Erfahrungsbericht 2010

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Erfahrungsbericht 2010
Erfahrungsbericht Universität Pune , Indien WS 09/10
Ende März 2010 kehrte ich nach ca. 8 Monate Indien nach Deutschland zurück.
Im Gepäck eine ganze Reihe von Erfahrungen, Gedanken, Eindrücke, Bilder und
Emotionen über ein Land mit sehr vielen Gesichtern.
Vorbereitung:
Visum:
Um als Student in Indien einreisen zu dürfen, brauchte ich ein entsprechendes
Studentenvisum, welches ich mir bei einer Agentur in Hamburg beschaffen musste. Als besondere Dokumente wurden sowohl eine Einladung der indischen Universität als auch ein Schreiben, welches eine ausreichende finanzielle Unterstützung nachwies, verlangt. Das Visum kostete ca. 100 Euro (abhängig von der
Laufzeit). Die Ausstellungsdauer betrug ca. 1 Woche. Die Anschaffung des Visums
war weiterhin nicht kompliziert.
Tipp: Wichtig ist, dass man im Voraus genau nachforscht, welches Visum gefragt
wird. Wenn man beispielsweise im Anschluss an das Auslandssemester ein weiteres Praktikum (evtl. bezahlt) machen möchte, benötigt man ein anderes Visum
als für einen alleinigen Semesteraufenthalt. Zudem ist es empfehlenswert, mit
dem jeweiligen Unternehmen zuvor in Kontakt zu treten um zu erfahren, welches
Visum hier verlangt wird.
Mir wurde nämlich aufgrund einiger Falschaussagen, ein falsches Visum ausgestellt, wodurch ich einige unangenehme Probleme mit dem FRO (Foreigner Registration Office) in Indien hatte. Nur mit etwas Glück und einigen Einschränkungen, die mir durch das richtige Visum erspart geblieben wären, hatte ich überhaupt die Möglichkeit mein Praktikum durchzuführen.
Impfungen:
Vor meiner Reise habe ich mich ausführlich beim Hausarzt und beim Tropeninstitut der Universität Göttingen beraten lassen. Geimpft wurde ich schließlich gegen
Tollwut, Typhus, Hypertitis A und B (Auffrischung), und Tetanus (Auffrischung).
Tipp: Eine ausführliche Beratung ist sehr wichtig. Auch wenn einige Mediziner in
Deutschland eine Tollwutimpfung nicht für unbedingt nötig halten, ist eine Imp-
fung alleine aus psychologischen Gründen ratsam. Ich spreche aus Erfahrung.
Zusätzlich sollte über eine Impfung gegen Schweinegrippe nachgedacht werden.
Auslandsreisekrankenversicherung:
Jegliche Versicherungsgesellschaften bieten derartige Versicherungen an. Für
welche man sich entscheidet, ist jedem selbst überlassen.
Anreise buchen:
Mit Hilfe von Reisebüros und Internet konnte ich mich umfassend über Flüge nach
Indien erkundigen. Schließlich entschied ich mich für einen Flug von Frankfurt
nach Mumbai (Air India; Kosten ca. 600 Euro). Weiterhin habe ich von Deutschland aus ein Taxi von Mumbai Flughafen nach Pune, direkt vor meine Haustür,
gebucht (Kosten ca. 10 Euro). Bei der Buchung des Taxis half mir die zuständige
Mitarbeiterin der Uni Göttingen in Pune.
Weitere Fluglinien nach Mumbai: Lufthansa (Direktflug), Air France und British
Airways (Stop over in Paris, London)
Pune Flughafen: Pune hat einen eigenen Flughafen, auch für internationale Flüge.
Ob es einen Direktflug gibt, weiß ich nicht.
Tipp: Frühzeitig buchen, um die günstigste und komfortabelste Alternative in Anspruch nehmen zu können
Kurse auswählen:
Vor Abreise informierte ich mich ausreichend über das Kursangebot am Department of Management (PUMBA = Pune University Master of Business Administration), damit mir das in Pune erspart blieb. Da die Website der PUMBA keine Kursübersichten anbietet, habe ich mir eine Kursübersicht vom Head of Department
der PUMBA per E-Mail zuschicken lassen. Mit Hilfe dieser Dokumente konnte man
schnell Kurse für die entsprechenden Semester auswählen. Die Feststellung des
Workloads und die darausfolgende Anrechnung verlief innerhalb weniger Tage.
Tipp: Falls das Service Center der WIWI Fakultät die Kursübersicht des MBA Studienganges nicht besitzt, wäre es ratsam bei der PUMBA so früh wie möglich nach
der entsprechenden Kursübersicht zu fragen. Es kann einige Zeit dauern, um eine
Antwort zu bekommen.
Für die Umrechnung der Credits sollte man ein entsprechendes Schreiben mit
nach Pune nehmen, in dem erklärt wird, dass die Uni Göttingen die Umrechnung
bzw. die Anrechnung vornimmt. Ansonsten würde die PUMBA das machen, was
sich vielleicht nachteilig auf euch auswirken könnte.
Urlaubssemester:
Aufgrund dessen, dass ich der erste Student der Uni Göttingen an der PUMBA
gewesen bin, gab es einige Probleme, ein Urlaubssemester bewilligt zu bekommen. Ich hoffe, in der Zukunft werden diese Probleme nicht mehr auftreten. Ent-
sprechende Informationen zur Beurlaubung findet man im Internet oder durch
Auskunft durch das Service Center.
Unterkunft:
Bereits vor unserer Abreise konnten wir (alle Teilnehmer des Programms) auswählen, wo wir wohnen wollten. Wir gaben alle unserer Präferenzen an, und entschieden uns dann zusammen für die wichtigsten Faktoren. Die Mitarbeiterin in
Pune, suchte dann, in Hinblick auf unsere Präferenzen, eine geeignete Wohnung
aus. Ein Kommilitone aus Göttingen reiste etwas eher nach Pune, sodass er die
Wohnung für uns besichtigen und letztlich mieten konnte. Insgesamt war es eine
große Hilfe, dass die Mitarbeiterin schon eine Vorauswahl für uns getroffen hatte.
Aufenthalt:
Anreise:
Die Reise nach Pune verlief besser als ich erwartet habe. Vom International Airport Frankfurt flog ich ca. 8-9 Stunden nach Mumbai. Vor Ort in Mumbai passierte
ich einige Sicherheitskontrollen (Terrorismus und Schweinegrippe). Insgesamt
ging alles recht schnell, sodass ich den Flughafen schnell verlassen und das bestellte Taxi suchen konnte. Das Taxi musste ich mir mit 3 anderen Leuten teilen.
Aber es war genügend Platz für jeden und sehr komfortable. Nach ca. 3 Stunden
(Nachtfahrt) stand ich direkt vor meiner Haustür in Pune.
Kurz gesagt: Einfach, schnell, komfortable und sehr preiswert.
Unterkunft:
Während meines Aufenthaltes in Pune wohnte ich mit 3 weiteren Studenten aus
Göttingen in einem Service Apartment in einem Stadtteile (Baner) am Rand von
Pune. Das Apartment war sehr schön, komfortable, und vom Preis her nicht ansatzweise vergleichbar mit deutschen Wohnungspreisen (Kosten: ca. 110 Euro/Monat). Weitere Einrichtungen wie Fernseher, Waschmaschine, Klimaanlage,
Terasse und Internetverbindung waren enthalten. Jedoch stürzte das Internet aus
unerklärlichen Gründen regelmäßig ab.
Die einzigen Probleme an dem Apartment waren einerseits die rund um das Haus
befindlichen Baustellen und andererseits die Entfernung zum eigentlichen Leben
in Pune. Abgesehen von der Uni, welche man per Rikscha (Kleine schwarze Dreiräder mit gelben Dach ) in 15 Minuten erreichen konnte, musste man circa eine
Stunde Rikschafahrt einplanen, um etwas in Pune zu erleben (Korregoan Park,
MG Road, Deccan). Die Dauer der Fahrt ist abhängig von der jeweiligen Tageszeit. Zu Beginn meines Aufenthaltes, machte mir dies nichts weiter aus. Mit der
Zeit jedoch störte die Entfernung zunehmenst. Vorteil dieser Lage war jedoch,
dass man ziemlich sicher wohnte und insbesondere von den kriminellen Handlungen im Kern von Pune verschont blieb.
Die bereits erwähnten Baustellen, entwickelten sich tagsüber, wenn man lernen
wollte zum absoluten Feind. Ruhe hatte man nicht. Sogar nachts wurde teilweise
gebaut, was sich störend auf meinen und den Schlaf meiner Mitbewohner auswirkte.
Als alternative Unterkunft gibt es noch ein International Student Hostel auf dem
Campus der Uni. Ich kann dieses Hostel allerdings nicht beurteilen.
Tipp: Man sollte versuchen eine zentralere Wohnung in Pune zu bekommen, welche ebenfalls sehr sicher ist. Beispiel: Stadtteil Deccan. Der Weg zur Uni dauert
nicht lange, zusätzlich kann man alles ein wenig schneller erreichen. Zudem sollte
man die indischen Entfernungen nicht unterschätzen. Was sehr nah aussieht, ist
meistens weiter entfernt. Dies war mir anfangs nicht bewusst.
Sicherheit:
Wie ich unter dem Punkt Unterkunft schon beschrieben habe, wohnten wir am
Stadtrand und blieben dort überwiegend von kriminellen Handlungen verschont.
Ich persönlich kam, abgesehen von der in Indien sehr ausgeprägten Korruption,
kaum mit der Kriminalität in Kontakt. Trotzdem hörte ich immer wieder von Ereignissen wie z. B. Schießerei vor und nach Wahlgängen, und schrecklichen Erfahrungen aus nächtlichen Rikschafahrten etc.
Tipp: Allgemein sollte man darauf achten, dass man abends und nachts niemals
alleine unterwegs ist, insbesondere Frauen. Es passieren leider immer noch
schreckliche Dinge. Weiterhin sollte man vermeiden, mit viel Bargeld aus dem
Haus zu gehen. In nächtlichen Rikschhafahrten sollte man ganz besonders Acht
geben.
Des Öfteren bin ich am späten Abend mit einem Taxi nach Hause gefahren. Der
Vorteil war die Sicherheit und der 24-Stunden Service.
Medizinsche Betreuung:
Bevor man nach Indien reist, sollte man sich bewusst sein, dass man in eines der
dreckigsten Länder der Welt reisen wird. Auf Grund der schlechten Qualität des
Leitungswassers und der andersartigen Zubereitung des Essens, wird man automatisch mit Krankheiten wie z. B. Durchfall, Magen- und Darmkrankheiten, evtl.
Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen konfrontiert. Ich habe nicht viele kennen
gelernt, die von diesen Symptomen verschont blieben. Des Weiteren ist Indien
das Land, in dem die meisten Tollwutfälle der Welt gemeldet werden. Zur Information Tollwut ist zu 99,9 % tödlich. Durch die Straßen laufen tausende von
Straßenhunden, die sich mit sämtlichen Erregern ohne weiteres infizieren können.
Trotzdem sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. Durch Vorsorge, wie z.
B. Impfungen, kann man diesem entgegenwirken. Zusätzlich gibt es sowohl
staatliche als auch private Krankenhäuser. Beide haben eine sehr gute Ausstattung. Trotzdem würde ich die Privaten vorziehen. Sie sind einfach ruhiger, übersichtlicher und dabei noch sehr günstig. Man darf nicht vergessen, dass Indien
nach China das bevölkerungsreichste Land der Welt ist. Daher sind gerade die
staatlichen Krankenhäuser oft überfüllt, weil sich der Großteil der Menschen die
privaten Krankenhäuser nicht leisten kann.
Tipp: Man sollte sich eine eigene Hausapotheke einrichten - nur für den Fall das!
Zudem sind die privaten Krankenhäuser, wenn möglich, zu bevorzugen. Falls
nicht, sollte man sehr darauf achten, mit welchen Mitteln man behandelt wird, z.
B. ob bei Spritzen eine saubere Nadeln benutzt wird etc.
Mobilität:
Rikscha fahren ist wohl einer der genialsten Erfindungen, die es gibt. Es macht
schlicht und ergreifend nur Spaß. Es kostet für unseren gewöhnlichen Standard
nicht viel und man erlebt einiges. Die Preise variieren, abhängig wo man ist, wie
spät es ist, und wo man hin möchte. Alles sehr bedeutende Sachen, denn man
kann es nicht im Ansatz mit deutschen Taxifahren vergleichen. Am Anfang muss
man sich damit abfinden nach Strich und Faden betrogen zu werden.
Das größte Problem beim Rikschafahren beginnt damit, einen angebrachten Preis
zu verhandeln. Obwohl es in jeder Rikscha einen so genannten Taximeter gibt,
der den Preis berechnen soll, wird dieser kaum benutzt. Sprich, alles geht übers
Verhandeln. Für einen angemessenen Preis, muss man entweder Glück haben einen guten Fahrer zu erwischen, oder ein gutes Geschick entwickeln einen anständigen Preis zu verhandeln.
Als Alternative bietet sich in jeder Stadt der öffentliche Busverkehr an, welcher
sehr günstig ist. Allerdings sind die Busse nicht vergleichbar mit deutschen Standards und sind meistens total überfüllt. Des Weiteren kann man sich überlegen
einen eigenen Two-Wheeler (Motorrad, Roller etc.) zu mieten oder zu kaufen.
Wenn man diesen Schritt wagt, sollte man sich über das indische Verkehrssystem
bewusst sein. Es geht frei nach dem Motto „Der Stärkere gewinnt.“
Was man sich nicht entgehen lassen sollte, ist das Zugfahren. Es ist sicher sehr
prägend für das weitere Leben. Stark erhitzte Aluminiumwände, offene Türen und
überfüllte Wagons typisieren die indischen Bahnfahrten. Aber die Landschaft, die
man dabei zu sehen bekommt, ist unglaublich und absolut einzigartig.
Tipp: Lernen zu verhandeln. Was sehr viel bringt, dem Rikschafahrer einfach mal
einen Korb geben und sagen: „Ich suche mir eine andere!“ Oft gibt der Fahrer
dann nach und fährt zu einem günstigeren Preis. Ansonsten einfach die vorge-
schlagene Alternative nutzen. Zugfahren ist ein absolutes „Must“ (Ich musste
mich auch erst überzeugen lassen).
Kommunikation:
In Indien läuft alles über Mobilephones, Festnetztelefone gibt es kaum. Um eine
Prepaid-Card zu beantragen, musste ich mich mit der in Indien weit verbreiteten
Bürokratie auseinander setzen. Es nicht einfach sich eine Prepaid-Card zu besorgen. Entweder braucht man eine so genannte Registrationform, die man nur im
Foreigner Registration Office bekommt, oder eine vom Police Commissiones Office
bestätigte C-Form. Schließlich war ich froh, dass sich mein Vermieter darum gekümmert hat. Ich hätte wohl nie Erfolg gehabt. Sobald man eine Prepaid-Card
hat, ist sie sehr einfach zu nutzen und aufzuladen. Die Tarife sind auch sehr günstig, selbst für einen Anruf nach Deutschland zahlt man nicht viel.
Tipp: Zum Beantragen einer Prepaid-Card würde ich mir Hilfe vor Ort suchen.
Vermieter, International Student Office oder auch Mitstudenten. Ansonsten würde
man sich nach geraumer Zeit wirklich verrückt vorkommen, weil man nicht weiß
was gemacht werden muss bzw. was benötigt wird.
Für Leute, die wirklich überall Internet haben wollen, wäre ein Reliance Internetstick empfehlenswert. Damit hat man in ganz Pune zu jeder Zeit Internet. Die
Verbindung ist teilweise um einiges besser als die hauseigene Internetverbindung.
Finanzen:
Wie man Geld abhebt oder sonstige finanzielle Angelegenheiten regelt, ist jedem
selbst überlassen. Hierzu nur ein paar grundsätzliche Tipps, was im indischen
Bankensystem beachtet werden sollte. Sowohl mit Kreditkarte als auch mit ECKarte (Maestro) kommt man in Indien klar. Allerdings funktioniert nicht jeder Automat (ATM) einwandfrei. Z. B. gibt es Automaten, die bei einem Stromausfall,
was nicht selten vorkommt, abstürzen, und damit die Karte einbehalten und nicht
ausgeben können.
Wie ich bereits erwähnte, sind lebensnotwendige Dinge in Indien sehr günstig.
Wie viel Geld man jedoch im Monat benötigt, ist schwierig zu sagen und hängt
von jedem selbst ab.
Freizeit und Reisen:
Die Freizeitgestaltung war für mich anfangs sehr schwierig. Da ich in Deutschland
regelmäßig Sport im Freien mache, wollte ich dieses in Indien eigentlich fortsetzen. Hier sah ich mich jedoch gezwungen, meine sportlichen Aktivitäten ein wenig
einzuschränken. An Joggen war nicht ansatzweise zu denken. Ich habe es einmal
versucht, aber nach 20 Minuten sofort wieder abgebrochen, Löcher im Boden, der
Vekehr auf den Straßen, keine Gehwege und die stark verschmutzte Luft machten
dies unmöglich.
Die einzig machbare sportliche Betätigung war einmal die Woche mit den Studenten der PUMBA am Playground der Universität Fußball oder Cricket zu spielen.
Man sollte aber vorher wissen, dass der Playground kein normaler Rasenplatz wie
in Deutschland ist, sondern einer mit kleinen Schlaglöchern und Steinen übersäter Sandplatz. Aber trotzdem ist es eine Erfahrung wert. Gerade zum Leute kennen lernen bietet sich der Playground sehr gut an. Des Weiteren gibt es zwei Basketballplätze. Im Stadtteil Deccan gibt es ein empfehlenswertes Schwimmbad.
Ein wenig enttäuscht war ich vom Nachtleben in Indien. Obwohl es eine Vielzahl
von Clubs und Bars gibt, müssen alle schon um 23.30 Uhr schließen. Vereinzelt
dürfen Clubs bis 1.00 Uhr geöffnet haben. Das ist aber auch das absolute Maximum.
Es bietet sich an Wochenendtouren rund um Pune zu machen. Orte wie Aurangabad (Ellora- und Ajanta Caves) und Lonavale (einzigartige Landschaft) sind
schnell zu erreichen. Selbst Mumbai kann man innerhalb eines halben Tages erreichen. Für Mumbai sollte man sich aber ein paar Tage Zeit nehmen. Schließlich
gehört Mumbai mit knappen 20 Mio. Einwohnern zu den größten Städten der Welt
und hat viel zu bieten.
Grundsätzlich kann man von Pune aus jegliche Art Reise unternehmen. Sowohl
mit Bus, Zug oder auch Flugzeug, alles ist machbar. Die Dauer jeder Reise ist
sehr abhängig von den Transportmitteln. So dauert z. B. ein Trip nach Delhi mit
dem Zug ca. 24 Stunden, wovon man nur zwei Stunden fliegt. Jedoch sieht man
mit dem Zug um einiges mehr von Indien, als im Flugzeug.
Tipp: Sitzt nich nur zu Hause und büffelt für die Uni, sondern nimmt euch auch
Zeit das Land zu erkunden. Indien hat viele Seite zu bieten, von Gebirgszügen im
Norden, über Wüste im Westen, bis hin zur Regenwäldern in Zentral- und Südindien.
Sehr empfehlenswert sind Touren, bei denen man sich mit mehreren Leuten ein
Taxi für ein paar Tage mietet. Man ist unabhängig, man kann anhalten wo man
möchte, hat einen Englisch sprechenden Tourguider und alles recht preiswert.
Universität / Department of Management: (www.unipune.ac.in)
Die Universität Pune gehört mit ca. 450.000 Studenten zu den besten Universitäten Indiens. Sie genießt einen sehr guten Ruf in Asien. Mit 11 Fakultäten, 46 Departments und 269 Colleges ist sie nicht nur einer der besten, sondern auch einer
der größten Universitäten des Landes. Das Gelände der Uni ist ein eigener Stadtteil, der von Mauern und Eintrittstoren umgeben ist. Die Vielzahl der Studenten
bekommt man auf dem Universitätsgelände kaum zu spüren, da alle Colleges und
vereinzelnt auch Departments in Pune und rund um Pune verteilt sind.
Meine Hauptanlaufsstellen waren das International Student Centre, das Department of Economics, und das Department of Management. Das International Student Centre (ISC) befindet sich befindet sich in der Nähe des Hauptgebäudes,
welches zu meiner Zeit leider restauriert wurde. Das ISC ist die erste Anlaufstelle
für alle ausländischen Studenten. Die Uni Göttingen hat dort selbst ein eigenes
geräumiges Büro, in dem die zuständige Mitarbeiterin der Uni Göttingen arbeitet.
Ebenfalls kann man auf dem Campus mehrere Kantinen vorfinden. Man sollte
aber nicht die Erwartung haben, dass es in Indien eine vergleichbare „Mensa“
gibt. Mit Kantinen meine ich, ein kleines Gebäude, Scheune oder Hütte, die eine
kleine Auswahl von Gerichten und Getränken anbieten. Obwohl das Essen weitestgehend sauber war, sollte man auch am Campus vorsichtig sein mit dem was
man isst.
Was für mich absolut neu war, war, dass man an der Universität Pune strikt zwischen Department of Economics und Department of Management trennt. Das eine
Department hatte nichts mit dem anderen zu tun. Es erweckte einen Eindruck, als
wenn man in Göttingen zwischen Norduni und Campus unterscheiden würde.
Beim Department of Economics war ich einmal die Woche. Ich half einer Professorin bei der Datensammlung und Analyse eines Forschungsprojektes.
Die PUMBA hingegen habe ich fast täglich besucht. Nicht nur weil ich dort meine
Vorlesungen hatte, sondern auch, weil die Bibliothek der PUMBA wohl der ruhigste Ort am Campus war, um einigermaßen zu lernen. Es war eine sehr kleine, gut
eingerichtete und nur für Studenten der PUMBA freigegebene Bibliothek. Insgesamt hatte ich einen guten Eindruck von dem Department. Es war ein verhältnismäßig sehr sauberes Gebäude mit einer Aula, einem Computerraum und sechs
Hörsälen, wobei jeder Hörsaal einen Computer, einen Beamer, eine Leinwand und
eine Tafel besaß. Diese Ausstattung ist nicht selbstverständlich. Es gibt durchaus
noch Hörsäle, die nur ein paar Tische, Stühle und eine Tafel beinhalten. Internet
gab es nur im Computerraum, W-Lan gab es am Campus nicht. Umgehen kann
man dies mit einem Internetstick.
Kurse:
Obwohl ich in Göttingen als Bachelor eingeschrieben bin, habe ich MBA Kurse besucht. Während meines Aufenthaltes an der PUMBA besuchte ich drei Kurse (1
Fulltime, 2 Halfime). Der Unterschied zwischen Fulltime und Halftime bestand
darin, dass die Fulltime-Kurse von zwei Professoren geleitet werden und doppelt
so lang waren als die Halftime-Kurse, die nur von einem Professor gehalten wurden. Insgesamt hatte ich in der Woche ca. 10-12 Stunden Vorlesung. Allerdings
kam es des Öfteren vor, dass Vorlesungen fünf Minute vor Beginn einfach ausfielen, weil der Prof. im „Traffic Jam“ steckte, oder privat verhindert war. Im Laufe
des Semesters wurden alle Vorlesungen nachgeholt.
Die Prüfungsmodalitäten waren für jedes Fach gleich. In jedem, egal ob Fulltime
oder Halftime, wurde eine Internal und External Exam geschrieben. Die External
war am Ende des Semesters und ist mit der Abschlussklausur in Göttingen zu
vergleichen. Die Dauer betrug 2,5 Stunden. Die Internal Exam war abhängig vom
Professor und kann von Semester zu Semester variieren. Üblich waren Präsentationen, Hausarbeiten, Case-Studies oder auch schriftliche Klausuren. Hausaufgaben können des Öfteren vorkommen, jedoch habe ich nicht einmal erlebt, dass
sie von den Studenten gemacht wurden. Insgesamt empfand ich die Kurse als
sehr verschult.
Ich belegte folgende Fächer:
1) Financial Institution and Markets:
Dieser Kurs war ein Halftime-Kurs und wurde von Prof. Agashe gehalten.
Er ist ein sehr zäher und durchaus anspruchsvoller Professor, den ich wohl
niemals vergessen werde. Er selbst führte den, von der Uni vorgegebenen
Syllabi nicht durch, sondern machte das, was er für sinnig hielt. Daher
hatte der Kurs nicht so viel mit dem Thema des Kurses zu tun, sondern
wäre eher eine Weiterführung von General Banking and Regulations. Die
absolute Herausforderung an dem Kurs war die Präsentation (Internal Exam) zu überstehen. Denn Agashe Sir hatte die unbeschreibliche Begabung, jede falsche Aussage in der Präsentation auf die Goldwage zu legen,
und die Studenten in der Luft zu vierteilen. Im Nachhinein ist mir aber klar
geworden, dass mit einer sehr guten Vorbereitung auf die Präsentation alles machbar ist und man durchaus die Präsentation ungescholten überstehen kann. Insgesamt muss ich sagen, dass man durch diese strenge Art
sehr viel über das indische Finanzsystem mitnehmen konnte.
2) General Banking and Regulations:
Dieser Kurs war mein einziger Fulltime-Kurs und wurde somit von zwei
Professoren gehalten, Prof. Misal und Prof. Menon. Im Gegensatz zu FIM
wurde hier der Syllabi genau durchgenommen. Dieser Kurs machte die
Entwicklung des indischen Finanzsystems deutlich, ebenso wie es reguliert
und strukturiert wird und wie die alltäglichen Geschäfte ablaufen. Ich fand
diesen Kurs sehr interessant, und habe ihn gerne besucht. Ich konnte sehr
viele Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten zwischen dem deutschen
und indischen Finanz- und Bankensystem feststellen. Als Internal Exam
wurde eine 12 - 15 seitige Hausarbeit angefertigt, über ein Thema, welches der Professor vorgab.
3) Credit Management:
Mit diesem Kurs hatte ich anfangs sehr viel Mühe. Er wurde von Prof. Ravande gehalten und war wie FIM ein Halftime-Kurs. Kurz gesagt ging es
darum, wie eine Bank ihr Kreditportfolio gestalten sollte. In diesem Kurs
musste man zwei kleine Hausarbeiten abgegeben (ca. 6 Seiten). Hier wurde allerdings nicht über ein Thema geschrieben, sondern es sollten detailierte Fragen beantwortet werden.
Auf diesen Kurs habe ich mich besonders gefreut, musste aber im Laufe
des Semesters feststellen, dass ich den Professor sehr schlecht verstehen
konnte und mich leider nicht an seinen Mix aus Englisch, Hindi, und südindischer Sprache bzw. Akzent gewöhnen konnte.
Fazit:
Wenn man nach Indien reist, wird man eine ganz andere Welt kennen lernen, als
man es bisher gewöhnt ist. Die Kultur, Religion, Sprache, Essen, Verkehr, allgemein der ganz Alltag, ist völlig anders, verglichen mit dem deutschen Lebensstil.
Wenn man dem mit Offenheit und ohne Scheu und Angst gegenübertritt, wird
man in Indien sehr viel Spaß haben und man wird sehr viel für sein eigenes Leben mitnehmen. Man bekommt eine ganz andere Sicht über ein Land, was man
vorher nur aus der Presse kannte, aber nie wirklich wusste, wie es wirklich ist.
Meiner Ansicht nach wird man durch ein Auslandssemester in Indien toleranter
und weltoffener. An der Uni in Pune wird man neben den heimischen Indern noch
eine ganze Menge anderer Leute, sowohl aus indischen Nachbarstaaten, als auch
aus afrikanischen Ländern, wie z. B. die Elfenbeinküste, Nigeria begegnen. Wenn
man aus Indien zurückkehrt, weiß man, was man geleistet hat. Man kann über
einzigartige Ereignisse berichten, die man nur in Indien erlebt. Es ist einfach nur
spannend und aufregend Indien in seinen Zügen und vielen Gesichtern wahrzunehmen und es selber zu leben.
Ich kann jedem raten, der offen für ein wirkliches Abenteuer ist, nach Indien zu
reisen. Also für alle, die ein unvergessliches Semester in einem unbeschreiblichen
Land erleben möchte, nutzt eure Zeit und versucht Indien zu verstehen. Ihr werdet es nicht bereuen.