Erfahrungsberichte - Landkreis Märkisch

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Erfahrungsberichte - Landkreis Märkisch
Erfahrungsberichte
von Schülern des Landkreises MOL,
die in den Schuljahren 2001/02 bis 2014/15
durch ein Stipendium des Landkreises Märkisch-Oderland
oder der Sparkasse Märkisch-Oderland
ein Schuljahr im Ausland verbracht haben
USA
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Slowakei
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Dänemark
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Frankreich
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England
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Kanada
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Irland
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Ecuador
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Niederlande
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Südafrika
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Russland
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Indien
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Australien
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Seit 2001 haben 50 Schüler ein Stipendium durch den Landkreis Märkisch-Oderland
erhalten. Auch die Sparkasse Märkisch-Oderland unterstützt Schüler bei
Auslandsaufenthalten. Aus der Zusammenarbeit mit der Sparkasse resultieren auch
Erfahrungsberichte in diesem Heft von Schülern, die ein Stipendium über diese Einrichtung
erhielten.
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USA
Ein Jahr in Albuquerque, New Mexico
(2014/2015 Organisation)
Meine Gastfamilie und ich verstanden uns von dem Augenblick an, wo wir uns das erste Mal
sahen. Nachdem ich aus dem Flugzeug gestiegen bin, hatte ich natürlich Hunger und das erste
was ich gegessen hatte, war ein Burger von der weit verbreiteten Fast-Food-Kette
„Whataburger“, wo ich natürlich im Laufe des Jahres öfter mit meinen Freunden war. Meine
Familie nahm mich mit offenen Armen auf, gab mir ein Zimmer, Essen und versuchte so viel wie
möglich mit mir zu unternehmen.
Der erste Schultag war natürlich schwierig, man kannte Niemanden, fremde Gesichter und die
Sprache konnte man auch noch nicht so gut verstehen wie man dachte. Jeder hat einen
Akzent, alle sprechen sehr schnell mit Slang. Freunde zu finden schien mir als eine beinah
unmögliche Aufgabe, aber sobald der Tag vorüber ging hatten sich schon sehr viele Leute für
mich interessiert. Ich war für sie genau so interessant wie sie für mich, und gleich nachdem in
einen Club (League of Legends) beigetreten bin, habe ich auch sofort Freunde gefunden, die
mir bis jetzt erhalten geblieben sind. Einige haben sogar vor, nach Deutschland zu kommen um
mich zu besuchen.
Die Schule hat sich sehr von unseren Schulen unterschieden, es wird z.B. viel mehr Wert auf
zwischenmenschliche Aspekte gelegt. Es war sehr schwierig für mich so umzudenken und mich
daran anzupassen, auch weil sie andere Maßeinheiten benutzten, wie zum Beispiel Fahrenheit
und Fuß. Die Lehrer waren natürlich sehr offen und zuvorkommend mir gegenüber. Durch die
Lehrer und durch meine Freunde ist es mir gelungen, mich ziemlich schnell anzupassen. Auch
die Sprache und auch die Umgangssprache habe ich durch sie gelernt. Die ersten drei Monate
lernt man die Sprache noch und lernt jeden Tag neue Wörter kennen, und man versteht seine
Mitmenschen langsam aber sicher immer besser. Jetzt, wo ich wieder da bin, muss ich sagen,
dass ich das Englisch sprechen vermisse und am liebsten jeden Tag mit meinen Freunden
Englisch sprechen würde, es macht so viel Spaß diese Sprache zu sprechen, auszutesten und
zu verbessern.
Meine Freunde waren alle über 16 Jahre alt, weswegen sie alle schon ihren Führerschein
besaßen und wir natürlich überall mit dem Auto hinfahren konnten. Wir haben in sehr vielen
Restaurants und Fast-Food-Restaurants gegessen, besonders wenn wir am Wochenende alle
zusammen unterwegs waren und ich dann bei Freunden geschlafen habe. Wir hatten eine
großartige Zeit.
In Amerika wird sehr selten gekocht (es gibt natürlich Ausnahmen), was dazu führte, dass wir
fast jeden Tag zum Essen ausgingen und ich deswegen auch sehr viel rumgekommen bin und
in sehr vielen Restaurants in Albuquerque gegessen habe. Meine Favoriten waren: Five Guys,
Chick-fil-A, Dion’s und Domino’s. Meine Freunde und ich haben oft mehrere Tage miteinander
verbracht und deswegen sind wir auch oft zu Restaurants gefahren und haben uns bedienen
lassen und wir haben uns Pizza bestellt. Wir haben sehr viel zusammen unternommen und sehr
viel erlebt. Ich habe die meisten Freunde kennen gelernt, weil ich League of Legends (ein
online MOBA-game) spielte und dem League of Legends Club in der Schule beigetreten bin.
Wir hatten öfter Wochenenden, an denen wir alle zusammen gezockt haben, manchmal auch
drei Nächte hindurch, und da konnten wir nicht essen gehen und einfach aufhören, also haben
wir uns Pizza bestellt mit Getränken. Wir haben sogar in Turnieren gespielt und haben dabei
sogar meist gewonnen. Es war eine wunderbare Zeit und ich werde die Freunde die ich dort
gewonnen habe niemals vergessen.
Meine Familie und ich sind oft verreist, was mir die Möglichkeit gegeben hat noch mehr von den
USA zu sehen und sie besser kennen zu lernen. Wir sind zusammen nach Texas gefahren, um
uns im „AT&T Stadium“ das Football-Spiel von einem der Familienangehörigen anzusehen (er
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spielte für sein College und versucht jetzt in das pro football hinein zu gelangen). Wir sind auch
zum Grand Canyon gefahren, da ich leider nicht die Möglichkeit hatte mit meiner Organisation
hinzufahren. Und meine Gastmutter hat es geliebt zu laufen und ist deswegen im Marathon in
Las Vegas, Nevada mitgelaufen und dabei haben mich meine Gasteltern auch mitgenommen.
Wir sind viel rumgekommen und haben uns viel angesehen. Wenn man ein gutes Verhältnis zu
seiner Gastfamilie hat, und das hatte ich, dann versuchen sie auch so viel wie möglich mit dir zu
unternehmen und dir die beste Erfahrung deines Lebens zu schaffen.
Diese Reise war ein Abschnitt meines Lebens, den ich niemals vergessen werde. Ich lernte die
Kultur eines komplett anderen Landes kennen, ihre Unterschiede, ihre schönen und ihre
schlechten Seiten. Ich war auf mich allein gestellt und habe dadurch so manches gelernt. Eine
Erfahrung, die ich jedem weiterempfehlen würde, und ein Erlebnis, bei dem man sehr viel
lernen kann, wenn man sich darauf einlässt.
Tom
One year in "The Giant Side of Texas" (2012/13 – Organisation AIFS)
So fing alles an: Nach Wochen langen warten habe ich eine E-Mail von dem Veranstalter über
meine Gastfamilie bekommen. Ich öffnete die E-Mail und erhoffte mir einen Ort mit Strand und
Palmen oder wenigstens einen Ort neben einer bekannten Stadt, wie Los Angeles, San
Francisco, etc. Doch ich bekam eine Familie in Lubbock, Texas. Meine Begeisterung hielt sich
erstmal in Grenzen, denn diese Gegend ist alles andere als grün, keine Bäume, Sandsturm und
bei 40 Grad im Schatten wollte ich eigentlich auch nicht dort leben. Wie auch immer es war
schließlich mein Traum seit dem ich klein war in den USA zu leben. Also entschied ich mich, es
wenigstens einmal zu probieren.
Fakten zu Lubbock: Mit rund 237.000 Einwohnern ist Lubbock die elfgrößte Stadt von Texas.
Außerdem hat Lubbock unter anderem die größten Baumwollfelder von den ganzen USA. Die
niedrigste Temperatur liegt durchschnittlich bei -4° C und die höchste Temperatur bei 38° C.
Daraus kann man schon ableiten, dass es eher eine trockene Gegend ist.
Das Abenteuer beginnt: Am 21. August 2012, stand ich nun auf dem Flughafen und hatte
eigentlich noch gar nicht so richtig realisiert, dass es in wenigen Minuten losgeht. Trotzdem fiel
mir der Abschied schwer. Mein Flug startete von Berlin nach Frankfurt (am Main) und dann
nach New York, wo wir für 4 Tage ein weiteres Vorbereitungstreffen hatten. Im Hotel erfolgte
die Einteilung der Zimmer in Abhängigkeit von unserem Staat, wo wir hinkommen. Im meinem
Zimmer waren dann noch zwei weitere Mädels, die nach Texas gehen und eine davon war
Anna, sie kam sogar in die gleiche Stadt. Nach diesem Treffen ging es dann für mich und Anna
weiter über Houston nach Lubbock. Während des Fluges erzählte sie mir total viel von ihrer
Gastfamilie, wie sie aussieht und was sie schon geplant hatten. Ich war schon ein bisschen
neidisch, denn von meiner Gastfamilie hatte ich noch gar nichts gehört.
Der erste Eindruck: Angekommen am extrem kleinen Flughafen wurden wir dann mit Fahnen
und Plakaten überrascht. Da ich noch nicht wirklich was von meiner Gastfamilie wusste, hatte
ich auch keine Ahnung wer jetzt genau vor mir steht. Total euphorisch sind wir dann raus aus
dem Flughafen und wurden von 45°C Hitze erschlagen. Am gleichen Tag haben wir dann noch
eine kleine Stadtrundfahrt gemacht und sind zur Schule gefahren um dort alle Formulare
auszufüllen.
Mein erster Eindruck: trotz Hitze und Trockenheit konnte ich es mir sehr gut vorstellen dort zu
leben. Vielleicht lag es daran, dass Lubbock einfach so unterschiedlich ist als Deutschland.
27.08.12 – Erster Schultag: Wenn ich Texas höre, denke ich immer an Cowboys, die mit ihren
Pferden überall hin reiten. Das stimmte aber nur zum Teil, es gab Cowboys, die auch mit ihren
normalen Cowboysachen zur Schule gingen, aber auf einem Pferd reiten sie nicht. Wie auch
immer war der erste Schultag total aufregend. In meiner Schule gingen rund 3000 Schüler zur
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Schule, davon war ein großer Teil mexikanisch, wegen Mexico. Ein anderer großer Teil war
schwarz, die anderen waren weiß, welche zu 89 % deutsche Wurzeln haben, weil irgendein Urur-urgroßvater in Deutschland geboren wurde. Und es stimmt die Schule sieht echt so bunt und
groß aus, wie in den ganzen High School Movies.
Als Erstes bin ich zu meinem persönlichen Berater gegangen, der auch meinen Stundenplan
erstellt hatte. Viel mehr ist am ersten Schultag eigentlich nicht passiert. Zurück ging es dann mit
dem typischen gelben Schulbus, der übrigens sehr kleine Sitze hat und im Winter war es recht
kalt.
Unterricht: Ich wurde ein Junior, das entspricht der 11.Klasse hier. In Deutschland hat man 1014 verschiedene Fächer und jeden Tag eine andere Anordnung. In Amerika ist das komplett
anders, ich habe eine Liste bekommen mit ungefähr 70 verschiedenen Arten an Kursen und
konnte mir von der Liste acht Fächer auswählen. Diese acht Fächer hatte ich dann jeden
einzelnen Tag.
Wenn man die Klasse bzw. den Kurs nicht mochte, hatte man die Möglichkeit den Kurs zu
wechseln.
Sport: Um sich Fit zu halten gibt es viele Möglichkeiten. Die Schule bietet Sportarten für die
Sommer- und Wintersaison an. Als die Schule anfing begann auch gleich die Wintersaison, also
hatte ich mich für Basketball entschieden. Doch bevor ich dort mitmachen konnte, hatte ich so
genannte Try Outs, da wirst du getestet, ob du gut genug bist. Diese Try Outs gingen eine
Woche lang. Als die Sommersaison anfing, so ungefähr ab Februar, hatte ich mich für
„Track&Field“ entschieden, was hier der Leichtathletik entspricht. Allgemein ist der Sport in
Amerika eines der wichtigsten Sachen, sodass der Schulsport verglichen werden kann mit dem
Niveau einer Sportschule. Wie auch immer, wenn man Freunde kennengelernt hatte, dann
meistens vom eigenen Sportteam, denn man verbringt so gut die meiste Schulzeit mit ihnen.
Tagesablauf: Die Schule fing um 8.25 Uhr an und endete um 16.10 Uhr und das galt für alle
Schüler! Als die Basketballsaison anfing musste ich schon um 6.30 Uhr zum Basketballtraining
in der Schule sein und nach dem Unterricht hatte ich noch einmal Training bis 17.30 Uhr. Am
Abend geht man dann mit der Familie zusammen Essen, da das Familienleben eine sehr große
Rolle spielt. Aus diesem Grund bleibt leider auch keine Zeit, um Freunde zu treffen. Nach
einigen Monaten trat bei mir die Normalität ein. Die Schule war so einfach wie noch nie,
Basketballsaison war voll im laufen und wurde härter und härter.
Essen: In Texas ist es üblich, dass man abends irgendwo Essen geht oder wenn man nicht das
Haus verlassen wollte, hatte man eben zu Hause Abendbrot gegessen, was zu 90% ungesund
war. Dadurch, dass Mexico das Nachbarland ist, ist das Essen dementsprechend mexikanisch
(zum Beispiel gab es: quesadillas, tacos, tortillas, burritos und vieles mehr).
Gastfamilie: Als ich die Info bekommen hatte, dass eine Gastfamilie sich für mich entschieden
hatte, war ich natürlich voll aufgeregt und habe sie auch gleich angeschrieben. Doch sie
antworteten nie und das gab mir schon ein schlechtes Gewissen, ob es die richtige Familie für
mich sei. Nichtsdestotrotz ließ ich mich auf diese Erfahrung ein und wurde enttäuscht.
Nach ein paar Wochen kamen die ersten Probleme!
Anna's Gastmutter war die Mutter von meiner Gastmutter also hatten wir auch alle Aktivitäten
zusammen unternommen. Anna und mir viel es dann immer schwieriger nicht Deutsch zu
sprechen. Wir hatten uns geeinigt, wenn wir in der Gegenwart von anderen Personen waren,
reden wir Englisch. Doch unsere Gastmütter fanden es überhaupt nicht gut, dass wir überhaupt
Deutsch sprachen, deshalb hatten wir später eine erste Krisensitzung. Danach dachte ich, dass
jetzt alles besser werden würde, aber es kamen immer mehr und mehr Probleme zusammen.
Mein Endschluss nach den ersten zwei Monaten stand fest, ich wollte die Gastfamilie wechseln.
Die gleichen Probleme hatte auch Anna, also hatten wir uns mit Kim (unsere Betreuerin vor Ort)
getroffen und darüber gesprochen. Am gleichen Tag hatte sie dann noch alle wichtigen Papiere
zu der Organisation gesendet und gehofft, dass wir wechseln dürfen. Aber wenige Tage später
kam dann die Antwort, dass unsere Probleme keine schlimmen Probleme sind und man sie
noch ändern kann. Kim unterhielt sich mit der Gastfamilie und sie meine dann zu uns, dass wir
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es noch mal probieren sollten. Nach diesem ganzen Drama wurde es ein wenig besser und
dann wieder schlechter.
Da ich nicht wechseln konnte, musste ich mich entscheiden, ob ich nach Hause fliege oder dort
bleibe. Ich blieb natürlich dort und wie durch ein Wunder, hatte sich meine Gastfamilie
entschieden umzuziehen, und zwar nach Dallas. Da ich unbedingt auf der Schule bleiben
wollte, musste für mich jetzt eine neue Gastfamilie gesucht werden. Am Ende hatte mein
Basketball Coach und seine Frau sich entschieden mich aufzunehmen. Ich wechselte kurz nach
Weihnachten und von dort an ging es nur noch Berg auf. Es war eine sehr junge Familie, was
ich vorteilhafter fand, da sie echt alles Mögliche mit mir unternahmen! Im Allgemeinen kann ich
sagen, dass ein Familienwechsel meistens die bessere Entscheidung ist und man nie
enttäuscht wird.
Meine Gastfamilie und ich, wir haben uns so gut verstanden, dass wir immer noch Kontakt
haben. Sie wollen im nächsten Jahr (in den Ferien) zu mir kommen und Deutschland kennen
lernen. Ich werde ihnen Deutschland zeigen, so wie sie mir Texas.
Sprache: Am ersten Tag war die Verständigung noch relativ schwierig, da die Amis oder vor
allem die Texaner einen sehr undeutlichen Akzent haben. Nach den ersten Wochen konnte ich
schon alles verstehen und nach zwei Monaten sprach ich schon fließend Englisch. In den
restlichen Monaten habe ich mir automatisch das fachliche Englisch angeeignet und spätestens
nach einem halben Jahr hatte man gar keine Probleme mehr. Um nicht so aufzufallen
konzentrierte ich mich auf den texanischen Slang. Die Texaner meinten: Hätte ich nicht den
deutschen Akzent, dann würde es nicht auffallen, dass ich eigentlich Deutsch als Muttersprache
spreche.
Um einfach noch besser Englisch zu sprechen, hatte ich angefangen englische Bücher zu
lesen.
Zu Hause angekommen fiel mir das Deutsch sprechen relativ schwer, so dass ich mit meinen
Freunden nur Englisch sprach.
Cowboys, Sandstürme und 45°C → Texas: Aus irgendeinem Grund wird Texas immer so
negative beschrieben. Wenn man mal Texas oberflächlich betrachtet sind die ganzen großen
Städte, wie San Antonio, Austin, Dallas oder Houston total schön, sehr grün und auch nicht so
heiß wie man eigentlich von Texas erwartet. Außerdem ist Texas der zweitgrößte Staat in den
USA, der nicht nur aus sehr viel Landschaft besteht, sondern auch viele Sehenswürdigkeiten
bietet.
Es gibt natürlich auch die trockenen Seiten von Texas, so wie man es aus Filmen kennt. In so
einer Gegend ist es viel interessanter zu sehen wie die einheimischen Menschen dort leben,
anstatt nach Florida zu gehen, wo schon jeder zweite seinen Urlaub verbracht hatte und nur
Touristen leben.
In Filmen wird immer gezeigt, dass Cowboys in Texas auf ihrem Pferd durch die Gegend reiten.
Doch das stimmt nur zum Teil. Es gibt immer noch Cowboys, die dann auf der Farm leben und
dort rumreiten. Außerdem tragen sie auch ihre Cowboysachen überall wo sie hingehen und das
stört niemanden, denn man ist in Texas. Doch durch die Stadt reiten sieht man leider keinen
mehr, stattdessen wurden die Pferde durch einen „Chevy Truck“ ersetzt.
31.05.2013 – letzter Schultag: Der letzte Schultag war einerseits sehr lustig, weil jeder so froh
war endlich Ferien zu haben und anderseits sehr traurig, weil man die ganzen Leute nie wieder
sehen würde. Deshalb kann ich nur empfehlen, ein Jahrbuch zu holen und einfach jeden darin
unterschreiben zu lassen, damit man wenigstens noch eine kleine Erinnerung hat.
Letzter Tag in Texas: Erst dann wird einem klar, dass man jetzt 10 Monate nicht zu Hause
war. Man blickt nochmal zurück und kann gar nicht begreifen, wie schnell die 10 Monate um
sind. Trotz Schwierigkeiten war es ein unvergessliches Jahr. Und der Abschied von allem,
besonders von der Gastfamilie fiel sehr schwer.
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Was ich nur empfehlen kann, ist ein Tagebuch zu schreiben. Gerade in den letzten Tagen ist
mir aufgefallen, dass man nur noch so stückweise sich an alles erinnert und wenn man ein
Tagebuch geschrieben hat und erneut darin liest, hat man das Gefühl noch einmal dagewesen
zu sein.
Dankeschön: Ein großes Dankeschön geht an das Schulamt von MOL für das Teilstipendium.
Man braucht im Durchschnitt $ 300 im Monat und ohne das Stipendium hätte ich nicht die
Dinge machen können, die es einfach nur in Amerika zu machen gibt.
Ein weiteres Dankeschön geht an meine Familie sowie an meine Gastfamilie, die mir immer
beistanden.
Zusammenfassung: So eine Chance ins Ausland zu gehen, dort ein Jahr zur Schule zu gehen,
bekommt man nur einmal im Leben. An alle, die noch unsicher sind, ob sich das überhaupt
lohnt oder Angst haben dort hinzukommen, wo echt nichts los ist, kann ich eigentlich nur sagen:
es lohnt sich auf jeden Fall und meiner Meinung nach ist es viel interessanter dort hinzugehen,
wo noch nie jemand war, als dort hinzugehen wo schon jeder zweite Tourist seinen Urlaub
verbracht hatte!!
Durch dieses Jahr kann ich nicht nur besser Englisch sprechen, sondern bin auch
selbstbewusster geworden, was für mein späteres Leben sehr wichtig sein wird.
Ich kann nur sagen, es war ein unvergessliches Jahr in Amerika und ich würde es jeder Zeit
wieder machen. Ich werde außerdem so oft wie möglich zurück fliegen und vielleicht entscheide
ich mich nach dem Abitur dort zu studieren.
Maria
Ein Jahr in Washington State, USA (2012-13 – Organisation AYUSA)
Nach monatelangen Warten startete meine Reise am Flughafen Tegel mit dem Aufbruch in ein
neues Leben. Ziel war Washington State, der regenreichste Bundesstaat der USA.
Ich hatte gespaltene Gefühle zwischen Abschiedsschmerz und Vorfreude. Obwohl ich nie zuvor
geflogen war und ich nicht wusste wer und was mich dort erwarten würde, überwog die
Abenteuerlust. Nach einem neunstündigen Flug erreichte ich New York und wurde
passenderweise von der „Statue of liberty“ begrüßt. Weitere fünf Stunden Wartezeit und sechs
Stunden Flug kam ich völlig erschöpft in Portland an der Westküste an.
Dort erwartet mich meine Gastmutter Natalie, eine alleinlebende Frau, mit meiner Betreuerin
und Rosalie, ihrer deutschen Austauschschülerin. Dass Natalie nur eine Welcome family für
mich war, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt. Mit Natalie fuhr ich weitere zwei Stunden,
bis wir die typische Westenküstenkleinstadt „Chehalis“ erreichten, in der sie lebte. Am nächsten
Tag ging es gleich wieder zum Flughafen um meine brasilianische Gastschwester Bela
abzuholen. Natalie war anfangs sehr freundlich und wir lebten uns schnell bei ihr ein. Mit Bela
(1 Jahr jünger als ich) habe ich mich von Anfang an sehr gut verstanden und in kürzester Zeit
war sie eine richtige „kleine“ Schwester für mich.
In Chehalis besuchte ich die W.F. West Highschool. Am ersten Schultag war ich froh das ich
zumindest Bela schon kannte und nicht vollkommen allein war. Ich wählte in meinem ersten
Semester Fächer wie Drafting (technisches Zeichnen), US history, American literatur,
photography, graphic designe und geometry. Es ist weit verbreitet das öffentliche
amerikanische Highschools kein hohes Lernniveau haben. Ich kann das bestätigen. Nach
anfänglichen Sprachproblemen stellte die Schule für mich so gut wie keine Schwierigkeiten dar.
Schwieriger war es wirkliche Freunde zu finden. Die meisten Schüler wirkten recht freundlich,
auch wenn sie wenig Interesse zeigten und nur wenige den Mut hatten „die fremde Deutsche“
anzusprechen. So verbrachte ich die ersten Wochen nur mit meiner Gastschwester und
weiteren Austauschschülern der Schule. Ich begann zu zweifeln, ob das Ganze so eine gute
Idee war. Nach etwa vier Wochen fand ich die ersten richtigen Freunde bei einem „Football
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Game“. Nach und nach verbesserte sich auch mein Englisch und ich brachte nur noch sehr
gute Leistungen in der Schule.
Schon nach kurzer Zeit wurde die Beziehung von Bela und mir zu unserer Gastmutter
zunehmend schlechter. Natalie begann sich vor uns zurückzuziehen und wir sahen sie nur noch
selten. Wir suchten Hilfe bei den Regionalvertretern unserer Organisation Ayusa, welche sich
aber nicht im Geringsten um uns kümmerten. Nach etwa drei Monaten gab Natalie Bela und
mich für andere Gastfamilien frei, da sie uns aus finanziellen und gesundheitlichen Gründen
nicht mehr behalten konnte. Da Bela und ich unbedingt zusammenbleiben wollten und wir die
Familie unserer gemeinsamen Freundin Lizzie schon gut kannten, konnten wir es einrichten bei
ihnen zu leben.
Sie waren eine großartige und liebevolle Gastfamilie, die es sichtlich genoss uns ihr Land, ihre
Sitten und Bräuche zu zeigen. Meine Gastmutter Kathy und ihr Mann Arlie haben zwei
gemeinsame Töchter von denen nur noch die Jüngste (17 Jahre alt) zu Hause lebt. Aus einer
früheren Ehe hat Kathy noch zwei weitere Töchter und zwei Söhne, welche oft mit ihren Kindern
zu besuch kamen. Für mich als Einzelkind war das Großfamilienleben etwas vollkommen
Neues und hat mich sehr bereichert. Auch neu war es für mich in einem Haushalt mit zwei
Hunden und vier Katzen zu leben, was ich jedoch schätzen und lieben lernte. Wir gingen oft
wandern, sie zeigten uns die Umgebung und schlossen uns in das Familienleben ein. Da Kathy
eine begabte Köchin ist, hatte ich oft Gelegenheit die amerikanische Küche zu genießen, wobei
mexikanische Gerichte auf dem Speiseplan vorherrschten. Wir verbrachten drei Tage in Seattle
und besichtigten die Space Needle und andere Sehenswürdigkeiten. Wir machten Ausflüge in
die eindrucksvolle, steppenartige Landschaft auf der östlichen Seite der Cascade Range oder
nach Oregon. Im Januar bin ich mit meiner Gastfamilie dem regnerischen, kalten Wetter in
Washington entflohen und habe zehn Tage Urlaub auf Hawaii gemacht. Dort besichtigte ich
Pearl Harbor, konnte mit Seeschildkröten schwimmen und lernte surfen am berühmten „Waikiki
beach“. An Feiertagen wie Thanksgiving oder Weihnachten ist die ganze Familie zusammen
gekommen und es wurden ausgiebig Truthahn und andere typisch amerikanische Gerichte
verzehrt. Anlässlich des „Independence Day“ waren wir für ein paar Tage Campen und haben
am Lagerfeuer S`mores (Marchmellows mit Schokolade und Keksen) gemacht.
Zehn Monate später und zurück in Deutschland kann ich sagen, dass sich das Auslandsjahr
gelohnt hat und meine beste bisherige Entscheidung war. Es ist eine Bereicherung für mein
Leben. Ich sammelte viele neue Eindrücke, welche mir für immer in Erinnerung bleiben werden.
Ich habe eine tolle Familie kennengelernt und neue Freunde gewonnen. Nicht nur meine
Englischkenntnisse haben sich enorm verbessert. Die gemachten Erfahrungen haben meine
Toleranz, mein Selbstbewusstsein und meine Selbstständigkeit gestärkt. Im Großen und
Ganzen bin ich reifer und erwachsener geworden.
An diesem Punkt möchte ich mich nochmals beim Landkreis Märkisch-Oderland für die
finanzielle Unterstützung bedanken und wünsche auch allen zukünftigen Auslandsschülern viel
Glück und ein spannendes Jahr.
Anna
Sweet Home Alabama...? (2011/12 – Organisation travelworks))
Kaum vorstellbar, dass ich vor genau einem Jahr einen Monat Schule in Amerika hinter mir
hatte. Wow.
Angefangen hatte alles eigentlich ziemlich gut. Ich hatte meine Familie sehr knapp (2 Tage) vor
meinem Flugtermin bekommen, und daher nicht viel Zeit mich zu entscheiden. Die Familie kam
mir nahezu perfekt vor. Ich hatte eine Gastschwester in meinem Alter, ihre Mom war so
genauso alt wie meine, und hatte sogar einen ähnlichen Job. Der Vater genauso. Ziemlich
gruselig. Das einzige Problem was es zur der Zeit gab, war dass ich auf eine Privatschule
musste, da die anderen Schulen in der Umgebung keine Austauschschüler annehmen wollten.
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Das Problem war bloß, das die Schule natürlich extra kostete. 5000$ mussten meine Eltern für
das Schuljahr noch drauf zahlen. Doch da ich zu viel Angst hatte doch keine Familie
abzubekommen, sagte ich einfach zu und hoffte das Beste. Tja, zu früh gefreut.
In Amerika angekommen, hatte ich als Erstes eine Woche in NYC vor mir. Meine Organisation
hat uns dort noch zusätzliche Tipps zum Thema Kulturschock und dem Leben in unserer
Gastfamilie gegeben. Es war wirklich schön, einerseits wegen der Stadt, und andererseits weil
man dort mit vielen anderen Austauschschülern zusammen war, und sich über vieles
austauschen konnte.
Eine Woche später ging dann also endlich mein Flug weiter nach Huntsville, Alabama. Ich
musste zum Glück nicht allein fliegen, da Huntsville anscheinend zu Hause von vielen
gastfreundlichen Familien ist, was also bedeutete, dass man als Austauschschüler dort wohl
nicht wirklich etwas Besonderes war. Meine Gastfamilie hatte leider noch nicht viel Erfahrung
mit Austauschschülern gehabt, wie ich später feststellen musste.
Nach einem Wochenende mit Jet Lag, musste ich leider auch schon sofort zur Schule. Und,
naja, ein bisschen entsetzt war ich schon. Es stellte sich heraus, dass meine Schule eine sehr
christliche Schule war. Es gab Bibelunterricht, eine Kapelle, und ich durfte sogar eine halbe
Stunde pro Tag nach der 2. Stunde beten gehen. Aber mir so etwas zu erzählen erschien
meiner Organisation wohl eher unwichtig, nachdem ich in meine Bewerbung ausdrücklich
ATHEIST geschrieben habe. Und um die Sache noch abzurunden, gab es auf die insgesamt
440 Schüler (7.-12. Klasse) 5 Austauschschüler, die auch nicht weiter beachtet wurden, da es
dort eigentlich jedes Jahr vor allem deutsche Austauschschüler gab.
Nachdem ich an dieser, wohl nicht so ganz perfekten Schule, keine guten Start hatte, kamen
auch immer mehr Probleme mit meiner Gastfamilie dazu. Sie selber waren streng religiös,
hatten aber soweit ich dachte keine Probleme mit meinem „Glauben“. Doch nachdem ich mich
über meine Schule beschwert hatte, fing meine Gastschwester an, mich immer mehr zu
ignorieren. Ich stellte sie zur Rede, und fragte sie ob ich etwas falsch gemacht hätte, und sie
antwortete, sie verstehe nicht, wie ich nicht an Jesus glauben könnte. Da ich also ihren Glauben
nicht teilen konnte, war ich für sie nur noch wie ein lästiger Ausschlag. Na super.
Als dann auch noch meine Gastmutter anfing mich nur noch anzuschreien, und ich nur noch mit
meinem Gastvater normal reden konnte, bekam ich langsam Zweifel, ob es eine gute Idee war,
das ganze Jahr bei dieser Familie zu bleiben. Ich kontaktierte also meine Agentur, wobei ich
sagen muss, ich hatte natürlich einen Lokal Koordinator, welcher aber zu meinem Glück mit
meiner Gastfamilie befreundet war, und fragte ob es möglich sei die Familie zu wechseln. Wir
hatten viele Telefonkonferenzen, unter anderem mit meiner Gastfamilie, und meine
Organisation entschied, dass die Gründe, die ich genannt habe, ja kein Grund wären zu
wechseln. Es hieß also, ich solle mich gefälligst besser anpassen, und nicht wegen jedem
kleinen Problem die Agentur mit reinziehen. Nachdem es aber leider nicht besser wurde, hatte
meine Gastfamilie auch irgendwann keine Lust mehr, und wollten eine neue Gastfamilie für
mich. Und tatsächlich, innerhalb von 2 Tagen musste ich packen und zu einem anderen Lokal
Koordinator und seiner Familie ziehen.
Von da an, ging es endlich wieder bergauf. Meine neue Familie, die schon so viel Erfahrung mit
Austauschschülern hatte wie keine andere in Huntsville, nahm mich auf wie ihre eigene
Tochter. Und ich fühlte mich endlich wieder willkommen.
Da wir so viele Austauschschüler in dieser Region waren, und mein neuer Gastvater so was wie
der Chefkoordinator war, haben wir fast jeden Monat, mit allen Austauschschüler etwas
unternommen. Wir gingen bowlen, haben Trips in andere Staaten gemacht, und vieles mehr.
Ich fand das echt gut, vor allem weil ich dadurch jetzt immer noch Kontakt zu meinen Freunden,
nicht nur aus Alabama, sondern auch aus Ägypten, Spanien, Georgien und vielen anderen
Ländern habe. Und ich habe auch viele verschiedene Kulturen kennengelernt, nicht nur die
amerikanische.
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Also, alles in allem war das mein „Bestes Jahr meines Lebens“. Ich meine natürlich, es gab
auch so viele schöne Sachen (ich durfte zum Beispiel mit meiner Gastfamilie Weihnachten in
Walt Disney World verbringen), aber, ich habe das Gefühl, ich bin ein perfektes Beispiel dafür,
dass solche Auslandsjahre auch nach hinten losgehen können.
Jessica
Mein Aufenthalt in den USA (2011/12 – Organisation YFU)
Bevor ich nach Amerika gehen konnte musste ich eine einwöchige Vorbereitungstagung meiner
Organisation absolvieren. Dafür bin ich in einer größeren Gruppe auf ein Landschloss mit allem
drum und dran gefahren. Dort habe ich dann mit ungefähr 30 anderen Schülern an kleineren
Seminaren, in kleinen Gruppen teilgenommen Diese sollten uns auf das Jahr in Amerika
vorbereiten. Die Seminare wurden von Jugendlichen geleitet, die schon mal im Ausland waren.
Durch diese Veranstaltung hatte ich die Möglichkeit, schon im Vorfeld viele Freunde zu finden.
Auf dem Flug in die USA wurden wir dann auch noch von Betreuern begleitet und hatten keine
Probleme bei der Anreise. Es wurde alles sehr ausführlich erklärt und man wurde gut
vorbereitet.
Am 4. August 2011 landete ich in den USA. Mein Flugzeug hatte mehr als 3 Stunden
Verspätung in Chicago. Mein Gastvater wartete die ganze Zeit auf mich. Nicht nur, dass das
Flugzeug sich verspätet hatte, auch mussten wir meinen Koffer suchen, da er nicht auf dem
Laufband war. Nachdem wir dann im Haus meines Gastvaters angekommen waren, war ich so
müde, dass ich nicht einmal richtig das Essen genießen konnte.
Die ersten Tage waren sehr anstrengend, da er mir alles zeigen musste. Mein Gastvater hatte
seine eigene Vorstellung von Ordnung, wie ich das Geschirr sauber machen oder wo ich es hin
packen soll und natürlich hat er mir auch ein wenig die Umgebung gezeigt. Jeden Abend kochte
er für uns oder bestellte eine Pizza. In meiner Nachbarschaft gab es ein “Clubhouse” mit einem
„Hot top“ und einem Pool. Da es noch Sommer war und ich noch 4 Wochen Zeit hatte, bevor
die Schule anfangen würde, verbrachte ich viel Zeit in diesem Pool.
Eine Woche später gingen wir zur Schule, um mich registrieren zu lassen. Da hier in Amerika
die Schulen eng mit Sport verbunden sind, musste ich mich sehr früh entscheiden, was ich
machen will. Ich konnte mich entscheiden zwischen American Football oder Fußball. Am Ende
habe ich mich für American Football entschieden, das heißt, ich musste jeden Tag zum Training
gehen. Da ich in Deutschland Fußball gespielt hatte, war ich sehr gut im “ Kicking” und wurde
der “Kicker”. Ich war zuständig für die “Fieldgoals“ nach einem „Touchdown“. Sie haben mich
“Das Booth” genannt. Das war aber auch nicht die einzige Position, ich trainierte auch „Wide
Reciever“.
Am 1. September war dann mein erster amerikanischer Schultag. Es war nicht das Schlimmste,
da ich schon viele Leute aus dem Football - Team kannte. Jeder in der Schule war sehr
freundlich zu mir und hat mir geholfen, wenn ich Hilfe brauchte.
In Amerika habe ich versucht die normalen Fächer zu wählen, da ich ja die 10. Klasse
überspringen wollte. So hatte ich Mathe, Englisch, Französisch, Biologie, Kunst und
Geschichte. Ich wollte so viele Fächer wie möglich abdecken, aber in dem 2. Semester habe ich
dann von Geschichte zu Kochen gewechselt. Dieses Fach machte mir sehr viel Spaß. Mein
Tipp ist, wenn du nicht in der Position bist, dass du zum Überspringen einer Klasse bestimmte
Fächer wählen musst, dann informiere dich gut, was es für Fächer gibt dort an deiner Schule,
denn High-Schools bieten viele coole Fächer an. Da kannst du dich richtig ausprobieren und
was Neues versuchen, wie zum Beispiel statt Französisch, Spanisch zu nehmen. Zur Not
kannst du das Fach immer noch wechseln. Das Wichtigste ist, in solch einem Jahr, so viel Spaß
wie möglich zu haben und für neue Sachen offen zu sein.
Ich hatte nicht viele Hausaufgaben, aber nach der Schule musste ich jeden Tag zum Training,
so war ich dann erst am späten Abend zuhause, wo ein schönes Essen auf mich wartete.
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Die Zeit verging sehr schnell, da war auch schon der “Home Coming Dance”. Es ist ein sehr
großer Schulball, an dem alle Schüler teilnehmen können. Entweder man hat ein Date oder
man geht in einer großen Gruppe. Ich bin mit einer Gruppe gegangen. Bevor wir uns dann auf
den Weg machten, haben wir einige Fotos geschossen und etwas gegessen. Es war ein sehr
lustiger Abend. Die Woche davor war eine Themenwoche. Jeden Tag musste jede
Jahrgangstufe etwas Bestimmtes tragen und dann am Freitag kam es zu einem der wichtigsten
Footballspiele in der Saison, dem “ Homecoming Game“, bei dem niemand verlieren will. Trotz
all dieser Feierlichkeiten musste man immer noch für Tests lernen und gute Leistungen in der
Schule ablegen.
Gleichzeitig hatte ich ein paar Probleme mit meinem Gastvater, welche dann zu einem
Familienwechsel führten. Es hatte nicht wirklich funktioniert zwischen ihm und mir. Ich habe
dann aus persönlichen Gründen gewechselt. Auch beim Familienwechsel gab es keine
Probleme mit meiner Organisation. Es ist alles sehr schnell von statten gegangen, was mich
sehr freute.
Ich hatte Glück, dass mich ein sehr guter Freund aufnahm. Nach dem Wechsel habe ich viel
mehr unternommen, da mich mein Freund Jake zu seinen Freunden mitgenommen hatte. Es
wurde eine sehr schöne Zeit. Wir sind zusammen mit Freunden essen gegangen und auch mit
seiner Familie, spielten Football in einem Park oder Basketball in der Einfahrt. Nachdem die
Footballsaison vorbei war, habe ich mich entschieden dem Wrestling - Team beizutreten. Dies
war sehr aufregend. Es besteht aus hartem Training, jeden Tag. Es dauerte nicht lange, da
hatte ich schon mein erstes Match, das war ein sehr cooles Gefühl auf der Matte zu stehen,
unglaublich. Am Ende der Saison habe ich abgeschlossen mit 12-6 und ich bin Conference
Champion geworden. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Auch war ich mit dem Team auf
einer großen Reise nach Louisiana wo wir an einem Turnier teilgenommen haben. Danach
besuchten wir ein sehr großes Footballspiel und es war ein einzigartiges Gefühl dort im Stadium
zu sitzen und das Team anzufeuern.
Weihnachten habe ich mit der Familie zu Hause verbracht. Die Familie hatte sich sehr viel
Mühe gemacht mit den Geschenken, sie waren sehr schön. Wir konnten aber nichts wirklich
machen, da sie alle arbeiten mussten. Das neue Jahr habe ich mit Familie und Freunden
gefeiert. Es gab einmal ein verlängertes Wochenende an dem meine Gastfamilie mit mir in die
“Dells” fuhr. Da sie ein größeres Apartment gemietet hatten durften Jake und ich Freunde
mitnehmen. Die meiste Zeit haben wir in dem Wasserpark und in den Spielhallen verbracht.
Der Abschied war mir dann am Ende sehr schwer gefallen.
Manuel
Mein Abenteuer in den USA – Wisconsin (2010/11 – Organisation Eurovacances)
Ich konnte nicht glauben, meine Familie für so eine lange Zeit nicht zu sehen. Der Abschied fiel
mir sehr schwer, aber ich wusste, dass es sich lohnen wird.
Die kommenden zehn Monate, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ohne Eltern, sollten
mein größtes Abenteuer werden. In Milwaukee, Wisconsin gelandet, traf ich sofort auf meine
zukünftige Gastfamilie. Meine Gasteltern und meine zwei Jahre jüngere Gastschwester zeigten
mir ihr wundervolles Haus und ich hab mich am Anfang super wohl gefühlt.
In den letzten Wochen der Ferien habe ich nicht wirklich viel unternommen und mich dann auch
sehr schnell gelangweilt. Als dann endlich die Schule anfing, sollte alles besser werden denn
hier findet man schließlich am schnellsten neue Freunde, nur irgendwie stellte sich das als sehr
schwierig heraus, da ich keine feste Klasse hatte, sondern immer andere Schüler traf und
kennenlernte. Schüler die man zuvor im Unterricht kennengelernte, ignorierten einen plötzlich
und alles sah danach aus, als wenn ich mich dort nie einleben würde. Natürlich gab es auch
Ausnahmen und ich fand ein paar Mädchen mit denen ich zum Lunch und zu vielen Football
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Games ging. Brianna und Erin gehörten zu meinen besten Freunden und wir verbrachten viel
Zeit mit einander.
Die Schule stellte so gut wie keine Schwierigkeiten dar und somit kann auch ich bestätigen,
dass die amerikanische High School kein hohes Lernniveau hat. Die Unterrichtsthemen sind
nicht umfangreich und die Tests regen auch nicht zum Nachdenken an, da man in vielen
Fächern auf einem A4-Zettel Notizen und Informationen schreiben darf.
Das Schuljahr war in vollem Gange und dazu gehörten auch die Football Games an jedem
Freitagabend. Die halbe Schule kam, um unsere Mannschaft anzufeuern. Es war unglaublich,
zu sehen wie viel Zusammenhalt dort herrscht.
Anfang Oktober freute sich jeder auf die Homecoming Week, das Homecoming Football Game
und den darauf folgenden Homecoming Dance. Es ist zu vergleichen mit dem Abi Ball in
Deutschland, allerdings finden solche Bälle bis zu vier Mal im Jahr statt und fast jede
Jahrgangstufe kann dort hingehen. Dort traf ich auf Mike. Ich hatte ihn vorher bei einem
Football Game kennen gelernt und verstand mich von Anfang an sehr gut mit ihm. Es war ein
super Abend mit Freunden.
Es wurde allmählich Herbst und ich fand mich immer häufiger alleine zuhause. Deshalb
verbrachten Mike und ich viel Zeit miteinander und er wurde mein bester Freund. Meine
Gastfamilie war so gut wie nie da und ich hab mich nicht wie ein Familienmitglied gefühlt. Auch
mein Geburtstag war relativ langweilig. Ich war es von Zuhause gewöhnt, dass mir meine
Familie einen schönen Tag machen möchte, aber meine Gastschwester hatte meinen
Geburtstag vergessen und meine Gasteltern waren auch an diesem Tag erst sehr spät
zuhause. Allerdings hatten meine Freunde in der Schule meinen Locker sehr schön
geschmückt und ich hatte mich riesig darüber gefreut.
Ich suchte später Trost bei einer Betreuerin und erzählte ihr, dass die Familienzugehörigkeit
nicht vorhanden war und ich mich oft sehr alleine gelassen fühlte. Sie konnte mich verstehen
und sagte, dass einem Familienwechsel nichts im Wege stehe. Es wäre aber sehr hilfreich,
wenn ich versuche eine Gastfamilie zu finden. Ich versuchte es bei meiner besten Freundin
Erin. Sie war total begeistert von der Idee. Also zog ich innerhalb einer Woche bei ihr und ihrer
Familie ein. Ich hatte nun eine Gastschwester, zwei ältere Gastbrüder die auf dem College
waren und meine Gasteltern. Ich hatte eine sehr schöne Zeit mit meiner Gastfamilie, doch zum
Ende meines Aufenthaltes hatte ich einige Schwierigkeiten mit meiner Gastschwester und
unser Verhältnis hat darunter sehr gelitten. Wir waren vorher zwar sehr gute Freunde, jedoch
hat sich herausgestellt, dass wir nicht die gleichen Interessen hatten und auf den jeweils
anderen nur noch genervt reagierten. Nichts desto trotz bereue ich den Familienwechsel nicht.
Im Januar fuhr ich mit Brianna und ihrer Familie in den Winterurlaub nach Michigan. Es war
noch kälter als in Wisconsin und das Ski fahren wurde zu einer echten Herausforderung. Wir
hatten aber trotz der kalten Temperaturen (-30° C) eine super Zeit und sehr viel Spaß.
Kurz danach begann das neue Semester und ich fing an Track und Field zu machen
(Leichtathletik). Es war unglaublich wie viel Zeit und Energie jeder investierte. Jeden Tag
trainierten wir für mindestens zwei Stunden und selbst in den Ferien hieß es um 7 Uhr morgens
auf dem Sportlatz zu erscheinen.
Mein Aufenthalt neigte sich dem Ende zu. Es war Ende April und ich verbrachte Ostern in South
Dakota mit meiner Organisation und 90 anderen Austauschschülern aus der ganzen Welt. Dort
traf ich dann auf Georg. Er war ein Freund aus Deutschland und wir beide konnten es nicht
glauben als wir uns sahen. Da fliegt man acht Stunden über den Atlantischen Ozean und dann
trifft man mitten in den USA einen Freund aus Deutschland. Wir erzählten viel über unseren
Aufenthalt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und stellten fest, dass sich unsere
Erfahrungen ähnelten. Es gab viele gute und schlechte Momente, doch die Guten überwogen
und werden uns ein Leben lang prägen.
Von da an verging die Zeit wie im Fluge. Meine Freunde und ich verbrachten viel Zeit
zusammen und genossen den Sommer. Die letzten Tests wurden geschrieben und jeder freute
sich auf die bevorstehenden Sommerferien. Doch bevor es soweit war, durfte ich endlich zum
Flughafen fahren und meine Mama abholen. Sie kam für zwei Wochen nach Wisconsin um
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meine Familie und Freunde kennenzulernen. Zusammen flogen wir für vier Tage nach New
York und ich war einfach nur glücklich nicht mehr auf mich allein gestellt zu sein. Der letzte Tag
meines Abenteuers war gekommen und ich verabschiedete mich von meinen Freunden. Es fiel
mir sehr schwer, mein neues Leben einfach so zurückzulassen, aber natürlich war die
Vorfreude auf meine Familie in Deutschland viel größer.
Trotz der vielen Probleme und Niederlagen die mich das Jahr über begleitet haben, bereue ich
mein Auslandsjahr in keinster Weise. Es hat mir meine Grenzen gezeigt und mir bewiesen,
dass ich auch alleine Schwierigkeiten meistern kann, auch wenn es manchmal aussichtslos
erschien. Es war die bisher prägendste Zeit meines Lebens und ich werde mein Abenteuer nie
vergessen.
Aufgrund des 12-jährigen Abiturs muss ich die elfte Klasse wiederholen. Anfangs hat mich das
sehr geärgert, doch mittlerweile habe ich mich damit abgefunden. Ich habe mich sehr schnell
und problemlos in Deutschland wieder eingelebt. Meine Familie und Freunde waren mir sofort
wieder vertraut und auch die Schule fällt mir zum Glück leichter als erwartet. Ich denke, dass
ich mich in vielerlei Hinsicht verändert habe. Zum einen habe ich eine komplett andere Kultur
und Gesellschaftsform kennengelernt und zum anderen habe ich viel über mich selbst gelernt.
Meine Denkweise ist sehr viel tiefgründiger geworden, es fällt mir leichter auf fremde Menschen
zuzugehen und ich habe gelernt, mir selbst treu zu bleiben. Außerdem steht für mich fest, dass
das nicht mein letzter Auslandsaufenthalt war. Für die Zukunft könnte ich mir vorstellen, für ein
Jahr andere faszinierende Länder dieser Welt zu bereisen und später vielleicht im Ausland zu
arbeiten.
Meine Organisation hat mich vor, während und nach meiner Reise sehr gut in Form von
Einzelgesprächen, Gruppengesprächen, einem Vorbereitungsseminar in Deutschland und
einem Vorbereitungsseminar in Chicago betreut. Während meines Aufenthaltes hat sich meine
Betreuerin jeden Monat mit meinen Gasteltern und mir in Verbindung gesetzt und sich
erkundigt, wie es mir geht. Auch nach dem Auslandsjahr hatte ich die Möglichkeit an diversen
Veranstaltungen teilzunehmen, um mich dort mit anderen Ehemaligen auszutauschen. Ich kann
die Organisation definitiv weiterempfehlen.
Ich wünsche dir viel Erfolg auf deiner Reise und hoffe, dass es für dich auch ein
unvergessliches Abenteuer wird. Wenn es einmal sehr schwer werden sollte, dann trau dich
und sprich mit deiner Familie darüber. Kommunikation ist das Wichtigste während dieser Zeit.
Alles Gute und viel Glück!
Maxi
Meine Erfahrungen in den USA (2009/10 - Organisation AIFS)
Ich habe mich bereits in der 9. Klasse mit dem Gedanken beschäftigt ein Highschooljahr in den
USA zu verbringen und deshalb probehalber von meiner Schule aus an einem einwöchigen
Schüleraustausch mit einer holländischen Partnerschule teilgenommen. Mir hat die Erfahrung
gefallen, die ich dabei gesammelt hatte, und so habe ich mich dann in der 10. Klasse
ausführlich über einen Schüleraustausch informiert. Ich wusste, dass es, wenn überhaupt, die
USA sein sollten, da ich seit ich klein war schon immer mal in die USA wollte. Im Fernsehen
sind die USA täglich präsentiert und in Filmen wird einem suggeriert wie toll „das Land der
unbegrenzten Möglichkeiten“ und zugleich auch noch „das Land der krassen Gegensätze“ sei.
Mich faszinierte, dass dort Armut und Luxus ebenso aufeinander treffen wie Ballungsgebiete,
mit ihren erdrückenden Bergen aus Stahl, Glas und Beton, die gähnenden Weiten des mittleren
Westens und der unberührten Natur, wie der Grand Canyon oder die Rocky Mountains, in den
ländlichen Gegenden. Zudem haben bereits einige meiner Schulfreunde die Schule im Ausland
für eine gewisse Zeit besucht, meistens 3 Monate, ein halbes oder ein ganzes Schuljahr. Sie
haben mir geholfen, eine Entscheidung zu treffen und nach langen, ausführlichen und echt
anstrengenden Vorbereitungen bin ich dann im August schon auf dem Weg in die USA
gewesen. Ich hatte richtig Bammel, dass die Entscheidung doch vielleicht nicht die richtige
12
gewesen sein könnte für eine so lange Zeit in das Ausland zu gehen. Zum einen würde ich viel
in der deutschen Schule verpassen und meine Freundin, meine Familie und meine Freunde für
eine sehr lange Zeit nicht mehr sehen.
Nun saß ich aber schon im Flugzeug und jetzt gab es auch kein zurück mehr. Es war alles
aufregend und ich konnte gar nicht richtig glauben, dass ich für so eine lange Zeit in den USA,
weg von zu Hause, sein würde. Ich habe an einer Orientierung in New York von meiner
Austauschorganisation teilgenommen, bei der mir und den anderen Austauschschülern gesagt
wurde, worauf wir während unseres Austausches zu achten haben.
Wir sind in New York City unterwegs gewesen, waren im Hard Rock Cafe und auf dem Top of
the Rock. Dann ging es weiter nach Seattle, wo mich meine Gastfamilie abholen sollte, aber
anstatt meiner Gastfamilie war mein Local Cordinator da, bei dem ich die nächsten Tage mit um
die zehn anderen Austauschschülern in seiner viel zu kleinen und schmutzigen Wohnung
wohnte, bis mich dann meine Gastfamilie abgeholte.
Meine Gasteltern waren über 50 und hatten zwei Töchter, 23 und 15 Jahre alt. Die ältere war
nur selten zu Hause und die jüngere war total verzogen und unfreundlich. Des Weiteren hatten
sie zwei Hunde, die nicht stubenrein waren. Da noch Ferien waren und ich dort noch keinen
kannte, bin ich immer alleine unterwegs gewesen oder habe meiner Gastfamilie geholfen
irgendwelche Dinge zu erledigen.
Die Gasteltern nahmen sich keine Zeit für mich, obwohl sie zumindest anfangs noch nett waren.
Sie war eigentlich nur meine Willkommensfamilie, die mich für ein paar Wochen aufnehmen
sollte, bis meine Austauschorganisation eine andere Gastfamilie gefunden hätte. Aber nachdem
ich da fleißig mitgeholfen habe einen um die 50 Meter langen Graben für eine Wasserleitung zu
buddeln, bei dem ich mir mit Spitzhacke und Motorsäge weiterhelfen musste, weil so viele,
große Steine und Wurzeln waren – eigentlich habe ich das fast alleine gemacht und meine
Gasteltern haben in der Zeit irgendetwas anderes mit Verwandten und Bekannten gemacht –
haben sie meinen Local Cordinator angerufen und meinten, dass die mich behalten würden.
Zu meinen Aufgaben bei denen haben Geschirr abwaschen, Müll raus bringen, mit den Hunden
raus gehen und andere Sachen gehört. Später habe ich bei ihnen auch noch Fliesen gelegt, ein
Apartment gestrichen und einen Berg Müll und alte Fenster bei einer Mülldeponie entsorgt.
Eigentlich sollte ich auf eine recht gute Schule nahe meines Wohnortes gehen, wie mir meine
deutsche Austauschorganisation mitgeteilt hatte. Doch der Seattle School District war der
Meinung davon nichts zu wissen und hatte mich mit der Begründung, dass sie keinen weiteren
Austauschschüler in dieser Schule aufnehmen können, zur rund 32 km entfernten Highschool in
Rainior Beach geschickt, in einer Schule wo 98% Schwarze waren, ich womöglich der einzige
Weiße gewesen wäre und ich täglich vier Stunden mit dem Bus unterwegs gewesen wäre, nur
um zur Schule und wieder zurück zu kommen. Noch dazu war die Schule mitten in einem
Ganggebiet, was meiner Gastmutter so gar nicht passte. Die einzig gute Aktion, die sie
gestartet hatte war, dass sie ein paar Anrufe getätigt hatte, dass ich auf eine andere Highschool
zur Schule gehen könnte.
Am ersten Schultag konnte ich mich dann doch noch auf einer anderen Schule einschreiben
lassen, die zwar lange nicht so gut war wie die Schule wo ich eigentlich hin sollte, aber nicht so
schlecht war wie die Schule im Ganggebiet. Ich habe da auch ein paar Freunde gefunden, die
mir später gut über die Runden geholfen haben.
Ich habe mich an der Schule beim Wrestling und beim Schwimmen versucht. Meistens bin ich
aber joggen gegangen. Die Schule war im Verglich mit einem deutschen Gymnasium viel
einfacher. Man konnte sich aber auch schwere Fächer wählen, bei denen man echt viele
Hausaufgaben aufbekam. Viele meiner Freunde haben den ganzen Tag lang nur
Hausaufgaben gemacht, weswegen sie häufig keine Zeit hatten, irgendwas zu machen. Es
hatte aber auch häufig gereicht, erst in der Schule damit anzufangen und man hat trotzdem sein
„A“ bekommen, wenn man einen leichten Kurs hatte. Ich habe auch sehr oft bis spät abends
Hausaufgaben gemacht und bin darüber eingeschlafen. Wenn man sich mit niemandem
austauschen kann, ist es verdammt schwer.
13
Meine Gasteltern waren totale Scrabblefanatiker und haben jeden Tag Scrabble gespielt und
waren auch ein paar mal in der Woche auswärts spielen. So haben wir nie wirklich etwas
zusammen gemacht, außer es hieß ich sollte ihnen irgendwo arbeiten helfen und auch da habe
ich meistens alles alleine machen müssen.
Gemeinsame Mahlzeiten gab es so gut wie nie, auch nicht an den Wochenenden. Meine
Gasteltern waren auch so drauf, dass sie mir verboten hatten von ihren Lebensmitteln zu
nehmen, ein paar Stullen zum Frühstück und zum Abendbrot und ein Glas Milch war in
Ordnung, aber nicht mehr. So bin ich immer irgendwo hingefahren und habe mir da etwas zu
essen geholt. Manchmal hatte meine Gastmutter aber auch etwas zubereitet und dann war es
nicht genießbar.
Sie hatte mir auch verboten, den Computer zu benutzen und ist sogar so weit gegangen, dass
sie mir verboten hat, mit meiner Freundin, meiner Familie und meinen Freunden in Deutschland
auf irgendeiner Weise zu kommunizieren.
Im zweiten und dritten Monat ging es mir richtig schlecht und ich wollte nur noch zurück.
Zwischendurch habe ich mich zwar nach vielen Gesprächen mit meiner Mutter wieder etwas
erholt und mir vorgenommen, dass ich schon durchhalten werde, da die schwerste
Eingewöhnungsphase nun vorbei war, aber es ging dann soweit, dass ich nicht mehr schlafen
konnte und jede Nacht wach lag. In der Schule konnte ich mich nicht konzentrieren, konnte
keine Hausaufgaben mehr machen und hatte immer Angst, dass ich bei meiner Gastfamilie
etwas falsch mache.
Als meine Mutter das erfahren hat, kümmerte sie sich sofort bei der Austauschorganisation in
Deutschland um einen möglichst kurzfristigen Rückflug und somit die Beendigung meines
Aufenthaltes in Amerika. Sie meinte auch, dass ich trotzdem für die verbleibende Zeit die
Gastfamilie wechseln sollte, damit ich nicht nur negative Erfahrungen mitnehme. Das war auch
gut so.
Ich habe mit meinem Local Cordinator gesprochen, dass ich meine Gastfamilie wechseln wollte
und zurück nach Hause möchte und er meinte nur, dass er mir zwar helfen würde und hinter mir
stände, er aber keine andere Gastfamilie haben würde und auch nicht wisse wo er eine her
kriegen solle. Selbst, als ich ihm gesagt hatte, dass ich schon eine habe, meinte er, dass es
mindestens noch zwei Wochen dauern würde, bis er anfangen könnte, die Familie und ihre
Hintergründe zu kontrollieren und selbst dann würde es ewig dauern, bis die ganze Sache über
den Tisch wäre.
Eine Schulfreundin hatte mich zu sich und ihrer Familie über Thanks Giving nach Portland
eingeladen, als ich ihr erzählt hatte, wie meine Gastfamilie drauf war. Da waren alle richtig nett
und die ganze Familie war richtig gut drauf.
Über diese Familie hatte ich auch meine zweite Gastfamilie kennen gelernt, welche vor 13
Jahren aus Deutschland in die USA immigrierten. Sie haben mich mit offenen Armen
empfangen und als ich meiner alten Gastmutter sagte, dass ich morgen ausziehen würde,
meinte sie nur zu mir: „Schade, dass es für dich nicht geklappt hatte!“ Sie hatte mich noch
gefragt, warum ich umziehen würde und als ich ihr meine Gründe nannte, wie zum Beispiel,
dass sie sich rein gar nicht für mich interessiert hatten und dass sie mir den Kontakt mit meiner
Familie unterbunden hatten und ich nichts von denen zu Essen nehmen durfte und ihr weitere
Gründe aufzählte, hatte sie nur alles abgestritten, als ob ich blöd wäre und mir den ganzen Mist
nur ausdenken würde.
Meine neue Gastfamilie hatte einen 13-jährigen Sohn, mit dem ich fast täglich was
unternommen hatte und auch mit meiner Gastfamilie habe ich in den letzten drei Wochen
meines USA-Aufenthalts mehr unternommen, als in den guten 3 Monaten mit meiner ersten
Gastfamilie. Ich bin unter anderem zum ersten mal Langlaufski gefahren und da mein neuer
Gastvater Architekt war, habe ich ihn einen Tag auf der Arbeit besucht und mir alles angeguckt,
was man so als Architekt zu tun hat, da ich selber mit dem Gedanken gespielt habe, Architekt
zu werden.
Mein Local Cordinator und die amerikanische Partnerorganisation meiner deutschen
Austauschorganisation AIFS hatten noch Stress gemacht und meinten, dass ich nicht einfach
umziehen könne, obwohl alles mit meiner deutschen Austauschorganisation abgesprochen war.
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Mein Cordinator wollte sich eigentlich mit meiner neuen Gastmutter treffen, doch als er nicht
auftauchte, erreichte sie nur eine E-Mail, in der er schrieb, dass er es vergessen hätte.
Ich bin auch nicht der einzige gewesen, der sich mit dem rumschlagen musste. Eine andere
deutsche Austauschschülerin und Freundin von mir hatte auch ihre Familie gewechselt und
auch Probleme mit ihm gehabt, genauso wie andere Austauschschüler, er meinte - glaube ich etwas von sechs Personen, die umgezogen sind. Er hat viele Ausflüge mit den Schülern
gemacht, welche allerdings total überteuert waren, weswegen ich nur zur Hälfte der Ausflüge
konnte. Aber wenn es wirklich drauf ankam, konnte man keine Hilfe von ihm erwarten. Er wollte
mich auch noch zum Flughafen bringen und sich bei mir melden, was er auch nicht gemacht
hatte.
In den letzten drei Wochen habe ich gemerkt wie unterschiedlich so ein Austausch verlaufen
kann, wenn man in einer guten oder weniger guten Gastfamilie unterkommt. Mein Flug ging
dann am 23.12.2009 von Seattle nach Berlin. Zurück bei meiner Freundin und bei meiner
Familie.
Meine Freundin war natürlich auch ein Grund, warum ich unbedingt wieder nach Hause wollte
und es war die Hölle über vier Monate von ihr getrennt zu sein. Für mich war es mit Abstand
das schönste Geschenk, das ich bekommen konnte: an Weihnachten wieder zu Hause bei
meiner Familie zu sein.
Mein Fazit ist: Man sollte nur einen Austausch machen, wenn man sich wirklich zu 100% sicher
ist, was man macht und es mit ganzem Herzen durchziehen soll. Wenn du dir nicht sicher bist,
ob es richtig ist, dann lass es bleiben! Und wenn du eine Freundin hast, dann kann ich dir nur
sagen, dass es sehr schwer wird.
Oliver
Mein Schuljahr in Henryville - USA (2008/09 Organisation GIVE)
Ich verbrachte mein Austauschjahr in Henryville, Indiana (USA), welches mir hauptsächlich
durch ein Vollstipendium des Landkreises Märkisch-Oderland ermöglicht wurde, wofür ich mich
hiermit noch einmal rechtherzlich bedanken möchte.
Den ersten Monat meines Jahres verbrachte ich in Illinois, wo ein Vorbereitungscamp stattfand,
welches wirklich sehr viel Spaß machte, zudem wurden wir gut auf unser großes Abenteuer
vorbereitet. Ende August flog ich dann nach Indiana, wo mein Austauschjahr ja erst so richtig
beginnen sollte.
Bei meiner ersten Gastfamilie gab es Probleme, die mich dazu brachten, die Familie zu
wechseln. Ich habe monatelang versucht, mich dort einzuleben, doch es wurde mir schwer
gemacht, unter anderem dadurch, dass ich wirklich keinen Draht zu meiner Gastschwester
hatte. Wir haben selten etwas unternommen, da wir überhaupt keine gemeinsamen Interessen
hatten, bis auf eine. Zusammen haben wir jeden Sonntag freiwillig in einem Animal Rehab
Center gearbeitet, und uns um die Säuberung von Tigerkäfigen, die Fütterung von kleineren
Raubkatzen und das Wohlergehen zweier Tigerbabies und einem Löwenbaby gekümmert. Das
war immer mein Highlight, das, was mein Herz für kurze Zeit hat aufgehen lassen.
Des Weiteren kam ich nicht mit dem Zustand im Haus zurecht. Der Teppich war voller
Hundehaare, welche auch sehr oft im Essen zu finden waren, im Inneren des Kühlschrankes
sah es nicht sehr ansprechend aus, was sich nicht auf das Essen bezieht, und das Haus an
sich war total separiert von allem. Außer Bäumen gab es dort nicht viel. Ich war wirklich sehr
unglücklich in dieser Zeit, doch habe mir immer selber eingeredet, dass es schon besser
werden würde, doch insgeheim wusste ich, dass es nie dazu kommen wird. Ich hatte keine
hohen Ansprüche oder Erwartungen gehabt, daran lag es nicht, ich habe mich dort einfach nur
nicht wohlgefühlt. Anfang Januar setzte ich mich dann mit meiner Gastmutter zusammen und
schüttete mein Herz aus. Was ich als Antwort bekam? Nun, ich durfte mir Dinge anhören wie
"Lügnerin", "du bist nicht reif genug", "du hast nie versucht dich anzupassen", und vieles mehr.
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Natürlich ging mein Wunsch, die Familie zu wechseln sofort zu meiner Organisation durch. Aber
die haben sich überhaupt nicht darum gekümmert, wie es mir bei der ganzen Sache ging, es
war immer nur die Familie, die ja so verletzt war. Auf meine Betreuerin hätte ich auch gut
verzichten können, sie nahm immer nur die Familie in Schutz. Sie fragte mich sogar, ob ich
psychische Probleme hätte und schon einmal daran gedacht hätte, mir Hilfe zu suchen.
Lachhaft. Am Ende war ich dann das böse Mädchen. Mir wurde eine Woche gegeben, um mir
eine neue Familie zu suchen, der Druck wuchs von Tag zu Tag mehr, da meine Organisation
auch nach einer Möglichkeit Ausschau hielt, es mich aber in die Weite der ganzen Vereinigten
Staaten hätte verschlagen können, oder zurück nach Deutschland. Ich hatte eigentlich schon
eine Familie gehabt, mit dieser war ich über die Winterferien in Florida, doch genau dann hat
der Sohn Mist gebaut und wurde verhaftet, wodurch diese Familie dann gestrichen war für
mich. In dieser Woche habe ich so viele Menschen in meiner Schule gefragt, ob sie nicht ein
Zuhause für mich hätten. Ich hatte dort sehr viele Freunde und war beliebt, aber durch die
wirtschaftliche Situation war es sehr schwer, denn viele hatten mit dem Geld zu kämpfen. Oft
wurde mir Hoffnung gemacht, doch nicht lange und diese Hoffnung auf ein schönes Ende des
Austauschjahres wurde wieder durch Absagen zerstört. Die Zeit verging so schnell, bis zum
letzten Tag suchte ich vergebens. Als ich dann wieder Cheerleading Training hatte, unterhielt
ich mich mit einer guten Freundin namens Megan. Ich erzählte ihr von meinem Kummer, sie
wollte ihre Eltern fragen, ob ich bei ihnen wohnen könne. Große Hoffnungen habe ich mir nicht
mehr gemacht, nach allem. Trotzdem war dies meine allerletzte Chance.
Ich hatte Glück und wurde eingeladen, zuhause bei ihnen vorbeizukommen. Mit ihren Eltern
habe ich mich von Anfang an gut verstanden. So gut, dass ihr Vater sofort in die Küche ging
und die Bewerbung ausfüllte. So glücklich war ich seit dem Vorbereitungscamp nicht mehr
gewesen. Es dauerte zwar noch ein wenig, doch letztendlich zog ich bei ihnen ein. Durch
diesen Umzug hat sich dann alles geändert. Ich war wieder fröhlich, was sich natürlich auch
positiv auf meine Freundschaften ausgewirkt hat. Bei dieser Familie ging es mir so gut, ich hatte
zwei supertolle Gasteltern, eine sehr liebe Gastoma, eine Schwester, mit der ich mir das
Zimmer teilte, und zwei jüngere Brüder. Mit allen habe ich mich verstanden, sogar mir den
beiden Hunden. Ich bin dieser Familie wirklich sehr dankbar für alles. Im Haushalt musste
natürlich mitgeholfen werden, Geschirrspüler ausräumen, Bad putzen, Zimmer sauber halten
und die eigene Wäsche waschen. An den Wochenenden habe ich oft mit meiner Schwester
etwas unternommen, mit meiner Gastmutter, oder mit allen zusammen. Zweimal ging mein
Gastpapa mit uns zu einem Pferderennen, das ist wirklich spannender als wie ich zuerst
dachte. Mit den Gray's fuhr ich dann auch noch einmal für ein paar Tage nach Florida, wir
wohnten dort in einem sehr edlen Haus und ließen es uns einfach gut gehen.
In meiner Schule, die sich Henryville Junior/Senior High School nennt, wurde ich sehr gut
aufgenommen. Ich hatte das Glück, in der zwölften Klasse zu sein, womit ich Graduation,
Senior Trip und andere tolle Sachen miterleben durfte. Die Fächerauswahl war kaum zu
vergleichen mit der in Deutschland, ich wählte Kurse wie Nutrition/Wellness, Sociology, Art
Advanced, French AP, US History, Child Development und English 11. Der Unterricht gestaltet
sich dort ganz anders, bei Tests kriegte man meistens nur Multiple Choice fragen zum
ankreuzen, oder das Buch durfte benutzt werden. Natürlich war die Bücherbenutzung nicht in
allen Fächern gestattet, aber es wurde den Schülern immer sehr leicht gemacht. Die
Klassenstufen waren meist gemischt in einem Kurs zu finden. Wenn mal nichts zu tun war, aber
auch selbst wenn, legten sich viele Schüler mit dem Kopf auf den Tisch und schliefen, oder
hörten Musik. Ich tat es auch irgendwann, es gab ja sowieso meist nichts zu tun :).
Freunde hatte ich viele, mit den engsten stehe ich natürlich noch in Kontakt. Am Anfang war es
bei mir so, dass viele neugierig waren und mir Fragen stellten, welche manchmal nicht ganz
ohne waren. Da fragten doch glatt einige Schüler, ob die Mauer noch stünde, Hitler noch lebe,
oder ich Deutsch spreche. Von Zeit zu Zeit verfestigten sich die Freundschaften natürlich, ich
war bei vielen sehr beliebt und bekannt als "German Jo". Meine Gemeinde war wirklich sehr
freundlich und offen gegenüber anderen, was mir den Einstieg und im Allgemeinen das Leben
dort ein wenig leichter machte. Auch mit den Lehrern habe ich mich gut verstanden, ich hatte
mit ihnen ein viel engeres und freundschaftliches Verhältnis als wie mit meinen Lehrern in
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Deutschland. Viele standen mir bei der Suche, und auch allgemein während des Jahres mit Rat
und Tat zur Seite, was mir sehr geholfen hat. Sprachliche Barrieren gab es nicht wirklich,
natürlich war da mal das ein oder andere Wort das ich nicht verstand, aber im allgemeinen kam
ich jedoch sehr gut zurecht. Wenn ich den Anfang und das Ende des Austauschjahres
miteinander vergleiche, hat sich mein Englisch wirklich um einiges verbessert.
Die Regeln an meiner Schule waren sehr streng, fand ich. Zum Beispiel durfte man laut "Dress
Code" keine Shirts ohne Ärmel, keine kurzen Hosen und keine Röcke tragen, die nicht knielang
waren. Des Weiteren war es untersagt, schrille Haarfarben und Piercings zu haben. Da ich
selber ein Piercing besitze, bin ich manchmal in kleine Schwierigkeiten geraten wenn ich mal
vergessen habe, es rauszunehmen. Da war dann eine Stunde Nachsitzen angesagt. Schüler
brauchten sogar eine Genehmigung, einen sogenannten "Hall Pass", um auf die Toilette zu
gehen oder um anderweitig das Klassenzimmer zu verlassen. An bestimmten Tagen, bzw.
Wochen, durften manche der vielen Regeln gebrochen werden. Mal hieß es "Back to the 80's",
oder "Twin Day", an diesen besonderen Tagen dann durfte man sich passend zum Thema
verkleiden. In der sogenannten "Spirit Week", wo jeder Tag ein anderes Thema hat, wurden
fleißig Punkte für die Jahrgangsstufe gesammelt. Wir Seniors haben gewonnen, wodurch wir
eine Pizza Party spendiert bekamen.
Außerschulische Highlights in dem Jahr waren unter anderem die Feier- und Festtage.
Miterleben durfte ich Halloween, Weihnachten, den Valentinstag und Ostern, was jedesmal ein
Erlebnis war. Gar nicht mal so sehr durch den Tag an sich, aber durch das drum herum. Es
wurde dekoriert und umgestaltet was das Zeug hielt, auch in den Läden wurde mit nichts
zurückgehalten. Ich fand diesen ganzen Trubel sehr aufregend, zwar manchmal etwas
übertrieben aber so war es nun mal. Sobald ein Event vorbei war, wurden schon wieder die
Kisten für das nächste ausgepackt. Einfach nur Irre, mit welchem Elan die Amerikaner ihre
Häuser und Gärten, und eben alles was zum Schmücken geeignet war, dekorierten.
Ein weiteres Highlight war der alljährliche "Senior Trip" unserer Schule, welcher uns im März
nach New York und Washington D.C. führte. Ich werde ihn nie vergessen, denn wir hatten so
viel Spaß und konnten so einiges erleben, wie zum Beispiel den Ausblick auf New York vom
Empire State Building oder den Anblick auf das Weiße Haus. Wo ich schon beim Weißen Haus
bin, die Wahl des neuen Präsidenten war wirklich spannend. Ich fand diese Zeit sehr aufregend,
vor allen Dingen auch weil ich so viele gespaltene Meinungen zu hören bekam.
Ein weiteres Erlebnis war die 5-tägige Reise nach California, welche einfach traumhaft war. Ich
hätte mir nie im Leben diesen Staat so wunderschön vorgestellt. Natürlich bekam ich nicht die
ganze Vielfalt zu sehen, doch ich erlebte so einiges. Highlights waren Hollywood, die Universal
Studios, Disneyland und Los Angeles und San Francisco. Einfach traumhaft, wenn ich könnte
würde ich natürlich sofort wieder hinfliegen, denn California ist wirklich eine Reise wert.
Des Weiteren durfte ich als Senior die Graduation miterleben. Es war wirklich sehr feierlich, ich
mochte den Moment als alle ganz stolz ihre Kappen in die Luft warfen. Auch ich als
ausländischer Schüler bekam ein Diploma, welches sehr edel aussieht.
Als zukünftiger Austauschschüler sollte man wirklich nicht allzu viel Gepäck mitnehmen, denn
dort gibt es so viele schöne Dinge zu kaufen, meist auch viel billiger als hier in Deutschland. Ich
habe auch kräftig zugeschlagen und musste zwischendurch mehrere Pakete nach Hause
schicken. Meist kosteten sie mich rund 60 Dollar. Natürlich sollte man der Gastfamilie auch mal
etwas Schönes kaufen oder sie zum Essen einladen, denn schließlich wird man von ihnen ja
(hoffentlich) gut aufgenommen. Wenn es Probleme gibt, nicht alles in sich hineinfressen. Es ist
wirklich besser sich Ansprechpartner zu holen, selbst wenn es vielleicht nicht gerade der eigene
Betreuer ist. Es ist wichtig, sich wirklich nicht unterkriegen zu lassen, sondern offen und ehrlich
seine Meinung zu sagen, aber natürlich nicht so, dass es jemanden verletzt, denn besonders
die Amerikaner können ganz schön gekränkt sein. Im Allgemeinen sollte man lieber aufpassen,
nicht einfach etwas zu sagen, dass gegen die Vereinigten Staaten geht, denn sonst kann man
sich schnell "Feinde" machen. Die Amerikaner sind wirklich sehr stolz auf ihr Land und zeigen
dies auch offen und oft. Auf der einen Seite ist das wirklich beeindruckend, auf der anderen
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wurde ich jedoch auch nachdenklich, besonders wenn ich Sprüche hörte wie "God bless
America". Da fragte ich mich wirklich, wo der Rest der Welt bleibt.
Zum Thema Glauben wird sicher einiges anfallen. In Deutschland bin ich vorher nie in die
Kirche gegangen, in den USA jedoch habe ich es geliebt, zumal die Kirchen dort nicht
vergleichbar sind zu dem, was ich vorher gesehen hab. Ich ging mit meiner Gastschwester
Megan und ihrem Freund Billy jeden Sonntag zur "Northside Christian Church", welche von
außen nicht einmal annähernd aussah wie eine Kirche. Von innen sah sie aus wie ein großer
Theatersaal. Das Programm war wirklich toll und auch sehr lustig, es bestand nicht nur aus
Beten, es wurde christliche Rockmusik live gespielt, was wirklich sehr toll war. Auf großen
Monitoren wurde alles wie im Fernsehen gezeigt.
Es gibt in den Staaten wirklich vieles zu Entdecken, mir kam vieles am Anfang so überwältigend
und groß vor. Letztendlich war ich schon so daran gewöhnt, dass mir nach der Heimkehr in
Deutschland vieles winzig vorkam.
Durch meine deutsche Austauschorganisation bin ich ziemlich gut auf das große Abenteuer
vorbereitet worden. Ich habe in Abständen viel Infomaterial bekommen, es wurde zudem auch
ein Vorbereitungsseminar durchgeführt, welches jedoch kostete. Meine Familie und Freunde
unterstützten mich bei der Vorbereitung sehr, alle waren neugierig und stellten schon vorab
viele Fragen.
Im Allgemeinen bin ich von beiden Partnerorganisationen wirklich enttäuscht, muss ich sagen.
Das klingt jetzt sehr negativ und wahrscheinlich auch ein wenig abschreckend, ich weiß ja nun
nicht wie es bei anderen Organisationen ist, aber trotzdem sollte das euch niemals davon
abhalten, euren Traum vom Austauschjahr zu verwirklichen! Falls ihr ein ähnliches Problem
haben werdet wie ich, kann ich euch echt nur raten, das Ding trotz allem durchzuziehen! Mag
es noch so schwer sein, aufgeben dürft ihr niemals, denn schließlich ist das euer Jahr, das ihr
allein zu etwas ganz besonderem machen werdet.
Es ist eine Bereicherung fürs Leben, nicht nur durch die sprachlichen Kenntnisse, sondern auch
durch die persönliche Entwicklung und die Erfahrungen, die euch sicherlich zum Vorteil sein
werden.
Josephine
Mein Jahr in Amerika (Nevada) (2007/08 – Organisation EF)
Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich den Brief bekam, in dem mir meine
Gastfamilie bekannt gemacht wurde. Es stellte sich heraus, dass meine Gasteltern sehr jung
waren. Meine Gastmutter war gerade 36 und mein Gastvater 40 Jahre alt. Sie hatten 2 Kinder
namens Orey und Tryston. Orey war nur ein Jahr jünger als ich, also 15, und Tryston war 12.
Zuerst war ich geschockt das ich 2 Brüder haben würde, weil ich ja normalerweise Einzelkind
bin, aber es stellte sich heraus dass das alles kein Problem war.
Danach begann ich meiner Familie E-Mails zuschreiben, sodass ich mehr über sie in Erfahrung
bringen konnte.
Schon der Flug nach Amerika erwies sich als nicht einfach. In Frankfurt (am Main) verpasste ich
beinnahe meinen Flug, da ich noch nie auf so einem großen Flughafen gewesen bin und daher
nicht wusste, dass es Züge zu den einzelnen Terminals gibt. Leider war ich die einzigste
Austauschschülerin auf meinem Flug. Als ich dann endlich in Las Vegas ankam, war ich
überglücklich und erschöpft.
Meine Gastfamilie empfing mich sofort am Ausgang. Sie waren sehr nett und hilfsbereit auch,
wenn ich sie in den ersten paar Tagen kaum verstehen konnte.
Da ich erst um 22 Uhr ankam, konnte ich leider nicht mehr viel von meiner Umgebung
wahrnehmen.
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Als ich am nächsten Morgen erwachte, waren es geschlagene 45 Grad Celsius im Schatten.
Am Anfang traute ich mich kaum mit meiner Familie zu reden, da ich einige Sprachprobleme
hatte, aber nach einer Weile wurde es immer besser und ich gewann immer mehr Vertrauen zu
ihnen. Nach meiner ersten Nacht traute ich mich kaum aus meinem Zimmer zu kommen,
immerhin befanden sich hinter meiner Zimmertür Leute die ich nicht kannte, die nun aber meine
Familie sein sollten. Es stellte sich heraus, dass ich nun in einem Dorf mit ca. 15 000
Einwohnern lebte. Gleich in der ersten Woche nahmen mich meine Gasteltern mit zur Kirche,
wo ich neue Bekanntschaften machen konnte. Schon nach einigen Wochen hatte ich sehr gute
Freunde gefunden, die auch versuchten mich überall mit hinzunehmen und mich vielen Leuten
vorzustellen.
Nach einer Woche begann dann für mich die Schule. Meine Schule war die einzigste
Oberschule in unserer Stadt und wir waren ca. 600 Schüler, darunter auch viele Mexikaner und
Hawaiianer. Ich belegte unter anderem Fächer wie Physik, Algebra, Politik und Geschichte. Die
Auswahl dieser Fächer machte es mir möglich hier in Deutschland die 11. Klasse zu
überspringen. In Amerika besuchte ich die 11. Jahrgangsstufe, war aber hauptsächlich in
Kursen der 12. Ich änderte jedoch meine Englischklasse nach einigen Wochen, da sich meine
Erste als zu kompliziert erwies. Wir mussten fast jeden Tag einen Text von 10 Seiten lesen und
am Anfang verstand ich kaum etwas von dem Inhalt dieser Texte. In meiner Schule waren
weitere 8 Austauschschüler, was den Einsteig in die neue Umgebung stark vereinfachte. Der
Schulsport wurde an unserer Schule sehr wichtig genommen. Ich spielte in den ersten 3
Monaten Fußball. Ich lernte dadurch viele neue Leute kennen, aber nach der Fußballsaison
merkte ich, dass ich ein besserer Zuschauer bin, also spielte ich für den Rest des Jahres keine
weiteren Sportarten. Am Anfang war ich natürlich etwas traurig, dass ich nicht in Las Vegas
lebte, aber nach einigen Monaten war ich sehr froh darüber nicht auf eine Schule gehen zu
müssen mit 6.000 Schülern.
Ich liebte die Verbundenheit zur Schule von jedem einzelnen Schüler. Auf Sportevents
kämpften sie nicht nur für sich selber, sondern für die ganze Schule. American Football wurde
ganz schnell zu meinem Lieblingssport nicht nur, wegen dem Sport an sich, sondern weil die
ganze Stadt kam um dabei zuzuschauen.
Ich lebte mich sehr schnell ein und fühlte mich schon nach einigen Wochen wie zu Hause. Ich
hatte Schulschluss um 13.35, was sich als sehr positiv erwies, da man so noch viel Freizeit
hatte. In unserem Haushalt hatte ich kaum Aufgaben, ich sollte nur mein Zimmer sauber halten,
aber ich half trotzdem sehr oft und versuchte meine Gastfamilie regelmäßig mit kleinen
Geschenken zu erfreuen. Ich backte ihnen zum Beispiel sehr oft Kekse oder machte
unangenehme Aufgaben im Haushalt, die sonst keiner machen wollte.
So merkten sie, dass ich es zu würdigen wusste, dass sie mich aufgenommen hatten, ohne
dabei viel Geld auszugeben.
Ich besuchte auch NewYork City, Boston, Washington D.C., Florida, und Californien. Vieles
davon wurde mir durch Freunde ermöglicht. Ich habe festgestellt, dass viele von den Bekannten
in Amerika dazu bereit sind, dich auf ihren Reisen mitzunehmen, solange du natürlich deine
eigenen Kosten übernimmst.
Ich finde es hat mir sehr viel gebracht so viele verschiedene Gegenden von Amerika zu
erleben, da die Kultur überall etwas anders ist.
Ich liebte die Mentalität der Amerikaner. In Nevada waren sie sehr aufgeschlossen und
hilfsbereit. Jeder wollte alles über mich wissen und redete mit mir, obwohl sie mich ja überhaupt
nicht kannten.
Was mich jedoch sehr schockiert hat, war die Unwissenheit der Amerikaner über andere Länder
und Kontinente. Sie haben keine Ahnung welche Länder wo liegen oder in welchem Kontinent
sie sich befinden.
Ich lebte bis zum Schluss nur bei einer Familie. Sie war die perfekte Gastfamilie für mich und es
fühlte sich an, als ob es meine eigene Familie wäre, aber ich denke man sollte auch nicht allzu
traurig sein, wenn das mit der Familie nicht gleich auf Anhieb so gut funktioniert.
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Ich bin mit der Organisation EF geflogen, mit der ich eigentlich sehr zufrieden bin. Meine
Betreuerin behandelte mich teilweise sehr ungerecht, da ich nicht zur Kirche ging (sie war sehr
religiös) und auch sonst mochte sie mich nicht besonders, aber ich suchte mir andere
Ansprechpartner in meiner Organisation.
Durch mein Jahr in Amerika bin ich viel selbstbewusster geworden und auch offener für neue
Dinge. Es macht mir keine Probleme mehr auf unbekannte Menschen zuzugehen und ich
nehme viele Dinge anders auf, wie früher.
Nachdem Auslandsjahr hat sich vieles für mich verändert, auch meine Pläne für die Zukunft. Ich
weiß zwar immer noch nicht genau, was ich später machen möchte, aber ich weiß, dass es
etwas Internationales sein muss.
Für mich steht fest, dass Amerika und Englisch immer ein fester Bestandteil meines Lebens
bleiben sollen.
Julia
Die warmen Südstaaten der USA – Texas (2007/08 – Organisation AYUSA)
Auch ich hatte mir zuerst, wie viele andere vor mir, etwas anderes vorgestellt. Zum Beispiel,
dass ich irgendwo nach Kalifornien gehe und die berühmtesten Städte der USA sehen werde.
So kam es nicht und ich bin froh darüber. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, entscheidend ist
nicht der Bundesstaat oder die Landschaft, entscheidend ist die Familie und natürlich auch die
Schule und damit die Freunde. Meiner Meinung nach, ist es wichtig, dass man keine riesigen
Erwartungen hat, vielleicht sollte man einfach viel gelassener an die Sache heran gehen, auch
wenn es schwer fällt. Ansonsten ist man eventuell enttäuscht, weil die Erwartungshaltung
einfach zu groß war.
Alles in allem war mein Austauschjahr unvergesslich, ich hatte sehr viel Spaß, habe viele
Freunde gefunden, mit denen ich jetzt noch Kontakt habe und ich habe viel Neues gelernt und
erfahren. Ein Leben soweit weg von zu Hause, mit „fremden Menschen“, anderen Regeln und
nicht zuletzt mit einer Fremdsprache als „neue Muttersprache“ ist Aufregung, nicht immer leicht
und braucht Zeit zur Eingewöhnung und ist dann irgendwann auch Alltag.
Ich war bis zum Abflug nicht sehr aufgeregt, einen kurzen Moment beim Einchecken am
Flughafen war ich traurig, aber dann siegte die Neugier und Aufregung. Nach New York flog ich
mit etwa 40 anderen Austauschschülern aus ganz Deutschland. Der Flug war super, da wir so
viele waren und ich hatte 4 unvergessliche, interessante und anstrengende Tage in New York.
Danach musste jeder alleine zu seiner Gastfamilie weiterfliegen. Ich hatte noch 3 Inlandflüge
bis nach Corpus Christi in Süd Texas, die ich alle verpasste, da der erste Flug stundenlang
Verspätung hatte – also Stress pur gleich zu Beginn.
Meine Gastfamilie erwartete mich geduldig auf dem Flughafen mitten in der Nacht. Natürlich
war es komisch wild fremden Leuten gegenüber zu stehen und erst dann wird einem so richtig
bewusst, hier lebe ich jetzt fast ein Jahr, dass sind meine engsten Vertrauten für diese Zeit. Die
ersten 2 Wochen habe ich wenig gesprochen und musste erst noch einige kleine
Sprachbarrieren überwinden, aber ansonsten war alles super. Wir wohnten auf einer riesigen
Ranch zwischen zwei kleinen Dörfern, Falfurrias und Premont. Meine Gastgeschwister kamen
nur an den Wochenenden und so lebte ich vorrangig mit meiner Gastmutter, zwei Hunden,
Katzen, endlos vielen Rindern ziemlich weit weg von allem. Mein Gastvater arbeitete das ganze
Jahr auf den Ölfeldern und war daher sehr viel unterwegs. Die Schule begann 3 Wochen später
in Premont.
Es gab nur etwa 300 Studenten. Ich konnte mich sehr schnell eingewöhnen und Freunde
finden. Es gab verschiedene Möglichkeiten nach der Schule Sport, wie Tennis oder Fitness zu
treiben. Da ich mich aber nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln (die gibt es auf dem Land so gut
wie nicht) oder mit dem Fahrrad fortbewegen konnte, sondern nur auf das Auto meiner
Gastmutter angewiesen war, konnte ich mich oft nicht mit Freunden treffen. Aus vielleicht
teilweise schlechten Erfahrungen mit Vorgängern war es mir auch nicht erlaubt im Auto von
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Freunden mit zu fahren, so dass ich so gut wie nichts unternehmen konnte. Party, Kino,
Shopping lies sich nicht organisieren. Am Anfang konnte ich mich damit abfinden, weil ich mich
anpassen wollte und es eben so entschieden war. Ich arbeitete viel auf der Ranch. Manchmal
gingen wir nachts jagen, was richtig cool war oder fuhren in die umliegenden Städte oder auch
mal nach Mexiko. Leider lagen unsere Interessen weit auseinander, sie wollten Shoppen und
Essen gehen, ich wäre gern am Strand vom Golf von Mexiko baden und Wasserski fahren
gegangen. Ich lebte so mit meinen Gasteltern zusammen bis nach zwei bis drei Monaten die
Unzufriedenheit wahrscheinlich auf beiden Seiten wuchs. Ich langweilte mich, fühlte mich
ausgeschlossen und hatte immer mehr das Gefühl, dass meine Gasteltern, die nun schon so
viele Jahre Austauschschüler betreuten, eigentlich zu träge und inaktiv geworden waren.
Mit der Schule lief alles super, außer dass ich nie am Nachmittag Zeit für meine Freunde hatte,
weil mich meine Gasteltern immer mehr auf ihrer Ranch arbeiten ließen. Immer wenn ich von
der Schule zurückkam, arbeitete ich für zwei bis drei weitere Stunden (Kühe melken, Gras
schneiden, Tiere füttern, Zaun bauen und vieles mehr) Irgendwann im Dezember sprach ich mit
meinem Regionaldirektor, der mir anbot die Familie zu wechseln, was ich dann auch kurzfristig
tat.
Ich kam ca. 300 Meilen nördlich in die 1,5 Millionen Einwohnerstadt San Antonio zu einer
alleinerziehenden Mutter mit zwei Kindern, die auch Lehrerin war. Die Tochter(29) kam häufig
mit ihren Kindern (4 Jahre und einem Monat) zu Besuch. In dem 17 jährigen Sohn Jorden, mit
dem ich in einem Zimmer wohnte, fand ich einen Freund und Bruder, wie ich es mir gewünscht
hatte. Wir gingen auf die gleiche Schule, teilten uns die Hausarbeit und unternahmen viel in der
Freizeit. Mit dieser Großfamilie, zu der noch Großeltern gehörten, die mit uns an den
Wochenenden zu ihren Häusern nach New Mexiko und nach Rockport ans Meer fuhren,
verbrachte ich den Rest meiner Zeit (5 Monate) und war zufrieden.
Ich kam zur „Karen Wagner High School“ mit rund 3700 Studenten, einer gigantischen Schule,
wie ich sie noch nie gesehen hatte. Die Schule war fast wie eine eigene kleine Stadt, ganz neu
erbaut und auf dem modernsten Standard in jeder Beziehung. Kein Vergleich mit den Schulen
in Deutschland. Auch hier war der Anteil der Weißen etwa nur bei 10-15%, die Trennung auf
dem Schulhof nicht zu übersehen, die ethnischen Gruppen bleiben unter sich, während im
Unterricht darauf nicht geachtet wurde. Es dauerte etwas Zeit ehe ich neuen Kontakt fand, aber
letztendlich sind alle hier Ausländern gegenüber sehr aufgeschlossen und ich fand auch hier
Freunde. Am Wochenende gingen wir regelmäßig in die Kirche, da meine Gastmutter sich sehr
engagierte. Hier traf ich dann auch andere Austauchschüler der Organisation aus Thailand, Iran
und Kuwait. Manchmal wurden kulturelle oder sportliche Veranstaltungen organisiert, aber auch
Community-Treffen, an denen wir teilnahmen und die Kirche unterstützten. An meinem letzten
Treffen wurde ich als Bowlingmeister der Kirchengemeinde mit meinem Gastbruder
ausgezeichnet.
Abschließend kann ich einschätzen, dass dieses Jahr mir unheimlich viel Neues über das
Leben allgemein und über mich selbst gelehrt hat. Ich gehe viel mehr auf Menschen zu,
versuche Probleme zu lösen und bin viel offener geworden. Ich übernehme die Verantwortung
für mein Handeln und kann verschiedene Dinge anders werten. Ich mag die Mentalität der
Amerikaner und ihre Art zu leben - relaxter und stressfreier. Ich weiß, dass ich sehr gerne nach
der Schule nochmal ins Ausland gehen würde, die Sprache ist ja kein Problem mehr und
Zutrauen würde ich es mir jetzt ohne zögern. Das ich jetzt diese Ziel habe, ist auch der
Verdienst derjenigen, die mir dieses Jahr ermöglicht haben. Deshalb danke ich nochmals dem
Landkreis Märkisch – Oderland für seine finanzielle Unterstützung.
Zu guter Letzt möchte ich jedem sagen, der zurzeit noch darüber nachdenkt, ob solch ein
Austauschjahr für ihn in Frage kommt. „Macht es!!!!“ Wenn ihr die Möglichkeit habt es zu
machen, macht es auf jeden Fall! Es ist in dieser Form die einzige Möglichkeit als „Kind“ in
einer anderen Familie, in einer fremden Kultur zu leben – Urlaub, Dienstreisen, Studium, Jobs
oder Au pair sind spätere Möglichkeiten aber nicht annähernd damit zu vergleichen. Es lohnt
sich auf jeden Fall.
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Willi
Mein Austauschjahr in den USA (2007/08 – Organisation EF))
(Teilstipendium der Sparkasse MOL)
Mein Name ist Steven, ein Junge, der das riesige Glück hatte, die Möglichkeit zu erhalten ein
Schuljahr im Ausland als Austauschschüler zu verbringen und nun darüber berichten möchte.
Ich besuchte eine High School in Stockton, welches sich ungefähr eine Autostunde südlich
Sacramentos, der Hauptstadt Kaliforniens befindet.
Der Name meiner Schule war Amos Alonzo Stagg HS. Für jeden Amerikaner war das eine ganz
normale Schule, aber für mich war es ein echtes Abenteuer. Schon am ersten Schultag musste
ich feststellen, dass Schule in Deutschland und Schule in den USA zwei völlig unterschiedliche
Dinge sind und es schwer fällt, sie miteinander zu vergleichen.
Mindestens 2000 andere Jugendliche durfte ich als meine Mitschüler bezeichnen. Das
Schulgelände war extrem groß und deshalb kam es in der Anfangszeit nicht selten vor, dass ich
mich verlief. Die Unterrichtsfächer waren frei wählbar, mit Ausnahme von einer Mathematik-,
Englisch- und Geschichtsklasse, die für Austauschschüler Pflicht waren.
Ansonsten entschied ich mich für einen Spanisch-Anfängerkurs, eine Sportklasse, die mit
Gewichtstraining vergleichbar war, und eine Ingenieurklasse, in der wir uns mit physikalischen
Formeln auseinander setzten, aber auch viel selber konstruierten, um mit unseren
Entwicklungen gegen andere Schulen zu konkurrieren.
Das kostenlose Angebot an außerschulischen Aktivitäten war riesig, erstreckte sich von
Football über Wasserpolo, von Softball über Basketball hin zu mindestens 50 verschiedenen
Clubs, die fast jedes erdenkliche Interessengebiet abdeckten.
Ich persönlich fand im „Soccer“ meinen Freizeitausgleich. Jeden Tag nach der Schule trafen wir
uns auf dem schuleigenen Spielfeld, um für 2 bis 3 Stunden zu trainieren, einen Gegner zum
Spiel zu empfangen oder, um mit dem Mannschaftsbus zu anderen Schulen im Umkreis von
rund 50 Meilen (80 km) zu fahren.
Ich lernte eine ganze Menge neuer Leute kennen, gewann viele neue Freunde, mit denen ich
immer noch in Kontakt stehe und hatte natürlich auch ganz viel Spaß. Doch das Vergnügen
musste sich erst verdient werden. Ganz besonders in meiner Gastfamilie.
Meine Gastfamilie bestand aus meinem Gastvater Peter Grüttner, einem viel beschäftigen
52jährigen Geschäftsmann im Bau- und Konstruktionswesen, meiner Gastmutter Astrid
Grüttner, einer 49jährigen Dialysekrankenschwester und meiner kleinen, neunjährigen
Gastschwester Viktoria, die zu diesem Zeitpunkt die 4. Klasse einer „Elementary School“
(amerikanische Grundschule) besuchte.
Zusammen hatten wir besonders in der Anfangszeit eine Menge Spaß. Wir machten Boot- bzw.
Jet Ski-Ausflüge, gingen Campen und besuchten Städte wie San Francisco und Las Vegas.
Besonders meine Frühlingsferien waren ein voller Erfolg. Ich hatte die Möglichkeit mir mit zwei
Freunden und einem Elternteil Los Angeles für 4 Tage anzuschauen. Glücklicherweise befand
sich unser Hotel nur 3 Minuten vom berühmten „Walk of Fame“ entfernt, wo es jeden Abend
eine neue Attraktion zu bewundern gab. Von dort wurde ich von meinen Gasteltern abgeholt,
die mir dann noch Las Vegas etwas genauer zeigen wollten.
Da meine Gasteltern selber Deutsche waren, die vor 16 Jahren in die USA immigrierten, hatte
ich die Möglichkeit jede Tag neben Englisch auch meine Muttersprache sprechen zu können.
Das half mir besonders zu Beginn meines Austauschjahres sehr viel, obwohl ich im Nachhinein
oft darüber nachdenken musste, ob ich im Vergleich mit anderen Austauschschülern weniger
Englisch gelernt habe.
Doch dieser Zweifel verflog schnell beim Zusammentreffen mit anderen Austauschschülern auf
den monatlichen Treffen der Gastfamilien einer bestimmten Region, die von meiner
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Austauschorganisation organisiert wurden und zum Erfahrungsaustausch der Schüler und
Eltern dienten.
Natürlich gab es aber nicht nur Friede, Freude und Heiterkeit. Nein, besonders mit meinem
Gastvater hatte ich des Öfteren stundenlange Diskussionen und unter anderem auch Streits
wegen ganz banaler Dinge.
Ich will mich jetzt auch nicht über meine Gastfamilie auslassen, denn sie haben wirklich
versucht, mir eine schöne Zeit zu machen und sicherlich war ich auch nicht gerade einfach und
pflegeleicht, aber irgendwie waren wir einfach nicht auf einer Wellenlänge. Es ist halt „nicht
alles Gold, was glänzt“.
Abschließend möchte ich sagen, dass solch ein Austauschjahr eine tolle Sache ist und von
meiner Seite stark weiterempfohlen werden kann. Ich bin zwar der Meinung, dass dies nicht für
jeden Typ Mensch geeignet ist, aber der, der eine solche Herausforderung annimmt, es
garantiert nicht bereuen wird. Erfahrungen wie diese macht man nur einmal im Leben. Du
entwickelst dich weiter, wirst selbstständiger und verantwortungsbewusster, erlebst Sachen von
denen du deinen Enkeln erzählst und lernst so ganz nebenbei gleich noch die Weltsprache
Nummer 1.
Ich persönlich würde solch ein Austauschjahr mit Vergnügen immer wieder machen.
Für diese Möglichkeit, ein Schuljahr im Ausland verbringen zu dürfen, möchte ich vor allem
meinen Eltern danken, ohne die das alles gar nicht möglich gewesen wäre und natürlich der
Sparkasse MOL, die mir mit einem Teilstipendium ganz schön unter die Arme gegriffen hat ein
solches Jahr im Ausland zu verbringen. Vielen Dank!
Steven
Mein Jahr auf der anderen Seite der Welt (2007/08 – Organisation EF)
(Teilstipendium der Sparkasse MOL)
Ich wollte schon immer mal in ein anderes Land reisen, um eine völlig neue Kultur kennen zu
lernen und selbst zu erleben. Als ich dann 16 Jahre alt war, war es dann auch soweit, ich hatte
die Möglichkeit, nach Amerika zu fliegen für ein ganzes Schuljahr.
Es war total aufregend für mich, aber meine Familie und Freunde würde ich eine lange Zeit
nicht mehr sehen. Ich wusste, dass es schwer werden würde, doch ich entschied mich immer
noch für dieses Auslandsjahr.
Mein Gastland war Oregon, das liegt genau an der Westküste. Es ist ein wunderschöner Staat
und ich war glücklich, dass ich so nah an der Küste wohnte.
Vor meiner Abreise war ich noch nicht ganz so aufgeregt, ich wusste zwar nicht, was auf mich
zukommen würde und wie die Menschen dort sind, aber ich freute mich dennoch.
Ich wurde zu einer allein stehenden Mutti geschickt, die eine Tochter und einen Sohn hatte, die
aber schon längst aus dem Haus waren. Am Anfang war alles ziemlich neu, die Gerüche, die
Umgebung, die Leute und vor allem die Sprache.
Mein Heimweh war sehr groß und ich wollte am liebsten in den nächsten Flieger und ab nach
Hause. Doch ich blieb stark und zog die ganze Sache einfach durch, ich wusste ja, dass es
schwer werden würde.
Meine Gastmutti allerdings war super lieb und nett zu mir und ich hatte anfangs viel Spaß. Aber
dann musste sie nur noch arbeiten und war selten zu Hause und unternahm auch nicht gerade
viel mit mir.
Ich mochte das überhaupt nicht und wollte auch nicht, dass es so weitergeht.
In der Schule war es hingegen immer lustig. Ich hatte viele neue Freunde kennen gelernt, die
viel mit mir unternahmen. Ein Mädchen – Marcie – mit der ich mich am besten verstand,
bemerkte, dass mich etwas bedrückte und frage mich danach. Also erzählte ich ihr alles, wie
allein ich mich fühle und dass ich am liebsten meine Gastfamilie wechseln möchte. Sie verstand
mich sofort, denn sie war auch mal eine Austauschschülerin in Deutschland gewesen. Wir
kamen dann auf die Idee, dass ich bei ihrer Familie leben kann, und so geschah es dann auch.
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Sie nahmen mich mit offenen Armen in ihre Familie auf und ich war am ersten Tag ein Mitglied
und wurde auch nicht als „Fremde“ behandelt. Sie hatten 4 Kinder – Zach und Amanda waren
die Ältesten und hatten schon Kinder. Dann noch Marcie, wie beide waren Seniors in der
Schule, und noch Jenny, die in der Middle School war. Es war also immer was los im Haus, wir
hatten immer was zu tun und machten auch gerne was zusammen. Wir waren in den Ferien an
der Küste mit der ganzen Familie, fuhren Bekannte besuchen, hatten Feste zu Hause etc.
Mit meiner Organisation EF fuhr ich sogar einmal nach Kalifornien, San Franzisco. Das war
auch total schön gewesen mit den anderen Austauschschülern zu reden und sich
auszutauschen.
In der Schule war ich ja in der 12. Klasse, also ein Senior und durfte den Abschluss machen. Es
gab am Ende des Schuljahres eine riesige Zeremonie, wo man dann ein Diplom bekam und
seine Hüte hoch in die Luft werfen musste. Das war einer meiner schönsten Momente, so was
mitzuerleben war einfach nur toll. Sonst sah ich das nur im Fernsehen und in Filmen.
Genauso unglaublich war der Abschlussball, Prom genannt. Wir waren so 138 Seniors und
jeder Junge musste ein Mädchen zum Ball bitten. Ich hatte sogar ein Date und wir gingen
zusammen mit Freunden in einer Gruppe. Vor dem Tanz waren wir im Restaurant essen, dann
fuhren wir zum Ball. Es war richtig schön, es wurde getanzt, Fotos gemacht, Queen und King
wurden ernannt und wir gingen nach dem Tanz Bowlen.
Meine Schule war sehr groß, sie hatte so an die 1000 Schüler und es war nicht schwer, sich zu
verlaufen. Die Lehrer und Schüler gehen immer sehr locker miteinander um, sie sind wir beste
Kumpels. Das hat mich wirklich erstaunt. Allgemein hat der Unterricht Spaß gemacht, weil die
Lehrer sehr lässig und lustig sind. Am Anfang hatte ich zwar Probleme zu folgen, wegen der
Sprache und weil die Amerikaner an der Küste einen ganz anderen Akzent haben, aber nach
einem Monat ging es schon viel besser.
Nach der Schule hatte ich auch viele andere Aktivitäten, wie Schwimmen und Tennis. Das war
mit am Schönsten, denn in Sportteams lernst du noch mehr Menschen kennen und schließt
auch neue Freundschaften. Ich kann wirklich nur empfehlen, sich am Sport zu beteiligen, denn
der wird in Amerika ganz groß geschrieben und außerdem macht’s auch noch Spaß und man
nimmt nebenbei nicht so viel zu.
In meiner Familie wurde jeden Tag gekocht und in der Schule gab es auch immer Fast Food
zum Mittag.
Bei meiner Gastfamilie musste ich natürlich auch mal mit anpacken und das Haus putzen, also
da sollte man schon mithelfen und fragen, ob man was machen kann. Sie sind auch jeden
Sonntag mit mir in die Kirche gefahren und ich musste zu zwei Gottesdiensten, was mir am
Anfang schon komisch war, weil ich nicht wirklich gläubig bin. Aber das hat sich dann im Laufe
meines Jahres geändert. Ich wurde sogar getauft und diesen Tag werde ich niemals vergessen.
Ich musste vor ca. 500 Menschen in der Kirche eine Rede halten und danach wurde ich im
Wasser getauft. Ein wunderschönes Erlebnis für mich und meine Gastfamilie. Ich wurde
zusammen mit meiner Freundin Felicia aus der Schweiz, die auch in meiner Organisation war,
getauft und wir haben uns auch fast jeden Tag getroffen und was unternommen. Auch heute
noch haben wir Kontakt. Genauso wie mit meiner Freundin Muffy aus Thailand, die auch auf
meine High School ging.
Ich hatte ne Menge Sleepover mit Freunden und lernte so auch ihre Familien kennen. Es war
ein außergewöhnlich schönes Jahr für mich mit Höhen und Tiefen, wobei die Höhen
überwiegen, und ich möchte gern wieder zurück. Mein Englisch hat sich um 1000es verbessert
und ich kann nun fließend englisch sprechen. Ich habe Freunde auf der ganzen Welt und weiß,
wie die Menschen in den USA ihren Alltag verbringen und wie es in der Schule abgeht. Ich
vermisse meine Familie und Freunde dort sehr, doch wir schreiben und telefonieren so oft wir
können.
Nach fast 11 Monaten bin ich schon froh wieder zu Hause zu sein und meine Familie und
Freunde in den Arm zu nehmen. Ich bin wirklich stolz auf mich, dass ich dieses Jahr
durchgestanden habe und möchte allen, die einen Austausch machen wollen, sagen, dass man
nur flexibel sein sollte und auf sich selbst vertrauen muss.
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Die Zeit verging leider viel zu schnell, also nehmt alles, was ihr könnt, an Erinnerungen mit. Ich
habe fast jeden Tag ins Tagebuch geschrieben, so dass ich mich in 10 Jahren noch an meinen
Auslandsaufenthalt erinnern kann. Macht vor allem viele Fotos.
Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Auslandsjahr ist einfach du selbst zu sein und sich auf
gar keinen Fall zu verstellen, denn so kommt man am besten voran im Leben.
Anne
Mein Jahr in Texas (2006/07 – Organisation GIVE)
(Teilstipendium der Sparkasse MOL)
Mit 10 Jahren habe ich mich dazu entschlossen, ein Jahr in den USA zu verbringen. Damals
wollte ich einfach mal von zu Hause weg und auf eine richtige High School, wie man sie aus
dem Fernseher kennt, gehen. An das Erlernen der wichtigsten Weltsprache und an eine völlig
neue Kultur hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gedacht.
Natürlich träumt jeder davon in die berühmten Staaten wie Kalifornien, Florida oder New York
zu kommen. Auch ich malte mir meine 10 Monate im Strand oder in einer Großstadt aus.
Als meine Mutter mir dann aber erzählte, sie hätten eine Familie in Texas für mich gefunden,
war ich erst einmal nicht so begeistert.
Man stellt sich dann Hitze, trockene Felder, Cowboys und eine Menge Langeweile vor.
So war es bei mir jedenfalls.
Meine Vorfreude stieg aber als ich mich mit meiner Stadt beschäftigte und so viel über Texas
gelernt hatte. Auch der Kontakt zu meiner künftigen Gastfamilie half mir, ein besseres Bild von
Texas zu bekommen.
Bald schon konnte ich es gar nicht mehr erwarten, ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu
gehen und es für ein Jahr mein Zuhause zu nennen.
Mich verschlug es nach New Braunfels, eine Stadt, die damals von Deutschen gegründet
wurde. Demzufolge sprachen auch einige Leute ein wenig deutsch.
New Braunfels ist nur ungefähr eine halbe Stunde von San Antonio, einer sehr bekannten Stadt
Texas’ entfernt.
Am Flughafen von San Antonio angekommen, hielt ich Ausschau nach all den dicken
Amerikanern, wie es mir vorhergesagt wurde. Aber ich fand, dieses Vorurteil hatte sich
zumindest am Flughafen noch nicht bestätigt.
Als ich meine Gastfamilie begrüßte wurde mir sehr mulmig. Schließlich waren diese fremden
Leute die Menschen, die ich nach 10 Monaten „Familie“ nennen sollte.
Im Parkhaus spürte ich die drückende und schwüle Hitze Texas. Alle schienen hier große Autos
zu fahren, denn ich hatte noch nie zuvor so viele Trucks auf einmal gesehen.
Meine Familie sprach auf der Hinfahrt nicht sehr viel mit mir, das lag vielleicht auch daran, dass
ich anfänglich viele Schwierigkeiten mit der Sprache hatte. An manchen Tagen fühlte ich mich,
als hätte ich noch nie zuvor ein Wort englisch gesprochen. Doch mit der Zeit meisterte ich auch
diese Hürde.
Das Eingewöhnen in eine neue Umgebung und einen völlig anderen Lebensstil war sehr
ungewohnt. Leider gab es nach und nach viele Probleme mit meiner Gastfamilie, so dass ich
nach vier Monaten das erste Mal die Familie wechseln musste. Es war sehr schwer für mich,
diese Entscheidung zu treffen, doch wenn man ganz auf sich alleine gestellt ist, kann man nicht
alles in sich hinein fressen. Mein Abschied war sehr schockierend. Ich wurde alleine in einen
Bus nach Houston gesetzt und von dort aus sollte ich nach Orange/Texas fahren.
Orange ist eine Kleinstadt und etwa 5 Stunden von New Braunfels entfernt.
Nun musste ich also noch einmal von vorne anfangen: eine neue Schule, neue Freunde finden
und natürlich wieder eine neue Familie kennen lernen.
Ich hatte diese selben Gefühle und Ängste wie am Anfang. Natürlich kam das Heimweh auch
dazu, denn wenn man so weit weg in einer anderen Familie schlecht behandelt wird, lernt man
seine eigene Familie erst richtig zu schätzen.
In Orange lebte ich nun in einem Trailerpark, wie man es aus dem Film „8 Mile“ kennt, doch das
störte mich nicht. Für mich war die Familie die Hauptsache.
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Es stellte sich aber heraus, dass auch diese Familie ungeeignet für einen Austauschschüler
war.
Meine Gastmutter hatte starke Stimmungsschwankungen und Depressionen. Auch hier fiel es
mir nicht leicht, die Koffer zu packen, aber ich konnte es einfach nicht länger ertragen.
Meine dritte Gastfamilie kannte ich zum Glück schon. Es waren die Nachbarn einer sehr guten
Freundin von mir. Ich war so froh, dass ich sie hatte.
Ohne Freunde geht im Leben überhaupt gar nichts. Das stellte ich auch sehr schnell fest, denn
es war nicht so leicht Freunde in der Schule zu finden. Man war zwar offen und hat immer
versucht, ein Gespräch zu führen, doch die Leute waren untereinander so eingespielt und
brauchten nicht wirklich andere Freunde. Also musste man selbst dafür sorgen, dass man ein
paar bekommt, denn von alleine ist niemand auf dich zugekommen.
Bei meiner letzten Familie lief dann alles super. Ich fühlte mich gleich in der ersten Woche wie
ein Familienmitglied.
Mein Gastvater teilte die Leidenschaft am Schwimmen mit mir und meine Gastmutter und ich
schossen Tausende von Bildern zusammen. Da ich ein Einzelkind bin, bekam ich zu spüren,
wie es ist eine kleine Schwester zu haben. Ich finde es super und kann jetzt nicht mehr sagen,
dass ich mich als Einzelkind betrachte.
Ich unternahm in meinem Austauschjahr auch viele Reisen. Unter anderem nach Florida,
Kalifornien, New Orleans, Las Vegas und viele andere Städte in Texas. Ich hätte mir nie
träumen lassen, in so jungen Jahren schon so viel von der Welt zu sehen. Ich war beeindruckt
von der Vielfältigkeit Amerikas und werde diese Erinnerungen noch mein ganzes Leben mit mir
tragen.
In den letzten zehn Tagen kam mich meine Mutter besuchen. Wir hatten meinen Rückflug so
verschoben, dass wir beide zusammen zurück fliegen konnten. Als ich sie das erste Mal in die
Arme schloss, flossen die Freudentränen bei mir in Strömen. Meine eigene Mutter kam mir in
diesem Moment aber auch fremd vor.
Wir unternahmen viele schöne Dinge mit ihr, so dass sie einen guten Einblick in mein Leben
bekommen konnte. Es war sehr anstrengend für mich zwischen deutsch und englisch hin und
her zu übersetzen, immerhin hatte ich mittlerweile schon in englisch gedacht und vergaß einige
deutsche Wörter. Da meine Mutter auch kein Wort englisch sprach, erschwerte dies die Sache
ein wenig. Aber mit Händen und Füssen kann man sich ja schließlich auch verständigen.
Der Tag der Abreise rückte immer näher und ich verdrängte diesen Gedanken so gut es ging,
denn ich wollte es noch nicht wahr haben.
Natürlich freute ich mich, meine Familie und Freunde endlich wieder in die Arme schließen zu
können, doch eigentlich wollte ich viel lieber in Texas bleiben.
Man glaubt gar nicht, wie schnell diese 10 Monate an einem vorbei rasen. Am Anfang kommt es
einem noch vor als hätte man eine Ewigkeit und dann hält man schon das Rückflugticket in der
Hand.
Der Abschied von meiner Gastfamilie am Flughafen fiel mir fast schwerer als der von meiner
deutschen Familie. Ich hatte ja im Hinterkopf, dass ich irgendwann nach Deutschland zurück
kehren musste. Aber wann ich wieder nach Texas komme, weiß ja keiner.
In Deutschland angekommen, bemerkte ich erst einmal die Unfreundlichkeit der Deutschen.
Auch das im ständigen Stress leben, ging mir auf die Nerven. Unsere Supermärkte kamen mir
wie kleine Dorfkioske vor und unsere Straßen waren so eng, dass ich manchmal Angst hatte,
im Auto mitzufahren.
Schwierigkeiten mit meinen eigenen Eltern blieben natürlich auch nicht aus. Sie nahmen immer
noch an, ich wäre das selbst kleine, unerfahrene Mädchen, was sie vor 10 Monaten am
Flughafen verabschiedet hatten. Am liebsten wollte ich die Zeit zurückdrehen, um wieder ganz
schnell in Amerika zu sein.
Im Großen und Ganzen war dieses Jahr sehr vorteilhaft für mich und ich würde es immer
wieder machen. Durch den Familienwechsel und alle anderen Probleme bin ich sehr
selbstbewusst, erwachsener und viel offener anderen Menschen gegenüber geworden.
Ich war ein Jahr lang Zeuge einer völlig anderen Lebenseinstellung und kann von mir aus
sagen, ein zweites Zuhause und eine zweite Familie gefunden zu haben.
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Das Erlernen der englischen Sprache ist ein Vorteil, der mir schon jetzt bewusst geworden ist.
Ich werde nächsten Sommer hoffentlich wieder nach Texas fliegen, um meine Freunde und
meine Familie zu besuchen.
Ich danke GIVE, der Sparkasse, meinen Eltern und allen anderen, die mir diesen Traum
ermöglicht haben.
Josefine
The Californian Experience (2006/07 – Organisation One World GmbH)
Wenn das Wort „Kalifornien“ fällt, denkt jeder an Sommer, Strand und Palmen, dabei steckt
soviel mehr in dem „Goldenen Staat“. Als Staat mit der größten Population Amerikas kann man
alles vorfinden: Von endlosen Sandstränden im Süden bis zu steilen Felsküsten im Norden;
Vom tiefsten Canyon (Kings Canyon) bis zu Gebirgen höher als die Alpen (Ich sollte in den
Sierras sogar zum ersten Mal Ski fahren) bis hin zu wunderschönen Wasserfällen in Yosemite
und uralten Mammutbäumen. Neben den Metropolen Los Angeles, San Francisco und dem
Surferparadies San Diego sollte ich auch alte Westernstädte mit richtigen Cowboys in Saloons
kennen lernen.
Als mein Flugzeug in San Francisco landete ist mir sofort die gute Laune und freundliche Art
der Amerikaner aufgefallen. Weiter ging es nach Clovis/Fresno in Central California, wo mir die
Hitze gleich entgegenkam: Über 45° C im Sommer ist keine Seltenheit.
Da meine Organisation noch keine Familie für mich gefunden hatte, musste ich in eine so
genannte „Welcomefamily“, mit der ich auch immer noch jetzt in Kontakt bin.
Nach ein paar Tagen Vorbereitung konnte ich endlich zu meiner neuen Schule: Clovis East
High School! CEHS ist die neueste Schule im Clovis Unified District und auch wie die anderen 3
Schulen „state distinguished“: Alle Clovis Schulen gehören zu den Top 10% Schulen in ganz
Kalifornien. Natürlich war ich überwältigt von der Größe und der Schüleranzahl von ca. 3500
Schülern. Die Auswahl von Kursen war unglaublich: Von Psychologie und Chor bis
Autoreparatur und Hmong-Sprache war wirklich alles vorhanden, sodass ich mich nach einigem
Hin und Her für AP-Französisch, Spanisch 1, Dance Repertory, Zoologie, Wirtschaft und Politik,
Advanced Math Analysis, Teamsport und Englisch 12 entschied. Zu dem Punkt muss gesagt
werden, dass ich, wie man sieht, keine leichten Kurse gewählt habe und ich somit dass
Schuljahr nicht einfacher fand als Schule in Deutschland, sowie es die meisten
Austauschschüler von den USA behaupten. Offensichtlich kommt es wirklich auf die Kurswahl
an: Wenn man nur Kunst und Sportklassen wählt, ist es klar, dass da keine Herausforderung
besteht. Also der Mythos, dass Schule in den USA so leicht ist, sollte echt nicht zu ernst
genommen werden.
Trotzdem stand neben dem Lernen natürlich Sport an erster Stelle. Im Herbst habe ich mich mit
Tennis angefreundet, im Frühjahr habe ich täglich zwei bis vier Stunden mit dem Schwimmteam
an unserer Schule trainiert: by the way, im größten Schulpool Kaliforniens! Schwimmen ist dort
ein großer Teil meines Tagesablaufs gewesen, nicht nur nach der Schule, manchmal wurde
schon früh um halb sechs in den Pool gesprungen, aber es lohnte sich, denn ich konnte an
Wettkämpfen mit bis zu über 1500 Schwimmern teilnehmen.
Ebenso bin ich in der Footballsaison an Freitagen zu jedem Spiel unserer Mannschaft
gegangen so dass ich auch einen Tag vor meinem Geburtstag im Dezember als ein
„Timberwolf“ den Sieg des „Valley Championship’s“ mitfeiern konnte. Unser Footballteam wurde
somit #1 im Cantral Valley, #6 in Kalifornien und #9 in ganz West USA! Ungefähr genauso
erfolgreich waren wir im Basketball, Golf und Leichtathletik.
Die Vielfalt der Nationalitäten war auch eine ganz neue Erfahrung. Unsere Schule hatte einen
30-prozentigen Anteil an Hmong Schülern (Hmong ist eine asiatische Kultur: ein Stamm, der
keinen bestimmten Staat besiedelt, den man aber vor allem in Südostasien vorfindet), schwarze
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Schüler gingen auch zur Schule und, wie es in Kalifornien fast selbstverständlich ist, gab es
eine große Anzahl an mexikanischen Schülern. Immer wieder konnte ich mir Diskussionen über
illegale Einwanderer anhören: ein ziemlich ernstes Problem in den Vereinigten Staaten.
Trotzdem habe ich mich mit vielen Mexikanern angefreundet und war sogar das einzige weiße
Mädchen im Salsa-Tanz Club unserer Schule.
Wenn ich zu meiner Situation mit meinen Gastfamilien gefragt werde, muss ich sagen, dass nur
das zweite Semester vollkommen ohne Probleme ablief. Wie schon erwähnt, hatte ich noch
keine permanente Familie als ich in die USA kam und ich wohnte für einen Monat bei der lieben
Mary-Ann Hill, ihrem Sohn und seiner Verlobten bis ich endlich selber eine neue Familie
gefunden hab. Noelle Hauck aus meiner Englischklasse, die das Jahr davor eine
Austauschschülerin in Italien war, wollte unbedingt jemanden aufnehmen und fragte mich, ob
ich bei ihr wohnen würde. Das passte natürlich gut und blind sagte ich ja: Der größte Fehler
meiner Zeit in Amerika. Zuerst kam mir die Familie sehr nett vor: Die Eltern Elaine und Ross
und deren Kinder Noelle und die jüngeren Nick und Veronica. Es gab nicht viel Platz und es war
ein bisschen unordentlicher als gewohnt, was mich ja nicht unbedingt stören sollte. Das erste,
was mir die Eltern sagten, war dass ich mir nicht über irgendwelche Regeln den Kopf
zerbrechen sollte: Sie würden sich um alles kümmern. Trotzdem machte ich alles, was an Arbeit
so anfiel: Ich arbeitete im Garten, ging mit dem Hund raus, putzte, kochte einmal die Woche;
eben typische Hausarbeiten (sogar mehr als die eigenen Kinder je verrichten würden). Nach
anderthalb Monaten erzählte mir dann mein kleiner Gastbruder jedoch, dass sich jeder in der
Familie über mich beschwerte: Ich solle faul sein, zu viel essen und zu viel Zeit im Badezimmer
verbringen. Initiative ergreifend sprach ich am selben Abend mit meiner Gastmutter darüber:
Einige Sachen verleugnete sie, bei anderen meinte sie, dass wir schon daran arbeiten werden.
Komischerweise war es nur ein paar Tage später, als meine Betreuerin mich von der Schule
abholte und mir sagte, dass ich eine halbe Stunde Zeit hätte, um meine Sachen zu packen: Ich
wurde einfach rausgeschmissen. Meine Betreuerin war wütend, glaubte mir einfach nicht meine
Seite der Geschichte und somit verbrachte ich Weihnachten wieder bei meiner früheren
Willkommensfamilie. Also als Tipp an spätere Austauschschüler: Problemen immer
entgegentreten und auf jeden Fall versuchen Regeln im Haushalt schon am Anfang des
Aufenthaltes genau zu setzen. Auch wenn die Familie zu Beginn alles locker sieht, liegt es
wahrscheinlich daran, dass sie noch keine Vorstellung davon haben, wie es ist, einen weiteren
Mitbewohner und –Esser im Hause zu haben.
Jedenfalls hatte ich nach diesem Fiasko mehr Erfahrung und wusste genau, dass ich eine
andere Beziehung zu meiner nächsten Gastfamilie aufbauen werden muss.
Im Januar zog ich zu meiner Französischlehrerin Debbie und ihrem Mann Bruce Fremming und
es begann die beste Zeit in den Staaten. Wir besuchten San Francisco, Long Beach, die Berge
und die Nordküste, sämtliche Weingebiete und Sacramento. Diese Familie konnte mir auch
mehr über Kaliforniens Geschichte und Kultur erzählen, ich lernte die mexikanische Küche
kennen und da Debbie noch nie eine Tochter hatte (nur zwei Söhne die schon längst aus dem
Haus sind) konnten wir beide den Shopping-Himmel Kaliforniens entdecken.
Zum Ende des Jahres kam dann auch der ganze Spaß auf mich zu: Nach harten Schulstunden
und Schwimmtraining war es endlich soweit für Prom Anfang Mai und Gradnite am ersten Juni.
Zu Gradnite fuhren alle Seniors in 10 Bussen ganze 6 Stunden nach LA um nach Disneyland zu
gehen: Party mit Mickey und guter Music von 22 Uhr bis morgens um 6 Uhr! Am 6. Juni war es
dann soweit: Unsere 480 Seniors feierten ihre Graduation im Lamonica Stadion (wo wir vor 6
Monaten unser letztes Footballspiel gewonnen hatten) und ich stand mit meiner weißen Kutte
und Kappe direkt in der Klasse. Komischerweise ist mir keine Träne über die Wange gerollt, als
zum Schluss unser Seniorsong „A Best Time“ gespielt wurde, alle aus dem Stadion auf das
Baseballfeld gingen und ihre Familien und Freunde empfingen. Ebenso weinte ich nicht am
Flughafen drei Wochen später, als Debbie und Bruce mich verabschiedeten und ich versichern
musste anzurufen, sobald ich zu Hause ankam - Es kullerte erst eine Träne, als das Flugzeug
abhob und ich auf meine amerikanische Heimatstadt schaute, die ich erst mal für eine kleine
Weile nicht sehen sollte. Aber es ist ja nichts aus der Welt.
Christin
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Ein Schuljahr in den USA – Massachusetts (2006/07 - One World GmbH)
Auf und davon und nach 10 Monaten wieder zurück. Nun sitze ich hier im Flugzeug auf meinen
Weg zurück nach Hause. Meine Gedanken sind immer noch in Massachusetts, jedoch mein
Körper kommt immer näher nach Brandenburg. Ich hatte so lange auf diesen Moment gewartet,
doch jetzt wo ich kurz davor bin meine Familie und Freunde wieder zu sehen, ist es doch sehr
komisch und nicht mehr so einfach, wie ich es mir die ganze Zeit vorgestellt habe.
Meine letzten 10 Monate waren im Gegensatz von zu Hause sehr verschieden. Mal hatte ich
gute Tage, und mal schlechte. Jedoch eins weiß ich, es hat sich auf jeden Fall gelohnt diese
Reise anzutreten…
Als ich am 4.9.2006 in Boston angekommen war, hatte ich noch das Gefühl einfach nur auf
einem Urlaubstrip zu sein, jedoch schon einige Zeit später, musste ich feststellen, dass es kein
Urlaub, sondern ein Austauschjahr war. Keine Freunde, keine gewohnte Familie und noch nicht
einmal jemand Bekannten.
Meine Gastfamilie war super lieb und hat mir sofort die Gegend gezeigt, als ich ankam. Meine
Schule hatte 2500 Schüler und 400 Lehrer. In der ersten Woche habe ich mich ständig
verlaufen und habe mich auch oftmals gefragt, was ich hier eigentlich mache… Die
Fächerauswahl war unglaublich. Ich habe mich dann entschieden: English, Mathe, Astronomie,
Geschichte, Sport, Kochen und ESL (English als zweite Sprache) zu nehmen.
Eines der schwierigsten Sachen war Freunde zu finden, jedoch gerade weil man ein
Austauschschüler ist, sind sehr viele Schüler und Lehrer an dir interessiert. Viele Leute kannten
meinen Namen, aber ich habe diese Leute noch nie in meinem Leben gesehen. ☺ Doch richtige
Freunde zu finden kann trotzdem manchmal ziemlich schwer sein.
Nach 3 ½ Monaten habe ich mich dann entschieden meine Gastfamilie zu wechseln. Ich habe
mich dort nicht mehr wohl gefühlt und mit meiner Gastschwester (17Jahre) habe ich mich auch
nicht mehr verstanden. Zuerst hatte ich Angst gehabt zu wechseln, weil ich ein schlechtes
Gewissen hatte, aber ohne Grund. Es sollte für mich ein unvergessliches Jahr werden und
deshalb musste ich mich auch überhaupt nicht rechtfertigen, weil ich alles dafür machen wollte,
um es eins werden zu lassen.
Für die restliche Zeit habe ich nur mit einer Gastmutter zusammen gewohnt. Sie war die Tante
einer Freundin aus der Schule und ihre Kinder waren schon erwachsen und haben in anderen
Staaten gelebt. Ihr Ehemann ist leider verstorben und deshalb habe ich mich auch dazu
entschieden bei ihr einzuziehen. Ich würde sagen, dass das die beste Entscheidung war die ich
hätte treffen können. Terry’s (Gastmutter) Familie hat mich auch sofort ins Herz geschlossen.
Im Februar bin ich mit Terry und drei weiteren Familienmitgliedern nach Florida geflogen.
Florida und Massachusetts sind zwei grundverschiedene Staaten, aber sehenswert. Wir haben
in Florida eine Woche verbracht und sind in Disneyland und den Universalstudios gewesen. Im
März war ich dann noch für ein verlängertes Wochenende in Delaware gewesen und habe
meine Gastschwester besucht. Als wir dort in der Gegend waren, sind wir noch nach
Pennsylvania rüber gefahren und dort konnte ich mir die Amish People, Leute die ohne Strom
leben, angucken. Es war sehr interessant und ich habe wieder einen anderen Staat und eine
andere Mentalität kennen gelernt.
Mit meiner zweiten Gastfamilie wurde mein Austauschjahr doch noch ein voller Erfolg und ich
möchte es nicht mehr missen
Auch durch die anderen Austauschschüler, die in der Gegend gewohnt haben, konnte ich mir
gut die Zeit vertreiben. Wir haben uns oftmals alleine getroffen oder mit unserer Betreuerin
zusammen. Wir haben zusammen Halloween und eine Weihnachtsfeier gehabt und sind
zusammen nach New York City gefahren. Zu Geburtstagen haben wir uns auch ab und zu
versucht zu treffen. Auch dort hatte ich immer einen Ansprechpartner gehabt.
Jeder wird seine eigenen Erfahrungen machen und ein Grund verschiedenes Jahr verbringen.
Ich persönlich werde jedem raten, den Schritt zu wagen, wenn er die Möglichkeit hat.
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Franziska
(Fast) ein Jahr in Oklahoma (2005/06 – Organisation AYUSA)
Mein Schüleraustausch in Oklahoma (USA) war sicherlich das beste Jahr meines Lebens. In
dieser Zeit habe ich beispielsweise gelernt, Englisch fast wie ein Amerikaner zu sprechen,
außerdem habe ich Einblicke in eine fremde Kultur erhalten und musste zum ersten Mal in
meinem Leben auf eigenen Füßen stehen. Ich habe zwar immer bei einer Gastfamilie gelebt,
aber dennoch konnte mir dort nie so geholfen werden wie es in meiner richtigen Familie
selbstverständlich gewesen wäre. Trotzdem war es ein einmaliges Erlebnis, das mich
erfahrener gemacht und mein Selbstvertrauen gestärkt hat, und außerdem viele neue Freunde
brachte.
Ungefähr zwei Wochen vor meinem Abflug fing ich an, Angst vor dem Austausch zu
bekommen. Schließlich sollte ich ganz alleine auf meinen ersten Flug gehen und mich
zurechtfinden. Selbst am Tag der Abreise habe ich mich gar nicht wohlgefühlt und war verwirrt,
da ich nicht wusste was auf mich zu kam. Dementsprechend war mein Flug auch alles andere
als angenehm und sehr chaotisch. Nach Bauchkrämpfen, einem verpassten Flieger, einer
Übernachtung in Cincinnatti und einer geplatzten Tasche kam ich einen Tag später als geplant
in Oklahoma an. Meine Gastfamilie begrüßte mich stürmisch und von da an begann für mich die
Zeit des Kulturschocks. Amerika ist, mit einem Wort, anders. Einfach alles. Da es jeden Tag
etwas Neues, Fremdes und Aufregendes zu entdecken gab, vergaß ich meine Familie in
Deutschland ziemlich schnell und dachte, ich hätte mich bereits eingelebt.
Mein erster Schultag war ganz anders als ich ihn mir ausgemalt hatte. Schon allein der
Stundenplan, der jeden Tag gleich bleibt, überraschte mich, genauso wie die Tatsache, dass
mich alle Lehrer so ganz anders behandelten als Lehrer es in Deutschland tun. (Wenn man
nicht sowieso "you" sagen würde, hätte ich die Lehrer sicherlich "duzen" dürfen.) Sehr
überraschte mich, dass jeden Tag in der zweiten Stunde die "Pledge of Allegiance" aufgesagt
werden musste: Aus einem Lautsprecher an der Wand kam plötzlich eine Ansage, und alle
Schüler erhoben sich, blickten zur Fahne (die in jedem Klassenzimmer hängt), legten ihre
rechte Hand aufs Herz und sagten gemeinsam mit der Stimme aus dem Lautsprecher einen
Spruch auf. Noch überraschender war, dass mich die Schüler gar nicht wahrzunehmen
schienen, im Gegensatz zu Anna, der japanischen Austauschschülerin, die überall wo sie hin
kam, im Mittelpunkt stand. Das verwirrte mich ein bisschen, bis mir nach ungefähr einer Woche
klar wurde, dass die meisten Schüler einfach nicht wussten dass ich nicht aus den USA war.
Das änderte sich im Laufe der Zeit, und am Ende des Schuljahres war ich, genau wie Anna, zu
einer Berühmtheit an meiner Schule geworden.
Freunde finden ist wirklich nicht schwer gewesen, sondern kam irgendwie fast von selbst,
anders als es manchmal in Deutschland geschieht. Es ist mir oft passiert dass Leute einfach auf
mich zu kamen und fragten: "Bist du nicht die deutsche Austauschschülerin? Ich bin zu einem
Achtel deutsch!" oder: "Kannst du mir Deutsch beibringen? Meine Oma spricht noch ein
bisschen Deutsch!" Vor allem hat mich natürlich der kulturelle Unterschied für die Schüler dort
sehr interessant gemacht, da die meisten sich sehr für den Hintergrund ihrer Abstammung
interessieren.
Meine erste Gastfamilie war zu Anfang (wie eigentlich alles) sehr spannend und aufregend.
Nach einiger Zeit allerdings wurde alles Neue zur Normalität, die Begeisterung flaute ab und die
Probleme begannen. Das anfängliche Verständnis meiner Gasteltern entpuppte sich als
gespielt und unecht, der Alltag bot kaum Abwechslung und ich fand mich jeden Tag vor dem
Herd wieder, um meinen Gastgeschwistern ein Mittagessen zu kochen, was sie sonst nicht
bekommen hätten. Ansonsten beschäftigte ich mich mit meinen Hausaufgaben oder den
Hausaufgaben meiner kleinen Schwester oder war auf meinem Zimmer und hörte Musik. Nur
die Gottesdienste jeden Samstagabend und Sonntagmorgen waren die interessanten
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Höhepunkte meiner Woche. Dann passierte leider das Unvermeidliche: Nach zwei Monaten
setzte das Heimweh ein. Ich telefonierte wieder mehr mit meiner Familie und meine Gastmutter
fasste das anscheinend als Beleidigung auf.
Dann kam dazu noch, dass ich eines Tages mit meiner kleinen Schwester über eine
Nebensächlichkeit diskutiert hatte (die Amis hassen Diskussionen!), und schließlich einen
Selbstmord aus der Nähe miterlebte, was mich für ein paar Tage depressiv machte. Die Familie
schien sich immer weiter von mir zurückzuziehen und es geschah kaum noch, dass man
miteinander redete. Ich dachte mir nicht viel dabei (schließlich hatte ich die Amis noch längst
nicht durchschaut), bis mich eines Tages die Verantwortliche meiner Austauschorganisation in
der Schule ansprach und mir mitteilte, dass meine Gastfamilie mich raus geworfen hatte. Da sie
das während der Mittagspause tat, musste ich noch drei Schulstunden aushalten und konnte
nicht mehr aufhören zu weinen. Das war sicher der schlimmste Tag den ich je überleben
musste. Als ich schließlich im Haus meiner Gastfamilie ankam, hatte ich noch genau zwei
Stunden Zeit zum packen. Ich hätte nie gedacht dass das möglich wäre, aber nach einer
Stunde war ich bereits fast fertig. Zu meiner Überraschung stellte sich heraus, dass weder
meine Gastgeschwister noch mein Gastvater wussten, dass ich rausgeworfen worden war. Kurz
bevor ich von der Verantwortlichen meiner Organisation abgeholt wurde, riefen meine Eltern an,
die als Einzige von meiner Gastmutter informiert worden waren.
Nach dieser Sache blieb ich für den Rest meines Schüleraustausches bei der Frau, die von
meiner Organisation her für mich verantwortlich war. Zuerst war mein Vertrauen in alle
Amerikaner natürlich tief erschüttert, aber nach einigen Monaten hatte ich mich endlich richtig
eingelebt. Von da an, von einigen Kleinigkeiten abgesehen, ging es ganz gut. Meine Freunde in
der Schule hatten sich natürlich große Sorgen um mich gemacht, nachdem ich meine
Gastfamilie wechseln musste. Deshalb versuchten alle, für mich eine neue Familie zu finden
und plötzlich war ich Gesprächsthema Nummer eins in meiner Schule. Viele Schüler wurden
zum ersten Mal auf mich aufmerksam und ich gewann neue Freunde, beispielsweise eine
Lehrerin mit der ich sonst nie in Kontakt gekommen wäre und ihre Tochter, die nun meine beste
Freundin auf der Erde ist.
Mit meiner zweiten Gastfamilie hatte ich viel mehr Glück als mit der Ersten. Renee, meine
Gastmutter, und Elliot, mein großer Lieblingsbruder, haben mir die restlichen Monate zu einer
großartigen Zeit gemacht. Zusammen waren wir Sheree (Renees Tochter) in Las Vegas
besuchen, haben Weihnachten, Feiertage und Geburtstage gefeiert und natürlich den Alltag
verbracht. Eine Besonderheit an meiner zweiten Familie ist, dass jeden Tag ein Abendessen
gekocht wird. Viele Familien kochen in den USA gar nicht oder nur sehr selten. Dort habe ich
auch gelernt, dass die Amerikaner geschlossene Zimmertüren nicht leiden können und dass
sich das Leben vor dem Fernseher abspielt. Renee hat dafür gesorgt, dass ich in der
Grundschule den Kindern von Deutschland erzählen konnte, bei Freunden und Verwandten
übernachtet habe und viel Spaß hatte. Meine neue Kirche war leider überhaupt nicht so schön
wie die Gemeinde meiner ersten Gastfamilie, aber nach einiger Zeit hatte ich mich auch daran
gewöhnt.
Kurz vor Ende des Schuljahres hatte ich sogar die Gelegenheit mit meinem Schulchor in Dallas
beim größten Schulchorwettbewerb der USA aufzutreten. Ich weiß leider immer noch nicht,
welchen Platz wir letztendlich belegt haben, aber der Auftritt war einmalig.
Als ich vor einigen Tagen mein Abschlusszeugnis erhielt, war ich sehr zufrieden mit meinen
Leistungen. Ich habe nur Einsen und eine Zwei bekommen, was gar nicht so schwierig war. Der
Unterricht in den USA ist sehr einfach für einen deutschen Schüler, trotz der Sprachprobleme.
Auf der einen Seite wünschte ich, ich könnte noch einmal an meiner High School lernen,
andererseits bin ich auch froh, endlich wieder an einem Ort zu sein, an den ich gehöre.
Trotzdem werde ich immer im Herzen auch ein bisschen zu Oklahoma gehören und alles
anders sehen als vor einem Jahr.
Carina
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Auslandsbericht USA – Nevada (2005/06 –Youth for Unterstanding)
Angefangen mit dem Gedanken zu spielen, ein Schuljahr im Ausland zu absolvieren, habe ich
als meine ältere Schwester im Jahre 2003/2004 als Austauschschülerin nach Irland gegangen
ist. Ich war damals 15 Jahre alt und habe es mir einfach nur schön vorgestellt auf mich allein
gestellt zu sein, neue Leute, eine mir fremde Kultur und auch mich selbst sowie eine ´neue`
Sprache besser kennen zu lernen. So habe ich mich dann also bei verschiedenen
Austauschorganisationen beworben. Unter anderem bei YFU und EF. Da meine englischen
Sprachkenntnisse einige Schwächen aufwiesen und es auch eine sehr wichtige Sprache ist,
habe ich mich dazu entschlossen in ein englischsprachiges Land zu gehen. Als ich dann
allerdings die Information bekommen habe, dass ich die nächsten 10 Monate meines Lebens in
den USA verbringen sollte, war ich zunächst einmal ziemlich niedergeschlagen. Durch die
vielen Vorurteile, die ja gerade hier in Deutschland durch vielerlei Medien bestätigt werden,
standen die “United States of America“ nämlich ganz unten auf meiner Wahlländerliste. Nach
einer gewissen Zeit sind dann aber auch beinahe alle meine Sorgen in Luft aufgegangen, weil
ich nähere Informationen über meine Gastfamilie und dem Ort in dem ich leben würde,
bekommen habe.
Als ich den Brief, den ich von meiner Organisation zugeschickt bekommen habe öffnete und
darin las, dass ich nach Las Vegas kommen würde, habe ich erst einmal große Augen
bekommen und mich einfach nur noch gefreut. Obwohl ich mich zu anfangs um ehrlich zu sein
schon gewundert hatte, warum ich in eine Stadt kommen würde in der es sowieso nur Casinos
gab. Naja, es war halt noch eines meiner Vorurteile welches durch Unwissenheit hervorgerufen
worden war.
In den folgenden Wochen habe ich mich vor allem mit dem Gedanken befasst, welche Art von
Gastgeschenken ich meiner neuen Familie mitbringen könnte. Allerdings hat mein eigentliches
packen des Koffers bis zum Abend vor meiner Abreise am 24.08.2005 warten müssen, da ich
noch auf dem Weltjugendtag in Köln war, und mich dann auch noch von meinen Freunden hier
in Deutschland verabschieden wollte. Heute würde ich sagen, dass ich mich dadurch unnötigem
Stress ausgesetzt habe, jedenfalls würde ich mir nun wahrscheinlich etwas mehr Zeit dafür
nehmen. Von YFU wurden uns Geschenke wie zum Beispiel Milkaschokolade,
Deutschlandbücher, Fotoalben, aber auch Spiele oder Füller(in den USA haben sie diese eher
selten)empfohlen.
Ich kann mich noch ziemlich genau an die traurige Verabschiedung meiner Familie auf dem
Flughafen erinnern, an den 12-stündigen Flug und die steigende Spannung im Flugzeug von
Chicago nach Las Vegas. Mir sind verschiedene Englischvokabeln durch den Kopf geschossen
von denen ich der Meinung war, dass sie wohl wichtig seien, aber auch zum wiederholten male
alle Dinge die ich mit eingepackt hatte, sowie Bilder meiner zukünftigen Familie. Ich war so
gespannt auf die neue Lebensweise. Hinzu kam nämlich, dass meine Gastfamilie ursprünglich
aus Mexiko stammte, und ich so einen Mix aus der mexikanischen und der amerikanischen
Kultur kennen lernen würde.
Dann war es so weit! Endlich würde ich zum ersten Mal nach so langem Warten Las Vegas-Luft
atmen und auf dem Boden dieser bekannten Stadt stehen dürfen.
Als ich die Gangway durchquerte sah ich auch schon meine Gastmutter wartend auf einem
Stuhl sitzen. Dieser Anblick war so schön und ich habe mich so sehr gefreut sie zu sehen, dass
ich denke diesen Moment lange in Erinnerung zu behalten. Zusammen sind wir beide dann zu
der Gepäckabholstelle gegangen, an der ich von dem Rest meiner neuen Familie herzlich
begrüßt wurde.
In den folgenden Tagen waren wir dann alle sehr beschäftigt. Mir wurden neue Leute
vorgestellt, ich wurde an einer Schule mit rund 3000 Schülern angemeldet und übers
Wochenende sind wir nach San Diego\Californien gefahren. Hinzu kam ja auch noch diese
ganz andere Lebensweise und dieses heiße Wetter. Da ich beschäftigt war die ganzen neuen
Eindrücke zu verarbeiten und mich daran zu gewöhnen, dass ich nun in gewisser Weise auf
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mich allein gestellt war, hatte ich ziemliches Heimweh. Ich fühlte mich hin und her gescheucht
und war es bisher eher gewohnt mein eigenes Tempo zu wählen und mich nach Belieben
zurückzuziehen.
Ich konnte allerdings nur für kurze Zeit mit dieser Familie zusammen leben, da Probleme
aufgetreten sind mit denen mich meine Familienmitglieder nicht konfrontieren wollten.
Ich bin also nach 2 Wochen zu meiner Verantwortlichen YFU Mitarbeiterin gezogen, welche
sich dann auch gleich auf die Suche nach einer neuen Gastfamilie gemacht hat. Zu der Zeit
hatte ich nicht wirklich Probleme damit die Familie zu wechseln, sondern eher die Schule und
damit auch die Bekanntschaften wieder aufzugeben, welche ich nach dieser kurzen Zeit schon
geschlossen hatte. Natürlich hatte ich in diesen 2 Wochen noch keine richtige Freundschaft zu
jemandem aufbauen können, aber es gab doch ein paar Leute die ich gerne näher kennen
gelernt hätte! Meine neue Gastfamilie habe ich dann das erste Mal in einer Kirche am anderen
Ende von Las Vegas in einem Sonntagsgottesdienst getroffen. Sie waren so nett, dass sie mich
noch am selben Abend zu sich eingeladen haben um das Haus zu sehen und zum Essen
auszugehen.
Das kommende Wochenende bin ich dann also noch einmal umgezogen und wurde in einer
neuen Schule mit “nur“ 2500 Schülern angemeldet. Das einzig negative an dieser Schule war
nur dieser sehr ausgefallene “Dresscode“, den es ja in gewisser Art und Weise eigentlich an
jeder amerikanischen Highschool gibt. Aber an der „Spring Valley Highschool“ war er eben doch
sehr gewöhnungsbedürftig. So durfte man zum Beispiel keine blauen Jeans oder die Farben
rosa, lila, rot, orange und pink tragen. Außerdem mussten die Hemden immer mit einem Kragen
versehen sein und keine Spuren von Gewalt (Risse oder Aufdrücke) aufweisen.
Die erste Schulwoche habe ich als sehr hektisch empfunden, da ich eben noch nicht genau
wusste zu welchem Raum ich als Nächstes gehen musste, die Kleiderordnung etwas schwierig
war und ich mich eben auf Englisch verständigen musste. Aber zur selben Zeit war es auch
angenehm, da viele Leute mit großem Interesse auf mich zu kamen und Fragen gestellt haben.
Außerdem haben mir meine Fächer ziemlich viel Spaß gemacht. Am Anfang hatte ich zwar
einige Probleme, aber dann sind meine Noten ganz schnell besser geworden, und ich habe
erkannt dass die meisten meiner Klassen die ich gewählt hatte doch eher einfach waren. Ich
hatte zum Beispiel Biologie1, Algebra2/Trigonometrie, Band, Orchester und Tanzen.
Zur Band muss ich sagen, dass es durchaus eine gute Wahl für jemanden sein kann der sich
mit Blasinstrumenten oder schon einmal ein Percussion-Instrument gespielt hat. Für mich als
Anfänger war es in der Saison der „Marching-Band“ sehr förderlich und zeitaufwendig, dann
aber in „Konzert- Band“ eher langweilig und frustrierend.
Zu dem Schulsystem wäre noch zu sagen, dass es durchaus die Möglichkeit gibt die Fächer,
innerhalb der ersten 3 Wochen sowie nach einem halben Jahr zu wechseln. Man sollte das
auch wirklich ausnutzen, da man so viele unterschiedliche Fächer kennen lernen kann, die hier
in Deutschland gar nicht angeboten werden. Zum Beispiel durch meine Fächerwahl, die ja den
deutschen Anforderungen nicht nachkommen, muss ich noch einmal die 11 Klasse
wiederholen.
Amerikanische Schulen sind ja auch bekannt für den „School-spirit“ den Schulgeist. In meiner
Schule war es so üblich alle zwei Monate möglichst alle Schüler in der Turnhalle zusammen zu
trommeln um Lehrer gegen Schüler bei kleinen Wettkämpfen antreten zu lassen und
verschiedene Veranstaltungen näher zu erläutern. Jedes halbe Jahr gab es eine „Spirit-week“.
Man musste sich jeden Tag passend zu einem Thema anziehen
Im Großen und Ganzen wird es für die Schüler so angenehm wie möglich gemacht, zur Schule
zu kommen und etwas zu lernen. Für mich war es auch sehr interessant zu sehen wie viele
verschiedene Jugendliche aus unterschiedlichsten Familienverhältnissen an einem Punkt
aufeinander stoßen und dass dabei doch positive Ergebnisse möglich sind.
In meiner Schule war es üblich von Zeit zu Zeit die Türen, welche zu gewissen Trakten der
Schule führten, am Ende der Pause zu verriegeln. Dadurch wurden alle Schüler abgefangen die
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zu spät zum Unterricht kamen. Denselbigen wurden dann Ermahnungen von den `Securities`
ausgeschrieben.
Mit meiner neuen Gastfamilie lief es auch ganz gut, nur leider brauchte ich doch eine ziemlich
lange Zeit um mich einzugewöhnen. Mit „Schuld „ daran war wahrscheinlich meine Einstellung.
Ich habe mir immer eingeredet, dass 10 Monate keine lange Zeit wären und habe zu anfangs
häufig Dinge auf den nächsten Tag verschoben. Jetzt muss ich wirklich sagen, dass das ein
sehr großer Fehler ist! Die ersten 5 bis 6 Monate mögen ja noch langsam vorübergehen, aber
sobald man die verbleibende Zeit quasi an einer Hand abzählen kann fliegt sie nur so an einem
vorbei und man kommt sich teilweise sehr verloren vor. Da gibt es dann auf einmal so viele
Dinge die man noch gerne sehen oder machen würde.
Im Nachhinein mache ich mir manchmal selber noch ein paar Vorwürfe, dass ich am Anfang so
viel für die Schule gemacht habe anstatt einfach rauszugehen um mich mit anderen Leuten zu
treffen oder einfach nur die Gegend zu erkunden.
Im Vergleich zu anderen Austauschschülern die wirklich nach Mexiko, Hawaii oder Kanada
gereist sind habe ich nicht sehr viel von Amerika gesehen. In meiner Familie lag es daran, dass
wir in ein neues Haus am anderen Ende von Las Vegas gezogen sind .Es war zwar nur für die
letzten 3 Monate aber das war genau die Zeit in der ich die meisten Menschen kennen gelernt
hatte, da ich in unserem Schulmusical mitgewirkt hatte. Ich würde es jedem wärmstens ans
Herz legen in irgendwelchen Gruppen außerhalb der Schule aktiv zu werden, einfach nur weil
es Spaß macht und man richtig nette Leute treffen kann. Es gibt wirklich vielseitige Angebote
von Sport über Kultur, Kunst, Musik bis hin zu Religion.
Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich durch die große finanzielle Unterstützung überhaupt die
Möglichkeit hatte in die USA, nach Las Vegas in meine Familie und in die Spring Valley
Highschool gehen zu können. Da ich sonst nicht die Menschen kennen gelernt hätte welche
mich ja doch im Laufe dieser 10 Monate unterstützt, beeinflusst und auch geprägt haben.
Manchmal überlege ich noch, was gewesen wäre, wenn ich in ein anderes Land oder in eine
andere Familie gekommen wäre. Dann kommt mir wiederum der Gedanke, dass ich dadurch in
andere Situationen gekommen wäre, die mich anders geprägt hätten. Ich streite nicht ab, dass
gewisse Wünsche offen geblieben sind, aber genau diese Wünsche sehe ich nun als Grund
oder auch als Chance nochmals die United States of America zu besuchen.
Ich halte weiterhin guten Kontakt zu meinen Freunden und meiner Familie in Nevada, und bin
sehr dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit hatte durch diese Zeit viele Vorurteile zu beseitigen
und mich dadurch auch persönlich zu entwickeln.
Falls es noch unbeantwortete Fragen oder aufkommende Zweifel gibt, könnt ihr euch gerne an
mich wenden.
Ansonsten wünsche ich euch eine gute Entscheidung und ein Jahr voller guter Erfahrungen und
Erlebnisse.
Marta
[email protected]
Der Traum von Freiheit?! (2005/06 – Organisation Team)
(Teilstipendium Sparkasse MOL)
Schon als ein kleines Kind hatte ich davon geträumt irgendwann einmal die USA zu bereisen.
Während meiner Schulzeit erfuhr ich dann, dass es auch möglich ist, in den USA Highschools
für ein Jahr zu besuchen. 2004 entschied ich mich dann nach Abschluss der 10.Klasse für ein
Jahr in die USA zu gehen.
Ich bewarb mich bei Team! (meiner Organisation) und bekam nach einem Test dann die
Zusage. Daraufhin hielt ich Ausschau nach Stipendien und wurde durch einen Tipp einer
Freundin auf die Sparkasse MOL aufmerksam. Ich bewarb mich und hatte Erfolg. Alles lief nach
Plan und es sollte auch so weitergehen. Kurz vor Weihnachten erhielt ich dann einen Anruf von
Team!, dass es schon eine interessierte Familie für mich gäbe. Jedoch handele es sich um
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einen außergewöhnlichen Fall, denn meine Gastfamilie bestand aus einem alleinstehenden
Mann, welcher, was sich später herausstellte jedes Jahr einen Gastschüler aufnimmt. Nach
Gesprächen mit anderen Gastschülern, die schon beim ihm untergebracht waren, entschied ich
mich dem Angebot zuzusagen.
Montana hieß mein Bundesstaat - bloß wo war der? Ich hatte noch nie zuvor davon gehört und
schaute im Internet nach. Er lag im Nord-Westen der USA an der Grenze zu Kanada direkt in
den Rocky Mountains mit einigen kleineren Skigebieten. Mein Ort hieß Butte jedoch fand man
dazu nicht all zu viele Informationen. Das war jedoch kein Problem denn ich hatte schon den EMail Kontakt zu meinem Gastvater aufgebaut und hatte somit auch gleich einige Fragen unter
anderem auch zu dem Ort.
Die Monate verstrichen und der Tag des Abfluges kam. Ich war aufgeregt. Nach etlichen
Stunden fliegen und einer 4 Tage Städte Reise meiner Organisation durch New York und
Washington kam ich endlich in meinem Heimatort an.
Einen eigenen Flughafen hat nicht jeder Ort. Dort angekommen entstand auch schon ein
kleines Problem, was erzählt mir dieser Mann da eigentlich?! Ja klar ich hatte einige
Bruchstücke verstanden, aber zu diesem Tageszeitpunkt war ich müde, ausgepowert, der
Akzent war recht schwierig zu verstehen und außerdem war ich sowieso kein Englisch-Könner.
In meinem neuen Zuhause angekommen wurde ich auch sofort in mein Zimmer geführt wo ich
dann die Gastgeschenke herausholte und sie meinem Gastgeber übergab. Ich hatte mich zuvor
erkundigt, ob es etwas Bestimmtes aus Deutschland gab, was er sich wünschte. Danach
machte ich mich ans auspacken, noch immer hatte ich nicht alles realisiert. Denn ich war
angekommen an dem Ort, wo ich für 10 Monate leben würde. Es war ein komisches Gefühl und
auch war noch der Abschied von meiner Familie in meinem Kopf, die ich für die nächsten
Monate nicht mehr sehen würde.
Die Wochen verstrichen und ich lernte noch einen Gastschüler aus Moldawien kennen und
verbrachte mit ihm die restliche Zeit bis zum Schulanfang. Nach 2 ½ Wochen war es dann
soweit, die Schule fing an. Als erstes sollte ich meine Kurse wählen. Da gab es bei mir jedoch
nicht viel zu wählen, denn mein Gastvater hatte es geschafft, dass ich genau wie die
amerikanischen Mitschüler den Abschluss machen durfte, wofür ich jedoch noch Punkte
sammeln musste und ich mir nur 2 Fächer auswählen durfte. Ich nahm Mathe und Spanisch, da
ich in Deutschland sofort mit der 12.;Klasse weitermachen wollte. Mittlerweile klappte das
verstehen der Sprache auch schon recht gut, bis auf gelegentliche Probleme mit Vokabeln oder
Redewendungen. Aber auch das gab sich nach einigen Monaten.
Die Schultage verstrichen und ich lernte nach anfänglichen Schwierigkeiten neue Freunde
kennen. Denn auch die Amis hatten etwas Angst auf mich zuzugehen, sodass ich dann die
Initiative ergriff und mich eines Tages zu mir bekannten Gesichtern an den Mittagstisch setzte.
Sofort gab es viele Fragen und auch die allseitig bekannten Fragen nach Schimpfwörtern und
Ausdrücken. In meinem Fall kam auch noch hinzu, dass die Leute meinten ich höre mich so an
wie Arnold Schwarzenegger und mich oft baten Sätze aus Filmen zu wiederholen wie „I’ll be
back!“ Auch das brachte mir Pluspunkte in Punkto Freunde. Alles in allem waren die Amis sehr
begeistert von dem deutschen Akzent und auch sonst was ich zu erzählen hatte.
Oft wurde mir erzählt, dass sie meine Offenheit liebten. Denn ich hatte mich schnell an meine
neue Umgebung gewöhnt und kam mit meinen neuen Mitschülern super zurecht. Kurz darauf
folgte auch ein Artikel in der Schülerzeitung, wodurch jeder der vier Gastschüler aus meiner
Schule bekannt wurde. Des Weiteren wurde das Aushelfen in den deutschen Klassen dankend
angenommen und machte mir ebenfalls viel Spaß mal Amis mit deutschem Akzent zu hören.
Das Zugehen auf andere Leute brachte mir viele neue Freunde das ganze Jahr über. Der
regelmäßige Besuch von Football-, Basketball- oder Volleyballspielen gehörte dazu, denn das
war, wo man sich traf.
Sport ist bei vielen Amerikanern beliebt, egal ob spielen oder zuschauen. Des Weiteren war es
auch ratsam in Deutschland nicht viele Filme zu schauen, denn ein gemeinsamer Filmeabend
mit Freunden stand öfters einmal an, so dass man auch gleich Vokabeltraining hatte, was mir
sehr geholfen hatte zumal ich all diese Filme sowieso einmal gucken wollte.
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Ebenfalls erwies sich der Besuch von Talent Shows in den High Schools als super
Entscheidung. Denn auf diesen Shows traten Künstler/Musiker der Schule auf, die auch was
auf dem Kasten hatten, von Punk-Rock bis hin zur Liebes-Ballade war alles dabei.
Ebenfalls empfehle ich die Teilnahme an der Abschluss-Zeremonie (Graduation). Denn dieses
einmalige Erlebnis ist Wahnsinn. Seinen eigenen Namen zu hören und über diese Bühne zu
laufen, während 5 000 Leute einen beobachten, war der absolute Adrenalinkick. Im gleichen
Atemzug wären auch die großen Tänze zu nennen, wie Prom oder Coronation (eine Art von
Prom nur fand dieser im Herbst statt, ist von der besuchten Schule abhängig). Dazu lädt man
als Herr die Dame ein mit ihr nett essen zu gehen und sich danach bei dem eigentlichen Tanz
zu vergnügen und nach dem Tanz begibt man sich eventuell auf weitere Partys. Diese Tänze
sind von den Amerikanern beliebt und werden sehr ernst genommen. Dabei wählt der Herr
seinen Anzug passend zu dem Kleid seiner Partnerin. Bezahlung und Transport sowie der
Eintritt gehen dabei auf den Herrn.
Große Probleme traten während meines Aufenthaltes nicht auf. Vielleicht blieb ich verschont
oder hatte mich meiner Umgebung entsprechend angepasst. Das Jahr brachte mir neben den
sprachlichen Vorteilen auch die Erfüllung meines Traumes. Ich hatte meinen Kindheitstraum in
die Tat umgesetzt.
An dieser Stelle wünsche ich allen weiteren Gastschülern egal in welches Land sie sich
begeben einen wunderschönen Aufenthalt auf das auch bei euch alles glatt läuft. Viel Spaß und
Viel Erfolg!
Steve
Mein Jahr in den USA (2004/05 – Organisation EF)
Ich wurde immer nervöser, als das Flugzeug immer tiefer flog und schließlich landete. Als ich
das Flugzeug verließ konnte ich schon ein großes Schild sehen, wo drauf stand 'WELCOME TO
THE USA DHANA'. Das musste also meine neue Familie für das kommende Jahr sein.
Meine Gasteltern Mike und Lynn, meine gleichaltrige Schwester Jamie, meine älteste
Schwester Stacy und ihr Verlobter Aaron haben mich vom Flughafen Evansville, IN abgeholt.
Wir fuhren dann nach Bridgeport, IL ungefähr 1 Stunde von Evansville entfernt. Ich war schon
erstaunt von den vielen Leuten, die mich abgeholt haben, aber der Schock kam dann erst als
wir zu Hause waren. Ich habe ja nicht schlecht gestaunt, als ich dann noch meine andere
Schwester, Tashia, kennen gelernt habe. Sie ist ein Jahr älter als ich. Und natürlich meine
kleineren Brüder Lance und Chase, die jetzt 6 und 7 Jahre alt sind. Es war schon eine große
Umstellung als Einzelkind in eine große Familie zu ziehen. Wir waren sieben Menschen im
Haus.
Bridgeport ist eine kleine Gemeinde mit nur ungefähr 2800 Einwohnern. Es hat nicht viel zu
bieten, was Freizeitmöglichkeiten betrifft. Wenn ich also am Wochenende etwas mit Freunden
unternehmen wollte, wie zum Beispiel ins Kino gehen, mussten wir zwanzig Minuten nach
Vinncenns, IN fahren. In einem Gebiet wie Bridgeport, wo alles mit Maisfeldern umschlossen
ist, macht es sich gut ein Auto zu haben. In Kleinstädten wie Bridgeport gibt es nämlich keine
öffentlichen Verkehrsmittel.
Ich hatte dann noch ungefähr zwei Wochen, bevor die Schule anfing. In diesen zwei Wochen
hatte ich die Möglichkeit mich an das große Haus und die Sprache zu gewöhnen. Ich war sehr
beschäftigt und deshalb hatte ich nur wenig Heimweh. Ich habe viel mit meiner Schwester
Jamie unternommen und habe durch sie auch schon ein paar Leute von meiner Schule kennen
gelernt.
Ich hatte natürlich auch einen Riesenbammel vor der Schule, weil ich ja nicht wusste, was mich
erwartet. Die ersten Wochen in der Schule waren gewöhnungsbedürftig. Ich kannte ja keinen
und ich hatte jeden Tag die gleichen Stunden, was ich auch nicht gewohnt bin beziehungsweise
war. Aber nach einigen Wochen kannte ich schon viele Leute und konnte mich schon ziemlich
gut auf Englisch verständigen. Meine Schule hatte ja auch nur 350 Schüler, was natürlich ganz
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schön klein ist. Der Unterricht an sich war eigentlich sehr einfach. Es hat eigentlich immer Spaß
gemacht, weil das Verhältnis zwischen den Lehrern und Schülern sehr locker war.
Ich habe nach der Schule Sport betrieben, wie Volleyball, Basketball und Softball. Durch den
Sport wurde mir nie langweilig und ich habe noch die Mädchen kennen gelernt, die ich noch
nicht kannte. Wir hatten jeden Tag nach der Schule Training oder Spiele gegen andere
Schulen.
Das wahrscheinlich Schönste an der USA war aber meine neue Familie. Meine Familie war
einfach riesig. Es war nie langweilig zu Hause und man hatte immer einen zum Reden oder
Spielen. Es war für mich eine wunderbare Erfahrung mal kleine Brüder und ältere Schwester zu
haben. Auch die Familie, die nicht im Haus gewohnt hat, war riesig. Bei Feiertagen wie
Thanksgiving, Weihnachten oder Muttertag war die ganze Familie versammelt und man hat
gegessen und geredet. Natürlich waren auch die ganze Familie und Freunde erfreut, als Stacy
ihr erstes Kind bekommen hat und sie und Aaron sich am 9. Juli das Ja-Wort gegeben haben.
Für mich war das alles neu. Ich war dabei als Stacy hochschwanger war und ihre erste Tochter
bekommen hat. Und die Hochzeit war auch eine absolute neue Erfahrung. Ich war sogar
Brautjungfer und damit natürlich in der Hochzeit, was mir sehr gefallen hat.
In spring break, den Frühlingsferien, war ich in Disney World in Florida. Ich bin auch viel an der
Ostküste herumgekommen und habe dadurch die Metropolen New York, Philadelphia und
Washington D.C. kennen gelernt. Es ist Wahnsinn der große Unterschied zwischen einer
Kleinstadt und den Weltmetropolen. Ich bin sehr froh, dass ich das im vergangenen Jahr
kennen lernen durfte.
Ich denke, dass mir das Jahr viele Erfahrungen gebracht hat. Ich sehe viele Dinge anders und
habe mich in einiger Hinsicht verändert. Ich glaube, ich bin durch das Jahr und die vielen neuen
Menschen um mich herum noch offener geworden und gehe demzufolge mehr auf die
Menschen zu. Ich habe mein Leben mehr zu schätzen gelernt und möchte keine Minute für
schlechte Laune oder Menschen mit schlechter Laune verschwenden. Außerdem möchte ich
soviel wie möglich miterleben und so wenig wie möglich verpassen. Natürlich freut es mich
auch, dass ich jetzt fließend Englisch sprechen kann.
Ich würde jedem ein Austauschjahr in einem anderen Land empfehlen.
Dhana
Alles ok in OK?? (2004/05 – Organisation Kompass)
Am 5. August 2004 begann meine große Reise. Sowohl Trauer als auch Spannung ergriffen
meine Gefühle. Trauer meine Liebsten für zehn Monate nicht sehen zu können und Spannung
auf das so bekannte "unbegrenzte Land der Möglichkeiten". Nach der Verabschiedung, mit
sämtlichen Tränen, ging es dann los.
Ich flog über Frankfurt, über Atlanta, bis nach Oklahoma City, wo meine Gastfamilie auf mich
wartete. Meine Gedanken spielten mit mir Fange. "Ob sie mich wohl mögen werden?", "Hab ich
auch alles dabei, was ich brauche?", "Werde ich sie überhaupt verstehen können?". Fragen
über Fragen gingen durch meinen Kopf.
Nun war es soweit. Ich lief über den Flughafen in Oklahoma City und sah von Weitem ein Schild
`Welcome Laureen`. Mein erster Gedanke: OH MY GOD. Natürlich sollte man sich niemals
oberflächlich an Menschen annähern, was sich jedoch nach einigen Wochen als richtiger erster
Eindruck entwickelte. Mutter arbeitslos, eine so bekannte `Hausfrau`, die allerdings nie wirklich
etwas im Haus anstellte. Eine zehn Zentimeter dicke Staubschicht auf dem Fernseher und
anderen Möbeln. Überall im Haus standen irgendwelche Sachen rum, mit denen man einen
Floh-Markt eröffnen konnte. Vater Elektriker, der Tagsüber zu Hause war und am späten
Nachmittag zur Arbeit fuhr. Zwei Schwestern - eine war 25 Jahre alt und hat nichts auf die
Reihe bekommen. Sie lebte die ersten sechs Monate mit ihrem Ehemann auch im gleichen
Haus. Als rausgekommen war, dass sie schwanger sei, suchten sie sich glücklicher Weise eine
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eigene Wohnung, welche jedoch von meinen Gasteltern abbezahlt wurde. Meine andere
Gastschwester war die Normalste in der ganzen Familie. 23 Jahre alt, im Laufe der Zeit wurde
sie geschieden, aber unheimlich nett und witzig. Fünf Hunde, vier draußen im mülligen
Backyard und einer drinnen, der allerdings haufenweise Flöhe hatte, die mich jedes Mal
befallen hatten.
Aber mein Glück in der Familie war, dass ich noch Ingvil, Austauschschülerin aus Norwegen,
hatte. Wir hielten zusammen und gingen durch dick und dünn.
Natürlich hatten wir einige Probleme, aber wer hat sie nicht!? Somit hatte ich kaum Kontakt zu
meiner Organisation. Zu bestimmten Zeiten, wie kurz vor Christmas, wurde ein Treffen für alle
Austauschschüler in Oklahoma organisiert. Ich liebte diese Treffen. Man konnte neue
Bekanntschaften knüpfen und hatte nebenbei viel Spaß.
Die erste Zeit mussten Ingvil und ich uns ein Zimmer teilen, da sie unsere Zimmer oben auf
dem Dach noch nicht fertig hatten. Immerzu meinte Family Smith, dass wir in ungefähr zwei
Wochen unsere Zimmer beziehen könnten. Doch aus zwei Wochen wurden mehr als zwei
Monate. Uns wurden einige Pflichten im Haushalt zu geteilt
• Bad säubern mit allem Drum und Dran
• Müll raus bringen
• Geschirrspüler ein- und ausräumen.
Das waren zunächst die ersten 3 Aufgaben, die wir zu erfüllen hatten, wobei noch eigene
Wäsche waschen und aller Wäsche zusammenlegen dazu gekommen war. Ab und zu mal
saugen, da man vor lauter Dreck und Krümel nicht mehr ordentlich laufen konnte und die
schwerfälligen Versuche, Ordnung in das Haus zu kriegen, welche jedoch fehl geschlagen sind,
da man einfach nicht wusste wo man anfangen sollte.
Durch den Schrecken im Haus, gefiel uns allerdings die Schule ziemlich gut. Nette Lehrer und
eine Menge Freunde. Leider war ich nur ein Junior, was ich allerdings nicht verstanden habe,
da ich meine Graduation trotz alledem hatte. Das Schulsystem und der Lehrstoff waren leicht zu
erfüllen. Im ersten Semester belegte ich English 3, Algebra 2, Choir und Band. Es lief für mich
zwar pretty good, wobei ich auch einige Hürden hatte - die Verständigung. Zum Anfang fiel es
mir deutlich schwer mit dem Englischen in Oklahoma klar zu kommen. Ein Dialekt vom
Feinsten. Doch mit der Zeit, bis hin zum zweiten Semester, wo ich American History, Biology 2,
PE and still Band hatte, lief es immer besser. Im Allgemeinen hatten sich meine Noten
ausschließlich nur auf A´s beruht.
Unser erster Ausflug war ein Wochenendausflug nach Dallas/Texas. Well, nicht besonders
aufregend. Die ganze Zeit im Auto gesessen und rum gefahren, wobei wir auf der Rücktour an
einem Botanischen Garten anhielten und dort mehr als 3 Stunden verbrachten.
Unser zweiter Ausflug war ein Wochenend-Campingtrip irgendwo in Oklahoma.
Die Ausflüge liefen am Anfang unseres 10-monatigen Aufenthaltes ab. Von diesem Zeitpunkt
an, kam gar nichts mehr. Immerzu hatten sie uns versprochen, dass wir wohl entweder nach
Florida oder nach Las Vegas fahren würden, inklusive Bootsfahrt. Was ist passiert. NICHTS!
Unsere Freizeit hielt sich auch in Grenzen. Die meiste Zeit waren Ingvil und ich alleine im
großen finsteren Haus festgehalten, da unsere Gasteltern am Wochenende meist irgendwelche
Versicherungsaufträge fertig bringen mussten und somit die ganze Zeit nicht daheim waren. In
der Woche allerdings `durften` wir zur Schule gehen, die gegen drei Uhr endete. Doch ab drei
bis zum Schlafen gehen verblieb unser Tag auch im Haus. Rumlaufen wurde uns regelrecht
verboten, unsere Freunde konnten sie nicht leiden und das Treffen mit Kumpels wurde auch im
Rahmen gehalten. Beispiel: Ingvil und ich haben unsere Gastmutti gefragt, ob wir nicht vielleicht
zu einem Kumpel dürften, der uns natürlich auch abholen würde. Die ersten fünf Minuten keine
Antwort. Gleiche Frage ein paar Minuten später - wieder keine Antwort. Dieses Spiel lief
ungefähr fünf Mal ab, bis sie sich dann endlich ein JA raus gezwungen hat. Es gab aber auch
Zeiten, wo sie uns entweder keine Antwort gab oder uns sogar so spät mitteilte, dass wir dürfen
oder nicht, dass wir entweder nur noch eine halbe Stunde Zeit hatten oder es generell zu spät
war.
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Zweites Beispiel: An einem zauberhaften, sonnigen Sonntag hatte ich meinen Gastpapa
gefragt, ob Ingvil und ich nicht vielleicht zu einer Veranstaltung mit unseren Freunden könnten.
Noch bevor ich meine Frage richtig formuliert hatte, platzte ein dickes NEIN aus seinem Mund.
Seine Begründung ... wir haben schon etwas vor. Gut ich hätte es verstanden, wenn wir
tatsächlich etwas vorgehabt hätten. Dieses so genannte `Vorhaben´ hieß: Saubermachen und
Streichen, also harte Arbeit, bei ihrem Bed and Breakfast, dass sie schon seit zwei Jahren
eröffnen wollten. Ich war stinksauer und war so ausgepowert vom Ackern, dass ich nach circa
vier Stunden dann nach Hause und in mein Bett wollte. Verständlich, oder? Doch es kam ganz
anders. Mein Gastpapa hielt mir vor, dass ich wohl anscheinend nicht helfen will und doch
einfach abhauen sollte. Es hatte mir gereicht. Nun schufftet man sich Einen ab und wird dann
noch mit irgendwelchen Vorwürfen belagert.
Somit beschränkten sich unsere Ausflüge auf Saubermachen und Streichen.
Die Feiertage ... Feiertage wie Geburtstag, Weihnachten, Thanksgiving und Ostern wurde in
meiner Familie sehr ernst genommen. Bei Geburtstagen, Weihnachten und Ostern spielte sich
alles nur um Geschenke. Vor allem Weihnachten, das in der Welt gefeierte `Fest der Liebe`.
Keine Spur von Liebe, nur jämmerliches Aufreißen von Geschenken. Und Thanksgiving, das
Fest des Essens. Wir mussten drei Mal am gleichen Tag zu unseren Verwandten, mit denen ich
übrigens im ganzen Aufenthalt so gut wie nichts zu tun hatte. Man wurde vollgestopft von oben
bis unten, ein bisschen beten und aus.
Eine besondere Erfahrung jedoch waren Prom und meine Graduation. Schick anziehen und
tanzen und am Ende ein Diplom in die Hand zu bekommen, ist echt ein schönes Gefühl.
Jeden Monat hatte ich ein Budget von etwa 250 Dollar. Ein echtes Finanzproblem von meiner
Seite gesehen. Essen, während des Tages, Schulzeug, Geschenke und natürlich Dinge, die
man für sich selber besorgen musste. Öfter war Ingvil so gütig gewesen, mir etwas Kleingeld zu
leihen, was mir sehr unangenehm war. Selbstverständlich habe ihr alles zurück gezahlt.
Im Allgemeinen war mein 10-monatiger Aufenthalt, in dem so bekannten `Land der
unbegrenzten Möglichkeiten` etwas Besonderes. Jeder hat ab und zu mit etwas zu kämpfen,
was ihm ganz und gar nicht gefällt. Jedoch sollte man sich durchbeißen und etwas zu Ende
bringen, was man angefangen hat.
Bis auf den regelrechten Müllberg im Haus und die Seltsamkeiten meiner Familie, hat es mir im
Nachhinein ziemlich gut gefallen. Es gab immerhin auch sehr gute Erfahrungen, wie neue
Menschen und ihre Gewohnheiten kennen zu lernen, deren Kultur und Besonderheiten.
Meine Ziele für die Zukunft haben sich nicht besonders, durch meinen Aufenthalt in den USA,
verändert, wobei ich mir ein Ziel gesetzt habe: Ein Studium an einer Universität in den United
States und vielleicht wird sich dieser Traum verwirklichen.
Laureen
Mein Jahr im Ausland - USA (2004/05 – Organisation EF)
Ich verbrachte mein Jahr in Albuquerque, New Mexico, USA. Ich ging, wie alle anderen auch,
mit gemischten Gefühlen zum Flughafen. Wie wird meine Gastfamilie sein? Werden sie mich
mögen? Werde ich in der Schule Freunde finden? Werde ich meine Familie und Freunde in
Deutschland sehr vermissen? Mich beschäftigten genau dieselben Fragen, wie alle anderen
auch. Nervosität ist normal, keine Sorge.
Die ersten zwei Wochen verbrachte ich in einem Eingewöhnungscamp. Ich lernte viele
Austauschschüler aus der ganzen Welt kennen, mit denen ich immer noch in Kontakt stehe.
Das Camp hat mir jedoch nicht sehr viel gebracht. Da 90% der Austauschschüler Deutsche
waren, sprach die Mehrheit auch Deutsch und nicht Englisch. Der Unterricht gab Tipps und
Ratschläge, doch eigentlich hatten wir das alles schon zigmal gehört. Spaß gemacht hat es
trotzdem.
39
Nachdem meine Gastfamilie mich vom Flughafen abholte, fuhren wir zu Applebee’s. Mit
einigem Hin und Her und wirren Versuchen mir etwas zu erklären was ich nicht verstand,
gelang es uns dann doch noch mir etwas zu essen zu bestellen. Nach dem Essen ging es ab in
mein neues Zuhause. Ich hatte ein eigenes Zimmer und sollte mir das Bad mit meinem
5jährigen Gastbruder teilen. Wir hatten einen großen Hof und viele Pferde. Im Grunde hört sich
das alles sehr schön an, und doch habe ich im Oktober die Familie gewechselt. Meine
Gasteltern wollten mir verbieten in der Schule Sport mitzumachen, wollten mich nie zu
Freunden fahren oder abholen und schrieben mir vor die Ställe auszumisten und einen Großteil
der Wohnung sauber zu halten (u.a. auch das Zimmer meiner Gasteltern). Zudem fing mein
Gastvater an, mich zu ignorieren. Außer wenn er wollte, dass ich etwas erledige, redete er nicht
mit mir. Ich bekam Angst vor ihm, da er auch schnell mal laut wurde. So zog ich vorübergehend
zu der Gastfamilie der anderen deutschen Austauschschülerin. Nach zwei Wochen fand sich
dann eine Familie, die bereit war, mich für den Rest des Jahres aufzunehmen. Eine Tochter, 11
Jahre, ein Sohn, 2 Jahre. Alles lief ziemlich gut. Ich verstand mich besonders gut mit meinen
Gastgroßeltern. Nach einiger Zeit bemerkte ich, wie „toll“ mein Gastvater seine Kinder erzog.
Meine Gastschwester bekam strikte Regeln, auch wie sie sich anzuziehen hatte! Mein 2jähriger Gastbruder konnte jedoch solange aufbleiben wie er wollte und wenn er etwas haben
wollte hat er gebrüllt und sofort sprang jemand und brachte ihm was er wollte (Er trug übrigens
mit 3 Jahren immer noch Windeln!!!). Meine Gastschwester tat mir leid und sie kam öfters zu
mir um sich über ihren Stiefvater auszulassen. Eine weitere seiner Macken war sein Glaube. Ich
habe nichts gegen Religion, ganz im Gegenteil, ich finde es interessant. Aber er war einfach so
besessen davon und redete über nichts anderes. Oft redete ich mit meinem „Opa“ über ihn und
wir waren immer einer Meinung. Er verstand immer meine Probleme und unterstützte mich in
allem was ich tat. Es war gut jemanden wie ihn an meine Seite zu haben. Es ist wichtig, dass ihr
jemanden habt der euch zur Seite steht und euch zuhört.
Meine Schule (2500 Schüler) war ein Witz! Die Schule die ich besuchte war wahrscheinlich die
mit dem niedrigsten Niveau in ganz America! Trotz „schwerer“ Fächer schrieb ich nur A’s.
Meistens kontrollierte ich Tests und Arbeitsblätter anderer Schüler oder wurde als Hilfslehrer
eingesetzt. Das Verhältnis zu den Lehrern ist allerdings wahnsinnig toll! Du kannst hingehen
und über deine Probleme reden, deine Lehrer kommen auch zu dir und reden über ihre
Probleme, der Lehrer ist mehr ein Freund als alles andere. Außerdem kannst du in allen
Pausen und auch nach der Schule zu ihnen kommen wenn du Probleme mit dem
Unterrichtsstoff hast. Mit manchen gehst du vielleicht auch Bowlen oder Essen. Ihr habt ein
lockeres Verhältnis solange du sie respektierst. Dass heißt nicht, dass du dich durchschlagen
kannst wenn du dich mit dem Lehrer verstehst, anstrengen musst du dich trotzdem.
Anfangs wurde mir gesagt ich könnte nicht in die zwölfte Klasse gehen, doch Mitte März erfuhr
ich, dass ich meinen Abschluss doch machen konnte. So kam ich einen Monat früher aus der
Schule, und die Zeremonie zur Graduation war der Wahnsinn! Ich hab die Zeremonie auf Video
aufnehmen lassen und jeder, dem ich das Video zeige, meint es wäre wie im Fernsehen. Es ist
ein krasses Gefühl, wenn alle um dich herum die Mützen in die Luft werfen und sich alle in die
Arme fallen!
Wenn ihr die Möglichkeit habt, Sport zu machen, nehmt sie wahr! Beim Sport lernt ihr so viele
Schüler eurer Schule kennen, bekommt neue Freunde. Außerdem ist Sport nicht nur Sport! Wir
hatten samstags immer Wettkämpfe und das hieß: Freitags ist Pasta Party! Also waren wir
jeden Freitag bei einem aus dem Team und haben gefeiert. Das Training ist natürlich nicht so
wie hier in irgendeiner Sport-AG. Ich hatte jeden Tag 3-4 Stunden Training, und das war kein
Zuckerschlecken! Aber es hat Spaß gemacht! Natürlich hatten wir auch einige „Zicken“ im Team
und es gab manchmal Streit, aber so was ist schnell vergessen.
Heimweh hatte ich, bis auf das eine Mal als ich umgezogen bin, gar nicht. Solange du viel zu
tun hast und nicht den ganzen Tag zu Hause sitzt, hast du keine Probleme. Ich habe mir immer
so geholfen: Meine Familie in Deutschland sehe ich wieder, also brauch ich kein Heimweh
haben. Viel schlimmer wurde es dann beim Abschied meiner Gastfamilie und Freunde drüben,
weil man nicht weiß, ob man sie je wiedersehen wird. Wenn ihr doch mal Heimweh bekommt,
sagt es euren Freunden, sie werden euch helfen!
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Letztendlich war es doch ein schönes Jahr. Ich würde es auf jeden Fall wieder machen! Was
ich dir raten würde: Hab Spaß! Sei offen und lache viel! Ihr habt bestimmt schon von vielen
gehört, dass anfangs alle auf euch zukommen, weil ihr Austauschschüler seid und ihr später
selbst auf Leute zugehen müsst. Das stimmt, ihr müsst selbst zu Freundschaften beitragen, das
versteht sich von selbst. Macht euch einfach nicht so viele Gedanken und seid ganz ihr selbst.
Verstellt euch nicht, sagt aber auch, wenn ihr mit etwas unzufrieden seid. Verdrängt eure
Probleme nicht, sondern redet drüber! Viel Spaß!!!
Susanne
Erfahrungsbericht – USA (2004/05 – Organisation YFU)
Wie das Sprichwort lautet, alle schönen Dinge haben ein Ende, so ist es auch für mich. Ich bin
von meinem aufregenden Austauschjahr zurück und mit mir habe ich unvergessliche
Erinnerungen gebracht. Freunde, Bekannte und andere Leute, die mich kennen, nehmen zur
Kenntnis, dass sich mein Englisch weiter entwickelt hat und sind erfreut, denn sie wissen, dass
ich mit der Anwendung große Vorteile haben werde. Sie sagen mir, dass meine neuen
Sprachkenntnisse in der Schule oder zur Kontaktaufnahme mit Anderen eine große Hilfe sind
und mich durchaus flexibler machen.
All die aufgeführten Dinge sind durchaus richtig und dafür bin ich auch dankbar. Doch das
einfache Erlernen der englischen Sprache war nicht das, was das Jahr so besonders für mich
machte.
Es war die Art und Weise wie ich die amerikanische Kultur kennen lernte, die Menschen die ich
kennen lernte, die Erfahrungen des Schullebens und der wohl wichtigste Punkt für mich sind
meine Gasteltern.
Die viele Hilfe, die mir entgegen kam, um den amerikanischen Lebensstiel kennen zu lernen,
war unglaublich.
In der Schule wussten Klassenkameraden meinen Name eher als ich ihren und alle waren
bemüht, mir Aufmerksamkeit zu schenken, um Fragen zu beantworten. Aus diesem Grund war
Schule ein großer Bestandteil meines Jahres und ich verstand mich mit Mitschülern und Lehren
hervorragend. Ich hatte jede Menge Erfolg in meinen Schulfächern und Schule war eine Spaß
machende Beschäftigung.
Ich hatte das große Glück in die Eastern-Volleyballmannschaft im zweiten Teil meines Jahres
aufgenommen zu werden. Durch die Mitgliedschaft der Mannschaft traf ich noch mehr Leute
und mein Freundeskreis wurde noch mal größer. Ich hatte von nun an jeden Tag drei Stunden
hartes Training, welches mit dem Einzug in die New Jersey Championship belohnt wurde.
Obwohl Schule so viel Spaß machte, war ich noch glücklicher zuhause zu sein. Seit dem ersten
Treffen am Flughafen mit meinen Gasteltern bestand eine Verbindung miteinander. Es hat nicht
viel Zeit gedauert, um uns gegenseitig kennen zu lernen. Sie zeigten mir am Anfang des Jahres
jede Menge und so kam ich in den Genuss, Philadelphia, New York, Washington, Teile von
Pennsylvania und New Jersey kennen zu lernen. Ich fand meine Position in der Familie. Für
mich persönlich war die Abendbrotzeit die schönste Zeit an meinem Tag, da wir uns über die
aufregenden Dinge des Tages austauschten...
Mit meinem Gastvater verbrachte ich viel Zeit und er war eine gute Hilfe, um Fragen zu
beantworten. Meine Gastmutter war Sängerin an der Philadelphia Oper und so war mir die
Möglichkeit gegeben viele Opernauftritte zu besuchen.
Ich lernte eine Menge von meinen Gasteltern und ich bin bemüht, vieles davon in mein Leben
einzubinden. Durch mein Austauschjahr wurde ich selbstverantwortlicher und es fällt mir nun
leichter, Entscheidungen zu treffen. Ich lernte, mich an andere Gegebenheiten zu gewöhnen
und zu leben, doch zugleich lernte ich auch, eigene Gewohnheiten anderen nahe zu bringen.
Mit viel Ausdauer habe ich das Jahr durchschritten und ich bin neu gestärkt, einen neuen
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Abschnitt meines Lebens zu beschreiten. So besuche ich nun die Katholische Schule Sankt
Marien in Berlin, um mein Abitur zu machen.
Ich bin von ganzem Herzen dankbar für das Jahr und sehe es als ein großes Geschenk an. Ich
möchte allen danken, die mir das Jahr ermöglicht haben. Aus diesen Gunde möchte ich dem
Komitee danken, dass mir ein Stipendium verliehen hat.
Philipp
10 Monate im Land der 'begrenzten Unmöglichkeiten' (2004/05 – GIVE)
Als ich am 17. August 2004 meine Reise über den so genannten 'großen Teich' antrat, war mir
noch nicht ganz klar, worauf ich mich eigentlich einlasse…- 10 Monate voller Höhen und Tiefen.
Ich wohnte bei einer Familie Windle in West Lampeter, Pennsylvania. Dort angekommen bin ich
praktisch gesehen sofort ins Bett gefallen (Es war 12am –Ortszeit- und ich war seit 3Uhr
morgens in Deutschland auf den Beinen.) und habe erst am nächsten Morgen das Haus zu
sehen bekommen. Ich hatte mein eigenes Zimmer, mit Wasserbett und Stereoanlage, welches
ansonsten aber eher spartanisch eingerichtet war, wie der Rest des Hauses auch.
Meine Gastfamilie bestand aus den Eltern und ihren 2 Kindern, welche ungefähr in meinem
Alter waren und auch mit mir zur Schule gingen. Außerdem kam im Oktober noch ein anderer
Austauschschüler aus Tschechien dazu. Leider hatte die Familie auch zwei Hunde, welche im
Haus wohnten, was weniger erfreulich war, da ich Angst vor Hunden habe und diese Hunde
noch mehr oder weniger andere Probleme machen sollten.
Zwei Wochen nach meiner Ankunft in den USA begann mein Schuljahr an der LampeterStrasburg High School. Die Schule befand sich gerade im Umbau, deshalb wurde das ganze
Jahr über immer mal wieder ein Flur geschlossen und andere geöffnet, was ganz schön
verwirrend war, zumal die Schule ohnehin schon riesig genug war, um sich zu verlaufen. An
meiner Schule wurde in Blöcken unterrichtet, was bedeutet, dass ich pro Halbjahr 4 Fächer pro
Tag hatte, die jeweils 80 Minuten dauerten. Dies war eigentlich sehr vorteilhaft, denn man hatte
dementsprechend nicht für 8 Fächer Hausaufgaben zu machen, sondern nur für 4 (die aber
trotzdem sehr umfangreich waren) - wobei man durch die längeren Stunden mehr schaffte und
somit öfter Tests hatte. Im ersten Halbjahr hatte ich Calculus (entspricht unserem Mathe 11),
Sociology, Applied Communications 12 (English) und Independent Living gewählt, wobei man
letzteres eher nicht nehmen sollte. Am Anfang war es ganz schön gewöhnungsbedürftig, so
viele Hausaufgaben machen zu müssen, da ja alles kontrolliert und eingesammelt wird. An sich
war der Unterricht schon relativ anspruchsvoll, allerdings ist das Ganze eher auf die späteren
Berufe der Schüler ausgerichtet.
Im Oktober war dann der Homecoming Ball, zu welchem ich mit einem Jungen meiner Schule
ging. Er hatte mich gefragt und ich wollte das Ganze mal mitgemacht haben... Diese Art
Verabredung ist den Amerikanern wohl sehr wichtig, denn alle waren teuer angezogen, ich
bekam ein Blumengesteck (sehr klein aber edel zum um den Arm binden) und zum Essen
eingeladen wurde ich auch. Die Veranstaltung in der Schule dann war allerdings eher nüchtern
und wenig aufregend.
Kurz vor Thanksgiving, nachdem ich mich an das System und die Gewohnheiten der Lehrer
gewöhnt hatte, begann ich im Winter Track and Field Team mitzuwirken. Thanksgiving war sehr
interessant aber auch langweilig muss ich sagen. Am Morgen sahen wir uns im Fernsehen die
Parade in New York an, dann stand meine Gastmutter für den Rest des Tages in der Küche
und wir hatten nicht wirklich etwas zu tun außer aufs Essen zu warten, welches dann gegen
3pm fertig war. Das Angebot war allerdings sehr reichlich.
Weihnachten lief ungefähr genauso ab - erst war ja nicht einmal klar, ob wir überhaupt einen
Weihnachtsbaum haben würden, da das Geld fehlte, aber irgendwie haben sie es dann doch
hinbekommen. Wir haben dann also wieder TV geschaut, danach Geschenke ausgepackt,
wobei ich praktisch die einzige war, die etwas auszupacken hatte, denn meine Familie und
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Freunde hatten viel geschickt, doch die Gastfamilie hatte eben kaum etwas... Dann wieder
Essen und nichts tun.
Im zweiten Halbjahr hatte ich mich dann für die Fächer Calculus AP (Mathe 12), American
Cultures (Geschichte), Psychology und Intro to Law entschieden, welche alle sehr interessant
waren.
Während des Wechsels der Kurse hatte ich dann allerdings ziemlich viele Probleme mit meiner
Gastfamilie. Der Gastvater war den Winter über zu faul zum Arbeiten, da es ihm zu kalt war und
meine Gastmutter funktionierte als Taxi für die Amish, was nicht besonders lukrativ war. Die
Familie hatte dann den Winter über praktisch kein Geld, teilweise haben sie es dann von mir
geborgt oder das Telefon wurde eben abgestellt, wir hatten kein warm Wasser bzw. Essen,
weswegen ich mich teilweise nur vom Cafeteria Essen ernährte bzw. bei Freunden aß, während
mein Gastvater weiter seiner Alkoholsucht nachging und meine Gastmutter rauchte als hätte sie
sonst nichts zu tun. Außerdem störte mich nach einer Weile, dass außer mir niemand sauber zu
machen schien, nicht einmal wenn die Tiere alles 'voll gesaut' hatten. Meine Gastmutter war
außerdem der Meinung, dass ich mir neue Freunde suchen müsste, da ich jetzt andere Fächer
hätte und andere solcher Sachen.
Kurz gesagt: Ich hatte Mitte Februar genug von deren Problemen und sah mich nach einer
neuen Familie um. Meine Freunde hatten allerdings alle nicht wirklich Platz, bis auf eine
Freundin, bei der ich aber hätte auf der Couch schlafen müssen. Ich habe dann also mit meiner
Gastmutter darüber geredet, worauf hin sie alles tat, um mich dort zu behalten (Sie war Area
Rep bei meiner Organisation und hatte Angst um ihre Reputation.). Da meine Area Rep im
Dezember gekündigt hatte, musste ich dann bei ASSE anrufen und fragen, ob ich einen Area
Rep bekommen könnte, da sich darum bis zu diesem Zeitpunkt niemand gekümmert hatte. Bis
zum März war bei der Gastfamilie aber wieder alles beim Alten, also fragte ich die Eltern einer
Freundin, ob ich bei ihnen wohnen könnte und rief dann meinen neuen Area Rep an. Der war
allerdings der Meinung, dass dies für die kurze Zeit, die ich noch da bleiben würde, ein zu
großer Aufwand wäre und ich ohnehin mein eigenes Zimmer bei der neuen Familie haben
müsste, um umzuziehen.
Ich habe mich dann damit abgefunden und mehr dem Sport gewidmet, so dass ich so viel wie
möglich von dort wegbleiben konnte. In dieser Zeit hat mir auch mein Guidance Councellor viel
Beistand geleistet und mich unterstützt, wenn ich Probleme hatte, weil man eben immer zu
diesen Menschen gehen kann, wenn etwas nicht in Ordnung ist.
Während im Winter Track and Field eher der Vorbereitung auf den Frühling diente, war die
Spring Season mehr darauf orientiert in Wettkämpfen erfolgreich zu sein, und so nahm ich auch
daran teil, obwohl das Angebot an sportlichen Aktivitäten am Nachmittag sehr umfangreich ist.
Ende des Schuljahres fand dann auch noch Prom statt, bei der man sich wieder schick und vor
allem teuer anziehen musste - allein die Frisur kostete schon um die 40$!! Die Veranstaltung
war aber sehr viel besser als Homecoming, vielleicht auch weil ich dann schon viel mehr Leute
kannte und ich mich besser ausdrücken konnte als zu Beginn des Austauschjahres.
Glücklicherweise habe ich im Mai, trotz ständiger Verbote meiner Gastmutter, doch noch ein
paar Dinge zu sehen bekommen. Wir sind mit einem Reiseveranstalter nach New York und
hatten einen Tag Zeit um uns die Stadt anzusehen, was natürlich nicht gereicht hat- ich wäre zu
gern da geblieben! Mitte Mai sind wir dann für 8 Tage nach Florida. Man fragt sich zwar, wie die
Familie sich das leisten konnte, aber egal. Dort waren wir dann für ganze 5 Tage in den
Universal Studios in Orlando und haben den Rest des Aufenthaltes am Pool verbracht. Kurz
darauf (also ungefähr 2 Tage nachdem wir zurück kamen) fuhr ich mit der Familie einer
Freundin an die Niagarafälle in Kanada. Das war ungefähr so atemberaubend wie der Tagestrip
nach New York. Als ich wieder bei meiner Gastfamilie ankam, lag die 'Gastoma' im Sterben,
weswegen es in den letzten Wochen noch mal ein wenig drunter und drüber ging.
Wir hatten dann unsere Finals und am 8. Juni war die 'Graduation Ceremony'. Da ich in der 12.
Klasse und somit ein Senior war, durfte ich daran teilnehmen und bekam auch ein 'Diploma'.
Die ganze Veranstaltung war total einzigartig, aber auch sehr traurig, da ich die meisten meiner
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Freunde das letzte Mal sah, denn viele fuhren schon einen Tag später in den Urlaub. In der
letzten Woche habe ich dann Freunde getroffen, die noch nicht weggefahren waren, meine
Sachen sortiert und einiges (!!!) weggeschmissen und versucht meinen Kram in meinen Koffer
zu bekommen. Und obwohl ich mich bereits von so vielen Dingen getrennt hatte, musste ich am
Tag meiner Abreise doch noch ein Paket mit Wintersachen nach Hause schicken.
Und obwohl ich froh bin, wieder bei den Menschen zu sein, die ich kenne und denen ich
vertrauen kann (Die Amerikaner können unter Umständen trotz ausgeprägtem Interesse an den
Religionen sehr oberflächlich sein!), habe ich letztendlich aus den Tiefen gelernt und die Höhen
während meines Aufenthaltes in den USA genossen.
Josefine
Schüleraustausch in „Dairy“ Wisconsin (USA) (2003/04 – Organisation IST)
„Veränderungen“
Auf die Idee, ein Jahr ins Ausland zu gehen, brachte mich meine Lehrerin. Mein Jahr in den
USA startete am Donnerstag, den 21. August 2004, diesen Tag werde ich nie vergessen.
Monatelang fieberte ich der Abreise entgegen, doch als es am Flughafen tatsächlich Zeit zum
Verabschieden war, konnte ich es nicht fassen. Für Abschiedstränen blieb mir kaum Zeit auf
dem Flughafen in Berlin/ Tegel, denn nun saß ich im Flugzeug und das Abenteuer konnte
beginnen. USA ich komme!!! Neben dem Jetlag und der unfassbaren Vorstellung nun
tatsächlich am Beginn dieses Jahres zu sein, erschien alles unwirklich. Mit geplanten
Zwischenstopps in Frankfurt am Main und dem internationalen Flughafen Chicago O’Hare, mit
Pass und Visumkontrolle, ging es dann am nächsten Morgen, Freitag, auf zum Zielflughafen!
Mit großen Plakaten, strahlenden Gesichtern und offenen Armen empfingen mich die Lane’s.
Mein Ziel hieß Sparta, Wisconsin. Das Gefühl, der fremden Familie plötzlich
gegenüberzustehen ist einfach unbeschreiblich. Ein Mix aus Freude, Aufregung, Unsicherheit
und auch ein bisschen „Bammel“.
Die ersten Tage waren die Schwersten. Glücklicherweise hatte ich keine
Verständigungsprobleme mit der englischen Sprache. Alle neuen Eindrücke aufzunehmen, zu
versuchen alles richtig zu machen, sich alles zu merken, war hingegen schon ein wenig
anspruchsvoller. „Hier soll ich nun ein Jahr bleiben?“, fragte ich mich immer wieder. Zu Beginn
beschloss ich daher für mich, lieber nicht mit der Heimat zu telefonieren, da ich befürchtete aus
dieser Erschöpfung heraus Heimweh zu bekommen. E-mailen ist aber eine geniale Möglichkeit
und in den meisten Familien kein Problem.
Ich hatte mir vor meiner Abreise nie richtig vorgestellt, wie es denn genau werden würde,
sondern ließ einfach alles auf mich zukommen. Das hatte den Vorteil, dass ich weder positiv
noch negativ überrascht war. Trotzdem lag ich jeden Abend wieder ungläubig im Bett und
dachte: „So ist es jetzt also wirklich!?“ Mit meinen Gasteltern habe ich mich gut verstanden,
dennoch waren sie hauptsächlich arbeiten, so war die erste Zeit, die Eingewöhnungszeit, etwas
komplizierter als gedacht. Aber nach den ersten Wochen in der Schule stellte es auch kein
Problem mehr dar.
Die Schüler der Sparta High School, die ich besuchte, waren sehr kontaktfreudig und
interessiert an mir, mich als deutschen Austauschschüler kennen zu lernen. Schnell lernte ich
neue Menschen, die jetzt meine Freunde sind, kennen. Außerdem gab es eine große Auswahl
an Clubs, wie International Club, FFA (Future Farmers of America), Earth Club, Culture Club
und Show Choir (Musical), an denen ich natürlich auch mitgewirkt habe. Neben mir besuchten
noch andere Austauschschüler die High School, sie kamen aus Brasilien, der Mongolei,
Thailand, Kirkistan und Deutschland. Die Bibliothekarinnen hatten für uns monatlich ein Essen
organisiert, wo wir zusammen kamen und uns über unsere Erlebnisse sowie Probleme
sprachen.
Tagesablauf: Mein Tag fing 6am an und war meistens nicht vor 11pm (23 Uhr) zu Ende. Täglich
hatte ich den gleichen Unterrichtsplan, aber Langeweile ist nie aufgekommen, weil täglich etwas
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Neues und Unerwartetes auf mich zukam. Die Schule ging von 7:45 Uhr bis 15:06 Uhr, mit
einer Stunde Pause zwischendurch; jede Unterrichtsstunde war etwa 45 Minuten lang. Ich
belegte Fächer wie Team Sports, Algebra 2, Biologie, Spanisch, American Government, US
History, Concert Choir etc.. Nach dem Unterricht ging es dann weiter zu den
Nachmittagsaktivitäten, im Herbstquartal war ich im Cross Country Team und später in
Leichtathletik. Diese beiden Sportarten haben mir persönlich viel gebracht und es hat mir
unheimlich viel Spaß gemacht... oft auch mal bis 19 Uhr in der Schule zu sein. Alle zwei
Wochen hatten wir auch „morning practices“, das hieß von 6 Uhr bis 30 Minuten vor
Unterrichtsbeginn Training. Zweimal wöchentlich hatten wir Wettkämpfe, wir sind dort gegen
andere Schulen angetreten und haben unseren Teamgeist und Schul - Spirit gezeigt, indem wir
für unser Schulteam gelaufen sind, um natürlich auch Bestzeiten zu erzielen.
Das Essen und seine Tücken: Um die Essgewohnheit der Amerikaner genau zu beschreiben,
lässt man es lieber gleich ganz sein, weil von Esskultur, kann man in diesem Fall nicht reden.
So ist es mir ergangen, als ich das erste Mal zum Frühstück pancakes mit sausage und Sirup
gegessen habe und mir die Übelkeit im Gesicht geschrieben stand. Anfangs ging es noch
manchmal einen Chickenburger zu essen, aber als es fast täglich auf der Speisekarte stand,
fand ich das bald nicht mehr lustig. Aber mit Freunden geht man gern einmal in einer der
tausend Fastfood Restaurants, wie Taco Bell, ‚McDonalds, Burger King, KFC, Wendy’s, Hardies
und wie sie nicht alle heißen. Meine Gastmama hat auch Salate gemacht und viel Diätprodukte
eingekauft.
Die Gastfamilie(n): Meine erste Gastfamilie habe ich Ende November gewechselt, die erste
Woche vor Thanksgiving. Ich habe es letztendlich nicht bereut, weil das Klima auch nicht mehr
das Beste war. Der eigentliche Grund, wenn ich das so formulieren kann, lag darin, dass ich mit
meinem Gastvater nicht klar gekommen bin. Erstens war er nur arbeiten und spät zu Hause,
aber wenn er dann wirklich einmal im Haus war, hat er nicht mit mir reden können aus welchem
kuriosen Grund auch immer. Dazu war er Computerfanatiker und hat viel Selbstgespräche
geführt, seine Motorräder fand er manchmal viel interessanter als eine nette Unterhaltung mit
mir. Trotzdem ich nicht wechseln wollte, habe ich dann doch die Initiative ergriffen und habe
meinen Area Representative angerufen und ihr von meinen Problemen erzählt.
In wenigen Tagen hatten wir ein Zusammenkommen mit Marion und uns dreien vereinbart.
Später habe ich bei meinen Freunden gefragt, ob sie eine Familie kennen, welche mich
eventuell aufnehmen würde. Es war schon fast abzusehen, dass sich keine gefunden hat, also
bin ich Not gedrungen zu meiner Freundin gezogen. Eine gute Woche später hat mir ein Freund
erzählt, dass er eine Familie für mich gefunden hat, ein junges Ehepaar und die Frau war
ebenfalls Deutschlehrerin an unserer High School. Nach Weihnachten und Silvester bin ich
dann also in meine neue Familie gezogen mit Vorfreude und Nervosität. Meine neue Familie
bestand aus meinem Gastvater Jason, meiner Gastmutter Heidi Jo und Baxter (der Hund),
Gastgeschwister hatte ich nicht. Wir sind oft zu meinen Großeltern nach Fairfax/ Minnesota
gefahren, des Weiteren viele Fahrten gemacht.
Die Feiertage, wie Thanksgiving, Christmas Eve, Christmas Day, Eastern und so weiter, habe
ich typisch amerikanisch erlebt. Trotzdem habe ich mich gefragt, was ist hier ähnlich wie in
Deutschland? Was ist mir vollkommen fremd? Oder besser, was kenne ich sonst nur aus dem
Fernsehen? Es ist so aufregend, denn all dies lernt man nicht annähernd kennen, wenn man
hier nur für ein paar Wochen zu Besuch ist. Zu Weihnachten habe ich noch nie so viele
Geschenke auf einmal gesehen, wie das Weihnachten 2003, die Boxen und
Schokoladenweihnachtsmänner haben sich in Türmen um den Weihnachtsbaum gestapelt. Das
Geschenkpapier hat sich schließlich im gesamten Haus verteilt. Wir hatten sehr viel Spaß, auch
wenn es schwer war, nicht in Deutschland zu sein an einem Fest der Familie, habe ich mit
meiner amerikanischen Familie ein schönes Weihnachten erlebt.
Silvester hingegen war etwas rar und eintönig! Mit meiner Freundin und ihrer Mama, sind wir
nach Madison (Hauptstadt von Wisconsin) gefahren, um dort ein großes Feuerwerk zu
bestaunen, was sich aber letztendlich als Kleines herausstellte! Ostern wurde auch nicht so
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gefeiert, hingegen haben wir zu Thanksgiving und Halloween viel Spaß gehabt. Halloween
wurde natürlich in einem Kostüm gefeiert und wir sind um die Häuser gestreift und haben
Süßigkeiten verlangt... später sind wir noch durch eine Corn Maze - ein Maisfeld - gezogen, wo
„Geister“ und unheimliche Gesellen wohnen sollten. Mit Kettensägen und anderen komischen
Dingen sind verkleidete Menschen um die Ecke geschossen. Beinahe sind wir auf einem
Friedhof gelandet, aber eine alte Frau mit weißem Schleier im Rollstuhl hat uns in die andere
Richtung vertrieben. Es war einfach eine super spannende Nacht und mit Citre (heißer
Apfelsaft) und Decken haben wir am Lagerfeuer später noch ausgehaart!!!
Die Organisation: Im November 2003 habe ich mich bei mehreren Organisationen, darunter
IST, beworben. Ich wurde im Dezember dann mit der freudigen Nachricht in Kenntnis gesetzt,
dass ich erfolgreich angenommen bin und mein Traum nun in Erfüllung gehen kann. Im
Folgemonat habe ich gleich Bescheid bekommen, dass man eine Gastfamilie für mich gefunden
hat, Familie Lane in Sparta, Wisconsin. Die deutsche sowohl die amerikanische Organisation
ASSE haben mich gut betreut, daher gibt es keinerlei Mängel oder Schlechtes zu berichten. Ich
wurde auch gut unterstützt, als es um den Familienwechsel ging. IST (International Student
Travel - deutsch: Internationale Schüler- und Studienreisen) ist weiter zu empfehlen, ich habe
auch nicht bereut, dass ich diese unter 10 anderen gewählt habe.
Was das Taschengeld angelangte, bin ich gut zu Recht gekommen. Es klingt wahrscheinlich
obszön, aber man benötigt schon zwischen 200 bis 300 Dollar jeden Monat. Gerade wenn es
um Weihnachten oder das Ausgehen mit den Freunden geht, Prom (der Abschlusstanz) oder
Graduation oder das Jahrbuch, was oft nicht mit 20 Dollar bezahlt ist.
Spezielles Dankeschön: Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich ein Vollstipendium vom Landkreis
Märkisch-Oderland bekommen habe, ohne diesen Zuschuss wäre es unrealisierbar gewesen.
Hiermit, auch von meiner Familie, noch einmal ein kräftiges DANKESCHÖN!!!
Und zum Schluss: Am wichtigsten waren mir persönlich immer meine Freunde und Team Kolleginnen. Schon alleine Fotos und andere Erinnerungen machen es schnell zu deiner
Heimat. Zusammenfassend kann ich echt nur sagen, dass dieses Jahr ein einmaliges Erlebnis
war und ich dankbar für jeden Tag bin. Doch die Zeit vergeht auch wie im Fluge! Amerikaner
kennen zu lernen, mit ihnen Tür an Tür zu leben und sie jetzt als beste Freunde zu haben, ist
einfach totaler Wahnsinn und ich bin sehr FROH diesen Schritt gewagt zu haben. Es hat mein
Horizont erweitert, ich bin weltoffener und eine verantwortungsvollere Person geworden.
Garantiert wird deine Geschichte anschließend vollkommen anders klingen, aber das ist ja
gerade das Spannende: Ergreife die Chance und erlebe ein unvorhersehbares, aufregendes
und unvergessliches Jahr in den USA!!!
Maria
Mein Jahr in Amerika (2003/04 – Organisation GIVE)
Vom 18.09.2003 bis 12.06.2004 war ich ein Austauschschüler in Santa Fe, New Mexiko. Nach
einem ungefähr 23-stündigen Flug wurde ich von meiner Gastfamilie am Flughafen
Albuquerque empfangen.
Obwohl ich anfangs einige Probleme hatte sie zu verstehen, haben wir uns gleich gut vertragen!
Meine 14- jährige Gastschwester, Roxanne, hatte mich am ersten Tag in der Stadt rum geführt
und mich ihren Freunden vorgestellt. Nachdem mich mein neuer Schulleiter 2 Wochen später
auch noch der ganzen Schule vorgestellt hatte, gab es kaum noch Zeit mal ein Buch auf dem
Schulhof zu lesen. Ich wurde von fast jedem Schüler gefragt wie ich heiße, was ich mache,
welcher Religion ich angehöre und wie mir Amerika bis jetzt gefällt. Sie waren alle sehr nett und
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offen und hatten für meine noch nicht so gut vorhandenen Sprachkenntnisse vollstes
Verständnis.
Meine Schule bestand aus rund 300 Schülern und war eine kreativ orientierte private Schule,
hatte Unterrichtsfächer wie Theater, Yoga und amerikanische Zeichensprache, die mir sehr viel
Spaß bereiteten. Natürlich standen auch Mathe, Englisch und Naturwissenschaften auf dem
Stundenplan! Unter anderem hatte ich, wie auch jeder andere Schüler, einen Mentor. Ich habe
mich also jeden Mittwoch mit einem Künstler in seinem Atelier getroffen und mit ihm zusammen
gearbeitet. Wir beschäftigten uns mit Aktzeichnungen, Portraits und Ölfarben.
Nach ungefähr drei Monaten fing ich an „ Englisch“ zu denken und nach drei Monaten „
Englisch zu Träumendes“ war eine komische Erfahrung, als mir einige Wörter in meiner
Muttersprache nicht mehr einfielen! Meine Gasteltern waren beide sehr beschäftigte Leute, die
ständig auf Geschäftsreisen waren. Somit hatte ich das Glück mir Hawaii und LA mal näher
anzugucken. Es war sehr schön auch mal andere Staaten von Amerika zu sehen, da Santa Fe
mehr Mexiko war als Amerika.
Anfangs hatte ich einige Probleme mit dem Essen klar zukommen, aber zum Ende hin habe ich
auch den Chili zum Frühstück vertragen. Gewichtsprobleme hatte ich, wie viele andere
Austauschschüler, die ich kennen lernte, natürlich auch!! Ich bin mit 57 kg hingefahren und mit
62;kg wiedergekommen.
Meine Freizeit habe ich mit Kino, sonnen, malen und Volleyball verbracht! Natürlich standen
auch die Freunde auf der Tagesordnung. Im Großen und Ganzen war es für mich eine
einmalige Erfahrung und ich würde jedem, der die Möglichkeit hat, zu einem Austauschjahr
raten. Man lernt weniger schulisch, doch umso mehr fürs Leben. Ich würde einfach jedem raten
für alles offen zu sein, jeden zu akzeptieren wie er ist und positiv denken!! Man kann von jedem
Menschen lernen.
Anne-Christin
Das beste Jahr meines Lebens (2003/2004 – Organisation EF))
Bevor ich am 02.08.2003 auf dem Flughafen in Lexington, Kentucky landete, hatte ich noch
keine Ahnung davon, was ich von diesem Jahr in den USA erwarten sollte…
Als ich das erste Mal den Personen gegenüberstand, die für ein Jahr meine Eltern sein sollten,
hatte ich doch ein komisches Gefühl im Magen. Aber schon am selben Abend wusste ich, dass
dieses Jahr nur toll werden konnte.
Auch wenn meine Mom und mein Dad von Montag bis Freitag arbeiten mussten, fanden sie
doch irgendwie noch Zeit für meinen kleinen Baby-Bruder und mich.
An Wochenenden ging es meistens zu den jeweiligen Verwandten meiner Eltern. Meistens
wurde dann auch auswärts gegessen. Fast jeden Sonntagabend traf sich die ganze Familie
meiner Mom zum Abendessen und einfach nur zum Erzählen…
Kentucky ist ein Staat, in dem Familie sehr groß geschrieben wird. Jeder ist stolz auf seine
Familie, was man schon daran gemerkt hat, dass man am Ende eines Telefongespräches (mit
einem Familienmitglied) immer „I love you!“ gesagt hat.
Auch Kirche war eine große Sache in den USA und besonders in KY. In meiner kleinen Stadt
gab es allein schon ca. 10 verschiedene Kirchen, die auch jeden Sonntag und Mittwoch voll
besetzt waren.
Ich lebte in einem wunderschönen Haus ca. 15 Meilen von meiner High School entfernt.
Deshalb durfte ich wie ein echtes amerikanisches Schulkind mit den berühmten gelben
Schulbussen fahren.
Und natürlich gab es in der Schule auch die Dinge, an die man sich erst gewöhnen musste. Ich
meine damit nicht nur, dass man nach jeder Unterrichtsstunde zu seinem Locker gehen musste,
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sondern auch, dass man einen so genannten „Hallpass“ brauchte. Egal ob man sich nur kurz
etwas aus dem Locker holen wollte oder auf die Toilette musste.
Auch musste ich mich in Kentucky erst an die ungewöhnliche Freundlichkeit der Menschen
gegenüber Fremden gewöhnen. Zum Beispiel im Supermarkt, im Einkaufszentrum, bei Wal
Mart oder in der Schule. Man hat einfach jeden der einem entgegengekommen ist gegrüßt,
selbst wenn man diese Person vorher noch nie gesehen hatte.
Dann gibt es in Amerika den bekannten „School Spirit“, jeder ist stolz auf die Schule auf die
man geht und zeigt es.
Aber trotz all dieser schönen Dinge muss man auch in den USA lernen und Hausaufgaben
machen.
Nach der Schule war es, anders als hier in Deutschland, nicht üblich nach Hause zu fahren,
sondern noch dazubleiben für diverse Clubs oder Training.
Schulsport ist in Amerika sehr angesehen, viele Leute gehen zu den so genannten „Try-Outs“,
um in ein Team zu kommen. Dann wird jeden Tag nach der Schule trainiert, es sei denn man
hat ein Spiel. Viele Leute kommen zu den Heimspielen der Schulmannschaft, auch wenn man
selbst nichts spielt, nur um die Mannschaft anzufeuern. Innerhalb so einer Mannschaft schließt
man viele neue Freundschaften, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch viele der engsten, die man
in diesem Jahr machen wird, da man ja fast tagtäglich mit den Leuten zusammen ist.
Auch in den Ferien (außer Weihnachten) gibt es immer wieder irgendwelche Turniere, an denen
man teilnimmt, da die meisten Eltern keinen Urlaub bekommen. Bei mir war das jedoch anders,
meine Eltern sind mit mir in den Herbst-, Weihnachts- und Osterferien nach Ft. Myers, Florida
gefahren.
In Amerika fährt man überall mit dem Auto hin, egal ob es nur 10min bis zum nächsten Kroger
sind oder 16 Stunden bis in den Urlaub. Aber man gewöhnt sich an alles und wenn man drüber
nachdenkt, ist es auch richtig schön so wie es ist…
Ich jedenfalls würde dieses Jahr immer wieder aufs Neue machen, wenn ich die Chance dazu
hätte. Und ich kann auch nur jedem raten, der darüber nachdenkt ein Jahr im Ausland zu
verbringen: „Tu es, du wirst es nicht bereuen!!!“
Christin
Ein Jahr in Amerika – Eindrücke und Erfahrungen
aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten (2003/04 – Organisation GIVE)
Wie andere deutsche Teenager steckte auch ich in einer Orientierungsphase, man weiß noch
nicht so recht, was man nach der Schule anfangen soll. Ich wollte mich auch nicht zu früh
festlegen, aber einfach mal was ganz Neues – nur für mich – beginnen.
So stellte ich mich der Herausforderung das 11. Schuljahr in den USA bei einer Gastfamilie zu
verbringen und damit einen großen Schritt in ein neues Leben zu wagen und mir den American
Dream zu erfüllen. Ich war neugierig auf das große Land, die fremde Kultur und die
Lebensweise der Menschen dort.
Also bewarb ich mich im September 2002 bei GIVE, für ein High School Jahr in den Staaten. Im
Oktober wurde ich dann nach Berlin zu einem Auswahlgespräch eingeladen, als ich dieses
überstanden hatte, musste ich dann nur noch auf meine Bestätigung warten. Ich wurde in das
Programm aufgenommen. Zunächst musste ich eine Mappe (Application Froms und eine Foto
Collage) erstellen, welche die Suche nach einer passenden Gastfamilie erleichtern sollte. In
dieser Mappe waren viele Fragebögen, ein Lebenslauf in englischer Sprache und eine
Bildergeschichte über mich und mein Leben in Deutschland. Mit Hilfe dieser Unterlagen sollte
jetzt die Partnerorganisation ASSE in den USA eine passende Gastfamilie für mich finden.
Nach erfolgreicher Bewerbung und persönlichem Interview, begann das Warten auf meine neue
amerikanische Gastfamilie.
In welche Ecke des Landes wird es mich verschlagen? Werde ich Gastgeschwister haben? Wo
werden meine neuen Gasteltern arbeiten? Wie werde ich wohnen? usw. Solche und ähnliche
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Fragen stellten sich mir. Während meiner Wartezeit wurde ich von GIVE regelmäßig durch
Infobriefe auf das Jahr vorbereitet. Es gab auch noch ein Returneetreffen, auf dem Ehemalige
über ihre Erfahrungen und Erlebnisse berichteten und sich die neuen Teilnehmer kennen lernen
konnten.
Meine Abreise kam immer näher. Endlich bekam ich den ersehnten Anruf, für mich hatte sich
eine Gastfamilie gefunden. Ich nahm sofort Kontakt auf, denn die Neugier war groß, was mich
im nächsten Jahr erwartet. Einer meiner geheimsten Wünsche, meinen Aufenthalt in den USA
in Kalifornien oder in Florida zu verbringen, ist in Erfüllung gegangen und mein zu Hause für
das nächste Jahr war in einer 2,7 Millionen Stadt, die zweitgrößte in Kalifornien und eine ideale
Gegend für Wassersportler mit 295 Sonnentagen im Jahr, also auf zum Schwimmen und Surfen
das ganze Jahr durch.
Wir telefonierten regelmäßig bis zu meiner Abreise, um uns etwas näher zu kommen.
Am 24. Juli war es dann soweit, ich flog von Berlin nach Frankfurt/Main, wo sich alle
Austauschschüler trafen. Gemeinsam mit einem Betreuer von GIVE sind wir dann nach
Chicago geflogen und von dort weiter nach Moline, in ein Sprachcamp.
Nach einem vierwöchigen Aufenthalt ging es dann endlich zu meiner Gastfamilie nach San
Diego in Kalifornien.
Niemand kannte mich - ich war zum ersten mal für längere Zeit auf mich alleine gestellt und
musste mich in einer anderen Sprache verständigen. Es war ein ganz neuer Anfang und es war
manchmal auch nicht einfach für mich und den Rest meiner neuen Familie gewesen. Trotz der
Fotos und E-Mails, die mir meine Gastfamilie geschickt hatte, war ich sehr gespannt sie in
natura zu sehen und kennen zulernen.
Auf dem Flughafen in San Diego wurde ich herzlich in Empfang genommen und fühlte mich
während des gesamten Aufenthalts wie ein Familienmitglied, das heißt natürlich auch dass ich
genauso wie alle anderen in der Familie Aufgaben und Pflichten hatte. Mir ist sofort der
ungezwungene Umgangston und das Interesse am Menschen füreinander aufgefallen. How are
you und Where do you come from? wird man häufig von fremden Menschen gefragt.
Ungefähr eine Woche nach meiner Ankunft fing die Schule an. Diese Zeit nutzte ich, um mich
zunächst ein bisschen an die neue Umgebung zu gewöhnen. Ich stellte mich in der Schule vor
und wählte meine Kurse, Web Programing/3-D Animation, Kunst (war eine ganz neue
Erfahrung und viel besser als in Deutschland), Mathe, Englische Literatur, Amerikanische
Geschichte, Sport (man konnte eine Sportart auswählen und die hatte man dann für eine
Season, wie z.B. American Football, Tennis, Baseball, Schwimmen, Wasserball etc.). Ich
besuchte dort die 11 Klasse ( Junior). Der Unterricht begann um 7:30 Uhr und dauerte bis 14:13
Uhr. Mittagessen gab es in der schuleigenen Cafeteria. Nach dem Unterricht fing der
amerikanische School Spirit an, in Form von Sport, Bandproben, Theater und dergleichen. Die
Schule zu vertreten,, auf Meetings gegen andere Schulen oder Veranstaltungen wie
Homecoming etc. gehörten einfach dazu. Das Leben der Schüler spielte sich größten teils in
der Schule ab. Im Gegensatz zu Deutschland, was nicht negativ klingen soll, ging ich gerne zur
Schule, ich fand sehr schnell viele neue Freunde, welche mir alles viel leichter machten, das
gleiche gilt für die Lehrer. Die Lehrer-Schüler Beziehung ist viel stärker gewesen als es in
Deutschland ist, was ich persönlich sehr gut fand und was sich auch positiv auf die Leistungen
im Unterricht und auswirkte.
An den Wochenenden und Feiertagen (z.B. Thanksgiving), gab es ein großes Essen mit der
ganzen Familie und Freunden. An den Feiertagen wurde viel gemeinsam unternommen. Sie
zeigten mir mein neues zu Hause, denn San Diego ist sehr groß. Es erstreckt sich über 32
Meilen entlang der Küste.
Wir machten auch viele Ausflüge nach San Francisco – Große kleine Stadt
Hier trifft amerikanisches Großstadtleben trifft auf europäisches Kleinstadtflair. Mit nur knapp
über 700.000 Einwohnern ist die Mini-Metropole an der nordkalifornischen Pazifikküste so
überschaubar, dass sich ihre Highlights und Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuß oder mit
öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden lassen.
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Futuristische Wolkenkratzer, Straßenschluchten und chaotische Verkehrsverhältnisse auf
sechsspurigen Highways, das war schon ein Erlebnis.
Ich unternahm auch eine Reise in den Osten der USA, welche von der Partnerorganisation
ASSE organisiert wurde. Dieser Trip führte mich nach New York, Washington D.C. und
Philadelphia.
New York – um den Big Apple zu erleben brauchte ich gute Kondition. Denn neben Manhattan
gab es auch noch Brooklyn, die Bronx, Queens und Staten island zu entdecken. Und das am
besten zu Fuß. Die Skyline von Manhattan bekommt man dabei aus verschiedensten
Blickwinkeln immer wieder vor die Linse.
New York - das ist die Stadt, die niemals schläft, der Inbegriff des “American Dream” und die
Hauptstadt des Kommerzes und Entertainments. New York – hat über 7-Millionen Einwohner
Die Betreuer und die Organisation der Reise war sehr gut, was ich von meinem persönlichen
Betreuer oder AREA Rep. nicht sagen konnte. Er organisierte ein Treffen mit allen
Austauschstudenten der Gegend, als ich vor Ort ankam war ich der Einzigste, alle anderen
hatten aus irgendwelchen Gründen abgesagt. Der Zweck der Veranstaltung, uns kennen zu
lernen war damit völlig verfehlt und ich war sauer, dass man mich nicht informierte und ich mich
umsonst auf den Weg gemacht hatte.
Eine völlig neue Situation war für mich das Großfeuer in Kalifornien, in meiner Gegend war die
Beeinträchtigung durch den Rauch so groß, dass es für uns eine Woche Schulfrei gab.
Ehe ich mich versah, hatte ich Bergfest und die zweite Hälfte verging noch viel schneller als die
erste. Der Abschied von San Diego und Kalifornien viel mir sehr schwer. Ich hatte mich an das
amerikanische Leben, die Umgebung und meine Gastfamilie sehr gewöhnt. Aber eins ist sicher,
ich komme zurück. Den Kontakt zu meinen neu gewonnenen Freunden und meiner Gastfamilie
wird durch E-Mails, Telefon und Briefe bis zu meinem nächsten Besuch aufrechterhalten.
Rückblickend denke ich, dass dieses Jahr in Amerika mein Leben bereichert hat und mir neue
Zukunftsziele gibt. Ich sammelte viele neue Eindrücke, welche mir in ganz unterschiedlicher
Weise für immer in Erinnerung bleiben werden. Dieses Jahr bildete für mich einen Grundstein
für meine weitere Zukunft. Ich habe gelernt mit Unbekanntem umzugehen. Es war eine gute
Entscheidung 1 Jahr in die USA zugehen, weil es mich verändert (manche Menschen brauchen
eine Veränderung) hat und ich habe viel fürs Leben gelernt, nicht nur die englische Sprache.
Sicher wäre es falsch zu sagen, das es immer einfach war. Es gab Höhen und Tiefen, aber es
war für mich eine Herausforderung diese alleine zu meistern. Ich kann nur jedem empfehlen
sich dieser Herausforderung zu stellen. Für mich war es auf jeden Fall eine positive Erfahrung,
die ich nicht missen möchte
Benjamin
Mein Jahr in den USA (2003/ 04 – Organisation GIVE)
Amerikaner sind hochnäsig, prüde, fett und überhaupt dümmer als alle anderen. Vorurteile und
Stereotypen sind schnell gefasst und auch äußerst verbreitet. Auch mir waren diese Sachen zu
Ohren gekommen (und zwar zuhauf), als ich mich um ein Stipendium für ein Austauschjahr
bewarb. Doch durch dieses Jahr konnte ich tiefe Einblicke in dieses Land – und auch mich
selbst – gewinnen, und Vorurteile abbauen.
Natürlich war ich unheimlich aufgeregt, als ich allein in den Flieger von Berlin nach Frankfurt
stieg. Nicht nur war ich auf dem Weg in ein mir völlig unbekanntes Land; es war auch
gleichzeitig mein erster Flug überhaupt. In Frankfurt kam dann aber gleich ein Dämpfer: Mein
Flug nach Pittsburgh hatte mehrere Stunden Verspätung! Zum Glück war am Flughafen eine
große Gruppe anderer Austauschschüler, so dass wir uns die Zeit mit Quatschen und
Mutmachen über das Gastland vertreiben konnten. In Pittsburgh mussten der Betreuer von der
Organisation, zwei andere Mädchen und ich im Hotel übernachten, da unsere neuen
Anschlussflüge nun erst am nächsten Tag gingen.
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Als ich dann schließlich am Kansas City Airport ankam, wartete auch schon mein Gastvater
Glenn und meine Gastschwester Sara auf mich. Innerhalb der nächsten zwei Tage wurde ich
auch direkt der kompletten Verwandtschaft vorgestellt. Und das war auch direkt einer der ersten
positiven Eindrücke, die ich gewann. Ausnahmslos hatte jeder aus der Familie ein freundliches
Lächeln, oder gar eine Umarmung für mich. Außerdem schlugen mir viele, viele interessierte
Fragen entgegen. Davon könnten sich die Deutschen mal ein Stückchen abschneiden. Soviel
Interesse findet man hier eher selten.
Auch an meinem ersten Schultag schlug mir Interesse von allen Seiten entgegen. Das machte
es natürlich denkbar einfach, Anschluss zu finden. Ich sage es unverhohlen: Wer schulisch
weiter kommen möchte, sollte lieber nach Japan oder Frankreich gehen. Das Niveau an
amerikanischen (öffentlichen) Schulen ist relativ niedrig. Vielmehr ging es mir ja um das Kennen
lernen der USA und ihrer Menschen. Ich habe bewusst nur einfache Fächer gewählt, wie
Schreibmaschinenschreiben oder „Health“ (Gesundheitskunde).
Um besser Anschluss zu finden, sei jedem empfohlen sich an den so genannten „extracurricular
activities“ zu beteiligen. Diese Aktivitäten finden nach der Schule statt und umfassen diverse
Sportarten (Football, Volleyball, Fußball, Bowling und andere) sowie andere Clubs (z.B.
Fotografie oder Theater). Unsportlich wie ich bin, waren jegliche Sportarten tabu für mich. Aber
ich war an anderen Aktivitäten beteiligt, z.B. Forensics (man muss bei Wettbewerben seine
rhetorischen/ schauspielerischen Fähigkeiten beweisen). Es ist eigentlich völlig egal was man
macht, solange man irgendetwas macht. Nur so lernt man Leute kennen.
Wie heißt es doch: Man kann sich seine Freunde aussuchen, seine Familie nicht. Bedingt trifft
das auch auf die Gastfamilie zu. Es ist natürlich eine große (wenn nicht sogar riesige)
Umstellung für einen, wenn man plötzlich mehrere Monate mit einer Familie zusammen lebt, die
ganz andere Angewohnheiten und Werte hat, als die eigenen Eltern. Und das meine ich nicht
nur im Großen (z.B. Kirchgang); vor allem Details und vermeintliche Bagatellen können des
Öfteren zum Streit führen. Hierbei kommt es darauf an, flexibel und tolerant zu bleiben. Das
wird (zu Recht) von einem erwartet und ist essentiell für das Zusammenleben.
Ohne überheblich klingen zu wollen, bin ich doch in gewissem Maße stolz auf mich, dass mein
Jahr relativ reibungslos abgelaufen ist. Und das, obwohl meine Gasteltern so ziemlich das
Gegenteil von meinen Vorstellungen und Werten repräsentierten. Beide Eltern waren
praktizierende Christen, womit ich als Atheist bei ihnen fast schon Exot war. Vor allem der
Gastvater war äußerst intolerant, ignorant und konservativ eingestellt. Mit ihm hatte ich so
meine Problemchen, die sich jedoch mit Diplomatie meinerseits lösen ließen. Auch wenn sie
nicht perfekt zu mir passten, ließ es sich doch aushalten in der Familie Courtwright. Schließlich
waren sie ja doch ehrliche und anständige Menschen.
Ich glaube, dass das eine der Sachen ist, die ich gelernt habe. Man sollte Menschen nach ihren
positiven Aspekten beurteilen und nicht gleich in irgendeine Schublade packen. Natürlich hätte
ich sagen können: „Ach, sind die alle doof hier. Ich fliege wieder nach Hause“. Doch stattdessen
habe ich mich auf ihren Lebensstil eingelassen und dabei interessante Leute kennen gelernt.
Was ich aber vor allem aus dieser Zeit mitnehme, sind die Freundschaften, die ich geschlossen
habe. Ich habe dort andere Teenager getroffen, die so sind wie ich und die mir zahlreiche
Denkanstöße gegeben haben.
Insgesamt gesehen bin ich auf mehreren Ebenen reifer und erwachsener geworden. Zum einen
bin ich offener und selbstbewusster geworden. Zum anderen denke ich jetzt über bestimmte
Dinge nach, die mir vorher weniger wichtig waren, z.B. Weltpolitik und Gesellschaft. Außerdem
habe ich es geschafft, ein Jahr ohne meine Eltern auszukommen und das fast ohne Heimweh
(wobei ich selbst staune, wie ich das geschafft habe).
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Ich kann nur jedem empfehlen, diesen Schritt zu wagen. Zwar ist meine Gastfamilie nicht mit
mir herum gereist, um tolle Sehenswürdigkeiten anzuglotzen, aber ich konnte einen Blick auf
die USA werfen, der tiefer geht als die Freiheitsstatue und Mount Rushmore: Ich habe die Leute
kennen gelernt, die dieses Land ausmachen. Und ich habe dabei auch wichtige Dinge für das
Leben gelernt. Man kann nur gewinnen!
Christian
Ein Jahr „Cheesehead“ und zurück (2003/ 04 – Organisation Open Door)
Ich kann mich noch an den Tag erinnern, an dem meine Organisation mir mitteilte, dass sie
eine Familie für mich gefunden hatte. Ich würde nach Wisconsin bei den großen Seen, in einem
Ort mit ca. 64000 Einwohnern namens Waukesha kommen. Dies war am 10. Juni, circa 10
Wochen bevor es losgehen sollte. Die folgende Woche bekam ich auch schon das erste Mal
Post von meiner „neuen“ Familie und von da an schrieben wir uns fast täglich. Als ich mich
dann auch nach einiger Zeit überwunden hatte bei meiner Gastfamilie anzurufen und sie mir
erzählte, wie sehr sie sich freuten und was wir alles machen werden, war ich so aufgeregt, dass
ich es kaum noch erwarten konnte bis ich endlich da sein würde. Am 21. August war es endlich
soweit, die große Reise nach Amerika sollte beginnen. Wir, die Schüler, die mit Open Door für
ein Jahr in die USA flogen, wurden von der Partnerorganisation Nacel Open Door International
betreut und hatten somit auch alle zusammen ein Orientierungsseminar vom 21.08. bis
23.08.03 in Chicago, welches sehr interessant war, weil wir Boot - und Stadtrundfahrten
machten und uns den Navy Pier ankucken konnten. Dort wurden wir sehr gut von unserer
Organisation betreut, die uns dann auch das restliche Jahr bei Fragen und Problemen zur Seite
stand. In Chicago realisierte ich auch das erste Mal, dass ich jetzt in Amerika war, weil alles
einfach unglaublich groß war.
Welcome Tina - Am nächsten Tag ging es dann für mich von Chicago nach Milwaukee/
Wisconsin. Nach circa 35 Minuten Flug landeten wir auch schon wieder und nun war ich richtig
nervös geworden. Aber als ich aus dem Flugzeug stieg, und ich sah, dass es meiner
Gastfamilie nicht anders ging, da sie vor lauter Aufregung mein Willkommensschild verkehrt
herum hielten, legte sich die Nervosität ein bisschen und ich freute mich einfach meine neue
Familie kennen zu lernen.
Meine Familie, das waren meine Gasteltern Janet und Leonard, meine Gastschwester Katie,
mein Gastbruder Matt und die beiden Katzen Valentino und Kiki. Wir wohnten in einem ziemlich
kleinen Haus und ich habe mir mit meiner Gastschwester ein Zimmer geteilt, aber das war in
Ordnung, weil wir uns beide super verstanden haben.
Schulanfang - Nachdem ich noch eine Woche Ferien hatte, in der Janet und Katie mir alles
Mögliche zeigten und mich auf die Schule vorbereiten, ging auch hier der Unterricht los. Meine
Schule, die „South High School“, wirkte zu Beginn mit 1600 Schülern etwas verwirrend auf
mich, entpuppte sich im Laufe der Zeit aber als immer kleiner werdend und auch das schier
unüberwindbare Problem des Öffnens meines „Lockers“ (Schließfach) löste sich irgendwann in
Luft auf.
Mein Unterricht fing 7:20 an und endete 14:45 Uhr, die Stunden gingen 47 Minuten und
dazwischen war immer fünf Minuten Pause. Als Fächer hatte ich Biologie, Kunst, Mathe,
Englisch, Study Hall (das war wie eine Freistunde, in der man Hausaufgaben machen oder in
die Bibliothek gehen kann), Französisch, US Geschichte und Sport. Wobei Sport mein
Lieblingsfach war, weil man die Möglichkeit hatte, viele verschiedene Sportarten, wie
Bogenschießen, Softball, Hockey uvm. auszuprobieren.
Sport und Tanzbälle - Neben Snowboard fahren, bin ich von der Schule aus mit dem
Gymnastikteam ständig in Wisconsin unterwegs gewesen. Wir hatten auch jeden Tag drei
Stunden Training und Wettkämpfe in der Woche. Nach dem Training sind wir dann meistens
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noch zu Baseball oder Basketball spielen gegangen, um da unsere Mannschaft spielen zu
sehen.
Überhaupt wird Sport und Nationalbewusstsein in Amerika sehr groß geschrieben. So werden
in Wisconsin bei Football – Spielen Hüte, die aussehen wie ein großes Stück Käse, als Symbol
der Zugehörigkeit getragen. Wisconsin ist ein Staat mit einer ausgeprägten Landwirtschaft und
bekannt für seine Käseproduktion, daher werden sie oft „Cheeseheads“ (Käsekopf) genannt.
Auch in der Schule haben sich die Schüler vor jedem Football- oder Basketballspiel zu einem
bestimmten Thema verkleidet und somit unsere Schulmannschaft angefeuert. Wir hatten
Themen, wie Beachparty, Zirkus, Cowboy/ Girl, Superhelden usw.
Im Oktober war dann Homecoming, welches das letzte Footballspiel der Saison ist und mit
einem Tanzball abgeschlossen wird. Vor Homecoming war dann noch Spirit Week gewesen, wo
man sich jeden Tag zu einem bestimmten Thema verkleiden sollte. Die Lehrer haben dann in
der 3. Stunde gezählt, wie viele Schüler sich aus den entsprechenden Jahrgängen verkleidet
haben und diese haben Punkte bekommen, welche dem gewonnenen Jahrgang die Möglichkeit
gaben, nach dem Homecomingspiel kostenlos soviel Eis zu essen, wie sie wollten.
Am Samstag war der Homecomingball. Alle hatten sich schick gemacht und dann ging es, nach
dem Essen im Restaurant, zum Tanzen in die Schule. Im Laufe des Jahres gab es noch zwei
Bälle; Sadies und Prom. Prom war dabei der Umfangreichste von allen Bällen. Dieser findet
meistens am Ende des Schuljahres statt, aber schon zum Beginn des zweiten Halbjahres
fangen alle an, darüber zu reden. Insgesamt ist Prom auch eine eher teure Sache, denn schon
die Karten kosten meist über 50 $ pro Person.
Letzter Schultag und Graduation - Die Zeit schien förmlich zu rasen, schon bald war der letzte
Schultag. Alle machten noch einmal Fotos, unterschrieben in meinem Jahrbuch und schon war
auch dieser Tag vorbei. Am Samstag war Graduation für alle Seniors, also auch für mich. Alle
Seniors, Lehrer, Eltern und Freunde hatten sich in der Turnhalle versammelt. Dann wurden wir
nacheinander aufgerufen und haben unser Diplom bekommen, zum Ende wurden noch die
Hüte in die Luft geworfen und somit war die Highschoolzeit beendet.
Am Abend haben sich alle Seniors noch mal in der Schule getroffen zum sogenannten Project
Graduation. Wir wurden über Nacht in die Schule eingeschlossen und man konnte sich beim
Bullenreiten, Boxen, Billard spielen und vielem mehr vergnügen. Zum Ende hatten wir sogar
einen Hypnotiseur, der die Schüler hypnotisiert hat.
Bye Bye - Nun war es soweit, es sollte wieder nach Hause gehen, na ja fast jedenfalls. Meine
Eltern hatten mich von Wisconsin abgeholt und dann haben wir, zusammen mit meiner
Gastschwester, noch drei Wochen Urlaub in Florida gemacht.
Ich kann nur sagen, es war ein wunderschönes Jahr in Amerika und ich würde es jeder Zeit
wieder machen. Vielleicht werde ich nach dem Abitur auch in Amerika studieren. Jedenfalls
fliege ich bestimmt bald wieder zu meinen Gasteltern und Waukesha zurück, denn irgendwie
tief in mir drin bleibe ich jetzt wohl für den Rest meines Lebens ein „Cheesehead“...
Tina
Über meinen Auslandsaufenthalt in den USA im Jahr 2002/03 (GIVE)
Als ich endlich im September 2002 den lang erwarteten Brief bekam, in dem meine neue
Adresse für ein Jahr stand, war die Aufregung natürlich sehr groß. Ich würde vier Tage später
im Flieger nach Chico, Kalifornien sitzen. Mein Glück konnte ich natürlich noch gar nicht fassen.
Der Sonnenstaat Kalifornien. Mein Traum wurde wahr, ich werde wirklich dazugehören zur High
School, dem Sport, dem School Spirit und natürlich auch dem alltäglichen amerikanischen
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Leben.
Schon im Flugzeug hatte ich das Glück die Offenheit der Amerikaner kennen zu lernen, denn
der nette Herr der neben mir saß half mir sofort alles auf dem fremden Flughafen zu finden. Als
ich schließlich nach über 30 Stunden auf den Beinen in Chico ankam, musste ich gleich mit
dem ersten Problem kämpfen. Als ein hilfsbereiter Mann auf dem Flughafen nach dem
Nachnamen meiner Gastfamilie fragte, meldete sich eine Frau. Als ich dann als ihre neue
Gasttochter vorgestellt wurde, verzog sie ihr Gesicht und sagte sie erwarte keinen
Austauschschüler. Das war ein Schock.
Zum Glück löste sich mein Problem als nur wenige Minuten später meine Gastfamilie erschien
und mich Willkommen hieß. In dem neuen Haus angekommen war ich sofort überwältigt, es sah
fast genau so aus wie in den Filmen. Das lustige war aber, dass mir zwei Dackel entgegen
rannten und mich erst einmal anknurrten. Das war also die Familie die mich in ihr Heim
aufnahmen. Eine Gastmutter, Gastvater und zwei Dackel.
Gleich am nächsten Tag ging meine Gastfamilie mit mir zur Schule um zu entscheiden, in
welche Klassenstufe ich kommen und wie mein Stundenplan aussehen sollte.
Beim Stundenplan hatte ich nicht all zu viele Freiheiten, da ich ja hier in Deutschland die 11.
Klasse anerkannt haben wollte, nichtsdestotrotz stand Tanzen und Theater mit auf dem
Stundenplan.
Die nächsten Wochen hatte ich vor allem mit dem Jet Lag zu tun, aber daran kann man ja
nichts ändern. Mit der Sprache hatte ich nicht all zu große Schwierigkeiten da ich mit meinem
recht guten Wortschatz fast alles (wenn auch in etwas primitiver Weise) umschreiben konnte.
Dennoch, nach einigen Wochen konnte ich schon fließend Englisch, wenn auch noch mit
einigen grammatikalischen Fehlern und vokabularen Lücken, aber wenn man nur noch Englisch
spricht gewöhnt man sich schnell an die neue Sprache.
In der Schule bin ich auch recht schnell hinterhergekommen auch wenn ich erst einen Monat zu
spät kam, aber die meisten Lehrer erließen mir den Stoff nachzuholen.
Das waren also meine ersten Eindrücke von den USA.
Nun möchte ich ein wenig auf meine Betreuung durch die Austauschorganisation eingehen.
Eigentlich hatte mir die Organisation mitgeteilt, dass ich meinen Area Rep (Betreuer) entweder
am Flughafen oder innerhalb einiger Tage sehen sollte, das war nicht der Fall. Als sich mein
Area Rep dann nach gut einem Monat meldete, stellte sich heraus, dass ein Missverständnis
innerhalb der Organisation vorlag, aber auch ohne sie habe ich die ersten Wochen ohne
Probleme gemeistert. Den Rest des Aufenthaltes wurde ich super betreut und hatte immer
einen Ansprechpartner, wenn nötig. Es wurden mehrere Treffen mit den Austauschschülern der
Region organisiert und man konnte sich über Erfahrungen austauschen.
Das Wichtigste, was für ein gutes Zusammenleben mit der Gastfamilie zu beachten ist, ist
immer über Probleme zu reden und gemeinsam eine Lösung zu finden. Denn das war der
Hauptgrund weshalb ich meine Familie gewechselt habe.
Nach ca. 3 Monaten stellte sich heraus, dass meine Gasteltern einige Probleme mit mir hatten.
Nach einigen Gesprächen mit meinem Area Rep und der Gastfamilie wurde ich dann in eine
andere Familie vermittelt. Die Zeit bis zum Wechsel haben wir eigentlich alle versucht so normal
wie möglich zu reagieren um es nicht unnötig schwer zu machen.
Am 16.12.02 bin ich dann in die neue Gastfamilie gekommen. Diese hatte auch zwei kleine
Kinder mit denen ich mich auf Anhieb gut verstand. Dort blieb ich dann auch den Rest des
Jahres.
In allem war mein Jahr in den Staaten ein super Erlebnis, welches ich nicht rückgängig machen
will. Ich kann nur jedem sagen der vor hat ins Ausland zu gehen, auch im Ausland gibt es
Probleme und zu jedem Problem gibt es eine Lösung. Ihr müsst nur Ausdauer zeigen und die
"Krisenzeiten" überstehen, dann wird euer Jahr sicher ein großer Erfolg.
Ines
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Abschlussbericht über ein Schuljahr in den USA (2002/03 – Organisation STS)
10 Monate sind eine sehr lange Zeit! Das glaubte ich zu mindest, als ich mich dazu entschieden
habe ein Jahr nach Amerika zu gehen. Meine Organisation war STS und ich bin sehr zufrieden
mit denen gewesen.
Man hat mich von Anfang an gut betreut und mich auf meinem Aufenthalt in den USA
vorbereitet, indem sie mir viele Informationen über das Land, Kulturen und Sitten zu schickten
Wenn ich Fragen hatte, konnte ich mich auch gleich telefonisch bei den Betreuern melden.
Endlich im Gastland angekommen, wurde ich von meiner Gastfamilie freundlich am Flughafen
empfangen. Vom Flughafen aus sind wir dann gleich in den nächsten Supermarkt gefahren und
ich bin fast umgefallen, denn so eine Auswahl an Essen hatte ich vorher noch nie gesehen.
Sonst habe ich mich aber schnell an meine Gastfamilie gewöhnt und ich hatte auch weiter keine
Probleme mit ihnen. Ich habe mich gleich mit ihnen gut verstanden, vor allem mit meiner
Gastmutter. Wenn ich Probleme hatte, bin ich immer gleich zu ihr gegangen und habe mit ihr
darüber geredet.
Den ersten Schultag in einer High School werde ich nie vergessen.
In der Schule um 7:15 a.m. angekommen, wusste ich nicht, wo ich eigentlich hingehen sollte.
Doch zum Glück, ging meine Gastschwester, die ein Jahr jünger ist als ich, auf die gleiche
Schule und somit hat sie mir bei vielen Dingen geholfen. Was ich an den High Schools so toll
finde, sind die Schließschränke. Doch das mit dem Schloss öffnen hätte ich mir leichter
vorgestellt. Jedenfalls, bin ich dann den ganzen Tag mit meinen Büchern rumgerannt, doch den
nächsten Tag hatte ich dann den Trick raus, wie das Schloss nun aufgeht.
Meine Kurse hatte ich dort so belegt, dass ich die 11. Klasse nicht noch mal wieder holen
brauche. Das einzige Problem war nur, dass kein Französisch an dieser Schule unterrichtet
wurde.
Die Feiertage waren sehr schön, denn ich konnte endlich mal eine andere Kultur kennen lernen.
Zu Weihnachten habe ich noch nie so viele Geschenke bekommen. Was mich aber sehr
enttäuscht hat, war Sylvester. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wird nicht in das neue
Jahr reingefeiert. Kein Feuerwerk, keine Partys, einfach nichts. Wir haben dann am 31.12 nur
rumgesessen und ferngesehen- wie spannend. Das war aber das einzige was mich enttäuscht
hat.
Meine schönsten Erlebnisse waren meine Reisen nach Los Angeles, Houston und Washington
D.C.. Die Reise nach Los Angeles habe ich von meinem Gasteltern geschenkt bekommen. Die
ganze Familie ist nach LA geflogen. Wir haben uns dort ein Auto gemietet und sind damit bis
zum Grand Canyon gefahren. Diesen „ Road Trip“ werde ich nie vergessen.
Die Reise nach Houston, Texas und Washington D.C. wurde mir dadurch ermöglicht, dass
Verwandte von meiner Gastfamilie dort wohnen und ich sie besucht habe. Den Flug habe ich
alleine bezahlt, was ich auch wollte, und ich wollte es auch alleine bezahlen, denn meine
Gasteltern haben schon so viel für mich getan.
Bevor ich in die Staaten geflogen bin, habe ich Bafög beantragt gehabt und erhalten. Dadurch
konnte ich mir vieles Leisten was ich sonst nicht hätte machen können, z.B. die Flüge nach
Houston und Washington. Sonst bin ich aber recht sparsam mit meinem Geld umgegangen.
Nur zum Ende des Schuljahres habe ich noch mal viel ausgegeben, weil dort der Schulball
stattgefunden hat.
Die 10 Monate sind wie im Flug vergangen. Was ich jedem empfehle ist, dass wenn man die
Möglichkeit hat in ein Sportteam zu kommen, sollte man das unbedingt machen. An kleinen
schulen, gibt es keine Tests um Teammitglied zu werden, denn dadurch lernt man viele Leute
kennen und man lebt sich schnell ein. Man denkt dann nicht so oft an Zuhause.
Das Jahr in Amerika war eine Erfahrung, die ich nicht missen will. Ich werde meine Freunde nie
vergessen und spare jetzt schon für ein Flugticket, sodass ich nächsten Sommer wieder für
einige Wochen dort hin kann, was für 10 Monate mal mein Zuhause war.
Franziska
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10 Monate in den Vereinigten Staaten von Amerika (2002/03 – GIJK)
Der 28. August 2002 war mein Stichtag. Um 4 Uhr morgens begann meine Reise ins
Unbekannte. 10 Monate im Ausland, genauer in den United States of America, standen vor mir.
Was genau ich erwartete, wusste ich nicht. Als ich im Flugzeug saß, war ich einfach nur
verzweifelt und verstand nicht ganz, worauf ich mich da eingelassen hatte. Von Berlin ging es
nach Frankfurt, wo ein großes Treffen, all derer, statt fand, die sich auch für ein Auslandsjahr
entschieden hatten. Allgemeine Nervosität war deutlich zu erkennen und nachdem dann auch
die Letzten eingecheckt hatten, konnte das Flugzeug, mit dem Ziel New Jersey, endlich starten.
Nach 8 Stunden und 15 Minuten erreichten wir unser Ziel und damit begann für mich eine Reise
mit vielen Abenteuern, Hoch und Tiefs und vielen Trauer- und Freudentränen.
Ich lebte in einem kleinen Dorf, genannt Lawtons, im Staat New York in der Nähe von Buffalo
am Eriesee. Zusammen mit meinem Gastpapa John, meiner Gastmama Arlene und meinem
Bruder Zachery lebte ich in einem schönen alten Haus mit einem riesengroßen Grundstück mit
Wald, Felder und einem Badeteich. Mein Zimmer war sehr klein und ich brauchte einige Zeit bis
ich mich so eingerichtet hatte, dass ich mich dort wohl fühlte.
Die High School lag im benachbarten Ort und war im Gegensatz zu meiner deutschen Schule
mit 374 Schülern sehr klein. Jeden Morgen wurde ich von einem typisch gelben Schulbus
abgeholt mit Countrymusic im Hintergrund. Jeden Tag fuhren wir die gleiche Strecke und
sammelten dieselben Leute ein. Ich war vom ersten Tag an bekannt wie ein bunter Hund,
obwohl ich nicht der einzige “Ausländer” war. Noch ein Junge, auch aus Deutschland, war
schon einige Wochen vor mir angekommen und deshalb schon bekannt und beliebt.
Störte mich allerdings nicht wirklich, da ich sehr viel mit mir selber zu tun hatte. Von allen wurde
ich ausgequetscht, immer dieselben Fragen und neugierigen Blicke. Trotz der vielen
Aufmerksamkeit fiel es mir sehr schwer mich einer Gruppe anzuschließen. Ich hatte mir das
Freunde finden leichter vorgestellt. Doch die ersten 3-5 Monate hatte ich sehr große
Schwierigkeiten mich anzupassen und die Zeit zu genießen. Ich vermisste meine Familie,
meine Freunde und meinen Freund. Einmal die Woche telefonierte ich mit Deutschland. Ob
das zu viel war, weiß ich nicht. Mir tat es jedenfalls sehr gut, denn der Kontakt, mit den
Menschen, die ich liebte war mir in dieser Zeit am Wichtigsten. Meine Gastfamilie gab sich sehr
viel Mühe mir alles so leicht wie möglich zu machen, trotzdem musste ich selber lernen, offen
auf alles zu zugehen und auch Freunde zu finden, Menschen mit denen ich reden konnte, die
mich verstanden und denen ich vertraute. Was in Amerika sehr hoch angesehen wird, ist der
Sport, spielst du in der Schulmannschaft bist du beliebt und wirst auch gut aufgenommen. Ob
man als Ausländer in die Schoolteams reinkommt, hängt von der Größe der Schule und von
den Trainern ab. Ich hatte großes Glück, an einer so kleinen Schule zu sein. Dort durfte jeder,
der wollte, ins Team und auch ich war mehr als willkommen. So spielte ich in den ersten 3
Monaten Volleyball, wir hatten jeden Tag in der Woche Training und alle 3 Tage ein Spiel gegen
eine andere Schule zu bestreiten. Waren diese Spiele außerhalb, wurde mit dem Schulbus
gefahren und nach alter Tradition nach jedem Spiel bei Burger King angehalten.
In den weiteren Monaten erlebte ich viele tolle Sachen. Ich wurde ins Basketballteam
aufgenommen, was für mich eine völlig neue Erfahrung war. Ich war auch reichlich schlecht,
das stellte aber kein Problem dar, ich durfte halt alles neu lernen und Spielerfahrung sammeln.
Dann spielte ich Softball, was auch total super war.
Ich kann nur jedem raten, dass, wenn er kann, er sich in alle Aktivitäten einklinkt, ob nun Sport,
oder Computerclub, Drama oder Kunst. Ganz egal, versucht alles mitzunehmen, denn nur so
lernt ihr Leute kennen, und lernt “the American Way Of Life” zu leben.
Ich begann mich also mehr zu integrieren, lernte auch endlich ein paar Freunde kennen und
lernte auch mich dort wohl zu fühlen, mich mit meiner Situation abzufinden.
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Ich denke, jeder der nach Amerika fährt, wird die Freundlichkeit der Menschen dort zu schätzen
lernen. Alle sind offen und hilfsbereit, manchmal ein wenig egoistisch was ihr eigens Land
angeht.
Ich bekam oft zu hören: “Warum sollte ich mich für ein Land interessieren, das kleiner ist, als
der Staat, in dem ich lebe?” Ein, für einen Außenstehenden, unverständlicher Kommentar. Für
mich, heute, nachvollziehbar aber trotzdem noch keinesfalls verständlich.
Die Amerikaner haben alles, und von vielem zu viel. Ein Beispiel ist das Essen. Jeder, der sich
auf den Weg dorthin macht, sollte mit großer Wahrscheinlichkeit damit rechnen, mehr als 4 Kilo
zuzunehmen. Sie essen zu einer Mahlzeit mehr, als manch ein Deutscher den ganzen Tag isst.
Aber selbst daran gewöhnt man sich mit der Zeit.
Ich lernte sehr viel, nicht nur in der englischen Sprache, sondern auch über mich und über
andere Kulturen, Meinungen und Einstellungen. Ich ging auf Bälle, spielte Theater, machte
Vorträge und schrieb Tests und Aufsätze. Ich machte Urlaub in Florida, sah mehrere Male die
Niagarafälle, beobachtete viele Tierarten, die ich nicht kannte, und bekam den Irakkrieg aus
einer amerikanischen Sicht mit.
Ich litt und lernte wieder neu zu vertrauen. Ich fand mich in einer fremden Welt zurecht und am
Ende wollte ich auch gar nicht mehr nach Hause. Amerika ist nicht das Land der unbegrenzten
Möglichkeiten und manchmal muss man wirklich aufpassen, was man den Leuten so erzählt,
aber es ist ein Land, in dem man viel entdecken kann.
Ich machte dort meinen amerikanischen High School Abschluss und könnte damit jetzt dort
studieren, doch ob ich noch mal dort für so eine lange Zeit leben wollte, weiß ich nicht genau.
Ich verbrachte einen Teil meines Lebens dort und möchte es auch nicht missen. Aber jeder, der
sich auch auf diesen Weg macht, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es nicht immer
einfach wird. Ich wurde auf so ziemlich alles vorbereitet, aber geholfen hat es mir nicht.
Niemand kann euch genau sagen, wie es wirklich wird, denn das hängt nicht nur von euch,
sondern auch von eurer Umgebung ab.
Geht mit einem offenen und freundlichen Kopf dort rüber, akzeptiert und respektiert und vor
allem präsentiert euer Land würdevoll. Versucht die Welt ein bisschen kleiner zu machen.
Wenn ihr nach 10 oder 12 Monaten wieder zu Hause ankommt, werdet ihr viele Dinge anders
sehen. Eure Freunde werden nicht mehr dieselben sein. Nichts wird mehr wie früher sein.
Man bezahlt einen hohen Preis, wenn man seine Heimat für einige Zeit verlässt. Man verliert
und man gewinnt und lernt sehr viel fürs Leben. Ich habe jetzt noch viel Kontakt zu meinen
amerikanischen Freunden und meiner Gastfamilie.
Diese Reise war es wert und ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch. Ich kann euch
nur alles Gute wünschen und hoffen, dass ihr den Kopf oben behaltet.
Bye and have a nice day!
Juliane
Ein Schuljahr in den USA (2002/03 - Organisation YFU)
Ich habe im Jahr 2002 ein Vollstipendium vom Schulamt des Landkreises Märkisch-Oderland
erhalten, was mir ermöglicht hat, mein Austauschjahr in den Vereinigten Staaten von Amerika
im Schuljahr 2002/2003 zu bezahlen. Dieses Austauschjahr ist nun leider bereits vorüber und
nun möchte ich gerne einige meiner Erfahrungen und Erlebnisse mit ihnen teilen und
zukünftigen Austauschschülern ein paar Tipps mitgeben, die ihnen einige Ängste, wenn
vorhanden, nehmen sollen und vielleicht die Vorfreude verstärken soll. Dabei will ich keine
Verhaltenstipps geben, da ich der Meinung bin, dass jeder seine eigene Erfahrung machen
sollte.
Die häufigste und auch oft erste Frage, die mir gestellt wurde, war: „Hast du denn keine Angst
vor der Sprachbarriere?“ Diese Frage habe ich dann mit einem klaren „Nein“ beantwortet, weil
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für mich die Sprache keine Barriere darstellte. Sie ist vielleicht eine Herausforderung, aber
genauso sind Gastfamilie, Schule und Heimweh Herausforderungen, die sich in einem
Austauschjahr ergeben. Angst hatte ich vor keinem dieser Dinge. Im Gegenteil, ich habe mich
auf alles gefreut. Na gut, vielleicht nicht so sehr auf das Heimweh, aber das war lange nicht so
schlimm, wie ich erwartet hätte. Alles in allem hat mir diese positive Einstellung geholfen, offen
und locker mit allem umzugehen.
Als erstes musste ich mich natürlich mit meiner Gastfamilie auseinander setzen. Ich hatte eine
Gastmutter, einen Gastvater, einen 13-jährigen Gastbruder und zwei Schwestern im alter von
16 und 19 Jahren. Alle hatten sich schon im Vorfeld auf mich gefreut, obwohl wir noch keinen
direkten Kontakt miteinander aufgenommen hatten. Dies erwies sich als Vorteil, da ich so gut
wie ohne Erwartungen in diese Familie hineingekommen bin, was die Gefahr von enttäuschten
Erwartungen natürlich auf ein Minimales verringerte.
Es hat dann auch nicht lange gedauert und ich hab mich zwar nicht wie zu Hause gefühlt, aber
schon, als hätte ich plötzlich ein zweites Zuhause , zu dem ich gehen kann, wann immer ich
möchte. Alltag zog dann auch dort nach einer Weile ein und ich habe mich, wie jeder andere,
an den häuslichen Pflichten beteiligt und nach ihren Regeln gelebt. Es gab zwar immer wieder
Kleinigkeiten, bei denen ich erst Hilfe brauchte, um sie zu verstehen, aber es gab zum Glück
immer jemanden, der mir zugehört hat und hilfsbereit alles erklärt hat.
Als nächstes fing eine Woche nachdem ich ankam die schon die Schule an. In Deutschland ist
meine Schule ca. 800 Schüler groß und in den USA war sie doppelt so groß. Das war eine
große Umstellung für mich, ganz abgesehen von dem vollkommen anderen Schulsystem in den
Staaten. Aber auch hier kann man sich auf die Hilfe der Schule, Gasteltern und die der
Organisation, mit der man gefahren ist, verlassen. Denn wenn man in diesem Bereich Probleme
hat, sollte man wirklich nach Hilfe fragen. Schließlich verbringt man über 50% seiner Zeit in der
Schule. Das hört sich im ersten Augenblick vielleicht Angst einjagend an, aber erstens sind die
Ansprüche in einer amerikanischen Schule nicht besonders hoch und zweitens lernt man doch
dort seine Freunde kennen.
Besonders, wenn man sich an den vielen angebotenen nachmittäglichen Aktivitäten beteiligt,
lernt man viele Leute kennen und hat das typische amerikanische Erlebnis. Ich z.B. habe im
Herbst Volleyball gespielt, im Winter Basketball angefangen und dann später aufgehört, weil ich
am Musical mitarbeiten wollte. Dort habe ich dann getanzt, geschauspielert und gesungen.
Training und Spiele bzw. Vorstellungen nahmen zwar viel zeit in Anspruch, da man ja auch
noch Hausaufgaben machen musste, aber wenigsten verschwendet man so sein Austauschjahr
nicht vor dem Fernseher. Ich persönlich hatte immer viel zu tun, aber auch jede Menge Spaß.
Zum Schluss möchte ich noch sagen, was mir sehr wichtig ist: Man kann von nichts erwarten,
dass es so ist, wie zu Hause. Die Mentalität, Gewohnheiten und Wertvorstellungen der
Menschen des Landes (egal welches man als Austauschland wählt) sind einfach anders als die,
des Heimatlandes. Das sagt sich jetzt natürlich leicht, aber diesen Fakt musste ich mir jeden
Tag neu vor Augen führen und Toleranz durch Verständnis üben. Man denkt öfter mal: „Oh
Gott, wie können die das denn jetzt so machen?“ Aber für sie macht es Sinn und schließlich ist
es unsere Aufgabe als Austauschschüler, diesen Sinn zu verstehen und neue Wege bzw.
Denkmuster, anders als die unseren zu erforschen. Ich kann nur sagen: Viel Spaß damit und
habt ein tolles Jahr!
Steffi
Erfahrungen während meines Austauschjahres in den USA (2002/2003 – EF)
Schon seit der fünften Klasse war es mein sehnlichster Wunsch ein Jahr lang in den
Vereinigten Staaten zur Schule gehen zu können. Im Sommer 2002 wurde dieser Traum
endlich für mich wahr als ich die Möglichkeit bekam für 10 Monate im Süden Ohios zur High
School zu gehen und bei einer Gastfamilie leben zu können.
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Die Reise dorthin war nicht so anstrengend oder kompliziert wie ich erwartet hatte und trotzdem
konnte ich mir noch immer nicht vorstellen, dass ich jetzt ein Jahr lang bei einer fremden
Familie leben und dort zur Schule gehen würde, selbst dann nicht als ich nach 17 Stunden
endlich an meinem Zielflughafen ankam – Cincinnati, Ohio.
Mit Luftschlangen und Luftballons wurde ich überschwänglich und begeistert von meiner
Gastfamilie und meinen Koordinator und seiner Familie am Flughafen empfangen. Von allen
Seiten wurde neugierig, aber freundlich auf mich eingeredet. Um zu verbergen, dass ich kaum
ein Wort verstand habe ich die ganze Zeit einfach nur mit dem Kopf geschüttelt. Nach zwei
Wochen hatte sich das jedoch gelegt und ich verstand schon fast alles und habe sogar schon in
Englisch gedacht.
Leider haben meine Gastfamilie und ich gar nicht zueinander gepasst, obwohl ich mich mit
meiner gleichaltrigen Gastschwester ganz gut verstanden habe. Es machte mir sehr zu
schaffen, dass ich 5mal die Woche die Gottesdienste zweier Kirchen besuchen musste, und
weder das Haus alleine verlassen durfte noch allein zuhause bleiben durfte. 4 Wochen nach
meiner Ankunft hatte ich endlich die Gelegenheit mit meinem Koordinator darüber zu reden. Er
holte mich sofort zu sich, wo ich mich zum ersten Mal seit meiner Ankunft richtig wohl fühlte.
Mein Koordinator und seine Familie wollten, dass ich weiterhin den Rest des Jahres bei ihnen
lebte, doch das war nicht möglich. Die Organisation duldete es nicht, da sie bereits einen
Austauschschüler aus Deutschland bei sich hatten. Doch das war nicht weiter schlimm, denn
nach 3 Tagen hatte ich schon eine neue Familie in Aussicht. Weitere 4 Tage später zog ich bei
ihnen ein. Es war das Beste was ich tun konnte, denn wir verstanden uns auf Anhieb.
Meine Gasteltern waren etwas jünger als die meisten anderen, er 36, und sie 38. Sie hatten
einen kleinen Adoptivsohn, der erst 5 war, als ich ankam. Mit der Gastfamilie wechselte ich
auch die Schule, von Privatschule zur öffentlichen High School. Auch das war extrem positiv für
mein Auslandsjahr, denn dort fand ich viele Freunde fürs Leben, die ich nie vergessen werde.
Und ich habe Fächer belegen dürfen, die in Deutschland undenkbar sind. Zum Beispiel hatte
ich nur Englisch und Amerikanische Geschichte als Pflichtfächer und konnte mir die restlichen 5
Kurse selbst zusammen stellen. Ich wählte also neben Psychologie 4 verschiedene Kunstkurse.
Mit meinen Lehrern habe ich mich auch sehr gut verstanden und wir halten immer noch
Kontakt. Obwohl Schule meinen Alltag bestimmte hatte ich Gelegenheit die Stadt Cincinnati zu
erkunden.
Cincinnati liegt so sehr im Süden Ohios, dass man innerhalb weniger Minuten 2 angrenzende
Staaten besuchen kann, Kentucky und Indiana. Eine andere Besonderheit Cincinnatis ist, dass
viele deutsche Einwanderer dorthin kamen um dort zu leben, was man auch heute noch an
verschiedenen deutschen Vereinen, Bäckereien, und Restaurants merkt. Die Mutter meiner
Gastmutter kam zum Beispiel nach Amerika als sie knapp 20 war um ihren ebenfalls deutscher
Herkunft stammenden Ehemann dorthin zu folgen. Das hat uns natürlich sehr verbunden und
ich habe die beiden oft besucht und wir haben über Deutschland, Amerika und unsere
gegenseitigen Erfahrungen gesprochen, oft sogar in Deutsch.
Ich war sehr deprimiert als die 10 Monate zu Ende gingen, denn ich habe auch dort ein Leben
geführt und mich nicht als Gast oder Urlauber gefühlt. Ich hätte nie geglaubt das mal zu sagen,
aber ich bin der Meinung mein Zuhause ist in Deutschland und in Amerika. In beiden Ländern,
die auf der einen Seite so gegensätzlich sind und auf der anderen doch wieder so viel
gemeinsam haben, gibt es Leute, die mir wichtig sind und die ich liebe und die ich niemals
aufgeben möchte.
Sarah
Mein Austauschjahr in den Vereinigten Staaten von Amerika (2001/02 – EF)
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Am 2. August 2001 begann mein Austauschjahr in den USA.
Ich flog früh morgens gegen 8.00 Uhr vom Flughafen Berlin Tegel los, und war sehr aufgeregt,
denn jetzt hatte mein neues Leben begonnen. Ich war 2 Tage unterwegs bis ich endlich am
Zielflughafen in Ft. Smith, Arkansas ankam. Meine neue Familie wartete schon auf mich und in
mir überstürzten sich meine Gefühle. Von Aufregung, über Sprachlosigkeit bis zu Zweifeln war
alles dabei, wobei das letzte schnell verflog, nachdem ich so herzlich von meiner Gastfamilie,
den Gossows, empfangen wurde. Schon allein an die Zeitumstellung musste ich mich erst
gewöhnen.
Die ersten Tage waren sehr anstrengend, da ich mich erst einmal einleben musste. Für mich
war vieles neu, die Gastfamilie, die Schule, die Stadt Paris und vor allem die Sprache.
Meine Gastfamilie versuchte mir die Eingewöhnungsphase so angenehm wie möglich zu
gestalten, so dass ich nicht sehr lange brauchte, bis ich mich bei Ihnen wohl fühlte. Es war für
mich immer ein beruhigendes Gefühl, als ich merkte, wie sehr doch meine Gasteltern um mich
besorgt waren.
Wir unternahmen einige Ausflüge, damit ich die Gegend kennen lernte und besuchten
Kinoveranstaltungen, um mich an die englische Sprache zu gewöhnen.
Im August hatte ich auch noch meinen 16. Geburtstag und meine Gasteltern hatten extra nur für
mich ein Fest organisiert. Ich war überwältigt davon.
Von Anfang an hatte ich ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Gastfamilie und Gastgeschwistern.
Zu meiner Gastfamilie gehören die Gasteltern selbst und vier Kinder, wobei zwei der Kinder
nicht mehr in der elterlichen Wohnung der Gossows leben. Sie haben bereits einen eigenen
Hausstand.
Ich teilte mir während des Austauschjahres das Zimmer mit der 14-jährigen Zwillingstochter
Heather und wir haben uns sehr gut verstanden.
Ich hatte nach meiner Ankunft in Paris zwei Wochen Zeit, um mich in meinem neuen zu Hause
einzugewöhnen und dann fing auch die Schule an.
Mein erster Schultag war wirklich sehr anstrengend für mich, denn ich war ja voller neuer
Eindrücke und ich war natürlich sehr aufgeregt, was mich erwarten würde. Meine Gastmutti fuhr
meine beiden Gastgeschwister und mich gegen 8.00 Uhr morgens zu unseren jeweiligen
Schulen. Ich musste mich dann erst einmal in dem Schulbüro des Schulleiters melden, wo mir
ein „Student counselor“ zugewiesen wurde, der mich am ersten Tag durch die Schule führen
sollte, damit ich das Schulgebäude kennen lerne. Er machte mich auch mit dem Schulablauf
vertraut. Vorab wählte ich noch die Kurse, denn in Deutschland hatte ich gemeinsam mit dem
Schulkoordinator des Wriezener Gymnasiums festgelegt, welche Fächer ich während meines
Austauschjahres belegen muss, damit dieses Schuljahr anerkannt wird und ich nach dem
Austauschjahr, weiter zur Schule gehen kann, um mein Abitur abzulegen.
Ich habe folgende Unterrichtsfächer in den USA belegt: Englisch, Biologie, Mathematik,
Amerikanische Geschichte, Kunst, Band und Tastaturschreiben.
Obwohl die Paris High School ungefähr 300 Schüler besuchen, konnte man sich schnell
verlaufen, und daher half es mir sehr, jemanden zu haben, der genau wusste, wo er mich
hinführte. Alle Lehrer und auch Schüler waren sehr höflich und sehr nett zu mir. Anfangs
stellten sie mir viele Fragen, wo ich herkomme und wie es in Deutschland ist und ich hatte
Mühe alle Fragen zu beantworten, denn ich musste immer in der englischen Sprache antworten
und erzählen. Die englische Umgangssprache unterscheidet sich von meinem bisherigen
Schulenglisch und deshalb hieß es für mich immer schön nach fragen, falls ich etwas nicht
gleich verstanden habe. Von Tag zu Tag ging es aber mit der Verständigung besser und bald
war die englische Sprache meine Umgangssprache. Gegen 15:30 Uhr war ich dann zu Hause,
und ich war froh, den ersten Schultag hinter mich gebracht zu haben, und auch zufrieden, dass
ich es geschafft hatte.
Am zweiten Schultag wusste ich ja schon, wie der Schulablauf ist und ich freute mich schon
sehr auf die Schule. Ich hatte besonders viel Spaß an meiner ersten Kunststunde, denn meine
Lehrerin hatte den Unterricht sehr interessant gestaltet. Dazu kam, dass ich mich nur auf das
Zeichnen konzentrieren musste, nicht auf das Verstehen der englischen Sprache.
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Was ich sehr interessant fand war, dass wir jeden Tag die ersten 20 min. der ersten
Unterrichtsstunde dafür nutzten, „Channel One“ zu gucken, eine spezielle Fernsehsendung, die
extra für Schulen ausgesendet wird.
Nach amerikanischen Schulregeln war es Pflicht diese Sendung in jeder ersten
Unterrichtsstunde zu gucken. Das Programm dieser Sendung enthielt Anti-Drogenkampagnen
und alltägliche Probleme, die es anscheinend in den USA immer öfter gibt. Ich fand es eine
gute Idee, so eine Sendung jeden Tag auszustrahlen, da sie mich und auch die anderen
Schüler zum Überlegen und Nachdenken anregte.
Dann folgte der eigentlich richte Anfang der ersten Unterrichtsstunde, und das richtige Lernen.
Danach hatte ich zwei Stunden Englisch. Meine Englischlehrerin nahm sehr viel Rücksicht auf
mich, und erklärte mir anfangs alles mehrmals, damit ich alles verstand, was im Unterricht
durchgenommen wurde. Ich konnte so dem Unterricht besser folgen
Auch meine Mitschüler zeigten Verständnis für meine Anfangsschwierigkeiten und halfen mir
mich einzugewöhnen und vor allem ein Mitglied ihrer Klasse zu werden. Wichtig fand ich es von
Anfang an, auf die amerikanischen Schüler zu zugehen und vor allem immer zu reden, also
offen zu sein. Ich musste mich von Anfang an durchfragen, das half mir mich einzuleben.
Nach der zweiten Unterrichtsstunde erwartete ich eine Frühstückspause, so wie ich es von
Deutschland gewöhnt war, aber wie ich schnell feststellen musste, gab es so etwas in Amerika
nicht. Ich konnte mich nur schwer daran gewöhnen bis 11.45 Uhr nichts zu essen. Es war eine
große Umstellung für mich.
Unsere Cafeteria war ziemlich groß für so eine kleine Schule, aber meine Mitschüler der Klasse
halfen mir, mich zu Recht zu finden, darüber habe ich mich sehr gefreut.
Nach 45 min Mittagspause ging es weiter zu Amerikanischer Geschichte. Dieses Schulfach
hatte mir die meisten Probleme während des Austauschjahres bereitet, aber ich habe dieses
Fach nach anfänglichen Schwierigkeiten und mit vielen Bemühungen gemeistert.
Eine meiner Lieblingsstunden folgte gleich danach, Mathematik. Mein Lehrer war sehr jung, und
verstand es sehr gut, sein Wissen an uns Schüler weiter zu geben.
Am besten gefiel mir aber, dass es sich nur um Zahlen drehte, und ich keine englischen
Vokabeln anwenden musste. Das war immer sehr entspannend für mich an einem komplett
englischsprachigen Tag, zumindest in der Anfangsphase, als ich mich an die englische
Umgangssprache gewöhnen musste. Das allerdings legte sich mit der Zeit.
In der siebten Unterrichtsstunde war dann die Bandprobe angesagt, an der ich auch teilnahm,
da ja mein Bestreben war, weiterhin Klarinette zu spielen, wie ich es in meiner Heimatstadt Bad
Freienwalde tue. Die Bandprobe war ein Unterrichtsfach an der Paris High School und somit
fester Bestandteil des Unterrichtsplanes. Meine Gastmama holte mich und ihre leiblichen
Kinder, die Zwillinge von der Schule ab, und dann ging es nach Hause zu den Gossows.
So vergingen die gesamten Schulwochen, wie ich es anfangs beschrieben habe. Jeder
Schultag verlief vollkommen gleich, somit konnte ich mich schnell eingewöhnen. Von 8.05 bis
15.15 Uhr hatte ich Unterricht. Im Anschluss daran verbrachte ich ca. 1 ½ Stunden mit
Freizeitaktivitäten wie Klarinette spielen oder Softballtraining, ehe es nach Hause ging.
Bei meiner Gastfamilie hatte ich es mir zu Aufgabe gemacht den Abwasch zu erledigen, der
täglich anfiel. Ich war ja ein festes Mitglied der Familie und deshalb beteiligte ich mich auch an
der Hausarbeit.
Im gesamten Austauschjahr habe ich die meiste Zeit in der Schule verbracht.
Gegen 17 Uhr war ich jeden Tag zu Hause, wo ich dann noch lernen musste und meine
Hausarbeiten anfertigte. In Amerika läuft vieles in der Gemeinschaft ab. so dass auch
Freizeitaktivitäten in der Schule absolviert werden.
Während meiner Schulzeit an der Paris High School habe ich das schreiben am PC nach dem
10-Fingersystem erlernt und ich bin sehr glücklich darüber, denn es war ein zusätzliches Fach,
das ich absolvierte. Hinzukommt, dass ich mich englisch sehr gut verständigen kann und dass
ich lernte, mich in einen für mich völlig neuen und unbekanntem Leben zu recht zu finden. Für
meine Entwicklung hat mir dieses Austauschjahr sehr viel gebracht. Ich habe eine mir fremde
Kultur und Sprach kennen gelernt und mich mit einen Amerikanischen Schulsystem vertraut
gemacht. Des Weiteren habe ich gelernt mit fremden Menschen zu Recht zu kommen und
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Freundschaften aufgebaut. Ich habe viel über mein Leben in Deutschland erzählt und versucht
meiner Gastfamilie, meinen Lehrern und Schülern ein Stück deutsch Geschichte zu vermitteln.
Am letzten Donnerstag im November feierten wir „Thanksgiving“. Ich weiß es noch, als wäre es
gestern gewesen, die ganze Familie war anwesend, und es war echt sehr schön. Wir hatten 2
Truthähne, und es dauerte ewig, ehe das Essen fertig war. Wir hatten eine Menge Salate, und
Nachtische, so viel wir essen wollten. Da meine Gastmama zu dieser Zeit sehr krank war,
konnte sie uns nicht helfen, die Speisen anzurichten, aber das war kein Problem, denn mein
Gastpapa, ich und die anderen haben das auch gut alleine geschafft. Als wir dann am
Essentisch saßen, ging es der Reihe nach und jedes Familienmitglied sollte sagen, für was er
dankbar sei, genau wie man es immer im Fernsehen sehen kann. So richtig traditionell eben.
Ich verbrachte einen wunderschönen Tag im Kreise meiner Gastfamilie.
Das waren die einzigen freien Tage, die wir vom Schulbeginn bis Weihnachten haben sollten. In
den verbleibenden 4 Wochen bis Weihnachten gingen schon alle Vorbereitungen für dieses
Fest an. Meine Gasteltern waren schon dabei Geschenke einzukaufen und konnten es gar nicht
erwarten, dass das Fest begann. Dazu kam, dass wir mit der Tanzgruppe von meiner
Gastschwester gleich nach Weihnachten nach Nashville/Tennessee wollten, da dort ein
wichtiger Wettbewerb für die 15 Mädchen der Teams angesetzt war. In dieser Zeit hatten wir
alle sehr viel Stress, aber es sollte sich lohnen, wie sich dann Weihnachtstag herausstellte.
Meine Gastschwester und ich teilten uns ihr Kinderzimmer und am 24. Dezember 2001 hatten
wir so viel Spaß, dass wir uns die ganze Nacht unterhielten. Wir konnten es gar nicht erwarten,
endlich die Geschenke aufmachen zu können. Wir spielten Spiele, und durften aber nicht mehr
in unsere Wohnstube, da dort alles noch einmal bis auf das letzte Geschenk eingepackt wurde.
Das war alles so aufregend. Morgens gegen 4 Uhr in der früh sind wir dann aufgestanden und
haben Geschenke ausgepackt. Ich habe mich sehr über alles gefreut, und es war ein richtig
schönes Fest. Wir hatten viel mehr Geschenke, als ich es für möglich gehalten hätte, eben
genau so, wie ich es mir vorgestellt habe.
Im Laufe des Tages fingen wir dann noch an, unsere Sachen zu packen, und uns startklar zu
machen für unseren „Urlaub“, der nach Nashville/Tennessee ging.
Wir verbrachten dort ca. 7 Tage und hatten eine Menge Spaß bei dem Wettbewerb von meiner
Gastschwester Heather. Es gab eine Menge u sehen, und wir hatten nicht wirklich genug Zeit,
da wir natürlich immer auch als Fans des Tanzteams fungierten. Alles in allem hatte ich eine
sehr schöne Zeit dort, denn ich konnte sehr viel Zeit mit meiner Gastfamilie verbringen, und das
war es, worauf es bei mir ankam. Am 31.12.2001 gingen wir dann abends, immer noch sehr
erschöpft von der langen Fahrt, die wir am vorherigen Abend zurückgelegt hatten, zu meiner
EF-Betreuerin Vernette, um Silvester zu feiern.
Nun sollte auch schon das zweite Semester meines Austauschjahres anfangen. Ich entschied
mich, aus der Band auszutreten, und mich in sportlichen Aktivitäten zu engagieren, wobei ich
Softball wählte.
Eigentlich fing das Training schon vor den Weihnachtsferien an, aber so richtig startet es erst
Anfang Januar. Unser Trainer übte so oft wie möglich mit uns, und nachdem ich herausfand,
wie man diesen Sport spielte, war ich sehr glücklich, ihn gewählt zu haben.
Meine Gastmama fing zu dieser Zeit auch an in meiner Schule zu arbeiten, was ich sehr schön
fand. Sie betreute an der Paris High School einen autistischen Jungen. Ich hatte so auch in der
Schule Kontakt zu meiner Gastmutti, zumindest in den Pausen. So vergingen die Wochen der
Schulzeit, mit Softballtraining nach der Schule sehr schnell, bis dann am 14. Februar
Valentinstag war. Ich hatte ja schon viel darüber gehört, aber wie es in Amerika sein würde,
hätte ich nie gedacht. Die ganze Bibliothek füllte sich im Laufe des Tages mit Blumen und
Geschenken, und es war wirklich unglaublich. Viele Leute nutzten den Tag, um ihren Kindern
ein Geschenk zu schicken, denn das ist der einzige Tag, an dem das Schulgesetz es zu ließ.
Ich bekam auch ein kleines Geschenk von meinen Gasteltern und darüber habe ich mich sehr
gefreut, es war ein Teddybär und eine Rose.
Zwischen Januar und April hatten wir, die 11 und 12-Klässler in der Schule dann auch eine
Menge Sachen zu organisieren, was den Abschlussball Ende April betraf. Dafür gab es eine
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spezielle Gruppe von freiwilligen Schülern, die sich um den Saal, die Platzierung, das Essen,
usw. kümmerten, zu denen ich auch zählte. Es kostete uns auch die kommenden 3 Monate, um
alles unter Dach und Fach zu bringen, aber es hatte sich gelohnt.
Am 27. April 2002 war es dann soweit, unser Abschlussball. Es war alles wie im Traum, die
wunderschönen Kleider, alle Mädchen perfekt geschminkt und zurechtgemacht, einfach
unbeschreiblich. Der Abend verflog wie im Schlaf, und danach wussten alle, dass sich der
Aufwand, und die viele Organisation gelohnt hatte.
Am 13. und 14. April 2002 sind meine Gastfamilie und ich nochmals mit der gesamten
Tanzgruppe zu einem Tanzwettbewerb gefahren, dieses Mal aber nach Oklahoma
City/Oklahoma. Diese Fahrt war etwas ganz besonders für mich, da wir einen Ausflug zu dem
Denkmal von dem Bombenanschlag machten, und ich habe mich sehr für dieses schreckliches
Ereignis interessiert, vor allem nach dem
11. September 2001. Es war sehr ergreifend für mich, sich dieses Denkmal anzuschauen und
die Hintergründe der Tat zu erfahren. Ich war froh, die Möglichkeit gehabt zu haben, als
Austauschschüler, dieses Denkmal besuchen zu können.
Am 10. Mai 2002 war dann mein letzter Schultag als Senior (Zwölfklässler) an der Paris High
School in Paris, Arkansas, da alle 12.-Klässler das Privileg hatten, eineinhalb Wochen früher
aus der Schule zu kommen, vorausgesetzt, sie haben die 12. Klasse bestanden.
Wir hatten an dem Tag Sportfest und ich fand es sehr ergreifend, sich von allen Schüler, und
auch Freunden zu verabschieden, denn ich habe die meisten von ihnen danach nicht mehr
sehen können. In der darauf folgenden Woche hatten wir am Donnerstag noch eine
Graduationsprobe, bei der wir übten, wie wir uns bei der Graduation zu verhalten hatten, wo wir
lang zu laufen hatten und vor allem, wo wir unser Diplom bekommen würden. Ich war so
aufgeregt und auf der anderen Seite auch traurig, denn schon bald war mein Austauschjahr
vorbei.
Am 17. Mai 2002 war es dann soweit, der Tag auf den ich die ganzen 10 Monate gewartet
hatte, war gekommen, meine Graduation.
Ich konnte es nicht fassen, ich stand dort in meiner blauen Robe, mit meinem kleinen Hütchen
auf dem Kopf und ich sollte schon bald mein Diplom bekommen, das schien so unwirklich. Alle
waren so aufgeregt und wollten es hinter sich bringen, und dann ging alles so schnell. Wir liefen
alle in die Turnhalle, wie den Tag zuvor geplant und dann fing es auch schon an. Nach ein paar
Reden bekamen wir endlich unser Diplom. Ich konnte es gar nicht realisieren, denn jetzt hatte
ich nur noch knapp eine Woche mit meiner Familie.
Ich war so glücklich, dass ich mein Austauschjahr erfolgreich abgeschlossen hatte, und meine
Gastfamilie war so stolz auf mich. Ich werde nie vergessen, wie meine Gastmama sich für mich
gefreut hat und im gleichen Moment weinen musste, da ich bald wieder meine Heimreise
antreten musste.
Es war nie ein Thema bei meiner Gastfamilie, wann ich nach Hause fliegen würde, denn sie
wollten auch nie darüber reden, sie haben es immer gut verstanden es zu verdrängen. Ich fand
das nicht gerade gut, aber es half uns sehr, wenigstens die letzten Tage zusammen zu
genießen. Wir hatten an dem letzten Tag vor meiner Abreise noch eine kleine Party, bei der ich
mich noch von meinen engeren Freunden verabschieden konnte. Wir hatten ein
Beisammensein geplant und so war es dann auch.
Der Tag meiner Abreise war wohl der schlimmste Tag in meinem ganzen Austauschjahr, aber
das hatte ich auch schon angenommen. Natürlich hatte ich ein Abschiedsgeschenk gekauft für
meine Gastfamilie, denn sie waren in den zehn Monaten für mich da und haben mir geholfen,
mich in dem neuen Land zu Recht zu finden. Ich wollte mich mit meinem Abschiedsgeschenk
für alles bedanken. Ich habe mich bei Ihnen sehr wohl gefühlt. Bevor wir am Abflugstag zu
Flughafen fuhren, hatten meine Gasteltern und ich noch ein Gespräch in ihrem Wohnzimmer
und dort bedankte ich mich noch einmal für alles, was sie mir in den vergangenen 10 Monaten
gegeben hatte an Wärme, Zuneigung, Geduld und Zugehörigkeitsgefühl.
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Nicht nur, das sie mich in ihrer Familie ohne irgendwelche Bedenken aufgenommen hatte, aber
besonders dafür, dass sie mich so behandelt haben, als wäre ich eines von ihren eigenen
Kindern, das werde ich nie vergessen.
Wir haben an diesem Tag auch sehr viel geweint und ich konnte mir nicht vorstellen, von
meiner dortigen Heimat weg zu müssen, da ich es auch gar nicht wollte. Unsere Beziehung war
sehr eng geworden, fast schon familiär. Am 29. Mai 2002 hieß es Abschied nehmen, denn
meine Eltern und meine Schwester warteten zu Hause in Deutschland auf mich und das
Austauschjahr war beendet. Ich habe noch zwei Schuljahre zu absolvieren und jetzt heißt es für
mich erst einmal, mich in meiner Heimat einzuleben und meine letzten beiden Schuljahre zu
absolvieren. Ich halte weiterhin Kontakt zu meiner Gastfamilie und zu einigen meiner
Klassenkameraden in Paris. Ich hoffe und wünsche mir, sie einmal wieder sehen zu können.
Ich war und bin sehr, sehr froh, dass ich die Möglichkeit hatte, ein Jahr als Austauschschülerin
in Amerika verbracht zu haben, denn dieses Jahr hat sehr zu meiner Persönlichkeitsentfaltung
beigetragen. Ich habe Freundschaften über die Ländergrenzen hinaus knüpfen können und was
auch wichtig für mich ist, dass ich meine englischen Sprachkenntnisse erweitert und
vervollkommnet habe.
Jacqueline
Ein Bericht über meinen USA-Aufenthalt (2001/02 – Organisation EF)
Als aller erstes möchte ich sagen: „Es lohnt sich an einem Austauschjahr teil zunehmen!“. Man
lernt eine neue Lebensweise, die Geschichte, die Gewohnheiten der Menschen in einem
anderen Land kennen und natürlich eine neue Sprache! Außerdem lernt man sich
selbstständiger im Leben zu bewegen, wird selbstbewusster und aufgeschlossener.
Ich fing erst wenige Tage vor meiner Abreise an, zu überlegen, was ich denn alles für ein
ganzes Jahr einpacken sollte.
Als ich dann alles beisammen hatte, wunderte ich mich, dass nur ein Koffer voll war. Den haben
wir dann mit Mühe und Not Draufsetzen und Drauflehnen zu bekommen. Ich habe schon
wochenlang vorher die Tage bis zur Abreise gezählt, konnte es kaum erwarten. Auf der
anderen Seite hatte ich auch immer ein komisches Gefühl, die Eltern und das gewohnte Leben
zu verlassen. An den letzten paar Tagen hab ich mich mit einer „goodbye-party“ von meinen
Freunden und Verwandten verabschiedet.
Das alles war aber wie weg und vergessen, als ich in Oklahoma City mit Verspätung als Erste
aus dem Flugzeug stieg und meine Gastmutter meinen Namen rief. Ich ließ all mein
Handgepäck fallen und hab erst einmal jeden einzelnen umarmt. Ich kannte meine Gastfamilie
von einem Foto, das ich per Internet von meiner Regionalbetreuerin zugeschickt bekommen
habe und ein paar unverständlichen Telefonaten. Ich habe also bei den Bullers in Oklahoma
gelebt, wo es relativ kalte Winter und heiße Sommer gibt.
Am Anfang sah ich nur Felder ringsum, doch die ländliche Gegend gefiel mit immer mehr.
Meine Gasteltern, zwei Gastbrüder und eine Gastschwester und der ganze Rest der großen
Familie haben es mir leicht gemacht mich einzuleben und mich schon nach einiger Zeit wie ein
richtiges Familienmitglied zu fühlen. Ich hatte immer so viel zu tun, dass ich gar keine Zeit hatte,
jemanden aus Deutschland zu vermissen.
Die Zeit verging wie im Fluge: Schule, Sport, Feiertage, Familienfeiern, cruisen, shoppen,
Rodeos, Konzerte und Vieles mehr ...
Auch Weihnachten war ein ganz besonderes Erlebnis für mich. Da meine Großmutter 4 Töchter
und Söhne und auch 5 Geschwistern hatte, haben wir durch die riesig große Familie
mindestens 7mal Weihnachten gefeiert. Wir haben sehr viel gegessen, Spiele gemacht und
sehr viel herumgeplaudert.
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Wenige Tage bevor die Schule anfing, hat mir mein damals zukünftiger Direktor geholfen,
meinen ganz eigenen Stundenplan zusammenzustellen. Die Schule hat mir sehr viel Freude
bereitet. Sehr überrascht war ich vom Lehrer-Schüler Verhältnis. Die Lehrer waren immer für
uns Schüler da und auch bei allen Freizeitveranstaltungen dabei.
In der Schule ist immer was los. Ich war zum Beispiel im Showchoir, im Softball-, Basketball-,
und Trackteam. Man sollte sich auf jeden Fall sportlich betätigen, denn macht man Sport in
Amerika ist man bekannt. Außerdem macht Sport im Team sowieso sehr viel mehr Spaß und
man findet schnell Freunde und kommt viel rum. So haben wir zum Beispiel bei den statefinals
in Oklahoma City im Basketball mitgespielt und sind dritter geworden. Sogar einige Schüler,
Eltern, Verwandte und Lehrer sind hinterher gereist um das Schulteam anzufeuern.
Schoolspirit wird eben ganz groß geschrieben. Ganz besondere events waren unter anderem
auch Football- und Basketballhomecomming, der Christmasball und natürlich am
Schuljahresende die Prom. Das tagelange shopping mit meinen Freundinnen um auch ja das
richtige Kleid zu finden war echt toll.
Dieses Jahr ist ein so wertvolles Erlebnis! Ihr solltet alles Mögliche mitmachen und Erfahrungen
sammeln. Die Freunde und Eindrücke kann Euch keiner nehmen und man wird diese auch nicht
schnell vergessen.
Zu meinem Aufenthalt muss ich sagen, dass ich sehr zufrieden bin, wie alles abgelaufen ist. Es
gab gute wie auch schlechte Zeiten, aber letztendlich zählt nur die Erfahrung.
Pauline
Abschlussbericht über meinen Aufenthalt in den USA (2001/02 – GIVE)
In meinem folgenden Bericht, werde ich versuchen auf meine gesammelten Erkenntnisse,
Erlebnisse, sowie auf meine Zukunftspläne einzugehen und zu beschreiben.
Zuerst möchte ich Ihnen meine Vorfreude auf die lange Reise in die USA schildern. Ich
empfand es als sehr aufregend, das erste Mal meine Sachen zu packen, ohne auch nur eine
Ahnung zu haben, was mich erwarten würde. Trotz dieser Ungewissheit und Anspannung,
freute ich mich sehr auf die Reise.
Am meisten freute ich mich, die amerikanische Lebensweise, die Menschen, die High School
und das typische amerikanische Essen kennen zu lernen.
24. August 2001, der Tag meines Abflugs war gekommen.
Der Flug war okay. Die Ankunft war etwas ganz besonderes, ich sah das erste mal meine
Gasteltern. Wir begrüßten uns, machten uns bekannt, aber alles lief sehr freundlich und offen
ab. Das machte mir Mut.
Meine Gasteltern welche in New York lebten, waren, wie ich dachte, sehr nette Menschen. Sie
zeigten mir New York, gingen mit mir zu den US Open, gingen mit mir Essen, machten mit mir
Hausaufgaben und noch einige andere schöne Dinge. Auch die Schule machte mir keine
Probleme. Ich fand schnell Freunde, auch dadurch begründet, weil Austauschschüler immer für
die Amerikaner etwas Besonderes sind.
Der 1. Monat war wirklich schön, ich hatte kein Heimweh und fühlte mich wohl. Doch dann
begann eine sehr schwere und harte Zeit für mich.
Meine Gasteltern waren sehr streng zu mir, ich durfte nicht telefonieren, mich nur unter
Kontrolle mit Freunden treffen, den Computer selten benutzen und einfach nichts alleine
unternehmen. Ich fühlte mich wie in einem goldenen Käfig.
Dennoch die größten Probleme machte mir leider meine Gastmutter. Ich hatte Gefühl sie
mochte mich nicht und dass sie mir nicht vertraute. Warum sie sich so merkwürdig verhielt,
weiß ich nicht. Auf jeden Fall fühlte ich mich immer anders, aber nie wirklich akzeptiert.
Sie versuchten mich zu erziehen, obwohl ich mich sehr bemühte, sie nicht zu enttäuschen und
das Vertrauen in mich wachsen zu lassen. Aber anstatt das sich de Situation besserte, wurde
es immer schlimmer.
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Ein Beispiel möchte ich an dieser Stelle erzählen. Da ich nicht nach Deutschland telefonieren
durfte, bzw. sehr selten, vertiefte ich meine Freundschaft mit einem von Pat´s Schülern (er ist
Lehrer), sein Name war Lou. Er war mein bester Freund und fast wie ein Bruder für mich. Mit
ihm durfte ich ab und zu telefonieren. Ich hatte eine halbe Stunde, länger durfte ich nicht
telefonieren. An diesem Tag, telefonierte ich mit ihm und ständig fühlte ich mich belauscht. Ich
telefonierte 33min. Daraufhin kam meine Gastmutter und war so böse auf mich so dass sie
mich als Strafe, zur Schule laufen ließ. Der Weg war ungefähr 2 Kilometer lang. Ich war sehr
traurig darüber. Mein Gastvater war an diesem Wochenende verreist und wusste von all dem
nichts. Zwischen mir und meiner Gastmutter kam es immer wieder zum Streit. Ich weinte viel.
Es war so schlimm.
Als ich von der Schule wiederkam, sagte mir meine Gastmutter aus heiterem Himmel, dass sie
mich in ihrem Haus nicht mehr haben möchte und dass sie mir nicht vertrauen würde.
Sie schmiss mich raus. Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Ich hatte niemanden zu dem
ich hätte gehen können, aber sie bestand darauf, dass ich noch am gleichen Tag das Haus
verlasse. Also packte ich meine Sachen und musste zu meinem Verantwortlichen Area Rep.
gehen. Das war der schlimmste Tag in den USA für mich.
Als mein Gastvater davon erfuhr, war er sehr traurig, aber es war zu spät, ich wollte nicht mehr
zurück. Das Problem war nur, dass sich keine neue Gastfamilie so schnell finden lies. Also blieb
ich bei Donna und Lenny, die auch sehr lieb zu mir waren.
Doch für mich war alles nicht mehr so, wie es zum Anfang war. Ich litt mittlerweile darunter,
dass ich auf Grund der neuen Situation meiner Freunde aus den Augen verlor, weil sie einfach
nur zu weit weg wohnten, ich musste die Schule wechseln und fand keine so richtigen Freunde
mehr. Es wurde immer schlimmer für mich, obwohl alle sehr nett zu mir waren. Ich kam aus
meinem Tief nicht mehr raus und beschloss das Programm schon nach 6 Monaten
abzubrechen.
Als ich diese Entscheidung fällte, war ich bereits 2 Monate bei meinem Area Rep., also
insgesamt schon 5 Monate in den USA. Donna und Lenny hatten auch einen Gastschüler aus
Deutschland, er hieß Nils, er war schon ziemlich lustig, also sehr nett. Was aber auch
vorschrieb, dass ich nicht dort bleiben durfte, weil 2 deutsche Austauschschüler nicht in einem
Haus leben durften. Aber ich hatte Glück. Ein Nachbarpärchen war bereit mich aufzunehmen,
wenn ihre Austauschschülerin Marina, (mit der ich mich sehr gut verstand) nach einem halben
Jahr wieder nach Deutschland zurück kehren würde. Sie hatte nämlich von vornherein nur ein
Semester als Austauschschülerin geplant.
Ihre Gasteltern waren ebenfalls sehr nett und auch sie waren über meinen Entschluss, vorzeitig
zu gehen sehr traurig, aber sie verstanden es.
Weihnachten kam und ich muss sagen, dass war wirklich eine schöne Zeit. Den
Weihnachtsbaum schmücken, Geschenke einkaufen gehen und überhaupt war das mit die
schönste Zeit für mich. Wir fuhren sogar nochmals nach New York, trotz des Anschlages vom
11. September.
Zu diesem Tag noch einmal ein paar Sätze. Ich war erst einen halben Monat dort da passierte
es. Es war ein furchtbarer Tag. In meiner Schule war alles außer Rand und Band, viele weinten,
brachen zusammen oder waren einfach nur still. Auch ich war sehr traurig, am nächsten Tag
konnte man vor unserem Haus den Rauch riechen es waren schwere Tage für alle.
Aber zurück zu Weihnachten. New York ist eine wunderschöne Stadt, besonders zur
Weihnachtszeit. Ich werde diese Bilder nie vergessen z.B. den großen Weihnachtsbaum am
Rockefellercenter oder den Central Park.
Dann kam die Bescherung am 25.12.2001. Alle schenkten und freuten sich, wenn der andere
sich über sein Geschenk freute. Obwohl es ein komisches Gefühl war, am frühen morgen
Geschenke auszupacken. Dennoch es war ein schöner Morgen. Aber nun raste die Zeit davon.
Der Abschied von Lou, TJ, Justin, Brie und Beth und meinen Area Rep. praktisch meine zweite
Gastfamilie fiel mir schwer, aber ich bin froh und war froh wieder zu Hause zu sein.
Alles in allem war mein Aufenthalt eine wirkliche Bereicherung für mein Leben, trotz der
Strapazen und Anspannungen. Ich bin stärker und selbstbewusster geworden und habe gelernt,
mit mir selbst richtig umzugehen und nicht das zu tun, was andere wollen oder erwarten.
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Mein Tipp für andere zukünftige Schüler: Du musst dich anpassen und in der Lage sein Kritik
einzustecken, außerdem musst du versuchen Deutschland zu „vergessen“, damit du dort leben
kannst. Lass dich dennoch niemals unterdrücken und schlucke nicht alles, sondern genieße die
Zeit, die du hast.
Romy
Slowakei
Môj rok na Slovensku (2012/13 – YFU)
(Teilstipendium der Sparkasse MOL)
Ein Jahr in der Slowakei. Als dies meine Freunde hörten, bekam ich nur eine Frage: „Warum
Slowakei?“ Hmm ganz einfach! Für mich ging es nicht darum in ein bestimmtes Land zu fahren,
sondern einfach nur irgendwohin. Also nahm ich mir eine Europakarte und tippte auf die
Slowakei.
Mitte August startete für mich die Reise ins Ungewisse. Nach einer 10stündigen Zugfahrt bin ich
mit anderen Austauschschülern aus Deutschland und Estland in Bratislava angekommen, wo
wir unser 10tägiges Ankunftsseminar hatten und uns elementare Sprachgrundkenntnisse
aneigneten, denn keiner von uns konnte auch nur ein Wort slowakisch sprechen.
Nach 10 Tagen ging es dann für uns zu unseren Gastfamilien, für mich nach Prešov, der
drittgrößten Stadt der Slowakei im Osten des Landes.
Ich lebte dort in einem Haus mit meinen zwei Gastgeschwistern, Gasteltern sowie
Gastgroßeltern. Für mich war dies eine große Umstellung, da ich noch nie zuvor mit so einer
Großfamilie unter einem Dach gelebt hatte.
Zur Schule ging ich mit einer meiner Gastschwestern auf ein evangelisches Gymnasium in
meiner Stadt. Der erste Schultag war ein Gottesdienst in der Kirche. Auch weiterhin mussten
wir jeden Mittwochmorgen zur Kirche gehen, da dies fest im Stundenplan verankert war.
Allgemein gab es einen riesigen Unterschied zur Schule hier in Deutschland. Die Klassen
waren viel kleiner und familiärer und auch die Lehrer-Schüler-Beziehungen waren so
angenehm, dass man sehr gerne zur Schule gegangen ist.
Das Ungewöhnlichste war, dass in den Pausen immer Musik aus den Lautsprechern kam und
dass man sich immer kostenlose Suppe in der Kantine holen konnte.
In meiner Freizeit bin ich je zweimal die Woche zu einer Zeichenschule sowie zu einer
Schauspielschule gegangen. Mit der Schauspielschule sind wir sogar das zweitbeste alternative
Jugendtheater in der Slowakei in dem Jahr geworden.
Ansonsten hatte ich mich immer an Wochenenden mit Freunden in der Stadt in Bars und Cafés
getroffen, in denen ich auch die meisten meiner Freunde kennenlernte.
Die zuerst nicht vorhandenen Sprachkenntnis war natürlich ein Problem für mich. Slowakisch ist
keine leichte Sprache und so brauchte ich auch meine Zeit um diese zu erlernen. In der
Anfangszeit hatte ich fast ausschließlich auf Englisch kommuniziert. Da ich aber ein relativ
offener Mensch bin, hatte ich jeden Tag etwas Neues hinzugelernt und so kommunizierte ich ab
Januar schon fast ausschließlich auf slowakisch.
Von meiner Organisation wurde ich ausgezeichnet betreut. Es gab eine Vorbereitungstagung,
immer wieder während des Auslandsaufenthaltes gab es Treffen und auch nach meinem
Auslandsjahr werden wir noch weiter unterstützt, um uns bei dem nicht ganz so leichten
Einstieg wieder zurück in Deutschland zu begleiten.
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Ich empfehle wirklich jedem ein Auslandsjahr zu absolvieren, da man das ganze Leben danach
aus einer anderen Perspektive sieht.
Vielen Dank an den Landkreis und die Sparkasse Märkisch-Oderland, da sie mich bei der
Verwirklichung dieser Reise unterstützt hatten.
Alex
Dänemark
Erfahrungsbericht Dänemark (2012/13 – Organisation YFU)
Mein Abenteuer begann im letzten Jahr. Die Aufregung, wie ich von meiner Gastfamilie
aufgenommen werden würde, war riesengroß. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich mit
anderen Austauschschülern Entspannungsübungen gemacht habe, um kurz danach vor allen
dänischen Familien meinen Namen, mein Alter und meine Herkunft auf Dänisch kund zu geben.
Meine Gastfamilie hatte bereits einen Austauschschüler vor mir beherbergt und dieser war in
den ersten zwei Wochen auch noch da. Genau wie er habe ich immer noch Kontakt mit meiner
Gastfamilie und wir haben uns versprochen uns auch nach dem Austauschjahr zu besuchen.
Für Hanne und Bent, das sind meine Gasteltern, ist es eine große Aufgabe Gasteltern zu sein.
Es ging für sie nie darum nur Herberge für mich zu sein. Ich habe meine dänische
Verwandtschaft kennengelernt, habe viel von Dänemark gesehen und geschmeckt. Da meine
älteren Gastgeschwister bereits ausgezogen sind, war ich sozusagen ein Jahr lang Einzelkind.
In Deutschland hatte ich mindestens noch zwei kleine Schwestern um mich. Ich habe beide
Situationen zu schätzen gelernt. Doch ich denke, meine Geschwister sind mir dann doch
wichtiger als meine Privatsphäre, die von Geschwistern ja bekanntlich immer gestört wird.
Im Vergleich zu Deutschland ist vor allem die Schule ein großer Unterschied. Am Anfang war es
schwer mit all der Selbstverantwortung klar zu kommen. Mir wurde und wird viel unter die Arme
gegriffen, doch so etwas wie Vokabeltests oder klare Daten für Arbeiten gibt es nicht. In
Dänemark ist es so, dass du so viel Zeit, wie du selber möchtest, in deine Hausaufgaben
investieren kannst. Manche investieren auch gar keine. Allerdings regen sie sich dann auch
nicht über ihre Noten auf. Manche der Hausaufgaben werden abgegeben und benotet und am
Ende des Jahres werden große Arbeiten geschrieben, ansonsten sind alle Noten mündlich.
Jeder Lehrer muss mindestens einmal im Jahr persönlich mit jedem seiner Schüler über seine
Leistungen reden. Und die Frage, die mich am Meisten überrascht hatte, war die meines
Geschichtslehrers, der fragte, wie er mich unterstützen könne. Diese Frage hatte ich an meiner
alten Schule nie gehört und ich hatte den Beruf des Lehrers auch nie in so einem
Zusammenhang verstanden. Seine Lehrer duzt man übrigens und da die Initialen meines
Englischlehrers D.J. sind, wird er von der ganzen Klasse, wir sind ja eine Musikklasse, schlicht
weg DJ.
Für Deutsche ist es eigentlich recht leicht die dänische Sprache zu lernen, da sie sowohl dem
Deutschen als auch Englischen sehr ähnlich ist. Mein Englisch war Anfang des Jahres
allerdings so schlecht, so dass ich mich bereits nach zwei Wochen auf Dänisch und mit Händen
und Füßen unterhalten habe. Mein Tipp an alle Austauschschüler, die nach Dänemark gehen:
Nehmt die deutschen Worte und nuschelt - denkt bloß nicht zu kompliziert. Ich habe auch einen
Kurs besucht, doch da dort viele Asiaten waren und die es viel schwerer mit dem
Sprachenlernen hatten, habe ich den Kurs aufgegeben und habe mir lieber ein paar gute
Bücher aus der Bibliothek ausgeliehen. Zum Beispiel die Harry Potter Bände waren sehr leicht
zu lesen, da ich sie mehrmals auf Deutsch gelesen hatte. Es ist ja auch viel leichter Freunde zu
finden, wenn man in der Sprache des Landes spricht, in dem man sich befindet. Es ist auch
total egal, wenn man am Anfang Fehler macht und ab und zu ein mitleidiges Lächeln erntet. In
meinem Austauschland waren die meisten Leute auch eher angetan davon, dass ich es probiert
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habe, denn die Dänen halten sich selber für keine sehr wichtige Nation im internationalen
Kontext und dass jemand freiwillig ihre Sprache lernte finden sie schon ziemlich nett. Allerdings
haben sie dennoch einen unglaublichen Nationalstolz und hissen zu allen möglichen (und
unmöglichen) Begebenheiten ihre Dannebrog (das ist übrigens die älteste Fahne der Welt,
genauso wie das dänische Königshaus das älteste der Welt ist). Es gibt zum Beispiel zum
Hissen der Fahne ganz bestimmte Regeln. Die Fahne darf nie den Boden berühren, nie unter
anderen Fahnen hängen (auch nicht der europäischen) und muss vor Sonnenuntergang wieder
runtergenommen werden. Die Fahne hängt auch manchmal auf Halbmast (zum Beispiel wenn
man sich an den Tag erinnert, an dem die Deutschen Dänemark besetzt hatten oder jemand
gestorben ist). Zu Weihnachten war der ganze Baum mit dieser kleinen Fahne geschmückt und
auch an allen Geburtstagsfesten traf man sie an.
Meine Organisation, YFU, hat mir drei Kontaktpersonen zur Verfügung gestellt. Davon war eine
meine Juniorkontaktperson. Ich hatte jedoch nicht viel Kontakt zu ihr, da sie einen ganz
anderen Charakter hatte als ich. Meine Seniorkontaktpersonen haben sich die ganze Zeit über
sehr gewundert, dass ich mich nur ab und zu meldete, um zu sagen, dass es mir gut ginge.
Aber was sollte ich auch sonst machen, ich hatte keine nennenswerten Probleme. Es wurden
auch mehrer Treffen angeboten, die teilweise nur meine Region und teilweise alle
Austauschschüler in Dänemark betrafen. Einige davon waren auch Pflicht. Für mich war es
besonders am Anfang hilfreich, doch mit der Zeit recht irritierend, da ich ja keine Probleme hatte
und dann zu „Problemwochenenden“ musste. Ich hatte/habe glücklicherweise gute Freunde
unter den Austauschschülern und habe mich blendend amüsiert. Zudem haben mir die
Gesprächsgruppen noch mal aufgezeigt, wie glücklich ich war, dass ich wirklich keines dieser
teilweise schwerwiegenden Probleme hatte.
Ich hatte ein tolles Jahr und als es sich dem Ende zuneigte, konnte ich nicht glauben, dass ich
wirklich zurück nach Deutschland musste, meine tollen Freunde, meine liebe Gastfamilie und
meine super Schule hinter mir lassen sollte und irgendwie zurück auf Start gehen sollte.
Seltsamer weise wäre mein Austauschjahr in Deutschland auch nicht anerkennt worden,
obwohl ich es bestanden habe. Ich hatte und habe auch noch das Gefühl, dass ich hier noch
nicht fertig bin, ich glaube das Abenteuer geht noch weiter. Ohne die finanzielle Unterstützung,
die mir zu teil wurde, hätte ich all diese schönen Sachen nicht erleben können und ich bedanke
mich von Herzen dafür. Ich wurde geprägt und verändert, habe viel über mich selbst, meine
Familie und Gott und die Welt nachgedacht. So viele Denkanstöße wie in meinem
Austauschjahr habe ich selten bekommen.
Meine Zukunft sieht noch recht verschleiert aus. Ich suche immer noch Arbeit, was sich – wider
erwarten - etwas schwierig gestaltet. Vor allem möchte ich gerne mein Abitur bestehen. Danach
will ich eigentlich irgendwann einmal studieren, vielleicht werde ich ein Jahr vor meinem
Studium aber noch Reisen und noch andere Kulturen kennen lernen. Das würde mich sehr
interessieren. Auch mein Studium wird wahrscheinlich in Richtung Sprachen, Kommunikation
oder Musik gehen, denn das sind die Sachen, die mich glücklich machen und die mich
interessieren.
Für jeden Austauschschüler habe ich nur einen guten Rat: Denk immer positiv und sei
freundlich zu allen und du wirst es tausendmal zurückbekommen und ein tolles Austauschjahr
haben.
Rachel
Frankreich
Einmal leben wie „Gott in Frankreich“ (2008/09 – Organisation AYUSA)
Meine Entscheidung, für ein Schuljahr nach Frankreich zu gehen, fiel nachdem ich feststellte,
dass die wenigsten Schüler sich für ein europäisches Land und noch weniger für Frankreich
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entscheiden. Warum auch immer, hatten die meisten wahrscheinlich Angst vor der schwer zu
erlernenden Sprache.
Heute, drei Wochen nachdem ich wieder zurück gekehrt bin, kann ich allen nur sagen: Auch,
wenn einiges nicht perfekt war; das Land ist wunderschön, meine Freunde sind cool, das Essen
exzellent und Französisch spreche ich fast akzentfrei, jedenfalls konnte ich selbst Einheimische
„täuschen“!
Die letzten Monate habe ich immer nur gedacht, dass sie nur nicht so schnell vergehen soll, ich
wollte doch noch länger bleiben… aber am Besten, ich beginne am Anfang.
Ich bin bei den Vorbereitungen für mein Austauschjahr schon vorinformiert gewesen, da sowohl
mein Bruder als auch Freunde bereits im Ausland waren - aber es ist trotzdem bei jedem
anders.
Durch meinen Veranstalter AYUSA hatte ich verschiedene Infohefte zugesandt bekommen und
ein großes Vorbereitungswochenende in Wannsee verbracht. Im Mai schrieben mich meine
Gasteltern an und stellten sich vor. Ich reiste Ende August per Flug und TGV über Paris nach
Limoges und wurde von meinen Eltern, einem älteren Ehepaar mit Hund (Titou) abgeholt.
Leider hatte ich keine Gastgeschwister und lebte etwas außerhalb von Limoges, einer Stadt im
Limousin. Meine Gasteltern haben seit über 15 Jahren Schüler aus vorrangig den Niederlanden
und Deutschland. Sie waren also gerade zu Beginn geübt im Umgang mit noch
Sprachgehemmten und Fremden. Jedes zweite Wochenende verbrachten wir in ihrem
Zweithaus in Montondre. Die Eingewöhnung fiel mir leicht, dank meiner Eltern, die mich in den
Haushalt und ihr Umfeld schnell integrierten. In Frankreich wird das Familienleben groß
geschrieben, das heißt, der Abend und das Wochenende wird in Familie verbracht. Da meine
Gasteltern nicht sehr unternehmungslustig und bewegungsarm sind, wurde die Zeit oft lang für
mich. Auch ist es nicht höflich, wenn man sich in sein Zimmer mal zurückziehen und allein
Musik hören will, so dass ich die meiste Zeit zu Hause mit Hausaufgaben und vor dem
Fernseher verbracht habe. Manchmal konnte ich mit dem Hund raus in den Garten. Während
der Ferien unternahmen wir einen Tagesausflug nach Nantes und im Frühjahr in die Pyrenäen.
Letztlich bin ich ihnen trotzdem dankbar für dieses eine Jahr, habe aber gesehen, dass in
anderen Familien durchaus mehr unternommen und damit mehr erlebt wurde.
Das große „Plus“ in Frankreich war die Schule, meine Klassenkameraden und neuen Freunde,
von denen zwei mich bereits hier in Berlin besucht haben. Mein Lyzeum war wunderschön
nostalgisch alt mit modernen Teilbereichen, Teich im Garten, ca. 2000 Schülern. Ich besuchte
die „Premiere“ – in Frankreich die 12. Klasse, die mit dem Vorabitur abschließt. In der Zeit
belegte ich Geografie, Geschichte, Mathe/Mathewahlpflicht, Sport (Leichtathletik), Französisch,
Deutsch, Englisch und Biologie-Chemie-Physik-Kombination. Das Schuljahr schloss ich mit
Einsen und Zweien ab. Bis Weihnachten nahmen die Lehrer Rücksicht auf meinen
Austauschstatus, danach habe ich alles gesprochen und verstanden. Der Unterricht ging von
morgens 8.00 Uhr bis meistens abends 17.00 Uhr mit Freizeit für Hausaufgaben oder Treffen
mit Freunden zwischendurch. Mit einem Bus konnte ich zur Schule fahren und war dadurch
relativ unabhängig. Manchmal und als Ausnahme konnte ich mit Freunden am Freitag
ausgehen – ansonsten wird hier sehr streng darauf geachtet, dass man so viel Zeit wie möglich
zu Hause ist.
Vielleicht ein Grund, warum viele Franzosen zeitig, wenn sie volljährig sind, selbständig werden
und ausziehen. Da ich einen großen Freundeskreis hatte und von Beginn an mit einbezogen
wurde, war mein Schulalltag abwechslungs- und kommunikationsreich. Deshalb hatte ich wenig
Sprachprobleme.
Bereits zu Hause in Deutschland habe ich gerne gekocht und hier vor allem durch meinen
Gastvater viel Neues gelernt und ausprobiert. Mein dort angelegtes Kochbuch nutze ich bereits
hier wieder und zeige, wie man in Frankreich isst.
Zurzeit versuche ich bei einem Schülerhilfeverein als Nachhilfelehrer für Französisch zu
arbeiten, um die Sprache öfter zu sprechen und mein Wissen weiterzugeben. Ich wünsche mir
und versuche, dass auch andere die Schönheit und Vielfalt dieser Sprache erkennen und
lernen.
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Nach wie vor ist mein Berufswunsch Ärztin zu werden, worauf Frankreich keinen Einfluss hatte.
Ich möchte aber so oft wie möglich in den Ferien dorthin reisen und meine Freunde besuchen.
Zu guter Letzt möchte ich jedem sagen, dass ich, obwohl nie alles optimal ist, es ein ganz tolles
Jahr für mich hatte. Ich musste mehr Selbständigkeit lernen, auch mal zurück stecken, wenn
man anderer Meinung ist oder Ungerechtigkeit akzeptieren. Diese Erfahrungen haben mich
„wachsen“ lassen, was mich schon von meinen Freunden jetzt hier in Deutschland,
unterscheidet.
Ich denke, man kann sich mit genügend Toleranz an eine fremde Kultur und Lebensweise,
Sprache und Umgebung anpassen, Freunde finden – und Gasteltern sind eben nur zeitweilig
und machen auch nur einen Teil des Ganzen aus.
Ich danke dem Landkreis an dieser Stelle nochmals für die Unterstützung durch das erhaltene
Stipendium und wünsche allen, die nach mir ein Austauschjahr erleben können genauso viel
Spaß und Erlebnisse.
Josefine
England
England - Unterschiede fast überall (2013/14)
Ich habe meinen Auslandsaufenthalt nicht über eine Organisation geplant. Damals habe ich von
einer Auslandsmesse im roten Rathaus in Berlin gehört und bin dort hingefahren. Bei der
Messe waren viele verschiedene Organisationen vertreten, für fast alle Länder (Frankreich,
Südafrika). Ich habe mir viele Informationen für England mitgeben lassen und am Ende mich
dann direkt für meine Schule entschieden. Dieses Programm lief nicht über eine große
Organisation mit 100 Schulen zur Auswahl, sondern über eine Lehrerin, die an der Schule
unterrichtete. Daraufhin hatte ich mich bei der Schule beworben und wurde direkt
angenommen. Ende Juni habe ich dann auch meine Gastfamilie kennen gelernt und am
30.,August 2013 ging es auch schon los.
Nach der Ankunft mit dem Flugzeug in Stansted holte uns unsere Betreuerin vom Flughafen ab.
Ich reiste mit 3 anderen Mädchen und einem Jungen zusammen. Mit einem kleinen Schulbus
ging es dann eine halbe Stunde in Richtung Cambridge nach Haverhill in Suffolk. Wir kamen
erst ziemlich spät an der Schule an, wo uns unsere Gasteltern in Empfang nahmen.
Meine Gasteltern wohnen in einem kleinen Wohngebiet 40 Minuten zu Fuß von der Schule und
etwa 20 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Da ich schon vorher Bilder von meiner Gastfamilie
gesehen hatte, war es keine große Überraschung. Das Reihenhaus war von innen ziemlich
modern eingerichtet, trotzdem war es schon anders als in Deutschland, fast jedes Haus hat
einen Kamin auch wenn er nur zur Dekoration ist. Am nächsten Morgen habe ich dann auch
meine Gastschwester kennen gelernt. Sie ist zwei Jahre älter, typisch englisch und ziemlich
chaotisch. Wir waren unterschiedlich wie Tag und Nacht und ich denke meine Gastmutter war
sehr dankbar darüber, dass ich nicht so partywütig war, wie sie.
Die Schule begann eine Woche nach meiner Ankunft. Das Schulsystem ist überhaupt nicht wie
das Deutsche! Am ersten Schultag musste ich mich zwischen verschiedenen
Fächerkombinationen für die Sixth Form, sozusagen die Oberstufe, entscheiden. Man konnte
dort unter anderem Fächer wie Food Technology, Psychology, Sociology oder Media Studies
anwählen, was es bei mir an meiner deutschen Schule überhaupt nicht gibt. Am Ende waren es
dann Finanzen, Media Studies, Mathematik und Biologie für mich. Klassenarbeiten und LK’s
schreibt man in der Sixth Form grundsätzlich nicht, das ganze Jahr wird zielstrebig auf die
Examen im Mai und Juni hingearbeitet. Da ich die Oberstufe besuchte brauchte ich keine
Schuluniform tragen, trotzdem musste ich mich an einen Dresscode halten. Die Oberstufe in
England ist sehr schwierig, weil man nur 4 Fächer in der 12. Klasse hat und nur 3 in der
13.,Klasse, worin man dann seine jeweiligen A-Levels schreibt. Ich hatte jedes Fach sechsmal
die Woche und daher war die Menge an Informationen die zu lernen enorm. Es war so viel
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Information auf einmal, womit nicht nur wir deutschen Austauschschüler Probleme hatten. Der
Sprung von GCSE’s zu A-Level’s ist sehr groß. Die Schule war technisch sehr fortgeschritten,
es gab z.B. keine Kreidetafeln mehr und die komplette Oberstufe plus Austauschschüler
bekamen brandneue Windows Notebooks. Die Schule hatte sogar eigenes Personal, welches
für die Schüler und Lehrer alles kopierte, was so anfiel, 5 IT-Leute die sich um die rund 1000
Computer der Schule kümmerten und extra Leute, die sich nur mit den Lernschwachen
Schülern beschäftigten. Die Schule war riesig im Gegensatz zu meiner in Deutschland. In
England waren wir 1600 Schüler. Man hat im Prinzip jeden Tag neue Leute gesehen.
Auch das Essen war sehr gewöhnungsbedürftig. Die Engländer lieben ihre ‘Chips and Pies‘. Es
gab mindestens einmal die Woche Pommes und jeden Sonntag typisches Roastdinnner, was
im Prinzip aus gebackenen Kartoffeln, einem Braten, Gemüse und brauner Soße bestand. Mein
Gastvater war der bessere Koch von beiden. Meine Gastfamilie ist ein sehr großer Fan von
deutscher Wurst und daher gab es diese auch ab und zu mal.
Am Anfang, so die ersten zwei Monate, hatte ich ein paar Probleme mich einzugewöhnen auch
mit dem Essen und der Lebensweise der Engländer. Man denkt England ist in Europa da kann
es ja nicht so große Unterschiede geben, aber die Unterschiede sind riesig! Die englischen
Schüler sind nicht so aufgeschlossen und interessieren sich nicht so für einen
Austauschschüler, wie wir es in Deutschland tun würden. Es war sehr schwer am Anfang
Freunde zu finden, auch weil es sehr viele Deutsche an meiner Schule gab. Ich hatte
ziemliches Glück, das ich die einzige in meinem Bio Kurs war und es daher einfacher hatte
Kontakte zu knüpfen. Dennoch waren die Lehrer sehr hilfsbereit und haben sich richtig Zeit
genommen wenn es Probleme gab. Es war allerdings schon ziemlich schwer sich an der Schule
zu Recht zu finden, auch nach der Schule, weil es wenig Möglichkeiten gab für Sportvereine
und Freizeitaktivitäten. Meine Gasteltern haben viel mit mir unternommen und mich richtig in die
Familie integriert und meine Gastoma war richtig begeistert, mich kennen zu lernen. Sehr
rüstige Frau mit 87 Jahren!
Fazit
Während meines Aufenthaltes in England sind mir manchmal Zweifel gekommen, ob es die
richtige Entscheidung war ein Auslandsjahr zu machen gerade am Anfang. Dennoch würde ich
es jedem empfehlen! Es war zwar nicht das beste Jahr, das ich je hatte, aber eines der
Erfolgreichsten, Emotionalsten und Erfahrungsreichsten! Man lernt viel dazu, gerade was Kultur
und Lebensgewohnheiten angeht.
Ich denke auch, dass meine Gastfamilie sehr viel dazu gelernt hat, wie wir in Deutschland so
leben und dass es schon große kulturelle Unterschiede gibt.
Es ist einfach eine wahnsinnige Erfahrung, bei null anzufangen und dir in einem fremden Land
ein Leben aufzubauen. Während meines Aufenthaltes bekam ich selber einfach sehr viele neue
Eindrücke und habe tolle Erfahrungen gemacht. Außerdem habe ich auch gelernt, zu schätzen,
was man an seinem eigenen Zuhause hat.
Leslie
Auslandsjahr in England 2002/2003
Der endgültige Tag kam näher und näher - unaufhaltsam. Trotz aller Freude war der Vorabend
dieses Projekts der wohl schlimmste bis dahin gekannte Tag.
Von meinen Freunden konnte ich mich noch mit wenigen Tränen verabschieden, doch der
Abschied am nächsten Tag war verdammt schwer. Nicht des Abschiedes wegen, sondern
wegen der Angst vor dem Ungewissen.
Auch wenn die Vorbereitungen genug schienen - unzählige Gespräche mit Freunden und
Familie - hat sich vor der Flughafentür alles geändert. Alle Erwartungen wurden zunichte
gemacht, da sich dieses komische Gefühl bereits eingeschlichen hatte. Irgendwie bekam man
sofort das Gefühl, dass irgendwie doch alles anders wird, als man es sich vorgestellt hat.
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Am Vorabend, wo ich mich noch intensiv mit dem Kofferpacken beschäftigen musste, haben die
letzten Gespräche noch versucht, meinem Gewissen nur positive Gedanken mit auf den Weg
zu geben. Neben dem Kampf mit der Waage, schließlich sollte ich es schaffen ein ganzes
Zimmer in einen Koffer mit maximal 24 Kilogramm zu packen, fasste ich mit meinen Eltern
nochmals alle Gedanken zum Thema "10 Monate Ausland" zusammen. Doch wie schon gesagt,
es kam dann doch alles anders als vorher gedacht.
Nachdem ich mich dann also meinem Koffer unterwarf, hoffnungslose zehn Kilo Übergewicht alle Wintersachen schon wieder in den Schrank gepackt - rauchte ich meine Zigarette um dann
meine letzte Nacht in meinem Bett zu schlafen. Zum Glück war ich so erschöpft von all dem
Stress, dass ich einfach durchgeschlafen habe, um am nächsten Morgen von meiner Mami mit
einer Tasse Tee geweckt zu werden. Sozusagen als Einstimmung auf die Insel.
Und dahin ging es nun. Glücklicherweise hatte die Frau am Flughafenschalter Nachsicht und
mich nicht für das Übergewicht der Gepäcksachen bezahlen zu lassen. Da zeigte sich dann
wieder, dass Billigflüge nicht nur schlecht sind. Ja, Billigflug, denn ich wollte mich nicht einer
Geld schlingenden Organisation unterwürfig machen. Auch wenn es günstige Umstände für
mich waren, dass ich Familie im Ausland habe, haben meine Familie und ich von Anfang
versucht dieses Auslandsjahr privat zu organisieren - teils aus Protest aber doch hauptsächlich
aus Geldgründen. Dies erwies sich zwar nicht immer als einfach, schließlich mussten wir
Schule, Aufenthalt und Flug selbst organisieren. Die Behausung war schnell gefunden - meine
Tante gab ihr Einverständnis – die Schule war nicht allzu weit entfernt und erklärte sich bereit.
Flüge kann man dann am einfachsten bekommen. Doch nach einem Jahr konnte man leicht im
Vergleich feststellen, wie viel ich sparte. Ich gab meiner Tante 150 Euro Lebenskosten im
Monat, was plus Flugkosten nach wie vor ein gehöriger Unterschied zwischen meinen
Ausgaben und denen, die mit einer Organisation unterwegs waren.
Alles in allem war dieses Jahr eine riesengroße Erfahrung, die denkbar jedem neue und bis
daher ungeahnte Perspektiven geöffnet. Auch wenn ich mich persönlich nicht noch einmal für
so lange Zeit von meinen Freunden trennen würde, ist solch ein Auslandsjahr das Beste, was
einem Menschen in diesem Alter passieren kann. Solch ein Jahr diente mir zur Wertschätzung
von Freunden und dem eigenen Leben. Auch wenn zehn Monate immer länger zu werden
scheinen, bleibt es eine zu empfehlende Erfahrungsreise, so schwer sie auch sein mag. Am
Ende kommt man nach Hause und merkt schon nach wenigen Monaten nicht mehr, die Zeit, die
zwischen all den Freundschaften und Erlebnissen zu Hause liegt.
Benny
Kanada
Ein aufregendes und wundervolles Jahr in Kanada (2005/06 – GIVE)
Vom 2. September 2005 bis zum 3. Juli 2006 hatte ich dank eines Stipendiums des Landkreises
Märkisch-Oderland die Chance in Kanada bei einer tollen Gastfamilie zu leben, dort zur Schule
zu gehen und Land und Leute kennen zu lernen.
Ich wohnte in Maple Ridge – einer Stadt mit etwa 80 000 Einwohnern, nahe Vancouver und der
US-Amerikanischen Grenze gelegen.
Meine Gastfamilie war eine sehr lustige, gemütliche und fürsorgliche Familie, bestehend aus
meinen Gasteltern, zwei älteren Gastgeschwistern und einer Austauschschülerin aus Japan. Ich
habe mich dort immer wohl gefühlt, selbst wenn es am Anfang komisch war, sich vorzustellen
mit wildfremden Menschen für 10 Monate unter einem Dach zu wohnen. Aber ich habe schnell
festgestellt, dass alles nur eine Frage der Gewohnheit ist. Wie auch in Deutschland hatte ich
das Glück nur 3 Minuten von der Schule entfernt zu wohnen. In der Schule belegte ich Fächer
wie Concert Band, Kochen, Buchhaltung, Design, Outdoor Sport und Pflichtfächer wie English,
Französisch und Mathe. Die Schulfächer betreffend empfehle ich euch sehr Outdoor Physical
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Education zu belegen - sofern ihr gerne Ausflüge macht und somit auch öfter mal einen
entschuldigten Tag schulfrei haben wollt. Wir haben beispielsweise während der Winterzeit
mehrere Ski- und Snowshoeingtrips in die Rocky Mountains unternommen, haben Kanutouren
gemacht, sind Beachvolleyball spielen gegangen und vieles andere mehr, was sehr lustig als
auch erlebnisreich war zumal man zu Hause diese Möglichkeiten vielleicht nicht immer geboten
bekommt. Auch nach der Schule ist es empfehlenswert sich Sportteams oder anderen
Aktivitäten anzuschließen, denn dadurch lernt man die meisten Leute/Freunde kennen. Ich
selbst machte bei Cross Country und Track & Field mit. Aufgrund der Nähe zu Vancouver und
der USA machten meine Freunde oder meine Gastfamilie und ich an Wochenenden und in den
Ferien öfter Ausflüge in die Umgebung, wobei man die wunderschöne Landschaft Kanada’s
entdecken kann und viel Spaß hat.
Organisiert wurde meine Reise von GIVE. Diese Organisation hat mir recht gut gefallen obwohl
ich meinen Area Rep (Auslandsverantwortlichen) nie kennen gelernt habe. Das hängt aber
wahrscheinlich auch damit zusammen, dass ich nie Probleme hatte, die ich nicht selber in den
Griff bekommen habe und es deshalb auch nicht unbedingt notwendig war mich an ihn zu
wenden. Schon vor der Reise wurde ein Wochenende organisiert an dem uns Ehemalige von
ihrer Reise berichtet haben und in den ersten Tagen in Kanada hatten wir auch noch ein Treffen
mit allen Austauschschülern unserer Region.
Mein Auslandsjahr in Kanada war ein unvergessliches Erlebnis an das ich mich sehr gerne und
oft zurück erinnere, aus dem ich viele Erfahrungen sammeln konnte und das ich auf keinen Fall
missen möchte. Ich habe Freundschaften für mein Leben geknüpft und natürlich auch meine
englischen Sprachkenntnisse verbessert. Deswegen appelliere ich an all diejenigen, die sich
noch nicht vollkommen entschieden haben: Don’t dream it - Do it!!!
Da dies nur ein grober Überblick über mein Jahr in Kanada ist, könnt ihr euch bei weiteren
Fragen und näheren Informationen auch gerne unter [email protected] an mich wenden.
Karin
Ein Schuljahr in Kanada (2002/03 – Veranstalter STS)
Ich wurde von meiner Organisation STS Sprachreisen GmbH sehr gut betreut.
Ich habe mich an meine Gastfamilie gewöhnt, in dem ich mich größtenteils ihrem Rhythmus
angepasst habe. Probleme gab es eigentlich nicht, trotzdem sechs Kinder zu Hause gewohnt
haben.
Die Schule war einzigartig und sehr gut. Ich habe möglichst viele Fächer belegt, die ich auch in
Deutschland gehabt hätte. Wenn es die Kurse nicht gab, habe ich etwas Ähnliches belegt.
Meine 2.,Fremdsprache wurde ziemlich gut abgedeckt, da französisch zweite Amtssprache in
Kanada ist.
Das nachhaltigste Erlebnis war wahrscheinlich Weihnachten. Da es am außergewöhnlichsten
war. Ich habe alle Feiertage so viel, wie möglich genossen und
auch versucht so wenig wie möglich an meine Familie zu denken, denn wenn ich es gemacht
habe, habe ich Heimweh bekommen.
Ich habe Bafög beantragt und ich habe es erhalten. Ein Austauschjahr ist schon eine sehr
große Investition. Ich möchte keine genauen Beträge nennen, aber eines und das wäre das es
sich trotz großer finanzieller Aufwände lohnt, zu fahren.
Für meine Zukunft sehe ich, dass ich im Ausland studieren werde, wahrscheinlich auch in
Kanada, weil ich dort die größten Möglichkeiten sehe, etwas zu erreichen und auch glücklich zu
werden.
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Nähere Informationen unter e-mail: [email protected]
Matthias
Irland
Irland (2013-2014 Organisation STS)
Ich heiße Jalda, wohne in Müncheberg und bin 17 Jahre alt.
Durch diesen Bericht möchte ich Euch einen kleinen Einblick in mein Auslandsjahr geben und
vor allem möchte ich ein paar Sachen über das Land selbst erzählen. Vielleicht haben andere
Austauschschüler das Land ganz anders erlebt, doch ich möchte Euch hier von meinen
Erfahrungen und Erlebnissen berichten.
Doch am Anfang will ich mich noch mal ganz herzlich bei der Sparkasse und dem Landkreis
MOL bedanken! Dass ich durch das Stipendium von ihnen unterstützt wurde, weiß ich sehr zu
schätzen, denn ohne sie wäre mein Traum, nach Irland zu gehen, wahrscheinlich nicht Realität
geworden.
10 Monate habe ich auf der wundervollen grünen Insel verbracht, auf der es mehr Schafe als
Menschen gibt!
Host family
Ich habe in einer wundervollen Familie in der Nähe von Monaghan gelebt. Ich hatte zwei kleine
Schwestern (3 und 5 Jahre alt). Mit denen habe ich oft gespielt, war spazieren oder habe auf
sie aufgepasst. Die beiden sind echt unglaublich süß! Doch sie sind auch sehr verwöhnt. Mit
meinen Gasteltern habe ich mich ebenfalls gut verstanden. Mit meiner Gastmama konnte ich
gut reden, manchmal habe ich ihr beim Kochen geholfen oder wir haben einfach nur einen Tee
zusammen getrunken. Mein Gastvater ist nicht so ein gesprächiger Mann, doch auch mit ihm
kam ich gut klar.
Wir lebten dort in einem großen Haus auf dem Land. In Irland ist alles sehr ländlich und als
Austauschschüler in eine größere Stadt zu kommen, ist eher unwahrscheinlich. Mit dem Auto
war man in 5 min in der Stadt.
Doch das tolle war, dass unsere Nachbarn die Verwandten waren. So hatte ich next door zwei
Onkels und Tanten, Cousins und Cousinen und meine Gastoma. Es ist kein Tag vergangen, an
dem sie nicht bei uns ihm Haus waren oder wir bei ihnen. Das ist sehr typisch für Irland. Viele
der Familien leben an dem gleichen Ort und wenn ich ihnen erzählt habe, dass meine
Verwandtschaft mindestens 3 Stunden von uns entfernt wohnt, waren sie sehr überrascht.
Manchmal kam es mir vor wie ein kleines Dorf nur aus Verwandten. Es war ganz normal rüber
zu gehen, dort zu essen, zusammen TV zu gucken oder einen Irish-Tea zu trinken. Die Iren
trinken sehr viel Tee (Schwarztee) und gucken noch mehr Fernsehen. Am Anfang war es für
mich komisch, dass der Fernseher fast den ganzen Tag gelaufen ist, doch mit der Zeit habe ich
mich dran gewöhnt und irgendwann fand ich es sogar komisch, wenn der nicht an war, weil es
dann so leise war. Alles ist nur eine Frage der Gewöhnung.
Im November haben wir einen Labrador Welpen bekommen. Das war eine wundervolle
Überraschung für mich, da ich Labradore liebe. Ich war oft mit der kleinen Hündin spazieren
und habe sie erzogen.
In Irland kommt es nicht selten vor, dass Gastschüler die Gastfamilie wechseln, auch wenn die
Menschen sehr Gast freundschaftlich sind. Es kommt nicht jeder Schüler mit jeder Familie klar
und andersherum. Und das ist auch normal. Doch für solche Fälle sind normalerweise die
Koordinatoren da und helfen einem. Ich hatte zum Glück nie große Probleme mit meiner
Familie. Wenn es so gewesen wäre, glaube ich nicht, dass meine Koordinatorin mich
unterstützt hätte. Die meisten Koordinatoren haben sehr viele Austauschschüler und können
sich dadurch schlecht auf jeden einzelnen konzentrieren. Das ist auch verständlich, aber
eigentlich sollten sie im Notfall da sein.
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Church
Dass alle Iren regelmäßig in die Kirche gehen, ist ein Klischee, welches meine Familie nicht
bestätigt hat. Wir waren nur 3 Mal in der Kirche im ganzen Jahr. Und das nur aufgrund einer
Hochzeit, einer Beerdigung und zu Weihnachten. Natürlich gibt es Menschen in Irland, die
jeden Tag in die Kirche gehen und die katholische Kirche ist auch sicherlich weiter verbreitet als
in Deutschland, doch so extrem, wie mir das hier immer erzählt wurde, habe ich es nicht erlebt.
Andererseits ist es auch ganz normal, getauft zu sein, erst die Kommunion und dann die
Firmung durchzuführen. Das stellen sie gar nicht in Frage. Ich habe keinen Iren getroffen, der
nicht getauft ist.
Monaghan
Monaghan ist eine kleine Stadt im Norden von Irland, in der es zwei wunderschöne alte Kirchen
gibt und eine belebte Innenstadt mit ein paar Läden und einem kleinen Shoppingcenter.
Außerdem reihen sich die Pubs nur so aneinander. In Irland ist es sehr typisch, in den Pub zu
gehen, um sich mit Freunden zu treffen, irische Musik zu hören und zu trinken. Doch die
Regeln sind weitaus strenger als in Deutschland, was Alkohol und Zigaretten betrifft. Man darf
erst ab 18 Alkohol trinken und bekommt auch vorher nichts. Auch bei den Clubs und Discos
sind sie sehr streng, doch in manche Pubs kommt man schon rein.
Sport
Außerdem gibt es in Monaghan viele Fitnessstudios, wo viele ATS (Austauschschüler) Sport
gemacht haben. Auch ich war oft im Fitnessstudio. 3 Mal die Woche bin ich morgens vor der
Schule mit meiner Gastmama schwimmen gegangen und nach der Schule dann ins
Fitnessstudio.
In den letzten zwei Monaten hatte ich noch in einem anderen Sportcenter eine Mitgliedskarte.
Dort war ich 4mal die Woche am Abend. Jeden Abend wurden dann verschiedene Kurse
angeboten, wie Boxen, Kettlebell, Pilates, Strech-Flex, Fit 24,...
Freetime
Meine Wochenenden habe ich fast immer mit Freunden verbracht. Entweder hatte ich Besuch,
ich war bei jemanden oder wir haben uns in der Stadt getroffen, was aber schnell langweilig
werden konnte, denn in Monaghan gibt es echt nicht viel zu tun, vor allem nicht, wenn das
Wetter schlecht ist. Oft waren wir auch unterwegs und sind mit dem Bus in andere Städte oder
ans Meer gefahren. Von den verschiedenen Organisationen wurden viele Ein-Tages-Trips
veranstaltet. Dadurch haben wir viel vom Land gesehen. In den Ferien haben wir dann
meistens unsere eigenen Reisen organisiert, sind weggefahren und haben dann dort in Hostels
geschlafen.
School
Die irischen Schulen unterscheiden sich sehr von den deutschen. Schon allein, dass sie in
Irland eine Schuluniform haben, ist ein großer Unterschied.
Ich kann mich noch sehr gut an meinen ersten Schultag erinnern. Am Morgen hat meine
Gastmutter mir gezeigt, meine Krawatte richtig zu binden und ich habe die neue Schuluniform
angezogen. Ehrlich gesagt, sieht man sehr unvorteilhaft aus in der viel zu großen Anzughose
und dem Einheitsgrößenpulli. Die Mädchen konnten sich entscheiden zwischen einem langen
Rock mit Kniestrümpfen (den Rock haben alle gekürzt) und einer weiten Hose. Die ganze
Uniform war blau.
Mein Schulbus hielt immer direkt vor unserem Haus und Schüler von anderen Schulen fuhren
auch mit. Der Vorteil an der Uniform war, dass ich mich an den anderen Kindern meiner Schule
orientieren konnte. So wusste ich, wo ich aussteigen musste.
An meinem ersten Schultag wurden alle Austauschschüler in einen großen Raum gebracht, wo
wir unsere Fächer wählten und in unsere Klassen eingeteilt wurden. Insgesamt hatte ich 9
Fächer (Mathe, Englisch, Französisch, Bio, Religion, Berufsbildung, Kunst, Musik, Sport und
eine Zeit lang Hauswirtschaft). Außerdem hatten alle ATS zusammen beaufsichtigte
Freistunden, in denen wir unsere Hausaufgaben machen konnten. Ich war sehr überrascht,
dass es dort so viele Austauschschüler gab. Doch das ist für Irland sehr normal. In sehr vielen
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Gastfamilien wohnen zwei Austauschschüler. Es ist gut und hilfreich, jemanden zu haben, mit
dem man was unternehmen kann, der auch das neue Gastland kennenlernen möchte und der
sich in der gleichen Situation befindet. So blieben wir ATS eher unter uns. Ich war leider kaum
mit irischen Jugendlichen zusammen.
Nature and Weather
Die Natur ist wunderschön auf der grünen Insel. Es gibt viele Klippen, Strände und
Nationalparks. Außerdem gibt es Berge, von denen man atemberaubende Ausblicke auf das
Meer hat.
Da, wo ich gewohnt habe (im Landesinneren), gab es fast nur grüne Hügel, auf denen Kühe
standen. Ja, die Kuhweiden haben sich nur so aneinander gereiht mit den Farms dazu. Irland
ist zwar sehr für die vielen Schafe bekannt, doch in meiner Gegend gab es nur sehr wenige. Die
meisten Schafe leben im Westen und Süden.
Wald gibt es nur wenig in Irland, die meisten Wälder stehen unter Naturschutz und sind dann
wunderschön! Außerdem gibt es viele Ruinen: Burgruinen, alte Schlösser oder uralte Friedhöfe.
Das Wetter ist sehr ähnlich wie in England. Es regnet fast jeden Tag. Es war wirklich etwas
Besonderes, wenn es mal zwei Tage hintereinander nicht geregnet hat. Vor allem der irische
Winter ist hart. Es ist kalt, sehr windig und stürmisch und dann regnet es fast die ganze Zeit.
Manchmal hat es in der Nacht gefroren, doch Schnee gibt es dort nur sehr selten. Mir kam es
viel kälter vor als im Winter in Deutschland, obwohl es nur manchmal unter 0°C war.
Durch diese Zeit haben auch viele von uns ATS Heimweh bekommen. Manche haben sogar ihr
Jahr abgebrochen, was natürlich nicht nur am Wetter lag.
Language
Bevor ich nach Irland losgezogen bin, war ich nicht gerade eine Leuchte in Englisch. Ich hatte
große Schwierigkeiten zu sprechen und längere Texte zu schreiben. Ich hatte oft das Problem,
dass ich mich nicht getraut habe, weil ich wusste, dass die anderen besser waren. Doch wenn
man in einem anderen Land ist, wo keiner Deutsch spricht, hat man gar keine andere Wahl, als
englisch zu sprechen. Und so habe ich meine Sprachkenntnisse schnell verbessert. Am Anfang
war es noch schwierig, den irischen Akzent zu verstehen. Doch auch wenn ich es nicht
verstanden habe, die Menschen haben es gerne für mich wiederholt. Und nach 10 Monaten
habe ich auch selbst einen Monaghan-Akzent. ;)
Food
Auch das Essen war für mich eine große Umstellung. Die Iren ernähren sich sehr ungesund
und sind dementsprechend auch etwas kräftiger. Es gibt eigentlich nur weißes Toastbrot, oft
Fast Food wie Pommes und sie essen sehr viel Fleisch und Fisch. Als Vegetarier hatte ich es
nicht immer leicht, doch meine Gastmama hat für mich meistens extra gekocht. Dann war das
auch kein Problem. Zum Glück hatten wir meistens Obst und Gemüse da. Meine Gastfamilie
hat mir auch oft etwas mitgebracht vom Einkaufen, wenn ich mir irgendetwas gewünscht habe.
Doch auch das darf man nicht erwarten, wenn man Gast in einer anderen Familie ist. Jede
Familie hat andere Sitten, Einstellungen und Regeln und die muss man akzeptieren, wenn man
ein gutes Miteinander möchte.
Tipps für zukünftige Austauschschüler
Schraubt Eure Erwartungen so tief wie möglich, sonst wird man schnell enttäuscht.
Wenn ihr kaum etwas erwartet, dann könnt ihr auch nicht enttäuscht werden und dann kann es
nur gut werden. Verbringt nicht zu viel Zeit damit, euch vorzustellen, wie es werden wird, denn
zum Schluss kommt sowieso alles anders.
Seid offen für alles Neue und lasst die Situationen einfach auf euch zu kommen.
Versucht, in einen Sportverein rein zu kommen oder andere Freizeitaktivitäten mit
Gleichaltrigen zu machen, denn zu so findet man viel schneller Anschluss und Freunde.
Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass es gut ist, viel zu unternehmen, Neues
auszuprobieren und am Wochenende meistens etwas vorzuhaben. Denn man bekommt schnell
Heimweh, wenn man kaum was zu tun hat und nur in seinem Zimmer am Computer sitzt. Wenn
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ihr Gastgeschwister habt, dann versucht, etwas mit ihnen zu machen und gleiche Interessen zu
finden.
Irland ist teuer. Also plant mehr Geld ein und lasst Euch eure Stimmung nicht verderben,
nur weil manche Dinge mehr kosten.
Macht Reisen in dem Land, wo Ihr seid. So bekommt Ihr nochmal ein ganz anderes
Gefühl für das Land. Ich fand es immer sehr interessant, auch andere Orte und Städte zu
sehen.
Es ist normal, auch mal Heimweh zu haben, oder eine Zeit zu durchleben, in der man
sich nicht so wohlfühlt. Ich hatte diese Zeit auch, doch ich bin daran gewachsen und wenn man
diese Phase überstanden hat, kann man sehr stolz auf sich sein. Natürlich ist es nicht immer
einfach, für ein Jahr von seiner gewohnten Umgebung weg zu sein, von seinem zu Hause,
seiner Familie und Freunden. Doch das wunderbare an diesem Jahr ist, dass man eine
Beziehung zu einer neuen Familie aufbaut, dass man seinen eigenen Weg geht und eigene
Erfahrungen macht, die einem keiner wegnehmen kann. Außerdem lernt man sich selbst viel
besser kennen und findet tolle Freunde. Dieses Jahr gibt Euch eine wunderbare Chance, eine
neue Kultur und Sprache kennen zu lernen. Ihr werdet Euch in diesem Jahr verändern und
wachsen und über Eure Grenzen hinausgehen. Außerdem werdet Ihr lernen, auch in
schwierigen Situationen eine Lösung zu finden.
Ich kann es nur empfehlen, ein Auslandsjahr zu machen. Und ich wünsche Euch viel Kraft und
Freude für Eure Zeit im Ausland!
Wenn Ihr Fragen habt, könnt Ihr mich gerne anschreiben: [email protected]
Jalda
Tagebuch einer Ausreisenden - Irland 2003/04 (Organisation experiment)
Vom 29. August 2003 bis zum 4. Juni 2004 werde ich mein trautes Heim im Brandenburgischen
verlassen und mein Lager auf einer grünen Insel aufschlagen. Die dreifache Mutter Mrs. Carroll
wird mich verwöhntes Einzelkind zehn Monate lang versorgen. In der schier unaussprechlichen
Schule Colaiste Mhuire werde ich ein Schuljahr lang fleißig lernen, wie ich es auch in
Deutschland immer getan habe.
Das hört sich alles ganz problemlos an. Doch wird sich so einiges für mich verändern. Das fängt
mit der neuen Familie an, geht über Schuluniform und ganz andere Unterrichtsform und reicht
bis zu den mir unbekannten Gepflogenheiten des Otto-Normal Iren. Zu guter letzt sprechen die
Leute da drüben kein Deutsch! Nun sprechen sie auch nicht ausschließlich Irisch, was
eigentlich Gälisch ist. Diese Sprache hat in Irland ungefähr den Stellenwert wie das
Plattdeutschen in Deutschland, nur, dass es mehr gefördert wird. Es gibt zum Beispiel auch das
Schulfach Gälisch. Ich denke aber nicht, dass ich es belegen werde. Ich habe sprachtechnisch
ein paar Verpflichtungen, die ich für das Abitur einhalten muss. Leider. Denn so was werde ich
hier nie wieder haben.
Wo wir gerade bei Schule sind. Da drängt sich der Gedanke der Schuluniform auf. Über Vorund Nachteile lässt sich streiten. Die Neugierde schlägt aber nicht nur bei mir Bugwellen. Alle
Freunde und Bekannte sind sehr begierig, mich in Schuluniform zu sehen. Ich werde Fotos
ohne Ende nach Hause schicken.
Bekannt ist Irland beim Bundesdeutschen Biertrinker vor allem für seine Pubs. Diese genießen
dort einen weitaus höheren Stellenwert als vergleichbare Etablissements in Deutschland. Kann
man den Iren nicht verdenken. Dort findet schließlich alles statt. Von Frühschoppen vorm
Kirchengang, über eine Stärkung am Mittag und das Feierabend Guiness bis zu etliche
festlichen Anlässen (Ostern und Weihnachten eingeschlossen). An Alkohol wird es mir wohl
nicht mangeln. Doch da kommt schon wieder diese Schuluniform daher. Wird man nämlich mit
Alkohol und bekleidet mit Uniform erwischt, muss man sich eine neue Schule suchen. Mit
Tabakwaren das Selbe. Gewisse Laster kann man sich in gewisser Kleidung also nicht
erlauben. Meine Güte! Ich werde mir Mühe geben!
Einmal habe ich schon mit ihr telefoniert. Kurz. Ich war sehr aufgeregt und habe so einiges nicht
verstanden und wohl auch so einiges falsch gesagt. Meine Gastmutter! Nun hat sie wie gesagt
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schon drei Kinder, die alle noch zu Hause rumwuseln, und dann holt sie sich auch noch mich
ins Haus! Die Frau muss einen guten Riecher gehabt haben. Bin ich doch das liebste Kind, was
ohne zu Murren und oft auch ohne Aufforderung den Haushalt in Stand hält. Nur hatte ich noch
nie drei weitere Engel mit im Haus. Wovon das eine Engelchen gerade mal anfangen wird zu
Laufen. Man wird sehn!
Befürchtungen habe ich keine. Aber die Neugier ist immens!
So sehe ich nach vorne. Doch was lasse ich zurück? Damit mag ich mich gar nicht
beschäftigen, wird es mir doch nur Kummer bringen. Viele Freunde sind traurig. Jeder
Abschied, auch wenn er nur für 10 Monate ist, wird durch so was erschwert. Von den
Verwandten ganz zu schweigen. Meine Eltern baten mich doch mit ihnen in den Urlaub zu
fahren, was mir sonst freigestellt war. Nur, damit sie noch die restliche Zeit mit mir verbringen
können. Die Großeltern wollen beständig helfen und würden das am Besten tun, wenn sie nicht
so lange Gesichter ziehen würden. Flüchtige Bekannte reagieren anders. Sie wünschen mir viel
Glück und bewundern Mut und Leistung, dort hinzufahren. Locker gehen sie damit um. So
locker wünsche ich mir auch damit umzugehen. Doch ein wenig viel Herzklopfen habe ich
insgeheim schon.
25. August 2003 - Wenigstens keine Schule!
Nun sind es gerade mal noch vier Tage, die mir zum Packen und Vorbereitungen treffen
bleiben. Alle Verwandte und Freunde möchten auch verabschiedet werden. Das eine
Großelternpaar plus Tante, Onkel und Cousin hatte ich schon. Den Großcousin
mütterlicherseits hatte ich auch schon gesprochen. Bleiben noch das zweite Paar Großeltern,
die anderen Großcousins und -cousinen, dazu noch die passenden Großtanten und -onkel. Das
wäre die Familie. Zumindest der Teil, den ich nicht vergessen habe.
Dann kommen die Freunde. Da gilt es zu unterscheiden zwischen den Freunden der Eltern, und
den Freunden der Tochter, also mir. Meine Jugendfreunde haben eigentlich schon eine
Abschiedsfeier genossen, soweit sie da waren. Da müsste man ja sagen, der Rest hat Pech
gehabt, aber das möchte ich dann doch nicht. Wenn man gerade im Urlaub war, konnte man ja
nichts dafür. (In der Bilder-Rubrik findet ihr ein paar ausgewählte Aufnahmen der erwähnte
Feier, für alle, die es verpasst haben.) In die Schule möchte man, beurlaubt und beschäftigt, wie
man ist, auch nicht mehr gehen. Was also tun? Gemeinschaftliches Abschiedskaffeekränzchen
für die ü23 (über 23-jährigen) und Übrigbleiber? Oder jeden einzeln noch mal anrufen oder
treffen um sich zu verabschieden? Letzteres würde einem eine Menge Fresserei ersparen...
Nun, ich werde mir etwas Hübsches überlegen. Bis Freitagmorgen habe ich Zeit.
Ein kleiner Zwischenstand in Sachen Packen: Der erste Koffer ist voll und wiegt 16,4 kg. Es
steht und liegt noch ganz viel Zeug drum herum, was nicht mehr rein gepasst hat. Hoffentlich
sind das nur 3,6 kg, sonst muss ich bezahlen am Flughafen. Sieht allerdings schlecht aus, denn
die Sachen, die nicht gepasst haben waren Schuhe, Bücher, CD's und etlicher Kleinkram, der
nicht Kleidungsstück ist. Muss wohl doch UPS herhalten.
28. August 2003 - Abschied
So viel Aufregung hatte ich ehrlich schon lange nicht mehr. Die vielen Abschiede wurden
langsam zu viel und die ersten Tränen wurden auch schon vergossen. Für die diversen
Abschieds- und Gastgeschenke wurde jeweils noch ein Plätzchen im Koffer frei gemacht. Ich
habe gedacht, dass ich diese Nacht nicht schlafen kann, doch jetzt ist es 22:16 Uhr und ich bin
ganz schön müde. Das wird die Aufregung sein. Der Aufregung schiebe ich auch meine
Erkältung in die Schuhe, die zum schier ungünstigsten Moment kam. Dieser ungehobelte Gast
Aufregung war dann wahrscheinlich auch dafür verantwortlich, dass ich vergessen habe
Handtücher einzupacken. Meine Güte! Ich kann nur beten, dass der Aufregung im Laufe der
Nacht langweilig wird und sie zu jemanden anders zieht. Bis jetzt sieht es allerdings so aus, als
ob sie die Nacht über noch mehr Kraft für den morgigen Tag sammeln will. So ein fieses
Miststück!!! Am Besten, man ignoriert sie. Ja genau, das werde ich jetzt machen! Ich ignoriere
sie. Das gefällt ihr bestimmt nicht und dann geht sie. Das ist gut, so mach ich das!
Liebe Freunde und Verwandte, die ihr dies liest! Macht euch ein hübsches Jahr, ich mach
es mir auch. Bis denn!
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Es ist alles gepackt, was nicht vergessen wurde. Es wurde allen Tschüss gesagt, die nicht
vergessen wurden. Es wurden alle Dokumente weggeschickt, die nicht vergessen wurden. Es
wurde jede Träne geweint, die nicht vergessen wurde. Und ich werde alles vermissen,
vergessen wird nichts.
27. Dezember 2003 – Weihnachten, Fest der Freude und Familie. Familien habe ich jetzt zwei
und da ich die deutsche Familie schon so lange nicht mehr gesehen hatte, entschloss ich mich
Weihnachten nach Hause zu fahren. Ich weiß zwar noch nicht, wie ich all das hier dann wieder
verlassen soll (da werden bestimmt wieder Tränen fließen aber hier zu sein ist wunderschön.
Den größten Part am Gelingen eines Auslandsaufenthaltes hat die Gastfamilie. Danach die
Organisation mit der man reist. Schule spielt wohl auch noch eine große Rolle, aber die zu
wechseln oder zu Hause zu vergessen ist einfacher als eine Familie zu ignorieren, in der man
wohnt.
Ich habe in der Zeit jetzt schon Geschichten gehört, in der entweder Familie oder Organisation
ein Riesenproblem wurden, wo Mädchen das Programm abgebrochen haben oder Betreuer
einfach nicht zu erreichen waren. Die schlimmen Geschichten sind immer die, die weiter erzählt
werden. Ich kann (Gott sei Dank) keine solche Geschichte erzählen. Meine Familie ist
fantastisch, die Organisation ist da, wenn ich sie brauche. Nun ja, es ist irgendwie immer noch
ein Glücksspiel.
Meine Erfahrungen sind durchweg positiv. Die ersten Tage im neuen Heim habe ich nicht
wirklich begriffen, was da vor sich ging. Ich bin einfach in ein neues Haus gekommen mit einer
neuen Familie, alle waren furchtbar nett und haben mich herzlich aufgenommen und alle
Aufregung war einfach weg. In den folgenden Monaten hatte ich ab und zu etwas wie einen
Geistesblitz, in dem mir aufging, was ich eigentlich in Irland mache. Ich bin weißichnichtwieviel
Kilometer entfernt von Zuhause, spreche eine andere Sprache, besuche eine andere Schule,
mit Leuten, bei deren Namen ich teilweise noch nicht mal eine Idee habe, wie man sie schreibt,
und ich werde hier noch viel länger bleiben
Schreib es dick und fett in deinen Kopf und vergesse es nie: „Enjoy your time!“
Man bekommt das nie wieder, es ist großartig! Man überlebt Heimweh, Verwirrung oder
Sprachschwierigkeiten binnen kürzester Zeit.
10. Juni 2004 - A Toast To Hulda
Liebe (Gast)Mutter und Freundin, du warst mir so gut und nah wie eine echte Mutter. Ich weine
dir nach und kann gar nicht fassen, dass ich dich einfach so verlassen konnte. Die Zeit mit dir,
deinen Kindern und deiner Familie war ein wunderschöne und unvergessliche Zeit. Ich hoffe
dich und meine kleinen Schwestern bald wieder sehen zu können und wünsche dir alles
erdenklich Gute und Liebe auf deinem weiteren Weg.
Und nun erheben wir unsere mit Murphy's gefüllten Gläser zum Munde und widmen diesen
Moment der großartigsten Frau mit der ich mir in dem hinter mir liegenden Jahr Heim und
Leben geteilt habe. Fad saol chugat!
11. Juni 2004 – Reflektion Nun, da ich wieder zu Hause bin, ist es an der Zeit die hinter mir
liegende Zeit zu resümieren und auszuwerten.
Ich bin nun endgültig zurück von einem 10-monatigen Aufenthalt in Irland. Ich habe viele neue
Freunde gefunden (Standartantwort) und gerade in meiner Gastfamilie ein neues Zuhause
entdeckt. Ich habe neue Sitten und Gebräuche kennen gelernt (Standartantwort), ein neues
Schulsystem für mich erkundet und eine Fremdsprache zu einer weniger fremden Sprache
gemacht. Ich habe viel gelernt und mich in vieler Hinsicht geändert (so was von
Standartantwort!).
Ich könnte anfangen liebenswürdige kleine Geschichten zu erzählen, um meinen Aufenthalt ein
wenig bildlicher zu gestalten und von den Standartantworten wegzukommen.
Die Familie, in die ich so hineingepurzelt* bin, stellte sich als weniger Irisch aber dafür umso
großherziger heraus. Wie der Familienname Baumann schon verraten lässt, sind die Ursprünge
nicht vollkommen Irisch. Mein Gastopa kommt ursprünglich aus der Schweiz. Er ist Chefkoch
und heiratete eine Irische Dame, die eine sehr talentierte Bäckerin und Köchin ist. Ihr Ältester
ist auch ursprünglich gelernter Koch, der Zweitälteste handelt mit Indischen Möbeln und hat
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eine Französische Frau geheiratet, was noch mehr Geschmacksrichtungen reinbringt. Der
Jüngste ist bei einem Deutschsprachigen Weinhändler angestellt und ist jetzt erst seit 4
Monaten verheiratet. Alle 5 Kinder mögen Essen, wissen es zu schätzen und zu zubereiten.
Eine Gasttante wohnt in Texas und sendet recht oft Päckchen nach Irland, auch mit Essen. Und
nun kam ich als Deutsche noch dazu und hatte Eltern im Heimatland, die fleißig Nudeln,
Vanillezucker, Puddingpulver, Salami, Wein und Käsefondue sendeten. Es gab also von
Couscoussalat, über so was von professionellen Steaks bis zu Irish Stew alles und oft mit
einem guten Glas Wein.
* Wenn man so lange Englisch spricht, entdeckt man Wörter im Deutschen, die einem vorher
nie so bewusst waren. Purzeln ist so ein Wort, wo ich in meinem englisch-sprachigen Gehirn
denke, meine Güte, dass klingt ja lustig. Ein anderes Wort ist Löffel. Da bin ich lange nicht
darüber hinweg gekommen.
Das macht das Leben natürlich sehr viel einfacher und schöner. Trotz diesen Einflüssen habe
ich mich in bestimmte Irische Lebensmittel verliebt. Da wäre die Angewohnheit dauernd Tee zu
trinken, das Buttermilch- und Vollkornbrot, Cracker mit gesalzener Butter, Wheatabix und
Penguin Schokoladenriegel.
Nun könnte man argumentieren, dass Essen bei weitem nicht das Wichtigste ist und die Schule
und meine Erfahrungen dort weitaus wichtiger sind. Da würde ich dann zurück argumentieren,
dass mir auch in der Schule nichtgekannte Essgewohnheiten auffielen. Jeder kennt doch hier in
Deutschland solche Dinge wie Chio Chips oder wie sie auch heißen. In Irland heißen diese
Tayto oder Walkers, werden in ich glaube 125g Päckchen verkauft und in verschiedenen
Geschmacksrichtungen angeliefert.
Am exotischsten ist immer noch Salz & Essig, woran man sich aber, glaubt mir, gewöhnen
kann. Nun also nehmen man sich die durchschnittliche Schulstulle, die aus ungetoastetem
Toastbrot, Butter und Käse oder Kochschinken zusammengesetzt ist, esse den Käse oder
Schinken raus und packe stattdessen die Halbe Tüte Chips pro halbe Stulle rein. Man kann die
Chips natürlich auch so essen. Oder Popcorn. Süßes Popcorn gibt es nicht, dafür aber salziges
oder mit Käsegeschmack. Ich muss gestehen, dass ist viel besser als das süße Zeug.
Nun könnte man argumentieren, dass ich nur Essen im Kopf hätte und es doch so viel mehr zu
erzählen geben müsste als Essen. Da würde ich dann zurück argumentieren das er ja selber
nach Irland gehen soll um das rauszufinden, was ihn interessiert oder mit einfach ordentlich
Fragen stellen. Aber nun gut, ich versuche mein Bestes.
Unvorteilhafter Weise besteht Schule hier wie dort auch nicht nur aus Mittagspausen. Man trägt
Schuluniformen, geht ab und an vielleicht auch mal ins Theater, schreibt zweimal im Jahr große
Examen in jedem Fach und macht alle diese Sachen, die man auch hier macht. Natürlich ist
Schule anders, katholisch und auf Englisch, aber es ist immer noch dasselbe Prinzip.
Viele Leute haben mich gefragt, was ich denn immer so nach der Schule mache. Und ich
antwortete immer: Nicht viel. Nicht das mir langweilig war. Ich bin die große Schwester für drei
kleine blonde Hausgeister und die halten einem mit links beschäftigt. Dann gab es
Hausaufgaben, einkaufen gehen und auch mal einfach nur den ganzen Nachmittag vor dem
Fernseher hängen. Alles wie zu Hause. Und an den Wochenenden konnte man mit Freunden in
die Stadt fahren, mit der Familie Ausflüge unternehmen oder Filme drehen.
Tja, was kann ich noch sagen. Vielleicht dass, als ich diese ganz normale Welt verlassen habe
alles ganz besonders wurde. Viele tausend Tränen rollten auf beiden Seiten und rollen immer
noch. Das war der letzte unhinderlich Beweis gewesen, dass das Jahr ein Erfolg auf der ganzen
Linie war und ich Freunde fürs Leben gefunden habe.
10. August 2004 - Zum Glück gibt es Marianne
Ihr habt so ein Schwein! Es tut mir Leid, dass ich mich hier so vulgär ausdrücken muss, aber so
ist es nun mal. Erstens habt ihr Schwein, dass die Telekom (Gott habe sie gnädig) es nach drei
Wochen geschafft hat den Gewitterschaden zu beseitigen und ich wieder meine geliebte ISDN-
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Leitung zurück habe. Des Weiteren, lieber Leser, hast du außerordentliches Schwein, dass es
Marianne gibt.
Marianne schrieb mir aufgrund dieser Seite und stellte Fragen. Das kommt natürlich auch
jedem anderen Leser zu Gute, da er/sie jetzt auch noch mehr erfährt. Zurück zu Marianne und
ihrer Vorgeschichte: Sie wird demnächst auch die Colaiste Mhuire besuchen und in Carrigaline
wohnen. Hier also ihre Fragen und meine Antworten.
Welche Sachen für die Schule wie z.B. Blöcke, Hausaufgabenheft oder Federtasche kann
ich aus Deutschland mitnehmen und was sollte ich lieber in Irland kaufen?
Hausaufgabenheft gibt es direkt von der Schule zu kaufen, Federtasche mit Stiften und allem
kannst du mitnehmen, gibt es dort aber natürlich alles zu kaufen. Am meisten wird mit
Kugelschreiber geschrieben. Hefter und damit Blöcke werden nur in Ausnahmefällen benutzt.
Allgemein im Gebrauch sind die kleinen A5 Hefte, oder Hardcoverbücher. Da hat jeder Lehrer
seine Vorlieben, die er dir dann mitteilen wird. Aber auch das gibt es da natürlich alles im
Zeitungsladen oder Supermarkt zu kaufen. Wenn du noch Platz hast, kannst du ja zwei oder
drei solcher Hardcoverdinger mitnehmen, da dort alles teurer ist, musst aber nicht.
Mit der Schuluniform das Gleiche. Was sollte ich da mitnehmen?
Die Schuluniform gibt es dort im Schuluniformladen Little Rascals zu kaufen, das wird man dir
aber sicherlich noch zeigen. Du solltest dir für die Uniform mit Hemd, Pullover, Rock,
Strumpfhosen, Socken, Hosen und Schlips 200 Euro zurücklegen. Du kannst auch nur Rock
oder Hose nehmen, musst nur wissen, dass es im Sommer doch hübsch warm und im Winter
schweinekalt ist. Die Materialien sind alle nicht sehr angenehm zu tragen aber darauf kommt es
ja nicht an.
Außerdem hab ich in den Schulregeln gelesen, dass man kein Make-up benutzen darf.
Wie streng wird das gesehen, darf man sich noch nicht einmal einen Pickel abdecken?
So streng wird das mit dem Make-up nicht genommen. Gerade bei den Älteren nicht. Manche
Lehrer nehmen es etwas genauer, andere nicht. Wegen Lidschatten und Abdeckstift wird dich
da keiner anscheißen.
Hast du eigentlich das Jahr in der Schule in Deutschland übersprungen?
Ja, ich habe das Jahr übersprungen und fange schon an zu rudern, wie ich vieles nacharbeiten
soll. Aber so schlimm ist es dann doch nicht. Hört sich im ersten Moment nur so an. Das hängt
auch sehr stark von der Schule ab.
19. August 2004 - Die praktischen Fragen des Lebens
Hier noch ein paar weitere Fragen von Marianne und meine Antworten dazu. Viel Spaß beim
schmökern!
Weißt du zufällig wann die Schule in Irland wieder anfängt?
Die Schule fängt in Irland erst Ende August wieder an. Glaube ich zumindest. Am besten mal im
Internat nachforschen.
Werden alle Austauschschüler in das 4.Jahr eingestuft?
Die Austauschschüler bekommen im Normalfall in den ersten ein bis zwei Wochen die
Möglichkeit zu kucken, was besser geht, um sich dann erst endgültig zu entscheiden.
Welche Farben haben denn das Hemd, die Krawatte und die Strumpfhosen/Socken? Das
Hemd war außerdem auf manchen Bildern weiß und auf anderen so mit blauen Streifen.
So eins mit blau hab ich zufällig bei H&M gesehen und gleich gekauft. Mit der Hoffnung,
dass es passt. Kann man eigentlich irgendwas von der Schuluniform hier kaufen oder
fällt das zu doll auf?
Das Hemd ist weiß mit grauen und blauen Streifen, das H&M Hemd geht also leider nicht. Die
Krawatte ist blau, so wie der Pullover. Der Rock, die Hose und die Kniestrümpfe sind allesamt
grau, die Strumpfhosen wahlweise schwarz oder hautfarben. Die Strumpfhosen wären so
ziemlich das Einzigste, was du hier kaufen könntest. Leider.
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Musstest du dir die Schulbücher kaufen? Haben diese Schreibbücher A4 oder A5 Format,
liniert oder kariert?
Die Schulbücher bekommst du alle von der Schule. Ich habe mir ein paar gekauft, um sie mit
nach Hause nehmen zu dürfen. Die Hefte haben A5 Format und sind liniert, sogar für den
Matheunterricht.
In welchen Fächern musst du denn jetzt so viel nacharbeiten?
Am meisten muss ich in Französisch und Informatik nacharbeiten. In Mathe nur Einiges. Die
Differentialrechnung wurde behandelt, nur eben, wie sollte es anders sein, mit einem anderem
Lösungsweg.
Gibt’s an der Schule Internet?
Es gibt Internet an der Schule, an das man sich leider nicht so sehr verlassen kann. Du kannst
allerdings auch die Bibliothek in Carrigaline benutzen. Man bezahlt 2,50 Euro im Jahr oder so
und kann dann (fast) uneingeschränkt das Internet benutzen.
Ich fliege mit Experiment e.V. Womit bist du geflogen?
Experiment e.V.! Sie mal einer an! Mit denen bin ich auch geflogen. Wenn du dein Jahr
maximal auskosten willst, solltest du Bobby, der Frau vor Ort, nicht so viel erzählen. Zumindest
wenn es darum geht mal bei einer Freundin zu schlafen, Ohne Gasteltern irgendwo hinzufahren
oder nach 9 Uhr noch in ein Pub zu gehen. Ansonsten ist sie eigentlich ganz nett.
Weißt du wie teuer die Fahrt mit den Schulbus ist? (Carrigaline-Crosshaven) Und ob man
die Strecke auch mit dem Fahrrad fahren könnte, bzw. ist es überhaupt üblich in Irland
mit dem Fahrrad zu fahren oder geht das wegen dem Regen gar nicht??
Mit dem öffentlichen Linienbus kostet eine Fahrt 1,40 €, ein Wochenticket 10,50 € und ein
Schülermonatsticket für Cork und Umgebung 50,00 €. Es gibt auch einen Schulbus, was es da
kostet weiß ich allerdings nicht. Es soll jedoch bei weitem billiger sein. Du könntest die Strecke
auch mit dem Fahrrad fahren, wenn du Wert darauf legst jeden Morgen eine Stunde Schulweg
zu haben und dich zum Deppen abgestempelt zu werden. Fahrrad ist eigentlich weniger üblich.
Zu Freizeitzwecken ja, aber nicht so sehr im täglichen Gebrauch. Wahrscheinlich wirklich
wegen dem Regen. Wäre zumindest plausibel.
Wie sieht’s überhaupt mit dem Sport an der Schule aus? Laut Prospekt soll’s ja Tennis,
Basketball, Football... und was weiß ich nicht alles geben.
Ich habe nicht am Sport teilgenommen aber im Unterricht selbst werden verschiedene
Mannschaftsspiele gespielt. Sportmäßig gibt es tatsächlich eine ganze Menge an der Schule,
vieles außerschulisch, also nachmittags. Soweit ich mich erinnere waren die
Basketballmädchen sehr erfolgreich. Ich habe keine Ahnung! Ich bin der absolute "Sport ist
Mord"-Typ.
Was darf man in der Schule eigentlich für Schuhe anziehen?
Zur Schuluniform ausschließlich schwarze Schuhe. Keine Turnschuhe. Und natürlich auch nicht
die sexy Schnürstiefel oder schwarzen All Stars. Neutrale schwarze Schuhe.
Wie sieht’s mit Nachmittags/abend"aktivitäten" aus (Vereine, AGs, Kino, Disko, Clubs...)?
Nachmittags- und Abendaktivitäten haben eine gewisse Bandbreite. Was du schon mal gleich
ausklammern kannst sind öffentliche Partys, Discotheken und Konzerte, es sei denn du bist
schon 18. Hauspartys sind natürlich hoch im Trend. Aber da solltest du vorsichtig sein. Die
kippen sich da grundlos zu. Die ganze Sache kann schon mal gerne ausufern. Und sei vor
allem vorsichtig solltest du zu einer Party von Domenic Holloway gehen, der ist der Schlimmste!
Vereine gibt es für vieles, politische, kirchliche Vereine am meisten. Kino gibt es in Cork oder
auch schon in Douglas, was ein Vorort von Cork ist und näher dran an Carrigaline. In
Carrigaline selber gibt es viele Gymnastik-, Fitness- und Tanzangebote, wo man dann Kurse für
alles Mögliche belegen kann. Außerdem gibt es noch ein kleines Schwimmbad mit einem
kleinen Fitnessklub darüber im Hotel.
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Gibt’s an der Schule so was wie ne Cafeteria oder Schulessen?
Schulessen oder Cafeteria gibt es nicht. Es gibt einen von Schülern unterhaltenen Laden, der
allerlei Süßkram verkauft, aber nichts Vernünftiges.
Hanna
Ecuador
Erfahrungsbericht – Ecuador (2004/05 – Organisation YFU)
Schon früh hat mich das Fernweh geplagt. Ich wollte ein Abenteuer erleben und eine völlig
andere Kultur kennen lernen. Mit diesen eher naiven Vorstellungen gehen wohl viele in ihr
Austauschjahr. Seit der 7. Klasse wollte ich die 11. Klasse in den USA verbringen, letztendlich
habe mich jedoch entschieden nach Ecuador im Westosten Lateinamerikas zu fahren. Oft
wurde ich gefragt „Ecuador?, „Wo liegt das denn?“ oder „Warum fährst du da denn hin?“ Ehrlich
gesagt war ich mir zu diesem Zeitpunkt darüber selber nicht ganz klar. Meine Motivationen
waren Spanisch zu lernen (was übrigens sehr gut klappt auch ohne jeglichen Vorkenntnisse)
und in eine völlig fremde Welt einzutauchen. Also, mein Tipp: Macht eurer Austauschland nicht
von der Sprache, die ihr sprechen oder nicht sprechen könnt, abhängig, sondern sucht euch
das Land heraus, was euch am meisten interessiert. Und, ja, es gibt viele interessante Länder,
die sich für ein Austauschjahr eignen und nicht USA heißen.
Als ich realisierte, dass ich in einem Land angekommen war, dessen Sprache ich nicht
beherrschte und das auch sonst nicht den Anschein machte große Gemeinsamkeiten mit
meinem Heimatland zu haben, war ich vor eine Herausforderung gestellt, mich auf das
einzulassen, was ich sah und täglich erlebte. Dazu muss man sagen, dass die Umstände in
meinem Fall doch etwas unglücklich waren, denn schon nach den ersten zwei Wochen hatte ich
in drei verschiedenen Familien gelebt. Nach diesen anfänglichen Turbulenzen hatte ich doch
das Glück mit lieben Menschen leben zu dürfen.
Die Integrationsphase, die für mich der härteste Teil des Austauschjahres war, ist für jeden
Einzelnen unterschiedlich schwierig. Ich habe meine Organisation YFU (Youth for
Understanding) gründlich ausgesucht und war sehr beruhigt, weil ich wusste, dass unsere
Betreuer gerade in der Anfangszeit, in der man niemanden kennt, für uns da sind. Man darf die
Wichtigkeit der Organisation nicht unterschätzen, denn wenn man erst mal tausende Kilometer
von den Eltern und der gewohnten Umgebung entfernt ist, braucht man Vertrauenspersonen.
Und auch Menschen, die verstehen, was man da gerade durchmacht. Natürlich hat man seine
Eltern, aber die sind mit dieser Situation meist überfordert und machen sich nur unnötige
Sorgen. YFU ist eine gemeinnützige Organisation, dass heißt sie machen keinen Profit. Man
wird während der ganzen Vorbereitungsphase, im Austauschjahr und sehr wichtig auch danach
betreut. Ich kann diese Organisation nur sehr empfehlen, weil sehr intensiv (Vorbereitung,
Betreuung im Gastland, Nachbereitung) etwas für interkulturelles Verständnis getan wird.
Nach den ersten zwei Wochen, in denen mir vieles sehr fremdartig vorkam, hatte ich mich doch
so langsam an den Umstand, dass ich jetzt für ein Jahr hier leben werde, gewöhnt. Und auf
einem Mal stellte sich bei mir große Neugier und Glücklichkeit ein, denn es fing an Spaß zu
machen jeden Tag nur bei den kleinsten Dingen auf Entdeckungstour zu sein. Der einzige
Stolperstein war noch die Sprache, von der hatte ich so gar keinen Schimmer. Das sollte sich
aber in den kommenden Wochen schnell ändern.
Im Unterschied zu Deutschland leben in Ecuador alle Generationen einer Familie zusammen.
So lebte ich mit meinen Gasteltern, deren Sohn und mit den beiden Großmüttern in einem
Haus. Mein älterer Gastbruder wohnte im Haus neben an mit seiner Frau und seiner 2jaehrigen Tochter. Mein ältester Bruder wohnte als ich kam, noch drei Monate mit seiner
französischen Frau im Haus gegenüber. Eine wahre Großfamilie, wo immer was los war.
Generell sind Mädchen im Alter von 17 Jahren sehr eingeschränkt. Man muss immer fragen, ob
man mal etwas einkaufen gehen kann oder sich mit Freunden treffen darf. Das kann schon
nervig werden in der ersten Zeit, doch man gewöhnt sich daran und als Austauschschülerin
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genießt man etwas mehr Freiheit als die einheimischen Mädels. Familie spielt eine große Rolle.
Man ist immer gemeinsam Mittag und am Wochenende gibt es hin und wieder Familientreffen.
Das geht natürlich ganz anders zu als in Deutschland. Man isst viel Fleisch, trinkt gern einen,
zwei oder auch drei und es wird volkstümlicher Cumbia gespielt.
Die Mädchenschule, die ich besuchte war nur fünf Minuten von meinem Haus entfernt und
gehörte eher zu den schlechten Schulen der Stadt. Das soziale Niveau der Schülerinnen war
sehr niedrig und es war sehr schwer Gemeinsamkeiten zu finden und Freundschaften
aufzubauen. Die Schule war in Zweige unterteilt: Soziales, Chemie-Biologie, Sekretärin,
Wirtschaft. Die Austauschschüler wurden in die Abschlussklasse des Zweiges Soziales
eingeteilt, weil wir alle kein Spanisch konnten. Die Schule war für mich ein nicht so wichtiger
Teil des Jahres, erstens weil sie sehr einfach war und ich das meiste schon aus Deutschland
konnte und weil man sich nicht sehr gut um uns gekümmert hat.
Anfangs blieben wir auch in unserer Austausch-Schülerclique, weil wir uns alle so am wohlsten
fühlten und ich habe mich eigentlich nur unter Deutschen wohlgefühlt. Das änderte sich jedoch
sehr schnell. Die meiste Zeit habe ich dann mit meiner Gastcousine, meinem Gastbruder und
anderen Ecuadorianern verbracht. Nach den ersten Monaten merkte ich auch einfach, dass
man sich wirklich nur richtig wohl und heimisch fühlen kann, wenn man so nach und nach
Wurzeln schlägt. Das geht nur wenn man sich stark mit seiner Familie identifiziert und wenn
man den Kontakt zu jungen Leuten sucht. In Ecuador sind alle sehr aufgeschlossen und
neugierig und es verging nicht ein Tag an dem ich die Fragen „Wo kommst du her?“, „Und was
machst du hier eigentlich?“, „Wie lange bist du denn schon hier?“, „Und gefällt es dir auch?“
nicht beantworten musste. Menschen zu finden, die echte Freunde werden, ist aber immer
schwer im Leben und auch als Austauschschüler nur bedingt leichter.
Cuenca, die drittgrößte Stadt Ecuadors hat die ideale Größe. Generell ist Südamerika um
einiges gefährlicher als Europa. Cuenca gilt als sehr friedlich und ist überschaubar und es
machte oft den Anschein als wären alle irgendwie miteinander verwandt, das ist natürlich nicht
so, aber jeder kennt jeden. Binnen kurzer Zeit hatte ich mir das Busnetz erschlossen und
kannte mich gut aus in der Stadt. Die Busse halten auch überall, sie fahren zwar eine festgelegt
Strecke aber es gibt keine Haltestellen. Man stellt sich einfach an den Straßenrand und winkt.
Aussteigen kann man ebenfalls, wo man will. Nach den ersten vier Monaten konnte ich mich
auch schon richtig gut verständigen und hatte schon den Akzent der Cuencaner übernommen.
Unsere Austauschschülergruppe war bis zum Schluss ein fester Anlaufpunkt für uns. Wir sind
echte Freunde geworden und sind den Weg des Integrierens und des Erlernen der Sprache
zusammen gegangen, was oft vieles erleichtert hat.
Dieses Jahr wird niemals aus meiner Erinnerung erlöschen. Ich habe so viel über mich selbst
gelernt und bin an meine Grenzen gekommen. Ich habe Ecuador und speziell Cuenca sehr in
mein Herz geschlossen. Es strahlt für mich die gleiche Sicherheit und das Gefühl von Heimat
aus wie Deutschland. Das ist etwas sehr Besonderes und jeden Tag muss ich daran denken,
dass 10.000 Kilometer entfernt es noch einen Ort gibt, wo ich mich heimisch fühle und wo es
Leute gibt, die an mich denken und für die ich ein Teil ihres alltäglichen Lebens war.
Wieder zurück zu Hause wartet die nächste Herausforderung: Die Re-Integration. Das ist noch
mal wie ein kleines Austauschjahr, weil man sich wieder an sein zu Hause gewöhnen muss und
seinen Platz finden muss. Ich habe das alles gar nicht so realisiert bis die Schule wieder anfing.
Die ersten Wochen waren nicht einfach für mich, doch in Ecuador habe ich gelernt, dass man
sich an alles gewöhnt.
Jenny
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Niederlande
Ein Jahr in den Niederlanden (2002/03 – Organisation YFU)
Es begann alles mit harmlosen Unterhaltungen in der Schule über Schüleraustausche und
irgendwann und irgendwie fing ich dann auch selbst an, mit diesem Gedanken zu spielen. Ich
sah darin viele Vorteile. Ich würde sicher viel selbstständiger und verantwortungsbewusster
zurückkehren und ich würde auf jeden Fall viel lernen in dem Jahr. Vielleicht würde ich nach
meiner Rückkehr die Welt sogar aus einer anderen Perspektive sehen. Jedenfalls war ich über
eine Freundin an eine Broschüre einer Austauschorganisation gekommen und meine Mutter
brachte mir Unterlagen einer anderen Organisation mit. Ich wählte eine der Broschüren aus und
bewarb mich bei YFU (Youth for Understanding). Man konnte bei dieser Bewerbung
Wunschländer äußern. Mein Erstwunsch war Südafrika.
Kurz darauf bekam ich eine Einladung zu einem Auswahlgespräch. Bei diesem Gespräch sollte
man mit einer Gruppe zusammen über verschiedene Situationen diskutieren. Am Ende erfuhren
wir, dass wir einen Brief bekommen würden, der uns mitteilen sollte, ob und in welchem Land
wir unseren Austausch antreten könnten. Einige Zeit später kam dann der Brief mit der
Mitteilung, dass sie mich für einen Platz in den Niederlanden ( mein Drittwunsch ) hätten. wo
genau erfuhr ich allerdings noch nicht. In diesem Brief befand sich dann auch die Einladung zu
einer Vorbereitungswoche. In dieser einen Woche war ich mit anderen angehenden
Austauschschülern, die hauptsächlich Skandinavien als Ziel hatten, zusammen und wir lernten
viel über Kultur, Kommunikation und Identität. So eine Vorbereitungstagung kann ich jedem
empfehlen, der vor hat, einen Austausch zu machen. Nach dieser Woche bekam ich dann
endlich sie Adresse meiner zukünftigen Gastfamilie zugeschickt. Ich war so aufgeregt, weil ich
schon Wochen, ja sogar Monate darauf gewartet hatte. Mein Gastvater ist Kapitän und meine
Gastmutter Hausfrau. Sie wohnen zusammen in Apeldoorn und haben 4 Kinder, von denen 3
nicht mehr zu Hause wohnen. Das 4. Kind wird dieses Jahr in Amerika sein. So stand es
ungefähr in dem Brief. Natürlich suchte ich sofort dieses Apeldoorn auf der Niederland- Karte
und probierte, so viel wie möglich darüber heraus zu finden.
Am 4. August 2002 war es dann so weit: Die Reise sollte beginnen. Meine Familie und meine
beste Freundin kamen mit zum Bahnhof, denn ich fuhr mit dem Zug. Während der Fahrt wurde
mir erst bewusst, dass es nun wirklich kein Zurück mehr gab. Ich war total gespannt und
tausend Fragen schwirrten mir durch den Kopf. Meine „Arearepresentative“ ( meine
Ansprechpartnerin für das ganze Jahr und auch Vermittlerin zwischen mir und meiner
Gastfamilie ) holte mich in Amersfoort ab, weil meine Gastfamilie noch im Urlaub war. Außer mir
waren dort noch ein Mädchen aus Estland, dass mit mir in dieselbe Gastfamilie kommen sollte
und eine Südafrikanerin, deren Gasteltern ebenfalls noch im Urlaub waren. Natürlich erkannten
sie mich sofort an meinem schweren Gepäck und begrüßten mich freundlich mit einem
Willkommensluftballon. Im Haus meiner Betreuerin angekommen, stellte sie mich erst mal ihren
drei erwachsenen Töchtern und ihren Schwiegersöhnen vor. Dann veranstaltete sie eine kleine
Willkommensgrillparty für uns drei. Alle Familiemitglieder wollten viel über uns und unser Land
wissen und es wurde ein langer Abend, an dessen Ende wir alle drei glücklich in unsere Betten
fielen. In dieser ersten Woche, die wir bei unserer Betreuerin und ihrem Mann verbrachten,
zeigt sie uns viel von den Niederlanden. Wir besichtigten Städte und Museen und unterhielten
uns auf englisch. Unsere Betreuerin wollte uns schon ein bisschen mit der Sprache vertraut
machen und klebte an alle Gegenstände Zettelchen mit ihren Bezeichnungen. So wussten wir
schon am Ende der ersten Woche eine Menge niederländischer Wörter.
Zu unserer Betreuerin hatten wir das ganze Jahr über Kontakt und sie hat viel für uns getan und
organisiert. Wir haben zum Beispiel Weihnachtsgebäck mit ihr gebacken oder sie einfach mal
so zwischendurch besucht. auch YFU- Benelux generell hat mehrere Treffen mit den
Austauschschülern organisiert. Wir waren zum Beispiel im September im „ Kröller-MüllerMuseum“ in Hoenderlo ( Nähe Apeldoorn ), im November in Antwerpen und im April in Delft. Die
meisten dieser Treffen waren freiwillig.
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Die zweite Woche verbrachten wir aber verpflichtet mit allen anderen Austauschschülern, die
über YFU in den Niederlanden waren. Wir bekamen Basissprachkurse und wurden in der
niederländischen Kultur unterrichtet. Das war sehr interessant und wir hatten alle viel Spaß
zusammen.
Am Ende dieser Woche wurden ich und die Estin von unseren Gasteltern abgeholt. Wir waren
beide sehr gespannt, aber auch ziemlich müde von der Woche zuvor. Also schliefen wir erst
einmal, nachdem wir unser Gepäck in unsere Zimmer gebracht hatten. Danach überreichten wir
unserer Gastmutter die Gastgeschenke, die wir mitgebracht hatten. Am Abend grillten wir mit
der Familie und gingen anschließend mit unserer Gastschwester ins Stadtzentrum und danach
ins Kino. Der Tag war wieder bis auf die letzte Minute ausgefüllt und wir gingen zufrieden ins
Bett.
Meine Gastfamilie war christlich, also gingen wir jeden Sonntag zur Kirche. Erst dachte ich,
dass es für mich ganz normal sein würde, da ich genau wie meine Gastfamilie evangelisch bin,
aber es war dann doch ein bisschen anders als erwartet. Der Gottesdienst wurde immer von
einer Band begleitet und der Prediger stand immer auf einer Bühne. Am Anfang fand ich das
ziemlich komisch, doch mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt. Nach zwei Wochen
Eingewöhnungszeit in der Gastfamilie fing die Schule an. Der erst Schultag bestand nur aus
einer Jahreseröffnung ( ich besuchte eine christliche Schule ) und einer Stunde, in der wir von
unserem Klasselehrer die Stundenpläne bekamen. Am nächsten Tag ging es richtig los. Ich
hatte anfangs Schwierigkeiten beim Verstehen der Lehrer , aber nach ein bis zwei Woche
verstand ich schon das Wichtigste. Meine Mitschüler waren sehr hilfsbereit und haben mich
auch bewundert. Sie konnten sich gar nicht vorstellen, dass man ein Jahr weggeht und ohne
seine Eltern zu besuchen in einem anderen Land zur Schule geht. Obwohl Deutsche in den
Niederlanden nicht sehr beliebt sind, waren alle sehr nett und offen zu mir. Wenn man eine
Deutsche persönlich kennt, ist das eben anders. Natürlich musst man sich dann schon einmal
den einen oder anderen Deutschen- Witz, aber Witze über Nachbarn gibt es, glaube ich, in
jedem Land.
Das Schulsystem unterscheidet sich ein bisschen vom deutschen. Die niederländischen Kinder
werden mit 4 eingeschult. In der 3. Klasse lernen sie Lesen, Schreiben und Rechnen (
vergleichbar mit der deutschen 1. Klasse ). Nach der 8. Klasse, also im Alter von 12 Jahren
wechseln sie zur Sekundarschule und beginnen dort mit der ersten Klasse. Ich ging also in die
vierte Klasse. In der Sekundarstufe 2 kann man sich ein Profil aussuchen. Es gibt Kultur und
Gesellschaft, Natur und Gesundheit, Ökonomie und Gesellschaft, Natur und Technik. Ich war
im Profil Kultur und Gesellschaft, in dem man Fremdsprachen, Kunst, Musik, Geschichte,
Geographie und natürlich die Hauptfächer hat. Dadurch hatte ich keinen
Naturwissenschaftlichen Unterricht. Aber dafür konnte ich Vielen im Deutschunterricht helfen.
Das Profil hat meine Gastmutter schon bevor ich ankam für mich ausgesucht. Durch die
Unterlagen und Zeugnisse, die sie von mir hatte, konnte sie das sehr gut beurteilen. In den
Herbstferien fuhren wir mit unserer Gastmutter an die Nordsee. Sie hatte dort für uns drei eine
Ferienwohnung gemietet. Unsere Gastschwester war inzwischen schon in Amerika und unser
Gastvater auf hoher See. Es war ein sehr schöner Urlaub. Wir gingen viel am Strand spazieren
und fuhren mit dem Fahrrad, was wir auch in der Schulzeit oft taten.
Nach den Herbstferien kam meine Gastschwester aus Amerika zurück. Sie war schwanger und
das veränderte die Situation eines jeden Familienmitglieds. Nach Weihnachten zog Triin ( das
Mädchen aus Estland ) in eine andere Gastfamilie, weil die Familiesituation sehr schwierig für
sie war.
Weihnachten hat in den Niederlanden in den meisten Familien weniger Bedeutung als bei uns.
Dafür wird der Nikolaustag umso mehr gefeiert. In meiner Gastfamilie war das jedoch nicht so.
Wir haben Weihnachten, wenn auch erst am 2. Feiertag, sehr gemütlich gefeiert.
Im Februar bekam ich mein Halbjahreszeugnis und freute mich sehr darüber, dass ich im
Klassendurchschnitt lag.
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Ende April fuhr ich mit einer Freundin und ihrer Gastfamilie auf eine der niederländischen
Watteninseln. So konnte ich auch eine andere niederländische Familie kennen lernen. Der
Urlaub war sehr schön.
Ende Mai haben wir, als krönenden Abschluss unseres Aufenthaltes in den Niederlanden
gemeinsam mit allen Austauschschülern eine fünftägige Segeltour gemacht. Wir waren auf zwei
Schiffe verteilt und haben einander noch besser kennen gelernt. Jeden Abend sind wir
zusammen an Land ausgegangen, was ich super fand. Doch für viele begann dort schon der
Abschied.
Durch die zahlreichen Aktionen und Treffen mit all den anderen Austauschschülern habe ich
jetzt Adressen in aller Welt. Am Ende des Austauschjahres habe ich noch eine Geburt miterlebt
und ein Baby fünf Wochen lang aufwachsen sehen. Ende Juni musste ich mich von meiner
Gastfamilie verabschieden. Danach bin ich noch eine Woche in die Schweiz gefahren, wo ich
alle Austauschschüler getroffen habe, die mit YFU in Europa waren. Dort traf ich eine
Schulfreundin, die das Jahr in Lettland verbrachte. Wir hatten uns viel zu erzählen und fühlten
uns durch unsere alte Bekanntschaft der Heimat schon ein Stück näher. Am 2. Juli 2003 bin ich
dann in Berlin angekommen und wurde von meinen Eltern und Geschwistern wieder begrüßt.
Ich habe das Jahr keinen Moment bereut.
Luise
Südafrika
Abenteuer Südafrika (2006/07 – Organisation into)
(Teilstipendium der Sparkasse MOL)
Mein Name ist Carolin, ich bin Schülerin der 11.Klasse am Gymnasium auf den Seelower Höhen
und wohne in Seelow. Heute möchte ich als Austauschschüler über meinen aufregenden Besuch
in der Regenbogennation berichten.
Die Mehrzahl der Austauschschüler zieht es in die USA, doch bei mir sollte es anders kommen. Ich
las ein Buch über eine Familie, die in einer Wildhüterstation im Krüger- Nationalpark lebte; der
Vater arbeitete dort als Game Ranger und seine Frau schrieb über ihre gemeinsame Arbeit; das
fand ich interessant und bekam richtig Lust auf Safari.
Dass sich mein Traum bald erfüllen sollte, verdanke ich einer Aneinanderkettung mehrerer Zufälle.
Mitfinanziert wurde mein Schulaufenthalt u. a. durch ein Teilstipendium von der Sparkasse
Märkisch-Oderland.
Mein Aufbruch ins Unbekannte begann am 27. Juli 2006 nach drei Tagen Vorbereitungsseminar in
Südafrika (SA) durch die Partnerorganisation vor Ort.
Vorab in Deutschland waren viele Formulare auszufüllen und ich hatte unzählige Fragen. Um
möglichst viele davon zu beantworten, flog ich vor meiner Abreise ein Wochenende nach Bonn.
Schlau geschult wurde ich zu meiner ersten Gastfamilie entlassen. Ich fuhr mit einem etwas
klapprigen, aber funktionierenden Auto mit meiner Gastmutter und Gastschwester nach Sebokeng
(unweit von Johannesburg). Damals wusste ich noch nicht, dass dieser Gastfamilie noch weitere
vier folgen sollten.
Was ist eigentlich ein Township? Diese Frage wurde schnell beantwortet, noch am selben Tag.
Townships kennt man aus dem Fernsehen, aber fast ein Jahr dort leben? Nein, leben kann ich als
weißes Mädchen in diesen Vierteln nicht, es ist einfach zu gefährlich.
Mein Local Coordinator vor Ort sah alles ganz anders, versprach mir aber, eine neue Familie zu
besorgen. Auf seine „guten Kontakte“ wollte ich mich jedoch nicht noch einmal verlassen. Mein Fall
machte in der Schule seine Runde, sofort half mir meine Afrikaanslehrerin, das war mein Glück.
Ich zog von Sebokeng nach Vereeniging, war nah an meiner Schule und musste nicht mehr um 5°°
Uhr aufstehen, um eine Stunde mit dem Schulbus zu fahren. Doch für viele Kinder ist ein weiter
Schulweg selbstverständlich.
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Ich kam in eine holländisch-indische Familie, die mich spontan für zwei Monate aufnahm. Diese
Familie hatte ein richtiges Haus, was ich gleich zu schätzen wusste. Der Vater war erfolgreich im
Handygeschäft tätig. In vielen weißen Familien ist es üblich, dass eine Nanny mit im Haus wohnt
und im Haushalt arbeitet. Ich kann also nicht sagen, dass ich hier mehr Pflichten habe als zu
Hause. Im September feierte ich meinen 17.Geburtstag mit selbstgebackenem Käsekuchen und
Apfelstrudel. Da ich fast keinen kannte, kamen zu meiner Gastfamilie noch fünf Mädels aus meiner
Klasse hinzu. Mein Kuchen war harmlos gegen die indische Küche, hier werden sehr scharfe und
feurige Gewürze verwendet, ich biss mich durch. Mit meiner indischen Schwester Nastassja ging
ich in dieselbe Klasse, wo ich meine nächsten Gastgeber fand. Nastassjas jüngerer Bruder
Christopher ging auf eine Privatschule.
Ich zog zu einer schottischen Familie mit zwei Töchtern, Oma und einem Hund.
In SA leben Menschen unterschiedlicher Herkunft. Familien mit deutschen Vorfahren sind keine
Seltenheit. Mein schottischer Vater handelte mit Tabak. Die ältere Tochter Lindsey ist während
meiner Besuchszeit gerade zur Ausbildung nach Schottland übergesiedelt, die jüngere Tochter
heißt Ashley und ging in meine Klasse. Hier lebte ich vier Wochen und Lindsey hat sich schon auf
einen Abstecher nach Deutschland gefreut.
In der Schule ist es für mich gut angelaufen, schwarze und weiße Schüler gehen in meine Klasse,
die gesamte Schule hat ca. 700 Schüler und Zickenterror kennt man hier auch. Eine Schuluniform
macht es am Morgen einfach vor dem Kleiderschrank. Bei einem Gesamtgepäck von 20 kg, das
ich mitnehmen durfte, kommt sie mir sehr entgegen. Weitere deutsche Schüler gibt es an meiner
High School nicht. Wir hatten für kurze Zeit ein Mädchen aus Holland und einen US-boy für ein
Jahr. Er wäre fast von der Schule geflogen, weil er auf einer Schulfete Cannabis geraucht hatte.
Durch meine häufigen Umzüge lernte ich immer wieder neue Familien mit unterschiedlichsten
Kulturen kennen. SA hat ca. 45 Millionen Einwohner und 10 Million illegale Einwohner. Davon sind
75 % schwarz, 13 % weiß, 9 % farbig und 3 % indisch.
Meine Mitschüler sprachen sich ab, wo ich als nächstes wohnen könnte. Die Stadt blieb dieselbe,
ich zog in eine englische, typisch südafrikanische Familie. Auch sie war neugierig auf Deutschland
und meine Berichte fingen wieder von vorn an, ebenso meine Backrezepte. Meine Mutter war hier
Schwimmlehrerin und mein Vater kümmerte sich um Turbinen in Kraftwerken. Ich hatte wieder
eine Schwester Robyn, einen Bruder Peter, einen Opa und zwei Hunde. Hunde leben hier in fast
jeder Familie; so war ich ständig damit beschäftigt, sie zu erziehen. Mit dieser naturverbundenen
Familie verbrachte ich Weihnachten am Meer in der Nähe von Durban. Es gab sogar einen
frischen Weihnachtsbaum. Der Weihnachtsmann kommt hier im Sommer bei großer Hitze, bei
über 30 Grad im Schatten. Robyn und ich nutzten gleich die Geschenke der Kinder und probierten
die neuen Wasserpistolen aus.
Von der Weihnachtstour zurück, packten wir für Silvester. Ich konnte mein Glück kaum fassen,
meine Familie plante eine Tour durch den berühmten Krüger - Nationalpark.
Wir campten 11 Tage im Park und gingen auf Safari. Übernachtet wurde in Zelten, doch es ist
schwer, Schlaf zu finden, wenn in der Wildnis Hyänen heulen und Löwen brüllen.
Zu schaffen machten mir Temperaturen über 40 Grad, was keine Seltenheit war, und doch war
diese Zeit einmalig schön. Afrikas Tierwelt ist einzigartig. Löwen brauchen große Jagdreviere,
weshalb man sie in kleinen Parks nicht antrifft, doch hier sah ich die gesamte Palette und ich live
mittendrin – Safari ist klasse! Der weltberühmte, fast 2 Mio. Hektar große Wildpark, 1898 von Paul
Kruger gegründet, beherbergt die größte Vielfalt an Tieren auf dem afrikanischen Kontinent.
Übrigens, die Gastfreundschaft des Handyvertreters und des Tabakhändlers durfte ich zu einem
späteren Zeitpunkt noch einmal genießen.
Auf einem Schießplatz lernte ich Ende März 07 durch meinen vorigen Gastvater meine wohl letzte
Familie kennen. Mein Englisch wurde besser, doch meine neue Familie spricht Afrikaans. In SA
werden 11 offizielle Sprachen gesprochen. Die wichtigsten sind Englisch, Afrikaans und Zulu. Mein
jetziger Gastvater ist Polizist, seine Frau arbeitet im Büro unserer Schule, der Hoërskool Drie
Riviere. Zur Familie gehören Tochter Amanda, 7 Jahre und Sohn Ludolf, 9 Jahre alt, ein
Polizeihund + ein kleiner Hund. Über Ostern war ich mit dieser Familie für zwei Wochen nach Port
Elisabeth. Dieser Ort liegt direkt am Meer und ist von Vereeniging ca.1050 km entfernt. Hier
wohnten wir bei einem Fischer. Fische, die bei uns in die Pfanne kommen, werden dort als Köder
verwendet, um damit 1-2 m lange und bis zu 100kg schwere Exemplare zu fangen. Da man sich
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hier am Indischen Ozean befindet, besteht Haialarm. Die Strömung ist sehr stark und es war mir
sehr unheimlich, hier zu baden.
In allen Gastfamilien wurde ich herzlich und unkompliziert aufgenommen, auch in meiner ersten,
schwarzen Familie. Ein Mädchen aus meiner Austauschgruppe, sie ging an einer anderen Schule,
ist nach wenigen Tagen wieder zurück nach Deutschland geflogen. Sie kam nicht klar, nicht alles
so vorzufinden, wie wir es von deutschen Standards her gewohnt sind; sie hatte auch Angst. Hier
versagte die Partnerorganisation vor Ort. In Deutschland gibt es im Anschluss dieser Reise ein
Nachbereitungsseminar, da werde ich meine Kritik anbringen. Der Kontakt zu meinem LocalCoordinator vor Ort beschränkte sich darauf, dass ich ihm meine z. Z. aktuelle Adresse mitteilte.
Ein Wort zur Sicherheit: Frei bewegen kann ich mich nur in ganz bestimmten Gebieten; meine
Gasteltern müssen sich 100 % auf mich verlassen können. Die Sicherheit steht bei allen
Aktivitäten an erster Stelle, ich fühlte mich in meinen Familien aber immer gut aufgehoben.
Südafrika ist einerseits kein Entwicklungsland mehr, aber fast 3 Mio. Schwarze sind unterernährt
und mehr als ein Drittel davon sind Kinder. Das größte Problem im Land ist der Kampf gegen Aids.
Bereits über 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind HIV positiv; die Zahl der Aidswaisen
liegt bei über 5 Millionen.
Landschaftlich ist SA sehr kontrastreich, einzigartig und wunderschön. SA ist flächenmäßig 4 mal
größer als Deutschland, es gibt Bergspitzen 3370 Meter hoch und über 3000 Küstenkilometer. In
meinen großen Sommerferien im Dezember, hatte ich die Gelegenheit, eine Woche die Region um
Kapstadt zu besuchen, es ist noch schöner als im Fernsehen, live ist live. Diese Tour machte ich
zusammen mit anderen Austauschschülern aus Deutschland.
Afrikas Wachstumsbranche ist der Tourismus, kein anderer Sektor schafft so viele Arbeitsplätze,
und das erste Mal in der Geschichte ist der afrikanische Kontinent auch Gastgeber für eine
Sportveranstaltung. Es gab Freudentränen bei Alt-Präsident und Friedensnobelpreisträger Nelson
Mandela über die WM-Vergabe für das Jahr 2010 nach SA. Von 1994-1999 war er Präsident des
Landes. Er ist Symbolfigur des schwarzen Widerstandes gegen die Apartheid. N. Mandela wurde
am 18. Juli 1918 geboren und nach 27 Gefängnisjahren als über Siebzigjähriger 1990 entlassen.
Straßen und Plätze sind nach ihm benannt; durch seinen Kampf gegen Unrecht wurde er eine
Legende zu Lebzeiten.
Meine Schule, meine tolle Lehrerin, Frau Boshof, dem ich meine Gitarre vererben werde, und ganz
besonders meine Gastfamilien haben zum Gelingen meines Aufenthaltes beigetragen. Durch sie
habe ich das Land nicht nur als Tourist kennen gelernt, ich lernte Leute kennen, die dieses Land
ausmachen. Toleranz und Anpassungsbereitschaft erleichterten mir die Integration in das Umfeld.
Meine Familie rief mich einmal in der Woche an, das ist nicht oft, musste aber reichen. In der
Schule fühlte ich mich immer wohl und entspannt, liegt es vielleicht wirklich an der Schuluniform?
Es gibt Aktivitäten, wie z.B. Rugby, Cricket, Tennis, Golf; sogar ein eigenes Orchester existiert und
ich habe die Möglichkeit, Klavier zu spielen, ohne zusätzliche Kosten.
Es finden Schülerfeste statt, wo es zugeht wie bei einem Modelwettbewerb,
aber den Unterricht finde ich in Deutschland interessanter.
Was ich so extrem fand: Unser Direktor kommt an seinem Geburtstag in einem offenen Porsche
zur Schule vorgefahren, wir jubeln ihm zu und gratulieren auch brav, er winkt zurück in die Menge
und gibt für den Rest des Tages der gesamten Schule frei. Das nur mal so am Rande für Frau
Mielitz, meine Schulleiterin in Deutschland, falls sie noch keine coole Idee für ihren nächsten
Geburtstag hat.
Realistisch muss ich einschätzen: Anfängliche Sprachschwierigkeiten sind verflogen, schulisch
habe ich mich richtig angestrengt, auch gute Ergebnisse erzielt, aber sie hat mich nicht wirklich
schlauer gemacht; jedoch mein gesamter Aufenthalt in Südafrika - reich an Erfahrungen fürs
Leben. Jeder Austauschschüler wird seine Erfahrungen machen, dazugelernt haben wir alle. Also,
Leute, weg von der Glotze, raus aus dem Kinderzimmer, auch wenn ein Start bei Null oft
schwergefallen!
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Am 30.06.2007 landete ich wieder in Berlin-Schönefeld und hätte ich in den ersten Tagen
aufgegeben, hätte ich eine wunderbare Zeit nie erlebt.
Carolin
Russland
Mein Auslandsjahr in Moskau (2005/06)
(Teilstipendium Sparkasse MOL)
Mein Auslandsjahr begann am 24.August 2004.
Am späten Nachmittag erreichten wir den Moskauer Flughafen „Vnukovo“.
Danach fuhren wir in einer hektischen Art und Weise quer durch die ganze Stadt.
Wir erreichten unsere Wohnung, und staunten nicht schlecht, als wir sahen, wie alt und vor
allem wie klein diese Wohnung war.
Nichts desto trotz richteten wir uns, in den nächsten Tagen, diese Wohnung nach unseren
Bedürfnissen ein und schauten uns einwenig in der Stadt um.
An einem Tag, kurz vor Schulbeginn, besuchten wir schon einmal unsere Schule, welche ein
linguistisches Gymnasium ist, wo Deutsch erste Fremdsprache ist. So hatten wir erst mal einen
positiven Eindruck von der Schule, was uns den Start am 1.September erleichterte, denn durch
die Deutschkenntnisse der Anderen konnten wir anfängliche Hürden leicht überwinden. Aber
der gewöhnliche Unterricht wurde natürlich in russischer Sprache durchgeführt und in einem
sehr hohem Lerntempo, was sich auf uns negativ auswirkte, da es bis zum 2.Schulhalbjahr
ziemlich schwer, bzw. unmöglich war dem Unterricht zu folgen.
Ab dem zweiten Halbjahr circa, konnte man dem Unterricht dann richtig folgen, aber nun
brachten einen die Lehrer nicht mehr in den Unterricht ein. Als Muttersprachler wurden wir an
diesem Gymnasium, was die deutsche Sprache angeht, natürlich ausgebeutet. In einem
speziellen Fach namens „Textanalyse“ wurden wir immer zu Rat gezogen und natürlich wenn
es Deutschhausaufgaben zu erledigen gab.
Da nach einem halben Jahr mein Russisch-Verstehen besser geworden war, aber ich immer
noch nicht fließend sprechen konnte, beschloss ich die gemeinsame Wohnung mit meinem
Freund aufzugeben und in eine russische Gastfamilie zu gehen. In der ersten Gastfamilie lebte
ich ab Mitte Januar. Dort verbesserte sich mein Russisch deutlich, da ich nun nur noch mit den
Deutschen in Moskau deutsch sprach. Diese Familie musste ich, nachdem mir meine gesamte
Geldbörse in der Wohnung entnommen wurde, verlassen, was so Ende Februar war.
Also ging ich in eine zweite, gastfreundlichere, jüngere Gastfamilie. Dort wurde ich, im
Gegensatz zu der anderen Gastfamilie, wie ein Familienmitglied aufgenommen, wodurch ich
mich dort sehr schnell heimisch fühlte. In dieser Familie konnte ich mein Russisch noch weiter
profilieren und ich erfuhr ebenfalls noch viel über die russische Kultur und Mentalität.
Erstaunlich war für mich, wie lange in Russland der Winter andauerte. Er begann schon Mitte
Oktober und endete erst Ende März. Gerade in diesem Winter erfuhr auch Moskau, einen der
kältesten Winter, mit Temperaturen bis - 40 Grad Celsius. Nicht zu vergessen ist, dass man in
Moskau sehr auf sein Eigentum achten sollte, da die Straßen und die öffentlichen
Verkehrsmittel, vor allem die Metro, überfüllt sind. Beeindruckend war auch, die große Kluft
zwischen arm und reich. Es ist schlimm, dass zum Beispiel auf der Straße die reichen Leute in
ihren Prunkautos an dir vorbeifahren, aber auf dem Bürgersteig knien die Armen und flehen
einen an ihnen doch zu helfen.
Alles in Allem kann ich aber sagen, ich habe in Moskau ein zweite Heimat gefunden, da die
Russen ein sehr gastfreundliches Volk sind, ich habe dort neue Freunde gefunden, zu denen
ich hin und wieder Kontakt habe und mir die russische Mentalität sehr zugesagt hat.
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Genau am Monatsende des Mais endete dann mein Aufenthalt in Moskau, aber ich wusste da
schon, irgendwann kommst du mal wieder zurück, worauf auch meine Gastfamilie sehnsüchtig
wartet. Aber ebenso groß war die Freude auf die Rückkehr in die richtige Heimat, wo ich
ebenfalls sehnsüchtig erwartet wurde.
Christoph
Indien
Mein Abenteuer Indien (2013-2014 Organisation CAMPS International)
Ich erinnere mich an das Jahr 2012, ich wollte unbedingt für ein Jahr aus dem Alltag raus, neue
Erfahrungen machen und sehen was die Welt noch so zu bieten hat. Natürlich muss so ein Jahr
gut geplant sein und deshalb mussten wir viel organisieren, planen und vorbereiten bevor es
überhaupt losgehen konnte. Durch meine Organisation CAMPS International wurde ich sehr gut
auf mein Auslandsjahr vorbereitet. Auch die Betreuung während des Jahres stimmte und ich bin
bis heute super zufrieden mit der Wahl meiner Organisation hier in Deutschland. Jedoch konnte
die Partnerorganisation (die leider mit fast allen deutschen Organisationen zusammen arbeitet)
„IDEX“ in Indien keineswegs überzeugen. Deshalb rate ich jedem Schüler der an einem
Auslandsjahr in Indien interessiert ist, sich nach der Partnerorganisation im Ausland zu
erkundigen um eine Zusammenarbeit mit IDEX zu vermeiden.
Nun zu meinen Erlebnissen: Sobald ich in Indien angekommen war, wurde ich plötzlich mit so
komischen, neuen Situationen konfrontiert und auf einmal ist niemand mehr vor Ort der dich
unterstützen kann. Von diesem Moment an war ich – zumindest vorerst – auf mich allein
gestellt. Doch ganz schnell verliebte ich mich in Indien, diese Vielfalt, das Essen, die
Gastfreundlichkeit, die Orientalischen Gewürze und so viel mehr. Ich erinnere mich an die erste
Fahrt im indischen Straßenverkehr – überall hupende Autos, Kamele und Elefanten auf der
Straße, Rikschas und typische Obstmärkte und ich mitten drin. Jeder Tag in Indien war so
aufregend, ich konnte immer etwas dazu lernen.
In Indien besuchte ich die Maharaja Sawai Bhawani Singh School und Schulalltag in Indien war
ein Erlebnis für sich. Das Bildungssystem ist sehr streng. Im Unterricht mussten wir uns beim
Beantworten einer Frage erheben, wir wurden überall von Kameras überwacht und im
Schulhaus mussten wir immer alle in einer Linie laufen. Trotzdem hat mir der Schulalltag und
das Tragen einer Schuluniform sehr gut gefallen. Neben meinem eigenen Unterricht besuchte
ich außerdem jedes Wochenende eine kleine Schule im Slum um dort mit Kindern zu spielen
und sie zu unterrichten. Es war das schönste Gefühl für mich die Kinder so glücklich zu sehen.
Die ersten drei Monate lebte ich in einem Student House mit Schülern aus aller Welt. Doch um
richtig in den indischen Alltag einzutauchen, wollte ich nach dieser ersten
„Eingewöhnungsphase“ in eine indische Gastfamilie wechseln. Nach anfänglichen
Schwierigkeiten, veranlasst durch meine indische Organisation, konnte ich dann endlich zu
meiner indischen Familie ziehen. Dort verbrachte ich die restliche Zeit meines Aufenthaltes und
fühlte mich sehr wohl. Sie alle kümmerten sich ganz lieb um mich und besonders zu meiner
Gastmutter baute ich ein sehr enges Verhältnis auf.
Während des ganzen Jahres reiste ich auch in andere Städte des Landes und konnte somit
auch die regionalen Unterschiede in ganz Indien zu Gesicht bekommen. Für einen Monat lebte
ich am Fuße des Himalaya Gebirge, reiste nach Varanasi – die heiligste Stadt Indiens – und
nahm dort ein Bad im heiligen Ganges, ließ mir in Goa die Sonne auf den Bauch scheinen, ritt
mit einem Kamel durch die Wüste von Rajasthan, reiste durch Mumbai und meinen absoluten
Lieblingsort Udaipur, geprägt von kleinen Tempeln und einer Wahnsinns Atmosphäre.
Es ist nahezu unmöglich dieses ganze Jahr in einen Bericht zu fassen, da man all diese
Erfahrungen niemals irgendwie erklären kann, man muss es einfach erlebt haben! Also an alle
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die Lust auf ein Abenteuer haben und über ein Auslandsjahr nachdenken, ich sage euch: Give it
a try and take the risk! Ihr werdet, egal für welches Land ihr euch entscheidet, sehr viel lernen
und mit unvergesslichen Lebenserfahrungen nach Hause kommen. Während meines ganzen
Jahres habe ich auf www.schuljahr-indien.de einen Blog geführt, der auch weiterhin, für alle
die an einem Auslandsjahr interessiert sind, bestehen bleibt. Wenn du also interessiert bist und
noch viel mehr über mein Jahr in Indien erfahren möchtest, kannst du dort vorbeischauen!
Als letztes möchte ich mich ganz herzlich beim Landkreis Märkisch-Oderland und der
Sparkasse für die finanzielle Unterstützung bedanken! Das Stipendium war eine große Hilfe für
meine Familie und mich. Vielen herzlichen Dank!
Laura
Australien
Meine Zeit in Australien: 2005/06
(Teilstipendium Sparkasse MOL)
Am 5. August 2005 flog ich von Frankfurt aus über Singapur und Sydney nach Melbourne. Hier
wollte ich die nächsten drei Monate in einer Gastfamilie verbringen. Doch leider verlief mein
Aufenthalt nicht so wie ich es gehofft hatte.
Meine Gasteltern holten mich mit einer meiner Gastschwestern vom Flughafen ab und es
folgten weitere drei Stunden Autofahrt. Meine Gastfamilie bestand aus meiner Gastmutter und
deren Lebensgefährte sowie ihren 7 Kindern, von denen 3 schon nicht mehr zu Hause wohnten.
Leider nahm sich schon am Tag meiner Ankunft niemand so richtig Zeit für mich, was sich auch
in den nächsten Tagen so fortsetzte. Für meine Gastgeschwister waren gerade die letzten
Ferientage angebrochen und jeder beschäftigte sich mit sich selbst, schaute Fernsehen oder
saß vor der Spielekonsole.
Ich versuchte mich einzureihen, was jedoch nicht so Recht Erfolg hatte. Denn besonders in den
ersten Tagen braucht man natürlich etwas Zuwendung und Unterstützung der Gastfamilie um
sich in seinem „neuen“ Leben zu recht zu finden. Nach ca. einer Woche stand ein Treffen mit
den neu eingetroffenen Gastschülern aus der Region rings um Melbourne an. Meine Gasteltern
setzten mich dort ab und verbrachten den Tag mit den jüngsten Kindern in Melbourne.
Für mich war es schön endlich wieder einige bekannte Gesichter zu sehen, doch ihre ersten
Eindrücke waren so ganz anders als meine. Sie hatten in den ersten Tagen sofort Besuch von
ihrem Regionalen Betreuer erhalten und auch ihre Gastfamilien unternahmen sehr viel mit
ihnen und zeigten ihnen die Umgebung. Mein Betreuer lag leider schon seit längerer Zeit im
Krankenhaus und war somit für mich nicht zu erreichen.
Dann fing auch schon die Schulzeit an. An australischen Schulen ist es Pflicht, eine
Schuluniform zu tragen, die man zum größten Teil gestellt bekommt. Doch die Erwartung, die
viele haben, nämlich dass es durch die Schuluniform keine Unterschiede zwischen den sozialen
Klassen gibt, hat sich nicht erfüllt. Die Schüler versuchten sich durch Markenrucksäcke und
alles was nicht zur gestellten Uniform gehörte zu unterscheiden. An sich waren die Schüler
schon sehr interessiert als sie hörten, dass ich aus Deutschland komme. Sie stellten viele
Fragen, wie zum Beispiel, ob wir auch Fernsehen und Mc Donalds haben. Doch eine ernsthafte
Unterhaltung kam trotz vieler Bemühungen leider nicht zu Stande, denn die Australier sind doch
meist für ihre Oberflächlichkeit bekannt. Ich erkundigte mich auch, was die Jugendlichen in der
Umgebung abends und am Wochenende so unternehmen, doch leider stellte sich heraus, dass
sie eigentlich eher selten weggehen und viel Zeit mit der Familie verbringen. Natürlich sollte
man das alles nicht verallgemeinern, da andere Austauschschüler, mit denen ich weiterhin in
Kontakt stand, ganz andere Erfahrungen gemacht haben.
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Doch auch weiterhin fühlte ich mich in der Gastfamilie immer unwohler und versuchte daher
über einen Deutschen, der bei meiner State-Koordinatorin wohnte, mit dieser Kontakt
aufzunehmen. Leider war sie sehr selten erreichbar und hatte auch überhaupt kein Verständnis
für meine Situation. Als ich mich mit ihr über die Möglichkeit eines Gastfamilienwechsels
unterhielt, sagte sie mir jedoch, dass diese Möglichkeit nur Schüler haben, die ein halbes oder
ein ganzes Jahr in Australien bleiben. Auch nach Gesprächen mit meiner Familie verfestigte
sich bei mir immer mehr der Gedanke meinen Aufenthalt abzubrechen. Natürlich hatte ich auch
Angst davor, weil ich das Gefühl hatte besonders meine Familie damit zu enttäuschen. Doch
auch der Gedanke an mein bevorstehendes Abitur bekräftigte mich dann in meiner
Entscheidung, da der Unterrichtstoff der dortigen Elften Klasse nicht wie versprochen dem
unseren glich sondern eher dem der Achten bis Neunten Klasse. Leider wurde ich dann erneut
von meiner Agentur enttäuscht, denn zum einen hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt niemand bei
mir sehen lassen und der Gastfamilie wurde trotz meiner Probleme sofort ein neuer
Austauschschüler vermittelt.
Bevor ich meine Heimreise antreten konnte, bekamen meine Eltern dann noch eine auf
Englisch verfasste Verzichtserklärung, die sie unterschreiben mussten, und mit der sie von
jeglichen Ansprüchen gegenüber der Agentur zurücktraten. Wieder zu Hause kann ich auch
nachdem nun ein Jahr vergangen ist sagen, dass ich meine Entscheidung nicht bereue, da es
mir nach wie vor schwer fällt darüber zu sprechen ich und mir weitere Monate in Australien
unter diesen Umständen nicht vorstellen konnte.
Sandra