Fragen und Antworten zum EWärmeG BW

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Fragen und Antworten zum EWärmeG BW
MINISTERIUM FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ UND VERKEHR
Die am häufigsten gestellten Fragen und Antworten
zum Erneuerbare-Wärme-Gesetz Baden-Württemberg
Stand 11/10
Vorbemerkung
Mit dem Erneuerbare-Wärme-Gesetz Baden-Württemberg hat der Landtag mit seiner
Entscheidung vom 7. November 2007 auf dem Gebiet des Klimaschutzes Neuland
betreten. Das Gesetz regelt eine Nutzungspflicht zugunsten erneuerbarer Energien
bei der Wärmeversorgung für neue Wohngebäude, für die ab dem 1. April 2008 das
Bauverfahren eingeleitet wurde, bis einschließlich Bauantrag bzw. Kenntnisgabe zum
31.12.2008.
Für den Wohngebäudebestand gilt das Landesgesetz seit dem 1. Januar 2010, wenn
im Einzelfall die zentrale Heizanlage ausgetauscht wird. Auf Bundesebene wurde am
4. Juli 2008 ebenfalls ein Wärmegesetz verabschiedet, das zum 1. Januar 2009 in
Kraft getreten ist. Dieses Gesetz enthält eine Pflichtregelung zur Nutzung erneuerbarer Energien bei der Wärmeversorgung in allen Neubauvorhaben, also Wohn- und
Nichtwohngebäuden, für die ab dem 1. Januar 2009 der Bauantrag gestellt bzw. die
Bauanzeige erstattet wird oder die Kenntnisgabe erfolgt.
Die Pflichtregelungen des Landes für den Bau neuer Wohngebäude wurden ab dem
1. Januar 2009 durch das Bundesgesetz abgelöst. Für neue Wohngebäude, die bis
Ende 2008 beantragt bzw. zur Kenntnis gegeben wurden (s.o.), bleiben die Vorgaben
des EWärmeG Baden-Württemberg wirksam. Weitere Informationen zum Wärmegesetz des Bundes finden Sie auf dieser Homepage unter dem Stichwort Anforderungen
an Neubauten. Das Wärmegesetz des Landes bleibt weiterhin wirksam für den
Wohngebäudebestand, wenn ab dem 1. Januar 2010 im Einzelfall die zentrale Heizanlage ausgetauscht wird. Denn für den Gebäudebestand hat der Bundesgesetzgeber keine Regelung getroffen, sondern den Ländern eine eigene Regelungskompetenz ausdrücklich zugewiesen (Öffnungsklausel). Weiterhin wurde zum 1. Januar
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2010 die Verordnung zum EWärmeG erlassen (EWärmeVO). Durch diese Verordnung werden die Vorgaben des EWärmeG zur Erfüllung durch verbesserten Wärmeschutz (vgl. hierzu Abschnitt D) an die Energieeinsparverordnung 2009 (EnEV 2009)
angepasst.
Die nachfolgenden Fragen und Antworten gelten daher für neue Wohngebäude in
Baden-Württemberg, für die bis Ende 2008 das Bauverfahren eingeleitet wurde (s.o.)
und für Wohngebäude im Bestand, bei denen ab dem 1. Januar 2010 die Heizanlage
ausgetauscht wird. Sie wurden auf der Grundlage von Fragen interessierter Bürgerinnen und Bürger zusammengestellt. Zu den am häufigsten gestellten Fragen folgen
auf den nächsten Seiten kurze Antworten.
Die Fragen sind in fünf Rubriken eingeteilt in:
Allgemeine Fragen
Spezielle Fragen zu den Anforderungen
Ausnahmen von den gesetzlichen Verpflichtungen
Umsetzung, Nachweise und Kontrollen
Fördermöglichkeiten
Den vollständigen Gesetzestext einschließlich der EWärmeVO finden Sie auf der
Homepage des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr unter
www.uvm.baden-wuerttemberg.de, Stichwort Erneuerbare-Wärme-Gesetz für AltBauten, unter www.landesrecht-bw.de, Stichwort EWärmeG für Altbauten.
A. Allgemeine Fragen zu Beginn und Umfang der neuen Vorgaben
1. Wann ist das Landesgesetz in Kraft getreten?
Antwort:
Das Gesetz ist am 1. Januar 2008 in Kraft getreten.
Die Anforderungen des Landesgesetzes gelten für neue Wohngebäude, für die ab
dem 01.04.2008 der Bauantrag gestellt oder beim Kenntnisgabeverfahren die Bauvorlagen erstmalig eingereicht werden bzw. die bis zum 31.12. 2008 beantragt
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oder zur Kenntnis gegeben wurden. Für bestehende Wohngebäude greift es seit
dem 1. Januar 2010, wenn im Einzelfall die zentrale Heizanlage ausgetauscht wird.
2. Welche Vorhaben fallen unter das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz des
Bundes?
Antwort:
Neue Wohngebäude und Nichtwohngebäude, für die ab dem 1. Januar 2009 der
Bauantrag gestellt, die Bauanzeige erstattet wird oder die Kenntnisgabe erfolgt,
fallen unter die Pflichtregelungen des Bundeswärmegesetzes. Bei verfahrensfreien
Vorhaben kommt es auf den Baubeginn ab dem 1. Januar 2009 an.
3. Welche Ziele werden mit dem Erneuerbare-Wärme-Gesetz Baden-Württemberg
verfolgt?
Antwort:
Das Gesetz soll im Wesentlichen dazu beitragen, dass in der Wärmeversorgung
von Wohngebäuden verstärkt erneuerbare Energien zum Einsatz kommen und
damit der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase verringert wird. Man muss dazu
wissen: Knapp 30 % des Kohlendioxidausstoßes in Baden-Württemberg gehen auf
das Konto von Heizen und Warmwasserbereitung in Gebäuden.
Darüber hinaus wird der Weg in eine nachhaltige Energieversorgung geebnet, weil
die begrenzten und teurer werdenden Vorkommen an Öl, Gas und Kohle geschont
werden.
4. Welche Gebäude werden vom Landesgesetz erfasst?
Antwort:
Wohngebäude ab 50 m2 Wohnfläche, einschließlich Wohn-, Alten- und Pflegeheime, fallen unter die verpflichtenden Vorgaben, nicht aber Bürogebäude oder Schulen. Bei gemischt genutzten Gebäuden findet das Gesetz Anwendung, wenn das
Gebäude überwiegend (mehr als 50 Prozent der Fläche) zu Wohnzwecken genutzt
wird.
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B. Weitere Fragen zu Neubauten:
In welchem Umfang müssen bei Neubauten erneuerbare Energien genutzt werden?
Antwort:
Bauherren von neu zu errichtenden Wohngebäuden, für die ab dem 01.04.2008 der
Bauantrag gestellt oder beim Kenntnisgabeverfahren die Bauvorlagen erstmalig eingereicht werden bzw. die bis zum 31.12. 2008 beantragt oder zur Kenntnis gegeben
wurden, sind nach dem EWärmeG BW verpflichtet, mindestens 20 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs (Heizung und Warmwasser) durch erneuerbare Energien zu
decken.
C. Weitere Fragen zu bestehenden Gebäuden:
1. Werden die Vorschriften des Landeswärmegesetzes für den Wohngebäudebestand
auch durch Bundesrecht abgelöst?
Antwort:
Nein, das Wärmegesetz des Landes gilt für den Wohngebäudebestand ab dem
1. Januar 2010, wenn im Einzelfall die zentrale Heizanlage ausgetauscht wird.
Für diesen Bereich hat der Bundesgesetzgeber keine eigene Regelung getroffen,
sondern den Ländern eine eigene Regelungskompetenz ausdrücklich zugewiesen
(Öffnungsklausel). Eine Ablösung der Landesregelung durch Bundesrecht gibt es
für den Wohngebäudebestand nicht.
2. In welchem Umfang müssen bei bestehenden Wohngebäuden erneuerbare
Energien genutzt werden?
Antwort:
Bei bestehenden Wohngebäuden müssen ab dem 1. Januar 2010 und erst dann,
wenn die zentrale Heizungsanlage ausgetauscht wird, 10 Prozent des jährlichen
Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Wichtig: Die Pflicht
greift erst, wenn die zentrale Heizungsanlage ausgetauscht wird und damit ohnehin
Investitionen in die Wärmeversorgung anstehen.
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3. Wann liegt ein Austausch der Heizungsanlage vor?
Antwort:
Ein Austausch der Heizanlage liegt vor, wenn der Kessel oder ein anderer zentraler
Wärmeerzeuger als Kernkomponente ausgetauscht wird. Maßgeblicher Zeitpunkt
für die Verpflichtung ist der tatsächliche Beginn der Austauscharbeiten ab dem
1. Januar 2010.
4. Greift die Pflicht auch beim Austausch von Etagenheizungen oder Einzelöfen?
Antwort:
Nein, weil das Gesetz nur beim Austausch von zentralen Heizungsanlagen greift.
Kommt es jedoch zu einem gleichzeitigen Austausch aller Etagenheizungen bzw.
Einzelöfen und werden diese durch eine zentrale Heizanlage ersetzt, so wird nach
Sinn und Zweck des Gesetzes die Verpflichtung ausgelöst.
5. Wenn mir meine Heizungsanlage plötzlich kaputt geht, muss ich dann sofort erneuerbare Energien nutzen?
Antwort:
Nein, wenn eine Heizung kurzfristig wegen eines Defekts ersetzt werden muss, gilt
eine Übergangsfrist von 24 Monaten. Danach müssen die Anforderungen des Gesetzes erfüllt werden. Es empfiehlt sich aber, rechtzeitig zu überlegen, wie eine
sinnvolle Gesamtlösung aussieht, um die Ausgaben zu minimieren oder gar unnötige Kosten zu vermeiden.
D.
Möglichkeiten zur Erfüllung der Anforderungen nach dem EWärmeG
Baden-Württemberg :
1. Was ist unter erneuerbaren Energien im Sinne des Gesetzes zu verstehen?
Antwort:
Zulässige Energieformen sind Sonnenenergie (Solarthermie), Erdwärme (Geothermie), Biomasse (z.B. Holzpellets, Scheitholz), einschließlich Bioöl und Biogas
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im Sinne der Biomasseverordnung. Die Nutzung von Umweltwärme einschließlich
Abwärme durch Wärmepumpen wird außerdem als Nutzung erneuerbarer Energien anerkannt, wenn diese eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,5 vorweisen können. Mit Brennstoffen betriebene Wärmepumpen müssen eine JAZ von 1,3 erreichen (vgl. § 3 EWärmeG).
2. Welche Möglichkeiten gibt es, die Anforderungen zu erfüllen?
Antwort:
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die Verpflichtung entfällt, wenn eine handelsübliche solarthermische Anlage aus öffentlich-rechtlichen, baulichen oder technischen
Gründen nicht installiert werden kann. (vgl. hierzu: E.).
Als gängige Anlagen zur Erfüllung der Nutzungspflicht kommen insbesondere in
Betracht (jeweils entweder die eine Energieform oder die andere Energieform):
• Sonnenenergie: Die Anforderung gilt durch eine solarthermische Anlage mit einer Größe von 0,04 m2 Kollektorfläche pro m2 Wohnfläche als erfüllt. Hat ein
Haus beispielsweise 150 m2 Wohnfläche, gilt die Pflicht als erfüllt, wenn mindestens 6 m2 Kollektorfläche (Aperturfläche) installiert werden, oder
• Erdwärme: In vielen Fällen kann oberflächennahe Geothermie genutzt werden.
Unter zwei Drittel der Landesfläche kommt oberflächennahe Erdwärme vor.
Die Nutzung erfolgt zum Beispiel mit Hilfe von Sonden, die in die Erde gebohrt
werden oder flächenhaft verlegte Kollektoren. Die Erdwärme wird mit Hilfe einer elektrisch betriebenen Wärmepumpe auf ein höheres Temperaturniveau
angehoben. Die Wärmepumpe muss eine Jahresarbeitszahl von mindestens
3,5 aufweisen (mit Hilfe einer Kilowattstunde Strom müssen also mindestens
3,5 Kilowattstunden Wärme gewonnen werden). Deckt die Wärmepumpe nicht
den gesamten Wärmebedarf des Wohngebäudes, so wird auf den Pflichtanteil
(Neubau: 20 Prozent, Bestand: 10 Prozent) nur diejenige Wärme als erneuerbar angerechnet, die mit einer Jahresarbeitszahl über 3,0 hinaus bereitgestellt
wird oder
• Nutzung von Umweltwärme einschließlich Abwärme durch elektrisch betriebene Wärmepumpen, die mit einer Kilowattstunde Strom mindestens 3,5 Kilowattstunden Wärme erzeugen. Bei nur teilweiser Deckung des Wärmebedarfs
durch die Wärmepumpe gelten die Ausführungen zur Erdwärme entsprechend.
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Mit Brennstoffen betriebene Wärmepumpen müssen eine JAZ von 1,3 erreichen; oder
• Verwendung von 20 Prozent (bei Neubauten, zum zeitlichen Anwendungsbereich vgl. Antworten zu Fragen 1 und 2, Abschnitt A) bzw. 10 Prozent (bei bestehenden Wohngebäuden) beigemischten Bioöls im Heizöl oder Biogas im
Erdgas. Der Nachweis, dass dieser Anteil erneuerbarer Energien in der Energiestofflieferung enthalten ist, wird über die Brennstoffabrechnung geführt;
oder
• Einsatz einer Holzpelletsheizung oder
• einer Scheitholzzentralheizung
Darüber hinaus sieht das Gesetz ausdrücklich Alternativen zur Nutzung erneuerbarer Energien vor.
3. Können verschiedene Maßnahmen auch kombiniert werden?
Antwort:
Ja, mit Ausnahme der Einzelraumfeuerungen können erneuerbare Energien untereinander kombiniert werden. So kann z.B. im Wohngebäudebestand eine solarthermische Anlage, welche 5% des Wärmebedarfs abdeckt, mit weiteren 5% Biogas zur Deckung des Wärmebedarfs kombiniert werden. Wärmeschutzmaßnahmen können nach dem Landesgesetz hingegen nicht mit dem Einsatz erneuerbarer Energien verrechnet werden. Bei Einzelraumfeuerungen im Sinne des § 4 Abs.
5 EWärmeG sind sämtliche Voraussetzungen zur Erfüllung einzuhalten. Eine Verrechnung mit anderen Erfüllungslösungen ist nicht möglich.
4. Welche Möglichkeiten gibt es, wenn ich nicht auf erneuerbare Energien umsteigen
will?
Antwort:
Eines gleich vorweg: Die im Folgenden aufgeführten Möglichkeiten zur "ersatzweisen Erfüllung" der gesetzlichen Anforderungen entfallen für Wohngebäude, die aus
den im Gesetz genannten Gründen von der Nutzungspflicht ausgenommen bzw.
befreit sind (vgl. hierzu Abschnitt E.).
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Als Alternativen zur Nutzung erneuerbarer Energien kommen in Betracht (jeweils
entweder die eine Maßnahme oder die andere Maßnahme, vgl. hierzu § 5 EWärmeG):
• Anschluss an ein Wärmenetz, das mit Kraft-Wärme-Kopplung oder erneuerbare
Energien betrieben wird; oder
• Einsatz einer Heizanlage mit Kraft-Wärme-Kopplung (Motor-BHKW) (Gesamtwirkungsgrad mind. 70 Prozent und Stromkennzahl mind. 0,1); oder
• Photovoltaik, soweit dann kein Platz mehr für Solarthermie vorhanden ist; oder
• Wärmeschutzmaßnahmen mit erhöhten Standards gegenüber der Energieeinsparverordnung.
Bei Neubauten mussten die Anforderungen der EnEV 2007 um 30 Prozent unterschritten werden.
Bei bestehenden Wohngebäuden gibt es eine ersatzweise Erfüllung durch
Wärmeschutzmaßnahmen an Bauteilen (20 Prozent besser als EnEV 2009)
oder durch ein Unterschreiten (bei neueren Gebäuden, Bauantrag/Bauanzeige
ab 1995) bzw. begrenztes Überschreiten (bei älteren Gebäuden) der Standards
der EnEV 2009 bzgl. des Transmissionswärmeverlusts (vgl. unten Antwort zu
Frage 6). Sanierungen, die nach Inkrafttreten des EWärmeG (1.01.2008) und
vor Inkrafttreten der EWärmeVO (1.01.2010) beauftragt und bis zum 31.12.2010
durchgeführt wurden, fallen unter die Übergangsregelung des § 2 EWärmeVO
Wichtig: Bereits durchgeführte Wärmeschutzmaßnahmen können insoweit angerechnet werden, als dass nur noch das zu erledigen ist, was bis zum Standard
nach EWärmeG fehlt. Früheres ökologisches Verhalten wird dadurch anerkannt.
5. Werden auch Kachelöfen als Einzelraumfeuerstätten anerkannt?
Antwort:
Ein Kachelgrundofen oder ein anderer mit dem Gebäude fest verbundener (vor Ort
gemauerter) Ofen oder ein Pelletofen werden anerkannt, wenn sie bestimmte DINNormen erfüllen, einen Mindestwirkungsgrad von 80% (bei Pelletöfen 90%) aufweisen und mindestens 25 % der Wohnfläche damit überwiegend beheizt werden
oder ein Wasserwärmeübertrager vorhanden ist.
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6. Kann die Pflicht auch durch Wärmeschutzmaßnahmen erfüllt werden?
Antwort:
Ja, sowohl beim Neubau wie beim Gebäudebestand gibt es die Möglichkeit der so
genannten "ersatzweisen Erfüllung" durch Wärmeschutzmaßnahmen.
Bei Neubauvorhaben nach EWärmeG BW (vgl. zum zeitlichen Anwendungsbereich
Antworten zu den Fragen 1 und 2 im Abschnitt A) mussten die Anforderungen der
EnEV 2007 an den Jahres-Primärenergiebedarf und den Transmissionswärmeverlust um 30 Prozent unterschritten werden.
Beim Wohngebäudebestand gibt es verschiedene Möglichkeiten. Es genügt die
Dämmung bestimmter Bauteile, wenn dabei die Anforderungen an den Wärmedurchgangskoeffizienten der EnEV 2009 um 20 Prozent unterschritten werden.
Alternativ gibt es die Möglichkeit, bezogen auf den Transmissionswärmeverlust je
nach Alter des Gebäudes, die Standards der EnEV 2009 nur in bestimmtem Umfang zu überschreiten (Gebäude mit Bauantrag/ Bauanzeige vor 1995). Bei neueren Gebäuden müssen grundsätzlich die Anforderungen der EnEV 2009 an den
Transmissionswärmeverlust in bestimmtem Umfang unterschritten werden. Sanierungen, die nach Inkrafttreten des EWärmeG (1.01.2008) und vor Inkrafttreten der
EWärmeVO (1.01.2010) beauftragt und bis zum 31.12.2010 durchgeführt wurden,
fallen unter die Übergangsregelung des § 2 EWärmeVO
7. Können auch bereits durchgeführte Wärmeschutzmaßnahmen angerechnet
werden?
Antwort:
Ja. Wenn bereits in der Vergangenheit Dämmmaßnahmen durchgeführt wurden, ist
ggf. nur noch eine geringe oder keine weitere Verbesserung erforderlich, um die
Zielvorgaben des EWärmeG für die Wärmedämmung, insbesondere für den
Transmissionswärmeverlust, zu erreichen.
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8. Was wäre bei bestehenden Gebäuden die günstigste Art, die Anforderungen des
Gesetzes zu erfüllen?
Antwort:
Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden und hängt von vielen gebäudespezifischen Faktoren wie beispielsweise der Ausrichtung des Daches oder dem
Zustand der Gebäudehülle ab. Bei einer Erneuerung des Heizkessels wird häufig
auch der Warmwasserspeicher erneuert. Dann liegen beispielsweise die Mehrkosten für eine solarthermische Anlage häufig bei unter 1000 Euro je Quadratmeter
Kollektorfläche. Bei weiter steigenden Energiepreisen können sich die Mehrkosten
in immer kürzerer Zeit amortisieren.
Ein anderer Fall: Steht ohnehin eine Fassadensanierung an, wird die Fassadendämmung nur zu geringen Mehrkosten und dafür aber zu erheblichen Einsparungen bei den laufenden Energiekosten führen. In diesem Fall kann an Stelle der
Nutzung erneuerbarer Energien die Fassadendämmung durchgeführt und angerechnet werden.
Weiterer Fall: Steht dagegen eine Dachsanierung an, können die Anforderungen
alternativ über eine Dachdämmung erfüllt werden.
Wichtig: Das Gesetz verlangt nicht, dass alle Möglichkeiten gleichzeitig umgesetzt
werden. Vielmehr kann unter den vielen Alternativen ausgewählt werden.
E. Ausnahmen von den gesetzlichen Verpflichtungen:
1. Was ist, wenn die Anforderungen aus baulichen oder technischen Gründen nicht
durch eine solarthermische Anlage erfüllt werden können?
Antwort:
Dann entfällt die Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien. Es besteht dann auch
keine Pflicht zu einer "ersatzweisen Erfüllung".
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2. Was ist, wenn mein Wohnhaus denkmalgeschützt ist?
Antwort:
Soweit dadurch die Installation einer solarthermischen Anlage rechtlich verboten
ist, entfällt die Verpflichtung zur Nutzung erneuerbarer Energien. Dies ist im Einzelfall zu klären. Wenn das Denkmalsschutzrecht im Einzelfall den Einsatz solarthermischer Anlagen verbietet, besteht auch keine Verpflichtung zu einer "ersatzweisen
Erfüllung".
3. Mein Dach ist nicht optimal ausgerichtet. Muss ich trotzdem eine solarthermische
Anlage bauen?
Antwort:
In den allermeisten Fällen ist auch bei nicht optimalen Bedingungen eine solarthermische Anlage möglich und sinnvoll. In solchen Fällen lohnt es sich jedoch
besonders, alternative Erfüllungsmöglichkeiten zu prüfen. Von einer technischen
Unmöglichkeit ist erst auszugehen, wenn auf die in Frage kommende Dachfläche
weniger als 60 % der Sonneneinstrahlung trifft, wie auf eine unter 45 Grad nach
Süden geneigte unverschattete Dachfläche.
4. Was passiert, wenn ich kein Geld habe und keinen Kredit bekomme?
Antwort:
Für die Fälle einer juristisch so genannten "unbilligen Härte" sieht das Gesetz die
Möglichkeit einer Befreiung auf Antrag vor. Eine "unbillige Härte" kann durch die
persönlichen Umstände, aber auch durch objektive Umstände begründet sein, die
zu einem unverhältnismäßigen Aufwand führen. Von einem unverhältnismäßigen
Aufwand kann beispielsweise ausgegangen werden, wenn die Gesamtkosten für
die Installation einer solarthermischen Anlage 2.000 Euro pro m2 Kollektorfläche
überschreiten würden.
5. Was ist, wenn mein Dach mit Asbestzementplatten gedeckt ist?
Antwort:
Sofern das Dach eines Wohngebäudes, in welchem die Heizungsanlage ausgetauscht wird, aus Asbestzement besteht, entfällt die Nutzungspflicht nach EWär-
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meG wegen rechtlicher Unmöglichkeit. Auf diesem Material darf keine Solaranlage
montiert werden, da es aufgrund seiner Gesundheitsgefährdung einem Verwendungsverbot nach Gefahrstoffrecht unterliegt.
6. Welche Ausnahmen sieht das Gesetz noch vor?
Antwort:
Wenn sonstige Vorschriften des öffentlichen Rechts wie beispielsweise des Denkmalschutzes der Nutzung einer solarthermischen Anlage entgegenstehen oder
wenn bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes erneuerbare Energien im Sinne des
EWärmeG zur Wärmeversorgung genutzt werden (vgl. § 4 Abs. 8 Nr. 2 EWärmeG).
F.
Umsetzung des Gesetzes, Nachweise und Kontrollen
1. Wie und durch wen wird die Pflichterfüllung überwacht?
Antwort:
Die Eigentümer von Wohngebäuden, die unter die gesetzlichen Regelungen fallen,
müssen sich im Regelfall durch "Sachkundige" (vgl. folgende Frage 2.) die Erfüllung der Anforderungen oder ihre "ersatzweise Erfüllung" oder den Wegfall der
Verpflichtung bestätigen lassen und diesen Nachweis im Regelfall innerhalb von
3 Monaten nach Austausch bzw. Inbetriebnahme der Heizanlage bei der unteren
Baurechtsbehörde vorlegen. Zur Nachweisführung erhalten Sie Vordrucke bei den
unteren Baurechtsbehörden oder hier auf dieser Homepage: www.uvm.badenwuerttemberg.de unter dem Stichwort Erneuerbare-Wärme-Gesetz für Altbauten.
Die Nachweise sind den unteren Baurechtsbehörden vorzulegen.
2. Wer soll Nachweise zur Erfüllung der Anforderungen ausstellen können?
Antwort:
Nachweise werden von so genannten "Sachkundigen" ausgestellt. Dies sind alle,
die nach Bundes- oder Landesrecht zur Ausstellung von Energieausweisen berechtigt sind. Des Weiteren können dies beispielsweise Bauhandwerker, Heizungsbauer und Schornsteinfeger sein, welche die Voraussetzungen zur Eintragung in die Handwerksrolle erfüllen sowie Handwerksmeister der zulassungsfreien
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Handwerke dieser Bereiche (Bau, Ausbau, Anlagentechnik, Schornsteinfegerwesen) und Personen, die aufgrund ihrer Ausbildung berechtigt sind, ein solches
Handwerk ohne Meistertitel selbstständig auszuüben.
3. Welche Folgen hätte ein Verstoß gegen die Nutzungspflicht?
Antwort:
Verstöße können je nach verletzter Pflicht (Erfüllungs-, Nachweis oder Hinweispflicht) mit einem Bußgeld bis zu 50.000 bzw. 100.000 Euro belegt werden. Ein
hohes Bußgeld kommt bei großen Wohnanlagen mit vielen Wohneinheiten in Betracht.
G.
Informationen über Förderung und finanzielle Unterstützung
1. Welche Fördermöglichkeiten und Zuschüsse gibt es?
Antwort:
Zunächst gibt es für energetische Verbesserungen von Wohngebäuden zinsverbilligte Darlehen oder Zuschüsse von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW www.kfw-foerderbank.de ). Das Land gewährt ebenfalls zinsverbilligte Förderkredite für den Einsatz erneuerbarer Energien in neuen und bestehenden Wohngebäuden. Die Beantragung erfolgt über die Hausbank. Zusätzlich bieten viele Landkreise, Städte und Gemeinden wie auch kommunale Energieversorger ergänzende
Förderprogramme. Nachfragen kann sich lohnen.
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gewährt u.a. Zuschüsse für Anlagen zur Bereitstellung des Wärmebedarfs für Heizung oder Warmwasserbereitung oder des Kältebedarfs für Kühlung im Gebäudebestand (Richtlinie
vom 9. Juli 2010). Dabei müssen bestimmte technische Vorgaben eingehalten
werden. Die Einzelheiten finden Sie unter www.bafa.de. Neu errichtete Anlagen in
Bestandsgebäuden werden vom BAFA auch dann gefördert, wenn sie zur Erfüllung
einer Nutzungspflicht nach landesrechtlichen Regelungen errichtet wurden (RL
vom 9. Juli 2010). Eine Zusammenstellung der aktuellen Förderprogramme des
Bundes und des Landes ist unter www.energiefoerderung.de zu finden.
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2. Wo kann man sich über erneuerbare Energien informieren?
Antwort:
Informationen zum Thema erneuerbare Energien finden Sie auf den Internetseiten
des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr und außerdem beispielsweise unter:
www.kea-bw.de (Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg)
www.zukunftaltbau.de/topthemen/detail_343.php (Zukunft Altbau, die Motivationsund Informationskampagne des Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr)
www.bine.info (Bürger-Information Neue Energietechniken, Nachwachsende Rohstoffe, Umwelt (BINE)
www.dena.de (Informationsangebot der Deutschen Energie-Agentur zur Nutzung
Erneuerbarer Energien)
www.wm.baden-wuerttemberg.de (Informationsangebot des Wirtschaftsministeriums unter Stichwort: Energie und Wohnungsbau/ Informationszentrum Energie/
Fördermöglichkeiten