Interview mit dem Möbel Höffner-Chef

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Interview mit dem Möbel Höffner-Chef
Gespräch mit Höffner-Chef Krieger
„Nicht mehr Verkehr als ein Aldi“
Eidelstedt (fk). Auch wenn man den Mann jetzt schon kennt man wundert sich
doch immer wieder über ihn: So stellt sich kaum jemand einen der bedeutendsten
Unternehmer der Republik vor. Kurt Krieger - immer wieder gerne irrtümlich
„Herr Höffner“ angesprochen - steuert ein Firmenimperium, das mit seinen 8.000
Mitarbeitern nach Ikea die Nummer Zwei im deutschen Möbelmarkt ist.
Typisch für den Höffner-Chef ist, dass er ohne jeglichen Anflug von
Abgehobenheit daher kommt - sehr locker, wie man sich jemand, der nicht nur
Berliner ist, sondern sich auch so anhört, vorstellt. Er sei „die gute Seele“ seines
Unternehmens sagt Krieger von sich und führt schon mal selbst das Gespräch mit
dem kleinen Kaufmann um die Ecke, der von seinem Bauvorhaben betroffen ist.
Krieger hatte sich von seinem Berliner Firmenhauptsitz auf den Weg zum
Eidelstedter Anzeiger gemacht, um einmal höchstpersönlich der Redaktion seine
Sicht der Dinge darzustellen und den vielen Kritikern zu antworten.
Die meisten Einwände gegen das Projekt seien eigentlich zu vernachlässigen. Die
Angst vor dem Verkehr verstehe Krieger aber - die angesprochenen
Verkehrsprobleme seien mit Abstand das wichtigste Argument seiner Gegner.
Trotz der großen Dimensionen produziere der Markt genau besehen wenig
Verkehr. Entscheidend sei die Frequenz des Kundenstroms. Im Gegensatz zu
Supermärkten hielten sich die Kunden in Möbelhäusern sehr lange auf. Auch in
Baumärkten blieben die Kunden viel länger: „Man guckt auf die 1.100 Parkplätze
- das ist ja furchtbar - ein Baumarkt hat vielleicht 400 bis 500. Die Leute
vergessen, dass die Kunden bei uns doppelt so lange da sind, das heißt die
Frequenz ist nur halb so groß“, so Krieger.
„Die Anzahl der Kassen ist entscheidend“
Man sollte sich nach den Kassen richten: Denn, was durch die Kasse durchgehe,
produziere den Verkehr. In Eidelstedt soll Möbel Höffner zehn Kassen haben. Der
künftige Hornbach-Baumarkt an der Holsteiner Chaussee werde 20 Kassen haben
und damit genau doppelt so viel Verkehr produzieren.
Durch einen Vergleich zwischen Ikea in Schnelsen und Höffner in Barsbüttel dieser Möbelmarkt sei nahezu genauso groß wie der geplante Eidelstedter - will
der Unternehmer die Rechnung nach Kassen erläutern. Ikea in Schnelsen habe 24
Kassen, Höffner in Barsbüttel 10. Es sei bezeichnend, dass dieses
Kassenverhältnis von 24 zu 10 ziemlich genau der Anzahl der Autos entspreche,
die im Schnitt am Sonnabend - dem wichtigsten Verkaufstag bei Ikea und bei
Höffner - stünden, nämlich 14.000 bei Ikea und 6.000 bei Möbel Höffner.
Krieger beschwört: Etwa die Hälfte aller Kunden kämen aus Hamburg, aber nur
10 bis 20 Prozent kämen aus dem direkten Nahbereich. Die 80 bis 90 Prozent der
Kunden, die Höffner nicht aus dem Nahbereich besuchen, kämen alle über die
Autobahn. Krieger: „Wir kennen das zum Beispiel aus Barsbüttel. Der Kunde will
nicht über die kleinen Straßen fahren. Er kommt immer über die Autobahn.“ Nur
das eine Fünftel aus dem direkten Nahbereich erreiche Höffner über die
Holsteiner Chaussee. Der Unternehmer: „Das bedeutet quasi, es gibt acht Kassen
für die aus größerer Entfernung und zwei Kassen für die, die über die Holsteiner
Chaussee kommen. Das heißt, wir belasten die Holsteiner Chaussee so viel wie
ein Aldimarkt.“
„HöffnerVerkehrsspitze außerhalb des Berufsverkehrs“
Die Höffner-Verkehrsspitze sei sonnabends, wenn es keinen Berufsverkehr gebe:
„Addiert man unseren größten Verkehr zu dem sonstigen Verkehr, ergibt das
deutlich weniger Autos als bei dem normalen Verkehr in der Woche. Die große
Belastung der Holsteiner Chaussee ist in der Woche und dann haben wir
gewissermaßen nicht zwei Kassen für die Holsteiner Chaussee auf, sondern nur
eine“, erklärt Krieger. Überdies werde die Holsteiner Chaussee zwischen den
Anschlussstellen zur A23 kräftig ausgebaut und dadurch erheblich
leistungsfähiger.
Die Kritiker wenden hier ein, dass auch die Verkehrsanbindung über die Autobahn
nicht zuletzt wegen des anstehenden langwierigen Autobahnausbaus
problematisch sei. Krieger antwortet: „Was passiert denn, wenn wir zum Beispiel
in Halstenbek bauen würden? Die Kunden kämen trotzdem aus Neumünster und
von anderswo und würden über die Autobahn fahren.“ Nur die Autobahnabfahrt,
die den allergrößten Kundenanteil aufnehmen solle, sei entscheidend. „Wenn das
nicht gelöst wäre, dann würde es wirklich nicht möglich sein, und wir würden
nicht antreten“, unterstreicht der Höffner-Chef.
(Den zweiten Teil des Interviews mit Kurt Krieger können Sie in der nächsten
Woche im Eidelstedter Anzeiger lesen).
Eidelstedter Anzeiger, Nr. 30/2007 (25.7.2007), S.1 und 3.
Zweiter Teil des Interviews mit Höffner-Chef Krieger
„Sonst baue ich eben in Halstenbek!“
Eidelstedt (fk). Seine Ansiedlung liegt Höffner-Chef Krieger inzwischen schwer
auf dem Magen - sehr lange schon zieht sich die Geschichte des Projekts hin.
Mit leiser Stimme erzählt der 59-jährige, der noch 20 Jahre arbeiten möchte: „Wir
haben 1994 das erste Mal an die Staatskanzlei geschrieben. Seitdem haben wir
sicherlich mehr als 20 Grundstücke vorgeschlagen. Am Schluss hat die Stadt uns
das Grundstück bei Saggau vorgegeben.“
Die lange Dauer des Verfahrens habe daran gelegen, dass im vergangen Jahr
immer wieder auf Veranlassung von Oberbaudirektor Walter neue Veränderungen
der Architektur des Gebäudes vorgegeben worden seien: „Es war ständig etwas zu
ändern - unter anderem musste die Rückseite rund sein, um die Rundung der
Autobahn aufzunehmen.“ Auf die vielen Architekturveränderungen durch Walter
kommt Krieger immer wieder zurück, das Verfahren ist ihm offenbar nachhaltig
im Gedächtnis. Professor Walter sei schon ein bisschen skurril.
„Wir sind keine Konkurrenz für die Eidelstedter Geschäfte“
Die Angst um den mittelständischen Handel vor Ort kann Krieger überhaupt nicht
nachvollziehen. „Der Vorwurf, wir machen den mittelständischen Handel kaputt,
ist einfach ein gesuchtes Argument, um uns das Projekt zu vermiesen. Im
Eidelstedt Center gibt es keinen Laden, der ein ähnliches Sortiment hat wie wir.
Jeder Kunde, den wir von fernab hierher holen, erhöht die Wahrscheinlichkeit,
hier bessere Geschäfte zu machen.“ Die mittleren und großen Fachgeschäfte für
Einrichtungswaren wie Gardinen oder Lampen, für die Möbelmärkte eine
Konkurrenz sein könnten, hätten sich selbst vom Markt genommen. Jetzt finde
man die Sortimente in Baumärkten und in Möbelhäusern, die heute über die
großen Flächen verfügten.
„Der Volkspark ist keine Alternative“
Wäre nicht eine andere Fläche für die Ansiedlung geeigneter? Der Volkspark wird
von den Kritikern immer wieder als viel passender vorgebracht. Krieger winkt ab:
„Den Volkspark habe ich schon zweimal überplant. Das ging nie. Eines der
Argumente war, wenn am Sonnabend Fußball gespielt wird, gibt es immer eine
Zeit, wo sich alle gegenseitig auf die Nerven gehen. Der Samstag ist ja unser
Haupttag - dann verkaufen wir doppelt so viel wie im Durchschnitt der Woche.“
Immer wieder bezweifeln die Kritiker auch, dass die Gewerbesteuereinnahmen
Humbug seien, durch Tricksereien gar nicht zustande kämen. Als Beispiel dafür,
dass das nicht stimme, nennt Krieger Ikea. Das Unternehmen zahle immer mehr
als eine Million Euro Gewerbesteuer in Hamburg. Anders als Ikea versteuere
Möbel Höffner als nationales Unternehmen grundsätzlich in Deutschland. Es
werde Höffner-Eidelstedt als eigene Gesellschaft geben genauso wie an den
anderen Standorten. Krieger: „Es wird immer gesagt - na ja die Abschreibungen,
aber die gibt es gar nicht. Es ist eine einfache Betriebsgesellschaft, die mit dem
Bauen nichts zu tun hat. Was die hier gewinnen, dafür zahlen sie Steuern Bums,
aus, Feierabend.“
Hinter dem Widerstand, auf den er bei seinem Eidelstedt-Projekttrifft, vermutet
Krieger nicht zuletzt die Mitbewerber. Die verschiedenen Konkurrenten seien hier
sehr rege: „Ich will niemand etwas vorwerfen, aber ein Konkurrent, der in einer
solchen Situation keine Bürgerinitiative ins Leben ruft, macht etwas falsch.“ Der
Widerstand der neun CDU-Rebellen in der Bürgerschaft nervt den Höffner-Chef
offenbar: „Wir hatten hier sehr viel Aufwand. Es hat sich alles sehr lange
hingezogen Und dann folgen die eigenen Leute der Senatspartei nicht: Das will in
meinen Kopf nicht so richtig rein.“ Auch die Idee der lokalen CDU-Politiker, auf
dem Areal für die Höffner-Ansiedlung einen Sportplatz zu errichten, ist für
Krieger ein Ärgernis: „Wo wollen die denn da einen Sportplatz unterbringen? Das
würde das Projekt kaputt machen. Wir würden da nicht bauen, so einen Blödsinn
machen wir nicht.“
„Die Stadt müsste mit dem Klingelbeutel gepudert sein“
Was passiert, wenn das Projekt doch nichts wird? Das ist eine Option, die Krieger
nicht vom Tisch wischt: „Wenn wir hier nicht zu Potte kommen, dann muss die
Stadt mit dem Klingelbeutel gepudert sein. Sie würde einen großen Fehler
machen. Sie erhöht mit uns ihre Zentralität, kriegt Gewerbesteuer, kriegt
Arbeitsplätze und die Abrundung ihres Angebots. Wenn es nichts wird, dann baue
ich eben zum Beispiel in Halstenbek.“
Man sagt dem Höffner-Chef nach, eher wie ein Studienrat als wie ein
Unternehmer zu wirken - die Zerstreutheit dafür hat er jedenfalls. Kaum 20
Minuten nach seinem Abschied steht ein vom Regen durchnässter Krieger wieder
in der Tür des Eidelstedter Anzeigers: Er hatte seinen Handordner über seine
Aktivitäten in Eidelstedt vergessen.
Eidelstedter Anzeiger, Nr. 31/2007 (1.8.2007), S.3.