Dr. Strangelove - filmpodium thalwil

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Dr. Strangelove - filmpodium thalwil
Dienstag, 8. Februar 2005, 20:00 Uhr, Bar offen ab 19:45Uhr
Singsaal Schulhaus Feld, Tödistrasse 77, 8800 Thalwil
Dr. Strangelove
or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb
Regie
Drehbuch
Kamera
DarstellerInnen
Musik
Version
Spieldauer
Altersemfehlung
Stanley Kubrick, UK 1964
Peter George (Roman: Red Alert), Stanley Kubrick, Terry
Southern
Gilbert Taylor
Peter Sellers, George C. Scott, Sterling Hayden
Laurie Johnson
Englisch, deutsch untertitelt
93 Minuten
ab 16 Jahren
Mit „Dr. Strangelove“ hat Kubrick mitten im kalten Krieg eine der brillantesten Satiren
der Kinogeschichte gedreht, die trotz des inzwischen überholten Kontextes in ihrer
politischen Brisanz brandaktuell ist; ein Muss für alle Filmliebhaber. Pointiert und
treffend zeigt er die philosophischen und kommunikativen Hintergründe auf, die das
inszenierte Geschehen überhaupt erst möglich machen, nämlich den Wahn einer
übertechnisierten und perfektionierten Militärelite, die isoliert von der Aussenwelt
Entscheide fällt und so eine unkontrollierbare Lawine ins Rollen bringt.
In fast jeder Szene wartet der Film mit einem Gag oder einer versteckten Anspielung
auf, wobei einem oft das Lachen im Halse stecken bleibt. Sei es ein Wortspiel wie
"Gentlemen, you can't fight in here! This is the War Room!" oder eine Parodie auf die
Kommerzgesellschaft, wenn sich ein amerikanischer Offizier weigert, einen Coca-
Cola-Automaten gewaltsam zu öffnen, um das benötigte Kleingeld für ein absolut
dringendes Telefongespräch mit dem Präsidenten zu beschaffen.
General Jack D. Ripper, Kommandant eines US-Luftwaffenstützpunkts, ist der festen
Überzeugung, dass die Russen mit der Fluoridation des Trinkwassers die Körpersäfte der Menschen der freien Welt vergiften. Eines Tages dreht er durch und setzt
mit Atombomben bewaffnete Flugzeuge gegen die Sowjetunion in Marsch, die er nur
mit einem Codewort wieder zurückrufen könnte. Der vollkommen hilflose Präsident
der USA befiehlt einer seiner Einheiten, den Kommandanten mit Waffengewalt ans
Telefon zu holen, und der sowjetische Parteichef am anderen Ende des 'heissen
Drahtes' wirkt leicht alkoholisiert. Ripper nimmt sich kurz vor der Erstürmung des
Stützpunktes das Leben, und als es endlich gelingt, das Codewort zu entschlüsseln,
ist es für eines der Flugzeuge bereits zu spät. Der Pilot Major King Kong stürzt sich
mit der Bombe zwischen den Beinen auf Feindesland, worauf die russische Weltuntergangsmaschine vollautomatisch den atomaren Gegenschlag einleitet. Im strahlensicheren Bunker erscheint unterdessen der deutsche Wissenschaftler Dr. Strangelove, der dem amerikanischen Generalstab seine makabren Überlebens- und Rassen-Theorien nahe legt, wobei sich immer wieder zwanghaft seine nationalsozialistische Vergangenheit bemerkbar macht.
Bitterböse und mit hervorragenden Dialogen inszeniert Kubrick dabei die einzelnen
Figuren, deren Namen alleine schon die verschiedensten, oft sexuellen Anspielungen enthalten. In drei Rollen – Rippers Adjudant Mandrake, Präsident Merkin Muffley
und Dr. Strangelove – glänzt der englische Komiker Peter Sellers, und Sterling Hayden überschreitet als General Ripper überzeugend die Grenzen des Wahnsinns.
Der Film ist mit einer solchen Präzision und Fantasie gedreht, dass er für seine Zeit
ebenfalls ein technisches Meisterwerk ist und Kubricks vielseitiges Können auch auf
dieser Ebene unter Beweis stellt. Im Stützpunkt ist die Kameraführung unruhig, ganz
im Stile einer Nachrichtensendung, im perfekt ausgeleuchteten War Room sind die
Bilder makellos ‚komponiert’, im Flugzeug dominiert der dokumentarische Stil eines
Lehrfilms und die Luftaufnahmen sind in einem für die damalige Zeit sensationellen
Rückprojektionsverfahren gemacht. Hinzu kommt der geniale Einsatz der Musik, welche das beängstigende Szenario bittersüss untermalt und dem Film noch die Krone
aufsetzt.
Robi Möhlen