EUROjournal 4/2011

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EUROjournal 4/2011
ISSN-Nr.1434-4440 I MKCR 7828 I Free of charge to FEK members
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dokumentations- und informationsmagazin der europäischen wirtschaft, politik und kultur
documentary and information magazine for european business, politics, culture and european relations
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Jahrgang 12
POLITIK I WIRTSCHAFT I KULTUR I GESELLSCHAFT I BLICKPUNKT
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JOURNAL
P R O M A N A G E M E N T
2012
EDITORIAL
Als diese am 25. August 1991 durch einen Erlaß des damaligen russischen Präsidenten, Boris Jelzin, auf russischem TerProfessor emerit.
Dr. Helmut Wagner
ritorium für aufgelöst erklärt und verboten worden ist, war es
um das Regime geschehen. Damit war seine „Lebensader“
durchschnitten worden. Ohne sie hat sich das sowjetische
I
System als lebensunfähig erwiesen.
Noch nie in der Geschichte, um damit auf ein zweites Merkn Zeiten wie diesen, in denen es um die „Rettung des Euro“
mal der Implosion der Sowjetunion zu sprechen zu kommen,
geht und die Verwirrung über die Zukunft Europas groß ist,
ist ein Regime von seinen eigenen Gründern und Verwaltern
fällt es schwer, diese Thematik zu umgehen. Sie wird denn
„umgebracht“ worden. Mit der Sowjetunion ist aber eben dies
auch in dieser Ausgabe behandelt. So u. a. in einem Kom-
passiert, was es erlaubt, von einem „Suizid“ zu sprechen.
mentar der Abschiedsrede des scheidenden Präsidenten der
Drei Gruppen seiner Repräsentanten haben daran entschei-
Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, die
dend mitgewirkt: Die Reformer mit Michail Gorbatschow an
dieser Ende Oktober in Berlin gehalten hat. Doch um darauf
der Spitze haben den Boden für den Umsturz bereitet und
aufmerksam zu machen, daß es gleichwohl noch andere ak-
den Umbau des Systems gemäß ihren Vorstellungen nicht ge-
tuelle und historische Themen gibt, die sich der Betrachtung
schafft; das sich selbst ernannt habende Notstandskomitee
lohnen, will ich es an dieser Stelle nicht versäumen, auf ein
aus Führungskräften der alten Elite hat durch seinen Putsch-
welthistorisches Ereignis zu sprechen zu kommen, das sich in
versuch den äußeren Anstoß zum Verlust der Macht gegeben;
Kürze zum 20. Male jährt: der Suizid der Sowjetunion.
und die neuen Machthaber in den Teilrepubliken mit Boris
Ja, es ist kaum zu glauben, aber doch wahr. Es ist nunmehr 20
Jelzin an der Spitze, alles geschulte und bewährte Bolsche-
Jahre her, daß die Sowjetunion am 21. Dezember 1991 nach
wisten, haben dem sowjetischen System aus eigenem und
74-jähriger Dauer, wenn man von ihrer Gründung im Jahre
dem Interesse ihrer Völker schließlich den Garaus gemacht.
1917 ausgeht, zu existieren aufgehört hat. In einer offiziellen
Vereint haben sie – zum Teil wider Willen, aber doch von den
Erklärung von 11 der ehemals 15 Mitglieder umfassenden
Umständen getrieben – der Sowjetunion ein Ende bereitet.
Sowjetunion heißt es klipp und klar: „Mit der Schaffung der
Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) hört die Union
Die Folgen davon sind, kurz gesagt, von zweierlei Art gewesen.
der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) auf zu existie-
Zum einen ist die Sowjetunion aus dem „Konzert“ der beiden
ren.“ Im Folgenden werde ich, an dieses Ereignis erinnernd, in
Supermächte ausgeschieden. Rußland ist in den Rang einer
gebotener Kürze auf drei der hervorstechendsten Merkmale
Mittelmacht abgestiegen, dessen Führung nur noch gelegent-
dieses Vorgangs von welthistorischer Bedeutung eingehen:
lich von weltpolitischen Ambitionen träumt. Und zum anderen
auf das urplötzliche Ableben, auf die Totengräber und auf zwei
ist das entstandene Machtvakuum durch alte, wiedererstan-
der unmittelbarsten Folgen des Untergangs der UdSSR.
dene oder gänzlich neue Nationalstaaten ausgefüllt worden.
Es hat in der Weltgeschichte wohl noch keine Revolution wie
Sie haben sich, wie es scheint, als lebensfähig erwiesen und
die „sowjetische“ gegeben, in welcher ein ganzes politisches
sind ihre eigenen Wege gegangen; zum Teil haben sie in der
System auf einen Schlag ausgewechselt wurde, die so plötz-
Europäischen Union Zuflucht gesucht und gefunden, zum Teil
lich erfolgt ist und so wenig Opfer gekostet hat. Seinerzeit hat
sind sie noch unentschieden, an welche Großmacht sie sich
nahezu niemand mit dem Ende der Sowjetunion gerechnet.
anlehnen sollen.
Ihm sind keine lebensbedrohende Krisen oder Schwächemo-
Der mit Genugtuung und Befriedigung, aber auch mit Ängsten
mente vorausgegangen. Ihr Untergang erfolgte praktisch „über
und Schmerzen begleitete Untergang der Sowjetunion hat das
Nacht“. Und er hat bei dem Moskauer Putschversuch vom 18.
Ende eines der lupenreinsten Ideologie-Staaten der Weltge-
bis 21. August 1991 „nur“ drei Menschenleben gekostet.
schichte bedeutet. Er hat viele neue Probleme aufgeworfen.
Aber rückgängig ist er nicht mehr zu machen. Die UdSSR hat
Der „Urknall“, mit dem die UdSSR ausgelöscht worden ist, läßt
ihre Zeit gehabt. Sie ist, wie viele Menschen sagen – Gott sei
sich vermutlich darauf zurückführen, daß die Sowjetunion wie
Dank! – Geschichte.
das Sowjetimperium insgesamt durch die alleinherrschende
leninistische Partei, die KPdSU, zusammengehalten wurde.
EUR
JOURNAL
P R O M A N A G E M E N T
4 EUROJournal
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EDITORIAL
In times such as these when we are concerned
about saving the Euro, and there is much confusion
as to Europe’s future, it is difficult to avoid this subject, hence it will also be addressed in this edition.
Amongst other things there is a commentary on the
final speech which was made by the outgoing ECB
president, Jean-Claude Trichet, in Berlin on October
24th. But at this point I do not want to miss the opportunity of drawing your attention to the fact that there
are other current and historical issues which are worth
taking a look at, notably a historical event which will
shortly be approaching its 20th anniversary: the suicide of the Soviet Union.
Yes, difficult to believe, but it is true. The Soviet Union
ceased to exist 20 years ago on 21st December 1991,
74 years after it was founded in 1917. In an official
statement made by 11 of the 15 members of the Soviet Union it was stated clearly: “With the creation of
the Confederation of Independent States, the Union of
Socialist Soviet Republics has ceased to exist“. In the
following I shall go into three of the salient characteristics of this historic happening: the sudden demise,
the grave diggers, and two of the immediate consequences of the fall of the USSR.
There has never been such a revolution in world history as the “Soviet” one, where a complete political system was replaced in one fell swoop; something which
happened so suddenly and claimed so few victims. At
the time, no-one had reckoned with the end of the Soviet Union, since no life threatening crises or moments
of weakness had preceded it. Its downfall happened
practically overnight, and only three lives were lost during the Moscow coup from 18th to 21st August 1991.
The “big bang“, with which the Soviet Union was extinguished can presumably be attributed to the fact that
the Soviet Union, just like the Soviet empire, was held
together by the autocratic Lenin party, the Communist
Party of the Soviet Union. When this was dissolved
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and declared illegal on Russian territory on 25th August 1991 by the then Russian president Boris Yeltsin,
the regime was finished. And thus its lifeline was cut,
for without it the Soviet Union could not survive.
Never in history, and so we come to the second attribute of the Soviet Union’s implosion, has a regime
been “killed” by its founders and administrators. This
happened in the Soviet Union and thus permits us to
speak of a “suicide”. Three Parties were instrumental
in this: the reformers, with Mikhael Gorbachev at the
head, prepared the way for the collapse of the system
but not the reorganisation of the system according
to their ideas. Through its attempted coup, the self
appointed Emergency Committee which comprised
leading members of the old guard, provided the final
impetus to the loss of power, and the rulers of the new
republics, all tried and trusted Bolsheviks, with Boris
Yeltsin at the front, finally cooked the Soviet Union’s
goose out of self-interest and that of their citizens. Together, and partly against their will, but spurred on by
circumstances, they finished off the Soviet Union.
The consequences of this have been twofold. On
the one hand, the Soviet Union has pulled out of the
“concert” involving the two Superpowers. Russia has
moved down to the ranks of a medium power, the leaders of which still occasionally harbour world ambitions. On the other hand, the resulting power vacuum
has been filled by old resurrected or completely new
states, which, it seems, have proved to be viable, and
which have gone their own way; some of them sought
refuge in the EU and found it, some are still undecided
as to which world fraction they want to be associated
with.
The demise of the Soviet Union, which was viewed
not only with satisfaction and gratification, but with
anxiety and pain, signalled the end of one of the most
purist ideological states in history. It has thrown up a
lot of problems, but it is irreversible. The Soviet Union has had its day, and as many people would say,
- thank God, it is history.
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JOURNAL
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P R O M A N A G E M E N T
INHALT
PHILOSOPHY & CULTURE
Das kleine Museum – Kultur auf der Peunt..........................60
JUST BEFORE PRINT
Der Weg vom „Lehrling zum Meister“ ...........74
K U L T U R TO U R
Führerschein und Fahrzeugschein.................75
Jean-Claude Trichets Europa........................76
FOCUS IN TIME
Ein Gespenst geht umher..........................................22
VIA CAROLINA
Beziehungen mit Leben erfüllt ................................52
Eine Region bekam ihre Geschichte zurück ......54
Klattauer Katakomben restauriert....................:.......56
Böhmen und Ostbayern trotzen...............................58
APROPOS
NAMES & NEWS
Gesundheit aber wessen? .........18
Neuer Ratsvorsitzender der Metropolregion.............................26
Euro - Teuro - Rettungsschirm......21
Rödl & Partner hat neuen Chief Information Officer ...................27
Dezember-Schock ......................82
GLOSSARY
Politiker-Gedrängel..............29
Präsident des Dachverbandes EUROPARTNERS.........................27
ECONOMICS &
ECONOMICS SPOTLIGHT
BioFach und Vivaness 2012....................................30
Financial Enlightement 21st Century /Part II..............36
NürnbergConvention...............................................42
Consumenta 2011 mit Besucheransturm...................44
Auf Rekord programmiert: embedded world 2012......46
NEW MEDIA SCIENCE
& TECHNOLOGY
Gewaltspiele zerstören menschliche Werte............48
Unterricht in Europa............................................49
Goldsekt fürs GALILEO-Projekt..............................51
TITELBILD by SIGN DESIGN
6 EUROJournal
www.sign-design.biz
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INHALT
REFLEX
Weltwirtschaft zwischen Bangen und Hoffen......66
MAGAZIN
Gegenwart und Zukunft.........................................70
Zuhause ist, wo du Freunde hast..................................79
525 Jahre einzigartiger Tradition....................................84
Eine Messe voll Freizeitthemen.....................................86
„Unsere Originale“..........................................................87
„Ideen-Erfindungen-Neuheiten“ – iENA 2011...........88
NÜRNBERGER BURG-POKAL.....................................90
THE LITTLE LIBRARY
“METASTASEN”: Ein Mafioso packt aus.........69
POLITITICAL FORUM
Von der Abschreckungstheorie zur Friedensstrategie .....8
TRAVEL
EUROJOURNAL
PRO MANAGEMENT
„Kleines Reisegepäck ABC“.....................................91
Mein Name ist Franche-Comté.............................92
EDITORIAL COUNCIL .................28
IMPRINT ......................................41
BRIDGE BUILDERS
Wege zur Verständigung ..............................64
SHORT REPORT
Kampagne für freien Sonntag in Europa.............................20
EU erlaubt Süßungsmittel Stevia........................................20
Mit Marketing-Preis ausgezeichnet.....................................24
Bayern ist Mekka für tschechische Unternehmen...............49
AUTO-MOBIL
EU-Länder locken mit niedrigen Unternehmenssteuern......53
Stiftungsdirektor Karl Freller fordert NPD-Verbot.................71
AMI 2012 in Leipzig...............................72
Rennstrecken im Fahrsimulator..............73
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political forum
Europäische Sicherheitspolitik:
Historie und Zukunft der Abschreckungstheorie auf dem langen Weg zu einer realistischen Friedensstrategie
Im Vorfeld des „10. Congress on European
Security and Defence“ über die Zukunft der
europäischen Sicherheit und Verteidigung
(8.-9. November 2011) in Berlin fand als
Kommentator im Newsletter Dr. Hans-Gert
Wolfgang Reineke
Pöttering MdEP richtungsweisende Worte.
Pöttering, von 2007 bis 2009 Präsident des
Europäischen Parlamentes, war bereits in den 80er Jahren einer der erfolgreichen Promotoren rüstungskontrollpolitischer Zuständigkeit des
EU-Parlamentes und wurde von 1992 bis 1994 Vorsitzender des Unterausschusses für Sicherheit und Abrüstung. Sein Aufruf: „Jetzt handeln – Niemand wartet auf Europa.“
„Auch die Weiterentwicklung der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) ist ein Zukunftsthema von höchster Bedeutung.
Denn nur eine Europäische Union, die ihre eigene Sicherheit zu gewährleisten und sich gegen Bedrohungen zu verteidigen vermag, wird ihre
eigene Zukunft erfolgreich gestalten und nachhaltigen Einfluß auf die
internationale Politik nehmen können. Die Europäische Gemeinsame
Sicherheits- und Verteidigungspolitik ist seit ihrer Gründung in Köln
1999 weit gekommen, aber noch nicht weit genug. Europa hat immer
wieder demonstriert, daß die weitere Integration eine bessere Zukunft
verspricht. Deshalb müssen wir nun auch in Fragen der Sicherheit und
der Verteidigung nach der Erkenntnis handeln, daß eine gestärkte EU der
richtige Weg ist.“
Auch die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des
Deutschen Bundestags, Dr. Susanne Kastner, sieht – auch
durch die aktuellen Schwerpunkte der bis Ende dieses
Jahres bestehenden EU-Ratspräsidentschaft Polens – die
Weiterentwicklung der Gemeinsamen Sicherheits- und
Verteidigungspolitik (GSVP).
Das Weimarer Dreieck (Frankreich, Deutschland und Polen) „könnte dabei zu einem wichtigen Baustein und Motor
der Initiative werden.“
„Die stetige Weiterentwicklung der „EU Battlegroups“ ist
darüber insbesondere für die Durchführung von Einsätzen von zentraler Bedeutung. Dabei sollte vor allem die
Bereitstellung von militärischen, zivilen, aber auch zivilmilitärischen Fähigkeiten sichergestellt werden, um so den
kompletten operativen Notwendigkeiten gerecht zu werden.
Eine Verbesserung der gesamteuropäischen Fähigkeiten
durch die Spezialisierung der Nationalstaaten und das
„Pooling and Sharing“ auf europäischer Ebene ist sicherlich ein kompliziertes, aber lohnenswertes Unterfangen. Damit die Europäische Union als handlungsfähiger Akteur auf
dem Gebiet der Sicherheits- und Verteidigungspolitik wahrgenommen wird, muß die Sicherheitsarchitektur allerdings
weiteren Reformen unterzogen werden. Dabei kann dem
Weimarer Dreieck eine besondere Rolle zukommen. Da in
8 EUROJournal
diesem Rahmen bereits Kontakte auf Regierungs- und Parlamentsebene zwischen den Mitgliedsstaaten bestehen,
könnten diese die Weiterentwicklung der gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik wesentlich erleichtern.
Die Weimarer Initiative besitzt erhebliches Potential, muß
allerdings konsequent unter Beteiligung der zuständigen
Fachgremien der Nationalstaaten weiterentwickelt werden.“
(Newsletter Sept. 2011).
In der gegenwärtigen Situation der EU mit schweren Wirtschaftskrisen in einigen Ländern und auch damit verbundenen massiven Reputationseinbußen von Ministerrat und
Kommission könnte Sicherheitspolitik als Emanzipationshilfe für die EU wirksam werden, frei nach dem äthiopischen
Sprichwort: „Nach und nach lernt auch ein Ei laufen.“
Die Dialoge und Debatten müssen zu einer
erkennbaren Sicherheitspraxis mit neuen
Schwerpunkten führen
Im Rahmen der zukünftigen Europäischen Sicherheitsstrategie ist die vielstimmige Debatte über Abschreckungsdefinition und -differenzierung voll entbrannt. Im Fokus steht
nach wie vor die praktische politische Umsetzung der
nuklearen Abschreckung nach dem Ende des Ost-WestKonfliktes mit neuen Kriegsbilder-Szenarien und neuen
globalen umfassend zu entwickelnden und zu schützenden
Sicherheitsinteressen in allen UN-Staaten und besonders
für die der EU. Die 27 Staaten der EU und speziell die
Nuklear-Staaten England und Frankreich sind in der Diskussion mit und über ihre atomaren „hard-skills“ im Zusammenspiel mit den „soft-skills“ der anderen Staaten und speziell Deutschlands als Mittelmacht besonders gefordert. Im
Laufe der Jahrzehnte hat sich dabei die NATO mit ihrer Deterrent-Strategie als Prä- und Reaktions-Kriseninstrument
erfolgreich gezeigt. Die EU hat in diesem Schutz nach dem
Ende der WEU zahlreiche Projekte zur eigenen Sicherung
fortzuführen und endlich in diesem Prozeß zu einer eigenen
neuen Strategie zu finden. Die zur Zeit stattfindenden Dialoge und Debatten müssen zu einer erkennbaren Sicherheitspraxis mit neuen Schwerpunkten führen: regional wie
global. In dieser Diskussion sollte gegenseitiges Beschuldigen wie Mißtrauensäußerungen gegenüber den USA
und deren Retourkutschen wie „Liechtenstein-Verhalten
der Europäer“ in der Weltpolitik keinen Platz mehr haben.
Das gegenseitige über viele Jahrzehnte entwickelte Verständnis von Abschreckung ist gewachsen. Die Diskussionen über zukünftige gemeinsame Handlungsprogramme
und regionale Kooperationen müssen einmünden in eine
europäische politische „Grand-Strategy“ in der atlantischen
Wertegemeinschaft.
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political forum
Einiges zur Geschichte und Entwicklung einer
generellen Konzeption der Abschreckung
Es liegt heute ein weit gefächertes intellektuelles Konzept
vor, das den gesamten Bereich der gegebenen Optionen
– von der nuklear-strategischen bis zur konventionell taktischen Einsatzmöglichkeit – theoretisch abdeckt. Es soll
nicht mehr das Schlimmste für den Gegner als Ausgangsmaxime für die nukleare Abschreckungsplanung gelten,
sondern das „Beste für unser Land“. Die dabei zu sehenden
Gefahren bleiben Verteidigungsmüdigkeit und Abbau des
Engagements gegenüber Bündnispartnern als Flucht aus
der Verpflichtung.
Strategie funktional integriert ist, um den Politikern einen
höchsten Handlungsspielraum zu schaffen, dem Gegner
auch während des Krieges eine Änderung seines Verhaltens nahezubringen.
Es kommt jetzt darauf an, in der Planerebene in den Verteidigungsorganisationen die Voraussetzungen durch systematische und umfassende Optionen für die Zukunft zu
schaffen. Für Europa gilt es, seinen ausgewogenen und
angemessenen Beitrag in einem nachhaltigen Lösungsansatz zu leisten, der von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung in Zukunft getragen wird.
Das Phänomen
Zu begrüßen aber ist die Erkennung der Abschreckung
darin, daß sie vor und während einer bewaffneten Auseinandersetzung darin beruht, die zum Krieg drängenden Absichten des Gegners zu ändern. Das gilt auch im Zeitalter
des Terrorismus und der damit verbundenen asymmetrischen Kampfführung.
Auch das bisher noch zu wenig durchdachte Prinzip der
Unsicherheit im Rahmen der Abschreckung als eines,
wenn nicht des lebenserhaltenden Bestandteiles wird ständig weiterentwickelt. Dem Gegner muß das Gefühl und die
Einsicht über die ihm wehrenden Kräfte vermittelt werden:
Die Fähigkeiten des seine Interessen schützenden Verteidigenden sind umfassend und weisen wenig Lücken und
Nischen für einen Angreifer auf. Seine Absichten sind rational faßbar, u. U. sogar signalisiert, aber so flexibel und
unkalkulierbar, daß das Risiko für den Angreifer nach wie
vor unkalkulierbar hoch bleibt. Die Unsicherheit bleibt, ist
aber sicherer geworden.
Der Frieden ist durch internationale Kommunikation (Abkommen) und auch durch zum Teil noch verschwommene
Theorieansätze „sozialer Verteidigung“ erreichbarer geworden. Waffentechnische Basis und psychische Abwehrkraft,
ein politisch und militärisch wirksam arbeitender Sicherheitsapparat, intensive, vom Gegner wahrgenommene Information (Diplomatie, Rüstungskontrollstäbe und Presse)
sowie ein zu förderndes rationales Verhalten der Beteiligten
stützen ein modernes Abschreckungskonzept.
Diese Strategie wird wirksam durch
1. rationale und rationell verzögerungsfreie Entscheidung,
2. die Bereitschaft aller Kräfte zur Verteidigung (einschließ
lich der sozialen)
a) unbedingte Abwehrbereitschaft
b) Zusammenarbeit aller politischen Ressorts in der Sicherheitspolitik im Sinne kommunikativer Integration und
einer für den Fall des Krieges wirksam werdenden zu nVariationen fähigen Militärstrategie mit hoher Kampfmoral
und größtmöglicher Integration und Technisierung, die mit
der unter den ersten beiden Ziffern genannten politischen
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Das Phänomen der Abschreckung tritt seit Jahrtausenden
auf. „Die Abschreckung, eine Art und Weise der Beziehung
zwischen zwei Personen oder zwei Kollektiven, ist so alt
wie die Menschheit“. Sie läßt sich als eine Drohung mit
Vergeltungsmaßnahmen auf eine erfolgte oder mögliche
Einschüchterungsaktion oder Aggression durch einen vorhandenen oder potentiellen Gegner definieren. Das Wesen
der Abschreckung besteht „in der Drohung, irgendwelche
Vergeltungsmaßnahmen durchzuführen, falls eine Handlung, gegen die Drohung gerichtet ist, bekannt wird “. J.
David Singer sieht in der Abschreckungsstrategie nur eine
partielle Form der „Beeinflussung durch Entmutigung“. Sie
sei eine „strategy of threatened punishment or threatened
denial”, die ausginge von der Annahme, „that the anticipated but conditional destruction or denial of a player’s value
will discourage certain forms of behaviour“.
Die Abschreckung ist – eingegrenzt auf die Beziehungen
von Staaten untereinander – als politische und militärische
Kraft anzusehen, die sich als „Friedenssicherung auf funktionellem Wege“ (R. Wildenmann) definieren läßt, da sie in
ihrem praktischen Bereich „kein Ziel, sondern eine Strategie und Taktik (Methode der Politik) ist, die auf der Gegenseitigkeit rationaler Entscheidungen der Gegner beruhen
muß, um ein Faktor der politischen Sicherheit zu werden“.
Eine Strategie der Abschreckung dient dem großen Ziel
der Sicherheit eines Gemeinwesens oder Individuums.
Nach Henry A. Kissinger läßt sich die Abschreckung als
ein Versuch kennzeichnen, den Gegner von aggressivem
Verhalten oder aktiver Aggression in einer Konfliktsituation durch die Schaffung von Risiken zurückzuhalten. Diese
Risiken müssen dem Gegner im Verhältnis zu dem von
ihm erstrebten Gewinne zu groß erscheinen. Die Abschrekkung in ihrer Wirkung läßt sich deshalb als eine Frage des
vergleichenden Risikos bezeichnen (so A. Wohlstetter).
Dieser Formulierung folgte auch Uwe Nerlich, wenn er die
Abschreckung als Absicht sieht, „den gegnerischen Entscheidungsraum so einzuengen, daß bestimmte Aktionen
für den Gegner zu riskant werden“.
Der Status einer zumindest relativen Stabilität der vergleichenden Risiken hängt dabei vom Grad der Rationalität
EUROJournal 9
political forum
und der Logik in den Entscheidungen der konfrontierten
Mächte ab.
Die Bedeutung – Von Clausewitz zur Gegenwart
Die Bedeutung der Abschreckung in einer politisch-strategischen Konzeption kann sehr unterschiedlich sein. Sie ist
abhängig von der genauen Analyse ihrer Faktoren und den
dadurch beeinflußten Entscheidungen politischer Natur im
strategischen Bereich. Im Gegensatz zur heutigen zentralen Bedeutung der Abschreckung hatte man früher die
abschreckende Wirkung gesellschaftlicher und technischer
Verteidigungskräfte zwar vorausgesetzt, sich aber nicht um
eine Erforschung der Tatsache des oftmaligen Versagens
einer militärischen Abschreckung Gedanken gemacht. Die
durch kleinere oder größere militärische Konflikte bewirkten Schäden konnten trotz der Häufigkeit von Kriegen und
bewaffneten Konflikten von den betroffenen Gesellschaften relativ rasch überwunden werden. In der Mitte des 20.
Jahrhunderts ergab sich jedoch durch das Auftreten neuer Faktoren in der Weltpolitik eine bisher nie da gewesene
Situation. J. Herz sieht die veränderten Faktoren in der
Unberechenbarkeit der Erfindungen (der Waffentechnik)
und dem dadurch hervorgerufenen Verlust wirksamer (d.
h. lebensbewahrender) Verteidigung. Jede soziale Einheit
kann die andere durchdringen. Ihre Macht ist überall fühlbar
(gemeint sind die Weltmächte). Diese Lage erfordert eine
möglichst genaue analysierende Beschäftigung mit dem
Abschreckungsphänomen für alle Arten von denkbaren
Kriegen. Die Waffentechnik und die daraus resultierende
Durchdringbarkeit sozialer Einheiten erforderten die Programmierung funktioneller Methoden zur Friedenssicherung. „Es wurde erkannt, daß Abschreckung nicht den strategischen Nuklearwaffen vorbehalten ist, aber auch nicht
den konventionellen Waffen allein, sondern daß sie als die
Wirkung irgendeines Waffensystems untersucht werden
muß. Diese Erkenntnis ist bezeichnend für die Jahre um
1960“. Nach wie vor läßt sich der Frieden nicht durch diese
Bemühungen um Kalkulation und Durchschaubarmachung
von Systemen garantieren. Aber diese Abschreckung vermag in weitaus größerem Maße als die Abschreckung früherer Zeiten der Risikoverminderung und einem Gleichgewicht der Kräfte zu dienen – „not eliminating but minimizing
the risk or balancing risks against each other“. Vor allem
durch die Erfahrung der Wahrscheinlichkeit einer „Reziprozität der Risiken“ eines allgemeinen nuklearen Krieges und
aller darunter liegender Formen begrenzter Krieger wurde
die Idee der Abschreckung beim Aufbau eines politischen
und militärischen Verteidigungsapparates mit wirksamer
Strategie maßgebend. Ihr Begriff beeinflußt alle politischen
Szenarien und Planungen von der Schaffung nuklearer und
konventioneller Streitkräfte bis zur Bemühung um einen
wirksamen Rüstungskontrollapparat zur Vorbereitung einer
späteren Abrüstung.
10 EUROJournal
Eine wichtige Definition zur Rüstungskontrollpolitik findet
sich in dem Bericht von Alastair Buchan und Philip Windsor
über eine britisch-französisch-deutsche Untersuchung der
Rüstungspolitik und Stabilität in Europa (Bd. 6 der Schriften des Forschungsinstitutes der Deutschen Gesellschaft
für Auswärtige Politik e.V., Bonn, Frankfurt/M., Berlin 1963).
Es heißt dort (S. 25): „Rüstungspolitik ist der umfassendste
Begriff für jene Bemühungen, die zur Schaffung eines so
riesigen Waffenarsenals geführt haben. Sie umfaßt nicht
nur die Art und Zahl der vorhandenen oder in Entwicklung
befindlichen Waffen und Streitkräfte, sondern bezieht sich
auch auf die Drohung mit ihrem Einsatz als Zwangsmittel
der Politik oder auf die Begleitung von Konflikten durch
Maßnahmen, die vor der letzten Grenze des Krieges haltmachen. Rüstungspolitik kann dabei ein Wettrüsten zwischen den Mächten sein, die glauben, es sich nicht leisten
zu können, die Entwicklung und Einführung immer zerstörungsträchtigerer Waffen zu stoppen, weil sie befürchten,
sonst der Gnade des Feindes ausgeliefert zu sein. Aber
Rüstungspolitik kann auch eine Eindämmung, ja eine Einstellung des Wettrüstens bedeuten.
Rüstungskontrolle dagegen befaßt sich mit den Mitteln und
Wegen, das Wettrüsten innerhalb allseitig annehmbarer
Grenzen einzuschränken. Ihre Befürworter gehen davon
aus, daß sich die Sicherheit aller betroffenen Nationen
durch Vorsichtsmaßnahmen in Bezug auf wenigstens einige Rüstungsmittel erhöhen läßt. So sollen die Risiken eines
Kriegsausbruchs verringert und – falls es doch dazu kommt
– der Umfang der Zerstörungen eingeschränkt werden.“ Die
Nonproliferation-Verpflichtungen z. B. sind der starke Ausdruck globaler Einflußnahme.
Eine der ersten Quellen für die heutige Konzeption der
Abschreckung ist das Werk „Vom Kriege“ des preußischen
Generalstabsoffiziers Carl von Clausewitz. In dieser „Philosophie der klassischen Rationalität über Wesen und Theorie des Krieges“ behandelte Clausewitz das Problem der
Abschreckung zwar nicht zentral, wohl aber in einer der damaligen Zeit entsprechenden Bemerkung über das Wesen
des Krieges. Aus dieser „Nebenbemerkung“ ist heute ein
zentraler Punkt der internationalen Beziehungen und ihrer
Konflikte geworden.
„Wollen wir vom Feinde nur ein geringes Opfer, so begnügen wir uns, durch den Krieg nur ein geringes Äquivalent
zu gewinnen, und dazu glauben wir mit mäßigen Anstrengungen zu gelangen. Ungefähr ebenso schließt der Gegner. Findet nun der eine oder der andere, daß er sich in
seiner Rechnung etwas betrogen hat, daß er dem Feind
nicht, wie er gewollt, um etwas überlegen, sondern daß er
selbst schwächer ist, so fehlt es doch in dem Augenblick
gewöhnlich an Geld und an allen anderen Mitteln, es fehlt
an hinreichendem moralischen Anstoß zu größerer Energie; man behilft sich also, wie man kann, hofft von der Zukunft günstige Ereignisse, wenn man auch gar kein Recht
dazu hat, und der Krieg schleppt sich unterdessen wie ein
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political forum
siecher Körper kraftlos fort.
So geschieht es, daß die Wechselwirkung, daß Überbieten,
das Gewaltsame und Unaufhaltsame des Krieges sich in
der Stagnation schwacher Motive verlieren und daß beide
Parteien sich in sehr verkleinerten Kreisen mit einer Art Sicherheit bewegen. Läßt man diesen Einfluß des politischen
Zweckes auf den Krieg einmal zu, wie man ihn denn zulassen muß, so gibt es keine Grenze mehr, und man muß es
sich gefallen lassen, auch zu solchen Kriegen herunterzusteigen, die in bloßer Bedrohung des Gegners mit einem
Subsidium des Unterhandelns bestehen.“ 1)
Die Bemerkung Clausewitzens gewinnt mit der schon bei
ihm ebenfalls anklingenden Strategie der Sicherheitspolitik
weiter an Bedeutung, wenn man sie in unserer Situation
mit den Begriffen der actio und re-actio auf (politisch-militärisch) strategischer Ebene sieht. Die These „Der Krieg
ist ein Instrument der Politik“ ist gerade im 20. Jahrhundert
durch W. I. Lenin aus der Gesamtkonzeption Clausewitzens herausgeholt und in den Leitsatz eines differenzierten
sowjet-kommunistischen Strategiekapitels verwandelt
worden. Lenin gab dem Sowjetkommunismus und seinen
Nachahmern eine „Praxeologie“ (R. Aron), die den anderen
Gemeinwesen die Reaktion auf den „Permanenten Krieg“
bis zur Entscheidung, ob Weltrevolution oder Scheitern des
Kommunismus, aufzwang. Erst aus dieser Konfrontation
entstand nach dem 2. Weltkrieg die erforderliche wissenschaftliche Beschäftigung der Bedrohten mit dem Begriff
der Abschreckung. Das Römerwort „Wenn du Frieden willst,
bereite dich auf den Krieg vor“ wurde allerdings schon vor
Jahrzehnten von B. H. Liddell Hart abgewandelt in „Wenn
du Frieden willst, verstehe den Krieg.“ Liddell Hart machte
sich auch im Hinblick auf die leninistischen Kriegspläne zu
einem der stärksten Befürworter der Operationsforschung,
der Anwendung wissenschaftlicher Methoden für die Erforschung der Kriegsführung. Dabei war er sich des Einflusses
der Wissenschaft im Jahrhundert der Forschung auf die
Kriegsführung und die Waffenentwicklung bewußt. Er kam
für die Epoche des 20. Jahrhunderts zu dem Schluß, über
einen etwaigen neuen Weltkrieg könne nichts mehr mit Sicherheit gesagt werden, außer daß er „mit Sicherheit zum
Chaos“ führen werde.
Zur Friedensbewahrung noch einmal Clausewitz: „Die
größte Hoffnung, den Frieden zu bewahren, liegt auf der
Ebene der „höheren Strategie“. Strategie befaßt sich mit
dem Problem, einen Krieg zu gewinnen, höhere Strategie
blickt darüber hinaus. Selbst im Krieg verliert sie nie den
Blick für den folgenden Frieden und sollte deshalb auch
das Kriegsziel entsprechend im Auge behalten. Auch im
Frieden braucht man höhere Strategie, nicht nur um den
Frieden zu erhalten, sondern auch um ihn stets zu verbessern. Man könnte von einer höheren Strategie als geläutertem Eigennutz sprechen.
Zwar gehört die höhere Strategie auf die Ebene der Politiker, doch müßten auch Militärs als Diener der Regierung
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sich bemühen, sie zu verstehen. Sie ist zwar in erster Linie etwas Politisches, verlangt andererseits aber auch von
dem Politiker Kenntnis des Krieges und vor allem Kenntnis,
wie es zu den Kriegen kommt. Es wäre für die Politiker des
Westens und für uns alle bei der Bearbeitung der gegenwärtig vor uns liegenden Probleme besser, wenn wir uns an
eine Fortdauer der Schwierigkeiten und der Spannungen
gewöhnen, anstatt nach Endlösungen Ausschau zu halten.“
Wir werden in der augenblicklichen politischen Situation
weniger durch einen totalen atomaren Krieg bedroht, als
durch begrenzte Konflikte, die unter dem Druck der eskalierenden Möglichkeit durch einen zu wirkungsvollen, mit allen
Kräften geführten offensiven oder defensiven Gegenschlag
im Rahmen wirkungsvoller Abschreckung stehen. Daher
hat Abschreckung im Rahmen einer großen Strategie als
Mittel der Sicherheitspolitik auch ihre Grenzen.
Die Funktion der Abschreckung:
In seinem Beitrag zur „Strategie der Abrüstung“ schrieb Donald G. Brennan, Mitarbeiter an Herman Kahns Hudson Institut zum Begriff der Sicherheit u. a.: „Als fundamentalste
Ansicht der nationalen Sicherheit gilt allgemein der Schutz
des nationalen Überlebens, und zwar in allen drei Bedeutungen. Das ist gewöhnlich die Minimalforderung an nationaler Sicherheit.“ „Darüber hinaus umfaßt der Begriff überhaupt militärische und politisch-militärische Unterstützung
nationaler Ziele im allgemeinen und außenpolitische Absichten im besonderen. Die Verbesserung entsprechender
militärischer Möglichkeiten zur Unterstützung solcher Ziele
kann früher oder später auf Kosten einer im Hinblick auf
das Überleben der Nation beeinträchtigten Sicherheit erreicht werden. Dies kann und muß eintreten wegen der
ökonomischen und politischen Beschränkungen, denen
die zu kaufenden militärischen Ausrüstungsgegenstände
unterliegen, wegen der Rüstung, die feindliche Mächte als
Gegenmaßnahmen aufbauen, wegen einer grundsätzlich
mangelhaften Strategie oder Rüstungspolitik oder wegen
eines Zusammenwirkens dieser drei Faktoren. Trotz dieser
Konflikte besteht allgemein Übereinstimmung darin, daß
die nationale Sicherheit sich auf den Schutz des nationalen Überlebens und die Unterstützung der Außenpolitik
bezieht, wobei beide Ziele irgendwie kombiniert sind.“
Für eine inhaltliche Ergänzung und für den Ansatz zu einer
differenzierenden soziologisch-politologischen Analyse des
Brennanschen Sicherheitsbegriffes erscheint eine Bemerkung Kimminichs in „Rüstung und politische Spannung“
nützlich: „Sicherheit im Sinne eines vollständigen Schutzes
kann niemals permanent sein“. „Wer die Überlegenheit der
Machtfaktoren für eine Sicherung gegen jeden Angriff hält,
rechnet mit der Rationalität des Menschen. Auf sie ist aber
selbst im Zeitalter des Rationalismus kein Verlaß gewesen“.
Hinzu kommt die ‚Kluft’ zwischen „theoretical knowledge
and practical action“. Emotionales Element der Sicherheit
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political forum
ist nach Kimminich das „Gefühl des Vertrauens auf die
eigene Stärke, auf die Bündnistreue befreundeter Mächte
und zuweilen wohl auch auf die vertraglichen Gelöbnisse
des potentiellen Gegners. Aber es geht hier nicht um die
Sicherheit eines einzelnen, folglich auch nicht um die Gefühle eines einzelnen, sondern um eine Mehrheit, die den
Staat verkörpert. Nur im Falle einer absoluten Alleinherrschaft eines Diktators oder Monarchen sind allein dessen
Gefühle von Bedeutung“. Die Frage nach „Mißtrauen“ oder
„Vertrauen“ innerhalb eines Staates oder Bündnisses zur
abschreckenden Wirksamkeit einer Sicherheitsstrategie
erhält damit eine zentrale Bedeutung für Innen- und Außenwirkung der politischen Strategie eines Gemeinwesens
oder eines Bündnisses. Raymond Aron zur Funktion einer
Bündnisstrategie: „Ein Bündnis ist nach der geläufigsten
Interpretation der Bedingung fest, wenn es für beide Parteien vorteilhaft ist. Der Große verspricht, den Kleinen zu
verteidigen; dieser vereinigt seine Streitkräfte zu denen des
Großen“. „Die Funktion der Abschreckung bleibt auch dann
bestehen, wenn der Beschützer die Stützpunkte nicht mehr
nötig hat, die ihm der Beschützte zur Verfügung stellt.“ Die
erfolgreiche diplomatische Bewältigung der Spannungszeit
in einer wirksamen politischen Abschreckungsstrategie, d.
h. die geographische, wirtschaftliche und rechtliche Unversehrtheit der de-facto-Souveränität einer politischen Einheit
sowie das Vermeiden einer zu engen Einschnürung in kontroverse Interessen bestimmter aggressiver weltpolitischer
Strömungen bleiben die Substanz eines effektiven nationalen Sicherheitsbegriffes. Dazu Aron: „Welche Rolle auch
die territoriale Verteidigung in der Welt von heute und in der
thermonuklearen Welt von morgen spielt, das oberste Konzept der Strategie wird doch die Abschreckung sein. Gleichzeitig wird die klassische Theorie Clausewitzens in einem
entscheidenden Punkt verändert. Clausewitz vergleicht die
Diplomatie mit Kreditgeschäften, deren Auflösung der Krieg
ist. Auf dem Schlachtfeld muß man die Verpflichtung einlösen, die man eingegangen ist. Das thermonukleare Zeitalter beseitigt nicht die Dualität der Verpflichtungen und der
Stunde der Wahrheit. Die Stunde der Wahrheit aber ist die
Krise, nicht der Krieg. Denn mit der Lösung des Konflikts
durch einen Krieg, den die Theoretiker der Vergangenheit
als unvermeidlich ansahen, gibt sich der Theoretiker nicht
zufrieden, und der Doktrinär bemüht sich, daß es nicht zum
Kriege kommt“
Nach Th. C. Schelling ist jede Drohung als ein unausgesprochener Kompromißvorschlag zu verstehen. Und Karl
Deutsch führt dazu aus, in der Drohungsankündigung liege
eine Schadensankündigung für den Bedrohten, wobei der
Drohende sich durch die angekündigte Verfahrensweise
seiner Aggression auch schaden müßte. Beide Gegner
schaden sich also durch Verwirklichung der Drohungsankündigung. Wirkt aber schon die Ankündigung einer Drohung ohne deren Praktizierung, so zeigt sich der von Schelling genannte „unausgesprochene Kompromiß“.
Laut Schelling und Deutsch stellt der Reingewinn, der aus
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dem politischen Nachgeben des anderen entsteht, den
Kompromißvorteil, die von beiden Seiten gemachten Opfer
die Kompromißlast dar. Zu den Auswirkungen einer Drohung zitiert Kimminich Lewis F. Richardson, der vier Effekte
einer Drohung unterscheidet: Die Reaktion des Nachgebens, des Nichtnachgebens, des Verhandelns und der Vergeltung. Es erscheint angebracht, in dieser Klassifizierung
zwischen Verhandeln und Vergelten einen politischen Zwischenbereich miteinzubeziehen, der von diplomatischen
Reaktionen in Form einer indirekten Strategie der „Vergeltung“ auf einem anderen, nicht unmittelbar angesprochenen Gebiet mit einer für den Aggressor unangenehmen
Aktion geprägt ist.
Inhalt der Theorie der Abschreckung
1. In ihr wurden Möglichkeiten und Grenzen der Kontrolle des Verhaltens sozialer Einheiten von der maximalen
Drohung mit Kernwaffen bis zur minimalsten Drohung (z.
B. mit Mitteln des Kalten Krieges) untersucht. Ihre Schwerpunkte liegen „auf dem gemeinsamen Grenzgebiet der Politischen Wissenschaft, der Theorie der Spiele, der Militärtechnik, der angewandten Kernphysik und der Psychologie.“
Brennan stellt dazu unter Bezugnahme auf Schelling fest,
die „Idee der Abschreckung“ sei zu „einem zentralen Begriff
für die Organisation aller Arten strategischer Probleme und
für alle Arten von Drohung mit Gewalt geworden.“
Die wissenschaftliche Bewältigung dieser Probleme ist mit
der seit Jahrhunderten bekannten „Verwandtschaft strategischer Spiele mit militärischen Konflikten“ untrennbar
verbunden. „Fachausdrücke wie „Bluffen“, „Stärke des Gegners“, „Verstellung“, „Gegenstöße“, „Aufdeckung der gegnerischen Strategie“ und „Tarnung der eigenen Strategie“ treten ebenso häufig im Vokabular der strategischen Spiele
wie in militärischen Operationen auf. Einige strategische
Gesellschaftsspiele, wie etwa Schach, werden fast völlig in
militärischer Sprache beschrieben.“
2. Wovon abgeschreckt werden soll, ist primär eine politische, durch welche Maßnahmen in erster Linie eine strategische, mit welchen Mitteln vor allem eine militär- und
rüstungspolitische Frage. Dabei geht es in der Politik der
Abschreckung vor allem um eine glaubhafte Darstellung
der „casus belli“-Zone für den Gegner. Die Strategie der
Politik muß dazu über ein variables diplomatisches und
militärisches Strategiepotential verfügen, dessen Mittel, die
Instrumente der Verteidigung (z. B. Armee und Rüstung,
Wirtschaftspotential) den Aggressor davon abbringen können, Risiken einzugehen, „da der Preis, den dieser in einem
solchen Falle zahlen würde, nicht nur auf jeder einzelnen
Stufe höher wäre als der Wert des Vorteils, sondern der
Übergang zur nächsten Stufe (mit stärkeren Mitteln, d. Verf.)
für ihn genauso unrentabel wäre.“ Aus einer solchen Formulierung des Inhalts der Theorie der Abschreckung ergibt
sich der Begriff der flexiblen Abschreckung als vorläufiges
Ergebnis der bereits erwähnten Durchschaubarmachung
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political forum
des Phänomens der Abschreckung.
3. Die flexible Abschreckungspolitik und die aus ihr resultierende Strategie werden beeinflußt durch zumindest eine
gegenüberstehende – als offensiv angesehene – politische
Haltung und militärische Strategie des vorhandenen oder
angenommenen Gegners. Der Begriff der Bedrohung muß
genau festgelegt sein, um der Abschreckungsdoktrin Ziele
eines Kampfeinsatzes und Abstufung der einzusetzenden
Machtmittel in wirksamster und zugleich angemessener
Weise zu ermöglichen. (Kissinger, 1961)
4. Eine die Politik und Strategie des Gegners reflektierende Abschreckungsstrategie könnte in dieser Theorie erfaßt
werden als
a) die höhere, politische Abschreckungsstrategie in Form
eines variablen politischen Planes, der den Gegner vor der
möglichen Aggression warnen soll, und
b) die nach dem Scheitern von a) wirkende Strategie, die
während der Aggression den Gegner entweder hinhalten
(defensiv vorgehend) oder zum Rückzug (offensiv vorgehend) zwingen soll.
Zu a) heißt es bei Oskar Morgenstern: „Eine Abschrekkungsmacht soll einen feindlichen Angriff verhindern. Sie
ist voll wirksam, wenn der Feind, der angreifen möchte, um
ein bestimmtes Ziel zu erreichen, davon Abstand nimmt. In
diesem Sinne kann die gesamte Wehrkraft eines Landes
als Abschreckung wirken.“
Über die Interdependenz des politischen und des militärischen Faktors stellte Morgenstern fest: „Die einfachste
Form voll wirksamer Abschreckung besitzt ein Land mit
der direkten Abschreckung , das heißt mit einem für den
Feind unüberwindlichen Verteidigungssystem. Wenn ein
Land selber keine Angriffs- und Eroberungsgelüste hat,
bedarf es keiner anderen Streitkräfte. Ob eine solche Sachlage zwischen großen Ländern annähernd gleicher Größe
jemals bestanden hat, ist zweifelhaft.“ Aron trifft dazu die
Feststellung, eine defensive Diplomatie, der es nur um Aufrechterhaltung des Status quo gehe, könne nicht nur auf
eine Defensivarmee beschränkt bleiben. Die Schwierigkeit
liegt in der Vielzahl der Möglichkeiten, z. B. politischer Erpressung kleinerer Staaten durch größere. Das Problem der
Sicherheit ist nicht nur territorial zu sehen. Schließlich ist
festzustellen, daß auch nach einem Versagen von a) und
dem dadurch bewirkten Einsatz von b) die höhere Strategie a) entscheidend für die Friedensschaffung bleiben wird,
vorausgesetzt, daß b) wirklich der militärischen Strategie
des Gegners gewachsen ist. So kommt es z. B. zu einer
sogenannten „inter-war-deterent“, um eine Ausweitung (escalation) zu verhindern und die Reduzierung des Konfliktes
(de-escalation) vorzubereiten.
5. Die Strategie der Abschreckung hat viele Variationsmöglichkeiten und ist nur dann wirksam, wenn die Aggression X
zumindest von einer entsprechend starken Abschreckungseinheit Y aufgefangen werden kann, falls die politische Ab-
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schreckung a) versagt hat und es zu einem begrenzten
Krieg kommt. Von der genutzten Variationsbreite hängt es
ab, ob die Abschreckung stabil oder labil ist. Je größer ein
dem Gegner bekannter – oder unbekannter – von ihm einkalkulierbarer Katalog möglicher Gegenmaßnahmen ist,
umso besser ist die Wirkung gegen eine Aggression. Ein
„Spektrum“ politischer und militärischer Strategievariationen
mit entsprechenden Mitteln ist die Grundlage einer stabilen
Strategie der flexiblen Abschreckung. Brennan zitiert zu
dieser Feststellung Schelling: „Wir haben gelernt, daß eine
Drohung glaubwürdig sein muß, daß die Glaubwürdigkeit
davon abhängen kann, ob (umgekehrt) derjenige, der die
Drohung ausstößt, die Mühen auf sich nimmt, sie wahr zu
machen, und daß man, um sie glaubhaft zu machen, sich
ihrer Ausführung „widmen“ muß. Wir haben erkannt, daß
die Bereitschaft, einen begrenzten Krieg zu führen, von einer Drohung mit massiver Vergeltung ablenken kann, daß
eine Drohung glaubwürdiger sein kann, wenn die Mittel zur
Vergeltung in den Händen derer sind, deren Entschlossenheit am stärksten ist, daß eine vernunftgemäße Denkweise
des Gegners dazugehört und daß Narren – wie kleine Kinder – sich oft nicht von Drohungen lenken lassen, daß der
Erfolg der Drohung (analog dem Löwen in der Falle) davon
abhängen kann, ob der bedrohten Partei ein annehmbarer
Ausweg bleibt, daß eine Drohung mit totaler Vergeltung
dem Gegner, falls es ihm einfallen sollte, sich nicht um unsere Drohung zu kümmern, in jeder Weise anfeuert, seine
Übeltaten mit einem totalen Schlag gegen uns zu beginnen,
und daß die Drohung mit massiven Zerstörungen nur dann
einen Feind abschrecken kann, wenn man ihm zusichert,
daß keine Zerstörung vorgenommen werde, falls er nachgibt, so daß eine zu große Möglichkeit, einen Schlag gegen
ihn zu führen, ihn zu einem ersten Schlag verleiten kann.“
Das Ziel jeder Sicherheitspolitik: Elastizität, und
die davon abhängige Stabilität zu bewahren
In der weltpolitischen unmittelbaren Konfrontation der atomaren Weltmächte USA und Sowjetunion wurde eine Stabilität in der Abschreckung für den Fall atomarer oder konventioneller Aggression oder einer Kombination aller Elemente
auf beiden Seiten garantiert. Grundlage war dabei die
Elastizität der bis zur Spitze der atomaren Vergeltung führenden Stufeleiter (Variationsbreite) der Abschreckung, die
für beide Mächte eine „second-strike-capability“, eine Fähigkeit zum zweiten Schlage nach einer Aggression garantiert. Diese Elastizität, und die davon abhängige Stabilität
zu bewahren, ist das Ziel jeder Sicherheitspolitik. Für die
kleinen Staaten ergeben sich dadurch jedoch Probleme, die
nur durch Integration oder Abstimmung ihrer Interessen mit
denen der in ihrem Bündnis (NATO) stehenden Weltmacht
auf Basis der Gemeinsamkeit gelöst werden können. Das
Wie der Gewährleistung der Abschreckung hat sich in den
letzten Jahren geändert. Nicht durch einen forcierten Wettlauf der Aufrüstung, sondern durch bessere Schutzeinrichtungen für Vergeltungswaffen und Bevölkerung und durch
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political forum
den wissenschaftlich betriebenen Versuch, die Gefahr des
Krieges durch Zufall einzudämmen, konnte das Abschrekkungspotential zum maximalen Faktor der Sicherheitspolitik einer jeden politischen Einheit gemacht werden.
So wurde auch die Rüstungskontrolle eine zentrale Sicherheitsmaßnahme. Der Kern gegenseitiger Abschreckung
wird von der Prämisse bestimmt, daß es heute für eine absehbare Zeit möglich erscheint, offensive Waffen einzusetzen, die gegen Abwehrwaffen immun sind. In einer solchen
Situation ist ein speziell zur Ausschaltung dieser Vergeltungswaffen bestimmter Angriff unter beidseitigen Maßstäben rationaler Entscheidungsfindung nicht so schnell
zu befürchten. Wenn jede Seite eine gleichermaßen geschützte und unangreifbare Vernichtungswaffe besitzt, wird
sie keinen Grund mehr haben, zusätzliche Forcierungen
auf dieser „hohen Ebene“ vorzunehmen. In dieser Situation wird ein Angriff auf lebenswichtige Interessen durch
die ziemlich sichere Gewißheit verhindert werden, daß
er mit einem vernichtenden Vergeltungsschlag beantwortet werden wird. Ein stabiles atomares Patt wäre in dieser
Abschreckung gewährleistet, und der Schwerpunkt müßte
sich wieder auf andere Konflikte verlagern.
R. Oppenheimer brachte vor Jahren das Beispiel von den
beiden Skorpionen in einer geschlossenen Flasche. Wovon
er nicht sprach, waren ebenfalls darin existierende andere
kleine Lebewesen.
6. Für die bisher geschilderte Konzeption einer Abschrekkungstheorie ergeben sich entscheidende Probleme.
Deutsch nennt in seinem Aufsatz dafür z. B.
a) die Intensität der Drohung
b) die Glaubwürdigkeit der Drohung
c) die Rezeption der Drohung durch den Bedrohten
d) die Rationalität der Entschlüsse der Beteiligten
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e) die Kontrolle der Funktion des eigenen Sicherheitsapparates und der dahinter stehenden gesellschaftlichen Kräfte.
Es erscheint angebracht, diese Aufzählung neu zu systematisieren und zu ergänzen unter dem Oberbegriff der Intensität der Drohung durch
a) die waffentechnische Basis und die psychische Abwehr
kraft
b) einen politisch und militärisch wirksam arbeitenden Sicherheitsapparat (Kontrolle und Entwicklung)
c) intensive, vom Gegner wahrgenommene Information (z.
B. durch Diplomatie und Rüstungskontrollstäbe etc.)
d) rationales oder irrationales Verhalten der Beteiligten.
Das Hauptproblem der Abschreckung ist das der Intensität
der Drohung. Diese Intensität kann nur dann maximal sein,
wenn sämtliche Faktoren lückenlos abgestimmt sind und
kein Faktor fehlt oder zu schwach oder zu stark berücksichtigt wird. Für eine umfassende Theorie der Abschreckung
wird inhaltlich eine riesige Zahl von Detailproblemen unter
Berücksichtigung der Möglichkeiten von Situationen variabel einzuordnen sein. Einige Anmerkungen können einen
Zugang zu diesen Schwierigkeiten vermitteln.
zu Punkt a:
Waffentechnisch sind bereits jetzt die Weltmächte zur fast
völligen Zerstörung allen Lebens auf unserem Planeten in
kürzester Zeit in der Lage. Für die Atommächte ist die nukleare Waffentechnik selbstverständlicher Bestandteil ihrer
politischen Drohungen und Gegendrohungen geworden.
Ein Problem ergibt sich für Mächte, die keinen direkten Zugang zur nuklearen Waffentechnik haben.
Zur Fähigkeit des Einsatzes von Waffen lesen wir bei Morgenstern: „Eine Waffe, die nicht an dem gewünschten Punkt
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eingesetzt werden kann, ist wertlos, ganz gleich welche Eigenschaften sie hat. Hand in Hand mit dem Erwerb von
Kernwaffen geht daher die Notwendigkeit, ihre Einsatzfähigkeit zu gewährleisten.“ Morgenstern machte diese Feststellung im Hinblick auf die technische Funktionsfähigkeit
(Waffenträger etc.). Die Frage der Einsatzfähigkeit stellt
sich für kleinere Staaten zunächst in politischer Hinsicht,
so z. B. bei den europäischen Staaten innerhalb der NATO
in ihrer Beteiligung an der atomaren Einsatz- und Zielplanung der in der Strategie dieses Bündnisses mit eigenen
national-security-interests dominierenden USA.
seinem Angriff für die eigene Verteidigung abzuzweigen.
Aber das sind alles Routineangelegenheiten, bei denen
wir uns nicht aufzuhalten brauchen. Es genügt die Feststellung, daß die Abwehrkraft eines Landes nicht nur an
der direkten Verteidigung gemessen werden kann, sondern
auch an dem Gegenangriff, den es gleichzeitig in Gang zu
bringen vermag.“
Für kleinere und staatliche Einheiten bedeutet das eine
permanent anzustrebende Bündnissituation um fast jeden
Preis, der geringer ist als der, den sie an den drohenden
Aggressor zahlen müßten.
zu Punkt b:
Die Kontrolle über das abzuschreckende Verhalten und
die dabei einzusetzenden Mittel liegt in einer Konzentrierung auf den Kern der „casus-belli-Zone“ (Interessensphäre, lebenswichtige Interessen), in einer Begrenzung
und Beschränkung in Strategie und Kräften; zugleich ist
die Kenntnis und Steuerung der inneren Entwicklung des
Sicherheitsapparates und seiner Kräfte notwendig. In diesem Zusammenhang ist die Formulierung Arons interessant, daß die Drohung „desto weniger überzeugend“ sei,
„je mehr die Ausführung den Interessen derer widerspricht,
die sie ausstoßen.“ Das gilt für den Bereich der politischen
Abschreckungsstrategie. Für den Unterbereich, das im
Ernstfall zur Anwendung kommende militärische Potential,
ergeben sich weitere Probleme, so z. B. das des „StärkeVerlustkoeffizienten“. Bei der Forcierung der Abwehrkräfte würde als ein Hilfsmittel der politischen, strategischen,
operationalen und taktischen Entscheidungsvorbereitung
die Spieltheorie eingesetzt, mit deren Hilfe an unzähligen
Beispielen berechnet werden konnte, daß die Maximalstärke einer Streitkraft in der Heimatbasis liegt (Transport, Logistik), und daß eine zu dichte Staffelung der Verbände eher
Vernichtungskämpfe zur Folge haben kann als bei einer
auch territorial weiträumigen Planung.
zu Punkt c:
Die Rolle der Information ist entscheidend. „Wie kann der
Staat, der diplomatisch in der Verteidigung steht, einen
Staat der diplomatisch offensiv ist, überzeugen, daß er seine Drohung ausführen wird?“ Der Begriff der Information
läßt sich als Arbeitsbegriff in „Kommuniqué-Information“
(durch die Schritte der Diplomatie im klassischen Sinne)
und als „Identifikations-Information“ (als Überwachung
durch Auswertung von Publikationen und nachrichtendienstliche Ergebnisse) bezeichnen. „Ein Staat ist um so
empfindlicher für die Abschreckung, je mehr er an die Ausführung der Drohung glaubt und je mehr diese Ausführung
für ihn fürchterliche Wirkungen enthält und schließlich je
mehr die gebotene Aussicht im Falle der Gewaltanwendung
ihm erträglich erscheint.“ (Aron)
Ein anderes Problem der Verteidigungsbasis greift Morgenstern auf:
„Die Frage, wie stark die Verteidigung sein soll, wäre leicht
zu beantworten, wenn man es nur mit einem einzigen System von Angriffswaffen zu tun hätte. Aber es gibt heute
viele Angriffswaffen, jede hat ihre Vorzüge und ist sehr variabel im Einsatz. Das kompliziert die Sache ungeheuer, und
wir müssen die entsprechenden Lehren daraus ziehen. Da
eine voll wirksame passive Verteidigung nur ein hypothetischer Grenzfall ist, bei dem die Wahrscheinlichkeit, daß
er jemals eintreten könnte, den Nullpunkt erreicht hat, muß
man nach anderen Arten suchen, um sich vor Angriffen zu
schützen. Damit kommen wir zu dem Gedanken der Vergeltung und des Gegenangriffs.
Der Gegenangriff ist so alt wie der Krieg. Er besteht darin,
daß man die eigenen Angriffskräfte (die für diesen Zweck
besonders ausgebildet und ausgerüstet sein könnten) benutzt, um den Angriff des Feindes zu schwächen, ihm die
Initiative zu entreißen und ihn zu zwingen, Energie von
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Der Gegner muß unter dem Druck der Informationen stehen
und darf gleichzeitig die Detailplanungen der militärischen
Abschreckungsstrategie nicht erfahren. Zwei Dinge sind
für das Bild der Abschreckungsstrategie in den Augen des
Gegners wesentlich: Die Abschreckung muß glaubwürdig
sein, d. h. der Abschreckende muß den Gegner mit etwas
bedrohen, das in etwa definiert ist, er muß die Drohung
also mit klaren Bedingungen verknüpfen. Zugleich aber soll
die Abschreckungsdrohung den Gegner in Ungewißheit
über die Stärke eines potentiellen Gegenschlages lassen.
Dabei ist eine „Zone des Zwielichts“ (von Hassel) zu vermeiden. Ebenso gefährlich kann aber auch eine zu offene
Aufklärung des Gegners über die eigenen Möglichkeiten
sein. Deutsch dazu: „Je überzeugender, glaubwürdiger,
intensiver und reichlicher Drohungen werden, desto einladender wird das Land, von dem diese Drohungen ausgehen, als eine Zielscheibe des Präventivkrieges. Es ist also
unbedingt notwendig, die Drohung so sparsam anzuwenden, daß ein Präventivkrieg unattraktiv erscheint. Einerseits
tut man das, indem man sich eine Gegenschlagskapazität
vorbehält, so daß also der erste Angriff dem Angreifer nicht
viel nützt, aber andererseits dadurch, daß man sich eben
sehr bemüht, nicht als eine unerträgliche Quelle der Drohungen zu erscheinen.“
Man versucht, ein Gleichgewicht der Abschreckung herzustellen, um eine Ausweitung im Falle militärischen Einsatzes zu vermeiden, vor allem aber ein politisches Gleichgewicht der Abschreckung in der Weltpolitik herzustellen
EUROJournal 15
political forum
(Aron).
„Das Verhältnis der thermonuklearen Kräfte ergibt sich aus
der Gegenüberstellung der thermonuklearen Apparate und
der eventuellen Folgen für den einen und für den anderen
aus dem Gebrauch dieser Apparate. Derjenige, der dank
der Vorbereitungen des Bevölkerungsschutzes die besten
Chancen hätte zu überleben, wäre dann der Stärkere. Dieses Verhältnis der thermonuklearen Kräfte ist noch schwerer einzuschätzen als das Verhältnis der militärischen Kräfte von ehedem. Glücklicherweise fehlt uns die Erfahrung,
und es kann außerdem sein, daß das Mißverhältnis von
Strafe und Verbrechen so groß ist, daß der Stärkere automatisch derjenige ist, der den ersten Schlag führt.“ (Aron)
zu Punkt d:
Das schwierigste Problem, der schwächste Punkt der Abschreckung und des Versuches einer theoretischen Konzipierung ist die Annahme der Rationalität des Bedrohten.
1. Die Abschreckung soll den Krieg durch rationale Entscheidungen verhindern. Die bisherige Rolle irrationaler
Elemente in der Politik ist bekannt. Trotz aller Hilfe durch
komplizierte technische Systeme werden Menschen die
letzten Entscheidungen fällen. Abschreckung hängt damit
letztlich von einer kaum oder sehr schwer meßbaren Größe ab: Der Geistesverfassung des potentiellen Angreifers
und des Angegriffenen.
So kann eine rational bestimmte Politik des kalkulierten Risikos eines Aggressors in einem Moment rationaler oder
irrationaler Entscheidungen des Bedrohten Erfolg oder
Nichterfolg haben. Das Risiko ist zwar durch eine zuvor
programmierte Entscheidungssuche rational zu erfassen,
aber die bisherige Politik bietet unzählige Beispiele des
Versuches und des verhängnisvollen Irrens. Die Abschrekkungstheorie wird nur dann die Theorie einer wirksamen
Methode der funktionellen Friedenssicherung sein, wenn
das dem Willen des Drohenden gegenüberstehende Verhalten des Bedrohten möglichst rational, aber auch in
einer u. U. irrationalen Bereitschaft zum Opfer fähig ist,
Widerstand zu leisten. „Abschreckung verlangt Macht, Bereitschaft, sie zu nutzen, und auf seiten des Gegners das
Bewußtsein, daß beides auf der anderen Seite vorhanden
ist. Abschreckung ist darüber hinaus nicht eine Summe
dieser Faktoren, sondern ein Produkt aus ihnen. Sinkt einer
auf Null, wird Abschreckung wirkungslos. Auch die überlegenste Stärke ist nutzlos, wenn es an dem Willen fehlt, sie
einzusetzen. Macht und Entschlossenheit sind wirkungslos, wenn der Aggressor nicht daran glaubt oder wenn die
Risiken eines Krieges ihm nicht völlig unattraktiv erscheinen!“ (Kissinger)
2. Unter „Entscheidung„ ist – nach R. C. Snyder – jener
Prozeß zu verstehen, „von einer gesellschaftlich bestimmten und begrenzten Anzahl problematischer alternativer
Möglichkeiten eine auszuwählen, die denjenigen Zustand
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herbeiführen soll, den die Entscheidenden wünschen.“ Die
Schwierigkeiten einer solchen Handlung, wenn es um die
Fragen der Abschreckung (wer durch wen, wovon, durch
welche Drohungen, unter welchen Umständen) geht, hat
Aron festgehalten: „Diese Fragen sind auch dann nicht einfach zu beantworten, wenn man sich die schematischen
Modelle und einen Strategen vorstellt, den wir als „rational“
bezeichnen. Die Unsicherheit wächst jedoch, wenn man an
Stelle des Strategen am grünen Tisch eine Führungsmannschaft mit ihrem Wertsystem, ihrer politischen Doktrin und
ihrer Weltanschauung setzt.
3. Die Hinweise auf den „unabhängigen Willen des Gegners und die durch Rationalität oder den Mangel an Rationalität beim Gegner u. U. auch im eigenen Entschluß
provozierte Rationalität der Irrationalität treffen im Bereich
der militärischen Abschreckungsstrategie noch einmal zusätzlich mit einer Vielfalt von „Unwägbarem“ zusammen.“
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß Abschreckung auf den folgenden Faktoren basiert:
A. einer umfassenden politischen („höheren) Strategie.
Diese Strategie wird wirksam durch
1. rationale und rationelle verzögerungsfreie Entscheidung
2. die Bereitschaft aller Kräfte zur Verteidigung
a) unbedingte Abwehrbereitschaft
b) Zusammenarbeit aller politischen Ressorts in der Si
cherheitspolitik
B. einer für den Fall des Versagens von A. wirksam werdenden, zu n-Variationen fähigen Militärstrategie mit
1. n-Programmen
2. Kräftepotential aus
a) hoher Kampfmoral
b) größtmöglicher Integration und Technisierung
An der praktischen Umsetzung der Theorie wird klar,
wie lang und nachhaltig der Prozeß einer europäischen
„Grand-Strategy“ sein wird. Der seit Jahrzehnten diskussionsreiche, aber zögerliche und langsame Weg kann aber
keineswegs als erfolgsarm bezeichnet werden: Die Abschreckungsstrategie der Nato wird auch in absehbarer Zukunft auf der nuklearen Deterrent der USA basieren. Aber
im Laufe teils sehr aggressiver und mißtrauischer Debatten
über die Schutzfunktion der französischen und englischen
nuklearen Deterrent hat sich trotz aller Schwierigkeiten in
der Frage der „Teilhabe“ der anderen europäischen Staaten
nach der Plattform über Europäische Sicherheitsinteressen
(Den Haag 1987) die Einsicht durchgesetzt, daß der Bau
eines integrierten Europas nicht vollendet ist, solange es
nicht Sicherheit und Verteidigung einschließt. 1994 hielt
die WEU-Versammlung fest, daß es völlig unlogisch sei die
GSVP ohne die Berücksichtigung der Rolle französischer
und englischer Nuklearpotentiale zu beginnen. Und bei der
Konferenz 1995 in Madrid hielten die Minister fest, daß die
unabhängigen Nuklearstreitkräfte Frankreichs und Eng-
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lands einen großen Beitrag für die Verteidigung Europas
und ihrer Alliierten bedeuteten. In der Folge bemühte sich
Frankreich besonders um eine enge deutsch-französische
Zusammenarbeit. Im Dezember 2007 während der globalen Nonproliferationsdebatte wurde die Diskussion in allen
27 Staaten intensiver und 2008 lud der französische Präsident Nicolas Sarkozy alle europäischen Partner nach Valduc ein, zu einem offenen Dialog über die Realisierbarkeit
von Schutz und Sicherheit der Anlage. Die Briten boten ihr
Joint Technology Development Center in Aldermaston als
Dialogplattform an. Der weitere Ausbau der Zusammenarbeit wird nun (auch in der neuen NATO-Strategie und den
Lissabonner Beschlüssen) mit der Einsicht umgesetzt, daß
keine Situation vorstellbar ist in der die Bedrohung vitaler
Interessen eines Staates nicht auch gleichzeitig die der anderen Staaten der EU, der Atlantischen Allianz und ihrer
Freunde ist. Die Renaissance eines egoistischen Nationalismus in europäischen Sicherheitsfragen ist also zur Zeit
nicht ersichtlich.
Ethik und Moral einer zukünftigen
europäischen Friedensstrategie
Eine philosophische Schlußbemerkung in Respekt vor
dem Klassiker „La Force du Vertige“, 1983 von André
Glucksmann (1984 in Deutschland unter dem Titel „Die
Philosophie der Abschreckung“ erschienen).
Krieg ist unmenschlich. Abschreckung ist unmenschlich.
Ausgehend vom „Evangelium der Rakete“ findet Glucksmann in deren Monolog:
„Abschrecken ist das Gegenteil von Überreden. Ich eröffne einen Raum, in dem die Argumente der Gewalt absolut
zwingend sind, während die Gewalt der Argumente in der
Schwebe bleibt, unfähig, mit Gewalt Zustimmung herbeizuführen. Die Abschreckung ist unmenschlich. Der Abschrekkende gibt von vornherein schon allein durch die Beschaffenheit seiner Waffen zu verstehen, daß er den Tod des
anderen wollen kann, ebenso wie der andere den seinen,
und daß er sogar in Erwägung zieht, alle beide zu töten, indem er eine globale Explosion auslöst. Seine Rüstungsvorbereitungen haben in der Tat die Aufgabe, einer schmerzlichen, quälenden und vorstellbaren Entscheidung im Hier
und Jetzt ein Minimum an Glaubwürdigkeit zu gewährleisten – denn wenn er jegliche Form von Einsatz ausschlösse, wäre sein Waffenarsenal ja keinen Pfifferling wert.“
Der österreichische Theologe Heimo Hofmeister hat 2001
in seiner weitverbreiteten Studie „Der Wille zum Krieg oder
die Ohnmacht der Politik – ein philosophisch politischer
Traktat“ formuliert: „In Militär und Waffen die Voraussetzungen für Kriege zu sehen und anzunehmen, daß deren
Abschaffung automatisch Frieden mit sich brächte, heißt
die Mittel der Kriegführung mit den Ursachen des Krieges
zu verwechseln. Der Slogan „Stell dir vor es ist Krieg, und
keiner geht hin“ ist zwar bestechend, doch ein Trugschluß,
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denn er suggeriert, daß eben dort, wo niemand hingeht,
niemand ist und kein Leben sich regt, Friede herrscht.“
Auf allen Ebenen der Bedrohungspotentiale in der Eskalationsleiter des Deterrent bleibt die Sicherheit der Ungewißheit, bleiben die zerbrechlichen Sprossen und die Grauzonen und Stolperfallen. Glucksmann: „Ein jeder Eroberer
liebt den Frieden ohne Recht. Europa erfand die bürgerliche
Gesellschaft, indem es diese beiden Dinge zugleich betrieb. Wer sein Leben riskiert um zu leben, lebt noch lange
nicht, um sein Leben zu riskieren. Der offengehaltene Abstand zwischen dem Gewagten und dem Abenteuerlichen
bestimmt das Wesen einer Zivilisation. Das klassische
Zeitalter verfaßt seine Lehre von der Finsternis anhand des
doppelten Registers der Erfordernisse des Friedens und
der Notwendigkeit des Kampfes, der Pflicht und der Leidenschaft, der Liebe und des Todes, der Reinheit und des
Lebens. Die Begriffe wechseln, aber der Zweikampf, der sie
auseinandersprengt, wird erst aufhören, wenn Spieler und
Spiel verschwunden sind.“
Das Spiel der Spieler wird aber bei aller „Unmenschlichkeit“ der vergangenen Jahrtausende nur dann im nachhaltigen Prozeß einer Friedensstrategie erträglicher gestaltet
werden können, wenn die funktionelle Umsetzung philosophischer Ansätze in Moral, Ethik und Religion im Bekenntnis Europas zu den Menschen erfolgt.
Zum Schluß ein Wort von John le Carré 2) (erschienen vor
25 Jahren im Rheinischen Merkur, 20.2.1987): „Das einzige, was wir vielleicht mit Sicherheit beantworten können,
ist die Tatsache, daß die größte Bedrohung für die Menschheit daher rührt, daß man seine Skrupel zugunsten etablierter Urteile aufgibt. Sie rührt aus der Aneignung von
Schlagworten und der stumpfen Übernahme vorgefertigter
Animositäten, die gegenüber den schwer erkämpften Entscheidungen eines persönlichen, human geprägten Gewissens den Vorzug erhalten. Wirkliches Heldentum besteht
nicht in der Konformität oder gar im Patriotismus, sondern
im Mut, moralisch zu handeln, so wie wir das an unserem
christlichen Retter bewundern“.
Anmerkungen und Quellenangaben:
1) (Clausewitz, Carl von, Vom Kriege, Berlin (Ost) 1957,
S. 726 f.)
2) John le Carre mit bürgerlichem Namen John Moor Cornwell (* 19. 10. 1931 in Poole, Dorset, UK, englischer Schriftsteller und einstiger Mitarbeiter des Secret Intelligence Service – Auslandsgeheimdienst [MI6] – Quelle: WIKIPEDIA
Von unserem Kollegiumsmitglied Wolfgang Reineke
EUROJournal 17
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Gesundheit aber wessen?
Gesundheitspolitik betrifft uns alle und daß diverse politische Hasardeure die Gesundheitssysteme Europas
krank gemacht haben, ist dem Normalsterblichen schon
lange bekannt. Nur der ist gegen die Machenschaften
der gesetzlichen Krankenkassen völlig machtlos, wie
kürzlich eine ARD-Sendung MONITOR gezeigt hat: „Die
politischen Reformen der letzten Jahre haben den Weg
in eine neue Zweiklassenmedizin immer weiter geebnet.
Für viele ist Gesundheit heute kaum noch bezahlbar, ob
es um den Zahnersatz oder eine Krebstherapie geht.
Auf der anderen Seite erhöhen sich die Gewinne vor
allem der Pharmakonzerne, ohne daß dies bei den gesetzlich versicherten Patienten ankommt.
Ein kurzer Blick auf die Bühne des letzten „European
Health Forum“, zeigt, worüber ernsthaft und intensivst in
den verschiedensten „Gesundheits-Schaltzentralen“ diskutiert wird. Die Order der armen Krankenkassen lautet:
Mehr Effizienz in die teuren Systeme zu bringen, denn irgendwie müssen doch sowohl die Vorstandsgewaltigen,
Generaldirektoren, Direktionsassistenten und sonstige
uneffektive Gesundheitsverwalter samt Politiker und ihre
ministeriellen „Wasserträger“ ihre üppigen Gehälter und
Aufwandsentschädigungen weiterhin unbeschadet erhalten können. Und so eine Rettung braucht natürlich
das, was seit längerem in unseren Gefilden die Mode
ist - einen Schirm. Und diesen spannte nach eigenen
Angaben der Veranstalter eines der wichtigsten gesundheitspolitischen Kongresses Europas, der unter dem
Motto „Innovation & Wellbeing – Europas Gesundheit
in 2020 und darüber hinaus“, jetzt auf. Dieser schützt
nämlich die seit Jahren ungeahndeten Schlampereien
sowohl in den Krankenkassen als auch den ministeriellen Verwaltungen, die diese prekäre Budgetlage selbst in
den vielen Jahren durch ungenügende Anwendung von
Kontrollmechanismen verursacht haben.
Daß sich jetzt die eigentlichen Verursacher dieser Misere, die im übrigen auch in den anderen europäischen
Ländern zu verzeichnen ist, an das schwächste Glied in
der Versorgungskette – den Beitragszahler – halten, ist
einfach nicht nachvollziehbar. Die Maßnahmen, die jetzt
schon teilweise angewendet werden – die Versorgung
deutlicher effizienter zu machen, sprich auf ein Minimum
zu reduzieren, angeblich unnötige Verschreibungen und
viele Untersuchungen zu vermeiden sowie sogenannte
Überbehandlungen, die den Ärzten zur Last gelegt werden – greifen – allerdings die Gesundheit der Patienten,
die zu erheblichen Zuzahlungen gezwungen werden, an.
Diese Maßnahmen betreffen allerdings nicht alle gleich.
18 EUROJournal
Im Klartext: Das trifft nur das Krankenkassenbeiträge
zahlende „Fußvolk“, das den Krankenkassen Monat für
Monat Milliarden in den Rachen schmeißt, die sich dafür
bei den Kranken und medizinische Hilfe Suchenden mit
bunten Prospekten, teuerer Werbung in diversen Medien
bedanken. Es werden zum Beispiel bewußt nur wenig
wirksame aber dafür billige Medikamente verordnet werden dürfen, Operationen auf Monate hinausgeschoben,
in Erwartung, daß der Patient, wenn er zu der Gruppe
der Senioren gehört, inzwischen die Radieschen von
unten betrachtet. CT- oder MRT-Messungen, selbst wenn
sie vom behandelnden Arzt diagnostiziert sind, werden
jetzt schon in einigen EU-Ländern nur gegen eine gewisse Selbstbeteiligung abgerechnet. Den letzten und
für Patienten äußerst gefährlichen Sparstreich, wie in
schon erwähnter MONITOR-Sendung der ARD am 24.
November 2011 deutlich gemacht wurde, leisten sich
die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland, denn
sie wollen, trotz des Aids-Skandals, gemischtes Blut bei
Operationen und sonstigen notwendigen Blutübertragungen angewendet wissen. Jeden kann es treffen: Egal
ob Unfallopfer, Herzpatienten oder Krebskranke.
Wenn das eigene Blut nicht mehr gerinnt, bekommen
die Patienten von Einzelspendern Thrombozyten gespritzt. Knapp 418 Euro teurer sind sie – viel zu teuer,
sagen jetzt immer mehr gesetzliche Krankenkassen.
AOK, IKK und andere Kassen setzen seit Monaten Ärzte
massiv unter Druck. Sie sollen überwiegend nur noch
das billigere, aus durchschnittlich 5 Spendern zusammengesetzte Blut spritzen. Transfusionsmediziner schlagen Alarm: Das Risiko, daß so bislang noch unbekannte, schlummernde Infektionen viel schneller verbreitet
würden, sei um das 5fache höher. Bei einem ähnlichen
Viren-Skandal wie Aids oder Hepatitis-C wirke das wie
ein Brandbeschleuniger.
Daß solche Maßnahmen die selbsternannten politischen
Eliten, die sich in Ministerien und deren Verwaltungen
tummeln, nicht betrifft, so glauben sie es, ist kein Wunder, denn sie sind diejenigen, die sowohl die Legislative
als auch die Exekutive in den Händen halten. Denn nur
sie können sich es leisten selber und ihre Familienangehörigen im benachbarten europäischen Ausland mit notwendigen Einzelspendern Thrombozyten behandeln zu
lassen, denn z. B. in Österreich, England oder in Italien
werden mit mehr als 80 Prozent solche Einzelspenden
Thrombozyten verwendet.
Die Fehlentwicklungen, die scheinbar von einem schwer
behandelbaren „Virus“ verursacht sind, könnten noch,
nach den Vorstellungen der „Verbesserer“, leicht mit rich-
4/2011
tigen finanziellen Anreizen behoben werden: Danach
sollen manche medizinische Dienste dafür mehr belohnt
werden, wenn sie nicht behandeln. Angeblich mutiert die
Gesundheit zum Konsumgut, und ein Anspruchsdenken macht sich breit. Außerdem produziert ein medizinisches Überangebot eine Bedrohung für die Finanzierbarkeit der notwendigen Leistungen, was zum Nachteil
für die Patienten sein würde, so wird argumentiert.
Daß sich die Generaldirektorin für Gesundheit und Verbraucherschutz der EU-Kommission Paola Testori-Coggi
für die Beibehaltung des Solidargedankens im Gesundheitssystem ausspricht, ist mehr als lobenswert, denn
wie heißt es im Vertrag von Lissabon: „Der Zugang aller
ist ein unverrückbarer Teil ...“. Sie muß es wissen, denn
die Gesundheit ist nach den Pensionen der größte Ausgabenposten der EU-Länder. Sie sagt aber nicht, daß
dazu die Überversorgung des in den Jahren künstlich
aufgeblasenen EU-Apparates kräftig beiträgt.
Früherkennung und Prävention
Die EU will die Effizienz im Gesundheitswesen auf zwei
Wegen steigern. Die frühe Diagnose von Krankheiten
gehört dazu, die durch technische Innovationen wie Telemedizin, verbessertes Screening oder Patientenmonitoring Vorschub bekommen soll. Der zweite Pfeiler sei
die Prävention. Daß mehr Effizienz ohne Einschnitte in
der Versorgung möglich ist, belegt Testori-Coggi durch
ein Pilotprojekt in der italienischen Provinz Veneto. In einer Region mit knapp 200.000 Einwohnern wurde das
Gesundheitswesen reformiert, einige Krankenhäuser
geschlossen, dafür neue medizinische Zentren gebildet
und das Hausarzt-System neu strukturiert. Nach einem
dreijährigen Probelauf verzeichnete die Region jährliche
Gesundheitsausgaben von 1.800 Euro pro Person, was
deutlich weniger als die 2.400 Euro in einer demografisch ebenbürtigen Vergleichsregion, in der keine Reformen durchgeführt wurden, war.
Nun zurück von der gesamteuropäischen Bühne in die
Bundesrepublik. Hier herrscht scheinbar Verdruß und
Überschuß! Politik und gesetzliche Krankenkassen haben lauthals über den im 1. Halbjahr erzielten Überschuß von 2,4 Milliarden Euro gejubelt. Trotzdem sieht
der Präsident der Bürgerinitiative Gesundheit DGVP
e.V., Wolfram-Arnim Candidus keinen Anlaß zur Freude:
„Dieser Überschuß resultiert vor allem aus der Mehrbelastung der Beitragszahler. Sie sind durch die kräftige
Erhöhung des allgemeinen Beitragssatzes um 0,6 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent zur Kasse gebeten worden.
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Ohne Berücksichtigung der konjunkturellen Erholung
wurden dem Gesundheitsfonds allein dadurch Mehreinnahmen von neun Milliarden Euro in die Kassen gespült“.
Schnell deduziert – der Überschuß ist kein Wunderwerk
der Politik oder der Manager der gesetzlichen Krankenkassen. Und dies wird sich ab 2012 abermals ändern mit
den politisch gewollten und genehmigten Zuzahlungen,
die die Krankenkassen nach gut Ding erheben können
und werden.
„Der Trend zur Ökonomisierung der Medizin hat sich
weiter fortgesetzt, sagt Wolfram-Arnim Candidus. „Krankenkassen sind primär daran interessiert, ihre Versicherten nur kostengünstig zu versorgen. „Die individuellen
Belange der Patienten und somit die Effektivität der Versorgung bleiben dabei nur allzu oft auf der Strecke. Die
Therapiehoheit der Ärzte wird durch Arzneimittelrabattverträge Stück für Stück weiter zurückgedrängt und die
Krankenkassen setzen ihre Marktmacht zur Preisdrükkerei und zum Dumping ein.
Man darf sich durch die aktuellen Überschüsse der
Krankenkassen nicht täuschen lassen: Die gesetzliche
Krankenversicherung ist nicht gesund. Sie muß dringend
und ohne ideologische Scheuklappen fachgerecht diagnostiziert und therapiert werden. Das gilt gleichermaßen für die Private Krankenversicherung“.
Daß die Versorgung dabei das wichtigste Ziel sein muß,
ist eine klare Ansage. Und diese muß anders als bisher, vor allem nicht nur verbal, sondern faktisch auf die
Belange und Bedürfnisse der Krankenkassenbeiträge
zahlenden Menschen ausgerichtet werden. Die medizinische Versorgung darf auf keinen Fall unter dem Einfluß
des modernen Zauberwortes „political correctnes“, das
allseits von den Regierenden und verantwortungslosen
„Gesundheitsreform-Hasardeuren“ gerne als Deckmantel benutzt wird, leiden.
Und noch was: Bei den vielen Vorschlägen und zu ergreifenden Maßnahmen darf eines nicht in Vergessenheit geraten – die Ärzteschaft soll sich auch in Zukunft
nur um die Heilung der Patienten kümmern und nicht
sich als externe Buchhalter und kostenlose Inkassobetreiber für die „armen Krankenkassen“ betätigen dürfen.
Diese Verwaltungsdienste müssen die Scharen der
Krankenkassenbediensteten verrichten, die nicht so
überbelastet sind wie die Ärzte, vor allem die Hausärzte
und einige wenige Fachärzte, vor allem schon deshalb,
weil diese sehr viel Verantwortung tragen, die manchmal
auch Leben kosten kann.
Peter Verbata
EUROJournal 19
short report
KAMPAGNE ZUM 1. „EUROPÄISCHEN
TAG FÜR FREIEN SONNTAG“
Ziel, so der Sozial- und entwicklungspolitische Sprecher
Europäische Sonntagsallianz soll grenzübergreifende
Aktionen koordinieren / MdEP Kastler bringt Resolutionsentwurf ins Parlament
ischen Tag für einen arbeitsfreien Sonntag“ als gemeinsame
der CSU-Europagruppe Martin Kastler, sei es, den „EuropäAktion über die erst vor einem halben Jahr gegründete,
Europäische Sonntagsallianz zu koordinieren. So könnten
europaweit lokale Initiativen, Kirchen, Gewerkschaften und
3. März 2012 wird der erste „Europäische Tag für den ar-
Verbände unter einem Slogan für ihr Anliegen werben. „Der
beitsfreien Sonntag“ – so hat es der Europaabgeordnete
Sonntag erfährt europaweit breite Zustimmung als Ruhe-
Martin Kastler am Rande einer Sitzung der Europäischen
und Familientag. Er ist europäisches Kulturgut. Der Europä-
Sonntagsallianz in Brüssel vorgeschlagen und einstimmige
ische Aktionstag wird das zusätzlich unterstreichen.“
Zustimmung erfahren. Mit Initiativen von lokaler bis europäischer Ebene soll der Aktionstag auf das Anliegen eines ge-
Gemeinsam mit anderen Kollegen im Europäischen Parla-
meinsamen arbeitsfreien Sonntages in allen europäischen
ment wird Kastler zudem eine Resolution ins Plenum ein-
Mitgliedsländern hinweisen. Unterstützen wollen Kastler
bringen, die das Anliegen des „Europäischen Tages für den
und weitere Europaabgeordnete dies mit einer Resolution
arbeitsfreien Sonntag“ unterstützt.
im Europäischen Parlament.
In seiner Heimatregion Nürnberg plant Kastler für den 3.
Kastlers Vorschlag „europäisiert“ damit eine Initiative, die
März 2012 zusammen mit dem KKV-Verband der Katho-
bereits heute weltweit an die erstmalige Ausrufung des
liken in Wirtschaft und Verwaltung sowie anderen Akteuren
Sonntages als Ruhetag durch den römischen Kaiser Kon-
der Sonntagsinitiative bereits eine größere Aktion zum „1.
stantin I. am 3. März 321 im Corpus Iuris Civilis 2 Codex
Europäischen Tag für den arbeitsfreien Sonntag“.
Iustinianus 3, 12, 2 erinnert.
-T.G.-
short report
beispielhaft vor, wo Stevia seit 2010 erhältlich ist. Rund 100
EU erlaubt Süßungsmittel Stevia
genehmigte Stevia-Lebensmittel gibt es hier, von denen al-
Streusüßen und Süßgetränke als erste Abnehmer
wahrscheinlich
lerdings bisher nur wenige in den Läden gelandet sind.
Als ein Hindernis für eine rasche Verbreitung sieht Kienle
die niedrige Stevia-Tagesdosis, die von der EU wie auch
Mit der Zulassung von Stevia durch die Europäische Uni-
zuvor von der Schweiz als „unbedenklich“ eingestuft wurde.
on beginnt ein neues Kapitel der Süßstoffe in Europa. Die
Nur vier Milligramm von hochreinem Steviol pro Kilogramm
Substanz aus den Blättern der aus Paraguay stammenden
Körpergewicht und Tag sind erlaubt. „Der Zucker von Limo-
Pflanze „Stevia rebaudiana“ ist 250-mal süßer als Zucker,
naden kann in Folge nur zu rund 30 Prozent durch Stevia-
wird von Diabetikern gut vertragen, senkt den Blutdruck
Süßstoff ersetzt werden. Es wird unter diesen Umständen
und verhindert Zahnbelag. Ein ernsthafter Konkurrent zum
schwierig, dem Konsumenten den höheren Preis zu recht-
Zucker wird sie zumindest in naher Zukunft dennoch nicht,
fertigen“, so der Experte.
glaubt der Stevia-Forscher Udo Kienle von der Universität
Hohenheim.
Coca-Cola als Zugpferd
Langsamer Markteintritt
Was punktet, ist die Natürlichkeit der Stevia-Pflanze, betont
Kienle. Auf diesen Effekt setzt etwa die Firma Coca Cola,
„In naher Zukunft werden die meisten Nahrungsmittelspar-
die bereits 24 Stevia-Patente besitzt und den Zuckergehalt
ten nicht auf Stevia umstellen – einige Produkte ausgenom-
bestimmter Getränke künftig mit einem als „Truvia“ registrier-
men: Stevia-Tabletten und -Streusüßen könnten noch in
ten Stevia-Süßstoff senken will. In raffinierter Form ist Stevia
diesem Jahr in die Supermärkte kommen, einzelne Süß-
als Lebensmittel-Zusatzstoff – der die Nummer E960 erhält
getränke im ersten Halbjahr 2012, sofern die Hersteller be-
– freilich nicht mehr „natürlich“.
reits zulassungsfähige Rezepturen besitzen“, so der Agrar-
Von Johannes Pernsteiner/pte
wissenschaftler. Das zeige die Entwicklung in der Schweiz
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EURO - TEURO - RETTUNGSSCHIRM
bremse in ihre nationalen Verfassungen auf und wann wird die
Aufnahme der Sanktionsmechanismen wirksam?
Die Nachrichtenmeldungen der letzten Zeit, die sich in unserer
- Wann werden den großen Ankündigungen auch Taten folgen?
kommunikativen Welt mit dem Thema EURO – TEURO – RET-
- Wenn an schmerzhaften Reformen in den Krisenländern
TUNGSSCHIRM mit oder ohne der Kopfbedeckung des feinen
kein Weg vorbei führt, was gedenken die politischen Entschei-
englischen Herrn, der Melone, intensivst beschäftigen, weisen
dungsträger in den Nationalstaaten, der EU-Kommission, dem
darauf hin, daß keiner Bescheid weiß und diejenigen, die Be-
EU-Parlament und sonstigen überbürokratisierten und sehr
scheid wissen müssen, besser gesagt wissen sollen, lassen
kostspieligen EU-Institutionen bei sich selbst zu tun und wel-
das gemeine Volk in Unsicherheit tappen.
che Restriktionsmaßnahmen wollen sie sich auferlegen?
- Dieser Gipfel brachte den ersten Schritt auf dem sehr langen
Nun hat die endlose Reihe der Meldungen wie zum Beispiel
Wege. Welcher Schritt ist der nächste?
DIE SCHULDEN-HYSTERIE, US RATINGAGENTUR S&P
- Sind Eurobonds nun wirklich vom Tisch oder haben einige
WARNT DEUTSCHLAND UND ANDERE EURO-STAATEN
findige „Rechtsverdreher“ auf Wunsch ihrer Herren, der globa-
VOR VERLUST DES „AAA“, MARKOZYS RETTUNGSREZEPT,
len wirtschaftspolitischen Lobby, einige „Knallfrösche“ bei den
KEINE ANGST VOR INFLATIONSGESPENST oder SHOO-
Verhandlungen als Überraschung hineingebracht?
TOUT UM DEN EURO seit dem 9. Dezember plötzlich eine
- Wann wird endlich mit der selben Vehemenz und Mut wie
neue Dimension bekommen. Viele der politischen Wissenden
jetzt in Brüssel die angelsächsich geprägte Unterjochung Eu-
und von sich selbst überzeugten Analysten jubeln zu dem aktu-
ropas durch Privatunternehmen einiger Multimilliardäre, deren
ellen Stand der Verhandlungen in Brüssel. Europa hat endlich
Ratingagenturen ohne jegliche öffentliche Mandatierung Druck
aufgrund der aktuellen Beschlüsse des EU-Gipfels etwas Posi-
auf die europäische Politik und Wirtschaft ausüben, bekämpft?
tives nach langer Pause der Entwicklung geschafft, woran fast
- Wann wird den Bürgern die beabsichtigte und sicherlich in der
niemand mehr geglaubt hat.
neu angedachten Konzeption die Einrichtung einer neuen EU-
Es ist unbestritten ein Erfolg der oft in negative Schlagzeilen
Behörde plausibel vermittelt?
geratenen deutschen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, die
sich mutig innerhalb der männlich dominierten Gesellschaft
Um zu funktionieren braucht Europa nun mal Behörden, die in
der viel zu oft selbstgefälligen Politiker mit gewissem Sach-
ihrer Existenz, Zuständigkeit und Aufgabenstellung aber auch
verstand und vor allem Beharrlichkeit und enormer Ausdauer
allgemein anerkannt sein müssen, um effizient arbeiten zu kön-
durchsetzen konnte, denn sie bewies, daß sie entgegen man-
nen. Bei den bereits vorhandenen europäischen Institutionen
cher Befürchtungen, wirklich gesamteuropäisch denkt.
hat sich die selbstgefällige EU-Bürokratie inzwischen von einer
solchen allgemeinen Akzeptanz bereits gefährlich weit entfernt.
Ab jetzt heißt die Parole: „Endlich stimmt die Richtung“.
Und das sind Herausforderungen, die jetzt zügig in PerspektiDaß man die deutsche Bundeskanzlerin nicht unbedingt mö-
ven umschlagen müssen, denn Europa darf sich nicht selbst
gen und nicht mit allem einverstanden sein muß, was sie tut, ist
im Weg stehen.
das eine. Das andere ist die Hochachtung vor ihrer Leistung der
Und diesen Weg scheint der feine englische Herr Cameron,
letzten, sehr bewegten Monate, die sie dem Europabürger trotz
seines Zeichens Premier, vorbereitet zu haben, in dem er end-
einschneidender fiskalischer Maßnahmen gegeben hat. Wenn
lich den Austritt Englands aus der Europäischen Union nach-
alles so klappt, wie sie sich bemühte zu ordnen, ist ihr der Weg
haltig und mit großer Akribie mit Sätzen, die er auf dem Brüs-
in die europäischen Schulbücher wie ihrem politischen Ziehva-
seler Gipfel zum Besten gegeben hat „Großbritannien ist es
ter Helmut Kohl absolut sicher.
gelungen, Europa zu blockieren“, vorbereitet zu haben.
Aber trotz dieses Teilerfolgs der Gemeinschaft bleiben noch
Good luck Mr. Cameron, good night United Kingdom.
einige wichtige Fragen offen:
Peter Verbata
- Wann und wie schnell wird ein tragbares Konzept, wie man
die Schuldenberge effektiv bekämpfen kann, ohne viel Geld in
die Krisenländer ewig zu pumpen, ausgearbeitet?
- Wie schnell nehmen die beteiligten Länder die Schulden-
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EUROJournal 21
focus in time
Ein Gespenst geht umher
Spracherschaffung á la monténégrine
Als sich montenegrinische Politiker zu Beginn des Schuljahres nicht
einigen konnten, wie die Unterrichtssprache in montenegrinischen
Schulen zu benennen sei, stellte dies nur den Gipfel des Eisberges im
balkanesischen Sprachenstreit dar. Wie die anderen Republiken des
ehemaligen Jugoslawiens, pochen auch hier Politiker darauf, ihre Unabhängigkeit sprachlich zu legitimieren, stellt doch die Sprache neben der
Religion den größten Identitätsmarker in den Gebieten des ehemaligen
Jugoslawiens dar.
Während man noch bis in die 90er Jahre von einer gemeinsamen „serbokroatischen“ Standardsprache ausging, die
in Kroatien, Bosnien, Montenegro und Serbien gesprochen
wurde, wird seit den 90er Jahren besonders in Kroatien und
Bosnien, und zuletzt seit einigen Jahren auch in Montenegro, alles daran gesetzt, die Erinnerung an eine gemeinsame Sprache verschwinden zu lassen. Dies geschieht in
Kroatien etwa durch das Einbringen von Wortneuschöpfungen (Neologismen), Archaismen und Regionalismen
seitens der Politiker und Linguisten. In Bosnien besinnt
man sich hingegen auf die Zeit im osmanischen Reich –
so wird versucht, durch die Implementierung von Turzismen
und Orientalismen in Schulbücher und Grammatiken der
Gebrauch der selbigen seitens der Schüler von Beginn an
anzukurbeln.
Beim „Serbokroatischen“, dem südslawischen Zweig der
slawischen Sprachfamilie, handelt es sich um eine im
19. Jahrhundert kodifizierte Standardsprache, welche als
Grundlage einen den meisten Sprechern gemeinsamen
Dialekt hat: das Štokawische. „Serbokroatisch“ galt bis in
die 90er Jahre hinein als eine plurizentrische Sprache, wie
etwa das Englische oder das Deutsche. Die Besonderheit
lag allerdings darin, dass sich die Plurizentrizität nicht auf
mehere Staaten erstreckte, sondern sich die Zentren – das
„westliche“ in Zagreb und das „östliche“ in Belgrad- damals
in einem Staat befanden
In Kroatien werden zudem neben dem Štokawischen noch
das Čakawische und das Kajkawische gesprochen. In allen
drei Benennungen stehen die erste Silben što, ča, kaj für
das Interrogativpronomen was. Die Dialekte treten zudem
in drei Mundarten auf: ijekawisch, ikawisch und ekawisch,
wobei die Unterscheidung auf den unterschiedlichen Realisierungen des proto-slawischen Vokals /ě/ (genannt „jat“)
basiert. Veranschaulichen lässt sich dies etwa anhand der
Wörter für Milch, welche im ijekawischen, ikawischen und
ekawischen mleko, mlijeko und mliko sind. Die ekawische
Aussprache ist jedoch lediglich in Serbien vorhanden.
22 EUROJournal
Drei Sprachen, die auf einem und
dem selben Dialekt beruhen
Das paradoxe ist, dass die neuen propagierten Sprachen – Kroatisch, Bosnisch, Serbisch und Montenegrinisch – alle auf ein und den selben Dialekt beruhen: dem
Štokawischen. Aus typologischer Sicht kann also nach wie
vor von einer Sprache gesprochen werden. Somit wäre es
aus linguistischer Sicht daher leichter, eine eigenständige
kajkawische, čakawische und štokawische Sprache rechtzufertigen, da sich diese Dialekte stärker voneinander unterscheiden als das Serbische, Bosnische oder Kroatische,
welches in Belgrad, Sarajevo und Zagreb gesprochen werden, da sie allesamt ihre Grundlage stokawischen Dialekt
haben.
Problematisch ist eine Nationalisierung von Standardvarianten vor allem aufgrund der Tatsache, dass nationale
Grenzen im ehemaligen Jugoslawien nicht mit Sprach- bzw.
Dialektgrenzen zusammenfallen; zudem ist der Balkan ein
ethnisch heterogenes Gebiet. Aufgrund der „unentwirrbaren Nichtüberschneidung von Konfessions- und Dialektgrenzen“ (Voß 2006: 4) ist etwa vor allem in Bosnien
eine nationale Dialektbegrenzung oder die Legitimation
nationaler Standardsprachen zumindest aus linguistischer
Sichtweise besonders fragwürdig. Da man etwa in Bosnien jedoch aus politischer Korrektheit allen Gruppen das
Recht gewährt, ihren Kindern eine Schulbildung in der jeweils eigenen Muttersprache zu bieten, kann man jedoch
buchstäblich von einer linguistischen Apartheid sprechen:
Alle Dokumente werden in drei Sprachen verfasst, zudem
werden Kinder in verschiedenen Schulen oder Klassen
unterrichtet. Diese Segregation ist auch in den Augen der
UN-Adminsitration ein Problem, aufgrund der starken nationalistischen Kräfte scheint es derzeit jedoch unüberwindbar zu sein.
Die Rolle der Sprache bei der Schaffung einer
eigenen montenegrinischen Identität
Pragmatischer gab man sich am ICTY (International Tribunal for the Prosecution of Persons Responsible for Serious
Violations of International Humanitarian Law Committed in
the Territory of the Former Yugoslavia). Als man sich damit konfrontiert sah, wie denn die Sprache der Insassen zu
nennen sei, entschloß man sich dazu, die Sprache nach
dem Alphabet (um auch hier politisch korrekt zu sein) „Bosnian/Croatien/Serbian“ zu nennen, eine Bezeichnung, die
sich auf europäischer Ebene mehr und mehr durchzusetzen scheint.
4/2011
focus in time
Auch in Montenegro spielt die Sprache, wie in der Einleitung zu lesen war, eine immer wichtigere Rolle bei der
Schaffung einer eigenen, montenegrinischen Identität,
allerdings weiß niemand so genau, was sich hinter der
„Montenegrinischen“ Sprache (vom deutschen Slawisten
Bernhard Gröschel auch liebevoll als „Phantomsprache“
bezeichnet) verbirgt. Der Anführer der Sprachseparatisten,
Vojislav Nikčević, spricht sich etwa seit Jahren für den Einsatz von drei neuen Buchstaben aus: ś, ź und, basierend
auf den Phonemen /ç/, und /dz/. Hierbei gibt es jedoch zwei
Probleme: Zum einen werden /ç/ und /dz/ auch in Westserbien verwendet (Greenberg 2004: 103f.) zum anderen
gibt es keinen Dialekt, der alle drei Phoneme einbezieht.
Aufgrund dessen sieht etwa der Slawist Robert Greenberg
Nikčevićs Phoneme des Montenegrinischen als „Mythos“
an. Näherliegender scheint es, die Laute als Allophone zu
betrachten – Varianten eines Phonems.
gros auf Kosten der Sprache zu legitimieren und schlug
stattdessen vor, die Sprache in Montenegro als „Serbisch
in ijekawischer Form” zu bezeichnen: „That definition does
in any case effectively distinguish the language from that
in Serbia – which is ‚Serbian in an ekavian form‘ – without
providing the added degree of separation which might be
needed if and when the language in Montenegro takes a
more radically different course, for example by employing
the three additional characters (…)”, welche von Nikčević
propagiert werden. Nichtsdestotrotz entschloss sich die von
der Regierung beauftragte „Kommision für die Standardisierung der Montenegrinischen Sprache“ 2009 dazu, die
Laute /ç/ und /ʝ/ im Rahmen einer neuen Rechtsschreibung
als Phoneme der montenegrinischen Standardsprache
einzuführen. Das neue Alphabet hat daher statt 30 nun 32
Buchstaben. Während man bis vor kurzem also etwa für
„Norden“ sjever schrieb, ist man nun angeleitet, śever zu
schreiben – seitens vieler montenegrinischer Linguisten
eine Vergewaltigung der Sprache. Seit September diesen
Jahres werden die beiden neuen Buchstaben nun in montenegrinischen Schulbüchern aufgeführt.
Einführung des Begriffes „Muttersprache“
mit unerfreulichen Folgen
Bereits 2003, noch während des Bestehens der Staatengemeinschaft „Serbien und Montenegro“, entschloss sich die
montenegrinische Regierung dazu, das Fach „Muttersprache“ ins Schulprogramm einzubeziehen. Mit der Begründung, man wolle keine der Volksgruppen benachteiligen
(so gibt es in Montenegro neben der starken serbischen
Minderheit ferner noch eine kroatische und eine bosniakische Minderheit) erwies man den montenegrinischen
Sprachseparatisten um Nikčević einen ersten Dienst, obgleich in einem Referendum zwei Jahre zuvor 59,57 Prozent der Bevölkerung als ihre Muttersprache „Serbisch“
genannt haben – gegenüber nur 21,53 Prozent, die Montenegrinisch als Muttersprache nannten. Faktisch unterdrükkte man mit dieser Entscheidung daher die Mehrheit der
Bevölkerung mit dem Ziel der Kreierung einer neuen, montenegrinischen Sprache, um somit den Grundstein für die
spätere Unabhängigkeit Montenegros zu legen. Die Einführung des Faches „Muttersprache“ stieß auf heftigen Protest
seitens der Lehrer. So weigerten sich beispielsweise sechs
Lehrer am Gymnasium in Nikšić, ihren Unterricht als „Muttersprache“ zu bezeichnen, was prompt zu Kündigungen
führte. Laut Zeitungsangaben streikten daraufhin 900 von
1300 Schülern, wie auch 42 von 66 Lehrern aus Solidarität
mit den gekündigten Kolleginnen und Kollegen.
Seit Inkrafttreten der Verfassung Montenegros am 22.Oktober 2007 ist Montenegrinisch die Amtssprache Montenegros, die frühere Amtssprache Serbisch gilt nur noch
als Sprache „im Amtsgebrauch“. Bereits im Oktober 2006
warnte das “Permanent Committee on Geographical
Names” vergebens davor, die Unabhängigkeit Montene-
4/2011
Sprachseparatismus als Norm: Montenegrinisches Schulbuch aus
dem Jahr 2011
Die montenegrinische Regierung und ihre „Hoflinguistik“
ging 2010 noch weiter. Zum Einen adaptierte der Bildungsrat die erste montenegrinische Grammatik. An der Grammatik arbeiteten neben dem montenegrinischen Linguisten
Adnan Čirgić auch die kroatischen Linguisten Josip Silić
und Ivo Pranjković. Der Bildungsrat, der die Grammatik
einführte, bestand hierbei aus dreizehn Mitgliedern, wobei jedoch lediglich zwei Mitglieder Fachexperten waren –
Božena Jelušić, Literaturprofessorin, und Slavica Perović,
Professorin der Linguistik. Beide stimmten als einzige
Mitglieder gegen die Einführung der Grammatik. Zudem
wurde 2010 das Fach „Muttersprache“ abgeschafft, stattdessen wurde im Herbst 2010 „Montenegrinisch“ als Unterrichtssprache eingeführt. War in den Augen der Opposition zuvor das Fach „Muttersprache“ eine Zumutung, sehnt
man sich seither die alten Zeiten herbei, stellte doch eine
Beibehaltung des Faches „Muttersprache“ zumindest einen
Kompromiss dar gegenüber der eigenen Wählerschaft.
Fortsetzung S.25
EUROJournal 23
focus in time
short report
Mit Marketing-Preis ausgezeichnet
Für „herausragende Leistungen bei Messekonzept und Präsentation“ erhielt die Stadt Neumarkt den „Consumenta-Marketingpreis 2011“. Oberbürgermeister Thomas Thumann nahm
im Rahmen der „Consumenta“-Eröffnungsfeier die Trophäe
aus der Hand der AFAG-Geschäftsführer Heiko und Hermann
Könicke sowie im Beisein von Bayerns Landtagspräsidentin
Barbara Stamm entgegen.
Im Jahr 2009 knüpfte die AFAG-Messegesellschaft die ersten
Kontakte mit der Stadt Neumarkt, die sich spontan entschloß,
bei dem Gemeinschaftsprojekt auf Bayerns größter Verbrauchermesse „Consumenta“ in Nürnberg mitzumachen.
Wie immer bei einem derartigen Neuprojekt traf diese Idee bei
Handel und Handwerk anfangs noch auf Skepsis. Entsprechend
Neumarkts Oberbürgermeister Thomas Thumann nimmt die
bescheiden fiel die erste Beteiligung mit einem 50 Quadratmeter
Glückwünsche von Bayerns Landtagspräsidentin Barbara Stamm
großen Stand aus. Doch die überaus positiven Erfahrungen dieser
für den vorher ihm von Heiko (links) und Hermann Könicke verlie-
Aussteller und die vielen Neukundenkontakte, die auf der Mes-
henen Marketingpreis entgegen. Foto: Erich Zwick
se geknüpft wurden, führten dazu, daß sich im Jahr 2010 bereits
neun Unternehmen aus Neumarkt beteiligten und auf 400 Quadratmeter ihr Leistungsspektrum präsentierten.
24 EUROJournal
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4/2011
focus in time
Politisches Gerangel um rechtliche Gleichstellung des Unterrichtsfaches „Serbisch“
Seit Monaten fordert nun die montenegrinische Opposition eine rechtliche Gleichstellung des Unterrichtsfaches
„Serbisch“ mit dem Unterrichtsfach „Montenegrinisch“, was
bei Premier Igor Lukšić von der Demokratischen Partei der
Sozialisten Montenegros (DPS) auf Ablehnung stürzte, obgleich selbst nach dem Erlangen der Unabhängigkeit bei
der Volkszählung im April diesen Jahres 42,88 Prozent der
Bevölkerung als ihre Umgangssprache Serbisch nannten
und lediglich 36,97 Prozent diese als „Montenegrinisch“
bezeichneten. Letztendlich einigten sich beide Seiten im
September dieses Jahres darauf, das ehemals als „Muttersprache“ bezeichnete Fach in „Montenegrinisch - Serbische, Bosnische, Kroatische und Bosniakische Sprache
und Literatur“ umzubenennen. In der Interpretation des
Striches zwischen „Montenegrinisch“ und „Serbisch“ gibt
man sich hier kreativ: Während Lukšić und Co. ihn als Gedankenstrich und somit als Abgrenzung zwischen der montenegrinischen Amtssprache einerseits und den Sprachen
im Amtsgebrauch andererseits sehen, sei er in den Augen
der Vertreter der Opposition als ein Koppelungsstrich zu
verstehen und stelle somit ein Verweis auf ein Kompositum
dar. Dass die Kreation „Montenegrinisch-Serbisch“ jedoch
eine Sprache bezeichnet, die es in der Verfassung gar nicht
gibt und die Syntagmen „American English“ oder „British
English“, auf die man sich gerne beruft, keinen Bindestrich
enthalten, scheint Oppositionsmitglieder nicht zu stören,
kann man sich gegenüber der Wählerschaft doch als Verteidiger der serbischen Sprache geben.
Dass es auch anders geht, zeigt etwa die jugoslawische
Verfassung von 1974, vom italienischen Linguisten Fiorenzo Toso als “una delle migliori in material di minoranze
etnico-linguistiche” bezeichnet (Toso 1996: 267). Im Artikel 170 der Verfassung von 1974 heißt es: „Den Bürgern
wird die Freiheit gewährt, ihre Angehörigkeit zu einer Nation
oder Nationalität auszudrücken, die Freiheit, ihre nationale
Kultur auszudrücken und die Freiheit, ihre Sprache und ihre
Schrift zu verwenden. [Übers. von M.M.S.]” (“Građaninu je
zajemčena sloboda izražavanja pripadnosti narodu, odnosno narodnosti, sloboda izražavanja nacionalne kulture
i sloboda upotrebe svog jezika i pisma.”) Als „Nationen“
Jugoslawiens wurden hierbei Serben, Kroaten, Slowenen,
Montenegriner, Mazedonier und Muslime angesehen, während der Begriff „Nationalitäten“ Jugoslawiens Albanern,
Ungarn, Roma, Italiener, Bulgaren, Tschechen, Ruthenen,
Slowaken und Türken umfasst. All diesen Gruppen wurde im Rahmen der Verfassung Unterricht in der eigenen
4/2011
Sprache garantiert. Man beachte, dass in der Terminologie
auf den Terminus „Minderheit“ verzichtet wird, stattdessen
wurde allen Gruppen der größtmögliche Sprachpluralismus
gewährleistet.
Auch Tito ging in seinen Reden auf die Sprachthematik ein,
so u. a. auch in seiner Rede zur 10. Parteikonferenz des
Bundes der Kommunisten Jugoslawiens in Belgrad 1976:
„Jugoslawien hat der freundschaftlichen Zusammenarbeit und den guten Beziehungen mit allen benachbarten
Ländern gemäß den Prinzipien der Gleichberechtigung,
Souveränität und territorialen Integrität sowie der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten stets große
Bedeutung beigemessen. Eine solche Zusammenarbeit
war beiderseits nützlich. Wir sind überzeugt, dass es im
gemeinsamen Interesse aller Länder und Völker dieses
Raumes ist, auf der Grundlage der erwähnten Prinzipien
ständig zu einer solchen Entwicklung beizutragen. Eine
sehr wichtige Rolle spielen in dieser Hinsicht auch die nationalen Minderheiten, natürlich auch unter der Bedingung,
dass ihre Rechte geachtet werden, dass sie ihre nationale
Identität, Sprache, Kultur und ihre Bräuche pflegen und
entwickeln können. Die Tatsache, dass sie im Laufe der
historischen Entwicklung von ihrer Gemeinschaft getrennt
leben, dürfte keinesfalls zum Negieren ihrer nationalen
und ethnischen Zugehörigkeit ihrer Sprache und Kultur, vor
allem aber nicht zu ihrer Assimilierung durch die Nation
führen, deren Sprachgebiete sie jetzt bewohnen. (…)“
Vor dem Hintergrund einer gemeinsamen, europäischen
Perspektive, von welcher in den Reden von Regierungsmitgliedern in den Balkanländern fortwährend die Rede ist,
scheint sich eine Politik, deren Vertreter etwa Lukšić ist,
selbst im Weg zu stehen. Die postjugoslawischen, sogenannten proeuropäischen, demokratischen Parteien in den
ehemaligen jugoslawischen Republiken könnten sich stattdessen ein Vorbild an der Sprach(en)politik im titoistischen
Jugoslawien nehmen. Von Miroslav Mirko Stanojević
Anmerkungen:
Greenberg, R. D. (2004) Language and Identity in the Balkans.
Serbo-Croatian and its Disintegration. Oxford: OUP.
Toso, F. (1996) Frammenti d’Europa. Guida alle minoranze etnicolinguistiche e ai fermenti autonomisti. Milan: Baldini e Castoldi
Voß, C. (2006) Sprache und Politik auf dem Balkan. Zur Konstruktion nationalsprachlicher Grenzen bei den Südslaven. Gastvortrag
am Ostoeuropa-Institut, FU Berlin. 24 January 2006. <http://userpage.fu-berlin.de/~ulf/Voss.pdf>
EUROJournal 25
names & news
Neuer Ratsvorsitzender der Metropolregion
Erlangens Oberbürgermeister Dr. Siegfried Balleis: Stärkere Rolle für die Wirtschaft
und weitere Professionalisierung der Strukturen
Einstimmig wählte der Rat
der Metropolregion Nürnberg
Ende Oktober 2011 seinen
neuen Ratsvorsitzenden, den
Erlanger Oberbürgermeister
Dr. Siegfried Balleis. Er löst
nach sechs Jahren den Nürnberger Oberbürgermeister Dr.
Ulrich Maly ab, der seit Gründung der Metropolregion für
dieses Projekt steht. Als Stellvertreter des Ratsvorsitzenden wurde Dr. Günter Denzler, Landrat des Landkreises
Bamberg, bestätigt. Thomas
Thumann,
Oberbürgermeister aus Neumarkt, folgt dem
Bürgermeister von SulzbachRosenberg, Gerd Geismann,
als zweiter Stellvertreter nach.
Maly betonte im Rückblick die „erweiterte Heimatkunde“, die er aus sechs Jahren Zusammenarbeit mitnehme.
Außerdem habe er viel über die Nöte kleinerer Kommunen gelernt. Als scheidender Ratsvorsitzender steht er
deutschland- und europaweit für eine gelebte Stadt-LandPartnerschaft. Für die nächste EU-Förderperiode wird dies
als wichtiger Ansatz zur Stärkung von Regionen gehandelt,
so Maly weiter, was auch die Chancen der Förderung von
Stadt-Land-Projekten in der Region erhöhe.
Darauf will OB Dr. Siegfried Balleis aufbauen und die Erfolgsgeschichte fortsetzen. In der Zukunft soll dazu die
Wirtschaft wesentlich intensiver eingebunden werden. Die
Unternehmen seien auch bereit stärker mitzugestalten und
sich stärker finanziell zu beteiligen, so der neue Ratsvorsitzende. Dazu ist geplant, den Steuerungskreis der Metropolregion als operatives Zentrum zu stärken und ihn um drei
Vertreter aus der Wirtschaft zu erweitern. Zur weiteren Professionalisierung der Strukturen sollen die Geschäftsstelle
Metropolregion und die Geschäftsstelle des Marketingvereins zu einer schlagkräftigen Einheit verbunden werden.
Die Entscheidung über die vorgestellten Pläne soll bereits
am 13. Januar 2012 in einer außerordentlichen Ratssitzung getroffen werden sowie in den Gremien des Marketingvereins.
In der Ratssitzung wurde auch die Jahresplanung 2012 der
Metropolregion Nürnberg vorgestellt. Sie setzt den Schwerpunkt klar auf Europa und wird sich in ihrer Jahrestagung
2012 unter der Überschrift „Die Metropolregion Nürnberg
in Europa“ mit der neuen EU-Förderpolitik ab 2013 und
der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit dem
Nachbarland Tschechische Republik befassen. In diesem
Zusammenhang ist auch ein Auftritt in der Bayerischen
Landesvertretung in Brüssel bei den Open Days der Städte und Regionen im Oktober 2012 ge-plant. Auch an der
Einrichtung einer EU-Regiestelle, die für die Kommunen
EU-Projekte und EU-Fördermittel erschließe, werde weiter
intensiv gearbeitet.
-drcs-
dipl. des. sandra walter
art director fek-eurojournal
26 EUROJournal
4/2011
names & news
Ingo Wolf neuer CIO
von Rödl & Partner
Ingo Wolf (47) ist neuer Chief Information Officer (CIO)
der internationalen Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Rödl & Partner mit Sitz in Nürnberg. Der erfahrene IT-Experte übernimmt mit sofortiger Wirkung die
Verantwortung für die IT-Organisation an den insgesamt
84 eigenen Standorten weltweit. Kern seiner Tätigkeit
ist die Implementierung von strategischen Geschäftsprozessen und die Neuausrichtung der IT-Organisation von Rödl & Partner. In seiner Funktion berichtet er an den
Geschäftsführenden Partner Joerg Gulden.
Ingo Wolf war zuletzt CIO der Actelion Pharmaceuticals Ltd., einem Pharma-Unternehmen mit 2.500 Mitarbeitern
mit Sitz in Basel, Schweiz. Im Rahmen dieser Tätigkeit wurde Ingo Wolf vom CIO Magazin und der Computerwoche unter die Top 22 CIOs des Jahres 2010 im deutschsprachigen Raum gewählt. Davor war er Mitglied der Geschäftsleitung bei Fujitsu Service als Service Direktor Deutschland. Dieser Position gingen verschiedene globale
Management Funktionen unter anderem als Vice-President bei T-Systems sowie als leitender IT-Verantwortlicher bei
der KPMG Deutsche Treuhand Deutschland voraus.
-jt-
CiW-Geschäftsführer Timo Plutschinski wird der
neue Präsident des europäischen Dachverbandes
EUROPARTNERS
Der Geschäftsführer des Verbandes „Christen in der Wirtschaft“
(CiW), Timo Plutschinski, übernimmt ab April nächsten Jahres die
Präsidentschaft des europäischen Dachverbandes Europartners.
Zu dieser Organisation gehört im deutschsprachigen Raum neben
CiW auch die Internationale Vereinigung christlicher Geschäftsleute (IVCG). Europartners ist in 35 europäischen Ländern aktiv.
Plutschinski folgt in der Position des Präsidenten dem Schweizer
Dominique Faessler nach, einem ehemaligen Manager des Konzerns Hoffmann-La Roche. Mit dem neuen Amt wird Plutschinski
auch Mitglied des Global Leadership Teams des Weltverbandes
CBMC, der auf allen Kontinenten die Interessen von Christen im
Wirtschaftsleben vertritt. Damit ist erstmals in der Geschichte des
Weltverbandes ein Deutscher in diesem Gremium vertreten.
Die Amtseinführung Plutschinskis soll im Februar kommenden Jahres
während einer internationalen Europartners-Konferenz in Jerusalem
stattfinden. Plutschinski, der als Theologe und Geschäftsführer bereits
in Gemeindearbeit und Wirtschaft tätig war, wird im kommenden Frühjahr den derzeitigen Standort der Europartners-Zentrale von Zürich nach
Hamburg verlegen.
-jt-
4/2011
EUROJournal 27
EDITORIAL COUNCIL
Siegfried Auffermann – President of the Federal Association of Economics, Education, Labour - Economics Committee
Germany l Lutz Backes “BUBEC” – Editor, cartoonist and theatrical author l Dr. Nicole Badewitz-Dussol – Art historian,
language lecturer, photographic designer (www.langue-doc.eu) l MinRat Prof. DDr. Heinrich Badura – Deputy Assistant
Under-Secretary in Federal Ministry for Education, Science and Culture, Austria and FEK curator l Dr. Siegfried Balleis –
Mayor of the town of Erlangen l Doc. Dipl.-Ing. Antonín Baudyš CSc (†) – Vice Prime Minister and Minister of Defence ret.
of the Czech Republic l Bianca Bauer-Stadler – Consultant “Neue Medien” l Dr. Milan Beránek – Former Consul General
of the Czech Republik, superior counsellor in the Foreign Ministry l Alexa Brandt – Travel journalist l Prof. Dr. Dipl.-Ing.
Jürgen Brandt MBA – Honorary professor, Colonel (ret.), advisory consultant, FEK curator l Gerhard Danzl – executive
police marshal ret. l Nicole Dorigo – Tourist Board-Press Office Alta Badia (BZ) Italy l Rainer Dumont du Voitel, France l
Rudolf Dumont du Voitel (†) l Europainstitut Schweiz (EIS) l Dr. Roland Fleck – Managing Director of NürnbergMesse,
Chairman of the Editorial Council and FEK Board Member l Dipl.-Ing. Ján Foltýn – Former Ambassador of Slovak Republic
l Karl Freller, MdL – State Secretary ret. l Dr. Ingo Friedrich, MEP ret, – President of European Economic Senate (EES),
Member of the EP h.c. l Günter Gabsteiger MdL ret. l Prof. Dr. Daniel Göler – Political scientist, European Studies University of Passau l S.k.k.H Dr. Otto von Habsburg, MEP ret. (†) – Former International President of Paneuropa Union l
Christian Hammerbacher – Jurist (univ.), FEK curator l Dr. Werner Hein – Physician and president of the Research Institute
for Preventive Medicine l Dieter Herzog – Former marketing director l Andrea Hofmann – Dipl. Romance Philology (Univ.),
FEK curator l Prof. Dr. Zoran Jašić – Former Ambassador of Croatia in Vienna l Prof. Nicolae Iordan-Constantinescu,
PhD. – Minister-concellor ret., President of the Paneuropa Foundation Romania, Bucharest l RA Hans Jürgen Jaeger LL.M
– European Movement Munich, FEK curator l Dr. jur. Ivana Janů – Deputy Chairwoman of the Czech Constitutional Court
ret., Member of the Board of the European Academy for Democracy, Prague l Richard Kaptejna – Management Consultant,
FEK Board Member l Martin Kastler M. A., MEP l Prof. Ferdinand Graf Kinsky – Vice President of the Centre international
de formation Européenne (CifE), Nice l Dr. Romain Kirt – Political scientist, publicist, Luxembourg l Prof. Dr. Laszlo Kiss
– Centre for Foreign Research Studies, Telekilaszlo Institute, University of Budapest l Prof. Dr. Jean Klein – Institut français
des relations internationals (ifri), Paris l Dr. oec. Hans Kolb – Chamber of Industry and Commerce for Oberfranken Bayreuth/
Managing Director Intenational Economic Affairs, Chairman of the FEK curatorium l Dr. of Philosophy Karel Krátky –
Institute for International Relations, Prague l Dr. med. Gerhard Paul Krüger – Honorary consul of Republic Macedonia
in Bavaria l Xing-Hu Kuo M. A. – Journalist, Netherlands l Prof. Dr. Vytautas Landsbergis – President of Lithuania ret.,
MEP l Mag. Jiří Lesčinský – District Administrator, Plzeň North l Mag. Dr. jur. Rudolf Logothetti, MA (SAIS) I Prof.
Dr. Paul Michael Lützeler – Rosa May Distinguished University Professor in the Humanities, Director Max Kade Center
for Contemporary German Literature, Washington University/St. Louis l Dr. Françoise Manfrass-Sirjacques – Political
scientist l Dr. Klaus Manfrass – Historian and political scientist l Dr. Hartmut Marhold – Centre international de Formation
Européenne (CifE), Nice l Prof. Dr. Ulla Meister – Institute of Technology and Economy (FH) Mittweida l Kurt Mejstrik –
Theatrical author and publicist l Dr. phil. Henning Meyer – Editing and Publishing Manager l Norbert K. Milde – Mental
Training (www.wild-milde.de) l Prof. Dr. Dr. Krzysztof Miszczak M. A. rer. pol. – Former envoy of the Republic of Poland,
honorary curator of the FEK and President of the Institute of Strategic Studies Warsaw/Milanówek l Prof. Dr. Hartmut Mohr
– Lawyer and (tax) accountant l Stefanie Mohr – Photographic designer & interpreter l Therese-Marie Mueller – financial
Writer and legal scholar, Oxford, UK l Dr. Dipl.-Ing. oec. Irena Hripsime Nalbandyan – Centre of international Studies,
Faculty VŠE Prague l Dr. of Philosophy Petr Nebeský – Managing director ret. of the Czech-Israeli Chamber of Trade and
Industry, Prague l Dr. of Philosophy František Novotný – Media Consultant, Editor, Prague l Dr. Anita Olejnik – Political
scientist, Poland l Dr. Maximilian Opitz – Political scientist l Prof. ret. Dr. Alexandr Ort, DrSc – Centre of international
Studies, Faculty VŠE Prague l Gerd Otto – Former Editor-in-Chief “Mittelbayerische Zeitung” l Dr. Med. Wolfgang Otto
– Forum Verlag l John Perry – Vice president of the Union of European Federalists, Richmond, UK l Dr. Manfred Peter M.
A. rer. pol. – Former EU director, Luxembourg l Prof. Dr. Michael Piazolo – Academy for Political Education, Tutzing l Elke
Pütz – UEF l Erhard Ratz – Reverend ret., former director of the institute Technik-Theologie-Naturwissenschaften (TTN),
LMU Munich, European Movement l Wolfgang Reineke – President of the Society for European Foreign and Security
Policy l Bernd Rill – Jurist and historian, Academy for Politics and History/Hanns-Seidel-Foundation, Department for Law,
State, European Integration l Walter Ross – Publicist l Ulla Rüdenholz – Vice president European Movement Bavaria l Dr.
Christian Runge – Europe Union Germany, ABConsult-Management l Prof. Dr. jur. Martin Seidel l Priv. Docent Herbert
Seifert – Freelance lecturer in philosophy l René Wilfried Scharn, MBA (Oxford) l Dr. Wolf-R. Scharff – Economics
journalist (www.presseagentur-scharff.de) l Yehu David Schenef M. A. – Publicist and translator l Daniel Leon Schikora
M. A. – Historian and political scientist, Munich, Strasbourg l Nikolaus Schmeja – Chairman for the Land of BadenWürttemberg of the Society for Military Policy e. V., Colonel ret., freelance lecturer and publicist l Renate Schmidt, MdB –
Former federal minister, former vice president of the Bundestag, Germany l Pavel Severa – Member of the Czech Parliament
l Dr. Dr. Hans Martin Sieg – Historian and political scientist Berlin, FEK curator l Dr. Jaroslav Šonka – Publicist, head of the
studies at the European Akademy Berlin l Prof. ret. Dr. Stanislav Sousedík – Charles University of Prague I Dr. Peter Spary
– President German-Hungary Society l Dipl.-Arch. Dorothea Speer l Frank Springer – Mayor of Neuötting ret. member of
district council Lower Bavaria l Dr. Karel Starý – Euroconsult Prague l Eva Gräfin von Strähle M. A. – Political scientist l
Julius Eugen Graf von Strähle l Prof. Franz W. Strohmer, Senator h. c. – Scientific Consultant, medical journalist l Mag.
Irena Agata Szyszko – German philologist, cultural and political scientist Warsaw, Augsburg, FEK curator l Mag. Maria
Tarka-Talaska – Specialist on Polish law l Jaromír Talíř B.Sc (engineering) – Former Minister of Education and Cultural
Affairs of the Czech Republik and Member of the Czech Parliament ret. l Thomas Tenzler Dipl.-Eng. & Economics l
Prof Dr. Dr. Heiner Timmermann – Political scientist, historian, University of Jena l Prof. ret. Dr. Helmut Wagner – Free
University of Berlin l Mag. Sandra Walter – Communications Designer (FH), Austria l Dipl.-Ing. (FH) Thomas Weiss – PR/
Publicity work, PREPRESS WEISS, Schwabach l Detlef Wendt – Head of task force for better regulation, Ministry for Social
Affairs, Family and Health Thuringia, Germany l Ernest Wistrich, CBE – European Movement London, UK l Horst Wunner
– Editor l ZKD – Centre for Communication and Dynamics, Vienna l Erich Zwick – Editor
28 EUROJournal
4/2011
glossary
D
en Stoßseufzer früherer Generationen „Man
müßte Klavier spielen können“ hat unsere politische
Klasse jetzt offenbar abgeändert, in: „Man müßte mit
Finanzen umgehen können.“ Waren die Gigolos einst
darauf aus, Glück zu haben
bei den Frauen, so drängeln
die Politiker von heute allem
Anschein nach ganz vehement ins Finanzressort. Finanzminister zu sein erscheint
offenbar umso attraktiver, desto weniger überschaubar dieses Metier geworden ist.
Der Bundeskassenwart Wolfgang Schäuble zum Beispiel scheint von der Aura seines Amtes derart fasziniert zu sein, daß es ihm offenbar geradezu Spaß
macht, gemeinsam mit seinen 16 Kollegen der EuroZone und den 26 Finanzministern der Europäischen
Union vor laufender Kamera großes Theater zu mimen
und so zu tun, als ob man wüßte, wohin der Weg uns
führt. Und wenn noch etwas Zeit bleibt, beim EuroRetten, dann trifft sich unser Finanzminister mal so en
passant mit seinem Wirtschaftskollegen Philipp Rösler und verspricht, gegen die „kalte Progression“ in der
Einkommensteuer anzukämpfen, ehe er den Gegenwind aus den eigenen Reihen (speziell aus München)
verspürt und deshalb wohl seine Kanzlerin zurückrudern läßt.
CSU-Chef Horst Seehofer, inzwischen für
ein Jahr auch Präsident
der
Länderkammer,
hatte sehr ungehalten
über den Vorstoß von
Schäuble und Rösler in
Sachen „kalte Progression“ reagiert, sogar ein
Unionstreffen spontan
abgesagt und dürfte
sich hier wohl auch in
seiner Meinung über
den Politiker-Typ „Finanzminister“ bestätigt gefühlt haben. Sein eigener, Georg Fahrenschon, hatte sich dem
Landesvater gegenüber unbotmäßig gezeigt, war nach
dem Debakel um Verteidigungsminister Guttenberg
Politiker-Gedrängel
ins Finanzressort
4/2011
nicht zu den Fahnen geeilt und soll dies mit seiner
Abneigung gegenüber Berlin begründet haben. Dann
aber kandidierte er doch für einen Berliner Posten,
nämlich für das Präsidentenamt im Deutschen Sparkassen- und Giroverband – da letzten Endes ohne Gegenkandidat auch kein sonderlich hohes Risiko.
Zuvor hatte sich Ministerpräsident Seehofer geradezu
aufreizend schnell beeilt, die Nachfolge Fahrenschons
zu regeln. Dabei war die Beobachtung, wer sich alles
für diese Position als geeignet betrachtete, fast spannender als die Entscheidung selbst, die sich dann
doch länger hinzog und die CSU-Allzweckwaffe Markus Söder „traf“. Viel Glück!
Gerd Otto
EUROJournal 29
economics & economics spotlight
BioFach 2012: Světový veletrh
klade důraz na udržitelnost
Udržitelnost v biohnutí stěžejním tématem kongresu
V době od 15. do 18. února 2012 se v Norimberku opět sejde biosvět v celé své rozmanitosti. Očekává se znovu kolem
2500 vystavovatelů a 44000 odborných návštěvníků. Čím se
konkrétně vyznačuje opravdové udržitelné potravinářství a
jak biobranže definuje jedno ze svých základních témat –
udržitelnost? Patron celosvětové veletržní rodiny BioFach, or-
pro přežití naší planety? Hlavní výzvou bude komunikovat, co
ganizace International Federation of Organic Agriculture Move-
biobranže nabízí jako protějšek a věrohodnou alternativu kam-
ments (IFOAM), a národní odborný sponzor veletrhu BioFach,
paní velkokoncernů včetně tzv. greenwashingu.“
Svaz ekologického potravinářství (BÖLW), obrátí v roce 2012
pozornost na ekologické, sociální a ekonomické otázky trvalé
Markus Arbenz, jednatel federace IFOAM, říká: „S otázkou
udržitelnosti v rámci oboru.
udržitelnosti je politika a ekonomika konfrontována více než kdy
jindy. Pro průkopníky biobranže byla tato otázka ve všech svých
rozměrech vždy spjata s požadavkem na každodenní jednání.
Je však třeba řešit nové ekologické, sociální, ekonomické a kulturní výzvy. Jak můžeme dále rozvíjet udržitelnost v biobranži?
Které aspekty musí být prohloubeny a jak mohou ekologicky
hospodařící podniky s uplatněním témat udržitelnosti úspěšně
obstát vůči konvenčně hospodařícím podnikům?“
Veletrhy BioFach a Vivaness představují celosvětově největší
burzu pro výměnu vědomostí a informací. V roce 2011
navštívilo opět více než 8000 zainteresovaných odborníků přes
150 akcí kongresu. Stěžejní téma roku 2012 „Udržitelnost v biohnutí“ se posune do popředí pozornosti nově zřízeného Fóra
udržitelnosti.
Všechny speciální sekce veletrhů BioFach a Vivaness umožní
i v příštím kole vůdčího světového veletrhu výměnu informací,
a to v rámci následujících sedmi fór: Forum specializovaného
obchodu, Fair Forum, Gastro Forum, Textil Forum, Vivaness Forum, Forum vína. Kromě toho se mohou návštěvníci ze všech
koutů světa – v roce 2011 bylo zastoupeno 131 národů – opět
Princ zu Löwenstein, předseda představenstva svazu BÖLW,
informovat na četných firemních prezentacích.
říká: „Udržitelnost je pojem, který by v těchto dnech nejraději
proklamovalo celé hospodářství. Ale znamená to nutně, že
Na téma udržitelnost se bude zaměřovat nejen kongres, ale
se skutečně hospodaří způsobem, který zajistí příštím ge-
také mediální den veletrhů BioFach a Vivaness.
neracím budoucnost, v níž stojí za to žít? Spotřebovávají se
přírodní zdroje jenom v takovém rozsahu, v jakém budou trvale
k dispozici? Na cestě k tomuto ideálnímu stavu je biobranže
BioFach 2012:
prokazatelně dál než konvenční zemědělství a potravinářství.
The world’s leading trade fair emphasises sustainability
Conference focuses on sustainability in the organic movement
„Tato výhoda pro naši společnost musí být vědecky podložena
a srozumitelně sdělována. To má totiž pro stále více lidí nesmírný význam.“ Jan Plagge, prezident svazu Bioland: „Ekolo-
From 15 to 18 February, 2012, the organic world in all its variety
gické zemědělství nabízí se svými rozmanitými výkony uce-
will once again gather in Nuremberg, Germany. Around 2,500
lený a hodnověrný systém udržitelnosti. Takové hospodaření
exhibitors and 44,000 trade visitors are expected. They will be
se nedá omezit pouze na ekologickou stopu emisí CO2 části
reflecting on whata truly sustainable food industry is and how
sortimentu. A už vůbec se nehodí k tomu, aby dodávalo ‚ze-
the organic industry defines one of its core topics, sustainability.
lený punc’ sortimentům nebo obchodním řetězcům. Protože v
The patron of the global BioFach trade fair family, the Interna-
jádru jde o následující otázku: Jaké zemědělství potřebujeme
tional Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM),
30 EUROJournal
4/2011
economics & economics spotlight
and the national supporting organisation of the BioFach, the
Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW; the organic
food producers’ association), will focus in 2012 on questions of
ecological, social and economic sustainability in the industry.
BioFach 2012:
le salon leader mondial pose de nouveaux jalons durables
Congrès sur le développement durable dans le secteur bio
Prince zu Löwenstein, Chairman of the BÖLW, “These days, sustainability is a term the entire business world wants to commit
Du 15 au 18 février 2012, l’univers bio dans toute sa diversité
to. But will this actually lead to methods which ensure a future
se rassemblera de nouveau à Nuremberg. Environ 2500 ex-
worth living for future generations? Are resources really being
posants et 44000 visiteurs professionnels y sont de nouveau
used so that they are available in the long run?
attendus. Quelles sont les caractéristiques d’une véritable gestion durable dans le secteur de la production alimentaire et
The organic industry is demonstrably further along the path to
comment la branche bio définit-elle l’un de ses thèmes clés,
this ideal situation than the conventional agricultural and food
processing industry. But, this advantage for our society must be
scientifically secured and understandably communicated. Because this will increasingly be of greater importance to people.”
Jan Plagge, President, Bioland, “With its diverse services, organic farming offers an integrated and credible system of sustainability. It cannot be reduced to the CO2 footprint of a segment.
It is certainly not suited to “greening” products or chain stores.
Because at its heart, what matters is the following question:
What agricultural system do we need for the survival of our
planet? The key challenge will be to communicate what the organic industry offers as a credible alternative in contrast to the
campaigns of the major corporations, including greenwashing.”
Markus Arbenz, Executive Director IFOAM: “Politics and business are faced more than ever with the question of sustainability. For the pioneers of the organic industry, it is part of their daily
business in all its variety. But there are new ecological, social,
economic and cultural challenges. How can we further develop
sustainability in the organic industry? What aspects have to be
expanded and how can organic companies successfully position themselves against conventional companies when it comes
to sustainability?”
à savoir le développement durable ? En 2012, l’International
BioFach and Vivaness are the world’s largest platform for know-
Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM) qui
ledge and information. In 2011, over 8,000 interested professi-
patronne la « famille » des salons BioFach à l’échelle mon-
onals visited the more than 150 events at the conference. The
diale de même que l’Association allemande des producteurs,
focus for 2012,Sustainability in the organic movement, moves
préparateurs et distributeurs bio (BÖLW) en tant que promoteur
into the spotlight for the newly established Sustainability Fo-
national du BioFach, attirent l’attention sur les questions écolo-
rum.
giques, sociales et économiques afférentes au développement
durable au sein de la branche.
All the special areas of BioFach and Vivaness invite you to
exchange ideas at the upcoming trade fair in a total of seven
Prinz zu Löwenstein, président du comité directeur de la BÖLW:
forums: Specialised Trade Forum, Fair Forum, Gastro Forum,
« Le développement durable, est un concept que l’économie
Textile Forum, Vivaness Forum, Wine Forum. In addition, visi-
dans son ensemble s’est aujourd’hui fixé comme objectif. Ce-
tors from all over the world – 131 countries were represented
pendant, la gestion est-elle vraiment effectuée de manière
in 2011 – can once again obtain information in numerous com-
à garantir aux générations futuresun avenir qui vaut la peine
pany presentations.
d’être vécu ? Les ressources sont-elles utilisées parcimonieusement en tenant compte des quantités disponibles à long
Not just at the conference, but also at the BioFach and Viva-
terme ?
ness media day on 14 February, 2012 and at the opening ceremony of the dual trade
Sur la voie menant à cette situation idéale, le secteur bio est
manifestement plus en avance que l’agriculture et la production
alimentaire conventionnelles. Mais l’avantage que cela pré-
4/2011
EUROJournal 31
economics & economics spotlight
sente pour notre société doit être étayé sur le plan scientifique
et vulgarisé de manière compréhensible. Car de plus de plus
Dans le cadre du prochain salon leader mondial, tous les es-
de gens y attachent une très grande importance. » Jan Plagge,
paces spéciaux du BioFach et du Vivaness inviteront égale-
président de Bioland : « Avec ses multiples activités, l’agriculture
ment aux échanges dans le cadre de sept forums au total :
biologique offre un système de gestion durable global et fiable
forum du commerce spécialisé, forum du commerce équitable,
qui ne se limite donc pas à l’empreinte carbone d’une gamme
forum de la gastronomie, forum des textiles, forum Vivaness,
partielle. Et, surtout, elle n’a pas la vocation de « donner une
forum des vins. En outre, les visiteurs issus de toute la planète
image verte » aux assortiments et aux chaînes de distribution.
–131 nations étaient représentées en 2011 – pourront de nou-
Car la question vitale est la suivante : quelle est l’agriculture qui
veau s’informer dans le cadre de multiples présentations effec-
permettra à notre planète de survivre ? Le principal défi pour la
tuées par des entreprises.
branche bio consistera à véhiculer des arguments constituant
une alternative crédible pour s’opposer aux campagnes des
Ces deux salons mettront l’accent sur le thème du dévelop-
grands consortiums, y compris à « l’écoblanchiment ».
pement durable non seulement dans le cadre du congrès
mais également lors de la journée des médias BioFach et
Markus Arbenz, directeur d’IFOAM : « La politique et l’économie
Vivaness qui aura lieu le 14 février 2012 et de la cérémonie
d’inauguration.
BioFach 2012:
salone pilota mondiale pone l‘accento sulla sostenibilità
Congresso incentrato sulla sostenibilità nel movimento biologico
Dal 15 al 18 febbraio 2012 il mondo bio si riunirà nuovamente
a Norimberga in tutta la sua varietà. Si attendono ancora una
volta circa 2.500 espositori e 44.000 visitatori professionali.
Cosa contraddistingue con esattezza un‘economia alimentare
veramente sostenibile e come definisce il settore bio uno dei
suoi temi centrali, la sostenibilità? Nel 2012 l‘ente patrocinatore
della famiglia dei saloni BioFach nel globo, l‘International Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM), nonché
l‘ente promotore nazionale del BioFach, l‘Unione tedesca degli operatori economici del settore ecologico alimentare „Bund
Ökologische
Lebensmittelwirtschaft“
(BÖLW),
indirizzano
l‘attenzione su questioni della sostenibilità ecologica, sociale
ed economica in seno al settore.
Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, presidente del consiglio direttivo
sont plus que jamais confrontées à la question du développe-
del BÖLW: „La sostenibilità è un concetto che, in questi giorni,
ment durable. Pour les pionniers de la filière bio, elle a toujours
l‘intera economia vorrebbe eleggere a proprio vessillo. Però il
été à tous les égards une exigence de base pour leur travail
tutto viene poi gestito effettivamente in modo tale da assicurare
quotidien. Mais de nouveaux défis écologiques, sociaux, éco-
alle prossime generazioni un futuro degno di essere vissuto? Si
nomiques et culturels se préparent. Comment pouvons-nous
sfruttano le risorse soltanto in misura tale da restare disponibili
continuer à promouvoir la gestion durable dans le secteur bio ?
a lungo andare?
Quels sont les aspects qui doivent être développés et comment
les entreprises produisant selon les principes écologiques
Sulla strada che porta a questa condizione ideale il settore bi-
peuvent-elles se positionner avec des thèmes afférents au dé-
ologico è più ampiamente controllabile rispetto all‘agricoltura e
veloppement durable face à celles qui utilisent des méthodes
all‘economia alimentare convenzionali. Tuttavia questo vantag-
conventionnelles ? ».
gio per la nostra società deve basarsi su un fondamento scientifico ed essere presentato in maniera comprensibile. Infatti, la
BioFach et Vivaness constituent la plus grande plateforme
cosa ha un‘importanza fondamentale per sempre più persone‘.
mondiale consacrée au savoir et aux informations dans ce do-
Jan Plagge, presidente di Bioland: „L‘agricoltura ecologica, con
maine. En 2011, plus de 8000 experts intéressés ont de nou-
le sue molteplici prestazioni, offre un sistema sostenibile olisti-
veau assisté aux plus de 150 conférences organisées dans le
co e attendibile. Essa non si lascia appunto ridurre all‘impronta
cadre du congrès. « Le développement durable dans le secteur
CO2 di un comparto merceologico e, tanto meno, è idonea a
bio », thème clé du salon en 2012, sera au cœur du nouveau
„inverdire“ gli assortimenti o le catene commerciali. In sostan-
forum du développement durable.
za si tratta fondamentalmente del seguente quesito: di quale
32 EUROJournal
4/2011
economics & economics spotlight
agricoltura abbiamo bisogno per la sopravvivenza del nostro
zwoju w branży.
pianeta? La sfida centrale sarà quella di comunicare quale alternativa attendibile contrappone il settore bio alle campagne
Książę zu Löwenstein, Prezes Zarządu BÖLW: „Zrównoważony
dei grandi gruppi industriali, greenwashing compreso“.
rozwój jest pojęciem, które w tych dniach cała gospodarka
chciałaby wypisać na sztandarze. Czyż jednak rzeczywiście
Markus Arbenz, amministratore dell‘IFOAM: „Per la politica e
gospodaruje się w taki sposób, aby przyszłym generacjom
l‘economia la questione della sostenibilità si pone ora più che
zapewnić przyszłość wartą życia? Czy zasoby zużywane są
mai. Per i pionieri del biologico essa è sempre stata, in tutte le
jedynie w takim zakresie, w jakim są dostępne na stałe?
sue dimensioni, il requisito sotteso all‘operato quotidiano. Ciò
nonostante si fanno avanti nuove sfide ecologiche, sociali, eco-
W drodze do tego idealnego stanu branża bio-produktów w
nomiche e culturali. Come possiamo sviluppare ulteriormente
sposób możliwy do udowodnienia znajduje się dalej niż kon-
la sostenibilità nel settore biologico? Quali aspetti devono es-
wencjonalne rolnictwo i gospodarka żywnościowa. Ta korzyść
sere potenziati e come possono fare le ecoaziende a posizio-
dla naszego społeczeństwa musi być jednakże zabezpie-
narsi con successo con tematiche della sostenibilità rispetto
czona pod względem naukowym i przekazywana w sposób
alle aziende che agiscono secondo criteri convenzionali?“.
zrozumiały. Ma to bowiem znaczenie dla coraz większej liczby ludzi.“ Jan Plagge, Przewodniczący, Bioland: „Ekologicz-
BioFach e Vivaness sono la piattaforma di sapere e di informa-
ne rolnictwo ze swoimi różnorodnymi świadczeniami oferuje
zione più grande del mondo. Nel 2011 oltre 8.000 specialisti
całościowy i wiarygodny system zrównoważonego rozwoju. Nie
interessati hanno preso parte ancora una volta alle 150 e più
da się go zredukować do poziomu emisji CO2 częściowego
manifestazioni del congresso. Il tema chiave del 2012 „Sosteni-
asortymentu. A już w ogóle nie nadaje się ono do „zazielenie-
bilità nel movimento biologico“ sarà il fulcro del Nachhaltigkeits
nia“ asortymentów lub sieci handlowych. Zasadniczo bowiem
Forums (Forum sostenibilità) di nuova istituzione.
chodzi o następującą kwestię: Jakiego rolnictwa potrzebujemy
dla przeżycia naszej planety? Centralnym wyzwaniem będzie
Anche alla prossima edizione del salone pilota mondiale tut-
zakomunikowanie tego, co branża bio-produktów przeciwstawia
te le sezioni speciali diBioFach e il Vivaness inviteranno allo
jako wiarygodną alternatywę kampaniom wielkich koncernów
scambio in complessivamente sette forum: Forum del commer-
włącznie z greenwashing.
cio specializzato, Forum fair, Forum della ristorazione, Forum
del tessile, Forum Vivaness e Forum del vino. Oltre a ciò i visi-
Markus
tatori di ogni angolo del globo (nel 2011 erano presenti 131 na-
zrównoważonego rozwoju znaczy dla polityki i gospodarki
zioni) potranno informarsi di nuovo partecipando alle numerose
więcej niż kiedykolwiek. Dla pionierów branży bio-produktów
presentazioni aziendali.
od zawsze jest ona wymaganiem dotyczącym codziennego
Arbenz,
członek
zarządu
IFOAM:
„Kwestia
działania. Czekają nas bowiem nowe wyzwania ekologiczne,
I due saloni porranno il focus sul tema della sostenibilità non
społeczne, ekonomiczne i kulturalne. Jak możemy kontynuować
soltanto al congresso, bensì anche alla Giornata dei media Bi-
zrównoważony rozwój w branży bio-produktów? Jakie aspekty
oFach e Vivaness il 14 febbraio 2012, nonché alla cerimonia
należy rozbudować i jak przedsiębiorstwa ekologiczne przy
inaugurale.
pomocy tematów dotyczących zrównoważonego rozwoju mogą
się skutecznie pozycjonować w stosunku do tych działających
w sposób konwencjonalny?“
BioFach 2012:
Wiodące Światowe Targi wyznaczają zrównoważone akcenty
BioFach i Vivaness są największą na świecie platformą wiedzy
Główny temat Kongresu poświęconego zrównoważonemu ro-
i informacji. W roku 2011 ponownie ponad 8000 zaintereso-
zwojowi w bio-ruchu
wanych fachowców odwiedziło ponad 150 imprez kongresu.
Główny temat roku 2012 „Zrównoważony rozwój w bio-ruchu“
W dniach od 15 do 18 lutego w Norymberdze ponownie zbiera
staje w centrum nowo utworzonego Forum Zrównoważonego
się bio-świat w całej swej różnorodności. Oczekuje się około
Rozwoju.
2500 wystawców i 44000 specjalistycznych odwiedzających. Co
dokładnie wyróżnia zrównoważoną gospodarkę żywnościową
Wszystkie działy szczególne targów BioFach oraz Vivaness w
i jak branża bio-produktów definiuje jeden z jej głównych te-
najbliższym terminie Wiodących Światowych Targów zapraszają
matów, zrównoważony rozwój? Patron światowej rodziny targo-
do wymiany na łącznie siedmiu forach: Forum Handlu Spec-
wej, do której należą targi BioFach, International Federation of
jalistycznego, Forum Fair, Forum Gastro, Forum Tekstylnym,
Organic Agriculture Movements (IFOAM), jak również krajowy,
Forum Vivaness, Forum Wina. Ponadto odwiedzający ze ws-
ideowy patron targów BioFach, Związek Ekologicznej Gospo-
zystkich krajów - w roku 2011 reprezentowanych było 131 na-
darki Żywnościowej (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft
rodów - znowu mogą uzyskać informacje w licznych reprezen-
- BÖLW), w roku 2012 kierują uwagę na ekologiczne, społeczne
tacjach firm.
i ekonomiczne zagadnienia dotyczące zrównoważonego ro-
4/2011
EUROJournal 33
economics & economics spotlight
Nie tylko na Kongresie, także w Dniu Mediów BioFach i Viva-
Claus Rättich, Mitglied der Geschäftsleitung NürnbergMesse:
ness 14 lutego 2012 oraz na otwarciu duet targowy skupi się na
„Seit vielen Jahren schätzen wir die indischen Branchenak-
temacie zrównoważonego rozwoju.
teure als wichtige Geschäftspartner und sind glücklich,
die Zusammenarbeit in den letzen Jahren immer weiter intensivieren zu können. Das gilt sowohl für APEDA als auch das
BioFach und Vivaness 2012:
Indiens Öko-Pioniere präsentieren sich
der Bio-Welt
Indien ist Land des Jahres der BioFach 2012
Regierung und Privatwirtschaft fördern Öko-Landbau
Ehrgeizige Ziele für Binnenmarkt und Export
Indien: 1,2 Mrd. Einwohner, größte Demokratie der Erde, Land
ICCOA
(International Competence Centre for Organic Agriculture),
unseren Partner für die BioFach India. Der Auftritt Indiens
als Land des Jahres der BioFach 2012 setzt einen ganz besonderen Akzent und bereichert die Weltleitmesse sehr!“
Gemeinsames Interesse aller Akteure:
Die Weiterentwicklung des Handels mit Bio-Produkten und
der Aufbau des Bio-Binnenmarktes in Indien. Der zügige
Ausbau des zukunftsorientierten Bio-Sektors wird von der
indischen Regierung stark gefördert.
der Gegensätze, wirtschaftlich auf dem Weg in Richtung Weltspitze. Auch der Bio-Sektor hat viel zu bieten. Was genau, das
Großes Potenzial für Bio-Landbau nutzen
präsentiert der Subkontinent vom 15. bis 18. Februar 2012 auf
der Weltleitmesse für Bio-Produkte und ihrer Tochter, Vivaness,
Leitmesse für Naturkosmetik und Wellness. Dann wird Indien
als Land des Jahres im internationalen Rampenlicht stehen.
2011 reisten 2.544 Hersteller und 44.591 Facheinkäufer zu ihrem jährlichen Branchen-Highlight BioFach und Vivaness nach
Nürnberg.
Die Vorbereitungen für den großen Auftritt des indischen BioMarktes anlässlich der nächsten Ausgabe des Messe-Duos
BioFach und Vivaness laufen bereits seit im Februar der Vertrag zwischen APEDA, der staatlichen indischen Exportfördergesellschaft und der NürnbergMesse unterzeichnet wurde.
Doch die Weichen für den nachhaltigen Erfolg des Bio-Sektors
in Indien wurden schon viel früher gestellt: Impulse von staatlicher Seite und privatwirtschaftliches Engagement sind dabei
wichtige Voraussetzungen.
Rund 50 Aussteller aus Indien präsentierten sich und ihre Bio-
“In fünf Jahren sollten wir eine Milliarde US-Dollar Umsatz
beim Export von Bio-Lebensmitteln, Bio-Baumwolle und
anderen Non-Food-Produkten erreichen”, erklärte Handelsminister Rahul Kullar 2011 aus Anlass des zehnten Jahrestages der Einführung des National Programme for Organic
Production (NPOP). Zwei Millionen Hektar zertifizierte BioAnbaufläche bis 2012 und ein kräftiger Umsatzsprung bis
2015, so lautet das mittelfristige Ziel. Der Staat hat gute
Voraussetzungen für den Bio-Sektor geschaffen. Die wichtigsten Bausteine: Das NPOP, Bio-Standards, ein staatliches
Bio-Siegel sowie das vor kurzem von APEDA eingeführte
Tracenet zur Rückverfolgung der Produkte vom Handel bis
zum Acker. Mit Hilfe von Zuschüssen und Schulungsangeboten für umstellungswillige Bauern konnte die biologisch
bewirtschaftete Fläche alleine zwischen 2007 und 2009 auf
1,2 Mio. Hektar verdoppelt werden. Vor allem das Interesse
bei kleinen Familienbetrieben ist nach wie vor groß. Denn:
Die Bauern können mit der ökologischen Bewirtschaftung
ihrer Flächen nur gewinnen. Sie müssen keine Kredite für
teure Betriebsmittel wie Hightech-Saatgut, synthetische
Dünger sowie Pestizide aufnehmen, sondern können mit
verbesserten traditionellen Methoden ihre Erträge steigern.
Nach der Umstellung erzielen die Bauern zudem bessere
Preise für ihre Produkte. Den Schutz der eigenen Gesundheit und der Umwelt gibt es gratis dazu. Mukesh Gupta,
Geschäftsführer der Morarka Stiftung: „Öko-Landbau arbeitet im Gleichklang mit der Natur und nicht im Widerspruch
zu ihr“. Dieser Aspekt der ökologischen Wirtschaftsweise
kommt der traditionellen indischen Verbundenheit mit der
Natur sehr entgegen, wie das große Interesse der Bauern
deutlich macht. Die Morarka Stiftung setzt sich seit vielen
Jahren intensiv für den Bio-Anbau ein und arbeitet mittlerweile mit rund 100.000 Kleinbauern zusammen.
Köstlichkeiten im Februar dem internationalen Fachpublikum.
Bereits seit zehn Jahren ist das faszinierende Land ein fester
Indische Bundesstaaten machen sich stark für Bio
Bestandteil der Weltleitmesse. Asit Tripathy, Geschäftsführer
APEDA: „Wir fühlen uns sehr geehrt und freuen uns, dass Indien im Februar 2012 im Mittelpunkt der Weltleitmesse steht.“
34 EUROJournal
Die Vorteile der ökologischen Anbauweise haben auch die
Regierungen vieler Bundesstaaten überzeugt. Sie investie-
4/2011
economics & economics spotlight
ren seit über zwanzig Jahren in den Ausbau des Ökolandbaus. Sikkim im südlichen Himalaya strebt zum Beispiel die
komplette Umstellung seiner landwirtschaftlichen Flächen
auf Öko-Landbau bis 2015 an. Dies verkündete Agrarminister Takarpa Anfang 2011. Unterstützt werden soll die Initiative durch ein engagiertes Regierungsprogramm. Dieses
umfasst Weiterbildung, eine investitionsfreundliche Politik
sowie die Bereitstellung von Marketinginstrumenten. Auch
ICCOA mit Sitz in Bangalore/Kerala, bietet Fortbildungsmaßnahmen an, um den zunehmenden Bedarf an qualifiziertem Personal sowohl für den Öko-Landbau als auch
für weiterverarbeitende Unternehmen zu bedienen. Das
Qualifizierungs-Angebot Certificate Program in Organic
Agriculture (CPOA) startete im Juli 2011 mit einem ersten
sechsmonatigen Kurs. Der Bio-Sektor schafft zudem eine
nicht unerhebliche Zahl an Arbeitsplätzen. So sind aktuell
zum Beispiel mehr als 700.000 Bauern in der indischen
Bio-Landwirtschaft tätig.
Vermarktung: Binnenmarkt und Export wachsen
Die Visionen der Bio-Akteure in Indien sind ausgesprochen
ambitioniert. Bis 2012 wird ein Plus von 120 Prozent im
Inland auf umgerechnet 330 Mio. US-Dollar angestrebt,
der Exportumsatz soll auf über 550 Mio. US-Dollar steigen. 2010 brachte dieser laut ICCOA rund 120 Mio. USDollar ein. Etwa 230 Firmen waren zu diesem Zeitpunkt im
Exportgeschäft tätig, knapp 54.000 Tonnen Bio-Produkte
wurden 2009 ausgeführt. Bio-Baumwolle steht dabei an
erster Stelle, gefolgt von Obst und Gemüse, Ölsaaten, Tee
und Kaffee. Um die Ziele zu erreichen, wurde im Dezember 2010 ein Biohandelsverband gegründet. Das indische
Ministerium für Handel und Industrie, Bio-Unternehmen
und eine Delegation der US-amerikanischen Organic Trade Association (OTA) haben gemeinsam die Organic Trade
Association of India aus der Taufe gehoben. Diese soll die
Bio-Vermarktung unterstützt von der Politik ankurbeln.
Einzelhandel reagiert auf steigende Binnennachfrage
Sie heißen Down to Earth, Dubden India, 24 Letter Mantra, Green Channel oder Navdanya. Indische Fachgeschäfte, die Bio-Ware und Gesundheitsprodukte anbieten.
Die Nachfrage wächst rasant. Handels-Unternehmer Raj
Seelam hält einen Bio-Umsatz von 5-8 Mrd. US-Dollar
in den nächsten 15 Jahren auf dem indischen Markt für
möglich. Derzeit zählen Experten 150 bis 200 Mio. Menschen zur urbanen Mittelklasse. Diese gebildeten, oft ernährungsbewussten Städter sind potenzielle Bio-Kunden.
Der Bio-Konsum werde sich vervielfachen, so die Prognose
von Seelam, Gründer der Bio-Herstellerfirma Sresta und
Betreiber des Einzelhandelskonzepts 24 Letter Mantra.
Der noch kleine Binnenmarkt wachse derzeit mit jährlich
70 Prozent und mehr. Seelam selbst will die Zahl der Shopin-Shop Verkaufsstellen bis Ende 2011 auf 800 ausbauen. Die Markenprodukte des Unternehmens sind auch im
Ausland zu haben. Weiterer engagierter Akteur auf dem
4/2011
Bio-Markt ist das vielseitige Unternehmen Morarka Organic. In Zusammenarbeit mit eigenständig unternehmerisch
tätigen „Agripreneurs“ schafft Morarka die Rohstoff- und
Produktbasis für die Vermarktung, die in Form eines indienweiten Netzwerkes von Großhändlern und Einzelhandelsgeschäften entsteht. Die Marke Down to Earth gibt es
in eigenen Geschäften gleichen Namens. Morarka ist aber
auch im Exportgeschäft aktiv. Weitere Verkaufskanäle für
Bio in Indien: konventionelle Supermärkte, Online-Shops
und Wochenmärkte. Mumbai verfügt in der Zwischenzeit
sogar über einen wöchentlichen Bio-Bauernmarkt.
Indien: Exportweltmeister für Bio-Baumwolle
Indien ist mit 80 Prozent Marktanteil weltgrößter Lieferant
von Bio-Baumwolle, gefolgt von Syrien und der Türkei. Das
geht aus dem aktuellen Organic Cotton Farm and Fibre Report der Textile Exchange hervor. Indien hält diese Position
bereits das dritte Jahr in Folge.
2009 betrug der Bio-Anteil an der indischen Gesamtproduktion dabei nur 1,4 Prozent. Dhiren Sheth, Präsident der
Cotton Association of India (CAI) betont jedoch die Wichtigkeit des Marktsegments und sein riesiges Potenzial. Innerhalb von nur vier Jahren wuchs die Menge der erzeugten
Bio-Baumwolle auf das Sechsfache, 220.000 Kleinbauern
bebauen und pflegen circa 260.000 Hektar. Weitere rund
90.000 Hektar sind im Umstellungsprozess, denn die
Nachfrage nach dem umweltfreundlichen Rohstoff boomt.
Neben den Vorreitern der Öko-Textilbranche, die den Sektor seit über 20 Jahren aufbauen, sind es heute vor allem
große Modeketten sowie eine Vielzahl kleiner Designerlabels und Start-ups, die auf den natürlichen Rohstoff setzen.
Fachleute sagen Indiens Bio-Textil-Branche einen Marktanteil von 5 Prozent in den kommenden fünf Jahren voraus.
Je mehr desto besser, denn der Gewinn für die Umwelt ist
enorm: Konventionelle Baumwolle ist eine der am stärksten
mit Pestiziden belasteten Kulturen. Nicht zu vernachlässigen sind zudem soziale und kulturelle Aspekte sowie die
positiven Arbeitsmarkteffekte. Ein Beispiel:
Die Marke Bhu:sattva lässt ihre Kollektionen größtenteils
in Heimarbeit herstellen: Rund 10.000 Frauen sind in die
Produktion involviert.
Schöner Nebeneffekt: Die Textilhandwerkskunst wird gepflegt und bleibt als ur-indische Tradition erhalten. Neben
Bio-Lebensmitteln spielen Öko-Textilien auch eine große
Rolle auf der BioFach India together with India Organic,
der indischen Tochter der BioFach Nürnberg in Bangalore.
Erstmals gibt es dort vom 10. bis 12. November 2011 eine
Sonderfläche rund um das boomende Marktsegment. Die
Textile Street verspricht ein echtes Highlight zu werden.
Aussteller und Fachbesucher der BioFach Nürnberg dürfen
sich vom 15. bis 18. Februar 2012 auf einen glanzvollen
und inspirierenden Auftritt Indiens freuen. Namaste!
Es berichteten: Barbara Böck,
Marisa Kleinmann und Ellen Rascher
EUROJournal 35
economics & economics spotlight
Financial Enlightement 21st Century
(Part II)
The Invisible Power of Money Time Series Analysis
Introduction
The Facts about CRA architecture
The past few years have seen a clear picture of CRA (Credit Rating Agencies) and its inadequate rating processes
as the key contributors to the global financial crisis and the
major catalyst for Eurozone Crisis. The experts in the US
and Europe are increasingly aware of the economic and
moral need of intense scrutiny and specifically call for prudential proposals of radical reforms of rating methodologies
and processes.
Disputes over the credibility and transparency of the CRA
applications and its methodologies immense arise nowadays. As a matter of law, the question of what legal and
regulation principles should govern the CRA must be determined a priori. But this article will not go into the intricacies of the policymakers debate on the how the rating
processes and its regulations are to be structured, applied
and regulated.
This is indeed a very complicating matters, as the CRA
argue that their ratings are simple opinions similar to the
financial journalism and not recommendations to purchase,
sell, or hold any security. Therefore they claim for protection
of free speech under press freedom and abuse the constitutional guarantee of freedom of the press according to
many critical professional voices.
Nevertheless, there are many criminal charges against CRA
in the law courts and the federal law enforcement agencies
have issued multiple warnings about fraud in the mortgage
marketplace in the past few years.
This article may use legal example of the Federal Bureau of
Investigation (FBI) warning which made national headlines
by issuing a 2004 report describing how mortgage fraud
was becoming more prevalent and has the potential to be a
national epidemic. This report noted: „Criminal activity has
become more complex and loan frauds are expanding to
multi transactional frauds involving groups of people from
top management to industry professionals who assist in the
loan application process.“
According to the 11th Annual Survey on Credit Underwriting Practices, the Office of the Controller of the Currency
(OCC) supervising the nationally chartered banks, it was
intended to highlight a significant lowering of retail lending
standards and critically noted: „Retail lending has undergone a dramatic transformation in recent years as banks
have aggressively moved into the retail arena to solidify
market positions and gain market share. Higher credit limits
and loan-to-value ratios, lower credit scores, lower minimum payments, more revolving debt, less documentation
and verification, and lengthening amortizations - have introduced more risk to retail portfolios.“
36 EUROJournal
Traditionally, the “Invisible Power of Money Time Series
Analysis” has been conferred on credit rating agencies.
Since the current architecture of the conventional system
of rating has existed for more as 100 years, critical expertises in the field of time series analysis raises the issues
of whether such inaccurate architecture of methodologies
as a generic and non-country specific system of economic
and finance law may serve as applications of precious rating of the financial sector today.
Given the fact, that CRA claims their applicable ratings are
only opinion on the creditworthiness of debt and the CRA
process have no performance of a due diligence to assessment of the accuracy of its information and solely rely on
presentations and warranties from the issuers about the
quality of the data has been proven to be inadequate.
That was indeed also in the legal cases of structured finance transactions as the chorus of critics have attacked
the CRA agencies for inaccuracy of both structured products and corporate ratings over the last two years due to
its AAA rating of structured finance products that are now
worthless. At the Davos 2008, the chief executive officer of
Moody’s in the World Economic Forum admitted, that “In
hindsight, it is pretty clear that there was a failure in some
key assumptions that were supporting our analytics and
our models.”
According to the testimony of the FBI about the problem
before Congress: „The potential impact of mortgage fraud
on financial institutions and the stock market is clear. If
fraudulent practices become systemic within the mortgage
industry and mortgage fraud is allowed to become unrestrained, it will ultimately place financial institutions at risk
and have adverse effects on the stock market.“
Furthermore, the report of Mortgage Bankers Association‘s
Mortgage Asset Research Institute (MARI) highlighted,
that: “While 55% of overall fraud incidents reported to MARI
involved loan application fraud, the percentage of subprime
loans with loan application fraud was even higher at 65%”.
Source: „Financial Crimes Report to the Public: Fiscal Year
2006, October 1, 2005 – September 30, 2006,“ prepared
by the Federal Bureau of Investigation, available at http://
www.fbi.gov/stats-services/publications/fcs_report2006/
financial-crimes-report-to-the-public-2006-pdf/view
Therefore, some the CRA’s own analysts have a grave concerns about the problem of relative creditworthiness as
some studies clearly pointed out that the same rating does
not correspond to the same probability of default across
asset classes or between rating agencies.
4/2011
economics & economics spotlight
Conclusively, there is ongoing joint debate of Authority and legal enforcement experts in this field to introduce a prudential range of legal liability and compliance of regulatory measures related to the CRA
and its responsibility to their failures in this financial
Eurozone crisis.
Historical evolution of CRA
Historically, the function and evolution of credit rating agencies began more as 100 years ago. In the
last decade, the evolution of CRA as Moody‘s and
S&P achieved astonishingly power over 80 per cent
of the CRA market. The CRA Fitch, with headquarters in both London (Canary Wharf) and New York,
has a market share of 12 per cent. Today, in the view
of experts from the World Bank Group, CRA have
been fiery criticized as the “seeds of destruction”
for their role in fueling the unsustainable growth of
the asset-backed structured finance debt market.
A/ Fitch CRA – Fitch Publishing Company in 1913
established by John Knowles Fitch, published financial statistics for use in the investment industry via
„The Fitch Stock and Bond Manual“ and „The Fitch
Bond Book.“ A few years later Fitch introduced the
well known AAA through D rating system - nowadays basis for ratings architecture throughout the
financial industry. Ambitiously the Fitch CRA established a full-service global rating agency and
merged with IBCA of London, subsidiary of Fimalac, S.A., a French holding company with a acquired
market competitors Thomson Bank Watch and Duff
& Phelps Credit Ratings Co. B/ Moody‘s Investors
Service CRA - the first “Moody‘s Manual“ with basic
statistics and general information about stocks and
bonds of various industries was published in 1900.
Ten years later, The Moody’s Service provided ratings for nearly all of the government bond markets at the
time.
Since 1970s Moody‘s focused on rating commercial paper
and bank deposits. C/ Standard & Poor‘s CRA - In the 1906
the Standard Statistics Publishing House was established,
which published corporate bond, sovereign debt and municipal bond ratings. Later, Standard and Poor‘s has become
best known by indexes such as the S&P 500, a stock market index that is both a tool for investor analysis and decision making, and a U.S. economic indicator.
D/ Nationally Recognized Statistical Rating Organizations
(NRSRO) - This framework of nationally-recognized statistical ratings organizations (NRSRO) were created on demand of financial institutions such as commercial banks
and securities broker-dealers in the 70s to soften the capital and liquidity requirements of Securities and Exchange
Commission (SEC).
Today, the legal cases and criminal charges against the
4/2011
CRA moves forward, as the litigations and lawsuits has expanded in a broader range of types of claims in the New
York Supreme Court and in the Europe. According to the
plaintiffs in the US, the CRA allegedly violated section 11
of the Securities Act of 1933.
Therefore, also many members of the European Parliament
argue that CRAs poses „a financial and moral hazard for
Stability of money market“, furthermore a critical experts demands a financial court criminal charges against CRA for
failure to conduct a due diligence and willingly abuse and
misconduct on financial market”.
The Statistics and CRA
In order to find solutions to the “analysis of the determinants of long-term economic growth”, economic historians
devote most of time and energy to constructing databases
on long-run economic growth and structural change.
Moreover, such construction of datasets is extremely timeconsuming and therefore they are in use of reasonable
EUROJournal 37
economics & economics spotlight
accurate historical national accounts for the majority of western countries. To simplify it, Historical Time Series Analysis (HTSA) is a analysis of historical time series by tools of
sophisticated statistical and econometric techniques. Ironically, There is a lack of research studies in which modern
time series techniques are applied to historical time series.
Furthermore, there is delicate relationship between “data
constructors” (historians) who might know the historical
context of the data and “data users” (econometricians) who
are familiar with modern techniques in joint work together.
Observed series = trend + cycle + season + irregular component
Let start briefly explore (1) Trend is the long-run development in the series (2) Cycle is the cyclical component
arising from business cycle fluctuations (3) Season is the
seasonal pattern which repeats itself more or less every
year (4) Irregular component are non-systematic movements in the series and finally (5) The Filter is advanced
techniques are available to filter the trend and to carry out
business cycle research.
Nowadays economic growth in general and its transition
to modern economic growth in particular, is the primarily
vision to explore the wealth of such datasets more appropriately. Therefore it is it is crucial to know whether a trend
is deterministic or stochastic as the “Unit Root” can hardly
distinguish one from the other, especially when structural
breaks occur in the series, as it is the case for many historical time series. Another way to analyse the transition to
38 EUROJournal
modernity is to focus on business cycles. Economic historians argue the large role of infrastructure in the process of
economic growth and its crucial effect on economic development and GDP.
Nevertheless, the lack of studies on cyclical behaviour and
the lack of sector integration in the economy serves as an
impediment for the occurrence of stable, harmonized patterns of development. Evidently, economists and historians
should join forces to get the maximum of information out of
data that is stored in the various historical national accounts databases. On the contrary, the
CRA constitutes its statistics only on „POINT IN
TIME“ analysis, and advocate that any change
in circumstance regarding the risk factors of a
particular tranche will invalidate the CRA analysis and result in a different credit rating. Thus,
Markov chains are often used in finance to model the variation of corporations‘ credit ratings
over time.
Relying solely on such models, Moody’s and
S&P awarded AAA ratings to mortgage securities packaged during the five-year housing
boom, lately ca. 90 percent of AAA securities
backed by subprime mortgages from 2006 and
2007 were later downgraded to junk status,
according to the Levin’s committee (US permanent Committee on Investigation).
A posteriori, CRA like Standard & Poors and
Moody‘s are publishing transition probability
matrices based on the frequency which a company has started with using matrix algebra. In
vacuo, if there is AA rating at some “POINT OF
TIME ”, it will drop to a BBB rating after a year.
Specifically, the CRA credit risk models for simulated credit
portfolios are based on cross sectional simulation of models which are evaluated not only on their forecasts over
time, but also on their forecasts at a given “POINT IN TIME
” using various statisticalmethods. In essence, according to
the Federal Reserve System Task Force on Internal Credit
Risk (Source BCBS, 1999): “there exists a wide variety of
credit risk models that differ in their fundamental assumptions, such as their definition of credit losses; i.e., default
models define credit losses as loan defaults, while mark-tomarket or multi-state models define credit losses as ratings
migrations of any magnitude”.
SEC, Dodd-Frank Act and CRA
Recently, CRA have come under fiery criticism for their
interpretation of government default from investors‘ perspective. Furthermore, CRA are conflicted in assigning sovereign credit ratings since they have a political incentive
to reject any need of stricter regulation. Moreover to note,
Congress also ordered the SEC (US Securities and Ex-
4/2011
economics & economics spotlight
change Commission) to develop a report in the part of the
Sarbanes-Oxley Act of 2002, titled „Report on the Role and
Function of Credit Rating Agencies in the Operation of the
Securities Markets.” Finally, Last August 2010 the SEC required that registered credit rating agencies should expose
their ratings data in a required format that market participants, academics and regulators can scrutinize them to the
security level of historical ratings accuracy.
Firstly, the SEC proposals in accordance with Dodd-Frank
Act are to remove references to credit ratings contained
within existing Commission rules and replace them with
alternative criteria.
Secondly, The financial reform bill from Dodd-Frank Act establishes an Office of Rating Agencies inside the SEC by
giving the ability to sue CRA for negligence and duty for
Rating agencies to disclose their methodologies and incorporate third-party information.
Finally, According to Levin’s committee (Financial Crisis Inquiry Commission) : “Investors trusted credit rating agencies to issue accurate and impartial credit ratings, but that
trust was broken in the recent financial crisis,”
Furthermore, he stated, that “A conveyor belt of high risk
securities, backed by toxic mortgages, got AAA ratings that
turned out not to be worth the paper they were printed on.
The agencies issued those AAA ratings using inadequate
data and outmoded models. When they finally fixed their
models, they failed for a year — while delinquencies were
climbing — to re-evaluate the existing securities. Then,
in July 2007, the credit rating agencies instituted a mass
downgrade of hundreds of mortgage backed securities,
sent shockwaves through the economy, and the financial
crisis was on. By first instilling unwarranted confidence in
high risk securities and then failing to downgrade them in a
responsible manner, the credit rating agencies share blame
for the massive economic damage that followed.”
CRA Regulation in the European Union
In April 2009 a regulation on CRA was approved by the
European Parliament. The CESR (Committee of European
Securities Regulators will supervised the operating of CRA
and also will establish a central repository with public free
of charge access providing historical data on the rating performance of CRA.
Nevertheless, the international financial prudential community expect a undertaking of a radical structural legal reform
compatible to the needs of due diligence, compliance and
stability of 21st Century financial market. As the critical
voice of the Mario Soares accused the CRA to being illegal
by saying: ”The CRA are illegal, the make no sense, they
have no responsibility. How can they judge member states:
with what right, with what authority” ?
Finally, all scholastic commentators, as the finance professores including J. Reis or J. M. Pureza (economist at
4/2011
Coimbra University) and many other critical experts voices
are raising the question of whether regulators and financial
market participants should rely on credit ratings at all ?
But nowadays should we focus on strengthening the reliability of ratings or on creating alternative mechanisms and institutions that can perform more effectively the role ? Quod
erta faciendum
Unsurprisingly in the EU, in the May 2011, according to the
Attorney General’s office, the Authority in Portugal started a
criminal inquiry into three CRA – the Fitch Ratings, Moody’s
Investors and Standard & Poors for alleged actual malice.
According to the Robert M Fishman, a professor of sociology at the University of Notre Dame, argued, that: “have
become a „self-fulfilling prophecy” who placed bets on the
failure of the euro on international markets and want to win
those bets. “
Conclusively, Commissioner for Internal Market and Services Michel Barnier and Commissioner for Economic and
Monetary Affairs Olli Rehn, issued a joint statement. They
said: „Last year, we improved the framework by requiring
that CRA will be supervised directly by ESMA, the new
European authorities for markets. The full implementation
of the 2009 regulation including effective supervision by
ESMA of ratings methodology and ratings quality is a big
improvement already. But as we have often said, that is not
enough. And a further overhaul of rules applicable to CRA
is necessary.“
Analysis of CRA “ The Matter of Construction”
CRA Failure trigger mechanism
Firstly to highlight, that due to inadequate staff expertise
and the costs that risk management programs might entail,
many institutional investors solely rely on the CRA ratings
rather than invest in the research of own analysis of their
financial instruments.
To illuminate the trigger mechanism, the example of a Failure of the three leading CRA’s who gave a an investmentgrade rating A2 to the debt risk of Lehman Brothers Holdings, Inc. until the day of 15th September 2008, when LB
filled for bankruptcy, is a well known case of Failure Analysis in Finance and Law Research Studies. Moreover, the
legal case Enron enjoyed an investment-grade rating right
up until it declared bankruptcy, and legal case WorldCom
up to 3 months before filled for bankruptcy.
Furthermore, the report of BIS (BIS 79th Annual Report )
stated, that: “CRA failure triggered the third and most intense stage of the crisis June 2007 and mid-March 2008: a
global loss of confidence, arrested only after unprecedented and broad-based policy intervention. “
According to the SEC Commissioner Kathleen Casey who
pointed out, that
“When the CRAs gave ratings that were „catastrophically
misleading, and the large rating agencies enjoyed their
EUROJournal 39
economics & economics spotlight
most profitable years ever during the past decade.“
On the one hand, Ms. Casey proposed the removal of the
NRSRO rules completely as solution of the problem of trigger mechanism of CRA. In the view of professor Lawrence
White (NYU) it is necessary to eliminate regulatory reliance
on the ratings.
On the other hand, the Professor Frank Partnoy advocates
that the regulators should trust in credit risk swap markets
instead of NRSROs.
Secondly, CRA are issuing a Sovereign credit ratings to
countries to provide a analysis of the general creditworthiness of a country or foreign government by blending datas
Thinking of Nabakov I
as overall economic conditions of the volume of foreign,
public and private investment, capital market transparency
and foreign currency reserves.
On the one hand in the US, according to the Attorney general R. Blumenthal who filled the lawsuit on July 30th 2008,
who accused the CRA of “ deceptive and unfair practices
by systematically giving lower credit ratings to bonds issued by public entities as compared to corporate debt with
silimar default rates” . Moreover, the lawsuit states, that “
CRA violated the Unfair Trade Practices Act by abusive mis-
40 EUROJournal
representing and omitting material facts that caused public
bond issuers to purchase bonds at higher interest rates or
purchase bond insurance to cover insurance.”
On the other hand, the CRA posses a basic number of
legal defences due to unique in vacuo position under the
weaknesses of regulatory system. Nevertheless, they are
under volcanic scrutiny from lawmakers, policymakers, prosecutors and regulators.
In the critical expertise of the Chairman of the House Committee on Oversight and Government Reform was stated,
that: “ The Story of the Credit Rating Agencies is a story of
colossal failure.”
Legal Research References:
1/ Derivative suit against officers and directors of CRA
Moody’s: 2/ Pension Fund filed a class action suit against
the Fitch Ratings 3/ Health Fund allegations against CRA
with respect to mortgage-backed securities 4/The World
Bank Group Report Oct. 2009, Note Number 8, Credit Rating Agencies and the Crisis 5/“FBI: Mortgage Fraud Becoming an ‘ Epidemic, ‚“ USA Today (9/17/2004) 6/“Survey of
Credit Underwriting Practices,“ report prepared by the Office
of the Comptroller of the Currency, at 6, available at http://
www.occ.gov/publications/publications-by-type/survey-credit-underwriting/pubsurvey-cred-under-2005.pdf 7/“Financial Institution Fraud and Failure Report,“ prepared by the
Federal Bureau of Investigation, available at http://www.fbi.
gov/stats-services/publications/fiff_04. 8/“Financial Crimes
Report to the Public: Fiscal Year 2006, October 1, 2005 –
September 30, 2006,“ prepared by the Federal Bureau of
Investigation, available at http://www.fbi.gov/stats-services/
publications/fcs_report2006/financial-crimes-report-to-thepublic-2006-pdf/view. 9/“Ninth Periodic Mortgage Fraud
Case Report to Mortgage Bankers Association,“ prepared by
the Mortgage Asset Research Institute, LLC, at 10 10/“Rating the Rating Agencies,“ Treasury and Risk Management
(7/1995). 11/ Prepared statement of Vickie Tillman, S&P
Executive Vice President, „The Role of Credit Rating Agencies in the Structured Finance Market,“ before U.S. House
of Representatives Subcommittee on Capital Markets, Insurance and Government Sponsored Enterprises, Cong.
Hrg. 110- 62 (9/27/2007), S&P SEN- PSI 0001945- 71, at
46- 47 12/ Statement of Frank Raiter, „Credit Rating Agencies and the Financial Crisis,“ before the U.S. House of Representatives Committee on Oversight and Government
Reform, Cong. Hrg. 110- 155 (10/22/2008), 13/April 23,
2010 Subcommittee Hearing at 64. Employees from both
Moody‘s and S&P confirmed this abusive conduct in interviews with the Subcommittee
In accordance with Title 17 U.S.C. Section 107, this material
is distributed without profit to those who have expressed a
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4/2011
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4/2011
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EUROJournal 41
economics & economics spotlight
NürnbergConvention:
Dachmarke mit internationaler Strahlkraft
Kongresse, Tagungen und Firmen-Events: Nürnberg stellt sich neu auf.
Ziele: Veranstaltungs-Kuchen für Nürnberg vergrößern und weitere Kongresskapazitäten schaffen.
Nürnberg hat eine neue Kongressmarke: NürnbergConvention. Die Dachmarke gründet auf einer Kooperation der
NürnbergMesse und der Congress- und Tourismuszentrale
Nürnberg (CTZ). Eines der Ziele: Nürnberg national und
international als idealen Veranstaltungsort für Kongresse,
Tagungen und Events aller Art zu vermarkten und so insgesamt mehr Veranstaltungen nach Nürnberg zu holen
und den Umsatz im Kongressmarkt langfristig zu verdoppeln. Das CCN CongressCenter Nürnberg erhält ebenfalls
einen neuen Namen und firmiert künftig unter dem Dach
von NürnbergConvention als NürnbergConvention Center.
Veranstalter¬anfragen werden vom NürnbergConvention
Bureau zentral gemanagt, das gemeinsam betrieben wird
von NürnbergMesse und CTZ.
„Die Initiative, die hinter NürnbergConvention steht und
Nürnberg als Tagungs- und Kongressdestination stärken
soll, ist einzigartig in Deutschland“, sagt Dr. Roland Fleck,
Geschäftsführer der NürnbergMesse. Fleck muss es wissen. Er ist einer der Väter der Kongress-Initiative Nürnberg,
in der seit 2004 die am Kongressgeschäft in Nürnberg Beteiligten an einem Strang ziehen – mit sehr positiven Auswirkungen für den Standort und für das CCN CongressCenter Nürnberg.
Neue Qualität der Zusammenarbeit
Nun soll mit der gemeinsamen Dachmarke NürnbergConvention eine neue Qualität erreicht werden in der Zusammenarbeit, aber auch in der strategischen Positionierung
im nationalen und internationalen Umfeld. Fleck: „Mit NürnbergConvention verdoppeln und verdreifachen wir unsere
Kontaktflächen am Markt – und können nun gemeinsam
auf so wichtigen Branchenplattformen wie GCB, EVVC,
ICCA oder MPI* eine kraftvolle Präsenz aufbauen.“ Insgesamt investieren die Beteiligten in die Aktivitäten von NürnbergConvention in den kommenden fünf Jahren über zwei
Millionen Euro.
Um die Wirkung der neuen Marke NürnbergConvention zu
erhöhen, wird auch das CCN CongressCenter Nürnberg
unter das neue Markendach schlüpfen. Aus CCN wird nun
NCC – das NürnbergConvention Center, als ein Bestandteil
von NürnbergConvention. Fleck: „Das CCN hat eine ungeheure Magnetwirkung entfaltet in den vergangenen Jahren,
42 EUROJournal
vor allem seit dem Bau des CCN Ost. Der Umsatz ist von
5,4 Millionen auf 11 Millionen gesprungen. Wenn wir nun
die Marke CCN aufgeben zugunsten von NürnbergConvention, dann deshalb, weil am Ende alle mehr gewinnen,
nämlich mehr Veranstaltungen für Nürnberg insgesamt.“
Das langfristige Ziel im Nürnberger Kongress- und Tagungsmarkt: Die Verdoppelung des Umsatzes und damit
auch die Verdoppelung der durch die Veranstaltungen induzierten sozio-ökonomischen Effekte für die Metropolregion, die zuletzt mit einem Bruttoumsatzvolumen von 480
Millionen Euro – von denen 296 Millionen Euro in Nürnberg
verblieben – und Steuereinnahmen von rund 6 Millionen
Euro beziffert wurden. Aus dem Tagungsmarkt Nürnberg
könnten rechnerisch demnach 10.580 Personen mit dem
durchschnittlichen Nürnberg-Einkommen ihren Lebensunterhalt bestreiten.
Kaiserburg begeistert Kongressgäste
Das freut natürlich auch die Congress- und Tourismuszentrale: „Bei NürnbergConvention steht ganz klar der Destinationsgedanke im Fokus“, sagt CTZ-Geschäftsführerin Yvonne Coulin. Das, was Nürnberg ausmacht und einzigartig
sein lässt – die mittelalterliche Kaiserburg, die komplett die
Altstadt umschließende Stadtmauer mit ihren Wehrtürmen,
die imposanten Bürgerhäuser und verwinkelten Gassen –
ist es denn auch, was die Kongressgäste begeistert.“ Die
Botschaft soll ankommen am so genannten MICE-Markt
(MICE = Meetings/Incentives/Congress/Events) und die
Aufmerksamkeit auf Nürnberg lenken.
Bei der Umsetzung einer Veranstaltung unterstützt künftig
das NürnbergConvention Bureau. Dies wird gemeinsam
geführt von CTZ und NürnbergMesse mit dem Ziel, Veranstalteranfragen zügig und aus einer Hand zu bearbeiten, in Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Flughafen, den
kulturellen Einrichtungen und natürlich den Hotels. Neu ist
auch, dass künftig exklusiv für die Gäste von NürnbergConvention-Veranstaltungen ein Hotelbuchungssystem zur
Verfügung steht. Coulin: „Egal ob es um eine Stadtführung
geht, eine passende Eventlocation für eine begleitende
Veranstaltung am Abend oder um die Zimmersuche: Das
Convention Bureau ist die Anlaufstelle für alle Veranstalteranfragen. Hier wird die vorhandene Kompetenz gebündelt. Bereits mit dem Erstkontakt bekommt der Kunde den
vollen Service. Für ihn hat das nur Vorteile. Und für uns
auch.“
Tatsächlich ist es so, dass Nürnberg bei großen Kongressen
und Events bereits sehr gut aufgestellt ist, es aber einen
deutlichen Nachholbedarf gibt, wenn es um kleinere und
mittlere Veranstaltungen geht – für die das CCN nicht wirt-
4/2011
economics & economics spotlight
Eine Torte als symbolisches Objekt der engen Zusammenarbeit. Die Protagonisten
der NürnbergConvention, Geschäftsführerin der Nürnberger Congress- und Tourismuszentrale Yvonne Coulin und der
Geschäftsführer der NürnbergMesse Dr.
Roland Fleck, haben den Destinationsgedanken stets im Fokus. Foto: NürnbergMesse
schaftlich zu betreiben ist. „Hier bekommen wir von dem
vergleichsweise großen Kuchenstück, das dieses Segment
ausmacht, einfach zu wenig ab“, sagt Coulin und verweist
auf eine wissenschaftliche Studie über den Kongress- und
Veranstaltungsmarkt in Nürnberg vom April 2011 mit eben
diesem Ergebnis.
- GCB
Das GCB German Convention Bureau e.V. vermarktet
Deutschland international und national als Standort für
Kongresse, Tagungen, Events sowie Incentives und ist der
zentrale Ansprechpartner für alle Kunden, die in Deutschland Veranstaltungen planen. www.gcb.de
Kleines Kongresszentrum gesucht
Gemeinsam will man das nun ändern – auch indem es
langfristig gelingt, die Lücke im Raumangebot für Veranstaltungen im Bereich 500 bis 1.000 Teilnehmer zu schließen. Denn auch das hat die Studie ergeben. Dr. Roland
Fleck: „Dem Tagungs- und Kongressort Nürnberg würde
es gut anstehen, dieses zusätzliche Raumangebot bieten
zu können. Es mag merkwürdig anmuten für den Betreiber
eines bestehenden Kongresszentrums, aber wenn wir uns
etwas wünschen dürfen, dann wäre es ein weiteres, kleines
Kongresszentrum in Nürnberg.“
Und natürlich wünschen sich die Macher von NürnbergConvention noch etwas: Fleck und Coulin unisono: „Dass
NürnbergConvention weit über Nürnberg hinaus strahlt und
dabei etwas vermittelt vom Glanz dieser Stadt, die auch die
Veranstaltungen hier durchaus leuchten lässt.“
4/2011
- ICCA
Die International Congress and Convention Association ist
einer der weltweit führenden Verbände für die internationale MICE-Branche. www.iccaworld.com
- EVVC
Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e. V.
Der EVVC repräsentiert rund 700 Veranstaltungszentren,
Kongresshäuser, Arenen und Special Event Locations in
Europa. www.evvc.org
- MPI
Meeting Professionals International ist der weltweit größte Verband der Meeting- und Event-Industrie mit Schwerpunkt in den USA. www.mpigermany.de
-G.G./M.B.-
EUROJournal 43
economics & economics spotlight
Consumenta lockte wieder die Verbraucher
Bayerns größte Verbraucherausstellung, die Consumenta in
Nürnberg, hat mit einem so nicht
erwarteten Besucheransturm von
fast 150.000 Besuchern ihre Stellung mehr als behauptet. Sieben
Tage lang waren die Messehallen
des Nürnberger Messezentrums
Magnet für Verbraucher aus ganz
Süddeutschland und dem angrenzenden Ausland. Wer neue
Produkte kennenlernen wollte,
Anregungen und Problemlösungen suchte, auf kulinarische
Entdeckungsreise ging oder Lust
auf spannende Erlebnisbereiche
verspürte, fand auf der Consumenta genau das Richtige. Die
Messe fand zum 58. Mal diesmal
an sieben Tagen Ende Oktober
statt und wurde von rund 1.000
44 EUROJournal
4/2011
economics & economics spotlight
Ausstellern aus 15 Ländern beschickt. Das Angebot verteilte
sich auf 13 Hallen mit einer
Bruttofläche von 80.000 Quadratmetern. Die veranstaltende
AFAG Messen und Ausstellungen, Deutschlands führende private Messegesellschaft,
präsentierte eine in vielen Bereichen neu konzipierte Consumenta, die mit neuen Themen,
Aktions- und Erlebnisbereichen
an Vielfalt und Erlebniswert
gewonnen hat. AFAG-Mitgeschäftsführer Heiko Könicke zeigte
sich vom Erfolg der diesjährigen Ausstellung hochzufrieden. Die
Bemühungen, die Consumenta stärker zu profilieren und interessanter zu machen, haben nach seiner Einschätzung Früchte
getragen.
-sff-
4/2011
EUROJournal 45
economics & economics spotlight
embedded world 2012:
Zum Jubiläum auf Rekord programmiert
Die Vorbereitungen für die Jubiläums-Ausgabe embedded world Exhibition & Conference laufen auf Hochtouren. Daß sich diese Fachveranstaltung in den vergangenen zehn Jahren zur festen Größe im Messekalender der internationalen „Embedded-Community“ entwickelt hat, dafür
spricht auch die Zahl 25. Denn bis zum vergleichbaren Vorjahreszeitpunkt haben sich 25 Prozent mehr Aussteller angemeldet und zugleich
wurde 25 Prozent mehr Ausstellungsfläche gebucht.
Von Beginn an konnte die embedded world mit ihrer klaren
Fokussierung und der Präsentation neuester technischer
Entwicklungen überzeugen.
Die Experten der „Embedded-Welt“ treffen sich hier, um
sich über Trends zu informieren und auszutauschen, neue
Kontakte zu knüpfen und bestehende Geschäftsbeziehungen zu pflegen. Den Erfolg der embedded world untermauert ihre rasante Entwicklung seit der Erstveranstaltung
im Jahre 2003: So präsentierten 2011 mehr als 800 Aussteller, (ein Plus von 130 Prozent im Vergleich zu 2003), ihre
Produkte und Dienstleistungen auf rund 17.000 m², mehr
als 19.000 Besuchern, was einer Steigerung von 120 Prozent entspricht.
46 EUROJournal
Neue „Arbeitszimmer“
zum 10-jährigen Jubiläum
Sowohl auf die Aussteller als auch die Fachbesucher der
weltweit größten Fachmesse rund um „Embedded-Technologien“ warten vom 28. Februar
bis 1. März 2012 im Messezentrum Nürnberg neue „Arbeitszimmer“. Nach neun Jahren des
kontinuierlichen Wachstums ist
es in den bisher zur Verfügung
stehenden Hallen- und Konferenzbereichen für die „Embedded-Community“ zu eng geworden, daher erhält die embedded
world Exhibition & Conference
einen neuen Standort innerhalb
des Nürnberger Messegeländes.
„Wir freuen uns sehr, der Messe
und den Kongressen zum 10-jährigen Jubiläum ein besonderes
Geschenk machen zu können:
Neue ‚Arbeitszimmer’ in bester
Lage mit Top-Infrastruktur und
repräsentativen Eingängen Mitte
und Ost. Die embedded world
Exhibition findet 2012 erstmalig in den Hallen 1, 2, 4, 4A und 5 statt“, so Alexander
Mattausch, Projektleiter der embedded world Exhibition &
Conference, NürnbergMesse und fügte dazu: „Die Messe
bleibt kompakt, mit kurzen Wegen, jetzt auf einer Ebene,
und einer idealen Anbindung der Kongresse im CCN Ost.
Die neue Hallensituation wird von den Ausstellern bereits
sehr gut angenommen. Alle Branchengrößen haben ihre
Standfläche schon verbindlich gebucht und im Vergleich
zur Vorveranstaltung sogar vergrößert. Besonders erfreulich ist es, daß auch 2012 wieder eine Vielzahl an neuen
Unternehmen den Ausstellerkreis erweitert“.
10 Jahre embedded world schaffen auch für die „embedded world Conference“ und die „electronic Displays Conference“ neuen Raum im modernen CCN Ost. Die Kongresse
sind jetzt ganz nah an das Messegeschehen angebunden.
4/2011
economics & economics spotlight
embedded world Conference 2012:
Call for Papers & Workshops
Parallel zur Fachmesse bietet die embedded world Conference einen starken Mix aus Fachvorträgen und praxisnahen
Workshops. Das Fachmedium DESIGN&ELEKTRONIK als
Veranstalter garantiert für das professionelle Niveau und
hat die Vorbereitungen des Fachkongresses mit dem „Call
for Papers“ bereits eingeläutet. Das besuchende Fachpublikum kann sich jetzt schon auf die Beiträge aus den
Bereichen „System Development“, Hardware, Software und
Tools freuen, die vor dem Hintergrund des zehnten Jahrestages der Konferenz zusätzlich auch zukunftsweisende und
visionäre Inhalte z. B. mit Themen „Wie sich die embedded
world über die nächsten zehn Jahre verändern wird“, oder
„Was für technologische Durchbrüche zu erwarten sind?“,
präsentieren.
Ein weiterer Kongreßhöhepunkt parallel zur Fachmesse
stellt die „electronic displays Conference (ED)“ dar. Diese
Konferenz gilt als eine der wichtigsten Informationsquellen
der industriellen Display-Branche. Fachexperten aus aller
Welt, die sich am Kongreß beteiligen, bringen zu Themen
wie „Display Technologies“, „Driving and Interfaces“,
“Touch Screens“, 3D oder „Display Applications“ einige
neue Aspekte und Anregungen. Man kann schon heute
gespannt sein.
innerhalb der „M2M-Area“ lohnt sich für: Anbieter von
Kommunikationsmodulen für Endgeräte, von Endgeräten,
die solche Kommunikationsmodule integriert haben, Systemintegratoren, die eine Implementierung von Fernwartungslösungen anbieten, Internetdienst-Plattformen, die
Anwendern eine gesicherte Einwahlverbindung über Internetzugänge anbieten können sowie TelekommunikationsUnternehmen, die den „M2M“- beziehungsweise Fernwartungsmarkt erschließen möchten.
Begleitend wird das Thema „M2M-Communication“ in der embedded world Conference diskutiert. Der Fachkongreß wird von dem Medium
„Computer&AUTOMATION“ in Zusammenarbeit
mit der „M2M-Alliance“ veranstaltet.
Förderung für junge innovative
Unternehmen
“Machine-to-Machine-Area”
auf der embedded world
Zum vierten Mal präsentiert sich die „M2M-Area“ mit Unternehmen aus dem Bereich „Machine-to-Machine“, also der
direkten, drahtlosen Kommunikation von Gerät zu Gerät.
Die Teilnahme im Themen-Pavillon oder mit einem Stand
4/2011
Daß junge innovative Unternehmen bei ihrer
Beteiligung an der embedded world 2012 auf
die Unterstützung des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Technologie (BMWi) bauen können, ist gerade in der heutigen Zeit des Fachkräftemangels der erste Schritt in die richtige Richtung. Die geförderte Teilnahme findet im Rahmen
eines Gemeinschaftsstandes von mindestens
zehn Ausstellern statt, der durch die NürnbergMesse organisiert und vom AUMA, Ausstellungs- und Messe-Ausschuß der deutschen Wirtschaft, hinsichtlich der
Exportberatung unterstützt wird. Der Förderantrag und die
Bewilligung erfolgt über das Bundesamt für Wirtschaft und
Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Eschborn.
-drfn-
EUROJournal 47
new media science & technology
Gewaltspiele zerstören menschliche Werte
Gehirnforscher: Steigende Aggressivität eindeutig belegt
Mortal Kombat: Gewaltgames
killen laut Forschern Werte
(Foto: Flickr/Henrique)
Videospiele mit hohem
Gewaltanteil zerstören
im Spieler zentrale
Werte wie Wärme, Offenheit und Feingefühl.
Auch den menschlichen
Kontrahenten
gesteht man diese Eigenschaften weniger
zu. Zu diesem Schluss
kommen
Psychologen der University of
Queensland http://www.uq.edu.au im „Journal of Experimental Psychology“. „Menschen identifizieren sich mit der
Aggression, die in der virtuellen Umgebung der Gewaltspiele endlos fortgesetzt wird. Das mündet in Dehumanisierung“, so die Forscher um Bastian Brock.
Verlorene Werte
Untersucht wurden Jugendliche, die im Videogame „Mortal
Kombat“ gegeneinander oder gegen den Computer antraten, sowie bei einem vergleichbaren Spiel, das jedoch ohne
exzessive Gewalt auskommt. Wie die Erhebung zeigte,
schreiben sich die Probanden nach dem Gewaltspiel in geringerem Maß typisch menschliche Eigenschaften zu. Das
galt im Mehrspieler-Modus auch für die Mitspieler, sofern
diese als Gegner auftraten. Wenn sie auf der eigenen Seite
kämpften, gab es keinen derartigen Übertragungseffekt.
Videogames-Industrie mit viel Aufwand die wissenschaftliche Forschung und streut scheinbare Gegenargumente.
Und ähnlich wie Raucher das Gesundheitsrisiko abstreiten,
tun dies auch Spieler mit der Steigerung der Gewaltbereitschaft. Dass diese eintritt, ist jedoch statistisch dokumentiert.“ Von Johannes Pernsteiner/pte
Cyber-Dehumanization:
Violent video game play diminishes our humanity
By Brock Bastian, Jolanda Jetten, Helena Radke, School of
Psychology, University of Queensland
Abstract:
Across two studies we show that engaging in violent video
game play diminishes perceptions of our own human qualities. In addition, when other players are the targets of this
violence it reduces our perceptions of their humanity also.
In Study 1, we demonstrate that playing Mortal Kombat
against another player reduces the perceived humanity of
the self as well as the humanity of one‘s opponent (compared to playing a non-violent game). In Study 2 we replicate
this effect on perceived humanity of the self when playing a
violent game with a co-player. However, we find no dehumanization of co-players who are not the targets of violence.
We demonstrate these effects cannot be reduced to mood,
self-esteem, gender, or other characteristics of the game
such as excitement and enjoyment. The findings provide a
broader perspective from which to view previous work on
the adverse effects of violent video games.
Gewaltbereitschaft steigt
Highlights
„Das Ergebnis passt in das Bild, das bereits unzählige
Studien und Experimente zeigen. Virtuelle Gewalt lässt
nachweislich die Schwelle für Gewaltanwendung in der realen Welt sinken und raubt die Sensibilität für Hilfsbedürftigkeit im Umfeld“, urteilt der Hirnforscher Manfred Spitzer
im Gespräch. Es gehe dabei nicht bloß um nur kurzfristige
Bahnungseffekte unmittelbar nach dem Spiel, sondern um
langfristiges Lernen. Der Einzelne ist in „Killergames“ weit
aktiver bei der Sache als beim eher passiven Ansehen
eines Films mit Gewaltdarstellung, was den Lerneffekt erhöht, argumentiert der Ulmer Psychiater und Psychologe.
Macht der Lobbyisten
So eindeutig für Spitzer die negativen Effekte von Gewaltspielen auch belegt sind: Im allgemeinen Bewusstsein
sind sie kaum verankert. Spitzer vergleicht die Situation
mit jener des Rauchens zum Zeitpunkt der 70er-Jahre. „So
wie damals die Tabakbranche vertuscht auch heute die
48 EUROJournal
Playing violent video games reduces self-perceived humanity. Players dehumanize their opponents when they are
the targets of violence. ► The findings provide a novel perspective on the adverse effects of violent games.
Keywords: Dehumanization; Video Games; Violence; SelfPerception
Corresponding author at: Institute for Social Science Research, University of Queensland, St Lucia, QLD, 4072,
Australia.
Received 27 May 2011; revised 20 September 2011; Accepted 10 October 2011. Available online 17 October 2011.
Journal of Experimental Social Psychology
Copyright © 2011 Published by Elsevier Inc.
Kontakt unter:
http://www.znl-ulm.de http://www.uq.edu.au
Abstract der Studie unter http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022103111002526
4/2011
new media science & technology
Naturwissenschaftlichen Unterricht in Europa
anregender gestalten
Bildungsexperten aus 28 Nationen
gründen den Verein
Science on Stage Europe
Gemeinsam den naturwissenschaftlich-technischen Unterricht in Europa zu verbessern, dieses Ziel haben sich Repräsentanten aus Bildungspolitik, Lehrkräfte und Didaktiker
aus 27 europäischen Ländern und Kanada gesetzt. Mit der
jetzt erfolgten Gründung des Vereins Science on Stage Europe e.V. (SonSEu) mit Sitz in Berlin soll die seit mehr als
zehn Jahren bestehende Zusammenarbeit weiter professionalisiert werden.
„Was SonSEu von den zahlreichen anderen MINT-Initiativen abhebt und einzigartig in Europa macht, ist der Erfahrungsaustausch und die praktische Zusammenarbeit von
Lehrkräften aus 27 europäischen Ländern und Kanada
unter dem Motto ‚Von Lehrkräften für Lehrkräfte‘,“ erklärt
Stefanie Schlunk, erste Vorstandsvorsitzende des Vereins.
„Wir wollen möglichst viele Schüler für naturwissenschaftlich-technische Inhalte begeistern, indem wir vorbildliche
Unterrichtsbeispiele und Experimente aus ganz Europa
zusammentragen und über Events und Fortbildungen an
Lehrkräfte verbreiten“, ergänzt Rosa Maria Ros, die Spanien
vertritt.
Diese selbst organisierte Basisarbeit startete, nachdem die
Förderung der Science on Stage Bildungsfestivals durch
die Europäische Kommission 2008 planmäßig endete. Inzwischen erreicht das Netzwerk von Science on Stage Europe rund 40.000 Lehrkräfte in ganz Europa.
Die Bildungsfestivals stellen den Höhepunkt der europäischen Aktivitäten dar: Rund 350 Lehrkräfte aus Europa
kommen alle zwei Jahre zusammen, um besonders gelungene, praktische Unterrichtsprojekte auszutauschen und
mit in den eigenen Unterricht zu nehmen. Das nächste
Festival plant der Verein als polnisch-deutsche Kooperationsveranstaltung vom 25.-28. April 2013 in Słubice und
Frankfurt (Oder) unter dem Motto „Crossing Borders in Science Teaching“.
Um die Aktivitäten des Vereins in Zukunft zu sichern, ist
Science on Stage Europe auf eine längerfristige finanzielle
Sicherung angewiesen. Derzeitiger Hauptförderer ist der
Arbeitsgeberverband GESAMTMETALL im Rahmen seiner
Nachwuchsinitiative THINK ING. Weitere Informationen:
www.science-on-stage.eu Von Elena Lührs
short report
„Bayern ist Mekka für tschechische Unternehmen“
sowie die steuerrechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen zu
diskutieren. Für tschechische Unternehmen ist Bayern ein äußerst attraktiver Standort. Es bietet ansprechende Technologie- und Regionalförderprogramme, eine hohe Kaufkraft sowie eine Toplage inmitten des
So stellte Bayerns Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel in Pilsen
Euro-Währungsraumes. Insbesondere die ostbayerischen Gebiete lo-
den weißblauen Standort vor und machte sich zugleich für Invest in
cken mit leistungsstarken Forschungsstandorten und räumlicher Nähe.
Bavaria, die Ansiedlungsagentur des Freistaates, stark. In einer In-
„Der ländliche Raum in Ostbayern profitiert von unseren intensivierten
formationsveranstaltung wurden tschechische Unternehmen über
Wirtschaftskontakten zur Tschechischen Republik“, erklärt die Vorsit-
Chancen und Perspektiven einer Niederlassung in Bayern umfassend
zende des Staatssekretärausschusses ‚Ländlicher Raum in Bayern’.
informiert. „Tschechische Unternehmen sind bei uns willkommen. Eine
Investition im Freistaat ist gespickt mit vielen Vorteilen. Wir zeigen den
Die bayerisch-tschechischen Wirtschaftsbeziehungen sind sehr eng.
Interessenten konkrete und maßgeschneiderte Wege hierfür auf“, hebt
Die Tschechische Republik gehört zu den weltweit wichtigsten Han-
Hessel hervor. Die Vorzüge des ostbayerischen Raumes stehen dabei
delspartnern Bayerns. 2010 belief sich das Handelsvolumen zwischen
im Mittelpunkt.
den Nachbarländern auf mehr als dreizehn Milliarden Euro. Dieser Bedeutung wird mit einer Bayerischen Repräsentanz in Prag Rechnung
Die Teilnehmer hatten bei der Veranstaltung die Gelegenheit, mit aus-
getragen. -B.B.-
gewiesenen Experten über den Wirtschafts- und Forschungsstandort
4/2011
EUROJournal 49
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4/2011
new media science & technology
GOLDSEKT FÜRS GALILEO-PROJEKT
Mitfiebern beim Start der ersten Satelliten / Know-how aus Nürnberg
Eigentlich liegen 7710 Kilometer zwischen dem Nürnberger Nordostpark und dem europäischen Weltraumbahnhof
in Kourou. Noch vor einigen Wochen aber schien beides
ganz nah: Gespannt fieberten die Forscher des GALILEO
Lab am Nürnberger Fraunhofer-Institut und der mittelfränkische Europaabgeordnete Martin Kastler (CSU) vorm Bildschirm dem – um 24 Stunden verschobenen – Start der
Trägerrakete entgegen. Kastler hatte dazu eigens „Schwabacher Goldsekt“ im Gepäck: „Dass GALILEO jetzt startet,
liegt ein gutes Stück auch am Nürnberger Know-how des
Fraunhofer-Institutes – Grund genug, um den „take off“ zu
feiern und anzustoßen!“
Die Überraschung ist dem Europaabgeordneten gelungen:
Zwar hatten Standortleiter Dr. Günter Rohmer und das
Team des GalileoLab geplant, den Start via webstream zu
verfolgen, Goldsekt aber war nicht geplant. Für Kastler war
der Start trotz der leichten Verspätung ein nicht unbedeutender Meilenstein in der Weltraumpolitik Europas – „und
ich bin stolz darauf, dass ein starkes Stück Nürnberger
Know-how das möglich macht.“ Im Grunde, so der Europaabgeordnete, arbeiteten die Forscher im Nordostpark seit
Gründung des Labors 2001 diesem Schritt entgegen.
4/2011
Und aus der harten Arbeit wurde jetzt knisternde Spannung: Minutenlang fieberten Kastler und die Forscher dem
Countdown in Kourou entgegen, um dann – nach erfolgreichem Start – zu jubeln.
Schon in Kürze sollen die ersten beiden Satelliten nun ihre
Arbeit aufnehmen, bis 2015 wird die Europäische Raumfahrtagentur insgesamt 18 der hochtechnologischen Trabanten in die Umlaufbahn der Erde setzen. „Hier im Nürnberger GALILEOLab beginnt damit eine neue Testphase
mit realen Signalen. Forschung und Industrie können sich
nun auf die konkrete Produktentwicklung konzentrieren.“, so
Kastler, Sozial- und entwicklungspolitischer Sprecher der
CSU-Europagruppe.
Vom Start des Galileo-Projektes verspricht er sich auch
einen Impuls für den Forschungsstandort Nürnberg. „Das
GALILEOLab ist ein Aushängeschild der Europäischen
Metropolregion. Raumfahrt, Medizintechnik oder Bionik –
wir haben viele Chancen, unser Profil weiter zu schärfen.“
Sekt in der Hand, Erleichterung in den Gesichtern: Martin Kastler,
MdEP, IIS-Standortleiter Dr. Günter Rohmer (beide Mitte) und das
Team des Nürnberger GALILEOLab feiern den – im zweiten Anlauf
erfolgreichen – Start des Satelliten.
Foto: privat
EUROJournal 51
via carolina
Beziehungen mit Leben erfüllt
Bayerisch-deutsch-tschechische Wege stehen auf einem guten Fundament
Bereits zum zweiten Mal im Laufe eines Jahres besuchte
der bayerische primus inter pares, Regierungsvorsitzender
Seehofer, die tschechische Hauptstadt Prag. Während sein
erster Besuch nach den Worten des Europaabgeordneten
Martin Kastler – zugleich Präsident der Brücken bauenden
Ackermanngemeinde – einem „Eisbrecher auf der Moldau“
ähnelte – immerhin war es der erste offizielle Besuch eines
bayerischen Ministerpräsidenten in der Tschechischen Republik seit Kriegsende überhaupt – war die jetzige Reise mit
zweitägigem Aufenthalt ein Beweis dafür, daß die Normalisierung der Verhältnisse nun auch alle politischen Sphären
hüben und drüben erreicht hat. Unbestritten, ein großer
Schritt vorwärts, was auch ein entsprechend positives Echo
in der Medienlandschaft beider Nachbarländer gefunden
hat. Nun nahm der einstige „Eisbrecher auf der Moldau“ die
Fahrt in die richtige Richtung zum Wohle des noch schnelleren und intensiveren Ausbaus der Beziehungen auf.
Daß die Gestaltung der bayerisch-deutsch-tschechischen
Beziehungen, vor allem auf der menschlichen Ebene, nicht
ohne die vielen „Erbauer der Wege der Verständigung“, wie
einst z. B. Dr. Josef Stingl mit der Ackermanngemeinde, Dr.
Werner Hein und den Lionsclubs, Dr. Günther Beckstein
in seiner Eigenschaft als stellvertretender bayerischer Ministerpräsident und Innenminister, den einstigen tschechischen Generalkonsuln in München Dr. Rudolf Jindrák, Dr.
Milan Beránek und Mag. Karel Borůvka sowie etlichen Verbänden, darunter die gemeinnützige Fördergesellschaft für
EUROpäische Kommunikation (FEK) e. V. und einer Schar
privater Initiativen, die schon über Jahre unermüdlich wirken, möglich gewesen wäre, muß bei dieser Gelegenheit
gesagt werden.
52 EUROJournal
Systematischer Verständigungsprozeß
Daß schwierige Fragen nur dann einvernehmlich gelöst
werden könnten, wenn entsprechende Vertrauensbildung
dem vorangehe, haben die bayerischen Delegationsmitglieder bei ihrer herzlichen Aufnahme in Prag gespürt.
Die Gespräche zwischen dem tschechischen Premier Petr
Nečas und seinem bayerischen Kollegen Seehofer wurden
vor allem durch Fragen der tschechischen Energie-Konzeption dominiert. Nečas hat die bayerische Seite davon informiert, daß er der deutschen Kanzlerin Merkel ein Angebot
unterbreitet hat, eine öffentliche Diskussion über die Bauerweiterung des Atommeilers Temelin zu führen.
In einem Gespräch am Rande des bayerischen Besuches
sagte Nečas der tschechischen Redakteurin Markéta Kachlíková von Radio Prag: „Wir haben keine Geheimnisse und
unsere Spitzenfachleute sind bemüht, maximale Transparenz zu gewähren. Im übrigen haben wir dieses Angebot
auch Österreich unterbreitet, wenn darauf reflektiert wird.
Die Tschechische Republik möchte alle Bedenken, die sich
um die Bauerweiterung Temelins aufgetan haben, fachlich
und sachlich zerstreuen“. Tschechien respektiert völlig die
Entscheidung des Nachbarlandes, aus der Atomernergie
auszusteigen, allerdings erwarten wir denselben Respekt
für die tschechische Entscheidung, an der Atomenergie
festzuhalten.“
Horst Seehofer, den der Premier Nečas über das Angebot
der öffentlichen Diskussion über Temelin informiert hat,
nahm diese Information dankend an mit den Worten: „Ich
bedanke mich für ihre Haltung in der Energiepolitik. Das ist
auch unsere Auffassung, daß jede Regierung seine Energiepolitik für das eigene Land, für das eigene Volk so bestimmt, wie es der eigenen Überzeugung entspricht. Das
respektieren wir auch aus bayerischer Sicht und sind sehr
dankbar, daß dieser Prozeß mit neuen Kernkraftwerken
transparent gestaltet wird und daß hier dieses Angebot an
die Kanzlerin gerichtet wurde, daß hier auch umfassend informiert und unterrichtet wird. Das ist bemerkenswert, denn
keine europäische Vorschrift zwingt die tschechische Regierung zu diesem Handeln“.
Fazit des Besuches:
Die Zusammenarbeit habe sich sehr gut entwickelt und die
Beziehungen der beiden Nachbarn seien mit Leben erfüllt.
Darin sind sich der tschechische Premier Petr Nečas und
der bayerische Ministerpräsident nach den zwei interessanten Tagen einig. Premier Nečas betonte, daß Bayern das
wichtigste Exportgebiet der tschechischen Wirtschaft sowie
der stärkste Auslandsinvestor in der Tschechischen Republik sei. Beide Politiker sprachen sich für eine Zusammen-
4/2011
via carolina
arbeit im Bereich der Energiewirtschaft aus, besonders bei
der Stabilisierung der Stromnetze sowie bei der Errichtung
der Gasleitung Gaselle. Sowohl Nečas als auch Seehofer
unterstützen die geplanten Bahnverbindungen zwischen
Prag und Nürnberg sowie Prag und München. „Es ist erfreulich festzustellen, daß diese wichtigen Bahnstrecken in das
System des transeuropäischen Verkehrsnetzes aufgenommen wurden“, so die beiden Politiker.
All die offenen Gespräche drückten die Ernsthaftigkeit der
Partnerschaft aus, die sozusagen dadurch verstärkt wurde,
daß man sie auf freiwilliger Ebene machte.
Daß nicht nur in der Energiepolitik, sondern auch bei der
Betrachtung der Geschichte, es unterschiedliche Auffassungen gibt, wollen beide Partner gegenseitig respektieren.
Dazu erklärten sich beide Politiker bei ihrem Treffen in Prag
bereit.
„Aus politischer Sicht betrachten wir diese Sache durch
die Deutsch-Tschechische Erklärung als abgeschlossen,
wobei es weiterhin erforderlich bleibt, die unterschiedlichen
Sichtweisen offen zu diskutieren und einige Ereignisse der
Vergangenheit zu klären. Dies ist aber eine Aufgabe für Historiker, Politologen, Vertreter der Zivilgesellschaft und der
Zeitzeugen, jedoch heute nicht mehr für die Politik“, so der
tschechische Premier Petr Nečas.
Der bayerische Ministerpräsident zeigte sich damit einverstanden und machte deutlich: „Das haben wir schon nach
dem letzten Treffen im Dezember letzten Jahres gesagt:
Neben der historischen Aufarbeitung durch Fachleute wer-
den wir jetzt in erster Linie darauf achten, daß wir in die
Zukunft blicken und die Zusammenarbeit vertiefen.“
Auch auf die gemeinsame Geschichte konzentrierte sich
das Programm des bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer, der in Begleitung einer Delegation von Sudetendeutschen und seines politischen Troßes die Gedenkstätten Lidice, das ehemalige KZ Terezín (Theresienstadt) sowie die
Elbbrücke in Ústí nad Labem (Aussig an der Elbe), um dort
Kränze niederzulegen und der Opfer der Nazi-Diktatur und
der Nachkriegsvertreibung zu gedenken, besuchte: „Das
Programm war sehr ausgewogen, weil wir den Opfern auf
allen Seiten Respekt und Anerkennung zollten und ihrer
gedacht haben. Das war mir sehr wichtig, daß dies erfolgt,
hinsichtlich der Greueltaten, die die Nazis angerichtet haben, der Verbrechen, der Morde, und umgekehrt auch der
Dinge, die deutschen Bürgern widerfahren sind.“
Die in den vielen Jahren oft gegen unsinnige Widerstände
mühevoll von aufrichtigen Menschen aufopfernd und nicht
nur aus politischem Kalkül vorbereiteten, gelegten und absolut ehrenamtlich gepflegten Wege der Verständigung zeigen nun Früchte. Jetzt können wir uns alle auf diese Ernte
gemeinsam erfreuen. Das bleibt allen, Gott sei Dank, die
seit Jahrzehnten für diesen guten Zustand ohne jegliche
Beachtung gearbeitet haben, frei. Leider haben Früchte,
wie man weiß, kein Copyright. Peter Verbata
EU-Länder locken mit niedrigen Unternehmenssteuern
Um Investoren zu ködern, wird Körperschaftsteuer
niedrig gehalten
Die Unternehmenssteuersätze in der Europäischen Union sind in
den letzten zehn Jahren um neun bis 13 Prozentpunkte gesunken.
Damit ist der Wettbewerb um die niedrigsten Unternehmenssteuern nirgends so ausgeprägt wie in Europa. Die Professoren Philipp Genschel, Achim Kemmerling und Eric Seils haben in einer
Studie der Hans-Böckler-Stiftung resümiert, dass trotz der Bemühungen um eine europäische Steuerharmonisierung der Wettlauf
um die niedrigsten Steuersätze nicht verhindert werden konnte.
„Wir haben festgestellt, dass eine Personengesellschaft zu einer
Aktiengesellschaft werden kann, wenn es sich finanziell lohnt, seine Rechtsform zu ändern“, sagt Seils in einem Gespräch. Für die
Volkswirtschaft sei die Körperschaftssteuer eine „kleine Steuer“.
Senke man diese, müssten gleichzeitig die Spitzensätze der Einkommenssteuer gesenkt werden. Das führe dazu, dass Besserverdienende im Vergleich dann weniger Steuern zahlen als der
Rest der Bevölkerung.
4/2011
short report
Druck auf die Politik
„Wenn der Spitzensatz der Einkommensteuer sinkt, kann man weniger Stufen einbauen“, ergänzt Seils. Die EU-Länder wollen trotz
dieses volkswirtschaftlichen Fehlverhaltens die Konzerne im Land
halten. Die Unternehmen können gerade auf dem europäischen
Markt ihre Gewinne oder ihre Produktion dorthin verschieben, wo
die wenigsten Steuern anfallen. Entsprechend wächst der Druck
auf die Politik, Firmen durch Steuersenkungen im Land zu halten.
Mit der Erweiterung der EU kamen meist vergleichsweise arme
Staaten dazu. Für solche Länder ist es besonders attraktiv, mit
Niedrigsteuern Investoren anzulocken, ermittelten die Wissenschaftler. Aus der Sicht der „Kernländer“ der Union sei eine Senkung der Unternehmenssteuern eher ein schlechtes Geschäft,
weil ein paar hinzugewonnene Investoren meist nicht die Steuerausfälle in der Breite ausgleichen. Für ein kleines, wirtschaftlich
schwaches Land können Großinvestitionen die Staatseinnahmen
erheblich erhöhen. Von Oranus Mahmoodi/pte
EUROJournal 53
via carolina
Eine Region
erhält ihre Geschichte zurück
Das Schwarzenberg-Archiv kommt aus Böhmen wieder nach Bayern
Eine Urkunde aus dem Jahr 1355, die der bayerische
Wissenschafts-, Forschung- und Kultusminister Wolfgang
Heubisch vom tschechischen Innenminister Jan Kubice
erhalten hat, war der Anfang oder besser gesagt die Ouvertüre zu der feierlichen Übergabe des Archivs der fränkischen Herrschaft Scheinfeld der Fürsten zu Schwarzenberg, die am 9. Dezember im Kaisersaal des Staatsarchivs
zu Nürnberg in Anwesenheit vieler Persönlichkeiten des
öffentlichen Lebens, darunter auch des Außenministers
Karel Schwarzenberg, tschechischen Staatsministers des
Innern Mgr. Ondřej Veselský, tschechischen Botschafters
JUDr. Rudolf Jindrak, Generalkonsuls Josef Hlobil, Honorarkonsuls Hans Peter Schmidt, Vorsitzender der Auf-
sichtsräte der Nürnberger Versicherungsgruppe, Generaldirektorin der Staatlichen Archive Dr. Margit Ksoll-Marcon,
des Staatsministers Dr. Wolfgang Heubisch, des mittelfränkischen Bezirkstagspräsidenten Richard Bartsch sowie des
Direktors des Staatsarchivs Nürnberg Dr. Gerhard Rechter
und Archivdirektor der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns Dr. Bernhard Grau.
Daß die symbolische Übergabe des historischen Dokumentes die fast dreißigjährige Bemühungen der bayerischen Archivverwaltung um die Rückgabe des Schwarzenbergarchivs an Bayern beendet hat, war sicherlich ein
erfreulicher Akt.
Zu dieser Zeit war das Archiv aber schon nicht mehr im Besitz der Fürstenfamilie, nachdem diese durch die Nationalsozialisten enteignet worden war. Nach dem Krieg wurde der Besitz der Schwarzenbergs dann von der Tschechoslowakei
enteignet und das Archiv verblieb bis zum feierlichen Akt der Rückgabe im Besitz der Tschechischen Republik. Die komplizierte Rechtslage, daß die Fürsten zu Schwarzenberg in der Bundesrepublik Wiedergutmachung beantragt haben und
diese ihnen auch zugestanden wurde, führte dazu, daß die Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und
der Tschechischen Republik so lange gedauert haben. Denn durch die Entschädigungsleistung hat die Bundesrepublik
das Herausgaberecht an diesem Archiv erworben.
54 EUROJournal
4/2011
via carolina
Die Archivalien werden nun im Staatsarchiv Nürnberg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, da das Schloß Scheinfeld derzeit anderweitig genutzt wird. Zudem sind die Bedingungen dort für einen modernen Archivbetrieb auch nicht mehr gegeben.
Diese Rückkehr konnte nun, nach über dreißig Jahren, erreicht werden. Viele Materialien, 650 Regalmeter mit mehr als 1000 Urkunden, 4500 Amtsbüchern und unzähligen
weiteren Akten wurden bereits nach Nürnberg transportiert. Ob S. D., der tschechische
Außenminister Karl Fürst von Schwarzenberg, das derzeitige Oberhaupt der Familie,
bei den Verhandlungen seinen Einfluß geltend gemacht habe, das wird die weitere Geschichte mal offenbaren – vielleicht.
Von Marco Zimmermann und
PhDr. František Novotný
Die bayerische Archivverwaltung erhält nun das Schloßarchiv der Schwarzenbergs aus dem tschechischen
Schloß Orlík zurück. Obwohl die Fürstenfamilie aus Böhmen stammt, war das Archiv ursprünglich nicht dort,
sondern im Schloß Scheinfeld bei Nürnberg untergebracht. Den Weg nach Böhmen fand das Archiv während des
Zweiten Weltkrieges aus Befürchtungen, daß die Flächenbombardements sowohl im Raum Nürnberg als auch im
Raum Scheinfeld das Archiv zerstören könnten, entschloß man sich, das Archiv nach Böhmen zu bringen in der
Annahme, daß dort die Sicherheit besser gewährleistet sei.
4/2011
EUROJournal 55
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Klattauer Katakomben:
Eine bedeutende europäische kulturhistorische Stätte
ist für‘s Publikum wieder geöffnet
Daß Klattau/Klatovy die ehemals königlich-kaiserliche
Stadt, die am Rande des landschaftlich interessanten Böhmerwaldes (Šumava) viele historische Sehenswürdigkeiten
zu bieten hat, das dürfte sich inzwischen nicht nur bei dem
an Geschichte interessierten europäischen Publikum, sondern auch dem aus unmittelbarer Nachbarschaft Bayern
herumgesprochen haben.
Nun ist ein weiteres Schmuckstück, die berühmten Klattauer Katakomben mit ihren Mumien, das sich unter dem
Wahrzeichen der Stadt, der Unbefleckten Mutter Maria Kirche, befindet nach dreijähriger und sehr aufwendiger Rekonstruktion in Anwesenheit der Landeshonoratioren, dem
päpstlichen Nuntius Giuseppe Leanza und der Bischöfe
aus Pilsen und Regensburg - František Radkovský sowie
Bernard Müller, der Öffentlichkeit mit einer feierlichen Messe übergeben worden.
Die 23,5 Millionen Kronen (ca. 1.000.000 Euro), die die
Renovierungen verschlungen haben, sind bestens in ein
Stück der europäischen Geschichte angelegt. Das so entstandene historische Schmuckstück ist nun ein würdiger
Repräsentant der vergangenen Zeiten, eine didaktische
Oase, in der die Expositionen, die von Pater Miroslav Herold zusammengestellt worden sind, ihre Wirkung auf den
besuchenden Betrachter sicherlich nicht verfehlen.
Klatovské katakomby se otevřely veřejnosti
Na ploše zhruba 300 metrů čtverečních se rozkládá
nevšední expozice připomínající působení jezuitského řádu v
západočeských Klatovech. Jejím hlavním posláním je uchovat
a ukázat návštěvníkům slavné klatovské mumie, jež donedávna odpočívaly v malých, nevyhovujících a nedůstojných
Wie unsere Klattauer-Korrespondentin Věra Mundlová berichtet, verdankt der einzigartige historische Nachlaß seiner
architektonisch aufwendigen Renovierung der ‚Bürgerbewegung Klauttauer Katakomben‘, mit dem stellvertretenden
Bürgermeister Václav Chroust an der Spitze und der Weitsicht der Klattauer Ratsherren, die die Finanzierung auch
mit der Unterstützung des EU-Fonds haben durchführen
können. Bei dieser Rekonstruktion wurden außer vielen anderen Hinweisen an die vergangenen Zeiten auch Häuserreste aus dem 14. Jahrhundert gefunden, sowie ein 19 Meter tiefer Brunnen, der ebenfalls restauriert werden konnte.
prostorách. I tak před svým uzavřením a následnou tříletou
rekonstrukcí byly klatovské katakomby třetí nejnavštěvovanější
památkou Plzeňska.
O tom, jak významným aktem je pro obyvatele Klatov a
římskokatolickou církev slavnostní otevření katakomb, svědčí
účast plzeňského biskupa msgr. Františka Radkovského a jeho
kolegy z Řezna, biskupa Bernarda Müllera, dále přítomnost
papežského nuncia Guiseppe Leanzy. Kromě představitelů
města Klatov se otevření zúčastnila také delegace senátorů
České republiky. Prostory klatovských katakomb vysvětil
plzeňský biskup František Radkovský, který v jezuitském koste-
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le následně celebroval mši svatou.
rického materiálu, ale zároveň využívajícího moderní techniku
pro odbornou práci. Kromě již zmíněných mumii upravených v
Současné
rozměry
krypty
pod
jezuitským
kostelem
prosklených rakvích zde najdeme obrazy, sochy, plastiky, knihy,
zasvěceným Neposkvrněnému početí Panny Marie a svatému
hudební nástroje a další materiál připomínající barokní jezuits-
Ignáci kopírují tu původní z roku 1670. Vznikla jako součást
ké období.
kostela a byla určena k pohřbívání členů jezuitského řádu a
významných měšťanů. Příslušníci Tovaryšstva Ježíšova, kteří
Velmi vkusným a odborným stavebním zásahem se představila
přišli do Klatov kolem roku 1636, zde založili gymnázium a
stavební firma Adas. Při rekonstrukci odkryli její dělníci zbytky
věnovali se výchově a vzdělávání mladé generace. K tomu bylo
domů, které zde stály ve 14. století a vyčistili devatenáct metrů
zapotřebí vybudovat kolej a následně kostel, který byl v roce
hlubokou studnu. Po vybourání všech přepážek a snížení po-
1675 vysvěcen. Mezi lety 1676 a 1783 bylo v katakombách
dlah na původní hloubku se otevírá prostor s klenbou sahající
pohřbeno na 200 zemřelých. Pak ale císař Josef II. zakázal
do výše pěti metrů. Pro zajištění odpovídajícího mikroklimatu
pohřbívání v kryptách a těla, uložená v dubových rakvích
pracovníci vyčistili pět šestnáctimetrových průduchů.
obložených chmelem, zůstala desítky let na svém místě, aniž
by k nim kdokoli vstupoval. Důmyslným systémem větracích
Součástí celého projektu je znovuvytvoření prampouchu, tedy
kanálů a průduchů byla postupně vysoušena a mumifikována.
jakési kryté lávky nebo, chcete-li tunelu, v úrovni prvního pa-
Díky stálé teplotě a vlhkosti se těla uchovala v původním stavu,
tra, který vede z budovy bývalého jezuitského gymnázia do
ale váha jednotlivých mumií klesla na osm až deset kilogramů.
koleje. Ve své původní podobě, která se však vůbec nezachovala, sloužil k přecházení mnichů z jedné budovy do druhé,
Ve 30. letech 20. století začali Klatované opravovat jezuitský
aniž by museli obcházet kostel přes náměstí. Zajímavostí je, že
kostel. V té době dělníci zasypali větrací šachty a svou nezna-
novodobý prampouch vyprojektovala architektka Eva Jiřičná,
lostí změnili mikroklima v katakombách a zlikvidovali tak pod-
která dnes patří k evropské špičce ve svém oboru.
statnou část mumifikovaných těl. Asi 140 jich bylo uloženo do
společného hrobu na hřbitově sv. Jakuba v Klatovech.
Po celou dobu rekonstrukce připravovali členové Občanského
sdružení Klatovské katakomby informace pro veřejnost, pořádali
V osmdesátých letech minulého století bylo na 30 mumií po-
semináře s historickou tématikou. Autorem velmi zdařilé expo-
necháno v malém a tmavém prostoru klatovských katakomb,
zice je páter Miroslav Herold.
jak jsme je znali donedávna. Přesto byla památka hojně
navštěvována. Radní a zastupitelé města Klatov si nevhodnost
Projekt, financovaný evropskými fondy a městem Klato-
místa uvědomovali a usilovali o rekonstrukci. Vzniklo Občanské
vy, stál 23,5 miliónu korun. To, co zde návštěvníci spatří, je
sdružení Klatovské katakomby v čele s místostarostou Václa-
skutečným skvostem mezi památkami. Jestliže byly katakom-
vem Chroustem, které pro plánovanou zásadní opravu hle-
by navštěvovány ve své původní, poněkud nevábné podobě,
dalo finanční prostředky a později koordinovalo a sledovalo
dnes, jako důstojný reprezentant významného období, mohou
postup obnovy, vyhlašovalo výběrová řízení a také podrobně
turistům nabídnout mnohem víc . Svým významem docela
informovalo veřejnost o postupu prací. Právě tomuto sdružení
určitě překračují rámec města i kraje.
Věra Mundlová
patří velký dík za to, že současné katakomby se směle mohou
zařadit ke špičkovému pracovišti zahrnujícímu množství histo-
4/2011
EUROJournal 57
via carolina
In Böhmen und Ostbayern trotzt man
dem europäischen Krisengerede
In Pilsen gemeinsames Büro der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer
sowie der IHK Oberpfalz/Kelheim eröffnet
Begriffe wie Europa, international oder global sind in aller Munde, doch positiv wirken sie schon längst nicht mehr. Umso wichtiger erscheint die ganz
konkrete grenzüberschreitende Zusammenarbeit, und die funktioniert gerade
zwischen Oberösterreich, Böhmen und Ostbayern ganz hervorragend. Diese
Regionen könnten geradezu eine besondere Vorreiterrolle spielen, wenn es
darum geht, das krisengeschüttelte Europa wieder auf die Beine zu stellen.
So haben sich ganz aktuell die beiden Wirtschaftskammern
in Pilsen und Regensburg entschlossen, die vor drei Jahren in Form des EU-Projekts „Wir sind Europa“ gestarteten
Impulse nicht verpuffen zu lassen. Mit einem Kooperationsabkommen wurde jetzt ein gemeinsames Regionalbüro der
Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer
(DTIHK) sowie der IHK für die Oberpfalz und den Landkreis
Kelheim in Pilsen eröffnet.
Diese Einrichtung, darauf machte bei dieser Gelegenheit
der Regensburger IHK-Präsident Peter Esser aufmerksam,
soll den deutschen Unternehmen dabei helfen, in Westböhmen Fuß zu fassen, gleichzeitig werde von hier aus
auch den tschechischen Firmen der Weg nach Ostbayern
geebnet. Essers Amtskollege Radomir Šimek bezeichnete
das Regionalbüro anläßlich der feierlichen Unterzeichnung
der Kooperationsvereinbarung als „erste Adresse für grenzübergreifend aktive Unternehmen aus der Region Pilsen“.
Deutschland, und vor allem der Freistaat Bayern, steht
für Tschechiens Exportwirtschaft an erster Stelle: Im Jahr
2010 beliefen sich die tschechischen Exporte in den Freistaat auf über neun Milliarden Euro oder 226 Milliarden
Kronen. Für die Unternehmen aus dem grenznahen Ostbayern werden andererseits die Nachbarn in Tschechien
als Kunden und Lieferanten immer wichtiger. Spätestens
seit der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit und Dienstleistungsfreiheit wachsen beide Regionen noch enger zusammen, betonen die Industrie- und Handelskammer
(IHK) Regensburg für Oberpfalz / Kelheim sowie die Prager Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer
(DTIHK) übereinstimmend.
Und konkret? Von der Marktberatung über die Vermittlung
von Kooperationspartnern bis hin zu Seminarangeboten
bietet die Prager DTIHK als eine der mitgliederstärksten
Wirtschaftsorganisationen in Tschechien den deutschen
und tschechischen Unternehmen ein breites Angebot.
„Unseren Beratungsservice können wir fortan direkt in
Pilsen anbieten. Dort sind wir auch näher an den vielen
58 EUROJournal
Mitgliedern aus der Region“, freute sich Šimek. Daß man
dabei mit der IHK Regensburg zusammenarbeitet, kommt
nicht von ungefähr. Die Oberpfälzer Kammer betreibt
schon seit mehr als drei Jahren über das EU-Projekt „Wir
sind Europa!“ ein Projektbüro in Pilsen. „Nach Projektende
soll Erreichtes nicht verpuffen“, so Esser. Denn das Büro
habe sich als eine Kontaktstelle für grenzüberschreitende
Zusammenarbeit von Wirtschaft, Verbänden, Kommunen,
Bildungsinstitutionen und Wissenschaft etabliert. Dieses
Netzwerk will die IHK nun zusammen mit der DTIHK als
starken Partner weiterführen.
Gerade dieser Lebens- und Wirtschaftsraum zwischen
Böhmen, Ostbayern und Oberösterreich hat vor dem Hintergrund seiner fürwahr schmerzlichen Geschichte längst
bewiesen, daß es für eine Rückkehr zur Normalität niemals
zu spät ist. Bei der Partnerschaft über einen ehedem Eisernen Vorhang hinweg kommt es – wie die Bürgermeisterin von Cham, Karin Bucher, betont – nicht so sehr auf
die „große Politik“ an: „Diese Zusammenarbeit besteht und
lebt geradezu aus oder mit den vielen kleinen Bausteinen
auf allen Ebenen.“ Schon in der Partnerschaftsurkunde mit
der tschechischen Stadt Klatovy (Klattau) aus dem Jahr
1993, die von den damaligen Bürgermeistern Jan Vrána
und Leo Hackenspiel unterzeichnet worden war, wurde der
feine, kleine, bodenständige Charakter dieser Kooperation
betont: „Und genauso hat sich die Partnerschaft auch entwickelt!“
Der heutige zweite Bürgermeister von Klatovy, Dr. Jiří
Štancl, erinnert aber auch daran, daß die ersten Kontakte schon im Frühjahr 1990 aufgenommen wurden, und
zwar zwischen der Christdemokratischen Partei KDU und
der CSU. Inzwischen gehört der Jurist Štancl zur berufsmäßigen Stadtratsspitze mit den Ressorts Kultur, Schule,
Soziales sowie Gewerbe und freut sich schon auf den 26.
November, wenn auch in Anwesenheit der Chamer Bürgermeisterin Karin Bucher und weiterer Gäste aus der Oberpfalz die historischen Katakomben unter der Jesuitenkirche
am Marktplatz von Klatovy wieder neu eröffnet werden.
Aber auch die ganz alltäglichen Begegnungen zwischen
Cham und Klatovy hält Bürgermeister Štancl für ein ganz
entscheidendes Element grenzüberschreitender Lebensund Wirtschaftsräume.
„Land und Leute kennenzulernen und dazu möglichst viele
Bürgerinnen und Bürger hüben und drüben einzubinden“,
hält Bürgermeisterin Karin Bucher für ganz entscheidend.
Man kennt sich offenbar und kann sich auch gut austau-
4/2011
via carolina
schen, zumal – wie aus Chamer Sicht betont wird – die
tschechischen Nachbarn die deutsche Sprache gut beherrschen, was freilich umgekehrt leider noch nicht der Fall
sei. Jedenfalls unterstützen und beraten sich die Partner,
tauschen sich aus und organisieren gemeinsame Veranstaltungen.
Von den beiden Städten finden regelmäßig – etwa einmal
im Monat – Treffen auf Arbeitsebene statt, was zu einem
gewaltigen Erfahrungsaustausch führt und die Augen für
die jeweils andere Seite und deren Probleme und Grenzen
öffnet. Als grenzüberschreitend versteht sich aber auch
das „Aktionsbündnis Cerchov“ mit sechs bayerischen und
14 tschechischen Gemeinden rund um den Berg Cerchov,
deutsch Schwarzkopf. Partner dieser Zusammenarbeit sind
die Kommunen Waldmünchen, Rötz, Schönthal, Treffelstein, Tiefenbach und Gleißenberg, also der sogenannte
Altlandkreis Waldmünchen, während auf tschechischer
Seite seit dem Jahr 2003 die Mikroregion Chodská Liga
diesem Bündnis angehört.
Als Zukunftsstrategie unter dem Leitbild „Cerchov – Landschaft voller Energie“ streben die Partner einen bayerischböhmischen Naturerlebnisraum im Einklang von Natur,
Landschaft und Tourismus an, eine Kompetenzregion im
Bereich Umwelttechnologie, regenerative Energien und
Holznutzung, aber auch einen Kulturraum rund um Landnutzung, Bauen, Geschichte sowie generell ein hohes Maß
an Zusammenarbeit.
Wie Waldmünchens Bürgermeister Markus Ackermann
erläutert, hat „unsere bayerisch-böhmische Region“ eine
breite Palette von Kulturveranstaltungen auf beiden Seiten der Grenze im Angebot, wie etwa die Projekte „Buil-
4/2011
ding bridges“ – internationaler Holzbrückenbau am Perlsee
Waldmünchen, einen Bayerisch-Tschechischen Aktionstag
„Bierkultur“, „Kultur ohne Grenzen“ oder die „grenzüberschreitende Feuerwehrkooperation“. Auf großen Anklang
stieß heuer auch eine gemeinsame Veranstaltung zum
Thema Biogas, mit diversen Referaten zu technischen
Erläuterungen von Biogasanlagen, mit Vorträgen über die
Fördermöglichkeiten dieser Energieform, und vor allem unter den böhmisch-bayerischen Nachbarn rege diskutiert. In
Mysliv bei Všeruby wurde schließlich eine Anlage besichtigt.
Und dann natürlich das Projekt „Sicheres Grenzgebiet“, mit
dem man an das Vorhaben „Ruhige Region“ der Mikroregion Šumava-západ, also Böhmerwald-West, anknüpfen
möchte. Als Ziele des neuen Projekts „Sicheres Grenzgebiet“ schwebt den Partnern eine Erhöhung der Sicherheit
im Straßenverkehr vor, besonders an den neuralgischen
Punkten der einzelnen Gemeinden, also in der Nähe von
Schulen, Kindergärten oder Krankenhäusern. Aber auch
im Bereich allgemeiner Kriminalität will man durch vorbeugende Maßnahmen ebenso aktiv werden wie mit Blick auf
die Lebensqualität in den Städten und Gemeinden der Region.
Von unserem Kollegiumsmitglied Gerd Otto
Bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung in
Plzeň/Pilsen (v.l.) IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen
Helmes, IHK-Präsident Peter Esser, DTIHK-Präsident Radomír Šimek, Geschäftsführender Vorstand der DTIHK
Bernard Bauer.
Foto: DTIHK
EUROJournal 59
philosophy & culture
Das kleine Museum – Kultur auf der Peunt
Daß das oberfränkische Städtchen Weißenstadt eine wunderbare Symbiose zwischen Kunst und Architektur beherbergt, wird einem erst dann richtig bewußt, wenn man in der
Goethestraße 23 das geistige Werk der Mäzenin, Kunstkennerin und Kunstliebhaberin zugleich, Dr. Laura KrainzLeupoldt, mit entsprechender Neugierde betritt. Schon vor
dem Hineintauchen in den „Tempel der Sinnlichkeit“, für dessen Entwurf durch die wegweisende Museumsarchitektur
An dieser Stelle geben wir das Wort der Schirmherrin, Regierungsvizepräsidentin von Oberfranken, Petra Platzgummer-Martin: „Es ist für mich eine große Freude und Ehre,
so bedeutende Künstler in Oberfranken begrüßen zu dürfen. Ich freue mich, Frau Rosa M Hessling, daß Sie nach
Weißenstadt gekommen sind und uns „als Gärtnerin des
Lichts“ – wie Sie sich gerne selbst bezeichnen – mit Ihren
Werken berühren.
Gerne hätte ich auch Bim Köhler persönlich begrüßt. Leider ist dies im Moment (Anm. d. Red. – kleiner Unfall) nicht
möglich, so daß ich ihn von dieser Stelle nur sehr herzlich
grüßen kann.
Herr James Howell, schön daß Sie dazugekommen sind
und unsere Runde bereichern.
Die beiden Künstler der heutigen Ausstellung verfügen
über einen interessanten und sehr umfangreichen künstlerischen Werdegang. Für ihr Werk haben sie hohe internationale Anerkennung erhalten. Es ist dem ‚besonderen Händchen‘ der Kuratorin dieser Ausstellung, Frau Dr.
Krainz-Leupoldt zu verdanken, daß sie derart bedeutende
Künstler für diese Ausstellung gewinnen konnte.
Frau Dr. Krainz-Leupoldt, wie schaffen Sie das?
der bekannte italienische Architekt Professor Marcello Morandini aus Varese verantwortlich zeichnet, wird man den
Eindruck nicht los, daß es sich hier um etwas Bekanntes en
miniature handelt. Aber der erste Eindruck täuscht. Der Besucher steht nicht vor einem Baukunstwerk im spanischen
Bilbao oder in New York, sondern vor einem einzigartigen
Original. Denn die optische Verwandtschaft mit den großen
Kunstmuseenbauwerken, läßt sich nicht herstellen. Die sind
nämlich viel größer und pompöser. Obwohl, wie gesagt, der
erste Eindruck täuscht, eines haben sie trotzdem gemeinsam: Innen Kunst, außen Kunst. Es ist eine Metamorphose
vom „Gottesacker“, der sich in eine Kunstlandschaft verwandelt hat.
Und in diesem, von Kunst berauschendem Ambiente fand
eine völlig andere Kunstausstellung, als es bisher der Fall
war, statt. Zum ersten Mal wurden „gemalte“ Kunstwerke
gezeigt, bei denen die Poesie der Farben im Vordergrund
gestanden ist.
Es war zugleich der Auftakt zur zweiten Lebenshalbzeit von
Dr. Krainz-Leupoldt, deren Einladung zu dieser einmaligen
Vernissage alles, was Rang und Namen innerhalb aber
auch außerhalb der oberfränkischen Region hat, gerne
folgte.
60 EUROJournal
Ich denke, es wäre zu einfach, hier nur von einem „Glücksfall“ oder „Zufall“ zu sprechen. Wenn ich Ihre vielfältigen
Aktivitäten betrachte, mit denen Sie in Weißenstadt und der
gesamten Region Projekte initiieren und auch persönlich
tragen, dann kann Ihr Motor nur eine echte Begeisterung für
die Kunst, für die Gestaltung und damit für die anspruchsvolle ästhetische Auseinandersetzung mit allen Lebensbereichen sein.
Sie haben sich hier in Weißenstadt auch einen Lebenstraum erfüllt und einen Ort für Kultur und Kommunikation
geschaffen. Mit dem „Kleinen Museum“ haben Sie wichtige
Akzente gesetzt. Das kommt am eindruckvollsten in der
so klaren Architektursprache und der Fassadengestaltung,
die für die Fähigkeiten und den Willen des schöpferischen
Menschen stehen. Dieser will sein Umfeld prägen, ordnen
und in einer bewußten Ästhetik gestalten.
Sie ermöglichen die Begegnung mit aktueller international
renommierter Kunst außerhalb der Ballungszentren. Das
bedeutet kreative Herausforderung und Chance zugleich!
Hier trifft internationale Gegenwartskunst auf offene Sinne,
die noch nicht durch einen urbanen, professionalisierten
Kunstbetrieb gesättigt sind. Diese Begegnung ist für die
kunstinteressierten Menschen wie für die Künstler eine
wertvolle Erfahrung.
Dieses „Kleine Museum“ ist eine relativ neue kulturelle Ein-
4/2011
philosophy & culture
K U L T U R TO U R
richtung für Oberfranken. Sie ist aber erfolgreich auf dem
Weg zum ihrem 5. Jubiläum, das im Oktober 2012 stattfinden wird.
Und diese informelle Einladung zur Kunstbildungstour
in Weißenstadt durch das Kleine Museum auf der Peunt
wirkte.
Im anschließenden Vortrag setzte sich Dr. Marina von Assel
mit dem Wirken von Licht und der Welt der Farben gekonnt
auseinander, wobei sie sich die Frage stellte: „Was ist denn
überhaupt Licht?“ Im Schwarz, im Dunkeln, ohne Licht,
können wir gar nichts sehen. Aber im Weiß, im gleißenden,
blendenden Licht – ohne Schatten – auch nicht.
Und was wir im Licht sehen, ist unsere Welt, an deren
Oberflächen sich das Licht bricht und mit unterschiedlicher
Information in unser Auge fällt. So unterscheiden wir Substanzen (glatt und glänzend oder auch weich und diffus)
und Farben, die wir je nach dem Wert ihrer elektromagnetischen Wellenlängen zwischen 380 und 780 nm (Nanometer) – Ultraviolett und Infrarot – wahrnehmen können.
Für manche dieser Farben haben wir klare Namen, andere
Farb-TÖNE müssen wir mit Worten umschreiben. Das ist
nicht immer leicht – aber versuchen Sie einmal, einem anderen Menschen auch nur ein Rot zu erklären…
Die Welt der Farben ist unendlich.
Licht selbst wird von uns meist nicht wahrgenommen. Zum
Beispiel, indem wir Farben sehen, sehen wir also Licht.
Verständlich erscheint es daher, daß wir schwarz und weiß
nicht als Farben betrachten.
Ich empfinde es als außerordentlich passend, daß heute
hier im „Kleinen Museum auf der Peunt“, das mit seiner
schwarzweißen Fassade symbolhaft auf die Erfahrung
Konkreter Kunst hinweist, eine Ausstellung über Farbe und
Licht eröffnet wird.
Doch was bedeutet uns eigentlich das Licht?
Lassen Sie mich ein wenig zurückgehen in die Kunst- und
Kulturgeschichte.
Licht, der „göttliche Funke“, war nicht nur in der Gotik ein
wichtiges Thema. Bereits bei Platon und den späteren
Neuplatonikern um Plotin galt das Licht als Sinnbild für die
„Idea“, die göttliche Idee, die die Wirklichkeit bestimmt, ja,
erst bildet und begründet.
Und natürlich verwendet auch die christliche Ikonologie
das Licht. Licht ist hier das Symbol für Christus selbst, den
Heiland, der Licht in eine dunkle Welt bringt – denken Sie
nur an die Weihnachtsgeschichte.
Und so wurde im früheren Mittelalter – und bis heute in der
orthodoxen Ikonenmalerei Goldgrund als veritables Blatt-
4/2011
Gold aufgetragen, das das irdische Licht einfängt und mit
seinem Leuchten das himmlische Licht symbolisiert. Mit
dem Blau und Rot, den Madonnenfarben haben sie schon
hier die Trias der Grundfarben.
Mit der Renaissance wendet sich der Blick der Künstler
dem Alltag zu, es entstehen erstmals perspektivisch „richtige“ Landschaftsbilder und Portraits. Das „Sfumato“ Leonardos wird zum Synonym für ein weiches, modellierendes
Licht, das jedes Detail erfahrbar werden läßt.
Erst Caravaggio und später Rembrandt oder El Greco verwenden das malerische Licht wieder symbolhaft, expressiv.
Und es erscheint geradezu selbstverständlich und logisch,
daß die Bilder der Aufklärung mit einem klaren Licht ausgestattet sind. Licht wird zum Medium der Darstellung und
natürlich der Wahrnehmung in der Kunst.
Auch in neuerer Zeit arbeiten zahlreiche Künstler mit und
über Licht. Denken wir zum Beispiel an die Romantiker
Caspar David Friedrich oder Phillip Otto Runge und natürlich an Goethe, der sich ja auch wissenschaftlich mit dem
Licht beschäftigte, oder an die Impressionisten, die enplein-air malten, um das Sonnenlicht direkt und unmittelbar
einfangen zu können.
Einem Maler wie Monet genügte es nicht, ein einziges
Bild – zum Beispiel der Kathedrale von Rouen – zu malen,
deren Ansicht sich ja im wandernden Sonnenlicht immer
wieder verändert. Er malte gleich eine ganze Serie solche
Kathedralen-Bilder – ähnliches gilt für seine berühmten
Heuhaufen-Bilder.
Im Impressionismus, an der Schwelle zum 20. Jahrhundert
und zur Moderne, verändert sich die Malerei: Es sind nun
nicht mehr allein Geschichten oder Gegenstände, die den
„Bildhelden“ ausmachen. Das Licht und die Farbe selbst
werden zu Hauptakteuren des Bildes.
Da erscheint es schlüssig, daß sich beide im 20. Jahrhundert immer mehr vom klassischen Bild emanzipieren: Piet
Mondrian verwendet schwarz und weiß und die Grundfarben, um die ganze Wirklichkeit zu zeigen, Barnett Newman
läßt in großflächigen Gemälden schmale Streifen von weiß
oder hellem Blau aufblitzen, das Sublime, das Erhabene,
Unzeigbare zeigend.
Andere Künstler widmen ihr Lebenswerk einer einzigen
Farbe, dem Blau, wie Yves Klein oder dem Rot, wie Rupprecht Geiger, oder dem Grün, wie Thimo Heimann in seinem Spätwerk – ein Schelm, wer dabei nicht an die Symbolkraft der Farben denkt.
Andere Künstler hören ganz auf zu malen und verwenden
gleich Lichtkörper, Leuchten oder Spiegel, wie zum Beispiel
Adolf Luther oder ganze begehbare Installationen, wie der
Amerikaner James Turrell mit seinen faszinierenden Lichträumen.
EUROJournal 61
FEK
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62 EUROJournal
4/2011
philosophy & culture
Und nun sind wir angekommen in dieser Ausstellung.
Rosa Maria Hessling wurde 1954 in Zell an der Mosel geboren. Von 1981 – 1986 studierte sie an der Düsseldorfer
Kunstakademie u. a. bei Nam June Paik, dem wohl bekanntesten Video- und Medienkünstler der Fluxusbewegung. 1985 erhielt sie ein Richard-Wagner-Stipendium für
Bayreuth. In den neunziger Jahren unterrichtete sie selbst
an der Düsseldorfer Akademie, sie lebt und arbeitet in Köln.
Mein kleiner Exkurs hat Sie hoffentlich nicht ermüdet, er
war notwendig, um klarzulegen, aus welchem reichen
Schatz diese faszinierenden Bilder, die wir heute hier sehen, schöpfen. Denn sie begegnen uns zunächst einmal
leise – und dann doch auch wieder nicht.
Von verschiedenen Seiten betrachtet, erscheinen sie uns
immer wieder anders und neu. Ja, jede und jeder von uns
sieht vielleicht ganz unterschiedliche, eigene Bilder in diesen Räumen, also eine ganz andere, ganz eigene Ausstellung.
Es ist wie mit der Kathedrale von Rouen, die sich im Sonnenlicht wandelt. Und Monet hat immer hinterhergemalt,
hinter der Erscheinung, die das Sonnenlicht auf der Fassade hinterließ, her gemalt, um all diese Bilder zu schaffen.
Aber wir sehen hier alle diese möglichen Bilder in einzelnen Bildern zusammen, „ineins“ sozusagen.
Immer wieder ist dies von namhaften Kollegen beschrieben
worden, so von Karin Stempel, die 1998 von der Bodenlosigkeit der Bilder spricht, oder Anne Rosenbach, die den
Geistigen Funken, thematisiert, der uns „beim unabwendbaren Schauen nicht losläßt“, oder Gabriele Uelsberg, die
2002 von deren „Schönheit“ spricht und von der Wandlung
„im Fortschritt der Wahrnehmung vom Schönen zum Geistigen und damit vom Optischen zum Inhaltlichen“. Genau
um diesen Schritt geht es der Künstlerin, die in ihren „Gärten des Lichts“ den Betrachtern ein Stück weit Leben näher
bringen will.
Wie schafft diese Künstlerin, diese „Gärtnerin des Lichtes“,
wie sie sich auch selbst bezeichnet, diese faszinierenden
Farbwelten zu erzeugen?
Der Beginn ihrer Malerei war von mathematisch-systematischen Untersuchungen über die Farbe und von einem Manifest bestimmt, das ich hier zitiere: (Manifest 1985) „Auf
die Malerei bezogen bedeutet es, daß nicht aus Gründen
einer vordergründigen Ästhetik die eine oder die andere
Farbe einen Vorzug erhält; sei es durch Stellung, Dichte oder durch abweichende Materialqualität. Wird in der
Abstraktion Ding-Mensch + Erscheinung der gleiche Realraum zubemessen, liegt für die nach außen strahlende
Qualität nur die innere Substanz einer Materie zugrunde.
Diese bedarf weder einer Auf- noch Abwertung durch das
Urteil. Die Dinge an sich sind und erhalten nur durch Interpretation der Termini GUT oder BÖSE.“
Die Bilder von Rosa Maria Hessling bestehen aus verschiedenen Pigmenten, es sind besonders entwickelte Pigmente,
4/2011
die das Licht variieren und die die Künstlerin mit Lacken in
unzähligen transparenten Schichten übereinander auf dem
Malgrund, Aluminiumplatten, aufträgt, bis sie von sich aus,
von innen her zu leuchten beginnen.
Gabriele Uelsberg spricht von „Farben, die sich nicht im
klassischen Sinne im Lichte wandeln, sondern das Licht
selbst zu den unterschiedlichsten Metamorphosen zwingen“. Dabei geht die Künstlerin fast wissenschaftlich vor
und gestaltet – einer Alchimistin gleich – in höchst differenzierten Dosierungen einen Zusammenklang von Pigmenten, Farbigkeiten und Stoffen, die selbst in der Lage
sind, wie optische Batterien, Licht zu erzeugen.“
Farben, die wie optische Batterien Licht erzeugen, das ist
zugleich die Umkehrung der klassischen Licht-Malerei und
ihre Erfüllung, nicht mehr die Darstellung des Göttlichen im
künstlerischen Licht, sondern die Erschaffung des Lichtes
selbst, das sich unablässig wandelt und sich doch immer
gleich bleibt.
Und so wundert es nicht, daß sich Rosa M. Hessling neuralgische Räume und Kirchen für ihre Architektur-Installationen auswählt, und daß sie auch diesen Räumen hier im
„Kleinen Museum auf der Peunt“ in Weißenstadt mit ihren
Bildern etwas Sublimes gibt.
Dem ist nichts zuzufügen – höchstens einen Gedanken von
Immanuel Kant zur Kritik der Urteilskraft – vom intellektuellen Interesse am Schönen: „...am Schönen ein Interesse
zu nehmen, ist auch ein Zeichen eines guten moralischen
Charakters“.
Und dieser ist im „Kleinen Museum auf der Peunt“ zu spüren.
-pv-
EUROJournal 63
bridge builders
Wege zur Verständigung
Über die 17. Kulturwoche, die zugleich die 3. Deutsch-Tschechisch-Polnische Woche in
Krnov/Jägerndorf war, berichtet der Heimatkreisbetreuer Kurt Schmidt
Der frühere Kreis Jägerndorf, heute Mikroregion Krnov,
grenzt im Nordosten der Tschechischen Republik an den
heute polnischen Kreis Glubcyce, früher Leobschütz. Ab
1995 führte ich als Heimatkreisbetreuer in Absprache
mit der Stadtverwaltung Krnov „Deutsche Kulturwochen“
durch, die sich seit 1999 zu Deutsch-Tschechischen Wochen entwickelten und seit 2008 werden sie als DeutschTschechisch-Polnische Wochen bezeichnet.
Stand ursprünglich als Motivationsbegründung das Interesse der heimatvertriebenen Jägerndorfer und die Unterstützung der heimatverbliebenen Deutschen im Vordergrund,
so konnten, aufgrund gegebener Akzeptanz, bald die Renovierung von Kleindenkmälern, aber auch die Errichtung
des Denkmals für den Professor und Architekten Leopold
Bauer ins Auge gefasst werden. Zwei Jahre später konnte
(2002), ebenfalls mit Hilfe des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, das nach dem Hochwasser von 1997 zerstörte
Haus Nr. 29 am Rathausplatz wieder aufgebaut, erweitert
und als „Haus der Deutsch-Tschechischen Verständigung“
nach einem feierlichen Akt seiner Bestimmung übergeben werden. Seitdem dient es dem örtlichen SchlesischDeutschen Verband Jägerndorf als Versammlungsort, beheimatet die deutsche Bibliothek sowie Unterrichtsräume
für die Sprachkurse (Deutsche Sprache) und bildet einen
wichtigen Stützpunkt bei der Durchführung der jährlichen
Wanderfahrten ins Altvatergebirge sowie für alle möglichen
Veranstaltungsarten während der jeweils im September
durchgeführten Kulturwoche.
64 EUROJournal
Der endgültige gesellschaftliche Durchbruch im regionalen
deutsch-tschechischen Verhältnis gelang 2007, als mit
der Errichtung eines Gedenksteines mit zweisprachiger
Aufschrift an die Opfer von 1945/46 erinnert und – nach
mühevollen Nachforschungen – deren Namen vor dem
Gedenkstein genannt werden konnten. Die Gedenkreden
hielten Heimatkreisbetreuer Kurt Schmidt und Bürgermeisterin Renata Ramazanová. Seitdem verbindet beide eine
verständnisvolle Zusammenarbeit, die u. a. auch zur Ausweitung nach Leobschütz führte, weshalb auch die Zustimmung der Leobschützer eingeholt werden musste. Deren
Aktionen, geleitet von RA H. Lux / Fallingbostel und Prälat
Dr. W. Grochol, hatten zu einem ähnlich ausgeprägten Vertrauensverhältnis zu Stadt und Kreis Leobschütz geführt.
In Jägerndorf war dieser Prozess gegen zum Teil heftigen
Widerstand des tschechischen Grenzlandbundes und der
dahinter stehenden kommunistischen Partei erfolgt.
Leider stand uns dazu weder von der Bundesregierung
noch von der Sudetendeutschen Landsmannschaft eine
finanzielle noch ideelle Unterstützung zur Verfügung.
Im September 2011 führte das zum Teil gemeinsame Programm die beiden Gruppen zunächst zu einer gemeinsamen Messe in Branitz (heute Polen) zusammen. Der
feierliche Empfang der rund 40 Jägerndorfer und rund 50
Leobschützer war am Montag, den 5. September 2011 in
die altehrwürdige Heiliggeistkirche verlegt worden, die Leobschützer Verwaltung wich ins wieder hergestellte Rathaus aus: die Beengtheit der ursprünglich vorgesehenen
Räumlichkeiten hätte eine würdige Gestaltung nicht zugelassen. Zu einem weiteren Höhepunkt gestaltete sich im
Stadttheater Jägerndorf die Zusammenarbeit von Schülern
dreier Gymnasien, nämlich der Augustinerschule Friedberg/Hessen, des Gymnasiums Krnov/Jägerndorf und des
Lyzeums Glubczyce /Leobschütz, die Beispiele ihres musikalischen Könnens in klassischer und moderner Form
vorstellten. Auch ein Unterhaltungsabend mit Tombola und
Tanz in Lobenstein (bekannt durch den Bauernbefreier von
1848 Hans Kudlich) passte in den Reigen gemeinsamer
Veranstaltungen.
Diese Begegnungen von Angehörigen dreier Nationen
wurden im Jägerndorfer Bereich ergänzt durch Veranstaltungen, die der Aufarbeitung einer schwer belasteten
Vergangenheit dienen sollten. Die wohl eindruckvollste
Unternehmung war eine deutsch-tschechische Busreise
von Jägerndorf nach Grulich. Zum Gedenken an den sogenannten „Jägerndorfer Hungermarsch“, der am 22. Juni
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bridge builders
1945 etwa 3000 Jägerndorfer über 120 km zum Marsch
nach damaligen Grulich, heute Králíky, zwang, wobei ca.
300 der Unglücklichen den Tod fanden, hatten sich Deutsche und Tschechen zu einer Busreise entschlossen. Am
Gabelkreuz, dem höchsten Punkt des Hungermarsches, erfolgte die Kranzniederlegung für die Opfer und die Ehrung
der vier Frauen, welche als Zeitzeugen die Details jenes
Opferganges beschrieben hatten. Hierbei fand auch das
Verhalten einer tschechischen Sympathisantin besondere
Anerkennung, die 14 Tage vorher „im Gedenken an die unglücklichen Frauen, Kinder und alten Leute“ die gesamte
Strecke zu Fuß abgelaufen, die Presse hierüber informiert
und damit ein Tabu gebrochen hatte, das 66 Jahre jegliche
wahrheitsgemäße Information verhindert hatte.
Stadtrundfahrten, auch unter der Leitung der stellvertretenden Bürgermeisterin von Krnov, trugen zur Information
über das deutsche Jägerndorf wie über das tschechische
Krnov bei.
In Lichnov/Lichten, wo wir uns vor Jahren die Anregung
zum Aufbau einer eigenen Mediathek geholt hatten, trafen
wir Dr. Hein und Bürgermeisterin Otíšková, die in deutschtschechischer Zusammenarbeit auf einer Metalltafel u. a.
das deutsche Dorf unter namentlicher Angabe der früheren Besitzer neben einer medialen Einrichtung geschaffen
hatten, die audiovisuell Geschichte und Kultur Lichtens
den Augen und Ohren heutiger Betrachter vermittelt. Desgleichen war die Entwicklung des tschechischen Lichnov
nach 1945 aus Fotoalben und an Ausstellungsstücken zu
ersehen.
Auch der Heimatkreis Jägerndorf konnte in unserem „Haus
der tschechisch-deutschen Verständigung“ und im Hotel
bereits erste eigene Ergebnisse der im Aufbau befindlichen
Mediathek vorführen bzw. Berichte und Mundartbeiträge
aufnehmen.
4/2011
Für 2013 plante eine Gruppe Delegierter aus Österreich,
der Tschechischen Republik (insbesondere aus Jägerndorf
und Troppau) sowie aus Deutschland mit dem Heimatkreis
Jägerndorf die Feier des hundertjährigen Bestehens der
„Hans-Kudlich-Warte“ in Úvalno/Lobenstein, um dem Bauernbefreier Alt-Österreichs an seinem Geburtsort die schuldige Ehre zu erweisen.
Kein Wunder, dass am Morgen des 11. September sich
in Krnov/Jägerndorf die Bürgermeisterin A. Krušinová und
ihre Stellvertreterin R. Ramazanová sehr herzlich und lange von „unseren Deutschen“ verabschiedeten.
Kontakt:
Heimatkreisbetreuer Kurt Schmidt, Schleiermacherweg 16,
D-26384 Wilhelmshaven,
Tel./Fax: 04421 304254; E-Mail: curtius.schmidt@freenet
EUROJournal 65
reflex
Kommentar
Das Krisenszenario greift um sich
Weltwirtschaft schwankt zwischen Bangen und Hoffen
Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Aktienkrise, Konjunkturkrise, Vertrauenskrise – das Jahr 2011,
das so gut begonnen hat, wird als das Jahr der
Krisen in die Annalen eingehen. Die GriechenDr. Wolf-R. Scharff
land-Tragödie hat nicht nur Europa erschüttert,
Mitglied der Chefredaktion
sondern vor allem die Finanzmärkte auf der
ganzen Welt. Dazu kommt aber noch das Schuldnerland
Italien, ganz zu schweigen von anderen Ländern wie Spanien, Portugal oder Irland.
Kein Experte und keine Institution glaubt daran, daß die
Schuldenkrise Europas schnell überwunden sein wird. So
hat auch die EU-Kommission mit alarmierenden Aussagen
die Sorgen vor einer Eskalation der Krise in Europa noch
verstärkt. Die Schulden allein Griechenlands könnten nach
Einschätzung der Brüsseler Behörde in den nächsten Jahren völlig aus dem Ruder laufen. Zudem drohe ganz Europa in eine Rezession zu schlittern.
Daß Griechenland und Italien mit ihren neuen Übergangsregierungen das Schuldenproblem in Griff bekommen,
scheint eher zu gelingen, als mit den beiden Vorgängerregierungen. Dennoch meint die Kommission, daß wenn
die Hilfe für Athen nicht greife, werde die gesamtstaatliche
Verschuldung 2012 und 2013 jeweils knapp 200 Prozent
des Bruttoinlandsprodukts BIP erreichen. Das wäre immerhin mehr als das Dreifache der in der EU erlaubten Grenze
von höchstens 60 Prozent der Wirtschaftsleistung. Für das
laufende Jahr wird die griechische Verschuldung auf knapp
163 Prozent geschätzt.
Das Wachstum in Europa ist zum Stillstand gekommen und
es besteht das Risiko einer erneuten Rezession, meinte
EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn. Die Wirtschaft werde bis weit in das Jahr 2012 hinein stagnieren. Die Wirtschaftsflaute, Schuldenprobleme und der anfällige Finanzsektor scheinen sich in einem Teufelskreis gegenseitig zu
beeinträchtigen.
Für die Eurozone erwartet die Kommission im kommenden
Jahr nur noch ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent nach 1,5
Prozent im laufenden Jahr. Für 2013 werden 1,3 Prozent
erwartet. Auch Deutschland werde keine Konjunkturlokomotive mehr sein. Die deutsche Wirtschaft wachse im kommenden Jahr voraussichtlich nur noch um 0,8 Prozent, so
die Behörde. 2013 sollen es dann 1,5 Prozent sein.
Die Europäische Zentralbank EZB hat in letzter Zeit zum
wiederholten Mal die Regierungen angesichts des drohenden Absturzes der Konjunktur zu übergreifenden Reformen aufgefordert. Der EZB-Rat ermahnte alle Regierungen des Euroraumes, die Umsetzung substantieller und
umfassender Strukturreformen dringend zu beschleunigen.
66 EUROJournal
In Griechenland selbst keimt nach der Installation der
neuen Übergangsregierung leise Hoffnung auf. Trotz des
schwierigen Starts zeigte sich der neue Regierungschef
Lucas Papademos zuversichtlich, daß Athen mit Hilfe seiner Partner aus der Krise herauskommt. Griechenland stehe am Scheideweg. Es stehe vor der Wahl, in der Eurozone
zu bleiben oder sie zu verlassen, meinte der neue Premier
zu Beginn seiner Amtsübernahme. Damit das Land in der
Eurozone bleibe, werde Athen alle seine Verpflichtungen
erfüllen. Er ist der Auffassung, daß das Land es schaffen
könnte. Der Verbleib in der Eurozone ist die einzige Wahl
für Griechenland. Die Arbeit sei aber enorm. Es sei von
ausschlaggebender Bedeutung, die Verhandlungen zur
Beteiligung des privaten Sektors in Gang zu bringen.
Die Fünf Weisen dämpfen ihren Optimismus
In Deutschland sind die Auswirkungen der Krise immer
spürbarer. So zeigen sich die sogenannten fünf Wirtschaftsweisen in ihrem vor wenigen Wochen veröffentlichten Jahresgutachten nicht mehr so optimistisch wie noch zu Jahresbeginn. Das Wirtschaftswachstum in Deutschland dürfte
im nächsten Jahr stark von der Entwicklung der Euro-Krise
abhängen. Sollten die Regierungen in Athen und Rom die
Euro-Rettung durch zögerliche Maßnahmen behindern,
müsse in Deutschland mit einer steigenden Arbeitslosigkeit und weniger Steuereinnahmen gerechnet werden. Die
Sachverständigen gehen aber in ihrem Gutachten davon
aus, daß die Eurozone zur Ruhe kommen wird. Sollte die
Rückkehr zur Normalität eintreten, darf Deutschland ein
Wirtschaftswachstum von 0.9 Prozent erwarten. Das ist
zwar ein starker Abschwung von drei Prozent, die für dieses Jahr erwartet werden, aber die Arbeitslosigkeit dürfte
dennoch auf unter drei Millionen sinken.
Weitet sich die Schuldenkrise dagegen weiter aus, wie es
auch die Finanzmärkte nach wie vor erwarten, wäre das am
deutschen Arbeitsmarkt am ehesten spürbar. Die Weisen
erwarten in diesem Fall ein Wachstum von gerade mal 0,4
Prozent in 2012. Das würde dann die Arbeitslosigkeit auf
einen Wert von über drei Millionen steigen lassen.
Vertreter der deutschen Industrie fordern dazu auf, daß die
Regierungen im Euro-Raum die Spirale der Verunsicherung auf den Finanzmärkten durchbrechen, nur dann wird
die exportorientierte deutsche Wirtschaft weiter wachsen.
Noch schlimmer aber käme es, wenn die Euro-Krise auch
den Welthandel in Mitleidenschaft ziehen würde. Davor
hatte ja auch schon der amerikanische Präsident Barack
Obama beim G20-Gipfel im französischen Cannes ge-
4/2011
reflex
warnt. Auch die deutschen Wirtschaftsweisen teilen diese
Sorge. Die Unsicherheit über die Lösung der Staatsschuldenkrise könne maßgeblichen Einfluß auf den Welthandel
haben, schreiben sie in ihrem Gutachten. Im Falle weltweiter Schwierigkeiten müßte auch Deutschland mit einem
Dämpfer rechnen, weil es weniger exportieren kann. Bei
einem weltweiten Abschwung wäre sogar ein Rückgang der
wirtschaftlichen Aktivität von 0,5 Prozent zu erwarten. Zum
Vergleich: Wenn man alle produzierten Dienstleistungen
und Güter zusammenzählt, erwirtschaften die Deutschen
in diesem Jahr noch etwa 2,46 Billionen Euro. Bei dem in
dem Szenario prognostizierten Rückgang um 0,5 Prozent
wären es etwa 12,3 Milliarden Euro weniger. Stattdessen
erwartet das deutsche Wirtschaftsministerium derzeit noch
24,5 Milliarden Euro mehr an Wirtschaftsleistung.
Für die Griechen haben sich die europäischen Partner
bekanntlich auf einen Schuldenschnitt von 50 Prozent geeinigt. Den Großteil der Last zur Rettung Athens werden
aber weiter die Europartner tragen. Sie beschlossen, den
Hellenen ein neues Hilfspaket von bis zu 100 Milliarden
Euro zu geben. Dazu kommen noch weitere 30 Milliarden
Euro, mit denen die öffentliche Hand den Forderungsverzicht des Privatsektors garniert. Es ist mehr als verständlich, daß die Europäer, die ja selbst nicht gerade in Geld
schwimmen, neue Geldquellen anzuzapfen versuchen.
Mit dem Durchbruch in Brüssel ist die Hoffnung in Europa
gewachsen, daß das reiche China mit seinen gewaltigen
Devisenreserven eine größere Rolle bei der Euro-Rettung
übernehmen könnte.
4/2011
Europäer blicken auf die Chinesen
Zur Bekämpfung der Schuldenkrise will die Eurozone unter
anderem ihren Rettungsschirm EFSF durch einen Sonderfonds verstärken, in dem Drittländer einzahlen sollen. So
sollen bereits der französische Präsident Nicolas Sarkozy
und sein chinesischer Kollege Hu Jintan eine enge Zusammenarbeit beschlossen haben. Vorerst aber beschränkt
sich die Unterstützung Chinas für seinen größten Handelspartner darauf, weiterzumachen wie bisher: Mit Europa
Handel zu treiben und einen Teil des Handelsbilanzüberschusses in die sichersten europäischen Staatsanleihen zu
investieren. Europa jetzt unter die Arme zu greifen, könnte
dem Bestreben Chinas nützlich sein, als eine der führenden Wirtschaftsmächte anerkannt zu werden.
Eine direkte Beteiligung wäre für die chinesische Führung
allerdings mit einem politischen Risiko behaftet. Sie würde
öffentliche Gelder zur Rettung europäischer Länder ausgeben, die pro Kopf immer noch reicher sind als China selbst.
Hilfe aus China könnte auch ihren politischen Preis haben.
EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn distanzierte sich daher auch gleich von einem Vorschlag Brasiliens, wonach
China mit anderen Schwellenländern gemeinsam einen
Beitrag leisten könnte. Letztlich würde es bedeuten, daß
Chinesen, Brasilianer und Russen indirekt einen Platz am
Tisch der Euro-Zone bekämen. Eine derartige Entscheidung hätte eine nicht zu unterschätzende strategische Bedeutung, meinte Rehn.
EUROJournal 67
reflex
Die Chinesen selbst agieren sehr vorsichtig und wollen
nach eigenen Worten nicht als ein „weißer Ritter“ auftreten.
Es stehe außer Frage, daß sich Europa selbst retten kann,
meinte jüngst die Vizeaußenministerin Fu Ying. Gleichzeitig fragte sie, wer Europa überhaupt retten könnte. Denn
schließlich sei doch Europa der größte Wirtschaftsraum der
Welt.
Die Krise geht auch an China nicht spurlos vorbei. Immerhin ist Europa der größte chinesische Ausfuhrmarkt
und eine wichtige Quelle für den Technologietransfer. Bei
der nach wie vor bestehenden Aussicht auf eine Pleite
Griechenlands fürchtet China aber weniger um seine Investitionen, als vielmehr um eine Kettenreaktion anderer
schuldengeplagter Länder. Eine neue Rezession in Europa
würde die chinesische Exportindustrie schwer treffen.
Japans Bevölkerung ist negativ gestimmt
fährlichen Phase, ausgelöst durch die europäische Schuldenkrise. Die Sorgen über die europäischen Schulden
seien sehr viel größer als die über die Herabstufung der
amerikanischen Kreditwürdigkeit. Der jetzige Sturm sei viel
stärker als der des Jahres 2008, der durch die damalige
Banken- und Finanzkrise ausgelöst worden sei. In diesem
Zusammenhang hat eine Untersuchung der Unternehmensberatung Roland Berger festgestellt, daß die RatingAgenturen bei der Finanzkrise 2008 eine führende Rolle
gespielt haben. Sie hätten teilweise Bestnoten für Wertpapiere abgegeben, in denen hochriskante Immobilienkredite gebündelt waren. Investoren hätten dem Urteil von
Moody`s, Standard Poor`s und Fitch vertraut. Eine andere
Betrachtung weist darauf hin, daß es schon eigentümlich
sei, daß diese führenden Rating-Agenturen allesamt in den
USA beheimatet seien und regelmäßig vor allem europäische Länder herabstufen würden. Das eigene Schuldnerland USA dagegen bleibe verschont.
Derzeit bewerten über 80 Prozent der deutschen Führungskräfte die aktuelle Wirtschaftslage in Deutschland als noch
positiv. Bereits aber bis Anfang 2012 erwarten die meisten
negative Auswirkungen der Finanz- und Eurokrise auf die
Realwirtschaft. So seien Umsatz- und Gewinnrückgänge
möglich. Die Konjunkturaussichten hätten sich deutlich
eingetrübt, heißt es. Als wesentliche Ursachen für die Eintrübung der Konjunktur nennen die befragten Unternehmen die Staatsverschuldung der USA und die der meisten
europäischen Länder sowie die daraus resultierenden
Währungsturbulenzen und Kreditverknappungen. Noch
herrscht in den deutschen Unternehmen mehr Verunsicherung denn eine Krisenstimmung. Die Frage stellt sich, was
bringt das Jahr 2012?
Von Dr. Wolf-R. Scharff, Mitglied der Chefredaktion
Keine Hilfe werden die Europäer von der anderen großen Wirtschaftsnation, aus Japan, erwarten können. Nach
einer Umfrage schätzt zumindest ein Großteil der japanischen Bevölkerung die wirtschaftliche Lage des Landes
als äußerst negativ ein. Vier von fünf Japanern bewerten
die aktuelle Situation als schlecht oder sehr schlecht ein.
Auch für die kommenden Jahre rechnet gerade einmal ein
Fünftel mit einer leichten Besserung. An einen deutlichen
Aufschwung glaubt hingegen kaum jemand.
In der Bevölkerung offenbart sich ein tiefer wirtschaftlicher
Pessimismus. Insgesamt 58 Prozent der Japaner bewerten
die wirtschaftliche Lage des Landes als schlecht, weitere
27 Prozent sogar als sehr schlecht. Für gerade mal 13
Prozent ist die aktuelle Situation mittelmäßig und nur zwei
Prozent sagen, daß die Wirtschaft sich in einem guten Zustand befindet. An einen baldigen Wirtschaftsaufschwung glaubt laut Studie, an der auch die
Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung
GfK beteiligt war, nur ein kleiner Teil der JapaNÜRNBERGER
ner. Gerade einmal 22 Prozent der Bevölkerung
TERMINKALENDER
erwarten, daß die Wirtschaft in fünf Jahren etwas besser als heute dastehen wird. Insgesamt
ein Drittel der Japaner befürchtet allerdings eine
Januar:
leichte oder sogar deutliche Verschlechterung.
17.01. – 19.01. – EUROGUSS / Perimeter Protection
Auch beim Schuldenabbau lahmt das Land. Die
Staatsschulden des Inselreichs belaufen sich
Februar:
inzwischen auf 218 Prozent des Bruttoinlands02.02. – 06.02. – Spielwarenmesse International ToyFair Nürnberg
produktes BIP. Japan ist allerdings fast aus15.02. – 18.02. – BioFach / Vivaness
schließlich bei den eigenen Bürgern verschuldet
22.02. – 23.02. – Feuer TRUTZ
und kann sich somit am internationalen Kapital28.02. – 01.03. – embedded world
markt mit Geldaufnahmen zurückhalten, was
die Zinsen niedrig hält.
März:
Weltbank sieht eine gefährliche
Phase
Weltbankpräsident Robert Zoellik sieht die
Weltwirtschaft am Beginn einer neuen und ge-
68 EUROJournal
09.03. – 12.03. – IWA & OutdoorClassics
21.03. – 24.03. – HOLTZHANDWERK / fensterbau/frontale
April:
18.04. – 21.04. – IFH/Intherm
4/2011
the little library
Einen besseren Ort als Berlin, Ristorante Sale e Tabacchi,
das ausgerechnet in der Rudi-Dutschke-Straße liegt, hätte
Mag. Gerlinde Freis, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Salzburger Ecowin Verlag GmbH, für
die Verlagsvorstellung des äußerst spannenden Buches,
das ein in unserer Gesellschaft
schnell wachsendes Krebsgeschwür, die kalabrische MafiaOrganisation ’Ndrangheta und ihre
Machenschaften scharf fokussiert,
nicht auswählen können.
„METASTASEN“
Die Autoren des Bestsellers METASTASEN, Gianluigi Nuzzi, Jahrgang 1969, der sich seit 1994 mit allen wichtigen
Justizfällen, die mit Verstrickungen der Politik und der Finanzwelt zu tun haben, beschäftigt, und Claudio Antonelli
zeichnen in ihrem Buch – erschienen im Ecowin Verlag,
ISBN 978-3-7110-0011-8 – auf 280 Seiten die bittere Wirklichkeit auf, daß die weit verbreitete blauäugige und den
Menschen durch Politiker sowie Exekutivorgane aufoptruierte Annahme, daß es in unseren Gefilden keine fruchtbaren Symbiosen für Parallelgesellschaften gibt, im Weiten
nicht stimmt. Es stimmt aber doch, denn diese sind schon
längst fest, mitten unter uns, verwurzelt. Die kalabrische
Mafia-Organisation ’Ndrangheta ist in Deutschland bestens
etabliert. Sie wäscht Geld in der netten Pizzeria nebenan,
versteckt Killer, handelt mit Waffen und Drogen, fälscht Papiere und kassiert Schutzgeld. Kaum ein Angehöriger war
je bereit, das Gesetz des Schweigens zu brechen.
Und einer tat es – Giuseppe di Bella – der jahrzehntelang
die rechte Hand eines seiner Bosse Coco Trovato war und
im Buch beschreibt, wie er für den Mafiaboss Entführungen, Erpressungen und Morde plante. Er spricht davon,
wie die Mafia einen beachtlichen Teil der norditalienischen
Wirtschaft im Würgegriff hat und sich in Behörden, Gewerkschaften und der Politik ausbreitet.
Der Grund für Di Bellas Haltung? Seine Frau starb im Jahr
2009 an Krebs. Di Bella versprach ihr auf dem Totenbett,
sich aus den Fängen der ’Ndrangheta zu lösen, um dem
gemeinsamen Sohn eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
Dieser Kronzeuge der Staatsanwaltschaft und des Chefs
der Antimafia-Behörde von Reggio Calabria, Nicola Gratteri, weiß, daß Giuseppe di Bella z. B. das Geheimnis um
Gianni Versaces Tod kennt. Der Ex-Mafioso hat es gewagt,
sein Wissen den italienischen Aufdecker-Journalisten Gianluigi Nuzzi und Claudio Antonelli preiszugegeben. In
einem speziellen Kapitel enthüllt SPIEGEL-Redakteur und
Mafia-Experte Andreas Ulrich, wie souverän und unbehelligt sich die ’Ndrangheta in Deutschland, Österreich und
der Schweiz seit Jahrzehnten bewegt.
Es geht um Mord, Kokain,
Entführungen und Korruption im großen Stil. Mit ihren
geschickt in all den Ländern
verstreuten Dependancen,
agiert die ’Ndrangheta, Vereinigung der kalabrischen
Mafia, fast unbehelligt,
und stellt das größte und
bestens etablierte Familienunternehmen dar, dessen
Aktionsradius heute ganz
Europa, Nord- und Südamerika sowie Rußland
und Australien umfaßt. Mit
geschätzten 44 Milliarden
Euro Jahresumsatz (2007)
gilt die ’Ndrangheta als
mächtigste Mafia-Organisation Europas.
Der Kronzeuge Di Bella offenbart im Buch, wie es der ’Ndrangheta‘ gelungen ist sich
in der Wirtschaft und Politik Norditaliens zu verwurzeln. Außerdem gibt er erschreckende Einblicke in Entführungen,
Morde, Erpressung, Waffen- und Drogenhandel preis.
Di Bella war 10 Jahre lang im Zeugenschutzprogramm der
italienischen Justiz. Nach dem Tod seiner Frau, an derer
Beerdigung er durch die strengen Sicherheitsauflagen
nicht einmal teilnehmen durfte, entschied er sich, nach Ablauf der regulären Zeit nicht mehr um eine weitere Zeugenschutzmaßnahme nachzusuchen.
Giuseppe Di Bella hat durch seine Aussagen über 100 Mafiosi hinter Gitter gebracht und lebt heute an einem unbekannten Ort in der Lombardei in verarmten Verhältnissen in
ständiger Angst, von der Mafia umgebracht zu werden. Der
Autor Gianluigi Nuzzi hat Giuseppe Di Bella für sein Buch
„Metastasen“ monatelang interviewt.
„Ich habe beschlossen, alles zu sagen und euch in dieses
Inferno mitzunehmen.“ - Giuseppe Di Bella, Kronzeuge, ExMitglied der `Ndrangheta‘.
Dr. Anita Olejnik
4/2011
EUROJournal 69
reflex
Gegenwart und Zukunft
der deutsch-französischen Beziehungen
In der ersten Hälfte des Jahres mehrten sich
die pessimistischen Aussagen zu dem Zustand
der deutsch-französischen Beziehungen in der
Presse und von den in diesem Bereich EngaDr. phil. Henning Meyer
Historiker, Editing Manager
gierten und Informierten. Für die deutsch-französische Zeitschrift ParisBerlin haben sie sich in
den letzten Jahren kaum von ihrem „tiefsten historischen
Niveau“ erholt. Dies scheint der Moment zu sein, sich an einer Bestandsaufnahme der deutsch-französischen Beziehungen zu versuchen. In diesem Sinne hat ParisBerlin im
Sommer eine umfangreiche Sonderausgabe veröffentlicht.
„Das deutsch-französische ‚Paar’ ist tot“
Unter dem Titel „Skizze einer Kartographie der deutschfranzösischen Beziehungen“ führt ParisBerlin auf 240
Seiten, die auf jeweils 120 Seiten eine deutsche und eine
französische Fassung der Artikel präsentiert, die Akteure,
Engagements und Institutionen im deutsch-französischen
Kontext auf und stellt die Frage nach dem aktuellen Zustand und vor allem nach den Perspektiven der gegenseitigen Beziehungen. Weniger sollte es ausdrücklich um die
Geschichte dieser Beziehungen gehen und die treibenden
Kräfte und Motivationen für eine Versöhnung und Annäherung zwischen den beiden Nationen in der Nachkriegszeit.
Es scheint gerade eine der wichtigsten Herausforderungen
zu sein, die Beziehungen auf eine neue, der Gegenwart
angepaßte Grundlage zu stellen, sie so für die Zukunft zu
rüsten und ihr neue Perspektiven zu verleihen.
Von Seiten der Redaktion wird die Gegenwart der deutschfranzösischen Beziehungen dabei mit einem sehr nüchternen, teilweise sogar negativen Grundtenor versehen.
Nach der weitgehenden Versöhnung der beiden Länder
und dem intensiven Ausbau der Zusammenarbeit in den
Jahrzehnten nach dem Krieg sei es in den Jahren 19892008 zu einer Phase der „Banalisierung“ gekommen,
eingeleitet von der Wiedervereinigung Deutschlands. Generationenbedingt fand in diesen Jahren ein Paradigmenwechsel in Hinblick auf die gemeinsame Geschichte und
ihre Bedeutung für die Zusammenarbeit statt. Wirtschaftlich seien die Ungleichgewichte immer größer geworden.
Es sei eine Beziehung, „die chaotisch und unregelmäßig
geworden ist“. Teilweise werden sehr deutliche Worte verwendet, wie das einer „Wüste“, wenn es um den Rückgang
im Erlernen der Sprache des Nachbarlandes geht, oder
das des „Verfalls“ der deutsch-französischen Beziehungen,
der trotz der Kraftanstrengungen einiger Akteure stattgefunden habe.
70 EUROJournal
Zwischen verpaßter Gelegenheit
und Einzigartigkeit
Je nach Position und Engagement beurteilen die verschiedenen im Korpus der Sonderausgabe zu Wort kommenden
Akteure, Institutionen und Beobachter den Zustand der
deutsch-französischen Beziehungen positiver oder weniger positiv, pessimistisch oder aber gar euphorisch. So
zeichnen die beiden Staatssekretäre, die zum Zeitpunkt
des Erscheinens der Ausgabe für die Zusammenarbeit
zuständig waren, Laurent Wauquiez und Werner Hoyer, in
einem Gespräch ein grundsätzlich positives Bild. Während
Laurent Wauquiez von „soliden“ Beziehungen spricht, sind
sie für sein deutsches Pendant nach wie vor von „einem
hohen Grad an Vertrauen und Reife“
geprägt. Deutschland und Frankreich
werden als „Handelspartner Nummer eins“ bezeichnet, auch wenn das
Gemeinschaftsunternehmen EADS
sehr nüchtern bewertet wird. Andere
Kooperationsvorhaben dieser Art seien
gescheitert. Der Gemeinschaftssender
Arte habe sein
„wichtigstes
Ziel“,
der Information über
die Gesellschaft des jeweiligen Nachbarlandes, „verfehlt“.
Das deutsch-französische Geschichtsbuch sei ein Erfolg,
bei der „praktischen Umsetzung“, d. h. der Verwendung im
Unterricht „hapere“ es aber noch. Durchweg positiv wird
hingegen die Rolle der Zivilgesellschaft bewertet, so u. a.
von Gérard Thieser und Gereon Fritz, den Präsidenten der
Vereinigungen Deutsch-Französischer Gesellschaften für
Europa VDFG und FAFA. Ihr unermüdliches Engagement
stelle eine positive Kontinuität in den gegenseitigen Beziehungen dar, die resistent für die politischen Krisen die Wurzeln für das „Agieren von oben“ bilde.
4/2011
reflex
Enorme Herausforderungen für die Zukunft
Neben diesen bisweilen kontroversen Darstellungen gibt
es auch einige gemeinsame Einschätzungen, die sich wie
ein roter Faden durch die Beiträge ziehen: So werden den
deutsch-französischen Beziehungen ihre grundsätzliche
Bedeutung nie abgesprochen. Oft wird die Knappheit der
Mittel kritisiert. So sei die Deutsch-Französische Hochschule eine der wenigen Einrichtungen in diesem Bereich,
deren Mittel erhöht worden seien. Das Deutsch-Französische Jugendwerk z. B. müsse dagegen mit dem gleichen
Budget wie zu seiner Gründung 1963 auskommen. In der
Mehrzahl der Artikel wird ein Bewußtsein für den Einfluß
der gegenwärtigen Krise(n) auf die deutsch-französischen
Beziehungen zum Ausdruck gebracht. Die Finanzkrise sei
für die bilateralen Beziehungen eine „heilsame Krise“ gewesen und habe auf dem „tiefsten historischen Niveau“
die Phase der „Co-Konstruktion“ eingeleitet. So scheint
sich beispielsweise der französische Staatspräsident, der
2007 „mit starken Vorurteilen gegen Deutschland ins Amt
startete“, unter dem Eindruck der Finanz- und Griechenlandkrise auf die Vorteile der gegenseitigen Beziehungen
zu besinnen. Diese Entwicklung ist inzwischen so weit
fortgeschritten, daß der französische Agrarminister Bruno
Le Maire auf einer Konferenz Ende Oktober die Krise als
„Ausgangspunkt einer deutsch-französischen beziehungsweise europäische Erneuerung“ bezeichnete (1). In diesem
Zitat wird ein weiterer Punkt angesprochen, über den in
den Beiträgen Einigkeit zu bestehen scheint: Politisch sind
die deutsch-französischen Beziehungen starken Schwankungen ausgesetzt, unbestritten dagegen ist die Bedeutung der beiden Länder und ihrer bilateralen Abstimmung
für die EU. So weist Dr. Martin Koopmann von der Stiftung
Genshagen darauf hin, daß die deutsch-französischen Beziehungen mehr sein müssen als ein gut „funktionierender
Krisenreaktionsmechanismus“. Es müsse ein „gemeinsame
langfristige Strategie entwickelt“ werden, um der „gemeinsamen Verantwortung für Europa“ gerecht zu werden. Auch
wenn es sich um Beziehungen mit Mängeln und Unstimmigkeiten handelt, werden in dieser Sonderausgabe überzeugend auch ihre Vielschichtigkeit und ihr Vorbildcharakter dargestellt. Hans Stark vom Französischen Institut weist
darauf hin, daß es sich bei der deutsch-französischen Verständigung nicht um einen „Selbstläufer“ handele, sondern
daß sie „ständig gepflegt“ werden müsse. Für Gérard Foussier, den Präsidenten des Zusammenschlusses der zwei
deutsch-französischen Vereine BILD-GÜZ, muß auch das
Verblassen der „Euphorie“ der letzten zwanzig Jahre nicht
ausschließlich negativ bewertet werden, da es ein Zeichen
für die „Normalisierung“ der Beziehungen sei.
In dieser umfangreichen und sehr gelungenen Darstellung
entsteht ein facettenreiches und aktuelles Bild der deutschfranzösischen Beziehungen. Weniger Positives kommt
ebenso zur Sprache wie ihr Ausnahme- und Vorbildcharakter. Der aktuelle Zustand wird kritisch beleuchtet und
die Perspektiven für die Zukunft herausgearbeitet. All das
macht diese Sonderausgabe zu einer empfehlenswerten
Lektüre.
Von unserem Kollegiumsmitglied Dr. Henning Meyer
Anmerkungen:
ParisBerlin Nr. 66/67, Juli/August 2011, erhältlich unter
www.parisberlin.fr/
(1) http://www.kas.de/wf/de/33.29263/
short report
„Keine steuerfinanzierten Naziparolen!“
sollte unbedingt ein neuer Anlauf genommen werden,
Stiftungsdirektor erneuert Forderung nach NPDVerbot
diesen politischen Arm der rechtsextremen Szene aufzulösen. Es ist nicht länger hinnehmbar, daß unser demokratischer Rechtsstaat Steuergelder an rechtsextreme
Stiftungsdirektor Karl Freller, Staatssekretär a. D., fühlt
Verfassungsbrecher bezahlt. Das muß ein Ende haben!“
sich durch die jüngste Diskussion um die NPD bestätigt:
verlangt erneut Freller, der zugleich auch Gründungskol-
Bereits auf der 65-Jahresfeier der Befreiung des KZs
legiumsmitglied/Fachbeirat der gemeinnützigen Förder-
Dachau im Mai vergangenen Jahres hatte Freller im Bei-
gesellschaft für Europäische Kommunikation (FEK) e. V.
sein des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler ein
ist, der Herausgeberin des EUROjournals pro manage-
Verbot der rechtsradikalen Partei gefordert. Dafür erhielt
ment.
-jt-
er breite Zustimmung seitens der KZ-Überlebenden. „Es
4/2011
EUROJournal 71
auto-mobil
Neuer Termin für die Auto Mobil
International 2012 in Leipzig
AMI ordnet sich mit festem Termin in den Kalender der internationalen Automobilmessen ein. Nationale
und internationale Hersteller votieren für den neuen Termin und kündigen mehr Premieren an.
Neue Zeitrechnung für die AMI – Auto Mobil International: Mit dem Wechsel in den Zweijahresrhythmus und der
damit verbundenen Neupositionierung als einzige internationale PKW-Messe in Deutschland in den geraden Jahren
findet die Automobilmesse in Leipzig künftig Anfang Juni statt. Die Automobilbranche präsentiert vom 2. bis 10. Juni
2012 ihre Premieren und Innovationen auf der Leipziger Messe. Mit diesem neuen festen Termin erhält die AMI eine
optimale Platzierung im internationalen Messekalender.
„Mit dem neuen Termin vergrößern wir den zeitlichen Abstand zu den international etablierten Messen in Genf und
Peking. Auf der Auto Mobil International wird es so deutlich mehr Welt- und Europapremieren geben. Eine solche positive Entwicklung war mit dem bisherigen Termin im April nur schwer vereinbar“, sagt Martin Buhl-Wagner, Sprecher
der Geschäftsführung der Leipziger Messe. „Die Entscheidung wurde in Übereinstimmung mit den deutschen und
internationalen PKW-Herstellern getroffen. Viele Hersteller treten offensiv für eine internationale Premierenmesse
in Leipzig ein.“
Volker Lange, Beiratsvorsitzender der AMI und Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller
(VDIK): „Als ideeller Träger der Auto Mobil International freue ich mich, dass es in großer Geschlossenheit aller
Aussteller gelungen ist, den Schritt in den Zweijahresrhythmus ab 2012 zu gehen. Der Termin jeweils in der ersten
Junihälfte kommt allen Ausstellern der AMI entgegen. Die Leipziger Messe und der VDIK können schon jetzt zahlreiche Zusagen namhafter PKW-Hersteller zur Teilnahme 2012 bestätigen. Die einzige große deutsche Automobilausstellung in den geraden Jahren wird für Besucher und die Medien noch stärker an Attraktivität gewinnen.“
Auch die AMITEC – Fachmesse für Fahrzeugteile, Werkstatt und Service – und die AMICOM – Branchenmesse für
Unterhaltungs-, Kommunikations- und Navigationstechnik im Fahrzeug – finden 2012 statt. „Gemeinsam und sehr
sorgfältig wurden die Interessen der Branchenpartner und Aussteller der AMICOM, um diese Messe im Frühjahr
-F.S.optimal in Leipzig einzuordnen, analysiert“, so Martin Buhl-Wagner.
72 EUROJournal
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auto-mobil
Eine einzigartige Sammlung der
legendären Rennstrecken mit
höchster Detailtreue und eine
Originalgetreues Motorsporterlebnis mit Toyota auf der Nordschleife und in Le Mans
Vielzahl neuer Fahrzeuge machen das Fahrerlebnis mit dem
Fahrsimulator der Toyota Motorsport GmbH (TMG) jetzt
noch realistischer. Dem Simulator, einem der fortschrittDer hochauflösende 220-Grad-Monitor vermittelt jeden einlichsten Geräte in der Branche überhaupt, wurden jetzt zelnen Aspekt der legendären Rennstrecken einschließlich
originalgetreue Reproduktionen des 13,6 Kilometer langen
der exakten Winkel der Streckenbegrenzungen und der
Circuit de la Sarthe in Le Mans sowie der 20 Kilometer
Oberflächenbeschaffenheit sowie anderer Faktoren wie
langen Nordschleife des Nürburgrings hinzugefügt. Eben- Bandenwerbung und Umgebung. Dank Hardware-in-thefalls neu sind der Grand-Prix-Kurs in Hockenheim und die
Loop-Technologie bietet der TMG-Fahrsimulator den FahFormel-1-Strecke von Singapur.
rern die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten in realistischer UmDiese erweiterte Streckensammlung bietet nun nicht nur
gebung zu verbessern. Dies erfolgt so präzise, dass die
den Toyota-Kunden, sondern auch den Rennfahrern und InIngenieure beispielsweise verschiedene Fahrzeug-Setups
genieuren eine hervorragende Möglichkeit, anspruchsvolle
testen und dabei die Eindrücke der Fahrer sammeln und
Strecken wie die Nordschleife unter sicheren und jederzeit
auswerten können. Über das integrierte Reifenmodell mit
reproduzierbaren Bedingungen zu befahren oder Erfahthermischen Effekten lassen sich zudem die Auswirkungen
rungen auf Strecken wie dem Le-Mans-Kurs zu sammeln,
verschiedener Setups auf die Reifen überprüfen.
wo privates Testen nicht möglich ist.
Zur Komplettierung des Fahrerlebnisses verfügt der TMGDer Simulator wurde ursprünglich exklusiv für das Toyota Simulator über eine vollständige Karosserie, die wahlweise
Formel 1 Team entwickelt und in der Folge sukzessive ak- in Form eines offenen Formel-Rennwagens oder mit getualisiert sowie um neue Funktionen erweitert. Heute bietet
schlossenem Cockpit zur Verfügung steht. Sie ist auf einer
der Simulator vier eigenständige virtuelle Fahrzeugmodi,
elektrohydraulischen beweglichen Plattform befestigt.
um das Fahrverhalten von Fahrzeugen der Rennserien
TMG bietet den Motorsportbegeisterten individuell zugeFormel 1, GP2, Super GT und Le Mans wirklichkeitsgeschnittene Nutzungspakete mit zahlreichen zusätzlichen
treu abzubilden. Die Rennstrecken wurden mit präziser Optionen. Dazu zählen etwa die Unterstützung durch einen
Lasertechnologie vermessen, was eine extreme OberfläRenningenieur und eine vollständige Datenauswertung. chengenauigkeit mit durchschnittlichen Abweichungen von Von Dirk Breuer
0,2 Millimetern und Höhenabweichungen von weniger als
einem Millimeter erlaubt.
Legendäre Rennstrecken im Fahrsimulator
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EUROJournal 73
just before print
Der Weg vom „Lehrling zum Meister“
dauert 2 Jahre und 5 Monate
196 Beamtinnen und Beamte haben ihre Polizeiausbildung bei der IV. Bereitschaftspolizeiabteilung in
Nürnberg aufgenommen
Nach einer längeren Pause kehrte die Polizeiausbildung
nach Nürnberg in die Kornburger Straße, Sitz der IV. Abteilung der Bayerischen Bereitschaftspolizei, zurück. Die
erhöhten Einstellungszahlen bei der bayerischen Polizei machten die Wiederaufnahme der Polizeiausbildung
notwendig. Neben Angehörigen der Bayerischen Bereitschaftspolizei sind auch Kräfte der Landespolizei im Ausbildungspersonal tätig. Die anspruchsvolle Ausbildung
Symbolische Übergabe: Der Leitende Polizeidirektor Werner Süßmann (li) übergibt mit dem bayerischen Innenminister Joachim
Hermann (re) dem Vater des Verunglückten (li-Mitte) Dietmar Würz
und dem Schwiegervater Adolf Saam (re-Mitte) einen Betrag des
Freundeskreis in Höhe von 5.000,00 €.
Foto: Erich Zwick
umfaßt eine praxisnahe Theorie, die
den heutigen Anforderungen an den
Polizeivollzugsdienst standhält. Der
umfangreiche Rechtsunterricht, das
Straf- und Straßenverkehrsrecht, psychologische Kenntnisse, sowie Verhaltensregeln bei Konfliktsituationen
und verbale Deeskalation gehören
zu den Lehrinhalten genauso, wie die
Selbstverteidigung und die Beherrschung von Polizeifahrzeugen auch
unter extremen Einsatzbedingungen.
Die 49 Polizeibeamtinnen und 147
Polizeibeamten sind zwischen 17 und
34 Jahre alt und verfügen mehrheitMit Interesse lauschen die neuen 196 Beamtinnen und Beamten des 30. Ausbildungssemilich über das Abitur. Außer den übernars der Nürnberger IV. Bereitschaftspolizeiabteilung den Begrüßungsworten ihres Chefs,
dem Ltd. Polizeidirektor Werner Süßmann, der sie als angehende „Freunde & Helfer“ in den
wiegend aus der fränkischen Region
nächsten zweieinhalb Jahren mit Rat und Tat begleiten wird, bevor der Seminarleiter Erster
stammenden Berufsanfängern komPolizeihauptkommissar Johann Schlackl sie am ersten Arbeitstag in medias res führte.
men zwei „Polizeilehrlinge“ aus BaFoto: Michael Schwarz-FoViZ BePo
den-Württemberg, zwei aus Hessen,
zwei aus Nordrhein-Westfalen und einer aus SachsenAnhalt. Im übrigen haben in Bayern Anfang September
insgesamt 680 junge Beamtinnen und Beamte ihren ersten
Arbeitstag bei der bayerischen Polizei erlebt. Neben dem
30. Ausbildungsseminar in Nürnberg laufen auch Ausbildungsseminare in Eichstätt, Königsbrunn und SulzbachRosenberg, die den Polizeinachwuchs auf seinen nicht
immer leichten Dienst für den Bürger gründlich vorbereiten.
Die Neuen bekamen sogar einen verbalen „Ritterschlag“
von ihrem obersten Dienstherrn, den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann bei einem Empfang auf der Nürnberger Kaiserburg. Die feierliche Atmosphäre und das exklusive Ambiente bildete zugleich einen würdigen Rahmen
für die Übergabe eines Schecks des Freundeskreises der
IV. BPA Nürnberg an die Familienangehörigen eines tödlich
verunglückten Polizeibeamten.
-pv100 Jahre Tradition www.pema.de
Lust auf Vollkorn
74 EUROJournal
4/2011
just before print
Tschechische Polizisten bilden sich in Bayern fort und bayerische Beamte lernen in der Tschechischen Republik
Řidičský a technický průkaz prosím
Führerschein und Fahrzeugschein bitte
Dieser Satz ist im allgemeinen dem autofahrenden Volk
bestens vertraut. Denn eine Fahrzeugkontrolle ist weder im
tschechischen Nachbarland noch auf den Straßen Bayerns
etwas ungewöhnliches. Das einzige, was im obigen Satz
fehlt, sind nur die Zauberworte, die bei einer guten Erziehung schon den kleinsten Kindern beigebracht werden:
Dobrý den – guten Tag oder einfach, wie in Bayern üblich,
grüß Gott. Aber das verstehen die Nachbarn inzwischen
auch.
Nun auch diese ‚Benimm-Lücke’ wird bald der Vergangenheit angehören, wenn die ersten
tschechischen und bayerischen
Ordnungshüter ohne größere
Verständigungsprobleme jeweils
in der Muttersprache des Fahrzeuglenkers bei einer Fahrzeugkontrolle die notwendigen Unterlagen verlangen werden. Dann
gibt es nämlich seitens des Fahrers keine obligatorische Ausrede
mehr: já nerozumím – ich verstehe nicht.
Auch für die bayerische Polizei eröffnet die Kooperationsvereinbarung neue Möglichkeiten: Zukünftig können im
tschechischen Holešov, an der dortigen Polizeischule, bayerische Polizisten Kurse für Tschechisch belegen. „Die
bayerisch-tschechische Zusammenarbeit ist uns ein ganz
zentrales Anliegen und von hoher Bedeutung für die bayerische Polizei“, so der Präsident der Bayerischen Bereitschaftspolizei Wolfgang Sommer. Sein tschechischer Kollege Oberst Jan Dvořák zeigte sich hochzufrieden mit der
Vereinbarung, die den tschechischen Polizisten in Zukunft
ermöglicht nicht nur an dem vielfältigen Seminar-Angebot
Denn Anfang Dezember wurde
eine bayerisch-tschechische Polizeikooperation im Bereich der
Aus- und Fortbildung
zwischen dem Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei in
Ainring und der tschechischen
Polizeihochschule des Innenmi- Die Polizeichefs (v.l.) Oberst Vladimír Rohal, Polizeipräsident Wolfgang Sommer,
nisteriums in Holešov (liegt in der Oberst Jan Dvořák und Polizeivizepräsident Gerhard Kallert bei der Vertragsunterzeichnung. Foto: BePo/Bamberg
Nähe von Kroměříš/Kremsier)
im Präsidium der Bayerischen
Bereitschaftspolizei in Bamberg vom Direktor der tsche- der bayerischen Polizei teilzunehmen, sondern sich auch
chischen Polizeischule Oberst Jan Dvořák und dem Prä- mit den Tücken der Tagesrealität im Vollzug vertraut zu masidenten der Bayerischen Bereitschaftspolizei Wolfgang
chen. Damit werde die bewährte Zusammenarbeit ausgeSommer in einem feierlichen Rahmen unterschrieben. Zu- baut, die letztendlich den Bürgern in beiden Ländern dienkünftig können tschechische Polizisten an Seminaren teillich sein wird.
nehmen und so ihre Fach- und vor allem Sprachkenntnisse
erweitern. Den tschechischen Polizeikräften stehen über Es ist nach den gemeinsamen Streifen in den Bereichen
200 verschiedene Fortbildungsangebote der bayerischen
der Landesgrenzen oder den Möglichkeiten, die das gePolizei zur Auswahl – eine ganz neue Qualität der Zusammeinsame Zentrum der deutsch-tschechischen Polizeimenarbeit zwischen beiden Ländern. Außerdem können und Zollzusammenarbeit in Schwandorf bieten, ein neuer
tschechische Polizisten ihre Deutschkenntnisse in Bayern
und wichtiger Baustein auf dem Weg der nachhaltigen Verz. B. bei Sprachhospitationen bei der Bereitschaftspolizei
besserung der Qualität in der Zusammenarbeit der beiden
in Sulzbach-Rosenberg verbessern.
Nachbarländer.
-pv-
4/2011
EUROJournal 75
Jean-Claude Trichets Europa
Das sich die Brüsseler Entscheidungen des Europäischen
Rates vom Oktober 2011 gegen die ständigen Hiobsbotschaften, was die gemeinsame europäische Währung –
den Euro – betrifft versuchen, zu stemmen, ist durchaus
nachvollziehbar. Letztendlich geht es um etwas mehr als
„nur“ um ein Zahlungsmittel, das sich seit längerem in großer Bedrängnis befindet. In diesem Falle handelt es sich
um ein wichtiges Zeichen der europäischen Gemeinsamkeit. Ob und wie es tatsächlich gelingt, den EURO zu stabilisieren, bleibt abzuwarten. „Werden wir leben, werden wir
sehen!“, wie die Franzosen sagen.
In dieser Situation mag es angebracht sein, zu erfahren,
was der Franzose Jean-Claude Trichet, inzwischen ExPräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt
a. M., also der oberste Währungshüter des Euro, zur Krise
des Euro und zur Zukunft der EU zu sagen hat. Er hat sich
während seiner achtjährigen Präsidentschaft mit öffentlichen Stellungnahmen zu politischen Fragen, wie es seine
Pflicht als Bankchef ist und vielleicht auch seinem Naturell
entspricht, weitgehend zurückgehalten. Es scheint mir, daß
er nunmehr, am Ende seiner Karriere, aus seinem Herzen
keine Mördergrube gemacht sondern ausgeplaudert hat,
was ihn lange Zeit beschäftigte. Was hat er zum Thema
„Heute und in der Zukunft – Eine Vision für Europa“ am 24.
Oktober 2011 in englischer Sprache im überfüllten Konferenzsaal der Humboldt-Universität zu Berlin anzumerken
gehabt?
76 EUROJournal
Zur gegenwärtigen Lage Europas
Eingangs erinnerte Trichet daran, der gastgebenden Hochschule für die Einladung dankend, daß es dem Gründer
der Universität, Wilhelm von Humboldt, darum zu tun gewesen sei, die politischen Bedingungen dafür zu schaffen,
daß das Individuum sich frei entfalten könne, und alles
wegzuräumen, was dem Wohlergehen der Allgemeinheit
entgegenstehen würde. Um ein vergleichbares Problem,
so meinte er, gehe es auch jetzt in Europa, nämlich um
die Dialektik zwischen den individuellen Mitgliedstaaten
und der Gemeinschaft als solcher. Es gelte, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß die Gemeinschaft blühe und
gedeihe, auf daß es den Mitgliedern gut gehe.
Dafür seien seiner Ansicht nach drei Bedingungen zu erfüllen, an denen es ihm zufolge zum Teil noch mangeln
würde: Erstens müsse Europa seine wirtschaftlichen Kräfte
vereinen, um in der globalen Welt von heute eine eigene
Rolle zu spielen und nicht zum Spielball anderer zu werden. Zweitens seien dazu die entsprechenden Institutionen
und Regeln erforderlich, um die Kräfte zu bündeln und positive, nicht negative Effekte zu erzielen. Und drittens wäre
es geboten, eine europäische Öffentlichkeit zu schaffen;
denn das Wissen von und das Mitgefühl mit anderen Völkern zu wecken, sei nur möglich, wenn die Sprachbarriere
durchbrochen und die Kommunikation über die Staatsgren-
4/2011
just before print
zen hinweg erfolgen würde.
Trichet erklärte, daß er im Laufe seiner achtjährigen Dienstzeit in Frankfurt am Main eine große Bewunderung für
Deutschland und das deutsche Volk, insbesondere für die
deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik, entwickelt habe. In
geradezu bravouröser Weise habe Deutschland sich vom
„kranken Mann in Europa“, als der es im Jahre 2003 allgemein gegolten habe, zum „starken Mann in Europa“ emporgearbeitet. Es habe in den 50 Jahren der Nachkriegszeit
einen einmaligen Rekord im Niedrighalten der Inflation aufgestellt, und er sei froh, daß die Bundesrepublik seit 1999,
also dem Beginn des Euro, mit einer Inflationsrate von 1,57
Prozent wiederum einen Rekord eingestellt habe.
Die derzeitige Euro-Krise
Die gegenwärtige Euro-Krise hat Trichet als die „schwerste
Wirtschafts- und Finanzkrise nach dem Zweiten Weltkrieg“
bezeichnet. Dabei gehe es nicht um Prinzipien. Die wären,
jedenfalls was die EZB angeht, stets die gleichen geblieben, nämlich Stabilität, Verantwortlichkeit und Unabhängigkeit. Fehler seien allerdings in der Politik einer ganzen
Reihe von Euro-Staaten begangen worden. Es würde Jahre
dauern, bis sie wieder beseitigt sein werden. Auf die Reaktion der Finanzmärkte sei man überhaupt nicht vorbereitet
gewesen, hätte nicht gewußt, wie sie zu beschwichtigen
wären. Man habe in der Tat viel Zeit benötigt, um die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, durch welche die
Märkte zu beruhigen und Spekulationen zu unterbinden
seien. Das scheine ja jetzt mit Erfolg geschehen zu sein.
Was die EZB betrifft, so wäre es ihr Auftrag gewesen, die
Preisstabilität mittels der Zinspolitik zu bewahren und auf
diese Weise sowohl Inflation wie Deflation zu vermeiden.
Aber um eine effektive Zinspolitik zu betreiben, sei es notwendig gewesen, daß die EZB auch zu unkonventionellen
Mitteln gegriffen habe.
In diesem Zusammenhang ist Trichet auch darauf zu sprechen gekommen, was der EZB vielfach als Mißgriff, wenn
nicht gar als Verstoß gegen ihre eigenen Regeln angekreidet worden ist, der Kauf von Staatsanleihen. Er hat behauptet, daß dies notwendig gewesen sei, um in Ermangelung gemeinschaftlicher Unterstützung die Liquidität einiger
Staaten, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten waren, zu
gewährleisten. Er hat beteuert, daß dadurch keinerlei inflationäre Wirkungen eingetreten seien. Und er hat versichert,
daß die vermehrte Liquidität derzeit „Euro für Euro und Woche für Woche“ wieder zurückgefahren werde. Das heißt für
ihn, daß alle von der EZB erfolgten Entscheidungen im Einklang mit ihrem Auftrag gestanden haben, die Preisstabilität
in der Euro-Zone zu erhalten.
Besonders stolz ist Trichet darauf, daß der luxemburgische
Ministerpräsident Jean Claude Juncker, der gleichzeitig der
Vorsitzende der Euro-Gruppe ist, bei der Verabschiedung
aus seinem Amte als Präsident der EZB erklärt hat, daß die
4/2011
EZB in den letzten acht Jahren in „völliger Unabhängigkeit“
von allen politischen Instanzen gehandelt habe.
Trichets Vision der Zukunft
Was die Zukunft der EU betrifft, so gebe es heute nach Trichet, zusätzlich zu den Argumenten, die unmittelbar nach
1945 für eine „immer engere Union“ gesprochen haben,
noch weitere, so etwa die globale Wirtschaftsentwicklung,
in der die europäischen Staaten nur dann zählen würden,
wenn sie als Einheit auftreten. Aber auch Fragen der Klimaund der Immigrantenpolitik würden sich nur gemeinsam lösen lassen.
Die EU wird von Trichet als eine Wirtschafts- und Währungsunion von einer noch nicht dagewesenen Vereinigung
souveräner Staaten apostrophiert. Er sagt von ihr: „So wie
die Individuen in einer Gesellschaft, so sind auch die Staaten der Euro-Zone sowohl unabhängig wie voneinander
abhängig. Sie können sich positiv wie negativ beeinflussen.
. . . Es gibt in der heutigen Welt sehr verschiedene Staaten
mit föderalen und konföderalen Verfassungen. Um nur einige von ihnen zu nennen, etwa die Vereinigten Staaten von
Amerika, die Bundesrepublik Deutschland und die Schweizer Konföderation. Die Europäische Union ist einzigartig in
ihrer Entstehung, in ihrer gegenwärtigen Verfaßtheit und im
Hinblick auf ihre Zukunft. Sie erfindet sich selbst.“
Es ist im Rahmen seiner Erwägungen über die Zukunft
der EU, daß Trichet mit einer Überraschung aufwartet, die
in den Medien, soweit ich sehe, noch kein Echo gefunden
hat. Er sagt: „Es erscheint mir keineswegs zu kühn zu sein,
von einem europäischen Finanzministerium zu sprechen.
Wohl aber tollkühn, die Schaffung einer solchen Institution
nicht zu erwägen.“ Er hat insonderheit an drei Funktionen
gedacht, die eine solche Institution wahrzunehmen hätte:
Erstens, die Aufsicht über die Finanzpolitik der Mitgliedstaaten;
zweitens, die Durchführung sämtlicher EU-Finanztransaktionen; und drittens, die Vertretung der Euro-Zone in allen
internationalen Gremien.
Aber damit noch nicht genug. Als persönliche Anmerkungen „eines europäischen Bürgers“ hat er dem doch
tatsächlich noch hinzugefügt: Er könne sich gut vorstellen,
daß „aus dem Europäischen Rat ein Senat der Union, aus
dem Europäischen Parlament eine Art Unterhaus, aus der
Europäischen Kommission eine Exekutive der Union und
aus dem Europäischen Gerichtshof eine oberste Gerichtsbarkeit hervorgehen könnte. – Seine Rede endet damit,
daß er sich auf das berufen hat, was Konrad Adenauer vor
57 Jahren, 1954, in Aachen gesagt hat:
Gerade jetzt wird man die Mahnung verstehen, daß Europa
uns heute Schicksalsgemeinschaft ist. Dieses Schicksal zu
gestalten, ist uns übergeben.
Von unserem Kollegiumsmitglied
Prof. Dr. Helmut Wagner
EUROJournal 77
just before print
Jean-Claude Trichet’s Europe
On the current Euro crisis
The Euro is in big trouble, and we will have to wait and see
if the decisions of October in Brussels will have a stabilising
effect.
At this stage it is worth recalling what the outgoing president of the ECB, Jean-Claude Trichet had to say about this
and the future of the EU during his farewell speech in Berlin,
where without the shackles of the past 8 years of diplomacy, he spoke his mind.
On the current situation in Europe
The ECB has always been an advocate of stability, responsibility and independence. Mistakes leading to the current
crisis have been made by politics in various Euro States,
and it will take years to correct the situation. No-one was
prepared for the reaction of the financial markets, hence
much time was needed to apply appropriate measures to
calm the markets and suppress the speculators. This now
seems to have been managed with success. As far as the
ECB was concerned, its chief responsibility was to maintain
price stability through its interest rate policy and thus
maintain a grip on inflation and deflation. But in so doing
it was also necessary to resort to unconventional means.
Trichet then went on to talk about the ECB’s buying up of
government bonds which was seen as a mistake, or even a
contravention of its mandate, claiming that this was necessary in order to safeguard the liquidity of some States which
had cash flow problems. This did not have an inflationary
effect, and the current modus of “Euro for Euro and week
for week“ would be reduced. In other words: the ECB has
fulfilled its mandate – to ensure price stability in the Euro
zone.
Trichet’s Vision for the future
To make the Community prosper, it is necessary to fulfil
three conditions: first of all, Europe needs to unite her economic strength in order to play her role in the world and not
to be a pawn of others. Secondly, appropriate institutions
and rules are necessary in order to accomplish this positive effect. Thirdly, a European Public is needed, for more
understanding can only be achieved when linguistic barriers are overcome and communication goes beyond state
borders.
Trichet went on to say that he was full of admiration for Germany after eight years in Frankfurt, particularly the country’s
economic and financial policy which had been transformed
from the “sick man of Europe“ in 2003 to the “strong man
in Europe“.
78 EUROJournal
As for the future, Trichet emphasised the need for Europe
performing as one unit, but not just in matters such as economic development, but also climate and immigration policy, issues which can only be solved together. He sees the
EU as an economic and monetary union of sovereign states
which are not unified, and which he compares to individuals
in a society: Euro states are equally dependent and independent from one another, and can exert both positive and
negative influence. There are various states in the world
today which have a federal or a confederate system, such
as the USA or the Federal Republic of Germany, and the
Swiss confederation. The EU is singular in its incarnation,
constitution and views on the future. It will re-invent itself.
At this point, Trichet, comes up with a surprise, which, as far
as I know, received no resonance in the media: he finds it
by no means foolhardy to speak of a European Finance Ministry. Possibly a reckless thing to say, but in his view there
would be three components:
Firstly, supervision of the member state financial policy;
Secondly, the introduction of uniform EU financial transactions
Thirdly, the representation of the Euro zone in all international bodies.
Translatet by our Member Richard Kaptejna
4/2011
magazin
Zuhause ist wo du Freunde hast
Democracy when translated in a more literal sense
does not mean an abstract rule of the people but rather „home advantage“. The more people are permitted
to the process to gain this advantage the harder it is to
achieve and the smaller get the shares one gets. But
since it is not possible that everyone sees the games
in the stadium there now is TV to convey the illusion of
being part of it. The ultimate home advantage will be
home cinema. All you need are 3D glasses and all to
soon not even those …
Massendemonstrationen in zahlreichen maghrebinischen
und arabischen Staaten haben zu Jahresbeginn eine Reihe von autokratischen Regimen in Bedrängnis gebracht,
die bislang auch mit der EU und ihren Mitgliedern gut
auskamen. Schnell und zahlreich waren trotzdem die Vergleiche zu den „revolutionären Umstürzen“ im Ostblock im
„Wendejahr“ 1989, die damals wie heute ein Land nach
dem anderen erfaßten. Wo manche aber einen wachsenden Einfluß des islamischen Fundamentalismus kommen
sehen, sprechen andere von einer arabischen Demokratiebewegung, freilich ohne zu klären, ob es dabei überhaupt
einen Unterschied gibt. Eine einheitliche Definition was
Demokratie bedeutet oder zu leisten vermag, gibt es nicht.
Zeit also sich mit grundlegenden Definitionen, Ansprüchen
und Wirklichkeiten zu befassen.
Demokratie wird meist ungenau als „Herrschaft des Volkes“
übersetzt. Das griechische demos freilich ist zunächst das
„Dorf“, dann abgeleitet die „Dorfgemeinschaft“, und erst in
der Neuzeit abstrakt „das Volk“; während kratos schlicht
„Gewalt“ heißt, dann geglättet „Kraft“, „Stärke“ oder „Einfluß“,
jedoch nie „Herrschaft“ im Sinne einer „Regierung“. Die treffende Übersetzung der ursprünglichen Wortbedeutung(en)
wäre demgemäß also in etwa „Heimvorteil“. Es kann demnach kaum verwundern, daß in verschiedenen Teilen der
Welt dieser Vorteil immer schon recht unterschiedlich
ausgelegt wurde. Die antiken Vorlagen einer „Polis“, den
humanistischen Ideen des 16. Jahrhunderts verblüffend
ähnlich, sahen vor, daß prinzipiell nur Männer an den
Volksversammlungen teilnehmen durften. Frauen hatten in
der griechisch-römischen Antike einen vorsichtig formuliert
„geringen“ Stellenwert. Sie hatten nicht mal eigene Namen
sondern wurden nach dem Namen des Vaters nummeriert.
Die dritte Tochter eines Julius hieß sodann „Julia terzia“, die
zweite Tochter des Marius entsprechend „Maria secunda“.
Frauen galten allgemein als unfähig, sich eine ernst zu
nehmende eigene Meinung zu bilden oder gar für die Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen. Das mag heute
empören, belustigen oder verwundern, war aber ebenso
selbstverständlich und widerspruchslos wie heutzutage die
– übrigens fast identische – Argumentation in Bezug auf
4/2011
Kinder ist: Unreife, leicht zu manipulieren, usw. Wenn heute
also jemand „Wahlrecht für Kinder“ fordert, meint er in der
Regel nicht, daß Kinder selbst wählen, sondern daß die
Eltern mehr Stimmen bekommen.
„Genießt was Euch beschieden ist …“
Die generelle Nichtberücksichtigung von Frauen ging damit einher, daß auch der überwiegende Teil der Männer
nicht wählbar oder wahlberechtigt waren. Es gab Abstufungen, etwa nach Vermögensklassen, wie man sie auch
in der Renaissance und im Ständewahlrecht der frühen
Neuzeit findet. Ein wählbarer Vollbürger war ein „Aristo“
(wörtlich „der Beste“), ein Adeliger oder Patrizier, wie wir
heute sagen würden. Nur aus ihrem Kreis konnten politische Entscheidungsträger, Richter, usw. gewählt werden.
In ländlichen Teilen der islamischen Welt entspricht diese
Stellung in etwa den sog. Clan-Chefs oder Stammesfürsten, die ebenfalls aus dem Kreis der in Frage kommenden
Stammeszweige gewählt werden. Wie im mittelalterlichen
Europa konnten nur Hausbesitzer das volle Bürgerrecht erhalten, was dort, wenn darunter einige Juden waren, öfter
den Neid mehrheitlich hausloser Christen hervorrief. Unter
den Hausbesitzern angesiedelt waren Ladenbesitzer, gefolgt von kleineren Handelsreisenden oder Handwerkern
(der sog. „Mittelstand“). Aus ihren beiden Gruppen konnten,
so sie die Billigung eines „Besten“ fanden, sogar Beamte
für den Gemeindedienst gewählt werden – übrigens per
Los, was möglicherwiese heute mancherorts immer noch
so der Fall zu sein scheint. Schließlich gab es noch die
größere Gruppe der thes, der grundbesitzlosen Tagelöhner
(„Leiharbeiter“), die bei den vorher genannten Gruppen
rein nach Auftragslage beschäftigt wurden. Sie besaßen
nur ein passives Wahlrecht, durften aber bei den Versammlungen ohne eigenes Rederecht zuhören. Neben seltenen
Fremden und häufigeren Gefangenen gab es noch die nicht
geringe Gruppe der sog. „Sklaven“. Das griechische Wort
dúlos meint jedoch einen zugehörigen Gehilfen, im heutigen Sprachgebrauch wäre das ein „abhängig Beschäftigter“. Männer dieses Standes waren von der Demokratie
gänzlich ausgeschlossen und genossen sozusagen keinen
„Heimvorteil“. Obwohl die griechisch-römische Antike wie
die Renaissance dank der Kulturwerke ihrer „Besten“ auch
heute in hohem Ansehen stehen, ist der moderne „Staatsbürger“ dann doch eher geneigt, diese eher unlauter wirkenden Arrangements für längst veraltet und überwunden
ad acta zu legen. Freilich bestimmte die eine oder andere
Form eines Zensus- oder Klassenwahlrechts selbst auf der
Basis der liberalen „Märzforderungen“ von 1848 noch bis
ins 20. Jahrhundert hinein die politische Wirklichkeit in Europa.
EUROJournal 79
magazin
Von 1850 bis 1918 galt etwa in Preußen das sog. Dreiklassenwahlrecht, bei dem nun alle einheimischen Männer ab
24 Jahren wählen durften. Sie mußten jedoch einen sechsmonatigen geregelten Aufenthalt nachweisen und durften
weder Wehrpflichtige noch verurteilte Straftäter sein. Erfüllten sie diese Kriterien, hing ihr persönliches Stimmengewicht von ihrer im Vorjahr erbrachten Steuerleistung ab.
Dies unterteilte die Wählerschaft entsprechend in drei „Abteilungen“. Der ersten gehörten vier Prozent an, der mittleren
dreizehn und der unteren Abteilung entsprachen 83 Prozent
der Wähler. In der Praxis bedeutete dies mitunter, daß in der
Stadt Essen, der auf der reinen Steuerleistung basierende
Stimmanteil des Industriellen Alfred Krupp praktisch für ein
Drittel der Abgeordneten des Stadtrats reichte. Diese waren
sodann freilich nicht frei gewählte, sondern von ihm bestellte Bedienstete. Ganz selbstverständlich konnte Krupp damals seinen Arbeitern sagen: „Genießt, was euch beschieden ist. Höhere Politik treiben erfordert mehr freie Zeit und
Einblick in die Verhältnisse, als dem Arbeiter verliehen ist.“
„One man – one vote“ als Slogan für Besitzlose
Der erste Schritt hin zu einem modernen, einkommensunabhängigen Verständnis eines Wahlrechts erfolgte in den
USA, wo ab 1830 gemäß dem „one man – one vote“-Slogan das Wahlrecht für besitzlose Männer eingeführt wurde.
Eine Regelung, die mit der sich immer weiter nach Westen
ausdehnenden Besiedlung des Landes unmittelbar zusammenhängt und Anreize schaffen sollte, entsprechendes
Bodenpersonal für die zu schaffende Infrastruktur anzulokken. Was nutzte dem frischen Landbesitzer sonst auch ein
noch so großes Grundstück, wenn er damit allein war oder
nur wilde „Rothäute“ um sich hatte, die wenig Ambitionen
zeigten, „abhängig Beschäftigte“ zugewanderter Nordeuropäer zu werden. Der Gedanke, allen Männern ein gleichstimmiges Wahlrecht einzuräumen, machte freilich Furore
und wurde auch in anderen Teilen der Welt zur Kenntnis
genommen. Ab 1871 galt es beispielsweise für die Wahlen
des Reichstags in Deutschland – was konträr zu den Klassenwahlrechten in den Einzelstaaten zu merkwürdigen Unterschieden führte. Sozialdemokraten etwa, die im Reichstag stark vertreten waren, existierten abseits davon in kaum
einem Stadtrat.
Von der Idee, jedem Mann ein gleiches Stimmrecht einzuräumen, war es nicht weit, dies auch auf Frauen auszudehnen. Schon die Antike kennt einige Beispiele von Frauen
- die zu nicht-religiösen Vorständen jüdischer Synagogen
gewählt wurden. Die Synagoge, griechisch für „Versammlung“ umfaßte alle gebotspflichtigen Männer, Frauen und
Heranwachsende ab einem Alter von 13 Jahren. Der Vorstand entsprach einer Art Gerusia , also einem Ältestenrat,
für die es bereits im mosaischen Gesetz Entsprechungen
gibt. Vorsitzende der Synagoge-Gemeinde hatten keine
religiösen aber politische und finanzielle Aufgaben und
Kompetenzen. Sie sind in Inschriften als „Archonten“ oder
„Roschim“ überliefert und entsprechen etwa einem Bürger-
80 EUROJournal
meister späterer Zeiten.
Das erste amtliche Frauenwahlrecht gab es von 1776 bis
1806 im amerikanischen Bundesstaat New Jersey. Es betraf freilich nur vermögende ledige oder verwitwete Frauen,
für eheliche Frauen war – wie bereits im Mittelalter – der
Gatte zuständig. Es hielt sich jedoch nicht lange, weil es
zu zahlreichen Wahlfälschungen kam. 1869 folgte der Staat
Wyoming, der das Frauenwahlrecht beibehielt. Der erste
souveräne Staat der Welt, der Frauen gleichberechtigt an
Wahlen teilnehmen ließ, war im Jahre 1893 Neuseeland.
Selbst wählbar wurden sie aber freilich erst 1919, zu einer
Zeit als in vielen Teilen Europas und der restlichen Welt
das heutige moderne demokratische Wahlrecht eingeführt
wurde. Es gilt uns als Nonplusultra und als so selbstverständlich, daß wir den Eindruck haben, wir hatten es immer
schon. Dem ist freilich nicht so. Wie berechtigt sind angesichts der recht kurzen eigenen Praxis, die in einigen Mitgliedsstaaten der EU gerade zwei Jahrzehnte umfaßt, aktuelle Forderungen des Westens an andere Teile der Welt?
Welche Faktoren sind eigentlich dafür verantwortlich, daß
heute alle heimischen erwachsenen Männer und Frauen
den „Heimvorteil“ nutzen sollen?
Keine Herrschaft ohne Herren
Herrschaft setzt zumindest im Deutschen begrifflich einen
Herren voraus, d. h. ein Oberhaupt von Untertanen. Das
mag ein Kaiser, eine Königin, ein Kardinal, Bürgermeister
oder Präsident sein. Jeder Herrscher muß sich zwangsläufig Verbündete suchen, um seine Macht zu stabilisieren,
also mindestens Militär und Polizei. Das antike Ägypten
kannte bereits die Unterteilung in Provinzen und Distrikte
und entsprechende Regionalherrscher. In der Bibel rät Jitro
seinem Schwiegersohn Moses, das israelische Volk ähnlich
zu strukturieren, da Moses unmöglich dazu in der Lage sein
könnte, alle Angelegenheiten des Volkes selbst auch nur
anzuhören. Er sollte deshalb fähige, gottesfürchtige, wahrheitsliebende und unbestechliche Leute auswählen. Diese
sollten für Probleme und Fragen von Tausend oder Hundert
zuständig sein. Jitros Vorschlag definiert sozusagen bereits
einen Wahlkreis wie auch ein diskutables Anforderungsprofil für dessen Vertreter. Freilich sieht er aber sozusagen eine
Art Demokratisierung von oben vor.
Eine Alleinregierung ist aber faktisch nicht möglich, weshalb sich im Laufe der Zeit mit den anwachsenden Interessen und Aufgabengebieten die Anzahl der Teilhabenden
erweitern mußte. Die Reichen im Lande wollten ihren Anteil
der Macht, warum sollten sie auch sonst dem Bischof oder
König folgen, der außer seiner legendenumwobenen Abstammung oder effektlosen Weihe womöglich sonst nicht
viel zu bieten hatte. Auch Päpste und Könige wurden bereits
inmitten ihrer Gremien durch Landesfürsten, bzw. Kardinäle gewählt. Mit dem Wachsen der mittelalterlichen Städte
und dem Einfluß der Handelshäuser war es notwendig,
den Stadtadel, Kaufmannsfamilien und schließlich über die
Zünfte auch herausragende Handwerker an der „Macht“
4/2011
magazin
zu beteiligen. Im Zuge der Kolonialisierung und Industrialisierung ging die politische Teilhabe auch über auf immer
mehr Männer, mit der Massenproduktion schließlich auch
auf die Frauen. Man kann nur raten, ob die Interaktivität
des Internets irgendwann Jugendliche und Kinder den realen „Heimvorteil“ einräumen, den verschiedene virtuelle
Plattformen und „social networks“ ihnen inzwischen längst
gewähren.
Das potentielle Gewicht der eigenen Interessen
Natürlich kann man sich auch fragen, ob die „demokratische Teilhabe“ eines jugendlichen Facebook-Mitglieds
Nennenswertes bewirkt. Man mag etwas oder jemand
oder auch nicht. Wen interessiert es, außer die eigenen
„Freunde“? Man kann virtuelle Zustimmung erhalten zu
seiner Meinung, so man eine eigene hat, oder Ablehnung
erfahren durch andere. Inwieweit sich das mit den vergleichbaren Möglichkeiten etwa eines Baumwollpflückers in
den Südstaaten der USA im späten 19. Jahrhundert oder
mit den einer Patriziergattin im Hochmittelalter vergleichen
läßt, dürfte wohl eine Frage des eigenen Standpunkts sein.
Wahrscheinlich war es immer schon möglich, die eigene
„Meinung“ zu sagen, während die tatsächlichen politischen
Entscheidungen anderswo beschlossen wurden. Inzwischen können (fast) alle volljährigen „Bürger“ an den demokratischen Spielen teilnehmen. Das erweckt zumindest
einen guten Anschein. Den wirklichkeitsnahen Stellenwert
und das potentielle Gewicht der eigenen Interessen realisiert man freilich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß ein
Bundestagsabgeordneter ziemlich genau hunderttausend
Wahlberechtigten entspricht. Würde der Repräsentant mit
jedem Wähler fünf Minuten pro Jahr reden, ergäbe das eine
halbe Million Minuten, über 8000 Stunden oder 347 volle
Tage zu 24 Stunden. Da wären wir schon wieder beim Jitro
der Bibel.
„Man kann es doch nicht allen Recht machen“
Moderne Demokratien haben deshalb verstanden, daß
zum Machterhalt bereits eine „relative Mehrheit“, d. h. die
größte präsente Interessensgruppe genügt. Eine Handhabe, die es auch Regierungsformen ermöglicht, sich als
„demokratisch“ zu definieren, die seitens des Westens eher
als Diktaturen angesehen werden. Dazu bedarf es freilich einiger vermittelnder Gedanken. Einer wäre die recht
ernste Erkenntnis, daß nicht Abstimmungen eine Demokratie ausmachen, sondern Auszählungen. George Bernhard
Shaw bemerkte, Demokratie sei die Wahl einiger weniger
Korrupter durch die inkompetente Mehrheit. Das ist gewiß
ein recht elitärer Standpunkt, doch würde niemand Shaw
für einen Antidemokraten halten. Andererseits war es kein
Geringerer als Thomas Jefferson (1743-1826), längst eine
Ikone von Demokraten in aller Welt, der sagte, Demokratie
garantiere alleine für nichts, da sie unter (unglücklichen)
Umständen nichts anderes darstellt als die „Herrschaft des
4/2011
Pöbels“, in der 51 Prozent des Volkes die Rechte von 49
Prozent nehmen könnten. Ja, könnten, aber zumindest ergibt sich daraus, daß es mehr bedarf als einer Wahl von
Abgeordneten durch das Volk. Relevant ist mitunter auch
die Frage, inwieweit etwaige „Partikularinteressen“ Gehör
finden können oder ob wie in früheren Zeiten ein kleiner
Kreis die Richtung vorgibt. Demokratische Staaten sind
durchaus in der Lage, unter bestimmten Voraussetzungen
auch Fremden einen „Heimvorteil“ zu gönnen: die Autonomie. Sie gilt für Minderheiten in einer Region. Sozusagen
Outsourcing anstelle von Ausgrenzung. Schwieriger wird es
schon mit heimischen Minderheitenrechten. Niemand bestreitet das Recht einer gläubigen Jüdin, nicht am Schabbat
zu arbeiten, aber bei der Jobsuche wird das keine Vorteile
bringen, wenn das Bewerbungsprofil allgemein den christlichen Sonntag als freien Tag vorsieht. Als Behinderter wird
man womöglich leichter einen speziellen Parkplatz finden
können als einen Arbeitsplatz, der die nötigen finanziellen
Mittel für das zugehörige Auto erwirtschaften kann. Der
einzelne Bürger wird natürlich auch nicht um Korrekturen
für einen Gesetzentwurf gefragt, außer er tritt einer (durch)
organisierten Interessenvertretung bei und beugt sich der
jeweiligen Mehrheitsentscheidung, wie man es von „echten
Demokraten“ erwartet.
Freie Wahlen gibt es nicht
Freie Wahlen ohne Regularien und im Vorfeld zu erfüllende
Auflagen gibt es nicht, auch nicht im Westen. Es gibt Voraussetzungen, Beschränkungen und Zulassungsbestimmungen, etwa Unterschriftslisten mit einer Mindestanzahl
von Unterstützern für die Kandidatur eines Abgeordneten
oder einer Parteiliste. Andernfalls könnte ja jeder kandidieren. Wo würde das hinführen? Es reicht völlig, wenn Millionen über Kandidaten abstimmen, die sie – von ein paar
Prominenten abgesehen – namentlich größtenteils auch
nicht kennen. Zu den Kriterien zählt ggf. auch eine Überprüfung, ob eine Kandidatur „verfassungsgemäß“ ist und sich
im Rahmen der geltenden Gesetze und Bestimmungen bewegt und nicht etwa ihre Abschaffung zum Ziel hat. Das mag
vernünftig sein, um zu verhindern, daß „Anti-Demokraten“
nicht auf demokratischen Wege an die Macht kommen, um
hernach die Verfassung außer Kraft zu setzen. Historische
Beispiele dafür sind bekannt, gerade auch in Deutschland.
Das leuchtet ein, aber „frei“ im Wortsinn ist es nicht. Entsprechende Kontrollmechanismen gibt es freilich auch in
anderen Teilen der Welt und auch sie dienen dazu, die
bestehenden „Heimvorteile“ der Herrschenden zu bewahren. Ein gutes Beispiel ist etwa das bevölkerungsreichste
Land, das sich selbst „Schong’hua Renmin Gong‘he Guo“
nennt, wörtlich „Einigkeit des chinesischen Volkes“. Dieser
„Einigkeit“ gehört aktuellen Schätzungen gemäß etwa ein
Fünftel der Menschheit an. Parlamentarisch repräsentiert
wird sie durch die „Vaterländische Volksversammlung“, der
freilich anders als der Name vorgibt nicht 1,3 Milliarden,
sondern nur etwa 2999 Mitglieder angehören. Ein einzel-
EUROJournal 81
magazin
ner chinesischer Abgeordneter repräsentiert demnach rein
rechnerisch 350.000 Wahlberechtigte. Das allgemein „Nationaler Volkskongreß“ genannte Gremium wird alle fünf
Jahre gewählt, versammelt sich aber nur einmal im Jahr
für die Dauer von etwa zwei Wochen. Den Rest des Jahres
übernimmt der vom Kongreß gewählte Staatsrat die Verantwortung und bestimmt seinerseits die Regierung und ihre
Mitglieder. Vielleicht ist es aber auch genau umgekehrt.
Obwohl die Kommunistische Partei auf allen Ebenen vorherrscht, sind immerhin acht weitere Parteien zugelassen
und im chinesischen Parlament vertreten. Im Westen weit
populärer sind freilich einzelne Dissidenten und kleine
Gruppierungen, denen die Teilnahme an den Wahlen untersagt wurde. Dem Vernehmen nach weil ihre Ziele der
geltenden Verfassung widersprechen sollen. Wahrscheinlich ist das auch so. Nicht wesentlich anders sieht es im
gleichfalls kommunistisch geprägten Nord-Korea aus, das
von George W. Bush noch als „Schurken-Staat“ bezeichnet wurde, sich aber bereits mit der Verfassungsreform von
1992 vom bislang bestimmenden Marxismus-Leninismus
formell verabschiedet hatte. Aber wer kann heute noch erklären, was damit eigentlich gemeint war? Die bis dato führende KP hat sich aber längst mit einer Anzahl „religiöser“
A
P
RO
P
O S
Dezember-Schock: Frauen dürfen ausgepeitscht
werden, aber nur ordnungsgemäß!
„Quis custodiet ipsos custodes?” – Wer bewacht die Wächter?
Gerne werden deutsche Justiz und die deutsche Polizei kritisiert. Verteidiger haben sie wenige. Nun kann man sicherlich
auch in Deutschland nicht für jeden Polizisten die Hand ins
Feuer legen – auch diese sind Menschen, wobei dies seitens
gewalttätiger Demonstranten gerne vergessen wird. Mancher
aus diesem Lager denkt noch bewegt an Ulrike Meinhoff und
ihre Abqualifizierung des Polizisten: „Wir sagen natürlich, die
Bullen sind Schweine. Wir sagen, der Typ in Uniform ist ein
Schwein, kein Mensch.“ Insgesamt betrachtet können wir Bürger mit DER Polizei und unserem Rechtsstaat – es ist einer,
allen Unkenrufen zum Trotz – zufrieden sein.
Gegebenenfalls können wir uns noch ein „Es geht uns
schlecht, aber auf hohem Niveau“, eine Aussage, die einst
Manfred Rommel, unvergessener Stuttgarter Oberbürgermeister, traf, leisten. Zuviel jammern sollten wir Bürger nicht, schon
da wir Vergleiche nicht scheuen müssen.
Die Rechtssituation aber ist in gewissen Ländern mehr als
dürftig. Im Moment sorgt ein Video aus dem Sudan zu Recht
für Aufsehen. Handlung ist die Auspeitschung einer verhüllten
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und „sozialdemokratischer“ Parteien zur „Vaterlands-Front“
vereinigt, die seitdem eine Allparteien- oder Einheitsregierung bildet. Konzeptionell erinnert dies ein wenig an die
Schweiz, die gleichfalls von einem Kollektiv, nämlich dem
siebenköpfigen Bundesrat, regiert wird. Diese Regierung
wird vom Parlament, dem Nationalrat für die Dauer von
vier Jahren bestimmt. Da der Nationalrat keine Möglichkeit
zum Mißtrauensvotum hat, kann der Rat hernach vom Parlament praktisch auch nicht mehr abgesetzt werden. Die
eidgenössische „Konkordanz-Demokratie“, die einen Konsens verschiedener Parteien und Gruppen beabsichtigt,
wählt jährlich einen neuen Bundespräsidenten, der jedoch
nur als primus inter pares gilt und gegenüber den anderen
sechs Mitgliedern keine Weisungsbefugnis besitzt. Eine
solche Regelung kommt für das einerseits von wirtschaftlichen Miseren geplagte, andererseits aber traditionell auf
Verehrung seiner Volksführer ausgerichtete Nord-Korea
freilich nicht in Frage. Der ständige Austausch der Statuen
käme viel zu teuer. Das schweizerische Modell ähnelt damit
auch ein wenig dem des Libanon, das die höchsten Staatsämter unter den gesellschaftlich „wichtigsten“ Gruppen und
religiösen Strömungen aufteilt. Weit mehr Aufmerksamkeit erhält die Schweiz international jedoch wegen ihrer
sudanesischen Frau in der Öffentlichkeit durch uniformierte
Polizisten ihres Landes. Der Tatbestand ist noch nicht ganz
geklärt, Hosen soll sie getragen haben, so mehrere Internet
Websites.
Für den sudanesichen Präsidenten Umar al-Baschir ist dies
weder Problem noch Schande, wie im Spiegel zu lesen ist, so
lange „gemäß der Scharia“ ausgepeitscht wird. Verletzten im
Namen des Glaubens. Falls Sie das Video anschauen möchten, seien Sie gewarnt: es sind schockierende Aufnahmen:
http://www.nouvelordremondial.cc/2010/12/18/femme-soudanaise
Ebenfalls schockierend ist, daß sich Europa seiner christlichgriechischen Leitkultur zu schämen scheint. Anders ist es
nicht zu erklären, daß Brüssel über 3 Millionen europäische
Schulkalender drucken ließ, in denen „politisch korrekt“ die
jüdischen, hinduistischen, sikhschen und muslimischen Feiertage aufgeführt sind, aber kein einziger christlicher, wie der
Daily Telegraph berichtete.
Für die Rechte der Menschen, insbesondere der Frauen und
Kinder gibt es international noch genügend zu tun. Ob es unsere Glaubwürdigkeit gegenüber anderen steigert, wenn wir
unsere Wurzeln leugnen, sei dem geneigten Leser überlassen.
Brüssel zum Trotz: Frohe Weihnachten!!!
-bb-
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magazin
Volksabstimmungen. Verfassungsänderungen und Entscheidungen über internationale Verträge sind Gegenstand
eines obligatorischen Referendums. Zusätzlich gibt es fakultative Referenden, die stattfinden, wenn 50.000 Wahlberechtigte oder acht der 22 Kantone ein solches beantragen,
beispielsweise um Minarette für illegal zu erklären oder um
ein völliges Rauchverbot in Gaststätten zu verhindern.
Entscheidend ist, wer den Ton angibt
Diesem Modell entspricht auch ein wenig die heute modischste Form der Demokratie der sog. grass root-Bewegung, auch als „Demokratie von unten“ oder „BasisDemokratie“ geläufig. Sie beabsichtigt hinter nicht immer
transparenten Interessen, die Wählerschaft mittels einer
direkten Abstimmung zu einer Sachfrage in Entscheidungsprozesse einzubinden. Das klingt zeitgemäß und
gleichberechtigt, meint trotz mancher Mißverständnisse
aber nicht, was Aristoteles unter der „Autonomie“ verstand,
nämlich die Selbstgesetzgebung. Und so ist es relativ klar,
daß die politische Richtung zur Formierung einer politisch
relevanten Gruppierung, Interessensgemeinschaft oder
Partei ganz wesentlich davon abhängt, wer die Tonangeber sind, die wirklich tonangebend sind. Im Theater sind es
Souffleure, im TV und Radio Moderatoren und Redakteure,
in Zeitungen die Kolumnisten. In der Discothek ist es der
Disk Jockey, der den Ton angibt, wie der Dirigent im Orchester und in der klassischen Demokratie waren es die
Demagogen („Führer des Volkes“), die dem Volk den guten
Weg aufzeigten.
Nicht die beste, die häufigste Meinung
setzt sich durch
Diese „Volksführer“ haben ihre ursprünglich positiv bewertete Bedeutung freilich längst verloren, und die Bezeichnung ist zum Schimpfwort für jene geworden, die sich
selbst in den Vordergrund stellen. Lediglich „Kinder-Führer“
(Pädagogen) haben noch ein positives Ansehen. Funktional
hat sich freilich nicht viel geändert. Als gute Demokraten
orientieren sich aufgeklärte Bürger heute am Kollektiv, mit
anderen Worten, am „Volkswillen“. Diesen ermittelt die Demoskopie, d. h. die „Volks-Schau“ – oder sollte man es besser als „Überwachung“ übersetzen? Fachleute sind sich einig darüber, daß Fragestellungen, aber auch eine Reihe von
äußeren Faktoren erheblich Einfluß auf die Ergebnisse von
Umfragen nehmen können. Trotzdem wirken medial propagierte Ergebnisse auf die Menge wie Wahrheitsseren, denn
wer aus der Zeitung erfährt, daß 87 Prozent „dafür“ sind,
tut sich wahrscheinlich etwas schwer damit, anderer oder
schlimmer noch womöglich ohne Meinung zu sein.
Das letzte Wort haben die Schiedsrichter
Im Fußball nutzt der beste Heimvorteil nichts, wenn die
Schiedsrichter anders entscheiden. Um das auch in der
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Demokratie zu gewährleisten, werden Staaten im Zweifelsfall von ihren Verfassungsgerichten beherrscht. Sicherheitshalber werden dann aber selbst in den USA, wo man
anders als etwa in Deutschland auch örtliche Polizeichefs
und Richter demokratisch wählen darf, Verfassungsrichter
vom Präsidenten ernannt.
John F. Kennedy, Vorbild und Märtyrer liberaler Demokraten
sagte einst: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann,
sondern frage, was du für dein Land tun kannst.“ Eine Maxime, die genauer betrachtet auch als Leitspruch des „Nationalen Volkskongresses“ in China als eine der fünf edlen
Weisheiten hätte fungieren könnte. Ein anderer US-Präsident, Ronald Reagan, im Umgang mit den Medien nicht
weniger geschickt als Kennedy, hingegen sagte, daß sich
nicht zwangsläufig die beste, fast immer aber die häufigste
Meinung durchsetzt. Genau deshalb aber gibt es Werbung,
Schlagworte und ideologische Phrasen, die dem menschlichen Verlangen nach Wiedererkennung Rechnung tragen.
Interessanterweise beruht die gängige Definition von Intelligenz auch eher auf dem Grad, Zusammenhänge wiederzuerkennen, weniger darauf, Unvorhergesehenes zu bewältigen. Entsprechend schwierig ist, sich auf Neuerungen
einzulassen. Selbst ein Jahrzehnte lang fest im Sattel sitzender ägyptischer Präsident wie Hosni Mubarak mußte
deshalb bitter erfahren, wie verhängnisvoll es sein kann,
nicht ausreichend viele „Facebook-Freunde“ zu haben. Wir
können deshalb aber zumindest vorausahnen, daß der
Wert von Menschen und ihren Interessen künftig immer
stärker vom Grad der öffentlich bekundeten und dokumentierten Zustimmung abhängen wird. Unsere neue Heimat
wird die virtuelle Welt sein und per Mausklick können wir
überall der Mehrheit zustimmen.
Der Heimvorteil der Demokratie definiert sich in jedem
Land anders. Und jede Regierung, von wem auch immer
gewählt, wird die eigenen nationalen Interessen verfolgen.
In der Medienwelt ist dies das statistisch definierte „Allgemeinwohl“, das weit über die von uns im Alltag erfahrbaren
Bezüge hinausreicht. Das früher propagierte Ideal des
westlichen Individualismus wird wohl bald der Vergangenheit angehören und durch mehrheitstaugliche communities
und social networks ersetzt. In gewisser Weise befinden
wir uns auf dem Weg in eine globale „Philokratie“, die von
beherrscht wird von Freunden aus aller Welt – und übrig
bleiben zum Glück nur Feinde.
Je mehr Menschen es gestattet wird, dem Heimvorteil eine
eigene Portion abzugewinnen, umso schwieriger ist dieser
zu erzielen und umso winziger werden die Anteile des Einzelnen. Da nun aber nicht jeder im Stadion Platz hat, sind
Tribünenplätze teuer und TV-Abos billig. Letztere vermitteln
zudem die Illusion, teilzunehmen und teilzuhaben. Die ultimative Demokratie wird deshalb das vernetzte Heimkino
sein. Alles was man braucht. sind 3D-Brillen und bald nicht
mal mehr solche.
Von unserem Kollegiumsmitglied Yehu David Schenef, M.A.
EUROJournal 83
magazin
525 Jahre einer einzigartigen Tradition
Das Fugger`sche Firmenzeichen begeht ein ganz besonderes Jubiläum
Die Fürst Fugger Privatbank ist
keine Bank wie jede andere.
Sie steht in einer einzigartigen
Tradition. 1486 wurde das
Handelshaus der Gebrüder
Fugger erstmals als „Bank“
bezeichnet. Damit blickt die
Fürst Fugger Privatbank auf
die längste Banktradition in
Deutschland zurück.
Mit Jakob II. (1459–1525),
einem Unternehmer und Bankier von Weltformat, trat das
Haus Fugger an die Spitze der
europäischen Finanzwelt. Von
der Augsburger Fuggerzentrale in der Maximilianstraße aus
stand Jakob mit nahezu allen
wichtigen Handelszentren der
damaligen Welt in Geschäftsverbindung. Der italienische Trend, vom Handwerk und
Tauschhandel des Mittelalters überzugehen in Fernhandel
und Geldwirtschaft mit Gold- und Silbermünzen, Kreditbriefen, Wechseln und Einlagekonten, hatte ihn früh überzeugt.
Geld- und Warengeschäfte wurden getrennt und Finanzdienstleistungen auf dem Finanzmarkt gehandelt wie vorher Stoffe, Wein und Salz. Bereits 1486 wurde die Firma
Fugger vom Rat der Stadt Augsburg erstmals urkundlich
als „Bank“ bezeichnet.
Die Fürst Fugger Privatbank offeriert ihre Dienstleistungen
von strategischer Finanzplanung über individuelle Anlageberatung, verschiedene Formen der Vermögensverwaltung,
sachwertorientierte Investments, Immobilien, Altersvorsorge bis hin zu geeigneten Kreditinstrumenten. Die Bank
sieht sich als Partner für anspruchsvolle Privatkunden, die
überwiegend sicherheitsorientiert sind und ausdrücklich
Wert auf erfahrene, individuelle, unabhängige Beratung
legen. Dieser Klientel bietet sie hohe Beraterkontinuität
und von unabhängigen Prüfungsinstanzen mehrfach ausgezeichnete Beratungsqualität zu fairen Konditionen. Dabei
werden nicht hauseigene, sondern die besten Produkte des
Marktes ausgewählt und in optimierten Portfolios zusammengestellt.
Für Unternehmer am Ende ihres aktiven Arbeitslebens wird
im Zuge der Finanzplanung die bisherige Einkommensund gegenwärtige Vermögenssituation den persönlichen
Präferenzen für den Ruhestand gegenübergestellt und neu
strukturiert. Für große Vermögen zählen „Family Office“,
strategische Vermögenssteuerungen und die Begleitung
besonderer spezieller Kunst- und Antiquitäten-Investments
zum Serviceangebot.
Jakob Fugger, der in Venedig das italienische Bankwesen
und den internationalen Handel kennen gelernt hatte, konnte bereits anno 1500 mit seiner römischen Niederlassung
für den Papst als Bankier tätig werden und die Ablassverwaltung organisieren. Drei Jahre später übernimmt die
Fuggerbank auch die römische Münze, die „zecca“, und
prägt für die Päpste Julius II. und Leo X. das Geld mit dem
Fugger`schen Firmenzeichen, dem Dreizack mit Ring.
1954 verankerte S. D. Friedrich Carl Fürst Fugger-Babenhausen das Fugger`sche Bankgeschäft in rechtlich selbstständiger Form als Kommanditgesellschaft. Die Fürst Fugger
Privatbank, die heute zur NÜRNBERGER Versicherungsgruppe gehört, konzentriert sich auf das anspruchsvolle
Privatkundengeschäft. Neben dem Hauptsitz in Augsburg
ist sie mit Niederlassungen in Köln, Mannheim, München,
Nürnberg und Stuttgart vertreten.
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Dipl. oec. (Univ.) Harald Fuchs
magazin
Besondere Expertise hat das Bankhaus in
Fragen der Erbschaftsoptimierung. Und auch
die Beratung über Stiftungskonzepte gilt als
kompetent und fundiert. Beide Beratungsangebote wurden in den jeweiligen Tests der
Elite Reports als ausgezeichnet bewertet.
Darum zählt die Fürst Fugger Privatbank
nicht nur zur Elite der Vermögensverwalter,
sondern auch zur Elite der Erbschaftsoptimierer sowie zur Elite der Stiftungsexperten.
„Leistungsstark, solide und immer zuverlässig. Die guten
Tugenden sind es, die dieser Privatbank den Charakter
eines Schutzraums für Vermögen verleihen. Bei Fugger
nimmt man die Verantwortung für den Kunden ernst. Nirgendwo sonst wurde das Thema Vermögenserhalt so
glaubwürdig behandelt und als Strukturvorschlag plausibel
gemacht.“, so beschreibt der Elite Report 2011 die Fürst
Fugger Privatbank. Und diesem positiven Urteil ist nichts
zuzufügen.
Von Dipl. oec. (Univ.) Harald Fuchs
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EUROJournal 85
magazin
Eine Messe voll Freizeitthemen
Freizeitorientierte Branchen werden in Nürnberg viele Neuheiten vorstellen
Obwohl der Winter noch nicht richtig begonnen hat, sind
die guten Geister der AFAG Messen und Ausstellungen
schon in Frühlingsstimmung. Denn vom 29. Februar bis 4.
März 2012 findet auf dem Gelände der NürnbergMesse
die erste große Publikumsmesse des kommenden Jahres
in Nordbayern statt, die 44. Freizeit-Messe Nürnberg.
Die veranstaltenden AFAG Messen und Ausstellungen erwarten rund 600 Aussteller aus dem Inund Ausland. In sechs Hallen des Nürnberger Messezentrums dreht sich an fünf Tagen alles um die
Themen Garten, Reisen, Camping und Caravaning,
Outdoorsport, die Freizeit zuhause und allgemeine
Freizeitangebote. Die freizeitorientierten Branchen
werden in Nürnberg auch Neuheiten vorstellen
und Anregungen für die Freizeitgestaltung liefern.
Zahlreiche Sonderpräsentationen, Aktionsbereiche
und Events runden das wirtschaftliche Angebot der
Aussteller ab und tragen zum hohen Erlebniswert
der Freizeit-Messe bei. Einen der Schwerpunkte
wird wieder Nordbayerns größte Präsentation für
Hobbygärtner bilden, die viele Inspirationen für die
Gestaltung rund um Haus und Garten liefern wird.
Aber Freizeit ist auch Reisezeit. Ein Reisemarkt
mit Länderschauen und der Ausstellung neuester
Reisemobile und Caravans runden das vielfache
Angebot ab.
Kreativität, Mobilität und stimmungsvolle Sonderpräsentationen sind ohne Zweifel die Gestaltungselemente, die den Hauch von Frühling vermitteln werden, selbst dann, wenn der Winter die
umliegende Landschaft außerhalb der Hallen des
Nürnberger Messezentrums noch in fester Umklammerung halten wird.
-jt-
86 EUROJournal
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magazin
„UNSERE ORIGINALE“
Enthüllung der kulinarischen Landkarte im Nürnberger Historischen Rathaussaal
„UNSERE ORIGINALE“ war das Motto eines Spezialitätenwettbewerbes der europäischen Metropolregion Nürnberg,
das zugleich Leitthema der beliebten und weit über die
Grenzen Bayerns hinaus bekannten Verbrauchermesse
Consumenta ist.
Bei der Enthüllung der kulinarischen Landkarte, die als
neues Koordinatensystem der Metropolregion der Öffentlichkeit präsentiert wurde, offenbarte einer der großen
Anhänger regionaler Feinschmeckereien, Dr. Ulrich Maly,
seines Zeichens Nürnbergs Oberbürgermeister, vor zahlreichen Gästen, die sich zu diesem würdigen Ereignis im
Historischen Rathaussaal versammelt haben, darunter
Ratsmitglieder und Juroren: „Der Weg zu meinem Büro war
noch nie so schön“.
Die Jury sah in der großen Resonanz auf den 1. Spezialitätenwettbewerb einen Beleg dafür, daß die Herkunft der
Produkte immer bedeutender wird, außerdem sind diese
die besten Botschafter der Metropolregion. Im Anschluß
nahmen die Gewinner des 1. Spezialitätenwettbewerbs der
Metropolregion im Historischen Rathaussaal aus der Hand
der Jury unter der launigen Moderation von Thomas Bärthlein ihre Urkunden entgegen. Die kulinarische Landkarte
der Metropolregion zeigt die 72 Gewinner, hinter denen
130 Anbieter und Anbieternetzwerke aus allen Landkreisen
der Metropolregion stehen. Sie alle erfüllen nach Selbstauskunft die Leitlinien der Regionalkampagne Original Regional. Sichtbar wird die Spezialitätenvielfalt zum Beispiel
beim Bier: „In der Metropolregion gibt es noch die ehemals
typischen Kleinbrauer mit ihren Spezialbieren: Kellerbier,
typisch für ganz Oberfranken, das berühmte Bambe-
Auswahl UNSERER ORIGINALE: Streitberger Bitter, Burgi’s Kloßteig, Mehl aus der Gailersreuther Mühle, Elisenlebkuchen, Fränkische Küchla, Blutwurstravioli.
Foto: Metropolregion/Thomas Scherer
4/2011
Offensichtlich ein heiteres Gespräch zum Thema führte Moderator Thomas Bärthlein (Mitte) mit dem Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner (re), Sprecher des 1.
Spezialitätenwettbewerbes, dem der gut gelaunte Nürnberger Oberbürgermeister
Dr. Ulrich Maly (li) beiwohnte. Fotos: Erich Zwick
ger Schlenkerla Rauchbier, das Spalter Bier, gebraut aus
dem in aller Welt geschätzten Aromahopfen, das Pyraser
6-Korn-Bier sowie die vielen Zoigl-Biere, die für die Oberpfalz stehen“, freut sich der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner, Sprecher des 1. Spezialitätenwettbewerbs.
Die Produktpalette reicht von Streuobstprodukten, Säften
und Seccos, Honigen, Bratwürsten in allen Varianten, über
Karpfen, das Holzofenbrot, Wurstprodukte bis hin zu Weinen und Bränden. Sie alle sind auf der kulinarischen Landkarte zu finden, die es auch als praktisches Faltblatt mit
Anbieteradressen gibt. Gastronomen, Landwirte und Metzger sind ebenso vertreten wie Gemeinschaftsinitiativen und
Unternehmer. Beim Schaulaufen der ORIGINALE fiel es
den Jury-Mitgliedern sichtlich schwer, einzelne Bewerber
herauszuheben, „alle bekennen sich zu höchster Qualität
und hervorragender handwerklich geprägter Verarbeitung“,
erläutert der Rother Landrat Herbert Eckstein. Wichtige
Auswahlkriterien waren die Verankerung des Produkts in
seiner Region, handwerklicher Umgang und Originalität.
Abschließend betonte Jury-Mitglied Dr. Daniela Hüttinger,
2. stellvertretende Vorsitzende der Congress- und Tourismuszentrale Nürnberg: „Bei einer Reise durch die Region
will man vor allem das erleben, was vor Ort produziert wird.
Der Spezialitätenwettbewerb ist daher eine deutliche Bereicherung für den Tourismus“.
-jtWeitere Informationen mit interaktiven Variante der kulinarischen Landkarte unter: http://www.spezialitaetenwettbewerb.de/karte/alle.
EUROJournal 87
magazin
iENA 2011: Internationale Drehscheibe
der„Ideen-Erfindungen und Neuheiten“
Die große internationale Beachtung dieser Fachmesse,
die in der europäischen Metropolregion Nürnberg auch in
diesem Jahr stattgefunden hat, war wohl verdient und läßt
eine erfolgreiche Bilanz zu. Daß sie wieder nur Lob von
den teilnehmenden Ausstellern und dem Fachpublikum
erfahren hat, resultiert unter anderem auch auf der konsequenten Unterstützung der Erfinderwelt, die ihre neuen
und innovativen Produktideen an den vier Oktobertagen
vorstellen konnte. Der versierte Veranstalter, AFAG Messen
und Ausstellungen, schaffte es wieder mal, eine tadellose
Atmosphäre herzustellen, in der sich für die Aussteller
wichtige Kontakte mit dem Fachpublikum ungestört entwikkeln konnten.
Von den 800 Erfindungen und Produktneuheiten aus 30
Ländern waren die meisten erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, und was sehr beeindruckt hat, war die Tatsache,
daß darunter auch viele Erfindungen, technische Verbesserungen und Entwicklungen von jugendlichen Erfindern waren. Die Vertreter des Deutschen Patent- und Marktamtes
sowie etliche fachliche Partner, die auch das Rahmenprogramm über aktuelle Entwicklungen des Erfindungswesen
mitgestaltet haben, standen der forschenden Jugend und
natürlich allen anderen Ausstellern mit Rat und Tat zur Seite.
Es war ein beeindruckendes Spektrum, angefangen bei
praktischen Erfindungen für den Alltag bis hin zu HightechEntwicklungen. Alleine die Beteiligung von 21 deutschen
Erfinderclubs offenbarte, daß es um den technisch fundierten Nachwuchs nicht schlecht bestellt ist. Ein deutliches
Zeichen sowohl für die ständig jammernde Wirtschaft, die
sich unter dem Mantel der schlechten Demoskopie nur billige Kräfte aus dem Ausland holen will, und an die Adresse
der unfähigen Politiker, die nicht in der Lage sind dafür zu
sorgen, daß der Erfindergeist auf eine entsprechende Bildungsschiene gehoben wird, die eine qualitative Bildung
ohne riesige finanzielle Belastung für die Studiengänger
zuläßt. Und solche Messen wie die iENA sind geradezu
dafür prädestiniert, die Förderung der technischen Elite
voranzutreiben.
Mit ihrem hohen Anteil an ausländischen Fachbesuchern
konnte die iENA ihre internationale Bedeutung weiter festigen. Die Fachbesucher kamen diesmal aus Angola, Argentinien, Belgien, Bosnien-Herzegowina, China, Dänemark,
Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Iran, Israel, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Korea,
Libyen, Liechtenstein, Litauen, Malaysia, Mazedonien, Nie-
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derlande, Österreich, Pakistan, Polen, Portugal, Rumänien, Rußland, Saudi-Arabien,
Schweiz, Serbien, Singapore, Slowenien,
Spanien, Tschechischen Republik, Türkei,
Ukraine, Ungarn und den USA.
Die Fachjury zeigte sich vom hohen Niveau
der Erfindungen beeindruckt.
Die vielen guten Ideen, darunter so manche
pfiffige Entwicklung jugendlicher Erfinder,
haben eindrucksvoll belegt, daß mit großem Elan und erstaunlichem technischen
Verständnis an neuen Produkten und Problemlösungen gearbeitet wird.
Damit hat die iENA 2011 eindrucksvoll
bestätigt, daß sie für Erfinder eine unverzichtbare Kontaktbörse ist und machte
deutlich, daß das Interesse an Erfindungen, Problemlösungen und neuen Produktideen keinesfalls nachläßt. Im Gegenteil: gute Ideen
und technische Entwicklungen mit Zukunftspotential sind
mehr denn je gefragt, gerade in dieser
Zeit, in der viele Länder mit erheblichen
wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen
haben und die freien Erfinder und kleineren Unternehmen mit ihrer technischkreativen Arbeit einen wichtigen Beitrag
zur Volkswirtschaft eines Landes leisten.
Vor diesem Hintergrund erfüllte iENA
2011 erneut eine wichtige Funktion als
Vermarktungsplattform. Dies spiegeln die
erfreulichen Ergebnisse der Ausstellerbefragung wider. So bewerteten 74 Prozent
der Befragten die Kontaktmöglichkeiten
der iENA mit sehr gut und gut, 19 Prozent
waren zufrieden und bei 7 Prozent waren
die Kontakte während der Messe weniger
gut. Dagegen konnten noch während der
Messe 28 Prozent der Aussteller konkrete
Abschlüsse erzielen und mehr als 50
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Prozent der Aussteller sehenaufgrund der geführten Gespräche gute Chancen für nachträgliche Abschlüsse.
Die große Resonanz bestätigte: iENA-Veranstalter haben
mit Bravour bestanden.
-pvFotos: AFAG
EUROJournal 89
magazin
NÜRNBERGER BURG-POKAL:
20 Jahre Talentschmiede im Dressursport
Für die Dressurreiter in Deutschland ist der Sieg in dieser
Serie wie ein Ritterschlag. Die auf Initiative von Konsul
Hans-Peter Schmidt, Präsident des Bayerischen Reit- und
Fahrverbandes und Präsidiumsmitglied der Deutschen
Reiterlichen Vereinigung, entwickelte Prüfung ist ein glänzendes Juwel in der weltweiten Pferdesportszene. 1992
war das Premierenjahr des NÜRNBERGER BURG-POKALs. Erstes Siegerpaar waren Nicole Uphoff im Sattel von
Sir Lennox. Als idealer Austragungsort hat sich die weihnachtlich geschmückte Frankfurter Festhalle erwiesen. In
Georges Special. Konzipiert ist sie für sieben- bis neunjährige Dressurpferde. Deutlich kürzer als das Vorbild, aber
immer noch mit den wesentlichen Elementen ausgestattet,
bildet der Special eine ideale Plattform, um den angemessenen Ausbildungsstand dieser Altersklasse wiederzugeben. Seit 2005 heißt die Prüfung nun St-Georg Special und
wurde als S5 in das offizielle Aufgabenheft der Deutschen
Reiterlichen Vereinigung aufgenommen. In Anlehnung an
das Ziel von Dr. Reiner Klimke, die Harmonie zwischen
Reiter und Pferd zu fördern, steht auch das Motto des Namensgebers NÜRNBERGER Versicherung, der sich
im Pferdesport engagiert: „Reiten heißt Partner sein“.
Wenn am 17. Dezember 2011 die insgesamt 20.
Auflage dieses renommierten Finales stattfinden
wird, war diese Ausgabe bereits im Druck. Daher
zwei ältere Momentaufnahmen von toffi images.de
und Jan Reumann, die die Atmosphäre eines solchen Abends zeigen.
Man muß aber kein Prophet sein, um zu wissen, daß
der eine oder andere Champion von morgen bei
dieser 20. Auflage dabei war. Der runde Geburtstag war sicherlich auch Anlaß genug, zu schauen,
wo der hervorragende Ruf, den dieser Wettbewerb
„Mitteltrab – Halten – Grüßen“: Victoria Max-Theurer mit dem Oldenburger
Hengst Augustin. Foto: Veranstalter/toffi images.de
genießt, herrührt.
Isabell Werth, nicht nur die erfolgreichste DressurSachen Flair, Stimmung und Ambiente ein würdiger Austra- reiterin der Gegenwart, sondern auch als einzige Teilnehgungsort. Seit nunmehr 20 Jahren wird jeweils im Dezem- merin, die dreimal in der Siegerliste zu finden ist, bringt
ber im Rahmen des Festhallen Reitturniers um die Krone
die Antwort auf die Frage, welchen Stellenwert die Prüfung
des Dressursports gekämpft. Zugelassen sind die besten
bei den Aktiven besitzt, auf den Punkt: „Wenn ich wählen
sieben- bis neunjährigen Nachwuchspferde Deutschlands,
die sich zuvor mit dem Sieg in einer Qualifikationsprüfung die Teilnahme erkämpft haben. Der NÜRNBERGER
BURG-POKAL ist zweifelsohne die populärste und auch erfolgreichste Dressurserie Deutschlands, die sowohl bei den
Reitern und Trainern als auch bei den Zuschauern ihre Popularität kontinuierlich steigern konnte. Kein Wunder, denn
in den vergangenen zwei Jahrzehnten gingen zahlreiche
vierbeinige Championatsteilnehmer und auch Gewinner
des NÜRNBERGER BURG-POKAL aus ihr hervor.
Es sind viele Dinge zusammen gekommen, die den Siegeszug der Turnierserie gefördert haben, ein gewisses Glück
gehörte auf dem Weg nach oben einfach dazu. Hans-Peter
Schmidt, damals Vorstandsmitglied der NÜRNBERGER
Versicherungsgruppe, gelang es, Dr. Reiner Klimke als
Schirmherrn für die Prüfung zu gewinnen. Und mehr noch:
Dr. Reiner Klimke entwarf eine Aufgabe, die die Ausbildung
junger Dressurpferde auf ein neues Niveau hob. Aus dem
ursprünglichen St. Georg wurde die Sonderprüfung St.
90 EUROJournal
Die erfolgreichste Dressurreiterin Isabell Werth auf dem Siegerpferd von
2008, El Santo NRW. Foto: Veranstalter/Jan Reumann
kann, ob ich auf einem Turnier mit Qualifikation zum NÜRNBERGER BURG-POKAL starte oder auf einem ohne, entscheide ich mich für den BURG-POKAL.“ -oh-
4/2011
travel
„Kleines Reisegepäck ABC“
heute mit ERGO Expertin Esther Grafwallner
Augen auf bei der Gepäckwahl. Bei der Buchung bei einer
der so genannten „Billig-Fluglinien“ kann es sich lohnen, einen genauen Blick in das Kleingedruckte zu werfen. Denn
am Check-in-Schalter wartet ansonsten nicht selten eine
böse Überraschung auf unvorbereitete Reisende: „Gerade
bei sehr günstigen Anbietern sollte man nicht davon ausgehen, dass ein Koffer mit bis zu 20 Kilogramm umsonst
mitgenommen werden kann. Auch wenn das bei ,normalen‘
Fluglinien meist Standard ist“, mahnen die Experten der
ERV Europäische Reiseversicherung. Stattdessen kassiert
so mancher Low-Cost-Flieger für den Transport des Gepäcks ab dem ersten Kilo Gebühren. Einheitliche Bestimmungen gibt es nicht: Wo Freigepäckgrenzen und Kosten
liegen, ist von Fluglinie zu Fluglinie unterschiedlich. Für
einen 20 Kilogramm schweren Koffer werden am Schalter
so schon einmal bis zu 30 Euro fällig. „Wer nur mit Handgepäck verreist, spart sich diese Kosten auf jeden Fall“, sagen
die Reiseexperten der ERV. „Das sollte man sich gerade
bei Kurztrips überlegen.“ Allerdings ist es auch hierbei sinnvoll, sich zu informieren: Denn auch die Höchstgrenzen fürs
Handgepäck sind nicht bei jeder Airline gleich. Während es
bei dem einen Anbieter keine Beschränkung gibt, ist bei
dem anderen bereits bei fünf Kilo Schluss. Die maximalen
Maße liegen in der Regel bei knapp 20 mal 44 mal 55 Zentimetern.
Komplizierte Bestimmungen für das Handgepäck
Wer sich vor dem Abflug noch einmal genau über die aktuellen Reise- und Gepäckvorschriften an seinem Abflughafen informiert, kann sich so manch bittere Erfahrung am
Check-in oder bei der Gepäckkontrolle ersparen. „Grundsätzlich dürfen Passagiere auf Flügen, die in der EU starten,
nur Fläschchen mit höchstens 100 Millilitern Flüssigkeit im
Handgepäck mitführen“, erklären die ERV Experten. „Das
Gleiche gilt für Gels, Cremes und Zahnpasta.“ Zudem müssen alle Behälter zusammen in einem wiederverschließbaren Plastikbeutel verstaut werden, der höchstens einen
Liter fassen darf. Dazu eignen sich Zip-Gefrierbeutel aus
dem Supermarkt. Ausnahmen gelten für Babynahrung und
Medikamente. „Es gibt allerdings Bestrebungen, diese Regelung eventuell wieder aufzuheben – wahrscheinlich allerdings nicht vor 2013“, wissen die Reiseexperten. Dass
keine Gewehre oder andere Waffen ins Handgepäck gehören, dürfte selbstverständlich sein. Das Verbot erstreckt sich
auch auf Spielzeug, das mit echten Waffen verwechselt
werden kann. „Auch spitze oder scharfe Gegenstände kommen prinzipiell nicht durch die Kontrolle“, so die ERV Experten. „Messer, Scheren und Rasierklingen gehören also keinesfalls ins Handgepäck.“ Werkzeuge wie Brecheisen oder
4/2011
Bohrmaschinen sowie Baseballschläger sind ebenfalls nicht zugelassen. Wenn solche Dinge mit
auf Reisen sollen, müssen sie im
Koffer aufgegeben werden. Ausgeschlossen ist natürlich auch
die Mitnahme von gefährlichen
Substanzen wie Sprengstoff sowie Granaten oder Munition.
Wenn der Koffer verschwindet
Wenn der Koffer beim Check-in über das Rollband davongleitet, drängt sich vielen Reisenden eine bange Frage auf:
Was, wenn mein Gepäck unterwegs verloren geht? Denn
das vergebliche Warten am Förderband des Zielflughafens
kann einem den ganzen Urlaub vermiesen. Tatsächlich ist
die Wahrscheinlichkeit gar nicht so gering: Weltweit gingen
im vergangenen Jahr auf Flughäfen über 29 Millionen Gepäckstücke vorübergehend oder dauerhaft verloren. „Aus
diesem Grund sollte man nicht auf eine Reisegepäckversicherung verzichten“, meinen die Experten der ERV. „Vor
dem Ärger und dem Frust kann einen die Versicherung
zwar auch nicht bewahren, aber wenigstens ist der finanzielle Schaden eingedämmt.“ Denn obwohl die Fluggesellschaften nach dem Montrealer Abkommen von 1999 dazu
verpflichtet sind, für verlorenes oder beschädigtes Gepäck
zu haften, ist der Schutz begrenzt: aktuell bis zu einer Obergrenze von knapp 1.100 Euro. Gut zu wissen: Die Reisegepäckversicherung greift auch bei verspätetem Gepäck:
Ersatzkäufe werden bis zu 250 Euro erstattet, wenn das
Gepäck nicht am selben Tag am Urlaubsort ankommt. So
kann man die erste Zeit im Hotel überbrücken, bis der eigene Koffer nachgeliefert wird.
Diese und weitere „Kleines Reisegepäck ABC Verbrauchertipps“ der ERGO Versicherungsgruppe finden Sie unter
www.ergo.com/verbraucher
Anmerkung der Redaktion:
Esther Grafwallner (Jahrgang 1976) hat Rechtswissenschaften studiert und ist zugelassene Rechtsanwältin. Seit
einigen Jahren arbeitet sie in unterschiedlichen Abteilungen
der ERV, dem Reiseversicherer der ERGO und Deutschlands Marktführer in Sachen Reiseschutz. Seit 2009 leitet
sie unternehmensübergreifend die Abteilung Produktmanagement Travel und ist daher für alle Reiseprodukte des
Konzerns verantwortlich. Ihre Freizeit verbringt die Mutter
von 8-jährigen Zwillingen am liebsten in der Natur, beim
Wandern, Radeln oder Schwimmen.“
EUROJournal 91
travel
Gestatten, mein Name ist Franche-Comté
Die ostfranzösische Region stellt sich den Skibegeisterten, die Naturerlebnisse fernab von Touristenströmen bevorzugen, vor
Beim Skifahren in der Franche-Comté, französisches Juragebiet, kommen ambitionierte Skisportler genauso auf ihre
Kosten wie Anfänger, Gelegenheitsskifahrer und Familien
mit Kindern. Denn hier gibt es Abfahrten für jeden Geschmack. Wer seinen Skiurlaub zudem fernab großer Touristenströme verbringen und neben der sportlichen Aktivität
den Schnee und die Natur genießen möchte, der sollte die
Pisten der ostfranzösischen Region unbedingt kennenlernen. Sie liegen nämlich in regionalen Naturparks, die den
Skifahrern während der Abfahrt zugleich eindrucksvoll die
Schönheiten der majestätischen Landschaft, erholsame
Stille und den Blick auf zahlreiche, in die Landschaft eingebettete wunderschöne Dörfer der Franche-Comté vermitteln.
Métabief: Skivergnügen mit Alpenblick
für die ganze Familie
Das Wintersportgebiet Métabief, das aus neun kleinen
Dörfergemeinden besteht, liegt zwischen 1.000 und 1.463
Meter nur wenige Kilometer von der Schweizer Grenze
entfernt. Auf den insgesamt 40 Kilometern Piste in allen
Schwierigkeitsgraden kommen Wintersportler auf ihre Ko-
tenpiste, sondern auch eine Kinderkrippe. Es werden auch
speziell für die kleinen Skifahrer ausgestattete Lernbereiche
angeboten. Und die ganz Kleinen ab vier Jahren können
hier mit Skikursen und Spielen in winterlicher Umgebung
ihren Tag verbringen, natürlich immer gemeinsam mit dafür
ausgebildeten Betreuern. Ein Tagespass in Métabief kostet
15,70 Euro für Kinder und 19,60 Euro für Erwachsene.
Les Rousses: Idylle pur auf Abfahrtspisten
unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade
Das Skigebiet Les Rousses besteht aus vier charmanten
für die Region typischen Dörfchen: Les Rousses selbst,
Prémanon, Lamoura und Bois d’Amont. Die Pisten liegen
im Herzen des regionalen Naturparks Haut-Jura auf einer
Höhe zwischen 1.120 und 1.680 Metern. Und auch dieses Skigebiet verfügt über Pisten mit unterschiedlichem
Schwierigkeitsgrad.
Das grenznahe schweizerisch-französische Massiv des
Wintersportgebietes verfügt außerdem über weitere Abfahrtspisten, die in Les Rousses keine Langeweile aufkommen lassen. Neben den Pisten ist in Les Rousses auch die
Landschaft sehr reizvoll. Die Abfahrten führen durch ruhige
Gegenden, verschneite Fichtenwälder und idyllische Dörfer,
die ihre Übernachtungsgäste Gäste mit ihrem unverfälschtem französischen Charme verzaubern.
Für Kinder wird in Les Rousses einiges geboten. Im Dorf
Bois d’Amont können sie den verschiedenen Skisportarten frönen und Slalom, Langlauf und das Fahren auf der
Buckelpiste ausprobieren und üben, wogegen die schon
geübteren Skifahrer ihr Können im „Slide Park“ beim Freestyle-Ski unter Beweis stellen. In jeder der Dorfgemeinden
gibt es außerdem abgesicherte Rodelpisten, im gesamten
Gebiet von Les Rousses zusätzlich Skischulen und eine
Eishalle.
Auf Skiern die Südvogesen entdecken
sten. Vom höchsten Punkt aus, dem Mont D’Or, bietet sich
dem skifahrenden Volk außerdem ein atemberaubender
Blick auf die gesamte Alpenkette vom Valais bis hin zum
Mont Blanc.
In diesem Skigebiet von Métabief, das auch speziell für Familien besonders gut geeignet ist, finden gerade die Kleinen mit ihren Eltern nicht nur zwei Skischulen, eine Schlit-
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Das Skigebiet Ballon d’Alsace ist ein weiteres Wintersportgebiet der Franche-Comté. Es befindet sich auf dem Gipfel
der Südvogesen inmitten des regionalen Naturparks Ballons des Vosges auf einer Höhe von 1.247 Metern. Auf zehn
Pisten kommen hier vor allem Familien auf ihre Kosten, für
die das Gebiet ganz besonders geeignet ist. Eine Skischule
bietet nicht nur Kurse im Abfahrts- und Langlauf an, sondern organisiert an den Wochenenden auch Schneeschuhwanderungen. Die Tageskarte im Ballon d’Alsace kostet 17
Euro für Erwachsene und 14,50 Euro für Kinder. Kombinieren lässt sich dieses Wintersportgebiet auch mit einem
Ausflug ins Skigebiet Planche des Belles Filles, das sich
ebenfalls in den Südvogesen, ganz in der Nähe des Ballon
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travel
aus der Region kommen. Die beiden aus Pontarlier
stammenden Biathlon-Olympiasieger Florence BaverelRobert und Vincent Defrasne sowie der Olympiasieger
in der Nordischen Kombination, Jason Lamy-Chappuis
aus Les Rousses, schwärmen immer wieder von der
Authentizität der Region und ihren Menschen und deren
Leidenschaft fürs Langlaufen.
Die Transjurassienne – das Highlight
des Langlaufwinters
d’Alsace, befindet. Auch diese Region bietet den Familien
einen besonderen Reiz. Neben Langlaufloipen und Abfahrtspisten gibt es auch hier eine Skischule, die in Einzelund Gruppenkursen die verschiedenen Skisportarten vermittelt und außerdem einen Kinderbereich anbietet, in dem
die Kleinen ihre ersten Erfahrungen im Schnee sammeln
können. Rodel- und Schneeschuhpisten runden das Angebot von Planche des Belles Filles ab. Ein Tagespass kostet
hier 13,30 Euro für Erwachsene und 5,50 Euro für Kinder.
Am 11. und 12. Februar 2012 ist es wieder soweit: Die
Transjurassienne lockt zahlreiche Wintersport-Fans in
die Franche-Comté. Beim größten internationalen Langlaufrennen, das bereits seit 1979 ausgetragen wird,
starten jedes Jahr 3.000 bis 4.000 Teilnehmer – unter ihnen sowohl Profisportler als auch Amateure und
Hobby-Langläufer. Das Rennen gilt als das französische
Pendant zum berühmten schwedischen Vasaloppet, beide
Rennen zählen zur renommierten Worldloppet-Tour und
zum FIS Marathon Cup.
Wer aber die Loipe bevorzugt, findet gerade in FrancheComté ein Paradies, denn diese Region gilt als das größte
Loipen-Gebiet Europas. Klingt unglaublich, ist aber wahr.
Unzählige Loipen führen hier durch Wälder und Täler der
ostfranzösischen Region, an Seen und Mooren entlang
und bieten so das perfekte Ambiente für ein ganz besonderes Langlauferlebnis. Hier erwarten die Wintersport-Fans
Loipen mit einer Länge von mehr als 3.000 Kilometern. Bekannt ist das Gebiet vor allem wegen der beiden best ausgebauten Stationen Mouthe und Chapelle-des-Bois.
Die trassierten und markierten Loipen der Region verbinden 25 idyllische Dörfer miteinander. Das Langlauf-Paradies in der Franche-Comté ist nämlich nicht nur wegen der
Länge und hohen Qualität der Loipen bekannt, sondern
auch wegen der beeindruckenden Natur. Zudem eignen
sich die best präparierten Loipen sowohl für Anfänger als
auch für sehr ambitionierte Langläufer. Wintersportler können in der Franche-Comté auch das Jura-Gebirge komplett
oder teilweise auf den Langlaufskiern durchqueren und
zum Beispiel beim größten internationalen Langlaufrennen
zusehen – oder auch selbst daran teilnehmen.
Geübte Läufer können sich im Skating versuchen, um mit
den Bewegungen eines Schlittschuhfahrers noch schneller
voranzukommen, oder beim Biathlon den großen Champions nacheifern. Viele der Loipen im Jura tragen übrigens
die Namen berühmter Olympiasieger und Weltmeister, die
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Das Hauptrennen führt über 76 Kilometer und verläuft zwischen Lamoura auf 1.166 Metern Höhe beim Wintersportgebiet Les Rousses und Mouthe. Von Diane Le Moult-Büttner
Weitere Infos zur Region Franche-Comté (Comité Regional
du Tourisme de Franche-Comté)
Übernachtungen und Pauschalreisen können beim Regionalen Fremdenverkehrsamt der Franche-Comté unter der
kostenfreien Hotline 00800 2006 2010 oder unter www.
franche-comte.org erfragt werden.
La City, 4, Rue Gabriel Plançon – F-25044 Besançon
Cadex Tel. : 0033 3 81 25 08 08
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Wir wünschen Ihnen angenehme Weihnachtsfeiertage und ein erfolgreiches Jahr 2012
Nous vous souhaitons de passer d’agréables fêtes de Noël
et une année 2012 pleine de succès
Přejeme Vám příjemné prožití vánočních svátků a úspěšný rok 2012
Wie wish you a festive Christmas season and success in 2012
Желаем Вам приатно провести Рожественские праздники
и успешно прожитъ год 2012
Die
sich
beschleunigenden
tionsprozesse
der
den potentiellen Mehrwert beziehungsweise
Transforma-
Weltwirtschaft
den
haben
Unternehmenserfolg
sicherzustellen.
Si-
Globalisierung bedeutet zusätzliche Ge-
cherheit der Unternehmen. Dieser Sach-
fahren und Chancen. Die Antwort liegt in er-
verhalt darf aber nicht allein auf erhöhte
höhter Wachsamkeit und in der Bereitschaft
unmittelbare
Auswirkungen
auf
die
Sicher-
zu ständiger Innovation. Nur jene Unterneh-
heitsbereiche zielen. Es bedarf auch ei-
men, die besser und früher informiert sind
Anstrengungen
ner
der
Erweiterung
denn:
bekannten
des
Sicherheit
als ihr Umfeld, können sich auch erfolgreich
Sicherheitsbegriffs,
eines
Unternehmens
bedeutet
zu-
auf neue Situationen einstellen: Dem Gegner immer einen Schritt
Unternehmenserfolges.
voraus. JANUS Consulting beschafft Informationen. Wir konzentrie-
Um den Unternehmenserfolg zu gewährleisten, stehen dem Markt
ren uns auf die Bereiche „Ermittlungen & Business Intelligence”–
eine Reihe von Organisations- und Kommunikationssystemen zur
sowie den jeweiligen Bedarfslagen angepasst – „IT-Sicherheit”,
Verfügung. Darunter fallen z.B. Risiko- und Krisenmanagement oder
„Risikoanalyse”, „Krisenmanagement” bis hin zu umfassender
nehmend
auch
Sicherung
AntiKorruption & Compliance
Management. In diesem sehr
komplexen
Zusammenhang
gewinnt
Informationsbe-
die
des
INFORMATIONEN SIND DIE GRUNDLAGE
FÜR UNTERNEHMENSENTSCHEIDUNGEN
„Sicherheitsberatung”. Dies geschieht mit erprobten Teams von
Recherche-
und
Ermittlungs-
spezialisten
aus
Nachrichten-
schaffung zu allen relevanten Sachlagen besondere Bedeutung: Zum
diensten, Strafverfolgungs- und Polizeibehörden, aber auch Spit-
einen, weil erst der Zugang zu Informationen die Implementierung
zenkräften von Kommunikationsfachleuten, investigativen Journa-
von Sicherheit ermöglicht, zum anderen, weil die Entscheidungs-
listen, Juristen, Ökonomen, Informatikern und Sicherheitsberatern.
grundlagen für das Management optimiert werden können. Der Be-
JANUS versteht sich als
darf an wissenswerten Informationen wächst weit über marktübliche
Informationspartner der Wirtschaft.
Beobachtungen (benchmark / market research) hinaus und hat sich
Max-Planck-Str. 6
zu einem eigenständigen Werkzeug ausgestaltet: Man spricht von
D-63128 Dietzenbach/Frankfurt a Main
„Business Intelligence”, von Nachforschungen und Informationsbe-
Ansprechpartner: Bernd Oliver Bühler
schaffung. Insbesondere durch Einrichtung systematischer Informa-
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tionszugänge und durch daraus resultierende Informationsanalysen
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