Brülhart, S. (2008) DER PLAN

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Brülhart, S. (2008) DER PLAN
Organisationsentwicklung und Lehrkultur
J 2.12
Studiengangsentwicklung
„DER PLAN“ – Ein Schaubild als
Weiterbildungsangebot der
universitären Didaktik
Peter Tremp, Stephan Brülhart
Zusammenfassung
„DER PLAN“ ist ein hochschuldidaktisches Weiterbildungsangebot in der Form eines Schaubildes.
Dieses versteht sich als Treffpunkt und Einladung zu Austausch und Diskussion. Es will der gemeinsamen, diskursiven Erarbeitung von Curricula Struktur und Anregung geben. In diesem Beitrag werden die didaktischen Grundsätze dieses selten gewählten Formats erörtert und es wird die
konkrete Realisierung vorgestellt.
Der PLAN ist in voller Größe auf der beiliegenden CD-ROM enthalten.
Gliederung
Seite
1.
Didaktik als Kunst von Weglassung und Hervorhebung
2
2.
Schaubilder in didaktischer Absicht
4
3.
„DER PLAN“: Form und Gestaltung
6
4.
Modellhaftigkeit
9
5.
„DER PLAN“: Lehrmittel der universitären Didaktik
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Organisationsentwicklung und Lehrkultur
Studiengangsentwicklung
1.
Eine Auswahl treffen
Didaktik als Kunst von Weglassung und
Hervorhebung
Die Fülle der Welt mit der Kürze des Lebens in ein stimmiges Verhältnis zu setzen, ist ein traditionelles Anliegen der Moralistik. Didaktik kennt ein verwandtes Problem: Studienzeit und Bildungsinhalte in
eine Passung zu bringen. Die Studienzeit zwingt zur Begrenzung, eine
Auswahl muss getroffen, aus einer prinzipiell uneingeschränkten
Menge von Inhalten müssen Bildungsinhalte bestimmt werden, die
gelehrt und gelernt werden sollen.
Diese Begrenzung ist auf allen Stufen des Bildungssystems notwendig, wenn sich auch Auswahlkriterien und Verantwortlichkeiten ändern. Und die Klage über die Stofffülle und die Kürze der zur Verfügung stehenden Lehrzeit ist traditionell. „Ars longa, vita brevis“: Das
ganze Leben könnte mit Lernen verbracht werden.
„Stofffülle“ kann zum einen mit Beschleunigung bearbeitet werden. Die Didaktik
verspricht eine effiziente Problembearbeitung: Zeit wird nicht vertrödelt, sondern gut
genutzt. Intensive Nutzung einer als knapp
Auf der Homepage der Universität Zürich, auf
empfundenen Ressource ist das Ziel. Und
den Seiten der Arbeitsstelle für Hochschuldidamit: schnelleres Lernen, um schneller ans
daktik kann der PLAN auch herunter geladen
Ziel zu kommen. Bereits bei Comenius finwerden: http://www.afh.uzh.ch/.
den sich entsprechende Überlegungen und
Hinweise. Das 19. (und eines der längsten)
Kapitel seiner „Grossen Didaktik“ (1657) heißt entsprechend: „Grundsätze für die Schnelligkeit und Abkürzung beim Lernen“. Als wichtige
Ursache der bisherigen Langsamkeit hält er darin fest: „Es waren keine Ziele gesetzt, zu denen die Lernenden in einem bestimmen Jahr,
einem Monat, einem Tag hätten geführt werden müssen. Alles plätscherte so dahin.“ Und: „Es waren keine Wege angegeben, die unfehlbar zu diesen Zielen hinführten.“ (Comenius 1954, S. 120). Didaktik
und Methode also als Bearbeitung des Problems der knappen Zeit.
Methode wird damit zu einer Technik der Beschleunigung.
„Verwesentlichung“
Stofffülle lässt sich zum anderen durch geschickte Auswahl bearbeiten. Das Wesentliche muss ausgewählt und richtig geordnet weiter
gegeben werden. Die Auswahl reduziert damit den Stoff, „Verwesentlichung“ ist das Ziel. Kodifiziert wird diese Auswahl traditionellerweise in Lehrplänen: Diese strukturieren den Unterricht vor, indem
zum einen Inhalte konkret genannt, zum anderen Auswahlprinzipien
beschrieben werden.
Dies zeigt sich beispielsweise auch in einer strengeren Ausrichtung
auf Studienziele. Es wird zuerst geklärt, wohin das Studium hinführen
soll, um daran dann die Inhalte zu messen und zu fragen: Was tragen
diese zur Erreichung des Zieles bei?
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Studiengangsentwicklung
Was für einen Studiengang insgesamt gilt, zeigt sich auch bei einzelnen Lehrveranstaltungen und Lektionen – und ist gleichzeitig zentrales Thema der Didaktik als Theorie des arrangierten Lehrens und Lernens. Diese ist damit wesentlich auch die Kunst der Weglassung und
gleichzeitig der Hervorhebung. Diese bewusste Auswahl unterscheidet
das arrangierte Lernen in Bildungseinrichtungen vom Lernen dank
fruchtbarer Zufälle und macht „Schule“ zu einem besonderen Ort: eine
Ausgliederung zum Zwecke des Lernens.
Kunst der Weglassung
und gleichzeitig der
Hervorhebung
Indem Inhalte auf die Schulbühne gehoben werden, lässt sich ein Vergleich mit einer Theaterinszenierung anstellen: Auch hier wird ein
Stoff auf die Bühne gehoben und in Szene gesetzt. Es wird etwas Bedeutungsvolles gezeigt – nicht das Leben, sondern das davon kategorisch getrennte, gespielte (verfremdete) Leben.
Auch Schule und Hörsaal sind Orte der Aufführung. Und wie die
Bühne nicht „das Leben“ zeigt, sondern eine Ästhetisierung, so ist der
Stoff in der Schule didaktisiert – also zum Lernen aufbereitet. Eine
klare Auswahl wird getroffen: Vieles wird weggelassen, das, was
bleibt, dadurch hervorgehoben und gezeigt.
Zum Lernen aufbereitet
Dieses Zeigen (und dazu gehört auch das Verbergen) ist nach Prange
(Prange 2005) denn auch die Grundoperation von Erziehung und Unterricht, der Zeigefinger und Stecken entsprechend das Utensil von
Lehrerinnen und Lehrern.
Was für Unterricht als soziales Geschehen gilt, gilt ebenso für Materialien des Lernens. Gute Studienbücher sagen nicht alles, was ihre Autorinnen und Autoren wissen, sondern präsentieren eine bewusste
Auswahl daraus, die freilich für den Zweck des Lernens organisiert
ist. Bei solchen Lernbüchern gilt dabei im Besonderen, dass Wichtiges
betont und damit von weniger Wichtigem unterschieden wird. Im besonderen Maße gilt dies nun auch für Lernbilder: Diese betonen bestimmte Inhalte und Zusammenhänge und vernachlässigen gleichzeitig andere Bezüge. Und: Sie sind anschaulich.
Lernbücher und
Lernbilder
Lernbilder zeigen damit eine Verwandtschaft zu Metaphern als
Sprachbilder. Metaphern kommt wesentlich die Funktion zu, einen
unbekannten Sachverhalt mit Hilfe einer bekannten Struktur zu erfassen. Sie ermöglichen damit, eine andere Perspektive auf einen
bekannten Gegenstand, auf ein bekanntes Phänomen einzunehmen.
Sie helfen so, eine Sache zu klären oder eine Sache anders zu sehen
und damit auch: neu zu denken. „Metaphern geben eine Sicht frei
und lassen etwas auf eine bestimmte Weise sehen.“ (Herzog 2006,
S. 15) Wie die Didaktik zeigen Metaphern die Kunst des Weglassens
und Hervorhebens.
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Studiengangsentwicklung
2.
Schaubilder in didaktischer Absicht
Geordnete Fülle von
Informationen
Die Didaktik kennt eine lange Tradition von Schaubildern zu Lernzwecken. Vom „Orbis pictus“ von Comenius über die Schulwandbilder der
Volksschule bis hin zu Posterpräsentationen im Kontext der Wissenschaft: Solche Schaubilder laden ein, sich in eine Sache zu vertiefen,
sich mit einer Sache auseinander zu setzen. Sie zeigen zugleich das
Ganze und die Einzelheiten sowie die Beziehungen dazwischen und
vermitteln damit eine geordnete Fülle von Informationen.
Überblick
Die Begründungen für die Verwendung von didaktischen Schaubildern
in Unterricht und Lehre sind vielfältig. Die traditionellen Schulwandbilder dienen etwa der Veranschaulichung von Objekten, die sich nicht
in die Schule bringen lassen oder aber kaum „anschaulich“ sind.
Schneller als Texte können Bilder zu einem Überblick über komplexe
Situationen verhelfen. Das zeigt sich auch bei der grafischen Darstellung von Zahlen oder komplexen Schaubildern.
Emotionaler Zugang
Bilder können zudem umweglos (positive oder negative Gefühle)
wecken und damit motivieren. Sie können so als „Medien des Lustgewinns“ verstanden werden, die emotional verbindlicher und – als
traditionelle Schulwandbilder – nicht selten mit einem moralischen
Zwang verknüpft sind.
Memorieren
In dieser „direkteren Sprache“ der Anschaulichkeit können Bilder
sowohl eine nachhaltige Aufnahme neuer Informationen bewirken als
auch Handlungs- oder Verhaltensweisen provozieren bzw. deren Änderung beeinflussen. Und: Bilder unterstützen das Memorieren. Die
Gedächtnisleistung bei der Memorierung von Bildern ist erheblich
höher als diejenige für abstrakte oder konkrete Begriffe. Diese Überlegenheit des Bildgedächtnisses wird darauf zurückgeführt, dass die
Bilder gegenüber wortsprachlichen Einheiten einen größeren sensorischen Reichtum aufweisen.
Aufmerksamkeit wecken
Bilder wirken als Blickfang und erzeugen auf diese Weise Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit ist jedoch knapp geworden. Informationen,
sollen sie rezipiert werden, müssen den Wettstreit um die Aufmerksamkeit gewinnen. Wie sich immer wieder zeigt, sind Bilder besonders gute Mittel, wenn in einer Gruppe Kontakt hergestellt oder gefestigt werden soll. Bilder wecken dann oft effizienter die Aufmerksamkeit, als Worte dies vermögen.
Bilder als Inszenierungen können mit „Wahrheit“ spielen, sie können
„lügen“ – und damit auch (mehr oder weniger offensichtlich) Diskussionen um Zugänge und Darstellungen initiieren. Gerade traditionelle
Schulwandbilder wollen „Wirklichkeit“ abbilden und suggerieren
Wahrheit, die über das emotionale Mit-Empfinden gefühlt wird. Entsprechend sind sie einer „realistischen“ Darstellungsweise verpflichtet.
Betrachterinnen und Betrachter reagieren oft wenig kritisch auf diese
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Ungewissheit bezüglich des Wirklichkeits- und Wahrheitscharakters,
insbesondere des fotografierten Abbilds. In Anbetracht der perfekten
Bildbearbeitungsmöglichkeiten der Digitaltechnik wird offensichtlich,
dass ein emanzipatorisch-kritischer Umgang mit dem Bild gefordert ist.
Schaubilder in didaktischer Absicht unterscheiden sich von traditionellen „Visualisierungen im Unterricht“ (etwa durch Hellraumprojektor- oder Power-Point-Folien) insbesondere dadurch, dass sie nicht
wie diese eine Präsentation begleiten, sondern vielmehr diese in wesentlichen Elementen ersetzen. Zudem präsentieren diese Schaubilder
nicht eine Abfolge von einzelnen Illustrationen, sondern stellen ihren
Betrachterinnen und Betrachtern Informationen simultan und gleich
bleibend vor Augen. Sie gestalten Räume mit, sind präsent und wirken
durch ständige Anwesenheit.
Eigenständige
Schaubilder
Solche Schaubilder eignen sich entsprechend dann, wenn ein Sachverhalt darzustellen ist, der gerade in seiner Komplexität und Gesamtheit
gezeigt werden soll und in der gleichzeitigen Detailfülle eine längerdauernde Vertiefung verdient. Allerdings zeigt sich auch hier die Notwendigkeit einer Lernaktivität: Es müssen Gelegenheiten und Situationen der Auseinandersetzung mit dem Schaubild geschaffen werden.
Ein Sachverhalt in
seiner Komplexität
und Gesamtheit
Schaubilder können sich über bestimmte Regeln hinwegsetzen, wie sie
etwa für die Visualisierung eines Referats gelten würden. So dürfen sie
beispielsweise überladen und nicht-linear aufgebaut sein – was freilich
gleichzeitig mit einem erhöhten Anspruch an die Gestaltung einhergeht.
Gleichwohl zeigen sich viele verwandtschaftliche Linien zwischen
Schaubild und Hellraum-Projektor- oder Power-Point-Folien. Gemeinsam ist allen diesen Medien, Inhalte abbilden oder illustrieren zu wollen. Didaktisch sind sie darum, weil wir es mit einer bewussten Gestaltung zum Zwecke des Lernens zu tun haben.
Schulwandbilder wirken heute altmodisch: Die technologische Bescheidenheit des Unterrichtsmediums scheint kaum mit versierten
Verfahren konkurrieren zu können. Indem sie als Lernmedium anders
als die flüchtigen Folien auf „Langeweile“ setzen, scheinen sie uns
allerdings besser dem zu entsprechen, das „Schule“ meint: Schola,
Muße. Zeit zu haben ist Kennzeichen der Schule, in der Schule kann
sich vertiefen, wer hier eingetreten ist und – wo Muße ist – sich auch
einmal in der Zeit verlieren. Hier wird Gegenwart betont, sich Einlassen können. Eben: Zeit haben – und um die Zukunft kümmern wir uns
später. „Müßige Stunden“, so heißt es in Zedlers Universal-Lexicon
(1731ff., XXII, S. 663), „heissen diejenigen, da man von seiner ordentlichen Arbeit frey ist. Weswegen man zu sagen pfleget: Man habe
dieses oder jenes bey müssigen Stunden gethan. ... Denn, wenn man
keine sonderliche Verrichtung oder nicht Gelegenheit zu arbeiten hat,
so pfleget man sich mit seinen Gedancken die Zeit zu vertreiben, und
dencket bald auf dieses, bald auf jenes.“
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Auf „Langeweile“ setzen
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3.
„DER PLAN“: Form und Gestaltung
„DER PLAN“ ist ein Schaubild in Weltformat. Die Vorderseite ist als
Bild, die Hinterseite (hauptsächlich) als Wandzeitung gestaltet. Dieses
Schaubild lässt sich einfach auf das Format A4 zusammenfalten. Dabei
zeigt es ein Titelblatt und eine verkleinerte Version des Schaubildes.
Abb. J 2.12-1
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„DER PLAN“, Vorderseite
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Abb. J 2.12-2
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„DER PLAN“, Rückseite. Zentrale Begriffe der Studiengangsgestaltung als
Wandzeitung präsentiert.
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Abb. J 2.12-3
Ausschnitt der Rückseite des PLANs
Gestaltung
Die Gestaltung ist so gewählt, dass rasch ersichtlich wird, worum es
geht, ohne allerdings das Kind zu benennen. So weisen die Bezeichnungen „Bachelor“, „Master“ und „Doktorat“ ebenso auf die Stufung
von Hochschulstudiengängen hin wie die Punktzahlen 0, 180, 270 und
450. Solche „Erkennungsmarken“ sind bereits aus einiger Distanz
lesbar und strukturieren das Bild. Die Überladung verstehen wir hier
als Einladung, sich mit dem Gegenstand auseinander zu setzen und
immer wieder neue Entdeckungen zu machen. Entsprechend sind auch
„kleingedruckte Erläuterungen“ auf dem Schaubild festgehalten.
Ordnung
Die Ordnung ist nicht sofort erkennbar, entsprechend ist auch keine
klare Leserichtung festzumachen. Die „Syntax des Bildes“ bleibt vorerst ungeklärt, die Sprache des Schaubildes in seiner Grammatik ungewohnt. Der Blick schweift entsprechend vorerst leicht ratlos über
das Bild, bevor er sich an Bekanntem festmacht und von da weg weiteren Boden zu erkunden sucht.
Die „Treppe“
Das Schaubild ist in diesem Sinne einer Karte einer nur oberflächlich
bekannten Gegend vergleichbar. „DER PLAN“ benutzt im Titel eine
Bezeichnung, die – wie „Karte“ – topologische Beziehungen und Verhältnisse ankündigt. Und in der Tat wird hier ein Raum geschaffen,
der zwar nicht als Repräsentation, als Abbild einer Gegend verstanden
werden kann, aber dennoch mit der Metapher des Wegs und des Er-
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Studiengangsentwicklung
kundens einer unbekannten Welt spielt. Mit der „Treppe“ von links
unten nach rechts oben nutzt das Schaubild in seiner Kodierung das
Symbol für den Aufstieg und den damit verbundenen Erfolg.
Zudem bedient sich das Schaubild des alten Tricks des „Trompe l’œil“
aus der Malerei, es spielt mit augenzwinkernder Authentizität. So ist
es auf den ersten raschen Blick tatsächlich mit einer Wandtafel verwechselbar, die Magnete oder Moderationskarten wirken ebenso echt
wie zurück gebliebener Kreidenstaub. Betrachter greifen nach einem
vermeintlich aufgeklebten Zettel oder ärgern sich über angeblich ins
Schaubild gekritzelte Bemerkungen. Und ein Zeitungsbericht zur Evaluation des abgebildeten Studiengangs lässt die Fragen auftauchen, ob
es diesen Studiengang nun gibt oder nicht.
4.
Spiel mit Authentizität
Modellhaftigkeit
Das Schaubild versteht sich als Instrument, das dazu dient, die verschiedenen Entwicklungsbereiche und Diskussionsfelder der Studiengangsentwicklung in einer geordneten Übersicht zu präsentieren. Entsprechend enthält es Hinweise zu den verschiedenen Teilaufgaben bei
der Curriculumsentwicklung. Gleichzeitig bietet dieses Schaubild eine
gemeinsame Basis für die an diesem Prozess Beteiligten. Es richtet
sich damit in erster Linie an Studiengangsverantwortliche und Dozierende, die mit Aufgaben der Curriculumentwicklung betraut sind.
Zielgruppe
Das Schaubild bietet diesen Personen in ihrem Kommunikationsprozess „visuelle Argumente“, die ihnen die Bildautoren in einem adäquaten visuellen Format zur Verfügung stellen. Bildbetrachterinnen
und -betrachter rekonstruieren dieses Argument über erkennende und
interpretierende Prozesse. Im Unterschied zur Kunstbetrachtung ist die
Kommunikation mit informierenden Bildern durch die Erwartung des
Bildnutzers nach optimaler Information (Verständlichkeit, Eindeutigkeit) geprägt.
Nutzen für die
Zielgruppe
Hochschuldidaktische Weiterbildung ist häufig mit dem Anspruch an
Modellhaftigkeit konfrontiert. Auch wenn die Differenz zwischen
hochschuldidaktischer Weiterbildung und eigentlichem Hochschulunterricht deutlich zu betonen ist, so stellt sich dennoch die Frage nach
der Verbindung und Verknüpfung: Wie kann die Weiterbildung gestaltet werden, dass der Transfer auf die eigene Lehrtätigkeit gut gelingt?
Wir verstehen unser Schaubild „DER PLAN“ insofern als modellhaft,
als wir hier zeigen, wie ein Studiengang gemeinsam entwickelt werden kann. Wir dokumentieren eine Zwischenetappe, die das Handwerkliche der Planung sichtbar lässt. Und wir zeigen auch, wie eine
Diskussion gleichzeitig den strukturierenden Rahmen und inhaltliche
Aussagen berücksichtigen kann.
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Studiengänge
gemeinsam entwickeln
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Studiengangsentwicklung
5.
Zentrale Aspekte der
Curriculumsentwicklung
„DER PLAN“: Lehrmittel der universitären
Didaktik
Hochschuldidaktik kennt eine breite Palette an Angebotsformaten und
Instrumenten. Wir nutzen hier das Schaubild als weiteres Instrument:
Anhand eines (fiktiven) Studiengangs werden zentrale Aspekte der
Curriculumsentwicklung im Zusammenhang mit Bologna-Studiengängen illustriert. Stufung der Studiengänge, Kompetenzorientierung,
Modularisierung und Qualitätssicherung sind nur einige Beispiele von
Themen, die anhand unseres Schaubildes aufgenommen werden.
„DER PLAN“ lässt sich vielfältig verwenden und insbesondere in der
Kombination von Beratung und Selbstlernmaterial nutzen. So lassen
sich einige Fragen illustrieren, die unseres Erachtens tatsächlich diskussionswürdig sind.
• So ist beispielsweise die „Punktelinie“, die die Studienstufen mit
ihren Punktzahlen 180, 360 und 450 verbindet, sowohl nach unten
wie auch nach oben weitergezogen. Was aber eigentlich kommt
nach 450 ECTS-Punkten? Lassen sich die Kreditpunkte beliebig
ergänzen? Ist eine nächste Stufe vorgesehen?
• In welchem Verhältnis stehen die Kompetenzen der Bachelor-Stufe
zu den Kompetenzen der Master-Stufe?
• Was bedeutet es für die Gestaltung der Bachelor-Stufe, wenn der
Einstieg in wissenschaftliche Berufsfelder gewährleistet werden
soll?
• Welche didaktischen Leitlinien bestimmen eigentlich den eigenen
Studiengang?
In Architektur und Design findet sich der Grundsatz „form follows
function“. In der Didaktik würde dies bedeuten, dass die Funktion die
Gestaltung des Angebots (mit-)bestimmt. Welche Form bietet die
größte Wahrscheinlichkeit, dass etwas gelernt wird?
Umwege und Schlaufen
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Wenn wir hier mit unserem PLAN allerdings Umwege und Schlaufen
in diesem Lernprozess in Kauf nehmen und nicht direkt aufs Ziel losstürmen, dann hat dies zum einen mit dem Inhalt zu tun. Es gibt keine
„richtigen“ Studiengänge, vielmehr sind Studiengangskonzepte mehr
oder weniger stimmige Antworten auf Fragestellungen in einem bestimmten Umfeld. Aber: Die Fragen müssen gestellt werden und in
Verbindung mit anderen Fragen beantwortet werden.
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Studiengangsentwicklung
Und zum anderen zeigt sich hier auch ein bestimmtes Verständnis von
Lernen: Lernen braucht Gelegenheiten. Didaktik wäre demnach der
Versuch, solche Gelegenheiten systematisch zu schaffen, ohne das
Lernen selber bewirken zu können. Das hier beabsichtigte Lernen
kennt den Wert von Neugier und Muße, von Entdeckungen und Umwegen. Und: Diese Entdeckungen sollen diskursiv erörtert und konsolidiert werden. „DER PLAN“ ist damit auch Treffpunkt und Einladung
zu Austausch und Diskussion.
Literatur
[1]
Comenius, J. A. (1657/1954): Große Didaktik. Düsseldorf, München: Küpper.
[2]
Herzog, W. (2006): Zeitgemässe Erziehung: Die Konstruktion pädagogischer
Wirklichkeit. Weilerswist, Velbrück Wissenschaft.
[3]
Prange, K. (2005): Die Zeigestruktur der Erziehung. Grundriss der Operativen
Pädagogik. Paderborn, München, Wien, Zürich: Schöningh.
[4]
Vögtli, A. und B. Ernst (2007): Wissenschaftliche Bilder: Eine kitische Betrachtung. Basel: Schwabe.
[5]
Wagner, W. (2004): Medienkompetenz revisted. München: kopaed.
[6]
Weidenmann, B. (1994): Wissenserwerb mit Bildern. Bern: Huber.
[7]
Zedlers Grosses vollständiges Universallexicon aller Wissenschafften und
Künste. 1731-1754. http://www.zedler-lexikon.de
Informationen zu den Autoren:
Peter Tremp, Dr., Universität Zürich, Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik.
Stephan Brülhart, Professor für Medienbildung, Pädagogische Hochschule Nordwestschweiz.
Das Schaubild „DER PLAN“ wurde von Dr. Peter Tremp (Leiter der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik der Universität Zürich) und Dr. Crispin Hugenschmidt (Leiter der Fachstelle Studienreform der
Universität Zürich) gemeinsam mit dem Gestalter und Medienpädagogen Prof. Stephan Brülhart
(Pädagogische Hochschule Nordwestschweiz) entworfen und realisiert.
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