Motive der Dekadenz in Thomas Manns „Der Tod in Venedig“

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Motive der Dekadenz in Thomas Manns „Der Tod in Venedig“
Växjö Universitet
Institutionen för Humaniora
TYC161 Tyska uppsatskurs
Betreuung: Dr. Bärbel Westphal
HT 06/07
Motive der Dekadenz in Thomas Manns
„Der Tod in Venedig“
Daniela Thiel
Seminarievägen 24A:108
352 38 Växjö
076 2335406
[email protected]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
-3-
2. Dekadenz
-4-
2.1 Was ist Dekadenz?
2.2 Historischer Kontext der Dekadenz
2.3 Literarische Motive der Dekadenz
3. Motive der Dekadenz in Der Tod in Venedig
3.1 Ortsschilderungen
3.1.1 München
3.1.2 Venedig
3.2 Figuren
3.2.1 Gustav von Aschenbach
3.2.1.1 Der Künstler
3.2.1.2 Aschenbach´s ´Verfall`
3.2.2 Tadzio
3.2.3 Die ´Boten`
-4-6-8-
- 11 - 11 - 11 - 13 - 17 - 17 - 18 - 20 - 24 - 28 -
4. Fazit
- 30 -
5. Literaturangaben
- 31 -
5.1 Primärtext
5.2 Sekundärquellen
- 31 - 31 -
-2-
1. Einleitung
Thomas Manns Novelle Der Tod in Venedig lässt sich als herausragendes Beispiel
für einen Text der Dekadenzliteratur interpretieren. Das Motiv des Verfalls wird schon
im Titel deutlich und Anspielungen auf Verfall und Niedergang lassen sich im Verlauf
der Handlung, in den Schilderungen der Stadt und dem Verhalten der Figuren finden.
Von dem Augenblick an, da Aschenbach seinen Spaziergang durch den Englischen Garten
unternimmt, bis zu seinem Zusammenbruch am venezianischen Strand hängt alles in einem
1
Netz notwendiger Beziehungen zusammen.
Diese
Beziehungen
ergeben
sich
aus
der
zunehmenden
Schwäche
des
Protagonisten Gustavs von Aschenbach in der verseuchten Stadt Venedig, aber
auch aus seiner sich gleichzeitig verändernden Auffassung von Kunst, ausgelöst
durch die Liebe zum Jungen Tadzio. Hinzu kommt die Thematik des Künstlertums
bezogen auf die Figur des Schriftstellers Aschenbachs, der sich vom disziplinierten
Schaffenden zum herumstreunenden, von einem Jüngling inspirierten Künstler
entwickelt und am Ende stirbt. Mit ihrer Veröffentlichung im Jahr 1912 kann die
Novelle ebenfalls als Abgesang auf die vorangegangene literarische, aber auch
historische Epoche gesehen werden. Um die Zuordnung von Der Tod in Venedig zur
Dekadenzliteratur nachzuweisen, werde ich mich auf die Darstellung der Motive
konzentrieren, die Hinweise auf Dekadenz geben.
Zunächst soll aber die Dekadenz als literaturwissenschaftlicher Begriff definiert
werden und in den geisteswissenschaftlichen und historischen Kontext eingeordnet
werden. Dabei sollen Merkmale vorgestellt werden, die als typisch für die
Dekadenzliteratur bezeichnet werden können. Diese sollen dann im Text an
verschiedenen Motiven nachgewiesen werden. So werden zunächst die Orte
München und Venedig auf Verfallsmotivik untersucht. Danach stehen der Protagonist
und die übrigen Figuren im Vordergrund, also neben Aschenbach der für ihn die
Schönheit symbolisierende Tadzio und die Unheil verkündenden Boten, die an
mehreren Stellen auftauchen. In einem letzten Kapitel soll ein Fazit über den Verlauf
der Arbeit gezogen und die Bedeutung der Dekadenz für das Verständnis von Der
Tod in Venedig bewertet werden.
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2. Dekadenz
2.1 Was ist Dekadenz?
Eine präzise Definition des Begriffs der Dekadenz zu formulieren ist schwer, da es
unterschiedliche, häufig synonym verwendete Ausdrücke gibt, die die Strömung der
dekadenten Literatur bezeichnen können. So kann man die Termini »fin de siècle«
oder »Ästhetizismus« häufig ebenfalls unter der Bedeutung Dekadenz vorfinden. In
dieser Arbeit soll aber der Begriff »Dekadenz« als Bezeichnung der um 1900
entstandenen
Literatur
aufgefasst
werden,
die
Motive
des
Verfalls
im
Zusammenhang mit einem zunehmenden künstlerischen Verfeinerungsprozess
thematisiert. Der Ausdruck »fin de siècle« soll die der Dekadenz eigene Atmosphäre
zum Ausgang des 19. Jahrhunderts beschreiben, die – zumindest für die
entscheidenden Autoren – geprägt war von Endzeitstimmung, Weltschmerz und
Melancholie. Der »Ästhetizismus« ist eine weitere Erscheinung der Dekadenz, die
sich durch eine starke Betonung des künstlerischen Aspektes auszeichnet.
Dekadenzliteratur ist also bestimmt von zwei Tendenzen, der Darstellung von Verfall
sowie der gleichzeitigen Verfeinerung der Nerven, mit der eine ansteigende
künstlerische Produktion einhergeht. Sie zeichnet sich durch „die Betonung des
Verfallsmoments“2 aus, die zur „Bevorzugung dekadenter Charakteristika wie
Krankheit, Nervosität, Morbidität, Todessehnsucht, Wahnsinn und ähnlichen
Kennzeichen“3 führt. Erschwerend für eine genaue Definition ist, neben dem
Begriffspluralismus, dass das Auftreten der literarischen Dekadenz „wie kaum ein
anderes mit Vorurteilen und Fehlurteilen belastet ist, die in die deutende und
wertende Terminologie eingegangen sind“4. Eine negative Wertung ist schon im
Begriff Dekadenz selbst enthalten, da er impliziert, dass es einen Übergang von
einem besseren zu einem schlechteren Zustand geben muss. Aus diesem Grunde
soll zunächst die Geschichte des Dekadenzbegriffes im Mittelpunkt stehen.
Der Begriff der Dekadenz wurde ursprünglich im Zusammenhang mit dem
Untergang des römischen Imperiums verwendet. Im Zusammenbruch der von Rom
regierten Welt sah man auch den Niedergang bestimmter politischer, kultureller und
gesellschaftlicher Errungenschaften, der sich vorher durch unterschiedliche Zeichen
angekündigt zu haben schien.
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Das Phänomen der Niedergangsstimmung lässt sich […] bereits bei zahlreichen Schriftstellern
des antiken Rom nachweisen […], die im moralischen und politischen Verfall des Weltreiches
erste Anzeichen für dessen späteren Untergang erkannten und ihre apokalyptischen
Vorstellungen in prophetische Worte zu fassen verstanden.
5
Auch im weiteren Verlauf der Geschichte meinte man einen immer wiederkehrenden
Ablauf
zu
erkennen,
der
sich
zyklusartig
aus
Aufschwung
und
Verfall
zusammensetzt.
[…] zahllose […] historische Ereignisse oder Entwicklungen lieferten im Lauf der Jahrhunderte
immer wieder Anregungen zur Beschreibung eines feststehenden Gegensatzpaares, nämlich
der vom Untergang bedrohten Gegenwart im Vergleich zu einer in der Vergangenheit oder im
6
Jenseits liegenden vollkommenen Welt.
Montesquieu sah im 18. Jahrhundert erstmalig den Staat als Verbindung von
politischem
und
wirtschaftlichem
Gefüge
und
moralisch-gesellschaftlichen
Vorstellungen. Den Grund für den Untergang von Staaten führte er am Beispiel des
antiken Rom auf enorme Gebietsexpansion und die Aufgabe grundlegender
Prinzipien zurück. Rousseau sah dagegen das Phänomen des Verfalls als
zeitgenössisches Problem. Er machte die fortschreitende Zivilisation und den
technischen Fortschritt für die aus seiner Sicht degenerativen Tendenzen
verantwortlich.
Rousseaus Plädoyer für mehr Innerlichkeit und subjektive Gefühle entgegen dem der reinen
Ratio verschriebenen Fortschrittsglauben lieferte einen ersten Ansatzpunkt zu vergleichbaren
7
Interpretationen hundert Jahre nach seinem Tod.
Als Wegbereiter für die literarische Dekadenz gilt der französische Symbolist Charles
Baudelaire, da er der Dekadenz eine weitere Bedeutungsnuance zuschrieb. Er
bewertete
die
Sensibilisierung
der
menschlichen
Nerven
im
Zuge
des
Degenerationsprozesses als positiv für die Kunst.
Die Dekadenz als literarische Strömung entwickelte sich etwa ab den 1890er
Jahren und wurde gegen 1910 vom Expressionismus abgelöst. Im folgenden
Abschnitt soll geklärt werden, warum die Dekadenzliteratur gerade zu dieser Zeit
ihren Höhepunkt erlebte.
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Kunz 1997:17
Kunz 1997:18
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Kunz 1997:20
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2.2 Historischer Kontext der Dekadenz
Da es in dieser Arbeit um die Dekadenz in Thomas Manns Tod in Venedig gehen
soll, werden sich die Ausführungen zum historischen Hintergrund hauptsächlich auf
die deutschsprachigen Länder konzentrieren. Die politische und wirtschaftliche Lage
in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts kann als relativ instabil und
unsicher beschrieben werden. 1871 wurde nach dem Sieg im deutsch-französischen
Krieg das Deutsche Reich gegründet. „Durch den Sieg über Frankreich und die
Reichsgründung schickte sich Deutschland unter Führung Bismarcks an, eine
europäische Großmacht zu werden.“8 Aus Furcht vor einer weiteren Konfrontation mit
Frankreich ging Bismarck Bündnisse mit anderen europäischen Staaten ein. So legte
er den Grundstein für das komplizierte Bündnissystem, das 1914 zum Ausbruch des
Ersten Weltkrieges führte. Auch innenpolitisch und gesellschaftlich waren die
Verhältnisse von entscheidenden Änderungen betroffen.
Gesellschaft und Wirtschaft wurden zu Ende des Jahrhunderts in den betreffenden Ländern
durch die aufkommende […] Industrialisierung und der sich daraus ergebenden Konsequenz
9
des ´Massenzeitalters` bestimmt, […].
Der bürgerlich-liberale Individualismus wurde von „sozial- und wirtschaftspolitischen
Korporationsbildungen“10 abgelöst. Dieser Trend ist wichtig für die Dekadenz, da die
meisten
Autoren,
die
dieser
Richtung
zugerechnet
werden,
adliger
oder
großbürgerlicher Herkunft waren und somit von diesem Wandel betroffen waren.
Die literarische Intelligenz, d.h. auch die Vertreter der literarischen Dekadenz, stammten meist
aus dem alten Land- bzw. Stadtadel […] in seiner Verbindung mit dem Großbürgertum und aus
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dem ebenfalls sozial zurückgedrängten Bildungsbürgertum […].
Den
Vertretern
der
Dekadenz
fehlte
der
ansonsten
vorherrschende
Fortschrittsglaube und „ohne eine Möglichkeit, das (traditionsverwurzelte) seelischspirituelle Lebensbedürfnis zu befriedigen“12, mussten sie erleben, dass ihre
Vorstellungen vom Leben überholt waren.
Auffällig ist, dass die Länder, in denen die literarische Dekadenz eine Rolle
spielte, „auch zu den führenden Wirtschaftsnationen des Zeitraumes zwischen 1870
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und 1900 gehörten“13. Die Bevölkerungszahlen nahmen kontinuierlich zu und die
Industrialisierung hatte zu völlig neuen Arbeits- und Lebensbedingungen geführt. In
den wachsenden Großstädten entstand die soziale Schicht des Proletariats. In
diesem Zusammenhang kann der literarische Naturalismus genannt werden, der die
neu entstehenden Probleme ansprach und kritisierte. Die Autoren der Dekadenz
dagegen waren oft dem Vorwurf des Eskapismus ausgesetzt, da man ihnen vorhielt
vor den sozialen Problemen in die Kunst mit rein ästhetischem Anspruch zu fliehen.
Wichtig im Kontext der Dekadenz ist also das Entstehen einer Massengesellschaft im
Zuge des rasanten technischen Fortschritts.
Ein Blick auf die philosophischen Strömungen am Ende des 19. Jahrhunderts ist
interessant zum Verständnis für das zeitgenössische Umfeld der Dekadenz. Die
bedeutendsten Namen sind in diesem Zusammenhang Schopenhauer, Nietzsche
und Mach. Das Weltbild Arthur Schopenhauers, das in seinem Werk Die Welt als
Wille und Vorstellung zusammengefasst wird, ist von Pessimismus geprägt. Seiner
Ansicht nach leidet der moderne Mensch unter einer Entfremdung von der Welt. Er
ist gefangen in einem ewigen Willen etwas Unmögliches zu erreichen.
Alle Lebenserscheinungen werden durch den e i n e n Willen bestimmt, der als ein rastloses
Über-Sich-Hinausgehen, als ein Wille zum Leben von Individuation zu Individuation eilt, ohne
jemals befriedigt werden zu können.
14
Das Leben ist demnach durch sinnloses Streben oder Langeweile gekennzeichnet.
„Damit zeichnet Schopenhauer die Passivität vor“15, die „durch ein Leben in der
Psyche ersetzt wird“16. Der wichtigste Kritiker der Dekadenz war Friedrich Nietzsche,
der in Der Fall Wagner die Musik Richard Wagners aufgrund seiner verästelten
Melodien kritisierte. „About no other subject was Nietzsche as sure of his unique
expertise as about decadence.”17 Nietzsche beklagt die Hinfälligkeit und die
Verfallserscheinungen, sieht in der Dekadenz aber auch eine gewisse Notwendigkeit,
da er das menschliche Dasein in einem Kreislauf von Zerstörung und Neuerschaffen
betrachtet.
Nietzsche nimmt also hinsichtlich möglicher Beziehungen zwischen literarischer Dekadenz und
zeitgenössischer Philosophie eine Sonderstellung ein, insofern als er die Dekadenz eigens
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thematisiert, wenngleich in einem umfassenderen Sinne verstanden, und gegen sie
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polemisiert.
Bei Nietzsche lässt sich auch die für die Dekadenz typische Sprachskepsis finden,
die beispielsweise im Chandos-Brief von Hugo von Hofmannsthal zum Ausdruck
kommt. Ernst Mach bringt naturwissenschaftliche und philosophisch-literarische
Denkschulen zusammen. Er sieht das Ich bzw. die menschliche Psyche
zusammengesetzt aus bewussten und unbewussten Empfindungen. Nach Machs
Theorie kann es keine wirkliche Erkenntnis geben, „da sich das Subjekt kein Objekt
gegenüberstellt, sondern sich ihm anpasst und mit ihm verschmilzt“19. Wichtig für die
Dekadenz ist in diesem Kontext, dass der körperliche und der seelische Verfall in
engem Zusammenhang stehen. Außerdem können noch die Theorien Sigmund
Freuds genannt werden, die die zunehmende Sensibilisierung und Individualisierung
der Zeit um 1900 widerspiegeln. Elemente von Freuds Traumdeutung lassen sich
beispielsweise im Werk von Arthur Schnitzler finden.
Im weiteren Verlauf sollen nun die genannten Merkmale der Dekadenz auf die
Literatur konkreter übertragen werden. Dabei geht es darum Motive zu finden, die in
literarischen Werken auf eine Zuordnung zur Dekadenz schließen lassen.
2.3 Literarische Motive der Dekadenz
Um Dekadenz-Motive in Thomas Manns Der Tod in Venedig nachweisen zu können,
müssen zunächst allgemein literarische Motive vorgestellt werden, die eine
Zuordnung zur dekadenten Literatur erlauben. Das Hauptmotiv der Dekadenz ist die
Darstellung des Verfalls, der sich an verschiedenen Anzeichen erkennen lässt.
Einhergehend mit den Verfallsmomenten lässt sich eine sehr starke Betonung des
Ästhetischen feststellen.
Verfall in der Literatur lässt sich häufig an beschriebenen Personen oder
Personengruppen festmachen. Diese werden als kränkliche, niedergeschlagene,
müde oder in negativer Stimmung befindliche Menschen oder Gruppen dargestellt.
Physische oder psychische Krankheit kann somit als dekadentes Motiv aufgefasst
werden. Damit muss nicht eine akute Krankheit gemeint sein, sondern ebenso eine
´schwache` Konstitution. So wird beispielsweise Hanno Buddenbrook in Thomas
Manns Buddenbrooks als immer kränkelndes Kind dargestellt, bei dem man sich
nicht vorstellen kann, dass er im Stande ist das Geschäft der Familie weiterzuführen.
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Allerdings lässt sich an der Person des Hanno eine weitere typische Tendenz
feststellen, nämlich der Drang zur Kunst, die in seinem Klavierspiel zum Ausdruck
kommt.
Künstler und ihr Schaffen stehen häufig im Mittelpunkt der Dekadenzliteratur. Als
Beispiel kann der Roman Der Weg ins Freie von Arthur Schnitzler genannt werden,
in dem der Komponist Georg von Wegenthin dabei begleitet wird, wie er sich lange
Zeit erfolglos bemüht eine eigene Oper zu erschaffen. Durch die den Verfall
begleitende Sensibilisierung der Nerven ergibt sich ein stärkerer Drang zu
ästhetischem Genuss und Verständnis. Daher spielen künstlerische Aspekte eine
große Rolle und der Typ des Künstlers ist sehr wichtig für die Dekadenzliteratur.
Die Verwendung bestimmter Typen ist ein weiteres Merkmal für die Literatur des
fin de siècle. Häufig anzutreffen sind, neben dem bereits genannten Künstler, der
»ennui«, der keiner wirklichen Beschäftigung nachgeht bzw. nachgehen muss und
sein Leben mit anderen Dingen füllen muss. Der so genannte Dandy pflegt einen
ähnlichen Lebenswandel, der im Nichtstun und der Verführung junger Frauen
besteht. Ein Prototyp des Dandys ist Schnitzlers Anatol, der sich in dem
gleichnamigen Einakterzyklus die ganze Zeit mit unterschiedlichen Frauen vergnügt,
ohne dabei glücklich zu werden. Das Befinden der geschilderten Figuren hängt oft
von Stimmungen in bestimmten Räumen oder an bestimmten Orten zusammen, die
häufig durch Farben charakterisiert werden.
Bisher wurden vor allem Motive genannt, die sich auf Personen beziehen. Doch
auch die Schilderung von Orten und Schauplätzen trägt zur dekadenten fin de siècleStimmung bei. Städte sind oft im Verfall begriffen, werden aber dennoch nicht als
hässlich beschrieben. Bei Naturschilderungen lassen sich häufig Herbstmotive finden
oder die Natur erscheint bedrohlich oder ebenso ´müde` wie die Figuren. Die
sensibilisierten »Decadents« nehmen diese Atmosphäre auf und reagieren
entsprechend. Dekadente Figuren finden sich in einer als chaotisch empfundenen
Wirklichkeit wieder, in der sie sich nicht wieder finden können und sich daher von ihr
entfremden.
Nach der theoretischen Einführung soll im nun folgenden Hauptteil gezeigt
werden, wie die Motive der Dekadenz sich in Thomas Manns Der Tod in Venedig
niedergeschlagen haben. Dabei sollen die herausgearbeiteten Motivgruppen
berücksichtigt werden. Daher sollen zunächst die beiden städtischen Schauplätze
-9-
der Novelle auf dekadente Aspekte untersucht werden, bevor die Figuren vorgestellt
werden. Ziel ist eine umfassende Analyse der Dekadenzmotive in der Novelle.
- 10 -
3. Motive der Dekadenz in Der Tod in Venedig
Die für die Dekadenz wichtigen Motive wurden herausgearbeitet und sollen nun für
Thomas Manns Der Tod in Venedig nachgewiesen werden. Dekadenz-Motivik spielt
eine wichtige Rolle für die zunächst 1912 als Serie in dem Magazin Die Neue
Rundschau veröffentlichte Novelle. Schon der Titel legt nahe, dass der Text das
Ende eines Lebens thematisieren wird, also ein zentrales Motiv der Dekadenz im
Mittelpunkt zu stehen scheint. „[…] Tod in Venedig shows Aschenbach´s social and
emotional decline […].”20 Die Nennung von Venedig lässt vermuten, dass die Stadt
den Schauplatz der Erzählung bildet und weckt beim Leser unter Umständen
bestimmte Assoziationen. So soll die Analyse auch mit der Untersuchung der
Ortsschilderungen beginnen, da sie die Grundlage für die Dekadenz-Atmosphäre
darstellen.
3.1 Ortsschilderungen
Die Stimmung Aschenbachs ist stark abhängig von den Orten, an denen er sich
befindet. Zu Beginn ist er in München, wo er während eines Spaziergangs den Drang
verspürt die Stadt zu verlassen. Seine Reise nach Venedig bringt ihn an einen Ort,
der Stark vom Verfall geprägt ist, wie die Beschreibungen der Stadt verdeutlichen.
Um die Reise Aschenbachs nachzuvollziehen, wird zunächst München als
Ausgangspunkt der Handlung im Mittelpunkt stehen, bevor der Schauplatz Venedig
auf Dekadenzmotive untersucht wird.
3.1.1 München
Die Anfangspassage, die Gustav von Aschenbach in seiner Heimat München zeigt,
gibt eine Ahnung vom Ende des Protagonisten. München erscheint, obwohl
offensichtlich Frühling ist, herbstlich und müde. „Der Englische Garten, obgleich nur
erst zart belaubt, war dumpfig wie im August […].“21 Aschenbach spaziert
bezeichnenderweise an einem Friedhof vorbei, der als Vorausdeutung für seinen
späteren Tod gesehen werden kann. Die Beschreibung des Münchener Friedhofes
ist geprägt von Abschied und Regungslosigkeit.
Zufällig fand er den Halteplatz und seine Umgebung von Menschen leer. Weder auf der
gepflasterten Ungererstraße, deren Schienengeleise sich einsam gleißend gegen Schwabing
erstreckten, noch auf der Föhringer Chaussee war ein Fuhrwerk zu sehen; hinter den Zäunen
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Mann 2004:7 (alle weiteren Textbelege aus dieser Ausgabe)
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der Steinmetzereien, wo zu Kauf stehende Kreuze, Gedächtnistafeln und Monumente ein
zweites, unbehaustes Gräberfeld bildeten, regte sich nichts, und das byzantinische Bauwerk
der Aussegnungshalle gegenüber lag schweigend im Abglanz des scheidenden Tages. (8)
Der Friedhof weist als Zeichen eindeutig auf das Todesmotiv der Dekadenz hin,
zumal Aschenbach „sich müde fühlte“ (7) und das Wetter ebenfalls zu der düsteren
Atmosphäre beiträgt. Schon hier findet sich die erste Anspielung auf die griechische
Mythologie in dem „byzantinischen Bauwerk“ (8). Durch den Rückgriff auf die Antike
erhält die Szene den Anstrich von längst Vergangenem und Ewigem. Zudem wird ein
erster Hinweis auf das spätere antike Schönheitsideal, mit dem Tadzio beschrieben
wird, gegeben.
Auch die Natur scheint im Verfallsprozess mit einbegriffen zu sein. So befindet
sich die Hauptfigur in einem Szenario mit „sinkender Sonne“ (7) und befürchtet, dass
„über Föhring Gewitter drohte“ (7). Sogar die Sonne als scheinbar einzige Lichtquelle
in dieser Szene befindet sich im Sinken und vermittelt somit ein Bild der
Vergänglichkeit. In dieser Umgebung nimmt Gustav von Aschenbach den Fremden
wahr, der ihm bedrohlich vorkommt und in ihm „eine Art schweifender Unruhe, ein
jugendlich durstiges Verlangen in die Ferne“ (9) weckt. Ein Tagtraum von einer „Art
Urweltbildnis aus Inseln, Morästen und Schlamm führenden Wasserarmen“ (10)
überfällt ihn, der als Vorzeichen für die spätere Cholera in Venedig gesehen werden
kann, da sowohl der im Traum vorkommende Tiger als auch die Krankheit aus Asien
kommen. Nach diesen verwirrenden Gedanken geht der Schriftsteller weiter an den
„Zäunen der Grabsteinmetzereien“ (10) entlang. Das Todesmotiv repräsentiert durch
den Friedhof bildet also weiterhin den Hintergrund. Währenddessen wird ihm klar,
dass er München verlassen wird, obwohl das unerledigte Arbeit mit sich bringt. Der
Lärm der ankommenden Straßenbahn am Schluss des ersten Kapitels symbolisiert
das
Ende
seiner
Wanderung
Friedhofsumgebung,
die
seinen
durch
die
Entschluss
stille,
sich
erstarrte
auf
und
Reisen
versunkene
zu
begeben
hervorgebracht hat.
Als Schauplatz der Novelle wird München von Italien abgelöst, doch die Szene am
Friedhof ist bedeutend für den Verlauf der Geschichte. Der Protagonist Gustav von
Aschenbach
wird in
seiner
gewohnten Umgebung
präsentiert,
in
der
er
bezeichnenderweise von Symbolen des Todes umgeben zu sein scheint. Die
Atmosphäre zeugt von Verfall und Vergänglichkeit und lässt die Prognose zu, dass
- 12 -
Aschenbach mit seinem Entschluss eine Reise anzutreten, nicht nur seinen Abschied
von München vollzieht.
3.1.2 Venedig
Die erste Station Gustavs von Aschenbach auf seiner Reise ist die Stadt Pola, von
der aus er auf eine Insel in der Adria überschifft, auf der er sich aber schnell unwohl
fühlt.
Allein
Regen
und
schwere
Luft,
eine
kleinweltliche,
geschlossene
österreichische
Hotelgesellschaft und der Mangel jenes ruhevoll innigen Verhältnisses zum Meere, das nur ein
sanfter, sandiger Strand gewährt, verdrossen ihn, ließen ihn nicht das Bewußtsein gewinnen,
den Ort seiner Bestimmung gefunden zu haben; […]. (20)
Er begibt sich wieder in den „Kriegshafen“ (21) Polas zurück, „um sogleich […] das
feuchte Verdeck eines Schiffes zu besteigen“ (21). Die Tatsache, dass Pola als
Kriegshafen bezeichnet wird, fügt sich ebenfalls in das dekadente Stimmungsbild ein,
da indirekt Tod und Gewalt angesprochen werden. Zudem ist es ein Hinweis auf die
gespannte politische Situation vor dem Ersten Weltkrieg. Von seiner Zwischenstation
Pola aus reist er schnell weiter in Richtung Venedig.
Seine Ankunft in Venedig gestaltet sich anders als gedacht, auch hier empfängt
ihn ein düsteres, niederdrückendes Ambiente, obwohl die Schönheit der Stadt nicht
zu übersehen ist.
So sah er ihn wieder, den erstaunlichsten Landungsplatz, jene blendende Komposition
phantastischen Bauwerks, welche die Republik den ehrfürchtigen Blicken nahender Seefahrer
entgegenstellte: […]. (25)
Es ist nicht sein erster Besuch; beim letzten Mal musste er die Stadt verlassen, da
ihm das Klima nicht bekommen war. „He has visited this history-saturated city many
times, but this journey will be his final one.”22 Interessant ist die Anziehungskraft, die
die Stadt auf Aschenbach ausübt, während sie gleichzeitig durch eine unheimlichdüstere Atmosphäre geprägt ist. Nach seiner Ankunft besteigt er eines der
berühmten Kennzeichen der Stadt, eine venezianische Gondel, die ein wichtiges
Argument zur Zuordnung der Novelle zur Dekadenzliteratur darstellt. Das für Venedig
typische Fahrzeug erinnert Aschenbach an einen Sarg und lässt ihn die Fahrt mit
einer unguten Ahnung antreten.
22
Euchner 2005:198
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Das seltsame Fahrzeug, aus balladesken Zeiten ganz unverändert überkommen und so
eigentümlich schwarz, wie sonst unter allen Dingen nur Särge es sind, - es erinnert an lautlose
und verbrecherische Abenteuer in plätschernder Nacht, es erinnert noch mehr an den Tod
selbst, an Bahre und düsteres Begängnis und letzte, schweigsame Fahrt. (26)
Im weiteren Verlauf der Handlung wird die Gondel quasi tatsächlich zu seiner Bahre
in den Tod. Schließlich wird die Rückfahrt zum Hotel über die venezianischen Kanäle
zu einem „beschämende[n], komisch-traumartige[n] Abenteuer“ (47). Ironischerweise
wird sein Leichnam höchstwahrscheinlich später mit einer Gondel abtransportiert.
Somit wird das venezianische Fahrzeug wirklich zum Sarg. In Zusammenhang mit
der Bedeutung der griechischen Mythologie kann außerdem eine Anspielung auf den
Fluss Hades festgestellt werden, den man laut mythologischem Verständnis nach
seinem Tod überqueren musste, um in die Unterwelt zu gelangen. Zudem
korrespondiert die Beschaffenheit der Gondel mit seiner persönlichen Befindlichkeit,
die von zunehmender Schwäche und Müdigkeit geprägt ist.
Und hat man bemerkt, daß der Sitz einer solchen Barke, dieser sarkschwarz lackierte,
mattschwarz gepolsterte Armstuhl, der weichste, üppigste, der erschlaffendste Sitz von der Welt
ist? (26)
Als Symbol für Venedig weltbekannt weisen die Gondeln auf das Todesmotiv des
Textes hin. „At the cemetery and in the gondola, though, such symbols connote the
antithesis of life and death […].“23 Die Gondeln können also als Hinweis auf
Aschenbachs Tod gelesen werden, der sich auch in den weiteren Beschreibungen
Venedigs erahnen lässt.
Whereas ships and boats generally represent a voyage through life, in Aschenbach´s case, the
ship and the gondola do not carry him to the harbour of eternal life […], but rather to the realm
of the dead.
24
Im Sinne der Dekadenz können die Gondeln als Erinnerung an den drohenden Tod
gesehen werden, der die Stadt heimsuchen wird, während die Menschen unwissend
die Schönheit Venedigs genießen. Die ständigen Hinweise des Erzählers auf die
Gondeln können als Beleg dafür gesehen werden, dass sie wichtig sind für das
Verständnis der Novelle. „By repeating them, Mann intensifies their effect.“25
23
Shookman 2003:61
Euchner 2005:199
25
Shookman 2003:61
24
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Venedig scheint von zwei Aspekten geprägt zu sein; zum einen von der
unterschwellig
immer
vorhandenen
Krankheit,
zum
anderen
von
ihrer
Undurchsichtigkeit, hervorgerufen durch die spezielle Architektur. Passend zum
Charakter der Figur Aschenbachs verhält sich auch das Flair Venedigs. „The
Venetian lagoon, Venetian politics, and Venice itself, […], correspond to
Aschenbach´s art, life, and essence.”26 Die bedrohliche Seuche, die die Stadt
langsam einzunehmen scheint, wird hauptsächlich durch Geruchswahrnehmungen
angedeutet und scheint aus dem undurchsichtigen Gewirr der Gässchen und Kanäle
zu stammen. Häufig nimmt Gustav von Aschenbach „den fauligen Geruch der
Lagune“ (35) wahr, der das unheimliche Zeichen der sich verbreitende Krankheit
ist.27 Dadurch dass die Cholera nur durch Geruchsandeutungen bemerkbar ist, wird
die Unsichtbarkeit und damit die Gefahr unterstrichen. Nach Mach können
körperliche und geistige Gefühle nicht mehr getrennt werden. Dafür ist die
Geruchsempfindung Aschenbachs ein gutes Beispiel, da er den Geruch bewusst
wahrnimmt, das dadurch ausgelöste Unbehagen aber nicht rational deuten kann,
sondern nur eine unbestimmte Unruhe bei sich feststellt. Angezogen durch die
Schönheit Tadzios verliert sich Aschenbach also immer mehr in „der kranken Stadt“
(82). Venedigs Zweideutigkeit, einer „Mischung von Glanz und Sordidität“28 verführt
Aschenbach und besiegelt sein Schicksal. Die Stadt ist „von schöner Fassade und
dahinter
lauerndem
dunklen
Geheimnis,
wie
sie
den
inneren
Vorgängen
Aschenbachs entsprechen“29. Für Aschenbach ist eine Reise zum Ursprung der
Krankheit in Asien nicht nötig, „um sich sein Schicksal zu erfüllen“30
Außerdem erfährt die bedrohliche Situation, in der sich die Stadt befindet, eine
Steigerung, da Aschenbach immer wieder durch das undurchsichtige Gewirr „des
Labyrinths“ (62) irrt. Venedig scheint in unendlichen kleinen Winkeln verschachtelt,
die der Protagonist in seiner zunehmenden Schwäche nicht mehr durchschaut.
Auf den Spuren des Schönen hatte Aschenbach sich eines Nachmittags in das innere Gewirr
der kranken Stadt vertieft. Mit versagendem Ortssinn, da die Gäßchen, Gewässer, Brücken und
Plätzchen des Labyrinthes zu sehr einander gleichen, […]. (82)
26
Shookman 2003:58
Vgl. auch S. 42, 43, 52, 64
28
Reed 1983:153
29
Reed 1983:153
30
Reed 1983:154
27
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In Venedig hat die Cholera anscheinend den idealen Platz für ihre Ausbreitung
gefunden. So scheint es „als ob die Seuche eine Neubelebung ihrer Kräfte erfahren,
als ob die Tenazität und Fruchtbarkeit ihrer Erreger sich verdoppelte hätte“ (74).
Zudem geht mit dem äußerlichen auch der moralische Niedergang einher.
[…] und die gewerbsmäßige Liederlichkeit nahm aufdringliche und ausschweifende Formen an,
wie sie sonst hier nicht bekannt und nur im Süden des Landes und im Orient zu Hause
gewesen waren. (74)
Dennoch ziehen gerade der Verfall und der über der Stadt schwebende Tod
Aschenbach magisch an. „Nur dieser Ort verzauberte ihn, entspannte sein Wollen,
machte ihn glücklich.“ (50) Typisch für das Zusammenspiel der dekadenten Motive ist
die immer wieder durchscheinende Schönheit der norditalienischen Stadt, die die
Krankheit und die Gefahr überdeckt.
Nicht nur die Stadt an sich, sondern auch der Strand und das Meer üben
nennenswerten Einfluss auf Aschenbach aus. Er fühlt sich vom Meer angezogen,
auch wenn er weiß, dass es ihn mit dem „verführerischen Hange zum
Ungegliederten, Maßlosen, Ewigen, zum Nichts“ gefährdet. „The fact that
Aschenbach mistakes the boundless and undivided for nothing is characteristic of
him, […].“31 Das Meer, das Aschenbach an das Nichts erinnert, kann im Sinne der
Dekadenzliteratur als Verbindung zum Nihilismus angesehen werden.
Für den Dekadenten erweist sich sowohl eine ideelle als auch eine sensuell-faktische
Weltauslegung als unzulänglich; er existiert also, wie es scheint, innerhalb eines vollständigen
32
Nihilismus.
Der Strand, an dem Aschenbach sitzt und sowohl das Meer als auch Tadzio
beobachtet, steht für die neu gewonnene Freiheit, die er sich nimmt, um Ruhe und
Muße nachzugehen. Somit unterstreicht das von ihm geliebte und gefürchtete Meer
seine Entwicklung in Richtung Verfall, sowohl körperlich als auch geistig.
Bezeichnenderweise tritt der physische Tod am Ende am Strand ein.
Man kann also festhalten, dass der Schauplatz Venedig erheblich zu der
dekadenten fin de siècle-Stimmung beiträgt und wichtige Motive der Dekadenz
spendet. Schon München als Ausgangspunkt der Handlung kreiert eine von Verfall
geprägte Atmosphäre. Das bestimmende Motiv ist die Krankheit der Stadt Venedig,
31
32
Euchner 2005:201
Weinhold 1977:150
- 16 -
in der sich Aschenbach aufgrund seiner in München auftretenden, unbestimmten
Reiselust befindet. Nun ist es an der Zeit die Person Aschenbachs in diesem
Zusammenhang zu analysieren und auch die weiteren Figuren in die Betrachtung mit
einzubeziehen.
3.2 Figuren
Wie bereits vorher bemerkt, wird Dekadenz oft an einzelnen Figuren festgemacht.
Diese sind demnach für die Analyse relativ entscheidend, gerade bei dem hier
vorliegenden Text ist die Handlung vom Charakter des Protagonisten geprägt.
Dekadente Literatur ist bestimmt durch die Tendenz „vom Dinglichen weg zu einer
individualistischeren Lebenshaltung“33. Daher treten häufig Motive wie Krankheit und
körperliche Schwäche bei den Figuren auf. Auch Gustav von Aschenbach zeigt im
Verlauf der Novelle immer mehr Anzeichen von Krankheit und Verfall, an denen er
letztendlich stirbt. Aber auch Tadzio und die an wichtigen Stellen auftretenden
´Boten`, die auf unterschiedliche Weise vor der tödlichen Krankheit warnen, die
Venedig befallen hat, sind mit Dekadenz-Motiven belegt. Aus diesem Grunde wird
zunächst die Hauptfigur Aschenbach im Mittelpunkt stehen, bevor die übrigen
Charaktere analysiert werden.
3.2.1 Gustav von Aschenbach
Im folgenden Abschnitt soll geklärt werden, inwieweit Gustav von Aschenbach als
„textbook decadent“34 verstanden werden kann. Dabei sollen sein sich veränderndes
Verhalten als Künstler und seine körperlichen Verfallserscheinungen als Parameter
dienen. Das erste Kapitel zeigt Aschenbach in seiner gewohnten Umgebung in
München, gibt Aufschlüsse über seine aktuelle Situation und legt die Antriebe für
seine Abreise dar. Für die Hintergründe zu seiner Person ist besonders das zweite
Kapitel
von Belang, da dort seine Herkunft und sein bisheriges Leben
zusammengefasst werden. Ab dem dritten Kapitel kann man sein Schicksal in
Venedig und die Wirkung der Stadt auf Aschenbach mitverfolgen. Die wichtigsten
Tendenzen, die ihn als Protagonisten einer Dekadenznovelle klassifizieren, sind sein
Künstlertum und seine zunehmende Müdigkeit, die von einer scheinbar immer da
gewesenen körperlichen Schwäche begleitet werden. So soll zunächst seine
33
34
Kunz 1997:50
Shookman 2003:144
- 17 -
Künstler-Persönlichkeit im Mittelpunkt stehen, bevor seine wachsende körperliche
und psychische Schwäche in Bezug zur Dekadenz gesetzt werden sollen.
3.2.1.1 Der Künstler
Schon zu Beginn der Novelle wird deutlich, dass Gustav von Aschenbach an einem
entscheidenden Punkt in seinem Leben angelangt ist. Sein heimatliches Umfeld und
seine alltäglichen Beschäftigungen scheinen zu einer nicht mehr erträglichen
Ermüdung geführt zu haben.
Zu beschäftigt mit den Aufgaben, welche sein Ich und die europäische Seele ihm stellten, zu
belastet von der Verpflichtung zur Produktion, der Zerstreuung zu abgeneigt, um zum Liebhaber
der bunten Außenwelt zu taugen, […]. (10)
Hinzu kommen Zweifel an seinem künstlerischen Schaffen, das sein Leben bisher
bestimmt hat. Die Tatsache, dass Aschenbach ein Künstler ist, trägt wesentlich zu
seiner Zuordnung als literarische Figur der Dekadenz bei, denn der Künstler gilt als
Prototyp des Décadents. Dekadente Strömungen decken nicht nur den Bereich des
Verfalls ab, sondern man ist „berechtigt, Dekadenz zugleich mit Aszendenz zu
verbinden“35, verstanden als besonders produktives künstlerisches Schaffen. Seine
bisherige Art zu arbeiten entspricht allerdings nicht der dekadenten Lebensführung.
Schließlich wird gerade im zweiten Kapitel deutlich, dass er von einer starken
Disziplin getrieben wird, die man seiner väterlichen Herkunft zuschreiben kann.
Dennoch sieht er sich immer mehr konfrontiert mit einer völlig anderen Auffassung
von Kunst, nämlich dem
[…] sich täglich erneuernden Kampf zwischen seinem zähen und stolzen, so oft erprobten
Willen und dieser wachsenden Müdigkeit, von der niemand wissen und die das Produkt auf
keine Weise, durch kein Anzeichen des Versagens und der Laßheit verraten durfte. (11)
Dieser ständige Kampf führt zu der fatalen Müdigkeit, die ihn zu seiner Reise
antreibt. Einhergehend mit seiner erschlaffenden Disziplin entdeckt er in Venedig
eine neue Art der literarischen Produktion. Nach der „jahrelange[n] Zügelung des
Gefühls“36 ist er auf der Suche „nach einem elementaren Erlebnis […], welches das
Gefühl wieder aufleben lassen könnte“37. Sein Leben ist lediglich auf die Kunst
ausgerichtet, sie scheint seine einzige Beziehung zu sein und das ästhetische
35
Weinhold 1977:14
Reed 1983:152
37
Reed 1983:153
36
- 18 -
Empfinden charakterisiert auch seine Bewunderung für Tadzio. „Das Kunstwollen hat
Charakter und Benehmen bis ins Innerste geformt.“38 Er vollzieht also in seinem
Schaffen
eine
Wendung
vom
diszipliniert
auf
das
Ergebnis
längerfristig
hinarbeitenden Wirken zum leidenschaftlichen Ausdruck seiner Gefühle. Vielmehr
soll „der Augenblick […] zeitenthobene Totalität gewinnen“39. Nicht mehr das auf das
Papier gebrachte Werk zählt, sondern seine Empfindungen werden zu seinem
künstlerischen Ziel. War er sonst „uniquely unaware that there is more to life than
work“40, stellt Aschenbach das genussvolle Leben im Laufe der Handlung immer
mehr in den Mittelpunkt, wobei der Inhalt dieses Daseins die Ästhetik der Kunst ist.
[…] an die Stelle einer Aktivität nach außen tritt eine Aktivität nach Innen, die sich in der
fortwährenden Stimulierung seelischer Regungen und in der Konstruktion der fiktiven
Gegenwelt äußert.
41
Mit der Länge seines Venedig-Aufenthaltes wächst auch seine Fähigkeit bzw. seine
Schwäche Muße zu genießen und sich der Kunst hinzugeben ohne dabei ein
schlechtes Gewissen zu bekommen. So ist sein Drang zur Selbstdisziplin seit der
Abreise aus München verloren gegangen.
Wann immer und wo es galt, zu feiern, der Ruhe zu pflegen, sich gute Tage zu machen,
verlangte ihn bald – und namentlich in jüngeren Jahren war dies so gewesen – mit Unruhe und
Widerwillen zurück in die hohe Mühsal, den heilig nüchternen Dienst seines Alltags. (50)
Statt sich wie Zeit seines Lebens zur Arbeit zu zwingen, gibt er seinen Wünschen
nach, die in Ruhe und der Betrachtung von Tadzio bestehen.
Er saß dort, der Meister, der würdig gewordene Künstler, […] an dessen Stil die Knaben sich zu
bilden angehalten. Wurden, - er saß dort, seine Lider waren geschlossen, […] und seine
schlaffen Lippen, […], bildeten einzelne Worte aus dem, was sein halb schlummerndes Hirn an
seltsamer Traumlogik hervorbrachte. (83)
Der Text kann also als „the mental fall of an aging poet into the abyss of pure form“42
gelesen werden, wenn man die Abkehr Aschenbachs von seinem disziplinierten
Arbeitsstil betrachtet. In Aschenbachs künstlerischem Schaffen schlagen sich also die
beiden Seiten der Dekadenz nieder. Während man einerseits eine „descent of artistic
38
Reed 1983:153
Weinhold 1977:145
40
Shookman 2003:59
41
Weinhold 1977:144
42
Shookmann 2003:26
39
- 19 -
power“43 feststellen kann, sollte man auf der anderen Seite seine neue Art der
Betätigung
berücksichtigen.
Sein
Verständnis
von
Kunst
hat
sich
vom
selbstdisziplinierten Schaffen zum exzessiven Schwelgen in ästhetischen Genüssen
gewandelt. Man kann also die Dekadenz-Tendenzen des Protagonisten mit „his
renewed artistic creativity“44 verbinden.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass Aschenbach durch den Aufenthalt in Venedig
sein künstlerisches Schaffen grundlegend ändert vom durch Disziplin geprägten
Streben zum leidenschaftlichen. Damit begibt er sich auf den Weg des typisch
dekadenten Künstlers. Die andere Tendenz der Dekadenz, nämlich das Abnehmen
seiner Kräfte und sein körperlich-gesundheitlicher und moralischer Verfall, sollen in
einem weiteren Abschnitt analysiert werden.
3.2.1.2 Aschenbach´s ´Verfall`
Schon der Titel Tod in Venedig lässt ein tragisches Ende des Protagonisten erwarten,
eine Vermutung, die bereits in den ersten Sätzen genährt wird. So ist von
„zunehmender Abnutzbarkeit seiner Kräfte“ (7) die Rede, die einen täglichen
Mittagsschlaf nötig macht. Zudem wird eine permanente Müdigkeit angedeutet (vgl. S.
7), durch die sein künstlerisches Schaffen gebremst wird. Der Konflikt zwischen seiner
Kunst und der wachsenden Müdigkeit wird immer belastender im Laufe des Textes.
As the novella progresses, Aschenbach seems more and more like a ghost. He is powerless
and pretentious […].
45
Die Novelle zeichnet also innerhalb relativ kurzer erzählter Zeit den körperlichen
Verfall eines erfolgreichen Künstlers nach, der aber schon sein ganzes Leben die
Anlagen zu diesem Niedergang in sich zu tragen scheint.
To begin with, Aschenbach´s childhood, schooldays and perhaps all of his youth were quite
abnormal in one sense, however one chooses to define normality. Some physical disability
severly limited social contracts, even to the point where the young Aschenbach was too frail for
school and was instructed by private tuition.
46
Väterlicherseits ist er vom strengen, militärischen Lebensstil geprägt, während die
Familie seiner Mutter eher der Kunst zugeneigt ist. Diese „Vermählung dienstlich
43
Shookmann 2003:142
Shookman 2003:220
45
Shookmann 2003:37
46
Marson/Hughes 1979:15
44
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nüchterner Gewissenhaftigkeit mit dunkleren, feurigeren Impulsen“ (13) hat zu seinem
speziellen Charakter geführt. Er ist ein Künstler geworden, der sich durch seine starke
Disziplin auszeichnet. Auffällig ist, dass im Zusammenhang mit seinen literarischen
Werken Adjektive wie stark, straff, mächtig oder ordnend benutzt werden (vgl. S. 13).
Seine körperliche Verfassung dagegen wird als „zur ständigen Anspannung nur
berufen, nicht eigentlich geboren“ (14) beschrieben. Dem Wissen darum einem
Geschlecht anzugehören, „das früh sein Bestes zu geben pflegt und in dem das
Können es selten zu Jahren bringt“ (14), begegnet er mit seinem Lieblingswort
„Durchhalten“ (14). Er scheint immer gegen den Wunsch nach Muße und Erholung
anzukämpfen, die er als Niederlage verstehen müsste. Seine „zarten Schultern“ (14)
haben ihn offensichtlich mobilisiert nicht vor seiner körperlichen Konstitution in die
Knie gehen zu müssen. Die Erfahrung der Schwäche als Kind hat dazu geführt, dass
er seinen körperlichen Zustand nicht über sein Leben bestimmen lassen will. Der
Erzähler sieht Aschenbach aber nicht allein mit diesem Problem, sondern führt den
Erfolg seiner Arbeit darauf zurück, dass auch das Publikum unter diesen Schwächen
zu leiden habe. Demnach ist der Protagonist nur eine extreme Form einer
zeitgenössischen Entwicklung. Womöglich ist „Aschenbach´s Germany […] ripe for
radical change“47. Allerdings kann das nur für das gehobene Bürgertum gelten, wenn
man Aschenbach versteht „as a representative of a bourgeoisie that sought feudal
protection against the proletarian it exploited“48.
Schon der Familienname Aschenbach kann als Hinweis auf sein Schicksal
gesehen werden werden, „explaining that “Aschenbach“ suggests a fluid carrying
ashes”49. Außerdem kann das Bild der Asche als Vorzeichen für seinen späteren Tod
gedeutet werden. Fasst man den zweiten Teil des Namens nicht nur als häufige
Endung für deutsche Nachnamen auf, kann man darin etwas Flüchtiges, Endloses
erkennen, das aber nicht wie ein Fluss kraftvoll fließt. Möglicherweise kann sogar ein
Verweis zu den Kanälen Venedigs gezogen werden, die später zu dem fürchterlichen
Gestank, einem Anzeichen der Krankheit, beitragen. Außerdem wurde Aschenbach
aufgrund seiner schriftstellerischen Leistungen geadelt. Damit kann er der typisch
dekadenten Gesellschaftsklasse zugeordnet werden, nämlich dem gehobenen
Bürgertum und Adel.
47
Shookman 2003:15
Shookman 2003:177
49
Shookman 2003:26
48
- 21 -
Trotz seiner körperlichen Schwäche als Kind kann Aschenbach ein Leben ohne
Einschränkungen führen.
[…] it should be noted immediately that Aschenbach´s disability was never an extreme […]. […]
it has been possible for Aschenbach from his early years onward to slip into the dangerous
habit of assuming that his life-style, interests, motives and so on were voluntarily chosen by
50
himself, and not conditioned in large part by his unspecified physical frailty.
Die Erfahrung von Schwäche hat bei ihm einen Drang zu ständiger Arbeit ausgelöst,
der während seines Aufenthaltes in Venedig beständig schwindet. Schon bei seiner
Ankunft zeigen sich erste Regungen seine sonstige Disziplin auszuschalten.
Lau angerührt vom Hauch des Scirocco, auf dem nachgiebigen Element in Kissen gelehnt,
schloß der Reisende die Augen im Genusse einer so ungewohnten als süßen Lässigkeit. (27)
Der davon ausgehenden Gefahr ist er sich allerdings bewusst, da er sich ermahnt „auf
den Vollzug seines Willens ein wenig bedacht“ (27) zu sein. Der Wille im dekadenten
Sinne Schopenhauers ist kein Erfolg versprechendes Streben nach einem Ziel mehr,
sondern ein Leiden durch den Versuch etwas Unerreichbares zu erlangen.
Aschenbachs Zwang seinen am Vortag beschlossenen Willen durchzusetzen und sein
in Heimlichkeit freudig aufgenommenes Scheitern repräsentieren den sinnlosen Willen
des Menschen.
Bis zu seinem halbherzigen Aufbruchversuch aus Venedig scheint er gegen die
Versuchung, sich dem lässigeren, weniger von der Disziplin bestimmten Leben
hinzugeben, anzukämpfen.
Er liebte das Meer aus tiefen Gründen: aus dem Ruheverlangen des schwer arbeitenden
Künstlers, der von der anspruchsvollen Vielgestalt der Erscheinungen an der Brust des
Einfachen, Ungeheueren sich zu bergen begehrt; aus einem verbotenen, seiner Aufgabe
gerade entgegengesetzten und eben darum verführerischen Hange zum Ungegliederten,
Maßlosen, Ewigen, zum Nichts. (38)
Er weiß, dass er eigentlich in Venedig bleiben möchte, zwingt sich aber zum letzten
Mal in seinem Leben gegen seine inneren Wünsche aufzubegehren und Konsequenz
zu bewahren. „Nun musste er fortfahren, zu wollen, was er gestern gewollt hatte.“ (44)
Als er den Bahnhof betritt, um Venedig zu verlassen, fühlt er sich „zerissen“ (46) durch
den „Streitfall zwischen innerer Neigung und körperlichem Vermögen“ (46). Doch mit
50
Marson/Hughes 1979:15
- 22 -
seiner Rückkehr ins Hotel hat er sich sozusagen seinem Schicksal ergeben und
genießt das Leben in vollen Zügen. Den Gedanken sich vor der Krankheit zu schützen
oder zu fliehen zieht er nicht in Erwägung. Er lässt „in seliger Muße die Tage verinnen,
mühelos, kampflos und ganz nur der Sonne und ihren Festen geweiht“ (50). Damit
gibt er sich dem Lebensstil hin, vor dem er sich immer bewahren musste, der ihm aber
insgeheim zusprach.
Der wohlige Gleichtakt dieses Daseins hatte ihn schon in seinen Bann gezogen, die weiche und
die glänzende Milde dieser Lebensführung ihn rasch berückt. (50)
Mit seiner veränderten Lebensführung geht auch der Niedergang seiner körperlichen
Kräfte einher, die ihn immer schneller verlassen. Somit besiegelt er mit der
Verlängerung seines Aufenthaltes in Venedig überspitzt gesagt sein eigenes Ende.
Als Aschenbach sich einmal Entspannung gönnt, und der Willenszwang, unter dem er steht,
nachläßt, machen sich tiefere, bislang verdrängte Kräfte in ihm frei und nehmen Rache. Mit
schrecklicher Schnelligkeit setzt der Verfall ein.
51
Immer häufiger sind die Beschreibungen von Aschenbachs körperlichem Zustand mit
Begriffen wie schlaff, hängend oder alternd belegt, machen also eine Degeneration
deutlich. Seine kaum noch vorhandene Energie verwendet bzw. verschwendet er
darauf Tadzio und seiner Familie nachzulaufen. Diese Touren durch die Stadt rauben
ihm seine letzte Kraft. Er ist seinen Gefühlen zum ersten Mal in seinem Leben
ausgeliefert, da er sie erstmalig zulässt. Das Zusammenspiel aus verworrenen
Träumen, die ihn „entnervt, zerrüttet und kraftlos“ (80) zurücklassen, seinem
physischen Verfall und seiner immer verzweifelter werdenden Liebe zu Tadzio treibt
ihn in den sicheren Tod. Sein Versuch sich durch den Besuch beim Frisör zu
verjüngen führt lediglich zu einer Maskierung, die sein rasantes Altern vertuscht. Die
extreme Künstlichkeit seiner Maskerade bildet einen weiteren Aspekt der DekadenzMotivik in Der Tod in Venedig.
Der dekadente Ästhetizismus kann in diesem Sinne als Künstlichkeit verstanden werden und
stellt das Zentrum der Dekadenz dar.
52
Als er schließlich seinen finalen Gang zum Strand antritt, fühlt er sich „leidend“ (85)
und hat „mit gewissen, nur halb körperlichen Schwindelanfällen zu kämpfen“ (85).
51
52
Eichner 1961:32
Weinhold 1977:134
- 23 -
Sein Herabsinken im Sterben ist Sinnbild und Zusammenfassung seiner Entwicklung
in der Novelle.
Die Figur Gustav von Aschenbachs birgt also mit seiner Entwicklung als Künstler
sowie seiner schwindenden Gesundheit zwei wichtige Aspekte, die die Zuordnung der
Novelle zur Dekadenzliteratur unterstreichen. Sein körperlicher Verfall ist offensichtlich
und geht einher mit seiner veränderten Auffassung von Kunst, die von der überlegten
Produktion zum leidenschaftlichen Erleben übergeht. Ein wichtiger Aspekt ist dabei
das Objekt von Aschenbachs Liebe, der Junge Tadzio, der im nächsten Abschnitt im
Mittelpunkt stehen soll.
3.2.2 Tadzio
Tadzio kann sich der Leser nur durch die Augen Aschenbachs nähern, da nur seine
Beobachtungen des Jungen geschildert werden. Auch bei ihm lassen sich zahlreiche
Motive der Dekadenz auffinden. In seiner Figur verschmelzen ein weiteres Mal die
Aspekte Schönheit und Krankheit. „This interplay between love and death is embodied
in the figure of Tadzio, […]“53
Die Wirkung Tadzios wird besonders gut in einer Szene deutlich, die sich am
Strand abspielt. Aschenbach sitzt eigentlich am Strand, um dort zu arbeiten, verliert
sich aber in den Betrachtungen Tadzios.
Aber nach einer Viertelstunde schon fand er es schade, die Situation, die genießenswerteste,
die er kannte, so im Geiste zu verlassen und durch gleichgültige Tätigkeit zu versäumen. Er
warf das Schreibzeug beiseite, er kehrte zum Meere zurück; und nicht lange, so wandte er,
abgelenkt von den Stimmen der Jungend am Sandbau, den Kopf bequem an der Lehne des
Stuhles nach rechts, um sich nach dem Treiben und Bleiben des trefflichen Adgio wieder
umzutun. (39)
Tadzios Schönheit bringt Aschenbach dazu sich von seiner Arbeit ablenken zu lassen,
die bisher immer oberste Priorität in seinem Leben hatte, und sich dem Meer
zuzuwenden, von dem Gustav von Aschenbach weiß, dass es eine gefährliche
Wirkung auf ihn hat.
Für seinen Bewunderer ist Tadzio bereits in dem Moment, als er ihn zum ersten
Mal sieht, „vollkommen schön“ (32). Seine Vollkommenheit steht aber auch in engem
Zusammenhang mit seiner körperlichen Schwäche, die Aschenbach häufig anmerkt.
53
Euchner 2005:206
- 24 -
War er leidend? Denn die Haut seines Gesichtes stach weiß wie Elfenbein gegen das goldige
Dunkel der umrahmenden Locken ab. (33)
Er ist nicht „the athletic, well-muscled ideal of male beauty“54, sondern „tending toward
the feminine ideal of beauty”55. Seine ausschließlich weiblichen Bezugspersonen
scheinen ständig um ihn besorgt zu sein, sorgen sich um ihn und kümmern sich um
sein Wohlergehen.
Aber schon schien man besorgt um ihn, schon riefen Frauenstimmen nach ihm von den Hütten,
stießen wiederum diesen Namen aus, der den Strand beinahe wie eine Losung beherrschte
[…]. (41)
Besonders wichtig in diesem Zusammenhang sind seine schlechten Zähne. Laut
Freud steht ein Traum von ausfallenden Zähnen für den Tod. Eine Verbindung, die
auch Aschenbach in dieser Situation erkennt.
Er hatte jedoch bemerkt, daß Tadzios Zähne nicht recht erfreulich waren: etwas zackig und
blaß, ohne den Schmelz der Gesundheit und von eigentümlich spröder Durchsichtigkeit, wie
zuweilen bei Bleichsüchtigen. Er ist sehr zart, er ist kränklich, dachte Aschenbach. Er wird
wahrscheinlich nicht alt werden. (42)
Der Junge erscheint gerade in Kontrast zu seinem Kameraden Jaschu schwächer, ein
Eindruck, der besonders durch den Kampf zwischen den beiden Freunden am
Schluss der Novelle entsteht.
Jener Stämmige, im Gürtelanzug und mit schwarzem pomadisiertem Haar, der »Jaschu«
gerufen wurde, durch einen Sandwurf ins Auge gereizt und geblendet, zwang Tadzio zum
Ringkampf, der rasch mit dem Fall des schwächeren Schönen endete. (86)
In dem Ausdruck „des schwächeren Schönen“ (86) wird die Polarität der Dekadenz
klar, der „Fall“ (86) Tadzios weist ebenfalls auf das Verfallsmoment hin. Ebenso wie
bei Aschenbach scheint auch der Name des Jungen symbolische Wirkung zu haben,
da er „etwas zugleich Süßes und Wildes hatte“ (41). Die Wiederholung der
Anmerkungen Aschenbachs zu Tadzios schlechter Gesundheit, wie „bläuliches
Geäder“ (52) oder „[…] doch schien er blässer heute als sonst […]“ (60) zeigen, wie
diese Tatsache zu der Faszination Gustavs von Aschenbach beiträgt. Die bläulichen
Adern weisen auf Tadzios Adel hin und ordnen ihn somit in die gleiche
54
55
Marson/Hughes 1979:23
Marson/Hughes 1979:22
- 25 -
gesellschaftliche Klasse ein wie Aschenbach. Durch seinen Adel und seine
offensichtliche körperliche Schwäche wird er zu einer typischen dekadenten Figur.
Tadzio stellt das passive Objekt dar, da er aufgrund der Erzählperspektive immer
nur als der Geschilderte auftreten kann. Auf Aschenbachs Verhalten hat er aber eine
entscheidende Wirkung und provoziert durch sein schönes, aber auch schwächliches
Aussehen einen Wandel in Bezug auf die Künstlernatur seines Beobachters.
Tadzio is the medium by which Aschenbach finally attains awareness of the difference between
the beauty of literature and the sensual beauty of living, breathing human beings.
56
In ihm treffen sich quasi die Pole der Dekadenz, der Verfall und die Schönheit.
Schließlich besteht „der Grundzug dekadenter Lebensweise darin […], die Außenwelt
durch […] sinnliche Rezeption zu erfahren“57. Diese Kunstauffassung übernimmt
Aschenbach durch die Betrachtung von Tadzios Schönheit. Auch die Passivität von
Tadzio in seiner Beziehung zu Aschenbach kann als typisches Dekadenzphänomen
verstanden werden. Allerdings kann diese Inaktivität auch angezweifelt werden, da
Tadzio einige, kaum bemerkbare Reaktionen gegenüber Aschenbach zeigt. „He is
expert in modest dropping and lifting of the eyes.”58 Die Handlungen, die Tadzio
nahezu unbemerkt vollzieht, führen also dazu, dass sein Verehrer immer weiter in
seiner Bewunderung bestätigt wird.
In diesem Kontext sollte einem weiteren Aspekt der Dekadenz Beachtung
geschenkt werden, nämlich dem Zufall. Tadzios Auftauchen wird häufig als zufällig
beschrieben als läge ein unsichtbarer Zusammenhang zugrunde, in dem „alles
Zufällige bedeutsam wird“59. Beispielsweise erscheint Tadzio an dem Morgen, an dem
Gustav von Aschenbach eigentlich abreisen sollte, just in dem Augenblick, als sein
Bewunderer den Raum verlassen will, im Speisesaal (vgl. S. 45). Die zufälligen
Fügungen scheinen die „endgültige Verstrickung“60 und somit Aschenbachs Tod zu
besiegeln.
Ein weiterer Aspekt ist die Fremdheit Tadzios, dadurch dass Aschenbach dessen
Sprache nicht versteht. Er nimmt nur wahr, dass er „mit einem halblauten Wort in
seiner weich verschwommenen Sprache“ (36) spricht, nicht aber was er sagt. Auch
diese Gegebenheit scheint zur Anziehung Tadzios beizutragen: „So erhob Fremdheit
56
Marson/Hughes 1979:22
Weinhold 1977:133
58
Marson/Hughes 1979:23
59
Reed 1983:154
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Reed 1983:155
57
- 26 -
des Knaben Rede zur Musik.“ (52) An dieser Stelle kann auch auf die Sprachskepsis
der
Dekadenz
hingewiesen
werden,
die
die
Sprache
als
wichtigstes
Kommunikationsmittel in Frage stellte. Schließlich „steht die Dekadenz in der Tradition
des europäischen Nihilismus und bildet ihren Höhepunkt“61. Trotz dieser Fremdheit
scheint Tadzio mit seiner schwachen Konstitution an Aschenbachs eigene Jugend zu
erinnern. Zudem kann seine Jugendlichkeit Aschenbachs Alter kontrastieren.
Aschenbach constantly contrasts Tadzio with himself and tries to assimilate himself to him, as is
most obvious in the rejuvenation scene, when he depends on the hotel coiffeur to make him
appear younger.
62
Tadzio scheint also der Auslöser zu sein für Aschenbachs Wunsch nach Verjüngung,
eine Entwicklung, die zu einer Entfremdung von seiner realen Umgebung führt;
ebenfalls ein Kennzeichen für Dekadenzliteratur.
Der Dekadente kann nicht mehr im erkennenden und moralisch handelnden Bezug zu Welt und
Mitmensch beide als vertrautes Gegenüber erfahren, an denen er im theoretischen,
emotionalen und praktischen Austausch seine Persönlichkeit entwickelt, wie es beispielsweise
Goethes Wilhelm Meister vergönnt war.
63
Aschenbachs „highest degree of estrangement from his environment”64 trifft auf die
brutale Realität der Cholera, die schließlich auch zu seinem physischen Tod führt,
dem das Ende seines bisher geführten Lebens vorausgeht. Am Schluss erscheint
Tadzio „als Hermes psychagogos, Führer der Seelen ins Totenreich“65.
Tadzio ist der entscheidende Auslöser für den Wandel in Aschenbachs Ansichten
als Künstler und betont durch seine morbide Schönheit wichtige Aspekte der
Dekadenz in der Novelle. Er verkörpert die Polarität von Schönheit und Verfall in der
dekadenten Wahrnehmung der Welt. Zudem ist er mit seiner schwächlichen
Gesundheit ein Bote des Todes in Der Tod in Venedig. Die anderen Boten, die
auftauchen, stehen dagegen eher für die dunkle, hässliche Seite des Sterbens, da sie
von Aschenbach als unheimlich und abstoßend beschrieben werden.
61
Weinhold 1977:150
Euchner 2005:204
63
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65
Reed 1983:154
62
- 27 -
3.2.3 Die ´Boten`
Weitere Träger der Dekadenz sind die scheinbar zufällig auftauchenden Boten, „der
Münchener Wanderer, der Gondolier, der Bänkelsänger und andere“66. Gemeinsam
haben alle, dass sie in Aschenbach Abneigung und Unbehagen hervorrufen und
schon früh auf ein drohendes Unglück hindeuten. Auch wenn Gustav von Aschenbach
aus seiner Perspektive den Zusammenhang zwischen den so genannten Boten nicht
erkennen kann, sind dem Leser die Hinweise auf die nahende Gefahr klar. Der erste
Bote ist der Auslöser für Aschenbachs Reiselust, es ist der Fremde, den er bei seinem
Spaziergang in München sieht. Sein Äußeres und seine Fremdheit stoßen ihn ab und
provozieren das Verlangen zu verreisen in ihm.
Mochte nun aber das Wanderhafte in der Erscheinung des Fremden auf seine Einbildungskraft
gewirkt haben oder sonst irgendein physischer oder seelischer Einfluß im Spiele sein: […]. (9)
Schon hier „lauert […] das nicht Geheure hinter dünner Wand“67. So animiert „der
erste der Dionysos- und Todesboten“68 allein durch sein Auftreten Aschenbach zu
seiner unheilsvollen Reise, auf der er in dem Mann, bei dem er seine Überfahrt von
Pola nach Venedig bezahlen muss, den nächsten Boten trifft. „He is the one who –
like Charon – has the power to decide whom he will deliver and who has to stay
behind."69
Eine weitere unheimliche Begegnung mit einem falschen Jüngling trifft Aschenbach
noch persönlicher, da dieser auf seine spätere künstliche Verjüngung vorausdeutet.
Wandererfiguren und Gangesvision verkörpern das erste Versagen der geistigen Disziplin
Aschenbachs, […], der falsche Jüngling an Bord den Verfall des seinerseits noch später auch
zur kosmischen Kunst Greifenden.
70
Es ist gerade die durch die Maskierung ausgelöste Falschheit, die Aschenbach
aufregt. So gelangt man zu der für die Dekadenz wichtigen Künstlichkeit, die der
Protagonist durch seine eigene Maskerade am Ende selber erreicht. Symbole wie die
rote Krawatte lassen sich in der Verjüngungsszene wieder finden. „He even wears a
red tie and a straw hat, just like his annoying model on the ship.”71
66
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Euchner 2005:202
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Hinzu kommt die „abscheulich zweideutige Art“ (25), die das Verhalten des
vermeintlichen Jungen kennzeichnet. Diese Zweideutigkeit ist ebenfalls Element der
Dekadenz, der Verbindung des Schrecklichen mit dem Schönen. Eindeutig
abscheulich ist auch das Verhalten des Gondoliers, der Aschenbach zum Hotel fährt
und nicht den gewünschten Weg einschlägt. Dieser Mann mit seiner „brutale[n]
Physiognomie“ (28), der bezeichnenderweise einen sich auflösenden aus der Form
geratenen Hut trägt, passt zu der an einen Sarg erinnernden Gondel.
Deutlich im Zusammenhang mit der Krankheit, die Venedig befallen hat, steht der
Sänger, der eines Abends vor dem Hotel auftritt; schließlich trägt er schon ihren
Karbolgeruch. Außerdem ist auch sein Auftreten von eigentümlicher Fremdheit
geprägt. Aschenbach verortet seine mögliche Herkunft in Neapel, wo die Cholera
einen ihrer Ausgangspunkte in Italien gefunden hat. Durch seine falschen
Beteuerungen, dass man sich wegen der Krankheit keine Sorgen zu machen brauche,
und sein künstlich-unheimliches Auftreten, das mit seiner Zweideutigkeit an den
geschminkten Alten auf dem Schiff erinnert, schürt er die Befürchtungen
Aschenbachs. Zudem gibt er einen Hinweis auf den dekadenten Hang zum
Nihilismus.
In this case, the instruments are the death-implying devices and their application as such can
be traced back to the Baroque age, when one of the prevalent themes for poets and painters of
that time was the concept of vanitas.
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Nach dem Auftritt der Musiker bekennt Aschenbach für sich selber seine Liebe zu
Tadzio und gibt somit seinen bisherigen Lebenswandel endgültig auf.
Die endgültige Wahrheit über die Cholera erfährt Gustav von Aschenbach
allerdings nicht von einem der Todesboten, sondern zunächst teilweise von einem
„Schwätzer“ (62) beim Frisör und letztendlich in einem Reisebüro von einem im
Kontrast zu den anderen Figuren völlig unspektakulärem Engländer. In Folge dessen
wird der mittlerweile äußerlich dem unechten Jüngling ähnelnde Aschenbach selber
zu einer Art Todesbote, indem er die dramatischen Tatsachen verschweigt.
72
Euchner 2005:201
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4. Fazit
Ziel der Arbeit war es die Motive in Der Tod in Venedig aufzuzeigen, die für eine
Zuordnung des Textes zur Literatur der Dekadenz sprechen. Als bedeutendste
Merkmale für die Dekadenz wurden der Verfall und die künstlerische Sensibilisierung
herausgearbeitet. Diese Tendenzen konnten im Tod von Venedig anhand von zwei
wichtigen Aspekten vorgestellt werden. Dabei handelte es sich um die Orts- und die
Personenbeschreibungen. Schließlich haben die Orte, an denen Gustav von
Aschenbach sich aufhält, eine starke Wirkung auf ihn, was schon in der ersten Szene
bei seinem Besuch auf dem Münchener Friedhof deutlich wird. Venedig wird als
verfallende Stadt dargestellt, die von einer verheimlichten Krankheit heimgesucht wird,
die das Leben des alternden Protagonisten gefährdet. Gleichzeitig zeichnet sich
Venedig durch außergewöhnliche Schönheit aus, die gerade durch die Morbidität der
Stadt gesteigert wird. Damit sind die typisch dekadenten Pole Verfall und Schönheit in
den Schilderungen Venedigs wieder zu finden. Gleiches gilt für den alternden Künstler
Aschenbach, der zwar in Venedig seine körperlichen Kräfte schwinden sieht und von
seinem strengen Arbeitsethos abkommt, aber auch die Möglichkeit erhält Schönheit
und Kunst auf neue Art wahrzunehmen. Statt diszipliniertem Arbeiten wird
Kunstschaffen für ihn zum leidenschaftlichen Genuss. Grund für diesen Wandel ist die
Begegnung mit dem Jungen Tadzio, in dem sich ebenfalls Schönheit und Schwäche
vereinen. Alle dekadenten Motive werden am Schluss im Tod Aschenbachs
zusammengeführt. Im Sterben schwelgt er in den Betrachtungen Tadzios und er leidet
an der Krankheit Venedigs. Die Beschäftigung mit den Motiven der Dekadenz
ermöglichte interessante Einblicke in die Novelle. Mit der Untersuchung des Textes
hinsichtlich der Dekadenzmotive konnte die Persönlichkeit Aschenbachs und die
Wirkung Venedigs auf seinen Charakter analysiert werden. Da die Dekadenz eine oft
falsch verstandene und kritisierte Richtung der Literatur ist, wäre eine weiterführende
Analyse der Rezeptionsgeschichte womöglich von Interesse.
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5. Literaturangaben
5.1 Primärtext
Mann Thomas (2004): Der Tod in Venedig und andere Erzählungen. Frankfurt a.M.
5.2 Sekundärquellen
Bernheimer, Charles (2002): Decadent subjects. the idea of decadence in art,
literature, philosophy, and culture of the fin de siècle in Europe. Baltimore
Eichner, Hans: Thomas Mann (1961): Eine Einführung in sein Werk. Bern.
Euchner, Maria (2005): “Life, Longing und Liebestod: Richard Wagner in Thomas
Mann´s ´Tristan` and ´Tod in Venedig`. In: The Germanic Review. 80; 3, S. 18 –213.
Kunz, Ulrike (1997): Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.: ästhetischer
Realismus in der europäischen Décadenceliteratur um 1900. Hamburg
Marson, E.L./Hughes Kenneth (1979): The Ascetic Artist: Prefigurations in Thomas
Mann´s Tod in Venedig. Bern/Frankfurt a.M./Las Vegas
Reed, Terence James (1983): Thomas Mann: Der Tod in Venedig. Text, Materialien,
Kommentar mit den bisher unveröffentlichten Arbeitsnotizen Thomas Manns.
München/Wien
Shookmann, Ellis (2003): Thomas Mann´s Death in Venice: A novella and its critics.
Rochester
Weinhold, Ulrike (1977): Künstlichkeit und Kunst in der deutschsprachigen
Dekadenzliteratur. Frankfurt a.M.
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