H_Texte analysieren und interpretieren

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ARBEITSWEISE
 Texte analysieren und interpretieren
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Überblick verschaffen
Überschrift und
Aufgabenstellung lesen!
Text(ausschnitt) genau
lesen!
Unklarheiten beseitigen
(im Wörterbuch
nachschlagen,...)

Materialsammlung:
Text gliedern
markieren - Randnotizen
Wortfelder, Motive,
Schlüsselbegriffe markieren
Schreiben des Textes
>>> Analyse/ Interpretation
1
Arbeit am Text
(Zitate aus dem
Originaltext!)
Arbeit mit dem Wörterbuch
TEXTAUFBAU
1. Einleitung
Titel, VerfasserIn, Textsorte,
Zeit/ Epoche
Inhalt (Handlung)
Thema, Deutung
Wer? Was?
Wann? (Wo?) Wie?
Worum geht´ s / Was soll´ s?
Zusatzinformationen (historische Aspekte, Biografie des Autors/ der Autorin, Informationen zur
Werk- und Wirkungsgeschichte,...)
1
nur, sofern diese Informationen für die Textanalyse relevant sind!!!
Es geht meist nicht darum, besonders originell zu sein!
(Die Textbausteine kann man üben.
z.B.: In der Kurzgeschichte „XXXXXX“ schildert XY... das Treffen zweier Personen in...
Der autobiografische Prosatext „XXXXXXX“ von XY zeigt die...
Die Unmöglichkeit des... , den/ das/ die XY in ihrem/seinem ... Gedicht „XXXX“ beschreibt,...
Hinführen zum Thema (Übergang von der Einleitung zum eigentlichen Hauptteil)
Definition des Themas/ Voraussetzungen für das Verständnis
Erläuterung des Vorgehens (bei der folgenden Analyse),...
2. Hauptteil
Analyse des Textes
Information
Auswertung der Analyse
3. Schluss
1
Inhalt /Thema/ Motiv/ Topos,
Gattung,...
Textaufbau/ Erzählperspektive/
Zeit/ Handlungsstränge
sprachliche Mittel/ Stil,...
Was folgt daraus?
Intention des Autors/ der Autorin?
Wirkung?
Zusammenfassung/ abschließende Bemerkung, Vermutungen, kein
neues Argument!!!
bei Analyse eines Textausschnitts:
Einordnung in den Gesamtzusammenhang: Werk/ Epoche/ Biografie,...
Bei einer Textanalyse/ Interpretation/ Kritik sollen Intention und Wirkungsweise des Textes
herausgearbeitet werden. Zusatzinformationen (zB über den/die Verfasser/in, die Epoche, die
Textsorte,...) sind zwar wichtig, sollen aber in Bezug zum Text stehen.
Das bloße Aufzählen von Fakten genügt nicht!
astridraab 1009
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Texte analysieren
Textinhalt
Stoff
•
•
Ausgangsmaterial für Texte
selbst Erlebtes, Geschichte, Religion, Mythologie,...
z.B.: Adam und Eva, Odysseus, die Nibelungen, der 2. Weltkrieg, Faust, die „Entdeckung“
Amerikas,...
Motiv/ Thema
•
•
•
•
•
allgemeine, wiederkehrende menschliche Situation/ Konflikte,...
unabhängig von Geschichte, Lebensumständen,...
anhand eines Stoffes literarisch verarbeitet
ebenso wie der Stoff in allen Textsorten und außersprachlichen Äußerungen möglich
verschiedene Arten von Motiven:
Situationen: feindliche Brüder, Vater-Sohn-Konflikt, Liebe zwischen Kindern verfeindeter
Eltern
bestimmte Typen: Außenseiter, Bösewicht, Hochstapler,...
Raum- und Zeitmotive: die Großstadt, die Unterwelt, der Wettlauf mit der Zeit
Märchen/ Sagen/ Fabeln: Verwandlung in ein Tier, böse Stiefmutter, Erscheinen des
Teufels, Überrumpelung d. Dummen, Hochmut/ Frevel,...
lyrische Motive: Liebesleid, Jahreszeit, Einsamkeit,...
das Leitmotiv = wichtigstes Motiv, tritt innerhalb eines Werkes wiederholt auf, gliedert den Text
z.B. bestimmte Figur, Gegenstand, Melodie, Vers, wiederkehrende Aussage,...
Struktur von Texten
1. Gattungsmerkmale
(z.B. Kurzgeschichte, Ballade, Drama, Satire,...)
2. Aufbau und Handlung
Erzählform
3. formale Struktur /Sprache
(Akte, Strophen, Vers(maß), Reim
Sprachregister, Stil,...)
>>>
Das Schreiben von Texten muss man üben.
Die Grundvoraussetzungen für eine Textanalyse oder kritische Stellungnahme sind
aber Inhalte, die man lernen (und zu Hause vorbereiten!) kann.
Wer also behauptet „Ich kann keinen Text schreiben.“, hat meistens zu wenig
gelernt.
zur Arbeit mit Texten siehe auch
http://www.teachsam.de/arb/arb_text0.htm
astridraab 1009
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Erzählperspektive/ Erzählsituation
Aus welcher Sicht wird erzählt?
• Innensicht
Wiedergabe von inneren Vorgängen (Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle) einer Figur
Beispiel: Sie wartete im Restaurant auf ihren Freund, wollte aber nicht mehr als zehn Minuten
verstreichen lassen. Sie bestellte sich einen Kaffee und blickte zur Tür. Dabei überlegte sie,
was sie ihm sagen würde, wenn er jetzt im Lokal erschiene.
• innerer Monolog:
extreme Form der Innensicht (Eine Figur denkt/...)
Beispiel: ...Wo er nur bleibt? – Sonst ist er so pünktlich. Ach ja, in letzter Zeit...Hm. Ist das da drüben nicht...? Nein. – Bestell ich mir halt einen Kaffee... Was soll ich ihm bloß
sagen? Und wie?
• Außensicht
keine Wiedergabe von inneren Vorgängen
Beispiel: Sie wartete im Restaurant auf ihren Freund. Sie bestellte einen Kaffee und blickte zur
Tür. Fünf Minuten später erschien er.
Wer erzählt?
•
auktoriale Erzählperspektive
 Der Erzähler/ Die Erzählerin mischt sich kommentierend ein
(„allwissender Erzähler“; lat. auctor = Urheber))
 ich- oder sie/ er- Erzählung
 Wechsel: Innen- / Außensicht
 Rückwendung/ Vorausdeutung
•
ich- Erzählung
Das Geschehen wird in der 1. Person erzählt.
scheinbar subjektiv
fiktives Ich (lyrisches Ich) ist nicht der Autor/ die Autorin!
(Ausnahme: autobiografischer Text)
•
sie/ er- Erzählung
 personale Erzählperspektive
Das Geschehen wird in der 3. Person erzählt.
Wiedergabe von inneren Vorgängen
aber: Der Erzähler mischt sich nicht ein.
 neutrale Erzählperspektive
Der Erzähler mischt sich nicht ein.
keine Innensicht
scheinbar objektiv, Gefahr der Manipulation
astridraab 1009
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Zeit
•
Erzählzeit
Wie viel Zeit braucht man etwa, um den Text zu erzählen/ zu lesen/ vorzulesen?
Tempus
Zeitstufe, in der erzählt wird (Präsens, Präteritum, Perfekt,...)
oft an die Textgattung gebunden
•
Zeit der Handlung
Wann passiert die Handlung? (Gegenwart, Zukunft, historische Epoche,...)
•
erzählte Zeit
Wie viel Zeit vergeht vom Einsetzen der Handlung bis zum Schluss?
•
•
Wird linear (chronologisch) erzählt?
Gibt es Rückblenden/ Vorausdeutungen?
Raffung
Dehnung
Ort der Handlung
•
Wo passiert die Handlung?
realer, irrealer oder idealer Raum?
Innenraum? Außenraum?
Gibt es Ortswechsel?
•
Umwelt/ Milieu
historischer, politischer, sozio- kultureller Hintergrund?
Figuren
•
•
Typen/ „stehende Figuren“ (in epischen und dramatischen Texten)
Figurenkonstellationen
Beziehung der Figuren zueinander?
z.B. Kontrastfiguren (zwei gegensätzliche Charaktere)
•
Figurencharakteristik
direkte /indirekte Charakterisierung?
Wie und wodurch wird charakterisiert? (äußere Eigenschaften, Charakter, Handlungen)
der Protagonist/ die Protagonistin = Hauptfigur
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Sprache und Stil
•
Sprachregister:
Umgangssprache, dialektale Wendungen? Fachsprache?
wörtliche Rede, Zitate?
•
Grammatik
Satzgrammatik: Wie ist der Satzaufbau?
z.B.: lange, mehrfach untergliederte (verschachtelte) Sätze
Satzgefüge: Parataxe, Hypotaxe (Haupt- und Nebensätze) oder
kurze Hypotaxen
unvollständige Sätze (meistens ohne Verb, siehe Ellipse und Anakoluth)
Textgrammatik: Welche Textverknüpfungen werden benutzt?
•
Ausdruck/ sprachliche Verfahren
z.B. Montage, Ironie, Parodie,...
•
Wortwahl:
Ist an der Wortwahl etwas auffällig? Enthält die Wortwahl z.B. deutliche Wertungen?
klar, anschaulich, sachlich
bildhaft, geschraubte Wendungen, Fremdwörter
•
Stilistische Mittel: Metaphern, Vergleiche, Wortwiederholungen
(>>> siehe rhetorische Figuren)
„gebundene Sprache“
Vers = Zeile in gebundener Sprache
stark und schwach betonte Silben (Hebungen – Senkungen)
Strophe = mehrere Verse
Versmaß (Metrum) = Schema eines Verses
Rhythmus
Reim
>>> Vorsicht Fehlinterpretation/ Überinterpretation!
Natürlich gibt es nicht eine einzige, allgemein gültige („richtige“) Interpretation
eines Textes. Die bloße Behauptung: „Aber ich sehe das so...“ ist allerdings auch
nicht zulässig.
für alle Merkmale eine Textes gilt:
•
•
•
•
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Wo steht das im Text? (vgl. Zitat, direkte/ indirekte Redewiedergabe)
Inwiefern sind die aufgezählten Merkmale relevant für die
Analyse?
Welche Wirkung wird erzielt? Was könnte der Autor/ die Autorin
damit gemeint haben? (Stellen Sie keine Behauptungen auf, die
sich nicht am Text beweisen lassen!)
Werden Textausschnitte analysiert, sollten diese in Bezug auf den
Gesamttext betrachtet werden. (keine willkürliche Auswahl
einzelner Textstellen/ Sätze!)
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Personencharakteristik
Textanalyse: inhaltlich, sprachlich
Figur(en)
Wie wird die
Figur
präsentiert?
Was erfährt
man aus dem
Text
über die Figur?
direkte /indirekte
Charakteristik
erster Auftritt?
Erzählperspektive/
Erzählhaltung
Herkunft, Milieu,
Vorgeschichte, Bildung,
Arbeit,...
äußere Erscheinung
Werthaltung, Denkmuster,
Gefühlswelt
psychische Verfassung,
Selbstbild
Mit wem verkehrt die Person?
Wie ist ihre Beziehung zu
anderen?
Wie reagiert die Person in
bestimmten Situationen (z.B.
Krisen)?
Zusatzinformationen?
Wirkungsweise?
Intention?
Wie wirkt die
Figur?
Warum?
Wodurch?
Was möchte
der Autor/
die Autorin
mit der Figur/
der Art der
Darstellung
zeigen?
Werk- und
Wirkungsgeschichte?
Informationen über Epoche/
AutorIn
Wann und wie ist der Text
entstanden?
autobiografisch?
Wo steht das im Text?
Sind diese Informationen relevant für die Analyse?
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Personenbeschreibung / Figurencharakteristik
Aufgabenstellungen:
 Notizen zum Text
<<< Lesen Sie den Text und
notieren Sie:
Was erfährt man über die Figuren
aus dem Text?
- Polykarp
- Herr Resch
- Welche anderen Figuren
kommen im Text noch vor?
 Typen/ Klischees
Notieren Sie stichwortartig die
Eigenschaften, die Sie folgenden
Bezeichnungen zuordnen:
Streber/in, Chaot/in, Zicke,
Langweiler(in), Tussi, Macho
 Beschreiben Sie...
• eine Person, die Sie kennen!
• eine bekannte/ berühmte
Person!
• eine literarische Figur!
aus: Hans Peter Richter: Damals war es Friedrich. Ravensburger



Wie ist die Person?
Wie zeigen sich ihre Charaktereigenschaften?
Wie verhält sich die Person in bestimmten Situationen?
1) äußerer Eindruck
z.B.: Körpergröße, Gestalt, Gesicht, Haare
Kleidung
besondere Kennzeichen,…
2) Charakter
z.B.: eitel, selbstkritisch, oberflächlich, hilfsbereit, geduldig,…
3) Verhalten
z.B.: legt Wert auf ihr Aussehen, interessiert sich für Mode,
hilft ihren Freunden bei Aufgaben,…
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