Der Reisebericht Peru-Reise und Besuch der Partnergemeinde in

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Der Reisebericht Peru-Reise und Besuch der Partnergemeinde in
Partnerschaft:
Sankt Elisabeth, Karlsruhe
San Martín de Porres, Ilo (Peru)
Peru-Reise
Ostersonntag, 4. April
bis
Sonntag, 24. April 2010
Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
VORWORT
3
REISEGRUPPE
4
STRECKEN UND ENTFERNUNGEN
5
REISEBERICHT
6
4. April 2010, Ostersonntag
5. April 2010, Ostermontag
6. April 2010, Dienstag
7. April 2010, Mittwoch
8. April 2010, Donnerstag
9. April 2010, Freitag
10. April 2010, Samstag
11. April 2010, Sonntag
12. April 2010, Montag
13. April 2010, Dienstag
14. April 2010, Mittwoch
15. April 2010, Donnerstag
16. April 2010, Freitag
17. April 2010, Samstag
18. April 2010, Sonntag
19. April 2010, Montag
20. April 2010, Dienstag
21. April 2010, Mittwoch
22. April 2010, Donnerstag
23. April 2010, Freitag
24. April 2010, Samstag
25. April 2010, Sonntag
(Karlsruhe - Frankfurt - Madrid) 0/21
(Madrid - Lima) 1/21
(Lima - Caral - Lima) 2/21
(Lima - Tacna - Ilo) 3/21
(Ilo) 4/21
(Ilo) 5/21
(Ilo - Arequipa) 6/21
(Arequipa - Chivay) 7/21
(Chivay - Colca-Tal - Chivay - Arequipa) 8/21
(Arequipa) 9/21
(Cuzco) 10/21
(Cuzco - Aguas Calientes) 11/21
(Aguas Calientes-Machu Picchu-Cusco) 12/21
(Cusco - Puno, Titicaca-See) 13/21
(Titicacasee, Urus, Taquile, Sillustani) 14/21
(Puno - Moquegua - Ilo) 15/21
(Ilo) 16/21
(Ilo) 17/21
(Ilo - Moquegua - Ilo) 18/21
(Ilo - Tacna) 19/21
(Tacna - Lima) 20/21
(Lima - Madrid - Frankfurt - Karlsruhe) 21/21
6
6
8
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35
DER STAND DER DINGE
36
INFOQUELLEN
37
ALLGEMEINES
37
BILDER UND ABBILDUNGEN
37
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
VORWORT
Der Reisebericht ist entstanden aus handschriftlichen Aufzeichnungen
meiner Frau Christa und mir, die ich mit Hilfe späterer Erzählungen und
Gespräche ergänzen konnte. Zuerst wollten wir das nur für uns als Erinnerung
an die Reise aufschreiben. Aber wir wissen, dass viele, die das Projekt der
Kindertagesstätte in Ilo unterstützen, nicht die Möglichkeit haben nach Peru zu
reisen. Es kostet a) Geld b) Zeit und ist c) gesundheitlich anstrengend. Wir
haben es trotzdem als Privileg betrachtet, die Reise stellvertretend für die
Gemeinde zu machen.
Unsere peruanischen Partner haben ihren Dank in Form von
Geschenken und dieser Heiligenfigur von San Martín de Porres ausgedrückt.
In Ilo gibt es eine Olivenplantage und eine große Fabrik zur
Kupferverhüttung. Kupfer und Olivenholz sind also Rohstoffe aus Ilo. Deshalb
wurde das Schiff aus Olivenholz gefertigt und die Inschrift auf eine
Kupferplakette graviert:
En agradecimiento por su
colaboración por la construcción
de la guardería de la
partnerschaft en la pampa
inalámbrica de Ilo.
In Anerkennung für Ihre
Unterstützung für die Erstellung
der Kindertagesstätte der
Partnerschaft in der Pampa
Inalámbrica von Ilo
Ilo, 10 de Abril del 2010
Ilo, 10. April 2010
Dieser persönliche Reisebericht soll ein Dankeschön sein an all die, die
mitgeholfen haben dieses Projekt durch Spenden und Arbeitseinsatz zu
verwirklichen und die sich Informationen und Eindrücke aus erster Hand aus
dem Land Peru und unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
wünschen.
Holger Hammerstein, den 25. Juli 2010
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
Reisegruppe
Bernhard Braun
Karlsruhe, Pfarrgemeinde Sankt-Elisabeth,
ehem. Pfarrgemeinderat, Peru-Kreis,
unterwegs mit seiner Frau Ena in Bolivien,
verabredet mit den übrigen Teilnehmern für 7.April bis 10. April
Claudia Stöhr
Karlsruhe, Pfarrgemeinde Sankt-Elisabeth, Peru-Kreis
Juliane Stöhr
Tochter von Claudia, macht ein freiwilliges soziales Jahr
in der vorläufigen Kindertagesstätte
unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo (Peru)
Christa Hammerstein
Karlsruhe, Pfarrgemeinde Sankt-Elisabeth, Peru-Kreis,
Ehefrau von
Holger Hammerstein
Karlsruhe, Pfarrgemeinde Sankt-Elisabeth, Peru-Kreis
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
STRECKEN und ENTFERNUNGEN
Transport
Taxi
Taxi
Flug
Auto
Bus
Bus
Bus
Bus
Taxi
Auto
Flug
Σ
Quelle:
Strecken
Lima - Caral (hin+zurück)
Lima - Pachacamac (hin+zurück)
Lima - Tacna
Tacna - Ilo
Ilo - Arequipa
Arequipa - Cuzco - Aguas Calientes
Aguas Calientes - Puno
Puno - Desaguadero - Moquegua
Moquegua - Ilo
Ilo - Tacna
Tacna - Lima
Peru
http://www.lib.utexas.edu/maps/americas/peru_pol_06.jpg (#1)
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ca. km
400
70
1400
160
230
500
500
400
80
1710
160
1400
5300
Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
REISEBERICHT
4. April 2010, Ostersonntag
(Karlsruhe - Frankfurt - Madrid) 0/21
Wir singen morgens in der Messe. Mit dem Reisesegen von Pfarrer Krieg
und vielen guten Wünschen unserer Chorbrüder und -schwestern
verabschieden wir uns von St. Elisabeth. Am frühen Nachmittag geht es nach
Frankfurt. Der Flug Frankfurt-Madrid verläuft planmäßig. Vor dem Weiterflug
nach Lima haben wir zwei Stunden Aufenthalt in Madrid.
5. April 2010, Ostermontag
(Madrid - Lima)
1/21
Der zwölfstündige Nachflug ist sehr angenehm. Durch die
Zeitverschiebung gewinnen wir sieben Stunden. Wir können etwas schlafen und
landen bei Morgendämmerung um 5:30 h Ortszeit in Lima. Eine Stunde später
sind wir schon auf dem Weg zum Kolpinghaus, unserer Unterkunft für die
nächsten zwei Tage. Claudias Tochter Juliane hatte ein Taxi besorgt und holt
uns ab.
Peru hat ca. 30 Mio. Einwohner, die sich auf eine Fläche viermal so groß
wie Deutschland verteilen. Seit 1821 ist es von Spanien unabhängig. Die Hälfte
der Peruaner hat indianische Vorfahren. In Lima und Umgebung leben etwa 8
Mio. Es wird sehr viel gebaut, es gibt viel Verkehr, es ist laut und die Luft ist
voller Abgase. Natürlich gibt es dort neben sehr belebten Vierteln auch ruhige
Stadtteile. Das Kolpinghaus liegt in einem solchen Stadtteil. Wir fühlen uns hier
sicher und gut untergebracht.
Wir verstauen unser Gepäck und machen uns frisch. Dann fahren wir
zum Frühstücken nach Miraflores, dem wohl schönsten Teil von Lima. Ich sitze
vorne im Taxi und unterhalte mich mit dem Fahrer und erzähle, was wir hier
machen. Es klappt ganz gut. Juliane meint, sie unterhält sich nie, weil die
Fahrer sonst mehr Geld haben wollen. Es gibt hier viele Straßencafés und
Restaurants. Später fahren wir mit dem Bus in die Innenstadt. Es ist heiß und
es geht sehr langsam voran. Immer wieder steigen Bonbon-und GetränkeVerkäufer ein und versuchen ihr Glück. Ein paar Stationen weiter steigen sie
wieder aus. An der Plaza de Armas schauen wir uns die Kathedrale und den
Regierungspalast an. Wir laufen zur Kirche und dem Kloster San Francisco, wo
wir eine Führung mitmachen. Neben den anderen Leuten gibt es noch ein
deutsches Paar mit ihren zwei Kindern.
San Francisco wurde im 17. Jahrhundert erbaut und ist sehr weitläufig.
Unter anderem gibt es eine Bibliothek, die zu den bedeutendsten im
Kolonialreich der Spanier gezählt haben soll. In den vielen Räumen sieht man
auf einigen Gemälden christliche und indianische Motive vermischt. Die
Führerin fragt nach dem Begriff sincretismo. Ich verstehe den zwar, aber bei der
Erklärung auf Spanisch muss ich passen. Durch die Vermischung der
Symbolik wollte man die indianischen Würdenträger für den christlichen
Glauben gewinnen.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
Später fragt sie noch mal nach den fünf Heiligen Perus. Ich melde mich
und nenne den einen, den ich kenne: San Martín de Porres - zugegeben, eine
einfache Sache.
Wir gehen runter in die Katakomben. Aus hygienischen Gründen
(Cholera-Gefahr) wurden diese Art der Bestattungen Anfang des 19.
Jahrhunderts
eingestellt. Es sind
dort ca. 25.000 Tote
beigesetzt,
deren
Überreste
liebevoll
sortiert zu
sehen
sind. Ein Schädel
war auffallend hell.
Wer
schwache
Nerven hat, sollte
sich diesen Teil der
Führung schenken.
Diese Postkarte habe
ich nicht verschickt.
Postkarte (#2)
www.peruinsdide.com
Foto: Jorge Alvarado
Nachmittags fahren wir zurück zu unserem Quartier. Um die Ecke gibt
es leckeren Kaffee und Kuchen.
Eigentlich wollten wir abends zum Parque de Agua (= Wasserpark), aber
der hat entgegen anderer Auskunft zu. Schade, wir hatten uns extra wasserfest
angezogen. Wir sind dann zum Strand nach Miraflores zum Essen. Es gibt dort
Einkaufpassagen, Cafés und Restaurants. In einem Laden kauft Christa einen
Alpaca-Schal. Die Verkäuferin ist etwas schnippisch und hat wohl keine Lust
mehr zu arbeiten. Später auf der Terrasse eines Strandrestaurants genießen wir
die Meeresluft und den Blick auf die von Autos und Gebäuden beleuchtete
Küstenstraße.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
6. April 2010, Dienstag
(Lima - Caral - Lima)
2/21
Hin und zurück jeweils 200 km mit dem Taxi: Eine sportliche
Herausforderung für Julianes Verhandlungsgeschick. Ergebnis 240 Soles, also
ca. 60 EUR für uns zusammen.
Caral wird auch La Ciudad Sagrada (= Die Heilige Stadt) genannt. Die
Fahrt von Lima dorthin dauert ca. drei Stunden. Das letzte Stück vor Caral
fahren wir auf einer unbefestigten Straße. Auf den Felder arbeiten viele Leute.
Es gibt kleine Feuer mit denen die Erntereste verbrannt werden. Esel scheinen
das Haupttransportmittel zu sein. Man sieht sie überall.
In Caral angekommen, suchen wir die historischen Stätten. Es heißt, wir
könnten weiter unten versuchen, den Fluss mit dem Auto zu überqueren, aber
zur Zeit ist er etwas reißend. Der Taxifahrer entscheidet sich jedoch, noch ein
Stück weiter zu einem Parkplatz am Ortsausgang zu fahren. Es ist sehr heiß
und wir haben wenig Wasser dabei. Ein Flasche lassen wir ihm da und gehen
alleine zu Fuß weiter über eine neue Brücke, am Fluss Supe und an Feldern
entlang Richtung Ödnis.
Nach zwanzig Minuten erkennt man inmitten von Geröllfeldern und hügeln das historische etwa 4600 Jahre alte Caral. Die touristische
Infrastruktur ist hier gerade im Entstehen und so sind wir erleichtert, dass es
Toiletten und einen kleinen Laden gibt. Unser peruanischer Reiseführer ist sehr
gut informiert. Er fragt uns ab nach Namen von deutschen Archäologen, die
hier forschen. Einige Namen sind uns aus dem Fernsehen bekannt.
Dreiunddreißig größere und kleinere Pyramiden lassen sich zählen. Viele sind
auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen. Einige sind jedoch gut
erhalten bzw. werden restauriert. Seit 2005 arbeiten Archäologen an der
Erforschung dieser Stätte. Die Bauten hatten zwischen den Steinschichten
auch anderes Material, dass im Fall von Erdbeben Erdstöße dämpfen konnte.
Zurück zum Parkplatz laufen wir eine Abkürzung. Wir laufen Richtung
Fluss und Felder. Unter einem Baum stehen drei Motorräder. Wahrscheinlich
haben sie irgendwann die Esel ersetzt. Erst zurück auf der Brücke sieht man
auf kleine Umzäunungen auf den Flussinseln. Es werden dort Schweine
gehalten. Am Ufer sehen wir auch Kinder, die im Fluss baden.
Der Taxifahrer ist noch da und ist froh, dass wir Wasser mitgebracht
haben. Im Ort halten wir kurz an einem kleinen Laden. Es riecht irgendwie
nach Petroleum. Wir decken uns mit Getränken und Keksen ein. Wir sind fix
und fertig als wir in Lima ankommen. Ich frage den Taxifahrer, ob er heute
noch arbeitet. Er lacht und sagt, er lege sich ins Bett. Er wohnt nur ein paar
Straßen weiter. Wir verabreden uns für die morgige Fahrt nach Pachacamac
und haben ein schlechtes Gewissen, weil er so wenig Geld für die Fahrt von uns
bekommen hat.
Abends gehen wir zum Essen ins Restaurant San Antonio: lomo asado =
Fleischstückchen vom Alpaca, was sehr an Rindfleisch erinnert, und pollo a la
plancha = Hühnchen vom Blech. Ich liebe Wortspiele. Planchar heißt Bügeln,
plancha heißt Blech, aber 'gebügeltes Hühnchen' wird jetzt zum 'Geflügelten'
Wort.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
7. April 2010, Mittwoch
(Lima - Tacna - Ilo) 3/21
Der Taxifahrer von gestern holt uns morgens ab. Pachacamac liegt 30
km von Lima entfernt und war die bedeutendste Prä-Inka Kultstätte an der
peruanischen Küste. Die Bauten sind überwiegend aus Lehm erstellt. Man
erkennt Paläste, Plätze und Tempel. Aus der Inkazeit selbst sind einige Tempel,
so z. B. der Sonnentempel, restauriert. Man hat eine schöne Sicht auf die Küste
und die Panamericana = die Straße, die von Alaska bis Feuerland den ganzen
Kontinent durchquert.
Zum Mittagessen fahren wir zurück nach Lima. Heute kriegt der
Taxifahrer sein wohlverdientes Trinkgeld. Wir verabschieden uns von ihm mit
Handschlag. Der Stadtteil Barranco liegt am Meer. Wir schlendern ein bisschen
durchs Viertel und kommen zu einer Brücke. Man erzählt uns, wenn man es
schafft, ohne zu atmen über die Brücke zu kommen, geht einem ein Wunsch in
Erfüllung. Das mit dem Rüberlaufen ist nicht schwer - wer für die Erfüllung der
Wünsche zuständig ist, weiß ich nicht. Wir finden ein uriges Restaurant mit
wenigen Gästen - sehr gemütlich. Der Chef setzt sich später ans Klavier und
spielt - wie er später zugibt - das einzige Stück, das er kann. Juliane versucht
auch ihr Glück, gibt aber auf, weil sie aus der Übung ist.
Wir machen uns auf den Weg ins Kolpinghaus, packen die Koffer und
fahren zum Flughafen. Um 18:25 h geht der Flug nach Tacna.
Um 20:10 h
kommen wir dort an
und werden schon
von Bernhard, vom
Perukreis Ilo und
auch von zwei Leuten
vom Perukreis Tacna
(Partnerschaft
mit
Sankt
Peter-undPaul in Karlsruhe)
empfangen.
Wir
fahren erst mal alle
zum
Bischof.
In
großer Runde werden
(#3)
die Schwierigkeiten Begrüßung durch Bischof Marco, von links:
Mario&Liz
mit
Tochter,
Bernhard,
Juliane,
Claudia,
Holger,
bei der Realisierung
Elisa
und
ihr
Mann
Henry
(Secretario
der
Partnerschaft)
unseren
Projektes
angesprochen. Mittlerweile sind alle Probleme ausgeräumt und die Arbeiten
haben bereits begonnen. Zur Grundsteinlegung wird der Bischof nicht kommen
können, aber er schickt einen Vertreter.
Sehr deutlich ist seine Aussage, dass er interessiert ist an diesem
Projekt, weil es ein kirchliches Projekt ist.. Drei Ordensschwestern aus
Kolumbien sollen die Betreuung der Kinder eines Tages übernehmen.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
Nach ca. einer Stunde fahren wir weiter nach Ilo. Bernhard, Christa und
ich fahren mit Elisa und Henry. Die
Strecke zieht sich ziemlich und Elisa
fährt sehr langsam. Später wechselt
sie mit Henry. Wir geraten in eine
Polizeikontrolle und alle Papiere
werden überprüft. Elisa fährt weiter.
Um 23:00 h kommen wir in
Ilo an und treffen dort die andern auf
ein Bier bei Henry und Elisa. Unsere
Unterkünfte bestehen aus kleineren
Apartments im eingezäunten und
gesicherten
Wohnviertel
der
Angestellten
der
Kupferminengesellschaft
Southern
Copper unsere Unterkünfte in Ilo (#4)
Corporation.
8. April 2010, Donnerstag
(Ilo)
4/21
Wir werden morgens um 07:30 h abgeholt und fahren zum Frühstück in
die Kantine der Gesellschaft. Sie wirkt sehr nüchtern, es läuft ein lauter
Fernseher, der unter der Decke hängt. Wegen des bevorstehenden offiziellen
Empfangs haben wir uns alle in Schale geschmissen. Der Kaffee ist schrecklich,
wie neu aufgekochter alter Kaffee. Meine Empfehlung: 1/2 Kaffee und 1/2
heißes Wasser, wenn man nichts anderes trinken will.
Wir fahren noch mal kurz zurück und ich lasse die Krawatte und das
schwarze Jackett da. Man muss nicht übertreiben. Wir wollen nicht abgeholt
werden und gehen um 09:30 h zu Fuß zum Pfarrei. Unterwegs laufen wir noch
am Haus von Alimero und
Otilia
vorbei.
Alimero
erkennt
mich
gleich
wieder, als wir vor seinem
Haus stehen.
Ich weiß nicht, ob
er sich auch an diese
kleine Geschichte erinnert:
Vor zwei Jahren beim
Besuch
der
Partnerschaftsgruppe aus
Ilo
saßen
wir
beim
peruanischen
Abend
nebeneinander.
Wir
kamen ins Gespräch und
ich erzählte ihm, dass
meine Frau und ich beide katholisch - sechs Alimero (Präsident der Partnerschaft), Holger, Juliane,
Patenkinder haben, von Alimeros Frau Otilia, Claudia und Christa (#5)
denen vier evangelisch
getauft sind. Das spanische Wort für 'getauft' fiel mir nicht ein und ich habe es
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
umschrieben mit agua = Wasser + cabeza = Kopf, tippte mit den Fingern auf
meinen Kopf und malte ein Kreuz in die Luft. Er hatte sofort verstanden und
gelacht. Mein Spanisch habe ich mittlerweile deutlich verbessert und Alimero
ist der Präsident der Partnerschaftsgruppe in Ilo.
Im Pfarrsaal sind etwa 35 Personen, u. a. Bürgermeister, Stellvertr. vom
Bischof, die Architektin, drei Frauen vom Erziehungsministerium, Presse, Leute
aus Tacna von der Partnerschaft Peter-und-Paul in Karlsruhe, wir und
natürlich unser Partnerschaftskreis aus Ilo. Es werden viele kurze Reden
gehalten. Bernhard hält eine sehr rührende Rede. Man merkt, dass er die
Mentalität der Leute sehr gut einschätzen kann. Über Alimero bin ich auch
erstaunt. Vor zwei Jahren in Karlsruhe habe ich ihn sehr ruhig erlebt, aber er
hat ein großes Talent zur freien Rede. Sie haben ihn sicher nicht umsonst zum
Präsidenten gewählt.
Henry fragt uns, ob wir auch was sagen wollen. Es hilft nichts, einer
muss ran ... äh auf Spanisch: Ich richte die Grüße aus von Pfarrer Thomas
Ehret, drücke unsere Freude aus, dass das Projekt voranschreitet und das wir
die Kindertagesstätte als ein deutlichen Zeichen der Partnerschaft San Martín
de Porres und Sankt Elisabeth verstehen. Uff .... geschafft! Alle brechen danach
auf zur Pampa = Ebene.
Der neue entstehende Stadtteil wird Pampa Inalámbrica (= kabel- bzw.
stromlose Ebene) genannt. Der Name kommt daher, weil hier die verlegten
Kabel in der Vergangenheit oft gestohlen wurden, und somit der Teil der Stadt
eine Zeitlang ohne Stromanschluss klarkommen musste.
Die ganze peruanische Küste und somit auch Ilo ist Erdbeben und
Tsunami gefährdet. Tsunamis können aber die etwa 50 Meter höher liegende
Pampa nicht erreichen. Insofern ist ein Neubau dort sicher sinnvoller als in der
Kernstadt. Mittlerweile wird überall an der Infrastruktur gearbeitet:
Straßenbau, Ab- und Zuwasser, elektrische Leitungen. Die Pampa Inalámbrica
liegt ca. 15 Autominuten von der Küste entfernt. Tausende der dort lebenden
Indios sind aus dem Alti Plano (= Anden-Hochland) auf der Suche nach Arbeit
nach Ilo gekommen. Neben dem Hafen bietet auch die Kupfermine und verhüttung Arbeitsplätze, die aber für die vielen Neuankömmlinge nicht
ausreichen.
Unsere Partner aus dem Partnerschaftskreis in Ilo gehören dem
Mittelstand an. Die Männer haben alle einen Job bei der Minengesellschaft.
Dieser Kreis gehört nicht zu den Leuten, die wir unterstützen müssen. Aber wir
helfen ihnen, ihren ärmeren Landsleuten zu helfen. Der Partnerschaftskreis in
Ilo wäre mit einem Projekt von der Größenordnung der Kindertagesstätte
(50.000 EUR) sicherlich finanziell überfordert. Alle tun dass, was sie im
Rahmen ihrer Möglichkeiten tun können. Das ist vor allem Zeit und Arbeit für
die Projektorganisation. Von Deutschland aus könnte man das nicht leisten
oder es wäre unbezahlbar.
Wir besuchen zuerst die vorläufige Kindertagesstätte. Wir werden dort
lauthals und mit deutschen und peruanischen Fähnchen und Spruchbändern
empfangen bienvenidos los alemanes = willkommen Deutsche. Es gibt noch mal
ein paar kurze Ansprachen. Mittlerweile habe ich ja Übung und überreiche im
Namen unserer Reisegruppe 100 EUR für Lernspiele. Wir nehmen ein
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
Spruchband entgegen, was die Kinder in Ilo für die Kinder in Sankt Elisabeth
gemalt haben.
Um 11:15 h geht es zur Baustelle. Man sieht die Ausschachtungen für
die Streifenfundamente und Beton-Armierung. Der Stellvertreter vom Bischof
segnet die Baustelle und danach
darf jeder ein paar Schaufeln Beton
und Steine in die Gräben werfen.
Auch eine Vertreterin der Mütter,
die ihr sechs Wochen altes Baby als
Bündel auf dem Rücken trägt. Es
werden viele Fotos gemacht und
Bernhard gibt ein Interview.
Juliane erzählt später, dass
viele Mütter bei dem Empfang
helfen wollten. Auch eine, deren
Kind mittlerweile größer ist und das
gar nicht mehr zur Kinderkrippe
geht. Das zeigt, dass hier mit der
links: Alimero, Präsident der Partnerschaft (#6)
Einrichtung auch eine soziales
Netzwerk entsteht, für das sich die Menschen bereitwillig einsetzen.
Um 13:00 h fahren wir zum Mittagessen: Zwiebelsalat, Schweinefleisch,
Kartoffeln. Nach zwei Stunden fahren wir zurück zum Apartment, ziehen uns
um und ein Taxi bringt uns in Richtung Hafen.
Für eine Hafenrundfahrt ist es zu spät und wir laufen über den Markt.
Auf dem Plaza de Armas kaufen wir
uns Bustickets für übermorgen nach
Arequipa. Wir fahren wieder zurück
zum Apartment, um uns für die
Messe heute Abend umzuziehen.
Meinem Magen geht es gar nicht gut.
Fischereiboote im Hafen von Ilo (#7)
Padre Ciro betont in seiner
Predigt die Gemeinsamkeit unseres
Glaubens, die uns die Unterschiede in
Sprache und Kultur vergessen lassen.
Er bedankt sich für die Großzügigkeit
unserer Gemeinde Sankt Elisabeth. Vor
allem, dass Julianes Mama zugestimmt Markt in Ilo (#8)
hat, dass sie ein Jahr nach Ilo darf. Das sei ein großen Geschenk. Wir werden
alle mit Namen erwähnt. Die Lieder im Gottesdienst werden mit Gitarre
begleitet. 'Vamos con Alegría Señor' kann ich mitsingen. Die Kniebänke sind
sehr bequem, man könnte dort stundenlang aushalten.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
Als wir uns zur Kommunion einreihen wollen, läuft ein Hund (Coca
Spaniel) vor zum Altar. Er steht etwas suchend davor und scheint dann doch
das Interesse zu verlieren. Es gibt ja auch kein Fleisch, sondern 'nur' Brot und
Wein. Bei der Handkommunion scheint Padre Ciro etwas irritiert zu sein. In
Peru ist sie wohl nicht üblich. Bei der Kommunion wird von zwei Leuten ein
Tuch gehalten, vermutlich um die Hostie aufzufangen, falls sie versehentlich
runterfallen sollte.
Pfarrkirche San Martín de Porres in Ilo (# 9 und # 10)
Nach der Messe werden wir sehr herzlich von vielen Leuten begrüßt. Eine
Frau erzählt uns, sie hätte einen deutschen Urgroßvater. Ich habe das Gefühl,
ich kenne sie von irgendwo her. Im Pfarrsaal sitzen wir dann als Ehrengäste
vorne
aufgereiht.
Es
gibt
einige
Tanzdarbietungen.
Aus
der
Partnerschaftsgruppe kommen immer wieder Leute nach vorne, um über ihre
Aktivitäten zu berichten. Bernhard erzählt, dass das die Frauen alles
ehrenamtlich für die Gemeinde machen. Nebenbei gibt es Häppchen und etwas
zu trinken, u.a. Pisco Sour, das Nationalgetränk. Auch wir überreichen unsere
Geschenke.
Pisco Sour
Zutaten: 3 Maße Pisco (peruanischer Weinbrand), 1 Maß Limettensaft, 1 Maß
Zucker, 1 Maß zerstoßenes Eis, 1 Eiweiß, gemahlener Zimt.
Zubereitung: Den Pisco zusammen mit dem Zucker in den Mixerbecher schütten
und das Zucker auflösen. Den Limettensaft, das Eiweiß und das Eis
hinzugeben und mixen bis sich das Eis auflöst. Um viel Schaum zu erhalten
langsam in Cocktailgläsern servieren und mit etwas gemahlenem Zimt
bestreuen.
http://www.peru-spiegel.de/de/Peru/Essen/PiscoSour-de.htm
Gegen 22:30 h ist Schluss und wir werden zu unseren Unterkünften
gebracht. Wir sitzen noch draußen zusammen. Juliane kommt dann und meint,
Elisas Hund sei los, wir sollten besser rein gehen. Wir sind dann alle zu uns.
Christa schläft irgendwann ein. Für heute ist es genug und wir lösen die Runde
auf.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
9. April 2010, Freitag
(Ilo)
5/21
Nachts stehe ich ein paar Mal auf - mein Magen. Um 08:40 h laufen wir
mit Bernhard runter zur Kirche. An der Schranke zu unserem abgegrenzten
Quartier winkt er immer kurz und sagt, wir alle wäre die Verwandten von el
Ingeniero Che, also Henry. Man hat das Gefühl, die Wachleute nehmen dann
gleich Haltung ein. Bernhard bewegt sich hier wie ein Fisch im Wasser. Er
grüßt wie immer alle recht freundlich, auch Leute, die er sicher gar nicht
kennen kann (!Hola Bonita! - Guten Tag, meine Schöne!). Weiter geht's mit dem
Taxi zur Bäckerei Eduardo's zum Frühstück. Wir reden über gestern. Angeblich
kommen wir heute ins Fernsehen.
Alle schlagen zu wie die Weltmeister, ich vergnüge mich mit einem
Kamillentee. Juliane und Claudia kommen mit Otilia, der Frau von Alimero,
dazu. Später kommen noch Mario und Liz. Mir geht es nicht gut und ich gehe
vor die Tür. Alle sind besorgt um mich.
Wir trennen uns. Bernhard, Juliane und Claudia fahren mit Otilia zur
Olivenplantage, Mario und Liz bringen Christa und mich zurück ins Apartment.
Ich lege mich hin und Christa packt die Koffer für den nächsten Tag. Claudia
und Juliane kommen um 13:00 h, um uns zum Essen abzuholen - Fischsuppe.
Na, dann doch lieber Zwieback. Wir machen den Fernseher an, um zu sehen,
ob sie was über die Grundsteinlegung bringen. Tatsächlich: Bernhards
Interview läuft und man sieht auch wie Christa mit der Schaufel Beton in die
Grube schippt. Der Bürgermeister hatte vorher seinen schwarzen Anzug gegen
zivilere Klamotten getauscht und so war Elisa im Fernsehen mit ihrem roten
Kleid als die bestangezogendste Person in der Steinwüste gleich zu erkennen.
Tilda bringt später eine Suppe für mich. Alle sind wirklich sehr nett zu
uns. Danach sitzen wir draußen und genießen die Ruhe und die Wärme. Gegen
16:15 h sind wir zum Pfarrsaal. Wir und Bernhard treffen uns dort mit Padre
Ciro, Henry, Elisa, Tila und der Architektin. Wir schauen uns die Kassenbücher
an und beschließen gemeinsam, die Architektin solle zukünftig die
Baufortschritte gegen Bezahlung überwachen und in Berichtsform und Fotos
festhalten.
Abends sind wir bei Maria Lopez eingeladen. Es gibt Grillwürstchen, vor
denen Juliane uns warnt. Für den Abend haben sie einen argentinischen
Gitarristen engagiert. Er singt peruanische, chilenische und argentinische
Lieder. María ist Chilenin, Hilda Argentinierin und so tauen sie bei ihren
Liedern auf und fangen an zu tanzen und zu singen. Wir werden gefragt, ob wir
auch singen. Aus unserem Bettina-Kerth-Repertoire gebe ich dann
'Scarborough Fair' zum Besten, ein paar Takte von 'Summerwine'. Ich tanze
später auch noch mit Hilda, Tilda und Christa. Um 23:00 h gehen wir zurück.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
10. April 2010, Samstag
Um 08:15 h werden wir
abgeholt.
Vor
der
Kirche
machen wir noch ein paar
Abschiedsbilder. Bernhard wird
wieder in Bolivien sein, wenn
wir
zurückkommen.
So
verabschieden wir uns auch von
ihm. Christa und ich fahren mit
Henry und Elisa. Unter den
vielen Leuten am Busbahnhof
fühlt man sich nicht wohl. Wir
sind froh, als es um 09:00 h los
geht. Wir sitzen oben in der 1.
Reihe. Es ist heiß und wir
ziehen die Gardinen zu. Die
Fahrt dauert bis 14:00 h.
(Ilo - Arequipa)
6/21
Gruppenbild mit Padre Ciro, ganz rechts (#11)
In Arequipa angekommen, fahren wir mit dem Taxi zum Hostal La Casa
de Melgar (www.lacasademelgar.com). Die Anlage ist sehr romantisch und
stammt aus dem 18. Jahrhundert. Es gibt viele Dachterrassen, viel Grün,
Innenhöfe und Außentreppen. Jedes Zimmer sieht anders aus.
Die Stadt Arequipa ist mit 1,1 Mio.
Einwohner die drittgrößte Stadt Perus und
liegt 2350 m hoch. In der Ferne sieht man
die schneebedeckten Vulkankegel der
schlafenden Vulkane Misti (5821 m) und
Chachani (6075 m). Die Stadt wird auch la
ciudad blanca (= die weiße Stadt) genannt
wg.
der
Verwendung
von
weißem
Tuffgestein vulkanischen Ursprungs für
ihre Bauten.
Wir laufen später zum Plaza de
Armas. Christa ruft zu Hause an. Dann
gehen wir in ein Café. Ich halte mich noch
etwas zurück, aber so langsam geht es mir
besser. Wir klappern noch verschiedene
Reisebüros ab, um unsere Fahrt ins ColcaTal zu buchen. Juliane redet im
Reisebüro,
ich
sitze
daneben
und
übersetze das Wichtigste für Claudia und
Christa. Später gehen wir Pizza essen.
Gegen frühen Abend gehen wir noch mal
Hostal 'La Casa de Melgar' (#12)
in Richtung Plaza de Armas. Die Sonne
geht langsam unter und es wird frisch.
Der Platz ist sehr belebt und wir machen einige Fotos. Unter anderem von einer
(falschen?) Hochzeitsgesellschaft. Bevor wir zurück ins Hotel gehen, essen wir
unser obligatorischen "gebügeltes Hühnchen".
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
11. April 2010, Sonntag
(Arequipa - Chivay) 7/21
Kurz nach acht werden wir mit einem kleinen Bus am Hotel abgeholt.
Unsere Reisegruppe besteht aus 14 Leuten. Wir halten unterwegs an, um uns
mit Coca-Bonbons, Keksen und Getränken zu versorgen. Wir merken, dass es
langsam in die Höhe geht. Die
Landschaft unterwegs ist karg. Wir
sehen schneebedeckte Berge und
Alpaca-Herden. Um halb zwei sind
wir in Chivay zum Mittagessen. Es
gibt ein Problem mit unserem
bezahlten Paketpreis. Angeblich ist
das Essen nicht im Reisepreis
enthalten. Juliane wird sich
darum kümmern. Unser Hotel liegt
etwas außerhalb und besteht aus
vielen kleineren Gebäuden in
denen die Unterkünfte sind. Wir
lassen uns noch mal abholen, um
Sierra, von Arequipa nach Chivay (#13)
zu den Thermen zu fahren.
Christa und ich haben leider
unser Badezeug in Ilo gelassen, sodass wir uns nur die Umgebung anschauen
können. So richtig an macht uns die Anlage allerdings auch nicht. Es ist
ziemlich frisch und wir laufen mit Pullover und Jacken rum. Wir sind froh,
wieder ins Hotel zu kommen. Nach dem Essen sitzen wir noch zusammen.
Nachts fällt die Temperatur auf unter 10°C. Wir machen später die
Elektroheizung an und lassen uns vor dem Schlafengehen noch Wärmflaschen
bringen.
12. April 2010, Montag
(Chivay - Colca-Tal - Chivay - Arequipa) 8/21
Um halb sechs stehen wir auf. Wir werden 20 nach sechs abgeholt.
Unterwegs halten wir an einigen Orten an und machen Fotos. Je näher wir dem
Colca-Tal kommen, desto schöner wird die Landschaft. Man sieht terrassierte
Flächen an den Berghängen, die schon seit Jahrhunderten landwirtschaftlich
genutzt
werden.
Das
Gebiet
ist
stark
erosionsgefährdet.
Immer
wieder
rutschen
Berghänge und Terrassen ab. Der Versuch
scheiterte, die Leute zu überreden deshalb
umzusiedeln. Unterwegs halten wir in einem
kleinen Ort und besuchen die Kirche. Vor dem
Platz sind ein kleiner Marktstand und Kinder, die
für uns Touristen einen Tanz darbieten und für
Fotos etwas Geld erwarten.
Coca-Gutsle (#14)
Um
neun
Uhr
kommen
wir
am
Aussichtspunkt an. Nach einiger Zeit lassen sich auch die Kondore blicken.
Nach Sonnenaufgang erhitzt sich die Luft sehr schnell und die Kondore
bekommen dadurch leichter Auftrieb. Man könnte die Uhr nach ihnen stellen.
Es sind sehr imposante Vögel mit einer Flügelspannweite bis zu drei Metern.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
Wir können einige schöne Fotos machen. Auf dem Rückweg schauen wir uns
wieder eine Kirche an.
Man sagt den Spaniern nach, dass sie die magische Formel entwickelt
haben: Sie haben es geschafft, Gold in Stein zu verwandeln. Vieles vom
geraubten Gold der Inkas wurde in den Bau von Kirchen und Klöstern gesteckt
und so hat es sich in Stein verwandelt.
Danach geht es zurück, zuerst nach Chivay zum Mittagessen, dann nach
Arequipa in unser altes Hotel. Abends gehen wir Pizza essen. Es ist wirklich ein
schickes Restaurant. Für peruanische Verhältnisse ist das Essen teuer. Vor
allem der Wein. Das Glas kostet umgerechnet 5 EUR.
13. April 2010, Dienstag
(Arequipa)
9/21
Endlich schlafen wir mal wieder aus. Erst um 9 gehen wir frühstücken.
Mate de Coca darf nicht fehlen. Es hilft wirklich. Später laufen wir zur Kirche
und zum Reisebüro. Wir buchen über die gleiche Agentur wie beim Colca-Tal,
zahlen 1000 Soles an und
besichtigen anschließend das
Kloster Santa Catalina.
Zur
Abwechselung
gönnen wir uns eine Führung
in Deutsch. Die Führerin
spricht wirklich sehr gut und
sie erzählt, dass sie auf einer
deutschen Schule war. 28
Nonnen leben zur Zeit im
Kloster, aber es ist keine zu
sehen, da dieser Bereich für
Besucher gesperrt ist.
Kloster Santa Catalina, Arequipa (#15)
In früheren Zeiten war
der Kontakt nach außen für
die Nonnen streng geregelt. Z. B. Gespräche mit Verwandten waren nur über
eine vergitterte Maueröffnung möglich. In der Regel waren die Nonnen
wohlhabend und haben eine Mitgift in das Kloster eingebracht. Sie konnten
sich Bedienstete leisten und beschäftigten sich bspw. mit Musik und
Philosophie. Im Laden kaufen wir noch ein paar Rosenkränze als Geschenke für
zu Hause. Danach gehen wir ins Einkaufszentrum. Ich brauche eine Badehose
für die heißen Quellen in Aguas Calientes. 40 Soles ist o.k., für Christa gäbe es
nur argentinische Designer-Badeanzüge Größe 38 - sie verzichtet dann lieber.
Um halb sechs sitzen wir im Kaffee und essen Ananastorte und
Apfeltaschen. Wir gehen zurück ins Hotel. Um halb acht kommt unser Taxi und
fährt uns zum Busbahnhof. Nachdem wir im Bus sitzen, werden wir gefilmt.
Man macht hier ein ziemliches Theater wg. der Sicherheit. Für jedes Busticket
und jede Hotelübernachtung wird der Pass fotokopiert. Wir fahren in die Nacht
und Richtung Cuzco. Wir nicken ein bisschen ein, aber richtig schlafen können
wir nicht.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
14. April 2010, Mittwoch
(Cuzco)
10/21
Cuzco ist die ehemalige Hauptstadt des Inka-Reiches. Sie liegt auf 3400
m Höhe und ist mit 275.000 Einwohnern die größte Stadt im Hochland. Das
Inka-Reich umfasste einst Teile von Kolumbien, Ecuador, Peru, Argentinien
und Chile und bestand von etwa dem Jahr 1200 bis zu seiner Zerstörung durch
die Spanier im Jahr 1532.
Morgens um halb sieben kommen wir in Cuzco an. Die Umgebung vom
Busbahnhof wirkt nicht einladend. Man merkt die große Höhe. Es könnte wohl
genauso gut in Katmandu sein, auch von den Gesichtern, die einem begegnen.
Im Busbahnhof wird sehr aggressiv um Kunden fürs Taxi oder eine
Übernachtung geworben. Nachdem Juliane sehr massiv eine Frau abgewimmelt
hat, wird diese laut und schreit ihr Verwünschungen hinterher.
Unsere Reiseagentur hat geschlossen, aber Juliane findet jemand, der
uns weiterhelfen kann mit einem taxi seguro = sicheres Taxi. D. h. die Nummer
wird vor Abfahrt registriert und es wird später am Zielort angerufen, ob man
auch angekommen sind.
Die Fahrt dauert nur ein paar Minuten. Zu dem Hostal gehört auch eine
Mädchenschule = Colegio San Martín de Porres. Während wir unsere
Anmeldeformulare ausfüllen, bekommen wir Mate de Coca angeboten. Um die
Umstellung auf die Höhe besser zu verkraften wird empfohlen, sich zwei
Stunden hin zu legen. Wir machen uns frisch und genießen den Blick vom
Balkon über die Stadt.
Hostal San Juan Masias (Cusco - Peru)
Ubicado en la ciudad del Cusco, Peru, regentado por la Congregación de las
Madres Dominicas de la Inmaculada Concepción y recomendado por la
prestigiosa guía de turismo internacional "Lonely Planet".
Located in Cuzco, Peru, run by the Congregation of the Dominican Mothers of
the Immaculate Conception and recommended by prestigious traveler's guide
book "Lonely Planet".
http://hostalsanjuanmasias.blogspot.com
Juliane und Claudia kommen uns abholen und erzählen, sie hätten ein
Reisebüro in der Straße gefunden, über das die Fahrt zum Machu Picchu billiger
wäre, allerdings 10 Stunden Autofahrt statt mit der Peru Rail. Das Problem war,
wir hatten ja schon gebucht! Unter Vorbehalt reservieren wir die Reise. Wir
gehen zu unserem Partner-Reisebüro aus Arequipa. Dort wird uns erzählt, die
Stornierung wäre kein Problem. Wir sollten später wieder kommen. Wir wieder
zurück in das Reisebüro in unserer Straße.
Der Chef - dunkles Gesicht und Zahnlücke - gefällt mir: Ein
Geschäftsmann, der uns alles verkauft: 1. die Reise zum Machu Picchu 2. das
Frühstück in seinem Reisebüro - mit angeschlossener Pension 3. eine
Stadtführung 4. ein Zimmer in seinem Hotel in Aguas Calientes.
Wir machen alles fest und frühstücken. Am Tisch sitzt ein Pärchen aus
Israel. Sie sind seit drei Monaten in Südamerika unterwegs und ganz begeistert
von Argentinien, wo man sehr bequem im Bus reisen und dabei Champagner
trinken kann - besser als Fliegen, sagen sie. Ich erzähle, wo wir herkommen
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
und was wir machen. Sie fragen noch, was man sich alles anschauen könnte.
Ich verweise auf Juliane, die ihnen dann auch einige Tipps geben kann.
Wir gehen dann zurück, um das Geld der stornierten Reise zu kassieren.
Wir erfahren, dass wir das Geld nicht zurückkriegen könnten, da die
Bahntickets schon gekauft seien. Unser Reisebüro vor Ort würde statt der
Autofahrt auch unser bereits bezahltes Bahnticket akzeptieren - uff. Jetzt
brauchen wir nur einen Teil der alten Buchung zu stornieren - der Zuständige
ist nicht da.
Also machen wir erst die Besichtigungstour von 14:00 h bis 18:30 h. Die
Kirche Santo Domingo wurde auf den Fundamenten des Tempels des InkaSonnengottes errichtet. Man erkennt von außen sehr gut die gefügten
Steinblöcke, auf die dann die heutige Kirche gemauert wurde. Rund um Cuzco
gibt es viele weitere ehemalige Inka-Kultstätten. Eine ist sehr interessant: Bei
einer alten Begräbnisstätte, hat das Gestein die Form eines Kondors. Die
Vorstellung war, dass die Seelen der Verstorbenen auf den Flügeln des Kondors
in den Himmel fliegen.
Eintrittkarte 'Convento de Santo Domingo del Cuzco (#16)
Einzelne Steine der Inka-Kultstätten wiegen bis zu 100 Tonnen. Sie sind
so bearbeitet, dass sie ohne Mörtel ineinander greifen und auch Erdbeben
standhalten. Einen Stein sehen wir, der 28 Ecken hat. Was für eine
Meisterschaft der Bauleute ! Drei Tiere haben bei den Inkas eine besondere
Bedeutung: a) die Schlange b) der Puma c) der Kondor, die für die Elemente a)
Wasser b) Erde c) Himmel/Luft stehen. Wir fahren viele Stationen an.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
Eintrittskarte 'Führung Cuzco - Historische Kultstätten' (#17)
Wir versuchen am Abend erneut, das Geld der stornierten Reise zu
kriegen. Wir warten und warten ... auf einen anderen Mitarbeiter ... auf den
Büroleiter ... auf den höchsten Chef. Schließlich sitzen wir alle da und erfahren,
dass wir das Geld nicht zurückkriegen können - sie spielen offenbar auf Zeit
und wollen letztendlich eine Stornogebühr von 80 Dollar. Die Nerven liegen
mittlerweile blank. Wir haben Angst, dass wir gleich mit leeren Händen
dastehen. Der Chef lässt sich von Juliane auf 40 Euro runterhandeln. Jetzt will
er das Ganze auch noch in Soles haben und schickt uns mitten in der
Dunkelheit zum Plaza de Armas. Nach gutem Zureden akzeptiert er schließlich
unsere Euros und wir verlassen erschöpft und grußlos das Reisebüro.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
15. April 2010, Donnerstag
(Cuzco - Aguas Calientes)
11/21
Wir frühstücken um 07:00 h und werden um 08:00 h abgeholt. Es sind
etwa 80 km und ca. zwei Stunden, die wir fahren müssen.
Die Landschaft ist sehr grün,
es gibt kleine Orte, die wir
durchfahren. Auf der Hälfte der
Strecke in einem sehr malerischen
Ort halten wir kurz im Zentrum an.
Im Hintergrund sieht man eine alte
Inka-Festung, die restauriert wird.
Ich kaufe ein paar Coca-Bonbons
und Wasser.
Danach
wird
die
Straße
schlechter. Schließlich kommen wir
an einem Parkplatz an, auf dem reges
Treiben herrscht. Zur Bahn-Station
sind es nur ein paar Hundert Meter.
Von hier starten auch viele, die den
Inka-Trail zu Fuß gehen wollen. Der
Weg dauert mehrere Tage und führt
durch die Cordillera Vilacabamba
zum Machu Picchu. Wir können
sehen,
wie
einige
mit
ihren
einheimischen Gepäck-trägern und
zum Teil auch mit Packeseln
losziehen.
Inka-Festung (#18)
Wir haben wirklich Glück,
dass die Bahnstrecke wieder seit zwei
Wochen frei ist. Im Februar war sie durch starke Regenfälle z. T. verschüttet
und die Besucher vom Machu Picchu mussten mit Hubschraubern ausgeflogen
werden.
Am Bahnhof warten viele Touristen auf ihren Zug nach Aguas Calientes
(=Heiße Quellen). Es gibt zwei Bahnen, die die Strecke fahren: a) Inka-Rail und
b) Peru-Rail. Hin fahren wir mit der Peru-Rail immer entlang des Rio Urubamba
(= wilder Fluss). Unterwegs gibt es Essen und Getränke. Die Landschaft ist
atemberaubend. Mit der steigenden Höhe merkt man so langsam die
klimatische Veränderung vom trockenen Wüsten- zum Regenwaldklima. Wir
queren auch die Wasserscheide zwischen dem Pazifik und dem Atlantik. Das
Wasser des Rio Urubamba fließt bereits in Richtung Amazonas.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
Quelle: www.lib.utexas.edu/maps/americas/peru/veg_1970.jpg
Machu Picchu, im NO von Cuzco (eingekreist) (#19)
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
An der ganzen Bahnstrecke entlang wird noch gearbeitet. Man traut sich
manchmal gar nicht,
zur Seite aus dem
Fenster zu schauen,
weil man das Gefühl
hat, der Zug schwebt in
der Luft. Aber es kann
ja nichts passieren: Die
Bauleute an der Strecke
drücken alle ganz fest
die Daumen, wenn wir
vorbei fahren. Vereinzelt
sieht man auch Hütten,
manchmal auch eine
Ansammlung
von
Hütten. Und viele, viele
Kinder,
die
einem
Rio Urubamba (#20)
zuwinken.
In Aguas Calientes werden wir abgeholt und zum Hotel gebracht. Wir
ruhen uns etwas aus, bevor wir
essen gehen. Danach gehen wir
zu der Therme. Die Anlage ist
schöner als in Chivay. Christa
setzt sich an die Bar und schaut
uns anderen zu, wie wir das
warme Wasser genießen.
Auf dem Rückweg gehen
wir in ein Internet-Café. Die
Tastatur ist total Schrott - kaum
lesbar und verklemmte Tasten.
Die eMail an Rita geht dann
doch noch raus. Wir versorgen
uns dann noch mit Keksen und
Wasser und kommen zufällig an
einem Alpaca-Laden vorbei, der
zu einem Hotel gehört. Wir
hatten eher ein Reisebüro darin
vermutet. Ich kaufe mir einen
Baby-Alpaca-Schal für 85 Soles
(~23 EUR). Es ist schon dunkel,
und wir gehen zurück ins Hotel.
Neben
unserem
Hotel
stürzt ein Bach vorbei. Sein
Rauschen wiegt uns in den
Schlaf.
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'Andean House' Aguas Calientes (#21)
Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
16. April 2010, Freitag
(Aguas Calientes-Machu Picchu-Cusco) 12/21
Wir stehen sehr früh auf und werden um 5:45 h von unserem Reiseleiter
abgeholt. Wir laufen von unserem Hotel quer durch den noch geschlossen
Markt und sind kurz danach an der Busabfahrtsstelle. Es gibt eine
Riesenschlange. Es hatten wohl viele andere auch die Idee, zum Sonnenaufgang
auf dem Machu Picchu zu sein. Die Fahrt dauert ca. 20 Minuten.
Leider ist der Himmel verhangen. Ab und zu ziehen Nebelschwaden
vorbei und hindern die Sicht. Die Stimmung ist etwas unwirklich. Unsere
Führung dauert ca. zwei Stunden.
Später
fängt es leicht
an zu nieseln.
Wir
wagen
trotzdem
zu
Fuß
den
Abstieg runter
nach
Aguas
Calientes und
hoffen
auf
besseres
Wetter.
Claudia
und
Juliane
biegen
unterwegs ab
in
Richtung
Museum. Wir
laufen weiter Machu Picchu (#22)
und kommen
nach 1,5 Stunden außen nass vom Regen und verschwitzt von der Anstrengung
in Aguas Calientes an. Danach kehren wir erst einmal ein für ein gescheites
Frühstück. Wir laufen zurück zum Hotel, packen und machen uns auf den Weg
zum Bahnhof. Christa lässt ihre roten Schuhe und nasse Hose zurück. Wir
haben noch Zeit zum Essen, bevor wir mit der Inka-Rail nach Cuzco zurück
fahren.
Im Zug tauschen wir unsere Plätze mit anderen Reisenden, damit
Christa und ich zumindest in einer Vierergruppe zusammen sitzen. Wir
kommen ins Gespräch mit einer ca. 65 Jahre alten Amerikanerin aus Arizona.
Ich dachte zuerst, sie und der Mann neben ihr gehören zusammen. Aber sie ist
mit der 'lauten' (ihre Worte) Reisegruppe und mit ihren Kindern unterwegs. Sie
erzählt, dass sie gestern das tollste Wetter auf dem Machu Picchu hatten. Wir
müssen irgendwas falsch gemacht haben.
Wir werden an der Endstation von unserem Fahrer abgeholt, der uns mit
einem Pappschild erwartet. Nach Cuzco sind es 80 km. Die Fahrt dauert zwei
Stunden und wir kommen in der Dunkelheit an.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
17. April 2010, Samstag
(Cusco - Puno, Titicaca-See)
13/21
Ein Taxi fährt uns am nächsten um 6:45 h zum Busbahnhof. Der Bus ist
ziemlich leer und mit dem Inka-Express geht es nach Puno. Wir sind nur ein
Dutzend Leute. Zwei Frauen - eine in unserem Alter und eine ältere unterhalten sich die ganze Zeit miteinander auf Portugiesisch. Später erfahre
ich, dass sie aus Brasilien stammen, die jüngere der beiden deutsche
Verwandtschaft hat und auch etwas Deutsch kann.
Wir machen unterwegs mehrmals Halt, um uns Sehenswürdigkeiten
anzuschauen. Die ehemalige Tempelanlage von Raqchi ist riesig. Sie war
Wiracocha, dem Schöpfergott der Inkas, gewidmet. Neben dieser Anlage gibt es
viele andere Gebäudereste, die die Bedeutung der Stadt als ehemaliges
Handelszentrum erahnen lassen.
Busticket des Inka-Express - von Cuzco nach Puno (#23)
Die Straße nach Puno führt uns bis zu einer Höhe von 4300 m. In der
Landschaft könnte man versinken: karges Grasland und Berggipfel. An einem
Aussichtspunkt machen wir Halt. An einem Verkaufsstand kaufen wir eine
Tischdecke mit typischen Mustern.
Wir kommen vor Dunkelheit in Puno an. An der Busstation holt uns
Zacarías ab, der uns in den nächsten Tagen betreuen wird. Er setzt sich im
Taxi in den Heckraum.
Das Hotel Vargas Inn liegt in einer
sehr belebten Straße. Wir müssen noch
zur Bank und weil wir den Weg nicht
kennen, begleitet uns Zacarías. Er scheint
hier bekannt zu sein wie ein bunter Hund.
Unterwegs grüßt er viele Leute und später
im Café wird er auch von einigen
angesprochen. Damit wir nicht so viel
Geld mit uns rumtragen müssen, zahlen wir gleich unsere Reise zu den Urus
und zur Insel Taquile. Das Hotel zahlen wir auch im Voraus. Danach gehen wir
Schlafen.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
18. April 2010, Sonntag
(Titicacasee, Urus, Taquile, Sillustani) 14/21
Wir frühstücken kurz nach sechs. Eine halbe Stunde später holt uns ein
Sammeltaxi ab und bringt uns zum Hafen. Auf dem Boot sind wir 25 eine
gemischte Gruppe aus Spaniern, Franzosen, Dänen, Engländer, Deutschen ...
Unser Reiseleiter für heute ist eine ziemliche Schlaftablette. Er versucht immer
wieder witzig zu sein, aber er ist wohl von Natur aus ein ernster Mensch,
sodass sein Humor oder was er dafür hält uns eher zum Gähnen einlädt.
Zu den Urus =
den
schwimmenden
Inseln brauchen wir
etwa 20 Minuten. Auf
den Urus leben Aymara
sprechende Indios. Jede
Insel
hat
einen
Präsidenten, der für ein
Jahr gewählt wird. Die
Leute
leben
überwiegend
vom
Tourismus. Es gibt feste
Vereinbarungen, welche
Inseln
wann
von
Touristen
besucht
werden. Die Einnahmen
werden dadurch gerecht
verteilt.
Titicacasee, Besuch auf den Urus (#24)
Unser Boot bricht dann auf nach Taquile, der größten Insel im Titicacasee. Auf
der Insel Taquile leben 350 Familien, die Ketschua, die Sprache der Inkas
sprechen. Aymara und Ketschua sind für die jeweils andere Sprecher-Gruppe
wie Fremdsprachen.
Die Fahrt dauert knapp drei Stunden. Der Bootsführer gibt das Steuer
irgendwann ab an einen jungen Kerl. Das Boot hängt die ganze Zeit schief im
Wasser und er schläft fast ein bei der Fahrt. Eigentlich ist es langweilig. Beim
Anlegen haben wir das Gefühl zu kentern. Das Boot rollt und schaukelt sich
immer stärker auf. Wir sind froh, endlich an Land zu kommen. Von dort laufen
wir hoch Richtung Ort. Es ist heiß und anstrengend aber man hat einen tollen
Blick runter aufs Wasser. Es erwartet uns eine große Essentafel auf einem
kleinen Bauernhof. Es gibt Musikdarbietung und Tanz. Beim Auffordern
werden Blondinen bevorzugt. So langsam kommt man ins Gespräch mit den
Leuten.
Die zwei Däninnen - Schwestern, die eine hat gerade Abi, die andere
ihren Bachelor gemacht - sitzen uns halbschräg gegenüber. Sie erzählen, dass
es in DK üblich ist, sich nach der Schule oder nach dem Hochschulabschluss
eine Auszeit zu nehmen und zu reisen. Sie wundern sich, dass ich mal Dänisch
an der VHS gelernt habe. Viel kann ich wirklich nicht mehr. Sie reden auch
vom isländischen Vulkan Eyjafjallajökull, der ausgebrochen ist. Der
Flugverkehr über halb Europa ist behindert. Aber wir haben ja noch ein paar
Tage in Peru.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
Uns gegenüber am Tisch sitzt eine junge Frau aus Barcelona. Ich
erfahre, dass sie auch ein freiwilliges soziales Jahr hier macht und mit
Jugendlichen arbeitet. Sie sieht ein bisschen wie eine Punkerin aus, mit Metall
im Gesicht. Ich mache sie mit Juliane bekannt und sie unterhalten sich etwas.
Ich erzähle, dass ich als Student ein Praktikum in Barcelona gemacht habe und
damals viele Leute Katalanisch gesprochen haben. Sie verdreht etwas die Augen
und sagt ihr Familie sei aus Andalusien. Zu Hause reden sie Spanisch. Sie war
auch schon in Argentinien unterwegs. Weil sie Spanierin ist, ist sie dort 4 x
gefragt worden 'wo ist unser Gold' - Gold, was die Spanier vor ein paar
Jahrhunderten haben mitgehen lassen. Sie hat's jedenfalls nicht.
Juliane erzählt später, der Reiseführer hätte die Frau halbtot auf der
Straße aufgelesen, weil sie einen fürchterlichen Durchfall hatte. Heute beim
Essen hat man das nicht gemerkt, sie hat reingehauen wie eine Weltmeisterin.
Außerdem am Tisch sitzt noch ein Ehepaar, der Mann mit Hut vielleicht
an paar Jahre älter als ich, unterhält sich in Französisch, Spanisch, Englisch
und Deutsch mit vielen Leuten. Ich komme leider nicht dazu, ihn zu fragen, wo
er her ist.
Nach dem Essen geht es quer über die Insel zu einer anderen
Anlegestelle. Im Ort drängen sich Kinder ins Bild, wenn wir Fotos machen
wollen. Sie wollen dafür Geld, aber diese Art Bilder wollen wir eigentlich nicht sie sind etwas verstimmt (... un sol, solamente un sol...).
Wir laufen zum Bootssteg. Kaum zu glauben, dass auch hier
holländische Camper sind - nur der Wohnwagen fehlt. Die zwei Mädchen gehen
sogar kurz ins 12°C kalte Wasser.
Das Boot bringt uns zurück nach Puno, wo Zacarías schon ein Taxi
organisiert hat für die Fahrt zur Halbinsel Sillustani zu den Chullpas (=
Grabtürmen). Die Grabtürme waren
Bestandteil der Kultur der Aymara,
die im 14. Jahrhundert von den
Inkas unterworfen wurden. Es geht
raus aus Puno in Richtung Cuzco.
Wir kommen bei Dämmerung an und
die Stimmung ist etwas unheimlich.
Zacarías kennt sich wirklich aus. Die
Art der Bestattung lässt sich bis zum
heutigen Bolivien nachweisen. Die
Grabtürme sind zerstört worden,
weil die Spanier Gold darin vermutet
hatten. Eigentlich hätte man sie
nicht zerstören müssen, denn sie
Halbinsel Sillustani, Chullpas (#25)
waren lediglich mit einem Stein
verschlossen. Die Öffnungen zeigten immer nach Osten hin zum
Sonnenaufgang.
Wir fahren bei Dunkelheit zurück nach Puno. Wir haben schon gehört,
dass die Minenarbeiter streiken und die Straßen zum Teil blockieren. Im Hotel
schauen wir deshalb im Internet nach, ob wir morgen nach Ilo fahren können.
Zacarías fährt noch mal weg, um sich persönlich zu erkunden. Wir erfahren
noch später, dass morgen in Moquegua mit der Busfahrt Schluss ist.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
19. April 2010, Montag
(Puno - Moquegua - Ilo)
15/21
Die Wege von uns und Claudia und Juliane trennen sich für die
nächsten zwei Tage. Juliane will nach La Paz (Bolivien) eine Freundin
besuchen. Nach dem Frühstück brechen sie auf. Wir werden uns in zwei Tagen
in Ilo wiedersehen. Christa und mir reicht die Rumreiserei. Die nächsten Tagen
wollen wir langsam angehen lassen.
Zacarías bringt uns zum Busbahnhof und besorgt unsere Tickets. Wir
haben Glück, den der Bus ist ziemlich ausgebucht. Wir verabschieden und
bedanken uns bei ihm. Er käme gerne mal nach Deutschland und fragt, ob das
Leben hier teuer sei. Ich erzähle ihm, was ein Bier kostet - teuer !
Der Bus kommt - vermutlich wegen der Streiks - mit einer Stunde
Verspätung an und wir fahren um halb zehn los. Das Verladen der Koffer ist ein
Ereignis. Es werden Säcke mit Kartoffeln und Zucker verladen, dann wieder
irgend eine Tasche, dann wieder Kisten oder große Stoffsäcke und -taschen. Wir
bleiben dabei stehen, bis alles Gepäck eingeräumt ist. Wir finden unsere Plätze.
Drinnen riecht es nach Erde und alles sieht ziemlich verdreckt aus. Einer
unserer Plätze ist anscheinend doppelt gebucht. Wir händeln ein bisschen mit
einem Mitreisenden und von der Agentur kommt jemand und schaut sich
unsere Tickets an. Der andere setzt sich später vorne hin auf die Treppe beim
Busfahrer. Wir sind anscheinend die einzigen Europäer im Bus - sonst nur
einheimische Gesichter.
Der Bus hält unterwegs an einigen Busstationen an. Es gibt dort keine
Toiletten. Die Männer gehen ins Gelände - die Frauen im Bus oder gar nicht?
Es gibt Garküchen am Straßenrand. Einige aus dem Bus essen dort, wir kaufen
nur Wasser und essen Kekse. Unterwegs in den Bergen kommen wir in ein
Gewitter mit Graupelschauern.
Wir sind froh, endlich in Moquegua anzukommen. Als wir aussteigen,
sehe ich einen Bus mit Schild 'Ilo'. Ich renne noch hin, aber er fährt vor meiner
Nase weg. An der Station frage ich, wie wir nach Ilo kommen können und nach
dem ungefähren Preis. Es fahren nur noch Sammeltaxen und ich könnte mit 15
Soles rechnen. Zu den Taxen sind es ein paar Schritte.
Die Taxifahrer schreien ihre Fahrziele raus. Wir finden ein Taxi und
fahren dann mit drei anderen in Richtung Ilo. 24 Soles für 70 km und für
Christa und mich sind o.k. Wir sitzen hinten, wo auch ein Vater mit seinem
kleinen Sohn, der auf seinem Schoß sitzt, Platz genommen hat. Unterwegs auf
halber Strecke steigen sie bei einer Tankstelle aus. Eine junge Frau sitzt vorne
und fährt bis nach Ilo zum Flugplatz, der ganz im Süden liegt.
Wir müssen in den Norden von Ilo und bitten den Fahrer, er solle in der
Stadt nach dem Weg fragen. Im Zentrum fragt er zwei Polizisten, es sind noch
10 km. Ich verspreche ihm 30 Soles, wenn er uns noch weiterfährt. Es ist kurz
nach sieben und wir kommen an, als die Messe gerade aus ist. Alle begrüßen
uns herzlich und wir fühlen uns wie zu Hause. Der Taxifahrer schaut uns
hinterher und scheint zufrieden zu sein.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
Hilda, Tila und Otilia nehmen uns mit in die Wohnung von Pater Ciro.
Die Frauen greifen in die Schränke, holen Gläser und Getränke, u. a. Schnaps
aus Moquegua. Sie bewegen sich hier so selbstverständlich, man könnte
glauben, die wohnen alle hier. Aber in anderen Wohnungen ist uns das auch
aufgefallen. Auf den ersten Blick kann man nicht zwischen Gastgeber und
Gästen unterscheiden. Die einzigen 'Gäste' sind wahrscheinlich wir, alle
anderen sind irgendwie Familie.
Nachdem wir unsere Apartmentschlüssel aufgetrieben und uns frisch
gemacht haben, gehen wir Essen mit Pater Ciro, Otilia, Alimero und Tila.
(Hähnchen, Pommes frites und für mich ein Bier). Um 10 sind wir wieder
zurück. Wir hätten heute morgen nicht gedacht, dass wir es bis Ilo schaffen
würden und sind sehr glücklich darüber.
20. April 2010, Dienstag
(Ilo)
16/21
Es ist kurz vor 10 und Henry holt uns ab zum Frühstück zu Otilia. Bei
Otilia hat man das Gefühl, man wäre in einem Museum. Überall in den Regalen
und Schränken sind Sachen ausgestellt: Geschirr, Gläser, Nippes. Viel Arbeit
zum Abstauben! Alle Räume sind pastellfarben gestrichen. Es kommen noch
Mario und Liz. Zum Frühstück gibt es Saft aus Papaya und Bananen,
Toastbrot, Käse, Ei und Avocado und zur Abwechselung GUTEN KAFFEE.
Um 11 fahren wir mit Elisa zur Post, eine Karte für Marianne vom Machu
Picchu nach Backnang muss noch weg. Die Dame am Schalter jagt mir noch
einen Schrecken ein: angeblich ist das Porto auf der Karte nicht ausreichend
für Deutschland - das hieße dann, alle bisherigen Karten wären unterfrankiert
gewesen und kämen wahrscheinlich gar nicht an. Aber sie hatte sich - wie sich
dann herausstellte - nur verguckt.
Es geht weiter zur Baustelle der Kindertagesstätte. Wir sind überrascht
über den Baufortschritt. Alle unsere 'Multimomentaufnahmen' haben bisher
gezeigt, dass alle arbeiten und keiner der Leute sich drückt. Wir lassen uns die
Pläne näher erläutern, und was als Nächstes geplant ist. Der Bauleiter sagt
uns, sie wollen Ende Mai mit dem ersten Teil fertig sein. Er erzählt, dass viele
Leute, die an der Baustelle vorbeikommen, fragen, was dort entstehen soll. Wir
machen daher den Vorschlag, dass man ein Plakat aufstellt, was die Arbeiten
erläutert. Die Idee wird sofort aufgegriffen und wir erklären, was üblicherweise
in Deutschland auf so einem Schild steht.
Das alles sind wirklich gute Nachrichten und unseren Perukreis zu
Hause wird es sicher freuen.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
Zum Chiribaya-Museum (www.museochiribaya.org/museum/history.htm)
sind es noch mal 15 Minuten mit dem Auto. Elisa organisiert eine Führung. Wir
erfahren noch Interessantes über Hunde
From Wikipedia, the free encyclopedia
The Chiribaya Shepherd is an extinct breed of dog. It was of medium height,
had long, beige colored hair and a short snout. Experts believe that the dogs
were prized for their llama-herding abilities. [1]The mummified remains that are
the only known example of this breed were discovered by Sonia Guillen, an
anthropologist from Peru, while excavating tombs in the Osmore River valley.
The dogs were found buried in plots near to their owners which Sonia believes
shows the culture had a deep respect for these family companions.[2]
References
1. ^ Collyns, Dan (23 September 2006). "Mummified dogs uncovered in Peru". BBC
News. http://news.bbc.co.uk/2/hi/americas/5374748.stm.
2. ^ de Pastino, Blake (September 25, 2006). "Photo in the News: Dog
Mummies Found in Ancient Peru Pet Cemetery". National Geographic.
http://news.nationalgeographic.com/news/2006/09/060925-dog-mummy.html.
und Menschen der Chiribaya-Kultur (Prä-Inka-Kultur 800-1350) und laufen
von da über die Straße zur Olivenmanufaktur und -plantage.
Wir
fahren
danach
alle
drei
Strände von Ilo - 2 x
Fels, 1 x Sand an und
spazieren barfuß am
Strand entlang. Das
Wasser ist warm, aber
Schwimmen ist zu
gefährlich.
Es gibt in der
Nähe von Ilo auch ein
Naturreservat
mit
Seelöwen. Um dorthin
zu kommen, müssten
wir ein Militärgelände
durchqueren.
Elisa Strandspaziergang: Elisa, Christa, Liz, Tila (#26)
versucht
den
Wachtposten mit gezielten Namensnennungen und von oben herab zu
beeindrucken: Kennst du den und den ...ein sehr guter Freund unsere Familie
...ist er da?...wie ist denn dein Name? ... und der von deinem Vorgesetzten ... ich
will ihn was fragen ... er hat sicher Zeit für mich wenn er weiß, wer hier ist ... Das
geht so ganze zehn Minuten. Der Posten ist zwar anfangs etwas
eingeschüchtert, lässt sich aber letzten Endes nicht erweichen und hält seine
soldatischen Tugenden hoch. Ihr ganzer Charme nützt nichts. Die Seelöwen
werden uns nicht zu Gesicht kriegen - und wir sie auch nicht.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
Um fünf Uhr sind wir zum Essen bei Otilia: als Vorspeise Kartoffeln mit
einer typisch peruanischen sehr leckeren Soße, später Huhn mit Reis,
Nachtisch Reis-Milch und mazamorra morada.
Mazamorra Morada = Grütze aus violettem Mais, die zusammen mit Ananas
und Apfelschalen, Quitten und Zimt gekocht und mit getrockneten Früchten
angerichtet werden. Rezept auf Deutsch zum Beispiel in:
http://www.saborsano.de/sierra/mazamorra.php.de
Henry nimmt uns nach dem Essen mit zur Kupferhütte. Diese liegt an
der Küste und ca. 10 km nördlich von Ilo. Henry ist von Beruf Ingenieur und
hat dort eine wichtige Funktion - vergleichbar einem technischen Leiter oder
Direktor.
Die ganze Anlage wirkt wie aus einem Science Fiction und hat etwa die
Ausmaße der ehemaligen Völklinger Hütte. Wir sehen, wie ganze Güterwaggons
mit Kupfererz aufgegriffen, um 180° gedreht und in eine Förderanlage geleert
werden. Man schmeckt den Metallstaub auf der Zunge. Das Erz wird täglich mit
einem Güterzug aus der acht Stunden weit entfernten Kupfermine
herangeschafft. Später gehen wir in die Kontrollstation. Die ist vollgepackt mit
Rechnern und Monitoren, die die einzelnen Prozessschritte der Anlagen
überwachen. Das Kupfererz hat im ersten Schritt einen Metallgehalt von ca.
35%, der sich in den Schmelzöfen mit jedem weiteren Prozessschritt erhöht und
als Ergebnis Kupferplatten liefert, der als Rohstoff zur Weiterverarbeitung
exportiert wird.
Bis zur Modernisierung der Anlagen in 2006 hatte der Prozess der
Verhüttung zu großer Wasser- und Luftverschmutzung geführt, wobei letztere
auch die Ursache vieler Atemwegserkrankungen war. In einem kanadischen
Dokumentarfilm aus dem Jahr 2005 (The Corporation) ist das Unternehmen
nicht gut weggekommen. Das bei der Verhüttung anfallende Schwefeldioxid
kann jetzt wirtschaftlich genutzt und zu Grundstoffen der chemischen Industrie
weiterverarbeitet werden. Zur Zeit werden diese Stoffe noch im Hafen von Ilo
verschifft, aber es ist eine eigene Anlegestelle direkt in der Nähe der
Küpferhütte geplant. Stromerzeugung und Meerwasserentsalzung sind heute
ebenfalls Nebenprodukte der ursprünglich reinen Kupferverhüttung und vermarktung.
Henry fährt uns dann wieder nach Ilo zu unserem Apartment und kehrt
zurück, weil seine Schicht bald anfängt.
Um Mitternacht klopfen Claudia und Juliane an die Tür. Sie kommen
gerade aus Bolivien und wollen ihren Schlüssel.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
21. April 2010, Mittwoch
(Ilo)
17/21
Um halb acht werden wir wach. Zwei Stunden später wollten wir
eigentlich frühstücken bei Elisa, aber es wird dann doch elf. Mit den Uhrzeiten
nimmt man es hier nicht so genau. Es gibt zuerst Schweinefleisch in einer
Brühe - ungewohnt für unsere morgendlichen Mägen - und dann noch Toast
mit Marmelade und anderes. Kaffee gibt's auch - aber wie wir unseren Kaffee zu
Hause vermissen!!!
Wir gehen uns noch mal umziehen, weil der Bürgermeister von Pachoa,
einem Stadtteil von Ilo, uns erwartet. Außer uns gehen mit: Hilda, Mario und
Liz, Otilia, Tila und Maria. Wir bekommen Inka-Cola (gelb wie Fanta, aber
dreimal so süß) und Karamell-Bonbons aus Moquegua angeboten. Die Hose
vom Bürgermeister ist etwas verkleckert - wir hätten uns also nicht unbedingt
fein machen müssen. Alle plaudern über das Projekt, die Schwierigkeiten und
die Fortschritte und über unsere Reise. Er fragt noch, ob Juliane meine Tochter
ist - wir finden das lustig. Hilda arbeitet hier ab und zu ehrenamtlich und
kennt viele der Angestellten.
Nach
einem
Gruppenfoto fahren wir zur
Strandpromenade und zwei
Kilometer bis zum Hafen.
Das Wetter ist angenehm
und nicht zu heiß. Mario
macht Witze über die
Skulpturen
an
der
Strandpromenade. Er lacht
als ich ihn frage, ob der
Künstler
vielleicht
der
Bruder vom Bürgermeister
ist.
Unterwegs sehen wir Mario,Holger,Christa,Tila,Claudia,Juliane,Otilia (#27)
einen Jeep mit Lüneburger
Kennzeichen. Wir sprechen
das Pärchen natürlich sofort an. Ihr Auto wurde von Hamburg nach Buenos
Aires verschifft und war drei Wochen unterwegs. Sie machen ein halbes Jahr
Urlaub, waren schon in Argentinien und Chile und wollen weiter in den Norden.
Am Hafen machen wir ein paar Bilder und fahren mit dem Bus zur
Pampa. Es geht dort zügig voran. Ein Taxi bringt uns zurück in die Stadt. Otilia
und Juliane setzen sich hinten in den Heckraum, sodass ein Taxi für uns alle
reicht. Wir essen chinesisch, fahren zum Apartment und werden von Mario zur
Messe abgeholt. Unseren letzten Abend verbringen wir in einer Konditorei mit
Torte essen und vielen unseren neuen und alten Freunde: Eduardo & Tila,
Mario & Liz, Otilia & Alimero und einigen anderen. Padre Ciro sitzt zu Hause
vor seinem PC und muss sich auf eine Prüfung seines Fernstudiums
vorbereiten. Kurz vor 10 fahren wir zurück in unsere Unterkunft.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
22. April 2010, Donnerstag
(Ilo - Moquegua - Ilo)
18/21
Wir frühstücken bei Otilia. Sie weiß mittlerweile, das die Deutschen
lieber ein leichtes Frühstück zu sich nehmen und hat Ciabata besorgt, das
unseren Brötchen am nächsten kommt. Außerdem gibt es Marmelade,
Obstsalat, Saft und einen wirklich guten Kaffee.
So gestärkt, machen wir uns mit Alimero, Otilia, Tila, Eduardo und Hilda
auf den Weg nach Moquegua. Die Stadt ist vor einigen Jahren schwer von
einem Erdbeben getroffen worden. Man sieht das den Gebäuden z. T. noch an.
Wir besichtigen die Innenstadt und fahren zu einem Aussichtspunkt hoch über
der Stadt. Danach gehen wir Essen. Hier liegt sie nun auf dem Teller, die
Spezialität von Moquegua. Liebe Kinder, bitte jetzt nicht weiterlesen.
Die schlechte Nachricht dabei ist: es handelt sich hier um ein in
Deutschland bei Kindern beliebtes
Haustier, wobei hier wiederum die
gute Nachricht ist, es handelt sich
nicht um eine fritierte Katze,
sondern lediglich um ein fritiertes
Meerschweinchen. Ich probiere
etwas davon. Wir zahlen und
machen uns auf den Weg zurück.
Vor dem Restaurant sehe ich, wie
ein Frau einen Korb in das Lokal
trägt. Wir schauen rein und es
sind drei lebende und vor sich hin
pfeifende Meerschweinchen.
Rund um Moquegua wird Spezialität aus Moquegua: Cuy (#28)
viel Landwirtschaft und auch
Weinanbau betrieben. Die Landschaft ist grün. Wir fahren nicht über die
Autobahn, sondern über die Landstraße zurück nach Ilo.
Abends ist der Abschluss-Gottesdienst. Elisa fragt mich, ob ich Spanisch
lesen kann, und so darf ich eine Stelle aus der Bibel vorlesen. Danach noch mal
ein gemeinsamer Abend mit dem Perukreis. Wir bekommen viele Geschenke mit
auf den Weg. Unter anderem
auch die Heiligenfigur von San
Martín de Porres auf einem
Holzschiff. Der Abschied von
der Gemeinde ist sehr rührend.
Eine Frau kommt und sagt, sie
hätte kein Geschenk, aber sie
würde anstatt dessen gerne ein
Lied für uns singen. Ich bin
sprachlos, was man mir wohl
anmerkt, und werde dann
ermuntert, auch etwas zu
singen. Gut, ein Liebeslied von
Thoinot Arbeau (16. Jhdt.) aus
Ich und der Präsident - klingt echt gut (#29)
meinem alten Bettina-KerthRepertoire.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
23. April 2010, Freitag
(Ilo - Tacna) 19/21
Henry wollte noch einige CDs mit Fotos für uns vorbereiten. Wir treffen
uns daher zum Frühstück und wir nehmen eine ganze Tasche mit Plänen,
Papieren und Fotos der Kindertagesstätte für Clemens Becker mit und
besuchen ein letztes Mal die Baustelle. Es sind wieder einige Steinreihen
dazugekommen. Man erkennt das sehr gut an dem noch feuchten Mörtel. Das
Schild ist fertig und zeugt jetzt deutlich von unserem Partnerschaftsprojekt, das
unter dem Motto steht:
Lema: Aprendiendo juntos como hermanos a leer los signos de los tiempos.
Motto: Wie Brüder gemeinsam lernen, die Zeichen der Zeit zu erkennen.
Wegen
des
vielen
Gepäcks brechen wir mit zwei
Autos auf nach Tacna und
fahren zur Schule San Martín
de Porres. Die Schwestern dort
wollen ihre Partnerschaft neu
beleben und bitten uns, Briefe
nach
Deutschland
mitzunehmen. Sie haben am
Beispiel
unseres
Projektes
gesehen,
was
man
alles
machen
kann.
Das
ist
natürlich ein Ansporn auch
für andere Partnerschaften.
Man kann diesem Versuch nur
alle Gute wünschen. Meinem
Guardería, 14 Tage nach Grundsteinlegung (#30)
Magen geht es mal wieder nicht gut. Vielleicht
das
linke
Hinterbein
vom
gestrigen
Meerschweinchen? Otilia empfiehlt in der
Mikrowelle erhitzte Cola. Es hilft!
Nach
einigen
Abschiedsfotos
im
Innenhof suchen wir ein Hotel, das uns
zusagt. Claudia und Juliane gehen mit den
anderen Essen. Christa und ich verabschieden
uns von unseren peruanischen Freunden.
Unser Flug nach Lima geht morgen sehr früh.
Es ist Nachmittag. Ich bin einfach nur
schlapp. Wir packen unsere Koffer etwas um
für den Rückflug. Unser Blick aus dem
Hotelzimmer geht über die Altstadt. Wir sehen
noch die letzten Sonnenstrahlen hinter den
Dächern verschwinden. Danach lege mich hin
und schlafe sofort ein. Christa richtet noch
das Handgepäck für den nächsten Tag.
[email protected] (#31)
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
24. April 2010, Samstag
(Tacna - Lima)
20/21
Obwohl es kurz vor vier Uhr ist, wachen wir ausgeruht auf, bestellen ein
Taxi und fahren zum Flughafen. Alle Schalter sind noch geschlossen. Mir geht
es besser und wir gehen frühstücken. Der Flug geht um sechs Uhr pünktlich
los und kommt um acht in Lima an. Es bleibt Zeit für ein zweites Frühstück in
Miraflores. Es ist Samstag, es ist sonnig und warm und die Stimmung um uns
herum sehr entspannt. Die Leute genießen ihren freien Tag. Wir auch, wobei
Christa und ich danach zurück zum Flughafen wollen. Juliane hilft uns noch
bei der Taxi-Suche. Dann verabschieden wir uns auch von ihr, weil sie später
nicht mehr in den Abflugbereich rein darf. Claudia und Juliane wollen noch die
letzten Stunden in Peru gemeinsam verbringen.
Ich komme mal wieder mit dem Taxifahrer ins Gespräch. Es stellt sich
heraus, dass sein Bruder in Karlsruhe studiert. Die Welt ist ein Dorf! Ich
erzähle ihm von der KHG und dass sein Bruder vielleicht den Namen von
Pfarrer Krieg kennt, der im August nach Peru fliegen wird. Das Gespräch war
ein schöner Abschied.
Wir treffen Claudia später im Duty Free Shop. Unser letztes
peruanisches Geld wollen wir noch ausgeben u. a. für Pisco. Wir fliegen in die
Nacht Richtung Heimat. Durch die Zeitumstellung verlieren wir die 7 Stunden,
die wir auf dem Hinweg gewonnen haben.
25. April 2010, Sonntag
(Lima - Madrid - Frankfurt - Karlsruhe) 21/21
Beim Umsteigen in Madrid wird meine Flasche Pisco kassiert. Dass man
selbst beim Umsteigen keine Flüssigkeiten mit einem Inhalt von mehr als 100
ml mitnehmen darf, hätte man mir ja auch im Duty Free Shop sagen können.
Der Vulkan Eyjafjallajökull hat sich in den letzten Tagen wohl etwas
beruhigt und so kommen wir pünktlich in Frankfurt an. Ein kleiner Koffer von
uns taucht nicht auf und so verspätet sich die Abfahrt nach Karlsruhe. Die
vorbeiziehende Landschaft mit all dem Grün und den Bäumen ist eine Wohltat
für die Augen und nach den drei Wochen merkt man, es ist endlich Frühling!
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
Der Stand der Dinge
Der Perukreis trifft sich ein paar Tage später bei uns in der Wohnung.
Pläne, Papier und Unterlagen der Kindertagestätte werden gesichtet. Wir
erzählen über unsere Eindrücke und verteilen die Geschenke zum Weitergeben.
Berthold Weiß-Holger+Christa Hammerstein-Bernhard Braun-Claudia Stöhr-Martin Winterwerber-Isolde
Weiß-Christine Kundel-Winterwerber-Clemens+Barbara Becker-Thomas Kurz (#32)
Alle sind sehr zufrieden über den Stand der Dinge und dass das Projekt
jetzt wohl zügig zu Ende geführt werden kann.
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Peru-Rundreise 2010 und Besuch unserer Partnergemeinde San Martín de Porres in Ilo
Infoquellen
Die meisten meiner Angaben zu Land und Leuten stammen aus dem Internet
(Wikipedia, Google) und aus dem Reiseführer:
POLYGLOTT on tour
(Der Reiseführer ist
Detlev Kirst, Anton Jakob
kurz und schmerzlos)
ISBN 978-3-493-56814-1
Allgemeines
Sprache:
In den Städten kommt man mit Englisch klar,
Spanisch macht aber mehr Spaß
Gesundheit: Impfschutz abklären, Reiseapotheke sinnvoll, Flug vorbereiten
Klima.:
angepasste Kleidung und Sonnenschutz, vor allem wg. der Höhe
Essen:
mit Magenproblemen sollte man rechnen, aber es geht vorbei
Geld:
Bargeld lacht, Abheben über EC-Karte, 4 Soles = 1 Euro
Transport: für kleine Gruppen ist ein Taxi ideal und kostete in den Städten
zwischen 4 und 10 Soles, also 1 - 2,50 Euro für 4 Leute,
der Preis ist Verhandlungssache, das Busfahren über Land
ist vergleichbar mit Bahnfahren bei uns (Ticket, Platzkarte, etc.)
Bilder und Abbildungen
Die hier gezeigten Bilder sind nur ein Auswahl, um den Text etwas
aufzulockern. Alle Bilder der Rundreise und dieser Reisebericht werden auch
auf einer CD für den privaten Gebrauch zur Verfügung stehen.
Karte:
#1 (Peru)
www.lib.utexas.edu/maps/americas/peru_pol_06.jpg
Postkarte: #2 (San Francisco, Lima)
www.peruinsdide.com, Foto: Jorge Alvarado
Karte:
#19 (Vegationszonen)
www.lib.utexas.edu/maps/americas/peru/veg_1970.jpg
Fotos:
#5, #6, #8, #11, #13, #25, #27, #29, #30
Claudia Stöhr
Fotos:
#2, #3, #4, #7, #9, #10, #12, #14, #15, #18, #20, #22, #24, #26, #28
Christa Hammerstein
Scans, Montagen:
Titelblatt mit San Martín de Porres, #16, #17, #21, #23, #31, #32
Holger Hammerstein
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