Mut tut gut!

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Mut tut gut!
3. Schreibwettbewerb der Frida-Levy-Gesamtschule Essen
Mut tut gut!
Ausgewählte Beiträge 2008
1
Schutzgebühr: 1Euro
Vorwort
„(Ich fragte mich langsam, warum reiche Frauen, die in Geld
schwimmen, immer irgendwelche Boutiquen öffnen mussten…)“
oder:
Vorwort zum „book“ unseres Schreibwettbewerb 2008:
Natürlich fragt man sich als Deutschlehrer, ob ein solcher Satz – Originalzitat, siehe oben –
wirklich aus der Feder einer vielleicht 13 -Jährigen geflossen sein kann – das liegt aber nicht
daran, dass man ihn ihr nicht zutraut, sondern daran, dass auch Deutschlehrer erstaunt sein
können über die literarische Qualität von Texten aus ihrer eigenen Schule!
Das muss ich Euch wirklich sagen – diese 99 Texte alle zu lesen und zu „bewerten“ war ein
echtes Stück Arbeit, dafür gebührt den Eltern im Schreibwettbewerb Team meine
Hochachtung und Dank , noch mehr erkläre ich aber Hochachtung den 99 Autorinnen und
Autoren, die derart gelungene und teils enorm umfangreiche Texte eingereicht haben!
Danke!
Denn es ist ja keine Selbstverständlichkeit, sich teils sicher für viele Stunden hinzusetzen
und zu schreiben. Da kann man nur sagen: weiter machen!
Sich immer wieder hinsetzen und wieder teilnehmen , immer besser werden! Sich
herausfordern lassen. Vortragen. Immer wieder neu lesen und andere vortragen hören.
Klasse!
Dieser Schreibwettbewerb war für mich ein echtes Erlebnis – so hatte ich ganz selten in
meiner doch schon ganz schön langen Lehrerlaufbahn Gelegenheit, unsere Schüler zu sehen.
Oft hab ich mir die Personen hinter den Texten vorgestellt, und wenn die Texte wirklich gut
waren, ging das auch.
So farbig, gewählt, oft ganz stilsicher und ernst und fröhlich:
„Sie dachte sich: So schlimm war der doch gar nicht, ich fühl mich so frei. Es ist einfach toll.
„ Mut tut gut“ .“
Dem ist nichts hinzuzufügen. Das ist einfach gut.
Ich danke Euch allen, die mitgemacht haben und wünsche Euren Texten hier viele viele
Leser.
Thomas Herion
2
Jahrgänge 5-6
Mut tut gut!
1.Platz
Was ist eigentlich Mut?
Ist es Mut, wenn ich im Dunkeln versuche meine Ängste zu bekämpfen?
Ist es Mut, wenn ich mich gegen Erwachsene stelle, ihnen in die Augen sehe und auch mal Stopp
sage?
Ist es Mut, wenn ich mal beim Arzt keine Angst zeige?
Ist es Mut, wenn ich an meinen Freunden auch mal Kritik übe, selbst wenn ich damit rechnen
muss, sie zu verlieren?
Ist es Mut, wenn ich zeige, ich bin anders, und dadurch Probleme habe, akzeptiert zu werden, aber
dennoch zu mir stehe?
Hierzu ein Gedicht:
Ich kann nicht schlafen und liege immer noch wach,
es ist stockdunkel und schon tiefste Nacht.
Es sind meine Gefühle und Gedanken,
sie lassen nicht nach.
Warum ist vieles im Leben so schwer?
Manchmal denke ich, ich kann bald nicht mehr.
Die Kriege, all dieser Hass, kein Sonnenschein und keine Liebe,
dafür nur Geschrei, Lärm, Bedrohung und Hiebe.
Ich halte mir die Ohren zu und summ’ leise ein Lied,
verdräng so den Schmerz, der tief in mir liegt.
Ich wippe mich langsam ganz sanft in den Schlaf,
denk an einen schönen Traum und in dem bin ich stark.
Die Erwachsenen reden meistens immer nur von sich,
denken nicht, wie es in mir aussieht, an meine Gefühle, denken nicht an mich.
Sie wissen auch immer alles viel besser,
streiten sich bis aufs Blut, wetzen ihre Messer.
Doch ich steh’ auf und sag’ ihnen in ihr Gesicht:
Es ist ätzend, wie sie sich aufführn, ihr Spiel, das spiel ich nicht mit.
Dabei seh’ ich ihnen fest in die Augen, auch schrei ich sie an,
was ist denn mit mir, mit meinen Gefühlen, denkt Ihr auch mal da dran?
Beim Arzt werden meine Hände ganz klamm, meine Knie ganz weich,
endlose Untersuchungen, Fragen, es läuft immer gleich.
Doch auch die letzte Tortur steh’ ich noch durch,
werde nicht schreien, nicht weinen, bleibe nach außen ganz ruhig.
Was sind das für Freunde, die nicht hinter und zu einem stehn,
beim kleinsten Streit, der kleinsten Kritik sich umdrehn und gehn?
Sie denken nur an sich, an ihren „Mittelpunkt“.
Aber ich bin ich und bleibe so, ich bin es echt Leid, laufe nicht mehr hinter ihnen her.
Ich stehe auf Gothic, Marilyn Manson und ich liebe Schwarz,
ich mag die Magie, Romantik und viele Kerzen.
Was kann ich dafür, ich mach mir halt nichts aus Pink,
nichts aus Rap, Bushido, aus Pünktchen und Herzen.
Aber na und? – und verdammt – ich bin doch immer noch ich!!!
Was macht euch denn so viel besser?... das frage ich mich.
Wenn Ihr mich nicht mögt, mich so nicht wollt, was denkt Ihr denn, wer Ihr seid?
Dann haut eben ab, ich bin eben besonders, auch bin ich gescheit.
Man muss wieder aufstehen, wenn man mal hinfällt, und kämpfen, und dafür braucht man Mut.
Ob’s falsch war oder richtig, zeigt sich erst später … auf jeden Fall tut Mut gut!!!
REBECCA GRONAU, 6f
3
Jahrgänge 5-6
2. Platz
!!!Liebe!!!
Es war einmal ein Mädchen. Sie hatte sich so sehr in
einen Jungen verliebt. Sie sah ihn jeden Tag in der Schule,
und immer, wenn sie ihn sah, kribbelte es in ihrem Bauch
und sie bekam kein Wort heraus. Sie dachte sich jeden
Tag: „Was würde er wohl sagen, wenn ich ihm meine
Liebe gestehe? Was würde er tun? Würde er mich
ignorieren? Würde er mich auslachen? Soll ich es ihm
wirklich sagen?“
Es war Montag, ein ganz normaler Schultag. Sie stand
morgens auf und das erste, was sie dachte: „Bitte, lieber
Gott... lass André heute nicht krank sein. Bitte!!!“ Sie
ging ins Bad und guckte sich im Spiegel an und sagte
sich: „So, wie ich aussehe, würde er doch eh nie was mit
mir anfangen!“ Sie putzte sich die Zähne, wusch ihr
Gesicht und ging wieder in ihr Zimmer. Als sie die
Schranktür aufmachte, fielen ihr schon all ihre Sachen
entgegen! „Na, toll“, sagte sie, „der Tag fängt ja schon
super an! Aber was soll ich nur anziehen? Pink, Schwarz,
Blau, Rot, Gelb? Oder doch lieber Lila? Och Mann!“
Dies ging eine ganze Zeit so, dass es schon 7.30 Uhr
war, als sie auf die Uhr guckte. Sie schrie: „Mist! Jetzt
muss ich mich aber beeilen!“ Sie zog einfach irgendwas
an. Als sie im Bus saß, stellte sie sich vor, wie schön es
doch mit André wäre: „Er und ich... nur wir Zwei.... für
immer!“ Bis auf einmal jemand mit heiserer Stimme
sagte: „Die Fahrkarten bitte!“ Sie zuckte zusammen und
murmelte: „Ja... einen Moment!“ Als sie dann um 7:50
Uhr an der Schule ankam, schaute sie sich nach André
um. Doch Fehlalarm! Kein André! Also ging sie zu ihrer
Freundin und rief schon von weitem: „Julia?!“ Als Julia
sie dann entdeckte, fragte ihre Freundin direkt: „Suchst
du André? Hast du ihm es denn jetzt endlich gesagt?“
Sie unterbrach sie: „Nein, natürlich nicht. Was soll ich
denn sagen? Etwa: ’André, ja weißt du, ich hab mich in
dich verliebt und kann nur noch an dich denken’ ...Tolle
Idee!“ Jemand tippte sie auf die Schulter. Sie drehte sich
um und schrie: „Waas?“ Als sie sich umdreht, traute sie
ihren Augen kaum, denn André stand vor ihr. „Ähm....“,
stotterte sie, „wie lange stehst du denn schon da?“ Er
erwiderte: „Mann, wie bist du denn drauf, shit
geschlafen?!!“ Als sie gerade etwas sagen wollte, schellte
es aber auch schon. Ihre Freundin zog sie weg und fragte:
„Hallo? Was hast du denn jetzt für einen Mist gebaut?
Du kannst ihn doch nicht einfach so anfahren?“
Als sie dann in der ersten Stunde Rebecca fragte: „Wenn
du einen Jungen über alles lieben würdest... würdest du
es ihm sagen?“ antwortete Rebecca: „Ja, na klar würde
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ich es ihm sagen. Warum fragst du denn? Verliebt?“
Julia erwiderte: „Ach Quatsch! Nur so!“ Sie überlegte
die ganze Zeit: ‚Soll ich es ihm wirklich sagen? Vielleicht
haben ja alle Recht, vielleicht fühlt man sich wirklich
besser, wenn es raus ist!’ Sie sagte zu Melanie: „Heute
ist Showtime... heute in der ersten Pause werde ich es
ihm sagen. Ich werde ganz stark sein!“ Melanie konnte
es kaum glauben. Sie staunte: „ Wow... das ist endlich
mal eine gute Entscheidung!“ Als es schellte, zog sie
Melanie direkt runter! Sie raste die Treppen runter.
Als sie unten waren, meint Melanie: „Wow... du hast
es aber echt eilig!“ André kam schon die Treppen
runter. Julias Herz raste so schnell. Sie lief im Kreis
und in ihrem Kopf war nur der eine Gedanke: ‚Du
schaffst es! Du sagst ihm das nur und fertig!’ Oh, mein
Gott ... oh, mein Gott. Noch einmal ein- und ausatmen
und auf in den Kampf! Sie nahm all ihren Mut
zusammen und ging zu ihm. Sie frage vorsichtig:
„André, hast du mal ’ne Minute für mich, ich meine,
alleine, unter vier Augen?“ Er erwiderte: „Ja klar, was
ist denn los?!“ Sie kam ins Stottern und ihr Herz schlug
so schnell, dass sie es selbst sogar spürte. „Also, ähm...
öhm...“ Er nahm sie in den Arm und sagte: „Ganz ruhig!
Atme noch mal ein und aus.“ Also fing sie noch mal
an: „Also, ich weiß, dass es jetzt vielleicht komisch
klingt und es vielleicht nicht deinen Erwartungen
entspricht, aber...“ Er unterbrach sie: „Aber?“ Plötzlich
brach es aus ihr heraus: „Ich kann nur noch an dich
denken, kann nicht mehr schlafen... jede Sekunde bist
du in meinem Kopf und ich liebe dich!“ André stand
nur mit offenen, großen Augen da. Als er gerade etwas
antworten wollte, unterbrach sie ihn: „Du musst dazu
nichts sagen.“ Er erwiderte: „Doch, doch... ich hätte
das zwar jetzt nicht erwartet, aber ich liebe dich auch,
aber eher so wie ein Bruder eine Schwester. Es tut
mir Leid!“ Für einen Moment schien die Welt unter ihr
zu wanken, aber plötzlich strahlte sie über das ganze
Gesicht. Sie war stolz auf sich... fühlte sich erleichtert!
Sie dachte sich: ‚So schlimm war es doch gar nicht...
ich fühl mich so frei... Es ist einfach toll. Mut tut gut!’
CHANTAL WICKER, 6e
Jahrgänge 5-6
2. Platz
3. Platz
Antonias Pullover
Mut tut gut!
Antonia hat Geburtstag. Von ihren
Eltern bekommt sie einen gelben
Pullover, auf dem ein großes braunes
Entchen sitzt. Sie ist entsetzt. Sie hat
noch nie einen hässlicheren Pullover
gesehen. Sie weiß, dass die ganze
Schule über sie lachen wird. Die
Mutter sagt: „Antonia, Liebes, du
wirst den Pullover doch in der Schule
anziehen, wenn die Klassenfotos
gemacht werden?“ Antonia kann
ihre Mutter nicht enttäuschen und
nickt nur. Am Tag des Schulfotos
kommt es, wie Antonia es sich
gedacht hat. Jeder macht Witze.
„Baby, hast du auch nicht die
Pampers vergessen?“ ist noch ein
freundlicher Spruch. Da ruft Tina:
„Seid ihr dumm! Habt ihr keine
anderen Sorgen? Antonia wird schon
wissen, warum sie den Pullover an
hat.“ Nach der ganzen Geschichte
hat sich Antonia bei Tina bedankt.
Von dem Tag an sind die mutigen
Mädchen die allerallerbesten
Freunde geworden.
Irgendwo mitten im afrikanischen Regenwald lebt Carlo,
ein kleiner schüchterner Junge. Heute ist ein besonders schöner Tag, denn
Opa Titus aus Finnland möchte zu Besuch kommen. Zur Feier des Tages
möchte Mama einen leckeren Ananasauflauf backen, Opa ist nämlich ein
wahrer Feinschmecker.
Mama möchte gerade den Auflauf in den Ofen schieben, als ihr plötzlich
auffällt, dass sie nicht genug Brennholz hat, deshalb muss Carlo mit dem
Fahrrad zu Oles Geräteschuppen fahren und welches besorgen. Oles
Geräteschuppen ist ein kleiner Laden am Ende des Waldes. Eigentlich ist
Ole ja ganz nett, aber auf dem Weg durch den Wald gibt es viele Schlangen.
Leider hat Carlo eine Schlangenphobie.
Ängstlich radelt er los. Als er schon fast den Laden erreicht, hört er einen
Hilferuf. Er schaut in die Richtung, aus der der Hilferuf kommt und macht
sich auf den Weg. Plötzlich steht ihm eine riesige Schlange im Weg. Er
zögert. „Soll ich an der Schlange vorbei oder lieber zurück?“ überlegt er
laut. Dann nimmt er all seinen Mut zusammen und fährt leise und vorsichtig
an der Schlange vorbei. Sie zischt und Carlo fällt fast vom Rad. Aber er
schafft es.
Fünf Meter weiter findet er Opa Titus mit einem verstauchten Knöchel.
Jetzt freut er sich besonders, dass er so mutig war. Schnell setzt er Opa
Titus auf den Rücksitz, kauft Brennholz und schiebt das Fahrrad nach Hause.
Zum ersten Mal fühlt Carlo sich richtig gut.
NICOLAS CASTILLO-HERNANDEZ, 5a
ANJA THAMASASA, 6f
4. Platz
Mutprobe
„Boar, ich möchte auch gerne zu den Wilden
Tigern gehören“, sagte Laureens Freundin Sina.
„Ach komm doch, hör auf. Nur, weil das die
coolste Bande an unserer Schule ist und alle da
rein wollen, willst du da jetzt auch rein,“ meint
Laureen. „Ich finde die total cool. Du schwärmst
bestimmt auch ein bisschen“, sagte wieder
Sina. „Ja... vielleicht ... ein bisschen. Aber meinst
du wirklich, du wirst da aufgenommen?! Bevor man da rein kommt, muss man nämlich eine Mutprobe bestehen!“
gab Laureen etwas zickig zurück, „Na und – die Mutprobe wird schon nicht so schlimm sein!“ meinte nun auch
Sina zickig. „Wie du meinst, Sina“, zickte Laureen.
Beim Abendessen fragte Laureen: „Mum, würdest du in eine Bande gehen, wo du eine Mutprobe bestehen
müsstest?“ „Ach, Laureen, wie kommst du denn jetzt auf diese Idee?“ fragte Laureens Mutter. „Nein, sag mal,
Mum!“, meinte Laureen aufdringlich. „Ich würde ganz mutig sagen: Nein! Warum fragst du?“ sagte Laureens
Mutter. „Na, bei uns gibt es an der Schule eine Bande und die heißt die Wilden Tiger. Und jeder will in diese
Bande, auch Sina. Ich würde vielleicht auch da rein gehen... Aber um da rein zu kommen, muss man eine
Mutprobe bestehen!“, erzählte Laureen. „Ah!“, sagte ihre Mutter. Als Laureen in ihr Zimmer ging, überlegte sie
erst mal, wie sie Sina davon abhalten soll, in diese Bande zu gehen. Das würde schwierig werden. An den
nächsten Tagen sprach Sina nur noch von den Wilden Tigern. „Du meinst wirklich, dass die dich fragen, ob du
dabei sein möchtest?“ fragte Laureen. „Ja, warum nicht?“, antwortete Sina. An den weiteren nächsten Tagen
diskutierten Laureen und Sina fast nur noch.
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5
Jahrgänge 5-6
Ach, Mum, was soll ich denn bloß
machen?“ fragte Laureen eines
Abends. „Wenn Sina meint, sie
müsste in diese Bande, dann lass sie“,
antwortete Laureens Mutter. „Ja, du
hast Recht.“ sagte Laureen leise. An
den nächsten Tagen erzählte Sina erst
mal nichts von den Wilden Tigern.
Auch nicht eine Woche später. „Hör
mal, Sina, willst du überhaupt noch in
diese Bande?“ fragte Laureen Sina.
„Na klar, wie kommst du denn jetzt
darauf?“ antwortete sie. „Na ja, du
hast lange nicht mehr von den Wilden
Tigern gesprochen“, meinte Laureen.
„Naja, du meinst ja immer, wenn ich
von den Wilden Tigern rede, dass ich
nicht rein gehen sollte und so was“,
antwortete Sina. „Ich würde da ja
auch gerne zugehören. Doch nicht,
wenn man eine Mutprobe bestehen
muss. So was finde ich nicht gut“,
sagte Laureen. „Ach komm, bei
denen ist es bestimmt nicht so eine
gefährliche Mutprobe. Du denkst
immer nur das Schlimmste.“, meinte
Sina. „Ach komm, hör auf. Was ist,
wenn sie schlimm ist?“ motzte
Laureen. „Sie wird schon nicht
schlimm sein!“ gab Sina zurück. „Ach,
wenn du doch meinst, du müsstest da
rein, dann lass mich am besten auch“,
sagte Laureen etwas lauter. „Ja, ich
glaube, das wäre gut!“ rief Sina
Laureen noch hinterher, denn
Laureen ging einfach weg.
Am nächsten Tag rief Sina Laureen
an. „Hallo, hier ist Sina. Ich wollte
mich entschuldigen wegen gestern!“,
sagte Sina. „Ach, du brauchst dich
doch nicht zu entschuldigen.“, meinte
Laureen. „Mmmmmh... weiß nicht“,
gab Sina zurück. Beide plauderten
noch lange. Zwei Tage später kam
Sina auf Laureen zugerannt.
„Laureen, Laureen!“ schrie Sina. „Ja,
was ist?“ fragte Laureen. „Sie haben
mich gefragt, sie haben mich gefragt!“
schrie Sina noch immer. „Wer hat dich
gefragt?“ fragte Laureen verdutzt.
„Die Wilden Tiger haben mich gefragt,
ob ich in ihre Bande möchte. Jetzt
muss ich nur noch die Mutprobe
bestehen!“ antwortete Sina. „Oh, das
ist ja toll!“, meinte Laureen.
„Du, Mum – Sina haben sie gefragt,
ob sie in ihre Bande möchte!“, sagte
Laureen am Abend. „Wer hat Sina
gefragt, ob sie in die Bande möchte?“
fragte Laureens Mutter ganz
verdutzt. „Die Wilden Tiger haben
Sina gefragt, ob sie in die Bande
möchte“, erklärte Laureen ihrer
Mutter. „Ach so, und jetzt muss Sina
noch die Mutprobe bestehen?“ fragte
Laureens Mutter. Laureen nickte.
Laureen wartete auf eine Antwort.
Doch eine Antwort kam nicht, also
sagte Laureen: „Mum, was soll ich
jetzt tun?“ „Lass
Sina einfach
machen, was
sie meint. Misch
dich jetzt nicht
bei ihr ein!“
antwortete
Laureens Mutter.
Am nächsten Tag erzählte Sina ganz
aufgeregt: „Heute muss ich die
Mutprobe machen!“ „Und was ist die
Mutprobe?“ frage Laureen. „Ich
muss von der alten Steinbrücke am
See in den See springen“, antwortete
Sina. „Bist du verrückt, du kannst dich
dabei verletzen!“ sagte Laureen
hysterisch. „Ach, wird schon nichts
passieren“, meinte Sina gelassen.
Laureen schlief diese Nacht ganz
unruhig und am nächsten Tag rief
Laureen direkt Sina an. „Und – wie
war es?“, fragte Laureen. „Cool, bin
jetzt in der Bande drin“, antwortete
Sina. „Und hast du dich verletzt?“
fragte Laureen. „Natürlich nicht!“
meinte Sina.
Als Laureen diese Neuigkeiten erfuhr,
verspürte sie auch den Drang, zu
dieser Bande zu gehören. Also fragte
Laureen Sina am nächsten Tag, ob
sie fragen könnte, ob sie in die Bande
könnte. „Klar frage ich nach“, sagte
6
Sina. „Okay, danke!“, bedankte sich
Laureen.
Am nächsten Tag kam Lars auf
Laureen zu und sagte: „Wenn du in
die Bande willst, dann musst du eine
Mutprobe bestehen. Wenn du heute
Nachmittag um 16.00 Uhr an der
alten Mühle bist, erfährst du, was du
für eine Mutprobe machen musst.“
„Ich komme“, antwortete Laureen.
Also ging Laureen um 16.00 Uhr zur
alten Mühle. „Hallo Laureen“,
begrüßte Jenny Laureen. „Also,
wenn du in unsere Bande möchtest,
musst du ja eine Mutprobe bestehen.
Lars wird dir sagen, was das für eine
ist.“ „Also, du musst mit dieser
Fackel die alte Mühle abfackeln“,
sagte Lars und hielt die Fackel hoch.
Alle guckten Laureen an und
warteten auf eine Antwort. Laureen
überlegte und überlegte. „Sinas
Mutprobe war nicht so gefährlich
wie meine!“ dachte Laureen. Ihr
liefen Schweißperlen den Rücken
runter und ihre Hände waren nass
vor Schweiß. Sie nahm all ihren Mut
zusammen und sagte laut und
deutlich: „Tut mir leid, aber so etwas
mache ich nicht.“ Alle starrten
Laureen an. „Keiner hat jemals
gesagt, dass er die Mutprobe nicht
machen möchte. Ich habe noch nie
eine Person gesehen, die soviel Mut
hatte zu sagen: Ich mache es nicht.
Laureen, du gehörst jetzt zu den
Wilden Tigern. Du hast schon so viel
Mut bewiesen“, sagte Jenny. „Aber
nur unter einer Bedingung: Das mit
den Mutproben muss aufhören“, gab
Laureen zurück. „Du hast mein
Wort, Laureen“, antwortete Jenny.
Alle klatschten. Seitdem nehmen die
Wilden Tiger die alte Mühle als ihr
Clubhaus.
ALEXANDRA WALTER, 6e
Jahrgänge 5-6
Platz 5
Platz 6
Platz 7
Mut im Schwimmbad
Mut tut gut!
Eines Tages ging Tom mit seinen
Freunden ins Schwimmbad. Tom
konnte sehr gut schwimmen und
tauchen, aber eines traute er sich
nicht: vom Sprungturm zu springen.
Sein Opa hatte ihm gesagt, dass man
für manche Sachen sehr viel Mut
brauchte und dass Angst einen
schützt, damit man keine dummen
Sachen macht. Tom dachte sich,
wenn die anderen auf den
Sprungturm gehen, gehe ich einfach
mit und am Ende wieder mit
herunter. Aber der Timo meinte:
„Tom, du musst als erstes springen,
damit wir alle sehen, dass du sich
traust.“ Tom ging mit auf den
Sprungturm, aber dann wurde er
ganz steif. Timo wollte ihn runter
schubsen, aber dann rief er: „Na gut,
ich trau mich nicht!“ Er rannte runter
und direkt nach Hause.
Zuhause ging er zu seinem Opa, der
merkte sofort, dass etwas nicht
stimmte. Er fragte, wie es im
Schwimmbad gewesen war und
Tom sagte: „Ich habe mich nicht
getraut, vom Sprungturm zu
springen.“ Da sagte der Opa: „Wir
gehen heute Abend zusammen ins
Schwimmbad. Ich springe vor und
du springst nach.“
„Ok“, wisperte Tom.
Ich war ganz aufgeregt. Die
Sommerferien waren vorbei und jetzt
gleich sollte ich meine neue Klasse
sehen. Ja, so war es. Das
Klassenfoto wurde schon gemacht
und jetzt ging ich mit meiner ganzen
Klasse in den Klassenraum. Da
angekommen, stellten sich unsere
Klassenlehrer vor. Sie hießen Herr
Krusche und Frau Shahnaziyan. Sie
sagten uns den Stundenplan und dann
baten sie uns um Ruhe und sprachen:
„So, Kinder, jetzt müssen wir euch
einen kleinen Moment alleine lassen,
weil wir noch etwas mit Frau Willm,
unserer Schulsekretärin, zu
besprechen haben.“ Und schon ging
das Gekreische los. Vor allem machte
einer sich über einen Jungen namens
Pedro lustig. Pedro kam aus Haiti und
hatte langes Haar bis zum Ende der
Wirbelsäule. Zwei Kinder riefen:
„Panamakind!“ Ich sagte: „Könnt ihr
das mal sein lassen! Nur, weil Pedro
aus Haiti kommt, muss man ihn doch
nicht so dreist beschimpfen!“ Auf
einmal rief Karsten (eines der Kinder,
das Pedro beschimpft hatte und
sozusagen der Anführer dieser
Bande war): „Was willst du denn, du
kleiner Furz? Sei leise, oder meine
Bande vermöbelt dich so, dass du
ins Krankenhaus musst!“ In diesem
Moment kamen Herr Krusche und
Frau Shahnaziyan rein. Sie hatten
den letzen Satz von Karsten
mitgekriegt. Auch die Sache mit
Pedro glaubten sie mir. Als Strafe gab
es zwei Wochen Silentium und
Ordnungs-dienst. Nach den zwei
Wochen kam Karsten zu mir und
fragte, ob wir Freunde sein wollten.
Er hatte darüber nachgedacht und
gemerkt, dass sein Verhalten blöd
gewesen war. Jetzt hatte er Pedro
besser kennen gelernt und gemerkt,
dass er echt cool ist. Ich dachte mir
„warum nich?“ und Pedro, Karsten
und ich wurden die besten Freunde
der Klasse. Und das beweist immer
wieder: „Mut tut gut! Man muss nur
den Mund aufmachen!“
Tipps zum Thema
„Mut tut gut“
Am Abend gingen sie
also ins Schwimmbad.
Als der Opa gesprun-gen war,
sprang Tom hinterher. Er musste
noch ein paar Mal springen, bis er
all seine Angst überwunden hatte.
Am nächsten Tag ging er wieder mit
den anderen ins Schwimmbad. Timo
schrie wieder: „Tom, du musst als
erster springen!“ Tom ging also auf
den Sprungturm und sprang. Timo
stand mit offenem Mund am
Beckenrand. Alle freuten sich für
Tom und Tom dachte: „Wie gut, dass
es einen Opa gibt.“
LEA MARIE ZINDEL, 5f
ANTON KAMINSKI, 5a
7
1. Wenn ihr etwas habt und ihr euch
davor fürchtet, dann besprecht es mit
euren Eltern oder euren besten
Freunden. Denn wenn ihr es gesagt
habt, fühlt es sich besser an!
2. Habt ihr Angst vor Prügeltypen?
Dann redet mit euren Eltern oder
Lehrern, denn sie können euch helfen,
sie
zu
vertreiben.
3. Habt ihr Liebeskummer? Dann
redet mit euren besten Freunden
darüber oder mache ihn/sie darauf
aufmerksam, dass du ihn/sie liebst
usw... Wenn es nicht klappt, dann ist
es nicht schlimm, denn es gibt noch
andere Mädchen/Jungs auf dieser
Welt. Denn wenn du das gesagt hast,
dann hast du dich getraut und das
heißt dann Mut!
4. Habt ihr Angst vor dem
Unterricht? Wenn ihr die
Hausaufgaben nicht verstanden habt,
dann lasst es euch noch mal erklären.
Ignoriere die anderen Mitschüler, die
dich immer hänseln! Denn wenn du
nachfragst, ist es nicht so schlimm.
Es hilft dir auch – das ist besser als
´ne schlechte Note.
KAH JAN LEE, 6a
Jahrgänge 5-6
8. Platz
Mut zur Liebe
Es war einmal ein Junge, der in ein
Mädchen verliebt war. Der Junge
hieß Charly und das Mädchen
Monika. Er hatte nicht den Mut, es
ihr zu sagen. Als er eines Tages im
Unterricht Mist gebaut hatte, wurde
er neben Monika gesetzt. Charly
wurde ganz panisch und ganz rot im
Gesicht. Als sie Deutsch hatten,
schenkte Charly ihr eine Kette.
Darauf stand: C+M=Liebe. Monika
fand es romantisch und gab ihm
einen Kuss auf die Wange. Am Ende
des Schultages ging Charly mit
Monika heim. Am Abend, als Charly
sich die Zähne putzte, dachte er
nach und war ganz stolz, dass er
soviel Mut hatte. Am nächsten
Morgen erzählte Monika, dass ihre
Eltern einen Job in Frankreich
bekommen haben. Darum müssen
sie wegziehen. Charly ging sehr
traurig in die Schule, aber Monika
schlug vor, dass sie doch
Brieffreunde bleiben können.
Am nächsten Tag wurden schon die
Sachen gepackt. Da ging das
Telefon und Charly fragte, ob er sie
in den Ferien besuchen darf.
Darüber freute Monika sich. Ab
sofort sparte Charly sein
Taschengeld für die Reise.
JAN PRONGRATZ, 5f
Jahrgänge 7-8
Die Spannung steigt... Aus Platzgründen stehen die Beiträge nicht in der Reihenfolge der Platzierung.
MUT TUT GUT
2. Platz
Was ist Mut?
Und warum tut er gut?
Ist Mut, wenn man leise ist und die Klappe hält.
Oder etwa, wenn man sich den anderen entgegen stellt.
Ist Mut, wenn man raucht
Oder andere für eigene Zwecke missbraucht.
Wenn man sich gegenseitig mobbt
Oder sogar verkloppt.
Das kann es doch nicht alles sein.
Mit meiner Meinung steh ich nicht allein.
Gewalt ist nicht Mut
und Gewalt tut auch nicht gut.
Man muss dazwischen gehen
Nicht einfach zusehen.
Also schau nicht weg
Das hat keinen Zweck.
Greif ein
der andere wird dir dankbar sein!
RABEA WESSENDORF, 7a
3. Platz
MUT TUT GUT!
Es ist kurz nach sieben in der Früh. Sie steht auf. Ihre Haare sind zerzaust, ihr
Inneres gleich. Sie schlurft in Richtung Bad und duscht. Nicht lange. Wie immer
geht es recht schnell. Ihre Haare sind nicht mehr zerzaust. Ihr Inneres bleibt es.
Seit Wochen ist das der Fall. Da hilft auch langsam kein entspannendes Bad mehr.
Es ist ein inneres Hin und Her.
Langsam und ungewollt fährt sie zur Schule. Sie ist da. Es schellt. Sie sitzt auf
ihrem Platz und auf ihrem Tisch sind lauter kleine Schneebälle aus zerknülltem
Papier. Es lässt sich Geschriebenes erkennen, wie „DU AUßENSEITERIN, VERPISS
DICH, WIR HASSEN DICH, SCHLAMPE…“
Es sind einige. Vielleicht ein halbes Dutzend. Diese Schneebälle versucht Ina so
gut wie möglich zu ignorieren, doch genau das macht ihre Mitschüler ärgerlicher,
deswegen hänseln und schlagen sie ihre Mitschüler noch mehr. Sie kann nicht
mehr, sie ist es Leid, ohne Grund gemobbt zu werden und keine Freunde zu haben.
Auf dem Weg nach Hause kommt sie an einer Brücke vorbei. Sie stellt sich auf die
Brücke und will springen, bis ein anderes Mädchen kommt und ganz laut schreit
„STOOOP, TU ES NICHT!“ Ina kommt von der Brücke runter und geht auf das
Mädchen zu, das sie davon abhielt zu springen. Das Mädchen stellt sich vor: „Ich
bin Mariella.“ „ Ich bin Ina“ - „Freut mich dich kennen zu lernen.“ „A…Aber
warum hast du mich davon abgehalten?“ „Weil ich mal den gleichen Fehler beinahe
gemacht hätte.“ Sie sitzen auf einer Bank im Park und Mariella erzählt Ina, das sie
auch früher gemobbt wurde und keine Freunde hatte. Sie erzählt, dass es ihr
genauso schlecht ging wie Ina sich jetzt im Moment fühlt.
„ Ich wollte mich auch umbringen“, doch da traf ich auf eine alte Dame zu, die mich
dann davon abhielt zu springen. Sie war sehr weise und sie machte mir wirklich
sehr viel Mut. Sie bestellte mich jede Woche zu ihr in die Praxis, denn sie war
Fortsetzung nächste Seite
8
Jahrgänge 7-8
Fortsetzung
Psychologin. Sie redete mit mir über all
meine Probleme. Bei ihr konnte ich mich
richtig ausreden und meine Gefühle
zeigen. Ina: „Und? Bist du immer dort
hingegangen?“ Mariella:“ Ja, also ich bin
jede Woche dort hingegangen und hab
ihr alles von mir und meinen Mitschülern
erzählt. Dann gab sie mir ein Buch - „Mut
tut gut“ heißt es - und ich habe es immer
in meiner Handtasche. Es erzählt auch
über ein junges Mädchen, das sehr
selbstsicher und mutig war. Sie wurde
auch gemobbt, doch sie hat keine Angst
vor ihren Mitschülern gezeigt und das
genau, das machte sie wirklich sehr mutig.
Und dadurch bekam sie auch mehr
Selbstvertrauen.“ Ina guckt Mariella ganz
erstaunt an. Mariella: „Weißt du was,
Ina?“ - „Was?“ - „Ich schenk es dir, denn
Mut ist das Einzige, was man braucht,
wenn man auf die Straße geht“, sagt
Mariella ganz selbstbewusst. Mariella
öffnet ihre Handtasche und drückt Ina
das Buch in die Hand. Ina: „Vielen Dank
Mariella.“ Mariella: „Gern geschehen.“
Einige Wochen später.
Ina und Mariella sind zusammen in der
Stadt und shoppen. Plötzlich kommt eine
Gang, die Ina immer ärgert, auf die beiden
zu und sie schreien:“ Uhhh… Ina hast
du ‘ne neue Freundin, hahaha!“ Die Gang
beschimpft die Beiden. Mariella: „Mann,
jetzt hört doch endlich damit auf, andere
Leute zu provozieren!“ Ein Mädchen der
Gang geht auf Mariella zu und gibt ihr
eine Backpfeife. Mariella bleibt ganz
ruhig. „Und? Willst du auch eine
Backpfeife in die Fresse haben, hahaha?“
sagt das Mädchen, das Mariella
geschlagen hat. Ina erinnert sich an das
Buch und zeigt wie das Mädchen keine
Angst .Während die Gang weiterhin Ina
beleidigt, ruft Mariella inzwischen die alte
Dame an. Die alte Dame erscheint nach 5
Minuten und fragt: „Was ist denn hier
los?“ Die Gang: „Was geht dich das denn
an, du alte Oma hahaha…“
Der alten Dame reicht es! Sie ruft die
Polizei, die Lehrer und die Eltern von Ina
an. „So geht das nicht weiter!“ sagt die
alte Dame wütend. Die Polizei, die Lehrer
und die Eltern von Ina erscheinen
zusammen nach ca. 3 Minuten. Die Gang
sieht die Polizei und flüchtet. Doch die
Polizei hat alle Fluchtwege gesperrt. Sie
können nicht mehr abhauen. Sie sind
gefangen. Ina ist immer noch sehr wütend
wegen der Backpfeife. Auf einmal geht
Ina auf das Mädchen zu und schlägt ihr
mitten ins Gesicht. Das Mädchen hat
langsam Angst, denn sie weiß jetzt, dass
Ina keine Angst mehr vor ihr hat und sich
wehrt. Die Polizei nimmt die Gang mit auf
das Revier. Zur Strafe müssen sie einen
Monat lang am Wochenende im
Altersheim Arbeitsstunden machen. Die
Lehrerin ganz entsetzt: „Ina, warum hast
du mir oder deinen Eltern nichts von
diesem Vorfall erzählt?“ Ina: „Ich hatte
eine viel zu große Angst, ich hab gedacht,
dass die Gang mich dann noch mehr
mobben wird…“ Die Lehrer und Eltern
von Ina bedanken sich ganz herzlich bei
der alten Dame und Mariella.
Die Lehrer entscheiden sich dafür, dass
die Gang von der Schule suspendiert
werden soll. Ina fühlt sich jetzt viel wohler
und hat auch keine Angst mehr, alleine
durch die Stadt zu laufen. Und das hat
sie alles Mariella zu verdanken. Ina und
Mariella sind Freunde fürs Leben
geworden und gehen durch dick und
dünn.
WASSILA EID, 8e
6. Platz
Was bedeutet Mut?
Mut ist was besonderes, es ist mit
nichts anderem zu vergleichen,
deswegen kann man Mut auch nicht
erlernen.
Jeder kann mutig sein, aber selten
ist es jemand. Die Gesellschaft
denkt, nur Leute mit Muskeln und
einem großen Mundwerk können
mutig sein, aber das stimmt nicht.
Wirklich jeder kann mutig sein.
Es gibt zwei Arten von Mut.
Die erste Art ist es, sich seinen
Ängsten zu stellen.
Die zweite Art ist, jemanden oder
eine nahe stehende Person zu
schützen oder zu verteidigen, auch
wenn das eigene Leben auf dem
Spiel steht.
Natürlich ist das ein großer Preis,
den man zahlen muss, deswegen ist
Mut auch was besonderes, er ist
wie ein Diamant wertvoll und
kostbar.
Viele haben ihren Diamanten schon
verloren, aber man kann ihn auch
wieder finden.
LEYLA SECKIN UND NESRIN
KURLULUK, 7d
9. Platz
MUT-Art
Mut gibt es in allen Arten. Würde man
über einen bestimmten Teil von Mut
schreiben, wär’ es zwar richtig, aber
auch falsch, denn wie gesagt, Mut gibt
es in allen Arten. Außerdem hat jeder
Mut. Mut ist nicht nur sich zu prügeln,
sondern auch mal „nein“ zu sagen. Das
wäre eine andere Art von Mut, einfach
mal „nein“ zu sagen, wenn er oder sie
eine dicke Lippe riskiert. Auch wenn
jemand z.B. ein Fenster kaputt macht,
und dann zugibt, dass er/sie es getan
hat, ist das schon ziemlich mutig. Für
mich bedeutet Mut, einfach mal „nein“
zu sagen und zu seiner Meinung zu
stehen.
P.S. Statt sich zu prügeln oder
Mutproben zu machen, sollte man sich
vorher gründlich überlegen, wie ein
falscher Mut enden kann.
JASMIN WECK, 7c
9
8. Platz
MUT IST...
Mut bedeutet
nicht, dass du dich schämst,
sondern dass du dich Feinden und
Freunden stellst.
Mut bedeutet nicht, dass du Kraft
in den Armen hast, sondern dass
du hilfst und Freude machst.
Mut bedeutet nicht, dass du
hänselst und mobbst und auch
nicht, dass du schlägst und
verkloppst.
Mut bedeutet, wenn du jemandem
etwas Gutes tust.
Dann tut Mut auch richtig gut.
SHELLA AKONETE, 7a
Jahrgänge 7-8
5. Platz
Der Wettbewerb
Wir hatten mal wieder Schule und es war total langweilig.
Die Lehrer nervten und ich war voll müde. Ich wollte so
schnell wie möglich wieder nach Hause, aber es war grad
mal die 3. Stunde. „Oh Mann“, dachte ich, „das wird ein
langer Tag.“ Ich langweilte mich wieder. In der Schule
quatschte ich mit meiner Freundin, aber sie hatte zu tun.
Plötzlich fiel mir der Zettel von gestern ein. Wir hatten einen
Zettel bekommen, wo es um einen Schreibwettbewerb ging,
wir durften eine Geschichte erfinden. Ich dachte mir, dass
ich eh nicht gewinne und machte mir keine weiteren Gedanken
darüber. Die Stunde ging zu Ende. Jetzt hatten wir Pause
und ich dachte wieder an den Schreibwettbewerb. Ich fragte
meine Freunde, ob die mitmachen würden, doch alle sagten
nein.
Ich dachte nach. Worüber sollte ich schreiben? Ich genoss
die Pause und in der nächsten Stunde fing ich an, an einer
Geschichte zu schreiben. Meine Gedanken flossen und ich
schrieb. Ich schrieb über einen Jungen, der seine Eltern
verloren hatte. Nach der Schule erzählte ich meiner Mutter
über die Geschichte. Sie freute sich, dass
ich da mitmache. Doch ich war mir noch
nicht sicher, ob ich meine Geschichte, sie
wurde fast vier Seiten lang, abgeben sollte.
Am nächsten Tag erzählte ich meinen
Freunden davon. Sie sagten, dass ich
niemals gewinnen würde. Ich wurde
traurig. Ich las mir die Geschichte noch einmal durch. Eins
war klar, ich fand sie toll! Am nächsten Tag erzählte ich meinen
Freunden von der Geschichte. Sie sahen mich verdutzt an
und sagten, dass wenn ich die Geschichte abgeben würde,
ich mich zum Gespött der Schule machen würde und sie
nichts mehr mit mir zu tun haben wollen. Was sollte ich tun?
Auf meine Freunde hören oder mein Herz? Ich wollte meine
Freunde niemals verlieren, aber...
Der Tag ging zu Ende und ich las mir die Geschichte
tausendmal durch. Ich musste mich entscheiden: Der
Wettbewerb oder meine Freunde, denn morgen war der
Abgabetermin. In dieser Nacht schlief ich schlecht. Ich
träumte davon, wie meine Freunde mich vor der ganzen
Schule niedermachten. Ich wachte schweißgebadet auf und
dachte, dass ich nie wieder zur Schule gehen wollte, doch
ich musste! Als ich an der Schule ankam, hatte ich
schreckliche Angst, dass mein Traum wahr wird. Meine
Freunde redeten den ganzen Tag nicht mit mir. Es war
Schulende und ich hielt den Umschlag mit meiner Geschichte
in der Hand. Soll ich? Soll ich nicht? Ich ging Richtung
Sekretariat. Vor dem Sekretariat angelangt, kam mir der
Gedanke, warum ich es denn nicht versuchen sollte. Ich gab
meine Geschichte ab. Ich drehte mich um, um nach Hause zu
gehen, als plötzlich meine Freunde auftauchten. Sie sahen
mich an und fragten, ob ich die Geschichte abgegeben hätte,
ich nickte. Sie drehten sich um und gingen. Ich dachte
darüber nach, was für einen Mist ich gemacht hatte und
ging langsam nach Hause. Zuhause aß ich nichts und ging
in mein Zimmer. Ich fragte mich, warum Freunde so etwas tun
konnten. Dann merkte ich, dass es keine richtigen Freunde waren
und freute mich auf den nächsten Tag, denn dann sollte die
Siegerehrung stattfinden. Diesmal träumte ich davon, den
Hauptpreis zu gewinnen. Am nächsten Tag in
der Schule ignorierte ich meine „Freunde“. In
der 2. Stunde kam eine Lautsprecherdurchsage,
dass alle Schüler in die Aula gebeten werden.
Ich freute mich wahnsinnig. Die Lehrerin machte
alles so spannend. Zuerst der 3. Platz, der
Gewinn war ein Schreibset. Gewonnen hatte
jemand aus der 5. Klasse, die ich nicht kannte. Dann der 2. Platz,
diesmal gab es einen Gutschein über 10 • von H&M. Gewonnen
hatte jemand aus meiner Parallelklasse. Ich wusste, dass ich
verloren hatte und war traurig, denn meine Freunde hatten recht.
Der 1.Platz wurde mit 30 • belohnt. Die Lehrerin machte es sehr
spannend. Der Name wurde genannt. Ich begann zu weinen,
denn ich hatte gewonnen. Ich ging auf die Bühne, alle klatschten
und gratulierten. Mein Traum war wahr geworden. Meine
„Freunde“ kamen auf die Bühne um mir zu gratulieren, und
sagten, dass sie wussten, das ich gewinnen würde. Ich sagte,
dass sie mich in Ruhe lassen sollten und ich sie nicht bräuchte.
Die Woche darauf verlief super. Ich fand neue Freunde und
wurde glücklich. Ich dachte sogar darüber nach, am nächsten
Schreibwettbewerb teilzunehmen und so merkt man: MUT TUT
GUT!
KATHARINA LOHAUS, 8e
Liebe Schülerinnen und Schüler,
nicht 99 Luftballons… aber ebenso viele
Einsendungen hatten wir dieses Jahr bei
unserem Schreibwettbewerb. Unter dem
Motto „Mut tut gut“ habt Ihr Euch kluge
Gedanken gemacht, habt der Phantasie
freien Lauf gelassen oder Euch auch mal
Eure Ängste von der Seele geschrieben.
Hut ab vor soviel Mut!
Bitte
vormerken:
Der
nächste
Schreibwettbewerb kommt bestimmt, und
zwar im Jahr der Kulturhauptstadt 2010.
Das Motto teilen wir Euch rechtzeitig mit.
Wir freuen uns auf die nächste Runde.
Die Eltern der Schulpflegschaft
10
Jahrgänge 7-8
7. Platz
4. Platz
MIT MUT
DURCHS LEBEN
Das Tagebuch zum Mut
Manchmal ist das Leben schwer,
du findest keinen Ausweg mehr.
Doch es kann eine Möglichkeit
geben.
Wenn du denkst, du bist in einem
dunklen Raum gefangen.
Musst du das Licht anmachen
Und immer lachen.
Wenn du das Licht hast
Angemacht und die Tür
Geöffnet hast, kannst du
Wieder leben,
du sollst durch
Die Träume schweben.
Anderen deine Wärme geben.
Du sollst glücklich und gesund
Sein. Niemals allein, Du musst
Mutig sein, denn Mut hilft dir
Auf deinem Weg. Dem Weg ins
Leben.
Mut wird dir Kraft geben.
Mut sollst du haben, Mut ist wichtig
Und sollte die Angst besiegen.
Denn
Dein Ziel wird dir nicht in deinen
Armen liegen. Du musst den
Kampf gewinnen.
Ich zum Beispiel mach es
Mit Singen, und nicht mit
scharfen Klingen.
Stecke meine Kraft in Musik,
weil sie mir Energie gibt.
Besonders mein Lieblingslied.
Ich stecke meine
Kraft
In die Musik und
Du halt, was dir
am meisten liegt.
Ob beim Sport oder
Gedichte schreiben,
Komponieren oder Regie
Führen. Du musst finden
Deine Türen.
Begleiten wird
Dich der Mut,
auch wenn es schwer ist zu
verstehen.
Den Mut kann dir helfen deinen
Eigenen Weg zu gehen.
MONIKA BLUMEK, 8
Hey Tagebuch! 04.03.08
Die Schule war heute voll Hammer...
Aber jetzt erstmal was Trauriges, Antonias Eltern trennen sich... Sie nahm es
aber nicht so schwer. Komisch für mich wäre es schlimm, wenn Mama und Papa
sich trennen würden....
Doch jetzt erzähl ich dir erstmal, warum die Schule so Hammer war. Du weißt
doch, dass ich ein Auge auf Kevin geworfen habe... Doch ich denke, er sieht
mich nicht. Nicht wirklich. Ok, er ist ein bisschen beliebt, sehr sogar, vielleicht
auch der beliebteste Junge der Schule und alle schwärmen für ihn... Naja, egal.
Doch heute glaub ich, dass er mich angelächelt hat, süß oder? Antonia sagt, ich
soll meinen ganzen Mut zusammen nehmen und Kevin ansprechen... Aber nein
danke. Er lacht mich bestimmt aus und ich blamiere mich. Muss jetzt
Hausaufgaben machen.
Gute Nacht Marlene
Liebes Tagebuch 05.04.08
Oh mein Gott du wirst mir es nie im Leben glauben, was heute passiert ist!
Heute ist der schönste Tag in meinem Leben!!!
In der 2. Pause, als ich an meinen Spind gegangen bin, sind mir alle meine
Sachen runter gefallen- weißt du, wer sie aufgehoben hat? Genau! Kevin -freu!
Wir wollten gleichzeitig die Bücher aufheben. Dann passierte es! Er berührte
meine Hand und fing an mit mir zu reden! Er meinte: „Hey, du bist doch Marlene,
oder?“ Ich so: „Ja, und du Kevin!“ Er so: „Ja! Du sitzt in Bio doch hinter mir,
oder nicht!?“ Oh mein Gott! Er hat mich bemerkt! Mich, ein normales Mädchen.
Als letztes meinte er nur noch so: „Bye! Wir sehen uns Marlene.“ Als ich
Antonia davon erzählte, ist sie ausgeflippt. Nach der Schule sind wir Eis essen
gegangen und haben über viele Sachen geredet.
Bis dann Marlene
Hey Tagebuch! 06.03.08
Bestimmt nerve ich dich schon mit Kevin... Doch als ich heute in Bio herein
gekommen bin, sagte er mir „Hallo“ - du weißt ja gar nicht, wie sehr ich mich
gefreut habe! Immer wenn ich ihn sehe, schlägt mein Herz wie verrückt!!! Er ist
so nett, süß, intelligent und lustig! Er hat das besondere Etwas für mich, das ein
Junge haben soll. So wie ich dich mit Kevin nerve, mache ich das auch langsam
mit Antonia! Ich nerve sie, weil ich immer von ihm rede und nicht meinen
ganzen Mut zusammen nehme und es ihm sage! Ich glaube, ich sage es ihm
oder lieber nicht... ich hab KP... Oh MUM hat gerufen, Essen ist fertig!
Bis morgen Marlene
PS. Ich hab mich verliebt.
Liebes Tagebuch 07.03.08
Ich bin so dumm... Ohne Scheiß jetzt!!! Ich bin zu Kevin gegangen und das lief
ab:
Ich: Hey Kevin
Er: Hi Marlene
Ich: Kann ich mal mit dir reden?
Er: Ja klar!
Ich: Ich wollte dich was fragen und zwar ... darf ich mal dein
Mathebuch haben?
Er: Klaro!
Es war so peinlich... ich bin so dumm! Ich steh mir selber im Weg...
Als ich später bei Antonia war, musste ich weinen. Es war zuviel für sie! Sie
sagte, sie will nicht, dass ihre Eltern sich trennen...
Ich tröstete sie und später meinte sie, ich soll meine Gefühle in ein Gedicht oder
Ähnliches schreiben. Mal schauen...Ich schau jetzt Titanic—alleine!
Bitte umblättern
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Jahrgänge 7-8
Hallo Tagebuch.... 08.03.08
Ich habe heute über Antonias
Vorschlag nachgedacht... etwas
schreiben, und das tat ich auch. Als ich
heute nach der Schule nach Hause
kam, machte ich meinen Lieblingssong
an, nämlich Vanessa Hudgens -I gotta
go my own way - und wie ich so bin,
schrieb ich einen neuen Songtext zur
Melodie( der ist auf der nächsten
Seite). Ich schlaf heut bei Antonia. Sie
sagt, der Song ist toll geworden und
ich soll den Song Kevin geben. Doch
ich habe Angst... Nur in Songs kann
ich meine Gefühle reinbringen. Doch
diesen Text werde ich ihm bestimmt
nicht vorsingen. Ich glaube, ich muss
ihn vergessen. Antonia und ich tragen
uns jetzt Gesichtsmasken auf.
Gute Nacht!
Songtext
1. Vers Ich habe Angst es dir zu sagen
Was ich fühle und gern möchte von dir.
Ich träume nur über uns,
aber Träume bleiben Träume,
wenn man nichts tut.
Jetzt ist es zu spät, und du
Bist so weit weg von mir,
warum habe ich....
Refrain: keinen Mut und sage es
Dir nicht,
Ich bin nun ganz allein
Und wein um dich, würd’ ich mich doch
zusammen reißen,
dann wär’ ich jetzt nicht unglücklich.
2. Vers Immer wenn ich dich seh,
schlägt mein Herz wie verrückt
um dich
doch ich will es nicht
wagen
Ich habe so Angst, dass du
Mir wehtun würdest und mein
Herz bricht
Ich wollte dies alles nicht
Warum habe ich
Refrain:
3. Vers Was ist mit Mut, warum
geht er wenn ich ihn brauche
Was ist mit mir, warum
gibt mir keiner den Mut
Was ist mit uns, bist du
jetzt für immer weg
Ich liebe dich doch, kann’s
nicht sagen ohne Mut
ich habe...
Refrain:
Hi Tagebuch 09.03.08
Ich hab letztens die Aktion so...
peinlich gefunden, dass ich Antonia
gebeten habe, das Mathebuch Kevin
zurück zu geben! Antonia meint, dass
ich meinen Mut nicht aufgeben soll...
Tu ich aber... Kevin denkt bestimmt, ich
bin voll dumm... der lächelt mich
bestimmt letzte Zeit aus Mitleid an und
ich dummes Ding mache mir
HOFFNUNG. Wir leben halt in zwei
verschiedenen Welten NaJa...
Bye,
PS: Ich muss meinen Songtext bei
Antonia vergessen haben . Zum Glück
steht er in dir drin.
Hey Tagebuch, 10.03.09
Ich glaube, Kevin ist jetzt total
durchgeknallt...! Er kam heute zu mir
lächelte mich an und sagte: „JA, ich
dich auch! Hab keine Angst...“
Was wollte er? Ich schaute ihn verwirrt
an und fragte ihn, was er meinte. Er
wurde nur rot und ging mit traurigem
Gesicht davon. Was war mit ihm los?
Leider konnte ich Antonia nicht fragen,
da sie ein bisschen krank ist. Doch sie
kommt morgen wieder zur Schule. Kevin
verdreht mir den Kopf.
Bis Morgen
Liebes Tagebuch, 11.03.09
Antonia ist immer noch krank... Kevin
geht mir jetzt aus dem Weg! Er kann
mich doch nicht so behandeln... Hallo?!
Das regt mich total auf. Doch ich mach
mir erstmal keinen Kopf drum. Ich
erzähl das morgen erstmal alles
Antonia, mal schaun, was sie dazu
sagt... Sie hat mir versprochen, dass sie
morgen wieder zur Schule kommt. Ich
brauche ihren Rat. Naja. Mum, Dad und
ich schauen uns jetzt den Film STEP UP
an.
Bis Morgen
Liebes Tagebuch,
12.03.09
Ich habe so ein Gefühlschaos! Du weißt
nicht, was Antonia getan hat. Als sie
das Mathebuch zurück gebracht hat,
hat sie den Songtext reingelegt mit
meinen Initialen! Deswegen ist er zu mir
gekommen... verstehst du!?
Er liebt mich! Er...er tut es! Es ist wie ein
Traum. Er fühlt dasselbe wie ich. Doch
12
jetzt denkt er bestimmt, ich mag ihn
nicht. Doch was jetzt... ich muss zu
ihm gehen. Doch was ist, wenn er
nicht mehr dasselbe fühlt? Oh Mann,
ich muss aufhören an mir zu zweifeln.
Ich nehme meinen ganzen Mut
zusammen und sage es ihm. Er wird es
schon verstehen! Ich muss jetzt
versuchen zu schlafen.
Tschüss
Hey
Tagebuch!
13.03.09
Ich bin heute in der 1. Pause zu Kevin
gegangen und das ist passiert:
Ich: Hey Kevin, kann ich mit dir
reden?
Kevin: Hey...Klaro!
Ich: Ich glaube, ich muss dir was
erklären und ich bitte dich mich nicht
zu unterbrechen. Okay?
Kevin: Okay.
Ich: Als ich dich nach dem
Mathebuch fragte, wollte ich dir
eigentlich sagen, dass ich mich in dich
verliebt habe. Doch ich hatte Angst.
Danach gab Antonia mir den Rat,
meine Gefühle aufzuschreiben. Das tat
ich. Doch ich wollte es dir nicht
geben! Ich hatte keinen Mut. Antonia
legte ihn ins Mathebuch und
deswegen war ich so verwirrt!
Danach küsste er mich er schaute
mich an und meinte Ich liebe dich!
Dein Mut tut uns gut.
JAMIE FABIAN, 8a, und MEDINA
HASIC,8c
Jahrgänge 7-8
Mut zum Fliegen und Lieben
1. Platz
Sonntag 30. August, Virginiavill
Hallo, mein Name ist Jill Sunderstorm (bin 16 Jahre alt) und ich
habe diesen Sommer wirklich
viel erlebt.
Vielleicht ist Mut für jeden Menschen auf dieser Welt etwas anderes, aber was ich über Mut gelernt habe, ist
wirklich unbeschreiblich und unbezahlbar. Eins ist mir nämlich klar geworden:
„ Mut tut gut“
Der eigene Mut tut letzten Endes nicht nur einem selbst gut……………………
Alles begann Ende Juni und damit auch am letzten Schultag vor den Sommerferien…
Freitag 27. Juni, Virginavill (in der Schule)
Ich ging grade Hand in Hand mit Phil Broker (dem wohl tollsten männlichen Wesen auf dieser Erde, dazu noch
stilvoller Musiker , Halbengländer und neu in meiner Parallelklasse) über eine Blumenwiese, da riss mich meine
beste Freundin Lena aus diesem wundervollen Tagtraum. Wir alle saßen voller Vorfreude auf die Sommerferien im
Geschichtsunterricht. Lena fragte mich auf einem abgerissenen Blatt, wohin ich mit meinen Gedanken dieses Mal
gereist bin. Ich schrieb nur
Phil Broker...
Es klingelte….auf dem Weg zur Bushaltestelle bekam ich dann eine beste Freundinnen-Standpauke von Lena im
Fall Phil Broker, hier das Gröbste kurz zusammen gefasst:
„Jill Sunderstorm, es bringt dir überhaupt nichts, wenn du im Geschichtsunterricht mit Phil Broker über irgendwelche
Blumenwiesen spazierst, du muss mal deinen Mut zusammen nehmen und mit ihm reden.“ Nachdem ich nur die
Augen gerollt hatte und wir auf das Thema Urlaub zu sprechen kamen, musste Lena ihren Bus nehmen und ich
musste den Tatsachen ins Auge sehen:
Lena würde Morgen mit ihrer Familie drei Wochen nach Griechenland fliegen, ich wusste noch nicht genau, wohin
Tante Pam und Onkel Walter mit mir fahren würden… wahrscheinlich würden sie mich wieder auf dieses Ballettinternat
schicken (da Onkel Walter die Ferien über mal wieder in der Klinik bleiben muss) und das würde ich kein zweites
Mal überleben.
Es ist nämlich so …ich lebe bei meiner Tante und meinem Onkel (und Großvater Edgar, der nur ein Haus weiter
wohnt), da meine Eltern vor vier Jahren bei einem Flugzeugabsturz in Südafrika ums Leben kamen. Meine Tante
und mein Onkel sind ziemlich reich, da mein Onkel Walter (also Prof. Dr. Walter Sunderstorm) Chefarzt in einer
Schönheitsklinik ist. Auch er kann den Tod seines Bruders und seiner Schwägerin nur schwer verkraften… Pam
und Walter Sunderstorm sind sehr verkrampfte und ehrgeizige Menschen. Ganz anders ist ihr Sohn Collins, mein
heiß geliebter Cousin,er ist schon fünfundzwanzig und studiert zurzeit in Amsterdam „Sportjournalismus“ .Collins
war für mich schon immer so etwas wie ein Bruder, nur leider wohnen Tante Pam und Onkel Walter sechs Stunden
Autofahrt von Amsterdam entfernt (in Virginiavill, auch in den Niederlanden) und so sehe ich Collins höchstens mal
in seinen Semesterferien, weil er am Wochenende an die Dialyse muss. llins hat nämlich nur noch eine und sehr
schwache Niere, ber ich habe natürlich trotzdem Kontakt zu ihm … (Mails ,Telefon …) uns verbindet nämlich ein
großes Hobby, „die Fotografie“. Ich liebe es Menschen, Situationen und Emotionen einzufangen und sie durch das
Fotografieren ganz für mich allein zu haben .
Aber nun weiter in der Geschichte ……..
Als ich zu Hause ankam, flatterte mir Tante Pam schon entgegen (sie hatte manchmal wirklich etwas von einer
aufgescheuchten Gans)und präsentierte mir den Plan meiner Sommerferien:
Und der hatte es in sich……
Meine Tante wollte sich selbstständig machen. Und dass bedeutete, ich sollte ihr helfen und lernen wie man ein
Geschäft aufmacht, das einzige Problem war die Ware: „Damen –Unterwäsche und Kosmetik. (Ich fragte mich
langsam, warum reiche Frauen, die in Geld schwimmen, immer irgendwelche Boutiquen öffnen mussten, in denen
letzten Endes doch nur ihre eigenen Freundinnen aus dem Golfclub einkauften, weil wirklich nur solche Leute es
fertig brachten, für einen BH 190 Euro zu bezahlen.
Mit diesen Gedanken und der Vorstellung, meine Ferien damit zu verbringen, Kosmetik und
Unterwäsche zu katalogisieren, ging ich den Garten und legte mich auf die Hollywoodschaukel.
Plötzlich kam mir der Satz von Lena wieder in den Kopf „Du musst mal deinen Mut zusammen nehmen“…aber was
war den Mut??? Wann ist man den wirklich mutig? Ich konnte mich noch nicht mal an eine Situation erinnern, in
der ich nur annähernd mutig war, ( und was war bitte so toll daran Mut zu zeigen?). Mut ist einfach nur das
Gegenteil von Angst und bestärkt schwache Menschen Großes zu vollbringen. Ich fragte mich, wann ich mal etwas
Großes vollbringen würde, ich, die Verschlossene (von meinem Therapeuten bestätigt) und labile Jill, die mit 16
Bitte umblättern
13
Jahrgänge 7-8
immer noch glaubt, dass sie mal einen Prinzen heiratet und Winnie-Puh immer noch süß findet und krankhafte
Angst vor Flugzeugen hat.
Das mit der Angst vor Flugzeugen hat was mit dem Unfall meiner Eltern zu tun. Ich habe schon viele Therapien
gemacht, damit Tante Pam und Onkel Walter endlich mal mit mir in den Urlaub fliegen konnten, aber sobald ich ein
Flugzeug nur aus der Nähe sehe oder es betreten soll, kommt alles wieder hoch, der Unfall, die Beerdigung, das
Weinen und das Gefühl von Kälte und Leere.
Vielleicht sollte ich der Sache mit dem Mut mal auf den Grund gehen und andre Menschen nach ihrer Meinung über
Mut fragen…………….
Zwei Wochen später …….
In den letzten Tagen habe ich einige meiner Familienmitglieder gefragt, was Mut für sie bedeutet hat oder wann sie
Mut gespürt haben.
Onkel Walter erzählte mir von einer Patientin, die einen schweren Brand überlebt hatte und auch nach einer seiner
Operationen mit starken Brandnarben durch die Welt laufen muss…das war für ihn der Innbegriff von Mut, was ich
sehr gut nachvollziehen konnte.
Tante Pam fand sich mutig, als sie Collins per Kaiserschnitt bekommen hat, ich brauchte etwas länger, um da einen
Zusammenhang mit Mut zu finden, aber auch mir gelang es.
Collins schrieb mir seine Antwort natürlich per E-mail, er schrieb, dass er mutig sein musste, als er sich das erste
Mal für ein Mädchen mit einem zwei Jahre älteren Jungen geprügelt hatte.
Ich fand alle Interpretationen zum Thema Mut irgendwie auf ihre Art interessant, aber erst das Gespräch mit
Großvater Edgar brachte mich zum Grübeln …
Ich zitiere ihn wortwörtlich:
„Jill meine Liebe, Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern Mut ist die Erkenntnis, dass es etwas Wichtigeres
gibt als Angst.“ Ich fragte ihn, ob er mir dass nicht genauer erklären könnte, aber er meinte, ich würde irgendwann
selbst herausfinden, was er da mit meinte.
Mit dieser Wochenbilanz ging ich ein bisschen durch Virginiavill, kaufte mir ein extra großes Erdbeereis ….- und
dann sah ich ihn alleine…
…. ohne seine Freunde und mit seinem warmen und super tollen Lächeln: „Phil Broker“, seine kleine Schwester
neben sich am Marktbrunnen sitzen und Eis essen. Aber was, wenn er mich nervig fand und sagte, dass er nicht mit
mir reden wolle? Wir kannten uns ja eigentlich nur aus dem Spanischkurs, aber irgendwie musste ich meine
Sommerferien retten.
Also nahm ich meinen Mut zusammen und sagte: „Hallo wie geht es dir, schmeckt das Eis?“
(ich hätte mich treten können, was hatte ich ihn da eben gefragt, ob sein Eis schmeckt???
Hilfe, ich bin verloren und ein Fall für den Therapeuten!!!)
Nach dem er mir bestätigte, das sein Eis gut schmeckte, fragte er mich, ob ich Lust hätte, mit ihm und seiner
Schwester in den Park zu gehen. Ich weiß nicht mehr, was ich gestammelt habe und auf welcher Sprache er es
gesagt hat, aber ich habe es als „JA“ empfunden und wir gingen zusammen in den Park (und ich fühlte mich wie in
einem Traum). Nachdem wir uns verabschiedet hatten und E-mail Adressen ausgetauscht hatten, ging, nein schwebte
ich nach Hause, doch mit dem Hintergedanken, ob ich mich wirklich darauf einlassen sollte, in Phil Broker verliebt
zu sein. Doch zu Hause angekommen verwandelte sich der Vormittag in einen Albtraum...
Tante Pam saß weinend und völlig aufgelöst am Küchentisch. Onkel Walter beendete grade ein wohl nicht ganz so
erfreuliches Telefongespräch und Großvater Edgar saß voller Sorgenfalten zusammengesackt in seinem
Lieblingssessel. Ich fragte, was los sei…
Onkel Walter berichtete mir mit sorgenvoller und angsterfüllter Stimme, dass Collins auf
der Intensivstation des Amsterdamer Krankenhauses liege und dass seine Niere höchstens noch fünf Stunden
funktionieren würde. Ich fühlte mich schlecht, wieder in der Angst und mit dem Gefühl von Kälte und Leere.
Warum Collins, der, der immer so eine Wärme und Lebensfreude ausstrahlte?!?!
Wir alle wussten, was zu tun war, aber keiner wollte es aussprechen. Wir alle haben uns im vergangenen Mai
untersuchen lassen und es hat sich herausgestellt, dass ich Collins eine Niere spenden könnte… er hat nur noch
5 Stunden und ich komme weder mit dem Auto noch mit dem
Zug in 4 Stunden nach Amsterdam und wir alle wussten:
- !!! Jill muss fliegen !!!Fortsetzung nächste Seite
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Jahrgänge 7-8
In mir drehte sich alles, plötzlich baute sich in mir ein Gefühl von Druck auf und ich hatte Angst!.Tante Pam kam
zu mir, nahm mich in den Arm und sagte: „Jill, du musst das nicht für uns tun, sondern, wenn du es tust, dann tust
du es für Collins und dich.“
Ich entschied mich gegen die Angst und für den Mut…
Virginiavill 17 Uhr Nachmittags
Großvater Edgar blieb zu Hause und Onkel Walter, Tante Pam und ich fuhren zum schlimmsten Ort auf Erden,
zum Flughafen. Nachdem Onkel Walter der Frau am Schalter erklärt hatte, dass ich die Sonderpassagierin für
eine wichtige Operation des Amsterdamer- Krankenhauses wäre, nickte sie und ich musste ihr folgen. Unter
Tränen verabschiedete ich mich von Tante Pam und Onkel Walter, die mir sagten, dass sie, so schnell es geht,
einen Anschlussflug buchen würden.
Dann war es so weit - nach den ganzen Checks sollte ich in dieses Flugzeug, dieses riesige Monster und ein
Geschwistermonster dieses Ungetüms hatte meine Eltern auf dem Gewissen, doch dann erinnerte ich mich
wieder an das Zitat von Großvater Edgar :
„Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern Mut ist die Erkenntnis , dass es etwas Wichtigeres gibt als
Angst.“
Jetzt wusste ich, was er damit meinte, und was zu tun war.Collins ist tausendmal wichtiger als
die Angst und so schaffte ich es, in das Flugzeug zu steigen und nach Amsterdam zu fliegen.
Amsterdam 19 Uhr
Man holte mich vom Flughafen ab und direkt ging es zu Krankenhaus. Die OP war schon, so gut es ging, vorbereitet,
deswegen sah ich Collins nur unter Narkose.
Einen Tag später….
Am nächsten Morgen wachte ich auf und wusste gar nicht wo ich war. Doch nach einigen Minuten sah ich Tante
Pam, Onkel Walter und Großvater Edgar - und noch viel besser, neben mir, ein Bett weiter, lag Collins, halbwegs
wohlauf und mit einer neuen Niere.
Nach einer Woche
Den Rest der Sommerferien verbrachten wir dann alle zu Hause in Virginavill…
Wer wir sind? Na Collins, Großvater Edgar, Tante Pam, Onkel Walter, Lena, Phil und ich…
Und ich sagte ja bereits „Mut tut gut“,
Collins hat mein Mut gut getan und ich weiß jetzt auch, was Mut bedeutet. Es gibt viele Arten von Mut. Ich war
endlich mutig genug, mich auf meine Liebe einzulassen - und ich habe den Mut gefunden zu fliegen.
Mir hat dieser Sommer letzten Endes wirklich nur eins gezeigt „Mut tut gut“
WEENA SCHWAMBORN, 8f
15
Jahrgang 9
1. Platz
Mut zur Wahrheit
Sie umarmte ihren Freund und flüsterte ihm ins Ohr: „Weißt du, was ich glaube? Ich glaube, ich liebe dich.“ Kai
schob ihre schwarzen Haare aus dem Gesicht und als er ihre blauen Augen betrachtete, sagte er: „Das Gefühl hab
ich auch“, und lächelte. Für einen kurzen Moment vergaß Kira das Schlimme. Die Leere in ihrem Kopf. Das
Grauenhafte, Schlimme in ihrem Leben. Sie schwebte in diesem kurzen Augenblick Über dem kalten und harten
Boden. Sie machte ihre Augen zu um das Gefühl zu genießen, geliebt zu werden. Sie versuchte den Moment für die
Ewigkeit festzuhalten. Dann machte sie ihre Augen wieder auf und sagte: „Schatz ich muss jetzt gehen. Ich wollte
noch sag... Ich muss jetzt gehen, wir sehen uns Morgen.“ Sie verabschiedete sich und machte sich auf den Weg
nach Hause.
Und wieder hatte sie es ihm nicht gesagt. Jedes Mal nahm sie sich vor, ihm die Wahrheit zu sagen, doch sie hatte
Angst. Angst ihn zu verlieren. Auf dem Weg nach Hause ging sie durch den Park. Kira mochte den Park, weil es ihr
Zufluchtsort war. Jedesmal wenn es ihr schlecht ging, kam sie in den Park und setzte sich auf eine alte verrostete
Bank. Der Park gab ihr das Gefühl, ein Teil dieser Welt zu sein. All die fröhlich spielenden Kinder und Liebespaare
um sie herum zauberten ihr ein Lächeln auf das Gesicht. Der Park spiegelte ihren Traum vom glücklichen Leben an
der Seite ihres Freundes wider. Jedoch war an diesem Tag die Sonne von dunkelgrauen Wolken bedeckt und kein
Mensch war weit und breit zu sehen. Der Park war vollkommen leer.
Genauso wie ihr Kopf. Plötzlich sah sie eine gelbe Tulpe zwischen all dem Unkraut. Eine wunderschöne Tulpe, die
trotz des dichten Unkrauts blühte. Als sie das sah, wusste sie, dass es so nicht weitergehen kann. Jetzt war sie
fest entschlossen, ihrem Freund die Wahrheit zu sagen. Sie nahm all ihen Mut zusammen und rannte zu ihm nach
Hause. Sie musste ihm jetzt einfach sagen, was sie von Anfang an hätte sagen wollen. Bei Kai angekommen, sagte
Kira schwer atmend: „Ganz egal, du sollst wissen, dass ich dich immer lieben werde. Seitdem ich dich das erste Mal
gesehen habe, wusste ich, dass wir für einander geschaffen sind. Jeder Moment mit dir kam mir so vor, als wär ich
im Paradies. Die Zeit, die wir zusammen verbracht haben, war die schönste Zeit meines Lebens. Aber ich habe dir
was verheimlicht. Aus Angst dich zu verlieren habe ich es nicht gesagt. Ich habe es noch nie jemanden gesagt,
aber ich kann mit dir keine Beziehung aufbauen, die auf Lügen basiert. Du sollst wissen, dass ich, bevor wir uns
kannten, nicht viel gelacht habe. Ich hatte bis vor ein paar Jahren ein schönes und glückliches Leben. Aber wie es
das Schicksal wollte, starb meine Mutter. Aber es sollte noch schlimmer kommen, denn die Ärzte diagnostizierten
Aids als Todesursache bei meiner Mutter. Und ich habe... Ich bin auch infiziert, Kai, ich habe Aids.“ Ohne auf eine
Antwort von ihm zu warten, rannte Kira weinend zu Tür heraus. Eine Woche später bekam sie einen Strauß Immergrün
ZIAD ODY HASSAN 9b
von Kai nach Hause geschickt.
3. Platz
Coole Typen
Am Souvenirgeschäft angekommen, geht
Sam, mit einer dicken Jacke bekleidet,
in den Laden. Kurz geht sein Blick durch das Ladenfenster
nach draußen. Er sucht Blickkontakt mit Nils. Mit seinen
Lippen versucht Sam, Nils zu vermitteln, dass der Laden
leer wäre um etwas zu nehmen, ohne es zu bezahlen.
Doch Nils macht ihm mit Gesten klar, was er ihm soweit
seit Tagen vorwirft. „Du bist ein Weichei! Du wirst nie ein
cooler Typ werden!“ Sam warf ihm einen wütenden Blick
zu und ging weiter durch die Gänge. Er bewunderte Nils.
Nils, der sich alles traute. Nils, den alle Mädchen cool
fanden. Nie hätte er gedacht, dass ein Typ wie Nils ihn
überhaupt beachtet. Aber er hatte auch ihn, Sam, zu seiner
Fete eingeladen. Von da an nahm er ihn überall mit. Die
anderen Jungs aus der Clique verspotten ihn: „Du musst
mal etwas Mutiges tun“, riet ihm Nils. Aber er war nicht
mutig, er würde immer ein Weichei bleiben. Was sollte er
schon Mutiges zustande bringen? Bis heute Morgen. Da
hatte Nils eine Idee. „Mist“, sagte er. „Meine Oma hat
heute Geburtstag. Ich kann ihr nichts kaufen. Mein
Taschengeld habe ich schon ausgegeben. Aber...!“Nils
schaute Sam abschätzend an und grinste: „Aber ich habe
16
da eine Idee, wie du endlich mal beweisen könntest,
dass du ein cooler Typ bist. Ich bräuchte dringend ein
Geschenk für meine Oma!“
Sam hatte begriffen. Eine Chance. Seine Chance! Sein
Blick fiel auf das obere Regal. Eine wunderschöne kleine
Sammeltasse, auf der mit goldener Schrift „Oma“
geschrieben stand. Sam`s Herz raste, er war sehr nervös
und seine Handflächen wurden vor lauter Aufregung
feucht. Er griff nach der Tasse und steckte sie mit
zitternden Händen in seine Jackentasche. Als er gerade
fluchtartig den Laden verlassen wollte, stand ein Mann
mit einer schwarzen Lederjacke und kurzgeschnittenen
Haaren direkt neben ihm und hielt ihn am Ärmel fest.
Sam erschrak fürchterlich, weil er dachte, die Person
wäre aus dem Nichts erschienen. Doch als der Mann
Sam bat, mit in sein Büro zu kommen, wurde Sam
bewusst, dass dieser Mann ein Ladendetektiv war.
Schnell warf Sam einen verzweifelten Blick nach
draußen und sah, dass Nils fassungslos in den Laden
blickte. Im Büro sitzend, dauerte es nicht lange, bis Nils
hereinkam und mit einem roten Kopf sagte: „Lassen sie
meinen Freund gehen. Er kann nichts dafür. Ich habe
ihn dazu angestiftet, etwas zu stehlen.“ „Setz dich“, sagte
der Ladendetektiv. Sam warf Nils einen dankbaren Blick
zu. Er bewunderte ihn für seinen Mut und begriff plötzlich,
warum Nils ein cooler Typ ist.
ELAINE HACKS 9f
Jahrgang 9
Blaues Meer & blätternde Seiten
2. Platz
Das Handtuch, auf dem Jana lag, war schon ziemlich nass, weil Theresa sich nach dem Schwimmen darauf gelegt
hatte. Als sie ein Eis haben wollte, bat sie Jana, auf ihr Surfbrett aufzupassen. Da Theresa ihre Freundin war, tat sie
ihr den Gefallen natürlich. Nachdem ein kleines Kind sie mit Sonnencreme beschmiert und sie fast einen dicken
Mann umgelaufen hätte, machte sie sich mit dem Eis für Jana und ihrem auf den Weg zurück, zu der Stelle, an der
die beiden Freundinnen sich breitgemacht hatten. Vom Sonnenlicht geblendet stolperte sie. Ein schmerzender
Stich durchflutete ihren Fuß. Dem Eis war nichts passiert, aber dafür hatte sie ihr Gewicht mit dem Gesicht abgefangen.
Sie richtete sich auf, wischte sich den Sand von den Wangen und belastete den Fuß, es tat höllisch weh, aber da sie
für den Surfwettbewerb trainieren musste, der in wenigen Tagen stattfand, ignorierte sie es und humpelte zu Jana.
Sie gab ihrer Freundin das Eis und setzte sich mit ihrem auf das Surfbrett. Mittlerweile hatte Jana die Luftmatratze
aufgepumpt, ihr Handtuch darauf platziert und sich drauf gesetzt. „Warum humpelst du denn?“ bemerkte Jana.
„Ach, ich bin umgeknickt, da war so`ne Sandburg, über die ich gestolpert bin, du kannst ja für mich surfen“,
entgegnete Theresa, wobei ihr ein Lächeln übers Gesicht huschte. „Nee, du weißt genau, dass ich tierische Angst
hab, im Meer zu schwimmen!“ meinte Jana vorwurfsvoll. Theresa nickte: „Oh ja, an deinen letzten Panikanfall kann
ich mich noch gut erinnern, als….“ „Ja, ist ja gut“, unterbrach Jana ihre Freundin. Theresa bewegte ein wenig ihren
Fuß. Das würde schon gehen! Sie nahm ihr Surfbrett und lief ins Wasser. Während Jana ihrer Freundin beim Surfen
zuschaute, blätterte sie in einer Zeitschrift. Sie beneidete Theresa, denn Jana selber würde sich niemals trauen, ins
offene Meer raus zu schwimmen oder gar zu surfen. Seit ihre Schwester vor drei Jahren im Sommer in Spanien fast
ertrunken wäre, blieb Jana lieber am Strand und sonnte sich. Sie blickte zu Theresa. Genau in diesem Moment
knickte Theresa mit dem angestauchten Fuß weg, verlor das Gleichgewicht und prallte mit dem Kopf auf ihr
Surfbrett. Jana stockte der Atem. Sie schmiss die Zeitschrift weg, sie landete auf dem Boden und der Wind blätterte
in den Seiten. Janas Blick fiel auf die Wellen und das blaue, immer dunkler werdende Wasser, wo war Theresa? Sie
dachte an ihre Schwester... ihr stockte der Atem... Sie holte einmal tief Luft, dann rannte sie ins Wasser. Ihre Beine
waren schwer wie Blei, als sie bei Theresas Surfbrett angekommen war. Sie sah, dass Theresa sich an ihrem
Surfbrett fest klammerte. Mit aller Kraft hievte Jana ihre Freundin aufs Brett und paddelte zurück ans Ufer. Schnell
rief sie einen Krankenwagen, denn Theresa blutete stark am Kopf. Es dauerte nicht lange, bis der Krankenwagen
da war. Bevor Jana in den Krankenwagen einstieg, blickte sie noch mal auf das blaue Meer raus. Theresa lächelte
leicht und drücke Janas Hand… und der Wind blätterte immer noch in den Seiten.
SARAH HILDEBRANDT 9f
Höhenangst
4. Platz
Wie jeden Morgen machte sich der 23- jährige Jonny auf den Weg zur Arbeit. Er fuhr wie jeden Morgen mit dem Auto
dort hin, in einem Büro arbeitet Jonny als Informatiker. Als er bei der Arbeit ankam, erwartete ihn sein Chef schon,
denn Jonny hatte viel zutun. Jonny schnappte sich einen Kaffee und machte sich auf zu seinem Arbeitszimmer im
zehnten Stock. Das war ziemlich hoch für ihn, denn er hatte Höhenangst. Deswegen war sein Arbeitsplatz weit
entfernt von den großen Fenstern. Er schaltete seinen PC ein und ein scheinbar gewöhnlicher Arbeitstag begann.
Nach ungefähr einer Stunde kroch ein Gestank von brennendem Papier in Jonny‘s Nase. Er dachte sich, dass es
bestimmt durch die offenen Fenster käme. Doch dann hörte er Schreie: „Feuer! Es brennt!!“ Ein Kollege schrie, dass
alle Ausgänge durch das Feuer versperrt seien. Alle fingen an zu kreischen und suchten Auswege. Jonny blieb ruhig
und überlegte, wie er nach draußen gelangen könnte. Einer der Angestellten machte ein Fenster auf, blickte nach
unten, dann schaute er auf die Flammen, die immer näher kamen. Der Angestellte sah noch einmal runter und
sprang in die Tiefe. Drei weitere Kollegen folgten ihm. Nur Jonny blieb wie angewurzelt vor seinem Schreibtisch
stehen. Er spürte die Hitze der Flammen schon im Nacken. „Jonny, nun komm schon! Oder willst du hier verrecken?“
schrie ein Kollege. Jonny war wie gelähmt. Vom Rauch begannen seine Augen zu tränen. Sein Kollege zögerte
einen Moment, dann sprang auch er. Nun war er alleine. Wie automatisch näherte sich sein Körper dem geöffneten
Fenster, die Flammen schon dicht hinter ihm. Er wagte einen Blick hinunter und wurde vom Schwindel erfasst.
„Jonny, komm schon!“ schrie jemand. Er wagte einen zweiten Blick und sah den Kollegen auf einem Mauervorsprung
stehen, der sich im 9. Stock befand. Eine Feuerleiter führte von dort nach unten. Jonny wollte hinterher, doch dann
sah er wieder nach unten und bekam Panik aufgrund der Höhe, dann musste er sich entscheiden: entweder zu
verbrennen oder seine Höhenangst zu überwinden und sich zu retten. Jonny blickte auf die Flammen, die einen
Meter von ihm entfernt waren und immer näher kamen. Jonny schloss dann die Augen, drehte sich um und sprang
auf den Vorsprung. Er wäre fast ausgerutscht. Dann rannte er zu den Treppen. Er rannte und rannte, voller Panik und
Angst vor den Flammen, seine Höhenangst war verschwunden. Mit jeder Treppe wuchs seine Freude über das
Glück, das Flammeninferno überlebt zu haben.
ANOUSH JAVADI 9f
17
Jahrgänge 10-13
1. Platz
Mut durch die Clique
„Hey, hey, hey Kariiiiin!!! “schreit Laura. Sie begrüßt mich
laut und schubst mich dabei herum, so wie jeden Morgen,
seit ich an dieser Schule bin.
Mein Name ist Karin und ich gehe nun schon seit
zweieinhalb Jahren auf diese Schule. Durch einen Umzug
musste ich die Schule leider wechseln. An meiner alten hatte
ich viele gute Freunde. Und ich erhoffte mir natürlich, auch
hier wieder gute Freunde zu finden. Doch, tz, die Hoffnung
war umsonst.
Jeden Tag laufe ich mit meinen „Freunden“ aus der Clique
herum und ärgere jüngere, nicht selten auch mal ältere
Schüler unserer Schule, oder Fremde. Wir schubsen sie
herum, machen sie dumm an und beleidigen sie. Oft kommt
es noch zu anderen körperlichen Delikten.
„Na Schlampe?!!“ begrüßt auch Eileen mich nett und
klatscht mir heftig mit der Hand gegen die Stirn. Sie ist die
„Anführerin“ der Bande. Sie hat das Sagen, aber unsere,
auch liebevoll genannte „Schrei-Kuh“, alias Laura, hat viel
zu sagen, wenn es darum geht, welche Aufgaben ich mal
wieder erledigen soll.
Auch Sabrina, Chantal, Jenny und Anni kommen zu uns
mit lautem Geplärr. Das ist das nette Begrüßen, was durch
Bussys in der Runde noch vertieft wird. Oft fällt da auch
mal der eine oder andere Zungenkuss. Aber lesbisch, Gott
bewahre, sind sie doch nicht. Das ist „eine besondere Art
des Freundschaftsbeweises“ sagen die Mädels, wenn mein
Blick mal wieder ins Verunsicherte, leicht Geekelte geht.
„Whalla, was geht??“ fragt/schreit/sagt Ahmed zu uns Girls.
„Alles porno, und bei dir?“- „Ey weißte, ich war gestern
Kino und…“, „Boah Altah, f… dich, ich hab gestern Samuel
gesehn’ und…“, „Wat? Nee, schwör ey, ich hab den auch
gesehn’ und…“, „Warste gestern Porscheplatz oder…“,
fängt ein wildes rum Gelaber zwischen den Mädels und
noch ein paar anderen, dazu gekommenen Jungs an.
Ein unterhaltsames Gespräch, könnte man meinen, da
Vokale, Konsonanten oder einige Wörter einfach beim
Sprechen weggelassen werden. Ich habe mich schon oft
gefragt, warum selbst Deutsche so sprechen. Ich meine,
bei den Ausländern kann man es ja noch verstehen, ich tue
mich ja schließlich auch mit Englisch schwer, aber seine
eigene Sprache so zu verschandeln und lächerlich zu
machen, wird mir wohl noch lange ein Rätsel bleiben.
Ich komme mir jedes Mal wie ein Depp vor, wenn ich so in
der Masse stehe und die Einzige bin, die normales Deutsch
spricht. Aber meistens sage ich ja eh nie ein Wort, sondern
nicke oder so. Mit mir wird ja eh merkwürdig gesprochen,
es werden dumme Fragen gestellt oder blöde Sprüche über
mich gerissen, während meines Beiseins.
*Diiing Daaang Dooong* … Es schellt, alle Schüler machen
sich auf den Weg in ihr Klassenzimmer. Moment, sagte ich
alle? Verzeihung, nein. Wir gehören zu den Cliquen, die
erst zehn bis fünfzehn Minuten nach dem Gong in die
Klassen schluffen. „Das ist cool“, ist die Meinung der
Mädels. Und ob es auch meine Meinung ist, kann ich schon
bald selbst gar nicht mehr sagen. Ich bin eine Mitläuferin und
sage nie, was ich denke. Das habe ich mir sehr schnell abgewöhnen
müssen, sonst wäre ich wohl noch ewig alleine auf dem Schulhof
rumgedackelt, und durch die totale Unterdrückung meines wahren
Selbst habe ich wenigstens Leute um mich herum, die ich „meine
Freunde“ schimpfen kann.
Es ist soweit, der Weg in den Klassenraum wird angetreten. Wir
sind gut, denn wir haben den dreiminütigen Weg zum Raum in
stolzen zwölf Minuten erreicht. Das ist eine unserer besten/
schnellsten Zeiten. Natürlich wurde auf dem Weg noch
rumgemotzt, gegrölt, gegen Mülleimer getreten und Schüler
angeschrieen. Darunter auch Emily. Sie ist still und eine gute
Schülerin. Sprich, das perfekte Opfer. Täglich wird sie sechs bis
sieben Mal von uns fertig gemacht. Ob körperlich oder seelisch,
kein Tag vergeht ohne Qualen für sie.
Jedes Mal, wenn ich sie sehe, schaue ich in ihre lieben, grün
glitzernden Augen und sehe wortlos/tatenlos mit an, wie sie von
meiner Clique gequält wird. Ich bringe einfach nicht den Mut auf,
gegen die Mädels etwas zu sagen. Es steht zu hundert Prozent
fest, dass ich das nächste Opfer sein würde. Um nicht Opfer zu
sein, bin ich Mittäterin. Ich bin mir meiner Schuld bewusst, aber
mein eigenes Wohl, das geht mir vor.
Der Mut des Zusammenhaltens
„Hahaha!!!“ lautes Gelächter. Emily steht da mit nassen Klamotten,
sie riecht nach verschiedenen Getränken. Ihre Haare sind zerzaust
und mit grüner, blauer, schwarzer, goldener, pinker und lilaner
Farbe eingesprüht. Ihre Brille liegt kaputt am Boden. Ihre Hefte
zerrissen und teilweise verbrannt auf einem Tisch. Ihre Schuhe
hängen aus dem Fenster. Und Schuld an ihrer Misere war sie
selbst. Denn sie hatte etwas Missbilligendes zu Eileens Schuhen
gesagt. „Solche Stiefel haben doch nur Prostituierte an“, war der
Satz, dem Emily dieses Ereignis zu verdanken hatte.
Emily hat Tränen in den Augen, und das zu Recht. Denn das ist
bestimmt nur der Anfang von vielen Quälereien und Angriffen
auf sie.
Ich schaue mir also gerade dieses arme Mädchen an und fühle
dabei…Mitleid? Was ist passiert, dass ich auf einmal Mitleid für
so jemanden wie sie empfinden kann? Bisher waren mir doch alle
Opfer egal gewesen, weil ich jede Art an Gefühlen für diese
abgetötet habe. Aber für dieses kleine, etwas dickliche, eine Brille
tragendes Strebermädchen empfinde ich Mitleid. Ja wirklich! Aber
wie kommt das? Ist es vielleicht, weil sie sich nicht wehrt? Nein,
daran kann es nicht liegen. Schon viele zuvor haben sich nicht
gegen die Streiche von uns gewehrt. Und oft wurde auch die
ganze Klasse mit einbezogen, und alle machten auch fein und
artig mit und taten, was Eileen verlangte. Aber was ist es dann,
was mir dieses Gefühl gegenüber ihr hervorruft? Was nur? Kenne
ich sie vielleicht irgendwoher? Ah, sie sieht mich an. Hm? Dieser
Blick, der sagt: „Wieso hilfst du mir nicht? Wieso schaust du nur
zu, wie sie mich quälen? Wieso??“ Es ist wohl dieser Blick. Die
meisten Opfer haben mich entweder gar nicht, oder nur mit
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18
Jahrgänge 10-13
wütendem Blick angesehen. Aber sie nicht. Glaubt sie
wirklich, dass ich ihr helfe? Ich? Damit ich selber zum Opfer
werde?
„Hey, du stinkst, hau ab!“ schreit Eileen Emily an. „Aber das
ist doch eure Schuld“ erwidert sie leise. „Ich fass es nicht,
sie bietet ihr die Stirn…“ flüstert Sabrina. Auch ich bin
verwundert darüber. „Lass gut sein, Eileen, die Tusse wird
nichts mehr gegen dich sagen“, brüll ich in den Raum,
klatsch’ Emily eine dicke Plastiktasche an den Kopf und
gehe dabei langsam auf sie zu. „Kümmerst jetzt du dich um
sie und gibst ihr den Rest?“ fragt mich Anni. „Ja, mach sie
fertig! Räche Eileen!“ keift Jenny. „Ja ist gut, mache ich“ und schon packe ich Emilys Arm und zerre an ihr herum.
„Heb die Tasche auf, bitch!“ verängstigt tut sie, was ich ihr
sage. Mit starker Hand ziehe ich sie aus dem Raum, schubse
sie in den Sportumkleideraum und schließe leise die Tür.
Still schweigend sieht mich Emily an. Sie tut mir Leid. Aber
soll ich ihr das auch sagen?
„Wenn du mir eine auf die Fresse hauen willst, dann mach’s
schnell, ich will nicht zu spät zu Mathe kommen“, sagt sie
mit einer komischen Stimme zu mir. „Nein, ich werde dir nichts
tun“, verblüfft starrt sie mich an. „Schau in die Tasche,
Dummchen“, sage ich schon fast mit einem Lächeln auf den
Lippen. „Warum, wieso sollte ich? Was ist da Schlimmes
drin?!“ langsam wird sie immer verunsicherter und
ängstlicher. „Da ist meine Sportkleidung drin. Die kannst du
anziehen, wenn du magst.“ Ihr Blick verändert sich, sie wirft
einen kurzen Blick in die Tasche und…lacht. „Hahaha,
glaubst du wirklich, das würde ich tun?“ Nun schaue ich sie
verblüfft an. „Eh…joa, wieso denn nicht?“ Sie klatscht die
Tasche auf den Boden. „Das ist doch lächerlich! Also würde
ich dieses falsche Angebot annehmen! Ich vertraue dir doch
nicht!“ brüllt sie mich an. „Vergackeiern kann ich mich auch
alleine!“ wütend stürmt sie aus dem Umkleideraum. Verdutzt
steh ich nun da und…kann ihre Reaktion verstehen. Ich
hätte auch so reagiert. Warum auch sollte sie mir vertrauen?
Aber egal, die anderen denken, ich habe sie fertig gemacht,
weil ich ihnen am Anfang mit der Tasche etwas vorgespielt
habe. Gut, wenn ich das mal sagen darf. Hätte ich sie nicht
dumm angemacht und sie am Arm gezerrt, wäre das
verdächtig rüber gekommen. Aber ich sollte mir keine
weiteren Gedanken machen.
Der Mut zu vertrauen
Schon seit drei Tagen haben sie Emily in Ruhe gelassen.
Natürlich habe ich eine abenteuerliche Story über das, was
im Umkleideraum passiert ist erzählt. Halt so eine übliche
Geschichte, wenn man seine Opfer fertig macht. Sicher haben
sie mir alles abgekauft. „Gut gemacht!“ habe ich mehr als
einmal gehört. Egal, Lügen steht auf der Tageskarte. Sollen
die doch glauben, was ich erzähle. Wenn sie mir
vertrauen…pah. Wie dumm die doch sind. Ich vertraue ihnen
nicht. Wieso auch, sie lügen doch nonstop. Aber es ist auch
unwichtig, ob ich ihnen oder sie mir vertrauen. Hauptsache,
ich werde nicht zum nächsten Opfer.
„Hey, lass mal wieder die fette Brillenschlage Emily ärgern!“
schlägt Anni vor. „Au ja, lass mal machen!“ „Was meinst
du, Karin?“ fragt mich Sabrina. Ich gebe nur ein leichtes
Grummeln von mir, sage aber nichts dagegen. Und ehe ich
mich versehe, hat Emily auch schon ein halbes Mittagessen in
den Haaren. „Hey, wieso bewerft ihr mich mit Essen?“ fragt
sie, nachdem sie sich nach uns umgedreht hat. Ihr Blick geht
direkt zu mir. „Halts Maul!“ „Mach’n Kopf zu!“ „Schnauze es
stinkt!“ wird sie gleich verbal attackiert. Wieso nur schaut sie
mich so sauer an? Habe ich etwa geworfen? Nein! Also was
soll dieser Blick?
„Ey, Karin, hast du nicht Emily auch was zu sagen?“ fragt
Eileen in einem Befehlston. Ein kurzer Schreck durchdringt
mich, aber dann öffne ich den Mund, um sie ebenfalls zu
beleidigen. „…“ Mein Mund, er ist offen, aber es kommen
keine dummen Sprüche heraus. Was nun? Ich kann sie nicht
mündlich fertig machen. Genauso wenig wie ich es körperlich
tun konnte. Ein paar Sekunden verstreichen, ohne dass ich
etwas sage. „Kann die Mitläuferin etwa nichts mehr sagen,
wenn ihr nicht vorgegeben wird, was sie sagen soll?“ gibt
Emily in einem überheblichen Ton von sich. Ruckartig stehe
ich auf. Auch Anni, Sabrina und Laura stehen gleichzeitig mit
mir auf und haben einen empörten Gesichtsausdruck. „Was
hast du da eben zu Karin gesagt, du Schlampe?“ „Wiederhol
das, Fettkugel!“ „Mach’s Maul auf, Streberin!“ Noch immer
kann ich nichts sagen. „Ist es etwa nicht so, Karin? Du kannst
nichts alleine entscheiden und hast nie deine eigene Meinung.“
OK, das war zu viel. Sofort rennen die drei Mädels auf sie zu.
Erschrocken steht nun auch Emily von ihrem Platz auf und will
aus dem Klassenraum laufen. „Nein, wartet!“ schreie ich.
Prompt bleiben alle stehen. „Darum kümmere ich mich alleine“,
sage ich mit wütender Stimme und Miene. Wie versteinert bleibt
Emily erst stehen und sieht zu, wie ich zu ihr laufe. Aber dann
rennt sie in den Flur. Ich ihr natürlich hinterher. Mit einem
Ruck schubse ich sie wieder in den Umkleideraum. Gut, dass
der immer offen ist. „Guten Morgen Kinder“, „Guten Morgen
Herr L.!“ begrüßt der Lehrer die Schüler und wir den Lehrer.
Und schon steht Emily auf, geht zu ihm und beredet etwas
lässt es mein Image nicht mehr zu, da rein zu gehen.
Ich will mich gerade wieder auf den Weg zu Kevins Wohnung
machen und die alten Erinnerungen abschütteln, als ich Emily
aus dem Geschäft heraus kommen sehe. Mein Blick bleibt an
ihr kleben. Auch sie sieht mich und schaut verdutzt. Einige
Sekunden glotzen wir uns einfach nur an, aber dann kommt
Emily auf mich zu.
„Hey, was machst du denn in der Nähe eines solchen
Geschäftes hier?“ „Eh…“ Ich suche nach einer passenden
Antwort. Aber mir fällt keine ein. Mit einem Schulterzucken
gebe ich ihr aber dennoch eine angemessene Antwort. „Was
war bei Sport?“ frage ich sie mit wissender Stimme, was genau
war. Mit einem leichten Lächeln sieht sie zu Boden „Ich habe
mich vor einer Attacke in Sicherheit gebracht“ Auch ich muss
lächeln. „Na, die anderen haben sich aber ganz schön
geärgert!“ sage ich und klopfe ihr leicht auf die Schulter. Ihr
Lächeln jedoch geht nun ins Gespielte. Es war unpassend,
das zu sagen, das weiß ich.
bitte umblättern
19
Jahrgänge 10-13
„Wieso hast du mir geglaubt?“ Meine Stimme wird
unsicherer. Ihr Kopf geht nach oben und sie sieht mich
verwundert an. „Hätte ich es etwa nicht tun sollen?“
Und schon sehe ich ein Grinsen in ihrem Gesicht.
Verunsichert schau ich Emily an. „Was…?! “ „Ach, ich
weiß auch nicht, was mich dazu gebracht hat, dir zu
glauben aber…“ sie holt tief Luft „…ich hatte einfach
das Gefühl, dass du die Wahrheit sagst und mir nur
helfen wolltest.“
So eine Art Glücksgefühl überfällt mich. Dieses bringe
ich auch mit einer kräftigen Umarmung zum Ausdruck.
Wunderlicherweise umarmte mich Emily ebenfalls, was
das Glücksgefühl nur steigert. In diesem glücklichen
Moment, indem wir uns anfreunden, achteten wir auf
gar nichts mehr.
Auch nicht auf das Knipsen eines Fotoapparates.
Der Mut zur Wahrheit?
Montagmorgen, ich hasse Montage, aber heute bin
ich irgendwie glücklich. Wie kommt das nur? Auf dem
Weg zur Schule steige ich in die gewohnte Bahn ein
und…wo ist Chantal? Sie fährt oft morgens mit mir in
derselben Bahn, und sogar jeden Montag fest mit mir
zusammen zur höllischen Schule. Also, wo ist sie heute?
Vielleicht krank? Ich denke mir nichts weiter dabei,
schließlich kann ich sie ja noch nicht einmal gut leiden.
Sie gehört halt nur zur Clique und das war’s.
Angekommen gehe ich zum Vertretungsplan und
schaue, ob heute irgendetwas für mich an Unterricht
ausfällt. Aber so wie jeden Tag muss ich mich erstmal
durch die ganzen Schüler quetschen, bevor ich selbst
einmal einen Blick auf den Plan werfen kann. Und, ich
bin etwas verwundert, heute sind es noch mehr kleine
sch… Kinder, die sich da an der Scheibe die Nase platt
quetschen. Aber als ich endlich vorgedrungen bin,
sehe ich es, die Sensation des Tages/Wochenanfanges:
ein Foto.
Schockiert bleibe ich vor dem Plan stehen. „Hey Leute,
das müsst ihr sehen! Die Schlampe gibt sich mit einer
fetten Streberin ab!“ Lautes Gelächter. Und ich, ich
stehe nur da und kann es nicht fassen. Die Gedanken
und Fragen in meinem Kopf überschlagen sich. Wann
wurde das gemacht? Wieso habe ich es nicht bemerkt?
Und vor allem, wer hat es geschossen??
Auf einmal wird es ganz ruhig und nur noch das leise
Flüstern einiger Schüler ist zu hören. Ich drehe mich
um und…sehe Eileen und die Mädels. Alle sehen sehr
verärgert aus, bis auf Chantal, sie grinst.
Mit einem Mal wird mir klar, dass sie das Foto
geschossen haben muss. Und eine Wut steigt in mir
auf, die man in meinem Gesicht sicherlich ablesen kann.
„Du!“ schreie ich sie an, renne auf sie zu und ohrfeige
sie. Raunen geht um. Chantal fängt direkt an zu plärren.
„Was soll das, mich so abzulichten?!“ Ich bekomme
eine Ohrfeige von Sabrina. „Halts Maul, du Verräterin!“
Anni packt mich am T-Shirt-Kragen und schaut mich
wütend an. „Paar aufs Maul?“ fragt sie mich lieb. Mit
großen Augen sehe ich sie einfach nur stumm an. „Hey
hey, ganz ruhig Mädels“ sagt Eileen betont freundlich. Mit ihren
hübschen braunen Augen sieht sie mich an. „Vielleicht ist sie ja
keine Verräterin, sondern eine Spionin. Vielleicht ist es ihr Plan,
sich als Emilys die Ich weiß, ich darf jetzt nicht zögern, sonst ist es
aus mit mir. Mit einem Nicken und einem Lächeln lässt mich sowohl
Eileen als auch Anni los. „Ach, guter Plan!“ „Ja super!“ Alle
Mädchen aus der Clique lächeln mich freundlich an und freuen
sich mit mir, dass „mein Plan“ aufzugehen scheint. „Das ist toll!
Aber…wenn Emily die Fotos sieht, wird sie doch etwas merken?“
Durch Chantals Kommentar schrecken wir alle etwas auf. „Na,
dann müssen wir schnell die Fotos entfernen!“ Schnell stürmen
sie alle zu den Fotos und nehmen sie ab.
Ich sehe zu, wie sie sich beeilen und…sehe in den Augenwinkeln
Emily in der Tür stehen. Erschrocken drehe ich mich zu ihr und
sehe sie an. Ihr Gesichtsausdruck verrät mir, dass sie so einiges
von dem Gespräch mitangehört hat. Weinend läuft sie weg. Und
ich stehe nur wie versteinert da, und kann es nicht fassen, was ich
gerade eben getan habe. Ich habe meine erste wahre Freundin auf
dieser Schule gefunden, und habe behauptet, sie auszunutzen.
Ich habe sie als echte Freundin verleugnet. Was bin ich doch…für
ein Mensch. Und nun hab ich sie verloren.
Der Mut zur Wahrheit!
Lachend sitzt die Clique an der Tischtennisplatte, draußen auf
dem Schulhof. Pause ist nicht, sondern Unterricht. Aber es wird
gerade spontan beschlossen, den sausen zu lassen. Eine
Bierflasche geht rum und ich nehme einen kräftigen Zug, obwohl
ich keinen Alkohol mag.
„Hey Karin, erzähl doch jetzt mal, was du alles herausbekommen
hast!“ Auch die anderen drängen mich zum Reden. „Emily redet
seit Montag doch nicht mehr mit mir“, sage ich gefühllos. „Na, ist
doch egal, ich weiß, dass ihr am Samstag sehr lange miteinander
geredet habt. Hat sie da denn nicht irgendetwas Verwendbares
gesagt?“ fragt Chantal drängend. Nach einer kurzen Überlegung
schüttle ich den Kopf. Daraufhin spuckt mich Eileen an.
Erschrocken drehe ich mich zu ihr und wische mir den Speichel
aus dem Gesicht. „Was soll das, verdammt?!!“ schreie ich sie an.
„Du kennst eines ihrer Geheimnisse und lügst uns gerade an“, „Ja,
deine wahren Freunde lügst du an!“ Alle sehen mich verärgert
und enttäuscht an. „Vergiss nicht, Karin, wer wir sind“ Ein leichter
Schauer überkommt mich. Ich weiß genau, wenn ich einen Fehler
begehe, werde ich das nächste Opfer sein. Also sollte ich wohl
lieber…sprechen. Ich senke meinen Kopf. Nach einem tiefen Atmer
sage ich: „Sie hat wahnsinnige Angst vor schnellen Autos. Darum
läuft sie nie nahe einer Straße.“ Eileen lächelt. „Gut zu wissen. Und
da fällt mir auch schon was ein…“ Sie hat ein breites Grinsen in
ihrem Gesicht. Ich habe Angst um Emily, aber ich habe noch mehr
Angst um mich. Ich weiß, ich bin egoistisch. Aber so ist nun einmal
der Mensch.
Es schellt zur sechsten Stunde, wir gehen Bahnhof, biegt dann
aber doch in eine kleine Straße ab. Wir laufen ihr hinterher. Durch
diese Straße fährt kein Auto und Emily hat uns noch immer nicht
bemerkt. Als die kleine Straße ihr Ende findet, kommen wir zu einer
stark befahrenen Straße, die Emily gerade umgehen will, als Sabrina
sie an den Schultern packt und festhält. „Was ist los? Was wollt
ihr?!“ sie dreht sich wie wild um und versucht sich zu befreien.
Aber Sabrina ist stark genug, sie so festzuhalten, dass sie sich
nicht befreien kann.
Forsetzung nächste Seite
20
Jahrgänge 10-13
„Hey, ich hab gehört, du hast Angst vor schnellen Autos.“ Eileen
grinst gehässig und läuft langsam auf Sabrina mit Emily in den
Armen zu. „Entspricht das der Wahrheit, Streberin?“ Sabrina
atmet von hinten Emilys Haare an. Sie scheint wegen dem Plan
sehr aufgeregt zu sein. Emilys Augen werden größer. Ihr Gesicht
wird auf einmal ganz bleich. „Du bist eine hochnäsige kleine,
fette Alleswisserin, und solche Wesen wie dich braucht die Welt
nicht.“ Auch mein Herz schlägt schneller und meine Atmung
wird unregelmäßig. „Wir werden dir ein für alle Mal beibringen,
dass man nicht so eine große Fresse haben kann. Du wirst es
bereuen, dich gegen uns aufgelehnt zu haben!“ Noch im selben
Atemzug lässt Sabrina Emily los und Eileen schubst sie auf die
Straße.
Ich sehe es noch genau vor meinen Augen. Es ist wie in Zeitlupe.
Emily wird auf die Straße geschubst und in dem Moment rast
ein Auto auf sie zu. Als mir klar wird, dass das gerade eben
wirklich passiert, will ich Emilys Arm noch packen. Doch es ist
zu spät. Das Auto fährt sie an und schleudert sie zurück.
Die Mädchen sehen sich den Unfall an, lachen und rennen weg.
Nur ich stehe da und sehe, wie Emilys Blut über den Boden
läuft. Im Hintergrund höre ich einige Leute schreien. Nach kurzer
Zeit kommen auch schon ein paar Leute angerannt um der am
Boden Liegenden zu helfen. Und schon ruft jemand einen
Krankenwagen, der nach kurzer Zeit schon da ist. Emily wird in
ein Krankenhaus gebracht. Wo man ihre Wunden behandelt
eine Gehirnerschütterung feststellt.
Während Emily im Krankenhaus liegt und behandelt wird, quälen
mich die Bilder in meinem Kopf. Immer und immer wieder sehe
ich den Unfall vor meinen Augen. Ich versuche den Vorfall zu
vergessen. Aber das ist gar nicht so leicht, wenn man in der
Schule in seiner Clique jeden Tag daran erinnert wird. Seit dem
Ereignis behandeln mich die Mädchen anders. Aber ich habe
keine Angst mehr davor, dass ich ihr nächstes Opfer sein könnte.
Nein. Ich habe nun Angst um Emily. Was ist, wenn es nicht
„nur“ eine Gehirnerschütterung ist, sondern eine große Folgen
habende Gehirnblutung? Daran könnte sie sterben. Und ich…ich
wäre Schuld. Und das zu Recht.
Es ist schon einige Zeit vergangen, und Emily liegt noch immer
im Krankenhaus. Und ich kann nichts für sie tun. Aber heute
wird sich alles ändern.
Es schellt zur Pause und alle Schüler/innen stehen auf um aus
dem Klassenraum zu gehen. „Halt Kinder, wartet noch“, sagt
die Lehrerin und geht für einen Moment vor die Tür. Nach zwei
bis drei Minuten kommt sie mit zwei Polizisten zurück in die
Klasse. Die zwei Männer sehen sich um und sagen laut meinen
Namen. Erschrocken blicke ich sie mit geweiteten Augen an.
Alle anderen Schüler/innen gehen aus der Klasse. Und auch
die Lehrerin verlässt den Raum. Nun bin ich allein mit den zwei
Polizisten. „Karin, kennst du eine gewisse Emily T.?“ fragt mich
der etwas jüngere von beiden. Ich nicke. „Du weißt dann auch
sicher von dem Unfall, den sie hatte, nicht wahr?“ Wieder nicke
ich. Der ältere Polizist kniet sich vor mich und sieht mir in die
Augen. „Weißt du, wer sie vor das Auto gestoßen hat?“ fragt er
mich mit ruhiger Stimme und sanfter Miene. Zitternd stehe ich
da und sehe ihn mit leeren Augen an. Meine körperliche Reaktion
gab ihm Antwort genug und er sagt: „Der Unfall wurde von
einer Videokamera aufgezeichnet. Darauf zu sehen sind einige
Mädchen und Emily. Aber nur dein Gesicht war auf dem Video
zu erkennen. Du kennst doch sicher diese Mädchen, die bei
dem Ereignis dabei wahren, oder?“ Mein Blick wandert nach
unten zum Boden. Der ältere Polizist sieht den jüngeren an
und seufzt leise. „Karin, du musst uns die Wahrheit sagen
und verraten, wer die Mädchen sind, die Emily so etwas
Schreckliches angetan haben.“ Auch der jüngere Polizist
hat eine sanfte Stimme. Aber diese kann mich nicht
beruhigen. Wieder fliegen die Bilder des Unfalls in meinem
Kopf herum. Tränen kullern über meine Wangen. „Bitte Karin,
du musst es uns sagen. Hilf uns, und vor allem hilf Emily.“
Ich kneife die Augen zusammen und versuche mir die Tränen
zu verkneifen. „Hab den Mut uns die Wahrheit zu sagen“
Ja, da waren sie, die zwei schlimmsten Wörter, die man hören
kann. Mut sagt sich so einfach. Und Wahrheit besteht auch
aus Mut. Ich schluchze leise und wische mir die Tränen
weg. Es wird Zeit. Einer muss den Mut haben, die Wahrheit
auszusprechen und die Quäler zu bestrafen. Und ich, ich
werde all meinen Mut zusammen nehmen, und versuchen,
so noch etwas Gutes für Emily zu tun.
Der Mut für einen Neustart
„Guten Tag, würdet ihr bitte mit uns mitkommen?“ fragen
die Polizisten Anni, Chantal, Sabrina, Jenny, Laura und
Eileen, die rauchend und Bier trinkend auf einer
Tischtennisplatte auf einem Spielplatz sitzen. „Hää?!“ „Was
will denn der Spacken von uns?!“ „Ey Meister, was geht?“
Mit ein paar Handgriffen und freundlichen Worten bringen
sie die Mädels zum Polizeigebäude. Dort sitze und warte ich
schon in einem Raum, zusammen mit den Eltern von Emily.
Die Mädchen werden mit in den Raum gebeten und platzen
prollig herein. Mit großen Augen starren sie mich an. „Du
hast uns verpfiffen?!“ „Na warte!“ brüllt Anni und will mir
gerade an den Hals, doch ein Polizist hält Anni zurück, nach
weiterem Rumzappeln dann ganz fest. Nach einer
Zurechtweisung sitzen die Mädchen an meiner Seite, jedoch
mit Abstand. „Jetzt wird erst einmal die Lage geklärt und ein
Protokoll aufgenommen“ sagt ein Polizist und schon geht
es mit wilden Abstreitungen los. Nach Aufzählung der
Beweisen und Vorlesen meiner Aussage liegt das Ergebnis
fest: Jungendarrest und der Verweis von der Schule. Für
alle Mädchen aus meiner Clique. Auch für mich liegt eine
Strafe bereit, der ich gewissenhaft zustimme. Es sind nur
zwanzig Sozialstunden, die ich abarbeiten muss. Gerecht,
wie ich finde. Denn ich war ja auch Mittäterin, weil ich Emily
nicht geholfen habe.
Einige Tage sind vergangen. Ich stehe an der Brücke und
schaue in den Fluss. Ich stehe da und denke darüber nach,
was mir die Clique mit meinen „Freunden“ alles so gebracht
hat. Und wenn ich ehrlich bin, nur Schlechtes. Und es liegt
an mir, dass es zu alledem gekommen ist. Ich bin einfach
blind den Leuten gefolgt, die mich scheinbar akzeptiert
haben und bei mir waren. Doch ich habe nicht mehr selbst
über meine Taten entschieden. Ich habe einfach nur das
mitgemacht, was die anderen auch gemacht haben.
Wahrscheinlich bin ich den Mädels nur blind und gehorsam
gefolgt, weil ich nicht den Mut hatte, selbst auf andere
Menschen zuzugehen. Und das war mein Fehler. Plötzlich
muss ich an Emily denken und seufze unüberhörbar. Genau
in diesem Augenblick höre ich auch noch ihre Stimme.
bitte umblättern
21
Jahrgänge 10-13
Genau
in diesem Augenblick höre ich auch noch ihre
Stimme. „Karin“ sagt sie. „Karin, dreh dich um.“ Nach einer
Sekunde Zögern drehe ich mich um und… sehe Emily vor
mir stehen. Wie überrannt sehe ich sie an. „Karin, das bist
du doch, oder?“ Ich nicke. „Meine Eltern haben mir eine
Menge über dich erzählt.“ Noch immer nicht entspannt sage
ich „W-Was haben dir denn deine Eltern gesagt?“ Meine
Stimme zittert leicht. „Sie haben mir gesagt, dass…“ Sie
zögert, senkt ihren Blick. Jetzt, jetzt hätte sie die Chance
sich zu rächen und mich in den Fluss zu schubsen. Doch
dann sieht sie mich mit klaren Augen an. „Sie haben mir
gesagt, dass du mir in der Schulzeit geholfen hast. Dass wir
uns erst vor kurzem angefreundet haben und du die Täter
ausfindig gemacht und eine Aussage bei der Polizei gemacht
hast.“ Meine Atmung entspannt sich, obwohl ich so was
höre. Ganz falsch ist es ja nicht. Um genau zu sein, ist es
richtig, was ihre Eltern ihr da erzählt haben. Aber sie scheinen
so einiges an Informationen weggelassen zu haben. Ich
atme laut auf und Emily lächelt mich an. „Wir sind doch
Freundinnen, nicht wahr? Wegen meiner Amnesie kann ich
mich leider an nichts erinnern. Ich muss einfach das glauben,
was mir alles erzählt wird.“ Ich versuche etwas zu sagen,
aber mein Mund ist zu trocken. Emily sieht dass ich nach
Spucke ringe und greift in ihre Tasche. „Warte, ich habe
hier Saft.“ So gleich hält sie mir eine kleine Flasche entgegen.
Ich greife nach ihr und mein Blick schweift für eine Sekunde
in ihre Tasche. Und was ich sehe, verwundert mich sehr.
Ich sehe ein Buch, schon ganz alt mit vielen Knittern und
Rissen. Es sieht viel benutzt aus. Und darauf steht „Diary“.
Ich muss schmunzeln. Nach einem kräftigen Schluck gebe
ich ihr die Flasche zurück und sage „Klar sind wir
Freundinnen! Und dass du alles vergessen hast, macht auch
gar nichts. Wir erneuern einfach unsere Erinnerungen. Ok?
„ Ich lächle sie lieb an und sie schenkt mir ein ebenso
schönes Lächeln zurück. Ich greife ihre Hand und gehe mit
ihr von der Brücke aus zum Park. „Hach, herrliches Wetter!
Komm, Emily, lass uns ganz viel Spaß haben!“ Ich drücke
ihre Hand. „Und das hier, das ist ein Neuanfang.“ Ja, für
uns Beide.
JENNIFER ZORN, 10d
4. Platz
Mut zu Leben
Dem Abgrund so nah,
kein Gefühl mehr da,
deine Existenz nur noch egal,
bloß Schluss mit der Qual.
Schon seit langer Zeit,
macht sich Verzweiflung breit,
war froh dich zu kennen,
dich meinen Freund zu nennen.
Zu spät habe ich den anderen geglaubt,
habe dir immer vertraut,
konnte es nicht fassen,
bis du mich dann hast fallen lassen.
Doch aufgeben wollte ich nun doch
nicht,
die Tränen verschleierten die Sicht,
dachte, bräuchte Mut zu springen,
hörte dann in meinem Innern eine
Stimme erklingen:
„Habe Mut zu leben,
um Liebe zu empfangen und zu geben.
Steh auf und geh deinen Weg,
noch ist es nicht zu spät.
Denk an deine Freunde, sie schenken
dir Mut,
Leb endlich dein Leben und alles wird
gut!“
JENNIFER GAIDZIK Jgst 11
22
Jahrgänge 10-13
2. Platz
Ein Versuch Mut zu definieren
Was bringt es, eine Geschichte über Mut zu schreiben? Hat es überhaupt einen Sinn, einen Aufsatz
über Mut zu schreiben? Soll es Menschen mutiger machen? Oder ist es nur ein Thema, über das es
einem leicht fällt zu schreiben? Wird dabei dazu bewegt, nachzudenken und sich selbst zu reflektieren?
Zuerst muss gefragt werden: Was ist eigentlich Mut?
Ein Lexikon zum Beispiel schreibt, dass Mut in „(...) unerschrockenem, überlegtem Verhalten in
gefährlichen Situationen(...).“1 erkennbar sei. Ein anderes definiert Mut mit „Furchtlosigkeit,
Unerschrockenheit“2. Diese beiden Erklärungen sind sich sehr ähnlich, da sie die Unerschrockenheit
in den Mittelpunkt stellen. Die erste hat jedoch noch als Zusatz das „überlegte Verhalten“. Man soll also
1. Unerschrockenheit beweisen, und danach, 2., durchdacht handeln.
Aber was sind denn diese gefährlichen Situationen?
Zunächst hilft uns ein weiteres Lexikon, welches diese Situationen noch genauer definiert. Mut ist „die
Haltung, dass man auf Gefahren zugeht, obwohl man Angst hat“3. Vor Gefahren hat man demnach
Angst. Da stellt sich direkt die nächste Frage:
Bedeuten eigentlich Gefahren immer gleich Angst?
Diese Definition könnte eine mögliche Antwort sein, da sie Mut als „Fähigkeit, in einer gefährlichen,
riskanten Situation seine Angst zu überwinden“4 beschreibt. Es wird angenommen, dass Gefahren
immer Angstauslöser sind. Die vorige Auslegung hingegen dagegen legt die Gefahren – Angst Kette
eher als Mögliches aus.
Was ist denn letztendlich Mut?
Diese Begriffsbestimmung scheint die passendste zu sein, denn nach ihr ist Mut die „Bereitschaft und
Fähigkeit, angesichts einer für die eigene Person riskanten, bedrohlichen Situation seine Angst zu
überwinden und sich (…) in Gefahr zu begeben (…)“5. Hier wird Mut als Kompetenz angesehen um
Angst, die durch riskante, bedrohliche Situationen ausgelöst wird, zu bezwingen.
Jedoch, was sind konkrete Gefahren?
Was all diese Wörterbücher nicht erläutern, ist, ob Mut nur zur Überwindung von für die eigene
physische Existenz bedrohlichen Situationen – zum Beispiel über eine Schlucht springen - nötig ist,
oder ob er auch nötig ist, wenn es darum geht, sich zu überwinden um, zum Beispiel, etwas zu
gestehen.
Ab wann ist eine Handlung mutig? Sind Handlungen denn auch mutig, wenn man weiß, dass einem
nichts dabei passieren kann, wie zum Beispiel beim Bungeejumping? Oder ist das nur tollkühn,
waghalsig und furchtlos?
Auf diese ganzen Fragen gibt es natürlich keine eindeutigen Antworten, da es vom Menschen
abhängt, ab wann seine eigene Angst Schwelle überschritten ist, und es nicht mehr nur eines
bisschen Ansporns bedarf, sondern wirklichen Mutes, um eine bedrohlichen Situation zu meistern.
Für mich bedeutet Mut, dass man sich zwar den möglichen negativen Konsequenzen seiner
Handlung bewusst ist, jedoch diese nicht scheut, sondern mutig ist und durchdacht diese Situation
meistert. Dass heißt aber für mich auch, dass, sobald man nicht die Auswirkungen abwägt, und so
entscheidet, ob realistische Chancen vorhanden sind, diese psychische und physische Gefahr zu
bewältigen, ist dieses Verhalten nicht mehr mutig, sondern übermütig, waghalsig und trotzig.
Meiner Einschätzung nach, ist es sowohl mutig seinen Eltern zu gestehen, dass man homosexuell
ist, es ist aber auch mutig Fallschirm zu springen, allerdings halte ich es auch für mutig, wenn man
das erste Mal alleine über die Straße geht, oder wenn man seiner heimlichen großen Liebe sagt,
dass man in sie verliebt ist. Die Gefahren bei diesen Beispielen sind nicht sofort erkennbar, jedoch
müssen alle Personen zuerst ihre Ängste überwinden.
1
2
3
4
5
http://lexikon.meyers.de/meyers/Mut
Wörterbuch der deutschen Sprache, -Mut-, 2005
PONS, -Mut-, 1.Auflage
Duden, -Mut-, 3.Auflage
Brockhaus Wahrig, -Mut-, 1982
bitte umblättern
23
Jahrgänge 10-13
Fortsetzung
Es hat einen Sinn, einen Aufsatz über Mut zu schreiben, stelle ich fest, da es mich dazu gebracht hat,
mich selber einzuschätzen, in welchen Situationen ich bereits mutig gehandelt habe, aber auch in
welchen ich übermütig war und mir geschadet habe. Es ist nicht leicht , etwas über Mut zu schreiben,
da dieses Thema sehr subjektiv ist und Mut nicht einfach zu definieren ist. Die Frage, ob es mutiger
macht über Mut zu schreiben, ist nicht ernst zu nehmen, weil es das offensichtlich nicht tut, aber wenn
ich das nächste mal in „Gefahren“ gerate, werde ich bestimmt darüber nachdenken, ob meine Handlung
denn nun mutig oder übermütig ist.
ISABELLA OTTO, Jgst 12
Was ist mutig?
„Was ist Mut?“, fragte Frau Taylor am
Freitagnachmittag in der letzten
Schulstunde vor dem Wochenende. Es
war Frühling und der Wetterbericht
hatte Sonnenschein versprochen,
trotzdem verhängten die Wolken den
Himmel schon den ganzen Vormittag.
Ich saß im Deutschunterricht und sah
aus dem Fenster. Es war das
Wochenende vor meinem 15. Geburtstag
und ich konnte es gar nicht erwarten,
das erlösende Schellen zu hören, um die
Schule das letzte Mal mit 14 Jahren zu
verlassen.
„Amelie, du bist dran“, flüsterte meine
Tischnachbarin Jessica mir zu und
stupste mich mit dem Ellenbogen.
Schnell wandte ich den Kopf nach vorne
und wartete, dass Frau Taylor ihre Frage
wiederholte.
„Amelie, was bedeutet Mut für dich?“
fragte sie noch mal.
„Rrrrrrrrrrrrrrrr……..“ Bevor ich mir
überhaupt eine Antwort überlegt hatte,
schellte
es
und
meine
Klassenkameraden begannen ihre Hefte
wie Altpapier in ihre Taschen zu
stopfen.
„Schönes Wochenende, ihr Lieben.“, rief
Frau Taylor uns noch nach, als wir wie
apokalyptisch aus der Klasse stürmten.
„Was war los?“ fragte Jessica mich auf
dem Weg zur S-Bahn, als wir
schweigend nebeneinander her liefen.
„Amelie! Hörst du mich überhaupt?“
fragte meine beste Freundin, jetzt
sichtlich genervt.
Ich drehte meinen Kopf, um sie
anzusehen. Ihre blonden Locken wurden
vom Wind verwuschelt, aber das konnte
sie nicht verunstalten, sie war einfach
hübsch, egal bei welchem Wetter.
3. Platz
„Mir war langweilig, ich freue mich
schon auf den Geburtstag, da konnte
ich nicht aufpassen.“, erklärte ich ihr
bereitwillig. Wir liefen an einem
Hochhaus mit verglasten Wänden
vorbei und ich sah in mein eigenes
Gesicht. Ich hatte nichts mit Jessica,
dem Topmodel gemein, im Gegenteil,
ich war eher durchschnittlich. Mein
Haar war lang und dunkelblond, meine
Augen waren grünbraun und meine
Zähne waren nicht besonders weiß.
Jessica hingegen hatte blaue Augen,
hellblonde Korkenzieherlocken und
strahlend weiße Zähne. Ich konnte
manchmal nicht begreifen, was sie mit
mir zu tun haben wollte.
„Was machst du am Wochenende,
hast du Lust mit Kiki, Mozart und mir
ins Kino zu gehen? Der neue Film mir
Jonny Depp kommt rein.“ Jessica
liebte diesen Schauspieler und ich
wusste, dass sie den Film schon als
Raubkopie in ihrer DVD Sammlung
hatte.
„Klar, aber ich muss noch die Party
vorbereiten. Hast du Lust mir zu
helfen?“
„Klar.“ Jessica rannte die Stufen zu
Gleis 10 hinauf und winkte mir im
Laufen grinsend zu.
Ich fuhr mit der S6 von Gleis 12, 20
Minuten und lief das letzte Stück bis
zu unserer Wohnung. Unserer, das
hieß, meinem Bruder Robin der zwei
Jahre jünger war als ich, meiner Mutter
und ihrem Freund. Mein Vater war vor
fünf Jahren nach Brasilien
ausgewandert und Tom wohnte seit
einem Jahr bei uns.
Ich schloss die Tür auf und betrat die
Wohnung.
Es
roch
nach
Pfannkuchen. Ich schlich mich in mein
24
Zimmer, aber meine Mutter hörte mich
trotzdem.
„Hi Schatz, Essen ist fertig, kannst gleich in
die Küche kommen“, rief sie von der Küche
aus.
„Komme gleich!“ rief ich zurück und schmiss
meine Schulsachen in eine Ecke des Zimmers.
Nach dem Mittagessen setzte ich mich in
meinem Zimmer ans Fester und sah auf die
Straße. Was ist Mut?
Die Frage flog durch den Raum wie eine
Fliege mit Lichtgeschwindigkeit, ich konnte
sie nicht sehen, aber immer wieder flog sie
so nahe an meinem Ohr vorbei, dass ich sie
hören konnte.
Ich hatte keine Lust mehr, mir diese Frage
anzuhören, also zog ich das Briefbuch von
Jess und mir aus der Schultasche und
blätterte vor bis zu ihrem neusten Eintrag.
Hi Schnucki! Ich habe neulich in der
Zeitung gelesen, dass sich die Sekretärin
vom Bürgermeister umgebracht hat. Von
einer Brücke gesprungen und ertrunken.
Ist das nicht unglaublich mutig? Den
einzig entscheidenden Schritt zu wagen, um
allen Schmerzen und Problemen für immer
zu entkommen? Na ja, ich glaube ich bin
lieber feige und bleibe beim Schwimmen im
Pool.
Sag mal, hast du schon gewusst, dass
nächste
Woche
Wahlen
zum
Schülersprecher sind? Ich muss unbedingt
mit machen...
Ich klappte das Buch zu und sah wieder aus
dem Fenster. Der einzig entscheidende
Schritt? Was war das für ein Schwachsinn?
Oder hatte sie Recht?
Damals, als meine Eltern sich getrennt
hatten, wollte ich auch nicht mehr. Alles
sollte vorbei sein, egal wie.
Jahrgang 10-13
Aber ich war nicht von einer Brücke
gesprungen. Ich hatte weiter gemacht.
Was war nur los mit mir?
In meinem Kopf fanden sich Themen zum
Gespräch, die da nicht hingehörten.
Schließlich zog ich mir meine Turnschuhe
und meine Jacke an und machte mich auf
den Weg zum See. Joggen, das tat ich
immer, wenn ich meine Gedanken ordnen
musste.
Am See war es still, keine Autos. Die Luft
war kalt, aber wie versprochen lugte die
Sonne hinter den Wolken hervor. Nach
einer halben Stunde setzte ich mich ans
Ufer auf eine Bank um mich auszuruhen.
Zu dieser Zeit waren nicht viele
Menschen unterwegs und es dämmerte
bereits. Ein älteres Ehepaar schlenderte
gemütlich am Wasser entlang.
Ich sah die Jungs schon von weitem.
Sechs Jugendliche mit schwarzen Stiefeln
und Kapuzen Jacken. An denen wäre ich
schon im Hellen nicht gerne
vorbeigegangen, und auch das Ehepaar
senkte ängstlich den Kopf, als sie auf sie
zugingen. Ich beobachtete die Szene aus
den Augenwinkeln. Einer der Jungen
stieß dem anderen den Ellenbogen in die
Rippen und lachte.
Langsam war es Zeit zu gehen. Ich stand
auf und wollte gerade weiter laufen, als
ich sah, dass einer von ihnen ein Messer
aus der Tasche zog und es jauchzend auf
das alte Ehepaar richtete.
„Na, ihr alten Säcke? Was macht ihr so
spät denn noch allein im Wald? Der böse
Wolf könnte kommen und euch
verspeisen“, lallte der Größte aus der
Bande. Die Alten zogen ängstlich den
Kopf zwischen die Schultern. Die Frau
klammerte sich an ihren Mann und krallte
ihre Finger in seinen grauen Anzugärmel.
Ich senkte den Kopf und rannte los. So
schnell ich konnte. Immer weiter.
Was tat ich da? Ich konnte doch nicht
einfach gehen! Die Jungens hatten kein
Recht das zu tun. Ich blieb stehen uns
zog mein Handy aus der Tasche. 110
wählte ich und schnell berichtete ich dem
Beamten am Telefon, was los war.
„Es ist gleich jemand da“, versprach er
und ich stand wieder alleine da.
Ein Baum schützte mich vor den Blicken
der anderen und ich konnte beobachten,
dass der blonde Junge der Frau die
Handtasche weggenommen hatte. So ein
Schwein!
Ich konnte nicht auf die Polizei warten.
Schnell hob ich einen Stock vom Boden
auf und trat aus dem Schutz des Baumes
hervor. Die Frau weinte leise und die
Jungen ärgerten sie immer weiter.
„Hey, ihr da!“, rief ich mit fester Stimme.
„Schwachköpfe wie euch sieht man
wirklich selten. Lasst die Beiden in Ruhe
und haut ab!“
Ich trat nicht näher und hielt den Stock
fest umklammert vor meiner Brust.
„Sieh mal einer an! Ein kleines Mädchen,
das frech zu großen Jungen wird. Wo
gibt’s denn so was? Willst du nicht
herkommen und mitspielen?“
Zwei der Jungen kamen einige Schritte
auf mich zu. Ich schluckte und
umklammerte das Holz fester.
„Ich warne euch, ihr habt keine Chance.
Lasst die Leute in Ruhe!“
Ich probierte probehalber einen Schritt
auf die Jungen zu zumachen.
„Los Troll, schnapp dir die Göre, die wird
mir ein bisschen zu vorlaut“, rief der
offenkundige Anführer wütend. Als die
beiden Riesen, von denen einer Troll hieß,
auf mich zu kamen, schlug ich ohne zu
überlegen zu. Damit hatten sie wohl nicht
gerechnet, denn ich traf beide mit voller
Wucht, so das sie rücklings zu Boden
gingen. Sie versuchten aufzustehen,
doch das konnte ich nicht zulassen.
Ich hob mein Bein an und trat ihnen, so
fest ich konnte, nacheinander, zwischen
die Beine und sie krümmten sich vor
Schmerz, heulend am Boden.
„Was soll das? Wie kann sie es wagen?
Kommt, die machen wir fertig!“, schrie der
Große wieder, der das Spektakel aus
sicherer Entfernung beobachtet hatte,
und kam jetzt mit den anderen Jungs auf
mich zu gerannt. Das Ehepaar stand
zitternd am Wegrand, aber die Jungen
beachteten sie nicht mehr.
Ich machte mich bereit zu rennen. Gut,
dass ich in Form war und die Sechs so
schienen, als kämen sie mit ihren
Raucherlungen nicht weit.
Ich lief so schnell ich konnte, aber
trotzdem langsam genug, dass sie
glauben konnten, mich einholen zu
können, damit sie nicht auf die Idee
kamen umzudrehen.
Ich war mir sicher, sie würden mich nicht
einholen, aber als ich plötzlich stolperte
und mit voller Wucht auf die Nase fiel,
konnte ich sie hinter mir triumphierend
lachen hören. Leider hatte ich sie zu nahe
kommen lassen, als das ich noch Zeit
25
gehabt hätte aufzustehen. Ich stellte
mich darauf ein, gleich den ersten
Schlag zu erhalten. Doch als ich mich
umdrehte, sah ich die Polizeiautos mit
Blaulicht heransausen. Die Beamten
stiegen aus und schnappten sich die
Bande, ehe sie entwischen konnte.
Einer der Polizisten streckte mir seine
Hand entgegen und klopfte mir auf die
Schulter.
„Das hast du gut gemacht, Mädchen“,
lobte er und führte mich auf eines der
Autos zu, die in der Zufahrt standen.
Ich sah das alte Ehepaar hinter der
Kurve auftauchen und blieb stehen.
Weinend und lachend kamen sie auf
mich zu getrippelt und umarmten mich.
„Vielen Dank Mädchen. Du hast uns
gerettet. Ich dachte es wäre aus.“ Die
Frau hörte gar nicht auf mich zu küssen.
„Ich heiße Amelie Mason“, würgte ich
mühsam hervor.
Wir wurden alle zum Revier gefahren
und ich musste eine Aussage machen.
Die Jungen seien schon polizeilich
bekannt, sagte man mir. Wegen diverser
kleiner Verbrechen. Aber man hatte sie
nie rechzeitig gefasst.
Meine Mutter holte mich heulend vom
Revier ab und fuhr mich nach
Hause.„Kind, wie konntest du mir nur
so einen Schrecken einjagen?“
„Ich musste doch was tun!“ versuchte
ich mich zu verteidigen.
Ich hatte mich sehr gefreut, als das
Ehepaar Häberle sich bei mir bedankt
hatte und mir versprach in Kontakt zu
bleiben. Der Kommissar hatte nur eines
gesagt: Du warst sehr mutig Amelie! Das
hatte mich sehr gefreut.
Zuhause ließ ich mich müde aufs Bett
fallen und dachte noch mal an den ganzen
Tag. Dann zog ich das Briefbuch hervor
und schrieb Jessica meine Antwort.
Nein Jess! Es wäre nicht mutig zu
springen. Sich umzubringen, bedeutet
weglaufen und das ist nie der richtige
Weg. Man sollte sich seinen Problemen
immer stellen und nicht bei der erst
besten Gelegenheit davon laufen. Ich
weiß jetzt, dass die, die springen, feige
sind, und die die es schaffen, weiter zu
machen, sind mutig. Ich habe heute
gelernt, dass man, wenn man sich seiner
Angst stellt, viel Gutes bewirken kann.
Mir ist heute etwas passiert womit ich
nie gerechnet habe. Ich habe dich lieb
und erzähle dir morgen alles genau am
Telefon. Bis dann, deine ABFFL
MARIE SCHÄDLICH Jgst 12
Die SiegerInnen
Die Siegerinnen und Sieger
Altersgruppe I (Jg 5-6)
1. Rebecca Gronau 6f
2. Anja Thamasasa 6f
2. Chantal Wicker 6e
3. Nicolas Castillo-Hernandez 5a
4. Alexandra Walter 6e
5. Lea Marie Zindel 5f
6. Anton Kaminski 5a
7. Kah Jan Lee 6a
8. Jan Pongratz 5f
Sonderpreise: Carolina Schüpp, Susen Senno, Valerie Bayina, Jessica
Mahler, Laura-Maria Woitas
Altersgruppe II (Jg 7-8)
1. Weena Schwamborn 8f
2. Rabea Wessendorf 7a
3. Wassila Eid 8e
4. Jamie Fabian 8a, Medina Hasic 8c
5. Katharina Lohaus 8e
6. Leyla Seckin, Nesrin Kurtuluk 7d
7. Monika Blumek 8f
8. Shella Akonete 7a
9. Jasmin Weck 7c
Sonderpreis für die schönste Illustration: Sabrina Rösner 8e
Altersgruppe III (Jg 9)
1. Ziad Ody Hassan 9d
2. Sarah Hildebrandt 9f
3. Elaine Hacks 9f
4. Anoush Javadi 9f
Altersgruppe IV (Jg 10-13)
1. Jennifer Zorn 10d
2. Isabella Otto 12
3.Marie Schädlich 12
4. Jennifer Gaidzik 11
Preise
1. Platz
75 Euro
2. Platz
50 Euro
3. Platz
25 Euro
zusätzlich Buchpreise sowie Freikarten für den moviepark Kirchhellen
...schock
deine Eltern,
lies ein Buch!
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Schreibwettbewerb 2008
Wir sagen Danke
an alle, die mit Spenden,
Ideen und ihrer Mitarbeit
den Schreibwettbewerb so toll unterstützt
haben!
Illustration: Sabrina Rösner, 8e
Jury: Brigitte Castillo-Hernandez, Jutta Gallinat, Katharina Hansen-Kaminski,
Thomas Herion, Susanne Rummler, Meike Schütte, Michael Wessendorf
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