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Provincia di Rimini
Assessorato alla Cultura
Assessorato al Turismo
Provincia di Rimini
Assessorato alla Cultura
Assessorato al Turismo
[email protected]
www.turismo.provincia.rimini.it
Provincia di Rimini
Assessorato al Turismo
Riminis und des rimineser Gebietes
Kunstwerke in den kirchlichen Gebäuden
I - 47900 Rimini, piazza Malatesta 28
tel. +39 0541 716371 - fax +39 0541 783808
Auf der Umschlaginnenseite befindet sich ein Plan
der im Führer besprochenen Orte.
Hält man während der Lektüre den Umschlagstreifen
geöffnet, wird man neben dem Text die synoptische
Kurzbeschreibung haben können.
Rimini
Pfarrkirche (Pieve) San Salvatore
Pfarrkirche San Giuliano
Pfarrkirche San Fortunato
Kirche Sant’Agostino
Tempio Malatestiano
Kirche Madonna delle Grazie
Kirche Madonna della Colonella
Wallfahrtskirche Madonna della Misericordia/
Kirche Santa Chiara
Kirche der Serviti (genannt: der Diener)
Verucchio
Pfarrkirche (Pieve) San Martino
Kirche Santa Croce (Villa Verucchio)
Kollegiatskirche von Verucchio
San Giovanni in Marignano
Kirche Santa Maria in Pietrafitta
Pfarrkirche San Pietro
Santarcangelo di Romagna
Pfarrkirche (Pieve) von Santarcangelo di Romagna
Kollegiatskirche von Santarcangelo di Romagna
Morciano di Romagna
Abtei San Gregorio
Montescudo
Pfarrkirche Santa Maria
del Soccorso (Valliano)
Montefiore Conca
Wallfahrtskirche Madonna von Montefiore
Hospitalkapelle Madonna
della Misericordia
Montegridolfo
Kapelle San Rocco
Wallfahrtskirche Selige Jungfrau
delle Grazie (Trebbio)
Saludecio
Pfarrkirche San Biagio
Provincia di Rimini
Assessorato alla Cultura
Assessorato al Turismo
Agenzia per il marketing di distretto
Pier Giorgio Pasini
Kunstwerke in den kirchlichen Gebäuden
Riminis und des rimineser Gebietes
In Zusammenarbeit mit
Kolophon
Koordination:
Valerio Lessi
Grafik:
Relè - Leonardo Sonnoli
Fotos aus dem
Foto-Archiv
der Provinz Rimini
Ein Dank an die Fotografen:
L. Bottaro
P. Cuccurese
P. Delucca
S. Di Bartolo
L. Fabbrini
R. Gallini
L. Liuzzi
G. Mazzanti
T. Mosconi
Paritani
V. Raggi
E. Salvatori
R. Sanchini
F. Taccola
R. Urbinati
Übersetzung:
Erich Czichy
Link-Up Rimini
Druck:
Pazzini Stampatore Editore
Villa Verucchio (Rimini)
Erste Auflage
Februar 2003
Inhalt
Einleitung >
4
Eine engmaschige Verbreitung
Route 1 >
7
Antike Pfarrkirchen
Route 2 >
11
Klöster
Route 3 >
15
Klöster
Route 4 >
19
Auf den Spuren San Francescos
Route 5 >
25
Die Kirchen der Madonna
Route 6 >
31
Kleine Kathedralen
Vertiefungen >
37
Lokale Heilige
Kunst und Erinnerung
Bibliographie >
38
Wer mehr wissen möchte...
www >
Besuch uns vor der Abfahrt
www.turismo.provincia.rimini.it
www.signoriadeimalatesta.it
Einleitung > Eine engmaschige Verbreitung
Das rimineser Binnenland verdankt seine so vielfältige Gestalt einem
Zusammenspiel von Hügelgebieten und zwei Flüssen (dem Marecchia und
dem Conca) mit weiten und malerischen Tälern. Es handelt sich um ein
fruchtbares Territorium, das seit der Vorgeschichte vom Menschen aufgesucht worden ist, insbesondere dort, wo die Hanglagen häufiger und
“bewegter” sind; es ist also reich an kleinen und großen Ansiedlungen und
von einem engen Straßennetz durchzogen, das es mit den
Nachbarregionen verbindet. Wegen seiner Lage - zwischen dem Apennin
und dem Meer sowie in Sichtweite der emilianischen Ebene - bildete es
stets eine Durchgangszone; es war also ein Gebiet des Zusammentreffens
verschiedener Kulturen, aber auch des Zwistes und der Waffengänge. Und
die Landschaft ist augenfällig genau von den Spuren solcher so beängstigender Bedingungen gekennzeichnet.
Die Spuren sind vor allem Überreste eines kriegerischen und funkensprühenden Mittelalters, das sich immer noch hoch auf dem Berge San
Marinos zeigt, das immer noch die Hügel mit Ruinen krönt, mit verfallenden Mauern die Ortschaften gürtet und durch Turmfragmente strategische
Passagen anzeigt. Aber das Aussehen dieser ebenso verfallenen wie pittoresken Spuren selber zeigt auch, dass sie das Ergebnis definitiv abgeschlossener Begebenheiten sind, deren Zeit nun schon weit zurück liegt.
Weniger augenfällig, weniger baufällig, aber genau besehen häufiger
anzutreffen sind Zeugnisse anderer Natur: sie haben mit einer weit verbreiteten Religiosität zu tun, die zuweilen bis in die Antike reichende
Wurzeln hat (wie gewisse Schichtenablagerungen am “heiligen Ort” und
manchmal sogar in ein und demselben Gebäude zeigen), die aber auch
heute noch lebendig und vital ist; vermischt, ja, sogar eng verknüpft mit
den Anzeichen einer friedvollen säkularen Arbeitsamkeit. Ohne große
Mühe stößt man zwischen kultivierten Feldern und längs der
Landstraßensäume auf kleine Votivkapellen, die aus Verehrung heraus
ständig erneuert werden; an den Ortsgrenzen hingegen finden sich häufig
Oratorien, die einstmals kleinen Hospitalen für die Pilger zur Seite standen; und in den Orten und Dörfern Pfarrkirchen unterschiedlicher Form
und Größe, oder Heiligtümer, die der Jungfrau geweiht sind.
Der letzte Weltkrieg hat längs der “Gotenlinie” für längere Zeit
besonders heftig gewütet, zahlreiche Opfer provoziert und bei nahezu
allen Ansiedlungen schwerste Schäden hervorgerufen; und dies natürlich
auch bei Gebäuden religiösen Charakters, die oft wichtige Zeugnisse
bewahrt hatten, besser gesagt: die auch selber wertvolle Zeugnisse der
Geschichte und Tradition, des Glaubens und der Kunst gewesen waren.
Auch die Landflucht, die ihren Höhepunkt Anfang der sechziger Jahre
hatte, hat sich auf die Konservierung von Gebäuden religiösen Charakters
in diesem Gebiet ausgewirkt. Trotzdem sind Kirchtürme auch heute noch
4
häufig anzutreffende Elemente: sie unterstreichen die Präsenz von mehr
oder weniger bescheidenen Kultgebäuden, die mehr oder weniger gut
restauriert und “behütet” sind.
Wer dies Gebiet durchqueren möchte, wird überall interessante und
häufig erfreuliche Zeugnisse religiöser Kunst vorfinden, manchmal echte
und wahrhaftige Meisterwerke, deren Bedeutung und Schönheit dadurch,
dass sie an ihren Originalstandorten aufbewahrt werden und immer noch
ihrer ursprünglichen Bestimmung dienen, besonders zur Geltung kommen.
5
Route 1 > Antike Pfarrkirchen
Santarcangelo
Pfarrkirche San Michele
via Celletta dell’Olio
Tel. 0541 626109
Besichtigung auf Nachfrage
Die byzantinische Pfarrkirche
(Pieve) San Michele in
Santarcangelo.
7
Die Verbreitung des Christentums in Rimini und seinem Gebiet ist wie überall - von märchenhaften Geschichten umgeben, von Legenden, in
denen das Wahre vom Phantastischen schwerlich genau zu unterscheiden
ist. Wenn man die nicht zweitrangige Rolle der Stadt und ihres Hafens im
Verkehr mit Afrika und dem Orient in spätrömischer Zeit bedenkt, begann
sie wahrscheinlich ziemlich früh: genau wegen der Wichtigkeit der Stadt
und ihres Hafens wurde Rimini denn auch vom Kaiser Konstantin 359 als
Konzilsort der Bischöfe des Westens ausersehen.
Bedenkt man weiterhin die engen Beziehungen zwischen der römischen Stadt und dem von ihr abhängigen Territorium, können wir die
Hypothese einer ziemlich raschen Verbreitung des Christentums auch im
Binnenland aufstellen. Tatsächlich präsentieren uns die Dokumente vor
dem 10. Jh. ein ziemlich enges Netz von Pfarrkirchen (wenigstens sechzehn), die den bevölkerungsreichsten und wichtigsten Orten vorgestanden
haben. Jegliches bauliche Zeugnis ist jedoch seit vielen Jahrhunderten zerstört; von einigen Pfarrkirchen ist selbst die topografische Erinnerung verloren gegangen, während uns von anderen nur relativ moderne
Rekonstruktionen überkommen sind. Dasselbe ist innerhalb der Stadt
geschehen, in der die ältesten religiösen Bauwerke verschwunden sind,
alle, sogar die Kathedrale der Santa Colomba, die man in napoleonischer
Zeit entweiht und demoliert hat.
Das älteste und faszinierendste der verbliebenen religiösen
Bauwerke ist die dem Erzengel Michael gewidmete Pfarrkirche von
Santarcangelo di Romagna. Sie erhebt sich einen Kilometer vom Ort entfernt in einer ebenen Gegend und präsentiert sich als ein Gebäude mit nur
einem Schiff von sehr ausgewogenen Proportionen und einem hellen
Inneren mit den Charakteristiken der ravennatisch-byzantinischen Kunst
des 7. Jhs.; auch die außen polygonale Apsis, das flachziegelige
Mauerwerk und die harmonische Bogenfenster-Reihe verweisen auf ravennatische Kunst. Das darf nicht verwundern, denn erstens war das gesamte
rimineser Territorium Bestandteil der byzantinischen Pentapolis und ist
lange gegen die Barbaren verteidigt worden, und zweitens, weil die Kirche
Ravennas während vieler Jahrhunderte reichlich Besitztümer in der
Romagna und den Marken gehabt hat. Eine der wenigen verbliebenen
Spuren dieses Umstandes sind verschiedene, byzantinischen und langobardischen Heiligen gewidmete Kirchen (auch der Erzengel San Michele ist
einer von ihnen). Heute präsentiert sich unsere Pfarrkirche ohne
Dekoration, aber jüngste archäologische Grabungen haben zur Auffindung
von Fußbodenmosaikfragmenten und Marmorbelägen geführt, womit ein
einstmals beachtenswerter dekorativer Reichtum dokumentiert wäre.
Von ihrer kontinuierlichen Benutzung zeugen der im 12./13. Jh. vor
die Fassade gebaute Kirchturm, ein abgelöstes Fresko San Sebastinanos
Rimini
Kirche San Salvatore
via San Salvatore, 24
Tel. 0541 730159
Besichtigung auf Nachfrage
Verucchio
Pfarrkirche San Martino
via Marconi, 1
Tel. 0541 670197
Besichtigung auf Nachfrage
Saiano di Torriana
Kirche der Madonna
di Saiano
• Geöffnet: Sommer 7:3019:00; Winter 7:30-17:00
Oben links, Fassade der
romanischen Kirche San
Salvatore; rechts, die Apsis
der romanischen Pfarrkirche
(Pieve) von Verucchio; unten,
der zylindrische Turm und die
Kapelle Madonna di Saiano.
8
(15. Jh.), ein herrliches Kruzifix aus dem “Trecento” (jetzt in der
Kollegiatskirche), und der Steinblock, auf dem auch jetzt noch die Mensa
des einzigen Altars ruht: eine hochmittelalterliche Skulptur mit BlätterSchösslingen und einem Raubvogel, der einen kleinen Vierfüßler mit den
Klauen packt und anhebt; alles von summarischer Linienführung und hart
gemeißelt, von barbarischem Geschmack.
So alte mittelalterliche Skulpturen sind rar im rimineser Gebiet, aber
es sei wenigstens an die unlängst wieder aufgefundene schöne fragmentarische Chorschranke der Kirche Santa Maria in Pietrafitta (Gemeinde San
Giovanni in Marignano) erinnert, und an einige Kapitelle der Pfarrkirche
San Salvatore (Gemeinde Rimini, Richtung Coriano): aus dem 8. bis 9. Jh.
die erste, vielleicht später die anderen, die jedoch byzantinischen
Kapitellen nachgebildet sind, von denen sie die Formen und das dekorative Geflecht übernommen haben. Auch sollte nicht unerwähnt bleiben,
dass eine gute Sammlung mittelalterlicher und hochmittelalterlicher meist
fragmentarischer Skulpturen oft ungewisser Herkunft im Stadtmuseum
aufbewahrt wird.
San Salvatore ist eine interessante Kirche, die zahlreiche Umbauten
und Restaurierungen erfahren hat, aber dennoch ein malerisches
Aussehen bewahren konnte. Sie hat die Ausstrahlung einer soliden “romanischen” Kirche von schlichter Form und einem ungeordneten Mauerwerk,
das durch Streifen aus Naturstein und Ziegeln gekennzeichnet ist. Sie hat
seitlich vorstehende kleine Bögen, kleine Fensterschlitze und einige
“erbeutete” Marmorstücke, auch römische, die hier eine neue
Verwendung gefunden haben.
Auf den Hügeln des rimineser Binnenlandes kann man Gebäude
antreffen, die, einverleibt in eher jüngere Konstruktionen, manches kleinere Zeugnis von hohem Alter bewahren konnten. Aber um vollständige wenn nicht gar intakte - Monumente antiker religiöser Architektur zu finden, muss man sich im Marecchia-Tal landeinwärts bewegen: gleich hinter Villa Verucchio lässt sich die Pfarrkirche San Martino bewundern. Sie
ist von rustikaler romano-gotischer Architektur und steht auf einem olivenschattigen Hang zu Füßen des großen Felsens, auf dem Verucchio aufragt.
Nur wenig weiter wird man, jenseits des Flusses, die “Tricora”-Kirche (mit
der sehr seltenen Anlage dreier Apsis-Kapellen) der Madonna di Saiano
sehen, malerisch auf einem steil aufragenden Felsen; an ihrer Seite steht
ein Natursteinturm, der von nahem an die byzantinischen Türme erinnert.
Und dann kommen, noch weiter landeinwärts, schon auf dem Gebiet des
Montefeltro, die Kirchen von San Leo (Pfarrkirche und Kathedrale) und
Ponte Messa in Sicht, die eine kostbare architektonische Gruppe bilden,
die auf die Zeit zwischen dem 11. und 13. Jh. datierbar ist.
Route 2 > Klöster
Rimini
Kirche San Giuliano
via San Giuliano, 16
Tel. 0541 25761
• Geöffnet: 7:00-12:00/16:0019:00
Rimini
Kirche San Fortunato
via Covignano, 257
Tel. 0541 751661
• Geöffnet: Sommer 9:0012:00/15:00-20:00; Winter
9:00-12:00/15:00-18:00
Oben, das Altarbild von Paolo
Veronese mit dem Martyrium
von San Giuliano (1587), in
der Kirche San Giuliano in
Rimini. Unten links,
Innenraum der Kirche San
Fortunato in Covignano di
Rimini, vormals OlivetanerAbtei; rechts, das Tafelbild
von Giorgio Vasari mit der
Anbetung der Heiligen Könige
(1547) in der Apsis der Kirche
San Fortunato in Covignano di
Rimini.
11
In den rimineser Karten des Hochmittelalters trifft man häufig auf die
Namen von Klöstern, aber im allgemeinen handelte es sich um kleine
Kirchen, die so genannt wurden, weil sie nur einem einzigen Geistlichen
anvertraut waren, oder es waren, wenn sie sich auf dem Land befanden,
kleine Eremitagen. Die ersten Mönchsgemeinschaften auf rimineser
Boden, die nach den “Regeln” lebten, waren Benediktiner gewesen.
Rimini rühmte sich zweier wichtiger Benediktiner-Abteien, die sich
knapp außerhalb der Stadt, aber neben ihren zwei Haupteinlässen befanden: San Piero, im Zentrum des Viertels San Giuliano, am Beginn der Via
Emilia, und San Gaudenzo, am Rand des Viertels San Giovanni, am Ende
der Via Flaminia. Von der zweiten, die neben einer antiken heidnischen
und christlichen Nekropolis erbaut worden war, gibt es nach den Abrissen
in der napoleonischen Zeit keine Spur mehr. Von der ersten hat die Kirche
überdauert, die heute mit dem Titel San Giuliano eine Pfarrkirche ist: sie
ist von entschieden venezianischem Geschmack und durch ein großes
Tonnengewölbe gekennzeichnet, das dem Raum eine bemerkenswerte
Feierlichkeit verleiht. Sie ist im 16. Jh. von den Mönchen aus San Giorgio in
Alga vollständig erneuert worden; ihnen ist das Tafelgemälde Paolo
Veroneses mit dem Martyrium des Heiligen (1587) zu verdanken, das in
der Apsis im Zentrum eines beeindruckenden architektonischen Rahmens
aus vergoldetem Holz aufbewahrt wird. In der dritten Kapelle links wird ein
herrlicher Flügelaltar von Bittino da Faenza (1409) ausgestellt, der die
Legende San Giulianos sowie die Überführung seines Körpers in einer
großen römischen Lade (die immer noch hinter dem Altar konserviert wird)
von Istrien an die rimineser Küste erzählt. In den anderen Kapellen befinden sich wertvolle Gemälde aus dem 17. Jh., unter denen zwei Tafeln von
Elisabetta Sirani (Mariä Verkündigung) und Pietro Ricchi (Die Übergabe
der Schlüssel an San Pietro, 1649) hervorstechen.
Sehr viel weniger alt war eine dritte Benediktiner-Abtei, die jedoch
zum “Zweig” der Olivetaner (der “weißen Mönche”) gehörte und sich auf
dem Hügel von Covignano bei Rimini erhob. Von ihr hat nur die Kirche
überdauert, die jetzt als Pfarrkirche San Fortunato bekannt ist. Das Kloster
war Anfang des 15. Jhs. von Carlo Malatesta gegründet worden und hatte
dank der Protektion des Malatesta-Hauses in kurzer Zeit seine
Besitztümer und Rechte auf viele Örtlichkeiten des Gebietes ausgedehnt,
wobei es auch das antike Kloster San Gregorio in Conca mit allem, was
dazugehörte, erwarb. Die Kirche hat während der Jahrhunderte erhebliche
Veränderungen erlitten, aber bewahrt immer noch die Anlage und Fassade
aus dem 15. Jh., eine schöne Decke aus der Renaissancezeit und eine
Kapelle mit optimalen Fresken aus dem Jahr 1512, die dem Maler Girolamo
Marchesi da Cotignola zugerechnet werden können: im selben Jahr 1512
ist im neben der Kirche liegenden Kloster Papst Julius II beherbergt wor-
Oben, die Reste der
Benediktiner-Abtei San
Giorgio in Conca bei
Morciano. Unten, Apsis der
Pfarrkirche von San Giovanni
in Marignano, vormals
benediktinisch.
12
den. Aber man sollte sich auch an einen anderen Gast erinnern: den Maler
Giorgio Vasari, der sich 1547 hier aufgehalten hat. Während ein “gelehrter” Mönch das Manuskript Leben der hervorragendsten italienischen
Architekten, Maler und Bildhauer (das dann 1550 in Florenz in Druck ging)
übertrug und korrigierte, führte er unter Beihilfe zahlreicher Adjutanten
Malereiarbeiten für die Abtei-Kirche aus: in der Apsis aus dem 17. Jh. wird
immer noch eine herrliche Anbetung der Könige aus dem Morgenland aufbewahrt, vielleicht das Hauptwerk des Künstlers und eines der schönsten
Bilder des italienischen Manierismus. Der benediktinische Ursprung der
Kirche ist noch gut ersichtlich durch vier beeindruckende Statuen heiliger
Olivetaner, die von Padre Tommaso da Bologna 1650 aus Gips modelliert
worden sind und das helle Schiff beseelen, sowie durch zwei schöne
Altartafeln, die um die Mitte des 18. Jhs. von Padre Cesare Pronti gemalt
worden sind und auf denen heilige Mönche “mit den weißen Gewändern”
und San Benedetto selbst dargestellt werden.
Was das rimineser Binnenland angeht, so hat nur das Conca-Talgebiet
noch einige Spuren jener zahlreichen Benediktiner-Abteien des Mittelalters
bewahren können, denen die erste Urbarmachung und die erste
Organisation dieses Raums zu verdanken ist. Von der ältesten, die San
Gregorio geweiht und von San Pier Damiani gegen 1060 gegründet worden
ist, bleiben kräftige und edle Ruinen, die nun fast schon durch moderne
Bauten erstickt werden, am Stadtrand von Morciano. Wahrscheinlich verdankt dieser Ort seinen Ursprung als Marktplatz des ganzen Talgebietes
genau der Protektion durch die Abtei. Auch heute noch findet hier ein
großer Messemarkt in der Woche von San Gregorio (12. März) statt.
Von den Kirchen monastischen Ursprungs, die im Talgebiet überdauert haben, kann man die San Pietro geweihte Pfarrkirche von San
Giovanni in Marignano erwähnen. Vormals waren hier schwarze
Benediktiner (“Montecassino-Mönche”) ansässig und davor gehörte sie
zum Kloster San Vitale in Ravenna. Heute präsentiert sie sich in Formen
des 18. Jhs. mit guten Kunstwerken; aber jedes monastische Merkmal und
jede benediktinische Erinnerung sind verloren gegangen, ausgenommen
das Tafelbild des zweiten Altars links, das 1753 von Gian Andrea Lazzarini
gemalt worden ist und Die Heiligen Benedetto und Mauro darstellt.
Die “napoleonischen Geschehnisse” haben Ende des 18. Jhs. zur
Beseitigung aller religiösen Bruderschaften der Romagna geführt: keines
der zahlreichen Benediktinerklöster des rimineser Gebietes ist während
der Restaurationszeit erneut gegründet worden, auch weil die Gebäude
schnellstens demoliert oder radikal transformiert und ihre
Einrichtungsgegenstände verkauft oder zerstört worden waren. Auch viele
andere zuvor blühende und häufig anzutreffende Ordensgemeinschaften
sind nicht ins rimineser Gebiet zurückgekehrt.
Route 3 > Klöster
Rimini
Kirche Sant’Agostino
via Cairoli, 14
Tel. 0541 781268
• Geöffnet: Winter 7:1512:15/15:15-17:30; Sommer
7:15-12:15/15:15-19:00
Verucchio
Kirche Sant’Agostino
via Sant’Agostino
Tel. 0541 626109
Oben, die Kirche San Giovanni
Evangelista (genannt
Sant´Agostino) in Rimini.
Unten links, Detail eines
Freskos aus dem 14. Jh. in der
Apsis von Sant´Agostino in
Rimini; rechts, Detail eines
weiteren Freskos aus dem 14.
Jh. mit dem Letzten Gericht,
aus der Kirche Sant´Agostino
in Rimini, jetzt im
Stadtmuseum.
15
Zu den wichtigen in Rimini existierenden Orden bis zum Ende des 18.
Jhs. müssen sicherlich die Augustiner gezählt werden; sie waren seit Mitte
des 13. Jhs. hier und hatten im Stadtzentrum eine große Kirche, neben der
sie ein beeindruckendes Kloster genau in den Jahren rekonstruierten,
während derer die napoleonische Armee in die Legatenregionen einfiel
und in denen die italische Regierung ihre Auflösung verfügte. Die Kirche ist
San Giovanni Evangelista geweiht, aber gemeinhin als Sant’Agostino
bekannt. Sie ist eine der größten der Stadt und bewahrt in der Apsis und in
der Turmkapelle die wichtigsten und besten Zeugnisse jener rimineser
“Mal-Schule” auf, die eine der bedeutendsten Kunstbewegungen
Norditaliens im 14. Jh. begründet hat und deren Initiatoren der
Handschriftenmaler Neri und die Maler Giuliano und Giovanni da Rimini
gewesen sind. Es handelt sich um dem Leben der Jungfrau und dem Leben
des San Giovanni Evangelista gewidmete Fresken, und außerdem, auf der
Hinterwand des Apsis, um Darstellungen des Christus und der Erhabenen
Jungfrau. Denselben Malern ist ein auf Tafel gemaltes Kruzifix an der rechten Seite des Schiffes und eine grandiose Szene des Letzten Gerichtes zu
verdanken, das sich vormals auf dem Triumphbogen befand und jetzt im
Stadtmuseum zu sehen ist. Die Kirche hat während des 17. und 18. Jhs.
gravierende Umarbeitungen erfahren, und ihr gegenwärtiges Aussehen ist
barock. Außer den zahlreichen Altarbildern aus dem 18. Jh. bemerkt man
die Gipsstatuen von Carlo Sarti (etwa 1750) und die schöne ebene Decke
von Ferdinando Bibiena mit Gemälden von Vittorio Bigari (1722), und vor
allem, im ersten Altar rechts, eine schöne Holzstatue aus dem 13. Jh., Der
vom Kreuz genommene Jesus (ursprünglich sollte sie Teil eines
Kreuzweges sein), die aus der antiken Kathedrale Santa Colomba stammt.
Im rimineser Binnenland haben von den Augustinern das Kloster und
die Kirche in Verucchio überdauert, die in einer überwältigenden
Panoramaposition am Rande des großen Felsens erbaut worden sind, auf
dem sich der Ort erhebt. Das jetzt zum Kommunaleigentum gehörende
Kloster zeichnet sich durch eine klare und schlichte Architektur aus und ist
jüngst restauriert worden, um das wichtige Museum der verucchieser
Villanovakultur zu beherbergen; die anliegende Kirche (in Erwartung ihrer
Restaurierung) erfreut durch den barocken Stuck und die phantasievollen
vergoldeten Nischen, die schöne Gemälde des 17. und 18. Jhs. einfassen.
Auch die Dominikaner hatten seit dem 13. Jh. in Rimini ein wichtiges
Kloster mit einer großen, San Cataldo geweihten Kirche, die jetzt völlig zerstört ist. Aus einer ihrer Kapellen stammt das schöne malatestianische
Tafelbild Ghirlandaios, das nun im Stadtmuseum aufbewahrt wird und die
Heiligen Vincenzo Ferreri, Sebastiano und Rocco, angebetet von Pandolfo
IV Malatesta mit seiner Familie (1494) darstellt.
Zu den rimineser Dominikanern gehörte die bescheidene Pfarrkirche
von Valliano (Santa Maria del Soccorso), die einsam und verborgen in den
Windungen eines sonnigen Tälchens zwischen Coriano und Montescudo
liegt. Ihre Apsis ist von seltenen Fresken aus der Renaissancezeit
geschmückt, die die Madonna mit dem Kind, Heilige und Gelehrte der
Kirche darstellen. Sie sind im letzten Jahrzehnt des 15. Jhs. von einem
toskanischen Künstler angefertigt worden, der eine angenehme und durch
volkstümliche Tonfälle wohlklingende Ausdrucksweise hat. Die zwei VotivFresken von anderer Hand neben der Apsis stellen Sant’ Antonio Abate
und die Mystische Hochzeit der Santa Caterina dar.
Oben, die Augustiner-Kirche
von Verucchio. Unten,
Fresken aus dem späten 15.
Jh. mit den Kirchenvätern in
der Kirche von Valliano.
16
Route 4 > Auf den Spuren San Francescos
Villa Verucchio
Franziskanisches Kloster
und die Kirche Santa Croce
via del Convento, 150
Tel. 0541 678417
• Geöffnet: 6:30-13:00/15:0019:00
Oben, der Kreuzgang der
Franziskaner-Abtei von Villa
Verucchio mit der San
Francesco-Zypresse. Unten,
Kreuzigung, Fresko der
Rimineser Schule des
“Trecento” (14. Jh.) in der
Franziskaner-Kirche Santa
Croce, auch in Villa Verucchio.
19
Dem Franziskanertum, das in der lokalen Gesellschaft besser verankert ist und stärker im Einklang steht mit der Volksmentalität und -frömmigkeit, ist es gelungen, viele der vor den Auflösungen besessenen
Klöster zu bewahren oder zurückzugewinnen. Im übrigen hat ja die franziskanische Botschaft in dieser Region tiefreichende Wurzeln, die bis auf die
Anwesenheit San Francescos selbst zurückgehen: nach der Überlieferung
hat der Heilige die hiesigen Örtlichkeiten im Mai 1213 durchwandert, nachdem er in San Leo vom Messer Orlando de’ Cattanei aus Chiusi den Monte
della Verna geschenkt bekommen hatte und nun das Marecchia-Tal hinabkam. Auf dem Wege nach Rimini habe er in einem Wald zu Füßen des
Hügels von Verucchio, wo es eine kleine, dem Santa Croce geweihte
Einsiedelei gab, Halt gemacht, und hier habe er einige Wunder vollbracht:
er habe den Spatzen befohlen, seine Andacht nicht mit ihrem Gezwitscher
zu stören, er habe eine Quelle mit Heilwasser zum Sprudeln gebracht und
er habe seinen trockenen Wanderstab aus Zypressenholz eingepflanzt und
wieder ergrünen lassen. Schon bald war aus der Einsiedelei ein Kloster
beworden, dem zur Seite die dem Santa Croce geweihte Kirche sich erhob,
die immer noch in Villa Verucchio existiert (es handelt sich um die älteste
Gründung der Franziskanerprovinz Bologna). Auch heute noch hat der
Platz, an dem sie aufragt, wegen seiner Abgeschiedenheit und der Präsenz
von Oliven und Zypressen sehr starke Suggestivkraft; in der Nähe sprudeln
Heilquellen, die an das Quellenwunder erinnern, während man im
Kreuzgang des Klosters die von San Francesco gepflanzte Zypresse
bewundern kann: ein kolossales, sehr seltenes pflanzliches Monument,
das von Botanikern auf mindestens siebenhundert Jahre geschätzt wird,
was ja dann der franziskanischen Legende entgegen käme. Außer der
Zypresse (heutige Höhe, nach einem Abbruch des Wipfels am 6. Dezember
1980, etwa 25 m; maximaler Umfang des Stammes 7,37 m) zeigt man im
Klosterinneren den Ort, wo sich der Tradition gemäß die Hütte San
Francescos befunden habe. Aber man sollte nicht vergessen, auch die
Kirche zu beachten, die doch ein schönes Portal aus dem 14. Jh. hat, weite
neoklassische Innenräume, einen raffinierten Chor mit Intarsien aus der
Renaissance; und an der linken Wand, zwischen den Bögen aus dem 19.
Jh., bemerkt man dann ein hellfarbiges Fresko, das von vielen Figuren
bevölkert wird: es zeigt die Kreuzigung und ist während der ersten Hälfte
des “Trecento” von einem optimalen Künstler der “Rimineser Schule”
gemalt worden.
Nachdem der Heilige seinen Weg Richtung Rimini fortgesetzt habe,
hätte er sich wenige Meilen weiter zur Nachruhe begeben: und auch dieser
Ort wird mit Präzision angegeben, in Vergiano. Man erkennt ihn leicht
durch die zwei Zypressenreihen längs eines kurzen Pfades, der von der
Straße zu einem Bauernhaus führt, an dessen Fassade sich einige pseudo-
Santarcangelo
Kollegiatskirche
piazza Balacchi, 7
Tel. 0541 626109
• Geöffnet: 7:50-12:30/15:0019:00
Rimini
Tempio Malatestiano
via IV Novembre, 35
Tel. 0541 51130 (Sakristei)
0541 24024 (DiözesanSekretariat)
www.diocesi.rimini.it
[email protected]
Es ist die Kathedrale der
Diözese Rimini.
• Geöffnet: werktags 8:0012:30/15:30-18:30; festtags
9:00-13:00/15:30-19:30
Oben, Jacobello di Bonomo,
Flügelaltar aus der zerstörten
Kirche San Francesco, jetzt in
der Kollegiatskirche von
Santarcangelo. Unten, die
Fassade des Tempio
Malatestiano in Rimini (1450),
Arbeit von Leon Battista
Alberti.
20
mittelalterliche Elemente befinden, die auf ein antikes Ambiente verweisen
sollen. Die bescheidenen franziskanischen Szenen, angenehm und malerisch, stammen aus dem Jahr 1925.
Im rimineser Gebiet sind - verteilt auf Verucchio, Rimini,
Santarcangelo, Montefiore und Cattolica - Franziskaner aller drei Orden
vertreten (Konventuale, Minoriten und Kapuziner); natürlich gehört zu
jedem ihrer Klöster eine hinsichtlich Architektur und Gerätschaften interessante Kirche. Von den zerstörten franziskanischen Kirchen sollte wenigstens die der Konventualen von Santarcangelo erinnert werden, die ein
gewaltiger Bau mit vielen Kunstwerken war. Von hier stammt der prächtige
Flügelaltar, der sich jetzt in der Kollegiatskirche von Santarcangelo befindet und ein zu Recht berühmtes Werk des Venezianers Jacobello di
Bonomo (1385) ist: in den äußerst fein geschnitzten gotischen Rahmen
befinden sich sechzehn Tafeln, auf denen vor goldenem Hintergrund die
Kreuzigung und die Madonna mit dem Kind sowie zahlreiche Heilige dargestellt werden.
Unter den franziskanischen Erinnerungsgegenständen Riminis betreffen viele Sant’Antonio aus Padua, der hier sein Fisch-Wunder und sein
Maultier-Wunder vollbracht haben soll, um die Patarener zu verwirren und
zu konvertieren. Zur Erinnerung an dies letzte Wunder ist im 16. Jh. der
kleine Tempel für Sant’Antonio auf dem Hauptplatz der Stadt, der heutigen Piazza Tre Martiri errichtet worden. Aber das zweifellos gefeiertste
franziskanische Bauwerk ist der Tempio Malatestiano, der ausschließlich
San Francesco geweiht gewesen war, bevor er in sehr junger Zeit auf
Anordnung Napoleons (1809) zur Kathedrale wurde.
Während des 13. Jhs. erbaut, beherbergte er sehr bald die Grabmäler
der bedeutendsten Persönlichkeiten der Malatesta-Familie, die San
Francesco sehr verehrten und den friedensstiftenden Aktivitäten der
Franziskaner sehr förderlich waren. Ende des 13. oder zu Beginn des folgenden Jahrhunderts hat hier, im Auftrag der Malatestas (nach Vasari),
Giotto die Apsis mit Fresken ausgemalt: von den Arbeiten des großen
toskanischen Malers ist nur ein großes, auf Holz gemaltes Kruzifix geblieben, dessen Enden verstümmelt sind. 1447 begann Sigismondo Malatesta
damit, hier zwei Bestattungskapellen seines Hofes errichten zu lassen, für
sich und seine Geliebte (später dann Gemahlin) Isotta degli Atti; 1448
gelobte er, den Tempel vollständig renovieren zu lassen, und 1450 oder
wenig später begann er mit den Arbeiten. Das Äußere entwarf Leon
Battista Alberti, innen jedoch sollte der traditionale gotische Stil der
ersten zwei Kapellen beibehalten werden, worum sich Matteo de’ Pasti
und Agostino di Duccio zu kümmern hatten. Das Gebäude, welches mit
einem großen runden Kuppelbau beschlossen werden sollte, ist in Folge
der Exkommunizierung (1461), der Niederlage (1463) und des Todes
Von oben nach unten und von
links nach rechts, Detail aus
dem Innenraum des Tempio
Malatestiano: Schrein der
Ahnen, Pilaster mit Elefanten,
Basrelief von Agostino di
Duccio, Porträt Sigismondos
von Piero della Francesca
(1451), die Stigmata San
Francescos von Giorgio Vasari
(1548), Kruzifix von Giotto (ca.
1300) in der Apsis.
23
Sigismondos (1468) unvollendet geblieben. Die gegenwärtige Apsis ist das
Ergebnis der Vervollständigungen des 18. Jhs. und der
Wiederaufbauarbeiten nach dem 2. Weltkrieg (die Bombardements hatten
den Tempio nämlich schwer getroffen, Apsis, Dach und Sakristei zerstört
sowie die Steinplatten-Außenverkleidung erschüttert).
Trotz mangelnder Vollendung ist er eines der bekanntesten und
wichtigsten Monumente der Frührenaissance, sowohl wegen der aus der
Antike her inspirierten Außenarchitektur, wie auch wegen des reichen
Inneren, das durch die sehr feinen Skulpturen Agostino di Duccios verziert
wird. Wie die antiken römischen Monumente ist er mit hellem Stein verkleidet. Die aus drei, von Halbsäulen flankierten Bögen gebildete Fassade
ist feierlich und lässt ein aufmerksames Studium des römischen
Torbogens in Rimini erkennen. Die in ihrer Schlichtheit außerordentlich
ernsten und harmonischen Seiten bestehen aus einer Reihe von Pilastern
und Bögen, unterhalb derer die Sarkophage der bedeutendsten
Persönlichkeiten des Hofes hätten platziert werden sollen (aber dies
Projekt ist nur auf der rechten Seite teilweise realisiert worden). Zwischen
den Pilastern und der Wand des Tempios sind ein gewisser Hohlraum und
eine gewisse Indifferenz bezüglich der Übereinstimmung in den Öffnungen
gut erkennbar: Indifferenz, die in diesem und anderen Fällen wahrscheinlich von Pasti beklagt worden ist, dem Alberti 1454 geschrieben hat: “Was
die Angelegenheit mit dem Pilaster in meinem Modell angeht, so erinnere
Dich, dass ich Dir sagte, es sei besser, dass diese Seite eine für sich stehende Arbeit sei, denn diese Breiten und Höhen der Kapellen stören mich
ziemlich... Die Abmessungen und Proportionen der Pilaster siehst Du,
wenn sie entstehen: das, was Du veränderst, wird ja all jene Musik verstimmen”. Diese Sätze bekräftigen, welche Klarsicht Alberti bezüglich
architektonischer Probleme hatte und seine Konzeption der Architektur als
logische Harmonie. Andere Passagen dieses Briefes beinhalten explizite
Darlegungen seiner Überzeugung von der Vernünftigkeit und Exemplarität
der klassischen Architektur.
Das ganze Gebäude erhebt sich auf einem Sockel, der von einem
Streifen gekrönt wird, in dem sich viele malatestianische heraldische
Elemente befinden, die man auch im Innern überreichlich wiederfindet:
vom echten und wahrhaftigen Wappen der Familie mit den karierten
Bändern bis zu jenem mit dem persönlichen Siegel Sigismondos (S und I);
sie werden abgewechselt von Schildern mit dem rosanen Viererblatt und
dem Elefanten. Innen wird der Elefant auch zum Stützen von Pilastern und
Sarkophagen, zur Krönung der traditionellen Wappen und für den Thron
der Statue San Sigismondos benutzt: ein Symboltier mit vielen
Bedeutungen, das von Sigismondo und seinem Bruder Malatesta Novello
bevorzugt verwendet wurde. Letzterer fügte ihm das Motto hinzu: “Ein
indischer Elefant fürchtet keine Mücken.”
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Leon Battista Alberti auch zur
Innendekoration des Gebäudes maßgebende Ratschläge gegeben hat; so
hat man vollständig auf Freskenzyklen verzichtet, denn dies entspricht
zum Teil jener Konzeption für eine Ausschmückung, wie sie in seinem
Traktat über Architektur dargelegt wird, den er genau in jenen Jahren
zusammengestellt hat. Dennoch aber ist der Innenbereich von hervorstechend gotischem Geschmack.
Die malatestianischen Kapellen werden von hohen Balustraden
umschlossen und sind durch marmorne Pilaster gekennzeichnet; in der
ersten links steht der Sarkophag “der Vorfahren und der Abkömmlinge”; in
der zweiten rechts befindet sich der von Isotta; Sigismondo ist im Grab
neben der Tür, rechts wenn man eintritt, bestattet worden. Die meist
bewunderten Kapellen sind die der Planeten (oder der Sternbilder) und der
Freien Künste (oder der Musen), die ursprünglich den Heiligen Vätern
Girolamo und Agostino gewidmet waren. In der Reliquienzelle, zwischen
der ersten und der zweiten Kapelle rechts, befand sich oberhalb der Tür
das berühmte Fresko mit Sigismondo auf Knien vor San Sigismondo, das
von Piero della Francesca firmiert und auf 1451 datiert ist. Heute befindet
es sich in der Kapelle rechts nahe dem Hauptaltar. Von den nach-malatestianischen Werken ist ein großes Gemälde besonders bemerkenswert, auf
dem Giorgio Vasari San Francesco, wie er die Stigmata erhält (1548)
gemalt hat; in der letzten Kapelle links, vorher jedoch schon am
Hauptaltar, wo sich jetzt das Kruzifix von Giotto befindet.
24
Route 5 > Die Kirchen der Madonna
Rimini
Wallfahrtskirche Madonna
delle Grazie
via delle Grazie, 10
Tel. 0541 751061
• Geöffnet: 6:00-12:15/15:0018:30
Montefiore Conca
Wallfahrtskirche Madonna
di Bonora
via San Paolo, 115/116
Tel. 0541 980053
• Geöffnet: 8:00-12:15/15:0018:00
25
Viele franziskanische Kirchen sind der Madonna geweiht, und franziskanisch ist auch das älteste marianische Heiligtum der Diözese und des
rimineser Gebietes. Es handelt sich um die Kirche der Madonna delle
Grazie, die sich nahe Rimini auf dem Hügel von Covignano erhebt. Ihre
Ursprünge sind, wie in vielen anderen Fällen, mit märchenhaften und legendären Tatsachen umkränzt. 1286 schnitzte ein Hirte, der auf diesem Hügel
eine Herde hütete, eine Madonna in einen Baumstamm, deren Antlitz von
Engeln vollendet wurde, die der Ungeschicklichkeit des improvisierenden
Künstler-Hirten nachhelfen mussten. Dieses so wunderbar zu Ende
gebrachte Standbild nahm seinen Weg übers Meer und gelangte in Venedig
an Land, wo es immer noch als “Madonna di Rimini” in der Kirche San
Marziale verehrt wird. Auf dem Hügel von Covignano, am Ort des Wunders,
wurde eine Kapelle und dann eine Kirche (1391) mit dem Namen Madonna
delle Grazie erbaut, die man im 16. Jh. erweitert (oder besser: “verdoppelt”)
hat. Am Altar befindet sich eine schöne Verkündigung des umbrischen
Malers Ottaviano Nelli aus dem frühen 15. Jh. (bis vor kurzem war sie noch
Giotto zugerechnet worden). Während des letzten Krieges sind sowohl das
Heiligtum wie das Kloster “delle Grazie” schwer beschädigt worden; aber
das kleine Kloster bewahrt, auch wenn es nur rekonstruiert ist, die Reinheit
und die Wärme aller schlichten franziskanischen Bauwerke, und das linke
Schiff der Kirche - mit einer schönen, nach venezianischem Geschmack verschalten Decke - eine seiner stillen Schönheiten: beachtliche Kunstwerke
und eine interessante Reihe von Votivtafeln. Ein herausragendes Überbleibsel des ursprünglichen Gebäudes ist die Fassade unter dem
Säulengang aus dem 17. Jh., mit einem gotischen Portal, das von
Freskofragmenten flankiert wird, die die Verkündigung darstellen und
wahrscheinlich von Ottaviano Nelli stammen.
Für mehr als zwei Jahrhunderte ist auch das Heiligtum der Madonna
di Montefiore, das berühmteste des Conca-Tals, den Franziskanern anvertraut gewesen. Seine Ursprünge gehen auf die ersten Jahre des 15. Jhs.
zurück, als ein gewisser Bonora Ondidei auf eine Wand seiner Zelle, die er
sich inmitten des Waldes erbaut hatte, ein Fresko mit dem Bild der
Madonna aufbringen ließ, wie sie Jesus die Brust gibt. 1409 überließ der
Eremit sein kleines Gebäude den Franziskanern. Die Mauer mit dem heiligen Bild, das heute Madonna di Bonora genannt wird, hat die Zeit überdauert. Um dieses 1926 feierlich gekrönte Bild herum ist langsam das
Heiligtum entstanden. Aber es ist während der ersten Jahrzehnte unseres
Jahrhunderts radikal restauriert und umgewandelt worden.
Im Conca-Tal, das von einer Straße durchquert wird, welche die
Pilger nach Loreto benutzt haben, gibt es viele der Madonna geweihte
Kirchen. Häufig handelt es sich um bescheidene Bauwerke, aber in jedem
Fall offenbaren sie die große Verbreitung des marianischen Kultes in der
Montegridolfo
Kirche San Rocco
via Borgo
Tel. 0541 855031
• Geöffnet: 8:00-12:00/14:0018:00
Oben, Detail der Ankündigung
von Ottaviano Nelli, in der
Apsis der Kirche Madonna
delle Grazie in Covignano di
Rimini. Unten links, Detail des
Freskos aus dem 15. Jh. in der
Hospital-Kapelle in
Montefiore; rechts, Altarbild
von Guida Cagnacci (ca. 1620)
in der Kirche San Rocco in
Montegridolfo.
27
Zone. So ist zum Beispiel auch die kleine Kirche des Hospitals, die - ebenfalls in Montefiore - im 15. Jh. am Ortsrand erbaut worden war, der
Madonna gewidmet; hier wird sie unter dem Titel “della Misericordia”
angerufen: in dem Raum befinden sich große Fragmente von Fresken, mit
denen vormals alle Wände des Schiffes und der Absis bedeckt waren und
die das Letzte Gericht, die Auferstehung der Toten, die Hölle und das
Paradies sowie die vier Evangelisten darstellen. Sie sind gegen 1475 - 80
von einem guten Maler mit urbineser Kultur ausgeführt worden. Von der
Apsis her wurde die kleine Räumlichkeit durch ein Tafelbild dominiert, das
die Madonna della Misericordia mit den Schutzheiligen des Ortes darstellt.
Es stammt aus dem Jahr 1485 und ist wahrscheinlich vom selben Künstler
gemalt worden, dem auch die Fresken zu verdanken sind: man hat es
Giovanni Santi zugeordnet, später dann Bartolomeo di Gentile und noch
später Bernardino Dolci. Seit der Nachkriegszeit befindet es sich am
Hauptaltar der Pfarrkirche, die von ihrer ursprünglichen gotischen Struktur
vor allem noch das wunderschöne Steinportal besitzt, und von der antiken
Ausrüstung noch ein großes, auf kreuzförmiges Holz gemaltes Kruzifix, ein
Werk eines unbekannten rimineser Malers aus dem 14. Jh.
Auf den südlichen Hügeln des rimineser Gebietes, aber auf der
andern Seite des Conca-Tals, fast schon in Sicht des Foglia-Flusses und an
der Grenze zu den Marken bietet Montegridolfo mehr als nur einen Grund
für das Interesse, das den marianischen Kult betrifft. Auch hier befindet
sich am Ortsrand eine kleine Kirche, die der Position und dem Namen nach
(San Rocco) neben einem Pilgerhospital errichtet worden sein dürfte. Hier
hat in der zweiten Hälfte des 15. Jhs. ein Maler aus den Marken in der Apsis
das Fresko Madonna mit dem Kind zwischen den Heiligen Rocco und
Sebastiano aufgetragen; ein Jahrhundert später wollten die Gläubigen das
Bild vollständig renovieren, es ist - ebenfalls als Fresko und ohne die
Ikonographie zu verändern, aber größer und in Formen, die dem
Klassizismus dem 16. Jhs. entsprachen - über dem anderen von einem
umbro-markischen Maler angefertigt worden. Ein Jahrhundert darauf wiederholte sich die Operation zum dritten Mal, und das Bild bekam Formen,
die der pathetischen Frömmigkeit des 17. Jhs. entsprachen. Der Maler war
Guido Cagnacci, der es auf Leinwand malte und einen weiteren Heiligen
hinzufügte (San Giacinto), womit die Beziehungen zwischen den Figuren
erheblich modifiziert worden sind. Durch sehr delikate Ablösungsarbeiten
sind die Fresken jüngst wiedergewonnen worden, dann hat man sie
restauriert und “aufgebessert”: jetzt sind sie in der Kirche ausgestellt, und
außer dass sie all ihre harmonische Schönheit zeigen, bieten sie Anstoß
zum Nachdenken über die Beständigkeit des Kultes, über die Funktion der
Bilder, über die feinen Variationen der Ikonographie in Beziehung zur
Frömmigkeit und über die Wandlungen von Geschmack und Stil.
Trebbio di Montegridolfo
Wallfahrtskirche Selige
Jungfrau delle Grazie
via B.V. delle Grazie, 8
Tel. 0541 855037
• Geöffnet: Sommer 8:0022:00; Winter 8:0012:00/14:00-20:00
Rimini
Kirche Madonna
della Colonnella
via Flaminia
Tel. 0541 384545
• Geöffnet: 8:00-12:00/16:0018:00
Oben, Detail des Altarbildes
von Pompeo Morganti (1549)
in der Kirche der Seligen
Jungfrau delle Grazie in
Montegridolfo. Unten,
Innenraum und Detail der
Kirche Santa Maria della
Colonella in Rimini, 16.
Jahrhundert.
28
Ebenfalls in Montegridolfo, im Ortsteil Trebbio, steht ein marianisches Heiligtum, das der Seligen Jungfrau delle Grazie zugedacht ist.
Seine Ursprünge verbinden sich mit der Erscheinung der Madonna für
Lucantonio di Filippo am 25. Juni 1548 und für Antonia Ondidei am 7. Juli
desselben Jahres. Wenige Monate später autorisierte Paolo III durch eine
Bulle zum Bau einer Kapelle, die in der Folgezeit dank des Wetteiferns der
zahlreichen Gläubigen rekonstruiert und erweitert worden ist. Von der
ursprünglichen Konstruktion sind wenige Spuren verblieben, aber auf dem
Hauptaltar gibt es noch das Gemälde des faneser Malers Pompeo
Morganti, der es 1549 nach den Zeugnissen der zwei “Sehenden” angefertigt hat: es zeigt die Erscheinung der Madonna für die sechzigjährige
Antonia; im wunderschönen Hintergrund (der auch ein getreues Abbild
von Montegridolfo und der bäuerlichen Landschaft der Umgebung wiedergibt) wird ebenfalls das wundersame Zusammentreffen von Lucantonio mit
der “schönsten Frau, die ich je gesehen habe, und sie war von großer
Statur”, dargestellt.
Das marianische Heiligtum von Montegridolfo ist nicht das einzige im
rimineser Gebiet, das im 16. Jh. nach einem wundersamen Geschehen
errichtet worden ist. Tatsächlich sind dergleichen auch in Fiumincino in
der Gemeinde Savignano (1524, rekonstruiert und erweitert 1729 und in
der Nachkriegszeit), in Casale di San Vito in der Gemeinde Santarcangelo
(1593, erweitert 1603, im Krieg völlig zerstört und in moderner Form wieder
erbaut) und bei der Colonnella an der Via Flaminia, eine Meile von Rimini
entfernt, errichtet worden.
Die Kirche der Madonna della Colonnella ist chronologisch das erste
der großen marianischen Heiligtümer des 16. Jhs. Sie ist von der Gemeinde
gegen 1510 zu Ehren eines Bildes der Madonna mit dem Kind erbaut worden. Das Bild (1483) in einer kleinen Zelle an der Straße ist 1506 wundertätig geworden, indem es einen fälschlicherweise des Mordes beschuldigten Pilger vorm Erhängen gerettet hat. Das Gebäude hat während des
Krieges schwere Beschädigungen erlitten, aber es ist sehr gut restauriert
worden. Wegen der Harmonie der architektonischen Anlage und der reichhaltigen Dekoration, die aus fein mit grotesken Motiven verzierten
Steingutlisenen und -rahmen besteht, handelt sich um ein echtes
Meisterwerk der Renaissance. Letztere hat Bernardino Gueritti aus
Ravenna geschaffen, der auch Baumeister des Gebäudes gewesen ist. Es
steht in einzigartigem Gleichklang mit verschiedenen forliveser
Bauwerken, die von Marco Palmezzano projektiert oder direkt inspiriert
wurden, auf dessen harmonische und schmückende Kunst die architektonische Idee des Baus in seiner Gesamtheit zurückgeführt werden kann.
Auch in der historischen Altstadt von Rimini existiert ein wichtiges
marianisches Heiligtum, das der Madonna unter dem Titel “della
Rimini
Wallfahrtskirche Santa
Chiara
via Santa Chiara, 28
Tel. 0541 785560
• Geöffnet: 7:00-12:00/16:0019:00
30
Misericordia” gewidmet ist. Es ist eines der jüngsten. Man hat es nach
dem wunderbaren Sichbewegen der Augen eines Madonnenbildes errichtet, das zum ersten Mal am 11. Mai 1850 bemerkt worden ist. Die unter
dem Namen “Santa Chiara” bekannte Kirche ist von eklektischem
Geschmack und dem rimineser Architekten Giovanni Benedettini zu verdanken: im Zentrum der Apsis befindet sich das Wunderbild, Giuseppe
Soleri Brancaleonis Kopie eines gleichermaßen mirakulösen Bildes, das
ein halbes Jahrhundert früher auf dieselbe Art tätig war und immer noch
von der Bruderschaft San Girolamo im Oratorium San Giovannino aufbewahrt wird.
Route 6 > Kleine Kathedralen
Rimini
Kirche dei Serviti
(genannt: der Diener)
corso d’Augusto, 200
Tel. 0541 27930
• Geöffnet: 8:00-12:00/16:0018:00
31
Die Barockzeit hat viele Spuren in der religiösen Kunst Riminis hinterlassen. Während im 17. Jh. aufgrund wirklich empfundener Frömmigkeit
und der Zustimmung zu den Diktaten der Gegenreformation fast alle
Altarbilder erneuert wurden, sind im 18. Jh. viele Kirchen insgesamt verwandelt oder neugeschaffen worden, häufig in grandioser Form und stets
mit einem beachtlichen Augenmerk für Dekoration und Eleganz. Die religiöse Malerei zwischen dem 17. und 18. Jh. geht von den stark naturalistischen Akzenten Cagnaccis und Centinos, die während der ersten Hälfte
des 17. Jhs. in der Stadt und auch im Gebiet tätig waren, zu den klassizistischen und frommen Kompositionen Guercinos und der Bolognesi sowie zu
den archaisierenden Barockstudien Giovan Battista Costas über (eines bis
1767 überall äußerst arbeitsamen lokalen Malers); aber die Zeit ist auch
reich an importierten Meisterwerken aus Rom, Venedig und Urbino. Was
die Architektur angeht, so vermeidet sie die Auswüchse des phantasievollsten und pompösen Barocks und entfaltet sich längs einer römisch-bologneser Linie, mit einigen rationalistischen Linienführungen während der
zweiten Hälfte des 18. Jhs; praktisch kann man sagen, dass ihre
Schöpfungen fast alle dem 18. Jh. zugehören.
Und so wurden also die Hauptkirchen des Gebietes und der Stadt im
18. Jahrhundert erneuert. In Rimini entstand die Kirche der Jesuiten und vor
allem diejenigen der Augustiner, der Karmeliter und der Serviten wurden
rekonstruiert oder von Grund auf modifiziert, darüber hinaus mit neuen
Altarbildern und Stuck versehen. Die Kirche der Serviten ist nach einer
Zeichnung des bologneser Architekten Gaetano Stegnani zwischen 1777
und 1779 umgebaut worden; der Modellierer Antonio Trentanove hat sie
mit stupenden Rokoko-Stuckarbeiten angereichert, die 1887 vergoldet worden sind; sie bewahrt Gemälde von Francesco Albani (1621), Lucio Massari
(1620), Ubaldo Gandolfi (1779) und Giovan Battista Costa (1440) auf.
Beim Durchstreifen des Gebietes kann man überall Oratorien von
schlichter, jedoch raffinierter Form antreffen, ländliche Pfarrkirchen, die
außen ärmlich wirken, aber innen reich sind an Stuck und Malerei. Das
“der Schule” genannte Oratorium in San Giovanni in Marignano, die
Pfarrkirche von Mondaino und jene von San Vito, die Kirche der Nonnen
von Santarcangelo und jene “der Fürbitte” in Verucchio zum Beispiel sind
hübsche Gebäude und wegen ihrer Architektur und der Kunstwerke, die
sie aufbewahren, Monumente von großem künstlerischen Interesse. Aber
die Liste wäre lang und letztendlich unnütz.
Hier soll vielmehr auf den im 18. Jh. in den Hauptorten der Diözese
unternommenen Versuch hingewiesen werden, die Ausübung des Kultes
und das Leben des Klerus aufzuwerten und zu rationalisieren, indem man
durch die Bildung von Kollegiatskirchen die geweihten Bauwerke “zusammenfasste” und so ihre Anzahl reduzierte. In Savignano wurde das
Santarcangelo
Kollegiatskirche
piazza Balacchi, 7
Tel. 0541 626109
• Geöffnet: 7:50-12:30/15:0019:00
Verucchio
Kollegiatskirche
via San Martino
Tel. 0541 670197
• Geöffnet: 6:30-12:00/15:0018:00
Oben, Innenraum der Kirche
der Diener in Rimini, Arbeit
von Gaetano Stegani. Unten,
Detail der “der Schule”
genannten Kirche in San
Giovanni in Marignano.
33
Kollegium 1732 gebildet, in Santarcangelo 1744, in Verucchio 1796; aber
wegen einer Reihe von Verzögerungen und Unschlüssigkeiten hat man hier
erst zwischen 1865 und 1874 gebaut. Diese Kirchen sind praktisch als
Kathedralen konzipiert worden, nicht so sehr aufgrund der permanenten
Präsenz des Chors für die Kanoniker, als vielmehr wegen der beachtlichen
Dimensionen und der erhabenen Formen.
Die Kollegiatskirche von Santarcangelo ist eines der wichtigsten
Gebäude des 18. Jhs. im gesamten rimineser Gebiet. Sie ist zwischen 1744
und 1758 vom Kammerarchitekten Giovan Francesco Buonamici, dem
auch die Kathedrale von Ravenna zu verdanken ist, konstruiert worden
und hat ein grandioses und raffiniertes Inneres, das in seiner Schlichtheit
römische und bologneser Formen zitiert. In der weiten Konche der Apsis
hütet sie ein schönes Altarbild, auf dem die Schutzheiligen des Ortes dargestellt werden, eine Arbeit von Giovan Gioseffo Dal Sole; auch im diskreten Schatten der Seitenkapellen befinden sich auf den Altären der verschiedenen Bruderschaften mit Antependien aus mehrfarbigem
Alabastergips aus dem 18. Jh. Tafelbilder von beachtlicher Schönheit (u.a.
achte man auf das des zweiten Altars links, das 1635 von Guido Cagnacci
für die Bruderschaft der Tischler und Schmiede angefertigt worden ist: es
zeigt San Giuseppe, Jesus und Sant’ Eligio). In der großen Kapelle rechts
hingegen wird ein auf Holz gemaltes Kruzifix aufbewahrt, das von einem
unbekannten rimineser Maler aus dem zweiten Viertel des “Trecento”
geschaffen wurde und aus der Pfarrkirche stammt. Auch das Äußere dieser
Kirche ist beachtlich wegen seiner schmucklosen und ausgewogenen
Stereometrie.
Gewählter und anmutig, aber immer auch beeindruckend und feierlich, ist die Kollegiatskirche von Verucchio, die wegen einer Reihe von
widrigen Umständen sehr spät gebaut worden ist (dazu gehören die napoleonische Besatzung und die Geschehnisse des Risorgimentos mit den
mehrmaligen Kirchenauflösungen sowie die damit verbundenen
Verschleppungen aus Groll und wegen der Schwierigkeiten bei der
Wiedergewinnung der Besitztümer, die für den Bau unverzichtbar waren).
Das Projekt dieser Kirche stammt vom Verucchieser Antonio Tondini,
einem belesenen und angenehmen Künstler von eklektischem Geschmack,
einem “halb-dilettantischen” Architekten (und das Projekt ist denn auch
1863 vom Rimineser Giovanni Morolli unterschrieben worden, da Tondini
keine “Lizenz” hatte). Die innere Anlage nimmt Motive des Barocks und
der Renaissance auf, ursprünglich ist alles azur-blau und weiß gewesen,
die Dekoration war vergoldet; sie erschien deshalb sehr viel neoklassischer, besser noch, von “imperialem Stil”, als dies heute der Fall ist. Durch
die modernen Anstriche ist auch die ehemalige räumliche Wahrnehmung
nicht mehr gegeben, die durch die kalten Spiegelungen des Lichtes auf
Saludecio
Kirche San Biagio
piazza Beato Amato
Tel. 0541 982100
• Geöffnet: 8:00-12:00/14:0018:00
Oben, Guido Cagnacci,
San Giuseppe, Jesus und
Sant´Eligio (1635) in der
Kollegiatskirche von
Santarcangelo. Unten links,
Innenraum der
Kollegiatskirche von
Verucchio; rechts, Giovan
Francesco Nagli, genannt Il
Centino, Die Barmherzigkeit
San Martinos (1650), Bild des
Hauptaltars der
Kollegiatskirche von
Verucchio.
35
dem farbigen Putz und den Gesimsen geradezu überschwänglich war. In
der Kollegiatskirche befinden sich mehrere Altarbilder und
Ausrüstungsgegenstände aus den Kirchen Verucchios; beachtlich ist das
Gemälde des Hauptaltars mit San Martino, der seinen Mantel einem
Armen gibt von Giovan Francesco Nagli, genannt Il Centino (etwa 1650).
Aber die wirklichen Meisterwerke dieser Kirche sind zwei auf geformte Tafeln gemalte Kruzifixe: das erste hängt im Presbyterium und ist von
einem unbekannten rimineser Künstler aus der ersten Hälfte des 14. Jhs.
(er wird “Maestro di Verucchio” genannt); das zweite ist eine venezianische Arbeit von Catarino (was die Holzarbeit angeht) und Nicolò di Pietro
(was die Malerei betrifft); die Unterschrift von Catarino und Nicolò mit dem
Datum 1404 ist unten am Kreuz ersichtlich. Die Kollegiatskirche von
Verucchio scheint ein wenig als die “Kathedrale” des mittleren MarecchiaTals konzipiert worden zu sein.
Auch das Conca-Talgebiet hat eine Kirche, die als die “Kathedrale”
des Talgebietes angesehen werden kann: es handelt sich um die San
Biagio geweihte Pfarrkirche von Saludecio. Sie ist zwischen 1794 und
1802 (d.h. in wirklich schwierigen Zeiten schwerer ökonomischer und politischer Krise) dank des Mutes und der Beständigkeit eines hervorragenden
lokalen Pfarrers, Don Antonio Fronzoni, und dank der Begeisterung über
die offizielle Seligsprechung (1776) Amato Ronconis, der seit dem 14. Jh.
als Schutzpatron des Ortes verehrt worden ist, errichtet worden. Diese
1930 als “Wallfahrtskirche” proklamierte Kirche hat sehr elegante und harmonische Formen, die die Frucht einer intelligenten Überarbeitung und
Rationalisierung zentralisierter Schemen barocken Geschmacks sind. Ihr
Autor ist der Cesenater Giuseppe Achilli, der mit ihr sein Meisterwerk und
vielleicht das Meisterwerk der gesamten Architektur des späten 18. Jhs. im
rimineser Gebiet hinterlassen hat. Die mit viel Nüchternheit zur
Bereicherung der architektonischen Struktur angebrachten Stuckarbeiten
stammen vom rimineser Modellierer Antonio Trentanove, während die
Gemälde Arbeiten guter romagnolischer und marchigianischer Künstler
des 17. und 18. Jhs. sind. Unter allen ragen zwei herrliche Tafelbilder von
Guido Cagnacci hervor, die den Papst San Sisto und Die Prozession des
allerheiligsten Sakramentes (1628) darstellen.
In der Sakristei sind Wandschmuck, Gerätschaften und Gemälde
hauptsächlich des 17. und 18. Jhs. aus Kirchen und Oratorien der Zone, die
Ende des 18. Jhs. von der Kirchenunterdrückung betroffen war, versammelt
und ausgestellt; außerdem verschiedene Zeugnisse, die mit dem Kult des
Seligen Amato zusammenhängen.
Vertiefungen > Lokale Heilige
Bezüglich des Seligen Amato ist der Heiligsprechungsprozess im
Gange; er ist nicht der einzige Selige des Gebietes, vielmehr hat fast jeder
Ort einen solchen - mehr oder weniger alt und verehrt sowie mehr oder
weniger offiziell seitens der Kirche anerkannt: man kann - unter anderen erinnern an die Seligen Giovanni Gueruli, Gregorio Celli und Bionda da
Verucchio (aus Verucchio), den Seligen Alessio Monaldi (aus Riccione),
den Seligen Simone Balacchi (aus Santarcangelo), den Seligen Cipriano
Mosconi (aus Saludecio), den Seligen Enrico Ungaro (aus Passano di
Coriano).
Kleine oder große Kapellen oder schlichte Altäre in den Pfarrkirchen
der jeweiligen Orte hüten ihre Reliquien und erinnern an ihr Leben und die
Wunder. Häufig stützt sich ihr hinsichtlich der räumlichen Ausbreitung
sehr begrenzter Kult auf naive Legenden, auf an Wundern reiche volkstümliche Erzählungen, in denen Glaube, Poesie und Phantasie sich vermengen. Ebensolches lässt sich von den antiken Heiligen der Stadt berichten,
wie Arduino und Chiara aus Rimini, und von den ältesten Schutzpatronen,
den Heiligen Innocenza, Gaudenzo und Giuliano.
Auch die Moderne hat Menschen mit einem exemplarischen Leben
hervorgebracht, deren Beispiel von Heiligkeit hingegen wohlbekannt und
dokumentiert ist: von den modernen Seligen sei erinnert an den Mönch
Pio Campidelli und die Nonne Elisabetta Renzi; auf dem Wege der
Seligsprechung sind auch die verehrten Laien Alberto Marvelli und Carla
Ronci sowie die Nonnen Angela Molari, Faustina Zavagli und Bruna
Pellesi.
Oben, Innenraum der
Pfarrkirche San Biagio in
Saludecio, Arbeit von
Giuseppe Achilli. Unten,
Guido Cagnacci, Detail des
Gemäldes mit der Prozession
des Allerheiligsten
Sakraments (1628), im
Museum von Saludecio.
37
Vertiefungen > Kunst und Erinnerung
Diese kurze Zusammenschau will eine einfache Einladung sein,
Rimini und sein Gebiet vermittels der Spuren einer Religiosität zu entdecken, die überall in den Gebäuden des christlichen Kultes beachtliche
und wertvolle Zeugnisse hinterlassen hat. Die hier gewählte Richtung der
vorgezeichneten Streckenführung ist kein nur äußerlicher oder zufälliger
Vorwand; sie erlaubt es nämlich, Geschichte, Kunst und Kultur zusammenzufügen. Gewiss können sich innerhalb dieser Richtung Unterscheidungen
herausbilden und vor allem hinsichtlich der Kunstthemen Präferenzen
klären. In jedem Fall muss man, um in einem historischen Diskurs von einigem Atem ansonsten fragmentarische Elemente zu verbinden,
Zusammenfügungen vornehmen und dabei auf das zurückgreifen, was im
rimineser Stadtmuseum gesammelt und aufbewahrt wird. Es handelt sich
fast ausschließlich um Arbeiten aus dem rimineser Gebiet mit fast ausschließlich religiöser Thematik.
Zwei, was die Kunst angeht, interessante Themenstränge, die es wert
sind, vertieft zu werden, kann man abschließend noch empfehlen. Als
erstes ohne Zweifel die rimineser Malerei des “Trecento (d.h. 14. Jh.)”, die
innerhalb der italienischen Kunst des Mittelalters ein Phänomen nicht
unerheblichem Niveaus darstellt. Bedeutende Werke dieser Mal-”Schule”
finden sich in Villa Verucchio und Verucchio, in Santarcangelo und
Montefiore, in Misano und Rimini.
Das zweite ist die rimineser Malerei des 17. Jhs., die dank der
Aktivitäten von Guido Cagnacci und Giovan Francesco Nagli, genannt Il
Centino, Originalität und eine beachtliche Rolle im Rahmen des italienischen Naturalismus gehabt hat. Die Arbeiten der beiden findet man in
Saludecio und Montegridolfo, in Montefiore und Santarcangelo, in San
Vito und Verucchio sowie in Rimini.
Aber man wird sich z.B. auch der Suche nach den Spiegelungen der
Renaissance widmen können, die in den großen Zentren wie Venedig,
Florenz und Rom entwickelt worden ist; oder der Auffindung von
“Importen” und von Einflüssen aus den Hauptstädten des Barocks wie
Rom und Bologna.
Wie auch immer, man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass die
Kirchen - sowohl in der Stadt, wie im gesamten Gebiet, am Meeressaum,
wie auch dort, wo es in der Nähe des Apennins schon hügelig wird, oder
dort, wo es sich zur großen Po-Ebene hin zu öffnen beginnt - “gigantische
Anhäufungen von Arbeit und der Geschichte der Arbeit sind, Gerinnungen
individueller und kollektiver Frömmigkeit, Zeichen der Ergebenheit aber
auch erhabenster ästhetischer Regeln”, wie Andrea Emiliani geschrieben
hat, als er “die sehr hohe kulturelle und künstlerische Würde” unterstrich,
welche die Bauwerke des christlichen Kultes von anderen unterscheidet;
so häufig trifft man sie an, so erinnerungs-”dicht” sind sie, so “einverleibt
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und eingewachsen in jenen äußerst vitalen Bereich, den die Techniker als
Territorium bezeichnen, den wir aber vielmehr Stadt und Land nennen
müssten, diese so ganz eigene italienische Diarchie, Gegensatz der
Funktionen und der Mächte...”.
Und genau weil sie diese “Dichte” der Erinnerungen und ihren Wert
für die Bewahrung und Aufwertung der spezifischen kulturellen Identitäten
berücksichtigt, hat die Provinz Rimini - zusätzlich und als Verstärkung zu
den von der zuständigen Oberintendantur und der Diözese durchgeführten
Maßnahmen - eine ganze Reihe von Restaurierungen an Kunstwerken
finanziert, die sich in den Kirchen des Gebietes befinden, wobei sie sich
besonders um die kleineren Orte bemüht hat.
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Bibliographie > Wer mehr wissen möchte...
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Autori vari
Medioevo fantastico
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Testimonianze d’arte
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Ambiente, storia, arte
nell’alta Valmarecchia
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P. G. Pasini
Arte e storia
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E. Brigliadori, A. Pasquini
Religiosità in Valconca
Silvana ed., Milano 2000
Provincia di Rimini
Assessorato alla Cultura
Assessorato al Turismo
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Assessorato al Turismo
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