..und die Reise geht weiter

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..und die Reise geht weiter
Nana D`lane
Lilly Dax
SCathie
CAMIR
...und die Reise geht weiter.
Orientiert
an
STAR TREK
Created
by
GENE RODDENBERRY
COPYRIGHT © by Federation Workshop 2004
Alle Rechte liegen bei den Autoren
Erstauflage
Die Autoren gehören zum Fan Fiction Archiv von Nana`s Fanpage (www.nanasfanpage.de)
Wir danken jedem, der es uns ermöglicht hat, dieses Buch zu veröffentlichen.
Und natürlich Gene Roddenberry, der uns inspirierte eigene Geschichten zu schreiben.
Danke
Bei diesem Buch handelt es sich um eine private, nichtkommerzielle Ausgabe.
Die Copyrights an den Figuren aus den einzelnen Serien und Charakteren liegen bei den jeweiligen Produktionsfirmen und Serien- Erschaffern.
Die Rechte für die selbsterdachten Charaktere in der Fanfiction, sowie für die einzelnen Geschichten sind grundsätzlich
als geistiges Eigentum des betreffenden Autoren zu betrachten. Der Federation Workshop publiziert von Fans für Fans.
Weder der Workshop, noch die einzelnen Autoren erzielen einen finanziellen Gewinn durch in diesem Buch veröffentlichte Geschichten.
Kurzgeschichten
ein gemeinsames Projekt
von Nana’s Fanpage
und
1. Auflage Juni 2004
Herausgeber
Harald Latus
Covergestaltung
Harald Latus
Layout und Druck
Harald Latus
Binden und Schneiden
Marion und Horst
4
Inhalt
„Freund oder Feind“
Seite
9
„Das verschwundene Außenteam”
Seite
35
„Der falsche Captain“
Seite
57
„Rätsel um den Orokles Sektor“
Seite
221
„Auf den Spuren von Kathrin Janeway“ Seite
261
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6
7
8
1
Freund
oder Feind
von
Nana D’lane
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*
Seven ging durch den hellerleuchteten Korridor Richtung
Krankenstation. Vereinzelte Crewmitglieder begegneten
ihr und grüßten sie. Sie wurde nicht mehr als Außenseiter
angesehen, in manchen Angelegenheiten vielleicht noch, aber im
großen und ganzen wurde sie als vollständiges Mitglied der
Familie angesehen und auch so behandelt. Sie rief bei den
anderen auch keine Ängste mehr hervor. Schließlich war sie auch
nicht mehr die einzige Ex-Borg auf der Voyager.
Ihre Gefühle für die Neulinge waren sehr unterschiedlich.
Einerseits war sie stets unsicher, wie sie die Kinder behandeln
sollte, andererseits erfreute sie die Tatsache, den Frachtraum nicht
mehr alleine zu bewohnen. Bei der Ankunft der Kinder waren
Gefühle entstanden, die sie vorher nicht kannte. Der Drang, die
Jugendlichen zu beschützen, war sehr groß. Größer als sie es je
gefühlt hatte.
Seven erreichte die Krankenstation und betrat den Raum.
Der Doctor war gerade damit beschäftigt, den Brutkasten des
Säuglings neu einzustellen. Er lächelte, als er Seven erblickte, und
begrüßte sie freundlich.
„Ich habe Ihnen die Borg-spezifischen Daten über den
Säugling ausgewertet. Hier sind die Ergebnisse“, sagte Seven und
reichte ihm das PADD.
„Danke, für die schnelle Arbeit.“
„Wie geht es ihr?“ fragte Seven und betrachtete
den Brutkasten.
„So weit, so gut. Die Borg haben ihr ein wirklich kräftiges
Organ gegeben. Da die Kleine keine Mutter hat, die sie stillt, habe
ich ein Verfahren erprobt, welches auch die Borg genutzt haben,
um Säuglinge zu ernähren. Doch wenn die individuelle
Umwandlung fortgeschritten ist, muss ich auf andere Mittel
zurückgreifen.“
Er merkte, dass Seven ihm gar nicht richtig zuhörte. Starr
hielt ihr Blick an dem Säugling fest. Er musste grinsen. Seitdem
das Baby in der Krankenstation war, stattete Seven ihm
regelmäßige Besuche ab. Aber nicht um ihn zu sehen, sondern das
Baby.
„Möchten Sie sie halten?“, fragte er und riss sie aus ihren
Gedanken.
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„Ich weiß nicht, wie ich sie halten soll“, murmelte Seven.
„Ach, das ist nicht schwierig“, versicherte der Doc. Er nahm
das Baby vorsichtig aus dem Brutkasten und legte es langsam in
Sevens Arme.
Die Kleine wirkte viel munterer als zu dem Zeitpunkt, wo
sie auf die Voyager gebeamt wurde. Der Doc hatte schon einige
Borg-Implantate entfernen können.
„Sie mag Sie!“, stellte er fest.
„Sind Sie sicher?“, fragte Seven und zog eine Augenbraue
hoch.
„Natürlich! Schauen Sie, wie sie Sie anlächelt.“
In der Tat strahlte das kleine Geschöpf und streckte seine
Hände nach Sevens Gesicht aus.
Der Doc nahm einen Tricorder und scannte die Kleine. „Sie
ist in einer wirklich guten Verfassung. Den Werten zufolge
müsste sie ungefähr 3 Monate alt sein. Konnten Sie etwas über
ihre Herkunft herausfinden?“
„Ich konnte leider nur herausfinden, welcher Spezies sie
angehörte. Und zwar gehört sie der Spezies 298 an. Die Salendo.
Nur wenige Individuen dieser Spezies konnten von den Borg
assimiliert werden. Ihre Planeten waren fast unauffindbar für die
Borg. Nur wenn die Tarnvorrichtungen der Planeten
Fehlfunktionen aufwiesen, waren sie für andere Spezies
auffindbar. Bei Gefahr ziehen die Völker meist auch weiter. Sie
sind überall im Quadranten verteilt. Ich denke, es wird sich als
hoffnungslos erweisen, die Familie des Säuglings zu suchen. Die
Bezeichnung des Babys, die ihr ihre Eltern gaben, konnte ich nicht
in Erkundung bringen“, bedauerte Seven. Sie beobachtete jede
Bewegung des kleinen Mädchens in ihren Armen.
Die Tür der Krankenstation ging auf und der Captain trat
herein. „Seven, Doctor, schön Sie zu sehen. Na, meine Kleine.“
Kathryn beugte sich zu dem Baby hinunter.
Seven grübelte immer über die Worte nach, meine Kleine,
unsere Kleine. Sie verstand einfach nicht, was die Menschen
damit meinten Immerhin, waren sie alle Individuen und gehörten
niemandem.
„Gut, Captain, dass sie kommen, ich wollte mit Ihnen noch
über die Daten reden, die mir das Außenteam letzte Woche
übergeben hat“, meinte der Doc und führte Janeway in sein Büro.
Seven blieb mit dem Baby allein.
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Welch ein Gefühl, dachte Seven. Sie hätte nie gedacht, dass
ein so kleines Individuum solche Gefühle in ihr hervorrufen
könnte. Fürsorgliche Gefühle. Als Borg waren Gefühle irrelevant
gewesen. Säuglinge und Kinder waren nicht zu gebrauchen
gewesen. Sie konnten keine Arbeit verrichten, machten aber viel
Arbeit. Selbst Seven hatte die Einrichtung der Reifekammern
immer für effizient gehalten. Bis jetzt. Heute spürte sie nur Hass
auf die Borg. Ihr selbst hatte man die Kindheit geraubt. Schon der
kurze Lebensabschnitt eines Säuglings war enorm wichtig für
den späteren Charakter des Individuums.
„Ich werde nicht zulassen, dass Dir irgend jemand jemals
wieder Schmerzen zufügt.“
Seven wunderte sich selber über diese Worte, hatte sie das
wirklich eben gesagt? Schnell drehte sie sich um, damit sie sich
vergewissern konnte, dass kein anderer die Worte gehört haben
könnte. Sie hatte Glück, der Doc und der Captain waren immer
noch in seinem Büro. Vorsichtig legte Seven die Kleine wieder
zurück in den Brutkasten, warf noch einen kurzen Blick auf das
Kind und steuerte die Tür an.
Im letzten Moment hielt Janeway sie zurück. „Seven, ich
möchte gerne mit Ihnen reden!“
„Jetzt wäre kein guter Zeitpunkt, der Unterricht der Kinder
fängt gleich an.“
„Wir wär’s, ich lade Sie heute Abend zum Abendessen ein?“
Seven sah den Captain verwundert an. Leicht verunsichert
nickte sie schließlich.
„Um 19 Uhr. Aber pünktlich!“, grinste Kathryn.
*
„Regenerationszyklus abgeschlossen.“
Vier Kinder stiegen aus den Alkoven. Sofort lief
Mezoti zu Seven und Naomi. „Was für eine
Unterrichtseinheit werden wir heute behandeln?“
„Wir werden heute 2 Stunden auf dem Holodeck
verbringen. Das Programm könnt ihr euch selber aussuchen“,
antwortete Seven.
„Aber wie sollen wir das aussuchen?“, wollte Azan wissen.
„Naomi wird euch helfen.“
Naomi lächelte und ging zusammen mit den drei kleineren
Kindern aus dem Raum. Nur Seven und Icheb blieben zurück.
„Ich möchte nicht mit auf das Holodeck. Ich empfinde es als
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reine Zeitverschwendung.“
„Sie sollen Freizeitaktivitäten nachgehen. Das musste ich
auch lernen, als ich auf die Voyager kam. Sie sind noch jung.
Genießen Sie die Zeit.“ Seven hielt inne und fügte mit einem
leiseren Stimme hinzu: „Nicht jeder Ex-Borg hatte die Gelegenheit
dazu.“
Icheb überlegte. Er verstand nicht richtig, was sie damit
meinte, sie signalisierte ihm aber nicht nachzufragen.
Holodeck 2
Naomi stellte das Programm „San Francisco Sunflower Park“ ein.
Der Park war im Stil eines im 21. Jahrhundert typischen
Freizeitparks dargestellt.
„Wozu dienen die ganzen Maschinen und was machen die
Menschen da drinnen? Sind das Forschungsmethoden?“
Seven musste beinahe lächeln. „Diese Geräte sind zum
Vergnügen da.“
„Und warum schreien die Leute da drüben?“ Icheb machte
einen verständnislosen Ausdruck.
Seven seufzte. Sie wusste nicht genau, wie sie es Icheb
erklären sollte. Sie selber verstand manche Eigenschaften der
Menschen noch nicht. Wie sollte sie das dann einem Kind
erklären? „Sie haben Angst. Komischerweise finden es die
Menschen sehr aufregend, wenn sie bei Vergnügungsaktivitäten
Angst bekommen. Sie haben Spaß daran. Sie sind ständig auf der
Suche, ihre Grenzen kennen zu lernen.“
Icheb beäugte sie misstrauisch, sagte aber nichts mehr.
„Komm schon, wenn Du einmal mit der Extrembahn
gefahren bist, dann weißt Du warum Menschen das machen“,
drängelte Naomi, nahm ihn bei der Hand und zog ihn auf das
erste Ungetüm aus Blech und Stahl zu.
Seven blieb zurück. Sie setzte sich in ein kleines Café und
beobachtete die Kinder. Auf einmal stand ein Mann vor ihrem
Tisch und lächelte sie an.
„Hätten Sie etwas dagegen, wenn ich mich zu Ihnen setze?“,
fragte er freundlich.
„Nein, setzen Sie sich“, erwiderte sie.
Der Mann nahm sich einen Stuhl vom Nebentisch und
stellte ihn zu Sevens Tisch. „Mein Name ist Jason. Ich bin mit
meinem Sohn hier. Und wer sind sie?“
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„Seven. Seven of Nine.“
„Waren das eben all ihre Kinder, mit denen Sie hier
hergekommen sind?“
„Nein, ich betreue sie nur. Warum?“
„Ach, Sie sind ihre Lehrerin?“
„Richtig.“
„Ich fragte nur, weil sie Ihnen so ähnlich sehen.“
Seven nickte nur knapp. Sahen die Kinder ihr wirklich
ähnlich? Doch nur wegen den Borg-Implantaten.
„Haben Sie eigene Kinder?“, fragte Jason interessiert.
Etwas genervt rutschte Seven auf ihrem Stuhl hin und her.
Sie hatte wirklich keine Lust mit ihm zu reden. Sie hielt solche
sinnlosen Fragen immer noch für nervtötend. Sie würde am
liebsten ganz in Ruhe hier sitzen. Doch sie wusste, dass ein
Holoprogramm sie nicht in Ruhe lassen würde. Außerdem
musste sie ja noch ihre sozialen Kontakte verbessern.
„Nein, ich habe keine Kinder.“
„Möchten Sie gerne welche? Glauben Sie mir, dass ist das
Schönste auf der Welt.“
Ihr Gesichtsausdruck verdüsterte sich. Das geht jetzt
wirklich zu weit, dachte sie. Warum sollte Sie mit einem
Hologramm über so etwas reden? Zum Glück unterbrach ein
kleiner Junge das Gespräch. Es war der Sohn von Jason. Er
wickelte seinen Vater sofort in ein Gespräch ein, ohne Seven eines
Blickes zu würdigen. Seven stand auf.
„Sie möchten gehen?“, fragte Jason enttäuscht.
„Ich darf meine Aufsichtspflicht nicht verletzen“, meinte sie
und verließ ohne eine Antwort abzuwarten das Café.
Nach einer Stunde kamen die Kinder zurück zu Seven.
Sie wirkten ziemlich aufgedreht. Die Kinder diskutierten wild,
welche Bahn oder Attraktion am besten gewesen war.
„Seven, sind wir eine Familie?“, wollte Mezoti auf einmal
wissen.
„Wie meinst Du das?“
„Wir sind alle Borg gewesen, also gehören wir doch einer
Familie an?“
„Die Voyager ist unsere Familie.“
„Ja, aber Naomi zum Beispiel hat ihre Mutter. Sie bilden
eine richtige Familie. Sie sind verwandt und gehören einer
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Spezies an. Icheb, ich, Azan, Rebi, das Baby und Sie gehören den
Borg an, also bilden wir auch eine richtige Familie?“
„Ursprünglich gehören wir alle aber einer anderen Spezies
an. Nur Azan und Rebi sind verwandt. Außerdem muss man
nicht verwandt sein oder einer gleichen Spezies angehören um
eine Familie zu bilden. Man ist zwar meistens in eine Familie
hineingeboren Familie, aber auch Menschen denen man vertraut,
wo man sich geborgen und sicher fühlt, würde ich als Familie
bezeichnen.“
Mezoti nickte nachdenklich.
Naomi lächelte Seven an. Die beiden hatten auch schon mal
so ein Gespräch gehabt. Und das hatte Seven wirklich viel
gebracht.
Ihr Kommunikator meldete sich. Es war die Stimme des
Captains, die sagte, dass Seven so schnell wie möglich auf die
Brücke kommen sollte.
*
Die Ex-Borg trat aus dem Turbolift und stellte sich an
ihren Posten auf der Brücke.
„Seven, wir haben eine verschlüsselte Nachricht
bekommen, wir benötigen ihre Hilfe.“, sprach Janeway.
Seven begann eine erste Untersuchung der Nachricht. „Die
Nachricht scheint sehr stark verschlüsselt zu sein.“
„Herkunft?“, fragte der Captain.
„Mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem fluiden Raum“,
erwiderte die Ex-Borg.
„Spezies 8472. Die hätte ich beinahe vergessen.“ Janeway
lehnte sich in ihrem Sitz nachdenklich zurück.
„Ich schicke die Nachricht in die Astrometrie und werde sie
dort entschlüsseln.“
„Einverstanden, ich erwarte so schnell wie möglich einen
Bericht von Ihnen“, befahl der Captain und Seven verließ den
Raum. „8472. Ich bin wirklich gespannt, was sie von uns wollen.“
„Ich auch. Vielleicht bekomme ich endlich meine Führung
durch den fluiden Raum?“, sprach Chakotay lächelnd, aber doch
irgendwie nervös.
Janeway nickte nur und machte einen leicht besorgten
Eindruck. Ob 8472 immer noch auf ihren Friedensvertrag eingeht?
Sie hoffte es. Jetzt hieß es erst mal warten. Wie sehr sie das hasste.
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*
„Herein!“, antwortete Janeway, als der Türsummer ihres
Quartieres betätigt wurde.
Seven trat ein.
„Pünktlich wie immer“, strahlte Janeway und stellte einen
weiteren Teller auf den bereits dekorierten Tisch.
Seven war ein bisschen aufgeregt. Noch nie hatte sie mit
dem Captain zusammen gegessen, obwohl ihr der Captain
wirklich nahe stand. Von Anfang an.
„Sie haben ein wunderschönes Kleid an“, bemerkte
Kathryn.
Seven sah an sich herunter. „Naomi und Mezoti haben es
für mich repliziert.“
„Mezoti zeigt daran Interesse?“
„Ich denke, dass hat man Naomi zu verdanken. Die beiden
sind wirklich sehr kreativ.“
„Schön zu hören. Setzen Sie sich“, bat der Captain. „Ich
finde es sehr erfrischend, weitere Kinder auf der Voyager zu
haben. Am meisten freut mich das für Naomi.“
„Die Kinder haben sich sehr an die Voyager gewöhnt. Ich
sehe, dass es für Kinder leichter ist, die Umstellung von Borg zum
Menschen zu bewältigen. Bei Icheb ist es schon ein bisschen
schwieriger. Haben Sie denn schon Kontakt zu den anderen
Familien der Kinder hergestellt?“
„Leider nein, ich nehme an, dass ihre Familien oder sogar
ihre ganze Spezies auch assimiliert wurden.“
Seven war über diese Antwort eigentlich froh. Sie konnte es
sich jetzt kaum mehr vorstellen, das ganze Leben allein in diesem
Frachtraum zu verbringen.
„Nun, dann lassen Sie es sich schmecken“, sagte Kathryn
und hob das Glas. Nach einer Weile fuhr sie fort. „Haben Sie
schon Fragmente der Nachricht entschlüsseln können?“
„In der Tat. Spezies 8472 hat uns Koordinaten zugeschickt,
wo wir uns morgen Mittag bereit halten sollen. Die Koordinaten
sind in der Nähe der Sa’helm Kolonie.“
„Was halten Sie davon?“
„Ich bin mir nicht sicher. Sie könnten in Frieden kommen,
um die Missverständnisse der Vergangenheit endgültig zu klären.
Aber sie könnten auch andere Gründe haben. Wir sollten sehr
vorsichtig sein.“
„Ich verstehe, was Sie meinen. Wir werden morgen früh mit
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den anderen darüber reden und entscheiden, wie wir vorgehen
werden. Bis dahin verbleiben wir in der Nähe der Koordinaten.“
Sevens Gesicht verriet, dass sie mit dem Vorschlag des
Captains nicht ganz übereinstimmte. Der Captain sollte
zumindest auf Gelben Alarm gehen.
„Der eigentliche Grund für das Abendessen, ist der Namen
des Babys. Da man nicht mehr herausfinden kann, wie die Kleine
hieß, bevor sie assimiliert wurde, müssen wir ihr einen geben.
Und nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Entschluss
gekommen, Ihnen diese Aufgabe zu überlassen“, erklärte
Janeway.
Seven verschluckte sich beinahe. „Ich? Warum ich?“, fragte
sie schnell.
„Meiner Meinung nach haben Sie die engste Beziehung zu
dem Baby. Einmal weil Sie sie gerettet haben und weil das
Mädchen auch eine Ex-Borg ist.“
Sevens Gedanken rasten, sie wusste nicht, was sie darauf
antworten konnte. Ihr Blick war gesenkt, ihre Finger spielten
unruhig mit den Besteck.
„Anders als bei den Borg wird die Bezeichnung nicht nach
der Funktion des Menschen gewählt. Nach der Geburt eines
Kindes wird ein beliebiger Name gewählt, meistens aber schon
vorher. Jedenfalls bei den Menschen.“
„Und wie wählt man den Namen eines Menschen?“
„Oh, das ist unterschiedlich. Manche Eltern denken sich
schon Wochen vor der Geburt einen Namen aus. Sie suchen sich
einen Namen aus, den sie sehr schön finden oder sie benennen
das Kind nach einem Idol, wie z.B. einem Schauspieler, Sänger,
Wissenschaftler. Fragen Sie doch den Doctor, er war eine Zeitlang
ständig auf der Suche nach einem Namen für sich.“
„Ich werde es versuchen“, versprach Seven.
*
„Das Problem liegt auf der Hand. Wir wissen nicht, mit
welchen Absichten Spezies 8472 uns treffen will. Ich
nehme an, mit guten. Aber hundertprozentig können
wir das nicht sagen. Uns wurde zwar versichert, dass den
Vorgesetzten ihrer Spezies alles berichtet werden würde, und sie
umgestimmt werden, aber ob es funktioniert hat, kann keiner
sagen. Ich möchte vor dem Treffen nur unsere Voyager in
Sicherheit wissen, für alle Fälle. Vorschläge?“ Janeway hoffte wie
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immer auf gute Ratschläge der Crew. Sie saßen bereits seit 7 Uhr
in diesem
Konferenzraum, um die Vorgehensweise zu
besprechen.
„Seven und ich hatten heute Morgen eine Idee. Und zwar
sind die Waffen ähnlich aufgebaut wie die Spezies und die
Raumschiffe selber. Man müsste die Schilde konfigurieren
können, damit ihre Waffen genauso unschädlich gemacht werden,
wie die Raumschiffe und die Wesen von den Nanosonden“,
erklärte Harry Kim energisch und zuversichtlich.
„Wollen Sie die Nanosonden wieder als Waffe einsetzen?“,
fragte der Doc vorsichtig.
„Nein, ich denke, dieses Kapitel ist abgeschlossen. Wir
wollen keinen feindlichen Eindruck vermitteln. Außerdem haben
Sie es bestimmt schon geschafft, die Nanosonden unschädlich zu
machen. Wann können Sie mit den Schilden fertig werden?“
„Wir bräuchten schon einige Stunden“, gab Seven zu.
„Sie bekommen jeden Crewman, den Sie brauchen“,
versprach Janeway.
„Icheb bat mich, bei den Vorbereitungen zu helfen“, sagte
Seven.
„Einverstanden. So wie es aussieht, wird Spezies 8472 ca.
um 16 Uhr den nicht fluiden Raum erreichen. Bis dahin erwarte
ich von Ihnen stündlich Bericht. Doctor, für den extremen Notfall
stellen sie doch noch Nanosonden her. Sie werden aber noch nicht
in die Schiffeinstellungen eingebaut. B’Elanna, Seven, Harry, Sie
arbeiten an den Schildkalibrierungen. Tom, Sie navigieren zu den
Koordinaten. Wir halten uns am besten im Salem-Nebel auf.“
Die leitenden Offiziere nickten.
„Gut, dann wegtreten.“ befahl Janeway.
*
„Wie weit sind Sie?“, fragte Janeway und sah ungeduldig
über Sevens Schulter. Icheb und Seven arbeiteten
pausenlos in der Astrometrie, um die Konfigurationen an
der Hülle fertig zu stellen.
„Es gab einige Schwierigkeiten. Und zwar haben wir
Probleme damit, den Abwehrmechanismus für eine lange
Zeit benutzen zu können, nach ein paar Sekunden bricht das
System wieder zusammen“, meinte Seven.
„Wir hoffen aber, das Problem in der nächsten Stunde gelöst
zu haben“, fuhr Icheb fort.
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„Machen Sie weiter so, ich erwarte um 15 Uhr einen
Bericht.“ Janeway verließ die Astrometrie und ging durch die
Korridore. Allerdings wusste sie nicht wohin. Zuerst zur Brücke
oder zum Maschinenraum? Nichts von beidem, sie musste ins
Casino. Die Aufregung und Anspannung wurde von Minute zu
Minute höher.
Als sie das Casino betrat, fand sie nur Neelix vor. Alle
Crewmen arbeiten ohne Pausen auf ihren Posten.
„Captain, wie schön, Sie zu sehen. Ich muss Ihnen sagen,
dass ich mich schon unheimlich auf unser Treffen freue, wann
geht’s denn los?“
„In etwa 2 Stunden. Ich möchte, dass Sie für heute Abend
einen Empfang für unsere Gäste vorbereiten. Falls unsere Gäste
freundlich gestimmt sind.“
„Sehr gern, schade, dass wir nicht wissen was Spezies 8472
isst, ich hätte sonst deren einheimischen Speisen repliziert.“
„Ich denke, dass Spezies 8472 mit unseren Speisen sehr gut
auskommt, vielleicht haben sogar ein paar ihrer Leute
gefallen daran gefunden.“
„Da haben Sie recht, ich werde mich beeilen.“
„Falls es Schwierigkeiten geben wird, dass heißt, wenn wir
gleich zu Anfang Probleme mit unseren Besuchern haben, gehen
Sie bitte zu den Kindern. Ich möchte sie ihn guten Händen
wissen.“
„Mach ich doch gerne!“, antwortete der Talaxianer fröhlich.
Er konnte einen wirklich aufmuntern und beruhigen.
*
Es herrschte eine unheimliche Stille auf der Brücke. Jeder
Crewman arbeitete an seinem Platz ohne auch nur ein
Wort zu sagen. Die Atmosphäre war elektrisierend.
Anspannung, Aufregung, sogar Angst lag in der Luft. Captain
Janeway saß in ihrem Captainsessel und kontrollierte die eben
erst eingegangenen Berichte. Nur noch 8 Minuten bis zum
vereinbarten Zeitpunkt.
„Seven of Nine an den Captain!“, ertönte eine Stimme aus
Janeways Kommunikator.
„Sind Sie endlich fertig?“, fragte sie leicht genervt. Sie
wartete schon seit einer Stunde sehnsüchtig auf die Beendigung
der Schildkonfigurationen.
„Ja, Captain. Die Schilde sind einsatzfähig“, antwortete
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Seven.
Kathryn lehnte sich erleichtert zurück.
„Doch wir müssen die Schilde ständig neu einstellen. Es
kann passieren, dass sie für ein paar Sekunden aussetzen.“
„Sorgen Sie dafür, dass das nicht passiert!“, befahl der
Captain und starrte auf den großen Sichtbildschirm.
„Ich denke, wir brauchen uns keine Sorgen zu machen. Sie
werden sich nicht mit uns treffen, wenn sie uns noch fürchten
oder verabscheuen“, beruhigte Chakotay sie.
„Ja, ich weiß, mein Misstrauen ist einfach zu groß. Aber
kann mir das einer verübeln?“
„Nein, natürlich nicht. Aber ich versichere Ihnen, dass unser
letztes Treffen einen zu guten Eindruck hinterlassen hat. Zwar
wurde uns auch gesagt, dass es einige Schwierigkeiten geben
wird, die Vorgesetzten zu überzeugen, aber genau deswegen
wollen sie sich mit uns treffen. Um sich zu vergewissern.“
„Ein Kanal öffnet sich, 32 000 km vor uns. Ein Raumschiff
aus dem Fluiden Raum durchquert ihn“, sprach Harry Kim.
Janeway drückte auf ihren Kommunikator. „Seven, Schilde
hoch! Gelber Alarm, Waffen deaktiviert lassen!“
Aus der unendlichen Schwärze vor Ihnen tauchte ein
Raumschiff auf. Ein gigantisches Raumschiff. Fünf Mal größer als
die Voyager und ganz anders als die Kampfschiffe von 8472. Die
Stille auf der Brücke war wieder zurückgekehrt. Nur das Tippen
auf den Kommunikationskonsolen war zu hören und hier und da
ein Räuspern eines Crewman. Jeder sah erstaunt auf den
Bildschirm. Fast ehrfürchtig.
„Sie scannen uns. Ihre Waffen sind deaktiviert und ihre
Schilde hochgefahren“, bestätigte Kim.
„Sie haben wohl den gleichen Gedanken wie wir“, bemerkte
Kathryn.
„Sie rufen uns!“
„Auf den Schirm.“
Eine Gestalt wurde sichtbar, genauer genommen ein als
Mensch erscheinender 8472. „Guten Tag, Captain Janeway! Ich
bin Captain Tim Roland. Wir haben ihre Gestalt angenommen,
damit wir besser mit Ihnen kommunizieren können. Ich hoffe, das
stört Sie nicht.“
„Ganz und gar nicht. Ich begrüße Sie im „nicht fluiden“
Raum!“
20
Bücher des Federation Workshop
Band 0 :
Federation Workshop
Dreamstories
Band 1:
Harald Latus
STAR TREK
Die Akte der U.S.S. Alexandria
Trugbilder (1)
Band 2 :
Band 3 :
Harald Latus
STAR TREK
Die Akte der U.S.S. Alexandria
Dunkle Geschäfte (2)
Rainer Kuhn
STAR TREK
The Next Generation
Der Feind im Hintergrund
Band 4 :
Knut Behle
STAR TREK
Die Abenteuer der U.S.S. Atlantis
Die Feuerprobe
Band 5 :
Stefan Menz
STAR TREK
Intrepid
Geheimnisse
Band 6 :
Federation Workshop
Dreamstories II
Band 7 :
Stefan Menz
STAR TREK
Special Unit IV
Rekrutierungen
Band 8 :
Stefan Menz/Christoph Nagel
STAR TREK
Special Unit IV
Komplikationen
Band 9 :
Nana’s Fanpage Autorenteam
Star Trek VOYAGER
…und die Reise geht weiter
demnächst erscheinen:
Antje Mühlendyck
STAR TREK
Bihos Klage
Stefan Menz
STAR TREK
Intrepid
Offene Rechnungen
Harald Latus
STAR TREK
Die Akte der U.S.S. Alexandria
Verlorene Welten
Rainer Kuhn
STAR TREK
Für die nächste Generation
Knut Behle
Die Abenteuer der U.S.S. Atlantis
STAR TREK
Code Alpha 1-0
Jonas Wellmann
STAR TREK
Revenger
Christoph Schönau
STAR TREK
Ein teuflischer Plan
Thorsten Walch
STAR TREK
Die finstere Flotte
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