Tätigkeiten der Young (Adult) Carer als „Nicht

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Tätigkeiten der Young (Adult) Carer als „Nicht
Bernhard Frühwirth
Paper – Momentum 2015
Tätigkeiten der Young (Adult) Carer als „Nicht-Arbeit“ begreifen?
Überlegungen und Suchbewegungen zum Begriff des Sorgens jenseits des Arbeitsparadigmas
1. Arbeit. Welche Arbeit?
Der Wandel der Arbeits- und Lebenswelt, der gegenwärtig die kapitalistische Gesellschaft durchzieht,
ist schon seit längerem Forschungsschwerpunkt der deutschsprachigen Frauen- und
Geschlechterforschung sowie der deutschsprachigen Arbeits- und Industriesoziologie. Obwohl in der
Vergangenheit diese zwei Forschungsstränge, was ihren Interessenschwerpunkte und
Akzentsetzungen angeht, meist getrennte Wege beschritten, lässt sich in jüngster Zeit eine „bedingte“
(Aulenbacher 2010: 312) Annäherung zwischen diesen beiden Strömungen verzeichnen. 1 In diesem
Zusammenhang beschäftigen sich beide Disziplinen in eine breit angelegten Diskussion mit ihrem
Leitbegriff Arbeit, der aktuell mit der grundsätzlichen Frage konfrontiert ist, was denn nun Arbeit in
der heutigen kapitalistischen Moderne sei (und was nicht). Es steht somit die Frage nach der Zukunft
der Arbeit im Raum oder wie es Günther Voß (2010: 24) formuliert:
„Mehr denn je ist gegenwärtig wieder offen, was „Arbeit“ jenseits dessen noch ist (oder sein sollte),
was man gesellschaftlich immer noch mehrheitlich mit diesem Wort verbindet (formelle Erwerbsarbeit).
[…] Ein allgemeiner Arbeitsbegriff ist nicht zuletzt Referenzgröße für die in der Arbeitssoziologie immer
wieder neu zu stellende Frage, was Arbeit unter den beforschten gesellschaftlichen Bedingungen nicht
ist oder nicht sein sollte. Er ist ein zentraler, wenn nicht gar der entscheidende, Bezugspunkt für den
kritischen Anspruch des Fachs.“
Auf diese Frage reagierten die beiden Strömungen unterschiedlich. Die Arbeits- und Industriesoziologie
bleibt ihrem engen Arbeitsbegriff treu (ebd.: 28ff.) und nimmt auf Grund dessen mehrheitlich nur jene
Ambivalenzen und Konfliktpotentiale in den Blick, die innerhalb der Erwerbsarbeit zu verzeichnen sind.
Die Frauen- und Geschlechterforschung hingegen hat schon früh Tätigkeiten jenseits der Erwerbsarbeit
in den Blick genommen 2 und machte die strukturelle Trennung von Öffentlichkeit und Privatheit und
den damit verbundenen Folgen für das Geschlechterverhältnis, sichtbar. In den letzten Jahren wurde
dieser Themenkomplex neu aufgegriffen und wird derzeit, im Kontext der kapitalistischen
Krisenerscheinungen, unter dem internationalen Dachbegriff Care 3 diskutiert und setzt sich vor allem
mit der Frage auseinander, wie und wer in der heutigen kapitalistischen Moderne Sorgetätigkeiten
übernimmt und welche Konsequenzen daraus, entlang von Herrschaft, Geschlecht, Klasse, Ethnie,
Migration u.v.m., sichtbar werden. Im Rahmen dieser Debatte sind es (wieder) feministische
Vertreter_Innen, die in der Frage um die Zukunft der Arbeit neue Akzentsetzungen und Denkanstöße
setzen. Mit der Diskussion um einen erweiterten Arbeitsbegriff liefern sowohl Ökonom_Innen als auch
Auf eine ausführlichere Betrachtung dieser Annährung wird an dieser Stelle verzichtet. Vgl. zum Überblick (Frey
et al. 2010; Aulenbacher et al. 2007).
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Hier ist u.a. die sogenannte „Hausarbeitsdebatte“ (Baier 2008; Dalla Costa/Selma 1978; Mies et al. 1983;
Werlhof 1978) zu nennen.
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Die deutschsprachige Raum verhandelt Care mit unterschiedlichen Begrifflichkeiten. Unter anderem mit dem
Begriff der Reproduktion (Aulenbacher 2013a, 2013b; Jürgens 2009), der Krise(n) des Sorgens
(Aulenbacher/Dammayr 2014b) oder aber auch mit dem sozialphilosophischen Begriff der Selbst- und Fürsorge
(Klinger 2013). Zudem sind zuletzt zahlreiche Sammelbände zu dieser Debatte erschienen
(Aulenbacher/Dammayr 2014c; Aulenbacher et al. 2014; Schweizerisches Rotes Kreuz 2013;
Apitzsch/Schmidbaur 2010; Moser 2010).
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Sozialwissenschafter_Innen mit entsprechender feministischer Lesart essentielle theoretische
Bausteine, wie man Arbeit gegenwärtig und zukünftig neu denken kann oder aber auch denken muss.
Dennoch sind in beiden Diskussionen Engführungen bzw. Forschungsdefizite zu beobachten. Zum
einen blendet die deutschsprachige Care-Debatte systematisch den Diskurs über die Young (Adult)
Carer aus. Zu dieser äußerst unscheinbaren Gruppe von Care Giver ist, im Gegensatz zur
angloamerikanischen Forschung, die schon vor 20 Jahren ihren Blick darauf gerichtet hat, kaum etwas
bekannt. Zum anderen konstatiert Irene Dölling (2010; 2013) den Vertreter_Innen, die für eine
Erweiterung des Arbeitsbegriffes plädieren, dass sie trotz ihrer Bemühungen dem (Erwerbs)Arbeitsparadigma verhaftet bleiben und dadurch die Dominanz der Ökonomisierung fortführen. Sie
übersehen, dass ihnen dadurch die Möglichkeit verwehrt bleibt, Gedanken zu formulieren, die jenseits
des Kapitalismus liegen.
Aus diesen Gründen versucht nun der vorliegende Beitrag diese zwei Engführungen durch die
Aufarbeitung, Darlegung und Zusammenführung von internationalen Forschungsständen neue
„Suchbewegungen“ (Dölling 2010: 42) zu lokalisieren bzw. sie für weitere Diskussionen zu öffnen. Das
Ziel dieses Beitrages ist es, eine mögliche Antwort auf die Frage auszuloten, ob die Sorgetätigkeiten
von Young (Adult) Carer als Nicht-Arbeit (Dölling 2013) verstanden werden kann, um auf diesem Weg
einen Begriff des Sorgens zu formulieren, der jenseits des Kapitalismus liegt. Um dies zu
bewerkstelligen, wird (1) eine kurze Rekapitulation der Debatte zum erweiterten Arbeitsbegriff
dargestellt um dann (2) die zentralen Forschungsstände zu Young (Adult) Carer aufzuarbeiten. Auf
dieser Grundlage wird im Anschluss versucht, (3) die Tätigkeiten dieser Care Giver ‚neu‘ zu bestimmen.
2. Die Kritik der Arbeit und das vorherrschende Arbeitsparadigma
Es lassen sich nach Dölling (2010: 32ff.) derzeit zwei Diskussionslinien erkennen, die den
gesellschaftlichen Wandel bzw. die postfordistische Moderne in den Blick nehmen. Die Erste 4 sieht die
Arbeitsgesellschaft in einem fundamentalen Krisenmodus und plädiert für dessen Überwindung u.a.
für eine grundlegende Reorganisation von Arbeit hinsichtlich ihrer momentanen Verteilung. Diese Linie
sieht trotz aller Zerwürfnisse den Integrationsmodus Erwerbsarbeit essentiell und bleibt „[…]
konzeptionell und begrifflich im Wesentlichen in dem Denkrahmen […] in dem Arbeit menschliche
Lebensäußerung schlechthin und quasi der zentrale Begriff ist“ (ebd.: 33). Die zweite Linie sieht genau
diesen Modus in einem fragilen Zustand. Denn in Anbetracht der stetig wachsenden Anzahl an
prekären Beschäftigungsverhältnissen und der damit verbundenen Unsicherheiten (Castel 2011; Dörre
2006), steht die Frage zur Diskussion, ob Lohnarbeit zukünftig als unhinterfragter Integrationsmodus
noch den Stellenwert besitzt, den er gegenwärtig noch innehat und ob die Soziologie daher nicht über
ihren eigenen Denkrahmen hinaus bewegen muss, um andere Formen von sozialer Tätigkeit als die
Arbeit in den Blick nehmen zu können. Entlang dieser Argumentationslinie wird unter anderem
versucht, die strukturelle Trennung zwischen Lohn-/Erwerbsarbeit und Care-Tätigkeiten zu
durchbrechen und den Tätigkeiten, die der kapitalistischen Kommodifizerung nicht unterliegen, oder
aber auch nicht unterliegen sollen, eine größere Anerkennung zu geben (Aulenbacher 2009;
Aulenbacher/Wetterer 2009; Senghaas-Knobloch 2008; Becker-Schmidt 2007). Aber auch dieser
Diskursstrang verweilt überwiegend im Rahmen des Arbeitsparadigmas.
Es lässt sich also konstatieren, dass beide Diskussionsstränge mehr oder minder die gesellschaftliche
Verfasstheit mit Begriffen in den Blick nehmen, die immer noch fordistisch geprägt sind und sich
Irene Dölling nimmt als Beispiel die Arbeiten von Klaus Dörre (2009) und Boltanski/Chiapello (2006) heran.
Aber auch unterschiedliche Autor_Innen, die das gegenwärtige Verhältnis von Kapitalismustheorien bzw. –
analysen und Arbeit in den Blick nehmen (Dörre 2012), bleiben dem Arbeitsparadigma treu.
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innerhalb des Arbeitsparadigmas bewegen. Dessen Überwindung erscheint also als der Dreh- und
Angelpunkt in der Debatte um eine Erweiterung des Arbeitsbegriffs zu sein. Dieses hat sich historisch
herausgebildet, wonach die Arbeit von der „unsichersten, ja unwürdigsten und elendsten
Lebenseinstellung“ zur „Basismatrix der modernen ‚Lohnarbeitsgesellschaft“ (Castel 2000: 11)
aufgestiegen ist. Arbeit wird seitdem mehrheitlich immer (und nur) als erwerbsförmige Arbeit
verstanden und ist verbunden mit den weitreichenden Folgen entlang von Macht, Herrschaft,
Anerkennung, Geschlecht, Hierarchie, Klasse u.v.m. Irene Dölling hat im Zuge ihre Arbeiten essentielle
„inkorporierten Klassifikationen, […] Visions- und Divisionsprinzipien“ (Dölling 2013: 156)
herausgearbeitet, u.a. der Weltsicht, der persönlichen Position im sozialen Gefüge oder in
Machtgefällen von Beziehungen. Kurzum, das Arbeitsparadigma wirkt nicht nur im Bereich der
Arbeitswelt, sondern ist auch in der Lebenswelt omnipräsent und ist unweigerlich damit verbunden,
welche Tätigkeiten als Arbeit in der Gesellschaft anerkannt sind und somit – aufgrund der
vorherrschenden kapitalistischen Wirtschaftsweise - als ‚produktiv‘ gelten.
3. Die Debatte um einen Erweiterten
Arbeitsensembles und „Nicht-Arbeit“
Arbeitsbegriff
–
Care-Ökonomie,
An diesem Punkt setzt die Diskussion um einen erweiterten Arbeitsbegriff an. Sie umfasst einige
unterschiedliche Akzentsetzungen 5, wie man Arbeit neu denken kann beziehungsweise soll. Um diesen
Diskurs an dieser Stelle einzugrenzen, werden exemplarisch drei Beispiele kurz vorgestellt, die ihren
Schwerpunkt auf Care legen. Stellvertretend für viele Vertreter_Innen verfolgen die sogenannte CareÖkonomie die Absicht, die vorherrschenden Tendenzen der Konkurrenz, der ökonomischen
Rationalisierung und der In-Wertsetzung von Care-Tätigkeiten zu überwinden, indem sie dafür
eintreten, Care-Tätigkeiten in den Arbeitsbegriff aufzunehmen und diesen nicht nur auf die
Erwerbsarbeit einzugrenzen. Dazu berufen sie sich auf die Erkenntnisse der feministischen Forschung
der 1970er Jahre, die die strukturelle Trennlinie zwischen Tätigkeiten der Selbst- und Fürsorge (Klinger
2013) und der sogenannten produktiven Tätigkeiten und der damit verbundenen Folgen für das
Geschlechterverhältnis und insbesondere für Frauen (Becker-Schmidt 2013) sichtbar gemacht. In
Anbetracht der immens zunehmenden Anzahl an personenbezogenen Dienstleistungen und des
Befundes, dass nach Madörin (2007: 144) die unbezahlten Care- und ehrenamtliche Tätigkeiten ein
höheres Volumen aufweisen als die Lohn-/Erwerbsarbeit, plädieren sie für eine „Ökonomie des
Alltagslebens“ (Madörin 2011: 1) und für eine umfassende „bedürfnisorientierte, solidarische CareÖkonomie“ (Candeias 2011: 96). Diese Vorgangsweise lässt die Intention erkennen, die strukturelle
Trennung zu unterlaufen und zugleich unterschiedlichen Care-Tätigkeiten, die im Unsichtbaren
durchgeführt werden, sichtbar zu machen. Es kann auch als Gegenmaßnahme zu der überwältigenden
Ökonomisierung des Sozialen (Aulenbacher 2014; Rose 2000; Winker 2011) gelesen werden. 6 Nach
Dölling (2013: 163) liegen der Care-Ökonomie zwei zentrale Schwächen zugrunde:
1. In den Überlegungen zu einer Care-Ökonomie bleibt offen, welche Care-Tätigkeiten nun in die
Konzeption miterfasst werden sollen. Es bleibt zudem fraglich, ob mit einer Care-Ökonomie
eine Wirtschaftsweise gemeint ist, wo das Wohlergehen aller im Zentrum steht oder ob es sich
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Um nur einige Beispiele zu nennen, hat Günter G. Voß (2010) eine profunde Analyse über den allgemeinen
Arbeitsbegriff verfasst, wo im Anschluss versucht, den Arbeitscharakter mit Thesen zu erweitern. Martin Baethge
(2011) hingegen sieht einen neuen Arbeitstypus, der wesentlich durch Interaktivität gekennzeichnet ist, wo
neben der fachlichen Kompetenz soziales Einfühlungsvermögen von zentraler Bedeutung ist.
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Manche plädieren in diesen Rahmen auch für eine Konzeption einer Care-Revolution (Winker 2011) oder von
einem Care-Manifest (http://care-macht-mehr.com/) . Neben beträchtlicher konzeptionellen Schwächen
(Dölling 2013: 163) überwinden diese Überlegungen nicht das Arbeitsparadigma.
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nur um einen Wirtschaftsbereich handelt, in dem die emotionale und körperliche Beziehung
zwischen den Akteuren von zentraler Bedeutung ist.
2. Dölling bemängelt zudem das Forschungsdefizit von Analysen, die mögliche Transformationen
und der damit verbundenen Brüche bzw. Potenziale des kapitalistischen Wirtschaftens in den
Blick nehmen.
Neben den Vertreter_Innen einer neuen Care-Ökonomie setzt sich auch Regina Becker-Schmidt
(2007) für eine Erweiterung des Arbeitsbegriffs ein. Nach einer fundamentalen kritischen
Bestandaufnahme der Subjektivierungs- und Entgrenzungsdebatte, eine der zentralen Diskurse
der Arbeits- und Industriesoziologie, in der sie konstatiert, aus welchen Gründen die soziologische
Forschung die Erkenntnisse der Subjektivierungsdebatte auf die Erwerbssphäre begrenzt und nicht
die private Reproduktionssphäre miteinbezieht. Nach Becker-Schmidt hat es nämlich die Anrufung
von Subjektpotenzialen in dieser Sphäre schon immer gegeben, die im Zuge der steigenden
kulturellen Standards an Care-Tätigkeiten in ihrer Intensität gestiegen sind, insbesondere bei
Hausfrauen 7. Somit verkennt die Arbeits- und Industriesoziologie in diesem Zusammenhang mit
ihren Fokus auf die Erwerbsarbeit (1) die psychosozialen Befindlichkeiten von Personen innerhalb
der Privatsphäre und deren konfliktreichen Arbeitsbedingungen und (2) sie übersieht dabei, dass
die Quelle der Regenerationseinschränkungen für die „Arbeits- und Lebenskraft“ (Jürgens 2009)
nicht nur die marktvermittelte Arbeitswelt ist, sondern auch die Tätigkeitsbedingungen im
Haushalt bzw. der Privatsphäre. Im Zuge ihrer Kritik, legt sie einige Überlegungen (Becker-Schmidt
2007: 262) dar, die den Begriff Arbeit auf folgende Punkte erweitern soll.
1. Es gilt, die häuslichen Versorgungsstrukturen mit all ihren breiten Eigenschaften in den
Arbeitsbegriff aufzunehmen. Dadurch schafft man die Möglichkeit, dass “die
gesellschaftliche Interdependenz als auch die soziale Gleichwichtigkeit von privat
organisierter Care-Arbeit und Erwerbstätigkeit zum Vorschein kommen“ (Becker-Schmidt
2007: 262).
2. Die Forschung muss private, öffentliche und marktvermittelte Arbeitsformen zugleich in
den Blicknehmen, um der Frage nach dem geschlechtsspezifischen Arbeitsensemble 8
nachgehen zu können.
3. Und eine Konzeption von Arbeit muss sich der internationalen komparativen Forschung
öffnen bzw. für diese geeignet sein. Denn je nach Gesellschaft unterscheidet sich die
Zusammensetzung des Arbeitsensembles. Zudem besteht zum Teil eine erhebliche
Differenzierung hinsichtlich der kulturellen Geschlechterordnung, ausgehend von den
vorherrschenden religiösen Traditionen, patriarchalischen Machtstrukturen, den
Rechtssysteme und der ökonomischen Entwicklungen.
Zusammenfassend kann man bisher erkennen, dass die bisherigen Konzeptionen und Überlegungen,
wie über Arbeit neu gedacht werden kann nicht über das Arbeitsparadigma hinausreichen. Egal wie
man es dreht oder wendet, der Diskurs stellt sich nicht die essentielle Frage, ob in Zukunft die
Erwerbstätigkeit immer noch die zentrale Sinnstiftungshoheit für die individuelle Lebensführung
bleiben wird. Beide vorgestellten Konzeptionen schreiben das Primat des Ökonomischen fort, indem
Sie übersieht aber, dass nicht nur Hausfrauen dieser Situation ausgesetzt sind. Wie die Situation bei jeglichen
anderen Personen ausschaut, wie zum Beispiel Haus- bzw. alleinerziehende Männern, Jugendlichen und jungen
Care-Giver oder aber auch bei Personen entlang homo,-trans,- oder intersexueller Orientierung, bleibt
unberührt.
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Dieses setzt sich bei Frauen aus Hausarbeit, Care Work und Erwerbsarbeit zusammen und unterscheidet sich
zum männlichen Pendant (Becker-Schmidt 2002; Becker-Schmidt 2007: 263f.)
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sie Tätigkeiten, die bisher wenig bis gar nicht Anerkennung fanden, in welcher Form auch immer, zu
Arbeit machen. 9
Um das Vorhaben, Suchbewegungen zu einem Begriff der Tätigkeit von Young (Adult) Carer zu
bestimmen, der jenseits des Arbeitsparadigmas liegt, wird nun auf den arbeitskritischen Ansatz der
„Nicht-Arbeit“ 10 Bezug genommen. Dieser Diskurs plädiert im Gegensatz zu den vorigen Überlegungen,
nicht für eine Erweiterung des Arbeitsbegriffs, sondern für dessen Begrenzung auf die Erwerbsarbeit
(Dölling 2011; Hirsch 2010; ferner Herlyn et al. 2009) und legt seinen Schwerpunkt auf einen „Kampf
um eine neue Hegemonie jenseits der Hegemonie der Erwerbsarbeit“ (Hirsch 2010: 72). Der Ansatz
geht davon aus, dass die derzeitige ökonomische Wirtschaftsweise nicht durch eine radikale Handlung
abzuschaffen ist, sondern das als Ausgangspunkt eine dauerhafte Veränderung stattfindet, wo durch
die Ambivalenzen der modernen Gesellschaften Potenziale auftreten, die einen veränderten
Vergesellschaftungs- und Integrationsmodus ermöglichen, der im Rahmen von symbolischen und
politischen Kämpfen und Verhandlungen hegemonial werden kann (Dölling 2013: 164). Es geht daher
zentral um eine „Erschließung von freien Potenzialen und freier Zeit für nicht-ökonomische Arbeit [sic!]
und Fähigkeiten“ (Hirsch 2010: 72). Diese Potentiale, die durch Tätigkeiten – verdrängt in die
Privatsphäre und/- oder gesellschaftlich abgewertet – freigesetzt werden, sollen folgend nicht einer
ökonomischen Wirtschaftslogik folgen, sondern arbeitskritisch als „Nicht-Arbeit“ verstanden bzw.
erfasst werden. Mit diesem Begriff, der aufgrund des fehlenden soziologischen Diskurses sehr sperrig
zu verwenden ist, unternimmt der vorliegende arbeitskritische Ansatz und ihre Vertreter_Innen den
Versuch, theoretische sowie empirische Möglichkeiten auszuloten, die jenseits des Arbeitsparadigmas
liegen und im Anschluss von Webers Konzeption der praktischen Lebensführung, ein Umdenken zu
ermöglichen. Denn aufgrund der Tatsache, dass gegenwärtig Individuen
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nach neuen Arten eines für sie sinn- und würdevollen Lebens „jenseits der Arbeit“ (Völker
2008, 2009) suchen
eine Art Zerrissenheit zwischen ihren individuellen Ansprüchen und Bedürfnissen in ihrer
alltäglichen Lebensführung erfahren, die Becker-Schmidt (2011) als „verwahrloste Fürsorge“
bezeichnet
und ihre alltägliche Lebensführung durch die „Landnahme“ (Dörre 2009) der kapitalistischen
Ökonomie immer mehr Auswirkungen hat
sind solche Überlegungen – trotz ihres utopischen Nachklanges – essentiell, um „den hegemonialen,
scheinbar selbstverständlichen Denkrahmen zu überschreiten, wenn es um die Zukunft der Arbeit bzw.
Arbeitsgesellschaft geht“ (Dölling 2013: 168).
4. Young (Adult) Adult Carer – Zustand und zentrale Erkenntnisse der deutschsprachigen
sowie angloamerikanischen Forschung
Genau solche Suchbewegungen an Potenzialen zu einem neuen Verständnis des Begriffes des Sorgens,
das jenseits des Arbeitsparadigmas liegt, sollen anhand der Tätigkeiten der Young (Adult) Carer
versucht werden zu lokalisieren. Dafür wird nun nachfolgend eine bündige Zusammenführung der
zentralen Forschung, die mehrheitlich eine angloamerikanischen Forschung ist, zu dieser Gruppe von
Care Giver verfasst.
Zum Beispiel Beziehungs-, Sorge,- Gefühls,- Beziehung,- Erziehung,- oder Pflegearbeit.
„Nicht-Arbeit“ lässt sich „im weitesten Sinne auf die Für- und Selbstsorge, auf die Befriedigung von
Bedürfnissen des sozialen Miteinander und auf das Erfahren wechselseitiger Angewiesenheit sowie auf die
Gestaltung entsprechender Lebensbedingungen“ (Dölling 2013: 165) verstehen.
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In diesem Sorgebereich befinden sich zwei unterschiedlichen Gruppen, deren Differenzierungsgrenze
aber fließend verläuft. Young Carer sind nach Saul Becker (2000: 378)
„children and young persons under 18, who provide or intend to provide care, assistance or support to
another family member. They carry out, often on a regular basis, significant or substantial caring tasks
and assume a level of responsibility which would usually be associated with an adult“.
Die zweite Gruppe, die sogenannten Young Adult Carer, zeichnet sich dadurch aus, dass sie zwischen
18 und 25 Jahre alt ist 11. Sie übernehmen die gleichen Sorgetätigkeiten gegenüber ihren
Familienangehörigen wie die Young Carer, gehen aber zusätzlich einer Erwerbsarbeit- und/oder einer
Ausbildung nach (Becker/Becker 2008). Die Zusammenführung dieser beiden Gruppen durch den
Begriff Young (Adult) Carer ermöglicht es, analytisch beide Gruppen in den Blick zu nehmen. Der
Hintergrund dieser Vorgehensweise besteht darin, dass insbesondere Young Adult Carer noch mehr
als Young Carer systematisch in der Forschung unbeachtet geblieben sind. 12
Grundsätzlich herrscht in der internationalen Forschung zu Young (Adult) Carer ein starkes
Ungleichgewicht. Im deutschsprachigen Raum und der hier geführten soziologischen Care-Debatte
fehlt gänzlich ein Diskurs, der diese Gruppe konzeptionell, theoretisch und empirisch erfasst. Im
Verhältnis zu der bisherigen angloamerikanischen Forschung kann man durchaus die Deutschsprachige
als marginal bis zu nicht-existent bezeichnen. Mit wenigen Ausnahmen (Dietz/Clasen 1995, Dietz
1995a, 1995b) wurde erst in letzter Zeit dieser Gruppe mehr Aufmerksamkeit geschenkt (Napl-Cupal
et al. 2014; Napl-Cupal et al. 2012; Schnepp/Metzing 2006; Metzing-Blau/Schnepp 2008), wobei diese
mehrheitlich aus einer pflegewissenschaftlichen Perspektive erfolgte. Die angloamerikanische
Forschung hat dahingegen schon in den 1990er Jahren angefangen, sich dem „unacceptable face of
community care“ (Meredith 1991b) anzunehmen. Im Laufe der Zeit sind daher eine Fülle von
Publikationen erschienen und Forschungsprojekte entstanden. Angefangen von groß angelegten
survey reports (Dearden/Becker 1998, 1995, 2004b) bis hin zur Frage, welche körperlichen und
sozialen Einflüsse die Sorgetätigkeit auf die Young Carer besitzt (Aldridge/Becker 1993: 460, 1993;
Meredith 1991a, 1990). Was bei den Forschungsergebnissen zentral aufscheint ist, mögliche Faktoren
zu bestimmen, die dazu führen, warum Young Carer dieses Pflegearrangement eingehen. Dazu
gehören die fehlende Wahlfreiheit aufgrund fehlender Alternativen im Weltbild der Kinder
(Aldridge/Becker 1993; Frank 1995) oder der Umstand, dass Kinder als sozial schwache Wesen
angesehen werden (Bonney/Becker 1995). Auch ökonomische und emotionale Deprivation der Familie
und soziales Milieu (Aldridge/Becker 1993) oder fehlende Unterstützung durch Personen von außen
(Aldridge/Becker 1993; Frank 1995) werden als Faktoren genannt. Weitere Forschungsschwerpunkte
befassen sich mit möglichen Präventions- und Interventionsstrategien für Young Carer
(Aldridge/Becker 1997) und mit möglichen Auswirkungen auf die Bildungsleistung in der Schule
(Dearden/Becker 2004b, 2004a; für Young Adult Carer siehe Becker/Becker 2008).
Es lässt sich erkennen, dass der Fokus der angloamerikanischen Forschung breit angelegt ist. Die
Schwerpunkte liegen mehrheitlich einerseits auf eine möglichst breiten und detaillierten
Bestandsaufnahme der Young (Adult) Carer und andererseits auf der Erforschung der Folgen dieser
Sorgetätigkeiten und auf der Ausarbeitung von sozialpolitischen Vorschlägen bzw. Maßnahmen. Für
unsere zentrale Fragestellung, ob die Tätigkeiten der Young (Adult) Carer als „Nicht-Arbeit“ verstanden
werden können, ist es essentiell, wie (1) die Tätigkeiten von Young (Adult) Carer in der Forschung
beschrieben und verstanden werden und (2) ob Anzeichen in der bisherigen Forschung existieren, die
den kapitalistischen Denkrahmen überschreiten. Die Sorgetätigkeiten umfassen in der
angloamerikanischen Forschung (Becker et al. 2001: 9) eine Palette an Tätigkeiten:
Becker/Becker (2008) begrenzt die Altersgrenze zwischen 18 und 24 Jahre.
Wenn von Young Carer gesprochen wird, dann gelten die beschriebenen Erkenntnisse nur für diese und nicht
für die Young Adult Carer.
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Hausarbeit (Domestic Work)
Generelle Pflegetätigkeiten, wie Medikation, Injektionen und Heben und Bewegen der zu
pflegenden Personen.
Intime Pflege (Baden, Toilettenbegleitung, etc.)
Emotionale Unterstützung und Aufsicht
u.v.m.
Es wird konstatiert, dass die Tätigkeiten dieser Care Giver die gleichen sind, wie in den bezahlten,
professionellen Pflegebereichen (ebd.: 4) oder jener der „informal carer“ (Becker 1997, 1999;
Becker/Silburn 1999; Glendinning 1992). Dennoch werden diese Tätigkeiten nicht als care work
sondern als labour of love verstanden. Oder wie es Becker et al. (2001: 5) formulieren:
„However, within the ‚private‘ domain of the family children do provide unpaid care work – but their
labour is not defined as work. Because unpaid informal care is a ‚private‘ family matter, governed by
ist own relationships and rules, it is referred to in the UK as ‚caring‘ and in the USA as ‚care-giving‘, not
care work. While this language has helped to distinguish the informal unpaid carer from the paid care
worker, it has simultaneously helped to obscure and hide children’s contribution to both and care
work.“
Am Ende ihres Beitrages plädieren die Autor_Innen dafür, nochmals über den Terminus von caring und
care work nachzudenken. Denn einerseits vertreten sie die Meinung, dass, wenn die Sorgetätigkeiten
der Young (Adult) Carer als caring verstanden werden, dadurch die zentrale Bedeutsamkeit dieser
Tätigkeiten unsichtbar bleibt und nicht die Aufmerksamkeit erhält wie es beim Begriff care work der
Fall ist. Andererseits lassen sie offen, was passieren würde, wenn die Pflegearrangements der Young
(Adult) Carer als unbezahlte Arbeit verstanden werden sollte (ebd.: 18). Trotz dieser Hinterfragung der
beiden Begriffe, die im angloamerikanischen Diskurs verwendet werden, stellen Saul Becker und seine
Mitautor_Innen, die man sicherlich als die führenden Forscher_innen von Young (Adult) Carer im
internationalen Kontext nennen kann, in diesem Diskussionsbeitrag und in ihren weiteren
Forschungsarbeiten das Arbeitsparadigma explizit nicht infrage.
5. Suchbewegungen zu einem neuen Begriffsverständnis des Sorgens jenseits des
Arbeitsparadigmas
Wir können bisher zusammenfassend festhalten, dass die bisherigen Bemühungen, ein neues
Verständnis von Arbeit auszumachen, mehr oder minder am Arbeitsparadigma festhält und somit die
kapitalistische Wirtschaftsweise fortgeführt wird. Am Beispiel des Care-Bereiches besteht die
Konsequenz für den Begriff des Sorgens als Sorgearbeit darin, dass die Sorge an sich in Wert gesetzt
wird und der Kapitalakkumulation unterworfen wird, wenn sie für sich und andere profitabel erscheint.
Ist sie das nicht, dann wird sie, als nachrangig eingestuft (Aulenbacher/Dammayr 2014c: 67f.). Der
arbeitskritische Ansatz der „Nicht-Arbeit“, der hier vorgestellt wurde, versucht nun, diesen Krisen- und
Ambivalenzcharakter, der im Begriff Sorgearbeit bzw. care work beinhaltet ist, zu überwinden. Denn
dieser kommt immer zum Vorschein, wenn die Selbst- und Fürsorge marktkonform unterworfen wird,
da der darin befindende Fürsorgeethos dieser Marktlogik gesamtheitlich widerspricht (Graß et al.
2014: 34f.; ferner Kumbruck et al. 2010). Anhand von Potenzialen, die im Zuge dieser Widersprüche
hervortreten können, und dazu führen, dass Arbeit und somit auch Sorgearbeit als
Vergesellschaftungs- und Integrationsmodus brüchig wird bzw. brüchig zu werden scheint, soll ein
neues hegemoniales Verständnis von „Nicht-Arbeit“ etabliert bzw. erkämpft werden. Es wurde mittels
der Durchforstung der bisherigen angloamerikanischen Forschung versucht, solche konzeptionellen
Potenziale in der Gruppe der Young Carer zu lokalisieren. Aus diesen Erkenntnissen konnte eine Reihe
von Widersprüchen und Folgen heraus destilliert werden. Unter anderem eingeschränkte
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Rahmenbedingungen für die Pflege des eigenen sozialen Umfeldes und der vorhandenen bzw. neuen
Freundschaftsbeziehungen (Bilsborrow 1992; Aldridge/Becker 1993; Dearden/Becker 1995, 1998),
gesundheitliche (Becker et al. 1998) und emotionale (Elliott 1992) Probleme oder aber auch
bedeutsame Schwierigkeiten im Übergang von der Kindheit zum Erwachsenwerden (Dearden/Becker
2000). Wie die Situation hinsichtlich der Widersprüche in der alltäglichen und praktischen
Lebensführung für die Gruppe der Young Adult Carer ausschaut, kann an dieser Stelle noch nicht
beschrieben werden, da schlicht die dazu erforderliche empirische Forschung nicht vorhanden ist. Es
kann aber angenommen werden, dass hinsichtlich der Folgen durch die Sorgetätigkeiten diese ähnlich
sind, wie sie bei den Young Carer vorgefunden werden. Es stellt sich zum Beispiel die Frage, wie die
Vereinbarkeit zwischen der Selbst- und Fürsorge und der Erwerbsarbeit und/- oder
Ausbildungstätigkeit konstruiert ist und wie die sich dort befindlichen Spannungsfelder bzw.
Widersprüche zu verorten sind. Insgesamt muss zu dieser Gruppe, bzw. für die Young (Adult) Carer im
deutschsprachigen Raum, die Gesamtheit von alten Fragen für diesen unsichtbaren Sorgebereich neu
gestellt werden.
In Bezug auf die anfangs formulierte Fragestellung, ob die Sorgetätigkeiten der Young (Adult) Carer als
„Nicht-Arbeit“ zu begreifen sind, lassen sich in der bisherigen Forschung Suchbewegungen in Form von
Potenzialen finden, die sich einerseits aus den Widersprüchen der kapitalistisch durchdrungenen
praktischen Lebensführung ergeben und andererseits aus der Unmöglichkeit der Selbst- und Fürsorge
als (Sorge-)Arbeit entstehen, wie auch schon Karin Jurczyk (2014) im Anschluss an Cornelia Klinger
(2013) und Ostner/Pieper (1980) konstatiert 13, dass nämlich Care im Kontext der Familie „primär
immer mehr bzw. etwas anderes [ist] als Arbeit, da sie durch exklusive, persönliche und emotionale
Beziehungen konstituiert ist“ (Jurczyk 2014: 178) und auch als „vermischtes Tun“ (Ostner/Pieper 1980)
verstanden werden (kann). Dennoch wird an dieser Stelle dafür plädiert, die Tätigkeiten der Selbstund Fürsorge gesamtheitlich als „Nicht-Arbeit“ zu begreifen. Das bedeutet, nicht nur die Tätigkeiten
der Young (adult) Carer oder der „informal carer“ als solches zu verstehen, sondern auch die
Sorgetätigkeiten der bezahlten Care-Arrangements. Denn die Sorge für andere und für sich selbst, in
welcher Formation auch immer, kann nur ein Begriff des Sorgens jenseits des kapitalistischen
Arbeitsparadigmas verstanden werden. Jegliche theoretisch-konzeptionellen oder praktischen
Überlegungen, Sorge als oder mit Arbeit zu begreifen, endet als „grundsätzliche Fehlkonstruktion der
modernen Gesellschaft“ (Jurczyk 2014: 177) und bleibt zugleich dem vorherrschenden
Arbeitsparadigma verhaftet, führt auf die Weise die kapitalistische Wirtschaftsweise fort und blockiert
dadurch Überlegungen, die über den gewohnten Denkrahmen hinausweisen könnten. Die Soziologie
und die Frauen- und Geschlechterforschung muss sich entscheiden, wie sie ihren Beitrag, und sei er
noch so utopisch, zu einer „nachhaltigen, zukunftsfähigen Gesellschaft“ (Dörre et al. 2009: 301) leisten
kann, da sich am „Zustand der Selbst- und Fürsorge der Zustand der Gesellschaft“
(Aulenbacher/Dammayr 2014a: 10) ablesen lässt. Und dazu gehört auch, wie Sorge für sich und für
andere zukünftig verstanden werden soll und verstanden werden muss.
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