Sicht Nr. 32

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Sicht Nr. 32
ZUM E N
M
H
E
MITN
Sicht
Ausgabe 32
Juni bis August
2007
Von und für Seniorinnen und Senioren der Stadt Arnsberg
z Arnsberger
Krankenhäuser
z Rauchmelder sind
Lebensretter
In unserer Stadt gibt es viele schöne und originelle
Sehenswürdigkeiten aus alten und neuen Zeiten.
Welches Bauwerk ist im Bild zu sehen?
Foto: Bernd Kipper
z Mehrfach heiraten
in Müschede
z Anni BauerdickLattrich und
Anneliese Welling
fragen
z Glück, das schönste
aller Gefühle
z So wird das Leben
sein, wenn ich alt bin
z Kloster Paradiese
z Kennen Sie die
Arnsberger Tafel
z Gespräch unter
vier Augen
Der Gewinner erhält einen Gutschein vom
Fleischerei-Fachgeschäft Fritz Geue Hüsten.
Einsendeschluss 26.06.2007
Lösung an das Redaktionsteam der SICHT, Lange Wende 16a,
59755 Arnsberg oder an eines der Stadtbüros
Gewinner und Auflösung Bildrätsel der SICHT Nr. 31:
Marienhospital in Arnsberg, Ansicht von der Ringstraße auf den
ältesten Bauteil mit der Krankenhauskapelle.
Aus den vielen richtigen Lösungszuschriften wurde als Gewinnerin Frau Margret Westhoff ausgelost.
Sicht
Nr. 32 Seite 2
Klimawandel
INHALT
Herbert Kramer
Klimawandel
2
Arnsberger Krankenhäuser
3
Rauchmelder sind Lebensretter
4
Mehrfach heiraten in Müschede
5
Anni Bauerdick-Lattrich und
Anneliese Welling fragen:
6
Fundsache
7
Opernsänger Karl Alberti (95)
8
Zahnprophylaxe
9
Glück, das schönste aller Gefühle10
So wird das Leben sein, wenn
ich alt bin
11
Das zerbrochene Ringlein
12
Lied: In einem kühlen Grunde
13
KLOSTER PARADIESE
14
Aus Psalm 12
15
Ode an das Alter
15
? bunt gemischt !
15
Kennen Sie die Arnsberger
Tafel e.V.?
16
Über den Zaun geschaut ...
Ein Garten für die Sinne
17
Früher bei uns im Dorf!
18
Starke Frau im Interview
19
Bei Hempels unterm Sofa
20
Der Name der Stadt Neheim
20
Lösungen ? bunt gemischt !
21
Dampf ablassen
21
Gespräch unter vier Augen
22
Pinwand
24
Sicht ist eine Informationszeitung
von und für Seniorinnen und Senioren der Stadt Arnsberg.
Die abgedruckten Beiträge geben
die Meinung eines Verfassers, einer
Gruppe oder einer Institution wieder.
Diese muss nicht der des Herausgebers entsprechen.
Redaktionsteam:
Anni Bauerdick-Lattrich, Marita
Gerwin, Sigrid Grobe, Otto Hesse,
Bernd Kipper, Herbert Kramer, Uwe
Künkenrenken, Gaby NoetzelBohnstedt, Helmut Plaß, Martin
Polenz, Anneliese Welling,
Waltraud Ypersiel
Bürgermeisteramt -Pressestelle-:
Elmar Kettler
Layout: Petra Krutmann
Herausgeber:
Stadt Arnsberg
Der Bürgermeister
Rathausplatz 1, 59759 Arnsberg
Zukunftsagentur
Fachstelle „Zukunft Alter“:
Marita Gerwin 02932 201-2207
Im Internet unter:
www.arnsberg.de/senioren
Auflage: 6.500 Expl.
Der liebe Gott erschuf die Erde,
belebte sie mit Mensch und Tier.
Ob er wohl ahnte was dann werde?
Ich glaub es nicht, sonst wär’ er hier.
Von Peanuts ist hier ganz zu schweigen,
doch was sich tut auf diesem Rund,
wo es mal hinführt wird sich zeigen!
Denn oftmals treiben wir‘s zu bunt.
Was muss gescheh‘n, dass wir bedenken:
Auf Erden sind wir nur ein Gast.
Geht man so um mit den Geschenken?
Macht sich das Leben selbst zur Last?
Zur Technik brauchte man die Kohle,
Erdöl und Gas, auch das kam mit.
Herr Einstein brachte die Atome,
zum Missbrauch war’s ein kleiner Schritt.
Millionen von Benzinmotoren,
sie produzieren CO zwei.
Trotz Warnung, stets auf vollen Touren.
Jetzt ist sie da die Schweinerei.
Pole schmelzen, die Erde bebt.
Der Klimawandel ist perfekt.
„Kyrill“ hat Wälder weggefegt,
was, Mensch, hast du da ausgeheckt?
Ich denke mir, in ein paar Jahren
hat sich die Investition gelohnt.
Kein Urlaub auf den Balearen,
nein, weg von hier, hinauf zum Mond.
○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○
UN-Klimaforscher zum Klimawandel
Klimaschwankungen sind in
der Erdgeschichte nicht neu,
sie gingen aber langsam vor
sich. Die Umwelt hatte genug
Zeit, sich an die neuen Bedingungen anzupassen.
Heute haben wir es mit einer
schnellen Erwärmung zu tun.
Weltweit ist die Durchschnitts-
temperatur in den letzten 100
Jahren um etwa 0,74 Grad Celsius gestiegen. Der Grund ist
unsere moderne Lebensweise. Die Verbrennung von Kohle, Gas und Öl, die Abholzung
von Wäldern und die Massentierhaltung verursachen hohe
Treibhausgasemissionen und
belasten das Klima.
Sicht
Nr. 32 Seite 3
Arnsberger Krankenhäuser
Bernd Kipper
In der vorigen Ausgabe hatte
die SICHT die drei Arnsberger
Krankenhäuser mit ihren
Strukturen vorgestellt. Ich
möchte aufzeigen, welche
Behandlungen in den Krankenhäusern durchgeführt
werden können. Als erstes
berichte ich
über das
Geriatrie:
Diese Fachabteilung setzt sich
das Ziel, die körperliche und
seelische Verfassung und
damit das Wohlgefühl für den
älteren Menschen herzustellen
und zu stabilisieren. Hierfür
werden umfassende Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten vorgehalten. So sind
Krankengymnastik, Ergotherapie, Sprachheilkunde und Physiotherapie zu nennen. Palliative und rehabilitative Therapien werden angewendet, um
so für den Patienten möglichste Selbstständigkeit zu
erlangen.
Geriatrische Tagesklinik:
Patienten, die keine vollstationäre Aufnahme benötigen oder wollen, finden hier
Aufnahme. Je nach Krankheitsbild werden Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie und physikalische
Therapien durchgeführt. Die
Patienten können durch einen
Fahrdienst geholt und auch
nach den Behandlungen
wieder nach Hause gebracht
werden.
Innere Medizin: Dieses Fach
stellt ein breites Spektrum dar.
Schwerpunkte bilden die
Behandlungen von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-
Systems, der Lunge und des
Bronchialsystems, der Nieren
und Harnwege, des Blutes und
von Tumoren jeglicher Art, Veränderungen der Weichteile und
Gelenke, sowie Infektionen und
Vergiftungen, Störungen des
Verdauungstraktes wie Erkrankung von Speiseröhre, Magen,
Darm, Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse. Ferner die Betreuung von Zuckererkrankten.
Die angegliederte Intensivstation betreut schwerstkranke
Patienten.
Neurologie: Hier werden alle
Erkrankungen, die sich auf
Nerven, Rückenmark, Gehirn
und Muskeln beziehen,
untersucht und behandelt.
Neurologische Krankheiten
sind unter anderem: Multiple
Sklerose, Meningitis, Parkinson,Querschnittslähmung,
Schlaganfall und Tumore des
Gehirns.
Physikalische Therapie: Es
werden klassische Massagen, manuelle Lymphdrainagen, Fango, Unterwassermassagen, Heißluft, Elektrotherapie, Inhalation, medizi-
nische und hydroelektrische
Bäder sowie Vierzellenbäder
verabreicht.
Psychiatrie und Psychotherapie: Alle Schwierigkeitsgrade der psychischen
und psychosomatischen Erkrankungen werden abgedeckt. Aufnahme finden erwachsene Patienten mit
schweren Symptomen von
Angst-, Panik- und Zwangserkrankungen, Depressionen,
Manien, Schizophrenien,
Schlafstörungen, Erregungszuständen, Demenz im Alter,
Persönlichkeitsstörungen, Erschöpfungszuständen, Konzentrationsstörungen und
Alkohol und Drogenerkrankte.
Psychiatrische Tagesklinik:
Tagsüber werden hier
psychiatrische und psychosomatische Erkrankungen
psychotherapeutisch betreut.
Ein besonderer Schwerpunkt
bildet die Behandlung von
Depressionen, Ängsten und
Spannungs- und Unruhezuständen, Schlafstörungen,
Erschöpfungszustände und
körperliche Beschwerden seelischen Ursprungs, Zwangs-,
Ess-, Sexualstörungen und
Psychosen.
Zum Unterschied zur stationären Behandlung in der
Psychiatrie werden hier keine
Alkohol und Drogenerkrankte
behandelt.
Im
Diagnostikund
Therapiezentrum sowie in
der Radiologie sind eine
umfangreiche moderne Geräteausstattung für alle erforderlichen Untersuchungen
Standard.
Sicht
Nr. 32 Seite 4
Rauchmelder sind Lebensretter
Feuerwehr Arnsberg
Ein Wohnungsbrand kann
jeden treffen. Häufig entsteht er
unbemerkt. In Sekundenschnelle breitet sich Rauch in
Ihrer Wohnung aus. Geschieht
dies nachts, wachen Sie noch
nicht einmal davon auf!
Rauchmelder verschaffen
lebensrettenden
Vorsprung!
Sie erkennen Brandrauch und
lösen das Warnsignal so lange
aus, bis der Raum wieder
rauchfrei ist.
Wie viele Rauchmelder
benötigen Sie? Sinnvoll wäre
auf jeder Etage mindestens
einen Rauchmelder an
zentraler Stelle, beispielsweise
im Flur. Um ganz sicher zu
gehen, sollte in jedem Raum
ein Rauchmelder installiert
sein. Für Küche und Bad gibt
es besondere Geräte. Hier
könnten Dämpfe leicht
Fehlalarme auslösen.
Für Gehörgeschädigte gibt es
spezielle Melder. Auskunft
erteilt das Fachgeschäft oder
auch die Feuerwehr.
Darauf sollten Sie beim Kauf
achten: Gute Geräte finden
Sie im Fachhandel sowie in
Baumärkten und Warenhäusern. Achten Sie darauf,
dass die Melder ein VdsPrüfzeichen tragen oder ein
CE-Zeichen mit Hinweis auf
die europaweite Norm DIN EN
14604 besitzen. Der notwendige Batteriewechsel wird
etwa 30 Tage vor der Entladung der Batterie durch einen
wiederkehrenden Signalton
angekündigt.
Wichtig sind dabei folgende
Qualitätsmerkmale:
Š optisches bzw. fotoelektrisches Detektionsverfahren,
Š lauter, durchdringender
Alarmton (mind. 85 dBA in
3 m Entfernung),
Š Testknopf zur Kontrolle der
Funktionsbereitschaft.
herausstellt, dass ein Einsatz
der Feuerwehr nicht notwendig
war.
Hilfe rufen: Verlassen Sie den
unmittelbaren Gefahrenbereich
und rufen Sie sofort die Feuerwehr. Sie ist von jedem Telefon
unter der Notrufnummer 112 zu
erreichen.
Testen Sie die Melder regelmäßig: Zu empfehlen ist eine
Kontrolle monatlich mit der
Prüftaste.
Bei einem guten Rauchmelder
finden Sie ausführliche Hinweise zu Montage und Betrieb
in der beiliegenden Bedienungsanleitung. Ein besonders
wichtiger Hinweis: Verwenden
Sie Batterien mit langer
Lebensdauer.
Es brennt! In erster Linie gilt:
Bewahren Sie bei einem
Feuer Ruhe. Ein kleines Feuer
können Sie vielleicht selbst
löschen. Wenn das nicht mehr
möglich ist, holen Sie Hilfe.
Feuerwehr ist kostenlos:
Haben Sie kein schlechtes
Gewissen oder Angst vor
Vorwürfen. Der Einsatz der
Feuerwehr bei Wohnungsbränden ist kostenlos, auch
wenn Sie das Feuer selbst
verursacht haben. Sie müssen
keine Kostenforderungen
befürchten, selbst wenn sich
Machen Sie eindeutige Angaben:
WER ruft an?
Nennen Sie Ihren Namen.
WO brennt es?
Geben Sie die genaue
Adresse an.
WAS ist passiert?
Beschreiben Sie kurz, was
brennt.
WIE ist die Situation?
Sind Menschen in Gefahr?
Gibt es Verletzte?
WARTEN Sie auf Rückfragen.
Die Notrufstelle beendet das
Gespräch.
Eine Nummer: 112 Der Notruf
112 funktioniert auch an
öffentlichen Telefonen ohne
Münzen oder Karte sowie gesperrten Handys oder PrepaidHandys, die kein Guthaben
mehr aufweisen.
Ihre Feuerwehr Arnsberg gibt
gern weitere Auskünfte.
Sicht
Nr. 32 Seite 5
Mehrfach heiraten in Müschede
Albert H. Hoffmann
Bei Einsicht in die Kirchenakten stieß ich per Zufall auf
eine besondere Trauung, die
1948 Dr. Caspar Willeke als
unser damaliger Pfarrvikar
durchführte. Als ich die Namen
der Brautleute las, wurden
längst in Vergessenheit geratene Erinnerungen wach, obschon es nur eine Trauung von
vielen in diesem Jahr war.
Damals trauten sich ja noch
mehrere Leute, sich trauen zu
lassen.
Aber warum berichte ich
darüber, ja, es gab
schon Besonderheiten.
Die Eheleute schritten
zum ersten Male zum
Traualtar, aber die Braut
heiratete zum fünften
Mal.
Wer wurde getraut? Es
war keine andere als die
stadtbekannte “MahlsMuck”, vielleicht auch
“Malz-Muck”. Sie war
bekannt als “Mückchen”; ja sie
hatte einen enormen “Männerverschleiß”. Malz und Muck
waren die Namen der dritten
und vierten Ehe; die beiden
ersten sollen Bodenstedt und
Filipps gewesen sein. Der fünfte Mann war jedenfalls KarlHermann Wienert, er heiratete
seine Frau Maria. Alle ihre
Männer zogen, aus welchen
Gründen auch immer, das
Ende mit Schrecken einem
Schrecken ohne Ende vor und
verstarben.
Als sie sich in Müschede kurz
vor der Hochzeit in der jetzigen Krakelohstraße ansiedelte, war sie noch recht rüstig, ob
schon sie damals auf die acht-
zig Jahre zuging. Ihr Mann war
zum Zeitpunkt der Hochzeit 81;
von ihm gibt’s aber keine besonderen Dinge zu vermelden.
Die Hochzeit war eine ausgesprochene Sensation für uns
Müscheder und gewiss auch für
viele Arnsberger, die eigens zu
Fuß über Kapune - dort nahmen sie ein kühles Blondes zu
sich - gekommen waren, und
dann ging’s über Gut Wicheln
ins Eulendorf.
bewunderte immer wieder ihre
derbe Pfeife, die sie häufig
rauchte. Auch ihre Handtasche
trug sie meistens bei sich. So
habe ich sie noch in guter Erinnerung.
Malz-Muck war nach dem Ersten Weltkrieg bis in die 30-er
Jahre eines der bekanntesten
Arnsberger Originale, so ist zu
hören. Wie Butter-Bettchen so
trug sie meistens hohe genagelte Schuhe, mit denen
sie die Altstadt passierte. Bevor sie nach
Müschede zog, wohnte
sie wohl am Grünen Turm
und auch zeitweise auf
der Hammerweide. Damals führte sie stets ihre
Pfeife schon mit sich und
blies den Qualm in die Altstadt und die Ruhrauen.
Vielleicht hat sich doch in
der Altstadt ein leichter
Hauch ihrer alten Pfeife
verewigt.
Von wo Malz-Muck nach
Die Braut trug ein auffälliges,
Arnsberg und Müschede kam
langwallendes buntes Rüund wo sie schließlich ihre letzschenkleid. Ihr Haar war mit
te Ruhestätte gefunden hat, ist
einem selbst geflochtenen
mir nicht gekannt.
Kränzchen aus feinen weißen
Margeriten geschmückt. Alles
Die Erinnerung an sie sollte jesaß bestens. Malz-Muck hatte
doch wach gehalten werden.
ja schließlich Erfahrung auf dem Gebiet
des
HochzeitMan sagt zu wenig: “Ich liebe dich”.
feierns. Eine gewisSelbst habe ich es oft vermisst.
se Routine spielte
Auch – wenn ich es einmal vergesse,
also mit. Auch Dr.
hoff’ ich doch, man liebt auch mich.
Willeke konnte sich
am Traualtar ein
Verborgen tief in meinem Herzen
leichtes Lächeln
wünsch ich mir nur Geborgenheit.
nicht verkneifen. Sie
Ich würde gerne alles missen,
war eine relativ growenn nur die Liebe bleibt.
ße, kräftige, aufrecht
Roswitha Krüner
gehende Frau. Ich
Sicht
Nr. 32 Seite 6
Anni Bauerdick-Lattrich und Anneliese Welling fragen:
Herr Saure, Sie sind in der
Stadt Arnsberg bekannt als
jemand, der Ideen entwickelt und sie mit Tatkraft
umsetzt. Welche Sparten,
insbesondere im kulturellen
Bereich, liegen Ihnen am
meisten und welche sind für
Sie wie ein Jungbrunnen?
Schülerinnen und Schüler
reagierten im Geschichtsunterricht, den ich gern erteilte,
immer gespannt auf Informationen aus der Heimat, in
denen die Ereignisse der
Weltgeschichte ihnen anschaulich vor Augen geführt werden
konnten: Die Bronzezeit lässt
sich nicht nur in Schilderungen
aus Norddeutschland vermitteln, sondern auch durch
Grabhügel um Neheim und
Hüsten. Die Christianisierung
des Sauerlandes kann man
aus dem Leben der Missionare
wie Bonifatius erschließen,
aber auch durch die Urkunde
mit der Ersterwähnung Hüstens
unter Abt Ludger. Die Leiden
der Bürgerinnen und Bürger in
den großen Kriegen schlägt
sich auch in den Kirchenbüchern von St. Petri nieder
oder im Mitgliederbuch der
Schützenbruderschaft „unter
dem Schutz des Heiligen
Geistes Hüsten“. Dass daraus
später zwei Bücher zur Geschichte Hüstens entstanden,
konnte ich damals noch nicht
voraussehen. Nach fast vierzig
Jahren im Schuldienst, davon
28 als Realschuldirektor in
Hüsten, ist das Interesse an
Bildung und deren Weitergabe
natürlicherweise ungebrochen.
Als mir der Vorsitz im Katholischen Bildungswerkes Arnsberg-Sundern vor 16 Jahren
angeboten wurde, sah ich darin
eine Chance, darauf hin arbeiten zu können. Wissenschaftler aus der gesamten
Bundesrepublik, z. B. Prof.
Bieser aus München, haben in
Vorträgen und Gesprächsrunden immer wieder ein
interessiertes Publikum vor Ort
gefunden. „Theologische Hochschulwochen“ und die Reihe
„Theologie im Gespräch“ und
Besichtigungen und Deutungen
unserer Kirchenbauten und
deren Einrichtung trugen die
Aufbruchsstimmung nach dem
Zweiten Vatikanischen Konzil
durch das Katholische
Bildungswerk auch in unsere
Stadt und ihre Gemeinden.
Ihre Tätigkeit, Herr Saure,
wird aber auch immer mit
dem Namen Oelinghausen
verbunden. Wie entwickelte
sich dieses Werk?
Die Gründung des Freundeskreises Oelinghausen e.V. vor
vierundzwanzig Jahren sollte
zunächst nur dazu dienen, die
Gemeinde St. Petri Oelinghausen-Holzen materiell und
ideell zu unterstützen. Das
begann mit kleinen Sammelaktionen, mit der Einschaltung des Arbeitsamtes
durch Beschäftigungsmaßnahmen im Umfeld der
Klosterkirche und der
Sicherung der Jahrhunderte
alten Trockenmauern.
Eine Kraftanstrengung bedeutete dann aber kurz vor der
Jahrhundertwende die Orgelrestaurierung und gleichzeitig
Reparatur der Scheune und
deren Ausbau zum Klostergartenmuseum. Ich kann nur
sagen, dass viele Menschen
aus Arnsberg, Menden und den
umliegenden Orten hundert
Tausende von Euro aufgebracht haben, um diese
Aktionen zu bewältigen. Es ist
damals - nach Meinung des
ehemaligen Regierungspräsidenten Wolfram Kuschke,
der die Aktion persönlich
unterstützte - eine ganz große
Bürgerbewegung für Kloster
Oelinghausen entstanden.
Darauf können alle Beteiligten
stolz sein.
Wie bringen Sie diese
umfassende Tätigkeit in
Einklang mit Ihrem Familienleben?
Als ich die nebenberuflichen
Tätigkeiten begann, waren
unsere zwei Kinder bereits
herangewachsen. Meine Frau
hat mich bei meiner Arbeit
immer positiv kritisch beraten.
Da wir beide Lehrer waren,
boten sich Gespräche über
Aufgaben und Probleme von
Schule und Erziehung schon
immer an. Daraus entwickelte
sich ein Interesse an der je-
Sicht
weiligen Denk- und Vorgehensweise des anderen. Als
ich die Nachforschungen über
die jüdischen Mitbürger in
Neheim und Hüsten begann
und auch Freunde rieten „Lass
die Finger davon!“, hat meine
Familie mich unterstützt. So
besuchte meine Tochter
während ihres Praktikums in
Neuseeland die ehemals in
Neheim wohnhaft gewesene
Familie Schnellenberg und
konnte mir wertvolle Unterlagen
mitbringen, die später in mein
Buch „Geschichte und Schicksale jüdischer Mitbürger aus
Neheim und Hüsten“ eingingen.
Diese Arbeit brachte uns die
Freundschaft mit jüdischen
Familien in England, USA,
Argentinien, Neuseeland,
Schweden und Israel ein, die
uns alle bereichert hat.
Welche Projekte sind zur
Zeit aktuell? Haben Sie
weitere Pläne?
Wenn man 78 Jahre alt wird,
sollte man vorsichtig sein,
große Projekte anzukündigen.
Ich bin aber dabei zum
25jährigen Jubiläum des
Freundeskreises Oelinghausen e. V. mit Freunden einen
zweiten Band „Oelinghauser
Beiträge“ zusammenzustellen.
Die Mitarbeit im NeheimHüstener und im Sauerländer
Heimatbund verlangt verschiedene Aufsätze zu aktuellen und historischen Themen.
Natürlich bin ich beteiligt bei
der Vorbereitung der Oelinghauser Orgeltage über
Pfingsten, bei denen u. a. eine
hervorragende Ausstellung
über „Andachtsbilder des 18.
und 19. Jahrhunderts mit
wertvollen Papierarbeiten aus
Frauenklöstern“ gezeigt wird.
Nr. 32 Seite 7
Sie zählen seit ca. zwanzig
Jahren zu den Senioren.
Wie beurteilen Sie die
Entwicklung der Arnsberger
Seniorenarbeit?
Hier wird sehr wertvolle Arbeit
geleistet, ob Einführung in die
Computerarbeit und Weiterführung, Begleitung zu Ausstellungen und Konzerten,
Organisation von Begegnungen und vieles mehr. Die
SICHT „Arnsberger Senioren
Zeitschrift“ ist überaus
interessant und unterhaltend.
Sie verbindet die Anliegen
unserer Generation mit der der
jüngeren. Auch gibt es private
Einsätze von Vereinen und
Gruppen in unserer Stadt, von
denen ich nur nennen möchte
die Reihe, die Wolfgang
Hoffmann für die pensionierten
Lehrerinnen und Lehrer im
„Verband Bildung und
Erziehung“ organisiert.
Was
empfehlen
Sie
Senioren, um fit zu bleiben?
Es wäre überheblich, wenn ich
hier gute Ratschläge erteilen
würde. Aber „wir Alten“ sollten
aktiv am öffentlichen Leben
teilnehmen, Sport treiben wie
Schwimmen und Spazieren
gehen und uns überhaupt für
das Kommunal- und Weltgeschehen interessieren.
Fundsache
Im Schaukasten des Gasthofs Albers
in Bödefeld
Günter Nehm
Im Frühling fällt nach langem Frost
der erste warme Regen.
Im Sommer fällt der Sonnenschein
kein Mensch hat was dagegen.
Es fällt im Herbst das Laub herab;
es fällt der Schnee im Winter.
Zu allen Zeiten fällt etwas;
man kommt sehr schnell dahinter.
Der Lack fällt langsam von uns ab,
mal kommt die große Wende.
Und wenn der letzte Vorhang fällt,
dann ist das Stück zu Ende.
Sicht
Nr. 32 Seite 8
Opernsänger Karl Alberti (95)
Rudolf Vogt
Auf Europas Opernbühnen war
er einst zu Hause. Und wenn
Johannes Heesters über den
Bildschirm flimmert, erinnert
sich Karl Alberti noch gern an
das Jahr 1942, als er mit dem
103-jährigen Operettenstar in
Budapest vor der Kamera
stand und den Film „Karneval
der Liebe“ drehte.
Auch heute lässt Karl Alberti,
der kürzlich bei bester Gesundheit seinen 95. Geburtstag
feierte, bei passenden Gelegenheiten seine sonore Stimme erklingen. Über 31 Jahre
stand der Bariton als Mitglied
des NDR-Rundfunkchores und
als Solist auf allen renommierten Bühnen unseres
Kontinents. Seine heimliche
Liebe galt dabei dem Komponisten Giuseppe Verdi.
Als Sohn eines Obersteigers
erblickte Karl Alberti 1912 in
einer musischen Familie in
Altenbögge das Licht der Welt.
Mit seinen sechs Geschwistern
wurde damals im Familienkreis immer gerne gesungen.
Nach Abschluss einer Gärtnerlehre, auf die sein Vater gedrängt hatte, weil Musik als
„brotlose Kunst“ galt, besuchte
er die Opernschule und erhielt
seine Gesangsausbildung.
Zuvor hatte er sich einem
Gesangstest gestellt.
Schon vor dem Kriege sang er
kleinere Solopartien, zunächst
in Münster und danach in Berlin
am „Theater des Volkes“, wo
er auch für den Film entdeckt
wurde. An der Seite von Emil
Jannings, Heinrich George,
Anneliese Rothenberger, Ru-dolf
Schock, Peter Anders und „Jopi“
Heesters stand er später bei
seinen zahlreichen Tourneen
bei 20 Filmen vor Kameras und
Mikrofonen. Der Einberufungsbefehl zur Wehrmacht unterbrach jedoch jäh seine Sängerkarriere. Natürlich wurde
auch das damalige Fronttheater schnell auf ihn aufmerksam und so konnte der
Sänger an mehreren Soldatensendern seine Liebe zum Gesang weiter pflegen.
Nach den unseligen Kriegswirren ging für den seit 1988 in
Neheim lebenden Pensionär
ein Traum in Erfüllung, als ihn
am 1. Mai 1946 die Berufung
in den NDR-Rundfunkchor
nach Hamburg erreichte. Hier
öffneten sich für ihn beim
Aufbau des Senders ungeahnte Möglichkeiten und er
lernte viele weltbekannte
Komponisten wie Igor Strawinski, Paul Hindemith,
Eduard Künecke, Paul Linke
und Otto Klemperer kennen.
„Wenn ich an die aktiven Jahre
denke, bleibt mir besonders
die Arbeit mit dem Hamburger
Rundfunkchorleiter Hans
Schmidt-Isserstädt im Bewusstsein.“ Auf der Berliner
Bühne trug er über 25 mal das
Kostüm des Solisten in der
Operette „Der Zigeunerbaron“
und zu seinen Paraderollen
gehörte - bis heute - die Partie
„Als Büblein klein an der
Mutterbrust“ aus der komischen Oper „Die lustigen
Weiber von Windsor“. Auch bei
den ersten Fernsehopern
gehörte Karl Alberti schon zum
Ensemble. Seine hervorragende Stimme erreichte den
Zuhörer damals noch auf
direktem Wege. Erst etliche
Jahre später wurde synchronisiert.
Auch heute gehen die
Gedanken des kernigen 95Jährigen noch bis zu seinen
Auftritten in den großen
Opernhäusern zurück. Und
wenn die Familie mit seinen
beiden Töchtern und Enkeln
zusammenkommt, muss er
auch seinen beiden Urenkeln
aus seinen Sängerjahren
erzählen.
Sicht
Nr. 32 Seite 9
Zahnprophylaxe
Ein wichtiges Thema auch für Senioren
Michael Wurm
Haben Sie Mundgeruch, einen
fauligen Geschmack im Mund
und/oder Zahnfleischbluten
beim Zähneputzen? Häufig
liegt der Grund dafür in einer
nicht ausreichenden Mundhygiene. Zahnfleischrückgang,
Fehlstellungen der Zähne, aber
auch Teilprothesen oder festsitzender Zahnersatz bilden in
zunehmendem Lebensalter
neue Nischen und Ecken, die
nicht nur einfach mit „mal eben
Zähneputzen“ oder Mundausspülen gereinigt werden können. Hinzu kommt bei älteren
Menschen, dass durch Medikamenteneinnahme die Mundflora verändert sein kann oder
durch andere körperliche Erkrankungen einfach nicht mehr
genug manuelle Beweglichkeit
vorhanden ist, um eine effektive Mundhygiene auszuführen.
Des weiteren führt die allen
bekannte Altersfehlsichtigkeit
dazu, dass man Essenreste,
Beläge oder Zahnstein gar
nicht erst sieht. Da zwischen
den Zähnen und den anderen
Organen des Körpers enge
Wechselwirkungen bestehen
und schadhafte Zähne das
Immunsystem schwächen und
weitere Krankheiten auslösen,
ist eine effiziente Mundhygiene
unumgänglich.
Die Hauptursache der meisten
Erkrankungen der Mundhöhle
sind Zahnbeläge!
Karies, Zahnstein und Parodontose werden verhindert,
wenn keine Beläge auf den
Zähnen anhaften.
Um dies zu gewährleisten, ist
es notwendig, regelmäßig den
Zahnarzt aufzusuchen, Putzdefekte aufzudecken und die
entsprechenden Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Eine
durch die meisten Zahnärzte
angebotene Möglichkeit
besteht darin, im Rahmen der
Prophylaxe (Vorbeugung von
Krankheiten) eine professionelle Zahnreinigung durchführen zu lassen.
Dabei werden die Zahnbeläge
durch Färbung sichtbar
gemacht und der Patient kann
selbst sehen, in welchen Bereichen seiner Zähne die
Mundhygiene verbessert werden muss. Anschließend wird
durch die Prophylaxeassistenz
erklärt, warum dort nicht richtig
gesäubert wurde und wie man
individuell für sein eigenes
Gebiss eine effektive, im
Rahmen der eigenen Möglichkeiten, durchführbare Putztechnik entwickeln kann. Es
werden entsprechende Hilfsmittel, wie Zahnseide, Zahnhölzer, Interdentalbürstchen
und Zungenbürste oder verschiedene Zahnbürstenarten
(manuell, elektrisch, Schall)
sowie unterschiedliche Borstenfelder (plan, hochtief, gekreuzt) vorgestellt, so dass der
Patient für sich selbst entscheiden kann, welche Produkte zur Zahnreinigung für ihn
praktikabel sind. Danach werden sämtliche harten und
weichen Beläge auf den Zahnoberflächen von der Prophylaxeassistenz professionell
entfernt. Nachdem dies geschehen ist, folgt eine Glattflächenpolitur aller Zähne,
wofür meist verschiedene
Poliermittel zur Verfügung
stehen. Abgeschlossen wird so
eine Professionelle Zahnreinigung immer mit einer
Fluoridierung aller Zähne,
wodurch die Zahnoberfläche
nachhaltig widerstandsfähiger
gegen die „Widerungen des
Alltags“ gemacht wird.
Zeitaufwand und Preis einer
solchen Behandlung sind von
Zahnarzt zu Zahnarzt verschieden. Fakt ist aber leider,
dass die gesetzlichen Krankenkassen eine solche Behandlungsmaßnahme nicht in
ihrem Leistungskatalog haben.
Bedenken Sie aber:
Sind die Zähne gesund,
ist es meist auch
der Mensch!
Sicht
Nr. 32 Seite 10
Glück, das schönste aller Gefühle
Marita Gerwin
Es fühlt sich an, als schwebten
wir über dem Boden. Als
könnten wir die ganze Welt
umarmen. Wäre das nicht ein
Traum ...Woher kommt dieses
Gefühl? Freunde können
glücklich machen. Auch
Zuckerstangen, Schokolade,
Süßigkeiten! Glück ist eine
knifflige Sache! ... „Da hat man
wochenlang eine Vorfreude auf
das Geburtstagsgeschenk, und
kaum ist es ausgepackt, ist das
Glück wie eine Seifenblase
zerplatzt“, so beschreibt die
Jugendzeitung GEOLINO das
Glück. Glücksmomente können
sein: Der Volltreffer- das Tor
beim Fußballspiel, die
überschwängliche Freude in
der Mannschaft, Bewegung
allgemein, Freunde, Abwechslung! Und was ist mit
dem Geld? „Geld stinkt nicht,
es macht nicht glücklich, aber
es beruhigt!“ Psychologen
glauben, dass wir das Gehirn
trainieren können, indem wir
uns weniger über Kleinigkeiten
aufregen und öfter an nette
Dinge denken. Ein Ratschlag
der Wissenschaftler: „Schreiben Sie jeden Tag drei schöne
Erlebnisse in ein Tagebuch!“
Tipp der SICHT: Versuchen Sie
es mal. Es gelingt gewiss!
Sprichwörter fallen Ihnen beim
Lesen dieser Zeilen ein. „Glück
und Glas, wie leicht bricht das.“
Kennen Sie die Philosophie
vieler Lottospieler, die jede
Woche aufs Neue ihr Glück
versuchen: „Das Glück ist oft
sehr klein, man muss geduldig
sein.“ Doch was ist Glück? Ist
es Glück, wenn etwas gerade
noch einmal gut gegangen ist,
wenn wir in einer brenzligen
Situation einfach „Schwein“
gehabt haben? Das Schwein ein Glückssymbol für viele von
uns! Oder ist Glück der
Überschwang der Gefühle, der
Glücksrausch, in dem nichts
zählt, als das Hier und Jetzt und
das Gefühl, ganz bei sich selbst
und zugleich außer sich zu sein.
Tatsache ist doch, dass die
meisten Menschen beim
„Glück“ nicht auf „den großen
Wurf warten“. Glück ist eine Art
Mosaik. Es umfasst die Sehnsucht nach Gelingen, nach
Gesundheit, nach Gerechtigkeit, nach Geborgenheit,
nach einem Ort, wo ich
Zuhause bin, nach Menschen,
denen ich ohne Maske begegnen kann, wo ich akzeptiert
werde, wie ich bin, wo ich gehalten werde! Wer ist nicht auf
der Suche nach dem echten
wahren Glück? Was ist Glück?
Der Wissenschaftler Prof. Dr.
Hans Förstle antwortet darauf:
„Glück ist ein Zustand des
geistigen und körperlichen
Wohlbefindens, Momente, in
denen im Gehirn die für Glück
zuständigen Systeme anspringen. Das ist die Macht der
Moleküle!“ „Ob wir uns glücklich oder traurig fühlen, wird von
unserem Gehirn durch Botenstoffe gesteuert. Das sind
winzige Moleküle, die an Nervenzellen andocken und sie
aktivieren. Schon geringste
Mengen haben mächtige Auswirkungen.“ Allein sind wir
selten glücklich! Für viele
Menschen bedeutet Glück, in
einer Gruppe eingebunden zu
sein und sich austauschen zu
können. Geben und Bekommen - wenn diese Bilanz
stimmt, fühlen sich Menschen
glücklich - und das ganz ohne
künstliche Hilfen. Glückskinder
sind keine Traumtänzer! Im
Gegenteil, glückliche Menschen sind Realisten, die ihre
Ziele und Möglichkeiten kennen. Sie investieren viel Zeit
und Energie in soziale Beziehungen, sind oft extrovertiert, optimistisch und haben
ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Glückliche Menschen finden viele kleine Anlässe, sich wohl zu fühlen; wenn
man es selbst herbeiführt, genießt man es besonders.
Glückliche Menschen sind
reinste Lebenskünstler. Was
Glücks-Gefühle verschafft
muss jeder für sich herausfinden.
Ein Tipp der SICHT: Finden
Sie Ihren eigenen Weg.
Nehmen Sie Ihr Glück selbst in
die Hand. Werden Sie aktiv!
Kommen Sie runter vom Sofa!
Sicht
Nr. 32 Seite 11
Nutzen Sie Ihre Freiheit zum
Sprungbrett in Ihre Zukunft. Wir
laden Sie herzlich ein, sich mit
Anderen für Andere in der Stadt
Arnsberg zu engagieren. Es
gibt viele Bereiche, Projekte,
Vereine, in denen Sie sich
auch initiativ engagieren
können. Spannende neue
Welten öffnen sich! Andere
Menschen - jung und alt - warten
auf Sie! Wir können diese
Türen für Sie öffnen, doch
hereinkommen müssen Sie
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Ansprechpartnerin: Petra
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Arnsberg, Geschäftsstelle
Engagementförderung Arnsberg, Rathausplatz 1 , 59759
Arnsberg
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Quellen: Stefan Klein „Die
Glücksformel oder wie gute Gefühle
entstehen“, Preis: 6 Euro
Rowolt Taschenbuch Verlag, ISBN
- 13: 978 3 499 62225 0 / ISBN-10:
3 499 62225 4
GEO/GEOLINO - Das Erlebnis-Heft
- Nr. 8 August 2004 - Preis: 3 Euro
Titelgeschichte: Glück, das
schönste aller Gefühle!
So wird das Leben sein, wenn ich alt bin
Einstellungen eines Schülers (12 Jahre) der Ruth-Cohn-Schule zum Alter
„Kindermund“ Der Text wurde original übernommen, weder korrigiert, verändert oder gekürzt!
Wenn ich alt bin werde ich zwar
Falten und graue Haare
kriegen aber ich werde auch
viele Dinge mit Kindern
machen, weil es mir Spaß
macht und Freude an der guten
Laune.
Ich werde zwei Kinder haben
und eine Frau. Ich arbeite an
einer Schule bis ich 79 Jahre
bin. Mit meiner Familie stehen
viele Sachen auf dem Programm wie z.B. ans Meer zu
fahren, in Freizeitparks, auf
den Sportplatz Fußball spielen
und mal am Sonntag spazieren
gehen. Ich fahre mal aus
Langeweile mit dem Auto durch
die Gegend oder ich gehe ein
bischen was einkaufen.
Nun habe ich gehört, dass das
Wetter am Sonntag schön sein
soll, deshalb habe ich Frühstück auf der Terrasse geplant.
Wir grillen im Sommer drei mal
die Woche. Mit den Kindern
gehe ich jeden Samstag auf
den Sportplatz. Die Kinder sind
jetzt alt genug deshalb dürfen
sie eine eigene Wohnung
haben.
Einmal im Jahr gehe ich mit der
ganzen Schule zum Schwimmen, weil ich Geburtstag hatte.
Manchmal rufe ich Sonntags
meine Kinder an und lade sie
zu einer Radtour ein und
anschließend zum Grillen.
Nun gehe ich in Rente und
muss mich verabschieden.
Aber ich bleibe in der Schule
und komme drei mal die
Woche um da zu arbeiten. Alle
Kinder weinten vor Freude, weil
ich da bleibe. Meine Gedanken
sind nur noch an die Zeit an der
Ruth-Cohn-Schule. Ich werde
auch als Rentner zum
Fußballclub TuS Müschede 07
gehen. Ich kümmere mich um
die Kinder von meinen Kindern
wenn sie mal auf Arbeit sind
oder krank sind und Angst
haben, dass sie die Kinder
anstecken.
Ich gehe regelmäßig zum Zahnund Hausarzt. Ich gehe zu
jedem Fußballspiel von
meinem Enkelkind und freue
mich, wenn er das entscheidende Tor schießt. Ich
werde meinem Enkelkind 50
Cent geben für jedes Tor, das
er schießt. Ich treibe sehr viel
Sport alleine, mit Freunden
oder mit meinen Enkelkindern.
Ich möchte wenigstens mit 82
Jahren fit wie ein Turnschuh
sein und nicht auf dem Sofa nur
sitzen, weil ich halb am
Vergammeln bin.
Ich sag euch eins: wenn ich
sterbe möchte ich nicht, dass
mich jemand auf meiner Reise
begleitet. Sondern ich möchte
nur, dass ihr Abschied nehmt.
Ich weiß, dass es eine schöne
Zeit mit euch war und ich
wünsche mir, dass was ihr von
mir gelernt habt, sollt ihr weiter
an andere Personen leiten.
Jesus will, dass ich zu ihm und
seinem Vater kommen soll. Er
weiß, dass ich ein guter
Mensch bin, aber er sprach zu
mir:
„Deine Zeit ist abgelaufen.“
Sicht
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Das zerbrochene Ringlein
In einem kühlen Grunde
1809 gelang dem 21-jährigen Eichendorff mit diesem aus Volksliedmotiven
(Mühlrad, zerbrochener Treuering) aufgebauten und holprigen Volksliedstil ( „mein
Liebste“, „gewohnet“, „ein’n“) imitierenden Lied ein großer Wurf: In der
stimmungsvollen Vertonung Friedrich Glücks von 1814, der später noch eine von
Silcher folgte, wurde es so volkstümlich, dass in vielen Sammlungen der Dichter
gar nicht mehr genannt wurde. Vor allem die Eingangswendung wurde rasch
sprichwörtlich. Die Mühle ist, wie häufig in der Volksliteratur und noch in Wilhelm
Müllers Zyklus „Die schöne Müllerin“, Schauplatz einer unglücklichen Liebe, die
zuletzt in der Identifikation von Mühlrad und Herz gipfelt: Nur in beider Stillstand
wäre Beruhigung zu finden. Das selbst ein derart verhalten ausgedrücktes
Liebesleid den Argwohn der Sittenwächter des 19. Jahrhunderts wecken konnte,
erscheint fast unglaublich, ist indes überliefert: Die Vorsteherin eines
Mädchenpensionats änderte „mein Liebste ist verschwunden“ zu „mein Onkel ist
verschwunden.“
Eichendorff, Joseph Freiherr von geb. 10.3.1788
Lubowitz bei Ratibor, Schlesien, gestorben 26.11.1857
in Neiße.
Eichendorff zählt zu den volkstümlichen Dichtern der
Romantik. Seine oft sehnsüchtige und ahnungsschwere, volksliedhafte Lyrik, sein großes Naturempfinden und seine Freude am märchenhaft Wunderbaren trafen den Nerv der Zeitgenossen. Neben den
vielfach vertonten Gedichten ist die Erzählung “Aus dem
Leben eines Taugenichts” bis heute beliebt.
Quelle: ADAC Verlag München 2001
Bild - Quelle: Wikipedia “Bibliothek des allgemeinen und praktischen Wissens Bd.5” (1905)
Deutsche Literaturgeschichte, Seite 106
Sicht
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Sicht
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KLOSTER PARADIESE
Entstehen – Verfall – Wiederaufstieg
Sigrid Grobe
Auszug aus dem Bildband von Günter Beaugrand
Vor den Toren und Türmen der
Stadt Soest wurde im Juli 1252
der Bau des Dominikanerinnenklosters von dem Kölner
Erzbischof Konrad v. Hochstaden genehmigt und unter
den Schutz der Gottesmutter
gestellt. Damit war der Weg
frei für eine jahrhundertelange
Klostergeschichte. Wegen seiner prachtvollen Lage wurde
dieser Ort “Paradyso” genannt. Bereits ein Jahr nach
dem Bau konnten die ersten
Nonnen eingekleidet werden,
die nach den Regeln des hlg.
Augustinus lebten und wirkten. “Aus Liebe zu Gott, in
Demut und Geduld zum Wohl
der Gemeinschaft” mit diesen Worten nimmt 1255 der
berühmte Theologe Albertus
Magnus, den Dominikanerinnen die Professgelübde ab.
In der Zeit der Reformation 1531- schließt sich Soest und
die Soester Börde der evangelisch-lutherischen Lehre
an. Die folgenden Jahrzehnte sind getrübt durch Auseinandersetzungen um konfessionelle Fragen. Trotz krasser
konfessioneller Gegensätze
beginnt für die Ordensfrauen
eine Zeit des ökumenischen
Zusammenlebens. Zudem bürden Kriege und Schlachten
dem Kloster immer wieder
neue wirtschaftliche Lasten
auf. Besetzungen, Tributzahlungen, Plünderungen gehören zur Tagesordnung, von
denen sich das Kloster nur
schwer erholen kann.
Wie in alten Schriften zu lesen
ist, überträgt 1808 die bergisch-französische Regierung
den gesamten Grundbesitz
dem Rentenamt Soest. Das
“Bürgerliche Kloster” wird an
mehrere Interessenten verkauft
oder verpachtet, so wie die
Familie Kortmann, die das
Klosterareal über mehrere Generationen als Gutshof bewirtschaftet.
Rettung vor dem Verfall
1995:
Die Zeit hatte das Kloster in
einen Dornröschenschlaf versetzt und die Natur hatte ihren
Platz zurückerobert. Die Jahre
hatten sich, als Schutz und Tarnung, wie eine Wolke über diesen paradiesischen Ort gelegt.
Hier war die Zeit stehen geblieben. Bis 1995 die beiden Ärzte, Dr. Thomas Oyen und Dr.
Winfried Steinberg ein Konzept
entwickelten, das vom Verfall
bedrohte Kloster Paradiese, zu
einem “Zentrum der modernen
Krebsmedizin” umzuwandeln.
Erklärtes Ziel war von Anfang
an, eine Klinik zu schaffen, die
sowohl Diagnostik und Therapie, wie auch Forschung und
Lehre im Bereich der Onkologie unter einem Dach vereinbart.
Die Sanierungsarbeiten wurden mit hoher Sensibilität
ausgeführt, so dass die noch
vorhandene Bausubstanz
gerettet, und auch die Parkanlagen naturbelassen erhalten werden konnten. Mit
großem Mut zum Wagnis gingen die Ärzte mit einem
Team von Spezialisten ans
Werk. Von der faszinierenden Idee, hin zu einer Klinik,
die sich sowohl mit
schulmedizinischen, wie
auch mit naturheilkundlichen
Methoden den Patienten zuwendet, war es ein langer,
mühsamer Weg. Oberstes
Gebot bei der Krebsvorsorge und der Therapie ist es,
die Lebensqualität der Patienten nie aus den Augen zu
verlieren.
Wer hierher kommt, kommt in
eine Umgebung, wo die Angst,
die mit der Krankheit verbunden ist, gemindert wird.
Schon bald fanden sich weitere medizinische Fachkräfte
und Laborspezialisten. Ärzte,
wie Dr. Eckhard Böcher (Chefarzt für integrative Onkologie)
und Dr. Thomas Hamm (Facharzt für die Naturheilkunde) sind
Sicht
ganz besonders zu nennen.
Bei der Einweihung im Januar
1999 zeigte es sich, dass die
Neugestaltung des “Krebsmedizinischen Zentrums Paradiese” weit über die Grenzen
Nr. 32 Seite 15
der Soester Börde hinaus große Beachtung fand.
“Heilen, lindern, trösten” dieses
Motto des Neuen Paradiese
wird hier mit Zuversicht und
Gottvertrauen in die Tat umgesetzt.
Aus dem Interview des Herrn Günter
Beaugrand mit Herrn Dr. Oyen, Herrn
Dr. Steinberg, Herrn Dr. Böcher
und Herrn Dr. Hamm.
Weitere Fragen beantwortet u. a. das
Buch “Kloster Paradiese” v. Günter
Beaugand
Aus Psalm 12
Wie lange noch, Herr, vergisst du mich ganz?
Wie lange noch verbirgst du dein Gesicht vor mir?
Wie lange noch muss ich Schmerzen ertragen in meiner Seele,
in meinem Herzen Kummer Tag für Tag?
Wie lange noch darf mein Feind über mich triumphieren?
Blicke doch her, Herr, mein Gott, erleuchte meine Augen,
damit ich nicht entschlafe und sterbe, damit mein Feind nicht sagen kann:
“ich habe ihn überwältigt”, damit meine Gegner nicht jubeln,
weil ich ihnen erlegen bin. Ich aber baue auf deine Huld,
mein Herz soll über deine Hilfe frohlocken.
Singen will ich dem Herrn,
weil er mir Gutes getan hat.
Ode an das Alter
Sascha Strietzel, 22 Jahre, Schüler am Berufskolleg am Eichholz
Die wilden Zeiten, sie verbleichen,
der Tatendrang lässt langsam nach,
die Jugend muss dem Alter weichen,
auch deine Augen werden schwach.
So manches Grau tritt in dein Leben,
nicht nur dein Haar wird sichtbar hell,
nun wär die Freude das Bestreben,
denn Sonnentage ziehen schnell.
Die Wege werden immer länger,
das Alter macht sich spürbar breit,
die Kälte fühlst du tief und strenger,
denn kein Erbarmen kennt die Zeit.
Doch Falten, Kummer oder Schmerzen,
vertreiben dir dein Lachen nicht,
du trägst die Jugend stets im Herzen,
sie ist dir Glücksgefühl und Licht.
? bunt gemischt !
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
Woher stammt die Popgruppe ABBA?
Das ZDF sendet seit wann?
Was ist ein Hurrikan?
Wo befindet sich der Markusdom?
Welche Filmrolle spielte
Johnny Weismüller?
Welches ist die seltenste Blutgruppe?
Wie viel Euro sind 616 Cent?
Was ist eine Limette?
In welcher Stadt gibt es
„Auerbachs Keller“?
Wer erfand die Luftpumpe?
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
18.
19.
20.
Wer malte das Bild „Der Bücherwurm“?
Was ist Europol?
Wie viel Wochen sind 119 Tage?
Der internatonale Gerichtshof hat seinen
Sitz in?
Das längste europäische Blasinstrument?
Wie lange stand die Berliner Mauer?
Was bedeutet Triumvirat?
Wer stiftete den Nobelpreis?
Wie groß ist die Temperaturänderung von
3 Grad C auf -20 Grad C?
Was ist eine Durchreiche?
Sicht
Kennen Sie die Arnsberger Tafel e.V.?
Nr. 32 Seite 16
Uwe Künkenrenken
Die Arnsberger Tafel wurde am
10. Juli 2003 als gemeinnütziger privater Verein gegründet. Sie ist somit keine
staatliche oder städtische
Einrichtung. Ziel und Aufgabenstellung der Tafel ist es,
qualitativ einwandfreie Nahrungsmittel und Dinge des
täglichen Gebrauchs, die im
Wirtschaftsprozess nicht mehr
verwendet werden, zu sammeln und hilfebedürftigen
Personen zur Verfügung zu
stellen.
Im November 2001 stellte die
evangelische Paulus-Gemeinde in Neheim
aus einem Gemeindebasar Geld zur
Unterstützung einer
Tafel zur Verfügung.
Solch eine Einrichtung gab es in
Arnsberg jedoch noch nicht.
Die Spende wurde der
Diakonie zur Verwaltung
übergeben.
Hauptsächlich Mitglieder aus
Kirchengemeinden und sozial
engagierten Gruppen im
Stadtgebiet bildeten den
Initiativkreis, der die Gründung
der Arnsberger Tafel in den
folgenden Wochen und Monaten auf den Weg brachte.
Die Lebensmittel und Sachspenden werden in der Regel
von den unterschiedlichsten
heimischen Firmen kostenlos
zur Verfügung gestellt. Durch
zwei Kühlfahrzeuge ist sichergestellt, dass die vorgeschriebene Kühlkette nicht
unterbrochen wird. Nach dem
Transport wird zu kühlende
Ware in einem großen Kühlhaus bis zur Ausgabe
eingelagert.
Bei den gespendeten Lebensmitteln kann es sich um
Ware handeln, die das
Mindesthaltbarkeitsdatum
erreicht oder kurzfristig
überschritten hat, oder kurz vor
dem Verbrauchsdatum ist. Es
handelt sich hierbei um
einwandfreie Artikel. Eine
Ausgabe der Ware ist nur für
Personen mit geringem
Einkommen, die im Bezug von
Sozialleistungen sind (Empfänger von Hartz IV nach dem
SGB II oder Sozialhilfe nach
dem SGB XII) oder entsprechende Rentenbezieher
gedacht. Die Betroffenen
müssen ihre Hilfebedürftigkeit
anhand ihres jeweiligen
Bewilligungsbescheides
nachweisen. Anspruchsberechtigte erhalten von der
Arnsberger Tafel einen Ausweis. Diese Personen können
die Tafel 1 x pro Woche in einer
der Ausgabestellen aufsuchen
und Ware in Empfang nehmen.
Als Kostenbeitrag ist ein
symbolischer Betrag von 1 E
bei jeder Vorsprache zu entrichten.
Die Aufgaben und Arbeiten, die
mit dem Betrieb der Arnsberger Tafel zusammen
hängen, werden derzeit von ca.
60 ehrenamtlichen Helferinnen
und Helfern erbracht. Ehrenamtliche Tätigkeit bedeutet,
dass diese Arbeiten durch die
Helferinnen und Helfer ohne
Bezahlung geleistet werden.
Zur Zeit versorgt die Arnsberger Tafel mit ihren beiden
Ausgabestellen, in Alt-Arnsberg, Hellefelder Straße und
Neheim, ca. 5.000 Personen
im Monat, davon allein fast
2.000 Kinder. Die Tendenz ist
steigend. Leider wird die
Arbeit der Tafel durch
„Besserwisser“ aber auch
durch Unkenntnis immer
wieder
negativ
dargestellt!
Da
werden an den Kühlfahrzeugen alle neuen
Winterreifen zerstochen, die Fahrzeuge mit Farbe
beschmiert, welches die
Betriebskosten die bei montl.
2.000 E liegen, erheblich erhöht oder Gerüchte in „die
Welt“ gesetzt, die jeder
Grundlage entbehren. Unbegreiflich, denn die Arbeit der
Arnsberger Tafel, vor allem
aber ihrer Mitarbeiter kann gar
nicht hoch genug eingeschätzt
werden! Hilft sie doch
Mitmenschen in schweren
Situationen ein wenig unter die
Arme zu greifen. Wer einmal
mit Hunger zu Bett gehen
musste, kann vielleicht
ermessen, wie das ist!
Mehr unter
www.arnsberger-tafel.de
„Aktuelles“
Fragen unter
[email protected]
Nr. 32 Seite 17
Über den Zaun geschaut ...
Ein Garten für die Sinne
Bernd Kipper
Ein Besuch, des städtischen
Alten- und Pflegeheimes “Haus
Am Glockengarten” in Bochum, hat demnächst auch für
Arnsberg eine gute Nachfolgewirkung.
Was ist ein Garten der Sinne?
Der Garten des Hauses “Am
Glockengarten” ist vom sonstigen Gelände abgetrennt. Hier
können Menschen mit Demenz
ungestört und sicher spazieren
gehen. Ein Rundweg führt, ungefährlich und überschaubar,
durch die Anlage. Urlaubsstimmung wie am Meer vermitteln
zwei auf Sand gebaute Strandkörbe. Es gibt eine Boulebahn,
auch für Rollstuhlfahrer geeignet, ein Feuchtbiotop, das
durch Beete vom Garten abgetrennt ist, ein kleines Kornfeld,
ein Hügelbeet mit Kürbissen
und Gurken, Kräuterbeete,
Obstbäume, duftende bunte
Blumen und Beerensträucher.
Ein Ort für Alle?
Der Garten ist so gestaltet,
dass ihn alle Bewohner des
Hauses am Glockengarten nutzen können, auch die Menschen, die körperlich und geistig eingeschränkt sind. Etwa
80 Prozent der Alten- und
Pflegeheimbewohner leiden an
Demenz. Viele versuchen wegzulaufen, haben einen großen
Bewegungsdrang. Der Sinnesgarten ist zur Nachbarschaft
durch einen Zaun abgegrenzt.
Einerseits ein Schutz für Men-
schen mit Demenz,
andererseits können keine unbeaufsichtigten Hunde
hinein, die dort ihr
Geschäft hinterlassen.
Das Konzept ist:
Auf einer Fläche
von 2.000 Quadratmetern werden Rei- Foto: Uwe Künkenrenken
ze für alle Sinne
angeboten. Es gibt ein regenAuf dem Gelände des Ernstbogenfarbenes Banner zum
Wilm-Hauses in ArnsbergSehen, ein Muschel-Mobile
Hüsten ist ein Projekt für einen
zum Hören, Düfte zum Riechen,
Sinnesgarten bereits angelaueingefangen in kleinen Einfen. Berufsschüler/innen der
kochgläsern, Früchte der SaiFachklasse Gartenbau des
son z. B. Erdbeeren zum
Berufkollegs am Eichholz in
Schmecken oder TastsäckArnsberg haben im Februar
chen zum Fühlen.
mit den Bewohnern erste Gespräche zur Findung der WünDer Garten bietet für die Patische über die Beschaffenheit
enten ein neues Maß an Ledes Gartens geführt. In Plabensqualität und Lebensraum.
nungsgruppen haben die
In dem geschützten Bereich
Schüler verschiedene Vorkönnen die Bewohner immer
schläge erarbeitet und im
wieder Neues entdecken und
Ernst-Wilm-Haus der Öffentwahrnehmen. Er macht für Vielichkeit und den Bewohnern
le eine vergessen geglaubte
vorgestellt. Welches Konzept
Welt wieder erlebbar. Hierverwirklicht wird und ob der
durch wird eine sinnvolle
Sinnesgarten überhaupt angeTherapiemöglichkeit eröffnet,
legt werden kann, liegt wie so
die sonst im Wohnbereich nicht
oft an den erforderlichen Miterzielt werden kann. Von groteln.
ßem Vorteil ist es, dass Besucher mit ihren Angehörigen
Eine Anmerkung zum Schluss:
eine Erlebniswelt erfahren und
Der Garten in Bochum verAnknüpfungspunkte für Gedankte seine Entstehung der
spräche finden können.
Erbschaft eines ehemaligen
Bewohners des Alten- PflegeEin Traum, der auch in
heimes “Haus Am GlockenArnsberg wahr werden kann
garten”.
Sicht
Nr. 32 Seite 18
Früher bei uns im Dorf!
Benedikt Jochheim
Wasser, eines unserer wichtigsten Grundnahrungsmittel,
deutlich wieder in den Vordergrund gerückt nach dem
Nachweis der PFT Belastung.
Wie war es aber vor hundert
Jahren? Das Wasser für den
täglichen Gebrauch wurde den
Flüssen und Bächen entnommen, viele Häuser verfügten über einen Brunnen.
Etwas fortschrittlicher waren
die Besitzer einer Handpumpe,
welche das Wasser aus der
Tiefe beförderte. Bei uns im
Dorf wurde im Jahre 1911 die
erste Wasserleitung gebaut.
Die Landwirte waren um ihr
Vieh besorgt, da sie glaubten,
dass das Wasser aus dem
Bach den Tieren besser
bekommen würde. Für die
Hausfrauen war die neue
„Quelle“, der Zapfhahn, eine
Erleichterung. Es gab eine
Zapfstelle in der Küche oder in
der so genannten Waschküche,
bei einigen neben dem Stall,
bei anderen im Keller. Die
tägliche Körperpflege fand mit
kaltem Wasser am „Spülstein“
in der Küche statt, in der auch
das wöchentliche Bad in einer
großen Wäschewanne, gefüllt
mit heißem Wasser vom
Küchenofen, genommen wurde. Die „Badewanne“ gab es
in ganz wenigen Haushalten.
Bei uns nahm man zum
Wochenende das Bad in der
Waschküche im Keller. Das
Wasser kam aus dem
Waschkessel, in dem die
Mutter einmal die Woche, am
Montag, dem sogenannten
Waschtag, die Wäsche der
Familie kochte, die dann anschließend mit der Wäsche-
reibe und der Wäscheschaukel (einer handbetriebenen
Waschmaschine) bearbeitet
wurde. Der Arbeitsaufwand
war enorm, besonders bei den
damals üblichen Großfamilien.
Der tägliche Wäschewechsel
war nur selten möglich, da die
Arbeit für die Hausfrauen nicht
zu bewältigen und bei der
damaligen Wäsche aus
Naturgarnen (Wolle und
Leinen) auch nicht erforderlich
war. An warmen Sommertagen
fand die Körperpflege teils an
der Ruhr oder im Freibad nach
dem Schwimmen statt. Bei uns
an dem „Rundläufer“, einen
Bogen im Wasserlauf der Ruhr,
trafen sich viele Kinder und
Erwachsene zum Schwimmen
und Baden. Viele haben hier
das Schwimmen gelernt. Beim
Tauchen begegnete mir hier im
Halbschatten des Bahndamms
ein großer Aal. Erschreckt
verließ ich sofort das Wasser,
denn so ein schlangenartiger
Fisch war mir unheimlich. Später ging ich an anderer Stelle
und in ruhigerem Gewässer in
die Ruhr, an deren Ufer die
Jugend sich auch im Ertasten
und Fangen der Fische übte,
wobei einige wahre Meister
waren. Im Jahre 1934 wurde in
Hüsten das Freibad eröffnet
(heutiges Nass). Einige
„Kirchenfürsten“ konnten sich
mit dem Schwimmsport nicht
abfinden. Das musste auch
mein Sportfreund Rudi, der in
diesem Jahr 80 Jahre alt wird,
erfahren, als er mit seinen
älteren Brüdern das Freibad
besuchte. Als er zur monatlichen Beichte zum Herrn
Pastor ging und seine Sünden
vorgetragen hatte, fragte ihn
dieser, ob er auch alles gebeichtet habe. Rudi bejahte
und der Herr Pastor sagte, er
habe doch das Freibad besucht und dort Obszönes gesehen, dies müsse er auch
beichten. Das Freibad wurde
von uns selten besucht, kostete
der Eintritt doch einen Groschen oder drei Mark die Jahreskarte, was für uns viel Geld
war. Das Schwimmbecken
wurde mit Wasser aus dem
Erlenbach gefüllt und war nach
Tagen durch Sonneneinstrahlung grün und voller Algen. Die
Reinigung dauerte wieder ein
paar Tage und das frisch eingefüllte Wasser lockte nicht
gerade zum Bade. Die Umkleidekabinen waren nach Geschlechtern getrennt, doch immer wieder entstanden Löcher
in der Wand zu den weiblichen
Nachbarn. Pünktlich mussten
die Kinder um 17:00 Uhr die
Anlage verlassen. Der strenge
Bademeister achtete darauf.
Verstecken oder drücken war
selten möglich, da sie im
Gelände gefunden und nach
Hause geschickt wurden.
Nach einem Bad in der Ruhr,
besonders in den großen
Ferien, trieben uns nur die
Müdigkeit und der Hunger am
Abend ins Elternhaus.
Sicht
Nr. 32 Seite 19
Starke Frau im Interview
Uwe Künkenrenken
Eine nicht alltägliche Geschichte über Flucht, Angst und
Hoffnung von Frau Shahin
Kiumarssi.
Doch lassen wir sie selbst
erzählen: „Ich komme aus dem
Iran, bin verheiratet und habe
2 Söhne, 26 und 15 Jahre alt.
Im Oktober 1997 bin ich mit
meinen beiden Kindern in
Frankfurt am Main gelandet.
Mein Mann blieb noch im Iran,
ich selbst hatte große
Probleme mit den dortigen
Machthabern und bin aus
politischen Gründen geflüchtet.
Endlich waren wir in
Deutschland. Die Flucht war zu
Ende. Nun konnte ich bei
meiner Familie sein, die fast
alle aus dem Iran geflohen
waren.“
Wo leben ihre Verwandten?
Wir fuhren zunächst nach
Hamburg, hier leben meine
beiden Brüder. Die Stadt
Hamburg hatte jedoch schon
zu
viele
Flüchtlinge
aufgenommen und so wurden
wir nach einer Woche nach
Dortmund ge-schickt. Dort
lebten meine Kinder und ich in
einem Flüchtlingsheim! In
Dortmund habe ich einen
Asylantrag
gestellt und
musste über die Gründe
unserer Flucht aus-sagen. Ich
war zu dieser Zeit sehr unsicher
und ängstlich. Von Dortmund
wurden
wir
in
ein
Erstaufnahmeheim nach
Hamm geschickt, in dem wir 4
Wochen wohnten.
Wann wurde ihr Asylantrag
genehmigt?
Genehmigt?? Der wurde nach
zwei Wochen abgelehnt! Beim
Verwaltungsgericht Arnsberg
habe ich dagegen Klage
erhoben. Ich hatte keine
Beratungsmöglichkeiten und
kaum Hilfe. Nach einiger Zeit
bekamen wir eine Zuweisung
nach Arnsberg. Hier lebte
meine Mutter. Aber wieder
kamen meine Kinder und ich in
ein Übergangsheim; später
nach Neheim. Zuerst haben wir
im Saarweg, dann im
Schleifmühlenweg in einem
kleinen Zimmer gewohnt; drei
Personen, mein Ältester, zu
dieser Zeit 17 Jahre, und der
jüngste 6 Jahre alt!
Ihre Klage auf Asyl hatte
Erfolg?
Nein!!! Sie wurde nach zwei
Jahren abgewiesen und die
Wahnsinnsangst vor der
Abschiebung in den Iran
bestimmte unseren Alltag. Ich
wollte kämpfen …, in
Deutschland bleiben, hier in
meiner neuen Heimatstadt
Neheim! Hilfe fand ich bei der
Flüchtlingsberatung der
Diakonie. Um das Erlebte zu
verarbeiten, musste ich eine
Psychotherapie machen: Ich
wollte wieder gesund werden.
Bedingt durch die erfolgreiche
Behandlung
und
gute
Beratung, konnte ich freier,
offener und ohne Angst über
die Gründe der Flucht berichten
und stellte einen neuen
Asylantrag. Dieser wurde 2001
anerkannt. Seit dieser Zeit
wohnen wir in einer schönen
75 m² großen Wohnung. 2002
kam mein Mann nach
Deutschland, er hat eine
Aufenthaltserlaubnis erhalten.
Unser ältester Sohn hat eine
Genehmigung
wegen
Familienzusammenführung
und der Jüngste, genau wie
ich, unbefristeten Aufenthalt.
Die letzten Jahre waren für
mich sehr interessant! Ich
habe einen lieben und
verlässlichen Freundeskreis
gefunden; Aktivitäten in der
Flüchtlingsberatung, im
Internationalen Arbeitskreis
und bei der Arnsberger Tafel
bestimmen einen großen Teil
meines Lebens. Durch meine
ehrenamtliche Arbeit lerne ich
viele Menschen kennen, die
nicht nur materielle Hilfe
brauchen, sondern auch
Zuwendung: Zuhören, wenn sie
traurig oder verzweifelt sind,
sie in den Arm nehmen und
ihnen Mut machen. 2007 ist
ein großes Jahr für mich; dann
kann ich endlich den Antrag auf
deutsche Staatsbürgerschaft
stellen. Ich will beweisen, dass
ich ein guter deutscher
Staatsbürger geworden bin.
Wo haben Sie so gut
Deutsch gelernt ?
In der Volkshochschule. Mir ist
schnell bewusst geworden,
dass ich für mich und meine
Familie mehr erreichen kann,
wenn ich die Sprache meines
Gastlandes beherrsche.
Sicht
Nr. 32 Seite 20
Bei Hempels unterm Sofa
Waltraud Ypersiel
Samstagmorgen, auf dem Neheimer Wochenmarkt standen
zwei Frauen am Gemüsestand
und tratschten. Zufällig hörte
ich, wie sie über eine mir
fremde Familie herzogen, bei
denen es etwas ungewöhnlich aussieht. In
diesem Zusammenhang
fiel der Spruch: „Da sieht
es aus wie bei Hempels
unterm Sofa.“
Am liebsten hätte ich mich
in das Gespräch eingemischt und gefragt: „Wie
sieht es denn aus, bei den
Hempels unterm Sofa?“
Ich könnte mir vorstellen ein
paar Staubflocken, Chips und
vielleicht eine leere Bierflasche
von der letzten Party. Aber wie
gesagt, ich kenne die Hempels
nicht.
Meine zweite Frage wäre
gewesen: „Wie sieht es denn
bei ihnen aus, unter dem
Sofa?“ Was unter meinem
Sofa liegt, weiß ich. Da ist die
große Leiter, die ich brauche
zum Fensterputzen und um den
Staub auf den Schränken zu
entfernen. Da überwintern auch
die Kissen für die Stühle vom
Balkon. Außerdem der
Werkzeugkasten und die
Bohrmaschine, denn selbst ist
die Frau. Ich bin in der
glücklichen Lage, zwei Sofas
mit viel Platz darunter zu haben.
Bei einer Bekannten, die auch
keinen Abstellraum hat, liegt
das im Angebot gekaufte
Toilettenpapier, fein gestapelt,
unter dem Sofa.
Ein Freund, mit dem ich
darüber sprach, sagte mir,
dass er die Ersatzteile
seines Motorrades dort
untergebracht hat. Schön
warm und trocken, damit sie
nicht rosten. Sein Keller ist
zu feucht.
Ich weiß nicht, was andere
Leute unter ihrem Sofa
geparkt haben. Da sind ein
paar Staubflocken doch
ganz harmlos.
Ob ich die zwei Frauen mal
anspreche?
Ich möchte zu gerne wissen,
wie es bei Hempels unterm
Sofa aussieht.
Albert H. Hoffmann stöbert gern in Archiven.
Hier eine Kostprobe:
Der Name der Stadt Neheim
Vor vielen hundert Jahren lebten auf dem
Hemberge mehrere Ritter mit ihren Familien.
Sie nannten ihr Heim, weil es auf dem Berge
lag, Bergheim. – Als der Graf von Arnsberg am
Zusammenfluss von Ruhr und Möhne eine
Burg erbaute, zogen einige Ritter ins Tal und
gaben ihrer neuen Heimat den Namen
Neheim, d. h. Neuheim. Andere, die an dem
Bach, der nordwestlich von Neheim in die Ruhr
mündet, ein neues Heim gefunden hatten,
nannten ihre Siedlung Bachum, das heißt
Bachheim.
(Heimatbuch der Stadt Neheim)
Foto: Bernd Kipper
Sicht
Nr. 32 Seite 21
Dampf ablassen
Waltraud Ypersiel
Also, ehrlich mir reicht es! Jetzt
möchte auch ich einmal Dampf
ablassen.
Ich bin zwar nur ein Stück Stoff
und bestehe halb aus
Baumwolle und Leinen, aber
den Dampf bekomme ich
schon seit vielen Jahren zu
spüren. Meiner Besitzerin fällt
es schwer, mich ohne
Dampf glatt zu bekommen.
Warum ich mich jetzt zur
Wehr setze ist ganz klar.
Man stelle sich einmal einen
wunderschönen Vorhang
vor, zartbeige mit herrlichen
bunten Blüten bedruckt.
Wenn ich vor dem Fenster
zugezogen war, kamen
meine schönen Blumenmuster so richtig zur Geltung. So hing ich da viele
Jahre.
Dann eines Tages wurde ich
abgenommen, in eine enge
Trommel gesteckt, mit Wasser
begossen und hin und her
bewegt, so dass mir
schwindlig wurde, aber da
nahm keiner Rücksicht drauf.
Im Gegenteil es wurde
schlimmer, die Maschine
schleuderte mich so fest und
lange bis ich fast trocken war.
Dann hatte meine Besitzerin
Erbarmen und ich durfte auf
der Leine in der Sonne hän-
gen. Jetzt kamen meine Blumen auch wieder schön zur
Geltung. Die Farben leuchteten. Als ich trocken war, spürte
ich wieder den Dampf des
Bügeleisens, aber den kannte
ich ja schon.
Aber was war das? Ich wurde
zerrissen, nein zerschnitten.
Aus mir wurden viele kleine
Stücke gemacht. Mit einer
Nähmaschine umsäumt sollen
diese von nun an als Geschirrtücher dienen.
In der Villa Bremer und bei der
Arnsberger Tafel sollen sie zum
Einsatz kommen. Dort gibt
es immer viele Tassen zu
spülen und abzutrocknen.
Ich bin froh, das ich auf
diese Weise noch nützlich
sein kann und nicht in der
Reißmaschine gelandet
bin. Als Vorhang gefiel ich
mir auf jeden Fall viel
besser. Jetzt hat man mitten
durch meine schönen
Blumen geschnitten, wir
wurden getrennt. Ab und zu
treffen
wir uns in der
Waschmaschine wieder. Nach
dem Trocknen gibt es dann
auch wieder Dampf.
Meiner ist nun verpufft!
Lösungen zu ? bunt gemischt !
1. Aus Schweden!
2. Seit 1963!
3. Tropischer Wirbelsturm in der Karibik!
4. In Venedig!
5. Tarzan!
6. AB!
7. 6,16!
8. Eine grüne Zitronenart!
9. In Leipzig!
10. Otto von Guericke!
11. Carl Spitzweg!
12. Europäische Polizeibehörde!
13. 17 Wochen!
14. Den Haag!
15. Alphorn!
16. 28 Jahre!
17. Drei Herrscher!
18. Alfred Nobel!
19. 23 Grad!
20. Wandöffnung zum durchreichen von Speisen!
Sicht
Nr. 32 Seite 22
Gespräch unter vier Augen
Marita Gerwin
Samstag-Nachmittag. Ende
April - ein wunderschöner
Sonnentag. Wir haben uns
verabredet: 14:00 Uhr im
Rosengarten des MuseumsCafés in Arnsberg. Birgit und
ich! Lange haben wir uns nicht
mehr gesehen, ein wenig „aus
den Augen verloren“. Zufällig
liefen wir uns gestern in der
SchulStadtBücherei über den
Weg.
Gesagt - getan! Auf dem
Ruhrradweg strampele ich auf
meinem „alten Drahtesel“ nach
Arnsberg. Pünktlich und in
froher Erwartung sitze ich nun
da. „Mein Gott, wie lange ist
das her, dass wir uns zum
letzten Mal getroffen haben.
Wie alt mag Birgit jetzt sein?
Sicherlich geht sie „stramm auf
die 65 zu“, denke ich, als sie
mit ihrem Rennrad in den
Museumshof einbiegt. Gut
gelaunt winkt sie mir schon zu.
„Hallo, da bin ich! Etwas zu
spät, aber ich musste vorher
noch eben dies und das und
jenes erledigen. Aber jetzt bin
ich hier!“ „Fit wie ein
Turnschuh“, schießt es mir
durch den Kopf. Nichts von
dem: wenn erst einmal
regelmäßig die Rente aufs
Konto überwiesen wird und
wenn das Diktat des
Terminkalenders entfällt und
wenn man den ganzen Tag lang
machen muss, was man will!
Wir genießen unseren
Cappuccino und den leckeren
Apfelstrudel mit Vanilleeis und
Sahne - hmmmm! Dieser
Nachmittag ist eine Sünde
wert. Was soll’s - die Kalorien
strampeln wir auf dem
Rückweg wieder ab.
Das Panorama der Arnsberger
Neustadt vor Augen, der Blick
auf die Turmuhr der Bezirksregierung - sie zeigt gerade
14:30 Uhr an! Wir haben den
ganzen Nachmittag noch vor
uns. „Ist das schön hier - wir
leben heute wie „Gott in
Frankreich“, schwärmt Birgit.
Wir erfreuen uns an den
Skulpturen von Rudi Olm im
Rosengarten. „Haute Couture“,
hat er sie genannt. Lustig,
witzig sind sie. „Beim nächsten
Kunstsommer besuche ich
auch seinen Workshop in der
Eichholzstraße. Das möchte
ich unbedingt lernen“, so Birgit.
„Ich habe es schon einmal
ausprobiert. Es war eine tolle
Erfahrung“, ermutige ich sie.
Wir sehen uns schon mit
Schweißhelm, Bohrmaschine,
Schleifapparat vor dem
Schraubstock. Das kann ja
lustig werden. Unsere Fantasie
geht mit uns auf Reisen. Birgits
Gedanken schweifen in die
Zukunft: „Ich habe ja ab Juni
Zeit! Viel Zeit! Ich gehe in den
„wohlverdienten“ Ruhestand!
Aber eins sage ich dir: Ich weiß
genau, was ich nicht will,
nämlich
• einen Seniorenteller serviert bekommen.
• Mode im Landhausstil
tragen.
• einer Einladung zur Seniorenfeier mit Diavortrag
und Bingo-Spiel folgen.
• dauernd von dem erzählen,
was ich früher alles getan
und geleistet habe!
Nein, das Alles bitte ohne
mich!“
Ich lache laut auf. Ich stelle mir
Birgit beim Bingo-Spiel in einer
Hotel-Lounge im Winterquartier auf Mallorca vor! Unsere
Blicke treffen sich. Verschmitzt
und trotzig platzt es aus ihr
heraus: „ Nein, bestimmt nicht,
niemals!“
Meine Frage: „Aber was
dann?“, beantwortet sie ohne
zu zögern: „Ja, ich habe schon
Träume: Fit und gesund bliebe
ich natürlich gerne. Ich träume
von einer Alters-WG - mit
Sicherheitsabstand! Wo man
sich hilft und tröstet, wenn es
nötig ist. Wo Platz ist, um auch
auf Zeit Menschen zu
beherbergen, die gerade Ruhe
und Zuflucht brauchen. Wo man
sich gelegentlich zum
gemeinsamen Essen oder
anderen Freizeitgestaltungen
trifft. Denn es ist nicht gut, wenn
der Mensch im Alter dauernd
allein is(s)t. Das macht einsam!
Die Kinder, Tim und Helena,
mit meinen Enkelkindern
(möglichst viele) sollten in
erreichbarer Nähe wohnen. Ja,
geistig fit bliebe ich gern und
neugierig auf Alles, was um
mich herum und in der Welt
passiert. Irgendwann möchte
ich gern - ohne großen
Pflegeaufwand - einfach
einschlafen, möglichst in den
Armen meines Mannes Uwe.“
Ich habe schweigend zugehört:
„Ja, das sind Träume!“ Wir
bestellen uns Rotwein; es ist
gerade so gemütlich. Niemand
stört uns. Wir sitzen allein im
Rosengarten während unserer
Zeitreise in die Zukunft. Der
Mensch braucht Visionen!
Sicht
„Ich werde künftig alle
Telefonnummern wieder
auswendig lernen, statt sie
einfach ins - ach so bequeme elektronische Telefonregister
einzutippen. Früher kannte ich
alle Nummern und Geburtsdaten meiner Freunde und
Verwandten. Und heute? Alles
vergessen! Muss ich ja auch
nicht mehr wissen. Mein
Terminplaner und mein Handy
erinnert mich schon daran! Ich
werde nicht nur stundenlang
Kreuzworträtsel lösen oder
Seminare für Gedächtnistraining besuchen,
sondern mich täglich neuen Herausforderungen stellen,
Freunde treffen,
mich auseinandersetzen mit Dingen,
die mich interessieren!“ Birgit redet
wie ein Wasserfall.
Mein Kommentar:
„Ich ahne es, es
reicht nicht, den
ganzen Tag nur das
zu machen, was ich
will! Das kann
Stress pur sein. Ich denke
auch, dass wir durchaus einen
Rhythmus brauchen, um nicht
aus dem Takt zu kommen. Der
darf ruhig etwas langsamer
sein. Wir brauchen eine Tagesstruktur in dieser neuen Lebensphase.“
Birgit lehnt sich zurück, legt
beide Hände hinter den Kopf
und blinzelt in die Sonne. Mit
fester Stimme sagt sie „Eins
steht fest, ich werde mich engagieren, irgendwo in Arnsberg. Möglichkeiten gibt es ja
genug - wie ich weiß. Mal
schauen, ich lasse mir Zeit, probiere vielleicht verschiedene
Dinge aus. Zeit!“ Sie schließt
Nr. 32 Seite 23
die Augen. „Ja, Zeit, die mir im
jetzigen Alltag durch Beruf und
Familie fehlt. Ich habe ein
offenes Ohr für alles Neue.
Vielleicht ist es auch eine
Chance, in Lebenswelten hineinzuschnuppern, die mir bisher verborgen und verschlossen sind. Ich bin sicher,
so manche Tür wird sich für
mich auf tun, aber ich weiß
auch, dass ich selbst hineingehen muss.“ Ich beneide
Birgit. Sie hat Zeit für Kontakte,
für Kultur, für den Garten, für
Freunde, für das süße
Nichtstun, für die noch nicht
gelesenen Bücher, dafür spontan eine Einladung annehmen zu können, nicht auf
die Uhr schauen zu müssen.
„Genieß es, gönn dir diese
Freiheit bei all dem
Engagement im Alter.“
Birgit freut sich spitzbübisch
darauf. Doch etwas Nachdenkliches schwingt in ihrer
Stimme mit, als sie in Gedanken versunken mit Blick auf
ihren pflegebedürftigen 93-jährigen Vater äußert. „Na, ja, wer
weiß, wir werden demnächst
alle hundert Jahre alt. Vielleicht
ist meine letzte Station eben
doch das Pflegeheim. Wer
weiß es? Niemand kann in die
Zukunft schauen. Ich möchte
gern dankbar auf das zurückblicken können, was gewesen
ist. Ohne Starrsinn und Besserwisserei, ohne Bitterkeit, ohne
Neid auf die, die besser dran
sind als ich.“
So weit hatte ich bisher nicht
in die Zukunft geschaut. Wir
leben im Hier und Jetzt. So nah
war ich bisher noch nicht „am
Thema“.
Birgit hat die bevorstehende
neue Lebensphase
näher betrachtet und
sich ihre eigenen
Gedanken gemacht.
Ganz ruhig und
besonnen redet sie
weiter: „Ja, Hilfe
annehmen, wenn es
eines Tages erforderlich ist. Loslassen
können, nicht an
Dinge klammern, die
ich besitze! Eine
Patientenverfügung
und Vorsorgevollmacht habe ich schon
in den vergangenen Monaten
im Wendepunkt ausgefüllt“,
lacht sie. „Ich möchte ohne
Groll und „lebenssatt“ eines
Tages sagen können: Das bin
ich, das ist mein Leben, das
alles gehört zu mir, hat mich
geprägt. Jede Falte eine
Lebensspur!“
Zwei Stunden sind vergangen
- wie im Flug. Unsere Gläser
sind leer.
„Die Fahrräder lassen wir
besser stehen“, flüstere ich
Birgit zu!
Schön war es! Ein Gespräch
unter vier Augen! Wir sind uns
vertrauter denn je!
Sicht
Nr. 32 Seite 24
- Service
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INFORMATIONEN + TERMINE
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VHS-Filmforum
In Zusammenarbeit mit dem Apollo-Filmtheater Neheim, Goethestraße, zeigt die VHS vor
der Sommerpause noch zwei wertvolle und
prämierte Filme:
Am 5. Juni „La vie en Rose“ und 19. Juni
„Der letzte König von Schottland“. Jeweils um 17:00 und 20:00 Uhr.
Spielnachmittag im
Pflegezentrum am Springufer
Alle 14 Tage montags ab 15:00 Uhr treffen sich
Seniorinnen und Senioren in der Cafeteria des
Pflegezentrums zum Spielen. Am 11. Juni und 25.
Juni 2007. Auskunft: 02932 83065
Da die SICHT erst wieder im Juni erscheint sind
nur die Termine ab Juni angegeben. Die Spielnachmittage finden natürlich auch in den Monaten davor und danach statt.
Seniorentanz
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Seit vielen Jahren leitet Frau Lam
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15:00 bis 17:00 Uhr. Näheres erfa
unter 02932 27980.
Messe
„Alter hat Zukunft“
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Tanztee in der Villa Bremer
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Kapellenstraße 16
Jeden 3. Donnerstag ab 16:00 Uh
r spielen
die Arnsberger Stadtmusikanten zum
Tanz
auf. Am 21. Juni (Juli und Augu
st Sommerpause), 20. September, 18.
Oktober
und 15. November 2007.
16. Juni 2007 . 11-18 Uhr
17. Juni 2007 . 14-19 Uhr
Schützenhalle Hüsten
Eintritt frei