casteller nachrichten dezember 2014

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casteller nachrichten dezember 2014
Casteller
Nachrichten
Nr. 44|2014
Casteller Nachrichten 44|2014
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Totenwache durch Mitarbeiter der Fürstlich Castell’schen Forstabteilung und des Graf von
Faber-Castell’schen Forstamts am Sarg von Johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen,
in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Rüdenhausen.
Fürst Johann-Friedrich verstarb am 30. Oktober auf dem Friedrichsberg im 67. Lebensjahr.
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Casteller Nachrichten 44|2014
Parentation anlässlich der beisetzung von
johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen
am 8. November 2014 in Rüdenhausen
Durchlaucht, verehrte Fürstin,
Erlaucht, sehr geehrter Erbgraf zu Castell-Rüdenhausen, sehr geehrte Prinzessin Löwenstein,
sehr geehrte Gräfin Anna-Magdalena, sehr geehrter Graf Anton zu Castell-Rüdenhausen,
liebe Familie, werte Trauergemeinde, Schwestern und Brüder in Jesus Christus, unserem Herrn,
als ich Seine Durchlaucht den Fürsten am Freitag vor seinem
Tode zum letzten Mal sah, schenkte er mir die „Erinnerungen“
von Emma Fürstin zu Castell-Rüdenhausen. In der Widmung, die
Fürstin Emma ihren Aufzeichnungen voranstellte, heißt es: „Es
ist ein … Leben reich an Glück und auch reich an Leid, wie es
Gott über mich verfügt hat. Wenn ich auf die … Reihe von Jahren
zurückschaue, die ich durchlebt habe, kann ich nur voll Dank mit
Samuel sprechen: ,Bis hierher hat uns der Herr geholfen.‘ Er wird
weiter helfen …“
Gemeinde des Herrn Jesus Christus, die Worte dieser Widmung sind passend auch als Überschrift über das Leben Seiner
Durchlaucht Johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen. Der
Fürst hat das Dasein mit seinen Licht- und Schattenseiten durchlebt und auch durchlitten, und doch hat er nie die Dankbarkeit
verloren, die Haltung ruhiger Fröhlichkeit, das geradlinige Vertrauen in Gottes Führung. Ich habe deshalb für die Predigt den
Bibelvers aus dem 1. Buch Samuel gewählt, den Fürstin Emma
ihren Memoiren voranstellte: „Bis hierher hat uns der Herr geholfen.“ Es ist ein treffendes Wort, trotz der schweren Krankheit,
die die letzte Zeit überschattete und schließlich den Tod des Fürsten herbeiführte; trotz seines – aus menschlicher Sicht – viel
zu frühen Ablebens; trotz der großen Trauer und des Schmerzes,
der Ihnen, verehrte Familie, – der auch uns allen – aus seinem
Heimgang erwächst. Bis hierher hat uns der Herr geholfen.
Gemeinde des Herrn Jesus Christus, wohl das erste, was jeder bei Fürst Castell-Rüdenhausen wahrnahm, war sein Humor.
Er scherzte gern und überaus treffsicher aus der Situation heraus
– mitunter auch auf eigene Kosten. Mit einer komischen Bemerkung nahm er seinen Gesprächspartnern alle Befangenheit. Die
von allen Seiten hervorgehobene Volkstümlichkeit des Fürsten
hatte viel mit dieser Gabe zu tun. Und doch spürte man: Der Humor war nur eine Facette seiner Persönlichkeit, die von Tiefgang
und Weite geprägt war und von einem ehrlichen Interesse an den
Menschen seiner Umgebung. Der Fürst war zugleich Weltbürger
und Rüdenhäuser durch und durch, er verkörperte Kultur und
Lebensart und liebte doch das naturnahe Leben. Auf der ganzen
Welt ging er seiner Passion als Jäger nach. Hunde gehörten zu seinem Leben, ebenso wie der Wald und das Wild, der Hörnerklang
und die Schüsse des Gewehrs.
Der Fürst stand in der langen Tradition seiner Familie, er
nahm seine Verantwortung für das bedeutende Erbe seiner
Vorfahren bewusst wahr – und war doch als Mensch von tiefer
Bescheidenheit. Schon bald, nachdem ich mein Amt in Rüdenhausen angetreten hatte, erzählte er mir, wie wenig es ihm entspreche, im Mittelpunkt zu stehen. Reden vor einer großen Zahl
von Zuhörern lagen ihm – nach eigener Aussage – nicht. Und
doch habe ich von ihm eine Rede gehört, die tiefen Eindruck auf
mich machte: Es war die Ansprache des Fürsten bei der Trauung
seiner Tochter, Gräfin Olga, mit Dominik Prinz zu LöwensteinWertheim-Rosenberg. Die ganze Liebe und den Stolz des Vaters,
die Freude, die er empfand – fasste er hier geist- und humorvoll
in Worte. Seine Frau, seine Töchter und Söhne, waren die Mitte
in seiner Lebenswelt. Aber auch die Geschwister gehörten zu
dieser Mitte – ja, die ganze Familie.
Von dieser Mitte her öffnete er sich für die vielen anderen
Menschen seiner Umgebung, nahm sie lebendig wahr – verschloss sich auch nicht, wenn sie Hilfe brauchten. Immer wieder,
manchmal eingebettet in kleine Scherze, erzählte er, ihn habe
der Beruf des Arztes gereizt – gerade weil er den Wunsch habe,
Menschen zu helfen. Auf seine Hilfsbereitschaft konnte man
zählen – nicht nur die Kirchengemeinde Rüdenhausen empfing
durch ihn große Unterstützung. Der Fürst wusste: Er war in dieser Welt reich beschenkt: Bis hierher hat uns der Herr geholfen
– und er gab seinerseits gern und großzügig.
Gemeinde des Herrn Jesus Christus, in den letzten Monaten war der Fürst schwer krank und mehr und mehr bestimmte
die Krankheit sein Leben. Während er anfangs so viel wie möglich von seinem Alltag fortsetzte, musste er mit zunehmender
Schwäche den Großteil des Tages liegen, immer länger ruhen.
Und dennoch blieb er, unter den so dramatisch verkehrten Umständen, sich selbst gleich. Jeder, der mit ihm sprach, merkte:
Im Guten, wie im Schlechten, in Freude, wie in Schmerz war er
in seiner Haltung der humorvolle, warmherzige Edelmann, als
den man ihn kannte. Viele Gespräche wären im Empfangssaal
des Schlosses oder am Ehrentisch bei der Kirchweih nicht anders
verlaufen als nun im Krankenzimmer auf dem Friedrichsberg.
Den Menschen und den Ereignissen in der Familie und im Heimatort brachte er weiter sein Interesse entgegen, hörte offen zu,
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fragte nach. So viel sich durch die Krankheit auch verändert hatte – der Fürst legte Wert darauf, dass sie die Unterhaltung nicht
dominierte. Nach einigen Sätzen zu seinem Befinden, wandte er
sich entschlossen anderen Themen zu: „Nun haben wir genug
über meine Krankheit gesprochen …“ Als ich ihm einmal sagte,
wie eindrucksvoll ich seine Haltung fände, antwortete er mit einer für ihn kennzeichnenden Frage: „Warum sollte ich mich jetzt
ändern?“ – JA, so war er!
Gemeinde des Herrn Jesus Christus, eine große Lebensdankbarkeit war für den Fürsten charakteristisch: Er wusste, was
für ein großes Geschenk ihm Gott in der guten Ehe mit Ihrer
Durchlaucht Fürstin Maria zu Castell-Rüdenhausen gemacht hatte. Er war dankbar für seine Kinder, das intensive Familienleben
auch und gerade in den Monaten, seitdem er seine Krebsdiagnose erhalten hatte – und die dennoch herrschende Fröhlichkeit im Schloss und auf dem Friedrichsberg. Er war überzeugt,
dass durch den Erbgrafen, S. E. Otto zu Castell-Rüdenhausen,
das Haus gut weiter geführt wird, dass alle nötigen Gaben reich
vorhanden sind. Es tat ihm gut zu sehen, wie viel Wertschätzung
und Zuneigung ihm entgegengebracht wurde; wann immer es
seine gesundheitliche Verfassung zuließ, waren ihm bis zuletzt
Besucher herzlich willkommen. Er genoss selbst in den letzten
Wochen seinen geliebten Wald am Friedrichsberg, reiste zur
Hirschbrunft nach Thüringen. Auch wenn er nur noch vor dem
Haus im Liegestuhl sitzen konnte, bereitete ihm das Schreien der
Hirsche als Waidmann große Freude.
Die Lebensdankbarkeit des Fürsten hatte tiefe Wurzeln: Sie
half ihm auch das Leid zu ertragen und selbst den Tod nicht zu
fürchten. Sie erstreckte sich auf die guten Ärzte, die er hatte,
und denen er nicht zuletzt deshalb vertraute, weil sie ihm die
harte Wahrheit über seine Erkrankung nicht verschwiegen. Von
dieser Lebensdankbarkeit waren unsere gemeinsamen Gebete
durchdrungen – und von dem tiefen Bewusstsein der Güte des
Herrn, der im Krankenzimmer gegenwärtig war und dessen treue
Liebe den Fürsten trug: Bis hierher hat uns der Herr geholfen.
Gemeinde des Herrn Jesus Christus, in den zurückliegenden
Jahren hörte der Fürst als Kirchgänger viele meiner Predigten.
Aber in meiner Predigt am 4. Advent vergangenen Jahres hatte ich ihm, wie er mir später sagte, „ganz aus dem Herzen gesprochen“, hatte getroffen, was er im Tiefsten empfand. Wenn
ich meine damaligen Worte wieder aufgreife, dann ist dies mein
persönlicher, letzter Gruß – an den Fürsten, dem ich für vieles
dankbar bin – an den Menschen, dem meine tiefe Sympathie und
Achtung gehörten – an den Bruder in Christus, der die Vollendung erlangt hat, der wir im Glauben entgegen gehen. Und viel-
leicht können wir diese Worte auch als ein Bekenntnis SEINES
Glaubens und SEINER Hoffnung hören – und damit auch als den
Gruß des Fürsten an uns. Möge Gottes Wort die Brücke schlagen
zwischen Zeit und Ewigkeit, zwischen Himmel und Erde: Der
Apostel Paulus schreibt: „Freut euch in dem Herrn allewege, und
abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“
Schwestern und Brüder, es gibt so viele Gründe traurig zu
sein, wie es Menschen gibt. Aber es gibt einen bleibenden Grund
zur Freude – der Herr ist nahe! Der Herr Jesus ist nahe im Leben,
denn er ist – obgleich wahrer Gott – wahrer Mensch geworden
und hat unser menschliches Dasein in allen Höhen und Tiefen
durchlebt, durchliebt und durchlitten. Er kennt Leben und Tod
– er kennt alles, was zu unserem menschlichen Dasein gehört.
Und weil ihm nichts fremd ist, ist er keinem von uns fern. Er ist
nahe – wir müssen nur die Hand ausstrecken, dann können wir
ihn beim Ärmel fassen, denn er geht an unserer Seite.
Der Herr Jesus ist nahe im Glauben – denn er kommt zu uns
im Wort der Bibel und in seinem Leib und Blut unter Brot und
Wein im Heiligen Abendmahl. Er ist so nahe, dass er uns hört,
wenn wir mit ihm reden. Er ist so nahe, dass er das geflüsterte
Stoßgebet versteht, den wortlosen Seufzer, selbst den unausgesprochenen Gedanken. Er ist nahe – wir müssen ihn nur wahrnehmen und das Wort an ihn richten, dann werden wir einen
wunderbaren Gesprächspartner finden.
Der Herr Jesus ist nahe im Tode – denn „dazu ist Christus
gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und
Lebende Herr sei“. Wenn das letzte Dunkel uns umfängt, wird
sein Licht uns leuchten. Wenn kein Mensch uns weiter begleiten kann, wird er mit uns gehen. Wenn rings um uns die Welt
verstummt, wird sein Mund uns zusprechen: „Ich habe dich je
und je geliebt!“ Und für alle, die an ihn glauben ist der Tod nicht
das Ende, sondern der Beginn des Lebens bei ihm. Dann müssen
wir die Hand nicht mehr nach ihm ausstrecken, dann müssen wir
das Wort des Gebets nicht mehr sprechen – „denn wir werden
seine Nähe, die wir auf Erden geglaubt haben, mit allen Sinnen
erfahren.“
Verehrte fürstliche Familie, Schwestern und Brüder in Jesus
Christus, unserem Herrn, in diesem Glauben geben wir unseren
teuren Verstorbenen, Seine Durchlaucht Johann-Friedrich Fürst
zu Castell-Rüdenhausen in die Arme des Herrn. Hier wird er auf
ewig den preisen, der ihn in Leben und Sterben getragen hat.
Und wir befehlen Sie, verehrte, fürstliche Familie, Jesu treuer
Hilfe, denn: Bis hierher hat der Herr geholfen – und wird weiterhin helfen.
Amen.
Pfarrer Michael Fromm
Pfarkirche St. Peter und Paul, Rüdenhausen
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Nach dem Trauergottesdienst wurde der Sarg in einer Kutsche – gezogen von zwei „Schwarzwälder Füchsen“ – zur Gruft gebracht.
Rede des Generalbevollmächtigten der Casteller Unternehmen
der Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Domänenamt, Kanzlei und
Vorstand der Fürstlich Castell’schen Bank, Klaus Vikuk, im Rahmen der Trauerfeier
für S.D. Johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen
am 8. November 2014 in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Rüdenhausen
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Casteller Betriebe nehmen Abschied von ihrem Dienstherren, Seiner Durchlaucht Johann-Friedrich Fürst
zu Castell-Rüdenhausen.
Gerne hätten wir alle ihn noch lange persönlich
begleiten und ihn bei seinen unternehmerischen
Aktivitäten unterstützen wollen. Auch hätten wir
genauso gerne weiter von ihm, von seinen Ideen
und Gedanken profitiert und dazugelernt.
Fürst Johann-Friedrich wollte noch seinen
Sohn Otto mitnehmen auf den Weg in dessen
eigene unternehmerische Zukunft. Ohne Zwang
und Bedrängnis – weit vor der Diagnose seiner
Krankheit – hat er rechtzeitig als weitblickender
Geschäftsmann gehandelt. Mit Ruhe, in Einigkeit
mit seiner Frau, Fürstin Maria, mit umfassenden
Gedanken und unter Abwägung dessen, was kommen mag, hat er seine betriebliche Verantwortung
und seine Unternehmensanteile auf seinen ältesten Sohn übertragen. Dafür sind wir dem Fürsten
sehr dankbar. Er hat damit das Feld für die Nachkommenden richtig bestellt.
Wir alle sagen Danke für seine Güte, sein Vertrauen und seine Großzügigkeit, für sein Talent,
uns Menschen zu erkennen und uns auf seine
eigene, wohltuende Art zu gewinnen. Bewundert
haben wir seinen gesunden Menschenverstand.
Damit hat er es immer verstanden, komplizierte
Sachverhalte auf den Punkt zu bringen. Mit seinem Humor, den er sich trotz seiner schweren Erkrankung bis zuletzt bewahrt hatte, gelang es ihm
oftmals, gespannte Situationen aufzulösen und
Erheiterung auszulösen.
Wir verabschieden uns ein letztes Mal von
unserem Fürsten Johann-Friedrich zu Castell-Rüdenhausen und denken für den Moment zurück
an das, was wir von ihm erhalten und was wir mit
ihm erleben durften. Er wird uns fehlen, wir werden ihn sehr vermissen. Unser Fürst, ruhen Sie
friedlich in der Obhut unseres Herrn.
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Manto Graf zu Castell-Rüdenhausen zum Tode seines Bruders
Johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen
sein Leben und sein Wirken
J
ohann-Friedrich kam am 27. Januar 1948 als ältester Sohn
legende und besonnene, insbesondere aber auch menschliche
von Fürst Siegfried und Fürstin Irene zu Castell-RüdenhauArt, die Entscheidungen nicht ausschließlich auf das Wachstum
sen in Rüdenhausen zur Welt. Seine Kindheit und die ersten
des Unternehmens auszurichten, sondern immer auch die Menfünf Jahre seiner Schulzeit verbrachte er in Rüdenhausen. Durch
schen, die Mitarbeiter und Geschäftspartner in den Vordergrund
behutsames Einwirken seiner Eltern wurde der Grundstein für
zu stellen. All sein Handeln und seine Überlegungen waren ausseine spätere Verpflichtung gelegt: Die Übernahme der Verantnahmslos von seiner Fürsorge für andere Menschen und seinem
wortung für die große Familie Castell-Rüdenhausen und die
großen Verantwortungsbewusstsein gegenüber seiner Familie
Fürstlich Castell’schen Unternehmen. Sein Vater verstand es,
und seiner Mitarbeiter geprägt.
Dem Fürsten Johann-Friedrich war der
ihm seine große Liebe zur Natur und seine
Waldbau eine große Herzensangelegenheit.
Passion für die Jagd zu vermitteln. Nahezu
Noch zu Lebzeiten seines Vaters initiierte
spielerisch begann der junge Johann-Frieder ein neues Konzept: die naturgemäße
rich damit, die Betriebszweige Land- und
Bewirtschaftung des Waldes. Dafür wurde
Forstwirtschaft zu verstehen und für diese
ihm 2013 die Bayerische Staatsmedaille für
echtes Interesse zu entwickeln.
Verdienste für die Umwelt durch den bay Nach seinem Schulabschluss folgte
erischen Staatsminister für Umwelt und
eine Zeit, die ihn nicht nur körperlich forGesundheit verliehen.
derte, sondern auch seine Persönlichkeit
Nach der Wende erfüllte sich Johannformte – seine Zeit bei der Bundeswehr.
Friedrich einen Traum: Er erwarb das ForstNach seiner Ausbildung zum Offizier, hatte
und Jagdrevier in Oberschönau/Thüringen.
er erstmals selbstverantwortlich Menschen
Seine häufigen Besuche in seiner dortigen
zu führen, aber sich auch um deren Sorgen
Hütte bis kurz vor seinem Tode dokumenund Nöte zu kümmern – eine wichtige Ertieren sein ganz besonderes Verhältnis zu
fahrung für seine spätere Berufsausübung.
dem Revier, welches nicht durch Erbschaft,
Seine Bundeswehrzeit sah Johann-Friedrich
sondern durch Eigeninitiative dem Besitz
in erster Linie als Dienst am Nächsten und
der Familie zugefügt worden ist.
als Chance, seine persönliche Fortbildung
Das gemeinsame Leitziel der beiden Inim Umgang mit Menschen und seine Fähigkeiten als Führungskraft auszubauen. Als
haber der Castell’schen Unternehmen hat
Dank hierfür wurde ihm das Ehrenkreuz
Fürst Johann-Friedrich mit voller Überzeuder Bundeswehr in Gold zuteil.
gung gelebt: „Wir sehen uns als Treuhänder
Johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen mit
Eine Banklehre, mehrere Praktika sowie seiner Brandlbracke in seinem Revier Oberschönau
für den uns anvertrauten Besitz. Was wir
von unseren Vätern übergeben bekamen,
eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann
in Deutschland und den USA vervollständigten Johann-Friedrichs
wollen wir erhalten und wo irgend möglich, größer, schöner, staVorbereitungen im Vorfeld seiner zukünftigen Aufgabenwahrbiler und ertragreicher in die nächste Generation weitergeben.“
nehmung. Der berufliche Anfang im Familienunternehmen war
Für Johann-Friedrich war sein Wirken für das Unternehmen
der Aufbau des Immobilienbereiches der Castell-Bank und die
Berufung und Lebensinhalt. Seine Familie gab ihm dabei Rückverantwortliche Leitung in deren Anfangsjahren.
halt und Kraft. Niemals vergaß er dabei seinen geliebten Hei Am 11. Juni 1983 heiratete der damalige Erbgraf Johannmatort Rüdenhausen. Die traditionell enge Verbindung zwischen
Friedrich im portugiesischen Sintra Maria Gräfin von SchönbornMarktgemeinde und Familie hat die Gemeinde zu einem Nachruf
Wiesentheid. Am 31. Mai 1985 wurde ihr erster Sohn, Erbgraf
veranlasst, der eine große Freundschaft dokumentiert.
Otto zu Castell-Rüdenhausen, geboren. Ihm folgten die Töchter
Im Vordergrund allen Denkens und Handelns stand für JoOlga (1987) und Anna-Magdalena (1989) und sein zweiter Sohn
hann-Friedrich der Mensch, seine Familie, seine Mitinhaber,
Anton (1992). Fortan hatte neben der Leitung seines Unternehseine Mitarbeiter, seine Freunde, Kameraden und Kollegen,
mens seine Familie höchste Priorität.
eben alle, die ihn kannten und ihn wegen seiner Art liebten und
Nach dem Tod seines Vaters im Herbst 2007 übernahm
schätzten. Äußerer Beweis hierfür war die große Trauergemeinde
anlässlich seiner Beisetzungsfeierlichkeiten in Rüdenhausen, die
Johann-Friedrich als fünfter Fürst zu Castell-Rüdenhausen die
Geschicke des Hauses und des Unternehmens. Als Mitinhaber
außergewöhnlich persönlich gehaltenen Nachrufe und die den
aller Fürstlich Castell’schen Betriebe war es seine ruhige, überFamilien entgegengebrachten Kondolenzwünsche.
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Hochkarätiger
Dialog beim
Casteller Colloqium I
Dr. Sebastian Klein, Vorsitzender des Vorstandes der Fürstlich Castell’schen Bank,
zu Beginn der Podiumsdiskussion
F
erdinand Erbgraf zu Castell-Castell und Anton-Wolfgang
Graf von Faber-Castell begrüßten und gaben eine Einführung zum Thema des Casteller Colloquium I „Wachstumsschwäche in Europa – welche Impulse können in Deutschland
und anderen europäischen Ländern zu nachhaltigem Wachstum
führen?“, einer Veranstaltung, zu der Faber-Castell und die Fürstlich Castell’sche Bank eingeladen hatten. Rund 150 Gäste waren
der Einladung in das Graf von Faber-Castell’sche Schloss in Stein
bei Nürnberg gefolgt und erlebten eine spannende Podiumsdiskussion mit kontroversen und konstruktiven Standpunkten von
Seiten der Wirtschaft, der Politik und der Banken. Moderiert von
Die Teilnehmer an der Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Herbert Hainer, Oliver Götz,
Dr. Sebastian Klein, Dr. Luise Hölscher und Christian Lindner
Peter Praet,
Mitglied des
Direktoriums der
Europäischen
Zentralbank
Dr. Sebastian Klein, Vorsitzender des Vorstandes der Fürstlich
Castell’schen Bank, nahmen die Teilnehmer sehr engagiert und
pointiert dazu Stellung, was geschehen müsste, dass beispielsweise der nächste Internet-Gigant wie Google nicht aus dem Silicon Valley kommt, sondern deutscher Provenienz ist.
Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren: Oliver Götz,
Gründer und Unternehmer in den Bereichen Healthcare und IT;
Herbert Hainer, Vorstandsvorsitzender der adidas AG; Professor
Dr. Luise Hölscher, Staatssekretärin a.D., Vizepräsidentin der
Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung; Christian Lindner MdL, Bundesvorsitzender der FDP.
Die gesamteuropäische Sicht der aktuellen Lage und Entwicklung der Wirtschaft im Euroraum sowie die Einschätzung
der EZB beleuchtete im Anschluss daran Peter Praet, Mitglied
des Direktoriums der Europäischen Zentralbank.
Die lebhafte Diskussion im Anschluss an die Beiträge sowie in
den Pausen dokumentierte das große Interesse der Gäste an diesem Thema und den geäußerten Anregungen der Vortragenden.
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Sonderdruck aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 17. Mai 2014
Die Castell-Bank wettet nicht
auf Aktienkurse
Konservativ und solide – so präsentiert sich die fürstliche Privatbank /
Von Christian von Hiller
RÜDENHAUSEN, 16. Mai. Direkt neben der A 3 liegt die Idylle. Die Autobahn
zwischen Würzburg und Nürnberg ist dicht
befahren, Lastwagen belegen die rechte
Spur. Doch direkt an der Abfahrt Wiesentheid wird die Landschaft lieblich und führt
in sanften Wellen von den Weinbergen hoch
in den Steigerwald.
Hier hat eine der ältesten Privatbanken
Deutschlands ihren Ursprung, die Fürstlich Castell’sche Bank Credit-Casse AG.
Hier leben die Eigentümer, die beiden
miteinander verwandten Familien CastellRüdenhausen und Castell-Castell, die 2,8
Kilometer voneinander entfernt wohnen,
die eine im Schloss Rüdenhausen, die andere im Schloss Castell.
Mittlerweile macht sich die Castell-Bank
einen Namen über ihr angestammtes Gebiet
hinaus in ganz Deutschland, vor allem in der
Betreuung vermögender Privatkunden. Da
halten die Eigentümerfamilien jene Werte
hoch, die ihnen halfen, dass ihr Vermögen
die Jahrhunderte überdauerte. „Kontinuität,
Unabhängigkeit, Leistungsfähigkeit“ – mit
diesen Schlagworten beschreibt Erbgraf
Castell-Castell die Werte, für die er bei der
Castell-Bank einsteht.
Die großen und mächtigen Banken, gegen
die Castell antritt, würden diese Werte
vielleicht als langweilig beschreiben. Doch
in Zeiten, in denen viele vermögende Privatkunden aggressives Marketing und immer
kürzere Modewellen satthaben, rechnet sich
die Castell-Bank Chancen aus. „Bei uns hat
die Bewahrung von Vermögen oberste Priorität“, sagt Sebastian Klein, der mit Klaus
Vikuk den Vorstand der Castell-Bank stellt.
„Diese Haltung entspricht den Grundwerten
unserer Eigentümerfamilien.“
Klein selbst kennt die andere Seite im
Finanzgeschäft. Er leitete früher das Private
Banking der Commerzbank, und das nicht
ohne Erfolg. Anschließend wechselte er an
die Spitze der Fondsgesellschaft der Commerzbank, Cominvest, die nach einigen
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Fusionen, Zusammenschlüssen, Krisen und
Übernahmen in der Allianz Global Investors
aufgegangen ist. Seit etwas mehr als zwei
Jahren arbeitet Klein für die Castell-Bank,
seit gut einem Jahr als ihr Vorstandsvorsitzender.
Die Prinzipien, denen sich die Bank verpflichtet fühlt, tragen auch schon Kleins
Handschrift – in sie dürften die Erfahrungen eingeflossen sein, die Klein in der Welt
der Großbanken machte. Sie lesen sich wie
ein Gegenprogramm: Vermögen bewahren, Risiken begrenzen, nachvollziehbare
Entscheidungen, kostenbewusstes Agieren,
Loyalität zu den Kunden, hohe Liquidität
bewahren, faire und transparente Gebühren
– dies sind die Grundsätze, mit denen die
Castell-Bank in der Vermögensverwaltung
Kunden gewinnen und halten will.
Vieles macht die Bank nicht und lehnt
es aus Überzeugung ab. „Unsere Stärke
liegt in der Asset Allocation“, sagt Klein, in
der Aufteilung des Vermögens auf die großen Vermögensklassen – Aktien, Anleihen,
Währungen. Die Auswahl von Einzeltiteln,
gar Wetten auf Kurssprünge in einzelnen
Aktien – das alles ist nicht die Sache von
Castell. Die Bank biete auch kein Private
Equity an oder andere Beteiligungsformen
an Unternehmen, Windkraftparks oder anderen Projekten, berichtet Klein. „Wir bleiben
in hochliquiden Anlagen“, sagt dieser.
Im Jahr 1774 entstand die Bank, zunächst
als Sparkasse, als Credit-Casse, die nach
einer schweren Hungersnot den Menschen
in der Region finanziell durch diese Krise
helfen sollte. Dank der Sparkasse bekamen
sie Kredit bis zur nächsten Ernte. Im Jahr
1857 kam die Gräflich Castell’sche Neue
Credit-Casse hinzu, die auf die Betreuung von Firmenkunden und vermögenden
Privatkunden ausgerichtet war. Erst im Jahr
1941 fusionierten die beiden Banken zur
Fürstlich Castell’schen Bank, die ihren Sitz
allerdings nicht mehr im Örtchen Castell,
sondern mittlerweile in Würzburg hat.
Bis heute jedoch hat die Castell-Bank die
Verbindung zu ihrer Geschichte nicht gekappt. In ihrer Stammregion ist sie nach wie
vor die Bank für die alltäglichen Geschäfte
der Bevölkerung in diesem ländlich geprägten Gebiet. Da ist von Geschäftsstellen in
Burghaslach, Markt Einersheim, Schlüsselfeld oder Gerolzhofen die Rede. Hier bietet
die Bank Girokonten, Sparbücher und all
die anderen klassischen Bankprodukte an.
Daneben besteht das Mittelstandsgeschäft,
mit all seinen Höhen und Tiefen. Im vergangenen Jahr hat der Zusammenbruch eines
größeren Kreditkunden das Ergebnis der gesamten Bank gedrückt.
Dabei hatte die Castell-Bank in den vergangenen Jahren den Gewinn kräftig gesteigert. Im Jahr 2010 belief sich der Gewinn
auf gerade einmal eine halbe Million Euro.
2011 waren es 2,1 Millionen und 2012 sogar
etwas mehr als 6 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr fiel er auf 4,6 Millionen Euro,
weil die Bank der Risikovorsorge im Kreditgeschäft rund 3 Millionen Euro zuführen
musste. „Es herrscht ein fast schon ruinöser
Wettbewerb um Firmenkunden mit besserer
Bonität“, beklagt Vorstand Vikuk. Glücklicherweise läuft es in der Beratung besser.
So ist der Zinsüberschuss zwar von 23,3
Millionen auf 21,3 Millionen Euro gefallen, der Provisionsüberschuss jedoch – die
Einnahmen aus der Beratung von Kunden
– ist von 11,7 Millionen auf 12,4 Millionen
Euro gestiegen. Mit einer Bilanzsumme von
etwas mehr als 1 Milliarde Euro und rund
290 Angestellten ist die Castell-Bank etwa
so groß wie eine mittlere Sparkasse.
Vom Jahresgewinn entnehmen die Eigentümerfamilien für sich rund 1,4 Millionen
Euro – das ist im Vergleich zu Sparkassen
und anderen Banken dieser Größenordnung
nicht allzu viel. Doch auch die Eigentümer
tragen das Ziel der Bankführung, bis zum
Jahr 2016 die Eigenkapitalanforderungen
der Bankenaufsicht nach Basel III zu erfüllen.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung
Vertreten werden die Eigentümer durch
Fürst Johann-Friedrich zu Castell-Rüdenhausen, seinen Vetter Fürst Albrecht zu Castell-Castell und durch dessen Sohn Erbgraf
Ferdinand zu Castell-Castell, der neben der
Leitung des forstwirtschaftlichen Betriebs
und des Weinguts auch in der Bank eine
aktive Rolle übernommen hat. Die Seitenlinie der Grafen von Faber-Castell, bekannt
auf der Welt für ihr Schreibwarenunternehmen Faber-Castell, entstanden im Übrigen,
als Graf Alexander zu Castell-Rüdenhausen im Jahr 1898 Freiin Ottilie von Faber
heiratete und König Otto I. von Bayern der
Umbenennung in Graf von Faber-Castell
zustimmte.
Es ist viel von Regulierung und hohen
Kosten die Rede. Vor vier Jahren hat die
Bank ihre Informationstechnologie komplett
an die GAD ausgelagert, ein Rechenzentrum
der Volks- und Raiffeisenbanken, das nun
mit der Fiducia IT fusionieren soll. Dadurch
sank der Verwaltungsaufwand von rund
12 Millionen Euro im Jahr 2010 auf nun
knapp 8 Millionen Euro. Auf 3 Millionen
Euro jährlich schätzen Klein und Vikuk
übereinstimmend die jährliche Kostensenkung durch die Auslagerung der IT.
„Wir sind auf der Kostenseite sehr vorsichtig geworden“, sagt Vikuk. „Wir haben
Sorge vor weiteren hohen Belastungen
durch die Bankenregulierung und die An-
forderungen der Aufsichtsbehörden.“ Deshalb berät die Castell-Führung nun mit
anderen mittelständischen Privatbanken
wie der Flessabank in Schweinfurt oder
der Bank Schilling in Hammelburg über
Arbeitsteilung im administrativen Bereich.
„Das sind keine Gespräche, um unsere Unabhängigkeit aufzugeben, sondern um sie zu
bewahren“, stellt Klein klar. Denn die steht
auch nach 240 Jahren nicht zur Disposition.
© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter
Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter
Allgemeine Archiv. www.faz-rechte.de/
sonderdrucke htm.
Die Eigentümer der Fürstlich Castell’schen Bank:
Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell (links) und Otto Erbgraf zu Castell-Rüdenhausen
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Von links nach rechts obere Reihe: Stefan Waldhauser (Portfoliomanager), Klaus Vikuk (Vorstand), Dr. Achim Hammerschmitt (Leiter
Vermögensverwaltung & Fondsmanagement) Dr. Sebastian Klein (Vorsitzender des Vorstandes), Thomas Lamina (Produktmanager);
vordere Reihe: Dr. Dirk Schmitt (Senior Portfoliomanager), Carsten Stillbauer (Senior Portfoliomanager)
Eine erste Erfolgsbilanz der
Vermögensverwaltenden Fonds
zieht der Vorstand der Fürstlich Castell’schen Bank
Casteller Nachrichten: Im Gespräch mit Kunden
und Mitarbeitern der Fürstlich Castell’schen
Bank fällt oft die Bezeichnung Premium Produkt,
wenn von den Vermögensverwaltenden Fonds die
Rede ist. Was ist damit gemeint?
Dr. Sebastian Klein: Die Vermögensverwaltenden
Fonds sind erst zweieinhalb Jahre alt, sie stellen jedoch das Granulat unserer langjährigen Erfahrung
für eine solide Vermögensanlage dar. In der Verteilung des Fondsvermögens auf die verschiedenen
Anlageklassen sowie im konsequenten, täglichen
Risikomanagement dokumentiert sich unsere konservative Grundausrichtung, welche die langfristige, reale Bewahrung des Vermögens zum Ziel
hat.
CN: Sie sprechen von der Akzeptanz der Fonds
bei vielen Kunden, können Sie diese beziffern?
Dr. Sebastian Klein: Die Vermögensverwaltenden
Fonds weisen seit ihrer Auflage ein kontinuier-
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liches Volumenwachstum auf; bis dato beträgt das
Fondsvolumen bereits weit über 100 Millionen
Euro. Das ist auch im Marktvergleich ein schöner
Erfolg.
Für das Vertrauen, das uns unsere Kunden damit entgegengebracht haben, möchten wir uns an
dieser Stelle herzlich bedanken. Die solide Verwaltung der uns anvertrauten Gelder ist für uns
Verantwortung und Verpflichtung zugleich. Diese
Verantwortung nehmen wir gerne an.
CN: Worauf führen Sie diese hohen Volumenszuflüsse bei einem so jungen Anlagekonzept
zurück?
Dr. Sebastian Klein: Es sind aus meiner Sicht drei
wesentliche Faktoren, die hier eine Rolle spielen.
Erstens ist die Anlage in Form von Fonds sowohl
für die Besitzer großer Vermögen als auch für
kleinere Anlagebeträge, wenn auch zum Teil aus
unterschiedlichen Gründen, gleichermaßen interessant.
Zweitens sind die Vermögensverwaltenden Fonds gar nicht so
jung, wie es den Anschein haben mag, denn die Grundsatzphilosophie der risikoorientierten, konservativen Anlage mit breiter
Streuung über alle liquiden Anlageklassen ist genau die Anlagephilosophie, die wir schon sehr lange in unserer individuellen
Vermögensverwaltung beherzigen. Und Drittens trifft dieses Anlagekonzept das Bedürfnis vieler
Kunden nach einer kontinuierlichen Entwicklung ihres Vermögens, bei dem einem realen Vermögenserhalt höhere Priorität als
der „Jagd“ nach dem letzten Renditepunkt eingeräumt wird.
Klaus Vikuk: Die Investmentstrategie der Vermögensverwaltenden Fonds ist in hohem Maße stimmig mit der Fürstlich
Castell’schen Bank und der Einstellung ihrer Eigentümer. Der
Ansatz passt einfach zu uns. Dazu kommt das über Jahre gewachsene Vertrauensverhältnis unserer Kunden zur Bank und ihren
jeweiligen Beratern. Die Berater selbst identifizieren sich mit der
Bank und ihren Werten und finden es gut, dass die Grundhaltung
der Bank nun in Form einer spezifischen Anlagemöglichkeit für
nahezu alle unsere Kunden angeboten werden kann.
CN: Realer Vermögenserhalt – das klingt gut und einfach, aber
ist das auch möglich bei den derzeit so niedrigen Zinsen?
Dr. Sebastian Klein: Hier lautet unsere Antwort ganz klar: Die
richtige Streuung ist entscheidend. Wir investieren in unseren
Vermögensverwaltenden Fonds in alle liquiden und transparenten Anlageklassen: Aktien, Renten und Alternative Anlagen
(zum Beispiel Rohstoffe, Edelmetalle, Immobilienaktien). Durch
die optimale Aufteilung auf diese Anlageklassen und deren dynamische Anpassung gelingt es, bei kontrolliertem Risiko, vernünftige Renditen kontinuierlich zu erreichen, auch in Zeiten
niedriger Zinsen.
CN: Was bedeutet kontrollierte Risiken?
Klaus Vikuk: Ökonomisch und emotional sollte sich ein Kunde
mit seiner Anlage wohlfühlen. Was bringt eine vermeintlich attraktive Anlage, die sie aufgrund ihrer Schwankungen nicht ruhig schlafen lässt. Daher sind Risikobudgets für uns so zentral:
Die meisten Anleger können ganz gut beziffern, welche Summe
ihres Vermögens unter keinen Umständen unterschritten werden soll. Im ausgewogenen Fonds legen wir beispielsweise ein
Risikobudget von 10 Prozent zugrunde, das wir einsetzen, um
Renditen oberhalb des derzeit sehr niedrigen risikolosen Zinses
zu erzielen.
Dr. Sebastian Klein: Die Einhaltung der Risikobudgets ist für
uns unabdingbar. Deshalb analysieren wir Risiken kontinuierlich
und handeln entsprechend konsequent; möglichst bevor diese
Risiken in voller Wucht schlagend werden, oder bildlich gesprochen: Wir öffnen den Regenschirm schon, wenn wir viele dunkle
Wolken am Horizont erkennen. Ziehen die Wolken vorbei, ohne
abzuregnen, war es dennoch der Mühe wert, denn im Regen zu
stehen, bedeutet für die Geldanlage erhebliche Verluste, die nur
sehr schwer wieder aufzuholen sind.
Wertentwicklung des Vermögensverwaltenden Fonds Strategie ausgewogen
der Fürstlich Castell’schen Bank (kumuliert) seit Auflage. Darstellungen oder
Angaben zur Wertentwicklung der Vergangenheit sind kein verlässlicher
Indikator für künftige Wertentwicklungen.
Quelle: Depotbank und Fürstlich Castell’sche Bank, Stand 31.10.2014
CN: Diese risikoorientierte Anlagestrategie ist
doch sicher mit Kosten verbunden. Welche Rendite ist
dann für den Anleger noch erzielbar?
Klaus Vikuk: Natürlich hat die Gewissheit, auch turbulente
Märkte gut zu überstehen, ihren Preis. Wir stellen aber fest, dass
diese, unsere seit jeher konservative Haltung als unabhängige
Privatbank, seit 1774 in kontinuierlichem Familienbesitz, zunehmend dem Bedarf der Kunden entspricht. Die Anleger sind durch
die auch anderorts gemachten Erfahrungen der Finanzkrise risikobewusster geworden.
Dr. Sebastian Klein: Um in etwa eine Vorstellung von dem möglichen Renditeniveau unseres Ansatzes geben zu können, verweise ich beispielhaft auf die Performance unseres ausgewogenen Vermögensverwaltenden Fonds in 2013. Wenngleich die
vergangene Performance kein Garant für die zukünftige Weiterentwicklung ist, sind die knapp 6 Prozent nach Kosten ein guter
Indikator. Im gerade ablaufenden Jahr liegen wir per Anfang
November bei über 3,5 Prozent nach Kosten. Übrigens ist die
Wertentwicklung der Fonds transparent nachvollziehbar durch
die täglich unabhängige Feststellung und Veröffentlichung des
Fondspreises.
CN: Für wen eignet sich das Konzept,
gibt es eine Mindestanlagesumme?
Dr. Sebastian Klein: Die Vermögensverwaltenden Fonds sind der
sichtbare Ausdruck unserer Anlagephilosophie und der Casteller Anlagegrundsätze. Gerne prüfen die Berater der Fürstlich
Castell’schen Bank im persönlichen Gespräch mit jedem interessierten Kunden auf Grundlage der jeweiligen persönlichen
Situation und der individuellen Wünsche des Kunden die Anlagemöglichkeit in die Vermögensverwaltenden Fonds. Wir freuen
uns über jeden Kunden.
Casteller Nachrichten 44|2014
11
12 Casteller Nachrichten 44|2014
Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell begrüßte die Familie im Schlosshof in Castell.
FAMILIENTAG MIT URGROSSMUTTER
A
m letzten Maiwochenende fanden sich auf Einladung
der beiden Fürsten und Erbgrafen viele Mitglieder
der Familien Castell-Rüdenhausen und Castell-Castell aus Nah und Fern in der fränkischen Heimat ein.
Der Familientag, eine liebgewonnene Tradition, findet in unregelmäßigen Abständen statt und ermöglicht immer
wieder einen regen Austausch zwischen den Familienangehörigen beider Linien.
Erinnerungen
Neben weiteren Begegnungen und Besichtigungen stand der Samstagabend
ganz im Zeichen von Fürstin Emma zu
Castell-Rüdenhausen
(1841–1926).
Fürstin Emma, Urgroßmutter von
Fürst Johann-Friedrich, hinterließ ein
1250 Seiten umfassendes handschriftliches Manuskript in zwei, in Leinen
gebundenen, Kästen. Ihre Lebenserinnerungen hatte sie 1916 während des
Ersten Weltkriegs aufgeschrieben und
ihrer Tochter Marie und deren Mann
Christian-Ernst Stolberg-Wernigerode
zur Silbernen Hochzeit geschenkt.
Jesko Graf zu Dohna, Leiter des
Fürstlich Castell’schen Archivs, nahm
sich dieser Blattsammlung an. Zum
Familientag konnte er als Herausgeber
das druckfrische Buch mit dem Titel
„Erinnerungen“, den Verwandten vorstellen: „Lebenserinnerungen von Frauen aus standesherrlichen Familien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurden für ein weites Publikum nur selten
gedruckt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Häufig handelt es sich um Damen, die selbst oder deren Männer Ämter an
einem Hof hatten. Die meisten Manuskripte wurden nur in der
Familie weitergereicht oder in kleiner Auflage als Privatdrucke
herausgebracht. Darüber hinaus sind
auch nur wenige Biographien über
standesherrliche Frauen erschienen.
Die Erinnerungen der Fürstin Emma
zu Castell-Rüdenhausen sind daher
eine reizvolle Ergänzung der bisher
erschienenen Memoirenliteratur. Sie
zeichnen sich nicht durch exotische
Berichte von fernen Ländern oder
Höfen aus, sondern schildern ungeschminkt das standesbewusste Leben
einer hessisch-fränkischen Landedelfrau, die den ganzen Kosmos adeligen
Lebens in Franken lebendig illustriert.“
Nach dem Vortrag fand sich die Familie zum Gruppenbild (links) auf der
Altane zusammen.
Emma Fürstin zu Castell-Rüdenhausen:
„Erinnerungen“ herausgegeben von Jesko Graf zu
Dohna (Veröffentlichungen der Gesellschaft für
fränkische Geschichte, Reihe XIII, Band 50)
704 Seiten, über 400 Abbildungen teilweise
in Farbe, 6 Stammtafeln, WiKomm-Verlag,
ISBN 978-3-86652-050-9, Euro 39,80
Fotos links: Den passenden Rahmen zur Buchpräsentation durch Jesko Graf zu Dohna (oben links) bildete der zweistöckige Saal der Großen Bilbliothek mit umlaufender
Galerie. Unten rechts: Gabrielle Erbgräfin zu Castell-Castell (l.) mit Henriette Gräfin zu Castell-Rüdenhausen.
Casteller Nachrichten 44|2014
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Eintragung ins Gästebuch:
S.E. der Botschafter Jumaa
Mubarak Al Junaibi der Vereinigten Arabischen Emirate
Fürstin Maria (3.v.l.) mit ihrer
Schwester Teresa Gräfin von
Schönborn und den Schwägern
Graf Rupert (l.) und Graf Manto
Rein, Echt, Edel, Unverfälscht
Asil Araber zu Gast in Castell
Ein Asil Araber ist ein Pferd, dessen
Abstammung ausschließlich auf
die Beduinenzucht der arabischen
Halbinsel zurückgeht, und bei
dem zu keiner Zeit nicht arabische
Pferde eingekreuzt worden sind.
Asil bedeutet rein, echt, edel,
unverfälscht.
14 Casteller Nachrichten 44|2014
Bei der Begrüßung zur Eröffnung des Asil Cup 2014 sitzend v.l.:
Fürst Albrecht, Senator h.c. Dr. W. Georg Olms (1. Vorsitzender Asil Club),
Sheika Lulua Al Sabah, S.E. Jumaa Mubarak Al Junaibi, Fürstin Marie-Louise
und Georg Thierer (2. Vorsitzender Asil Club)
D
er Schlossgarten Castell war im August Kulisse für die Austragung des Asil Cup International 2014 unter der Schirmherrschaft von H.H. Sheikh Mansour Bin Zayed, Vize-Premierminister und Minister für präsidiale Angelegenheiten der
Vereinigten Arabischen Emirate. In den Stallzelten auf dem Weinfestparkplatz zogen 170 Pferde ein. Auf der Koppel unterhalb des
Schlosses entstand ein professioneller Sandplatz, daneben wuchs
eine Tribüne in die Höhe. An drei Tagen fanden rund um die Asil
Araber Zuchtschauen, Championate, Reitklassen, Distanzritte sowie ein Schauprogramm mit über 7.000 Zuschauern statt.
Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell in seiner Begrüßungsrede vor dem Vorstand des Asil Clubs und den arabischen Gästen: „Die Liebe zu Pferden ist in unserer Familie alt und weit
verbreitet. Meine ganze Familie freut sich, in den nächsten Tagen
Ihre schönen Pferde kennenzulernen. Mögen Sie die Tage hier
genießen mit Pferden, die eine Brücke zwischen den Kulturen
sind. Mit Pferden, die aus Ihrer Heimat stammen, und die eine
Heimat in vielen Herzen in unserem Land gefunden haben.“
Im Hintergrund ist das Gästebuch
des Casteller Schlosses zu sehen:
eine einmalige Veranstaltung
erfordert eine einmalige Illustration ,
die von Gabrielle Erbgräfin zu CastellCastell gemalt wurde.
Die Distanzritte über 84, 63 oder 36 km
starteten im Schlosspark.
Das konkave Profil (Hechtkopf) ist typisch für die Araber-Pferde
Klaus Krzisch, Oberbereiter a.D. der Spanischen Hofreitschule Wien,
zeigte Klassische Reitkunst
Freier Galopp nach erfolgreicher Premierung zum Champion 2014
Casteller Nachrichten 44|2014
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Matthias Graf zu Castell-Rüdenhausen
Ein fränkischer Hanseat
Seit beinahe 20 Jahren lebt Matthias Graf zu Castell-Rüdenhausen, der jüngste Sohn von
Fürst Siegfried und Fürstin Irene, in Hamburg. Die Hansestadt ist sein Zuhause geworden –
sein „Heimathafen“ aber ist und bleibt das fränkische Rüdenhausen.
16 Casteller Nachrichten 44|2014
1974 im Kreise meiner Eltern und sieben Geschwister – in gleicher Haltung, wie 40 Jahre später im Hamburger Hafen.
A
ls jüngster Sohn von Fürst Siegfried und Fürstin
Irene zu Castell-Rüdenhausen wurde ich in Würzburg im Missionsärztlichen Krankenhaus geboren.
Meine Mutter wollte endlich einmal in Ruhe ein
Kind zur Welt bringen, ohne den Trubel, der auf
Grund der anderen Kinder, Geschwister und Hunde in Rüdenhausen herrschte.
Mit sieben Geschwistern aufzuwachsen, war sehr aufregend
und spannend, obwohl der Abstand zu meinem ältesten Bruder
immerhin 18 Jahre ist. So habe ich in Rüdenhausen eine unbeschwerte, erlebnisreiche Kindheit und Jugend erlebt. Unsere
Sommerferien verbrachten wir im von uns allen geliebten Steinwänd (Salzburger Land), in Dänemark und auf der Nordseeinsel
Juist. Wie meine Mutter auch, habe ich dort den Norden kennen
und lieben gelernt. Wenn es dann wieder nach Hause ging, war
Mit meinem ältesten Bruder Johann-Friedrich …
immer Kirchweih in Rüdenhausen. Von der Autobahn kommend
waren wir so aufgeregt, dass wir es kaum erwarten konnten, das
Karussell und die Schießbude zu sehen.
Die Kirchweih in Rüdenhausen
ist mit viel Heimweh verbunden
Als ich das Alter erreicht hatte, um an der Kirchweih mitzuwirken, war ich unter anderem Schlosstänzer und später zog ich bei
der Bürgerwehr zehn Jahre als Trommler mit. Bei der Rüdenhäuser Kirchweih nicht dabei sein zu können, ist für mich mit sehr
viel Heimweh verbunden. In diesen Tagen ist meine Stimmung
dementsprechend schlecht. In Gedanken bin ich viel in Rüdenhausen, meiner fränkischen Heimat und ich freue mich jedes
Mal wieder wie ein kleiner Junge, in meine Heimat zu kommen.
… meinem Bruder Manto in Steinwänd …
… und meiner Mutter, Fürstin Irene, 1972.
Casteller Nachrichten 44|2014
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1991 wurde mir das Ehrenkreuz der Bundeswehr
verliehen
Eigentlich „Wengertsmusikant“, spiele ich auch hin und wieder als Gastmusiker Trompete, wie z.B. bei den
Winzerkitteln in Castell, anlässlich des Besuches von Bundespräsident Richard von Weizsäcker in Castell, 1992
Den Mauerfall erlebte ich als Soldat
Meine Schulzeit verbrachte ich in Wiesentheid, Garmisch-Partenkirchen und in Würzburg.
Nach meiner Grundausbildung bei der Bundeswehr in Hammelburg kam ich nach Hardheim zum Instandsetzungsbataillon
12. Das Bataillon siedelte später nach Volkach in die neue Mainfranken Kaserne über. Somit war ich einer der ersten Soldaten,
die in Volkach untergebracht wurden. Im Stab des Bataillons
eingesetzt, besuchte ich diverse Lehrgänge in ganz Deutschland,
und erlebte dort eine sehr interessante und vielseitige Aufgabe
als aktiver Zeitsoldat. Im Frühjahr 1991 wurde mir das Ehrenkreuz der Bundeswehr verliehen.
Ein besonders intensives Erlebnis war der Mauerfall 1989,
den ich als Soldat erlebte. Nach dem morgendlichen Antreten
mussten alle ihre Stuben räumen und für die eintreffenden deutschen Mitbürger aus der ehemaligen DDR vorbereiten. Die Menschen aus dem Osten waren so voller Dankbarkeit und Glück,
dass sie uns um den Hals fielen und uns von Herzen dankten,
endlich in Freiheit zu sein. Sicherlich für den außenstehenden
Betrachter ein merkwürdiges Bild, für uns Beteiligte aber ein besonderer Moment, der Frieden und Freiheit widerspiegelte, den
wir am eigenen Leib erleben durften.
Aufgrund der Finanzkrise wurde ich, wie viele andere in der
Branche, gekündigt. Es folgte die Arbeitslosigkeit, welche ich mit
Hilfe meiner Familie gemeistert habe. Eine Erfahrung, die man
nicht unbedingt machen muss, welche aber für meinen weiteren
Lebensweg prägend war. Die Kraft, die mir meine kleine Familie
in Hamburg, aber auch meine große Familie in Rüdenhausen in
dieser Zeit gegeben hat, war einzigartig und wichtig.
Nach Stationen in der chemischen Industrie und der Dienstleistungsbranche arbeite ich heute im Finanzsektor als Prokurist
bei einem Spezialanbieter für geschlossene Immobilienfonds im
Bereich von Alten- und Pflegeheimen.
Ausbildung und berufliche Karriere mit Höhen und Tiefen
Im Anschluss an meine aktive Zeit als Soldat absolvierte ich eine
kaufmännische Ausbildung. Da mir das Fach Rechnungswesen
etwas schwer fiel, suchte ich Rat und Hilfe bei dem langjährigen
Leiter der Fürstlich Castell’schen Kanzlei, Franz Schuster. Er
konnte mir ein Wissen beibringen, das mir eine gute Abschlussprüfung ermöglichte. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar.
Auf der Suche nach einer festen Beschäftigung traf ich August Lenz sen. aus Kitzingen, mit dessen Sohn ich zusammen im
Internat war. Er bot mir eine Stelle in der Heinrich Huppmann
AG in Kitzingen an. Dafür sollte ich meine Kenntnisse in Außenhandelsfragen vertiefen und diese bei einer Bank auffrischen.
Meine Wahl fiel auf die Berenberg Bank in Hamburg, in der ich
einen neunmonatigen Trainee absolvierte.
Sehr schnell merkte ich, wie schön und großartig Hamburg
ist und entschloss mich, das Angebot bei Huppmann auszuschlagen um in Hamburg Fuß zu fassen. Jahre später saß ich dann im
Aufsichtsrat der Huppmann AG – meine Absage war vergessen.
18 Casteller Nachrichten 44|2014
1996 heirateten meine Frau Christiane, geb. Blau, und ich kirchlich in
Rüdenhausen, meine Eltern feierten im selben Jahr ihre Goldene Hochzeit.
Die Urgroßmutter meiner Kinder, Ursula Stobbe (94), ist für mich treue
Ratgeberin, nicht nur für meine Arbeit als Vorstand der Schiermann Stiftung
Es gibt immer wieder Anlässe für uns nach Franken zu fahren, wie hier zur Feier
des 250-jährigen Jubiläums von Faber-Castell im Jahr 2011
Als Vorstand der Schiermann Stiftung bin ich seit vier Jahren
bemüht, die Pflegesituation in Deutschland zu verbessern und
dies über Projekte zu finanzieren. Die Zusammenarbeit mit dem
Fachkuratorium, welches mit Spezialisten aus der Medizin, sowie u.a. auch mit Frau Prof. Rita Süssmuth und dem Ex-Fußballnationalspieler Olaf Thon besetzt ist, macht viel Freude und ist
erfolgversprechend. Seit zwei Jahren gehören zur Stiftung zwei
Pflegefachschulen in Oldenburg und Bremerhaven, in denen die
Schüler in den Pflegeberufen ausgebildet werden. Jeder einzelne
Absolvent hat nach Abschluss der Prüfung sogleich eine feste Anstellung, was aus meiner Sicht grandios ist, und uns hoffnungs-
voll in die Zukunft blicken lässt. Zudem bin ich als Schöffe am
Amtsgericht Hamburg tätig.
Wengertsmusikanten
Musik ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. In jungen
Jahren spielte ich im Posaunenchor in Rüdenhausen. Nach vielen
Jahren wechselte ich von der Klassik zur Blasmusik. So habe ich
zusammen mit Ludwig Dürr (Mitarbeiter in der Forstabteilung)
bei der Gründung der Wengertsmusikanten mitgeholfen, in dem
wir die Noten als Griffe aufgeschrieben haben. Somit konnte fast
jeder, der ein bisschen Taktgefühl hatte, bei uns mitspielen. Es
war ein tolles Erlebnis zu sehen, wie Menschen auf einfachste
Weise ein Instrument lernten und mit stolzer Brust die Auftritte
meisterten. Ich spielte bei den Wengertsmusikanten die erste
Trompete und konnte bei weiteren Kapellen, wie z. B. den Winzerkitteln aus Castell, aushelfen. Eine besondere Verbindung hatte ich zu der tschechischen Blaskapelle von Ota Heller, der auch
bei meiner Hochzeit in Rüdenhausen aufspielte.
Musikalische Anekdote
Mein Bruder Karl und ich waren zu Gast bei der Hochzeit des
Sohnes von Ota Heller. Ota spielte für das Brautpaar ein Ständchen und brach dabei fürchterlich in Tränen aus. Er erblickte
mich und schmiss seine Trompete über die ganze Gästeschar
in meine Richtung. Ich fing sie auf und spielte für ihn weiter.
Sein Tränenfluss hörte ob der Tatsache nicht auf und fortan war
ich sein Bruder, was er mir dann am Abend mehrfach zu verstehen gab.
Ich freue mich sehr, dass meine Kinder auch musikalisch sind
und dass bei uns zu Hause Klavier und Waldhorn gespielt wird.
Hochzeit im Schloss Rüdenhausen
2014 mit unseren Kindern Victoria und Louis,
die meine Liebe zur Musik teilen
Im Juli 1996 haben meine Frau Christiane und ich standesamtlich in Hamburg und kirchlich in Rüdenhausen geheiratet. Als wir
aus der ev.-luth. Kirche St. Peter und Paul durch die Straßen von
Rüdenhausen in den Schlosspark gingen, folgte uns eine große,
fröhliche Gästeschar durch ein Spalier Rüdenhäuser Vereine, in
denen ich Mitglied bin. Wir feierten ein fröhliches Fest – die
bis dato letzte große Hochzeit, die in Rüdenhausen im Schloss
gefeiert wurde.
Casteller Nachrichten 44|2014
19
Auf einem Hochzeitsempfang in Stein bei Nürnberg mit meiner Frau Christiane
und meinem Patenonkel Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell (l.).
Mit dem oberbayrischen Maler und Bildhauer Matthias Gangkofner verbindet
mich eine lange und tiefe Freundschaft. Gangkofner ist zudem 1. Vorstand des
Münchner Künstlerhaus Vereins für den ich u.a. zwei Jahre in München tätig war.
Zuhause in Hamburg
Ich lebe nun seit knapp 20 Jahren hier in Hamburg. Neben
zwei Jahren Unterbrechung in München, eine doch recht lange Zeit, die aber wie im Fluge vergangen ist. Wir haben viele
Freunde vor Ort, genießen aber auch immer wieder Besuch aus
Franken und freuen uns, mehrmals im Jahr nach Rüdenhausen
zu kommen. Hamburg ist natürlich ein extremer Unterschied zu
Rüdenhausen, aber dennoch bin ich gerne hier und fühle mich
sehr wohl. Die Vorurteile, die man gegenüber den „Nordlichtern“ hat, haben sich nicht bestätigt und ich bin sehr zufrieden
und glücklich.
Sicherlich denke ich immer wieder darüber nach, wie es
wäre, wieder in Franken zu leben – hebe mir diese Gedanken,
oder das mögliche Vorhaben, aber für das Alter auf. Man weiß ja
nie, wo das Leben einen noch so hinführt!
Mit unseren beiden Kindern Victoria (geb. 1998) und Louis (geb.
2001) leben wir in Hamburg. Sie sind uns eine große Freude. Wir
haben hier in zentraler Lage ein Haus mit Garten gekauft. Die
Kinder gehen auf das nahegelegene Gymnasium, und wir genießen die Nähe zur Alster und zur reichhaltigen Natur.
Meine Frau hat 13 Jahre, bis Mitte letzten Jahres, das Kindermodelabel „littlecastell“ geführt, mit dem sie u. a. auch auf den
Casteller Landhaustagen vertreten war. Seit Herbst 2013 hat sie
sich einer neuen Herausforderung gestellt und studiert seitdem
„Ökotrophologie“ (Ernährungswissenschaften). Ehrenamtlich ist
meine Frau seit zwei Jahren für die Stiftung Kinderjahre in Hamburg tätig.
Weiterführende Informationen
zu den Stiftungen, die meiner
Frau und mir am Herzen liegen,
finden sich unter:
www.schiermann-Stiftung.de
www.stiftung-Kinderjahre.de
Als fränkischer Hanseat glücklich in Hamburg, aber mit einem offenen Hintertürchen zur fränkischen Heimat.
20 Casteller Nachrichten 44|2014
Christian Frieß
Um die Trauben sanft vom Berg
in den Keller zu holen, haben wir
in eine Vibrationstraubenannahme
investiert. Ein wichtiger Schritt,
um die mühevolle Detailarbeit
im Weinberg an der Schnittstelle
zum Keller zu verfeinern und
zu perfektionieren!
Der natürlichen GraViTation
nach unten folgend
Casteller Nachrichten 44|2014
21
Domänenrat Karl-Heinz Rebitzer, Kellermeister
Christian Frieß und Vertriebsleiter Philipp Kollmar
(v.l.) sind überzeugt von der neuen Technik, die
erstmals beim 2014er Jahrgang eingesetzt wurde.
V
or dem Herbst 2014 haben wir in eine neue Traubenannahme investiert, um die Qualität unserer Weine
weiter zu verbessern. Ziel der Investition war es, den
Weg der Trauben von den Lesebehältern bis zur Presse so schonend wie möglich zu gestalten. Nach Prüfung verschiedener Systeme haben wir uns für einen Prototypen entschieden
– eine Traubenwanne mit Vibrationsaustrag. Dieses System erlaubt es uns, sowohl große als auch kleinste Mengen ohne mechanische Belastung anzunehmen.
Zugleich haben wir den Vorteil, die Verarbeitung der Trauben exakt auf den zu erzeugenden Wein abstimmen zu können.
So bringen wir für unsere Sekte die Trauben als Ganzes auf die
Presse, um noch feinere und elegantere Sektgrundweine zu gewinnen. Währenddessen können wir die Trauben für unsere Rotweine kontrolliert anquetschen, ohne jedoch Verletzungen der
Stiele und Kerne zu verursachen. Dabei gelingt es uns, die positiven, samtigen Gerb- und Geschmacksstoffe aus den Beeren,
ohne die grünen und harten Gerbstoffe der Stiele und Kerne,
in der Gärung zu extrahieren. Und auch unsere Weißweine profitieren von der gewonnenen Variabilität, insbesondere unsere
Silvaner, die wir jetzt schonend in die Maischebehälter über der
Presse befördern können. Dort verbleiben sie mehrere Stunden,
um die Inhaltsstoffe zu gewinnen, die ihnen später Frucht und
Kraft verleihen.
Mit der neuen Traubenannahme verfügen wir jetzt über die
technisch beste Lösung, um die im Weinberg gewachsene Qualität in Weinqualität zu verwandeln. Ferdinand Erbgraf zu CastellCastell meint: „Das ist das letzte Puzzlestück zwischen der sorgfältigen Pflege der Weinberge und dem behutsamen Ausbau der
Weine im Keller.“
Zum Autor: Kellermeister
Christian Frieß – am
Bedienungspult der
Traubenannahme – war
in Castell Lehrling und
kehrte nach Aufenthalten in Württemberg
und Österreich 1991 als
Kellermeister dorthin
zurück.
22 Casteller Nachrichten 44|2014
Von der Anlieferung bis zur
Traubenpresse in vier Etappen
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Die Trauben und Beeren rutschen über eine Rampe in die angehobene Traubenwanne. Der geringe
Fall verhindert ein Quetschen der Trauben. Differenziert nach Qualitätsstufen können wir nun den
Austrag steuern. Die Rutschpartie geht weiter,
denn das einmalige an unserer Wanne ist, dass wir
sie hydraulisch kippen können und somit das Lesegut schonend Richtung Keller dirigiert wird.
Die Reise führt nun über ein Vibrationsgitter mit
gleichmäßigem Austrag des Leseguts ohne mechanische Belastung der Trauben. Gleichzeitig
werden durch die Schwingungen Insekten gelöst,
die durch schmale Rillen in eine darunter liegende Auffangwanne fallen. Fast könnte man poetisch
werden, wenn man den Beeren zusieht, wie sie
dem Trichter entgegen „tanzen“ …
… und dann wird richtig Fahrt aufgenommen:
Dank der natürlichen Schwerkraft überwinden die
Trauben die nächsten Höhenmeter Richtung Keller
durch einen Trichter im freien Fall. Hier entscheiden wir, ob die unbeschadeten Trauben als Ganzes auf die Presse kommen, genau dosiert, leicht
angequetscht oder abgebeert werden. Zusätzlich
befindet sich in diesem Arbeitsschritt auch noch
die mechanische Sortierung, die Blattstiele und
andere Verunreinigungen auswirft.
Die letzten Meter in Richtung Presse werden bequem und schonend, wie auf einem Rollband, in
einer waagrechten Schnecke zurückgelegt. Die
Qualität des Leseguts ist im Kelterhaus angekommen. Der behutsame Ausbau der Weine kann beginnen – jetzt genauer und kontrollierter – was zu
einer weiteren Qualitätssteigerung beiträgt. Für
die Trauben und uns heißt es: „Ziel erreicht!“
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Casteller Nachrichten 44|2014
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Eichen-Vorausverjüngung im Revier Lisberg
Dieter Hüttlinger
Inventur im Wald
„Wegen Inventur geschlossen“ steht oft an Geschäften am Ende eines jeden Jahres.
Weitgehend unbekannt ist allerdings, dass es auch eine Wald- oder Forstinventur gibt.
Diese findet meist nur alle zehn Jahre statt und der Wald wird hierfür nicht geschlossen.
Z
ehn Jahre nach der letzten Inventur wurde in den Forstbetrieben Castell-Rüdenhausen und Castell-Castell im Zeitraum 2012/13 eine erneute Aufnahme des Ist-Zustandes,
ausgeführt, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Vorrat, Zuwachs
und der nachhaltige Nutzungssatz (Hiebsatz) sind ermittelt, ein
neues Revierbuch wurde geschrieben und eine digitale Forstbetriebskarte angelegt.
Warum eine Forstinventur …
Die aktuelle Forstinventur liefert zusammen mit den Daten von
vor zehn Jahren die Grundlage für eine mittelfristige Forstplanung, die sogenannte Forsteinrichtung. Diese setzt sich wiede-
Ergebnis der Forstinventur
2012/13 hinsichtlich der
Bestandsveränderung in
den Baumarten im Vergleich
von vor zehn Jahren:
24 Casteller Nachrichten 44|2014
Fichte: –11,9 Prozent
rum aus der Inventur, der betriebsweisen Aufnahme und dem
Begang, der bestandsweisen Aufnahme zusammen.
… und wie funktioniert diese?
Ein Probekreis im Durchmesser von 12 m wird repräsentativ für
je zwei ha angelegt. In dessen Mitte befindet sich ein Inventurpunkt, der durch einen vergrabenen Magneten markiert ist. Die
Bäume (Derbholz) werden mit Winkel und Abstand zum Mittelpunkt aufgenommen sowie deren unterschiedliche Parameter
wie Baumart, Brusthöhendurchmesser und Baumhöhe erfasst.
Daneben werden auch Qualitäten und Schäden der Bäume erhoben.
Tanne: +1,1 Prozent
Douglasie: +0,4 Prozent
Kiefer: –2,3 Prozent
Derbholz: Die oberirdische Holzmasse ab 7 cm Durchmesser in
Rinde, mit Ausschluss des bei der Fällung am Stock verbleibenden
Schaftholzes. Die restliche Holzmasse entspricht dem
Nichtderbholz.
Edellaubhölzer: In der Regel umfasst der Begriff die Hölzer Ahorn,
Ulme, Esche, Vogel-Kirsche, Mehlbeerbaum, Speierling, Elsbeere,
Vogelbeere, Echte Mehlbeere, Holzapfel, Birne.
Hiebsatz: Gibt die flächenbezogene nachhaltige jährliche
einschlagbare Holzmenge an. Der jährliche Hiebsatz ist der
Hiebsatz, der pro Jahr entsprechend der einzelbestandsweisen
Planung der Forsteinrichtung zu hauen ist.
Kalamitätsflächen: Großflächige unbestockte Kahlflächen
ohne Baumbewuchs, meist durch Sturm oder Borkenkäfer
entstanden.
Starkholz: Rundholz mit Durchmessern von mindestens 40 cm
bezeichnet.
Totholz: Ist als Lebensgrundlage tausender Arten von Tieren,
Pflanzen, Pilzen und Flechten ein wichtiger Bestandteil des
Ökosystems Wald. In Wirtschafswäldern hat es im Vergleich zu
Natur- und Urwäldern oft sehr wenig totes Holz.
Vorausverjüngung: die Verjüngung des Waldes bei gleichzeitigem
Vorhandensein des Altbestandes.
Kleines waldbauliches Lexikon
Beispielhafte Darstellung des Probekreises zur Aufnaheme des Ist-Zustandes
Zudem wird das Nichtderbholz und Totholz als Weiser für die
Bewirtschaftung und Ökologie erhoben. Als Ergebnis können mit
den gewonnenen Werten von Baumartenverteilung, Vorrat und
Qualitäten in der Forsteinrichtung hinreichend genaue Voraussagen und Vorgaben für die zukünftige Nutzung des Waldes getroffen werden.
Zielsetzung erfüllt, trotz Rückgang der Bestände
Wertsteigerung durch Investition und planmäßiges Vorgehen
Im Vergleich zu 2002/03 hat der Gesamtvorrat in den Castell’schen Forsten abgenommen. Hier haben Kalamitäten in den Nadelholz-Reinbeständen dramatisch zugeschlagen. Die wirtschaftlich interessanten Starkholzanteile haben im Gegensatz dazu
enorm zugenommen und die Baumartenanteile veränderten sich
zugunsten des Laubholzes. Das Nadelholz hat um 15 Prozent abgenommen. Kompensiert wurde dies durch Edellaubhölzer. Bei
den Wirtschaftsbäumen hat sich der Bucheanteil am stärksten
erhöht (Details s. Hinweis zu den Pflanzenabbildungen unten).
Der beträchtliche Anstieg des Totholzes ist ein Maß dafür,
wie erfolgreich der Arten- und Naturschutz auch in einem Wirtschaftswald sein kann. Diese Veränderungen spiegeln deutlich
die waldbauliche Zielsetzung der Inhaber Ferdinand Erbgraf zu
Castell-Castell und Otto Erbgraf zu Castell-Rüdenhausen wieder.
Lärche: –0,7 Prozent
Buche: +8,0 Prozent
Unter Ludwig Neeb, Leiter der Fürstlich Castell’schen Forstabteilung, hatten in den letzten zehn Jahren die Wiederaufforstung
der Kalamitätsflächen mit Laubholz sowie der Beginn des Umbaus der Reinbestände in naturnahe Mischwälder oberste Priorität. Diese Maßnahmen wurden vorbildlich ausgeführt, waren
jedoch mit hohen Kosten verbunden. So wurden z. B. allein im
Revier Friedrichsberg ca. 165 Hektar Bestände mit Eiche oder
hohem Eichenanteil begründet. Es hat sich gelohnt: Durch die
Investitionen, die Zunahme des Stark- und Wertholzes und die
gleichzeitige Zunahme der Vorausverjüngung ist der Wert der
Castell’schen Forstbetriebe sowie die Stabilität der Wälder gegenüber Kalamitäten und dem Klimawandel deutlich gestiegen.
Herausforderung für die Zukunft wird sein, die heranwachsenden Bestände zu pflegen und zu sichern, damit sie sich zu
einem strukturreichen, widerstandsfähigen und ertragreichen
Dauerwald entwickeln können. Man darf gespannt sein auf das
Jahr 2022, wenn es wieder heißt: „Wegen Inventur (nicht) geschlossen.“
Zum Autor: Dieter Hüttlinger führte mit Leonhard Bühl als freiberufliche
Sachverständige die Forstinventur in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern
der Fürstlich Castell’schen Forstabteilung durch.
Eiche: +3,5 Prozent
Edellaubhölzer (z.B. Ahorn): +3,4 Prozent
Casteller Nachrichten 44|2014
25
Albrecht Fürst zu Castell-Castell
Was ist eigentlich Nach-haltig?
„Ich kann dieses Wort nicht mehr hören – es ist ein Schlagwort, wie eine
Mode hat es sich verbreitet.“ Diese Bemerkung war Anregung, diese Frage
als Überschrift zu wählen und Antwort darauf zu geben.
N
achhaltigkeit ist seit über 300 Jahren ein Leitsatz für die Waldbewirtschaftung. Damit ist gemeint, dass
der jährliche Einschlag dem Wald nicht
mehr Holz entnehmen soll als nachwächst,
und im älteren Baumbestand wertvolle
Bäume so freigestellt werden, dass Licht
auf den Waldboden fällt und die Samen
keimen können.
Nachhaltigkeit ist aber auch eine
Grundhaltung für mein persönliches Tun
und Handeln. Denke ich dabei nur an
mich oder sehe ich meine Verantwortung
auch für die Zukunft? Wer sich vorgenommen hat, Nachhaltigkeit zur eigenen Lebenseinstellung zu machen, der lebt und
handelt verantwortlich nach dem Grundsatz, den Gott uns Menschen gesagt hat,
nach dem er das vielfältige Leben geschaffen hatte: „Macht Euch die Erde untertan
– ihr sollt sie bebauen und bewahren.“
In Handthal, wenige Kilometer von
Castell entfernt, ist mit staatlicher Finanzierung und Betreuung das Steigerwald Zentrum „Nachhaltigkeit erleben“
entstanden. In den Ausstellungsräumen
wird Nachhaltigkeit am Beispiel Wald –
Baum – Holz gezeigt. Auf Lehrpfaden
wird erlebbar, wie vielfältig die Waldgesellschaft ist und wie auch im Wirtschaftswald seltene Tier- und Pflanzenarten zu finden sind. Weiterführende
Informationen dazu finden Sie unter:
www.steigerwald-zentrum.de.
Deutschlands Wälder prägen unsere
Landschaft in Schönheit und Vielgestaltigkeit. Zugleich ist unsere WirtschaftsKulturnation ohne Wald undenkbar. Diese
Besonderheit hat ihre Grundlage auf der
nachhaltigen Bewirtschaftung von Grund
und Boden. Wald vermittelt ein eigenes
Lebensgefühl und war durch alle Zeit hin-
Veranstaltungen im Steigerwald-Zentrum beleuchten das Thema Nachhaltigkeit zusätzlich. So stellte
mein Vetter Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell
(rechts) im Oktober „Nachhaltigkeit als Wettbwerbsvorteil“ vor.
durch Anregung für Sagen und Dichtung
und in der bildenden Kunst. Hinter all
diesen Werten des Waldes steht die nachhaltige Bewirtschaftung. Dies soll auch in
Zukunft so bleiben.
Nach 92 Jahren wieder eine Hochzeit in Twickel
A
Die Trauung von Graf Roderik und Gräfin
Elisabeth wurde in Anwesenheit vieler Gäste
aus den Niederlanden und Deuschland in der
Deldener „Alten Blasiuskirche“ gefeiert.
26 Casteller Nachrichten 44|2014
m 7. Juni heiratete Roderik Graf zu
Castell-Rüdenhausen, ein Neffe von
Fürst Johann-Friedrich, seine Verlobte Elisabeth Alexandra Lotgering. Roderik ist
der zweite Sohn von Graf Christian und
Gräfin Carolina. Die Hochzeitsfeier fand
im Niederländischen Delden auf Schloss
Twickel statt, in dem das Paar, seit dem
frühen Tod von Roderiks Vater Christian
im Jahr 2010, wohnt.
1922 wurde die bisher letzte Hochzeit
in Twickel gefeiert. Der damalige Besitzer
des Wasserschlosses, Rodolphe Baron van
Heeckeren van Wassenaer heiratete Marie
Amelie Gräfin Aldenburg Bentinck. Bei
dieser Hochzeit war auch Graf Roderiks
Großvater, Siegfried Fürst zu Castell-Rüdenhausen, als 6-jähriges Bübchen dabei.
Die Ehe blieb kinderlos und nach dem Tod
von Gräfin Amelie zog Graf Christian in
das Schloss seiner „Tante Mieschen“.
Die Hochzeit von Graf und Gräfin Roderik gab der Stiftung Twickel (seit 1953)
willkommenen Anlass einen feierlichen
und fröhlichen Tag zu gestalten.
Ankunft der frisch Vermählten auf Schloss Twickel
PERSONALIEN 2014
der Fürstlich Castell’schen Unternehmen
10-jähriges Dienstjubiläum
Richard Bayer, Castell Immobilien GmbH, 1.1.
Dagmar Winter, Archiv, 10.2.
Benjamin Gruber, Bank Nürnberg,16.2.
Annabelle Michel, Domänenamt Castell, 1.4.
Markus Wilhelm, Domänenamt Castell, 1.9.
Christina Herlitz,
Castell-Versicherungs-Dienst KG, 1.9.
Annemarie Kern, Bank Nürnberg, 1.9.
Stefanie Löw, Bank Neustadt/Aisch, 1.9.
Thomas Schwerdtle, Bank Heilbronn, 1.10.
20-jähriges Dienstjubiläum
Rita Morgenroth, Bank Lohr, 1.7.
Rita Wenner, Bank Markt Einersheim, 1.7.
Michael C. Neubert, Bank Würzburg, 1.7.
Doris Haslach-Götz, Bank Würzburg, 1.9.
Michael Kreisel, Bank Würzburg, 1.9.
Christiane Rügamer, Bank Würzburg, 1.9.
25-jähriges Dienstjubiläum
Carmen Kopp, Bank Kitzingen, 1.7.
Gunnar Goldfuß, Bank Würzburg, 1.9.
Gabriele Hasslauer, Bank Markt Einersheim, 1.10.
30-jähriges Dienstjubiläum
Monika Gimperlein, Bank Kitzingen, 1.7.
Sabine Bergmann, Bank Würzburg, 1.9.
Jörg Hofmann, Bank Nürnberg, 1.9.
Roland Pfeuffer, Bank Würzburg, 1.9.
Rudolf Staub, Bank Würzburg, 1.9.
IMPRESSUM
40-jähriges Dienstjubiläum
Karl-Heinz Emmerich, Bank Würzburg, 1.4.
Karin Hering, Bank Würzburg, 1.7.
Irene Höfer, Bank Würzburg, 1.9.
50. Geburtstag
Berta Beßler, Domänenamt Castell, 13.1.
Dr. Achim Hammerschmitt, Bank Würzburg, 24.1.
Helmut Ebert, Forst, 1.4.
Harald Widmann, Bank Würzburg, 1.5.
Marianne Gerner, Bank Würzburg, 6.8.
Thomas Schwerdtle, Bank Heilbronn, 9.8.
Robert Hambitzer, Bank Würzburg, 24.9.
Uwe Sachse, Bank Würzburg, 24.12.
60. Geburtstag
Karin Hering, Bank Würzburg, 27.6.
Oskar Dorsch, Bank Würzburg, 12.7.
Michael Depner, Domänenamt Castell, 3.11.
65. Geburtstag
Wolfgang Graf zu Castell-Castell,
Bank Nürnberg, 5.1.
Robert Pauly, 14.1.
Ernst Tallner, 9.4.
Erhard Gerlinger, 23.5.
Karl-Heinz Wiesmüller, 15.10.
Renate Radler, 30.11.
70. Geburtstag
Margit Gübitz, 23.1.
Marlen Beck, 24.2.
Gunda Schenk, 28.2.
Bernhard Ehehalt, 18.4.
Klaus Mahler, 1.7.
Werner Schmitt, 31.10.
75. Geburtstag
Hermann Gress, 27.1.
Ernst Dehn, 19.3.
Oskar Pfrang, 19.3.
Hilde Fries, 13.8.
Margareta Wehner, 18.10.
Elisabeth Klein, 12.11.
80. Geburtstag
Fritz Rottammer, 19.3.
Erika Kirchschlager, 2.5.
Udo Laxa, 22.9.
Johann Ritzau, 1.12.
85. Geburtstag
Johanna Lochbronner, 26.6.
90. Geburtstag
Werner Stachowitz, 13.12.
Herausgeber: Fürstlich Castell’sche Kanzlei, Rathausplatz 1, 97355 Castell, Telefon 09325 601-0, Fax 09325 601-26
Verantwortlich für Inhalt und Gestaltung: Maria Fürstin zu Castell-Rüdenhausen, Gabrielle Erbgräfin zu Castell-Castell, Pia Vogel
Layout: Pia Vogel, VOGELSOLUTIONS.COM, Wiesentheid
Fotos: Oliver Bodmer (1), Robert Brembeck (2) Harald Dürr (3), Karl Graf zu Castell-Rüdenhausen (2), iStock (5), Pitopia (4),
Kurt-Joachim Riedesel Freiherr zu Eisenbach (1), Christoph Schwarz (4), Pia Vogel (28), privat (11)
Zum Titelbild: Johann-Friedrich Fürst zu Castell-Rüdenhausen
Casteller Nachrichten 44|2014
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Domänenrat Karl-Heinz Rebitzer
Unter’m
fränkischen
Himmel weiSS
und blau …
… wächst der bayerische Castell-Wein und erobert immer
mehr das südliche Bayern, speziell die Landes- und Bierhauptstadt München. Entdeckt werden spannende Kombinationen
von Produkten aus unterschiedlichen Landstrichen. Die Region kommt in die Stadt, um diese mit kulinarischen Köstlichkeiten zu bereichern – die Stadt entdeckt die Region, um
mehr über den Ursprung dergleichen zu erfahren. So freuen
auch wir im Domänenamt uns über Besuch von den Liebhabern unserer Weine. Wenn dieser während der Weinlese stattfindet, dürfen unser Gäste auch gerne selbst Hand anlegen,
wie hier unsere Weinbotschafter aus der Münchner Gastronomie bei der Silvanerernte in der Weinlage Casteller Kirchberg.
28 Casteller Nachrichten 44|2014