auch
die Besitzgrenze darstellt.
Abgrenzung Wald-Offenland und Zuständigkeiten bei der Kartierung
Die fachliche Abgrenzung Wald-Offenland und die Zuständigkeit für die Kartierung sollen
vor Beginn der Kartierarbeiten zwischen FoD und HNB abgestimmt werden. Soweit Wald im
Einzelfall von einem vom Naturschutz beauftragten Kartierer erfasst wird, sind die Vorgaben
der KA und AA für Waldbereiche einzuhalten.
„Wald“ und „Offenland“ werden im Folgenden als rein vegetationskundliche und kartiertechnische Begriffe gebraucht. Diese Begriffe sind nicht generell deckungsgleich mit den
Definitionen des Waldgesetzes für Bayern (BayWaldG, Art.2). Die Abgrenzung von Offenland-Lebensräumen und Offenland-Biotopen hat daher keine direkte Beziehung zu waldgesetzlichen Kategorien.
Deutlich zu unterscheiden sind die Frage, ob eine Fläche entsprechend der Definition der
LRTen der FFH-RL Wald oder Offenland ist, und die Frage der Zuständigkeit für die Kartierung.
a) Abgrenzung Wald -Offenland
Hinsichtlich der Frage, ob eine Fläche Wald oder Offenland ist, wird auch auf die Kartieranleitung (LANG et al. 2004) hingewiesen.
Bei der Zuordnung einer Fläche zu Wald oder Offenland gelten folgende Grundsätze:
•
Der „Walddecker“ der Topographischen Karte 1 : 25.000 kennzeichnet in der Regel in
ausreichender Genauigkeit die Waldbereiche. In diesem nicht enthaltene Flächen sind in
der Regel Offenland, sofern nicht in jüngster Zeit Wald durch Erstaufforstung oder Sukzession neu entstanden ist.
•
Im Wald gelegene inselartige Offenlandbiotope geringer Größe können ab 0,1 ha kartiert
werden. Flächen mit geringer Größe (0,1 – 0.25 ha) sind jedoch i.d.R. stark vom umgebenden Bestand geprägt (Schattenwurf, Laubfall). Es ist daher beim Begang zu prüfen, ob
derartige Kleinflächen noch den Charakter von Offenland haben und der Bodenbewuchs
charakteristisch ausgebildet ist, oder ob der Charakter einer Lücke im Waldbestand vorherrscht. Der Waldcharakter wird neben Schattenwurf und Laubfall auch durch das Vorkommen typischer Waldarten angezeigt.
•
Lichte Gehölzbestände mit Offenland-Bodenvegetation können in besonderen Fällen Offenland-LRTen sein, auch wenn sie Wald im Sinne des Art. 2 Abs. 1 BayWaldG sind. In
Betracht kommt dies, wenn auf diesen Flächen ein Offenland-LRT vorkommt, diese Flächen keinem Wald-LRT zuzuordnen sind und einen Beschirmungsgrad (Deckungsgrad
der Baumschicht) von dauerhaft unter 50% aufweisen, unabhängig von vorübergehenden
Lichtstellungen während der Verjüngungsphase oder Pflege. Für solche Flächen legen
beide Seiten die Abgrenzung zwischen Wald und Offenland einvernehmlich fest
Flächen, die bereits Waldcharakter auch in der Bodenvegetation erlangt haben (Laubstreu
usw.) und nur durch aktive Maßnahmen wieder in den Zustand eines Offenland-LRTs zu
17
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
versetzen wären, werden nicht als Offenland-LRT, sondern als Wald-LRT oder SL kartiert.
•
Offenland- und Saumgesellschaften werden im übrigen in der Regel nur bis zum
Waldtrauf kartiert, auch wenn die Bodenpflanzen dieser Gesellschaften bis in den Waldbestand hinein vorkommen
b) Zuständigkeiten bei der Kartierung
Bei der Entscheidung, ob Flächen vom Bearbeiter des Waldes oder des Offenlandes zu bearbeiten sind, gibt es einige Grenzbereiche, sowohl bei Flächen, deren Zuordnung zu Wald oder
Offenland eindeutig ist, als auch bei jenen, wo die Zuordnung schwierig ist:
•
Offenlandbiotope auf der Forstbetriebsfläche (z.B. Trockenrasen)
•
Im Wald gelegene, kleinräumige Offenlandlebensräume (z.B. kleinflächigen Halbtrockenrasen an Hangabbruchkanten im Wald)
•
in der Feldflur gelegene Waldinseln und Streifen (z.B. Feldgehölze, Galeriewälder)
•
Komplexlebensräume und bei inniger Verzahnung von Wald- und OffenlandLebensräumen
•
locker bestockte Wälder oder Sukzessionsphasen mit trockenrasenähnlichem Unterwuchs
(z.B. Heiden und Brennen)
Für die Zuständigkeiten der Kartierung in allen Sonderfällen, Grenz- und Übergangsbereichen gelten folgende Grundsätze:
•
Offenlandbereiche auf der Forstbetriebsfläche sind zwar häufig Wald im Sinne des
Waldgesetzes, im Sinne der FFH-Richtlinie sind sie aber (z.T.) als Offenlandlebensraumtypen anzusehen (Blößen, Lichtungen). Daher sind sie in der Regel von der Naturschutzbehörde zu bearbeiten.
Liegt eine Forstbetriebskarte vor, sind die folgenden Flächen Offenland:
- Nichtholzboden
- Sonstige Flächen
- SPE-Flächen, soweit nicht Wald.
•
Latschen- und andere Gehölzflächen, die nicht Wald-LRTen zuzuordnen sind, aber
Wald nach dem Waldgesetz darstellen, werden in der Regel vom Waldkartierer bearbeitet. Abweichende Regelungen können vereinbart werden.
•
Kleinflächige Offenlandbereiche im Wald (z.B. kleine Brennen im Auwald oder offene
Moorkerne im Moorwald) können in Ausnahmefällen vom Waldkartierer mitbearbeitet
werden, sofern dies von beiden Seiten so vereinbart wird, und der Waldkartierer die Anforderungen der Kartieranleitung für diese Offenlandbereiche (Artkenntnis usw.) erfüllen
kann.
•
Waldinseln im Offenland über 0,25 ha (Feldgehölze) sowie weitgehend durchgehende,
gewässerbegleitende Gehölzstreifen mit einer Gesamtbreite von über 30 m werden in der
Regel vom Waldkartierer bearbeitet. Baumgruppensignaturen im Offenland geben Hin18
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weise auf in der Flur gelegene Waldinseln. Über die konkrete Abgrenzung sollte ggfs.
gebietsweise, abhängig vom Gesamtumfang und der Ausformung des LRT in Absprache
mit dem Offenlandkartierer entschieden werden.
Das Aufsuchen kleiner Waldinseln und -streifen ist ausgesprochen zeitintensiv. Vom Offenlandkartierer kann die Kartierung hingegen bei geringem Mehraufwand miterledigt
werden. Waldinseln und Feldgehölze im Offenland werden daher aus kartiertechnischen
Gründen in der Regel dann vom Offenlandkartierer mitkartiert, wenn sie bei flächenhafter Ausbildung eine Größe von 0.25 ha bzw. bei linienhafter Ausbildung eine Breite von
50 m unterschreiten. Bei gewässerbegleitenden Waldstreifen werden in der Regel beide
Uferstreifen vom Offenlandkartierer mitkartiert, sofern eine Gesamtbreite des Uferwaldes
(rechter + linker Uferwald - Gewässerbreite) von 30 m unterschritten wird. Häufig stehen
diese Wälder im Kontakt zu Gebüschgesellschaften, die bei der Offenlandkartierung regelmäßig erfasst werden. Belangvolle Auwaldkomplexe werden ohne Betrachtung der
Mindestbreiten bei der Wald-LRT-Kartierung erfasst.
Flächen mit Übergangscharakter von Wald zu Offenland (z.B. Heiden und Brennen mit
thermophilen Waldgesellschaften, Moorwälder und offene Moore) können bei inniger
Durchmischung auf größerer Fläche in Ausnahmefällen und in Abstimmung mit der
LWF bzw. dem LfU als Komplexlebensraum Wald/Offenland kartiert werden. In der
Karte wird dabei i.d.R. der vorherrschende Typ dargestellt und in der Beschreibung die
Flächenanteile der einzelnen Typen angegeben. Auf die Bildung von Mischtypen in der
Datenbank wird aus DV-technischen Gründen demnach verzichtet. Eine enge Abstimmung mit dem Offenland-Kartierer ist auch in dieser Frage in besonderem Maße geboten.
Vorgehen in Mischgebieten und insbesondere innig verzahnten Gebieten
Nehmen schwer abgrenzbare Flächen und Übergangsbereiche sowie Komplexlebensräume
erhebliche Anteile eines Gebietes ein, sollten die Arbeiten nach Möglichkeit an einen Kartierer vergeben werden, der beide Teilbereiche (Wald, Offenland) abdecken kann, um den Abstimmungsbedarf und Aufwand bei der Zusammenführung der Karten und Teilbeiträge zu
reduzieren.
Die zu bearbeitenden Bereiche sollen bei Vergabe an verschiedene Bearbeiter für Wald und
Offenland vor Beginn der Aussenaufnahmen (soweit dies möglich ist) lückenlos und überlappungsfrei aufgeteilt werden (z.B. anhand einer GIS-Abgrenzung im Maßstab 1:10.000; vgl.
auch GIS-Pflichtenheft). Eine zeitnahe Kartierung beider Teile ist anzustreben. Ist eine vorherige Abgrenzung der Kartierkulissen nicht möglich, müssen beide Kartierer sich im Zuge der
Kartierarbeiten abstimmen. Sofern dies im Rahmen des zeitlichen Ablaufes möglich ist, soll
die fertige Kulisse für den flächenmäßig überwiegenden Teilbeitrag (Wald oder Offenland)
dem jeweils anderen Kartierer so rechtzeitig mitgeteilt werden, dass dieser seine Kartierungen
darauf aufbauen kann.
Kartendarstellung und Beschreibung
Bei sehr inniger Durchdringung von Offenland und Wald kann in der Karte durch Zusatzschraffur auf einen Biotop- bzw. Lebensraumkomplex hingewiesen werden. In den Beschreibungen sind dann die Flächenanteile der einzelnen Typen anzugeben. Auf die Bildung von
Mischtypen wird aus DV-technischen Gründen verzichtet (s.o.). Komplexbiotope und –
lebensräume werden den jeweils vorherrschenden Typen zugeordnet und als solche DV19
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
technisch weiterverarbeitet.
Kommen in einem Gebiet sehr viele verschiedene LRTen vor (Wald und Offenland) oder
wechseln sich Bereiche mit intensiver Mischung und Bereiche mit einheitlichen Strukturen
ab, kann es in begründeten Ausnahmefällen sinnvoll sein, Wald- und Offenland-LRT auf getrennten Karten und mit ggf. unterschiedlichen Maßstäben darzustellen. Dies sollte jedoch auf
notwendige Ausnahmen beschränkt bleiben. Eine gemeinsame LRTK für Wald und Offenland
ist anzustreben.
4.4.2
Erstellung der Lebenraumtypenkarte
4.4.2.1 Kartierungsgrundlagen
Die Lebensraumtypenkarte wird auf der Basis folgender Unterlagen erstellt:
(1) Digitale Topographische Karte 1:25.000 (TK 25): liegt flächendeckend für Bayern vor.
(2) Digitales Orthophoto 1:10.000 (1:5.000): liegt in Echtfarben für Bayern vor. Jedes Jahr
wird ein Drittel der Landesfläche beflogen, so dass die Orthophotos nicht älter als 3 Jahre
sein sollten.
Diese beiden Kartierungsunterlagen stehen immer zur Verfügung. Die folgend aufgeführten
Unterlagen sind nicht immer vorhanden oder stehen möglicherweise nicht zur Verfügung. Sie
beschleunigen den Arbeitsfortschritt beträchtlich und sollten, wenn vorhanden, besorgt werden. Die Standortskarten als ganz entscheidende Unterlage für die Ausscheidung der Lebensraumtypen sollten auch im Privatwald über Verhandlungen mit den Waldbesitzern bzw. deren
Zusammenschlüssen besorgt werden.
(3) Standortskarte (analog oder digital)
(4) Forsteinrichtungskarte inkl. Revierbuch (analog oder digital)
(5) Inventurergebnisse (insbesondere aus FE-Stichprobeninventur im Staatswald)
Da die Unterlagen (3) bis (5) nicht immer und in z.T. unterschiedlicher Qualität vorliegen,
ergeben sich verschiedene Verfahren. Abb. 3 zeigt die Auswahl der geeigneten Verfahrens.
Sie werden in den folgenden Abschnitten beschrieben.
Da die Karten als ArcView Shape-Dateien abgeliefert werden müssen, ist es am effizientesten, von Anfang an digital zu arbeiten. Die Zeitersparnis beim Geländebegang ist beträchtlich.
20
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
Digitale Standorts- und
Forsteinrichtungskarten liegen vor
ja
nein
Digitales Verfahren
Analoge Karten liegen vor
ja
nein
Begangintensives
Verfahren mit Orthophoto
und TK 25
Leuchttischverfahren
Abb. 3:
Klassifizierung der Verfahren zur Ausscheidung von Lebensraumtypen
4.4.2.2 Digitales Verfahren
Wenn digitale Standorts- und Forsteinrichtungskarten vorliegen, kann mit einem geographischen Informationssystem (GIS) ein Verschneidungsverfahren angewandt werden, das den
Aufwand für die Erstellung der LRTK stark reduziert. Abb. 4 zeigt die einzelnen Schritte
vom Einsatz des GIS zur Erstellung der vorläufigen Lebensraumtypenkarte (VLRTK) über
den Begang bis zur endgültigen LRTK.
Abb. 5 zeigt die verschiedenen Stadien des Verschneidungsverfahrens. Aus der digitalen
Standortskarte wird dabei zunächst eine Karte potenzieller Lebensraumtypen entwickelt.
Wuchsbezirkssweise wird hierfür jeder Standortseinheit ein LRT zugewiesen. Dieser potenzielle Lebensraumtyp wird mit der Ist-Bestockung laut Forsteinrichtung verschnitten. Der
entscheidende Parameter ist dabei die auf Bestandsebene erhobene Bestandsform bzw. die
führende Baumart, ergänzt durch die Daten der Inventurpunkte.
Das Ergebnis der Verschneidung ist die VLRTK.
Da die Standortseinheiten nicht deckungsgleich mit den Bestandesgrenzen bzw. Probekreisen
der FE sind, und auch die Mischbaumarten nicht homogen über die Fläche verteilt sein müssen, ist eine Absicherung der VLRTK durch Überprüfung mit dem Orthophoto und einen Geländebegang erforderlich. Dieser ist jedoch deutlich weniger aufwändig als ohne VLRTK.
Auch ist eine Überprüfung der Zuordnung der Standortseinheiten zu den Lebensraumtypen zu
Beginn der Arbeiten wichtig. Hierfür müssen zu Beginn der Arbeiten einige Vegetationsaufnahmen an repräsentativen Stellen gemacht werden. Ergeben diese Änderungen in der Zuordnung der Standortseinheiten zu den LRTen, muß die VLRTK entsprechend aktualisiert werden.
Für verschieden Sonderstandorte, z.B. Moore, ist die Standortskartierung oftmals nicht differenziert genug (in der Regel sind alle Hochmoorflächen als Standortseinheit „919“ kartiert),
um eine vorläufige LRTK auf digitaler Basis erstellen zu können. Hier müssen ergänzend
vegetationskundliche und moorkundliche Aufnahmen erfolgen (vgl. Kartieranleitung, LANG
21
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
et al. 2004).
Im Hochgebirge ist dieses Verfahren nur in den (die Ausnahme darstellenden) standortskartierten Bereichen anwendbar (wie z.B. in Schwaben und im Nationalpark Berchtesgaden).
Allerdings bietet die im Hochgebirge besonders intensive Alpenbiotopkartierung hier u.U.
eine zusätzliche Hilfestellung.
Zum Stand Jahresende 2004 sind ca. 60 % der Standortskarten (ohne Hochgebirge) digitalisiert. Bei der Forstbetriebskarte (gesamter Staatswald) liegt der Digitalisierungsfortschritt bei
über 80 %.
Das Ablaufschema und die Zuständigkeiten bei der Erstellung der digitalen vorläufigen und
endgültigen LRTK zeigt Abb. 6.
Die Forstdirektion digitalisiert die Standortskarte und stellt diese in die Geodatenbank ForstGIS. Die LWF erhält aus der Geodatenbank die digitalisierte Forstbetriebskarte und die
Standortskarte. Hinzu kommen die digitale Topographische Karte (TK) 25 und die Orthophotos vom Landesvermessungsamt und ggfs. die digitale geologische Karte vom Geologischen
Landesamt. Auf der Basis dieser Grundlagen erstellt die LWF mit dem in Abb. 5 dargestellten
Verfahren die VLRTK. Bei schwierigen Verhältnissen bzw. nicht ohne weiteres gegebener
Zuordenbarkeit der Standortseinheiten zu Lebensraumtypen sollte vor der weiteren Bearbeitung der LRTK ein überprüfender Begang beispielhafter Bereiche mit der LWF erfolgen.
Der Planfertiger erhält über die Forstdirektion die VLRTK als ArcView Shape-Datei zusammen mit den anderen Unterlagen. Er korrigiert dann die vorläufige LRTK im Gelände und
liefert die endgültige LRTK (wiederum als ArcView Shape-Datei) an die Forstdirektion.
Während der ganzen Zeit der Planfertigung soll ein intensiver Informationsaustausch zwischen der LWF und der Forstdirektion erfolgen. Die LWF hat Schulungsmaterial zum
Gebrauch von ArcView bei der Erstellung der LRTK erstellt.
Erstellung einer vorläufigen Lebensraumtypenkarte
mit einem geographischen Informationssystem
Begang
Lebensraumtypenkarte
Abb. 4:
Arbeitsablauf bei der Erstellung der LRTK, wenn Standorts- und Forsteinrichtungskarte digital
vorliegen.
22
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
Verfahren zur Verschneidung von Standortskarte, Forstbetriebskarte, Revierbuch (FE-Datenbank)
zu einer vorläufigen Lebensraumtypenkarte (Dr. Kölling, LWF)
1. Aus der Standortskarte
abgeleitete Waldgesellschaftskarte
FFH-LEBENSRAUMTYPEN (pot.)
0000
9110
9130
9170
91E0
WALDGESELLSCHAFTEN
Galio odorati-Fagetum, kollin-submo
Galio sylvatici-Carpinetum
Genisto tinctoriae-Quercetum petrae
Hordelymo europaei-Fagetum
Luzulo luzuloidis-Fagetum, kollin-s
Pruno padis-Fraxinetum
2. Forstbetriebskarte
0 und Revierbuch
100
100
5
34
18
0
21
100
73
0
75
51
31
0
100
3
0
31
BESTANDESFORMENGRUPPE
Bu/Lbh
Eiche
Fichte
Fi-Lbh
Fi-Kie
Kiefer
Kie-Fi
Kie-Lbh
Sonstige
Keine Daten
15
Laubholzanteil in %
3. Überlagerung
FFH-LEBENSRAUMTYPEN (pot.)
0000
9110
9130
9170
91E0
BESTANDESFORMENGRUPPE
Bu/Lbh
Eiche
Fichte
Fi-Lbh
Fi-Kie
Kiefer
Kie-Fi
Kie-Lbh
Sonstige
Keine Daten
4. Verschneidung und
gutachtliche "Arrondierung"
FFH-LEBENSRAUMTYPEN (akt.)
9110
9130
9170
91E0
Abbildung 5: Abgrenzung der Lebensraumtypen mit GIS-Verfahren
Abb. 5:
Erstellung der VLRTK
23
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Forstdirektion
Übergabe der digitalen
Forstkarten in die
Geodatenbank
Digitalisierung
Informations-
der STK
transfer zur
Abnahme
der End-
Datenbank
produkte
n
ge
us
la
ta
or
us
i
dig
ten
ap
Sh
rv
t ie
ar
K
en
ta
ig
i
rd
de
be
Ab
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ga
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ar
nK
ma
ge
r
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lo
na
le
n
un
a
nd
d
im
nu
an
al
e
tal
og
ar
i
dig
Planfertiger
ge
r la
LWF
K
en
tal
sa
er
In
Be f o r
ra m a
t u t io
ng n
d
be
ga
ch
Ab
er
karten
d
be
STK, FÜK, Höhenflur-
ga
Bereitstellung von FBK,
Ab
Forst-GIS
n
- Erstellung der vorläufigen LRTK
- Verifizierung der vorläufigen LRTK im Feld
- Datenkonvertierung (sqd nach shape)
- Erstellung der LRTK und weiterer thematischer
- Steuerung und Koordination der
Karten
Kartiervorabläufe und -grundlagen
LVA, GLA,
Sonstige
Bereitstellung von
Zusatzinformation
(digit. TK, GK,
Orthofotos
Abb. 6:
Ablaufschema und Zuständigkeiten bei der vollständig digitalen Erstellung der Lebensraumtypenkarte
4.4.2.3 Leuchttischverfahren
Liegen Standorts- und Forsteinrichtungskarte gedruckt vor und ist eine Digitalisierung nicht
(rechtzeitig) möglich, ist das Verschneidungsverfahren im Leuchttischverfahren anzuwenden.
Basis der Abgrenzung der Lebensraumtypen ist auch in diesem Fall die Standortskarte. Den
Standortseinheiten werden die Lebensraumtypen zugewiesen, und anschließend aus der Forsteinrichtungskarte und dem Revierbuch entnommen, welche Baumarten auf der Fläche dieses
Lebensraumtyps dominieren. Entspricht die tatsächlich vorkommende Baumartenzusammensetzung weitgehend der potenziellen Baumartenzusammensetzung, handelt es sich um den
entsprechenden LRT. Maßgeblich ist FFH-LRT-Kartieranleitung (LANG et al. 2004).
Ergänzend wird die Zuordnung anhand des Orthophotos und der topographischen Karte
1:25.000 überprüft. Der SL ergibt sich automatisch als diejenigen Flächen, denen kein LRT
zugewiesen werden kann. Neben der Forsteinrichtungskarte ist insbesondere das Orthophoto
für die Ausgrenzung des SL ein wichtiges Hilfsmittel. Dieses Verfahren führt der Planfertiger
durch.
Auch diese analog erstellte VLRTK wird im Gelände überprüft (s. Abb. 7).
24
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Erstellung einer vorläufigen
Lebensraumtypenkarte am Leuchttisch
Begang
Lebensraumtypenkarte
Abb. 7:
Arbeitsablauf bei der Erstellung der Lebensraumtypenkarte, wenn Standorts- und Forsteinrichtungskarte gedruckt vorliegen.
4.4.2.4 Begangsintensives Verfahren
Stehen keine forstlichen Unterlagen zur Verfügung, ist eine Kartierung auf der Basis der Minimalunterlagen TK 25 und Orthophoto erforderlich. Mit diesen Unterlagen werden nach den
Kriterien der Kartieranleitung FFH-LRT (LANG et al 2004) die Lebensraumtypen ausgeschieden. Da in diesem Fall keine Standortskarte vorliegt, ist neben der Topographie und der
Baumartenzusammensetzung besonderes Augenmerk auf die Bodenvegetation zu legen.
4.4.2.5 Vorgehen bei heterogenem Informationsstand
In vielen Gebieten, welche sich aus Wald verschiedener Besitzarten zusammensetzen, liegen
auf Teilflächen unterschiedliche Informationen vor. Für einige Teilflächen kann z.B. die
Standortskarte, für andere nur die TK 25 und das Orthophoto vorliegen. Hier werden die unter
Kap. 4.4.2 beschriebenen Verfahren auf den entsprechenden Teilflächen angewandt. Es sollte
immer mit den Teilflächen mit dem besten Informationsstand begonnen werden, da von
dort aus Analogieschlüsse für die restlichen Flächen gezogen werden können. Diese Teilflächen sind Ausgangspunkte für die Lebensraumabgrenzungen der Nachbarflächen.
Am Ende aller genannten Verfahren steht die endgültige Lebensraumtypenkarte (LRTK).
4.4.3
Vegetationsaufnahmen
Es sollen in der Regel für jeden LRT Vegetationsaufnahmen angefertigt werden, um die Erstellung der VLRTK auf Basis der Standortskarte abzusichern (im Falle des digitalen Verfahrens) bzw. um die richtige Ansprache des LRT beim Begang sicherzustellen. Dabei ist wie
folgt zu verfahren.
Vorauswahl und Abgrenzung einer Probefläche (Repräsentativität, Homogenität, Größe
der Aufnahmefläche)
Folgende Kartengrundlagen, die von der LWF geliefert werden, eignen sich besonders für die
Vorauswahl von Probeflächen:
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Staatswald
• Karte der gutachtlichen Zuordnung natürliche Waldgesellschaft zu forstlicher
Standorteinheit.
• Karte der Baumartenzusammensetzung an den Forstlichen Inventurpunkten.
• Luftbild im Maßstab 1:10.000.
Privatwald
• Topografische Karte 1:25.000 mit Inventurpunkten.
• Luftbild 1:10.000.
• Auf Anfrage: Geologische Karte 1:10.000
Aus dem Vergleich der Karten werden zwei Inventurpunkte (bzw. im Privatwald bei schlechterer Datengrundlage vier Inventurpunkte) pro LRT ausgewählt, die nach ihrer Baumartenzusammensetzung möglichst naturnah sind und keine JD-Bestände darstellen. Sind die vorausgewählten Inventurpunkte geeignet, wird jeweils eine Vegetationsaufnahme angefertigt. Ist
der Inventurpunkt nicht geeignet (weil z.B. Fällungsmaßnahmen stattfinden, weil zu starke
Randeinflüsse vorliegen etc.), wird ein neuer, geeigneter Punkt ausgewählt.
Handelt es sich um einen Lebensraumtyp, der im FFH-Gebiet in verschiedenen Ausprägungen
bzw. Subtypen vorkommt, sollten die zwei Aufnahmen auf die 2 häufigsten davon verteilt
werden (Bsp. Hienheimer Wald - LRT 9130: eine Aufnahme vom Waldmeister-Buchenwald
i.e.S = Galio-Fagetum, die zweite Aufnahme vom Waldgersten-Buchenwald = HordelymoFagetum).
Größe der Aufnahmefläche
Für Wälder sollte die Größe der Aufnahmefläche mindestens 200 qm betragen (Minimumareal). Sie darf größer sein, allerdings nicht zu groß (sonst Probleme mit Homogenität und Überschaubarkeit der Aufnahmefläche) (vgl. Abb. 8)
Abb. 8:
: Aufnahmeflächen-Erfahrungswerte und Arten-Flächengröße Beziehung
26
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Innerhalb der Aufnahmeflächen erfolgt eine Schätzung der Artmächtigkeit nach der Skala von
BRAUN-BLANQUET:
Die Verwendung von Zwischenstufen
(a, b) ist nicht obligatorisch.
(Die 2. Ziffer (Soziabilität) wird heute kaum noch verwendet, ist jedoch
noch in einigen Vegetationsaufnahmen angegeben - z.B. in der NaturwaldreservatsDatenbank der LWF
(z.B. Fagus sylvatica 5.5)).
Günstige Aufnahmezeitpunkte
Die Aufnahmen müssen zu einem geeigneten Zeitpunkt erfolgen. Dies ist ggfs. bei der Jahresplanung zu berücksichtigen. Die günstigsten Zeitpunkte sind für Laubwälder nach
Dierschke (1994):
a) zwei Aufnahmedurchgänge (April-Mai/Juni-Juli):
Artenreiche Laubwälder
b) ein Aufnahmedurchgang (ab Mai) meist ausreichend: artenarme Laubwälder
Aufnahmeformular
Das zu verwendende Aufnahmeformular findet sich in der Anlage.
Besonderes Augenmerk ist darauf zu legen, dass die Kopfdaten (Bearbeiter, Aufnahmezeitpunkt, Aufnahmenummer = Nummer des nächstgelegenen Inventurpunktes, Ortsangabe, Größe Aufnahmefläche, etc.) vollständig ausgefüllt sind. Wichtig ist ferner auch, dass die Aufnahmefläche in etwa wiedergefunden werden kann.
Eine Vegetationsaufnahme dauert durschschnittlich ca. 30 Minuten (zwischen 10 und 45 Minuten). Schwierige Artengruppen / Moosarten können in Ausnahmefällen durch die LWF
nachbestimmt werden.
Die Ergebnisse der Vegetationsaufnahmen (v.a. Verbesserungsvorschläge werden mit der
LWF besprochen. Gegebenenfalls erfolgt eine Korrektur der VLRTK.
4.4.4
Einsatz von Feldcomputern
Der Einsatz eines Feldcomputers, ggfs. in Verbindung mit GPS-Geräten, kann die Arbeiten
spürbar beschleunigen. Die Möglichkeiten der Verwendung sollen daher mittelfristig geprüft
werden.
27
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4.5
Bewertung des Erhaltungszustands der Lebensraumtypen
Nach Artikel 2 Abs. 2 der FFH-Richtlinie ist der „günstige Erhaltungszustand“ der Schutzobjekte zu bewahren und bei schlechter Ausgangslage wiederherzustellen. Der Planfertiger
muss daher den Erhaltungszustand der Lebensraumtypen (und der Arten) bewerten.
Sehr wichtig ist die Feststellung, dass Kartierung und Bewertung der WaldLebensraumtypen methodisch streng voneinander getrennt zu betrachten sind.
Die Kartierung eines Lebensraumtyps ist unabhängig von seinem Erhaltungszustand durchzuführen, gemäß der Kartieranleitung für die Lebensraumtypen (LANG et al. 2004).
4.5.1
Bewertungsstufen
Der Erhaltungszustand wird in die drei von der EU vorgegebenen Wertstufen eingeteilt:
A
B
C
„hervorragend“
„gut“
„mittel bis schlecht“
Da es sich bei den von der EU vorgegebenen Bewertungsstufen A, B und C um eine ordinale
Skalierung handelt, ist es nur unter bestimmten mathematischen Voraussetzungen korrekt, mit
diesen Stufen selbst zu rechnen (u.a. müßten die Intervalle gleich groß sein, d.h. wenn "B"=2
und "C"=1 gesetzt wird, müßte "B" im Mittel doppelt so gut sein wie "C").
Ein weiteres Problem ist, dass so grobe Klassen über Rundungen häufig zu einem wenig differenzierten Ergebnis führen.
Daher sollten alle Merkmale möglichst in einer Skala von 1 bis 9 (1 = "C-" und 9 = "A+") mit
gleich großen Intervallen eingewertet werden (oder bei meßbaren Werten in %), und dann erst
am Schluß in Form dieser Werte verrechnet werden:
Wertstufe
A+
A
AB+
B
BC+
C
C-
Rechenwert
9
8
7
6
5
4
3
2
1
(Der Wert 0 entspricht einem gar nicht erfüllten Merkmal („D“)).
Dabei ist wie folgt vorzugehen:
Bei Merkmalen, deren möglicher Wertbereich begrenzt ist, ergibt sich die Skalierung durch
eine Aufteilung des jeweiligen Wertbereiches (vgl. Tab. 3) in gleich große (bzw. breite) Klassen. Bei multifaktoriellen Bewertungsmerkmalen (z.B. Baumartenanteile, wo der Wert ja u.a.
auch vom Anteil fremdländischer Baumarten abhängt), ist das Verfahren ggfs. sinngemäß
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anzuwenden (gutachtlich).
Bei nach oben offenen Merkmalen (z.B. Totholz, Biotopbäume) wird die Wertstufe „A+“ mit
dem doppelten Wert von „B“ gleichgesetzt, d.h. höhere Werte ergeben keine Erhöhung der
Wertstufe mehr. Die Wertstufen werden dann wiederum in gleich breite Intervalle aufgeteilt.
Im Zweifelsfall genügt für die Zuordnung zu den 9stufigen Wertstufen eine gutachtliche Einwertung: liegt der Wert im Mittelbereich des für die Wertstufe zulässigen Wertebereiches,
wird er nicht weiter differenziert, liegt er an dessen oberer oder unterer Grenze, wird er mit +
oder - entsprechend auf- oder abgestuft.
4.5.2
Räumliche Bewertungseinheit
Bewertet wird entsprechend der FFH-RL und des Standard-Datenbogen (SDB) jeder Lebensraumtyp bzw. ggfs. (sofern sinnvoll) Sub-Lebensraumtyp. Bei großen Gebieten und/oder
räumlich getrennten Teilflächen (z.B. Mooren), sowie bei punktförmigen Lebensraumtypen
(z.B. Kalktuffquellen, Höhlen) sollen soweit erforderlich auch Teilflächen als Bewertungsebene in Betracht gezogen werden (z.B. Gebietsteile nördlich und südlich übergeordneter
Verkehrsachsen o.ä.).
Der forstliche Bestand oder ähnlich kleine räumliche Einheiten scheiden als Bewertungseinheiten aus, da die Erfassung der Bewertungsmerkmale in Form von Stichprobenaufnahmen
auf dieser Ebene keine statistische Sicherheit bietet. Mehrere der Bewertungsmerkmale (s.u.),
wie z.B. die Entwicklungsstadien, sind auf kleinen Flächen nicht sinnvoll zu bewerten. Junge
Bestände sind für sich betrachtet nichts „Schlechtes“, sondern sogar zwingende Voraussetzung für das nachhaltige Vorkommen des Lebensraumtyps. Erst die Verteilung der LRT auf
die Entwicklungsphasen kann sinnvollerweise bewertet werden.
Hinweise zu räumlichen Schwerpunkten wertgebender Elemente, Gefährdungen o.ä. sollen
aber im Plan später möglich sein, möglichst auch in kartographischer Form.
4.5.3
Bewertungsmerkmale
Es werden für jeden vorkommenden Lebensraumtyp drei Kriterien bewertet und miteinander
verrechnet:
-
Habitatstrukturen
Lebensraumtypisches Arteninventar
Beeinträchtigungen
Die Merkmale definieren sich gemäß LANA/FCK (BURCKHARDT et al. 2004) wie folgt
(Tab. 2):
Tab. 2:
Kriterien
Definition der Bewertungsstufen der Merkmale des Erhaltungszustandes von Lebensraumtypen
A
B
C Mittlerer bis schlechter
Sehr guter Erhaltungszu- Guter Erhaltungszustand
Erhaltungszustand
stand
Habitatstrukturen
Hervorragende
Ausprä- Gute Ausprägung
Mittlere bis schlechte
gung
Ausprägung
Lebensraumtypisches
Vorhanden
Weitgehend vorhanden
Nur in Teilen vorhanden
Arteninventar
Beeinträchtigungen
Gering
Mittel
Stark
29
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Grundsätzlich ist der Bewertungsmaßstab nicht die theoretische optimale Ausprägung, sondern die im konkreten Gebiet potenziell natürlicherweise anzunehmende Ausprägung. Ist also
ein Gebiet von Natur aus nur ein suboptimaler Lebensraum einer Anhang II-Art oder beherbergt es einen bestimmten LRT nur kleinflächig und in untypischer Ausprägung (z.B. in Übergängen zu einem anderen LRT), so ist dies der Bewertungsmaßstab. Kommt die Realität
diesem Maßstab nahe, so kann auch ein (von Natur aus) suboptimal ausgeprägter LRT oder
Habitat einer Art den Zustand „A“ haben. Es handelt sich also um eine relative, nicht eine
absolute Bewertung.
Die Aufnahme der Merkmale für das Kriterium „Habitatstrukturen“ erfolgt über Stichproben
oder qualifizierten Begang (s.u.). Die notwendigen Informationen für die Bewertung des „lebensraumtypischen Artinventars“ und der „Beeinträchtigungen“ werden ebenfalls durch den
Kartierer, oder ggfs. im Wege spezieller Gutachten (Artkartierungen) bzw. vorzugsweise
durch das Einholen und Aufbereiten entsprechender vorhandener Informationen ermittelt.
4.5.3.1 Bewertungsmerkmal „Habitatstrukturen“
Zur Ansprache des Kriteriums „Habitatstrukturen“ werden 5 Merkmale aufgenommen (vgl.
Tab. 3).
Tab. 3:
Merkmale zur Bewertung der „Habitatstrukturen“
Merkmal (Gewichtung)
1. Baumartenanteile, BA
(35%)
Erläuterung
In 5%-Stufen: Grundfläche, im Jugendstadium Stammzahlanteile
Grund- und Schirmfläche sind in aller Regel sehr eng miteinander korrelliert, so dass die Grundfläche (als zuverlässiger Weiser für die
schwieriger meßbare Schirmfläche) verwendet wird.
2. Entwicklungsstadien,
ES (15%)
In stammzahlarmen Altbeständen mit das Bestandsbild dominierender
Verjüngung kann auch diese herangezogen werden, um das Kriterium
BA anzusprechen.
Im Anhalt an die Forsteinrichtungsrichtlinie der Bayerischen Staatsforstverwaltung (FER 2001 (Entwurf) bzw. die Anleitung zur Phasenkartierung im Hochgebirge (StMLF 1982b):
Jugendstadium: Aufwachsen bis Dickungsschluss
Wachstumsstadium: Vorratsaufbau bis Kulmination des laufenden Zuwachses
Reifungsstadium: Abklingen des Vorratsaufbaus und der Zuwachsleistung, vitales Erscheinungbild
Verjüngungsstadium: Hochwachsen der Verjüngung im Schutz der
Altbäume
Altersstadium: Natürlicher Vorratsabbau mit beginnendem Zerfall
durch alters- und gesundheitsbedingte Ausfälle, geringe Lebenserwartung
Plenterstadium: Mindestens dreischichtige Waldstruktur, inkl. Unterschicht und Vorausverjüngung (bei schwieriger Erfassung mit Verjüngungsstadium zusammenfassen)
Grenzstadium: Bestockung auf standörtlichen Grenzstandorten
3. Schichtigkeit,
ST(10%)
Ein-, zwei- oder mehr-/dreischichtig/ Plenterstruktur
30
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Unterscheidung stehend/liegend; erhoben getrennt nach Laub- und Nadelholz und drei Stärkeklassen (s. Anlage); Mindestdurchmesser 21 cm,
gemessen 1,3 m vom dickeren Ende (liegend) oder in Brusthöhe (stehend), auf 0,5 fm genau geschätzt.
Biotopbäume (Definition vgl. Anlage) unterteilt nach den Baumarten(gruppen) Buche, Eiche, sonstige Laubbäume und Nadelbäume:
- Baum mit (erkennbaren) Stammfäulen und Konsolen
- Höhlenbaum (Spechthöhlen, ausgefaulte Naturhöhlen)
- „Bizarrform“ (starkastiger, landschaftsprägender Solitärbaum)
- Uraltbaum
- Horstbaum (Großhorste, z.B. von Greifvögeln)
4. Totholz,
TH (20%)
5. Biotopbäume
BB (20%)
Die Merkmale werden entsprechend Tabelle 4 bewertet.
Tab. 4: Definition der Wertstufen für die Merkmale des Kriteriums „Habitatstrukturen“. Es müssen jeweils alle
Bedingungen erfüllt sein, sofern diese nicht mit „oder“ verknüpft sind.
Erhebungsmerkmal
Wertstufe
B
gut
A
hervorragend
Baumartenanteile
(BA) 1
Gesellschaftstypische:
H = Hauptbaumart
N = Nebenbaumart
P = Pionierbaumart
0
50
70 80 100%
0
30
50
H mind. 50%
H
H+N mind. 70%
H+N mind. 50%
H+N+P
Gesellschaftsfremde:
hG = heimisch
nG = nicht heimisch
30
mind. 90%
H+N+P
hG max. 10%
nG max. 1%
70 80 100%
Erfüllt nicht die Anforderungen der Wertstufe B (ist
jedoch LRT i.S.d. Kartieranleitung)
mind. 30%
mind. 80%
hG
max. 20%
nG
max. 10%
Jede Hauptbaumart muss
mit mind. 5 % vertreten
sein.
Nicht heimische (nG) dürfen nur mit maximal1%
vertreten sein.
Entwicklungsstadien
(ES)
Schichtigkeit (ST) 2
C
mittel bis schlecht
Jede Hauptbaumart muss
mit mind. 1 % vertreten
sein.
Keine nadelblättrige Neben- oder Pionierbaumart
(außer Tanne und Eibe)
darf mit mehr als 50%
vertreten sein.
Nicht heimische (nG) dürfen nur mit maximal 10%
vertreten sein.
Mindestens 5 Stadien vor- Mindestens 4 Stadien vorhanden, davon alle > 5 %. handen, davon alle > 5 %.
Auf >50 % der Fläche Auf 25 bis 50% der Fläche
mehrschichtig.
mehrschichtig.
Erfüllt nicht die Anforderungen der Wertstufe B.
Erfüllt nicht die Anforderungen der Wertstufe B
Erfüllt nicht die Anforderungen der Wertstufe B.
Totholz (TH) 3
Wert liegt über der Refe- Wert liegt innerhalb der Erfüllt nicht die Anforderenzspanne.
Referenzspanne.
rungen der Wertstufe B.
Biotopbäume (BB) 4
Wert liegt über der Refe- Wert liegt innerhalb der Erfüllt nicht die Anforderenzspanne.
Referenzspanne.
rungen der Wertstufe B.
1
Eine Liste der gesellschaftstypischen Haupt-/Neben-/Pionierbaumarten nach Wuchsbezirken und Höhenstufen
enthält Anlage 7.
Hauptbaumarten sind die Baumarten, die im oberen Kronenraum dominieren.
Nebenbaumarten sind obligate Begleiter, die im oberen Kronenraum nicht dominieren.
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Pionierbaumarten sind die Baumarten, die den Standort in frühen Stadien der Sukzessionsentwicklung nach
einer Störung besiedeln.
Die Formulierung „jede Baumart“ ist in Lebensraumtypen, die sich aus einer (wechselnden und regional unterschiedlichen) Vielzahl von Hauptbaumarten zusammensetzen (z.B. Auwäldern, Schluchtwäldern) flexibel anzuwenden.
In Moorwäldern (91D0) ist die Bewertung der Baumartenanteile problematisch, da Baumarten, die in einem
Sub-LRT Hauptbaumart sind, in anderen Sub-LRTen natürlicherweise vollständig fehlen. Moorwälder sollen
daher soweit möglichst nach Sub-LRTen getrennt ausgeschieden werden, und nur die restlichen LRT-Flächen
sollen als 91D0 ausgeschieden werden. Dort darf dann bei der Baumartenbewertung maximal der Wert „B“
vergeben werden, d.h. „A“ ist nicht zulässig.
Hybriden aus heimischen und nichtheimischen Arten, wie z. B. Hybridpappel (Populus X euramericana), fließen
mit dem halben Anteil als "nG" ein. Besteht eine starke Neigung der Hybridbaumart, sich zu verjüngen, so muß
dies ggfs. unter "Beeinträchtigungen" bewertet werden.
2
„Mehrschichtigkeit“ ist relativ weit zu fassen, beinhaltet also auch zweischichtige Bestandsteile. Bewertungsmaßstab (Optimalzustand) ist nicht Plenterstruktur auf ganzer Fläche. Auch einschichtige Teilbereiche erhöhen
die Strukturvielfalt, und sind auch Voraussetzung für das Vorkommen bestimmter Arten.
3
Zu den nach Lebensraumtypen differenzierten Referenzwerten für Totholz s. Anlage 6. Sie entsprechen der
Totholzmenge in naturnahen Beständen in Abhängigkeit von der Waldgesellschaft. Bezugsgröße ist der gesamte
LRT, über alle Entwicklungsphasen hinweg.
4
Zu den nach Lebensraumtypen differenzierten Referenzwerten für Biotopbäume s. Anlage 6. Für die Kalkulation der durchschnittlichen Anzahl Biotopbäume pro ha Lebensraumtyp werden sowohl die vier Baumarten(gruppen) als auch die 5 „Biotopbaumklassen“ zusammengefasst (die genaue Aufnahme soll ggf. weitere
naturschutzfachliche Auswertungen ermöglichen).
Das Fehlen älterer Entwicklungsphasen ist ausdrücklich kein Grund für das Fehlen entsprechender Totholz- und
Biotopbaumvorräte. Durch entsprechende Berücksichtigung enthalten auch jüngere Entwicklungsphasen naturnaher Ausprägung in ausreichendem Umfang, entsprechend der Werte in den Anlagen 5 und 6, Totholz und
Biotopbäume.
Die Referenzspannen für Biotopbäume und Totholz gelten auch, wenn ältere Entwicklungsstadien weitgehend
fehlen. Bei der Formulierung von Erhaltungsmaßnahmen sollte dieses Fehlen jedoch angemessen (durch das
Vorsehen entsprechender Maßnahmen) berücksichtigt werden.
Errechnung des Gesamtwertes für das Merkmal „Habitatstrukturen“:
Der Gesamtwert für das Kriterium „Habitatstrukturen“ errechnet sich nach der folgenden Formel:
Wert = BA*0,35 + ES*0,15 + ST *0,10 + TH*0,20 + BB*0,20
Rechenbeispiel:
BA:
ES:
ST:
TH:
BB:
BBC
BB
=4
=4
=2
=4
=5
ergibt: 4 * 0,35 + 4 * 0,15 + 2 * 0,1 + 4 * 0,2 + 5 * 0,2 = 4,0 = B
Die Baumartenzusammensetzung ist das bedeutendste Merkmal für die Naturnähe eines Bestandes. Ohne das Dominieren der Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft können alle
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anderen Faktoren keinen naturnahen Zustand ergeben. Daher wird dieses Kriterium am stärksten gewichtet.
Sind in begründeten Ausnahmefällen und in Absprache mit der LWF weitere Bewertungsmerkmale oder eine abweichende Gewichtung als in Tab. 2 sinnvoll, kann der Gutachter diese
in die Berechnung einbeziehen. Die Gewichtung ist dann anzupassen (wobei die Summe der
Gewichtungsfaktoren darf 1 natürlich nicht überschreiten darf.)
4.5.3.2 Bewertungsmerkmal „lebensraumtypisches Arteninventar“
Die Herleitung dieses Bewertungskriteriums erfolgt über sogenannte charakteristische Arten
bzw. Leitarten (Art. 1 FFH-RL).
Die Richtlinie läßt offen, ob mit dem „lebensraumtypischen Artinventar“ Tier- oder Pflanzenarten gemeint sind. Regelmäßig werden in den FFH-Gebieten die Baumarten, die Verjüngung
und die Bodenpflanzen (einschließlich der Sträucher) als charakteristische Arten erfasst, ergänzt durch ausgewählte Leitarten oder Artengruppen der Fauna, wo dies sinnvoll und erforderlich ist.
a) Baumarten
Anders als im Kriterium „Habitatstrukturen“, werden hier die Baumarten als Arten betrachtet
(und nicht als Klassen Haupt- und Nebenbaumarten usw.) und die Vollständigkeit des Vorkommens der zu erwartenden Arten bewertet. Viele der Mischbaumarten sind auch hervorragende Weiser für den Zustand von LRTen. So kommen mehrere Auwald-Baumarten nur dann
nachhaltig vor, wenn der Bestand regelmäßig überschwemmt wird und/oder Rohbodenauflandungen erfolgen (z.B. Schwarzpappel, Silberpappel, Flatterulme, Silber- und Lavendelweide).
Tab. 5:
Bewertung des Merkmals „Baumarteninventar“
A
B
C
Alle Baumarten der natürlichen die Baumarten der natürlichen erfüllt nicht die Anforderungen für
Waldgesellschaft (H, N) kommen Waldgesellschaft sind weitgehend B
vor (mind. 1% Anteil, es sei denn, vorhanden, jedoch teilweise unter
die Baumart ist von Natur aus selte- 1% Anteil, oder es fehlen einige
ner als dieser Anteil)
Baumarten oder sind unter der
Nachweisgrenze
Die Tabellen in der Anlage 7 (Baumarten pro LRT nach Wuchsgebieten) dienen als Referenz
für die zu erwartenden Baumarten, können aber vom Planersteller für das konkrete Planungsgebiet modizifiert werden. Dies ist im Plan ggfs. kurz zu erläutern.
Natürlicherweise extrem seltene Baumarten (z.B. Speierling), sofern sie nicht lokal in bestimmten LRTen häufiger sind, können in der dargestellten Form nicht zum Maßstab gemacht
werden und dürfen daher in die Betrachtungen nicht bzw. nur eingeschränkt eingebracht werden. Das gilt für alle Baumarten, die je nach angewandtem Inventurverfahren aufgrund ihrer
Seltenheit oder ihres geklumpten Auftretens schlecht erfassbar sind. Der Kartierer begründet
ggfs. eine gutachtliche Einwertung zu diesen Baumarten.
b) Verjüngung
Die Verjüngung wird in der Regel im Wege der Inventur zusammen mit den Merkmalen des
Bewertungsmerkmals „Strukturen“ erhoben (s.o). Erhoben werden die Baumartenanteile der
33
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gesicherten Verjüngung (idR > 20 cm) in %. Bewertet wird die Baumartenzusammensetzung
der Verjüngung, nicht ihr Deckungsgrad. Ist keine Verjüngung vorhanden, wird das Merkmal
nicht bewertet. Sollte Verjüngung von den Entwicklungsstadien her vorkommen und fehlt
(z.B. aufgrund von Wildverbiß), muß dies im Kriterium „Beeinträchtigungen“ entsprechend
Niederschlag finden.
Da mit der Verjüngung die Weichen für das zukünftige Vorkommen von LRTen gestellt werden, ist es ein sehr bedeutungsvolles Merkmal. Nur Baumarten, die in der Verjüngung in ausreichenden Anteilen vertreten sind, können auch in den späteren Stadien der
Bestandsentwicklung eine Rolle spielen. Gerade die seltenen Mischbaumarten, häufig den
Klimaxbaumarten in der Konkurrenz unterlegen, und häufig auch besonders gefährdet durch
Wildschäden, können nur dann über alle Entwicklungsstadien hinweg vertreten sein, wenn
ausreichende Anteile in der Verjüngung gesichert werden. Daher sind die Schwellen hier
höher angesetzt als beim Merkmal „Vollständigkeit der Baumarten“. Andererseits ist die
Baumartenzusammensetzung der Verjüngung weitaus dynamischer als die der Baumschicht.
Ferner sind hier auch die Pionierbaumarten (P) enthalten, die für die biologische Vielfalt (z.B.
phytophager und xylobionter Insekten) oft eine besondere Rolle spielen und bei naturnahen
Abläufen sowohl der Naturverjüngung als auch bei Störungen in der Regel eine nennenswerte
Rolle in der Verjüngung spielen.
Tab. 6:
Bewertung des Merkmals „Baumarteninventar der Verjüngung“
A
B
C
Alle Baumarten der natürlichen die Baumarten der natürlichen erfüllt nicht die Anforderungen für
Waldgesellschaft (H, N, P) kommen Waldgesellschaft sind in der Ver- B
in der Verjüngung vor (mind. 3% jüngung weitgehend vorhanden,
Anteil, es sei denn, die Baumart ist jedoch teilweise unter 3% Anteil,
von Natur aus seltener als dieser oder es fehlen einige Baumarten
Anteil);
oder sind unter der NachweisgrenAnteil gesellschaftsfremder Baum- ze;
arten < 10%; nicht heimische Anteil gesellschaftsfremder BaumBaumarten < 1% Anteil
arten maximal 20%; nicht Heimische < 10%
c) Flora
Waldgesellschaften sind regelhafte, typisierbare Vergesellschaftungen von Pflanzen, die sich
durch bestimmte Arten (v.a. Kenn- und Trennarten) von anderen Vegetationstypen unterscheiden. Trennarten = Differenzialarten grenzen Vegetationstypen nach bestimmten Richtungen ab. Kennarten = Charakterarten grenzen nach allen Richtungen ab und sind eigentlich nur ein Sonderfall von Differenzialarten. In pflanzensoziologischen Standardwerken wie
z.B. O BERDORFER (1992) ist umfassendes Aufnahmematerial enthalten, so dass durch Vergleich mit den dortigen Tabellen eine Waldgesellschaft an ihrer charakteristischen Artenverbindung, v.a. an den Kenn- und Trennarten, aber auch an den steten Begleitern erkannt werden kann.
Sind die vorkommenden Waldgesellschaften aus den angefertigten Vegetationsaufnahmen
bekannt, werden pro relevanter Waldgesellschaft auf Basis von OBERDORFER (1992) 15
Leitarten (Sträucher, Schlingpflanzen, Kräuter, Gräser, Farne, Moose) ausgewählt (Ausnahme: artenarmer HainsimsenBuchenwald: 9 charakteristische Leitarten). Die endgültige Festlegung kann über die Auswertung von benachbarten Naturwaldreservaten, Verbreitungskarten
(floraweb.de) und Rückfragen bei der LWF unterstützt werden.
Als Leitarten sind geeignet (Abkürzungen und Symbole nach OBERDORFER 1992):
34
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•
•
•
Kenn- und Trennarten (A = Assoziationskennarten, DA = Assoziationstrennarten, d =
Subassoziationskennarten, V = Verbandskennarten, UV = Unterverbandskennarten, DV =
Verbandstrennarten, O = Ordnungskennarten, K = Klassenkennarten).
geographische Trennarten (U) und Höhen-Trennarten (δ),
stete Begleiter (B).
Erstellung einer vorläufigen Leitarten-Liste
Die vorläufige Leitarten-Liste enthält alle Leitarten, die in den maßgeblichen Vegetationstabellen bei OBERDORFER (1992) mit mindestens mittlerer Stetigkeit (d.h. in mindestens 41
% der Aufnahmen) vertreten sind.
Erstellung einer endgültigen Leitarten-Liste
Enthält die Liste nach der ersten Zusammenstellung mehr als 15 Arten, werden zunächst Begleiter gestrichen, da sie am unspezifischsten sind. Enthält die Liste weniger als 15 Arten,
müssen Arten ergänzt werden, die eine geringere Stetigkeit als 41 % aufweisen (immer die
nächst häufigeren; möglichst keine Begleiter).
Die Stetigkeitsklassen sind wie folgt definiert (Tab. 7):
Tab. 7:
Stetigkeitsklassen der Vegetation
Stetigkeitsklasse
Stetigkeit
Beschreibung
I
1-20%
sehr geringe Stetigkeit
II
21-40%
geringe Stetigkeit
III
41-60%
mittlere Stetigkeit
IV
61-80%
hohe Stetigkeit
V
81-100%
sehr hohe Stetigkeit
Beispiel Hienheimer Wald
Für das FFH-Gebiet 7036-302 „Hienheimer Wald“ sind folgende Vegetationstabellen in
OBERDORFER (1992) maßgeblich:
• LRT 9130: Galio-Fagetum: Tab. 329, Sp. 7, Hordelymo-Fagetum: Tab. 333, Sp. 4.
• LRT 9180: Aceri-Tilietum: Tab. 316, Sp. 6.
Die für den LRT 9130 festgelegten Leitarten (aus Galio- und Hordelymo-Fagetum):
Tab. 329
Sp. 7
Tab. 333
Sp. 4
Leitart
Nr.
DA Hordelymo-Fagetum
Actaea spicata
Mercurialis perennis
Campanula trachelium
Daphne mezereum
54 (III)
81 (IV)
51 (III)
44 (III)
1
2
3
4
geographische Trennarten
Lathyrus vernus
Asarum europaeum
50 (III)
50 (III)
5
6
V Fagion
Galium odoratum
Luzula luzuloides
80 (IV)
71 (IV)
70 (IV)
17 (I)
7
8
O Fagetalia
Milium effusum
Viola reichenbachiana
Carex sylvatica
Dryopteris filix-mas
Lamium galeobdolon
82 (V)
62 (IV)
57 (III)
46 (III)
31 (II)
48 (III)
51 (IV)
35 (II)
64 (IV)
90 (V)
9
10
11
12
13
K Querco-Fagetea
Anemone nemorosa
52 (III)
37 (II)
14
Begleiter:
Oxalis acetosella
78 (IV)
48 (III)
15
35
Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft
LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
Die für den LRT 9180 festgelegten Leitarten (im FFH-Gebiet wurde nur das Aceri-Tilietum
nachgewiesen):
Tab. 316
Sp. 6
Leitart
Nr.
DA Aceri-Tilietum
Cornus sanguinea
Convallaria majalis
Melica nutans
Viola mirabilis
Carex digitata
51 (III)
46 III)
40 (II)
36 (II)
21 (II)
1
2
3
4
5
Tilio-Acerion (DV, UV)
Geranium robertianum
Corylus avellana
42 (III)
83 (V)
6
7
69 (IV)
63 (IV)
45 (III)
38 (II)
37 (II)
37 (II)
8
9
10
11
12
13
45 (III)
62 (IV)
14
15
O Fagetalia
Mercurialis perennis
Lamium galeobdolon
Campanula trachelium
Asarum europaeum
Galium odoratum
Galium sylvaticum
K Querco-Fagetea
Hedera helix
Lonicera xylosteum
Lebensraumtypisches floristisches Arteninventar
Das lebensraumtypische floristische Arteninventar wird zunächst durch einen Vergleich der
eigenen Vegetationsaufnahmen mit der Leitartenliste verglichen und nach Tab. 8 bewertet.
Tab.8:
Schwellenwerte für das lebensraumtypische floristische Arteninventar
Schwellenwerte:
9 Arten*)
15 Arten
Qualität
Erhaltungszustand A:
13 -15 Arten
8-9 Arten
herausragend
Erhaltungszustand B:
7 -12 Arten
5-7 Arten
charakteristisch
Erhaltungszustand C:
bis 6 Arten
bis 4 Arten
fragmentarisch
') nur für natürlicherweise artenarme Wald-LRTen, insbesondere den HainsimsenBuchenwald zugrundezulegen.
Sollten bereits mit den Vegetationsaufnahmen der Erhaltungszustand A nachgewiesen werden, ist keine weitere Nachsuche erforderlich. Wird Erhaltungszustand B oder C festgestellt,
sollte bei der Kartierung nach den nicht in den Vegetationsaufnahmen enthaltenen Leitarten
Ausschau gehalten werden.
Beispiel Hienheimer Wald
• Im LRT 9130 sind in den Vegetationsaufnahmen 11 der 15 Leitarten enthalten.
• Im LRT 9180 wurden ebenfalls 11 der 15 Leitarten festgestellt.
Mit den Vegetationsaufnahmen wurde dokumentiert, dass der LRT 9130 hinsichtlich seiner
Artenausstattung mindestens charakteristisch ausgebildet ist (Erhaltungszustand B). Bei gezielter Nachsuche ist anzunehmen, dass weitere Leitarten gefunden würden und möglicherweise sogar der Erhaltungszustand A vorliegt.
Der LRT *9180 zeigt ebenfalls eine charakteristische Artenausstattung (Erhaltungszustand
B). Da er nur sehr kleinflächig ausgebildet vorkommt, dürfte er vermutlich auch bei gezielter
Nachsuche keine herausragende Artenausstattung aufweisen.
36
Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft
LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
Bei den Pflanzenarten können ferner ergänzend auch ausgewählte Leitarten, wie im folgenden
Abschnitt „Fauna“ erläutert, zur Bewertung herangezogen werden. Die Verrechnung mit den
Ergebnissen der Vegetationsaufnahmen erfolgt gutachtlich und unter Angabe einer kurzen
Begründung.
d) Fauna
Zusätzlich zur Vegetation können je nach Gebiet und vorkommenden Lebensraumtypen von
der Forstdirektion in enger fachlicher Abstimmung mit der LWF auch Leitarten der Fauna
ausgewählt werden (aus einem Katalog besonders geeigneter Leitarten bzw. habitattypischen
Arten der einzelnen Lebensraumtypen, der in LANG et al. 2004 als Anlage enthalten ist). Die
Auswahl der Leitarten soll in der Regel auch mit der Höheren Naturschutzbehörde fachlich
abgestimmt werden.
Nicht für jeden LRT in jedem Gebiet müssen faunistische Leitarten ausgewählt werden. Die
Auswahl solcher Leitarten orientiert sich an dem zusätzlichen Nutzen, den sie als charakteristische, spezialisierte oder besonders typische Arten für die Bewertung eines Lebensraumtyps
bieten. Sie werden also anders als Anhang II-Arten ausschließlich zweckorientiert kartiert.
Es sollen insbesondere Leitarten ausgewählt werden, die einfach zu erfassen sind und die Informationen liefern über:
- besondere Habitatrequisiten
- besondere Habitatqualitäten
- Habitattradition
- Minimalareal-Fragen
- Lebensraumvernetzung
- Vorkommen der typischer Artengemeinschaften (im Sinne von „Umbrella species“)
Für zonale Wälder (Buchen- und Eichenwälder) kommen in der Regel eher ausgewählte Wirbeltierarten mit ihren größeren Raumansprüchen in Betracht (z.B. ausgewählte Spechte, Höhlenbrüter), für azonale Wälder, Wälder auf Sonderstandorten und kleinflächige LRTVorkommen eher wirbellose Artengruppen.
Die Bewertung soll im Anhalt an das Schema in Tab. 9a durchgeführt werden:
Tab. 9a:
Bewertung des Merkmals „lebensraumtypisches faunistisches Arteninventar“ (ausgewählte
Leitarten)
Erhaltungszustand
A
B
C
Verbreitung der nachge- im potenziellen Habitat im im potenziellen Habitat im erfüllt nicht die Anfordewiesenen Leitarten im pot. Gebiet weit verbreitet, auf Gebiet weit verbreitet, auf rungen für „B“
Habitat des Gebietes
ca. über 50% der (LRT-) mind. ca. 30% der (LRT-)
Fläche vorkommend
Fläche vorkommend
Beständigkeit der Popula- Leitarten-Populationen
Leitarten-Populationen
erfüllt nicht die Anfordetionen
stabil und tragfähig, lang- zumindest
mittelfristig rungen für „B“
fristig gesichert und unge- gesichert
fährdet
Sofern in begründeten Fällen ganze Artengruppen kartiert werden (z.B. die Schnecken im
LRT 9180), soll zusätzlich auch das Teilkriterium „Vollständigkeit der zu erwartenden Arten“
angewandt werden (Tab. 9b, Zeile 1):
37
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
Tab. 9b:
Bewertung des Merkmals „lebensraumtypisches faunistisches Arteninventar“ (Artengruppen)
Erhaltungszustand
A
B
C
Vollständigkeit der zu vollständig; es fehlen (aus intakt; es fehlen maximal erfüllt nicht die Anfordeerwartenden Arten (nur ganzen Gilden) nur max. ca. 50% der sicher zu er- rungen für „B“
bei Kartierung ganzer 20% der sicher zu erwar- wartenden Arten
Artengruppen)
tenden Arten
Verbreitung der nachge- im potenziellen Habitat im im potenziellen Habitat im erfüllt nicht die Anfordewiesenen Leitarten im pot. Gebiet weit verbreitet, auf Gebiet weit verbreitet, auf rungen für „B“
Habitat des Gebietes
ca. über 50% der (LRT-) mind. ca. 30% der (LRT-)
Fläche vorkommend
Fläche vorkommend
Beständigkeit der Popula- Leitarten-Populationen
Leitarten-Populationen
erfüllt nicht die Anfordetionen
stabil und tragfähig, lang- zumindest
mittelfristig rungen für „B“
fristig gesichert und unge- gesichert; charakteristische
fährdet; charakteristische Arten in den Aufnahmen
Arten in den Aufnahmen überwiegend
dominant,
(eu)dominant, sehr wenig wenig Störungszeiger
Störungszeiger
Die Prozent-Angaben hinsichtlich der „Vollständigkeit“ des Arteninventars sind also nur einschlägig, wenn in begründeten Fällen in dem Lebensraum ganze Artengruppen bzw. Gilden
als Leitarten kartiert wurden. Die Anwendung dieses Merkmals setzt regionalisierte Vergleichsgilden voraus. Qualitätszeiger und regionale Besonderheiten sollen besonders stark
gewichtet werden.
Referenzgröße für die „Verbreitung im Gebiet“ ist das potenzielle Habitat. Für eine an Buchenaltbestände gebundene, höhlenbrütende Art wie die Hohltaube also die Buchenwälder des
Gebietes. Die in der Regel nur punktuellen Aufnahmen (z.B. mit Fallen) sollten auf die Gesamtfläche übertragbar sein, um hier Anwendung zu finden.
Unter der „Beständigkeit der Population“ ist die Häufigkeit bzw. Dominanz (Aktivitätsdominanz) des Auftretens der Arten in den Aufnahmen zu verstehen, die einen Rückschluß auf die
Größe des Vorkommens und die Konkurrenz mit anderen Arten erlaubt.
Errechnung des Gesamtwertes für das Merkmal „lebensraumtypisches Arteninventar“:
Die Einzelmerkmale sind wie folgt zu verrechnen (Angaben in %):
Baumarteninventar
Baumarteninventar der Verjüngung
Flora
Fauna (fakultativ)
25
25
25
25
bzw. falls keine Fauna erhoben wurde:
Baumarteninventar
Baumarteninventar der Verjüngung
Flora
34
33
33
Falls keine Flächen in einem LRT vorkommen, in denen mit Verjüngung zu rechnen ist, wird
das Merkmal nicht bewertet, und die Merkmalsgewichtung ist dann:
Baumarteninventar
34
Flora
33
Fauna (fakultativ)
33
(bzw. wenn keine Fauna erhoben: jeweils 50%).
38
Bayerische Landesanstalt
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
4.5.3.3 Kriterium „Beeinträchtigungen“
Es müssen die erheblichen Beeinträchtigungen pro LRT erfasst und bewertet werden.
Die Bewertung erfolgt gutachtlich, sofern nicht für bestimmte LRT konkrete Bewertungsempfehlungen in der Kartieranleitung der Wald-LRT angegeben werden.
Es sind folgende Einstufungen für dieses Merkmal gemäß Beschluß LANA & FCK
(BURCKHARDT et al. 2004) vorgegeben (Tab. 10):
Tab. 10:
Einwertung des Kriteriums Beeinträchtigungen
Bewertungsstufe
Beeinträchtigungen
A
gering
B
mittel
C
stark
Auswirkungen
der
Beeinträchtigung auf den LRT
nicht erheblich; der Charakter des
LRT ist unwesentlich verändert
erheblich; der Charakter des LRT ist
verändert, aber überwiegt noch
sehr erheblich; der Charakter des
LRT ist stark verändert
In den verschiedenen FFH-Gebieten und Lebensraumtypen können sehr unterschiedliche Beeinträchtigungen eine Rolle spielen. Die Zusammenstellung in der Tabelle 11 dient hinsichtlich der genannten Merkmale nur als Anhaltspunkt (Arbeitshilfe). Sie soll der Vereinheitlichung der Einschätzungen dienen, falls ein Merkmal relevant ist. Spielt eines der dort aufgeführten Merkmale erkennbar im konkreten Gebiet bzw. für den LRT keine Rolle, muß es im
Managementplan gar nicht behandelt werden. Jedwede Erhebungen zu diesem Merkmal sind
dann überflüssig.
Die Tabelle bezieht sich grundsätzlich nur auf tatsächlich vorhandene oder sicher zu erwartende Beeinträchtigungen, nicht auf prognostizierte.
Die Tabelle kann selbstverständlich etwaige Verträglichkeitsprüfungen bei größeren Maßnahmen, die eine Beeinträchtigung darstellen können, nicht ersetzen.
Entscheidend für die Bewertung ist die Erheblichkeit der Beeinträchtigung, nicht das Vorhandensein des entsprechenden auslösenden Faktors.
Tab. 11:
Mögliche Beeinträchtigungen
Beeinträchtigung
A (geringe Beeinträchtigungen)
Befahrung beschränkt
Befahrungsschäden
sich auf die Feinerschließungslinien und ist weitgehend witterungsangepasst
Trittschäden u.ä. Boden- Nur geringe Trittschäden
schäden durch Erholungsverkehr (bei trittempfindlichen und nicht flächenhaften Lebensraumtypen, z.B.
B (mittlere Beeinträchtigungen)
Keine starken Fahrschäden auf den Feinerschließungslinien durch nicht
witterungsangepasste
Befahrung; stellenweise
Befahren der Bestandsfläche, jedoch ohne wesentliche erkennbare Bodenund/ oder Bestandesschäden
Kleinflächig
stärkere
Trittschäden, oder größerflächige Trittschäden
mit nur unwesentlichen
Veränderungen des LRT
39
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für Wald und Forstwirtschaft
C (starke Beeinträchtigungen)
Nicht witterungsangepasste Befahrung auf den
Feinerschliessungslinien
mit erheblichen Fahrschäden; flächige Befahrung
mit starken Schäden an
Boden und/oder Bestand
Starke Schäden auf einem
erheblichen Anteil der
Fläche des LRT
LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
7110, 7150, 7220)
Entwässerung
(Feucht- Geringe EntwässerungsLRTen)
wirkungen; keine oder
allenfalls sehr schwach
siehe auch Zusatzschlüs- wirksame, randliche Entwässerungsgräben vorsel in Tab. 12!
handen
Grundwasserabsenkung Nur geringe Beeinträch(alle LRTen; ganz beson- tigung des LRT
ders alle durch Wasser
geprägten LRTen, besonders Quellen, Moore und
Auwald)
Eindeichung und Längs- Überflutungen können
verbauung (Flusseintie- mehr oder weniger regelmäßig und weitgehend
fung)
(Auwald)
ungehindert in den Auwald eindringen
Düngung/Veränderung
des
charakteristischen
Nährstoffhaushaltes
(alle LRTen; ganz besonders durch Magerkeit geprägte Lebensräume wie
Moore und bodensaure
Wälder)
Fällen und Entnahme
von Totholz und Biotopbäumen
Nur sehr kleinflächige
Düngung, die den charakteristischen Nährstoffhaushalt des LRT nicht
erkennbar beeinflusst
Anhaltend spürbare, aber
nur kleinflächig wirkende
Entwässerung; überwiegend alte Gräben und nur
Ringentwässerung vorhanden
LRT durch Grundwasserabsenkung nicht wesentlich verändert und stabil
Trotz
Längsverbauung
finden bei größeren Hochwässern noch Überflutungen statt
Aktive Düngungsmaßnahmen, die den charakteristischen Nährstoffhaushalt
nicht wesentlich verändern
Findet in nicht beeinträch- Findet in einem Umfang
tigendem Umfang statt
statt, der ohne wesentlichen Einfluss auf die Struktur des LRT ist
Eutrophierungszeiger
Eutrophierungszeiger ohne
Eutrophierung
(nur von Natur aus magere (siehe Liste) fehlen
dominantes Vorkommen
LRT)
weittgehend
auf erheblicher Fläche
Wildschäden (v.a Wild- Nur geringe Wildschäden;
verbiß)
die LRT-typischen Baumarten können sich problemlos natürlich verjüngen
Flächenhaft wirkende,
starke Entwässerung;
Sukzession zu „sonstigem
Lebensraum" oder anderem Lebensraumtyp in
Gang
Erhebliche und dauerhafte
Beeinträchtigung ggf. zunehmend; Sukzession zu
„sonstigem Lebensraum“
oder anderem LRT in
Gange
Kontakt zwischen Fluss
und Aue in den meisten
Jahren nur noch über
Druck- und Grundwasser
vorhanden; Sukzession zu
„sonstigem Lebensraum“
oder anderem LRT in
Gange
Aktive Düngungsmaßnahmen, die auf erheblicher
Fläche den charakteristischen Nährstoffhaushalt
stark verändern
Fällen und Entnahme von
Totholz und/ oder Biotopbäumen beeinträchtigt erheblich den LRT
Eutrophierungszeiger verbreitet und auf erheblicher
Fläche dominant, habitattypische Magerkeitszeiger
fehlen weitgehend
Starke Wildschäden mit
entmischender Wirkung in
der Verjüngung hin zu
nicht-LRT-typischen
Baumarten
Merkliche Wildschäden,
die jedoch eine ausreichende natürliche Verjüngung von LRT-typischen
Baumarten ohne Schutzmaßnahmen erlauben
Nur geringe BeeinträchZwar spürbare, jedoch Regelmäßig auftretende
Biotische Schädlinge
(besonders auch eingetigung durch Schädlinge
nicht bestandsbedrohende und/ oder bestandsbedrohschleppte Schädlinge)
Beeinträchtigung
durch ende Beeinträchtigung
Schädlinge
durch Schädlinge
Invasive Arten fehlen
Invasive Arten kommen Invasive Arten auf erhebinvasive Arten
(ungelenktes
Auftreten weitgehend
vor, jedoch nicht auf er- licher Fläche des LRT
krautiger Pflanzen und
heblicher Fläche domi- dominant und einheimGehölze)
nant
ische Arten verdrängend
Den natürlichen Voraus- LRT gegenüber dem Aus- LRT anthropogen stark
Fragmentierung und
setzungen entsprechend
gangszustand zwar stärker fragmentiert und isoliert,
Isolation
(besonders bei prioritären flächenhaft oder linear zu- fragmentiert oder (durch Anteil und Verteilung von
LRTen)
sammenhängend ausgesonstigen
Lebensraum) Nicht-LRT-Flächen präbildet und nur in gerinisoliert, aber in Umfang gen flächig den Waldgem Umfang fragmentiert und Verteilung den Wald- lebensraum.
oder isoliert
lebensraum noch prägend
Eutrophierungszeiger: Brennessel, Giersch, Knoblauchsrauke, Hundsquecke, Kletten-Labkraut, Schwarzer Holunder, Brombeere
40
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
Düngung: diese kann unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Erhaltungsmaßnahme darstellen.
Isolation: natürliche Isolation wird nicht als solche bewertet.
Gebietsweise und für bestimmte Sonderfälle können auch weitere Einwertungsschlüssel verwendet und modifiziert werden. Dies wird am Beispiel des Faktors Wasserhaushalt für
Moorwald-LRTen dargestellt:
Beispiel: Wasserhaushaltsansprache und Beeinträchtigungen in Mooren
Der Wasserhaushalt stellt den wichtigsten ökologischen Faktor, und zugleich auch die häufigste anzutreffende
Beeinträchtigung in Mooren dar. Er soll daher an repräsentativen Stellen angesprochen werden (z.B. nach dem
u.g. Schätzverfahren) und wie folgt eingewertet werden:
Entnahme einer Torfprobe aus ca. 10-20 cm Tiefe mit einem Hand-Bohrstock, Auspressen mit der Faust. Ansprache nach Tab. 12. (Dieses Schätzverfahren ist unmittelbar nach Niederschlägen nur eingeschränkt anwendbar). Ferner sind Gräben und ihr Zustand zu erfassen und zu bewerten. Auch nicht mehr regelmäßig instand
gehaltene, verwachsen erscheinende, vermeintlich „harmlose“ Gräben können zumindest bei stärkeren Niederschlägen durchaus noch sehr entwässerungswirksam sein.
Eine Einwertung der Beeinträchtigungen in Bezug auf den Wasserhaushalt in Mooren ist anhand der Tab. 12
möglich.
Tab. 12:
Befund
Bewertung von Beeinträchtigungen in Mooren anhand des Wasserhaushalts
Wasserhaushalt
Gräben, Geländerelief (Bei- Beeinträchtigungen;
spiele)
Erhaltungszustand
Wasser spritzt schon beim sehr naß
keine oder nur ganz verein- keine; A
Gehen
zelte, alte Gräben
Wasser rinnt reichlich aus naß
wenige, alte Gräben; meist gering; B
der Torfprobe
nur Ringentwässerung
Wasser rinnt spärlich aus der feucht
Grabensystem, rezent wirk- mittel-stark; C
Torfprobe
same Gräben; durch Torfabbau erhöht liegendes,
trocken gefallenes Gelände
freies Wasser nur in Form mäßig feucht
wie vor; dichtes Grabensys- stark-sehr stark ; C bzw.
einzelner Tropfen
tem oder starke Reliefunter- häufig SL
schiede durch Torfabbau
kein freies Wasser
mäßig trocken, tro- trockengefallene, vollstän- sehr stark; C bzw. häucken
dig entwässerte Moorheide fig SL
Errechnung des Gesamtwertes für das Kriterium „Beeinträchtigungen“:
Das Fehlen von Faktoren, die für einen LRT nicht einschlägig sind, dürfen nicht zu einer
Aufwertung führen. Es werden demnach immer nur die Beeinträchtigungen betrachtet, die
auch tatsächlich für den LRT relevant sind und auftreten könnten. Die Verrechnung der relevanten Teilkriterien erfolgt nicht mathematisch, sondern gutachtlich, wobei in der Regel das
am schlechtesten bewertete Merkmal durchschlägt. Die Gewichtung ist zu begründen.
Werden Beeinträchtigungen aus der Zeit nach der Gebietsmeldung festgestellt, die für den
Lebensraumtyp oder die Art eine Verschlechterung i.S.d. Art. 13c BayNatSchG bewirken
oder eingeleitet haben, ist dies zu dokumentieren.
4.5.4
Gesamtbewertung
Aus den Bewertungen der Kriterien „Habitatstrukturen“, „Lebensraumtypisches Arteninventar“ und „Beeinträchtigungen“ ist ein Gesamtwert des Erhaltungszustandes des LRT herzulei41
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
ten. Die drei Kriterien sind dabei in der Regel gleich zu gewichten, eine abweichende Gewichtung ist entsprechend zu begründen. Es gilt die Regel, dass durch das Kriterium „Beeinträchtigungen“ keine Aufwertung erfolgen darf. Als Anhalt kann für die Verrechnung der
Kriterien auch die vom BfN und den Ländern erstellte Tabelle (Anlage 8) verwendet werden.
Bei Teilflächen hat die Herleitung des Gesamtwertes in der Regel flächengewichtet zu erfolgen, Abweichungen davon sind zu begründen.
Eine Übersicht über die Gesamtmerkmale, die in die Bewertung eines Lebensraumtyps einfließen, gibt Abb. 9.
Erhaltungszustand des
Lebensraumtyps
Lebensraumtypisches
Artinventar
Habitatstrukturen
Baumarteninventar
(25%) [8%]
Baumarten
(35%) [12%]
Verjüngung
(25%) [8%]
Totholz (20%)
[7%]
Biotopbäume
(20%) [7%]
Flora (25%)
[8%]
Entwicklungsphasen (15%) [5%]
Schichtigkeit
(10%) [3%]
Beeinträchtigungen
Fauna
(fakultativ)
[8%]
Abb. 9: Merkmale für die Bewertung des Erhaltungszustanes von Lebensraumtypen (in runden
Klammern Gewichtung innerhalb des Kriteriums, in eckigen Klammern Gesamtgewicht).
In manchen Sonderfällen sind die aufgeführten Kriterien zur Bewertung des Erhaltungszustandes unter Umständen nicht ausreichend oder nicht zielführend. In solchen begründeten
Fällen können daher – ggfs. in Absprache mit der LWF - weitere Kriterien verwendet werden,
bzw. die vorhandenen Kriterien anders gewichtet werden, unter Angabe der Gründe.
Eine Gesamtbewertung des Gebietes ist (im Kapitel 4.3. des MP, vgl. Mustergliederung) nur
verbal zu erstellen, d.h. ein Erhaltungszustand für das Gesamtgebiet wird nicht errechnet.
Weitere Merkmale des SDB wie Repräsentativität und Wiederherstellbarkeit sind im MP
nicht zu bewerten.
4.6
Erhebung der Bewertungsmerkmale
Die Bewertungsmerkmale werden in der Regel über vorhandene oder durchzuführende Stichprobeninventuren erfasst. Sind die die LRT-Flächen hierfür zu gering, erfolgt die Erfassung
der Merkmale über einen sogenannten qualifizierten Begang.
42
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
4.6.1
Stichprobenventur
4.6.1.1 Anzahl der Stichprobenpunkte
Neben den Anforderungen an die Genauigkeit hängt die Stichprobendichte von der Varianz
dieser Merkmale innerhalb der verschiedenen Lebensraumtypen sowie deren Flächengröße
ab. Die Varianz ist im Voraus nicht bekannt und muss geschätzt werden. Diese Schätzwerte
werden in Zukunft auf bereits erstellten Managementplänen beruhen und somit im Laufe der
FFH-Managementplanung immer sicherer werden.
In Anlage 3 sind Stichprobenumfänge (auf der Basis der im NATURA 2000-Gebiet „Hienheimer Wald“ vorkommenden Lebensraumtypen nach Flächengröße und Varianz) dargestellt.
Die Kurven beruhen auf der Baumartenzusammensetzung. Es zeigt sich deutlich, dass die
Varianz innerhalb der Lebensraumtypen eine entscheidende Größe ist. Handelt es sich um
homogene Lebensraumtypen, wo die Hauptbaumart dominiert (z.B. Waldmeister-Buchenwald
im Hienheimer Wald), ist die erforderliche Stichprobendichte relativ gering. Mit zunehmender Heterogenität steigt der erforderliche Stichprobenumfang beträchtlich. Im Hienheimer
Wald haben z.B. die Hainsimsen-Buchenwälder einen hohen Fichtenanteil. In so einem Fall
sind die einzelnen Stichproben sehr unterschiedlich mit Baumartenanteilen von 100% Fichte
bis 100% Buche. Dementsprechend mehr Stichproben sind erforderlich, um repräsentativ zu
sein.
Im Hinblick auf die Genauigkeitsanforderungen der Managementpläne und auf die Tatsache,
dass viele Parameter auf Schätzungen beruhen, ist eine Irrtumswahrscheinlichkeit von 10%
und ein Standardfehler des arithmetischen Mittels von 10% ausreichend. Die erforderliche
Anzahl von Stichprobenpunkten liegt dann im allgemeinen zwischen 30 und 70 pro Lebensraumtyp.
4.6.1.2 Auswertung der Forsteinrichtung
Wo Stichprobeninventuren aus der Forsteinrichtung vorliegen, wie im Staatswald und in
größeren Körperschafts- und Privatwäldern, werden die Bewertungsmerkmale aus diesen Inventuren übernommen. Um statistisch gesicherte Ergebnisse zu liefern, sind im allgemeinen
30 bis 70 Inventurpunkte pro Lebensraumtyp erforderlich. Bei einer Stichprobendichte von 1
Stichprobe auf 3 ha ergeben sich Mindestgrößen für dieses Verfahren von 90 bis 210 ha für
einen Lebensraumtyp. Ist der Stichprobenumfang aus der Forsteinrichtungsinventur zu gering,
müssen die fehlenden Stichproben nach dem in Kapitel 4.6.1.4. beschriebenen Verfahren ergänzt werden. Für sämtliche Bewertungsmerkmale werden dann Mittelwerte errechnet
und/oder die Häufigkeitsverteilungen dargestellt.
Der Planfertiger erhält die FE-Inventurdaten zusammen mit der digitalen vorläufigen Lebensraumtypenkarte über die Forstdirektion von der LWF. Die LWF hat Programmroutinen und
Schulungsmaterial zur Auswertung dieser Daten erstellt.
In Waldgebieten, in den keinen Stichprobeninventuren durchgeführt wurden, aber aktuelle
einzelbestandsweise Beschreibungen existieren, können Bewertungsmerkmale aus diesen
hergeleitet werden.
4.6.1.3 Eigene Stichprobenaufnahmen
Ist keine Inventur durch die Forsteinrichtung vorhanden, bzw. ist diese für einzelne Lebensraumtypen nicht repräsentativ, oder wurden durch diese Inventur bestimmte Bewertungs43
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
merkmale nicht erfasst (regelmäßig z.B. Totholz und Biotopbäume), muss eine eigene, extensive Stichprobeninventur durchgeführt werden. Diese erfolgt separat für jeden Lebensraumtyp. Der Stichprobenumfang ergibt sich aus den Kurven in Anlage 3. Ist eine Stichprobendichte von mehr als einer Stichprobe pro ha erforderlich, werden die Bewertungsmerkmale im
Rahmen eines qualifizierten Beganges geschätzt (s. Abschnitt 4.6.2).
Grundsätzlich erfolgt die Stichprobenerhebung systematisch auf einem Gitternetz von 100 m
* 100 m. Um die genaue Anzahl von Stichproben zu erreichen, wird zufallsmäßig oder systematisch die entsprechende Anzahl von Stichproben auf die Gitternetzpunkte des Lebensraumtyps verteilt. Sind z.B. für eine Fläche von 180 ha des Lebensraumtyps WaldmeisterBuchenwald 60 Stichproben erforderlich, wird jeder dritte Gitternetzpunkt ausgewählt. Ist die
Fläche des Lebensraumtyps nicht durch die Stichprobenanzahl teilbar, erfolgt die Zuordnung
der Stichproben auf die Gitternetzpunkte zufällig auf Teilflächen. Wären für die 180 ha 70
Stichproben erforderlich, ergäbe sich eine Stichprobe auf 2, 6 ha oder 10 Stichproben auf 26
ha. In diesem Falle würden auf Gruppen von 26 Gitternetzpunkten 10 Stichproben zufällig
verteilt. Diese Punkte werden dann mit Kompass und Schrittmaß oder auch mit Hilfe eines
GPS im Gelände aufgesucht.
Die Aufnahmen erfolgen in Anhalt an das in Anlage 2 wiedergegebene Formblatt. Aufgenommen wird auf einem Probekreis mit einem Radius von 15 m. Dieser wird für die Erfassung der Biotopbäume (und ggfs. auch des Totholzes) auf 30 m Radius erweitert. Für das
Merkmal Verjüngung gelten nach Höhe und Durchmesser der Verjüngung gestaffelte Probekreisgrößen entsprechend der FER 82. Sämtliche Schätzungen beziehen sich nur auf diesen
Probekreis, d.h. Objekte, die sich außerhalb des Probekreises befinden oder die auf dem Weg
von Punkt zu Punkt beobachtet werden, dürfen nicht in die Inventur einbezogen werden.
Die Merkmale werden zum Teil gemessen, zum Teil angeschätzt:
1. Baumartenanteile: Dieser wird mit dem Spiegelrelaskop von BITTERLICH mit dem
Zählfaktor 4 erhoben. Die gezählten Bäume werden nach Baumart getrennt mit dem Faktor 4
multipliziert. Dieses ergibt die Grundfläche pro Baumart pro ha. Darüber können die Baumartenanteile in Prozent errechnet werden. Im Jugendstadium werden die Baumartenanteile über
die Stammzahl in Probekreisen ermittelt (Festlegung der Kreisgröße durch den Inventurleiter
(Kartierer)). Im beginnenden Wachstumsstadium können die Brusthöhendurchmesser ebenfalls noch zu gering für das Relaskopverfahren sein. In dem Fall ist der Baumartenanteil wie
im Jugendstadium zu ermitteln.
2. Entwicklungsstadium: Die Entwicklungsstadien (syn. Entwicklungsphasen) werden im
Anhalt an die Forsteinrichtungs-Vorgaben für das Hochgebirge klassifiziert (vgl. Tab. 3).
Für die Herleitung im Fall einer vorhandenen Inventur sollen die vorhandenen Größen Alter
und/oder Nutzungsart verwendet werden.
Bei der Erfassung des Kriteriums im Rahmen der Erhebung zusätzlicher Inventurpunkte werden i.d.R. das Alter und die Nutzungsart ermittelt und daraus später das Entwicklungsstadium
abgeleitet. Ergänzend kann auch zusätzlich nachrichtlich das Entwicklungsstadium erhoben
und vermerkt werden (ggfs. als Textfeld).
3. Schichtigkeit (ein-, zwei- oder dreischichtig oder Plenterstruktur): wird bei vorhandener
Inventur aus den erhobenen Schichten berechnet. Bei zusätzlichen Inventurpunkten wird sie
am Inventurpunkt angeschätzt und vermerkt. Bedeckt der Zwischen- oder Unterstand (Verjüngung) mehr als 50%, handelt es sich um Zwei- bzw. Dreischichtigkeit.
44
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Ausgeprägte „Patchiness“, d.h. kleinräumiger Wechsel zwischen verschieden alten bzw. verschieden stark geschichteten Bereichen kann durch die Inventur nicht gut abgebildet werden.
Sie ist jedoch ebenso günstig zu bewerten und daher ggfs. beim Begang zu registrieren und
bei der Bewertung gutachtlich zu berücksichtigen (sowie verbal zu begründen).
4. Verjüngung: Die Baumartenzusammensetzung der gesicherter Verjüngung (> 20 cm bis
maximal 5 m) wird über die Stammzahl in Probekreisen ermittelt, im Anhalt an die FER 82.
Der Aufnahmepunkt wird vom Kreismittelpunkt 5 m nach Norden gespiegelt. Die Probekreisgröße ist variabel. Der Regelkreis beträgt 10 Quadratmeter (d.h. ein Radius von 1,78 m),
kann aber vom Kartierer (ggfs. in Absprache mit der LWF) auch anders festgelegt werden,
angepasst u.a. an den im jeweiligen Bereich üblichen Radius (der bayernweit etwa zwischen
1,50 m und 3,50 m liegt). Bei sehr dichter Verjüngung kann der Probekreis auf eine Mindestfläche von 1*1 m innerhalb des genannten Probekreises reduziert werden.
Seltene Baumarten sollen auch als Einzelexemplare vermerkt werden. Bei der Auswertung
der Ergebnisse der Forstinventur muß die Vorausverjüngung berücksichtigt werden.
5. Totholz: Dieser Parameter wird auf 0,5 fm genau ermittelt (d.h. gemessen oder ggfs. geschätzt), unterteilt nach Laub- und Nadelbäumen und in drei Durchmesserklassen (20 – 35
cm, 36 – 47 cm, >47 cm).
6. Biotopbäume: Lebende Bäume mit einem besonderen ökologischen Wert werden, unterteilt nach Eiche, Buche, sonstiges Laubholz und Nadelholz, in die in Tab. 2 aufgeführten fünf
Klassen unterschieden (s. auch Anhang). Jeder Baum wird nur einmal gezählt. Weist er mehrere der oben genannten Merkmale auf, wird er der Klasse zugeteilt, die über seinen Charakter
am meisten aussagt.
Biotopbäume und Totholz werden in der Regel in erweiterten Probekreisen von 30 m Radius
erfasst.
Sind Habitatrequisiten für Anhang II-Arten auf Transekten aufzunehmen (in Absprache mit der LWF), sind auch
die Biotopbäume im Rahmen dieser Transektaufnahme zu erheben. Habitatrequisiten können falls erforderlich
(d.h., falls sie als Requisiten für Anhang-Arten belangvoll sind) auf der Gesamtfläche des Gebiets (also auch in
sonstigem Waldlebensraum) erhoben werden. In dem Fall werden auch die Biotopbäume auf der Gesamtfläche
erhoben. Die Transekte haben eine Breite von 20 m und umfassen 5 bis 10% der Gesamtfläche der Lebensraumtypen. Je kleiner und heterogener das Gebiet ist, desto größer ist die prozentuale Transektfläche. Auf den Transekten bewegt sich der Planfertiger (soweit die Topographie dies zulässt) auf einer Linie und nimmt sämtliche
Biotopbäume auf, die sich auf jeweils 10 m breiten Streifen links und rechts dieser Linie befinden
4.6.1.4 Anlage von zusätzlichen Inventurpunkten zur Verdichtung des Stichprobennetzes
Grundsätzlich werden in FFH-Gebieten mit Staatswald die Inventurpunkte der Forsteinrichtung wiederverwendet. In Lebenraumtypen mit sehr geringer Flächengröße kann es erforderlich werden, das vorhandene Punktraster zu verdichten. Auch in angrenzenden nichtstaatlichen Waldflächen müssen zusätzliche Inventurpunkte angelegt werden. In den von der LWF
ausgelieferten Unterlagen ist das Punktraster des Staatswaldes auf diese Waldflächen ausgedehnt. Dabei werden gleiche Abstände wie im Staatswald vorgegeben (Abb. 7). Dem Kartierer ist es anheimgestellt, den kompletten Satz der Inventurpunkte (empfohlenes Verfahren)
oder eine systematische Auswahl (z.B. jeden zweiten Punkt) daraus zu verwenden. Zusätzliche Verdichtungspunkte sind regelmäßig in die Zwischenräume des bestehenden Netzes zu
setzen (Abb. 7). Alle zusätzlichen Punkte erhalten eine eindeutige fortlaufende Identifizierungsnummer. Die im Gelände erhobenen Merkmale sind in die entsprechenden Datensätze
der Datenbank enzugeben. Die LWF hat dazu ein Eingabe- und Ausgabeprogramm erstellt
45
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
(Abb. 8). Mit diesem Programm werden auch die Grafiken des Managementplans erstellt.
Anlage neuer Punkte
im Nichtsstaatswald
Verdichtung des
Punktrasters
Abb.7: Zusätzliche Inventurpunkte in FFH-Gebieten
46
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
Identifikationsnummer
Identifikationsnummer
Abb. 10: Eingabe- und Ausgabeprogramm für Inventurpunktdaten
47
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
4.6.2
Qualifizierter Begang
In kleineren Lebensraumtypen, für die sich eine kalkulatorische Stichprobendichte von mehr
als einer Stichprobe pro ha ergibt, findet keine Stichprobenerhebung statt. Die Bewertungsmerkmale werden dann über einen qualifizierten Begang (ähnlich wie bei der Forsteinrichtung) geschätzt.
Hierbei soll dasselbe Aufnahmeformular Verwendung finden (s. Anlage), wie bei der Stichprobeninventur.
4.7
Habitatkarte
Gleichrangig zu und völlig unabhängig von den Lebensraumtypen des Anhanges I enthält der
Standarddatenbogen Tier- und Pflanzenarten gemäß Anhang II FFH-RL, deren günstiger Erhaltungszustand ebenfalls sicherzustellen ist. Es ist daher notwendig, die Lebensräume dieser
Arten, wie auch die Arten selbst, zu kartieren und ihren Erhaltungszustand zu bewerten. Analog zur LRTK sollen auch die Habitate und Vorkommen dieser Arten kartenmäßig (in der
Regel im Maßstab 1:10.000) in der Habitatkarte (HK) dargestellt werden.
Neben den Arten des Anhanges II der FFH-RL kommen regelmäßig auch Arten des Anhanges
IV vor. Diese Arten sind für das Gebietsmanagement nicht relevant und werden im Rahmen
der Managementplanung nicht kartiert oder bewertet, sofern sie sich nicht als Leitarten im
Sinne des Art 1. (s.o.) anbieten. Sie sollen aber im Kapitel „Waldökologischer Kenntnisstand“
erwähnt werden (s.o.).
Die Tier- und Pflanzenarten des Anhanges II können häufig nur von Spezialisten nachgewiesen und kartiert werden. Dies muß ggfs durch interne Experten oder im Werkvertrag erfolgen.
Für die Erhebungen der Anhang II-Arten gelten die Kartieranleitungen, die auf der Homepage
der LWF (www.lwf.bayern.de) verfügbar sind. Soweit keine Kartieranleitung für eine bestimmte Art vorliegt, aber auch als allgemeiner Hinweis für alle Arten, gelten die folgenden
Überlegungen:
-
Sehr oft ist es zu aufwändig bzw. methodisch unmöglich, die Arten direkt und unmittelbar im ganzen Gebiet zu erfassen. Zumindest ein qualitativer Nachweis ihres Vorkommens (d.h. Nachweis, dass die Art rezent im Gebiet vorkommt) ist aber in jedem
Fall erforderlich.
-
Daher werden in der Regel vorrangig die Habitatrequisiten dieser Arten (wie z.B.
Kleinstgewässer als Requisite der Gelbbauchunke oder starkes Laubholz mit Mulmhöhle als Requisite des Eremiten), aufgenommen. Diese Requisiten nimmt soweit
möglich der Planfertiger auf. Die Forstdirektion bestimmt (beraten durch die LWF) für
jedes Gebiet, welche Habitatrequisiten nach welcher Methodik aufzunehmen sind.
Beispielsweise kann es für die ein Vorkommen des Kammmolches sinnvoll sein, die (geeigneten)
Laichgewässer in der Karte darzustellen, sowie Barrieren, die seine Laichwege durchtrennen. Für den
Frauenschuh, der auf die Bestäubung durch Sandbienen der Gattung Andrena angewiesen ist, kann es
häufig sinnvoll sein, die von diesen Bienen benötigten Rohbodenstandorte im Umkreis der Frauenschuh-Vorkommen kartenmäßig darzustellen (z.B. als Piktogramm auf der Karte).
-
Häufige und nur temporäre Requisiten (z.B ephemere Gewässer (Fahrspuren, Wild48
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
schweinsuhlen etc. als Requisite für die Gelbbauchunke)) werden in der Regel nicht
auskartiert, sondern nur deren räumliche Schwerpunkte in der Karte dargestellt. Für
solche Requisiten soll ggfs. eine Stichprobeninventur (bzw. ggfs. über Transekte, s.o.)
stattfinden, bzw. diese Requisiten in ggf. ohnehin erfolgenden Inventuren berücksichtigt werden.
-
Die Arten nach Anhang II der FFH-Richtlinie sind im allgemeinen nicht streng an bestimmte Lebensraumtypen gebunden. Die benötigten Requisiten (wie z.B. starke Eichen) können in verschiedenen Lebensraumtypen sowie auch im „Sonstigen Lebensraum“ vorkommen. Fichtenreiche Bestände z.B. können im Winter wichtiger Lebensraum für bestimmte Tierarten sein.
Wertvolle Vorinformation für die Kartierung der Arten und die Erstellung der HK kann eine
vom Forstamt im Vorfeld der Managementplanung erstellte Naturschutzkarte (vgl. Anlage
9) liefern.
Hinweise zu den Lebensraumansprüchen und Habitatrequisiten, sowie in kurzer Form auch
für die Erfassung der im Wald vorkommenden Arten der Anhänge II FFH-RL und I VS-RL
gibt das NATURA 2000-Artenhandbuch (MÜLLER-KROEHLING et al. 2003). Eine Kartieranleitung für diese Arten wird von der LWF gemeinsam mit dem LfU erstellt.
Auf der Basis der bekannten Habitatansprüche können zumindest für einen Teil der Arten
digitale Vorläufige Habitatkarten (entsprechend der VLRTK) für die einzelnen Arten erstellt werden, sofern die entsprechenden hierfür benötigten Daten (zur Bestandsstruktur usw.)
digital vorliegen. Werden diese Karten durch qualitative Nachweise der entsprechenden Arten
ergänzt, können sie im günstigsten Fall bereits die fertige HK darstellen. Andernfalls dienen
sie als wertvolle Grundlage für gezielte Kartierungen (im Form einer Suchkulisse). Auch mit
analogen Daten ist dieses Verfahren (wenn auch eingeschränkt) anwendbar.
4.8
Bewertung von Arten nach Anhang II der FFH-Richtlinie
Die Bewertung des Erhaltungszustandes von Anhang II-Arten (bzw. Anh. I-VS-RL-Arten)
soll nach folgendem Schema erfolgen (s. Tab. 13). In der Kartieranleitung (LfU & LWF in
Vorber.) werden zu den jeweiligen Arten ferner soweit möglich präzisierende Einstufungshinweise gemacht. Sofern für die einzelnen Arten spezifische Bewertungsschemata vorliegen,
sind diese für die Bewertung zu verwenden, ggfs. gebietsspezifisch modifiziert, sofern dies
erforderlich ist (mit Begründung).
Tab. 13:
Bewertung des Erhaltungszustandes von Arten der Anhänge II FFH-RL bzw.
Anh. I VS-RL
Erhaltungszustand
Population
A
- Anzahl der Nachweise
deuten auf häufiges Vorkommen im Lebensraum
hin
- Population mit natürlicher Altersstruktur1
- Verbundsituation zu
anderen
Populationen
günstig
C
- Im Lebensraum offenbar selten bis sehr selten
- Altersstruktur gestört,
es fehlen bzw. dominieren sehr alte bzw. junge
Tiere
- Population völlig oder
weitgehend isoliert
Habitat
-
- Habitat überwiegend
Habitat
B
- Anzahl der Nachweise
deuten auf mäßig häufiges
Vorkommen im Lebensraum hin
- Altersstruktur tragfähig,
doch unausgewogen
- Verbundsituation mit
anderen Populationen gegeben, Austausch jedoch nur
begrenzt oder in optimalen
Jahren möglich
(Vegetation, - Habitat den Anforderun-
49
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strukturelle Ausstattung)
weitgehend naturnah und
den Habitatanforderungen
entsprechend
Beeinträchtigungen (nur - keine oder nur unwesentprägende, den Charakter liche aktuell wirksame
des Habitats verändernde) Beeinträchtigungen
gen auf ausreichender Flä- suboptimal ausgestattet
che entsprechend, aber auch
größerflächig suboptimale
Bereiche vorhanden
- Beeinträchtigungen vor- - erhebliche Beeinträchhanden, aber nicht prägend tigungen
1
Die Altersstruktur wird nur bewertet, sofern dieses Merkmal für eine konkrete Art auch sinnvoll ist (d.h. z.B.
nicht bei stets einjährigen oder kurzlebigen Arten). Bei langlebigen Arten (z.B. Gelbbauchunke: über 30 Jahre)
kann dieses Merkmal durchaus belangvoll sein.
Die Verrechnung der drei genannten Teilkriterien erfolgt gutachtlich, ggfs. mit Begründung
für die besonders starke Gewichtung eines der Teilkriterien. In der Regel ist das Habitat besonders stark zu gewichten, da es bei den meisten Arten am ehesten flächenhaft erfasst und
bewertet werden kann. Beeinträchtigungen finden häufig auch bereits ihren Niederschlag in
der Habitateignung, was zu berücksichtigen ist.
4.9
Maßnahmenplanung
4.9.1
Erhaltungsmaßnahmenkarte
Erforderliche Maßnahmen werden im Textteil des Managementplans beschrieben und in der
Erhaltungsmaßnahmenkarte (EMK) dargestellt. Sofortmaßnahmen (s.u.) werden durch rote
Umrandung besonders hervorgehoben.
Regelmaßstab ist 1:10.000. Punktuelle Maßnahmen sollen durch entsprechende Piktogramme
dargestellt werden.
4.9.2
Planungseinheit
Planungseinheit ist, wie bereits bei der Bewertung (s.o.), der Lebensraumtyp bzw. das Habitat
der Art. Es wird also nicht bestands- oder parzellenweise kartiert und geplant. Maßnahmen, die sich auf den Lebensraumtyp beziehen, sind daher in der Regel mit diesem kartiert.
Parzellenscharfe oder punktuelle Darstellungen können aber im Ausnahmefall zweckmäßig
sein, wenn
- es sich um eindeutig konzentrierte Vorkommen von LRT oder Arten handelt,
- notwendige Maßnahmen nur an ganz bestimmten Stellen notwendig und möglich sind
(z.B. Rückbau einer Anlage zur Moorentwässerung)
- aufgrund einer örtlich besonders schlechten Ausprägung bzw. Zustandes konkret Verbesserungsmaßnahmen erforderlich sind
Die Planungen im MP unterscheiden nicht nach der Besitzart.
4.9.3
Erhaltungsmaßnahmen
Die Gebiete wurden in aller Regel ausgewählt, weil ein günstiger Erhaltungszustand weitgehend vorhanden war und sich damit aus der Bewirtschaftung der Vergangenheit ergeben hat.
Die Fortsetzung dieser Bewirtschaftung sollte daher häufig ausreichen, um diesen Zustand zu
erhalten.
Es wird im Plan zwischen „Notwendigen Erhaltungsmaßnahmen“ und weiteren sinnvollen
50
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
Maßnahmen („Empfehlungen für die weitere Waldbewirtschaftung“) unterschieden. Solche sinnvollen Maßnahmen sollen aufgeführt werden, da deren freiwillige Durchführung z.B.
über forstliche Förderprogramme und Vertragsnaturschutz gefördert werden kann oder für das
Ökokonto in Frage kommt.
Notwendig sind im allgemeinen nur Maßnahmen, welche sich aufgrund eines im Einzelfall
nicht ausreichenden Erhaltungszustandes eines Schutzobjektes oder einer konkret zu erwartenden Verschlechterung ergeben.
Erhaltungsmaßnahmen sind Maßnahmen, die zur Erhaltung eines „guten“ oder „sehr guten“
Zustands notwendig sind, wenn ohne solche Maßnahmen eine (auch schleichende) Verschlechterung droht.
Dies gilt auch, wenn eine Sicherheitsreserve für das Überleben einer Population notwendig
ist, da natürliche Populationsschwankungen auftreten können.
Dringliche Maßnahmen, d.h. wenn unmittelbare Gefahr der erheblichen Verschlechterung
besteht, müssen im Plan als Sofortmaßnahmen bezeichnet und als solche deutlich erkennbar
herausgestellt werden. Sie sollen auch in der EHMK als solche erkennbar sein (z.B. durch rote
Umrandung).
4.9.4
Verbesserungsmaßnahmen
Eine Gesamtbewertung "C" bedeutet "mittel bis schlecht", hat also eine große Spannweite. In
folgenden Fällen ist eine Verbesserung erforderlich (= notwendige Erhaltungsmaßnahme):
-
Zustand LRT/Art ist "mittel", eine schleichende Verschlechterung aber zu befürchten,
Zustand Art ist "mittel", benötigt aber eine "Sicherheitsreserve" für das Überleben der
Population oder
Zustand LRT/Art ist schlecht.
Ist ein Einzelparameter mit "C" bewertet, die Gesamtbewertung aber mindestens "B", ist eine
Verbesserung dann erforderlich, wenn sich die Gesamtbewertung ansonsten schleichend verschlechtern würde. Ein stark defizitäres Einzelkriterium kann ebenfalls konkrete Verbesserungsmaßnahmen erforderlich machen.
Alle weitergehenden Verbesserungsmaßnahmen sind wünschenswert, aber nicht notwendig.
4.9.5
Konkrete Maßnahmenplanung und Angaben der Kosten
Aufgrund der allgemeinen Mittelknappheit sollen sich Erhaltungsmaßnahmen konzentrieren
- auf die LRT/Arten, die in dem Gebiet besonders bedeutsam sind
- auf die Maßnahmen, die für die Erhaltung dieser LRT/Arten am dringendsten und effektivsten sind.
Konkret erforderliche Maßnahmen (z.B. die Wiedervernässung eines Moores) sollen im MP
ggfs. im Detail geplant, oder aber die Detailplanung in einem konkreten Umsetzungsplan
durchgeführt werden, auf den im MP verwiesen wird.
Werden konkrete Einzelmaßnahmen geplant, so soll dies einen Zeitplan, ggfs. auch mit einer
Prioritätensetzung und einer Kostenschätzung, beinhalten. Die Angabe der Kostenschätzung,
z.B. in Form eines Kostenrahmens, soll auch die Nennung möglicher Förderprogramme ent51
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
halten. Ein Beispiel für eine mögliche konkrete Kostenplanung wäre die Renaturierung eines
Moores durch Anstau von Gräben. Wird jedoch durch den Plan nur eine grobe Richtung vorgegeben (z.B. Mehrung des Totholzes), so ist eine Kostenschätzung in der Regel weder möglich noch sinnvoll.
5
Managementplanung für Vogelschutzgebiete
In der Regel können die Ausführungen zur Managementplanung für FFH-Arten analog herangezogen werden. Die Habitate der Arten des Anhanges I VS-RL sind hierbei wie Habitate von
Arten des Anhanges II FFH-RL in FFH-Gebieten zu behandeln und zu beplanen. Eine Betrachtung von Lebensraumtypen entfällt in reinen Vogelschutzgebieten (SPAs).
Bei den Erhebungen und Planungen in Vogelschutz-Gebieten gilt folgende Hierarchie der
vorkommenden bzw. im SDB genannten Vogelarten:
1.
Arten des Anhangs I, für die das Gebiet speziell ausgewiesen wurde (vgl. LfUKonzept zur Umsetzung der VS-RL, LfU 1999)
2.
Weitere Arten des Anhangs I mit signifikantem Vorkommen
3.
Zugvögel gem. Art. 4 FFH-RL
4.
Arten des Anhanges I mit randlichem, sporadischem oder nicht-signifikantem Vorkommen
5.
Sonstige örtlich bedeutsame Vorkommen von Vogelarten, die nicht im Anhang I geführt sind (vgl. Art. 1 VS-RL)
Ein solches abgestuftes Vorgehen ergibt sich auch aus den Umsetzungsempfehlungen der
Länderarbeitsgemeinschaft Deutscher Vogelschutzwarten (2001).
Sofern aufgrund der Großflächigkeit von Gebieten eine vollständige Erfassung von Anhang IArten ausscheidet, müssen stichprobenhafte Erfassungen in repräsentativen Ausschnitten des
Gebietes erfolgen.
Der Managementplan muß in jedem Fall jene Bereiche räumlich eingrenzen, beschreiben und bewerten, die für den Erhalt derjenigen Arten entscheidend sind, für die das
Gebiet ein „geeignetstes Gebiet“ im Sinne der VS-RL darstellt.
6
Managementplanung für kombinierte FFH-/Vogelschutzgebiete
FFH- und Vogelschutzgebiete können sich ganz oder teilweise überdecken (sog. „Überschneidungsgebiete“). Bei weitgehender Überschneidung soll in der Regel nur ein Managementplan erstellt werden. Mögliche Zielkonflikte zwischen den Schutzobjekten beider Richtlinien müssen im Plan diskutiert und ausgeräumt werden.
7
Monitoring und Erfolgskontrolle
Im Managementplan sollen Ausführungen zu notwendigem Monitoring und Erfolgskontrolle
gemacht werden.
In der Regel kann sich das Monitoring der Bewertungskriterien der Lebensraumtypen im
Wald an einem forstüblichen Turnus von 10 Jahren anlehnen.
52
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
Für das Monitoring der Anhangs-Arten sind je nach Art unterschiedliche Intervalle und Methoden einschlägig. Hierfür wird auf die Kartieranleitung der Arten (LfU & LWF in Vorbereitung) verwiesen. Dem Monitoring der wesentlichen Habitatelemente ist der Vorzug gegenüber direkten Erfassungsmethoden zu geben, wenn diese sehr aufwändig sind.
Sofern Erhaltungsmaßnahmen zwingend erforderlich sind oder waren, ist in der Regel eine
Erfolgskontrolle vorzusehen.
Sofern der Erhaltungszustand schlecht ist oder eine wesentliche Verschlechterung im Planungszeitraum zu befürchten ist, sind Monitoring-Zeitraum und –Methoden entsprechend zu
variieren.
Die Qualität eines Managementplans zeigt sich daran, ob er in der Praxis einen effektiven
Beitrag zur Erhaltung der NATURA 2000-LRT/Arten leisten konnte. Bei einer späteren Fortschreibung des Managementplans sind deshalb seine Umsetzung (Bekanntheit bei den Grundbesitzern, Akzeptanz und Wirksamkeit) kritisch zu prüfen und ggf. Verbesserungen vorzusehen.
8
8.1
Herstellung, Dokumentation und Bekanntmachung der Pläne
Datenformate
Die fertigen Texte sind sowohl als WORD-Dokumente, als auch in ausgedruckter Form
(mind. 3 vollständige Exemplare zur Archivierung) im Format der zur Verfügung gestellten
Mustergliederung (s. Anlage) abzuliefern.
Die Mustergliederung ist zu verwenden. Das vorgegebene Layout (Schriftart, Auswertungsgrafiken, Textboxen usw.) ist einheitlich wie in den entsprechenden Vorlagen und Mustern zu
verwenden. Die LWF stellt eine digitale Mustergliederung zur Verfügung.
Die fertigen Karten sind als Postscript-Dateien im vorgegebenen Maßstab abzugeben. Ferner
sind sie im ArcView Shape-Format und im dbf-Format abzuliefern. Näheres regelt das GISPflichtenheft.
8.2
Datenschutz
Sämtliche Informationen, die vom Planfertiger erhoben werden oder die ihm zur Verfügung
gestellt werden (insbesondere Standortskartierung- und Forsteinrichtungskarten und –
operate), sind vertraulich. Der Planfertiger darf Informationen, die mit seiner Arbeit im
Zusammenhang stehen, nur mit Zustimmung der Forstdirektion (NATURA 2000Sachbearbeiter) an Dritte (insbesondere Presse, Verbände) weitergeben.
8.3
Vertrauliche Informationen
Bestimmte naturschutzfachlich sensible Informationen dürfen der Allgemeinheit nicht zugänglich gemacht werden. Es handelt sich dabei insbesondere um das Vorkommen bestimmter Tier- und Pflanzenarten, die aufgrund ihrer Seltenheit oder Attraktivität häufig von Sammlern oder Fotografen gesucht und beeinträchtigt würden.
Eine Liste dieser Arten findet sich in Anlage 10.
53
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
Die Fundorte dieser Arten bzw. konkrete Hinweise auf die Lokalität ihres Vorkommen sollen
daher in der öffentlich zugänglichen Version des Managementplanes im Kartenteil nur „gesperrt“ dargestellt werden, d.h. nicht als Punktdarstellung, sondern als weiter gefaßte Fläche.
Auch Angaben im Text zu genauen Fundorten dieser Arten sollen in diesem Exemplar vermieden werden.
In einem „Behördenexemplar“ sollen hingegen alle Informationen vollständig enthalten sein.
Diese Exemplare sind aber auf der Titelseite entsprechend zu kennzeichnen („nur für den
Dienstgebrauch“) und im Innenteil des Deckblattes mit folgendem Hinweis zu versehen:
Das vorliegende Behördenexemplar des Managementplanes enthält Informationen über
Vorkommen seltener Tier- und Pflanzenarten, die durch menschliche Nachstellung gefährdet sind. Diese Informationen sind vertraulich zu behandeln und dürfen nicht an
Unbefugte weitergegeben werden.
Es handelt sich um Informationen zu den folgenden Arten :
....
Zugang zum vollständigen MP haben Berechtigte (Behörden, betroffene Grundbesitzer) und
Beauftragte (z.B. Büros, ehrenamtliche Experten). Alle anderen haben, auch bereits bei der
Abstimmung von Entwürfen und ähnlichem, nur Zugang zur reduzierten Fassung. Sonstige
können mit Zustimmung der Höheren Naturschutzbehörde Einsicht in die Vollversion nehmen, wenn sie ein berechtigtes Interesse nachweisen können und zusichern, mit den sensiblen
Informationen verantwortungsbewusst umzugehen.
8.4
Datenhaltung und Archivierung
Sämtliche Informationen, die im Rahmen der Managementplanung erhoben wurden, sind in
Papierform in Ordnern, die mit der Nummer des Gebietes zu beschriften sind, zu archivieren.
Hierunter fallen auch Geländenotizen, Erhebungsbögen usw. Diese sind jeweils mit Datum,
Arbeitsstand, Name des Bearbeiters und ggfs. der Computerdatei so zu versehen, dass sie für
spätere Planfortschreibungen nachvollziehbar sind.
Alle digitalen Daten (einschließlich einer digitalen Fassung des Textes) sind ferner auf CD an
der jeweiligen Forstdirektion zu archivieren. Die CD ist mit der Nummer des Gebietes, dem
Namen desselben und dem Datum der Fertigstellung des Planes zu versehen. Ein Exemplar
dieser CD ist auch bei der LWF zu hinterlegen.
Die zentrale Archivierung der kompletten Managementpläne in digitaler Form erfolgt an der
LWF. Durch die Kartographische Anstalt am StMLF werden die Karten in das ForstGIS eingestellt und dort ebenfalls archiviert.
Auf eine sorgfältige, für spätere Bearbeiter nachvollziehbare Ablage, Archivierung und
Beschriftung aller Daten ist größten Wert zu legen.
Näheres zu den zu verwendenden Formaten, Standards, Kartenlegenden usw. regelt ein ein
NATURA 2000 EDV-Pflichtenheft (LWF unveröff.).
54
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
8.5
Korrektur des Standard-Datenbogens
Der Original-Standard-Datenbogen, wie er an die EU gemeldet wurde, ist dem MP als Anlage
beizugeben.
Korrekturen zu den dortigen Angaben (neu hinzu gekommene oder nicht vorhandene Schutzobjekte, Flächenangaben usw.) sollen in einer separaten Tabelle zusammengefasst werden, die
jedoch nicht Bestandteil des MP ist.
Da es sich bei den Angaben im ersten SDB oftmals um Schätzungen handelt, ist eine tabellarische Gegenüberstellung des SDB mit den Ergebnissen des MP irreführend und zu vermeiden.
55
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LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
9
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SSYMANK, A. et al. 1998: Das europäische Schutzgebietssystem NATURA 2000. BfVHandbuch zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) und der Vogelschutz-Richtlinie (79/409/EWG). Bundesamt für Naturschutz, Bad Godesberg. 560 S.
+ Anhang.
SSYMANK, A. (2000): Anforderungen an den Waldbau in NATURA 2000-Gebieten. – in
AG Forsteinrichung (Hrsg.): Integration von Naturschutz in die Forsteinrichtung. Tagung
vom 10.-11.10. 2000: 32-48.
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Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft
LWF (2004): Arbeitsanweisung Managementpläne für Waldflächen NATURA 2000
Anlagen
Anlage 1: Mustergliederung Managementplan
Anlage 2: Aufnahme-/Eingabemaske für Stichprobenpunkte
Anlage 3: Erforderliche Stichprobenumfänge
Anlage 4: Aufnahmeformular für Vegetationsaufnahmen
Anlage 5: Definition Biotopbaum
Anlage 6: a) Referenzwerte für Totholz
Anlage 6: b) Referenzwerte für Biotopbäume
Anlage 7: Haupt-, Neben- und Pionierbaumarten der Lebensraumtypen
Anlage 8: Gesamt-Bewertungsschema für Lebensraumtypen
Anlage 9: Umfrage nach NATURA 2000-relevanten NaturschutzInformationen bei den Forstämtern
Anlage 10: Vertraulich zu behandelnde Artvorkommen
Anlage 11: Abkürzungsverzeichnis
Anlage 12: Glossar
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für Wald und Forstwirtschaft