zusammenfassung/summary - Netzwerk Europäischer Tourismus

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zusammenfassung/summary - Netzwerk Europäischer Tourismus
EU-Projekt
„Sanfte Mobilität in Tourismusorten und -regionen“
Endbericht
„Modellprojekt: Maßnahmen zur Optimierung des Verkehrssystems in
Tourismusregionen und zur Profilierung von Tourismusorten mit sanfter Mobilität“
in Österreich, Deutschland, Italien
Kurzbezeichnung EU-Projekt: Sanfte Mobilität
gefördert durch die Europäische Kommission
im Rahmen des Aktionsplans der Gemeinschaft zur Förderung des Tourismus (1995)
Aktionsklasse: Verkehrsmanagement
(95/C 106/09)
ARGE Sanfte Mobilität
ÖAR-Regionalberatung GmbH
Projektkoordination
Dipl.Ing. Karl Reiner
Juli 1997
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Inhalt
ZUSAMMENFASSUNG/SUMMARY .......................................................................................... 2
VORWORT ................................................................................................................................ 3
I. PROJEKTSCHRITTE UND WICHTIGE ARBEITSPAKETE.................................................... 4
II. KONZEPTE UND LÖSUNGSANSÄTZE ................................................................................ 7
1. Zur Analysemethodik.............................................................................................................................7
2. Allgemeine Daten und Trends des Tourismus ......................................................................................9
3. An- und Abreise...................................................................................................................................11
4. Öffentlicher Verkehr (ÖV) am Ort bzw. in der Region.........................................................................23
5. Marketingaspekte ................................................................................................................................26
6. Akzeptanz / Innenmarketing ................................................................................................................35
7. Neue Technologien / Innovationen......................................................................................................38
III. ERGEBNISSE - MAßNAHMEN UND PROJEKTE
IN DEN MODELLORTEN UND -REGIONEN...................................................................... 42
1. Ergebnisbericht Region Lungau ..........................................................................................................44
2. Bericht Inneres Salzkammergut (REGIS)............................................................................................55
3. Ergebnisbericht Partnergemeinde Werfenweng..................................................................................63
4. Ergebnisbericht Partnergemeinde Bad Füssing..................................................................................96
5. Ergebnisbericht Partnergemeinden Bodenmais und Zwiesel ...........................................................114
6. Ergebnisbericht Partnergemeinde Oberstdorf...................................................................................134
7. Ergebnisbericht Partnerregion Hochpustertal ...................................................................................151
8. Ergebnisbericht aus den ERFA-Partnergemeinden ..........................................................................159
IV. KOMMUNIKATIONSKONZEPT TOURISMUS MIT SANFTER MOBILITÄT..................... 167
1. Auftrag und Ziel des Kommunikationskonzeptes ..............................................................................167
2. Die Nachfragerseite (Ergebnisse der Gästebefragung) ....................................................................168
3. Die Angebotsseite (Maßnahmen bei den Partnergemeinden) ..........................................................172
4. Beispiele für „autofreie“ Ferienphilosophie........................................................................................176
5. Checklisten ........................................................................................................................................179
V. ERFAHRUNGEN AUS DEM PROJEKT UND ZUKUNFTSVISIONEN............................... 180
1. Zusammenfassende Projekterfahrungen ..........................................................................................180
2. Visionen für die Zukunft.....................................................................................................................182
ANHANG / BEILAGEN .......................................................................................................... 189
ARGE „Sanfte Mobilität“
1
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
ZUSAMMENFASSUNG/SUMMARY
Das Modellprojekt Sanfte Mobilität hatte als wesentliche Zielsetzung die Intensivierung des
Erfahrungsaustausches und die weitere Vernetzung der Initiativen in Richtung nachhaltigen
Qualitätstourismus. Entsprechend der Reise-/Dienstleistungskette wurde die inhaltlichen Arbeit
nach folgenden Schwerpunkten strukturiert: An-/Abreise, Mobilität vor Ort und Marketing/Kommunikation.
Die „üblichen“ Schwierigkeiten bei der Sicherung der Kofinanzierung konnten bereits in der ersten Projektphase überwunden werden. Neben den beteiligten Tourismusorten konnten auf
nationaler Ebene finanzielle Beteiligungen (Bayrisches Wirtschaftsministerium, Österreichisches
Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie, Amt der Salzburger Landesregierung, Provinzregierung Südtirol) erreicht werden. Die Bemühungen zur Sicherung der Finanzierung des
Projektes hatten vielfältige Kontakt- und Informationsmöglichkeiten zur Folge. Damit konnten
viele Gemeinden und öffentliche Institutionen über Ziele und Inhalte direkt informiert werden.
Für die gegenseitige Kommunikation waren die Partnertreffen (April 1996 in Innichen Südtirol/Alto Adige, Dezember 1996 Werfenweng/Salzburg und Juli 1997 Zwiesel/Bayern) sehr wichtig. Im Mai/Juni 1996 haben in Österreich, der Schweiz und Deutschland Tagungen zum Thema
Mobilität und Verkehr in Tourismusorten stattgefunden. Im Mai 1997 fand auf Initiative der Nationalparkverwaltung in Kaprun eine Fachtagung statt. Bei allen Veranstaltungen war auch die
ARGE Sanfte Mobilität vertreten.
Wesentliche Ergebnisse der Partnertreffen und der Tagungen wurden in den Projekt-Infos dokumentiert. Die Ergebnisse des 2. Partnertreffens in Werfenweng wurden, angereichert um
weitere Beiträge zum Thema, als Werkstattbericht in Kooperation mit ECOTRANS in einer Auflage von 900 Stück erstellt. Damit konnten die wesentlichen Zielsetzungen und Zwischenergebnisse einem breiten Interessentenkreis zugänglich gemacht werden.
Die konkrete Arbeit mit den Modellpartnern konnte aufgrund des Arbeitsprozesses erst ab Juni
1996 begonnen werden. Es wird versucht, die Ressourcen auf verkehrliche Maßnahmen und
Marketingmaßnahmen zu streuen. Damit soll ein breites Maßnahmenmix konkret mit den Modellpartnern in der Praxis getestet bzw. gemeinsame Umsetzungsschritte realisiert werden1. Die
geplanten Teilprojekte reichen von Informationspaketen für den regionalen öffentlichen Verkehr
(REGIS), Erstellung von Anreiselogistikkonzepten (Werfenweng) bis hin zur Entwicklung von
innovativen, sanften Mobilitätsangeboten für den Gast (Arber Card, Ski-/Sommerbus Hochpustertal, Radtourismus Oberstdorf, Tälerbus Lungau). Neben den gemeinsam erstellten Konzepten konnte auch eine breitere Motivierung der Tourismusverantwortlichen und der Bevölkerung erreicht werden. Nicht alle geplanten Maßnahmen konnten auch schon umgesetzt werden.
Es muß allerdings betont werden, daß gerade bei Verkehrsprojekten der Faktor Zeit eine sehr
große Rolle spielt, da viele Maßnahmen große Konfliktpotentiale aufweisen und teilweise enormer Finanzmittel bedürfen.
Das Projekt war in der Realisierung seiner Zielsetzungen insgesamt erfolgreich. Das Interesse,
gemeinsam weiterzuarbeiten, ist vorhanden. Ein Nachfolgeprojekt ist in Planung: Europäisches Netzwerk Tourismusorte mit Sanfter Mobilität.
1
siehe dazu Übersicht Arbeitsprogramm Modellpartner Kaptitel III
ARGE „Sanfte Mobilität“
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ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
VORWORT
Der Abschlußbericht für das im Rahmen des Aktionsplanes der Europäischen Gemeinschaft zur
Förderung des Tourismus 1995 unterstützte „Modellprojekt: Maßnahmen zur Optimierung
des Verkehrssystems in Tourismusregionen und zur Profilierung von Tourismusorten
mit sanfter Mobilität“ in Österreich, Deutschland, Italien stellt eine Fortschreibung bzw. Aktualisierung des 2. Zwischenberichtes (Oktober 1996) dar. Für die Modellpartner wurden teilweise Detailberichte erstellt. Die Ergebnisse sind in komprimierter Form im Endbericht eingearbeitet.
Einen inhaltlich zusätzlichen Teil stellt das Kommunikationskonzept Tourismusorte mit Sanfter
Mobilität (Kapitel IV) dar. Wesentlicher Teil davon ist eine im Rahmen des Projektes durchgeführte Gästebefragung. Zu diesem Thema gibt es kaum Primärinformationen, insofern lassen
diese Ergebnisse - auch wenn diese nicht repräsentativ für den ganzen Alpenraum sind - wichtige Hinweise für die Marketingarbeit zu.
Es ist nicht möglich, alle Inhalte und Ergebnisse, welche im Rahmen des Projektes erarbeitet
wurden, im Detail im Abschlußbericht darzustellen. Der Gesamtbericht wird als Summe aller im
Rahmen der 18 monatigen Projektlaufzeit dokumentierten Arbeiten verstanden. Als ein wesentlicher Teil davon ist die laufende Kommunikation (Telefon, Rundfax, Projekt-Infos) zu betrachten.
Ergänzt wird dieser Abschlußbericht durch einen Finanzbericht und ein Panoptikum (kleiner
Bildband mit Presseberichten) des Projektablaufes.
Der ÖAR-Regionalberatung GmbH als Projektkoordinator und projektverantwortliche Organisation war von Anfang an klar, daß das Thema und die Vielzahl an Partnern einen großen Einsatz
erfordern würde, um die gesetzten Ziele und formulierten Erwartungen einigermaßen zu erfüllen. Die Vorarbeiten bei der Einreichung des Projektes hinsichtlich Auswahl der Projektpartner
hat sich bezahlt gemacht. Das Engagement und die Zusammenarbeit hat die Erwartungen aus
Sicht der Projektkoordination sogar übertroffen. Das Interesse der Partner sowie sonstiger am
Thema engagierter Tourismusorte und Organisationen rechtfertigen es, die Arbeit für eine
Sanftere Mobilität als Bestandteil eines nachhaltigen Qualitätstourismus fortzusetzen.
ARGE „Sanfte Mobilität“
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ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
I. PROJEKTSCHRITTE UND WICHTIGE ARBEITSPAKETE
In diesem Kapitel werden tabellarisch die wesentlichen Arbeitsschritte seit dem Projektstart am
8./9. Jänner 1996 dargestellt.
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Jänner 1996: Interner Startworkshop
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Februar 1996: Koordinatorentreffen in Brüssel/DGXIII/Abt. Tourismus
!
Analysephase
Auswertung der Sekundärdaten/Literatur: Die Fachliteratur sowie relevante Fach- und Zeitungsartikel wurden laufend gesammelt und ausgewertet. Die Ergebnisse fanden sich einerseits teilweise in den Berichten, andererseits werden diese, soweit sinnvoll, in den Arbeitssitzungen verwendet bzw. weitergegeben. Zum Beispiel wurde eine Kurzfassung einer
aktuellen Arbeit (R. Kautzky, Autofreie Tourismusorte in Österreich - Utopie oder Chance?
Eine Vergleichsstudie Schweiz - Österreich) allen Modellpartnern zur Verfügung gestellt.
Marktforschung/Befragungen:
Bei der Gemeindebefragung wurden wichtige Meinungsbildner sowohl bei allen Modellpartnern (Region Lungau, REGIS-Regionaler Entwicklungsverein Inneres Salzkammergut,
Region Hochpustertal sowie die Gemeinden Werfenweng, Bad Füssing, Bodenmais,
Oberstdorf und Zwiesel) als auch bei allen ERFA-Partnern (TV Tannheimertal, Bad Reichenhall, Frauenau und Mittenwald) zu ihrer Meinung über geplante bzw. bereits durchgeführte Verkehrsprojekte in ihrer Gemeinde / Region befragt. Diese Befragung war keine repräsentative Befragung, sondern hatte zum einen vielmehr zum Ziel, die aktuelle Verkehrsproblematik bei „Multiplikatoren“ bewußt- und bekanntzumachen. Zum anderen soll durch
diese Erhebung den Entscheidungsträgern jeder einzelnen Gemeinde / Region ein zusätzlicher „Meinungsspiegel“ der eigenen Bevölkerung geboten werden. Diese können sodann
die Erkenntnisse der Erhebung in zukünftiger Öffentlichkeitsarbeit besser berücksichtigen.
Darüber hinaus konnte durch die finanzielle Beteiligung des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie auch eine Primärerhebung bei den Gästen durchgeführt werden. 7 Partner (Region Lungau, Werfenweng, Bad Goisern, Bodenmais, Zwiesel, Tannheim
und Mittenwald) beteiligten sich an der Gästebefragung. Erste Ergebnisse der Sommerbefragung wurden auf dem 2. Partnertreffen in Werfenweng vorgestellt. In dieser Befragung
werden verschiedene Verkehrsberuhigungsszenarien dargestellt, unter denen der Gast
unter Abwägung der Vor- und Nachteile des jeweiligen Szenarios wählen soll. Auch auf
diese Weise soll den Entscheidungsträgern eine profunde Entscheidungsunterstützung geboten werden.
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Des weiteren wurden von den Projektkoordinatoren ÖAR und FUTOUR zwei gleichzeitige,
voneinander unabhängige „Mystery guest“ - Anfragen an alle Partner mit einer Gastanfrage nach Anreisemöglichkeiten mit Öffentlichen Verkehrsmitteln gestellt, anhand deren
Beantwortung Verbesserungsvorschläge erstellt werden.
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Projektfolder: Der Projektfolder war durch ein eigenes Projektlogo und die kurze Darstellung der Zielsetzungen, Projektinhalte sowie der beteiligten Projektpartner für die Kommunikation des Themas nach Innen wie nach Außen sehr wertvolles Mittel.
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März 1996: Präsentation des Projektes auf der ITB ´96
ARGE „Sanfte Mobilität“
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ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
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Partnerbroschüre: Zu Beginn des Projektes wurde eine Broschüre mit den wesentlichen
Informationen der beteiligten Partner erstellt.
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April 1996: 1. Partnertreffen - Tagung in Innichen, Südtirol. Hier haben sich die meisten
beteiligten Personen kennengelernt. Der persönliche Kontakt ist für den Erfahrungsaustausch eine wichtige Voraussetzung
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Mai/Juni 1996: 1. Zwischenbericht/process report
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Mai/Juli 1996: Planung des konkreten Arbeitsprogramms in den Modellorten/-regionen:
Wie geplant konnten in den Modellorten lokale Projektgruppen aufgebaut und in gemeinsamen Arbeitssitzungen die Arbeitsprogramme festgelegt werden. Es konnte insgesamt
ein breites Maßnahmenmix (siehe Kapitel III Maßnahmen und Projekte) erreicht werden.
Die einzelnen Maßnahmen konnten teilweise bereits im Rahmen der Projektlaufzeit auch
umgesetzt werden.
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ab Juli 1996: Arbeit in den Modellorten an Teilprojekten
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Juli 1996 - Juni 1997: Gästebefragung in 7 Partnergemeinden
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Oktober 1996: 2. Zwischenbericht/process report
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April 1996 bis Juli 1997: 6 Projekt-Info
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1.12.1996: ECOTRANS Jahrestagung Tourismus und Mobilität
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2./3.12.1996: 2.Partnertreffen/Tagung Tourismus und Mobilität Werfenweng
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März 1997: Präsentation Broschüre Tourismus und Sanfte Mobilität ITB 97
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Juni 1997: 3. Partnertreffen/Abschlußtagung Zwiesel
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Kommunikationskonzept Sanfte Mobilität in Tourismusorten
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Juni 1997: Abschlußbericht und Teilberichte (zB. Anreiselogistik Werfenweng)
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Abrechnung mit EU - Finanzbericht
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Ab Juni 1997: Aufbau Europäisches Netzwerk „Tourismusorte mit sanfter Mobilität„
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Herbst 1997: Erarbeitung Detailkonzept Start Europäisches Netzwerk „Tourismusorte mit
sanfter Mobilität“
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Projekt-Kommunikation
Projekt-Info: Die Projektinformationen waren neben den Direktkontakt, das wichtigste schriftliche Kommunikationsmittel. Insgesamt wurden 6 Ausgaben erstellt. Das Projekt-Info Nr. 6
wird den Abschußbericht darstellen und im Juli 1997 den Partnern übermittelt.
Für das „Modellprojekt: Maßnahmen zur Optimierung des Verkehrssystems in Tourismusregionen und zur Profilierung von Tourismusorten mit sanfter Mobilität“, dessen Ziel wesentlich
auf den Erfahrungsaustausch der beteiligten Partner ausgerichtet ist, kommt der internen
sowie externen Kommunikation größte Bedeutung zu. Um diesen Erfahrungsaustausch sicherzustellen, wurden insbesondere folgende Instrumente eingesetzt : 3 gemeinsame Partnertreffen bzw. Fachtagungen, Projekt-Info Sanfte Mobilität, laufende Kontakte zu den
Partner per Telefon , Fax und e-mail.
ARGE „Sanfte Mobilität“
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ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
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Process Report - Endbericht
Öffentlichkeitsarbeit/Kontakte
Die Zielsetzungen und Inhalte des Projektes Sanfte Mobilität bzw. dessen Partner wurden
bereits in der Phase der Suche nach Finanzierungspartnern bei wichtigen Öffentlichkeiten
kommuniziert. Während der Projektlaufzeit wurde das Projekt bei wichtigen Veranstaltungen präsentiert. Bei den wichtigsten Veranstaltungen im Deutschland, Schweiz und Österreich waren Vertreter der ARGE Sanfte Mobilität als Referent oder Teilnehmer anwesend.
In der 2. Projektphase wurden zunehmend Kontakte mit nationalen Stellen, Expertenorganisationen und Vertriebspartnern aufgebaut. Aktuell stößt das Thema Verkehr und Tourismus bzw. Autofreier Tourismus auf großes Interesse auf. Dies gilt sowohl für Tourismusorte
und Experten, als auch teilweise für öffentliche Stellen. Interessierten Institutionen bzw.
Personen wurde sowohl der Projektfolder als auch aktuelle Projekt-Infos übermittelt.
Kontakte zur Presse wurden vor allem auf örtlicher und regionaler Ebene in den Modellregionen gesucht. Es wurden zum Projekt eine Reihe von Presseartikel und Radio- wie Fernsehbeiträge veröffentlicht.
ARGE „Sanfte Mobilität“
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ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
II. KONZEPTE UND LÖSUNGSANSÄTZE
Wesentliche Analyseergebnisse
Bearbeitung: Christian Weinberger
In diesem Kapitel werden die im Laufe des Projektes recherchierten Daten und Beispiele in
komprimierter Form zusammengefaßt.
1.
Zur Analysemethodik
Die Analyse über Marktchancen und Erfordernisse an Angebote mit „sanfter Mobilität“ setzt sich
aus folgenden Elementen zusammen:
• Allgemeine Daten und Trends mit Bezug zu „sanfter Mobilität“
Rückschlüsse zur Entwicklung jener Nachfragesegmente, die für Angebote mit „sanfter Mobilität“ von Interesse sind, wurden u.a. aus der „Gästebefragung Österreich“ (GBÖ), Sommer 1994,
aus „Die Reiseanalyse - Urlaub + Reisen 96“ (F.U.R., Hamburg), aus Schrand Axel´s „TouristikMarketing“, München 1992, der Informationsbroschüre der Wirtschaftskammer Österreich „Tourismus in Zahlen“, März 1996, aus der Studie „Bevölkerung & Mobilität im 21. Jahrhundert“
(ÖAMTC Akademie) sowie zahlreichen Fachartikeln gezogen. Weiters finden auch Erfahrungen
aus den Experteninterviews in dieser Analyse Berücksichtigung.
• Ergebnisse Literaturauswertung
Hierbei wurden von der Projektleitung, der ÖAR Regionalberatung GmbH., sowie den Partnerbüros FUTOUR, dem Planungsbüro Lang/Keller/Burkhardt und TRAFICO Verkehrsplanung interessante Beispiele zum Thema „Sanfte Mobilität“, vorwiegend aus dem deutschsprachigen
Raum, zusammengestellt.
• Expertenbefragung
Zusätzlich zu den Literaturrecherchen wurden einzelne mündliche Tiefeninterviews mit Verkehrsexperten, sowie eine gleichzeitig durchgeführte schriftliche, halbstandardisierte Befragung von
Institutionen, die mit Verkehr befaßt sind, durchgeführt. Auch diese Befragungen richteten sich
nach den unten im Analyse-Raster angeführten Themenbereichen.
• Reisebüro- bzw. Veranstalterbefragung
Es wurde eine erste Befragungswelle auf der Vertriebsebene durchgeführt, um eventuell interessierte Vertriebspartner für mögliche „Sanfte Mobilitäts“-Packages zu identifizieren. Hierbei
zeigten sich nach der ersten Befragungswelle 10 österreichische und 2 deutsche Reisebüros
bzw. -veranstalter an entsprechend aufbereiteten Packages interessiert, wobei sich einige unter
diesen Beratungsleistungen bei der Konzeption derartige Packages vorstellen können. Zum
Projektabschluß wurde allen Reiseveranstaltern, die Interesse an dem Thema bekundeten, eine
Liste mit den Kontaktpersonen der Partnergemeinden zur Verfügung gestellt.
• Gemeindebefragung Partner
Es wurden in sämtlichen teilnehmenden Gemeinden relevante Meinungsbildner zum Thema
Verkehrsberuhigung, deren derzeitigen Stand, sowie notwendigen Maßnahmen befragt, um die
Meinung dieser wichtigen Multiplikatoren näher zu erfassen und an die kommunalen Entscheidungsträger zurückzuspielen.
• „Mystery guest“ - Erhebung
ARGE „Sanfte Mobilität“
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ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Um die eigenen Partnergemeinden in ihrem Kommunikationsverhalten für eine ÖV-Anreise genauer analysieren und beurteilen zu können, wurden von den Projektkoordinatoren FUTOUR
und ÖAR zeitgleich von einander unabhängige „verdeckte“ Gästeanfragen an alle Partnergemeinden gerichtet, bei welchen auch nach der ÖV-Anreisemöglichkeit gefragt wurde. Ziel dieser
Erhebung war vor allem, konkrete Vorschläge für eine verbesserte Kommunikation der vorhandenen ÖV-Angebote in den Prospekten bzw. in der allgemeinen Anfragebeantwortung zu unterbreiten.
• Gästebefragungen
Bei interessierten Partnern wurde eine Gästebefragung durchgeführt, um Gästeprimärinformationen in das Projekt einbeziehen zu können. Das österreichische Bundesministerium für Umwelt, welches sich primär am Kommunikationskonzept finanziell beteiligt, hat an einer Primärerhebung großes Interesse gezeigt. Es wurde ein allgemeiner Fragenblock entwickelt, dessen
Schwerpunkt verschiedene Verkehrsszenarien darstellen, wobei der Gast unter Abwägung der
Vor- und Nachteile seine Präferenz angeben mußte. Weiters wurde den beteiligten Modellpartnern die Gelegenheit geboten, spezielle, ortsspezifische Fragen einzubringen. Es wurde in der
Sommersaison 1996 und in der Wintersaison 1996/97 befragt und ein Rücklauf von 620 Fragebögen erzielt.
All diese Arbeitspakete dienten als Grundlage für die folgende Analyse der Ausgangssituation.
Das erste Arbeitspaket, neben der Projektvorbereitung, -planung und -koordination, bildete die
Analyse der aktuellen Situation im Bereich Tourismus und Verkehr. Die Analyse der Themenbereiche 1-6 wurde nach folgenden Methoden durchgeführt:
1. Allgemeine Daten und Trends des GBÖ, Reiseanalyse, Fachartikel, Expertengespräche,
Tourismus
sonst. Literaturanalyse
2. An- und Abreise
eigene Erhebung, GBÖ, Workshops der Tagungen,
Expertengespräche, sonst. Literaturanalyse
3. ÖPNV am Ort/in Region
eigene Erhebung, GBÖ, Workshops der Tagungen,
Expertengespräche, sonst. Literaturanalyse
4. Marketing
sonst. Literaturanalyse
5. Akzeptanz / Innenmarketing
Workshops der Tagungen, sonst. Literaturanalyse
6. Neue Technologien / Innovationen Fachartikel
Die Erhebung und Auswertung der relevanten Fachliteratur wurde von der ÖARRegionalberatung mit den anderen Experten abgestimmt. Dies war eine laufende Tätigkeit, um
neue Literatur und relevante Quellen zu berücksichtigen.
ARGE „Sanfte Mobilität“
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
2.
Process Report - Endbericht
Allgemeine Daten und Trends im Tourismus
Der Schweizer Tourismusforscher Jost Krippendorf hat zwei touristische Szenarien2 für die
Jahrtausendwende entwickelt, und zwar das „Trend-Szenario“ (Leben und Reisen in einer arbeits- und wachstumsorientierten Freizeitgesellschaft, in der Reisen Kompensation und Flucht
bedeutet), sowie das „Wende-Szenario“ (Leben und Reisen in einer ganzheitlich- und naturorientierten Lebensgesellschaft, in der Reisen der Bereicherung und Erfüllung dient).
Das „Trend-Szenario“ äußert sich in der touristischen Nachfrage durch eine Zunahme der Reisen, mehr Pauschalreisen, Auto- und Flugtourismus, Para- und Luxushotellerie, verstärkte Animation sowie in der „Have a good time- Ideologie“.
Dieses Szenario führt daher auch beim touristischen Angebot zu einem zunehmenden Bettenausbau, Technisierung der Landschaft, hohen sozialen Kosten, touristischen Monostrukturen,
kultureller Entfremdung sowie verstärkten Umweltschäden.
Dem gegenüber äußert sich das „Wende-Szenario“ in einer Abnahme der Reisen, mehr Individualreisen, mehr Bahnreisen, „integrierte Unterkünfte“, Lernen als Reisemotiv und sanftem Tourismus.
Beim touristischen Angebot kommt es hierbei zu keinem weiteren Bettenausbau, zu Naturbewahrung, kaum sozialen Kosten, Wirtschaftsvielfalt, kultureller Identität und einer intakten Umwelt.
Einstellungen und Verhaltensweisen von Touristen lassen erwarten, daß bis zur Jahrtausendwende das Trendszenario wahrscheinlicher erscheint, wenngleich das Bewußtsein über die
drohenden Folgen eines zu starken „Expansionstourismus“ bei den touristischen Entscheidungsträgern in den letzten Jahren sicher sensibilisiert worden ist. Beispiele hierfür sind zweifellos der nahezu eingestellte Ausbau vorhandener Skipisten, Überlegungen zur maximal verträglichen Gästeanzahl („Carrying Capacity“), wie etwa am Arlberg, sowie nicht zuletzt Überlegungen der Österreichischen Hotelliervereinigung nach Modellen zur Bettenreduktion3.
2
siehe Axel Schrand, Kap.„Touristische Markttrends“ in: Touristik-Marketing, München 1992
3
siehe ÖHV-Pressekonferenz, H. Peter, 12.1.1996
ARGE „Sanfte Mobilität“
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ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Tabelle 1
Umweltprobleme am Urlaubsort in Südtirol 1990
Es gibt also teilweise sehr gegenläufige Trends: einerseits ist seit den achtziger Jahren durchaus - zumindest in den deutschsprachigen Ländern - ein hohes Umweltbewußtsein zu beobachten. Auf der anderen Seite gibt es durch Entwicklungen am Markt und der Preise für Verkehrsmittel ein rasantes Ansteigen der Fern- bzw. Flugreisen. Der Anteil der Bahnreisen hat
dagegen klare Anteile verloren.
2.1. Weitere Schlußfolgerungen aus der Gästebefragung Österreich, 1994
Bei den beiden Haupturlaubsmotiven „Erholungs- und Wanderurlaub“ hat sich nichts Wesentliches an deren Bedeutung geändert, so daß eine Mobilitätsverschiebung vom privaten zum öffentlichen Verkehr bei der Erfüllung dieser Urlaubsbedürfnisse keine prinzipiellen Probleme
aufwerfen dürfte. Voraussetzung hierfür ist jedoch, daß es zu keiner derartigen Mobilitätseinschränkung kommt, die die Erfüllung der Urlaubswünsche grundsätzlich behindert.
Die wesentlichsten Informationsquellen sind nach wie vor Prospekte, „persönliche Informanten“
und Reisebüros. Bei der Prospektproduktion ist besonders an die extreme Fülle4 („Prospektflut“)
zu denken. Es scheinen insbesondere überregionale oder themenbezogene Prospekte ( z.B.
unter dem Obertitel „verkehrsberuhigter/lärmarmer Urlaubsorte“) höheren Informationsnutzen
bei geringeren Produktionskosten zu erzielen. Nur eine klare Pointierung bzw. Abhebung von
der Masse an Standardangeboten kann höhere Aufmerksamkeitswerte erreichen.
Die Bedeutung von Reisebüros und -veranstaltern darf nicht außer acht gelassen werden. Gerade Reiseveranstalter suchen vor dem Hintergrund einer steigenden Konkurrenz nach beson-
4
so liegen beispielsweise bei der ÖW-Außenstelle in London 3.000 unterschiedliche Prospekte zum Versand bereit, wobei pro Anfrage durchschnittlich 3-4 Prospekte versendet werden!
ARGE „Sanfte Mobilität“
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
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deren Angeboten, die sich vom herkömmlichen Standard abheben und auf diese Weise Chancen auf höhere Preise haben.
Da sich der Anteil der Direktbucher weiter erhöht hat, sollte auch die Buchungsbehandlung am
Telefon professionalisiert werden ( z.B. durch konstruktive Behandlung nicht erfüllbarer Buchungswünsche im Gegensatz zu bloßer Ablehnung).
So zeigen die jüngsten Studien5 und Aktivitäten6 auf Organisationsebene der regionalen Tourismusorganisationen, daß in Zukunft Tourismusregionen zu den entscheidenden Wettbewerbseinheiten werden, die gastorientiert organisiert und strategisch gemanagt werden müssen.
Die Veränderungen bzw. Rückgänge der Nächtigungszahlen7 zeigen ein recht klares Bild: Es
kommt vor allem bei Unterkünften mit niedrigerer Qualität zu starken Einbrüchen. Dieser Trend
dürfte auch in Zukunft weiter bestehen, da die Ansprüche nach qualitativ hochwertigen, touristischen Angebotselementen vor dem Hintergrund einer stets wohlhabender werdenden Gesellschaft eher zu- als abnehmen werden.
So manche dieser Trends lassen ein weiter steigendes Mobilitäts- und/oder Unterhaltungsbedürfnis während des Urlaubsaufenthaltes vermuten, welches ohne entsprechendem ÖV Angebot höchst wahrscheinlich zu noch weiterem Ansteigen des Individualverkehrs führen wird. Um
dies zu verhindern wird es nötig sein, rechtzeitige Lenkungsmaßnahmen zu ergreifen bzw. attraktive „autofreie“ Angebote zu entwickeln.
3.
An- und Abreise
3.1. Allgemeine Rahmenbedingungen
Als wesentliche Problembereiche bei der Anreise mit Öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖV) werden
von Verkehrsexperten, Touristikern und befragten Gästen8 folgende Punkte genannt:
• Gepäcktransport: Das derzeitige Angebot ist zwar sicher noch nicht ausreichend, das Vorhandene wird jedoch viel zu mangelhaft kommuniziert, so daß der Bekanntheitsgrad zu niedrig ist. (VCÖ) Sorgen über „funktionierenden Gepäcktransport“ zählen neben „eingeschränkter Mobilität“ zu den wesentlichsten Bedenken der Gäste, wenn diese an „Autofreiheit am Urlaubsort“ denken!9
• Pkw: 95% der Anreisenden benutzt einen privaten Pkw, so daß es vor allem in Urlaubszeiten zu vermehrten Staus, Unfällen und Umweltbelastungen kommt, die wieder von denselben Personen kritisiert wird (Postautoleitung Salzburg). Die Pkw-Mobilität wird auch in den
nächsten Jahrzehnten weiter kräftig steigen10, so daß sich der Problemdruck auf den Straßen aber auch in den Zielgebieten weiter verschärfen wird.
5
nach Bratl/Schmidt: „Stellenwert und Zukunft regionaler Tourismusorganisationen“, Wien 1997
6
aktueller Trend in der Schweiz (Scuol, Davos, Chur u.a) sowie Österreich (Tirol u.a.)
7
nach „Tourismus in Zahlen“, österreichische und internationale Tourismus- und Wirtschaftsdaten, Wirtschaftskammer Österreich, März 1996
8
Gästebefragung in den Partnergemeinden, EU-Projekt: Sanfte Mobilität, Sommer/Winter 1996/97
9
Gästebefragung in den Partnergemeinden, EU-Projekt: Sanfte Mobilität, Sommer/Winter 1996/97
10
siehe C. Prinz: Bevölkerung & Mobilität im 21. Jahrhundert, Wien 1996
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• Wegekette: Der ÖV hat dort kaum Chancen, wo die Wegekette (=Anzahl der zu benützenden Verkehrsmittel) zu kompliziert und mühsam wird. Hier ist das Auto klar überlegen, da
Zielgebiete stets „autoorientiert“ sind (Stabstelle Verkehrsplanung, Amt der OÖ Lreg.). Außerdem gilt: Das schwächste Glied in der Wegekette bestimmt deren Gesamt-Attraktivität!11
Bahnanreise wird wohl nur dann eine ernstzunehmende Alternative für die Anreise sein,
wenn der komplette Weg von der Haustür über Bahn bis zur Unterkunft buchungsfreundlich
und kostengünstig machbar ist. Ohne Transferleistungen wird das „Umsteigen“ von der
überwiegenden Mehrheit abgelehnt.12
• Preisdiskriminierung: Versuche, die ÖV Anreise durch Preisnachlässe zu unterstützen,
kann zu Problemen mit dem Wettbewerbsrecht führen (Bsp. Modellangebot „Waldferien im
Kellerland“)/(Hessischer FVV). Es ist aber auch unmöglich, die gesamten Kosten der ÖVAnreise direkt (und ohne Ermäßigungen) auf den Gast überzuwälzen, da dies von diesem
nicht akzeptiert wird.13
• Fahrpläne: Kursbücher, Fahrpläne sind bei weitem nicht ausreichend kundenfreundlich und
viel zu kompliziert. Die Informationsübermittlung zur persönlichen „Öffentlichen Anreise“ ist
zu zeitaufwendig und zu kompliziert (Postautoleitung Salzburg).
• Information / Auskunft: In den seltensten Fällen wird der Gast schon bei ersten Kontakt
aktiv mit der Möglichkeit der Bahn/Busanreise konfrontiert. Die Infobroschüren (Autobahnanbindung, aber selten Bahnanbindung als zentrale Anreiseinformation) aber auch die Auskunftsstellen (z.B. Tourismusverbände) und vor allem die Vermieter legen dem Gast meist
nahe, daß ausschließlich die Anreise mit dem eigenen Pkw einfach und daher empfehlenswert sei.14
• Verkehrsträgerübergreifendes Auskunftssystem: In vereinzelten Ländern Europas gibt es
schon zentrale Auskunftsstellen, die dem anfragenden Kunden nicht nur den zeitlich günstigsten Weg von der Quelle zum Ziel - und zwar verkehrsträgerübergreifend! - sagen können,
sondern auch die günstigsten Tarife! Beispielhaft hierfür sind die Niederlande, die Schweiz,
Frankreich sowie die Information in Baden-Württemberg, Deutschland. In Österreich wird an
einem derartigen System gearbeitet, mit geplantem Beginn 1999.15
Trotz dieser und anderer Probleme lassen sich jedoch folgende Zukunftsszenarien als wahrscheinlich beschreiben: Ohne starker Gegensteuerung wird sich die Verkehrssituation auch in
naher Zukunft weiter verschlechtern, da der Trend zu Kurzurlauben (d.h. die durchschnittliche
Reisedauer pro Reise wird bei wachsender Reisehäufigkeit tendenziell abnehmen16) bei weiter
steigendem Mobilitätsbedürfnis weiter anhält. So ist auch der Pkw-Anteil bei der Verkehrsmittelwahl von 1991 auf 1994 von 67% noch weiter auf 71% angestiegen, bei gleichzeitigem
Rückgang des Bahn- und Busanteiles. Die Sparmaßnahmen bei der ÖBB lassen auch in Zukunft kein wesentlich verbessertes Preis-Leistungsangebot erwarten.
11
W. Rauh, VCÖ, Wien, Interview im Mai 1996
12
Gästebefragung in den Partnergemeinden, EU-Projekt: Sanfte Mobilität, Sommer/Winter 1996/97 sowie Erfahrungen aus der Partnergemeinde Bad Reichenhall, Bayern
13
Gästebefragung in den Partnergemeinden, EU-Projekt: Sanfte Mobilität, Sommer/Winter 1996/97
14
Mystery guest-Analyse bei den Partnergemeinden, EU-Projekt: Sanfte Mobilität, Sommer/Winter 1996/97
15
nach FGM: Grundlagenstudie zu elektronischen Auskunftssystemen für ÖV in Österreich, Graz 1996
16
siehe Axel Schrand, Kap.„Touristische Markttrends“ in: Touristik-Marketing, München 1992
ARGE „Sanfte Mobilität“
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3.2. Beteiligte
• Bahn / Bus
Die autofreie An- und Abreise spielt bei sanfter Mobilität eine zentrale Rolle, da die Bahn im
Vergleich zum Pkw eine deutlich niedrigere Energiemenge pro Personenkilometer benötigt.
Neben der Bahn hat auch ein gut besetzter Bus eine deutlich bessere Energiebilanz als der
Pkw. Die Busanreise wird meist von überregionalen Busunternehmen getragen. Sie spielt
jedoch im Vergleich zur Bahn eine deutlich untergeordnete Rolle.
• Verkehrsmittelnutzer
Wie wichtig für die Reduktion der Verkehrsmenge am Urlaubsort schon die ÖV-Anreise ist, zeigen folgende Zahlen aus der GBÖ hinsichtlich der Verkehrsmittelnutzung:
Wer mit dem privaten Pkw anreist, nutzt diesen auch vor Ort intensiv (66% häufig!)17. Nur 6%
nehmen am Zielort sozusagen auch „Urlaub vom Auto“. Da sowohl Bahn- als auch Busanreisende besonders häufig ÖV benutzen, sollte bei der Werbung schon auf eine ÖV- Anreisemöglichkeit verstärkt hingewiesen werden.
• Charakteristika ÖV-Reisende
Außerdem sind Bahnreisende häufiger Stammgäste, die zumeist aus Großstädten kommen.
Sie buchen hauptsächlich im Reisebüro oder direkt beim Vermieter, nächtigen eher in gehobenerer Unterkunft, verweilen überdurchschnittlich lang am Urlaubsort und geben auch noch mehr
Geld pro Tag aus, als der durchschnittliche Gast. Da es diesen Gästen aber auch besonders
wichtig ist, „alles organisiert zu erhalten“, läßt sich daraus die Notwendigkeit der Entwicklung
von interessanten Angeboten ableiten ( z.B. all inclusive-Packages mit Anreise, Unterkunft, Mobilität vor Ort, organisierte Ausflüge, etc.).
Auch Busreisende sind ein interessantes Klientel, da sie einen hohen Anteil an Senioren haben, und der Seniorenmarkt aufgrund der demographischen Entwicklung stets im Steigen ist.
Diese Gästegruppe liegt bei den Tagesausgaben gar 25% über dem Gästedurchschnitt, wobei
auch sie darauf Wert legen, „alles organisiert zu erhalten“ und daher typische Reisebürokunden
sind.
• „Interessenten“ Bahnanreise
Wie die Gästebefragung eindeutig bestätigt, wird Bahnanreise nur dann eine ernstzunehmende
Alternative für die Anreise sein, wenn der komplette Weg von der Haustür über Bahn bis zur
Unterkunft buchungsfreundlich und kostengünstig machbar ist. Ohne Transferleistungen wird
das „Umsteigen“ von der überwiegenden Mehrheit abgelehnt.18
3.3. An- und Abreise mit der Bahn
3.3.1. Allgemeines zur Bahnanreise
Die Bahnanreise ist sozusagen „Urlaub von Anfang an“. Die Bahnfahrt an sich besitzt schon
eine hohe Erlebnisqualität. Die Bahn wird anderen Verkehrsmitteln vorgezogen, da sie „kom-
17
siehe GBÖ 1994, Kap. „...Mobilität am Urlaubsort“, Wien 1994
18
Gästebefragung in den Partnergemeinden, EU-Projekt: Sanfte Mobilität, Sommer/Winter 1996/97 sowie Erfahrungen aus der Partnergemeinde Bad Reichenhall, Bayern
ARGE „Sanfte Mobilität“
13
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
fortabel“, „bequem“ und „erholsam“ ist . Außerdem garantiert sie „streßfreies Reisen“ und wird
aus „Angst vor dem Stau“ gewählt.
Die Punkte, die für viele Personen gegen die Bahn sprechen sind v.a.:
• Probleme mit dem Gepäcktransport,
• hohe Fahrpreise,
• schlechte Bahnverbindungen und außerdem
• die Angst, die Mobilität vor Ort zu verlieren.
Gerade bei diesen Punkten sollte mit entsprechenden Angeboten angesetzt werden. Zusätzlich
unterscheidet sich die tatsächliche Mobilität oft erheblich von der subjektiv eingeschätzten Mobilität19. Hier sind entsprechende Marketingmaßnahmen nötig. Eine öffentliche Präsenz der Angebote ist wichtig.
Bei einem ansprechenden Angebot sollten v.a. folgende Punkte besonders berücksichtigt werden:
• Information und Marketing (Image!)
• Attraktive Bedienungsstandards
• Komfortable Züge
• Paketangebote
• Bahnhöfe
• Reisegepäck
• Gästeempfang
• „Erlebnis“ Bahnfahrt, Beispiel regionaler Zugbegleiter und regionale Produkte
Bei den meisten vorbildhaften Beispiele sind alle bzw. die meisten Punkte miteinander verbunden.
3.3.2. Strategie und Ziele der Deutschen Bahn AG
Auf dem 3. Partnertreffen in Zwiesel, Bayern, im Rahmen des EU-Projektes Sanfte Mobilität
präsentierte ein Vertreter der DB deren Kernaussagen zu „Bahn und Tourismus“20:
• Das Ziel: Enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen DB AG und deutschen
Städten und Tourismusregionen
• Die Bahn versteht sich als „National Carrier“ des deutschen Tourismus
• Optimierung der Leistungen vor, während, nach der Reise
• Qualitative Optimierung des touristischen Wagenmaterials wird forciert
• Zielgruppenspezifische touristische Angebote mit attraktiven Preisen sind geplant
• Ausbau der Gruppen- und Chartertouristik mit Schwerpunkt Deutschland
• Weiterer Ausbau der Zusammenarbeit mit erdgebundenen Reiseveranstaltern
19
W. Rauh, VCÖ, Wien, Interview im Mai 1996
20
Scheckenbach, Tagung Zwiesel, 16.06.1997, EU-Projekt: Sanfte Mobilität
ARGE „Sanfte Mobilität“
14
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Ziele der Zusammenarbeit:
• Gemeinsamer Ausbau der touristischen Leistungskette für nationale Bahnreisende
• Kommunikation nachfragegerechter Serviceleistungen
• Einleitung einer Bewußtseinsänderung für Reisen in Deutschland
•
Ausbau touristischer Leistungskette und Angebote
a) Leistungen der Bahn
• Ferien-Ticket-Netze bundesweit
• Sukzessive Revitalisierung / Renovierung touristisch wichtiger Zielbahnhöfe
− Westerland, Oberstdorf
• Historische Touristikbahnen als Eventangebot für Tourismusregionen
• Optimierung der Serviceleistungen
− Kurier-Gepäck
− Post-Gepäck
− Gepäckträgerservice
− Bahn-Taxi-Service
b) Leistungen der Städte und Tourismusregionen
• Serviceleistungen
• Transfer der Bahngäste von den Bahnendpunkten (zB Garmisch-Partenkirchen, Schwarzwald)
• Begrüßung im Zielgebiet (zB in Ostbayern durch Gästebetreuer im Zug oder am Bahnhof)
• Gäste-Informationspaket (Erreichbarkeit touristischer Attraktionen unter Nutzung des FerienTickets)
• Integration der örtlichen Tourismusinformationen
3.4. Ergebnisse aus den Befragungen in den Partnergemeinden
des EU-Projektes
Wie die Befragungen in den Partnergemeinden zu den Voraussetzungen und dem Erfolg von
Bahnpauschal-Angeboten klar zeigen, finden diese nur unter folgenden Bedingungen bei den
Gästen nennenswerte Akzeptanz21:
• attraktives Paket (Basisleistungen wie Anreise, Transfer, Unterkunft plus Zusatzleistungen
wie regionales ÖPNV-Ticket inkl. Bergbahnen, Eintrittsermäßigungen u.ä.)
• aktive Bewerbung dieses Pakets in Auskunftsstellen, von Vermietern, im Ortsprospekt
21
Erfahrungen der Partnergemeinden des EU-Projektes
ARGE „Sanfte Mobilität“
15
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
• leichte, kundenfreundliche Buchbarkeit
• ernsthafte Alternative zu Pkw durch Preisgestaltung (Parkraumbewirtschaftung, Zufahrtssperren zu bestimmten Ausflugszielen und Ortsteilen..) und Serviceleistungen (Abholung,
Gepäcktransfer..)
Wie die Gästebefragung22 im Rahmen des EU-Projektes ergab, reisen ca. 80 % der Gäste mit
dem eigenen Pkw an und annähernd 20 % mit der Bahn. Busanreise ist nur äußerst gering vertreten. Die nähere Befragung, unter welchen Umständen eine Bahnanreise eine seriöse Alternative zum Privat-Pkw darstellen könnte, zeigte eindeutig, daß der Schlüssel zum Erfolg und
zur Akzeptanz von Bahn-Anreiseangeboten im problemlosen und möglichst kostengünstigen Transfer vom Bahnhof zur Unterkunft liegt.
3.5. Beispiele Anreise
3.5.1. Die touristisch relevante Angebotspalette der Deutschen Bahn AG
• Zugfrequenzen
− InterRegio (IR): 2-Stunden-Takt
− InterCity und EuroCity (IC/EC): Stunden-Takt
− InterCityExpress (ICE): hoher Komfort, schnellste Verbindung
− InterCityNight (ICN): Über Nacht zwei Strecken
Schlafabteilen oder Ruhesesseln ausgerüstet
z.B. von Berlin nach München, mit
− CityNightLine (CNL): Hotelkomfort unterwegs, mehrere Strecken z.B. Dortmund/Köln und
Wien
• Günstige Preisangebote
Für Langstrecken bietet die Bahn verschiedene Sparmöglichkeiten und Sparpreise an. Damit
können die Anreisekosten deutlich gesenkt werden, wie z.B. mit dem Sparpreis-, dem ICESparpreis-, dem ICE-Supersparpreisangebot.
• Zusatzangebote
In verschiedenen Regionen wird die Bahncard auch von den Verkehrsverbünden (z.B.
Rhein-Main-Verkehrsverbund, Regional Verkehr Oberbayern, Regional Verkehr Allgäu) anerkannt.
Das Ferienticket der Deutschen Bahn. Besonders günstig gestaltet sich hier auch die Fahrradmitnahme. (siehe unten)
Die Mitnahme des Autos bei der Bahnreise wird durch den AutoExpress und den UrlaubsExpress ermöglicht.
Mit der Bahncard gibt es besonders günstige Tarife bei den großen Mietwagenfirmen.
22
Gästebefragung in den Partnergemeinden, EU-Projekt: Sanfte Mobilität, Sommer/Winter 1996/97
ARGE „Sanfte Mobilität“
16
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Process Report - Endbericht
Zusätzlich zu diesem Angebot wurde auch der Service rund um die Bahn stark ausgebaut
(nähere Beschreibung siehe Anhang):
− Gepäckservice
− Transfer Bahnhof - Unterkunft
− Radfahrer (radfreundliche Einrichtungen, Transport)
− Bahnhofgestaltung, Angebot auf dem Bahnhof
Alle umweltfreundlichen Verkehrsmittel unter einem Dach vereint: Bahnhof, Bahnsteige,
Bushaltestellen, Abstellanlagen für Fahrräder, Fußwegeverbindungen und eventuell eine
Mobilitätszentrale. Außerdem soll die Aufenthaltsqualität gesteigert werden.
Bahn-Pauschalreisen (RIT - Rail Inclusive Ticket)
Vorteile
• Komplettangebot des Veranstalters mit An- und Abreise erhöht die Attraktivität seiner Produkte
• Günstige Bahnpreise für Einzelreisende
• Preisgarantie für die Laufzeit der RIT-Vereinbarung
• RIT-Fahrscheine werden ohne Preisangabe erstellt, damit freie Kalkulation des Veranstalters
möglich ist
• Einfaches Abwicklungsverfahren ohne DB-Vorkenntnisse
• Individuelle An- und Abreise der Kunden durch freie Zugwahl
• Geltungsdauer der RIT-Fahrscheine zwei Monate (in Ausnahmefällen sogar sechs Monate)
Begriff der RIT-Reise:
• Pauschalreisen
der Gesamtpreis umfaßt
− die Fahrkosten in der 1. Oder 2. Klasse
− Hotelarrangement (mind. 1 Übernachtung)
hierzu zählen auch
➥ Fewo, Zeltdörfer
➥ Pkw-Anmietung (mind. 2 Tage)
➥ Schiffskreisfahrten
➥ im In- und Ausland
• Preise
− Stufenpreise (Inland)
− Relationspreise
• Bedingungen
− Anmeldung eines Gewerbes nach Gewerbeordnung
− Abschluß einer Vereinbarung mit der Niederlassung Fernverkehr
− Mindestaufkommen
ARGE „Sanfte Mobilität“
17
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Process Report - Endbericht
➥ bis 1 Jahr > 200 P oder > 15 TDM
➥ ab 2 Jahr > 500 P oder > 35 TDM
− Mindestverkaufspreis
➥ mind. 10 % höher als Regelpreis
− Fahrscheinerstellung
➥ über Veranstalter selbst
➥ DB-Agentur
➥ Fahrkartenausgabe
− Sicherheitsleistung
− Abrechnung / Erfolgskontrolle
− Werbung
− keine Einzelpreise
Vorteile für den Gast
• mit Buchung des Arrangements wird die An- und Abreise zum Zielort
• organisiert
• im Preis includiert
• zu günstigen Konditionen im In- und Ausland
• Ermäßigung der Fahrpreise
• im Inland bis zu 40%
incl. aller Zuschläge und Aufpreise
• im Ausland durchschnittlich 30%
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18
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Ferienticket
• Wochenangebot der Bahn für 54 Urlaubsregionen
• Individuelle Mobilität vor Ort für beliebig viele Fahrten in der Region, täglich ab 8:30 Uhr
• jeweils rund 400 km Schiene + Busse + Schiffahrt + Verbund
• Ziel: Ausbau zum regionalen Mobilitätsticket
• Bedingung:
Vorlage eines Fahrscheines für H+R mind. 199,- DM bzw. 100 ,- DM BC-Kunden
• Preis / 2. Klasse:
1. Woche
Zusatz-/Anschlußwoche
1 Person
40,- DM
20,- DM
2 Personen
20,- DM
10,- DM
Kinder 4-11
10,- DM
5,- DM
Vorteile für den Kunden
• Mobilitätsticket für die Urlaubsregion
• klar, überschaubar, flächendeckend
• hohe Ermäßigung
• Mitfahrermäßigung
Vorteile für die Region
• deutschlandweite Vermarktung
• Kaufentscheidung des Gastes vor der Wahl des Verkehrsmittels (Verkehrsberuhigung)
• geringer Kommunikationsaufwand
Ziel
• Weiterentwicklung
• Aufnahme aller Buslinien
• Aufnahme aller NE-Bahnen
• Aufnahme aller Schiffslinien
• Aufnahme von Routenvorschlägen zu den touristischen Sehenswürdigkeiten
ARGE „Sanfte Mobilität“
19
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3.5.2. Spezielle, regional begrenzte Angebote
(oft in Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort)
• Paketangebote
Zur Pauschale „Mobil mit der Bahn“ (Bad Reichenhall)23
Seit 1.1.´95 vertreibt Bad Reichenhall diese Pauschale. Dieses wird seit Mitte 1996 von eigenen Kur- und Verkehrsverein, welcher auch Veranstalter ist, direkt vertrieben.
Dieses Leistungspaket umfaßt:
Bahnanreise vom Heimat nach Bad Reichenhall und zurück
7 Übernachtungen (in unterschiedlichen Hotelkategorien)
Taxitransfer vom Bahnhof zum Hotel und zurück
7 Tage Busticket im Stadtbusbereich
1 Regionalverkehr- Oberbayern-Ferienpaß (Ticket berechtigt an 5 beliebigen Tagen zur
Busfahrt in der Region)
1 Seilbahnfahrt auf den Predigtstuhl
1 Eintritt in das Salzmuseum / Quellenbau
Allgemeines zu „Mobil mit der Bahn“, Bad Reichenhall:
Die RIT (Rail inclusive tours) sind ein besonders günstiges Angebot der Deutschen Bahn AG
für Reiseveranstalter von Pauschalreisen. Die RIT Tickets können nur in Verbindung mit
Pauschalreisen verkauft werden. Dies bedeutet, daß der normale Kurgast NICHT auf dieses
„Mobil mit der Bahn“ einsteigen kann. Ausgenommen ist der Gast, der ein Pauschalangebot
im Kurbereich bucht, das sind Gesundheitswochen oder ein „Check-up“. In den ersten 5 Monaten wurden etwas mehr als 100 Pauschalen verkauft.
Umweltfreundlich ins Werdenfelser Land: „Wir schenken Ihnen 100 Bahnkilometer“
Garmisch-Partenkirchen wirbt mit einem besonderen Paket. Wer das Urlaubsangebot „Mobil
mit der Bahn“ bucht, bekommt im Sommerangebot:
− einen Gutschein über 100 Kilometer freie Anreise mit der Bahn
− freien Taxitransfer
− der Regionalverkehr Oberbayern kann für fünf Tage umsonst benutzt werden (der RVOPass gilt u.a. bis Schloß Linderhof, Neuschwanstein und nach Oberammergau)
− eine Gratisfahrt mit der Bergbahn
− einen freien Besuch des Alpspitz-Wellenbades
− freie Benutzung der Ortslinienbusse
Im Winter enthält das Angebot zusätzlich:
− Skipass
− Benutzung des Skidepots (Ski und Schuhe können direkt an der Talstation deponiert werden)
− freie Fahrt mit allen Ortslinien und Skibussen
− 10% Ermäßigung für Eishockeyspiele
Laut Auskunft des Verkehrsamtes Garmisch-Partenkirchen wird diese Paketangebot sehr gut
angenommen.
23
Obgm. Heitmeier, Tagung in Zwiesel, Juni 1997, EU-Projekt: Sanfte Mobilität
ARGE „Sanfte Mobilität“
20
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Process Report - Endbericht
Oberstdorf: .. der Umwelt zuliebe
Dieses Paket ist eine Zusammenarbeit zwischen Oberstdorf und dem abr-Reisebüro. Als
Pauschalangebot über 7 bzw. 14 Tage beinhaltet es :
− die Bahnanreise
− ein Leihfahrrad
− eine Kutschenfahrt
− eine Berg- und Talfahrt mit der Nebelhornbahn
− einen Umweltfahrschein für Fahrten im Umkreis von 40 km
− einen Bildband und eine Wanderkarte.
Thunersee attraktiv
Bei der Anreise mit der Bahn (über 100 km und bei mehr als fünf Übernachtungen) wird in
Thunersee (Österreich) ein Rabatt von 10% in allen Hotels gewährt.
Bahnrabatte für Kanderstegs-Hotelgäste
Die Gäste von 19 Kandersteg-Hotels erhalten bei mindestens sieben Übernachtungen ein
„Halbtages-Abonnement“ der Schweizerischen Bundesbahnen gratis. Diese BahnRabattkarte wird schon bei der Buchung mitgeschickt. Sie kostet normalerweise 180,- DM
und bietet 50% Ermäßigung auf die Schweizer Bahn und die öffentlichen Verkehrsmittel von
33 Städten.
Das Hindelanger Allgäu-Stern-Hotel schenkt denjenigen die mit der Bahn anreisen das
Oberallgäuer Umweltticket (bei mindestens 14-tägigem Aufenthalt). Mit dem Oberallgäuer
Umweltticket kann der ÖPNV verbilligt genutzt werden.
• Information und Service
Staatsbad Steben „Kur-Komfort-Paket“
Für 5,- DM bekommt der Gast die kompletten Reiseunterlagen wie Fahrausweise, Fahrpläne, Sitzplatzreservierung direkt nach Hause geschickt.
Laut Auskunft der Deutschen Bahn in Bad Steben wird das Angebot sehr gut angenommen.
Pro Jahr sind ca. 1000 Buchungen zu verzeichnen. Das Angebot ist ein voller Erfolg, größere
Probleme gab es bisher nicht.
Ferien in Graubünden
Die spezielle Broschüre „Ferien in Graubünden“ informiert über die Vorteile und Möglichkeiten der Ferienreise mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln:
− Anreisemöglichkeiten mit Bahn und Flug (Dauer und Häufigkeit der Verbindungen),
− Gepäckservice vom Wohnort zum Ferienort,
− Anreise per Autozug,
− Ausflugsmöglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmittel
ARGE „Sanfte Mobilität“
21
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Mobilitätsbroschüre „Lassen Sie Ihr Auto ruhig zu Hause, bei uns werden Sie gefahren“
Die Städte Baiersbronn und Freudenstadt geben bei der Buchung diese Broschüre an die
Gäste aus. Sie informiert über:
− die beliebtesten Ausflugsziele,
− die Anzahl der täglichen Verbindungen,
− Preisbeispiele,
− Tips für den Transport des Reisegepäcks.
Landesverband Tourismus Vorarlberg
Schon bei der Buchungsanfrage wird auf die Möglichkeit der Bahnanreise hingewiesen. Es
werden die entsprechenden Fahrplanauszüge mitgeschickt, die günstigen Zugverbindungen
angegeben. Bei den regionalen und örtlichen Tourismusorganisationen wird zusätzlich zu
den Anreisetips noch ein vergleichsweise provokanter Text für die Bahn und gegen das Auto
beigelegt.
Waidring Tirol und Salzburger Sportwelt Amadé:
In beiden Fällen wird schon bei der Buchung an die Zuganreise erinnert. Waidring Tirol bietet
eine grüne Gästekarte. Mit dieser erhält der Bahnreisende einen kostenlosen Taxidienst vom
Bahnhof und wird außerdem bei der Zimmervergabe im Zentrum bevorzugt.
Bei der Sportwelt Amadé erhält der Gast auch schon bei der Buchung Informationsmaterial
über die Bahnanreise. Es wird ein Abholservice und ein kostenloser Skibus angeboten.
Radfahren mit der Bahn
Der Landkreis Oberallgäu und die Stadt Kempten bieten den Gästen bei der Anreise mit
der Bahn, die kostenlose Fahrrad-Mitnahme in zuschlagfreien Zügen an.
• An- und Abreise mit dem Bus
Die An und Abreise mit dem Bus ist sehr kostengünstig. Viele scheuen jedoch lange Busfahrten aufgrund möglicher Unbequemlichkeit. Busfahrten haben eher den Charakter von
Gesellschaftsreisen und werden gerne von Gruppen in Anspruch genommen.
Berlin-Harz-Berlin
Das Busunternehmen Bayern Expreß & P. Kühn Berlin GmbH bietet täglich günstige Verbindungen von Berlin und Magdeburg in den Harz an. Für die Fahrt mit den Luxusbussen gibt
es die verschiedensten Rabatte.
Berlin-Bad Füssing-Berlin
Bad Füssing unterhält in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Busunternehmen ganzjährig eine Direktbus-Verbindung von und nach Berlin.
ARGE „Sanfte Mobilität“
22
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
4.
Process Report - Endbericht
Öffentlicher Verkehr (ÖV) am Ort bzw. in der Region
4.1. Zur Mobilitätsproblematik
Vor allem das ständig steigende Mobilitätsbedürfnis der Urlauber macht es notwendig, den öffentlichen Personennahverkehr auch am Urlaubsort verstärkt zu attraktivieren, sollte die Gemeinde nicht an „großstädtischen“ Verkehrsproblemen leiden. Der gleichzeitige Urlauberwunsch
nach Ruhe und Erholung bei hoher Mobilität zeigt die Chancen auf, die eine verkehrsberuhigte
Gemeinde / Region haben kann, wenn ihr ÖPNV einen Verzicht auf den privaten Pkw möglich
macht. Einige Expertenaussagen und Ergebnisse der Gästebefragung zu dieser Problematik:
• Nur „radikale“ Verkehrslösungen /-reduktion bringt einen spürbaren Erfolg / Veränderung
(„Wenn man den Verkehr um 90% reduziert, fühlt man nur eine 50%-ige Verbesserung!“)24
• Weitgehende Verkehrsberuhigung am Urlaubsort stößt auf der Gästeseite dann auf Zuspruch, wenn der ÖPNV im Ort als auch zu den Ausflugszielen funktioniert. Besonders hoch
ist der Zuspruch, wenn dieser auch noch kostengünstig bzw. gratis ist.25
• Auch der „hausgemachte“ Individualverkehr ist nicht zu unterschätzen. Hausgemachte Fehler bei der Raumplanung haben Autoorientierung der Einheimischen nur noch gefördert.26
• Mittlerweile ist auch schon der Parksuchverkehr in Urlaubsgemeinden in der Hochsaison
eine zusätzliche Belastung, welche durch entsprechendes Parkraummanagement geregelt
werden sollte.
• Nur verkehrstechnische Bevorzugung des ÖV, z.B. durch Buskorridore, Ampelsteuerung,
Linienführung.., ermöglicht diesen Pünktlichkeit, Geschwindigkeit und somit erhöhte Attraktivität - vor allem in der Stoßzeit - gegenüber dem Individualverkehr.27
4.2. Gästemeinungen zu ÖPNV und dessen Nutzung am Urlaubsort28
Die Gästebefragung in den Partnergemeinden des EU-Projektes Sanfte Mobilität hat ergeben,
daß sich die Gäste einen gut funktionierenden ÖPNV am Urlaubsort und zu den Ausflugszielen
wünschen, wobei dieser jedoch möglichst gratis (oder kostengünstig) angeboten werden sollte.
Hier sind die Gemeinden gefordert, eine intelligente Finanzierung zu entwickeln.
Daß die Gäste einen unterschiedlich stark spürbaren Anteil am Fahrgastaufkommen der Busse
stellen, hat die Kurzbefragung der Partnergemeinden im Juli 1997 ergeben.
So beläuft sich der Gästeanteil an allen Fahrgästen beispielsweise bei:
• Tannheim, Tirol auf ca. 70% im Sommer sowie unter 40% im Winter
• Lungau, Salzburg auf unter 10% im Sommer
• Hochpustertal, Italien auf ca. 50% im Sommer sowie 70% im Winter
24
Interview mit W. Rauh, W. Novak, VCÖ, April, 1996, EU-Projekt: Sanfte Mobilität
25
Gästebefragung in den Partnergemeinden, EU-Projekt: Sanfte Mobilität, Sommer/Winter 1996/97
26
Interview mit Verkehrsplanungsbüro Rosinak, April, 1996, EU-Projekt: Sanfte Mobilität
27
Erfahrungen der Postautoleitung Salzburg, Expertenbefragung im April 1996, EU-Projekt: Sanfte Mobilität
28
Gästebefragung sowie Gemeindebefragung, EU-Projekt: Sanfte Mobilität, Sommer/Winter 1996/97
ARGE „Sanfte Mobilität“
23
ÖAR-Regionalberatung GmbH
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Process Report - Endbericht
• Bad Füssing, Bayern auf über 90%
Die Verkehrsmittelnutzung vor Ort wurde 1994 erstmals in der Gästebefragung Österreich
gründlich untersucht. Danach nutzen immerhin 29
• 28% „nie“ ein privates Verkehrsmittel, hingegen
• 51% nutzten es „häufig“.
• Öffentliche Verkehrsmittel waren nur für 44% der Gäste interessant, wovon 30% gelegentliche und 14% häufige Nutzer waren.
Verkehrsmittelwahl während Aufenthalt
"nutze diese Verkehrsmittel häufig" Vergleich Bahnreisende - alle Gäste
70
56
60
51
50
40
30
14
20
10
3
1
6
6
6
0
ÖV
PKW
Reisebus
Bahnreisende
sonstige
alle Gäste
Quelle: GBÖ Report Anreiseverkehrsmittel, Sommer 1994, Angaben in %
Ein ganz klarer Zusammenhang zeigt sich erwartungsgemäß zwischen PKW-Anreise, sowie
dessen häufiger Nutzung vor Ort: Wer mit dem privaten PKW anreist, nutzt diesen besonders
intensiv am Urlaubsort (66% „häufig“). Nur 6% nahmen am Urlaubsort sozusagen „Urlaub
vom Auto“.
Daraus läßt sich ableiten, daß es nicht nur bloß eine Verbesserung des Angebotes an ÖV geben muß, sondern vor allem auch Werbeschwerpunkte für eine ÖV-Anreise gesetzt werden
müssen.
Eine Verbesserung der lokalen Verkehrssituation ist nur dann möglich, wenn gleichzeitig Korrekturen beim Mobilitätsverhalten der Einheimischen als auch der Urlaubsgäste, v.a. der
Tagesgäste, vorgenommen werden. Einheimische werden erst bei einer attraktiven Alternative
(z.B. einem funktionstüchtigen AST-System, Ortsbus, Car-Sharing, Mitfahrzentralen..), entsprechender Öffentlichkeitsarbeit (Schaffung von Problembewußtsein) und legalen Rahmenbedingungen (Parkraumbewirtschaftung, strenge Alkoholkontrollen) zu einem „sanfteren“ Mobilitätsverhalten motiviert werden können (VCÖ).
Der Gast sollte schon vor der Ankunft über ÖV-Alternativen (z.B. Schibus, AST, Parkrestriktionen, Fahrpreisermäßigungen, Tarifverbund, usw.) in der Urlaubsregion, sowie den Pkw-
29
GBÖ Sommer 1994, ÖGAF Wien 1994
ARGE „Sanfte Mobilität“
24
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Beschränkungen ausreichend informiert werden, um auf den Sinn dieser Maßnahmen „vorbereitet“ zu sein30.
4.3. Beispiele Mobilität vor Ort bzw. in der Region zu den Ausflugszielen
Einzelne örtliche bzw. regionale Beispiele zum ÖPNV sollen in der Folge kurz erläutert werden,
weitere Beiträge können im Anhang nachgelesen werden:
Lungau
Im Salzburger Lungau verkehrt schon seit Jahren der „Lungauer Tälerbus“, eine schon oftmals
mit diversen Umweltpreisen ausgezeichnete Initiative. Dieser Bus bringt hauptsächlich Wanderer weit hinein in die Lungauer Täler, welche teilweise für den Pkw-Verkehr gesperrt sind. Besonders beliebt ist die Tatsache, daß durch diesen tälerverbindenden Bus der Wanderer nicht
zum Ausgangspunkt zurückkehren muß.
Oberallgäu
In vielen dt. Fremdenverkehrsgemeinden erstickt der Verkehr mittlerweile den Tourismus. Die
größten Verkehrsprobleme in Fremdenverkehrsgemeinden sind der Durchgangsverkehr sowie
der An- und Abreiseverkehr. Deshalb müssen Verkehrskonzepte in Fremdenverkehrsgemeinden überörtlich, d.h. regional organisiert sein. Kommunale Verkehrskonzepte bleiben Stückwerk. Wenn ein Ort die Gäste aussperrt, überlaufen diese andere Orte. Beispiel Oberallgäu:
Sowohl Winter-, wie auch Sommerurlaubs- und Ausflugsgebiet mit einer sehr hohen Fremdenverkehrsintensität. Die Urlauber kommen wegen der Natur, Ruhe und Erholungsmöglichkeiten.
20% der Urlauber wollen nicht mehr kommen.
Gemeinschaft Autofreie Schweizer Tourismusorte (GAST)
Sie sind nicht ganz autofrei und zeigen uns wie unentbehrlich das Auto in unserem Leben geworden ist (z.B. Elektromobile für Gepäcktransport, Krankenwägen, Schneeräumfahrzeuge
etc.). Widersprüchlich sind auch die ausgedehnten Parkfelder und imposanten Parkhäuser vor
den autofreien Kurorten; autofrei heißt nicht autolos. Keiner der GAST-Orte ist autofrei geworden - sie waren es schon immer. Die modellhafte Übertragbarkeit auf andere Tourismusorte ist
daher kaum möglich.
Weißensee
Die Region Weißensee hat aufgrund seines einseitigen Zugangs zum Tal ideale Voraussetzungen, um eine effiziente Verkehrsberuhigung zu verwirklichen. Große Entfernungen zwischen
den verschiedenen Ortsteilen machen ein technisches Verkehrsmittel erforderlich. Die Ergebnisse der Erhebungen haben gezeigt, daß 70% der Besucher Tagesbesucher, 20% Urlaubsgäste und 10% Einheimische sind. An einem durchschnittlichen Sommertage befinden sich 4000 6000 Autos in Weißensee und beanspruchen ein Fläche von 10-15 ha. Die Ideen zur Verbesserung, wie Einsatz eines Shuttle-Services vom Sammelparkplatz am Talbeginn mit Elektrobussen mit pholtaisch erzeugtem Strom, elektrisch betriebene Lieferfahrzeuge, Solarmobilverleih,
Solarmobil-Sharing, Bootsverkehrs mit Solarstrom, sind inzwischen teilweise bereits realisiert,
andere warten - aufgrund von Finanzierungsproblemen - noch auf die Umsetzung.
Kleinwalsertal
30
Expertenbefragung VCÖ, Postautoleitung Salzburg und Innsbruck sowie Erfahrungsaustausch EU-Projekt: Sanfte
Mobilität, 1996/97
ARGE „Sanfte Mobilität“
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Process Report - Endbericht
Bis zu 5.000 Autos am Tag wälzen sich durch das kleine, 15 km lange Tal und schaffen Zustände wie in einer Großstadt. Am Wochenende geht der Stau ab 8 Uhr ins Tal und ab 16 Uhr
wieder hinaus. Der Fremdenverkehr ist in dem klassischen Hochgebirgstal der wichtigste Wirtschaftszweig und bringt Arbeit und Wohlstand, aber auch Nachteile. Auf 5.000 Einwohner
kommen im Jahr 750.000 Gäste. Erste Schritte waren die Reduzierung der Bettenzahl auf
13.000 und die Einführung eines Umweltsiegels für Hotels. An der Bereitschaft, sich für die
Umwelt einzusetzen, mangelt es zwar nicht, doch das Engagement hat da seine Grenzen, wo
die eigene Bequemlichkeit eingeschränkt wird. Das Siegel ist erst ein kleiner Schritt in Richtung
umweltverträglicher Tourismus. Das Hauptproblem sind nicht die Dauerurlauber, sondern die
Tagestouristen. Das Tal verkommt zum Großparkplatz und die Dauergäste beschweren sich.
Die geplante Sperrung der einzigen Talzufahrt von 8 bis 15 Uhr, die Zeit in der vor allem die
Tagestouristen anreisen, wurde durch eine Volksabstimmung zu Fall gebracht. Angst vor den
hohen Kosten und vor ausbleibenden Gästen werden als Gründe genannt. Der Bürgermeister,
der eine Chance vertan sieht, mit der sich das Tal langfristig profilieren hätte können, macht die
Abhängigkeit vom Auto und irrationale Ängste für das Scheitern verantwortlich. Einzelne Hotels
versuchen durch eigene Maßnahmen einen Beitrag zur Verkehrsreduzierung zu leisten, z.B.
Freikarten für den Bus für Gäste, die ihr Auto stehen lassen, Abholservice von der Bahn.
5.
Marketingaspekte
5.1. Marketing Allgemein
Marketing ist für den entsprechenden Erfolg am Tourismusmarkt unbedingt erforderlich. Insbesondere für ein Thema, das weder dem Gast, noch den Tourismusakteuren vor Ort nicht einfach zu kommunizieren ist:
• Was ist der erwartbare Nutzen von Bemühungen der Tourismusorte für eine verträglichere
(d.h. möglichst Pkw-lose) Mobilität?
• Welche Zielgruppen können dafür gewonnen werden?
• Welche Leistungen und Produkte werden nachgefragt?
• Welche (Leistungs-)Partner sind für die Angebotsentwicklung und den Verkauf notwendig
und wie kann man sie ins „Sanfte Boot“ holen?
Diese und eine Reihe weiterer Fragen sind zu stellen und - soweit möglich - die richtigen Antworten bzw. verkaufbare Produkte zu finden. Im Endbericht wird versucht, in der gebotenen
Kürze darauf einzugehen. Es wird im Auftrag des Österreichischen Bundesministeriums für
Umwelt, Jugend und Familie ein detailliertes Kommunikationskonzept erarbeitet. Darin wird auf
diese Fragen noch detaillierter eingegangen, insbesondere auf die Ergebnisse der Primärerhebung bei den Gästen der Partnergemeinden.
5.2. Kommunikationskonzept
Als Basis für die Kommunikationsmaßnahmen für Tourismusorte, die auf „sanfte Mobilität“ setzen, wurde ein erstes Kommunikationskonzept am 1. Partnertreffen in Innichen vorgestellt,
und in 2 Arbeitsgruppen (Innen-/Außenmarketing) diskutiert.
Dieses Konzept hat primär die Funktion einer Checkliste bzw. eines Leitfadens für das Projekt
bzw. für die Partner.
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• Tourismusorte mit „sanfter Mobilität“ sollen bei einer breiten, qualifizierten Öffentlichkeit in
Mitteleuropa (vorrangig im deutschsprachigen Raum) bekannt gemacht werden.
• „Autofreiheit“ und Verkehrsberuhigung in Verbindung mit speziellen touristischen Angeboten
und den notwendigen begleitenden Maßnahmen, soll als wertvolles Urlaubsangebot bei potentiellen Gästen aus Mitteleuropa bekannt gemacht werden.
• Wichtige Förderinstitutionen in Ö/D/I und Europa sollen von der Sinnhaftigkeit und der Bedeutung des Projektes überzeugt werden.
• Die Kommunikation nach innen mit der Bevölkerung in den Projektgemeinden/-regionen soll
aufgenommen und gepflegt werden.
• Die interne Kommunikation zwischen den einzelnen Kooperationspartnern des Projektes soll
verbessert werden. Die Bevölkerung in den betroffenen Orten / Regionen soll über das Projekt informiert und für eine Zukunft mit sanfter Mobilität gewonnen werden.
• Es sollen Partner für strategische Allianzen gefunden und professionell betreut werden.
• Die Vernetzung des Projektes mit ähnlichen Initiativen in Mitteleuropa ( z.B. GAST/Schweiz)
soll durch erste gegenseitige Information und persönliche Kontakte angebahnt werden.
5.3. Zielgruppen
5.3.1. Allgemeines
Als mögliche Zielgruppen für autofreie oder verkehrsberuhigte Orte kommen in Frage:
• Familien mit Kindern
• Umweltbewußt reisende Paare und Singles
• Individualgäste und Gruppengäste, die naturnahe Erholung wünschen
• Erholungs- und Gesundheitstouristen, die die verbesserte Umweltqualität bevorzugen
• Primär der Feriengast, der Tagesgast soll erst in zweiter Linie angesprochen werden
• Senioren
• Sportgruppen, welche die ausgezeichneten Möglichkeiten der autofreien Orte nutzen
wollen
5.3.2. Gästegruppen („Segmente“) aus der Gästebefragung31
Bei der Gästebefragung in den Partnergemeinden des EU-Projektes konnten die Gäste
nach deren Einstellung zu Verkehrsberuhigungsmaßnahmen sowie ÖV-Anreise in 3 verschiedene Segmente gruppiert werden.
Die Benennung dieser Gruppen erfolgte nach den durch Conjoint-Analyse ermittelten wichtigsten Nutzen je Gruppe. So stellen sich die
• ‘Befürworter’ als jene heraus, die einen mittleren Grad der Verkehrsberuhigung bevorzugen, einer deutlichen Verkehrsberuhigung aber auch noch positiv gegenüberstehen und
31
Gästebefragung in den Partnergemeinden, EU-Projekt: Sanfte Mobilität, Sommer/Winter 1996/97
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zwar im Sommer in geringerem Maße hingegen im Winter verstärkt. („Weitgehende Verkehrsberuhigung stiftet für dieses Segment den größten Nutzen!“)
• ‘PKW-Freaks/Gegner von ÖV-Anreise’ ziehen aus Verkehrsberuhigungsmaßnahmen am
Urlaubsort positiven Nutzen, sie sind aber kaum von der Pkw-Anreise abzubringen, weshalb diese Gruppe so benannt wurde. Diese Gruppe steht weitergehenden Verkehrsberuhigungsmaßnahmen im Sommer skeptischer gegenüber als im Winter („Pkw-Anreise stiftet für
dieses Segment den größten Nutzen!“)
• Den ‘Preissensiblen’ ist der Grad der Verkehrsberuhigung ziemlich egal (weitergehender
Verkehrsberuhigung vor Ort stehen sie skeptisch gegenüber), sie sind primär durch niedrige
Preise bzw. intelligente Preispolitik (z.B. Pakete) zu gewinnen. (siehe Abb.) („Günstige
Preise stiften für dieses Segment den größten Nutzen!“)
Segmentvergleich Sommer - Winter
100%
90%
80%
27
46
70%
60%
27
Preissensible
50%
40%
Pkw -Freaks/Gegner
25
Befürw orter
30%
20%
10%
46
29
0%
Sommer
Winter
Abb.: Segmentgrößen Sommer - Winter
Interessanterweise ist die Gruppe der Verkehrsberuhigungsbefürworter im Winter (46,1%) wesentlich stärker als im Sommer (29,3%). Ein wesentlicher Grund könnte sein, daß Verkehrsprobleme im Winter in kurzer Zeit verstärkt auftreten, da die Winterferienzeit zumeist kürzer als im
Sommer ist (Schulferien!).
5.3.3. Beschreibung der Gästesegmente - Pkw-Freaks/Gegner von ÖV Anreise,
Preissensible, Befürworter (weiterer Verkehrsberuhigungsmaßnahmen)32
Besonders interessant für kommunale Entscheidungsträger ist nun, wie sich diese Gruppen
beschreiben lassen bzw. worin sie sich eventuell unterscheiden. Zu diesem Zweck wurden diese drei Segmente mit allen Aspekten des Fragebogens (d.h. Herkunftsland, Anreiseverkehrsmittel, Entfernungen, Unterkunftsart, psychografische Merkmale, Urlaubsaktivitäten, Aufenthaltsdauer, Wiederbesuchsabsicht sowie soziodemografische Merkmale) kreuztabelliert und
Chi-Quadrat - getestet, um eventuelle Zusammenhänge bzw. signifikante Unterschiede aufzudecken, die für eine adäquate Werbelinie relevant wären.
Das interessante Ergebnis zeigt, daß die Segmentzugehörigkeit (Verkehrsberuhi32
Gästebefragung in den Partnergemeinden, EU-Projekt: Sanfte Mobilität, Sommer/Winter 1996/97
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gungsgegner, Preissensibler, Befürworter) NICHT signifikant...
➭ ... mit dem gewählten Anreiseverkehrsmittel (Pkw, ÖV) zusammenhängt; es befürworten sogar 43% (!!) der mit dem Pkw anreisenden Gäste eine weitreichendere Verkehrsberuhigung, nur 33% sind dagegen.
➭ ... mit der Anreisedistanz (in km) oder -dauer (in Stunden) zusammenhängt.
➭ ... mit der Unterkunftskategorie zusammenhängt. Bloß Gäste in gehobeneren Unterkünften sind tendenziell stärker „Befürworter“ von Verkehrsberuhigung, was sich allerdings nicht verallgemeinern läßt. (zu schwaches Signifikanzniveau)
➭ ... mit bestimmten psychografischen Merkmalen zusammenhängt! D.h. es gibt DEN
TYPISCHEN Verkehrsberuhigungsbefürworter nicht! (Es gibt keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Clusterzugehörigkeit -Selbstverwirklicher, erlebnisorientierter
und sicherheitsorientierter Gästetyp- und der Segmentzugehörigkeit nach der Einstellung zur Verkehrsberuhigung (Pkw-Freak, Preissensibler, Befürworter)
➭ ... mit der Aufenthaltshäufigkeit (Neuling - Stammgast) zusammenhängt.
➭ ... mit der Anzahl häufiger Urlaubsaktivitäten zusammenhängt. Bei genauerer Untersuchung nach einzelnen häufigen Urlaubsaktivitäten fällt allerdings auf, daß die „häufigen“ Schifahrer tendenziell eher zu den Gegnern als zu den Befürwortern von Verkehrsberuhigung zählen dürften. (jedoch nicht signifikant!)
➭ ...mit der Wiederbesuchsabsicht zusammenhängt.
➭ ...mit der Altersgruppe zusammenhängt.
5.4. Leistungspolitik
Um Empfehlungen für die Leistungspolitik abzugeben, wurde sowohl die Nachfragerseite (durch
die Gästebefragung)33 als auch andere interessante Angebote analysiert.
5.4.1. Empfehlungen aus der Gästebefragung des EU-Projektes Sanfte Mobilität
➣ „Autofreiheit“ als Haupt- oder bloß als Zusatznutzen einer Tourismusgemeinde
Es zeigte sich bei der Gästebefragung in den Partnergemeinden des EU-Projektes klar, daß
Verkehr am Urlaubsort mit all seinen negativen Begleiterscheinungen (Lärm, Gestank, Stau,
Hektik, Sicherheitsmängel..) sehr wohl klar kritisiert wird. Wenn man jedoch die Fülle an „Angebotselementen / Leistungen“ (z.B. Unterkunft, touristische Attraktionen, Landschaft etc.) einer
Tourismusgemeinden betrachtet, welche alle in unterschiedlicher Intensität zur Gesamtattraktivität dieser Gemeinde beitragen, so zeigt sich, daß - bei richtiger Gestaltung - „Autofreiheit“ zumindest einen großteils gewünschten Zusatznutzen für die Urlauber bringen kann. Dies sagen
sogar jene, die unbedingt mit dem Pkw anreisen wollen.
➣ Verkehrsberuhigung / Autofreiheit als Angebotsbestandteil eines Urlaubsortes?
In Relation zu den wichtigsten Angebotsbestandteilen eines Urlaubsortes (touristische Attraktivität, Lage, Erreichbarkeit etc.) kommt dem Aspekt „Autofreiheit“ weniger Bedeutung zu. Unter
33
Gästebefragung in den Partnergemeinden, EU-Projekt: Sanfte Mobilität, Sommer/Winter 1996/97
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dem Gesichtspunkt einer zusätzlichen Profilierung als Erholungsort jedoch kann dieser klare
Begriff den Ort aber von seinen alpinen Mitbewerbern abheben. Es ist natürlich der Grundsatz
der Produktwahrheit zu beachten! (Ein Ort, der nicht wirklich autofreie Zonen hat, darf auch
nicht mit diesem Begriff werben!)
➣ Mobilität vor Ort bzw. in der Region (zu den Ausflugszielen)
Ein funktionierendes ÖV-System im Urlaubsort, aber auch zu den Ausflugszielen ist eine wesentliche Infrastrukturvoraussetzung, um hohe Akzeptanz für weitreichendere Verkehrsberuhigungsmaßnahmen bei den Gästen zu erreichen!
➣ Anreise(-pakete)
Bahnanreise ist nur dann eine interessante Alternative zum Pkw, wenn diese „kundenfreundlich“, d.h. mit Abholung und Gepäcktransfer zu relativ günstigen Kosten sowie möglichst gratis
verfügbaren und funktionierenden ÖPNV, gestaltet ist. Bloße Pkw-Beschränkung ohne gute
ÖV-Alternativen stößt auf klare Ablehnung!
➣ Preispolitik
Auch die Kosten eines ÖV-Ausbaues sowie der ÖV-Anreise dürfen nicht direkt zu 100% an den
Kunden weitergegeben werden, da dies ein sicherer Mißerfolg wäre und die Gäste verärgern
würde.
5.4.2. Anregungen zur Leistungspolitik
Paketangebote
Pauschalarrangements werden sowohl für Übernachtungsgäste, als auch für Tagesausflügler
angeboten. In den Paketen sind beispielsweise die Anreise, eine Liftkarte, Eintrittskarten, ein
Leihfahrrad und die Sitzplatzreservierung eingeschlossen.
Leistungspaketen kommt besondere Bedeutung bei Vertrieb über Reisemittler zu.
Beispiele hierfür wären das Bahnanreisepaket des abr-Reisebüros für Oberstdorf, Bayern, „Mobil mit der Bahn“ in Bad Reichenhall, das „Wedelweiß-Ticket“ der ÖBB, der Gasteiner Skizug im
Land Salzburg. In Planung befinden sich im bayerischen Wald die Arber-Card, eine Regionskarte sowie ein Bahnanreiseangebot in Mittenwald, Bayern.
Verbilligte ÖPNV-Karten
Mit der Hotel-Kombi-Karte soll dem Stadtbesucher die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel
nahegebracht und erleichtert werden. Das Prinzip besteht darin, daß der Hotelgast seinen Zimmernachweis als Fahrberechtigung für den ÖPNV benutzen kann. Der Hotelier rechnet in größeren Zeitabständen mit dem Verkehrsbetrieb ab, wobei ein geringer Pauschalbetrag pro Hotelgast abzuführen ist. Im Bereich des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) liegt dieser Betrag
beispielsweise bei 0,50 DM. Für die Hoteliers ist die Maßnahme eine Frage des kalkulatorischen Preises, für die Verkehrsbetriebe eine Maßnahme der Werbung und der Bedarfsdekkung. Da die Freifahrtberechtigung dabei meistens auf den Ankunftstag und den darauffolgenden Tag beschränkt ist, werden nachfolgende Einnahmeeffekte erreicht, wenn der Gast auch
weiterhin Busse und Bahnen benutzt.
Als abgeschwächtes Modell gibt es auch die Gästekarte. Dies ist ein tariflich besonders günstig
gestalteter Fahrausweis für das ÖPNV-Netz, der vom Gast im Hotel erworben werden kann. Auf
den Gästekarten, die auch Gruppentickets sein können, werden meist auch Informationen über
Busse und Bahnen (Netz, Fahrplan usw.) und über die Stadt gegeben. Die bisherigen ErfahARGE „Sanfte Mobilität“
30
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rungen haben gezeigt, daß es sich als günstig erweist, die Einführung der „echten“ HotelKombi-Karte oder der Gästekarte in enger Zusammenarbeit mit dem örtlich zuständigen Hotelund Gaststättenverband durchzuführen. Koordinationsfunktionen sollte der Verkehrsbetrieb
bzw. -verbund übernehmen.
Der Landkreis Oberallgäu bietet, in Zusammenarbeit mit der Verkehrsgemeinschaft Oberallgäu
seit 1995 einheitliche und günstige Tarife für Urlauber. Wer im Besitz einer Gäste- bzw. Kurkarte ist, zahlt beispielsweise für eine 14 Tage gültige Urlaubskarte DM 50. Für Bahnkunden
verringert sich der Preis auf DM 35. Kinder unter 15 Jahren dürfen umsonst mitfahren. Laut
Landratsamt Oberallgäu wird dieses Angebot von den Touristen gut angenommen, von den
Einheimischen allerdings weniger gut.
Der Fremdenverkehrsverein Göteborg (Schweden) bietet ein Touristenticket „P+R/ÖPNV“ an,
das für umgerechnet DM 20 die Miete eines Pkw-Stellplatzes am Stadtrand, freie Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie freien Eintritt in einige Museen und ähnliches beinhaltet.
Erlebnispakete
Nach einmaliger Zahlung von öS 265 ermöglicht die Kärnten-Card während des gesamten Urlaubs freien Zugang zu vielen Freizeiteinrichtungen zwischen dem 24. Mai und dem 29. September. Mehr als 70 Anbieter, darunter Schiffahrtsunternehmen, Bergbahnen, öffentliche Verkehrseinrichtungen, Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele haben sich auf Initiative der Kärntner Tourismus Gesellschaft zusammengeschlossen, um ein landesweites „All-inclusive“ Erlebnispaket zu schnüren. Der Gast kann für die Dauer des gesamten Urlaubs (maximal drei Wochen) beliebig oft die Karte nützen.
Bad Wiessee bietet eine Wiessee-Card, die DM 75 kostet, und eine Woche lang die freie Benutzung aller RVO-Busse im Tegernseer Tal einschließt. Die Card berechtigt auch zu beliebig
häufigem Eintritt im Badepark mit Schwimmbad, Dampfbad und Sauna.
Auch in verschiedenen deutschen Großstädten gibt es solche „all inclusive“ Erlebniskarten. Dabei gibt es zu einem fixen Preis freie Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln und freien oder ermäßigten Eintritt in Museen und sonstige Attraktionen.
Sonstiges
In der Schweiz etwas verbreiteter, in der Bundesrepublik Deutschland noch eine absolute Ausnahmeerscheinung, sind Preisnachlässe auf Ferienwohnungen und -häuser für Feriengäste,
die mit der Bahn anreisen.
Vereinzelt erhalten Gäste, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist sind, günstigere Preise
für Liftkarten, Museen oder Veranstaltungen.
5.5. Kommunikationsmix
Werbung
Der Prospekt muß die Vorteile der Autofreiheit im Ort mit denen einer autofreien Anreise verknüpfen und in Wort und Bild sichtbar machen. Im Prospekt sollten folgende Informationen enthalten sein:
• Verkehrsspinne für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
• Fahrplanauszüge der wichtigsten Bahn- und Busrelationen von den Hauptquellorten zum
Zielort.
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• Piktogramme für Bahn, Bus und Taxi in den Kartendarstellungen und Verkehrsspinnen,
möglichst keine Autobahnsymbole.
• Hinweise auf Taxi-, Busshuttle und Abholdienste.
• Reisekostenvergleich der Anreise mit dem Pkw und mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
• Buchungs- bzw. Beratungskarte für die An- und Abreise mit Öffentlichen Verkehrsmitteln.
• Informationen über die im Ort zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel, inklusive der geltenden Tarife (Wanderbusse, Skibusse etc.).
• Hinweise auf besondere Pauschalarrangements.
• Hinweise auf weiteres Informationsmaterial wie Wanderkarten, Radwanderkarten, Ausflugsmöglichkeiten.
„Autofreiheit“ in der Werbung bzw. als USP?
Wie Untersuchungen34 eindeutig ergeben haben, ist der Begriff „autofrei“ sehr wohl für die Werbung geeignet, da die ersten 4 (!!) Assoziationen mit diesem Begriff durchaus positiv besetzt
sind. Wichtigste verbale Werbebotschaften im Zusammenhang mit „Autofreiheit am Urlaubsort“
sind:
• „bessere Luftqualität“
• „weniger Lärm“
• „mehr Platz für Fußgänger“
• „Bewahrung der Ortsstruktur“
Den negativen Assoziationen
• „Schwierigkeiten mit dem Gepäck“ und
• „eingeschränkte Mobilität“
muß - sofern ausreichende Angebote vorhanden sind (Transferservice, ÖV in der Region und
Ort..) - in der Werbung gezielt begegnet werden bzw. sollten derartige Angebote geschnürt
werden.
„Autofreiheit“ als ausschließliches USP kann aufgrund der Befragung nicht empfohlen werden,
da die Nutzenwertanalyse35 ergeben hat, daß dieser Aspekt im Verhältnis zu anderen Teilnutzen (z.B. touristische Attraktivität, komfortable Anreise, Mobilität vor Ort, etc..) eines Urlaubsortes unwichtiger ist.
Information
Besondere Bedeutung kommt einer guten Gästeinformation zu. Folgende Gesichtspunkte sind
in diesem Zusammenhang interessant:
• Information über Anreisemöglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dazu ist eine besondere Schulung der Mitarbeiter von Touristeninformationen im Bereich Beratung notwendig. Herausragende Bedeutung kommt aber auch der Schulung der Vermieter zu, da diese
34
Gästebefragung in den Partnergemeinden, EU-Projekt: Sanfte Mobilität, Sommer/Winter 1996/97 sowie Kautzky,
„Autofreie Tourismusorte in Österreich - Utopie oder Chance?“ Wien, 1995
35
Nutzenwerte der Conjoint-Analyse, GB, EU-Projekt, Sommer+Winter 96/97
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vor allem in Österreich oftmals den Erstkontakt mit ihren zukünftigen Gästen haben. Empfehlenswert wären hier Schulungsmaßnahmen zum Thema „Mobilitätsberatung“, die vom lokalen / regionalen Tourismusverband organisiert werden könnten.
• ÖV-Informationsfolder zur Mobilität mit ÖV in der gesamten Region, welcher in allen Zimmern aufliegen könnte, und kompakte Information zu Preisen, Fahrplänen, Verbindungen,
Telefonnummern, Haltestellen etc. liefert.
• Leicht verständliche Fahrplaninformationen der Verkehrsbetriebe. Besonders empfehlenswert wäre für alle Tourismusverbände die Nutzung des elektronischen Fahrplanes der Bahnen, wo in kundenfreundlicher Weise dessen optimale Bahnanreise leicht ausgedruckt werden kann.
• Übersichtstafeln an Ortsplätzen, Bahnhöfen, Bushaltestellen.
• Touristische Kartenwerke und Führer müssen das Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel
enthalten. Beispiel: Als Pilotprojekt hat der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) mit der Salzburger Land Tourismus GmbH und dem Land Salzburg eine Landkarte erstellt, in welcher die
Angebote und Linien für den Öffentlichen Verkehr von Land und Stadt Salzburg übersichtlich
dargestellt sind.
• Auslage von Prospekten mit Netzkarten, Fahrplänen und Tarifinformationen (mehrsprachig)
in den Hotelzimmern. Auf diese Weise können - eventuell mit eigenen Prospekten - auch Tarife dargestellt werden, die für Hotelgäste von besonderem Interesse sein können.
• Im Marketing für öffentliche Verkehrsmittel werden in Deutschland verstärkt Mobilitätszentralen eröffnet. Ziel der Mobilitätszentralen ist die Förderung eines umweltverträglichen Mobilitätsverhaltens durch Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Werbung und Kampagnen. Nutzer
sind Berufspendler, Autofahrer, Bus- und Bahnbenutzer, Radfahrer, Personen mit eingeschränkter Mobilität, Touristen, Gruppen und Vereine. Zu ihrer Aufgabe gehört die Beratung
von Privatkunden, die Beratung von Institutionen, die Beratung von Firmenkunden, Consulting und Verkehrserziehung.
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Werbung und Information für Anreise mit Öffentlichen Verkehrsmitteln bei den Partnergemeinden
Im Mai 1996 wurde von den Projektkoordinatoren eine „Mystery guest-Anfrage“ nach den Möglichkeiten einer ÖV- Anreise an alle Partnergemeinden gestellt. Es war eine einfache Kundenanfrage an den jeweiligen Fremdenverkehrsort mit der zusätzlichen Anmerkung, ob es denn
auch möglich sei, ohne privaten Pkw anzureisen.
Die Ergebnisse waren nicht besonders erfreulich, da bloß eine Partnergemeinde (Bad Füssing)
alle Anforderungen an eine gute Serviceorientierung erfüllt. Der Gast hat hier einen kompletten
Überblick über die ÖV Möglichkeiten und wird erst durch diese „eindringlichen“ Hinweise näher
über ÖV Anreise als Pkw-Alternative nachzudenken beginnen.
Es muß jedoch auch erwähnt werden, daß vier weitere Partnergemeinden (Mittenwald, Frauenau, Oberstdorf und die Region Lungau) entweder besonders auffällig positionierte Hinweise
zur ÖV-Anreise in ihren Prospekten haben oder sogar einen individuell auf die Anreisezeit des
Gastes ausgedruckten Fahrplan beigelegt haben (HAFAS-Fahrplan o.ä.).
Bei allen anderen Gemeinden wird vermutlich nur derjenige mit ÖV anreisen, der dies explizit
vorhat oder ohnehin keine andere Möglichkeit hat.
In der Werbung für eine „umweltfreundliche“ Anreise liegt somit noch viel Verbesserungsbedarf,
will sich eine Gemeinde in Richtung „Autofreiheit“ entwickeln.
Zentrale Vorschläge hierfür wären somit:
• soweit wie möglich stets - unaufgefordert und als Selbstverständlichkeit - ein persönliches
„Hafas“-Anreise- und Abreiseblatt (elektronische Zuginformationen der Bahn) beilegen.
• besondere Hervorhebung der vielfältigen ÖV - Möglichkeiten in der Region (zentrale Ausflugsziele) sowie Bewerbung der ÖV Anreise mit Preisbeispielen
• Vermittlung der „Philosophie“/des „Leitbildes“, daß die Gemeinde vom Autochaos wegkommen will, unter Aufzählung der zahlreichen Vorteile.
• Eventuelle Abholdienste und Gepäckbeförderungsmöglichkeiten leichtverständlich hervorheben.
Öffentlichkeitsarbeit
Der Öffentlichkeitsarbeit innerhalb der Gemeinde/Region kommt besondere Bedeutung zu, da
es ansonsten bei verkehrsbeschränkenden Maßnahmen, über deren Zweck die lokale Bevölkerung nicht aufgeklärt worden ist, sehr leicht zu Widerständen kommen kann, die schließlich zu
einem politischen Problem für die Entscheidungsträger werden können. Je stärker die geplanten Maßnahmen sind, desto intensiver sollte die Bevölkerung durch Ausstellungen, Studien,
Infoblätter, Arbeitskreise, Versammlungen etc. bereits vor der Umsetzung involviert werden.
Wie wichtig die Arbeit mit der lokalen, betroffenen Bevölkerung sowie deren fachlicher Information ist, bestätigen die Befragungen unter den Meinungsbildnern in den Partnergemeinden.
Weiteres zum Thema Informationsarbeit innerhalb der Gemeinde findet sich unter dem Kapitel
2.1.4. „Akzeptanz/Innenmarketing“.
Neben der Öffentlichkeitsarbeit in Form von Pressemitteilungen, Einladungen für Journalisten
etc. können verschiedene Instrumente Anwendung finden.
• Im Rahmen eines Bahnhofsfestes können angeboten werden: Informationen, Musik, Imbiß,
Fragebogenaktion zum ÖPNV mit Preisen für die besten Vorschläge, stündliche Triebwagenfahrten, Sonderfahrten, Fahrten mit der historischen Handhebeldraisine, Stände und
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Spiele für Kinder, Sonderzugfahrten, Fotoausstellungen und Stellwerkbesichtigungen, Modellbahnbörse, Modelleisenbahnschau, Infostände von regionalen Umweltgruppen.
• Zur Werbung für die Umorganisation des Nahverkehrs im Landkreis Kehlheim veranstaltete
die „Verkehrsgemeinschaft Landkreis Kehlheim“ ein großes Nahverkehrs-“Festival“. Alle
Busse und die Züge der Bahn konnten an diesem Tag kostenlos benutzt werden. Die Veranstaltung ist auf große Resonanz gestoßen.
• Ein wirksames Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit ist auch ein Gütesiegel für Unterkünfte mit
Sanfter Mobilität.
• u.v.m.
5.6. Marketing für Fahrradtourismus
Ein besonders wichtiges und auch populäres „sanftes“ Nahverkehrsmittel und Freizeitbeschäftigung ist natürlich das Radfahren. Radtourismus ist auch im Sinne der Projektziele zu fördern,
da eine derartige „natürliche“ Mobilität entlastende Wirkung auf das gesamte Verkehrsgeschehen hat. Aus diesem Grunde wurde „Marketing für Fahrradtourismus“ im 2. Zwischenbericht als
eigener allgemeiner Punkt behandelt. Allgemein wird hier darauf nicht mehr eingegangen.
Im Modellort Oberstdorf wurde Anfang Juni 1997 im Rahmen des EU-Projektes mit weiteren
Organisationen (ADFC) eine Fahrradkonferenz durchgeführt. Siehe dazu Berichte Modellpartner.
6.
Akzeptanz / Innenmarketing
Die Befragung der Meinungsbildner der einzelnen Partnergemeinden hat eindeutig ergeben,
daß der Kommunikation mit der ansässigen Bevölkerung („Innenmarketing“) höchste Priorität
zuzuordnen ist, will man bei der Umsetzung von einschneidenden Verkehrsmaßnahmen erfolgreich sein.
Ein positives, verständnisvolles Meinungsklima ist das Resultat einer langfristigen Informationspolitik; wird diese vernachlässigt, so kann sich dies politisch negativ auswirken, was schließlich zu einer Revision der gutgemeinten Maßnahmen führen kann.
6.1. Was versteht man unter „Innenmarketing“?
Innenmarketing wird als aktive Bemühung der Fremdenverkehrsunternehmung (in unserem
Sinne: der Fremdenverkehrsgemeinde) um Unterstützung aller Leistungsträger sowie der Einwohner bei der Gestaltung des Produktes „Autofreier bzw. verkehrsberuhigter Kurort/Fremdenverkehrsort“36 verstanden.
Vor der Tatsache, daß es keine Maßnahme in einer Gemeinschaft geben kann, die sich vollständiger Zustimmung erfreuen kann, gilt es für die Entscheidungsträger, das „richtige“ Ausmaß
an Einbindung einer „richtigen“ Anzahl an Mitbürgern sowie ein notwendiges Maß an Eigeninitiative zu finden.
36
Reppel, K., in: Wolf J., Seitz E.: Tourismusmanagement und -marketing, Landsberg / Lech 1991, S.31
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Erleichtert wird diese Vorgangsweise durch eine profunde Vorbereitung auf das zu lösende
Problem - eine ehrliche Situationsanalyse - sowie durch Identifikation der relevanten Umwelten,
in deren Einflußbereich eine Maßnahme fällt.
Erster Schritt auf diesem Weg ist somit eine „nüchterne“ Problemanalyse, die das zu lösende
Problem, Konfliktmöglichkeiten und Unsicherheitsfaktoren möglichst genau analysiert und den
Handlungsbedarf veranschaulicht. Hierbei ist eine Entwicklung von Maßnahmen in Varianten,
sowie deren jeweilige Auswirkungen ratsam. Diese unterschiedlichen Varianten bzw. Problemlösungsstrategien können dann auf ihre Machbarkeit in sozialer, rechtlicher, finanzieller und
politischer Hinsicht geprüft und gegeneinander abgewogen werden.
6.2. Mögliche Probleme und Widerstände
• mangelnder Informationsfluß zwischen Leistungsträgern, FV-Verwaltung und Bevölkerung
• „Fremdenverkehrsverdrossenheit“ der Bevölkerung
• Interesselosigkeit wichtiger Leistungs- und Entscheidungsträger (vor allem bei mangelnden
Leidensdruck)
• politische Rangeleien ohne Sachbezug zum Problem
• „zu viele Köche“ (inkompetente Stellen mischen sich in Fachprobleme ein)
• Spannungsfeld zwischen verschiedenen Gästegruppen im Ort und in der Umgebung
• zu theoretische Informationsrunden (schrecken „Praktiker“ ab, aktiv daran teilzunehmen)
• Einzelegoismen überwiegen oftmals Gemeinwohl
• persönliche Empfindlichkeiten (mangelnde soziale Kompetenz)
• Uneinsichtigkeit/Unreife bei Beteiligten oder einzelnen Gruppen
• Fehleinschätzungen der örtlichen Kräfteverhältnisse
• mangelnde Weitsicht, keine Zukunftsplanung
• unzureichende Kompetenzen der Fremdenverkehrsstelle zur Koordination und Moderation
• Qualifikationsmängel und fehlendes psychologisches Gespür bei Leistungsträgern und
nachgeordneten Mitarbeitern
• keine unmittelbare Meßbarkeit von Erfolg/Mißerfolg im Innenmarketing (Problem der quantifizierbaren Erfolgskontrolle)
• Aufgrund fehlender „Machtausstattung“ im Innenmarketing kommt einem konstruktiven
Kommunikationsfluß eine überragende Bedeutung zu (überwiegend nur empfehlende, meinungsbildende, anregende, koordinierende Tätigkeiten sind hauptsächlich nur über den Appell an die Vernunft umsetzbar)37
Wichtig ist die Bekanntmachung/Bewußtmachen der weitreichenden Konsequenzen einer restriktiven Verkehrspolitik:
Mögliche positive Auswirkungen könnten etwa steigende Lebensqualität, höherer Preisspielraum bei elitärer Positionierung, Lärm- und Schadstoffemissionsreduktion, Attraktivierung des
37
nach: Wolf J., Seitz E.: Tourismusmanagement und -marketing, Landsberg / Lech 1991, S.34
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Ortsgebietes/Ambientes, Steigerung des Erholungswertes für Gäste, Image und Marketingvorteile durch besonders positionierbares Werbeprofil sein.
6.3. Beteiligte am Innenmarketing
• Stadt / Gemeinde / Kreis
• Banken
• regionale Fremdenverkehrsverbände /
Fremdenverkehrsamt / Kurverwaltung
• örtliche Behörden (Polizei, Forstamt etc.)
• Verkehrsvereine
• Einzelhandelsverband
• HoGa
• Handwerk und Industrie
• Vereine (Wander-, Künstler-, Sportvereine)
• Interessengemeinschaften (Bürgerverein)
• Verkehrsbetriebe
• Schulen
• Reisebüros
• Bevölkerung
6.4. Formen der Beteiligung und Information
Die Formen des Innenmarketings reichen von der Bürgerinformation über die Bürgermotivation
hin bis zur Bürgerbeteiligung.
Der VCÖ schlägt vor, diese im Projektverlauf folgendermaßen einzusetzen:38
• Vorbereitungsphase Bürgerinformation: Gemeindeblatt, Broschüren, Folder, Plakate,
Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen, Exkursionen, Befragungen
• Planungsphase Bürgermotivation und Bürgerbeteiligung: Veranstaltungen mit OpinionLeaders und Prominenten, Schülerwettbewerbe und Ideenwettbewerbe, Prämierungen (beste innovative Verkehrsinitiative, z.B. Gästeabholdienst), Bürgerworkshop, Runder Tisch,
Offener Briefkasten)
• Realisierungsphase Bürgerbeteiligung: Installierung eines Bürgertisches und Mitarbeit im
örtlichen Verkehrsausschuß
6.5. Praktische Tips für Innenmarketing-Aktionen (Beispiele)
Zur Lösung von Problemen im Innenmarketing verfügen die Verantwortlichen über ein breites
Instrumentarium, um Bürger und Gäste auf die „Ortsphilosophie“ einzustimmen. Wesentlicher
Schlüssel zum Erfolg sind Ideen und Engagement, z.B.39:
• Bürgerversammlungen
• Informationsveranstaltungen (z.B. Ausstellung der IG Sanfte Mobilität: Österreichische Initiative von 6 Gemeinden im Vergleich zu G.A.S.T. - Gemeinden der Schweiz)
• Hearings und Podiumsdiskussionen in den Gemeinderäten, die zusammen mit Fachleuten
veranstaltet werden
• Schulungen für bestimmte Gruppen (Gastronomen, Hoteliers..)
38
vgl.: VCÖ: Wege zum Autofreien Tourismus, o.J., S.101 ff.
39
nach: Reppel, K.:in: Wolf, J. , Seiz, E. (Hrsg.): Tourismusmanagement und -marketing, Landsberg/Lech 1991, S.39
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• Einrichtung einer Interessengemeinschaft der am Fremdenverkehr Beteiligten und der Einwohner
• persönliche Kontakte
• Ausschreibung von Wettbewerben (Ortsverschönerung, Ortsraumgestaltung, Flächenaufteilung, „Schönste Fassade“..)
• aktive und breit angelegte Informationspolitik über geplante Marketing-Aktivitäten
• Ideenwettbewerb zur Verbesserung des Angebotes
• Motivierung der Mitarbeiter in Einrichtungen der örtlichen Leistungsanbieter
7.
Neue Technologien / Innovationen
7.1. Allgemeines
Im Rahmen dieses Projektes gehören natürlich auch Vorschläge zur Verringerung bzw. Vermeidung der Lärm- und Umweltbelastungen durch den öffentlichen Verkehr zu dessen Zielen.
Aus diesem Grund wurden vom Planungsbüro Lang/Keller/Burghardt nicht nur positive Beispiele der Partnergemeinden (wie z.B. Oberstdorf, Lungau) betrachtet, sondern auch andere
technische Innovationen im deutschsprachigen Raum auf deren Nachahmenswürdigkeit geprüft. Interessante Beispiele beim Einsatz neuer Technologien sind die Partnergemeinden
Oberstdorf und Bad Füssing.
• Elektrobus Oberstdorf und Berchtesgaden
Seit 1992 wird in beiden Gemeinden durch verkehrliche Entlastungskonzepte mit Auffangparkplätzen vor Ort und dem Einsatz von Elektrobussen die Möglichkeit einer Lärm- und Luftentlastung untersucht. Vergleichende Verkehrszählungen und Luftgütemessungen unterstreichen die
deutlichen Anfangserfolge; auch die anfänglichen Schwierigkeiten mit der Batterietechnik sind
behoben. In Oberstdorf ist auch der Test eines neuartigen Zink-Luft-Energiespeichersystems
vorgesehen, der die Reichweite von ca. 60 km auf 300 km erhöhen wird. Das Umweltministerium übernimmt die Mehrkosten im Vergleich zum Dieselbetrieb. Weitere Projekte mit Elektrobzw. Hybridbussen sind in Bad Füssing, Bad Wörishofen und im südlichen Oberallgäu angelaufen bzw. geplant.
• Elektroautos für Autoteilen in Werfenweng, Salzburg
Ein gutes Beispiel, wie dem Mobilitätsbedürfnis von Bevölkerung und Gästen ohne Luftverschmutzung entsprochen werden kann, wird bald die Gemeinde Werfenweng sein, wo das
Projekt „Autoteilen“ mit Unterstützung von renommierten Autofirmen noch Sommer 1997 in Betrieb gehen soll.
ARGE „Sanfte Mobilität“
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
7.2. Andere technisch innovative Beispiele
• Wiesbaden/Kassel: Bezuschussung von Elektroautos
• Burghausen, Memmingen, Kassel: „Die Sonne im Tank“: Elektrofahrzeuge
• Verkehrsmodell Weißensee: Einschränkung des Tagesausflugsverkehrs mit dem Auto und
des selbstgemachten Kfz-Verkehrs, die Förderung der Anreise ohne Auto sowie der Vorrang
für nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer
• Methanolmotoren (Seattle, Baden-Wettingen und Berlin)
• Flüssiggasmotoren (Wien)
• Hybridbus (südliches Oberallgäu einschließlich Kleinwalsertal) geplant: Kombination aus
Dieselantrieb sowie batterie-elektrischer Antrieb innerhalb von Ortschaften
• Erdgas-Überlandbus im Nationalpark Bayerischer Wald
• Linienbus mit Wasserstoff (Erlangen)
• Kooperation Autovermieter - Deutsche Bahn mit dem Ziel: Am Bahnhof erwarten den Reisenden abgasfreie Elektroautos
• Solarenergie für Bahn (Nationalpark Sächsische Schweiz): Die historische Kirnitzschtalbahn
soll mit aus Sonnenlicht erzeugter Energie betrieben werden.
Literatur
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ADFC: Fahrrad und sanfter Tourismus - Wir radeln in die Zukunft, Dokumentation der Fachtagung „Fahrradtourismus - eine neue Reiseform - Aufgaben für Politik und Planung“, München
1991
ADFC: Fahrradtourismus - Marketing und Strategien bei der Öffentlichkeitsarbeit
ADFC: Handreichung zur Förderung des Fahrradtourismus, Bremen 1993
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BASYS: ,,Tourismus, Umwelt und Verkehr; BP. Oberallgäu,Augsburg 1993
Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen: Schadstoffreduzierung durch Förderung des Fahrradverkehrs; München 1995.
BMFT-Journal „Elektrofahrzeuge“ beweisen auf Rügen ihre Umweltfreundlichkeit, 1992
BSTLU „Elektrobusse“/Hybridbusse, Erdgas-/Wasserstoffbusse, 94/95/96
Deutsche Bahn: Urlaub mit der deutschen Bahn Sommer 1996
Die Zeit, Catrin Boldebuck, Sackgasse Kleinwalsertal, 3/95
Europäisches Tourismus Institut GmbH: Fahrradtourismus- Baustein eines marktgerechten und
umweltverträglichen Tourismus. Trier 1996.
Focus, Nr.23, 1996, S.148, Elektrischer Alltag
Forschungsgesellschaft Mobilität (FGM): Grundlagenstudie zu elektronischen Auskunftssystemen für ÖV in Österreich, Graz 1996
ARGE „Sanfte Mobilität“
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ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
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Thema "Autofreie Tourismusorte", 2/94
Frankfurter Rundschau, Börnecke, S., Das Elektroauto bringt keinen Umweltvorteil, Wiesbaden/Kassel 1994
Gemeinschaftsaktion „Umweltverbund im Nahverkehr“: Freizeit ohne Auto. Bonn 1991
Gemeinschaftsaktion „Umweltverbund im Nahverkehr“: Verantwortung übernehmen - Umsteigen fördern, Bonn 1990
Gemeinschaftsaktion „Umweltverbund im Nahverkehr“: Verantwortung übernehmen - Umsteigen fördern. Bonn 1990.
Hanke F.-J.: Fahrradausflug mit dem Bus. In: ÖKO-TEST-Magazin 8/1990, S.54-56.
Info-Folder von Bayern Expreß & P. Kühn Berlin GmbH, Mannheimerstr. 333/34, 10713 Berlin
Tel. 0130/ 867022
Infobroschüre Bad Füssing 1996
Infobroschüre Oberstdorf: ..auf der Sonnenseite der Alpen; Pauschalangebote für die Sommersaison 1996
Infobroschüre: Umweltfreundliches Reiseziel Thunersee, Spezialangebot 1993 Bahn/Hotel;
Verkehrsverbund Thunersee Tel. 033 54 72 56
Infobroschüren Garmisch-Partenkirchen: Inklusiv-Programme 1996, Inklusiv-Programm Winter
1995/96
Ing.-Büro, Fritz Kermer,Verkehrsmodell Weißensee,1993
Kautzky R.: Autofreie Tourismusorte in Österreich - Utopie oder Chance? Wien, 1995
kraftWerk ,,Solarmustergemeinde Weißensee/Kärnten,1991
Langer, G.: Verkehrsqualität und Attraktivität von Tourismusangeboten: Empirische Befunde für
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21.04.1995. S. 29-59.
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MAN-Nutzfahrzeuge AG - München, Dipl.-Ing Hans Drewitz, Erdgasantrieb für Stadtbusse und
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MOBIL OHNE AUTO: Aktionsratgeber für kommunale Umweltberater. Aktion 16.06.1996.
NL 232 CNG,1993
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ÖAR-Regionalberatung GmbH, C. Weinberger: Mystery guest-Analyse bei den Partnergemeinden, EU-Projekt: Sanfte Mobilität, Sommer/Winter 1996/97
ÖGAF: Gästebefragung Österreich , Sommer 1994
Ökopartner: Mobilitätsberatung für Schleswig-Holstein. Dokumentation des ExpertInnenforum
13.03.1996 in Lübeck.
ARGE „Sanfte Mobilität“
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ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
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Österreich Werbung - Bulletin spezial: Tourismusmarkt Großbritannien, London 1996
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ZUG/Deutsche Bahn,Ulf Böhringer,Summen durch die City,6/96
ARGE „Sanfte Mobilität“
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ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
III. ERGEBNISSE - MAßNAHMEN UND PROJEKTE
IN DEN MODELLORTEN UND -REGIONEN
Ein zentraler Inhalt des EU-Projektes war die konkrete Arbeit in den Modellorten und -regionen.
Es wurde versucht, in Abstimmung mit der installierten Projektgruppe vor Ort, ein angepaßtes
Maßnahmenmix zu planen. Damit sollte einerseits möglichst auf die Bedürfnisse des jeweiligen
Modellpartners eingegangen werden, andererseits möglichst vielfältige Erfahrungen eingebracht werden.
Die Maßnahmenbündel sind, wie der Überblick auf der folgenden Seite zeigt, breit gestreut. Die
Umsetzung ist unterschiedlich weit fortgeschritten.
In den Projektinfos wurden immer wieder auch aktuelle Informationen und Fragen behandelt.
Daher sind auch diese Projektinformationen als Teil des Endberichtes zu verstehen.
Selbstverständlich wurden auch in den Tourismusorten die als ERFA-Partner am EU-Projekt
„Sanfte Mobilität“ beteiligten, wichtige weitere Arbeiten und Maßnahmen durchgeführt. Diese
Ergebnisse können jedoch - aufgrund des Umfangs - im Detail nicht dargestellt werden.
ARGE „Sanfte Mobilität“
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Überblick der geplanten Maßnahmen in den Modellorten/-regionen
Gemeinde/Region
Maßnahmen Verkehr
• Konzept Tälerbus Lungau zur Weiterentwicklung und wirtschaftlichen Sicherung
Region Lungau
• Radregion Lungau
• Workshops zur Forcierung von Problemlösungen (Verkehrsberuhigung)
Inneres
Salzkammergut
• Leitkonzept Forcierung ÖV
(Bus-Bahn-Schiff-Rad)
• Konzept für eine umfassende Gästeanreiselogistik für den Raum Werfenweng mit konkreten Umsetzungmaßnahmen
• Unterstützung der Gemeinde bei aktuellen Projekten durch bedarfsgerechte
Beratung
Bad Füssing
Bodenmais
Zwiesel
Oberstdorf
Hochpustertal
ARGE „Sanfte Mobilität“
• Maßnahmenplan zur Verbesserung
der Innenkommunikation
• Durchführung von Veranstaltungen
• Weiterentwicklung des ÖkoFerienpaß-Lungau
• Innovativer Regionsfahrplan mit
REGIS-Card und Ausflugstips
• Motivationskampagne für Gäste,
Betriebe und Tourismusorganisationen, Beschäftigte im ÖV ( z.B. Video)
(REGIS)
Werfenweng
Maßnahmen Marketing
• Unterstützung der Gemeinde und
des Tourismusverbandes bei der
Kommunikationsarbeit zur Realisierung des Zieles „Autofreies Werfenweng“
• Neues Tourismusprospekt mit Hinweisen auf „Urlaub ohne Auto“
• Optimierung der
Ortsbuslinie
• Marketingaktivitäten für An/Abreise mit der Bahn: Verbesserung des individuellen Transferangebotes Bahnhof Pocking - Hotel;
persönlicher Service
• All-inclusive Erlebniskarte
„Arber Card“:
• All-inclusive Erlebniskarte
„Arber Card“:
Verkehrliche und technische Grundlagen; Leistungsträger
Touristische und kommunikative
Grundlagen
• Konzept zur Weiterentwicklung des
Fahrradverkehrs/-tourismus
• Maßnahmen zur Forcierung des
Radtourismus und Fair Play der
Verkehrsteilnehmer: Fahrradkonferenz
• Studie Ausflugstourismus
• Informationsmaterial für ÖV (Folder,
neue Fahrpläne)
• Konzept Skibussytem Hochpustertal
(Optimierung der Verbindungen der
• Gästekarte
Freizeiteinrichtungen im Sommer und
• Begleitende Maßnahmen zur StärWinter; Fahrpläne, Finanzierungskung der Bekanntheit des ÖVmodell))
Angebotes (Infotafeln, Schulung der
Mitarbeiter in den Gästeinformationsstellen)
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ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
1.
Process Report - Endbericht
Ergebnisbericht Region Lungau
Bearbeitung: Karl Reiner, Emil Hocevar
Ausgangssituation
Zur Vorbereitung der EU-Ziel-5b Regionalförderung wurde in Form des „Regionalwirtschaftlichen Konzepts Lungau (RWK)“ von Jänner 1994 bis März 1995 ein mittelfristiges, strategisches
Entwicklungsprogramm für den Lungau erstellt.
An der Erstellung des RWK haben zahlreiche Personen aus allen wesentlichen Entwicklungsbereichen des Lungau intensiv mitgewirkt. Das RWK Lungau, welches auch einen Maßnahmenschwerpunkt Verkehr/Umwelt enthält, wurde vom Regionalverband Lungau beschlossen,
und kann so als fachlich fundierte und von der Region getragene Entwicklungsstrategie bezeichnet werden.
Leitziel Tourismus
Der Lungau soll ein eigenständiges Markenprodukt für einen umwelt-, gesundheits- und
naturorientierten und wertschöpfungsstarken Qualitätstourismus werden.
Die mit der AG Tourismus erarbeiteten Leitziele enthalten wichtige Aspekte für eine integrierte
nachhaltige regionale Entwicklung.
Diese Leitziele können nur durch eine regional koordinierte Tourismusentwicklung mit klarer
Zielvorstellung auch in den einzelnen Entwicklungsbereichen und ein einheitliches, konzentriertes Auftreten am Markt erreicht werden. Die ”Öko-Orientierung” und die ressourcenschonende Nutzung des Naturraumes muß in den Angeboten und in der realen Umweltqualität
sichtbar zum Ausdruck kommen.
Natürlich Lungau
Es ist geplant, den Lungau künftig unter einer gemeinsamen Regionsmarke zu vermarkten: Lungau als Tourismusregion, aber auch
landwirtschaftliche Produkte aus dem Lungau. Damit soll ein Qualitätsimage aufgebaut werden. Der Riese Samson, eine Traditionsfigur,
soll als bildliches Logo verwendet werden:
Profilierung als Umweltregion durch selbstgewählte Grenzen
Selbstgewählte, verbindliche Ausbau- und Intensitätsgrenzen, Umweltmusterbetriebe und Mustergemeinden sollen signalisieren, daß für
den Lungau der umwelt- und naturorientierteTourismus mehr als nur ein PR-Gag ist. Für die
Sicherung der Umweltqualität und die weitere Profilierung sind ehrliche Konzepte zu erarbeiten
und sichtbare, konkrete Maßnahmen zu setzen. Des weiteren sollen freiwillig festgelegte Bettenobergrenzen für die Region insgesamt und für die Gemeinden im einzelnen (Bettenkontingente) als Teil des regionalen Leitbildes festgelegt werden. Ein Verhältnis von 1:1 wurde im
Rahmen der Diskussion des vorliegenden Tourismuskonzeptes als wünschenswert betrachtet.
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Die Region bzw. die Tourimusverbände haben bereits in den letzten Jahren deutliche Akzente
für eine „sanfte“, umweltverträgliche Tourismus- bzw. Regionalentwicklung gesetzt:
• weitgehend intakte Kulturlandschaft
• hoher Anteil an Schutzgebietsflächen
• sehr hoher Anteil an biologisch wirtschaftenden bäuerlichen Betrieben
• Umweltsiegel Lungau für Tourismusbetriebe
• Ökoferienpaß
• Tälerbus Lungau
• Hackschnitzel-Nahwärmeanlagen in Mauterndorf und Tamsweg
Zur Umsetzung des RWK Lungau müssen konkrete Projekte geplant und realisiert werden.
Regionale Arbeitsgruppen haben mittelfristige, umsetzungsorientierte Aktionsprogramme in
Tourismus, Gewerbe und Industrie, Land- und Forstwirtschaft und LEADER II erarbeitet.
Seit April 1996 beschäftigt der Regionalverband einen hauptberuflichen Regionalmanager, der
die Umsetzung des Aktionsprogramms Lungau bzw. der Schlüsselprojekte unterstützen wird.
Im März 1996 hat der Regionalverband als eine sichtbare Konsequenz in Richtung Umsetzung
des Maßnahmenschwerpunktes Tourismus/Umwelt/Verkehr (“Umweltoffensive“) beschlossen,
sich am EU-Projekt Sanfte Mobilität zu beteiligen. Dafür wurde eine Projektarbeitsgruppe
Sanfte Mobilität eingerichtet. In zwei Arbeitssitzungen im Mai und Juli wurde das Arbeitsprogramm abgestimmt (siehe folgende Darstellung).
Projektgruppe
Sanfte Mobilität/ Umwelt
Qualitätstourismus
Ö A R -R egionalberatung G em bH
Aktionsprogramm Lungau
Maßnahmenschwerpunkt Umwelt/Verkehr
EU-Projekt Sanfte
Sanfte Mobilität
EU-Projekt
Mobilität
Koordinierung Verkehrsmaßnahmen
Autofreie Zonen
Profiliertes Radangebot
Ökoregion Lungau
Arbeitspakete/Teilprojekte
(schattiert Maßnahmen im Rahmen des EU-Projektes)
Lungau
Lungau
Radregion
Radregion
Tälerbus
Tälerbus
Lungau
Lungau
Verbesserung
Verbesserung
Verkehrsystem
Verkehrsystem
VerkehrsVerkehrsberuhigung
beruhigung Orte
Orte
Radwegeinfrastruktur
Betriebswirtschaftl.
Konzept
Lungau Takt
Mariapfarr
Radrouten/-runden
Region
Weiterentwicklung
Angebot Routen
Skibus
Mauterndorf
Logistik/
Beschilderung
Zusatzangebote/
Aktionen
ASTL
Tamsweg
Radbetriebe/
Zusatzangebote
Marketing
Taurachbahn
St. Michael
Marketing/
Informationsmat.
Finanzierung
Controlling
Projektumsetzung
ProjektManagement
ÖkoÖkoMarketing
Marketing
Kommunikation
Außen
• ÖKO-Ferienpaß
• Integration
Sanfte Mobiltät
in Tourismuswerbung
etc.
Kommunikation
Innen
• Sanfte Mobilität/
Verkehrsberuhigung als
Lungauer Thema
• Verkehrsbüros
Bürgerinformation
•Veranstaltungen
etc.
n:\usr\karl\projekte\reo-lung\folien\rad.ppt
Der Lungau war durch ein Projektteam in das EU-Projekt eingebunden: Hauptansprechperson
aus der Region ist Direktor K.D. Berg (Gebietsverband). Weitere Mitglieder: Bgm. P. Schrei-
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
lechner (Mariapfarr), B. Holzrichter (RM Lungau), E. Hocevar (Tälerbus), G. Jäger (SLT), M.
Grünbacher (TV St. Michael) und K. Reiner (ÖAR-Regionalberatung GmbH) als Gesamtprojektkoordinator. Anfang Mai 1996 hat die Projektstartsitzung stattgefunden. Dabei wurde das Arbeitsprogramm festgelegt. Im Juli und November 1996, sowie im Februar 1997 fanden weitere
Projektarbeitssitzungen statt.
Ziele
• Erhaltung und Verbesserung des öffentlichen Verkehrs durch flexible, angepaßte Angebote
• Sicherung des regionalen Verkehrsverbundes Lungau - Murau - Nockgebiet
• Planung und Abstimmung der Aktivitäten und Optimierung der Kommunikation im Lungau
zum Thema Tourismus-Verkehr- Umwelt
• Überlegungen für ein nachhaltiges, alpines Verkehrssystem in der Modellregion
Insgesamt geht es vor allem um die Entwicklung eines attraktiven Öffentlichen Verkehrs für die
Region Lungau. Innerhalb des EU-Projektes soll vor allem versucht werden, den Lungauer
Tälerbus wirtschaftlich langfristig auf sichere Beine zu stellen. Dafür ist auch der 2. Schwerpunkt Innenkommunikation eine wesentliche Voraussetzung. Das Thema Tälerbus sowie Tourismus/Verkehr/Umwelt allgemein soll verstärkt positiv zum Gast, zum Tourismusbetrieb sowie
zu den Tourismusverantwortlichen und der Bevölkerung kommuniziert werden. Soweit im Rahmen des EU-Projektes Sanfte Mobilität möglich und erwünscht, sollen weitere regionale Projekte (ÖV-Management, Radregion Lungau, Verkehrsberuhigungsmaßnahmen) konzeptionell
unterstützt werden.
Projektübersicht
Lungauer Tälerbus
Das Tälerbusprojekt, 1989 auf privater Initiative im Lungau ins Leben gerufen, hat als innovative
Initiative zur Verkehrsfreimachung alpiner Täler internationale Anerkennung erhalten. In der
Region (Bevölkerung, Betriebe) fehlt teilweise nach wie vor die notwendige Unterstützung. Eine
“Imagekampagne bzw. Informationswelle” für diverse Zielgruppen (Tourismusverbände, Gemeinden, Haushalte, Tourismusbetriebe etc.) ist für eine stärkere Akzeptanz und finanzielle
Unterstützung notwendig. Weiters soll ein Konzept für die längerfristige wirtschaftliche Sicherung und ein professionelles Projektmanagement Tälerbus erstellt werden. Dabei wird auf die
Integration in ein zukunftsfähiges Gesamt-ÖV-Management im Lungau Rücksicht genommen.
Ökoferienpaß
Das Öko-Ferienpaß Lungau besteht seit 1993. Um öS 440,-/ÖS 220,- können eine Reihe von
Freizeit- und Infrastruktureinrichtungen in der Region genutzt werden. Ziele sind einerseits eine
Attraktivierung des Angebotes, andererseits soll damit ein Anreiz geboten werden, das eigene
Auto stehen zu lassen. Für das Image ist der Öko-Ferienpaß sehr positiv zu bewerten, die konkreten Verkaufszahlen sind nicht sehr zufriedenstellend.
Der nach dem Vorbild der Kärnten Card von der Salzburger Land Tourismus Gesellschaft SLT
entwickelte Salzburg-Joker ist ein ähnliches landesweites Angebot, als dessen Vorläufer sich
der Öko-Ferienpaß versteht.
ARGE „Sanfte Mobilität“
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Die Einführung des Salzburg-Joker wird jedoch vorerst nicht realisiert. Der Öko-Ferienpaß
Lungau wird daher vorerst weiter bestehen bleiben. Überlegungen zur Entwicklung wurden von
Seiten des Gebietsverbandes bereits angestellt. Dabei sollen auch andere Erfahrungen einbezogen werden, da insgesamt eine „Card-Welle“ festzustellen ist. Auch im Rahmen des EUProjektes wurde für die Arberregion ein modellhaftes Konzept entwickelt (siehe Bericht Zwiesel
und Bodenmais).
Radregion Lungau
Die Profilierung des Lungau durch eine Umweltoffensive und angepaßte Freizeitangebote ist
eines der Leitziele bzw. Maßnahmenschwerpunkte des regionalwirtschaftlichen Konzeptes für
den Lungau. Der Ausbau des Radangebotes zu einer Radregion ist dabei eines der Schlüsselprojekte im Lungau und paßt optimal zum Leitbild.
Zentrale Bestandteile sind der Murradweg vom Murursprung bis zur Landesgrenze und die Mitterbergrunde. Darüber hinaus wurde bereits ein Mountainbike-Konzept - in Kooperation mit den
Grundeigentümern - erstellt, um auch für Mountain-Biker ein attraktives Angebot zu haben, ohne permanente Konflikte mit Grundeigentümern und Gesetz. Damit sollen die Radfahrer als
wichtige Zielgruppe für den Lungau gewonnen werden, das Radwegenetz soll aber auch der
einheimischen Bevölkerung im regionalen Verkehr das Benutzen dieses “sanften” Verkehrsmittels erleichtern. Einige geplante Teilmaßnahmen konnten bereits realisiert werden: Raddorf,
Beschilderung, weitere Radwegabschnitte, erste gezielte Marketinginitiativen. Das Projekt
Radregion wird von TV St. Michael (Frau Grünbacher) koordiniert.
Die Bemühungen um verkehrsberuhigte Talwege im Rahmen des Tälerbusprojektes kommen
auch den Radfahrern zugute und sollten von der Projektgruppe Radregion Lungau mitgetragen
werden.
Kurort Mariapfarr
Seit einigen Jahren besteht das Projekt “Heilklimatischer Kurort Mariapfarr”. Die Vorarbeiten
sind weitgehend abgeschlossen. Das Projekt eignet sich für mehrere Zielsetzungen: Qualitätstourismus, neue Angebote, Verkehrsberuhigung, Beitrag zur Verbesserung der Umweltqualität etc.
Innenkommunikation
In der Projektgruppe besteht Einigkeit, daß die Kommunikationstätigkeit in der Region für den
Bereich Tourismus-Umwelt-Verkehr verstärkt und die Aktivitäten möglichst koordiniert werden
sollen. Es sollte versucht werden, künftig in allen touristischen Werbemitteln das Thema Umwelt/Verkehr stärker zu berücksichtigen, z. B Informationen zum Umweltsiegel Lungau, Lungauer Tälerbus, Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Verkehrsberuhigungsmaßnahmen,
autofreie Angebote etc.
Im Oktober 1996 fand in Tamsweg auf Initiative der Projektgruppe Verkehr bzw. des Regionalmanagements Lungau eine Veranstaltung zum Thema Verkehrsberuhigung und Sanfte Mobilität im Lungau statt. Es waren die meisten Bürgermeister der Lungauer Gemeinden vertreten.
Herr Hochwarter stellte die IG Sanfte Mobilität vor, einige Gemeinden (Muhr, Zederhaus) sind
konkret an einer Mitgliedschaft interessiert. Weiters war Herr Dipl. Ing. Haider von der Landesstelle für Dorferneuerung Salzburg anwesend. Die Bürgermeister stellten ihre Ansichten und
Pläne zum Thema vor.
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Am 5. November fand auf Einladung des Arbeitskreises Öffentlicher Verkehr (Initiator Dr.
Hocevar) eine Veranstaltung “Die Tälerbussaison 1996 Rückblick und Perspektiven” statt.
Die teilweise Übertragung der Projektverantwortung an die örtlichen Verkehrsvereine im Rahmen des Sonnybuskonzeptes führt zu einer verstärkten Beschäftigung der örtlichen Stellen mit
der Materie und fördert daher maßgebend das Innenmarketing durch Bewußtseinsbildung.
Ende Juni 1997 wurde in einer Veranstaltung “Die Tälerbussaison 1997“ mit einigen Neuerungen in der Region Lungau präsentiert.
Pongau - Lungau - Takt
Gegen die im Zuge der Postprivatisierung zu befürchtende Ausdünnung des regionalen Busverkehrs wurde vom Regionalmanagement Pongau - Lammertal ein Arbeitsgruppe zur Einführung eines gestrafften und optimierten Busverkehrs „Pongau-Takt“ nach dem Vorbild des 1996
eingeführten „Pinzgau-Taktes“ eingerichtet.
Da auch im Lungau mit Fahrplanwechsel Juni 1997 eine erhebliche Fahrplanausdünnung in
Aussicht gestellt wurde, entschloß sich die Postautostelle Tamsweg, ab September 1997 auch
für den Lungau ein optimiertes Buskonzept unter Einbeziehung des Schibusverkehrs umzusetzen. Die Gründung einer diesbezüglichen Projektgruppe durch das Lungauer Regionalmanagement ist noch ausständig. Da auch ein neues Fahrplankonzept der Steiermärkischen Landesbahnen (Murtalbahn und Buslinien) zur Beschlußfassung ansteht, kommt der baldigen Aufnahme der Tätigkeit dieser Projektgruppe große Bedeutung zu. Besondere Bedeutung hat dabei auch die Kontaktnahme mit der Pongauer Arbeitsgruppe, da die Salzburger Zulaufstrecken
in den Lungau alle durch den Pongau führen. Abschließend sei darauf hingewiesen, daß von
der Tälerbus-Projektleitung bereits mehrmals Konzepte für einen Lungau-Takt ausgearbeitet
wurden.
Schibus
Im Herbst 1993 wurde im Auftrag des Gebietsverbandes Lungau von der Tälerbus-Projektleitung eine lungauweite Schibusstudie vorgelegt. Mangels Interesse seitens der Verkehrs- und
Liftunternehmen kam es vorerst zu keinen Umsetzungsschritten. Mit der Einführung des „Lungo“ (Tarifverbund der Lungauer Lifte) im Dezember 1996 wurde die Frage wieder aktuell und
sollte im Zusammenhang mit dem Lungau - Takt in Angriff genommen und gelöst werden.
ARGE „Sanfte Mobilität“
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Projekt Tälerbus
Kurzbeschreibung des Projektes
Das Tälerbuskonzept stellt ein integriertes Umweltverbund-Verkehrssystem für abgelegene Ortschaften und Sommertouristen dar. Das Konzept versucht durch Verknüpfung öffentlicher Verkehrslinien mit Tälerbussen, Seilbahnen, Traktorzügen und anderen Sonderformen des Öffentlichen Verkehrs eine neue Qualität für die Mobilität der Tourismusregion Lungau zu schaffen.
Das Projekt existiert schon seit mehreren Jahren (1989) und wurde bereits mit mehreren Umweltpreisen ausgezeichnet. Der Tälerbus hat für die Region einen sehr hohen (Umwelt-) Imagewert. Das Hauptproblem ist, daß einzelne Seitentäler noch nicht für den KFZ-Verkehr gesperrt sind bzw. einige gesperrte Strecken noch über keine Fahrerlaubnis für den Tälerbus verfügen. Beides beeinträchtigt die Rentabilität der Tälerbusse.
Die wichtigsten ökologischen Ziele des Projektes:
• Beitrag zum Aufbau und Festigung eines “Ökoregion LUNGAU”-Images bei Gästen und bei
der Öffentlichkeit (Medien, Gemeinden, Bevölkerung)
• Wiederherstellung und Erhaltung des entscheidenden Tourismuskapitals "intakte Umwelt
und Landschaft"
• Verkehrsberuhigung
• Autofreie Seitentäler - Verbesserung der Mobilität durch ein flexibles öffentliches Verkehrsangebot: jedes wichtige Ausflugsziel in der Region soll autofrei erreicht werden können
Die wichtigsten wirtschaftlichen Ziele des Projektes:
• Aufbau eines professionellen Projektmanagements und zukunftsorientierten Trägers
• Sicherung der Finanzierung durch neue Finanzierungsquellen
• Laufende Verbesserung des Angebotes durch Kooperationen und Innovationen
• Dauerhafte Erhaltung einer ausreichenden ÖV-Infrastruktur (Lokalbahn, Buslinien, LungauTakt)
Ausgangssituation und Geschichte des Projektes
Die Zunahme des Verkehrs hat in den letzten Jahrzehnten nicht nur den Städten, sondern auch
ländlichen Tourismusregionen Probleme gebracht. Der öffentliche Verkehr hat im Vergleich zum
motorisierten Individualverkehr an Attraktivität abgenommen. Damit haben aber neben der Mobilität auch die Umweltbelastungen (Luft, Lärm) zugenommen. Seit Beginn der 90er Jahre ist
das Thema in Tourismusregionen zumindest im Alpenraum und in den größeren Städten allgegenwärtig. Im Vordergrund stehen vor allem noch die Probleme. Lösungsansätze unterschiedlicher Art sind vorhanden, aber weiterhin dringend gefragt.
Bei innovativen Projekten und Ideen stehen meist zwei Voraussetzungen am Beginn:
• Engagierte Person oder Projektgruppe und entsprechende
• Umfeldbedingungen (hoher Problemdruck, hohes Umweltbewußtsein).
In Anbetracht des massiven Abbaues des Öffentlichen Verkehrsangebotes, insbesondere des
Postautobusverkehrs, wurde von der AG “Öffentlicher Verkehr” an der Volkshochschule Tamsweg als Problemlösungsansatz im Dreiländereck Lungau-Murau-Nockgebiet das “Tälerbuspro-
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
jekt” initiiert. Die Entstehung des Tälerbusses hat eine sehr persönliche Geschichte und ist untrennbar mit dem Namen Hocevar verbunden.
Nach einem Probebetrieb 1989 wurde das Projekt 1990 als flächendeckender Fahrplan von
Linien- und Gelegenheitsverkehr eingerichtet. 1992 wurde das Tälerbussystem durch die Einführung einer bei allen 10 verschiedenen Verkehrsunternehmen anerkannten Tälerbuskarte zu
einem Verkehrsverbund aufgewertet. 1993 wurden auch die Seilbahnen in den Verbund einbezogen. Mit der Tälerbuswochennetzkarte, dem Öko-Ferienpaß Lungau und einem Pauschalangebot “Autofreie Urlaubswoche für Naturliebhaber” wurden wichtige Voraussetzungen für einen
Urlaub Lungau mit sanfter Mobilität geschaffen.
Das Projekt wurde bereits mit 10 Umwelt- und Tourismuspreisen ausgezeichnet, zB mit dem
“tourism award for tomorrow”.
Wirtschaftliche Situation
Die wirtschaftliche Situation ist durchwegs angespannt. Nur durch den enormen Einsatz von
Herrn Dr. Hocevar und die Nichtabgeltung dieser Leistung konnte bisher ein einigermaßen ausgeglichenes Ergebnis erzielt werden. Ein zentrales Ziel zur Sicherung der Zukunft des Tälerbussystems muß eine wirtschaftliche Absicherung sein. Ein hauptamtlicher Manager wird sich
neben der weiteren Angebotsentwicklung vor allem um eine tragfähige Träger- und Finanzierungsstruktur bemühen müssen.
Angebot
1. Hinteres Murtal: Der Tälerbus trägt sich auf der 3,5 km langen gesperrten Strecke von selbst.
Es besteht der Wunsch nach Tälerbusbetrieb auf der Zweigstrecke zum Rotgüldensee (derzeit nicht möglich wegen nichterteilter Fahrerlaubnis).
2. Riedingtal: Während der Schulferien ist die Straße ab Schliereralm gesperrt. Die Gemeinde
Zederhaus ist sehr um die Attraktivierung des Riedingtals bemüht. Die Straße wird zunehmend für den Fußgängerverkehr “erobert” - eine neue Verkehrskultur setzt sich durch.
3. Twenger Lantschfeld: Der Tälerbus darf künftig 2 km weiter taleinwärts fahren, wodurch er
attraktiver wird und sich wieder von selber finanzieren dürfte.
4. Weißpriach: Wünschenswert wäre eine Verlängerung der gesperrten Strecke um 3 km talauswärts - auch wegen des schlechten Wegzustandes.
5. Lignitz: Einsames, verkehrsberuhigtes Tal. Fahrten werden nur bei Bedarf durchgeführt, daher kostendeckend.
6. Göriach: Infolge der fehlenden Verkehrsberuhigung geringe Inanspruchnahme und bisher
keine Kostendeckung. Attraktivierungsversuch durch das Sonnybusprojekt.
7. Lessach: Infolge der fehlenden Verkehrsberuhigung geringe Inanspruchnahme und bisher
keine Kostendeckung. Attraktivierungsversuch durch das Sonnybusprojekt.
8. Prebersee: Derzeit geringe Inanspruchnahme und keine Kostendeckung, gleichzeitig überbordender Pkw-Verkehr. Als Problemlösung wird Parkraumbewirtschaftung mit finanzieller
Stützung des Busverkehrs vorgeschlagen.
9. Rantensee: Einsames Tal mit Fahrverbot, geringe Frequenz, kostendeckender Betrieb.
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
10.Etrachsee: Wünschenswert wäre eine Verlängerung der gesperrten Strecke um 3 km talauswärts. Die Zubringerbuslinie 6974 der Post wird im Sommer unzureichend bedient und ist
einstellungsgefährdet.
11.Günsten: Geringe Frequenz, aber auch geringe Kosten.
12.Großsölk-Schöder: Durch die Einführung der Schnellzugshalte in Gröbming ist 1997 eine
gewisse Verbesserung der Situation zu erwarten. Wünschenswert wäre eine Parkraumbewirtschaftung oder Straßenmaut am Sölkpaß mit gleichzeitiger finanzieller Stützung des
Busverkehrs.
13.Kleinsölk: Durch die Einführung der Schnellzugshalte in Gröbming ist 1997 eine gewisse
Verbesserung der Situation zu erwarten. Wünschenswert wäre eine Verkehrsberuhigung.
Für den vielfach gewünschten Wochenendverkehr wird eine Finanzierung gesucht.
14.Forstautal: Wird einmal wöchentlich bei Bedarf auf Kosten des Unternehmens angeboten.
15.Turrach: Infolge der Unterstützung durch die GROHAG auf der Nockalmstraße kann im Sinne einer Zuführung vom Lungau und Rückführung in den Lungau auch die Turrach mitbedient werden.
16.Nockalm: Der Tälerbusverkehr konnte mit Hilfe der GROHAG und der Nationalparkverwaltung gesichert werden. Die Tälerbusbenutzung ist mit der Mautkarte möglich, dadurch
ist die Auslastung gegeben.
17.Bundschuh: Für 1997 ist eine Bedienung nach Bedarf geplant.
18.Thomatal: Wird als Ersatz für die im Sommer eingestellte Linie durch den Nockalm-Tälerbus
bedient. Geringe Frequenz, aber auch geringe Kosten.
19.Pöllatal: Bedienung durch Traktorzug auf Rechnung der Rennweg-Katschberg-TourismusGmbH.
Dieses Angebot ergänzt den bestehenden Bahn- und Buslinienverkehr, indem es fugenlos an
diesen anschließt.
Projektmanagement Tälerbus Lungau
Für die langfristige Sicherung des Tälerbusses ist eine ganzjährige hauptberufliche Beschäftigung mit mindestens 20 Wochenstunden) erforderlich. Bisher wurde diese Funktion ausschließlich von Herrn Hocevar - weitgehend unentgeltlich - wahrgenommen. Es ist klar, daß
dies auf Dauer keine Lösung darstellen kann. Erstens ist eine Leistung auf Dauer nicht kostenlos verfügbar, weiters ist die alleinige Absicherung auf das Engagement von Herrn Hocevar für
den Tälerbus nicht tragfähig. Es wird daher eine langfristige, professionelle Lösung gesucht.
Dabei geht es sowohl um die Qualifikation, um die regionale Akzeptanz wie schließlich auch um
die Finanzierung.
Die geplante Finanzierung über das LEADER-Programm konnte nicht erreicht werden. Durch
die Förderung 50% der Personalkosten durch das AMS (Arbeitsmarktservice) und eine Unterstützung durch das laufende „EU-Projekt Sanfte Mobilität“ kann ab Februar 1997 die Finanzierung eines Projektmanagements (Mag. Regner) für ein Jahr gesichert werden. Die Aufgaben
sind im nächsten Punkt aufgelistet.
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Arbeitsplatzbeschreibung Projektbetreuung Tälerbus
Folgende Tätigkeiten sind in ständiger Zusammenarbeit mit der Projektleitung durchzuführen:
• Verhandlungen mit den drei beteiligten Verkehrsverbundgesellschaften in Kärnten, Salzburg
und Steiermark bezüglich Einführung einer regionalen Tourismusnetzkarte (Lösung des Problems der Integration der Tälerbus-Verbundnetzkarten in die neuen ländereigenen Verkehrsverbünde)
• Verhandlungen mit Linienverkehrsunternehmen bezüglich der Fahrplanerstellung und
-koordination, Teilnahme an Fahrplankonferenzen
• Verhandlungen mit Weggenossenschaften und diversen lokalen Behörden bezüglich Fahrerlaubnis für den Tälerbus
• Erstellen des Tälerbus-Verbundfahrplanheftes (wie bisher oder in Kooperation mit den Bundesbus-Fahrplanheften)
• Erstellen von Fahrplanauszügen und ortsbezogenem Informationsmaterial, Verbesserung
der Fahrgastinformation über Tourenvorschläge samt Geh- und Fahrzeiten in Zusammenarbeit mit Fremdenverkehrsverbänden und lokalen Experten
• Öffentlichkeitsarbeit und Projektdokumentation
• Einweisung der beauftragten Firmen in die Durchführung der Verkehrsleistungen
• Kontrollfahrten im Verbundnetz, Überprüfung und Wartung der Fahrplantafeln im Linien- und
Ausflugsverkehrsbereich
• Abrechnung der Tälerbus-Verbundnetzkarten
• Betreuung der Fremdenverkehrsverbände im Einzugsbereich
• Durchführung von Befragungsaktionen (Fahrgastbefragung, Lenkerbefragung u. a. m. zur
Gewinnung von Rückmeldungen)
• Modernisierung der EDV
• Erstellung und Einreichung von EU-Projekten, Teilnahme an EU-Veranstaltungen im Zusammenhang mit Förderprojekten
• Langfristige Sicherung der Finanzierung dieses Arbeitsplatzes durch Verhandlungen und
Kooperationen mit Verkehrs- und Tourismusstellen
• Erarbeitung von Vorschlägen zur langfristigen Sicherung der wirtschaftlichen Basis des Öffentlichen Verkehrs im Lungau und Umgebung (z. B. Abbau von Parallelverkehren, Weiterentwicklung flexibler, kostensparender Betriebsformen, Lungau-Takt)
• Teilnahme an Veranstaltungen zum Thema Tourismus, Umwelt und Verkehr (Tagungen,
Kongresse, Messen)
• Erstellung von Einreichunterlagen für Wettbewerbe
• Betreuung von Journalisten und anderen Multiplikatoren
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Schritte und Zielsetzungen für die Zukunft
Wichtige Voraussetzung ist, daß die Region im Sinne der Ziele des Regionalen Entwicklungsprogramms weiterhin den Bereich Umwelt/Verkehr als Maßnahmenschwerpunkt betrachtet. Im
Einzelnen werden für die Zukunft noch folgende Ziele und Maßnahmen angestrebt.
• Maßnahmen zur Sicherung des Tälerbussystems (Management, Marketing, Finanzierung,
Interne Kommunikation etc.)
• Beruhigung der restlichen Seitentäler
• Forcierung des Radverkehrs und Radtourismus
• Verkehrsberuhigung in den Orten/Ortsgestaltung
• Verbesserung eines angepaßten, flexiblen öffentlichen Verkehrs (Tälerbus, Schibus, Anrufsammeltaxi Lungau, etc.)
• Verbesserung der Anreise ohne Auto (vergleiche Konzept Bischofshofen -Werfenweng)
• Kommunikationsmaßnahmen im Lungau
• Sicherung der Eisenbahninfrastruktur im Lungau
• Problemlösung Prebersee und Sölkpaßstraße
• Erstellung eines Konzeptes ÖV-Management Region Lungau: Dieses sollte vom Regionalverband getragen werden, und alle relevanten Bausteine für einen attraktiven Öffentlichen
Verkehr für Einheimische und Gäste beinhalten. Dabei sollen Synergien mit der derzeit laufenden Regionalplanung Lungau genutzt werden.
Zusammenfassung / Erfahrungen
Die Notwendigkeit eines zeitgemäßen öffentlichen Verkehrs für den Sommer wie Winter wird
dagegen von den politisch Verantwortlichen (Regionalverband) und touristischen Leistungsanbietern wie Organisationen (Liftgesellschaften, Gebietsverband) allgemein anerkannt. Die längerfristige Lösung der Finanzierung und professionellen Entwicklung des Tälerbussystems ist
nur im Zusammenhang mit der derzeit laufenden Planung für den Lungau Takt möglich. Es gibt
bereits ein konkretes Konzept, welches von ein regionalen Skibussystem entwickelt wurde. Die
Verhandlungen mit dem Salzburger Verkehrsverbund und dem Land Salzburg sind im Gange.
Es bleibt zu hoffen, daß das Tälerbussystem in optimaler Form integriert werden kann.
Abschließend einige Anmerkungen von Herrn Hocevar, dem Leiter des Tälerbusprojektes:
„Im Rahmen des EU-Projekts „Sanfte Mobilität“ wurde für das Tälerbusprojekt das Verbundfahrplanheft 1996 finanziert, die Umstellung auf das Sonnybussystem begleitet, durch „inneres
Marketing“ das Projektimage vor allem in der eigenen Region aufgewertet und damit auch die
Überführung von der Ehrenamtlichkeit in die Professionalität eingeleitet. Das „innere Marketing“
war auch eine Voraussetzung zur Erlangung der erforderlichen politischen Zustimmung zur Abwicklung von EU-Förderungen. Durch zahlreiche Tagungen wurde auch der an sich schon gute
internationale Bekanntheitsgrad weiter gesteigert.
Das EU-Projekt „Sanfte Mobilität“ war für unser Tälerbusprojekt die erste Möglichkeit, an EUFördermittel heranzukommen und hat unsere Wertschätzung gesteigert, so daß nach einigen
Jahren der Stagnation wieder eine Weiterentwicklung möglich wurde. Wir mußten viel Zeit für
Tagungen und Sitzungen aufwenden, wo unsere Erfahrungen und Daten gefragt waren, erfuh-
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
ren aber auch viel über die Probleme und Erfolge mit ähnlichen Projekten anderswo, was uns
etwas von dem Gefühl, „einsame Rufer in der Wüste“ zu sein, befreite und das aufbauende Erlebnis von der Existenz eines zumindest sporadisch in Europa existenten politischen Wissens in
die von uns gewünschte Richtung vermittelte - kurz ein Gefühl, nicht allein und dadurch stärker
zu sein. Da unser Projekt sich in seiner 8-jährlichen Geschichte schon mehrmals knapp vor dem
„Aus“ befand, war die Teilnahme am EU-Projekt „Sanfte Mobilität“ überlebenswichtig.
Eine dauerhafte Zusammenarbeit der an sanfter Mobilität interessierten Gemeinden und Regionen Europas erscheint uns daher sehr wichtig und wünschenswert. Das Festhalten an diesen
Zielen zur gängigen europäischen Verkehrspolitik kraß im Widerspruch steht. Ein solcher Widerspruch kann nur mit einer starken gemeinsamen Interessenvertretung durchgehalten werden, was konkret heißt, daß vorhandene alternative Verkehrsstrukturen nicht nur nicht demontiert werden dürfen, sondern im Gegenteil offensiv ausgebaut und zukunftsorientiert zu einem
nachhaltigen Verkehrssystem weiterentwickelt werden müssen“. (Dr. H. Emil Hocevar, 5580
Tamsweg)
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
2.
Process Report - Endbericht
Bericht Inneres Salzkammergut (REGIS)
Bearbeitung: Helmut Koch, Trafico Verkehrsplanung
Regionalfahrplan und Marketing für den öffentlichen Verkehr
im inneren Salzkammergut
„Ohne Auto mobil im Inneren Salzkammergut“
Einleitung
Die Arbeiten für einen „neuen, modellhaften“ Regionalfahrplan im Inneren Salzkammergut wurden bereits im Herbst 1996 abgeschlossen. Der Text im Abschlußbericht entspricht dem
2.Zwischenbericht.
Ausgangslage
Die Region Inneres Salzkammergut besteht aus den 7 Gemeinden Bad Goisern, Bad Ischl,
Ebensee, Gosau, Hallstatt, Obertraun und St. Wolfgang. Insgesamt sind etwa 35.000 Einwohner ansässig. Jährlich werden in der Region etwa 1,7 Mio. Gästenächtigungen verzeichnet. In
den letzten Jahren ging das positive Image der klassischen „Sommerfrische“-Region verloren.
Einem Rückgang bei den Nächtigungszahlen steht eine fast explosionsartige Zunahme des
Tagestourismus, zumindest in den attraktivsten Teilen, gegenüber.
Bisher haben nur einzelne Gemeinden auf ihrem Gemeindegebiet Maßnahmen gesetzt ( z.B.
Hallstatt - Tunnelumfahrung und Zufahrt in den Ort wurden mit Schranken abgesperrt), die Tagesgäste werden vor dem Ort auf gebührenpflichtigen Parkplätzen abgefangen (St. Wolfgang Umfahrungstunnel zur Entlastung des Ortszentrums vom Ausflugverkehr zur Schafbergbahn).
Zentrale Probleme im Tourismus allgemein:
Einsaisonalität, Behinderung des Aufenthaltstourismus durch Tagesgäste und mangelnde touristische Bewältigung des Tagesgästeaufkommens, Angebotslücken in Neben- und Wintersaison, Mängel in der betrieblichen Qualitätsstruktur, mangelnde Qualifikation und Ausbildung der
Unternehmer und Beschäftigten im Tourismusbereich, Koordinierungsbedarf bei den Tourismusorganisationen, fehlende Vernetzung im Bereich Kulturtourismus.
Hauptverursacher der Verkehrsprobleme sind:
•
der Tagesausflugsverkehr aus den umliegenden Ballungsräumen,
•
der regionsinterne Verkehr zu den Ausflugszielen von Gästen und Einheimischen,
•
der sonstige regionsinterne Verkehr und
•
der An- und Abreiseverkehr der Urlaubsgäste.
In der Sommersaison und an Wochenenden auf Bundes- und Landstraßen Verkehrsstärken wie
in Ballungsräumen. Das Straßenverkehrsaufkommen hat sich zwischen 1985 und 1990 um
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
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48% erhöht. Die Belastungen durch den Straßenverkehr sind mit einer Tourismusregion kaum
mehr vereinbar. Der Autoverkehr steht an erster Stelle der wahrgenommenen Umweltprobleme
am Urlaubsort (für 39% der Gäste).
Die Struktur des Verkehrsaufkommens zeigt einen sehr hohen Anteil des Urlauberlokalverkehrs
(41% der Verkehrsleistung) und des Freizeitverkehrs der Wohnbevölkerung (20%). 74% der
Urlaubsgäste kommen mit dem PKW in die Region, 15% mit der Bahn und 8% mit dem Reisebus. Auch im Ausflugsverkehr vom Urlaubsort dominiert der PKW (68%). Nur rund 6% der Ausflüge werden mit der Bahn, 4% mit dem Kraftfahrlinienverkehr zurückgelegt. Die Urlaubsgäste in
der Region sind sehr mobil. Gäste mit PKW am Urlaubsort legen in der Sommerhauptsaison ein
Tagespensum von durchschnittlich 36 km zurück.
Die Belastungen im Straßenverkehr sind mit ein Grund für die geringe Attraktivität der Alternativen zum PKW, dem Kraftlinienverkehr und dem Fahrrad. Für den Radverkehr fehlen wesentliche Verbindungsstücke zu einem attraktiven Gesamtnetz.
Ein wesentliches Ziel des Leitbildes ist das Angebot und die Vermarktung als „BABURASCHI“ Region (d.h. Bahn-Bus-Rad-Schiff-Region), wobei der Schwerpunkt in der Schaffung eines verbesserten innerregionalen öffentlichen Verkehrs liegt, um sich auch ohne Auto bewegen zu
können.
Öffentliche Verkehrsmittel (Bus, Bahn und Schiff) bieten im Inneren Salzkammergut noch
vergleichsweise attraktive Angebotsdichten. Das ÖV-Angebot ist aber vor allem auf die Erreichbarkeit der Zentren - von Bad Ischl, Salzburg, Linz - abgestimmt und zu wenig auf die Bedürfnisse des Tourismus (Abstimmung zwischen Bahn, Bus und Schiff mangelhaft). Es könnten
bei weitem mehr Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln abgewickelt werden als dies heute der
Fall ist.
Speziell auf den durch die Tälerstruktur vorgegebenen Hauptachsen und während der touristischen Saison im Sommer wird eine häufige und attraktive Bedienung durch Bahn, Bus und
Schiffe geboten. Auf einigen Hauptlinien besteht ein Stundentakt über den ganzen Tag.
Öffentliche Verkehrsmittel bieten für viele Fahrten auch landschaftlich sehr attraktive Reisemöglichkeiten. Im Speziellen anzusprechen ist dabei der Schiffsverkehr, der zum Teil in den
Linienverkehr eingebunden ist. Der touristisch viel aufgesuchte Markt Hallstatt wird beispielsweise mit einem Schiffszubringer bedient, der den Markt mit der am gegenüberliegenden Seeufer befindlichen Bahnhaltestelle verbindet. Diese Anreiseform ist die landschaftlich attraktivste,
da die Zufahrt mit dem Pkw durch Umfahrungstunnels erfolgt.
Eine Zugangsbarriere zum öffentlichen Verkehr (ÖV) stellt die mangelnde Information über
Fahrtmöglichkeiten und Tarifangebote dar. Untersuchungen belegen, daß mit einer zielgruppenspezifischen Information mehr Fahrgäste für den öffentlichen Verkehr gewonnen werden
können. Wenn man eine höhere Akzeptanz öffentlicher Verkehrsmittel erreichen will, sind Marketingmaßnahmen die Maßnahmen mit dem besten Kosten-/Nutzen-Verhältnis.
Für die Region Inneres Salzkammergut existierte bisher keine zusammengefaßte Information
über das ÖV-Angebot, die alle Verkehrsmittel enthält. Bahn und Regionalbus haben Ihre Kursbücher, die Fahrpläne über die zahlreichen Schiffahrtslinien und Bergbahnen waren nur lokal
veröffentlicht. Da der Einzugsbereich des Inneren Salzkammergutes drei Bundesländer umfaßt,
war es bisher für die Planung einer Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln notwendig, bis zu vier
(!) Kursbücher (Bahn und drei Buskursbücher), ergänzt um lokale Informationen über Schiffahrt
und Bergbahnen zu verwenden.
Eine weitere Zugangsbarriere ist das fehlende Marketing für den öffentlichen Verkehr. Das
Angebot im öffentlichen Verkehr wird von der Bevölkerung und von den im Tourismus Tätigen
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schlechter beurteilt, als es ist. Es wird somit den Urlaubsgästen der Region kaum empfohlen,
öffentliche Verkehrsmittel zu benützen, obwohl dies in vielen Fällen möglich und attraktiv ist.
Der Verein REGIS (Regionalentwicklung Inneres Salzkammergut), der dieses Projekt entwikkelte und dessen Abwicklung betreut, ist ein Zusammenschluß von sieben Gemeinden des
Salzkammergutes im Bundesland Oberösterreich. Mit Hilfe des Projektes, das mit Unterstützung der Europäischen Kommission/DG XXIII verwirklicht wurde, soll ein Beitrag zur Entlastung der Region vom Kfz-Verkehr und eine verstärkte Benützung öffentlicher Verkehrsmittel
erreicht werden.
Ziele und Elemente des Projektes
Hauptziel des Projektes ist es, durch offensive Information und Marketing eine stärkere Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel in der Region zu erreichen. Dabei soll neben einer
verständlichen regionalen Basisinformation zum ÖV-Angebot und tariflichen Anreizen eine offensive Vermarktung des öffentlichen Verkehrs erfolgen.
Um die potentiellen Benützer unter den Urlaubsgästen auch zu erreichen, wurden Marketingmaßnahmen entwickelt, um die wichtigste „Schnittstelle“ zu den Gästen, die im Tourismus Tätigen, zu informieren und zu motivieren, den Gästen die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel
näherzubringen.
Hauptzielgruppen des Projektes sind:
• die Urlaubsgäste, die sich in der Region Inneres Salzkammergut aufhalten,
• die Wohnbevölkerung der Region und
• die Wohnbevölkerung und Gäste der umliegenden Regionen.
Das Projekt enthält folgende Elemente
• Regionales Informationspaket zum öffentlichen Verkehr
• REGIS-Card mit tariflichen Ermäßigungen und Anreizen für ÖV-Benutzer
• Marketingmaßnahmen zur Verbreitung des Informationspaketes
Die einzelnen Elemente werden im folgenden beschrieben.
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Das Informationspaket
Das in einer Auflage von 5.000 Stück gedruckte Informationspaket „Ohne Auto mobil im
Inneren Salzkammergut“ besteht aus drei Elementen:
•
dem Linienplan
•
dem Taschenfahrplan und
•
den Ausflugstips
Die drei Elemente sind auf das Format 11 x 18 cm gefaltet und stecken in einer Plastiktasche.
Sie werden gemeinsam als Paket vertrieben.
Das Informationspaket ist
•
zielgruppenorientiert, da spezielle Informationen zum Ausflugsverkehr und für häufige
Wege angeboten werden,
•
verkehrsmittelübergreifend, da alle öffentlichen Verkehrsmittel der Region enthalten sind
(Bahn, Bus, Schiff und Bergbahnen),
•
verständlich aufbereitet, das heißt, es wird teilweise von den konventionellen Fahrplanbildern abgegangen und es werden neue Darstellungsformen des ÖV-Angebotes gewählt.
Die wichtigsten Informationen sind zweisprachig (deutsch und englisch), da ein großer Teil der
Gäste des Inneren Salzkammergutes aus Großbritannien stammt.
Das Informationspaket wurde in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Tourismusverantwortlichen der Region erstellt. Eingebunden wurden auch die Unternehmen des öffentlichen
Verkehrs und Vertreter des Landes Oberösterreich.
Der Linienplan mit Fahrplänen
Eine Analyse der wichtigsten Zielgruppen im Ausflugsverkehr zeigt, daß Wanderer und Radfahrer eine große Affinität zum öffentlichen Verkehr haben. Es ist oft attraktiver, Touren so zu
planen, daß nicht zum Ausgangspunkt zurückgekehrt werden muß.
Bisher gab es kein Produkt (z.B. Wanderkarten und Wanderführer), das eine optimale Verknüpfung von Wanderwegen und ÖV-Angebot enthält. Traditionelle Wanderführer beschreiben
meist Touren von Parkplatz zu Parkplatz. Bestenfalls werden Hinweise auf Bahnhöfe und Haltestellen gegeben, aber ohne konkrete Information über das Fahrplanangebot und Fahrtmöglichkeiten.
Im Linienplan wird versucht, speziell diese Zielgruppe anzusprechen. Es soll möglich sein, mit
dem Linienplan individuell Touren zu planen. Weiters ist es damit möglich, während eines
Ausfluges spontan Änderungen vorzunehmen (z.B. bei Schlechtwettereinbrüchen). Mit dem
Linienplan soll dem Wanderer (und auch Radfahrer) die Angst genommen werden, mit öffentlichen Verkehrsmitteln „hängen zu bleiben“.
Der Linienplan mit Fahrplänen ist doppelseitig bedruckt.
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Auf der Vorderseite ist eine Wanderkarte im Maßstab 1:50.000. Diese basiert auf der österreichischen Karte 1:50.000 des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen und enthält neben der Situation alle wichtigen und überregionalen Wanderwege. Gleichzeitig sind alle öffentlichen Verkehrsmittel mit Linienführung und Haltestellen eingetragen. Eine Eintragung der Radwege konnte aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht erfolgen.
Auf der Vorder- und Rückseite befindet sich ein Linienschema, das alle ÖV-Angebote der Region übersichtlich darstellt. Es sind die Führung der Linien, die Umsteigepunkte und die Bezeichnung der Linien enthalten.
Auf der Rückseite sind alle Fahrplantabellen der Region (in konventioneller Form) abgedruckt.
Alle Tabellen enthalten Hinweise zur Möglichkeit, Fahrräder mitzunehmen. Einige Linien sind zu
Korridorfahrplänen zusammengefaßt. Damit kann im Falle der Führung mehrerer Linien, die
(über Teilstücke) parallel verkehren, immer das Gesamtangebot auf einen Blick erfaßt werden.
Der Linienplan samt Fahrplänen enthält somit alle für die Tourenplanung notwendigen Informationen:
•
Auf der Vorderseite sind die Wegverläufe und Haltestellen ersichtlich.
•
Am danebenliegenden Linienschema kann die Bezeichnung der dazugehörigen Linie
ermittelt werden.
•
Auf der Rückseite befinden sich die dazugehörigen Fahrplantabellen, um die Fahrtmöglichkeiten zu ermitteln.
Die Faltung des Linienplanes wurde so ausgelegt, daß nicht immer die ganze Karte aufgefaltet
werden muß, sondern nur der aktuelle Ausschnitt der Karte bzw. das aktuelle Fahrplanbild.
Der Taschenfahrplan
Der Taschenfahrplan enthält, neben allgemeinen Informationen zur Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die wichtigsten Ortsverbindungen und ergänzende Informationen, die bei Reisen
ohne Auto von Bedeutung sind.
Die Inhalte sind:
•
Hinweise zur Benützung öffentlicher Verkehrsmittel (Reisetips),
•
Ortsverbindungen,
•
Informationen über die 7 REGIS-Gemeinden, und
•
die Fahrpläne der Linienschiffahrt und Bergbahnen.
Bei den Reisetips werden Hinweise zu Tarifangeboten und zur Benützung der verschiedenen
Verkehrsmittel gegeben. Hinweise zur Reisegepäckmitnahme und den Service für Behinderte
runden diese Basisinformation ab.
Den Hauptteil des Heftes nehmen die Ortsverbindungen ein. Dabei werden für alle 7 REGISGemeinden alle Fahrtmöglichkeiten in die jeweils anderen Gemeinden und drei (touristisch interessante) Orte außerhalb der Region angegeben. Die Ortsverbindungen umfassen alle Verkehrsmittel (Bahn, Bus, Schiff) und unterschiedliche Fahrtrouten, die bei einigen Verbindungen
möglich sind.
Die Darstellung lehnt sich an die Darstellung von Flugverbindungen an. Jede Verbindung wird
in einer Zeile dargestellt. Neben den Verkehrstagen werden Ankunftszeit, Abfahrtszeit, allfällige
Umsteigevorgänge und ergänzende Bemerkungen angegeben.
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Insgesamt sind fast 100 Ortsverbindungen aufgenommen, die für die häufigsten Wege in der
Region alle Fahrtmöglichkeiten enthalten.
Ortspläne der Gemeinden des Inneren Salzkammergutes (mit den wichtigsten touristischen
Einrichtungen) sind in den Taschenfahrplan integriert. Ergänzend dazu sind Informationen zu
Radverleiher, Taxis, Autoverleiher samt Telefonnummer aufgenommen.
Der Taschenfahrplan ist somit eine wichtige Hilfestellung, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln in der Region unterwegs ist. Besonders bei (häufigen) Fahrten in andere Orte bietet er
einen guten Überblick. Er ist somit auch für die einheimische Bevölkerung eine wichtige Informationsbasis für ÖV-Fahrten in der Region.
Ausflugstips
Speziell für Feriengäste wurden Ausflugstips mit öffentlichen Verkehrsmitteln zusammengestellt. Für jede Gemeinde wurden 5 Vorschläge für Ausflüge zusammengestellt.
Die Ausflüge wurden so konzipiert, daß sie sinnvollerweise nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln
durchgeführt werden können. Sie wurden immer als Rundreisen mit Inanspruchnahme unterschiedlichster Verkehrsmittel geplant
Als Ziele wurden die attraktivsten Punkte in der Region ausgewählt. Bergbahnen und
Schiffahrten wurden in die Touren eingeplant.
Die Ausflugstips enthalten
•
Vorschläge für die Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln und
•
kurze touristische Informationen zu den besuchten Zielen.
Je Ausflug wird ein Kärtchen im Format 11 x 18 cm aufgelegt, die im Gesamtpaket als Folder
(Leporello) mit 5 Stück eingelegt sind.
Die Ausflugstips werden von den Tourismusverantwortlichen der Region als besonders attraktive Möglichkeit gesehen, zur vermehrten Benützung öffentlicher Verkehrsmittel beizutragen.
Viele Gäste der Region fragen in den örtlichen Tourismusbüros nach Vorschlägen für Ausflüge.
Insgesamt wurden 35 Ausflugstips erarbeitet.
Die REGIS-Card
Als finanzieller Anreiz zur vermehrten Benützung öffentlicher Verkehrsmittel wurde eine REGISCard aufgelegt. Diese wird mit dem Informationspaket vertrieben und bietet dem Inhaber Tarifermäßigungen bei öffentlichen Verkehrsunternehmen, Bergbahnen und Schiffahrtsunternehmen. Überdies werden Eintrittsermäßigungen für Veranstaltungen und Museen in den Gemeinden der Region geboten.
Die REGIS-Card können alle Gäste der Region erwerben. Sie muß vom Vermieter (Hotel) bestätigt werden und gilt für die gesamte Dauer des Aufenthaltes. Auch Bahnhöfe der ÖBB bestätigen beim Kauf des Informationspaketes die Gültigkeit der REGIS-Card.
Die REGIS-Card ist kein optimales Angebot, da in der Region Inneres Salzkammergut noch
kein Verkehrsverbund besteht. Mit der geplanten Einführung des Verkehrsverbundes Oberösterreich im Herbst 1996 besteht eine gute Basis, um ein weitergehendes Angebot für die Saison 1997 aufzulegen. Vorbild für eine verbesserte Neuauflage könnte die Kärnten-Card sein.
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Vertrieb und Marketing
Das Informationspaket wurde in einer Auflage von 5.000 Stück hergestellt. Es ist erhältlich bei
den Tourismusbüros der REGIS-Gemeinden, bei einigen ÖV-Unternehmen (zum Beispiel auf
Bahnhöfen) und bei vielen Bankfilialen der Region.
Einige Beherbergungsbetriebe der Region erwarben eine größere Stückzahl und geben diese
den Gästen weiter. Damit ist für eine optimale Verbreitung gesorgt.
Das Informationspaket (Linienplan, Taschenfahrplan, Ausflugstips und REGIS-Card) wird zu
einem Preis von öS 40,-- verkauft.
Für das Marketing wurden folgende Maßnahmen gesetzt:
•
Beteiligung der Gemeinden und örtlichen Tourismusverbände schon bei Konzeption des
Produktes. Damit wurde eine weitgehende Verankerung in der Region erreicht.
•
Pressekonferenz und öffentliche Präsentation des Produktes im Juli 1996. Durch Berichte
in den lokalen Zeitungen konnte der Bekanntheitsgrad weiter erhöht werden.
•
Plakate mit dem Hinweis auf das neue Informationspaket und die REGIS-Card. Diese wurden auf Bahnhöfen, in Tourismusbüros und in Beherbergungsbetrieben angebracht. Damit
können vor allem Gäste der Region angesprochen werden.
•
Kurzvideo mit Präsentation des Produktes. Dieses wurde von einem Videoproduzenten
der Region in einer Auflage von 50 Stück produziert. Das Video soll vor allem die im Tourismus Tätigen erreichen und diese über das neue Produkt informieren und motivieren, den
öffentlichen Verkehr gegenüber den Gästen auch aktiv zu vermarkten.
Ausblick
Mit dem Projekt wurde ein erster Schritt für eine verstärkte Benützung öffentlicher Verkehrsmittel in der Region gesetzt. Eine Evaluierung der Wirkungen nach Ende der Sommersaison
sollte durchgeführt werden, um für eine Neuauflage im nächsten Jahr Hinweise für Verbesserungen zu bekommen.
Einen gewissen Schwachpunkt stellt derzeit noch die Tariflage dar. Da kein die gesamte Region umfassender Verkehrsverbund besteht, ist es oft notwendig, für jede Einzelfahrt bzw. bei
Umsteigevorgängen neu zu bezahlen. Für Familien und Gruppen entstehen daher bei Benützung öffentlicher Verkehrsmittel nicht unbeträchtliche Kosten. Ermäßigungen für Familien, die
österreichweit bestehen (Vorteils-Card für Familien), sind derzeit nur für österreichische Staatsbürger erhältlich.
Eine Verbesserung ist diesbezüglich im nächsten Jahr zu erwarten. Es ist geplant, im Herbst
1996 den Verkehrsverbund Oberösterreich (OÖVV) einzuführen. In der angrenzenden Region
Aussee wird zum gleichen Zeitpunkt ein Verkehrsverbund (Bundesland Steiermark) eingeführt.
Im Bundesland Salzburg, das im Westen an die Region angrenzt, besteht bereits ein Verkehrsverbund.
Es ist daher zu empfehlen, im nächsten Jahr ein attraktives tarifliches Angebot für Touristen
aufzulegen. Als Vorbild kommt dabei die Kärnten-Card in Frage, die es Feriengästen ermöglicht, zu einem sehr attraktiven Preis für die gesamte Dauer des Aufenthaltes alle öffentlichen
Verkehrsmittel zu benützen. Bergbahnen und Schiffahrtslinien sind hier tariflich integriert.
Für die Region Inneres Salzkammergut müßten dabei folgende Aspekte beachtet werden:
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•
Process Report - Endbericht
Großräumige Abgrenzung des Gültigkeitsbereiches. Neben der Region müßten auch
Fahrten in angrenzende Regionen ermöglicht werden. Die Abgrenzung sollte auf jeden Fall
die folgenden Gebiete berücksichtigen:
− die Stadt Salzburg im Westen,
− das gesamte Salzkammergut (bestehend aus den Bundesländern Oberösterreich,
Salzburg und Steiermark),
− das Ennstal im Süden,
− und die Pyhrn-Eisenwurzen-Region im Osten.
•
Die Karte müßte einfach zu handhaben sein und auf allen Verkehrsmitteln gültig sein.
Bergbahnen und Schiffahrtslinien sollten nach dem Vorbild der Kärnten-Card integriert werden.
•
Die Benützung von Schiffen und Bergbahnen sollte an die Anreise mit öffentlichen
Verkehrsmitteln (mit Ausnahme der Gemeinde, in der die Gäste wohnen) gebunden sein,
um zu vermeiden, daß die Karte nur für diese Fahrten benützt wird und innerhalb der Region trotzdem mit dem Auto gefahren wird.
•
Der Preis sollte attraktiv sein und einen echten Anreiz darstellen, das Auto stehen zu lassen. Auch hier kann die Kärnten-Card als Vorbild dienen. Besonders wichtig sind dabei
günstige Tarife für Familien und Gruppen.
•
Die Karte müßte offensiv vermarktet werden. Schwerpunkt der Vermarktung müßten wiederum die Beherbergungsbetriebe der Region sein. Jeder Gast müßte bei der Ankunft auf
das Angebot hingewiesen werden.
Ergänzend müßte das Angebot schon im Vorfeld beworben werden. Schon bei der Buchung
des Urlaubs müßte der Gast Informationen über die Karte erhalten. Dies stellt einen Anreiz dar,
auch bei der Anreise auf das Auto verzichten.
Zusammenfassung / Erfahrungen
Die Erstellung eines verkehrsmittelübergreifenden Regionalfahrplanes war als Pilotprojekt angelegt. Es wurden über 5.000 Regionalfahrpläne mit Unterstützung aus Mitteln des EUProjektes hergestellt. 3000 wurden über Tourismusbetriebe, Tourismusinformationsstellen und
ÖBB-Bahnhöfe an die Gäste verkauft. Der Rest wurde im Rahmen von Messen und Veranstaltungen als Marketinginstrument weitergegeben. Das Projekt wurde auch allen Projektpartnern
vorgestellt. Das für die Gästeinformationsstellen selbstproduzierte Video wurde im Rahmen des
2.Partnertreffens in Werfenweng vorgestellt. Vom Regionalverband gibt es konkrete Überlegungen diesen Pilotversuch in der Region weiterzuführen.
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Ergebnisbericht Partnergemeinde Werfenweng
Bearbeitung: Helmut Koch (Trafico), Karl Reiner (ÖAR-Regionalberatung)
Ausgangssituation
Die rund 700 Einwohner zählende Gemeinde in einem Hochtal im Tennengebirge, ist wirtschaftlich in hohem Maße auf den Tourismus angewiesen. In den 1.800 Gästebetten werden
rund 220.000 Nächtigungen erzielt. Daneben spielt nur die noch gut funktionierende Landwirtschaft eine Rolle. Die Kombination aus Landwirtschaft und einem nachhaltigen, umweltorientierten Tourismus stellt, wie für viele ländliche Gemeinden, das Zukunftsleitbild dar.
Die Verkehrsinfrastruktur von Werfenweng ist wesentlich von der ländlichen Struktur und der
Siedlungsform (Streusiedlung mit einem Kern im Bereich des Gemeindeamtes) geprägt. Werfenweng ist über zwei Straßen mit dem hochrangigen Straßennetz im Salzachtal verbunden.
Eine Buslinie verbindet Werfenweng mit den Orten im Salzachtal. Im Winter verkehrt zusätzlich
ein Schibus zum Bahnhof Bischofshofen (IC- und EC-Bahnhof).
Im Ortszentrum erfolgte bereits eine Umgestaltung der Landesstraße, die eine Neugestaltung
der Gehsteige (weiche Trennung) und Belagswechsel auf der Fahrbahn zur Geschwindigkeitsreduktion umfaßt. Der Rückbau der Landesstraße am Ortseingang bis zu den ersten Häusern
auf eine 6 m breite Fahrbahn mit begleitendem Gehweg und Stellplätzen für insgesamt 40 Pkw
ist von der Planung und Finanzierung beschlossen. Im Frühjahr 1996 erfolgte der Baubeginn;
als Baukosten sind 13 Mio. öS vorgesehen. Nun im Sommer 1997 stehen die Umbauarbeiten
vor dem Abschluß.
Um im Winter eine Entlastung des Ortszentrums von parkenden Autos zu erreichen, wird im
Winter am Ortseingang ein temporärer Parkplatz für Langlauf-Tagesgäste errichtet.
Im verkehrlichen Bereich ist sowohl die Verbesserung der Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch die Mobilität vor Ort notwendig. Das Projekt Autofreies Werfenweng ist
eine prioritäre Maßnahme zur Umsetzung des Tourismusleitbildes Werfenweng 1992. Das Projekt basiert auf:
• grundsätzlichen Konzepten und Studien (BMUJF, BMWVK und BMwA) zum Modellvorhaben
„Autofreier Tourismus“ sowie des Landesverkehrskonzeptes Salzburg
• Modellprojekt im Sinne der Umsetzung der Zielsetzungen des Nationalen Umweltplanes
• Projekt im Sinne des EU-Umweltaktionsprogrammes
Entwicklungsstand des Projektes
Es wurden von Seiten der Gemeinde einige konkrete Schritte in Richtung der Erreichung dieses
„hohen“ Zieles gesetzt:
• Verminderung der Geschwindigkeit im Ortskernbereich (30 km/h Zone)
• Planung von Ortsgestaltungsmaßnahmen (Neugestaltung der Ortsdurchfahrt),
• Maßnahmen zur Reduzierung des Autoverkehrs speziell im Winter (Einrichtung eines Pferdewagens, Schibus)
ARGE „Sanfte Mobilität“
63
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
• Ortsnaher Loipenparkplatz
• Mit den aktuellen Schritten: Mitgliedschaft und Engagement im Verein „IG Sanfte Mobilität“,
Teilnahme am EU-Projekt Sanfte Mobilität, Bewerbung und Auswahl als Modellort für autofreien Tourismus in Österreich beim Umweltministerium, will die Gemeinde Werfenweng
die Ernsthaftigkeit ihrer Bemühungen dokumentieren.
Im 2. Zwischenbericht wurde das Modellvorhaben „Autofreier Tourismus in Österreich - Modellort Werfenweng“ im Detail beschrieben. Die Finanzierungsverhandlungen mit Land und
Bundesstellen für die noch umfangreichen geplanten Maßnahmen stehen vor dem Abschluß, so
daß im Herbst 1997 das Modellvorhaben offiziell starten könnte. Eine erste Studie wurde im
Rahmen dieses Modellvorhabens bereits fertiggestellt (Kuratorium für Verkehrssicherheit, Verkehrstechnische Erhebungen, Analyse und daraus resultierende Maßnahmen am Beispiel der
Gemeinden Werfenweng und Bad Hofgastein, Juni 1996). Eine zweite Projektstudie „Lokale
Anreiselogistik Werfenweng“ wurde im Rahmen des EU-Projektes erstellt. Diese wurde durch
die Kofinanzierung durch das Bundesministerium für Umwelt ermöglicht. Im Abschlußbericht
kann nun bereits ein detailliertes Ergebnis des Anreiselogistikkonzeptes vorgestellt werden.
Nachfolgend werden vorerst noch einmal ausgewählte Teilprojekte des Modellvorhabens beschrieben.
Arbeitspakete zur Realisierung des Modellvorhabens „Autofreier Tourismus“
Das Modellvorhaben gliedert sich in zwei Teile, die beide mit Meilensteinen abgeschlossen
werden. Am Ende vom Meilenstein 2 erfolgt eine Evaluierung. Die Arbeitspakete sollen in einem
zeitlichen Rahmen von 5 Jahren abgewickelt werden.
Integriertes Verkehrskonzept
Im integrierten Verkehrskonzept Werfenwengs sind die Begleitmaßnahmen zur Umsetzung der
Modellansätze und Maßnahmenbündel des Modellvorhabens „Autofreier Tourismus“, insbesondere in den folgenden Bereichen zu berücksichtigen:
1. Fußgänger- und radfahrfreundliche Gestaltung des gesamten Ortes;
2. Attraktive Angebote für die autofreie Anreise per Bahn und Bus (Urlaub von Anfang an)
inklusive Haus/Haus Gepäck-Service, Bus und Taxitransfer;
3. Ausbau eines attraktiven Öffentlichen Verkehrssystems (Bahn, Bus, Taxi, Bergbahnen,
Schiff) in der Urlaubsregion bzw. im Urlaubsort;
4. Regelung der Benutzung von Kfz durch ein Verkehrsreglement zur Freihaltung des gesamten Ortsgebietes oder wesentlicher Kern- bzw. Kur- und Erholungsbereiche vom KfzVerkehr mit Verbrennungsmotoren (mit Ausnahme für begründete Sonderfälle, z.B. Einsatzfahrzeuge, medizinische Versorgung, Fahrten zur Versorgung und Entsorgung);
5. Weitestgehender Ersatz von Verbrennungs-Kfz durch (lokal) emissionsfreie bzw. schadstoffarme Fahrzeuge (z.B. Elektro-Fahrzeuge);
6. Zeitliche und räumliche Beschränkung des Kfz-Verkehrs;
7. Besondere Regelungen für den Wirtschaftsverkehr;
8. Umstrukturierung des Stellplatzangebotes;
9. Anpassung der örtlichen und überörtlichen Raumplanung und rechtlichen Rahmenbedingungen;
ARGE „Sanfte Mobilität“
64
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
10. Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung, Gästeinformation und Abstimmung der Tourismuswerbung auf das Produktmarketing „Autofrei“.
Die Umsetzung der Maßnahmenbündel soll im Rahmen eines mehrjährigen Stufenplanes
schrittweise mit dem Zielhorizont 2000 erfolgen.
Im integrierten Verkehrskonzept sind alle Verkehrsmittel zu berücksichtigen. Die Belange des
überörtlichen Radverkehrs und des überörtlichen Fußgängerverkehrs und deren Einbindung in
das Verkehrsnetz von Werfenweng ist ebenfalls Teil dieses Konzeptes. Die Einbindung des
überörtlichen ÖV ist vorzusehen. Ein integriertes innerörtliches ÖV-Konzept ist Bestandteil des
Verkehrskonzeptes. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind in eine Prioritätenliste einzuarbeiten. Die Kosten der vorgeschlagenen Maßnahmen und ein Kostenplan sind aufzustellen.
Beratung der Gemeinde und der Betriebe bei Planung und Umsetzung
Aufgabe des Beraterteams ist es eine fachliche Hilfestellung zur Umsetzung der Modellansätze
zu bieten und zur Umsetzung der Maßnahmenbündel für Gemeinden und Betriebe beizutragen.
Das Beraterteam hat die Ziele des Modellvorhabens „Autofreier Tourismus“ zu berücksichtigen
und ist über die wichtigsten Ergebnisse der Begleitforschung sowie der Planungen informiert.
Das Anforderungsprofil für die Beratung umfaßt:
• Hilfestellung für die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen im Verkehrskonzept;
• Hilfestellung bei der Information der Bevölkerung;
• Hilfestellung bei der Erstellung eines Finanzierungsplanes anhand der Prioritätenliste und
des Kostenplanes;
• Formulierung der Wünsche und Ängste der Gemeindevertreter und der Bevölkerung im
Rahmen des Modellvorhabens und Aufbereitung dieser für die Begleitforschung und die
Planung.
Immissionen bei der Anreise
Das Arbeitspaket soll die Immissionsmessungen in den Verkehrsmitteln nach fachlichen und
logischen Kriterien auf ausgewählten Reiserouten der Gäste (Verkehrsspinne der Modellorte),
getrennt nach den unterschiedlichen Verkehrsmitteln umfassen. Die Messungen können eine
fachlich fundierte Basis für die Öffentlichkeitsarbeit zur autofreien Anreise bilden.
Es sind Messfahrten mit drei verschiedenen Verkehrsmitteln von noch zu bestimmenden Orten
in den Herkunftsländern zum Modellort des Modellvorhaben durchzuführen. Die Messung der
verschiedenen Stoffe der Luftschadstoffe ist noch festzulegen Die Messung ist auf jeden Fall für
die wichtigsten Luftschadstoffe im Verkehr, nämlich CO, NOx und VOC, durchzuführen.
Öffentlichkeitsarbeit
Die Öffentlichkeitsarbeit gliedert sich in mehrere Teilbereiche auf. Ein Teil der Öffentlichkeitsarbeit läuft über die Werbung der autofreien Anreise, wie sie bereits heute mit dem Angebot des
„Skizuckerls“ erfolgt. Ein Teil der Öffentlichkeitsarbeit läuft über die jährlichen Berichte und die
Kongresse. Dies ist für die Fachwelt bestimmt und wird unter Arbeitspaket A1 behandelt.
Ein weiterer Teil der Öffentlichkeitsarbeit umfaßt die Einbeziehung ausländischer Partner aus
den wichtigsten Herkunftsländern der Gäste. Die ausländischen Partner können Partnerministe-
ARGE „Sanfte Mobilität“
65
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
rien oder im Umweltschutz tätige NGOs sein. Gemeinsam mit den ausländischen Partnern sollen Werbemaßnahmen gestartet werden.
Für das Modellvorhaben soll auch auf breiter Basis geworben werden. Dazu ist die Erstellung
eines eigenen Informationsfolders notwendig. Weitere Werbemaßnahmen, wie Präsenz auf
Ferienmessen und Verteilung der Informationsfolder, fallen auch unter diesen Arbeitspunkt.
Rechtliche Angelegenheiten
Für die Umsetzung der Ergebnisse des Modellvorhabens ist ein Rechtsgutachten über die notwendigen Anpassungen von Bundes- und Landesgesetzen erforderlich. Damit soll gewährleistet werden, daß die Umsetzungen und Maßnahmen realisiert werden können und nicht an der
formal-rechtlichen Hürde scheitern.
Umweltfreundliche Anreiselogistik inkl. Gepäckslogistik
Dieses Arbeitspaket beschäftigt sich mit zwei Teilbereichen: Die umweltverträgliche Anreise der
Gäste und die lokale Gepäckslogistik. Das Anreiselogistikkonzept Werfenweng wird im
Rahmen des EU-Projektes Sanfte Mobilität von der ÖAR-Regionalberatung und der Trafico Verkehrsplanung durchgeführt. Die Ergebnisse werden nachfolgend beschrieben.
Reiseinformationssystem
Für die Informationsstellen und die Reisebüros ist ein Reiseinformationssystem zur autofreien
Anreise zu konzipieren. Bestehende Datenbanken und Informationssysteme sind möglichst
weitgehend einzubauen. Auf die Erfordernisse der Informationsstellen, die mehrere spezielle
Computerprogramme benützen (Buchungsprogramme etc.), ist einzugehen.
Das Reiseinformationssystem soll folgende Anforderungen erfüllen:
• Mit der Eingabe der Adresse des Ausgangsortes und der Adresse des Zielortes sollen alle
Möglichkeiten der autofreien Anreise (Fahrplan) ausgegeben werden. Zusätzlich werden
Möglichkeiten zum bequemen Gepäcktransport ausgegeben.
• Um den interessierten Gast in Richtung autofreier Anreise zu animieren, sind Vergleichsdaten zwischen Anreise mit Zug/Bus, Anreise mit dem Auto und Anreise mit dem Flugzeug
in Hinblick auf Kosten und den individuellen CO2-Verbrauch auszugeben.
• Herstellung von Verbindungsgliedern zwischen den einzelnen Programmen (Buchungsprogramme etc.);
• Auf die Wünsche der IG „Sanfte Mobilität“ und weiterer Benutzer des RIS ist einzugehen;
• Möglichkeiten der Buchung der autofreien Anreise sollen gegeben sein (sofern das RIS in
einem Reisebüro oder im Internet installiert ist);
• Bestimmung der fehlenden Bindeglieder („missing link“) zwischen den Programmen und
Aufstellung des erforderlichen Programmieraufwandes und dessen Kosten.
Eine Rückkoppelung mit der Österreich-Werbung und mit der ÖBB sowie der DB bzw. weiteren
Eisenbahngesellschaften (elektronischer Fahrplan) ist erforderlich.
E-Fahrzeuge, Photovoltaik-Anlagen
ARGE „Sanfte Mobilität“
66
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Im autofreien Tourismusort Werfenweng sollen im Endstadium Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotor, ausgenommen begründete Ausnahmen, nicht mehr verkehren. Hingegen sollen
Kraftfahrzeuge mit E-Motor verkehren dürfen. Im Rahmen des Modellvorhabens soll der Kauf
von E-Fahrzeugen und zugehöriger Photovoltaik-Anlagen zur umweltverträglichen Herstellung
der benötigten Energie gefördert werden. Ziel ist es, die Mehrkosten von E-Fahrzeugen in
Kombination mit der Photovoltaik-Anlage zu ersetzen.
Für Werfenweng sollen im Rahmen des Modellvorhabens E-Fahrzeuge für:
• die Hotels (Gepäckstransport, Gästebus),
• die Lieferung (Gepäckstransport, Geschäfte),
• ein „car-sharing“-Programm für die Einwohner und
• ein E-Mobil-Verleih für die Gäste
gefördert werden. Der Fördersatz soll sich auch nach dem Energieverbrauch richten (leichte EMobile LEM) sollen stärker als konventionelle, auf E-Antrieb umgerüstete Fahrzeuge, gefördert
werden).
Für jedes zweite E-Fahrzeug ist die Förderung einer zugehörigen Photovoltaik-Anlage vorgesehen.
Als Ziel sind insgesamt 50 E-Fahrzeuge vorgesehen. Als Startpaket für die nächsten zwei Jahre
ist die Förderung von 15 Fahrzeugen vorgesehen.
Infrastrukturmaßnahmen im Tourismusort
In Werfenweng kann nach dem Modellansatz „Autofreier Tourismus“ die umfassende Verkehrsberuhigung noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden.
Für das Ortszentrum rund um die Kirche, das Rathaus und das Dorfhotel existiert ein Umgestaltungsplan. Die Umgestaltungsmaßnahmen sind vor Realisierung einer eingehenden Prüfung
anhand des Anforderungsprofils „Autofreier Tourismus“ zu unterziehen. Diese hat sinnvollerweise im Rahmen des integrierten Verkehrskonzeptes erfolgen.
Die genauen Kosten sowie die Festlegung der Maßnahmen können erst nach dem Abschluß
der Planungen im integrierten Verkehrskonzept bestimmt werden.
Integriertes Bedienungskonzept ÖV Tourismusregion
Für die Realisierung des Modellvorhabens in Werfenweng ist eine substantielle Verbesserung
der ÖV-Anbindung mit dem übergeordneten ÖV-Netz im Salzachtal vorzusehen. Die Verbindung mit Bischofshofen als EC/IC-Takt-Knoten ist von großer Bedeutung. Das Bedienungsmodell der Anbindung an das ÖV-Netz ist mit dem Bedienungsmodell des ÖV im Ort zu kombinieren und im integrierten Verkehrskonzept zu berücksichtigen.
Integriertes Bedienungskonzept ÖV Tourismusort
Die Erarbeitung des integrierten Bedienungsmodells im ÖV ist Bestandteil des Arbeitspaketes
„Integriertes Verkehrskonzept“. Kosten und Realisierung des ÖV-Systems innerhalb von Werfenweng können noch nicht angegeben werden bzw. nur grob geschätzt werden.
ARGE „Sanfte Mobilität“
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Wanderausstellung und Kommunikation nach Innen
Im Zuge der Umsetzung der ersten Maßnahmen des Modellvorhabens „Autofreier Tourismus“
ist ein bewußtseinsbildendes Programm („public-awareness“) für die Einwohner und Einpendler
in den Modellorten durchzuführen. Dieses Programm beinhaltet sowohl „public-awareness“Programme für die Bevölkerung als auch Programme speziell für Entscheidungsträger in den
Modellorten. Anfang April fand eine Bürgerversammlung mit Unterstützung des Regionalmanagers Herrn Franz Hochwarter und Partnern des EU-Projektes statt. Ziel war die Information über
die Ziele und geplanten Maßnahmen. Es
Infoveranstaltung Sanft & Mobil Werfenmachten bereits einige „Gerüchte“ die weng/Bgm. Brandauer
Runde, daß in Zukunft das Auto in
Werfenweng überhaupt „verboten“ wer- Am 8.4.1997 fand in Werfenweng zum Thema
Sanfte Mobilität eine Bürgerveranstaltung statt. Die
den soll. Die gute Vorbereitung und eine
Information unserer Gemeindebürger war außerorvom Regionalmanagement entwickeltes dentlich wichtig. Im Lauf der Zeit sind viele falsche
Gemeindeinformationsblatt
Gerüchte rund um unser Projekt entstanden, so daß
„sanft&mobil“ hatte eine sehr konstrukti- es höchst an der Zeit war, über den tatsächlich
ven Verlauf der Veranstaltung zur Folge. Stand des Projektes und die beabsichtigten MaßDamit sind auch für die weiteren Maß- nahmen aufzuklären.
nahmen mit der Unterstützung der Be- Der Besuch der Veranstaltung war außerordentlich
völkerung zu rechnen.
gut (ca. 100 Personen für die kleine Gemeinde). Vor
Als wesentlicher Bestandteil wird eine allem die eingeladenen Referenten konnten mit funWanderausstellung über die Vorteile dierten Argumenten überzeugen, so daß offensichtlich das Verständnis und auch die Zustimmung zu
und die Konsequenzen eines autofreien
den geplanten Maßnahmen wesentlich gestiegen
Tourismusortes konzipiert. In dieser ist. Die anschließende Diskussion wurde sehr fachsollen auch Schritte und Maßnahmen im lich geführt, und es wurden gute Fragen an die VorVerlauf des Modellvorhabens dokumen- tragenden und den Bürgermeister gestellt.
tiert werden. Diese Wanderausstellung
Zusammenfassend ist festzustellen, daß es uns
wurde bereits im Auftrag der IG Sanfte
gelungen ist, die gewünschte Aufklärung über unser
Mobilität von Trafico erstellt und bereits Projekt „Sanft & Mobil“ zu geben, und wir uns für
auf der Abschlußtreffen in Zwiesel ge- weitere Entscheidungen den nötigen Freiraum gezeigt. In Werfenweng soll die Ausstel- schaffen haben.
lung im August 1997 im Rahmen einer
größeren Veranstaltung präsentiert werden. Dabei ist auch die Präsentation eines neuen Pilotprojektes geplant: „Auto Teilen im ersten Tourismusort“ mit zwei E-Mobilen in Kooperation mit
Auto Teilen Österreich und einer Autofirma.
ARGE „Sanfte Mobilität“
68
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
ANREISELOGISTIK WERFENWENG
„Entwicklung einer umfassenden lokalen Logistik für die Bahnanreise von Urlaubsgästen in der Region Werfenweng bei spezieller Berücksichtigung der Gepäckslogistik“
Einleitung
Wichtigste Zielsetzung der Arbeit ist es, durch ein umsetzungsorientiertes Maßnahmenbündel
zu erreichen, daß mehr Gäste der Gemeinde Werfenweng mit der Bahn und somit ohne eigenes Auto anreisen. Die Arbeit ist ein erster und wichtiger
TAGESORDNUNG
Baustein zur Umsetzung des Tourismusleitbildes der
Gemeinde Werfenweng. Im Tourismusleitbild wurde als Vierte Beiratssitzung am Mittwoch,
wichtiges Ziel die „Sanfte Mobilität“ formuliert. Längerfri- 11. Juni 1996, Werfenweng
stig will man sich als exklusiver, umweltbewußter Luftkur- 1. Begrüßung
ort profilieren. „Sanfte Mobilität“ heißt, den Kfz-Verkehr
2. Bericht über den Entwurf des Konmit Verbrennungsmotoren im Gemeindegebiet auf ein
zeptes
absolutes Minimum zu reduzieren.
3. Kurzstatements der für die Reali-
Ausgehend von einer Analyse der derzeitigen Situation
sierung Verantwortlichen
sollen Schwachstellen bei der Bahnanreise aufgezeigt
4. Weitere Vorgangsweise: Modellwerden. Grundlage der Problemanalyse ist ein Anfordevorhaben „Autofreier Tourismus“
rungsprofil für eine attraktive Bahnanreise und einen
5. Abschluß
des
EU-Projektes
attraktiven Urlaub vom Auto.
„Sanfte Mobilität“, künftige euro-
Ausgehend von realistischen Rahmenbedingungen soll
paweite Perspektiven
ein Maßnahmenkonzept für eine umfassende Anreiselogistik erarbeitet werden. Dabei sollen alle relevanten organisatorischen und finanziellen Fragen
behandelt werden, so daß eine umsetzungsreifes Konzept entsteht.
Die Kosten der Maßnahmen sollen abgeschätzt und die Möglichkeiten einer für Bahnreisende
attraktiven Finanzierung aufgezeigt werden. Im Rahmen der Arbeit soll versucht werden, die
Umsetzung des Konzeptes einzuleiten.
Fragen des Marketing sollen im Rahmen der Arbeit behandelt und Vorschläge für eine Implementierung der Bahnanreise samt Gepäcktransport in die touristische Werbung der Region erarbeitet werden.
Um den Praxisbezug zu gewährleisten, wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet und vier Arbeitsitzungen im Zeitraum von Oktober 1996 bis Juni 1997 durchgeführt. Diese soll alle für die
Umsetzung Verantwortlichen, sowie die maßgeblichen Bahn- und Transportunternehmen umfassen. Der Maßnahmenkatalog wurde in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe erarbeitet.
Im September 1997 ist eine öffentliche Präsentation der Ergebnisse des Konzeptes geplant.
ARGE „Sanfte Mobilität“
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Mitglieder des Projektbeirates sind (in alphabetischer Reihenfolge):
Gerhard Bergher
LTU Touristik Salzburg GmbH
Franz-Sauer-Straße 40-50
5020 Salzburg
Bürgermeister Dr. Peter Brandauer
Gemeinde Werfenweng
Gemeindeamt
5453 Werfenweng
Frau Bürklin
Deutsche Bahn AG
Abteilung Touristik
Stephensohnstraße 1
D-60326 Frankfurt (Main
Herr Dölderer
Dorfhotel Werfenweng
5453 Werfenweng
Dr. Dorda
Bundesministerium für Wissenschaft,
Verkehr
Abt. V/5
Renngasse 5
1010 Wien
Mag. Karl Eidenhammer
Österreichische Bundesbahnen
Personenverkehr Salzburg
Hauptbahnhof
5020 Salzburg
Obmann Engljähringer
Tourismusverband Werfenweng
Hotel Hochthron
5453 Werfenweng
Christoph Hinterleitner
Österreichische Bundesbahnen
Geschäftsfeld Fernverkehr - Touristikabteilung
Gauermanngasse 2-4
1010 Wien
Dr. Emil Hocevar
Tälerbus Lungau
Göra 487
5580 Tamsweg
Regionalmanager Franz Hochwarter
Regionalverband Pongau-Lammertal
c/o BH St.Johann im Pongau
5600 St.Johann im Pongau
Dipl.-Ing. Helmut Koch
TRAFICO Verkehrsplanung Gmunden
Kirchenplatz 1
4810 Gmunden
Dipl.-Ing. Ernst Lung
Bundesministerium für Wissenschaft,
Verkehr und Kunst
Abteilung I/1
Radetzkystraße 2
1030 Wien
Geschäftsführer Stephan Maurer
Fremdenverkehrsverband Werfenweng
5453 Werfenweng
Christian Meilinger
Meilinger Reisen
Weng 41
5453 Werfenweng
Dipl.-Ing. Dr.techn. Romain Molitor
TRAFICO Verkehrsplanung Wien
Fillgradergasse 6/2
1060 Wien
MR Dr. Erich Musil
Mag. Karl Auer
BM für wirtschaftliche Angelegenheiten
Abteilung III/B
Stubenring
1010 Wien
Dipl.-Ing. Karl Reiner
ÖAR Regionalberatung GmbH
Amalienstraße 68
1130 Wien
Franz Rettenbacher
Firma Rettenbacher Reisen
Griesstraße 5
5450 Werfen
Gemeinderat Rieder
Gemeinde Werfenweng
Arbeitsgruppe Verkehr
Gemeindeamt
5453 Werfenweng
Dipl.-Ing. Robert Thaler
Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie
Sektion I, Abt. für Verkehr und Lärmschutz
Stubenbastei 5
1010 Wien
Dipl.-Ing. Friedrich Wernsperger
Amt der Salzburger Landesregierung
Abteilung Verkehrsplanung
Postfach 527
5010 Salzburg
Gerhard Wolfsteiner
Salzburger Land Tourismus Pongau
Flachauerstraße 159
5542 Flachau
ARGE „Sanfte Mobilität“
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ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Gästestruktur in Werfenweng
Die Gemeinde Werfenweng hatte in der Wintersaison 95/96 17.390 Ankünfte und 100.371
Nächtigungen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 5,8 Nächte. In der Sommersaison
95 waren 13.316 Ankünfte und 82.101 Nächtigungen zu verzeichnen. Die durchschnittliche
Aufenthaltsdauer betrug 6,2 Nächte. In der Gemeinde Werfenweng kommt - ähnlich wie in
Österreich - der überwiegende Teil der Gäste aus der Bundesrepublik Deutschland. Die übrigen
Gäste sind Österreicher. Wien spielt mit rund 6-7% eine wichtige Rolle als Gebiet für die Anreise mit der Bahn. Die sonstigen Herkunftsländer sind relativ unbedeutend.
Herkunft der Gäste in Werfenweng für die Sommer- und Wintersaison 1995 bzw. 1995/96
Ankünfte nach Herkunftsländern
im Sommerhalbjahr 1995
Restl. Länder
6%
W ien
7%
Österreich ohne
W ien
19%
Deutschland
65%
Belgien und
Luxemburg
3%
Ankünfte nach Herkunftsländern
im Winterhalbjahr 1995/96
Restl. Länder
4%
W ien
6%
Österreich ohne
W ien
23%
Deutschland
65%
Belgien und
Luxemburg
2%
Quelle: ÖSTAT und Fremdenverkehrsamt Werfenweng
Eine Sonderauswertung der Daten für das Sommerhalbjahr für Werfenweng zeigt die Herkunft
der Gäste aus Deutschland nach Großregionen. Die Gäste verteilen sich auf mehrere Großre-
ARGE „Sanfte Mobilität“
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ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
gionen. Der überwiegende Teil kommt aus dem Raum Düsseldorf, Aachen-Köln und Hamburg.
Auf dem südlichen Bereich (Nürnberg, München, Stuttgart) entfallen rund ein Viertel der Gäste.
In Salzburg insgesamt dominiert bei der Anreise derzeit - so wie in Österreich - der Pkw mit
zwei Dritteln. Es sind aber rund 30% aller Gäste ohne Auto in Österreich. Die Bahn hat derzeit
einen Anteil von rund 10%. Für Werfenweng gibt es keine genauen Daten. Aufgrund der bisherigen Gespräche kann jedoch angenommen werden, daß die Verteilung der Reiseverkehrsmittel
in Werfenweng dem Werten von Salzburg entspricht.
Gäste, die ohne Auto nach Österreich kommen, bleiben länger und geben mehr Geld aus. Sie
sind somit eine wirtschaftlich besonders attraktive Zielgruppe.
Verkehrsplanerisch besonders interessant ist das Verkehrsverhalten der Gäste am Urlaubsort.
Die Gästebefragung Österreich zeigt, daß Gäste, die mit der Bahn anreisen, sich auch in der
Urlaubsregion vor allem im Umweltverbund bewegen.
Anreiseverkehrsmittel (Bahnreisende, alle Gäste)
ARGE „Sanfte Mobilität“
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Process Report - Endbericht
ANFORDERUNGSPROFIL FÜR EINE ATTRAKTIVE BAHNANREISE
Die Entscheidung eines Gastes, mit welchem Verkehrsmittel er auf Urlaub fährt, hängt von einer
Vielzahl von Komponenten ab. Eine Attraktivierung der Bahnanreise muß daher auf allen Ebenen ansetzen. Neben der Qualität der Anreise selbst spielt bei der Entscheidung auch die Einschätzung der Mobilitätsmöglichkeiten vor Ort eine wichtige Rolle.
Weiters ist wichtig, daß neben den objektiven Voraussetzungen auch die subjektiven Einschätzung des Gastes von Bedeutung sind. Es nützt daher das beste Angebot nichts, wenn
dem Gast die Angebotsqualität nicht glaubhaft vermittelt werden kann. Überdies spielen Fragen
des Images von Verkehrsmitteln und individuelle Lebensstile eine große Rolle.
Für ein attraktives Gesamtprodukt „Bahnreise“ ist von Bedeutung, daß alle Voraussetzungen
zufriedenstellend gegeben sind. Die Qualität des Gesamtproduktes ist genauso gut, wie das
schlechteste Glied in der (Transport-) Kette.
Als Grundlage für die Problemanalyse wurde ein umfassender Qualitätskatalog formuliert, die
„10 Gebote für eine attraktive Bahnreise“.
1.
Die beste Verbindung vom Alltag zum Urlaub
⇒ Gute Erreichbarkeit des Urlaubsortes mit der Bahn
• Bahnanreise von Bischofshofen
• Attraktive Verbindung Bischofshofen - Werfenweng
• Erreichbarkeit des Bahnhofs am Ausgangspunkt
2.
Kofferschleppen ist passé
⇒ Funktionierender Gepäcktransport von Haus zu Haus
⇒ Hilfe beim Handling von Handgepäck (im Zug, am Bahnhof)
⇒ Verleih von Sportgeräten, etc. in der Region
3.
Streßfrei von Tür zu Tür
⇒ Anschlußsicherung/-garantie
⇒ Direktzüge ohne Umsteigen auf den Hauptverbindungen
⇒ Durchgehende Transportkette Haustür - Haustür
4.
Jedem Gast seinen individuellen Fahrplan
⇒ Bereitstellung verständlicher und individueller Informationen über die Verbindungen
von Haus zu Haus
5.
Urlaub vom ersten Tag an
⇒ Attraktives Wagenmaterial und Serviceeinrichtungen an Bord (Speisewagen, Schlafwagen, Kinderspielwagen, individuelle Betreuung durch das Personal)
⇒ Besonderes (regionales) Service in Urlauberzügen
⇒ Attraktive und sichere Bahnhöfe
⇒ Bahnanreise als Erlebnis
6.
Urlaub mit der Bahn bringt finanzielle Vorteile
ARGE „Sanfte Mobilität“
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
⇒ Attraktive und familien-/gruppenfreundliche Pauschalangebote (Anreise + Aufenthalt
+ ....)
⇒ Finanzielle Anreize beim Aufenthalt für Gäste, die mit der Bahn anreisen
7.
Auch ohne Auto im Urlaub mobil
⇒ Basisangebot für Mobilität vor Ort
• öffentlicher Verkehr, Skibus. Wanderbus, Hotelbus
• Reisebüro-Ausflugsfahrten
• Taxis
• Fahrradverleih, (Elektro-), Autoverleih
• Reservierung der lagemäßig besten Zimmer im Ort für Bahngäste (Ortszentrum,
Nähe Lifte, ÖV-/Skibushaltestelle)
• Finanzielle Anreize für Dauergäste, die ohne Auto anreisen
⇒ Information über alle diese Möglichkeiten bereits bei der Buchung eines Urlaubs bzw.
bei der Anfrage
8.
Urlaub mit der Bahn? Sehr nobel!
⇒ Schaffung eines positiven Images für Gäste ohne Auto
⇒ Belohnung des Autoverzichtes durch beruhigten Ort
9.
In Werfenweng, da kann man gut ...
⇒ Umfassendes Marketingkonzept
⇒ Systematischer Aufbau eines Images für den Ort (und der Region)
⇒ Urlaub vom Auto ist integrierender und wesentlicher Bestandteil des touristischen
Marketing
10.
Alle machen mit !
⇒ Einbindung aller Betriebe in das Marketingkonzept
⇒ Sicherstellung von Basisleistungen für autofreie Urlauber in allen Betrieben
Die „10 Gebote“ sind die Basis für eine Analyse der Schwachstellen für eine Bahnreise nach
Werfenweng. Für die weitere Arbeit von großer Bedeutung ist, daß hier unterschiedliche Handlungsebenen angesprochen sind (Zielland / Herkunftsland, EU / Bund / Land / Gemeinden, Verkehrsunternehmen, private Akteure, etc.).
ARGE „Sanfte Mobilität“
74
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
ÜBERSICHT ZEITLICHES REALISIERUNGSKONZEPT
ARGE „Sanfte Mobilität“
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Im Rahmen des Projektes wurden 20 konkrete Maßnahmen für Werfenweng identifiziert
und ein Umsetzungsplan erarbeitet. Nachfolgend dazu eine Übersicht.
Kurzfristige Maßnahmen (bis 1998)
Nr.
Maßnahme
räuml.
Wirksamkeit
Realisierungsverantwortlich
1
Anruf-Sammel-Taxi
„Werfenweng-Shuttle“
lokal, Koop.
Nachb.gem.
Gemeinde
Werfenweng
Gemeinde, Förderung
Modellvorhaben:
2
Verbesserung lokaler
Reisegepäckstransport
lokal
Gemeinde
Werfenweng
in Pkt. 1 inkludiert
3
AutoTeilen Werfenweng
lokal,
Koop. wie
oben
„Werfenweng
aktiv KHG“
Gemeinde, Förderung
Modellvorhaben
4
Zertifizierung
Tourismusbetriebe
lokal
TV Werfenweng
Tourismusverband,
Förd. Modellvorhaben
5
Ausbildung der im
Tourismus Tätigen
lokal
TV Werfenweng
Tourismusverband,
Förderung Modellvorhaben
6
Aktives Marketing
Bahnanreise
lokal
TV Werfenweng
keine zusätzlichen Kosten
7
Aufnahme Bahnabholung
in Info-System der ÖBB
lokal
TV Werfenweng
keine Kosten
8
Überarbeitung
Prospektmaterial
lokal, regional
TV Werfenweng
Zusatzseite Häuserliste
Modellvorhaben +
EU-Projekt „Sanfte Mobilität“
9
Informationsfolder
regionale Mobilität
lokal
TV Werfenweng
Tourismusverband.
Förd. Modellvorhaben
10
All-Inclusive-Card
„Salzburg-Joker“
regional
SLT
11
Regionale Betreuung
von Ferienzügen
regionale
SLT, TV
Werfenweng
TV, SLT
12
Information und Motivation
der Bevölkerung
lokal
Gemeinde
Werfenweng
Gemeinde,
Förd. Modellvorhaben
ARGE „Sanfte Mobilität“
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Finanzierung
SLT, Land Salzburg
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Mittelfristige Maßnahmen (bis 2000)
Nr.
Maßnahme
räuml.
Wirksamkeit
Realisierungsverantwortlich
regional
Regionalforum
Pongau-L
Finanzierung
13
Verbesserung des regionalen ÖV „Pongau-Takt“
14
Optimierung Sportgeräteverleih
lokal
TV Werfenweng
keine zusätzlichen Kosten
15
Autofreie Packageangebote
lokal
TV Werfenweng
Tourismusverb.,
Förd. Modellvorhaben
16
Ferien-Ziel-Bhf Bischofshofen Mobilitätszentrale Pongau
regional
Regionalforum
Pongau-L
17
ReisegepäcksModellbahnhof Bischofshofen
regional
ÖBB
18
Schriftliche Regionale ÖV +
Mobilitätsinformation
regional
Regionalforum
Pongau-L
Region, Förd. EU Art.10 +
Modellvorhaben
19
Weitere Verkehrsberuhigung im Ort
lokal
Gemeinde Werfenweng
Verkehrskonzept Gem.,
Förd. Modellvorhaben
ARGE „Sanfte Mobilität“
77
Gemeinden,
Land Salzburg
Region, Förd. EU Art.10 +
Modellvorhaben
ÖBB
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
EINZELMASSNAHMEN
Anruf-Sammel-Taxi (AST) „Werfenweng-Shuttle“
Zielsetzung
Verbesserung der ÖV-Anbindung und Installierung eines Basisangebotes mit Flächenbedienung in Werfenweng mit folgenden Funktionen:
•
Schließung der Transportkette bei der Bahnanreise bzw. -abreise
•
Zubringer zur Bahn für Ausflüge von autofreien Gästen
•
Nutzung auch für den innergemeindlichen Transport
•
Fahrplanmäßige Abstimmung mit der Buslinie (mit verbesserten Anschlüssen Bus-Bahn in Pfarrwerfen)
Kurzbeschreibung
• AST-Verkehr zwischen dem Bahnhof Bischofshofen und Werfenweng mit Flächenbedienung innerhalb der Gemeinde.
• Zwei-Stunden-Takt mit Anschluß zu den IC-Zügen in Bischofshofen.
Realisierungszeitraum
• Einführung Sommerfahrplan 1998 (Juni 1998).
• Jährliche Nachjustierung.
Kosten
• Investitionskosten beim Start (Betafelung, Ersterstellung Fahrplan, Marketing, Fahrscheindrucker):
300.000,-• Laufende Betriebskosten, ca. 500.000,-- p.A., Kostendeckung rund 25%, Abgang ca. 400.000,--.
Finanzierung
• Investitionskosten beim Start: durch Modellvorhaben „autofreier Tourismus“.
• Laufende Betriebskosten: degressive Förderung im Rahmen des Modellvorhabens (5 Jahre, bis
2002), 100% -> 50%.
• Gemeindeanteil: zwischen 0 (1998) bis 200.000,-- (2002).
• Mittel- und längerfristig: Nahverkehrsfinanzierungsgesetz des Bundes, Integration „Pongau-Takt“,
private Sponsoren.
Projektverantwortlich
Gemeinde Werfenweng, ev. in Kooperation mit Gemeinden Pfarrwerfen und Werfen.
Nächste Schritte
Verhandlungen mit Fa. Rettenbacher (Linienkonzession) zur Optimierung der Gesamtlösung. Einbeziehung aller sonstigen Angebote (Skibus, Regionsbus).
Abstimmung mit dem geplanten „Pongau-Takt“.
Verhandlungen mit möglichen AST-Betreibern.
Verhandlungen mit dem SVV zwecks Integration in den Verbund.
ARGE „Sanfte Mobilität“
78
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
ARGE „Sanfte Mobilität“
Process Report - Endbericht
79
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Lokale Verbesserung des Gepäckstransportes
Zielsetzung
Verbesserung der Anlieferung und Abholung von Reisegepäck in Werfenweng.
Kurzbeschreibung
Nutzung des Werfenweng-Shuttle zum Transport von Reisegepäck vom und zum Bahnhof Bischofshofen.
Übergabe des Gepäcks ÖBB/Shuttle am Bahnhof Bischofshofen.
Realisierungszeitraum
Einführung Sommerfahrplan 1998 (Juni 1998), gemeinsam mit AST „Werfenweng-Shuttle“.
Kosten
Geringe zusätzliche Kosten zum Werfenweng-Shuttle.
Finanzierung
Wie AST „Werfenweng-Shuttle“.
Projektverantwortlich
Gemeinde Werfenweng, ev. gemeinsam mit Gemeinde Werfenweng.
Erforderliche Kooperation mit ÖBB, Tourismusverband, Betrieben.
Regionaler Aspekt
Kooperation mit der Gemeinde Pfarrwerfen (und Bischofshofen) zweckmäßig.
Realisierungszeitraum
kurzfristig
Nächste Schritte:
Realisierung AST „Werfenweng-Shuttle“.
Verhandlungen mit den ÖBB zwecks Abschluß eines Kooperationsvertrages zur Regelung der Übergabemodalitäten und Haftungsfragen.
AutoTeilen Werfenweng
Zielsetzung
E-Autoverleih für Gäste als Ergänzung für die Mobilität vor Ort und für Einheimische.
Kurzbeschreibung
Schaffung eines Leihwagenangebotes für autofreie Gäste (und Einheimische).
Am Beginn Anschaffung von zwei E-Fahrzeugen auf Leasing-Basis.
Nutzung durch Mitglieder und Mitgliedsbetriebe.
Abrechnung durch „AutoTeilen Österreich“.
Realisierungszeitraum
Einführung 1997 mit zwei E-Fahrzeugen.
Ausweitung des Angebotes entsprechend der Nachfrageentwicklung bis 2002.
ARGE „Sanfte Mobilität“
80
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Kosten
Prinzip: Deckung der Kosten erfolgt zur Gänze über die Nutzer (einheimische Mitglieder und Gäste).
Tarif (Mischung aus km- und Zeittarif) basiert auf dem Kilometersatz konventioneller Pkw (öS 5,5 pro km).
Mehrkosten durch E-Fahrzeuge gegenüber konventionellen Pkw werden im Rahmen des Modellvorhabens abgedeckt.
Ausfallshaftung der Gemeinde bei zu geringer Inanspruchnahme (Fahrleistung < 1.500 km pro Monat).
Finanzierung
Investitionskosten beim Start: durch Modellvorhaben „autofreier Tourismus“ (Höhe kann noch nicht angegeben werden, da derzeit noch Verhandlungen laufen).
Laufende Mehrkosten E-Fahrzeug / Pkw: degressive Förderung im Rahmen des Modellvorhabens (bis
2002), 100% -> 50%.
Ausfallshaftung Gemeinde Werfenweng.
Verwendung der Fahrzeuge auch für Dienstfahrten der Gemeinde (Kauf eines km-Kontingentes).
Projektverantwortlich
Fa. „Werfenweng Aktiv KHG“, in Kooperation mit Gemeinde Werfenweng und Tourismusverband.
Nächste Schritte
Abschluß der Verhandlungen mit E-Fahrzeuganbietern.
Mailing zur Werbung zusätzliche Mitglieder (Betriebe, Privatpersonen).
Einführung 1997.
Schrittweise Erhöhung der Fahrzeuge entsprechend der Nachfrageentwicklung.
Zertifizierung von Beherbergungsbetrieben mit besonderen Dienstleistungen
für autofreie Gäste
Zielsetzung
Sicherstellung von Basisleistungen für autofreie Gäste durch Zertifizierung von (ausgewählten) Betrieben.
Kurzbeschreibung
Katalog von Mindestanforderungen für Betriebe, die bevorzugt autofreie Gäste aufnehmen sollen.
Zertifizierung (Auszeichnung) der Betriebe, die diese Mindestanforderungen erfüllen und entsprechende
Bewerbung dieser Betriebe durch den Tourismusverband (bevorzugte Zuteilung autofreier Gäste, eigenes Logo in der Häuserliste).
Günstigere Bedingungen bei Dienstleistungen für autofreie Gäste (Sportgeräteverleih, Ausflugsfahrten,
etc.).
Laufende Prüfung der Betriebe und Ausweitung
Realisierungszeitraum
Ausschreibung erfolgte bereits im April 1997.
Erste Bewerbungen liegen vor, erste Zertifizierungen 1997.
Kosten
Investitionskosten beim Start: öS 50.000,--.
Laufende Betriebskosten, ca. 50.000,-- p.A..
ARGE „Sanfte Mobilität“
81
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Finanzierung
Investitionskosten beim Start: durch Tourismusverband (Eigenleistungen).
Laufende Kosten: Eigenleistungen Tourismusverband, Förderung Modellvorhaben „autofreier Tourismus“,
Innenmarketing, (80%)
Projektverantwortlich
Tourismusverband Werfenweng
Nächste Schritte
Verleihung der ersten Zertifikate 1997.
Verhandlung mit dem BMwA zwecks Anerkennung als Teilleistung für „Umweltzeichen Tourismusbetriebe“.
Laufende Prüfung und Motivation der Betriebe.
Periodische Ausschreibungen, um mehr Betriebe zum Mitmachen zu motivieren.
Voraussetzungen für die Zertifizierung
Mobilität vor Ort
•
Gratisabholung vom Bahnhof Bischofshofen muß sichergestellt sein
⇒ durch AST-Gutscheine; Versand an gebuchte Gäste und Abgabe an die Gäste
⇒ wenn kein AST, eigene Abholung
•
Mitgliedschaft bei AutoTeilen Werfenweng (inkl. Sicherstellung des Transports zum Leihauto,
sofern nicht zu Fuß erreichbar)
•
Vermittlung von Taxis und Mietwagen
•
Angebot oder Vermittlung von Leihfahrrädern
•
Angebot oder Vermittlung von sonstigen Leih-Sportgeräten (Ski, Snowboard, ...)
•
Auskunft über Fernfahrpläne der Bahn (HAFAS oder Kursbücher)
•
Auflage von Regionalfahrplänen und persönliche Auskunft
•
Auflage des Angebots von organisierten Ausflugsfahrten und persönliche Beratung
•
Auflage der Ausflugstips mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Finanzielle Anreize
•
Ermäßigung beim Zimmerpreis
•
Ermäßigung beim Radverleih
•
Ermäßigung beim Ski-, Snowboard-, etc.-Verleih
•
Ermäßigung bei Ausflugsfahrten
•
Ermäßigte Abgabe der Salzburg-Card an autolose Gäste (mittelfristige Option)
Standortkriterien (werden mit Einführung des AST nicht mehr angewendet)
•
kostenlose Transporte mit Hotelwagen (Betriebe mit Mietwagenkonzession)
•
Lage im Ortszentrum (Basis-Infrastruktur)
•
Lage an Schibushaltestelle oder Lift (Winter)
Marketing für Urlaub vom Auto
ARGE „Sanfte Mobilität“
82
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
•
Bei Anfragen von Gästen wird auf die Möglichkeit, ohne Auto Urlaub zu machen, offensiv hingewiesen.
•
Bei direkter Buchung werden mit der Buchungsbestätigung Unterlagen über die Bahnanreise (individueller Fahrplanauszug (HAFAS), Angebote für den Haus-Haus-Gepäckstransport, allgemeiner Folder über „Urlaub vom Auto“) mitgeschickt. Persönliche Fahrpläne (HAFAS) können beim
Tourismusverband angefordert werden.
•
Aufnahme des Zertifikates und von Basisinformationen zum „Urlaub vom Auto“ in den Hausprospekt.
•
Plazierung des Zertifikates an prominenter Stelle im Haus.
•
Auflage von Informationsmaterial zu „Urlaub vom Auto“ an der Rezeption und im Zimmer (Infomappe).
Ausbildung der im Tourismus Tätigen
Zielsetzung
Grundausbildung für Belange des öffentlichen Verkehrs und im Marketing für alle Arten der „Sanften Mobilität“. Zielgruppe: Beschäftigte in zertifizierten Betrieben (Pflichtteilnahme) und sonstigen touristischen
Einrichtungen. Ausbildung der Personengruppe, die in der Praxis den direktesten „Zugang“ zum Gast hat.
Kurzbeschreibung
Schaffung eines 9-tägigen, maßgeschneiderten Ausbildungsprogrammes im Rahmen des EU-geförderten
Projektes POSEIDON (Mobilitätsberatung im Tourismusbereich).
Jährliche Durchführung eines Lehrganges.
Verpflichtende Teilnahme zumindest eines Mitarbeiters von zertifizierten Betrieben, vorerst kostenlos.
Freiwillige Teilnahme sonstiger Interessierter.
Realisierungszeitraum
Erstmalige Durchführung des Lehrganges 1997 durch die FGM (Forschungsgesellschaft Mobilität) im
Rahmen des EU-Projektes POSEIDON.
Weitere Ausbildungslehrgänge, einmal pro Jahr.
Kosten
Kosten pro Lehrgang (abhängig von Teilnehmerzahl, max. 10 Personen) rund 150.000,--.
Finanzierung
Tourismusverband, mit Startförderung (bis 2002) durch Modellvorhaben „autofreier Tourismus“, Innenmarketing, (80%).
Mittelfristig Finanzierung durch Kursgebühren der Betriebe (ev. mit Stützung des Tourismusverbandes).
Projektverantwortlich
Tourismusverband Werfenweng.
Nächste Schritte
Organisation des ersten Lehrganges nach erfolgter Zertifizierung von Betrieben.
Jährliche Durchführung des Lehrganges
ARGE „Sanfte Mobilität“
83
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Aktives Marketing für die Bahnanreise und Urlaub vom Auto
Zielsetzung
Offensive Bewerbung des Urlaubs vom Auto in Werfenweng.
Kurzbeschreibung
Automatische Bewerbung der Bahnanreise und der autofreien Mobilitätsmöglichkeiten vor Ort bei jeder
Anfrage und Buchung. Für zertifizierte Betriebe verpflichtend.
Schaffung der erforderlichen Infrastruktur (z.B. elektronische Fahrplanauskunftssysteme) und entsprechende Schulung des Personals im Tourismus.
ÖBB stellen erforderliche Unterlagen (HAFAS-Disketten und Kursbücher) zur Verfügung.
Realisierungszeitraum
Bereits eingeleitet (Tourismusverband).
Laufende Ausweitung auf (zertifizierte) Betriebe.
Kosten
Geringer Mehraufwand.
Finanzierung
Projektverantwortlich
Tourismusverband Werfenweng.
Nächste Schritte
Von den ÖBB wurden kostenlose HAFAS-Disketten und Kursbücher zur Verfügung gestellt.
Im Tourismusverband wurde das Fahrplanauskunftssystem (HAFAS) installiert. Die Gäste werden bei
Anfragen auf die Anreisemöglichkeit per Bahn hingewiesen.
Zertifizierte Betriebe werden ebenfalls die Möglichkeit, ohne Auto Urlaub zu machen, offensiv bewerben.
Laufende Kontrolle und Verbesserung.
Aufnahme der Hotelabholung in das ÖBB-Informationssystem
Zielsetzung
Kurzfristig: Marketing für bestehende Abholdienste einzelnen (zertifizierten) Betriebe.
Mittelfristig zusätzlich: Marketing für AST „Werfenweng-Shuttle“.
Kurzbeschreibung
Aufnahme der Abholmöglichkeiten in die Informationsmedien
•
HAFAS (elektronischer Fahrplan der ÖBB)
•
Broschüre „Abholservice für Bahnkunden“ der ÖBB
Realisierungszeitraum
Bereits realisiert.
Jährliche Aktualisierung.
ARGE „Sanfte Mobilität“
84
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Kosten
keine.
Finanzierung
Projektverantwortlich
Tourismusverband Werfenweng.
Nächste Schritte
Bei Inbetriebnahme des AST „Werfenweng-Shuttle“ wird dieses Angebot aufgenommen.
Jährliche Aktualisierung.
Überarbeitung des Prospektmaterials
Zielsetzung
Information über und Motivation zu autofreiem Urlaub in Werfenweng.
Kurzbeschreibung
Schrittweise Überarbeitung des (gesamten) Prospektmaterials (Regions-, Orts- und Betriebsprospekte)
im Zuge der periodischen Neuauflage. Herausnahme von rein autoorientierten Inhalten (z.B. Anreiseschema).
Einbau von Hinweisen auf die Möglichkeit des autofreien Urlaubs in Werfenweng und Werfenwenger
Betrieben.
Realisierungszeitraum
Neuauflage der Häuserliste mit eigener Seite zur Bahnanreise 1997.
Laufende Aktualisierung bei Überarbeitung des sonstigen Prospektmaterials.
Verpflichtende Aufnahme von Hinweisen in Hausprospekte bei zertifizierten Betrieben (bei Neuauflage).
Information zur Bahnanreise in regionales Prospektmaterial.
Kosten
Laufende Überarbeitungen bei Neuauflage: keine zusätzlichen Kosten.
Anreiseseite in der neuen Häuserliste: 50.000,--.
Finanzierung
Anreiseseite in der Häuserliste: 50% EU-Projekt „Sanfte Mobilität“, 50% Modellvorhaben „Autofreier Tourismus“.
Projektverantwortlich
Tourismusverband Werfenweng.
Nächste Schritte
Druck der neuen Häuserliste.
Laufende Aktualisierung bei Überarbeitung des Prospektmaterials.
SLT ist bereit, in regionalen Prospekten (z.B. Themenprospekte) auf Wunsch der Gemeinde entsprechende Hinweise aufzunehmen.
ARGE „Sanfte Mobilität“
85
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Ortsbezogene Mobilitäts- und ÖV-Information
Zielsetzung
Schaffung eines Basis-Informationsangebotes über Mobilitätsmöglichkeiten autofreier Gäste in Werfenweng.
Kurzbeschreibung
Auflage eines Folder mit den Inhalten
•
allgemeine Informationen über Mobilitätsmöglichkeiten,
•
ortsbezogene Fahrpläne,
•
Ausflugsvorschläge mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Auflage in möglichst allen Beherbergungsbetrieben, in zertifizierten Betrieben ist die Auflage obligatorisch. Versand an (potentielle) Gäste bei Anfragen und Buchungen.
Halbjährliche Neuauflage.
Realisierungszeitraum
Erstmalige Herausgabe Sommer 1998, nach Einführung des AST „Werfenweng-Shuttle“.
Jährliche Neuauflage mit Aktualisierung.
Kosten
Auflage: 10.000 Stk, ca. 100.000,-- pro Ausgabe.
Finanzierung
Tourismusverband. Bis 2002 Förderung durch Modellvorhaben „autofreier Tourismus“, 80%.
Mittelfristig Eigenfinanzierung, Inserate, Sponsoren.
Projektverantwortlich
Tourismusverband Werfenweng.
Nächste Schritte
Erstauflage 1998.
Jährliche Neuauflage.
All-Inclusive-Card mit Anreizen für autofreie Gäste („Salzburg-Joker“)
Zielsetzung
Schaffung eines einfachen und preisgünstigen Tarifangebotes für autofreie Gäste.
Bevorzugung von Gästen, die ohne Auto angereist sind.
Kurzbeschreibung
Auflage einer regionalen All-Inclusive-Card für öffentliche Verkehrsmittel, spezifische Dienstleistungen für
autofreie Gäste und finanziellen Anreizen für diese Gruppe. Breites und attraktives Leistungsspektrum.
Besondere Anreize für Gäste, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind (autofreie Gäste, Abgabe des Autoschlüssels für Gäste mit Auto). Keine Aufnahme autoorientierten Angebote.
Einbeziehung der wichtigsten, von Gästen aufgesuchten Destinationen.
Realisierungszeitraum
Ziel: Erstmalige Auflage 1998.
Laufende Verbesserung der Angebotspalette mit speziellen Anreizen für autofreie Gäste.
ARGE „Sanfte Mobilität“
86
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Kosten
Derzeit nicht abschätzbar.
Mittelfristig keine Kosten (für die öffentliche Hand) angestrebt.
Finanzierung
Beteiligte Unternehmen.
Startphase Förderungen durch SLT und Land Salzburg.
Projektverantwortlich
SLT.
Nächste Schritte
Inhaltliches und finanzielles Konzept für die gewünschte Angebotspalette mit besonderen Anreizen für
autofreie Gäste.
Erstmalige Herausgabe 1998.
Regionale Betreuung in „Ferienzügen“
Zielsetzung
Bahnanreise als Erlebnis mit Bezug auf die Region. Marketing für die Tourismusregion und „Urlaub vom
Auto“ bei den übrigen Fahrgästen. Internationales Marketing für das Gesamtprojekt.
Kurzbeschreibung
Bewirtschaftung eines Speisewagens durch die Region mit regionalen Speisen und Getränken, sowie
musikalische Darbietungen. Auflage regionsspezifischen Informationsmaterials.
Einsatz von Animateuren im Zug.
Realisierungszeitraum
Erstmalige Durchführung mit Trägerschaft des TV Werfenweng, gemeinsam mit dem Bauernladen Werfenweng, im Sommer 1997.
Mittelfristig (ab 1998): Durchführung mit regionaler Trägerschaft (SLT).
Kosten
Derzeit nicht abschätzbar, gering.
Finanzierung
Förderung im Rahmen des Modellvorhabens „autofreier Tourismus“ möglich (Außenmarketing).
Projektverantwortlich
Kurzfristig: Tourismusverband Werfenweng.
Mittelfristig: SLT.
Nächste Schritte
Gespräche zwischen DB-AG, Mitropa und TV Werfenweng bezüglich kurzfristiger Durchführung eines
Aktionstages.
Mittelfristiges Konzept zur laufenden Durchführung auf der Basis der Erfahrungen.
ARGE „Sanfte Mobilität“
87
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Information und Motivation von Bevölkerung und Wirtschaft
Zielsetzung
Die schrittweise Umsetzung der Maßnahmen des Konzeptes erfordert einen hohen Informationsstand der
Bevölkerung und eine hohe Kooperationsbereitschaft der Wirtschaft und der Bevölkerung. Diese soll
durch gezielte Maßnahmen sichergestellt werden.
Kurzbeschreibung
Zweimal jährliche Auflage der Gemeindezeitung „Sanft & Mobil“.
Zweimal jährlich öffentliche Diskussionsveranstaltungen zu konkreten Themen der Sanften Mobilität.
Realisierungszeitraum
Bisher ist eine Ausgabe der Zeitung „Sanft&Mobil“ erschienen. Eine Bürgerversammlung zum Thema
Bahnanreise-Logistik wurde veranstaltet.
Kosten
Rund öS 100.000,- pro Jahr.
Finanzierung
Gemeinde Werfenweng. Förderung (bis 2002) über Modellvorhaben „autofreier Tourismus“, 80%.
Projektverantwortlich
Gemeinde Werfenweng.
Nächste Schritte
Weiterführung der Aktivitäten.
Verbesserung des regionalen ÖV-Angebotes „Pongau-Takt“
Zielsetzung
Das Angebot im regionalen öffentlichen Verkehr soll verbessert werden. Dies soll durch eine Reorganisation und Abstimmung des Angebotes bei gleichzeitiger Schaffung regionaler Verantwortlichkeiten (Gemeindeverband) erfolgen. Diese Maßnahme ist auch notwendig, um Verschlechterungen des Angebotes
zu vermeiden.
Kurzbeschreibung
Ausarbeitung eines regionalen ÖV-Konzeptes unter Beteiligung der Verkehrsunternehmen, des SVV, der
Gemeinden und des Landes Salzburg.
Gründung eines ÖV-Gemeindeverbandes Pongau.
Realisierungszeitraum
Start der Planungen im Herbst 1997.
Einführung Winterfahrplan 1998/98 (September 1998)
Kosten
Konzept 800.000,-Laufende Betriebskosten: derzeit nicht absehbar.
Finanzierung
Konzept: Land Salzburg 33%, EU-Kofinanzierung 16%, Gemeinden Pongau 50%.
Anteil Werfenweng: ca. 1.000,--.
ARGE „Sanfte Mobilität“
88
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Laufende Betriebskosten: Mehrkosten nach Finanzierungsschlüssel Land / Gemeinden. Startförderung im
Rahmen des Modellvorhabens „autofreier Tourismus“ möglich.
Projektverantwortlich
Regionalforum Pongau-Lammertal.
Nächste Schritte
Beschluß in der Bürgermeisterkonferenz Pongau (Juni 1997).
Konzepterstellung in Abstimmung mit dem SVV, dem Land Salzburg, den Verkehrsunternehmen und den
Gemeinden.
Gründung Gemeindeverband Pongau und Festlegung eines Finanzierungsschlüssels.
Umsetzung Herbst 1998.
Optimierung Sportgeräteverleih
Zielsetzung
Verbesserte Ausleihmöglichkeit von schweren und sperrigen Sportgeräten und Fahrrädern zur Vermeidung überflüssigen Reisegepäcks.
Kurzbeschreibung
Kurzfristig: bessere Vermarktung der bestehenden Verleihmöglichkeiten (in zeritifizierten Betrieben verpflichtend, Aufnahme in allgemeines Informationsmaterial).
Mittelfristig: Übersiedlung des Skiverleihs (samt Schließfächern) zur Bergbahn. Realisierung im Zuge des
geplanten Neubaus.
Realisierungszeitraum
Kurzfristig bessere Vermarktung des bestehenden Angebotes ab 1997.
Mittelfristig: Verleih von Wintersportgeräten beim Lift, Schließfächer beim Lift. Abhängig vom Neubau der
Talstation.
Kosten
Kurzfristig: keine.
Mittelfristig: noch nicht abschätzbar.
Finanzierung
Mittelfristig: Bergbahn, Förderung im Zuge des Modellvorhabens „autofreier Tourismus“ prinzipiell möglich.
Projektverantwortlich
Tourismusverband Werfenweng.
Nächste Schritte
Bessere Vermarktung des bestehenden Angebotes, verpflichtend in zertifizierten Betrieben.
Umbau Liftstation mit Integration des Verleihs von Wintersportgeräten.
ARGE „Sanfte Mobilität“
89
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Autofreie Package-Angebote
Zielsetzung
Schaffung preislich attraktiver Angebote für „Urlaub vom Auto“ in Werfenweng (Sommer- und Wintersaison).
Kurzbeschreibung
Aufnahme ins Wedelweiß/Edelweiß-Programm der ÖBB.
Schaffung weiterer Angebote gemeinsam mit Reiseveranstaltern, vor allem für ausländische Gäste.
Realisierungszeitraum
Ab Sommer 1998. Abhängig von der Einführung des AST „Werfenweng-Shuttle“ und sonstiger Basisangebote.
Kosten
rund 50.000,-- pro Jahr.
Finanzierung
Tourismusverband Werfenweng. Förderung im Rahmen des Modellvorhabens „autofreier Tourismus“,
Außenmarketing, 80%.
Projektverantwortlich
Tourismusverband Werfenweng.
Nächste Schritte
Schaffung der Basisangebote für „Urlaub vom Auto“.
Verhandlungen mit Verkehrsunternehmen und Tourismusbetrieben.
Ferien-Zielbahnhof und Mobilitätszentrale Bischofshofen
Zielsetzung
Sicherstellung einer qualifizierten Betreuung von ankommenden Gästen direkt am Bahnhof. (Touristische) Mobilitätszentrale für die Region am Bahnhof Bischofshofen.
Kurzbeschreibung
Schaffung einer Basisinfrastruktur für Gästebetreuung und Mobilitätszentrale Pongau im Zuge des Umbaus des Bahnhofs Bischofshofen. Angebot touristischer Dienstleistungen und Informationsstelle. Besetzung zumindest während der Saisonen. Mögliche Funktionen einer Mobilitätszentrale sind im Zuge der
Detailkonzeption festzulegen.
Zeitraum / Schritte
Start der Planungen im Herbst 1997.
Inbetriebnahme nach Abschluß des Bahnhofsumbaus (1999).
Kosten
Derzeit nicht absehbar.
Finanzierung
Konzept, Investitionen (Einrichtungen): Förderung im Rahmen des Modellvorhabens „autofreier Tourismus“ bzw. EU-Förderung Art. 10 (EFRE).
Laufender Betrieb: Startförderung im Rahmen des Modellvorhabens „autofreier Tourismus“ bzw. EUFörderung Art. 10 (EFRE).
ARGE „Sanfte Mobilität“
90
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Einbringen von Ressourcen durch die Verkehrsunternehmen (und ev. der Tourismusverbände). Trägergesellschaft und Finanzierungsschlüssel im Zuge der Konzepterstellung festzulegen.
Projektverantwortlich
Regionalforum Pongau-Lammertal.
Nächste Schritte
Berücksichtigung bei der Umbauplanung des Bahnhofs Bischofshofen (Schaffung geeigneter Räumlichkeiten).
Start Modellvorhaben „autofreier Tourismus“ bzw. Programm Art. 10 (EFRE).
Installierung einer Arbeitsgruppe aus ÖBB, Verkehrsunternehmen, SVV, Tourismus, Gemeinden, Land
Salzburg.
Konzepterstellung und Gründung der Trägergesellschaft, Festlegung eines Finanzierungsschlüssels.
Inbetriebnahme Herbst 1999.
Reisegepäcks-Modellbahnhof Bischofshofen
Zielsetzung
Sicherstellung eines verläßlichen und preiswerten Haus-zu-Haus-Gepäckstransportes mit kurzer Transportdauer (Gepäck im gleichen Zug). Transport und Zustellung / Abholung auch am Wochenende.
Kurzbeschreibung
Bahnhof Bischofshofen wird von den ÖBB im Zuge des Bahnhofsumbaus als Reisegepäcks-Pilotbahnhof
ausgebaut.
Schaffung einer vollautomatischen Reisegepäcksauf- und -ausgabe mit inkludierter Gepäckaufbewahrung.
Ermöglichung der lokalen Zustellung von / nach Werfenweng rund um die Uhr.
Realisierungszeitraum
Fertigstellung nach Umbau des Bahnhofs Bischofshofen (1999).
Kosten
Schätzung derzeit nicht möglich.
Finanzierung
ÖBB.
Projektverantwortlich
ÖBB.
Nächste Schritte
Genehmigung der vorliegenden Planungen durch die Generaldirektion der ÖBB.
Realisierung im Zuge des Bahnhofsumbaus.
ARGE „Sanfte Mobilität“
91
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Auflage einer schriftlichen regionalen ÖV- und Mobilitätsinformation
Zielsetzung
Zielgruppenspezifische Information über das regionale ÖV-Angebot als Voraussetzung für eine verstärkte
Benützung öffentlicher Verkehrsmittel durch Gäste und Einheimische.
Kurzbeschreibung
Herausgabe eines Druckwerkes mit Linienplan, Fahrplänen aller Verkehrsmittel und ergänzenden Angeboten. Auflage zwei mal jährlich.
Realisierungszeitraum
Start der Konzeption im Herbst 1997.
Erstauflage Sommer 1998, Winter 1998/99.
Halbjährliche Neuauflagen.
Kosten
Erstmalige Erstellung: 1,5 Mio. S (2 Ausgaben).
Neuauflage: 1,0 Mio. S pro Jahr.
Finanzierung
Erstauflagen: Tourismusverbände, ÖV-Unternehmen, SVV, Land Salzburg, Gemeinde Verband Pongau,
Sponsoren. Förderung im Rahmen des Modellvorhabens „autofreier Tourismus“ bzw. EU-Förderung Art.
10 (EFRE), 80%.
Neuauflagen: Tourismusverbände, ÖV-Unternehmen, SVV, Land Salzburg, Gemeinde Verband Pongau,
Sponsoren. Bis 2002 Förderung im Rahmen des Modellvorhabens „autofreier Tourismus“, 80%.
Projektverantwortlich
Regionalforum Pongau-Lammertal.
Nächste Schritte
Start Modellvorhaben „autofreier Tourismus“ bzw. Programm Art. 10 (EFRE).
Auftragsvergabe zur Erstellung im Herbst 1997.
Fertigstellung: Sommerausgabe Juni 1998, Winterausgabe: Oktober 1998.
Jährliche Neuauflagen.
Weitere Verkehrsberuhigung im Ort
Zielsetzung
Verkehrsberuhigung zur Sicherstellung eines attraktiven Aufenthaltes der Gäste (Belohnung für Autofreiheit) und einer hohen Lebensqualität für die Einheimischen.
Kurzbeschreibung
Schrittweise Weiterführung der Verkehrsberuhigungsmaßnahmen im Gemeindegebiet mit Ausbau des
Wegenetzes für Fußgänger und Radfahrer, Verbesserung des öffentlichen Verkehrs und Verringerung
des nicht notwendigen Kfz-Verkehrs. Einsatz von Fahrzeugen mit geringen Emissionen (z.B. E-Mobile).
Basis der Maßnahmen ist ein Gemeinde-Verkehrskonzept.
ARGE „Sanfte Mobilität“
92
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Realisierungszeitraum
Abhängig vom Start des Modellprojektes.
Start des Verkehrskonzeptes 1998.
Schrittweise Umsetzung.
Kosten
Verkehrskonzept: rund 500.000,--.
Umsetzung der Maßnahmen: derzeit nicht abschätzbar.
Finanzierung
Verkehrskonzept: Gemeinde Werfenweng. Förderung im Rahmen des Modellvorhabens „autofreier Tourismus“, 80%.
Projektverantwortlich
Gemeinde Werfenweng.
Nächste Schritte
Start des Modellvorhabens „autofreier Tourismus“.
Ausarbeitung eines Verkehrskonzeptes.
Aufbau eines neuen touristischen Images
Zielsetzung
Positionierung von Werfenweng als Gemeinde mit sanfter Mobilität am touristischen Markt.
Kurzbeschreibung
Umfassendes Marketing und dessen Umsetzung mit Schwerpunkt auf „Tourismusort mit sanfter Mobilität“
auf der Basis eines professionellen Marketingkonzeptes.
Realisierungszeitraum
Konzepterarbeitung ab 1998.
Start des Marketing ab 1999, in Abhängigkeit vom Umsetzungsstand der Maßnahmen.
Teilnahme an Europäischer Angebotsgruppe.
Kosten
öS 500.000,- pro Jahr.
Finanzierung
Tourismusverband Werfenweng. Bis 2002: Förderung über Modellvorhaben „autofreier Tourismus“, 90%.
Projektverantwortlich
Tourismusverband Werfenweng.
Nächste Schritte
Realisierung der Grundangebote der Sanften Mobilität.
Teilnahme am geplanten Europäischen Netzwerk.
Ausarbeitung des Marketingkonzeptes.
Einleitung der Marketingmaßnahmen.
ARGE „Sanfte Mobilität“
93
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Zusammenfassung/Erfahrungen
Werfenweng hat im Tourismusleitbild die Sanfte Mobilität und die Forcierung eines Autofreien
Tourismus als Teil eines neuen Profils festgeschrieben. Erstaunlich ist, mit welchem Engagement und Konsequenz die Gemeinde und die beteiligten Personen seither diesen Weg gegangen sind.
Die Aufnahme in das Modellvorhaben „Autofreier Tourismus in Österreich“ und die Teilnahme
als Partner am EU-Projekt Sanfte Mobilität sind dabei sichtbarer Ausdruck. Die Weiterentwicklung und konsequente Umsetzung von einzelnen Maßnahmen konnte dadurch wesentlich unterstützt werden.
Die offensive Informationspolitik gegenüber der Bevölkerung und Entscheidungsträgern mit
sachlicher Information zum Thema „Werfenweng sanft&mobil“ hat sich sehr bewährt.
Bei der Arbeit in den Projektbeiratssitzungen konnte auch die Integration wichtiger externer
Partner, wie etwa der ÖBB erreicht werden. Der Plan den nächstgelegenen IC-Bahnhof Bischofshofen als Modellbahnhof auszubauen, welcher auf eine attraktive Gepäckslogistik und
neue Servicequalität in der Kundenberatung (Mobilitätszentrale) aufbaut, ist auch mit als Erfolg
der Aktivitäten in Werfenweng zu sehen.
Die weitere Zusammenarbeit mit Tourismusgemeinden, die sich ebenfalls mit Sanfter Mobilität
und Autofreien Angeboten profilieren wollen, ist ein wichtiger Wunsch des Bürgermeisters Peter
Brandauer für die Zukunft. Der Aufbau einer Angebotsgruppe zur aktiveren Vermarktung wird
dabei auch als wichtiges Zukunftsziel gesehen.
ARGE „Sanfte Mobilität“
94
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Anhang Werfenweng
ARGE „Sanfte Mobilität“
95
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt: Sanfte Mobilität
4.
Process Report - Endbericht
Ergebnisbericht Partnergemeinde Bad Füssing
Bearbeitung: P. Zimmer & A. Eckert (FUTOUR), R. Ulzhöfer & B. Häns (Lang-Burkhardt)
Ausgangssituation
Bad Füssing liegt in Niederbayern, ca. 30 km südlich von Passau, und ist berühmt durch sein
staatlich anerkanntes Heilbad. Mit 3,1 Mio. Übernachtungen pro Jahr gehört es zu den größten
Heilbädern in Europa. Bad Füssing hat 7.500 Einwohner und eine Bettenkapazität von 14.380
Betten.
Die Gemeinde hat zwischenzeitlich umfangreiche Erfahrungen mit Maßnahmen der Verkehrsberuhigung sammeln können, so daß nunmehr auf diesem Gebiet eine generelle Bewertung
und zielstrebige Weiterentwicklung erforderlich ist. Ein zentrales Anliegen ist das Ziel, die Kurgäste während ihres Aufenthalts zum Autoverzicht zu motivieren. Von Bedeutung ist in diesem
Zusammenhang die Tatsache, daß mit maßgeblicher Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen in Bad Füssing bereits seit November
1993 Elektrobusse im praktischen Einsatz sind, deren Einsatzbedingungen und verkehrliche
Wirksamkeit sukzessive verbessert werden sollen. Der Einsatz von Elektrobussen bzw. abgasarmen Fahrzeugen im Rahmen des Pilotprojektes des Staatsministeriums hat die Verbesserung
der Umweltsituation zum Ziel, die in Bad Füssing eigene Züge tragen kann. Die Auswahl des
Kurorts Bad Füssing für Maßnahmen im Rahmen des Pilotprojektes geht auch von der politischen Bereitschaft der Gemeinde aus, in den schützenswerten Kur- und Erholungszonen auf
ein spürbar höheres Maß an "Autofreiheit" hinzuwirken. Als Voraussetzung diente ein 1985 in
Auftrag gegebenes interdisziplinäres Gutachten, daß die Lärm und Abgasbelästigung verringern
sollte. In diesem Gutachten wurde bereits beschlossen, Fußgängern und Radfahrern Vorrang
einzuräumen, Straßen zurückzubauen und Kreisverkehre zu errichten. Im Rahmen des EUProjekts "Sanfte Mobilität" soll die Zielsetzung der Gemeinde vertieft werden.
Verkehr
In einer Region mit geringer Siedlungsdichte wird der MIV auch in naher Zukunft noch unverzichtbar sein. Hier geht es zunächst darum, mit flächendeckenden Innerortsbedienungen
bestehende Mobilitätsdefizite bei nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmern abzubauen und auch
im schwach besiedelten Umland Alternativen zum Pkw zu schaffen, vorzugsweise mit flexiblen
Bedienungsformen.
Voraussetzung ist, daß in bezug auf öffentliche Verkehrsmittel über eine Angebotsflexibilisierung durch entsprechende Bedienungsformen im Grundsatz Einigkeit besteht.
Der zunehmend erwartete Beitrag öffentlicher Verkehrsmittel zur Lösung gemeindlicher Verkehrs- und Umweltprobleme verlangt zwingend, auch entsprechende Rahmenbedingungen
festzuschreiben und zu realisieren. Dazu gehören insbesondere:
• Infrastrukturmaßnahmen (z.B. ÖPNV-Bevorrechtigung, attraktive Haltestellen),
• Parkraumbewirtschaftungskonzepte,
• eine restriktive Parkraumpolitik,
• die Ausrichtung von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen auf die Belange des ÖPNV,
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• die Bereitschaft zur Finanzierung entsprechender Investitionen, aber auch der Betriebskosten
für das gewünschte Angebotsniveau.
Um den Zielen der Gemeinde Bad Füssing näher zu kommen wird im Teil I der Untersuchung
das Thema "Bedarfsorientierter Verkehr" und im Teil II das Thema "Parkraumbewirtschaftung"
behandelt.
Bedarfsorientierter Verkehr
Für die Gemeinde Bad Füssing wurde sehr ausführlich ein Leitfaden zur Einführung und Handhabung des Bedarfsorientierten Verkehrs abgefaßt, der allgemeine Grundkenntnisse über die
bedarfsorientierte Planung vermittelt. Der Leitfaden beschäftigt sich mit den Themen Rufbusse,
Anruf-Sammeltaxi, Wirtschaftlichkeit, Tarifgestaltung, Disposition, Marketing und Fahrgastinformation, Anforderung an Personal und Fahrzeug sowie einigen Beispielen.
In Bad Füssing kann der bedarfsorientierte Verkehr zur Bedienung von Teilen des Ortsverkehrs,
wo der herkömmliche Linienverkehr wirtschaftlich nicht mehr tragbar ist und auch kein ausreichendes Taktangebot mehr angeboten werden kann, eingesetzt werden. Da die "Ergänzung der
Außerortslinie" aufgrund unzureichender Inanspruchnahme wirtschaftlich in Frage gestellt werden muß, sollte eine ersatzweise Bedienung durch bedarfsorientierten Verkehr in den Sommermonaten geprüft werden. Zusätzlich kann er zur Taktverdichtung und somit einer erheblichen Attraktivitätssteigerung klassischer Linien (Aigen/Irching) beitragen (vgl. Karte "Orts- und
Bäderverkehr Bad Füssing - Bestand). Die Erweiterung und Attraktivierung des ÖPNVAngebots dient vorrangig dem Ziel das Umsteigen vom Individualverkehr auf den Öffentlichen
Verkehr zu erleichtern und somit Umweltbelastungen zu reduzieren. Zusätzlich wird die Lebensqualität für Menschen ohne eigenes Kfz deutlich erhöht.
In Bad Füssing gibt es zwei Varianten, einen bedarfsorientierten Verkehr durchzuführen. Die
"optimale Durchführung" eines bedarfsorientierten Verkehrs wäre eine flächendeckende Bedienung des Gemeindegebiets (Variante I). In einer reduzierten Form besteht die Möglichkeit mit
einer kostengünstigeren Variante in den bedarfsorientierten Verkehr einzusteigen (Variante II).
Variante II kann aber jederzeit auf Variante I ausgeweitet werden. Unabhängig für welche Variante man sich entscheidet, gelten die gleichen, im Folgenden aufgestellten Rahmenbedingungen.
Bedarfsorientierter Verkehr: Variante I und II
Das Einsatzgebiet des Bedarfsverkehrs in Bad Füssing bezieht sich ausschließlich auf das Gemeindegebiet Bad Füssing (Vgl. Karte "Bedarfsorientierter Verkehr Bad Füssing - Variante I).
Der Bedarfsverkehr dient als Ergänzung zum Orts- und Bäderverkehr in den dünn besiedelten
Außenbereichen. Ansatzpunkte für den Einsatz von Bedarfsverkehren sind ein unregelmäßiges
Fahrgastaufkommen (hohe Leerfahrtanteile im Linienbetrieb) und gering besiedelte Räume. Für
das bisherige Fahrgastaufkommen errechnen sich nach der Fahrgastzählung von 1995 im
Durchschnitt unter 10 Fahrgästen pro Tag. Der als Anhaltspunkt für einen sinnvollen Einsatz
bedarfsorientierter Verkehre angegebene Wert von 4-8 Personen pro Fahrt, wird somit deutlich
unterschritten und läßt erwarten, daß zukünftig nur ein Teil der angebotenen Fahrten auch in
Anspruch genommen wird.
Variante I (Vgl. Karte "Bedarfsorientierter Verkehr Bad Füssing - Variante I):
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Die anzufahrenden Weiler werden in drei Bereiche zugeordnet, südlich (1) und nördlich (2 und
3) der St 2110. Die Linie Aigen/Irching wird weiterhin mit 4 Fahrtenpaaren/Tag bedient, jedoch
werden die Orte Aigen und Irching vom Bedarfsverkehr mitbedient. Weitere Haltestellen sollten
in Orten bzw. Weilern wo Übernachtungsmöglichkeiten vorhanden sind, eingerichtet werden.
Liegen für jeden der Bereiche mehrere Fahrtanmeldungen vor, so wird in jeden Bereich ein entsprechendes Fahrzeug geschickt. Liegen nur wenige Anmeldungen vor, so kann der Verkehrsunternehmer alle Fahrtwünsche auch mit einem Fahrzeug koordinieren, sofern dadurch keine
unzumutbaren Wartezeiten für die Fahrgäste entstehen.
Variante II (Vgl. Karte "Bedarfsorientierter Verkehr Bad Füssing - Variante II):
Zur Einführung eines bedarfsorientierten Verkehrs könnte vorerst eine reduzierte Form angeboten werden. Die Schwerpunkte liegen auf der Verbesserung der Anbindung von Aigen und
Irching sowie der Anbindung der Weiler mit den meisten Übernachtungsmöglichkeiten. Die bisherige "Ergänzung der Außerortslinie" wird auf einen Bedarfsverkehr umgestellt. Das heißt es
werden weiterhin 4 Fahrten pro Tag angeboten, aber nur die Haltestellen angefahren für die ein
Fahrtwunsch vorliegt. Sollte keine Anmeldung vorliegen, entfällt die Fahrt. Auf diese Weise
können Betriebskosten eingespart werden, da Leerfahrten gänzlich entfallen. Da der Fahrer nur
die Haltestellen anfährt für die ein Fahrtwunsch vorliegt, verkürzen sich die Fahrtwege. Des
weiteren könnte eine interne Regelung getroffen werden, daß das beauftragte Verkehrsunternehmen in Ausnahmefällen auch Orte aus dem Bereich Nord II anfährt, sofern der Fahrer den
Ort bei seiner Routendisposition mitaufnehmen kann. Die Vermieter in bisher nicht angebundenen Weilern könnten von der Gemeinde darüber informiert werden, daß auf Anfrage beim beauftragten Verkehrsunternehmen die Möglichkeit besteht Gäste mitzunehmen, sofern noch Kapazitäten frei sind. In den meisten Fällen müßte in Zukunft nicht die ganze Linie abgefahren
werden, so daß sich für die Fahrgäste der Beförderungskomfort verbessert, da sich die Beförderungszeiten nach Bad Füssing verkürzen.
Sofern bei der Umstellung der "Ergänzung der Außerortslinie" auf eine Bedarfslinie Kosten eingespart werden können, könnten frei werdende Mittel für eine Verdichtung der Linie Aigen/Irching verwendet werden. Die bisher angebotenen 4 Fahrtenpaare könnten durch weitere
3 Bedarfsfahrten verdichtet werden, so daß annähernd ein 2-Stunden-Takt angeboten wird. Das
heißt man bietet ein Anruflinientaxi an, dessen Abfahrtszeiten mit dem bestehenden Linienverkehr so koordiniert sind, daß die fehlenden Zeiten ergänzt werden. Das Anruflinientaxi bedient
nur bei Nachfrage die Linie Bad Füssing - Irching - Aigen. Der Fahrplan könnte dann wie folgt
aussehen:
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Orts- und Bäderverkehr Bad Füssing - Linie Aigen a. Inn (Linie 12 e)
Abfahrt Bad Füssing
Abfahrt Aigen a. Inn
08.30 Uhr*
06.51 Uhr
10.37 Uhr
09.00 Uhr*
12.30 Uhr*
11.26 Uhr
13.54 Uhr
13.51 Uhr
14.29 Uhr
15.00 Uhr*
16.30 Uhr*
16.21 Uhr
17.29 Uhr
18.00 Uhr*
* = Anruflinientaxi nach Aigen und Irching, Fahrt nur bei telefonischer Anmeldung
Es werden jedoch nur die Haltestellen Irching und Aigen angefahren, da z.B. Egglfing bestens
über die Außerortslinie des Bäderverkehrs angebunden ist.
Nach der Vorstellung des Konzeptes im Umweltausschuß wurde beschlossen, daß die Umsetzung der Variante I aus Kostengründen vorerst nicht zu erwarten ist. Ein Angebot eines Verkehrsunternehmers wurde bereits eingeholt, so daß im weiteren Verlauf über eine Umsetzung
der Variante II diskutiert wird.
Allgemeine Hinweise zur Umsetzung des bedarfsorientierten Verkehrs
- Feste Abfahrts- und Ankunftshaltestellen in Bad Füssing sind die Thermen 1, 2 und 3 sowie
die Haltestelle in der Rathausstraße.
- Alle anderen ausgewählten Haltestellen (Vgl. Karten "Bedarfsorientierter Verkehr") werden nur
bei Bedarf angefahren. Es besteht keine feste Route. Der Verkehrsunternehmer stellt sich
seine Fahrroute je nach Fahrtanmeldungen zusammen. Bei der Rückfahrt zu den Bedarfshaltestellen können die Fahrgäste auf Wunsch bis vor die Haustür gefahren werden.
- Der Fahrtwunsch ist mindestens eine Stunde vor der fahrplanmäßigen Abfahrtszeit bei der
Zentrale telefonisch anzumelden. Dem Fahrgast wird bei der Anmeldung eine Abfahrtszeit bestätigt (Toleranzgrenze von etwa 5 Minuten). Die Fahrten können auch nach mündlicher Absprache mit dem Fahrer durchgeführt werden, da Kurgäste i.d.R. über einen längeren Zeitraum bleiben und dann täglich den Fahrservice in Anspruch nehmen.
- Bei der Fahrplangestaltung sollte auf sinnvolle Verknüpfungen mit dem Orts- und Bäderverkehr sowie mit wichtigen Busanschlußverbindungen in Bad Füssing, z.B. nach Pocking,
geachtet werden. Zudem sollten auch eventuell fest vorgegebene Anfangszeiten bei Kuranwendungen berücksichtigt werden.
- Es werden feste Abfahrtszeiten im 2-Stundentakt vorgegeben. Für sinnvoll werden die Abfahrtszeiten 07.00, 09.00, 11.00, 13.00, 15.00 und 17.00 Uhr erachtet.
- Der Bedarfsverkehr sollte zunächst nur in den Sommermonaten von April bis Oktober angeboten werden.
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- Ein Fahrtwunsch sollte auch schon im voraus von einem Vermieter in einem, der vom Bedarfsverkehr bedienten Weiler, in Auftrag gegeben werden können, wenn sein Gast mit dem
Zug bzw. dem Bus nach Bad Füssing anreist. Umsteigepunkte sind die Verknüpfungspunkte
mit dem Regionalverkehr (z.B. Rathausstraße).
Tarife und Abrechnung
- In Bad Füssing sollte die Möglichkeit des "Vollständig integrierten Tarifs" angewendet werden,
d.h. es werden überall die Tarife des Orts- und Bäderverkehrs angewendet. Inhaber einer
Kurkarte sollten nur einen Komfortzuschlag (z.B. 2,- DM) bezahlen. Für Nichtinhaber einer
Kurkarte (Besucher, Einwohner der Gemeinde Bad Füssing) müssen Regeltarife angeboten
werden (z.B. Regeltarif 1,- DM (bei 2-Zonen-Einteilung 1,- bzw. 2,- DM etc.) plus ein Komfortzuschlag von z.B. 2,- DM).
- Die tatsächlichen Kosten der Beförderung müssen zwischen der Gemeinde und den beauftragten Verkehrsunternehmen verrechnet werden. Es muß über Sonderkonditionen verhandelt werden, da den Taxiunternehmen zu mehr Fahrten verholfen wird. In vorliegendem
Fall bietet der Verkehrsunternehmer die Fahrten zu einem festen Preis in DM (incl. MwSt.) an,
unabhängig wieviele Fahrgäste transportiert werden. Es können pro Fahrt max. 8 Personen
befördert werden. Liegen mehr Anmeldungen vor, so muß ein zweites Fahrzeug eingesetzt
werden. Das Gemeindegebiet wird in drei Tarifzonen (Süd, Nord I und Nord II) aufgeteilt.
- Die Durchführung der Fahrt wird von einem Fahrgast mit Namen, Pension/Adresse, Datum,
Zeit, Personenzahl und Ziel bestätigt. Die Durchschriften sind bei der Kilometerabrechnung
mit der Gemeinde beizulegen. Die Fahrgäste zahlen pro Person. Zwischen dem Verkehrsunternehmer und der Gemeinde werden nur die durchgeführten Fahrten abgerechnet. Aus der
Differenz zwischen den Einnahmen und den abgerechneten Fahrten ergibt sich der Zuschußbetrag für die Gemeinde.
Das Veranstaltungssammeltaxi
- Das Veranstaltungstaxi ist eine Sonderform des AST. Vor Beginn und nach Beendigung regelmäßig stattfindender Veranstaltungen (z.B. Kurkonzerte, Thermen-Abendbadetage) wird
eine Haus-zu-Haus-Verbindung zwischen dem Veranstaltungsort und der Haustür angeboten.
- Die Fahrtanmeldung für die Hinfahrt erfolgt telefonisch, für die Rückfahrt kann vor oder in der
Pause der Veranstaltung (z.B. beim Garderobenpersonal) bestellt werden. Die Sammelbestellung wird an den AST-Betreiber weitergegeben.
- Die Fahrpreise für diese besonderen Service können nicht mehr in den Tarifen des Orts- und
Bäderverkehrs enthalten sein. Sie müssen für diese Betriebsform u.a. wegen des hohen Besetzungsgrads der Fahrzeuge kostendeckend kalkuliert werden und personenbezogen abgerechnet werden. Es hat sich gezeigt, daß durch den "Heimfahr-Service" die Zahl der regelmäßigen Veranstaltungsbesucher zunimmt.
- Bei der Einführung eines Veranstaltungssammeltaxi sollte das Einsatzgebiet auch auf Würding und Egglfing ausgeweitet werden, da der Orts- und Bäderverkehr in den Abendstunden
nicht mehr verkehrt. Es könnten drei Tarifzonen angeboten werden: Bereich I (Bad Füssing,
Safferstetten, Riedenburg), Bereich II (Würding, Egglfing) und Bereich III (Aigen, Irching und
Außenbereiche).
- Bei kostendeckenden Tarifen wäre auch eine privatwirtschaftliche Abwicklung des Veranstaltungssammeltaxis möglich. Die Entscheidung ein Veranstaltungssammeltaxi einzuführen,
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sowie auch die Ankündigung und Information sollte von der Gemeinde Bad Füssing ausgehen.
Parkraumbewirtschaftung
Bad Füssing verfügt über fast 2000 öffentliche Stellplätze, die bisher nicht bewirtschaftet sind.
Da die Stellplätze zunehmend von Fremdparkern genützt werden und die Verwirklichung des
Ziels, in den Kur- und Erholungszonen auf ein spürbar höheres Maß an "Autofreiheit" hinzuwirken weiter verfolgt werden soll, trägt eine entsprechende Parkraumbewirtschaftung kombiniert
mit einem angepaßten Parkleitsystem einen wesentlichen Teil zur Problemlösung bei. Vor allem
in der Kurallee zeigt der hohe Anteil des Ziel-/ Quellverkehrs (70%), daß dieser Verkehr reduziert und durch abgestimmte Maßnahmen verlagert werden muß.
Als Grundlage sollten folgende Punkte, die auch bereits im "Verkehrskonzept für den Einsatz
schadstofffreier oder besonders schadstoffarmer Kraftfahrzeuge als Pilotprojekt des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen" verankert sind, beachtet
werden:
• Das Stellplatzangebot im Straßenraum sollte aufgelassen und auf Auffangparkplätze bzw. in
Tiefgaragen/Besucherparkplätzen konzentriert werden.
• Die den Thermen und dem Rathaus/Kurverwaltung zugeordneten Tiefgaragen/Parkplätze
sollten gebührenpflichtig sein.
• Da Langparker durch eine Parkraumbewirtschaftung aus dem inneren Kurbereich verdrängt
werden sollen, müssen für sie in zumutbarer Entfernung Alternativen geschaffen werden.
• Ein geeignetes Parkleitsystem sollte zu den Tiefgaragen der Therme I und II und den Auffangparkplätzen hinführen. Auf den Hinweistafeln muß auf die zu erwartenden Benutzungsregelungen aufmerksam gemacht werden (z.B. Tiefgarage Therme I gebührenpflichtig, P-Nord
gebührenfrei).
• Das Ziel von Parkleitsystemen ist in erster Linie die Vermeidung von Parksuchverkehr. Um
einen optimalen Erfolg zu erzielen, müssen Autofahrer informiert und zielgerichtet zu den
Parkständen geführt werden. Durch eine gleichmäßigere Auslastung ergibt sich eine wirtschaftlichere Nutzung der Parkierungsanlagen; das legale bzw. illegale Parken im Straßenraum wird reduziert.
In Abstimmungsgesprächen mit der Gemeinde wurde das im folgenden dargestellte Parkraumbewirtschaftungskonzept erstellt. Die Gemeinde plant demnächst Angebote zur Umsetzung einzuholen.
Parken in Bad Füssing
Der Parkraum in Bad Füssing sollte in drei Parkzonen aufgeteilt werden und mit nach Zentralität
gestaffelten Gebühren bewirtschaftet werden (Vgl. Karte "Parkraumbewirtschaftung"). In der
Zone 1, die die Parkmöglichkeiten an den Thermen beinhaltet, sollten höhere Gebühren (z.B. 1
DM/Stunde) erhoben werden. In der Zone 2 sollten die Gebühren niedriger (z.B. 0,50
DM/Stunde) angesetzt werden. Bei Bedarf können auch spezielle Tages- und Nachttarife angeboten werden. In der Zone 3 sollte ein kostenloser, aber etwas entfernter gelegener Auffangparkplatz angeboten werden, da Besuchern und Beschäftigten auch gebührenfreies Parken
angeboten werden sollte, wenn Sie dafür längere Wege in Kauf nehmen. Zur Orientierung sind
im Anhang Parkgebührenregelungen ausgewählter Städte und Gemeinden zusammengestellt.
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Für jede Parkgarage bzw. jeden Parkplatz soll eine spezielle den Anforderungen gerechte Regelung entwickelt werden.
Einheitlich für alle bewirtschafteten Parkplätze und -garagen gilt:
• Die Parkplätze bzw. -garagen sind 24 Stunden geöffnet.
• Parkgebühren werden von allen Parkplatz- bzw. Parkgaragenbenutzern einheitlich erhoben.
Eine Bevorzugung bestimmter Nutzergruppen, z.B. Kurgäste, wiederläuft dem Ziel der Verkehrsberuhigung.
• Die Beschäftigten (z.B. Thermen, Rathaus) können von Ihrem Arbeitgeber eine Dauerparkkarte erhalten und sollten angewiesen werden im am weitesten entfernten Bereich in der
Tiefgarage zu parken, da man Ihnen längere Wege eher zumuten kann als den Besuchern.
• Die erste Stunde kann in allen Parkplätzen und -garagen gebührenfrei geparkt werden. Ein
Überparken des Straßenraums sowie Falschparken durch Kurzparker soll dadurch vermieden
werden.
• Alle Parkplätze im Straßenraum mit Parkuhren der Zone 1 und 2 sollten mit mindestens den
gleichen, besser mit höheren Gebühren wie in den Garagen belegt werden und zeitlich begrenzt sein.
Zusätzlich gelten an den einzelnen Parkplätzen folgende Regelungen:
1. Zone 1: Teure Gebühren
• Parkgarage Therme I ( ca. 300 Stellplätze)
- Die Ausfahrt zur Kurallee ist von 24.00 bis 06.00 Uhr aufgrund des Nachtfahrverbots geschlossen.
• Parkgarage Therme II, Kurhaus, Spielbank (735 Stellplätze):
- 150 Stellplätze gehören zur Spielbank und könnten am Vormittag von Beschäftigten der
Therme kostenlos mitbenutzt werden. Da ab Mittag die Beschäftigten ihre Fahrzeuge umparken müßten, ist diese Möglichkeit nicht praktikabel. Sinnvoll wäre diese Regelung nur,
wenn ein genügendes Potential an Halbtageskräften das Angebot in Anspruch nehmen
könnte.
- Die Besucher der Spielbank müssen durch eine Vorankündigung darauf hingewiesen werden,
wo sich die Stellplätze für Spielbankbesucher befinden und daß das Parken für Spielbankbesucher gebührenfrei ist. Innerhalb der Tiefgarage müssen die Besucher durch eine
Beschilderung zu den entsprechenden Plätzen geleitet werden (Spielbank, Kurhaus, Therme
II). Sollte sich herausstellen, daß die Stellplätze der Spielbank durch Fremdparker belegt werden, so müßte eine Schranke eingerichtet werden (Die Voraussetzungen dafür sollten bereits
beim Bau der Garage berücksichtigt werden).
- Die Ausfahrt zur Kurallee ist von 24.00 bis 06.00 Uhr aufgrund des Nachtfahrverbots geschlossen.
• Parkplatz Kurallee (150 Stellplätze)
- Da der Parkplatz nur eine Aus- und eine Einfahrt hat, sollten diese mit Schranken gesichert
werden. Die Überwachung durch die Polizei oder eine kommunale Parküberwachung kann
dadurch entfallen.
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- Aufgrund des Nachtfahrverbots ist die Ausfahrt zwischen 24.00 und 06.00 Uhr nicht möglich,
es kann aber trotzdem geparkt werden. Ein Hinweis darauf sollte bei der Einfahrt angebracht
werden.
2. Zone 2: Billige Gebühren
• Parkgarage Rathaus (340 Stellplätze) und Parkgarage Christuskirche (71 Stellplätze):
- In der Parkgarage des Rathauses müssen 40 Stellplätze für die katholische Kirche aufbehalten werden. Mit der Regelung die erste Stunde kostenlos zu parken (s.o.), kann man auch den
Kirchenbesuchern gerecht werden.
• Parkplatz Ahornstraße - P-West (75 Stellplätze):
- Parkregelung mit Parkscheinautomat werktags von 8.00 - 18.00 Uhr, Samstags von 8.00 14.00 Uhr.
- Samstag Nachmittag und Sonntag keine Parkgebühr, um als Auffangparkplatz für Wochenendbesucher zu dienen.
- Der Parkplatz-West ist auch für Busse geeignet.
3. Zone: Keine Gebühren
• Parkplätze an der Promenade - P-Nord (ca. 250 Stellplätze):
- Der Parkplatz-Nord ist auch für Busse geeignet.
Parkleitsystem
Als Parkleitsystem bezeichnet man ein Verkehrslenkungssystem, das dem stellplatzsuchenden
Kraftfahrer einen Weg zu bestimmten Parkflächen zeigt. Ein Parkleitsystem soll dem Ortsunkundigen eine Orientierungshilfe geben, den Parksuchverkehr reduzieren sowie auf vorgegebene Straßenzüge bündeln, die damit verbundenen Umweltbelastungen vermindern, das Parken
vom Straßenraum auf Parkflächen verlagern und die Auslastung der Parkierungsanlagen erhöhen. Um eine ausreichende Annahme des Parkleitsystems und damit eine gute Wirkung zu gewährleisten, sind weitgehend alle öffentlich nutzbaren Parkstände in das System einzubeziehen.
Für die Wegweisung unterscheidet man statische und dynamische Parkleitsysteme. Bei der
statischen Parkwegweisung wird den Benutzern auf Hinweisschildern angezeigt, wo sich die
einzelnen Parkmöglichkeiten befinden und wie man sie erreichen kann. Ein dynamisches Parkleitsystem ist dagegen variabel in seinen angezeigten Inhalten. Die Nutzer erhalten beispielsweise die Information, ob und gegebenenfalls wie viele freie Parkstände aktuell in einer Parkfläche vorhanden sind. Der Aufwand für eine dynamisches System ist grundsätzlich nur dann gerechtfertigt, wenn den Kraftfahrern Entscheidungsalternativen angeboten werden können. Dies
ist der Fall, wenn einige Parkflächen häufig belegt sind, während anderer noch frei sind.
Da in Bad Füssing eine ausreichende Anzahl von Parkplätzen vorhanden ist und keine Überbelegungen bestimmter Parkierungsanlagen zu erwarten sind, empfiehlt sich ein statisches
Leitsystem. Der Parksuchverkehr wird an den Hauptzufahrtstraßen aufgenommen, umfassend
über das gesamte Parkraumangebot informiert und über eine Reihe von Verzweigungspunkten
hinweg zur ausgewählten Parkfläche geführt. Auf den Wegweisern sollte auf gebührenpflichtiges und gebührenfreies Parken hingewiesen werden. In Bad Füssing ist anhand der Kreisverkehre eine optimale Orientierung für ein Parkleitsystem möglich.
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In der Abbildung "Parkraumbewirtschaftung" sind die Standorte der Wegweiser, ihr Inhalt sowie
die Einteilung der Tarifzonen dargestellt. Die Wegweisung besteht aus Übersichtstafeln (Nr. 1
und 9) vor dem Ortseingang, die eine Gesamtübersicht darstellen und Wegweisern die direkt an
den Abzweigepunkten aufgestellt sind. Die Zufahrt der Garagen und Parkplätze ist durch - bereits bestehende - Pfeilwegweiser gekennzeichnet.
Förderung der Bahnanreise
Ziele und Vorgehensweise
Laut einer Gästebefragung reisten 1993 26,4 % der Gäste nach Bad Füssing mit der Bahn an.
Sechs Prozent fuhren mit dem Kurswagen und 20,4 % waren DB-Umsteiger. Damit liegt der
Anteil der bahnanreisenden Gäste in Bad Füssing über dem anderer Gemeinden.
Modal Split in verschiedenen Gemeinden
Gemeinde
Oberammergau
Anteil der bahnan- Gemeinde
reisenden Gäste
Anteil der bahnanreisenden Gäste
16,5 %
Freiburg
25 %
Oberstdorf
15 %
Damp
8,6 %
Hindelang
15 %
Bodenmais
12 %
Quelle: Schätzungen oder Ergebnisse der jeweiligen Gästebefragungen, 1996.
Selbst im Vergleich mit Gemeinden mit eigenem Bahnanschluß schneidet Bad Füssing hervorragend ab.
Die „Bahnnreiser“ als wichtige Gästegruppe sollten einen optimalen Service erfahren.
Zukünftig soll der Anteil der bahnanreisenden Gäste weiter erhöht werden,
um Verkehrsbelastungen im Ort zu verringern.
Das größte Problem bei der Anreise nach Bad Füssings stellt die Tatsache dar, daß der Bahnhof sechs Kilometer außerhalb, nämlich in Pocking liegt.
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Kurswagenverbindung Hamburg-Pocking
Vilshofen(Niederbay
Hamburg-Altona
Hannover Hbf
Kassel-W ilhelmshöhe
Göttingen
Fulda
W ürzburg Hbf
Neumarkt(Oberpf)
Pocking
Bad Füssing
Während Pocking über einen Kurswagen von Hamburg aus ohne Umsteigen erreichbar ist, ist
der Transfer vom sechs Kilometer entfernten Bahnhof in Pocking bisher nicht befriedigend gelöst.
Die Bahnanreise soll dahingehend optimiert werden, daß die Dienstleistungskette der Anreise
nicht unterbrochen wird.
Im Rahmen des EU-Projektes sollen insbesondere für den Transfer vom Bahnhof in Pokking nach Bad Füssing Verbesserungsvorschläge erarbeitet werden.
Folgende Vorgehensweise wurde gewählt:
Zur Festlegung des Arbeitsprogrammes und zur Abstimmung der Vorgehensweise wurden verschiedene Abstimmungsgespräche mit den Verantwortlichen vor Ort durchgeführt.
Im Oktober wurde in der Kurverwaltung eine Gästebefragung zum Verkehr durchgeführt. Insgesamt füllten 108 Gäste einen einseitigen Fragebogen aus, in dem sie zum Bäderverkehr und
zur Anbindung an das überörtliche Verkehrsnetz befragt wurden.
In Rahmen einer verdeckten Anfrage, wurden 50 Unterkünfte antelefoniert, um den Service für
Bahnanreisendezu überprüfen. Gefragt wurde nach Fahrplaninformationen und nach den Möglichkeiten eines Transfers vom Bahnhof zu der jeweiligen Unterkunft. Die wichtigsten Ergebnisse wurden in diesen Bericht eingearbeitet.
Im Rahmen einer Werbemittelanalyse wurden der Ortsprospekt von Bad Füssing und 31 (per
Zufallsstichprobe ausgewählte) Unterkunftsprospekte im Bezug auf die Informationen zur
Bahnanreise untersucht.
Die Zugfahrpläne und die Busfahrpläne wurden im Rahmen einer Fahrplananalyse auf die
Wartezeiten in Pocking hin, untersucht.
Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Vermieterversammlung am 29.11.1996 vorgestellt
und diskutiert. Die Vorschläge stießen auf breite Zustimmung, zusätzliche Anregungen wurden
in den Bericht aufgenommen.
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Schwachstellenanalyse „Bahnanreise nach Bad Füssing“
Die Servicekette der Bahnanreise wird durch verschiedene Schwachstellen unterbrochen. Die
Schwachstellen im einzelnen:
Ortsprospekt von Bad Füssing
Die Informationen zur Bahnanreise im Ortsprospekt von Bad Füssing sind sehr ausführlich. Allerdings sind sie in der Mitte des Prospektes relativ ungünstig plaziert und es fehlen detaillierte
Angaben zum Transfer.
Schriftliche Anfrage (bei der Kurverwaltung)
Eine verdeckte schriftliche Anfrage ergab, daß von Seiten der Kurverwaltung bisher keine detaillierten Auskünfte zur Bahnanreise von einem bestimmten Abfahrtsort zu einer bestimmten
Abfahrtszeit gegeben werden.
Unterkunftsprospekte der Vermieter
• Eine Werbemittelanalyse von 31 Unterkunftsprospekten ergab, daß nur vier auf eine Bahnanreise hinweisen, aber 16 auf die Anreise mit dem Auto eingehen.
• Transfermöglichkeiten werden in keinem der Prospekte erwähnt.
Telefonische Anfrage bei den Vermietern
Eine verdeckte telefonische Anfrage bei 50 Vermietern ergab, daß
• kein Vermieter Auskunft über die genaue Bahnverbindung geben konnte.
• 18% der Unterkünfte bei der Frage nach dem Transfer verschwiegen, daß der Bahnhof außerhalb des Ortes liegt.
Bahnhof Pocking
Eine besondere Schwachstelle ist die unattraktive Gestaltung des Bahnhofes in Pocking. Es
fehlt auch eine Wegweisung über die Gleise und zur Bushaltestelle.
Transfer von Passau
Die Anbindung von Pocking an das Fernliniennetz der DB ist mit den Kurswagenverbindungen
von Pocking nach Hamburg gegeben.
Weiterhin ist Pocking über die Umsteigeverbindung - IC nach Passau und Regionalbahn nach
Pocking - an das Fernliniennetz der Bahn angeschlossen. Der letzte Zug nach Pocking von
Passau an Werktagen fährt um 20.03, am Sonntag um 18.15, am Samstag um 18.00 Uhr. Für
drei IC-Verbindungen- zwei davon täglich und eine nur am Wochenende- gibt es keinen Anschluß in Passau nach Pocking.
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Transfer vom Bahnhof Pocking mit dem ÖPNV
Die Anbindung des Busses an die ankommenden und abfahrenden Züge in Pocking ist am Wochenende ungenügend. Es ist mit langen Wartezeiten zu rechnen. Außerdem haben nach 20
Uhr anreisende Gäste keinen Anschluß mehr nach Bad Füssing.
Haltestellen
Der RBO hat nur eine Haltestelle in Bad Füssing am Füssinger Hof. Ein Einzugsbereich von
300 Meter - für gehbehinderte Gäste 100 m- deckt Bad Füssing keineswegs ab.
Die Busse der Firma Eichberger fahren nicht regelmäßig Egglfing und alle Haltestellen in Bad
Füssing an. Das erzeugt Unübersichtlichkeit und das Gemeindegebiet wird nicht regelmäßig abgedeckt. Auch wenn alle Haltestellen angefahren werden, wird das Gemeindegebiet nicht abgedeckt.
Eigene Abholung durch die Vermieter
Im Rahmen einer verdeckten telefonischen Anfrage wurde nach einem eigenen Transfer der
Vermieter gefragt.
Frage : “Besteht eine Möglichkeit, die Dame vom Bahnhof abzuholen? Können Sie das
organisieren? Kosten ?“ (Mehrfachnennungen möglich)
42%
18%
eigener Transfer
Organisation des Taxis
Taxi selber besorgen
40%
Eine verdeckte Anfrage bei 50 Vermietern ergab, daß nur ca. ein Fünftel der Vermieter einen
privaten kostenfreien Transfer anbieten.
40% aller Betriebe sind nicht bereit, für den Gast ein Taxi zu organisieren.
Zufriedenheit der Gäste mit dem Transfer
Es wurde eine Gästebefragung zur Transfersituation durchgeführt. Die Zufriedenheit der Gäste
spiegelt die Ergebnisse der Schwachstellenanlyse wieder.
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Process Report - Endbericht
Wie beurteilen Sie die Anbindung an das überörtliche öffentliche Verkehrsnetz ?
(insgesamt 98 Antworten)
mangelhaft
31%
sehr gut
14%
ausreichend
55%
Maßnahmen zur Verbesserung der Bahnanreise
Im Rahmen der Vermieterversammlung wurden verschiedene Vorschläge zur Verbesserung der
Situation im Bereich Bahnanreise vorgestellt.
Serviceperson am Bahnhof und Busbegleiter
Eine Serviceperson am Bahnhof empfängt die Gäste und begleitet sie mit dem ÖPNV nach Bad
Füssing.
Zugbegleiter(in) Passau - Pocking
Ein Zugbegleiter steigt schon in Passau in die ICs zu , verteilt während der Fahrt Prospekte und
steht für Auskünfte zur Verfügung. Über Lautsprecher begrüßt er die Gäste, macht auf den Service aufmerksam und gibt Hintergrundinformationen zum Gebiet.
Gütesiegel „Bahnanreise“
Alle Vermieter, die bestimmte Kriterien erfüllen, werden im Ortsprospekt von Bad Füssing durch
ein Gütesiegel (evtl. Dampflock oder IC) gekennzeichnet. Betriebe mit Gütesiegel werden regelmäßig überprüft.
Kriterien für die Verleihung eines Gütesiegel:
• Information über die Anreise, genauer Fahrplan (Elektronisches Kursbuch)
• Information über den Transfer Pocking - Bad Füssing (Abfahrtszeiten Bus, Information über
die Haltestelle, Preise Taxi)
• Organisation des Taxis (bei Bedarf)
• Abholung der Gäste von der Busstation (bei Anfrage)
• Abholung der Gäste vom Bahnhof (am Abend)
ARGE „Sanfte Mobilität“
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
• Aufnahme der Bahnanreise in die privaten Prospekte der Vermieter
• Geschenk für Gäste, die mit der Bahn anreisen (z.B. Bademantel)
Aufnahme der Bahnanreise in Pauschalprogramme
Integration der Bahnanreise, des öffentlichen oder privaten Transfers, des Gepäckservices,
eines Leihfahrrades und möglicherweise des Ferientickets der DB in die Pauschalprogramme.
Informationsbroschüre für Vermieter
Informationsbroschüre mit genauen Abfahrts- und Ankunftszeiten des ÖPNV, genauen Ankunftszeiten der Züge, Telefonnummern der Taxiunternehmen, Zuordnung jedes Hotels zu seiner nächsten Haltestelle.
Verbesserung der Informationen über den Transfer im Ortsprospekt
• genaue Abfahrtszeiten des Busses im Ortsprospekt
• Stadtplan mit Haltestellen des Busses
• Hinweise zu dem speziellen Service (Busbegleiter, Abholung der Gäste von der Haltestelle
etc.)
• Haltestellen des Busses und Entfernung der Unterkunft von der Haltestelle in den Preisteil
mitaufnehmen
• Kennzeichnung der Vermieter, die einen privaten Transfer anbieten
Attraktivere Gestaltung des Bahnhof
• Beschilderung des Weges zur Bushaltestelle und zu den Taxiständen ab dem Bahngleis
• Dekoration des Bahnhofsgebäudes und der Bahnsteige mit Blumenkästen
• Tafel an der Bushaltestelle mit Informationen zum Transfer
Abholung der Gäste durch die Vermieter an der Haltestelle
• Information der Vermieter durch den „Transferservice“ über ältere und behinderte Gäste (per
Handy)
• Abholung dieser Gäste durch die Vermieter an der Bushaltestelle (mit Gepäckservice)
Verbesserung der Information in den Unterkunftsprospekten der Vermieter
Aufnahme von Informationen über die Bahnanreise: Hinweis auf den Kurswagen, den Bahnhof,
den Transfer und die nächste Haltestelle des ÖPNV.
Verbesserung des Informationsservices der Vermieter
• Organisation eines Taxis (bei Nachfrage)
• Auskünfte zum Fahrplan der DB und dem Transfer (elektronisches Kursbuch)
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Process Report - Endbericht
Maßnahmen ÖPNV
• Verkürzung der Anschlußzeiten am Wochenende
• Zusammenarbeit mit dem AST Passau (Wochenende)
• Verbesserung des Anschlusses am Abend
• Überprüfung der Haltestellen bzw. Ausweitung des Haltestellennetzes (Busse der RBO)
• Verbesserung der Anbindung von Egglfing
• Busfahrer rufen die Haltestellen aus
• Abstimmung mit der Firma Eichberger und der RBO.
Vermieterversammlung
Am 27.12.1997 fand eine Vermieterversammlung statt, zu der der Kurdirektor eingeladen hatte,.
Zu der Vermieterversammlung kamen fast 100 Teilnehmer, was die Brisanz des Themas Bahnanreise und Transfer unterstreicht. Alexandra Eckert und Peter Zimmer der FUTOUR Umwelt-,
Tourismus- und Regionalberatung stellten die Ergebnisse der Gästebefragung, der verdeckten
Anfrage bei den Vermietern und den Maßnahmenkatalog vor. Vor allem der Vorschlag einer
Serviceperson am Bahnhof, die die Gäste empfängt, stieß auf breite Zustimmung. In der Diskussion ergaben sich weitere Ansätze für eine Verbesserung der Situation im Bereich Transfer:
• Überprüfung der Haltestellen
• Sammeltaxi
• Geschenk für Gäste, die mit der Bahn anreisen: Bademantel
• Einbezug Schnellbus Passau- Bad Füssing
• Sammelparkplatz West
• Abholung der Gäste vom Füssinger Hof
Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen
Serviceperson und Busbegleiter
Der Vorschlag eine Serviceperson einzustellen, die die Gäste am Bahnhof empfängt und sie mit
dem öffentlichen Bus nach Bad Füssing begleitet, stieß bei dem Kur- und Fremdenverkehrsausschuß genauso wie bei der Vermieterversammlung auf große Zustimmung.
Die Aufgaben dieser Serviceperson werden im einzelnen sein:
• Empfang der Gäste am Bahnhof
• Hilfestellung beim Transport von Gepäck für ältere Gäste mit einem Gepäcktransferwagen
• Information über die Möglichkeiten des Transfers (Taxi, Bus)
• Taxibestellung (falls keine oder nur ungenügend Taxis vorhanden sind)
• Fahrplaninformation
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Process Report - Endbericht
• Haltestelleninformation (wo muß ich aussteigen, um zu meinem Hotel zu kommen)
• Information der Vermieter durch Anruf per Handy (Abholung des Gastes von der Haltestelle)
• Busbegleitung (Hinweis an die Gäste, wo sie aussteigen müssen und wie sie zum Hotel
kommen)
• Ausstattung mit einem Handy
• Möglichkeit der Anmeldung behinderter Gäste, die dann besonders betreut werden.
Die Serviceperson steigt an der letzten Bushaltestelle aus.
Im März 1997 wurden zwei derartige Stellen (Verdienst je 610,-- DM) ausgeschrieben. Es gingen zahlreiche Bewerbungen ein. Am 20.Juni diskutiert der Kur- und Fremdenverkehrsausschuß über die endgültige Genehmigung der Stellen.
Informationstafel
Zukünftig soll eine Tafel am Bahnhof die Gäste ausführlich über die verschiedenen Möglichkeiten des Transfers (Bus und Taxi) und über die Serviceperson am Bahnhof informieren
Die Informationstafel, die Uniformierung der Serviceperson, das Handy und der Gepäcktransferwagen sind Sachleistungen des EU-Projektes.
Zusammenfassung/Erfahrungen
Die Gemeinde Bad Füssing hat durch ihre Teilnahme an einem Pilotprojekt des Bayerischen
Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen zum Einsatz von Elektrobussen
im Orts- und Bäderverkehr, bereits gezeigt, daß die Verbesserung der Umweltsituation ihr erklärtes Ziel ist.
Da Bad Füssing einen hohen Anteil an Gästen hat, die mit der Bahn anreisen und auch das
Angebot vor Ort durch einen kostenlosen Orts- und Bäderverkehr vorhanden ist, wurde im
Rahmen dieses Projekts, ein Konzept zur Förderung der Bahnanreise erarbeitet. Das war insofern notwendig, da der Bahnhof Pocking-Bad Füssing etwa 5 km von Bad Füssing entfernt liegt
und der Transfer der Gäste vom Bahnhof nach Bad Füssing bisher nicht organisiert ist.
Durch einen Transferservice kann allen Bahnanreisenden ein optimaler Service angeboten
werden und es können neue Bahnanreisende Gäste dazugewonnen werden. Ab 1998 sollen
die Gäste am Bahnhof in Pocking von einer Serviceperson in Empfang genommen werden und
bis nach Bad Füssing begleitet werden. Die Einführung dieses Services ist einmalig und kann
bei entsprechenden Voraussetzungen von anderen Tourismusgemeinden übernommen werden.
Die Vorgehensweise - Expertengespräche, Gästebefragung, Werbemittelanalyse, Fahrplananalyse und verdeckte Anfrage bei den Unterkünften - erwies sich als sehr erfolgreich. Vor
allem die verdeckte Anfrage bei 50 verschiedenen Unterkünften brachte sehr interessante Ergebnisse bezüglich der Schwachstellen im Service (Bahnabholung, Informationen über Bahnanreise etc.).
Die Informationspolitik - Vorstellung des Konzeptes im Rahmen einer Vermieterversammlung,
Pressearbeit und Arbeitssitzungen mit der Verwaltung - hat sich bewährt.
Neben der Förderung der Bahnanreise wurde für die Verbesserung des ÖV-Angebots im Ort
ein Konzept zur Erweiterung des Orts- und Bäderverkehrs durch einen bedarfsorientierten Verkehr ausgearbeitet. Aufgrund des finanziellen Aufwands, wird die Umsetzung des Konzeptes
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
voraussichtlich vorerst in einer reduzierten Form erfolgen. Sofern sich diese bewährt hat, könnte
das Konzept in vollem Umfang umgesetzt werden.
Zu einer weiteren Reduzierung des Verkehrsaufkommens soll ein Parkraumkonzept beitragen.
Es wurden aufeinander abgestimmt ein Konzept zur Parkraumbewirtschaftung (Tarifstruktur
etc.) und ein Parkleitsystem ausgearbeitet, das den Verkehr auf Hauptverkehrsstraßen direkt zu
den Parkgaragen führen soll und empfindliche Kurgebiete meidet.
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Process Report - Endbericht
Anhang Bad Füssing
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
5.
Process Report - Endbericht
Ergebnisbericht Partnergemeinden Bodenmais und Zwiesel
Bearbeitung: P. Zimmer & A. Eckert (FUTOUR), R. Ulzhöfer & B. Häns (Lang.Burkhardt)
Ausgangssituation
Eine detailierte Beschreibung der Verkehrssituation und die geplanten und teilweise bereits
durchgeführte verkehrlichen Maßnahmen der Modellpartner Bodenmais und Zwiesel erfolgte im
2. Zwischenbericht. Im abschließenden Ergebnisbericht wird speziell auf die im Rahmen des
EU-Projektes „Sanfte Mobilität“ festgelegte Maßnahme für die Region die „Arber-Card“ dargestellt.
In einer Sitzung am 24.07.1996 wurde das Arbeitsprogramm für die Gemeinde Zwiesel festgelegt. Auch in Zwiesel entschied man sich für die Arber-Card und damit für eine Zusammenarbeit
mit Bodenmais im Rahmen des EU-Projektes Sanfte Mobilität. Es wurde beschlossen, neben
Bodenmais die Werbegemeinschaft Zwieseler Winkel einzubeziehen. Zu dieser Werbegemeinschaft gehören: Bayerisch Eisenstein, Frauenau, Langdorf, Lindberg, Rinchnach und Zwiesel.
Für Bodenmais und Zwiesel wurde ein gemeinsames Projekt, die ARBER-Card, ausgearbeitet.
Aus diesem Grund wurde auch ein gemeinsamer Schlußbericht erstellt.
Bodenmais
Der rund 3.500 Einwohner zählende heilklimatische Luftkurort Markt Bodenmais, am Fuße des
Großen Arbers gelegen, stellt die bedeutendste Fremdenverkehrsgemeinde im gesamten Bayerischen Wald dar. Knapp 1 Mio. Gästeübernachtungen bedeuten einen sehr hohen Abhängigkeitsgrad der Gemeinde vom Fremdenverkehr. Der damit verbundene Kfz-Verkehr belastet jedoch in zunehmendem Maße den Ortskern und das Erschließungsstrassennetz des Marktes
Bodenmais, so daß die Aufrechterhaltung der Funktion als Luftkurort immer mehr in Frage gestellt ist.
Der zweite, bedeutende wirtschaftliche Faktor der Gemeinde Bodenmais neben dem Fremdenverkehr ist die Glasindustrie, die ihrerseits jedoch wiederum eine enge Verzahnung mit dem
Fremdenverkehr aufweist. Zahlreiche Tagesausflügler aus umliegenden Fremdenverkehrsgemeinden, aber auch aus den niederbayerischen und Oberpfälzer städtischen Bereichen wie Deggendorf, Passau, Straubing, Regensburg und dergleichen bewirken ein hohes
Besucheraufkommen in Bodenmais. Während der Wintersaison ist Bodenmais ebenfalls einer
der beliebtesten Ferienorte im Bayerischen Wald, da der unmittelbar vor den Toren der Gemeinde Bodenmais liegende Große Arber der höchste Gipfel im Bayerischen Wald ist, so daß
der Wintersport in Bodenmais (sowohl alpin als auch Langlauf) eine große Rolle spielt.
Die Gemeinde Bodenmais hat die verkehrlichen Probleme und die damit verbundenen Gefährdungen für den Status als Erholungsort bereits deutlich erkannt und ist deshalb Mitglied in der
"Bayerischen Interessengemeinschaft Autofreier Kurorte" geworden.
Der 1992 in Auftrag gegebene und 1994 abgeschlossene Verkehrliche Rahmenplan wurde
mittlerweile in einer Reihe von Punkten umgesetzt, weitere Maßnahmen werden kontinuierlich
weiterverfolgt.
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Zwiesel
Die Stadt Zwiesel mit ihren knapp 11.000 Einwohnern und rund 400.000 Gästeübernachtungen
hat neben ihrer Bedeutung unter den Fremdenverkehrsgemeinden im Bayerischen Wald auch
als Industrie- und Gewerbestandort sowie als Schul-, Einkaufs- und Versorgungszentrum eine
wichtige Stellung. Die zunehmende Sensibilität vieler Feriengäste gegenüber Beeinträchtigungen am Urlaubsort durch Verkehrslärm und -abgase erfordert baldiges Handeln. Ein Rückgang
der Übernachtungszahlen von ehemals 500.000 weist diesen Zusammenhang hin. Das Ziel der
Stadt, mittelfristig die Anerkennung als Kneippkurort zu erreichen, zeigt die Anstrengungen in
Richtung auf Erhöhung der Angebotsqualität. Dabei soll der Sommer- wie auch der Wintertourismus weiterhin gleichermaßen gefördert werden.
Obwohl Mitte der 80-er Jahre die Umgehungsstraße B11 dem Verkehr übergeben wurde, herrschen zu manchen Zeiten in Zwiesel Verkehrsverhältnisse, die denen anderer, größerer Städte
wie Passau, Regensburg oder gar München kaum nachstehen. Allerdings ist in diesem Zusammenhang auch die Grenzöffnung zur Tschechischen Republik zu sehen. Vor 1990 befand
sich die Stadt sozusagen fast „am Ende der Welt“.
Verschiedene Maßnahmen wie die Einrichtung einer Fußgängerzone, die Einführung einer
Stadtbuslinie und anderes wurden in den letzten Jahren während der Arbeiten am 1994 in Auftrag gegebenen Verkehrlichen Rahmenplan andiskutiert oder bereits in die Wege geleitet. Damit sollte eine Antwort auf die Frage, wie eine Wiedergewinnung von städtischer Qualität, die
erträgliche Abwicklung des notwendigen Restverkehrs, eine Verbesserung der Mobilitätschancen für die Menschen ohne PKW und anderes mehr erreicht werden können.
ARBER-Card
Ziele
Bodenmais und Zwiesel und weitere Gemeinden der Arber-Region wollen den Anteil der Gäste,
die vor Ort die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, erhöhen. Die ARBER-CARD ist dazu das
geeignete Instrument.
Die ARBER-CARD ist ein Angebot, das möglichst viele Leistungen um den Arber (touristische
und verkehrliche) zu einem Angebot zusammenfaßt. Der Gast erwirbt eine “Card”, die zum kostenlosen Fahren mit den regionalen Verkehrslinien, zum kostenlosen Eintritt in verschiedene
überörtlich bedeutsame Sehenswürdigkeiten und zum kostenlosen Benutzen der Bergbahnen,
berechtigt.
Ziel dieser Studie ist es, die Weichen für die Einführung der ARBER-Card, die für den Sommer
1998 geplant ist, zu stellen.
Die Vorteile einer ARBER-CARD sind vielfältig:
• Größere Bekanntheit der öffentlichen Verkehrsmittel
Bisher gab es kaum Marketing für die öffentlichen Verkehrsmittel. Durch die Aufnahme der öffentlichen Verkehrsmittel in die Card, werden diese bei den Gästen noch bekannter und attraktiver.
• Bessere Auslastung der öffentlichen Verkehrsmittel und Reduzierung des Verkehrsaufkommens
Die Gäste steigen von ihrem privaten Pkw auf die öffentlichen Verkehrsmittel um. Lärm und Abgase werden reduziert. Resultat: Die Gäste ziehen in zweifacher Hinsicht einen Nutzen aus der
Sache - sie werden gefahren und können zusätzlich Ruhe und gute Luft genießen.
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
• Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Regionen
Die Region um den Arber wird auf neuen Wegen vermarktet. Die “Kärnten Card” wurde 1996
mit großem Erfolg eingeführt, weitere regionale Karten sind in Österreich in Vorbereitung. In
Deutschland wurde dieses Thema bisher stiefmütterlich behandelt. Regionen, die sich dieses
zukunftsträchtigen Themas annehmen, können dadurch einen Wettbewerbsvorteil erzielen.
Nach aktueller Marktforschung (Institut für Handelsforschung) werden „Karten“ in der Konsumgüterindustrie als das Marketing- und Kundenbindungs-Instrument der 90er Jahre gesehen.
• Mehr und zufriedenere Gäste
Mit der neuen Card können sich die vielfältigen Leistungsträger um den Arber gemeinsam dem
Gast vorstellen und ihm das Angebot gleichzeitig unkompliziert und kostengünstig zugänglich
machen. Eine bessere Inszenierung des Angebots steigert die Erlebnisqualität für den Gast. Ein
wichtiger Vorteil für den Gast liegt auch in der Preisklarheit des Angebotes.
• Längere Aufenthaltsdauer der Gäste
Die aufgezeigte Vielfalt des touristischen Angebots animiert den Gast zu dessen stärkerer Nutzung und damit zu einem längeren Aufenthalt.
• Mehr Transparenz für den Gast
Das Angebot um den Arber wird für den Gast übersichtlicher. Eine gemeinsam mit der Card veröffentlichte Broschüre gibt dem Gast einen Überblick über die interessanten Angebote der Region.
• Verbesserte Auslastung und Ertragssituation der Infrastruktur
Mehr Gäste nutzen die touristische Infrastruktur. Beispiel Kärnten: Während früher jeder Gast
durchschnittlich zwei touristische Angebote der Region nutzte, waren es nach Einführung der
Kärnten-Card zehn. Das regionale Angebot ist für den Gast nun wesentlich zugänglicher, die
Schwellenangst wird geringer.
• Gezielter Einsatz von Werbemitteln
In den Gemeinden um den Arber herum soll das umgesetzt werden, was bisher nur wenige geschafft haben: Bündelung der Kräfte durch gemeinsame Vermarktung der Leistungsträger.
• Neue Kooperationskultur und Stärkung der regionalen Identität
Die Kooperationen zwischen den Leistungsträgern werden gestärkt. Es entsteht ein Gefühl der
regionalen Identität und eine Aufbruchsstimmung bei den touristischen Leistungsträgern. Insofern kann die Einführung einer Card auch als Maßnahme im Bereich Innenmarketing gesehen
werden.
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
Process Report - Endbericht
Partner und Zielgruppe
Auf Initiative der Modellgemeinden des EU-Projektes Bodenmais und Zwiesel haben sich 13
Gemeinden rund um den ARBER zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Im
Rahmen des ersten Arbeitstreffens im November 1996 sprachen sich alle Gemeinden für eine
Teilnahme an der ARBER-Card aus.
Gemeinden
Landkreis
Werbegemeinschaft
Arnbruck
Regen (Regierungsbezirk
Arber Region
Niederbayern)
Bayerisch-Eisenstein
Regen
Zwieseler Winkel
Bodenmais
Regen
Arber Region
Böbrach
Regen
Arber Region
Drachselsried
Regen
Arber Region
Frauenau
Regen
Zwieseler Winkel
Lam
Cham (Regierungsbezirk Ober- Arber Region
pfalz)
Langdorf
Regen
Zwieseler Winkel
Lindberg
Regen
Zwieseler Winkel
Lohberg
Cham
Arber Region
Regen
Regen
./.
Rinchnach
Regen
Zwieseler Winkel
Zwiesel
Regen
Zwieseler Winkel
Die beteiligten Gemeinden liegen in zwei Landkreisen (Regen und Cham) und damit auch in
zwei Regierungsbezirken (Niederbayern und Oberpfalz). Die landkreisüberschreitende Gebietskulisse bringt zwar Probleme administrativer Art mit sich, ist aber aus touristischer Sicht (starke
Verflechtungen zwischen den Landkreisen) nötig. 1995 wurden in den Unterkünften (mit mehr
als 8 Betten) mehr als 300.000 Gästeankünfte und rund 2,2 Mio. Übernachtungen gezählt.
Zielgruppe
Die ARBER-CARD soll sowohl an Gäste als auch an Einheimische abgegeben werden. Ein
Ausschluß der Einheimischen kann, das zeigen verschiedene Beispiele (z.B. Kärnten-CARD) zu
Unmut bei den Einheimischen führen.
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EU-Projekt: Sanfte Mobilität
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Beteiligungsformen der Leistungsträger
In das Inklusive-Angebot Arber-Card werden die DB, der ÖPNV und verschiedene touristische
Leistungsträger einbezogen. Je nach Art des Leistungsträgers ist die Art des Einbezugs unterschiedlich.
BETEILIGUNGSFORMEN
Wer ?
Finanzieller Beteiligung
Uneingeschränkt kostenlose
Leistung für den Gast
• ÖPNV
Beteiligung an den Einnahmen
für die Card
Geschenk für den Gast
Keine Beteiligung an den Ein• Leistungsträger, die die
nahmen, Werbeeffekt
Card aufwerten und deren
Leistungen bisher kostenfrei
sind (z.B. Glasanhänger
durch die Glashütten)
Ermäßigung auf den Normalpreis
• Regional bedeutsame Leistungsträger, die kein Interesse an voller Beteiligung
haben und die Card aufwerten
(muß im Einzelfall mit den
Gemeinden abgestimmt werden)
• regional bedeutsame Leistungen (Museen, Bäder,
Seilbahnen)
Keine Beteiligung an den Einnahmen, Werbeeffekt.
• Besondere Veranstaltungen,
die die Card aufwerten (z.B.
Frauenauer Konzerte)
• Regional bedingt bedeutsame Leistungsträger (Sport,
Unterhaltung, Einzelhandel,
Gastronomie)
Abgrenzung von den Gästekarten
Ein wichtiges Kaufargument für die ARBER-CARD in den 13 Gemeinden ist seine Einzigartigkeit. Deshalb ist es besonders wichtig, daß sich die ARBER-Card von den Gäste- und Kurkarten, die der Gast im allen Gemeinden bekommt, unterscheidet. Der Gast muß sich des besonderen Leistungspaketes, das er mit der ARBER-Card erwirbt, bewußt sein.
Folgende Abgrenzung zwischen Arber-Card und Kurkarten wird vorgeschlagen.
ARBER-Card: Einbezug ÖPNV und regional bedeutsame touristische Leistungsträger
Gästekarten: Einbezug nur lokal bedeutsam Leistungen, wie z.B. geführte Wanderungen, Kurkonzerte etc..
Ein wichtiger Schritt ist das Bereinigen der Gästekarte um die regional bedeutsamen Leistungsträger. Das führt zwar einerseits zu einer Abwertung der Gäste- und Kurkarten, steigert aber
andererseits auch die Attraktivität der ARBER-Card. Nur so ist eine Transparenz gewährleistet.
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Process Report - Endbericht
Um die Gäste- und Kurkarten aufzuwerten, sollten diese in allen Partnergemeinden gegenseitig
anerkannt werden.
Gültigkeitszeitraum
Tägliche Gültigkeit
Um die Berufs- und Ausbildungspendler von dem Kauf der Karte auszuschließen, wird die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel auf den Zeitraum ab neun Uhr beschränkt. Hierbei wird außerdem eine Überfüllung der Verkehrsmittel vor 9 Uhr verhindert. Allerdings müssen Einschränkungen bei der Erreichbarkeit der Einrichtungen in Kauf genommen werden.
Saison
Im Rahmen der Arbeitskreissitzung am 10. Dezember 1996 in Bodenmais wurde beschlossen
die Einführung der Card für den Winter 1997/1998 anzustreben. Aufgrund der langwierigen
Verhandlungen mit der Bahn kann dieser Termin nicht eingehalten werden. Es wird deswegen
die Einführung der Card für die Sommersaison 1998 angestrebt.
Ein Start in der Sommersaison ist sinnvoll, da eine Winter-Card größere Risiken und Ungewißheiten in sich birgt.
Touristische Leistungsträger
Die Art der Leistungsträger bestimmt maßgeblich die Attraktivität der ARBER-Card. Neben den
verkehrlichen Leistungsträgern stellen die touristischen Leistungsträger das zweite wichtige
Standbein der ARBER-Card dar.
Folgende Aspekte sind zu beachten:
• Einbezug der Hauptattraktionen der Region
• Attraktives nicht austauschbares Leistungspaket
Für die nächsten Jahre wird eine Zunahme der Inklusive-Angebote in Deutschland und Österreich erwartet. Es ist deswegen nötig, dem Gast ein attraktives, abwechselungsreiches, nicht
austauschbares Angebotspaket zu bieten. Leistungsträger aus folgenden Bereichen werden
miteinbezogen:
• Bergbau / Technik
• Glas
• Sport
• Museum/Kultur
• Natur
•
Bergbahnen
• Einbezug nur regional bedeutsamer Leistungsträger
Um die ARBER-Card von den Kur- und Gästekarten zu unterscheiden werden nur regional bedeutsame Leistungen in die Card miteinbezogen. Nur örtlich bedeutsame Leistungen (wie z.B.
Teilnahme an geführter Wanderung, Kurkonzert etc.) werden nicht berücksichtigt.
• Kostenlose Nutzungen aller Leistungen in der Card durch den Gast
ARGE „Sanfte Mobilität“
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Process Report - Endbericht
Die ARBER-Card ermöglicht dem Gast die freie Benutzung aller in ihr enthaltenen Leistungen.
Leistungsträger, die ihre Leistung dem Gast nicht kostenfrei zur Verfügung stellen wollen, können nur in Ausnahmefällen beteiligt werden.
Auch regional bedeutsame Leistungsträger, die ihre Leistungen bisher kostenfrei anbieten (z.B.
Gashütten), wurden wegen einer Beteiligung angefragt. Die Unternehmen profitieren durch die
Teilnahme ist Werbung, werden allerdings nicht an den Einnahmen beteiligt. Voraussetzung für
eine, daß Gäste mit der ARBER CARD bevorzugt behandelt werden. Dies sollte in Form einer
Zusatzleistung, z.B. eines kleinen Geschenkes, erfolgen.
Im folgenden sind all diejenigen Leistungsträger aufgeführt, die generell an einer Teilnahme an
der ARBER-Card zugesagt (noch nicht verbindlich) haben.
Die Leistungsträger aus dem Bereich Winterspaß wurden gesondert gekennzeichnet.
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Leistungsträger mit Interesse an der Teilnahme
• Mineralienmuseum Lam
• Märchen- und Gespensterschloß
Lambach
• Erlebnisbad - Osserbad
• Fürstenzeche Lam-Buchet, Bergwerk
ARNBRUCK
• Glashütte Weinfurtner
√
• Geiger-Mühle (Ortsmitte)
√
• Zellertal-Hallenbad mit Sauna und √
Solarium
√
√
LINDBERG
BAYERISCH-EISENSTEIN
• Localbahnmuseum Bayerisch
senstein
• Tiermuseum Pfeifer
• Arber-Wellenhallenbad
• Arber-Sesselbahn
• Skibus
• 8 Schlepplifte
√
√
•
•
•
•
Ei- √
√
√
?
√
?
Rotwildgehege
Bauernhausmuseum Lindberg
Cristallerie Bavaria
Skilift Lohwaldhäng
√
√
√
√
LOHBERG
• Bayerwald-Tierpark Lohberghütte
• Langlaufzentrum Lohberg
√
√
BÖBRACH
• Die Gläserne Destille
• Wachskunstgalerie
√
√
REGEN
• Städt. Freibad
• Niederbayerisches Landwirtschaftsmuseum
• Museum im „Fressenden Haus“
• Burgruine Weißenstein
• Eissportanlage
BODENMAIS
• Austen-Glashütte
• Bayerisch-Böhmisches
Raritätenmuseum
• BHS Bayerische Hütten- und Salzwerke, Erzbergwerk Bodenmais
• Silberbergbahn
• Hallenbad,
• Joska Waldglashütte, Joska Crystal
(mit Erlebnisgastronomie)
• Freibad (Kurparkbad)
• Weinfurter Glasgalerie
• Skilifte
√
√
√
√
√
√
ZWIESEL
√
√
√
• Hallen- und Freibad Zwiesel
• Glasmuseum - kleines Schloß
Theresiental
• Glashütte Theresiental
• Glashütte Ambiente
• Bärwurzerei Hieke
• Waldmuseum Zwiesel
• Info.haus Naturpark Bayerischer
Wald
• Skilift Glasberg
• Skibus (Arber-Bretterschachten)
√
√
√
DRACHSELSRIED
• Schlepplift
√
√
√
√
√
√
√
√
√
√
√
√
FRAUENAU
•
•
•
•
Freibad
Glasmuseum
Glashütte Valentin Eisch KG
Freiherr
von
Poschinger,
Krystallglasfabrik
√
√
√
√
LAM
ARGE „Sanfte Mobilität“
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Verkehrliche Leistungsträger
Vorbemerkung
Das Hauptziel des gesamten vorliegenden Gutachtens ist es, die verkehrlichen Belastungen die
der Freizeitverkehr (Feriengäste aus der Region, Tagesbesucher aus Regensburg, Passau,
Landshut, München usw. sowie Einheimische) mit sich bringt, zu reduzieren, ein Umsteigen auf
den ÖPNV zu fördern. Ohne eine Integration der Buslinien sowie der Bahnstrecken in der Arberregion könnte dieses Ziel nicht erreicht werden. Die Aufwertung allein der touristischen Leistungsträger wäre zwar schon positiv. Wenn jedoch alle Angebote von den Besuchern mit dem
PKW angefahren würden, so kann nicht ausgeschlossen werden, daß es sogar zu einer gewissen Steigerung des Verkehrsaufkommens käme.
Die Qualität des ÖPNV in der Arberregion ist teilweise schon recht gut, teilweise müssen jedoch
noch Ergänzungen vorgenommen werden.
Aktuelle Verkehrssituation in der Arberregion
Das öffentliche Verkehrsangebot ist von sehr unterschiedlicher Qualität. Während auf den
Schienenstrecken zwischen Zwiesel und Regen bzw. Bodenmais eine sehr dichte Zugfolge
vorhanden ist, weist die Bahnlinie Zwiesel-Frauenau-Grafenau mit 9 Zugpaaren ein für touristische Zwecke relativ bescheidenes Niveau auf. Ähnliches gilt für die Buslinien. Auch hier stehen
Linien mit einem durchaus befriedigenden Angebot (Zwiesel-Regen, rund 15 Fahrtenpaare)
anderen Linien mit einem Minimalangebot (Ringlinie Lindberg, Linie Lam-Bayerisch Eisenstein)
gegenüber. Die folgenden Angaben beziehen sich auf den Winterfahrplan 1996/97, nachdem
der Sommerfahrplan 1997 erst wenige Tage vor Redaktionsschluß vorlag.
• Die DB-Strecken 905 Regen-Eisenstein, 906 Zwiesel-Frauenau und 907 Zwiesel-Bodenmais
weisen Montag bis Sonntag den selben Fahrplan auf. Eine Unterscheidung nach Schul- oder
Ferientagen existiert nicht.
• Die DB-Strecke Zwiesel-Bodenmais ist nahezu völlig vertaktet. Werktags wurden durchschnittlich 363 Fahrgäste auf der Strecke gezählt.
• Die DB-Strecke Regen-Eisenstein ist nahezu völlig vertaktet . An Werktagen wurden 1996
durchschnittlich 709 Fahrgäste (südl. Zwiesel) bzw. 293 Fahrgäste (nördl. Zwiesel) auf der
Strecke gezählt.
• Am Wochenende sind fast doppelt so viele Fahrgäste wie werktags unterwegs.
• Die Sitzplatzkapazitäten der DB pro Zug betragen ca. 100 (nach Bodenmais und Grafenau)
bzw. 200 (Hauptstrecke Regen - Bayerisch Eisenstein).
• Die allermeisten Buslinien weisen, wenn überhaupt an Samstagen nur noch ein Rumpfangebot auf. Von Montag bis Freitag wird in der Regel ein ausreichendes Verkehrsangebot vorgehalten. Lediglich die Buslinien 13 Eisenstein-Arber-Lam, 23 Teisnach-Böbrach-Bodenmais
und 50 Zwiesel-Frauenau-Grafenau weisen ein so geringes Fahrtenangebot auf, daß es für
Feriengäste kaum in Frage kommt.
• Bei den meisten Buslinien sind während der bayerischen Schulferien noch geringfügige Einschränkungen des Verkehrsangebots zu berücksichtigen. Dies ist aus touristischer Sicht um
so bedauerlicher, da gerade zu dieser Zeit in der Arber-Region Hochsaison herrscht.
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Process Report - Abschlußbericht
Erreichbarkeit der Leistungsträger von den ÖPNV-Haltestellen
Nach den Gemeinden differenziert sind relativ viele touristische Angebote an das ÖPNVLiniennetz angebunden. In zumutbarer fußläufiger Entfernung befinden sich die meisten Angebote relativ nah an den Haltestellen.
Lediglich das Joska Werk 1 und das Böhmisch-Bayerische Raritätenmuseum in Bodenmais
sind nur bedarfsweise an den Bus angebunden.
In Frauenau der Jagdfalkenhof zu Fuß erst nach rund 15 Minuten von der Haltestelle erreichbar.
Die 1997 zur Besichtigung freigegebene Fürstenzeche Lam ist ebenfalls erst nach einem Fußmarsch von etwa einer Viertelstunde von der nächstgelegenen Haltestelle erreichbar.
Das Langlaufzentrum Lohberg-Scheiben ist von der zentralen Bushaltestelle zwar noch in zumutbarer Entfernung, aber bereits deutlich mehr als nur wenige hundert Meter entfernt.
Hallen- und Freibad in Regen liegen relativ weit außerhalb des Stadtzentrums, vom Stadtplatz
bzw. Bahnhof müßte nochmals in die Linie 8 oder 38 umgestiegen werden oder rund 10 bis 15
Minuten zu Fuß gegangen werden.
In Zwiesel sind lediglich die Bärwurzerei Hieke und die Ambiente Kristall GmbH ausschließlich
über den Stadtbus erschlossen. Ein Umsteigen von der Bahn oder einem Regionalbus wird also
erforderlich.
Verkehrsnachfrage im ÖPNV
Die Nachfrage nach öffentlichen Verkehrsleistungen läßt sich zur Zeit nur für den gesamten
Landkreis Regen beziffern. Aussagen über die Frequentierung einzelner Linien durch die Fahrgäste sind nur schwer möglich, eine Differenzierung nach Nutzergruppen (Einheimische, Feriengäste, Tagesbesucher) ist ebenfalls kaum möglich.
Als sehr aussagefähiges Einzelergebnis über die Verkehrsnachfrage kann jedoch der Bodenmaiser Skibus betrachtet werden. Im Winter 1995/96 erstmals eingeführt, wurden allein in den
Weihnachtsferien rund 65.000 Fahrgäste gezählt. Das sehr dichte Busangebot, verbunden mit
deutlich erhöhten Parkgebühren im Bereich Bretterschachten sowie der Errichtung des Langlaufzentrums, konnte zahlreiche Feriengäste dazu bewegen, ihren PKW stehen zu lassen und
auf den Bus umzusteigen. In Verbindung mit dem ansprechenden Funktionsgebäude für Langläufer zeigt sich hier der Beweis für die These, daß bei entsprechendem Angebot auch die
Nachfrage folgt. Ohne die entsprechende Parkraumbewirtschaftung wäre dies allerdings auch
kaum möglich gewesen.
Ähnliche Skibusverkehre sind auch von Bayerisch Eisenstein und Zwiesel aus eingerichtet worden.
Vergleichbare verkehrliche Angebote
Verkehrliche Pauschalangebote, die für einen begrenzten Zeitraum alle eingebundenen Verkehrsunternehmen in einer Region einschließen, sind nicht völlig neu. Von den Tageskarten
des Münchner Verkehrsverbundes über das weißblaue Seenticket (ÖPNV und Schiffahrt Ammersee/Starnberger See) bis zum Garmischer Modell (jeder mit der Bahn anreisende Feriengast erhält für die Dauer seines Aufenthalts einen Freifahrschein für die Regionalbusse im Bereich des Landkreises sowie 100 Freikilometer mit der DB) werden die verschiedensten Modell
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zum Teil bereits seit einiger Zeit praktiziert. Im folgenden sollen jedoch nur die Beispiele herangezogen werden, die für die ARBER-Card als Grundlagenvergleich herangezogen werden können.
Ferienticket der DB AG
Das Ferienticket der DB ist an sich schon ein beachtenswertes Angebot. Der Feriengast kann
für einen bestimmten Zeitraum (1996: drei Wochen) eine Fahrkarte erwerben, die in einem relativ großen Gebiet Gültigkeit in RegionalBahnen, Stadt- und RegionalExpress, InterRegio und
vereinzelt in InterCity-Zügen Gültigkeit hat. Vereinzelt waren auch regionale Busliniennetze bereits inbegriffen.
1996 gab es das Ferienticket in 26 verschiedenen Ferienregionen Deutschlands zum Festpreis
von 60,- DM, gültig für drei Wochen. Ein zweiter erwachsener Mitreisender konnte das Ferienticket zum halben Preis erwerben. Für Kinder gab es nochmals Ermäßigungen. Einschränkend
waren jedoch nur mit der Bahn anreisende Feriengäste berechtigt, das Ferientickel zu erwerben. Hinzu kam, daß das Ferienticket nur erwerben kann, wer eine Rückfahrkarte im Wert von
mindestens 199,- DM (bei Besitzern einer Bahn-Card mind. 99,- DM) vorweisen konnte.
1997 wurde das Ferienticket, das insgesamt bei den Bahnkunden erfolgreich ankam, in überarbeiteter Form neu präsentiert. Aus 26 Regionen wurden nun 53, der Grundpreis von 40,- DM
bezieht sich nun auf eine Gültigkeitsdauer von einer Woche, Karten für ein oder mehrere Verlängerungswochen können selbstverständlich zusätzlich erworben werden. Mittlerweile sind
auch bei wesentlich mehr Ferienregionen die regionalen Busliniennetze im Ferienticket inbegriffen.
FERIENTICKET BAYERISCHER WALD/SÜDLICHES NIEDERBAYERN
Das Gebiet umfaßt 1997 den Bereich der Strecken 900 Regensburg-Passau, 931 MünchenPlattling, 905 Plattling-Bayerisch Eisenstein, 907 Zwiesel-Bodenmais, 906 Zwiesel-Grafenau
und 946 Passau-Massing (Rottalbahn). An Buslinien sind lediglich die Igelbusse im Nartionalpark Bayerischer Wald mit benutzbar. 1996 war der Geltungsbereich noch etwas kleiner, so war
im Westen bereits in Landshut die Grenze des Gültigkeitsgebiets erreicht. 1996 wurden ca. 800
Ferientickets in der gesamten Region verkauft.
Urlauber-Karte im südlichen Oberallgäu
Seit Mai 1995 ist im südlichen Landkreis Oberallgäu (in etwa der Altlandkreis Sonthofen), der
rund 90% der touristischen Bedeutung des gesamten Landkreises aufweist, die Urlauber-Karte
erhältlich. Jeder Feriengast kann gegen Vorlage seiner Kur- bzw. Gästekarte diese UrlauberKarte, die es für ein, zwei und drei Wochen gibt, erwerben. Alle Bahn- und Buslinien (mit Ausnahme einer kleinen Privatlinie) können damit genutzt werden. Kinder unter 15 Jahren dürfen
unentgeltlich mitfahren. Besitzer einer Bahnfahrkarte oder einer Bahn-Card erhalten eine Rabatt
von rund 20%. 1996 wurden fast 9.000 Urlauber-Karten verkauft, davon allein etwa 6.200 Einwochen-Karten sowie ca. 2.300 Zweiwochen-Karten. Die Urlauber-Karte mit drei Wochen Gültigkeit wurde hingegen relativ selten erworben. Die wirtschaftliche Situation 1996 ergab sich
daraus wie folgt:
Die Einnahmesituation der beteiligten Verkehrsunternehmen (Bus und Bahn) aus dem Jahr
1994 (vor Beginn des erstmaligen Angebots der Urlauber-Karte) wurde vertraglich in der Alteinnahmenabsicherung vertraglich zugesichert. Gleichzeitig wurde allerdings auch das verkehrliche Leistungsangebot um rund 40% erhöht, vor allem auf dem Bussektor.
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300.000,- DM Einnahmen (1996) stehen einem Zuschußbedarf von rund 100.000,- DM durch
die beteiligten 16 Gemeinden, anteilig nach verkauften Urlauber-Karten, gegenüber. Dieser Zuschußbedarf ergibt sich aus einer Unterdeckung des Busverkehrs. Weitere 100.000,- DM für die
Busunternehmen werden vom Landkreis aufgebracht, der auch rund 150.000,- DM Zuschußbedarf an die Bahn leistet.
Mögliche Konkurrenzsituationen mit der ARBER-Card
Das Ferienticket der DB, so läßt sich aus Aussagen der DB interpretieren, stellt ein ähnliches
Angebot wie die ARBER-Card dar, zumindest was die verkehrlichen Leistungen angeht. Beide
Angebotsformen zusammen würden sich daher mehr Konkurrenz machen als gegenseitig ergänzen. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, daß
1) die räumlichen Geltungsbereiche erheblich voneinander abweichen,
2) das Ferienticket nur den mit der Bahn angereisten Feriengästen zugänglich ist, und
3) dieser Personenkreis durch den Mindestpreis der Bahnanreise weiter eingeschränkt ist.
Gerade der letzte Gesichtspunkt gewinnt angesichts der Tatsache, daß die Bayern noch vor
den Gästen aus Nordrhein-Westfalen die größte Besuchergruppe stellen, an zusätzlicher Bedeutung. Es ist von fast keinem Ort Bayerns aus (Ausnahmen Aschaffenburg und Lindau) möglich, diese Bedingung zu erfüllen. Selbst vom baden-württembergischen Ulm oder vom sächsischen Plauen aus wird diese Mindestkilometerzahl noch nicht erreicht.
Der angeblichen Konkurrenz zum Ferienticket kann ebenso entgegengehalten werden, daß es
gerade nicht das Ziel der für den Tourismus Verantwortlichen in der Arber-Region ist, die Feriengäste zu Ausflügen bis nach Regensburg, Landshut oder gar München zu verleiten. Es sollen
schließlich die zahlreichen touristischen Attraktionen der Arber-Region herausgestellt werden
und somit auch eine nachhaltige Identifikation der Gäste mit der Region angestrebt werden.
Eine Beschränkung auf die Gruppe der mit der Bahn anreisenden Gäste stellt zwar einerseits
eine Belohnung dieses umweltfreundlichen Verhaltens dar, auf der anderen Seite gibt es auch
bei den noch mit dem PKW anreisenden Gästen die Bereitschaft, während des Aufenthalts den
PKW öfter stehen zu lassen und auf den ÖPNV umzusteigen. Häufig wird der PKW auf der Urlaubsreise nur deswegen benutzt, weil große Unsicherheiten bestehen, ob man vor Ort denn
auch ohne Auto mobil ist. Die ARBER-Card könnte dazu beitragen, diese Schwellenangst zu
beseitigen und eventuell so manchen Feriengast bei künftigen Besuchen zur Anreise mit der
Bahn bewegen.
Als weiteres Hindernis wurde von Seiten der DB das Allgemeine Eisenbahngesetz §12 genannt.
Demzufolge ist es nicht zulässig, daß eine bestimmte Nutzergruppe (hier: Feriengäste) im Nahverkehr einen Rabatt bekommt, der anderen Gruppen (z.B. Einheimische) nicht zugänglich ist.
Die Oberallgäuer Urlauberkarte wäre somit rechtlich nicht ganz abgesichert. Zur Zeit läuft eine
rechtliche Überprüfung dieser Fragestellungen bei der Rechtsabteilung der DB in Berlin. Für
den Fernverkehr gelten diese Bestimmungen nicht. Ungeklärt bleibt jedoch die Frage nach dem
Gleichheitsgrundsatz bei der Beschränkung des Ferientickets auf mit dem Fernverkehr der DB
angereiste Feriengäste.
Vertreter der DB sahen in der Überhandnahme von Tickets und Cards eine eher zunehmende
Verwirrung der Kunden als eine verbesserte Angebotsstruktur. Mit entsprechender Werbung
sollte jedoch dem Feriengast schon zuhause vermittelt werden, daß er die Wahl zwischen dem
großräumigen Ferienticket ohne touristische Leistungsträger und der kleinräumigen ARBERCard wählen kann. Eine Aufsattelung des Ferientickets der DB um regionale touristische Lei-
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stungsträger z. B. aus der Arberregion wäre zwar denkbar, löst jedoch immer noch nicht den
Konflikt um die Beschränkung des Ferientickets auf Fernverkehrsfahrgäste.
Eine Tarifgemeinschaft, die auf gegenseitiger Anerkennung der Fahrscheine durch die verschiedenen Verkehrsunternehmer beruht, ist noch nicht vorhanden. Verhandlungen zu diesem
sehr wichtigen Aspekt werden jedoch bereits geführt. Es ist allerdings, speziell für die Einwohner, eine übertragbare Umweltjahreskarte eingeführt worden, die sich zunehmender Beliebtheit
erfreut. Für Feriengäste am ehesten eignet sich, neben den wie andernorts auch erhältlichen
Einzelfahrscheinen, die vom Landkreis im Oktober 1995 eingeführte Zehnerkarte, die gegenüber dem Einzelfahrschein um bis zu 40% verbilligt ist. Diese ebenfalls übertragbare Fahrkarte
gilt jedoch immer nur auf derselben Strecke, also z.B. Arnbruck-Bodenmais. Eine andere, gleich
teure Strecke kann damit nicht befahren werden.
Eine Konkurrenzsituation zur Zehnerkarte des Landkreises ist nur auf den ersten Blick gegeben. Die Übertragbarkeit könnte zwar dazu führen, daß Vermieter sich einen gewissen Vorrat
an Zehnerkarten für beliebte Strecken zulegen und diese je nach Bedarf an ihre Gäste aushändigen, alternativ sich mehrere Gäste untereinander absprechen und eine Zehner-Karte teilen.
Das Problem, daß Gäste vergessen, diese zurückzugeben, oder mehrere Gästefamilien zwar
zur gleichen Zeit dasselbe Ziel ansteuern, aber zu unterschiedlichen Zeiten oder auf unterschiedlichen Routen zurückkehren wollen, bleibt in hohem Maße weiter bestehen. Das Ziel der
Überschaubarkeit des ÖPNV-Systems gerade für Feriengäste, die im Durchschnitt nur etwa 8
Tage in der Region verweilen, deutlich zu erhöhen, kann mit der Zehnerkarte nur schwer erreicht werden.
Verkehrliche Standards als Voraussetzung für die ARBER-Card
Die beiden Verkehrsknotenpunkte Bodenmais und Zwiesel sind, vom Liniennetz her betrachtet,
optimal in ihre jeweiliges Umfeld eingebunden:
Zwiesel von Bayerisch Eisenstein, Lindberg, Frauenau, Langdorf und Regen,
Bodenmais von Langdorf, Bayerisch Eisenstein, Böbrach und Arnbruck.
Lediglich Lam und Lohberg sowie Rinchnach sind durch ihre entferntere Lage weniger günstig
angebunden.
Ein ganz anderer Gesichtspunkt ist jedoch die Fahrtenhäufigkeit auf den vorhandenen Linien.
Die Einstellung des Linienbetriebs nach Zwieslerwaldhaus (Linie 33) sowie zwischen Regenhütte und Arbersee (Linie 47) während des Winterfahrplans 1996/97 kann bei Start des Projekts
nicht mehr länger aufrechterhalten werden. Speziell die Linie 47 stellt für die Verbindung zwischen Zwiesel und Arber die kürzestmögliche Verbindung dar. Die Route über Bayerisch Eisenstein ist vor allem während der Hauptsaison durch längere Rückstaus vor der deutschtschechischen Grenze wesentlich verspätungsanfälliger. Für Fahrten zwischen Zwiesel bzw.
Regen und Bayerisch Eisenstein eignet sich die Bahnstrecke im übrigen wesentlich besser. Die
Fahrtzeit beträgt hier lediglich 12 Minuten gegenüber 23 Minuten mit dem Bus. Auch ist die
Platzkapazität bei der Bahn wesentlich höher als beim Bus.
Die Bahnstrecke 906 nach Grafenau erhält durch die Buslinie 50 „Konkurrenz“, wenngleich mit
drei Fahrtenpaaren nicht in für touristische Zwecke optimal geeigneter Form. Da die Bahnstrekke schon wiederholt in Frage gestellt wurde (eine Stillegung ist nach wie vor nicht ausgeschlossen), sollte so bald wie möglich eine Abwägung zwischen den beiden Verkehrsmitteln erfolgen.
Die Konkurrenzsituation zwischen Bus und Schiene ist auf Dauer ökonomisch nur schwer zu
lösen. Während die Bahn zum Transport größerer Beförderungszahlen besser geeignet ist (diese Situation wird mit der Erweiterung des Nationalparks künftig voraussichtlich öfter eintreten),
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ist der Bus in der Linienführung wesentlich flexibler. Aus touristischer Sicht der Gemeinden in
der Arberregion ist die Kombination beider Verkehrsmittel sinnvoll, wie später noch anhand eines Fahrplanbeispiels erläutert wird.
Aus Sicht der Feriengäste sind bestimmte Abfahrts- und Ankunftszeiten besonders bevorzugt.
Ein einheitliches Zeitmuster ist zwar nicht erkennbar, da auch die Gäste sich hinsichtlich ihrer
Zusammensetzung und Interessen deutlich unterscheiden. Wanderern, die bereits den Sonnenaufgang am Großen Arber erleben wollen, nutzt ein noch so dichtes ÖPNV-Angebot, das
erst ab 8 Uhr einsetzt, wenig. Familien mit Kindern hingegen sind mehr an einem dichteren Angebot während der Vormittags- und Nachmittagsstunden interessiert.
Als Standardangebot wäre ein Stundentakt auf möglichst allen Linien zumindest im Zeitraum
von ca. 9 bis 17 Uhr wünschenswert. Aus Kostengründen solte jedoch darauf geachtet werden,
daß keine allzu hohen Defizitbeträge entstehen. Im Oberallgäu wurde mit der Einführung der
Urlauberkarte das Fahrtenangebot um rund 40% erhöht, der Zuschußbedarf durch die Gemeinden und den Landkreis beträgt über 300.000,- DM. In Kärnten wurde hingegen keinerlei Verdichtung des Fahrtenangebotes eingeführt, es wurde jedoch bei hohem Fahrgastaufkommen
flexibel reagiert, z.B. in Form von Verstärkerbussen. Selbst Linien mit einem Fahrtenangebot
von drei oder vier täglichen Fahrtenpaaren wurden so belassen. Dort fand dann allerdings auch
nicht sehr viel Nachfrage im ÖPNV statt. Ein völliges Ignorieren von geringen ÖPNV-Angeboten
durch die Feriengäste konnte jedoch nicht bestätigt werden. Nach Beobachtungen der beteiligten Kärntner Stellen paßten sich Urlauber auch an umständliche oder langwierigere ÖPNVAngebote an. In einer Reihe von Fällen muß allerdings schon davon ausgegangen werden, daß
touristische Einrichtungen an selten verkehrenden ÖPNV-Linien vorwiegend mit dem PKW aufgesucht wurden. Insgesamt waren in Kärnten in den meisten Fällen noch genügend Kapazitätsreserven vorhanden. Grundsätzlich wurde dort also vielmehr auf die verbesserte Auslastung
des bestehenden Angebots gesetzt.
Eine Erhöhung des Fahrtenangebots bei den Buslinien (die Zugverbindungen sind für touristische Zwecke weitgehend als befriedigend zu bezeichnen) würde die Akzeptanz durch die Feriengäste erheblich steigern. Vor allem für die mit der Bahn anreisenden Feriengäste (in Bodenmais immerhin 10 - 12 %) könnte somit ein hervorragendes Mobilitätsangebot geschaffen werden.
Das heutige Busangebot wird von Einheimischen und Feriengästen sehr unterschiedlich genutzt. Während in den Linien 5 und 13 über die Arberseestraße zwischen Bodenmais und Bayerisch Eisenstein fast ausschließlich Feriengäste fahren, sind es z.B. in den Linien 9 und 49 in
der Regel die Einheimischen, die mit dem Bus fahren.
Die Regionalbusse sind im wesentlichen nur zu Zeiten des Schülerverkehrs voll ausgelastet,
ansonsten sind weitgehend ausreichende Kapazitätsreserven vorhanden.
Grundsätzlich muß auch darauf verwiesen werden, daß im Freizeitverkehr meistens längere
Aktivitäten angestrebt werden, der Besuch eines Museums oder eines Schwimmbades dauert in
der Regel wesentlich länger als eine Erledigung des Alltags (Bank oder Post, Arztbesuch oder
Einkauf), die oft schon nach einer halben Stunde abgeschlossen ist. Eine Taktverdichtung im
Freizeitverkehr ist also nicht in gleichem Maße erforderlich wie für andere Fahrtzwecke. Abstände von zwei oder mehr Stunden sind allerdings auch im Freizeitverkehr eine Hürde, die
nicht mehr so ohne weiteres überschritten wird, wenn es darum geht, vom PKW auf den ÖPNV
umzusteigen.
Die in diesem Kapitel aufgestellten Mindestbedienungsstandards gelten für die SommerVersion der ARBER-Card, im Winter würden andere Voraussetzungen herangezogen werden
müssen.
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Eine starke Differenzierung des Fahrtenangebotes nach Montag-Freitag und Wochenende kann
mit der Einführung der ARBER-Card jedoch nicht mehr begründet werden. Es kann zwar problemlos auf die werktags für den Berufsverkehr und den Schülerverkehr ausgerichteten Morgenfahrten verzichtet werden, mindestens zwei Fahrten um ca. 9.00 und 10.00 Uhr, mindestens
eine Mittagsfahrt zwischen 12.00 und 13.00 Uhr, sowie mindestens zwei bis drei Nachmittagsfahrten zwischen ca. 14.30 und 17.30 Uhr sollten auf allen Linien an Wochenenden angeboten
werden. In Abwägung mit Kostengesichtspunkten ist eine Beschränkung auf die Linien, die
nicht unmittelbar parallel zur Schiene verkehren jedoch tolerierbar. Da die Bahnlinien 905, 906
und 907 an allen Tagen den gleichen Fahrplan aufweisen, sollten vorrangig die Buslinien 2 und
3 (Zellertalverbindungen), 23 (Bodenmais-Böbrach) und 13 (Lam-Arber) sowie 49 (Ringlinie
Lindberg) die Mindestbedienungsstandards am Wochenende erhalten. Die Linien 1 und 9 sowie
vor allem 4 werden auch am Wochenende bedient, eine Erhöhung des Angebots ist jedoch
nicht unbedingt erforderlich, da hier alternativ auch die Bahn zur Verfügung steht. Außerdem ist
nach den Beobachtungen der Kurverwaltungen der Ausflugsverkehr vor allem an den Wochennden weniger ausgeprägt als unter der Woche. Nachdem der Samstag in vielen Pensionen
und Hotels immer noch der häufigste Ankunfts- bzw. Abreisetag ist, ist diese Verteilung nachvollziehbar.
Für einen Teilabschnitt der Linie 13 Bayerisch Eisenstein-Lam sollte eine Erhöhung des Fahrtenangebotes Voraussetzung für eine einigermaßen befriedigende Akzeptanz der ARBER-Card
durch die Feriengäste sein.
Das Fahrtenangebot der Bahnstrecke 906 weist zwischen Zwiesel und Frauenau 9 Fahrtenpaare auf, für den Abschnitt bis Grafenau 2 Fahrtenpaare weniger. Dies erscheint auf den ersten
Blick ausreichend, dem Fahrplan ist jedoch vormittags eine Lücke von drei Stunden, nachmittag
sogar von fast vier Stunden (zumindest von Zwiesel aus) zu entnehmen. Die Linie 50 des Busunternehmens Pfeffer bietet hier jedoch eine Alternative an. Die Fahrplanlücken der DB auf
dem Abschnitt Frauenau-Zwiesel werden zum Teil durch Busfahrten der Linie 50 gedeckt.
Die zum Sommerfahrplan wieder in Betrieb genommene Linie 47 Frauenau-ZwieselRegenhütte-Arber stellt eine Mindestangebot dar, wie es eingangs beschrieben wurde.
Eine Abstimmung der Abfahrtszeiten von Bussen und Bahnen an den beiden wichtigen Knotenpunkten im Gebiet, Bodenmais und Zwiesel, ist selbstverständlich eine Grundvoraussetzung für
eine Mindestakzeptanz des Verkehrssystems in Verbindung mit der ARBER-Card.
Das geschilderte Beispiel für Fahrten zwischen Zwiesel und Frauenau, wo die Angebote der DB
und der Busunternehmen sich teilwesie auch günstig ergänzen, zeigt sehr deutlich die gegenwärtige Problematik hinsichtlich der Tarifsituation. Die gegenseitige Anerkennung der Fahrkarten des jeweils anderen Verkehrsunternehmens ist für den Feriengast sehr wichtig, da es diesen die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel sehr verleidne würde, wenn sie sich auch noch
mit unterschiedlichen Fahrpreisen, Verkaufsstellen und Tarifbestimmungen auseinandersetzen
müssen. Es darf nicht vergessen werden, daß viele Feriengäste aus Regionen kommen, wo
Tarrifgemeinschaften oder gar -verbünde vorhanden sind und sie deshalb im Urlaub nicht viel
Mühen aufbringen wollen, um die Feinheiten des Verkehrssystems in der Arberregion kennenzulernen.
Die zur ARBER-Card herauszubringende Broschüre mit den touristischen Leistungsträgern
sollte zusätzlich Tourenvorschläge mit Fahrplanbeispielen sowie nach Möglichkeit eine Fahrplankarte enthalten, wie sie der VCD vor kurzem für das Gebiet des Werdenfels-Taktes (München Garmisch-Partenkirchen) erarbeitet und vorgestellt hat.
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Technische Grundlagen
Je ausgereifter die Technik ist, desto problemloser und nachvollziehbarer ist die interne Organisation und Abwicklung des Projektes ARBER-CARD: Ausgabe und Überprüfung der Cards,
Aufbuchen und Abbuchen von Leistungen, interne Verrechnung, Statistik usw.
Ein ausgereiftes technisches System ist zwar sehr vorteilhaft, aber keinesfalls Voraussetzung
für ein erfolgreiches Inclusive-Angebot. Kleine Regionen, die die Investitionskosten für derartige
Systeme schwer finanzieren können, ist die Organisation und Abwicklung des InclusiveAngebotes mittels Scheckkarte durchaus denkbar. Außerdem kann die teuerste, modernste
Elektronik Mängel im Angebot nicht ausgleichen.
Im Rahmen der Besprechung vom 10.12.1996 wurde beschlossen, die ARBER-Card mit moderner Technik, also Chipkarten und Lesegeräten, zu unterstützen. Auf der technischen Seite
wird eine Zusammenarbeit mit den Sparkassen angestrebt.
Die 1996 erstmals erprobte Kärnten-Card wurde aufgrund einer sehr kurzen Vorbereitungsphase mit zum Teil einfachen Mitteln umgesetzt. Die Karten wurden bei Nutzung einer Einrichtung
an einem Terminal auf ihre Gültigkeit hin überprüft und registriert. Da jedoch nicht alle der teilnehmenden 75 Leistungsträger bereits mit einem Lesegerät ausgestattet waren, wurden auch
lediglich die Kartennummern handschriftlich notiert. Da dies vor allem für die öffentlichen Verkehrsmittel zutraf, war dieses Verfahren besonders bei stärkerem Andrang sehr schnell ungeeignet, exakte Daten zu liefern. Für die frequenzabhängige Abrechnung war dies ebenfalls von
Nachteil.
Eine technisierte Lösung ist vor allem dann anzustreben, sogar Voraussetzung, wenn ein Modell wie in Kärnten angewandt wird. Für die Verrechnung der frequenzabhängigen Anteile ist
man auf exakte Daten angewiesen.
Die ARBER-Card soll mit einer zusätzlichen Geldbörsenfunktion ausgestattet werden. Die
„elektronische Geldbörse“ übernimmt die Funktion eines normalen Portemonnaies, ist jedoch
mit einer Elektronik versehen, die es dem Besucher gestattet, ohne Bargeld zu bezahlen. Die
Börse kann bis zu einem Maximalbetrag an dafür vorgesehenen Automaten oder direkt bei der
Bank aufgeladen werden. Anschließend ist das bargeldlose Bezahlen in allen angeschlossenen
Geschäften, in städtischen Kur- und Freizeiteinrichtungen und an diversen Automaten möglich.
Auf diese Weise könnte der Einzelhandel mit in die ARBER-Card einbezogen werden. Mittelfristig vorgesehen ist, den Einzelhandel auch über eine Rabattfunktion in die ARBER-Card zu
integrieren.
Preis
Um konkurrenzfähig zu sein, darf der Preis für die Card nicht über dem Preis vergleichbarer
Karten aus anderen Regionen liegen. Ein Vergleich mit verschiedenen ähnlichen regionalen
Cards aus Österreich ergab einen durchschnittlichen Preis von ca. 60,-- bis 70,-- DM für eine
einwöchige Card.
Preisspanne
Die Preisspanne (für die einwöchige Karte) für die Card wird festgelegt mit:
• Preisuntergrenze: 50,-- DM
• Preisobergrenze: 65,-- DM
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Preisvariationen:
• Staffelung nach Zeitraum: 1 - 2 Wochen
• Kinderermäßigungen (20% - 25% unter dem Normalpreis)
• Ermäßigungen für bahnanreisende Gäste
• Ermäßigung von Kurkarteninhabern (Bevorzugung der Gäste gegenüber den Einheimischen)
Zusammensetzung des Preises
• Entgelte für die Leistungsträger (Fixanteile und frequenzabhängige Anteile)
• Verwaltungs- und Marketingteil pro Card (ca. 3,-- DM für Verwaltung und 5,-- DM für Marketing);
Die Produktionskosten für die Card sollten über die Werbeeinahmen (eine Seite der Card) abgedeckt werden. Die Kosten für Vernetzung und Einrichtung des EDV-Systems übernehmen die
Gemeinden und die touristischen Leistungsträger. Beide Kostenfaktoren werden also nicht auf
den Preis umgeschlagen.
Verwaltung und Abwicklung
Mehrere Möglichkeiten der Organisation der Verwaltung und Abwicklung wurden bei der Sitzung am 05.03.1997 zur Diskussion gestellt.
• Organisation und Umsetzung über den Landkreis Regen (Fachbereiche Tourismus oder/und
Verkehr) evtl. in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Cham - kann zwar langfristig angestrebt werden, wurde aber zunächst nicht für sinnvoll erachtet.
• Organisation und Umsetzung über eine eigene Institution - fand Zustimmung.
• Organisation und Umsetzung rotierend, jährlich wechselnd durch jeweils eine Gemeinde wurde abgelehnt.
Da zunächst noch sehr ungewiß ist, wieviele Karten verkauft werden und wie hoch der Verwaltungsaufwand sein wird, ist es sinnvoll, die Verwaltung in eine schon bestehende Institution zu
integrieren. Hier kommen touristische Leistungsträger in Frage, z.B. eine Bergbahn und das
Informationshaus Naturpark Bayerischer Wald e.V.. Diese Organisationen müssen für den Verwaltungsaufwand entgolten werden.
Marketing
Eine besondere Bedeutung kommt den Werbemaßnahmen zur Bekanntmachung der ARBERCard zu.
Die ARBER-Card muß sowohl als „Philosophie“ als auch als Produkt in die bestehenden Marketingkonzepte der Gemeinden und der verschiedenen Werbegemeinschaften eingebunden
werden. In den Regionen Österreichs werden die Karten als Hauptwerbeargumente der Werbung genutzt. Das muß auch am ARBER geschehen.
An konkreten Werbemaßnahmen werden durchgeführt:
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• Hinweise auf die ARBRER-Card in Druckerzeugnissen aller beteiligten Gemeinden und der
verschiedenen Werbegemeinschaften
• Logoentwicklung
• Einseitiges Werbeblatt und Flyer (16 Seiten)
• Poster
• Integration in die Werbeprospekte der Unterkünfte
• Bewerbung durch den Tourismusverband Ostbayern
Eine große Bedeutung kommt vor allem in der Anfangsphase einer guten Öffentlichkeitsarbeit
zu. Vor Einführung der Card wird ein Pressemailing durchgeführt. Eine Pressekonferenz eröffnet die Card-Saison (am ersten Gültigkeitstag).
Mit einem privaten Radiosender findet eine Aktion zum Thema ARBER-Card statt. Wöchentlich
wird ein anderer Leistungsträger vorgestellt, außerdem werden Cards verlost. Außerdem wird
eine Pressefahrt ausgeschrieben.
Häufig vernachlässigt wird das Innenmarketing. Aktionen in diesem Bereich werden sein:
• schriftliche Information an die Unterkünfte
• Durchführung einer Bürgerversammlung zum Thema
• Schulung eines Mitarbeiters jeder Informationsstelle
• regelmäßige Veröffentlichungen in der Zeitung über die Erfolge der Card
Der Vertrieb innerhalb der Region erfolgt zunächst über die Informationsstellen der 13 Gemeinden. Falls ein touristischer Leistungsträger oder eine Unterkunft Interesse an dem Verkauf
der Cards im eigenen Betrieb haben sollte, ist dem nichts entgegenzusetzen. Die Kosten für
das Ausgabegerät müssen von der betreffenden Institution übernommen werden. Mittelfrisitig
soll die Arber-Card in die Pauschalprogramme der Unterkünfte übernommen werden.
Zusammenfassung/Erfahrungen ARBER-Card
In den Gemeinden Bodenmais und Zwiesel nimmt die Förderung der sanften Mobilität eine hohe Priorität ein. Die Teilnahme am EU-Projekt und die Mitgliedschaft in der IAKF (Interessengemeinschaft Autofreie Tourismusorte) -von Zwiesel im Rahmen der Projektlaufzeit realisiertsind dabei wichtige Bausteine.
Die ARBER-Card ist eine Erlebniskarte, in der verkehrliche und touristische Leistungsträger zu
einem attraktiven Gesamt-Paket zusammengefaßt werden. Bodenmais und Zwiesel erhoffen
sich von der Card insbesondere zwei Ergebnisse: Schaffung eines innovativen Angebotes für
die Urlauber und sanftes Zurückdrängen des Pkw als deren Hauptverkehrsmittel.
Positiv zu bewerten ist, daß sich beide Gemeinden von Anfang dafür aussprachen, über die
eigene Gemeinde hinaus, weitere Gemeinden in das Projekt miteinzubeziehen. Es bildete sich
ein Arbeitskreis mit 13 Gemeinden um den Arber, die alle in der Card eine Chance sehen, sich
gegenüber anderen Regionen zu profilieren. Der Zusammenhalt in der Region wurde durch das
Projekt entscheidend gestärkt.
Während die touristischen Leistungsträger (Museen, Bäder etc.) die Idee von Anfang an begrüßten, gestalteten sich die Verhandlungen mit den verkehrlichen Leistungsträgern langwierig.
Bei einer Übertragung des Projektes auf andere Regionen, sollte dabei beachtet werden, daß
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den Gesprächen mit den wichtigen verkehrlichen Leistungsträgern (DB, regionale Busunternehmen) von Anfang an oberste Priorität eingeräumt wird. Diese Gespräche sind die Basis für
den Erfolg eines derartigen Gesamtprojektes.
Die Einführung der ARBER-Card ist für den Sommer 1998 geplant, die Umsetzung des vorliegenden Konzeptes wird bis dahin von Bodenmais und Zwiesel mit aller Kraft vorangetrieben.
Beide Gemeinden wollen zukünftig im Austausch mit anderen Gemeinden die sanfte Mobilität
ihrer Gäste weiter fördern.
Sachleistungen
Bodenmais
Für Bodenmais wurde ein Faltblatt (Leporello) entworfen, das der Bevökerung und den Kur- und
Feriengästen die Inhalte des Verkehrskonzept erläutern und nahebringen soll. Ein Exemplar ist
im Anhang enthalten.
Zwiesel
In Zwiesel wurden für das überarbeitete und stark verbesserte Stadtbuskonzept Haltestellenschilder angeschafft, die dem Erkennungsbild der Zwieseler Stadtlinie Rechnung tragen und
durch ihren Informationsgehalt zu einem weiteren Erfolg des städtsichen ÖPNV beitragen sollen.
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Anhang Bodenmais und Zwiesel
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Ergebnisbericht Partnergemeinde Oberstdorf
Bearbeitung: P. Zimmer & A. Eckert (FUTOUR), R. Ulzhöfer & B. Häns (Lang.Burkhardt)
Ausgangssituation
Die Marktgemeinde Oberstdorf liegt in einem Talkessel im Oberallgäu am Eingang zum Kleinen
Walsertal. Oberstdorf ist ein heilklimatischer Luftkurort mit ca. 11.000 Einwohnern und mit
17.650 Fremdenbetten und 2,52 Mio. Übernachtungen im Jahr der führende Fremdenverkehrsort in Deutschland. Die Aufenthaltsdauer liegt mit rund 10 Tagen sehr hoch. Knapp
60% der Fläche des Gemeindegebiets (23.000 ha) sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen.
Die Verkehrsanbindung über öffentliche Verkehrsmittel kann in Oberstdorf als gut eingestuft
werden. Zahlreiche Fernverkehrsverbindungen haben Oberstdorf als Ziel. Der Anteil der Bahnanreisenden liegt bei etwa 23%. Daneben gibt es noch ein relativ dicht verknüpftes Busliniennetz im südlichen Oberallgäu und ins Kleinwalsertal, das in einem weiteren Pilotprojekt des
Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen zur verkehrlichen
Entlastung des südlichen Oberallgäus, weiterentwickelt wird. Da Oberstdorf an einem Talende
liegt, ist die Anbindung über das Straßennetz nur von Norden über die B 19 möglich.
1991 wurde das Pilotprojekt "Einsatz schadstofffreier oder besonders schadstoffarmer Kraftfahrzeuge als Pilotprojekt des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen" ins Leben gerufen. Die Zielsetzungen sind vor dem Hintergrund der allgemeinen
lufthygienischen Situation zu sehen. Neben dem Nachweis lufthygienischer Entlastungen geht
es in Oberstdorf auch um entscheidende Anstöße zur Neuorganisation des gesamten Verkehrserschließungssystems mit dem Ziel, den motorisierten Individualverkehr zurückzudrängen und
dem umweltfreundlichen öffentlichen Nahverkehr sowie dem Radverkehr im Sinne eines Umweltverbundes verstärkt Aufgaben zu übertragen.
Oberstdorf kann auf eine Vielzahl erfolgreich durchgeführter Maßnahmen zurückblicken. Dazu
gehören im wesentlichen die Verlegung der Ortsdurchfahrt B19 durch Eigeninitiative, die Einrichtung einer Fußgängerzone, die Einführung einer Elektrobuslinie und der Bau der bislang
größten kommunalen Solaranlage zur Stromversorgung der E-Busse, die Umsetzung eines
Parkraumkonzeptes, die Steuerung des Tagesausflugsverkehrs sowie die Ausweisung des gesamten Ortsgebietes als Tempo-30-Zone.
Ziel
Im Rahmen des EU-Projekts "Sanfte Mobilität in Tourismusorten" soll die Zielsetzung in der
Marktgemeinde Oberstdorf die Förderung des Fahrradtourismus sein. Oberstdorf möchte sich
noch mehr als "Radldorf" profilieren und nahm ein aktuelles Problem - den Konflikt zwischen
Wanderern und Radfahrern, speziell Mountainbikern - zum Anlaß das Radfahren zum Thema
zu machen. Täglich treffen Beschwerdebriefe von aufgebrachten Wanderern bei der Kurverwaltung ein. Zu besonderen Problemen mit einem besonders hohen Radfahreraufkommen
kommt es vor allem am Wochenende, wenn an den Zug aus Kempten ein zusätzlicher Fahrradgepäckwagen angehängt wird in dem die Fahrradmitnahme kostenlos ist.
Die Aufgabenstellung war in erster Linie Lösungen und Lenkungsmaßnahmen zu erarbeiten,
die zur Konfliktlösung beitragen. Das Lösungskonzept enthält zwei Ansatzpunkte. Aus verkehrlicher Sicht sollte der Konflikt durch die Ausarbeitung eines Radwegenetzes und eines BeschilARGE „Sanfte Mobilität“
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derungsvorschlages gelöst werden. Der zweite wichtige Ansatzpunkt bestand darin den Konflikt
durch Aufklärungsarbeit zu lösen. Zu diesem Zweck wurde eine Fahrradregionalkonferenz mit
dem Thema "Fair mit dem Bike am Berg" in Oberstdorf organisiert. In Planung befindet sich für
nächstes Jahr ein Fahrradfestival.
Radwegenetz für Oberstdorf
Da bislang für die Radfahrer kein eigenes Angebot besteht, sondern vorgeschlagene Touren
sich an Wanderwegen orientieren, die auch als solche ausgeschildert sind, gilt es als Basis ein
eigenes Radwegenetz zu schaffen. Überschneidungen mit Wanderwegen werden sich an vielen
Stellen nicht vermeiden lassen. Sie sollten jedoch nur dann beschildert werden, wenn eine ausreichende Breite vorhanden ist. Die Radwegweisung dient in erster Linie der Sicherheit der
Radfahrer und kanalisiert einen großen Teil der Radler auf bestimmte Strecken. Sind bestimmte
Wege auch als Radwege ausgeschildert, sollte auch dem Wanderer klar sein, daß er nicht auf
sein Wegerecht pochen kann.
In einem Radwegenetz für Oberstdorf müssen für Radler aller Könnensstufen Routen angeboten werden. Einerseits können Routen ausgeschildert werden, andererseits kann der
Radler durch ein zusammenhängend beschildertes Netz sich seine Radtouren auch selbst zusammenstellen. Das vorgeschlagene Radwegenetz differenziert nach leichten (flache Touren
für jeden Radler geeignet), mittleren (sportlich etwas anspruchsvollere Touren) und schweren
(sehr anspruchsvolle Mountainbiketouren) Touren. Die Einteilung der Schwierigkeitsstufen orientiert sich an dem Leitfaden der Deutschen Initiative Mountainbike. Einfache und mittlere Touren werden als Radtouren bezeichnet, schwere Touren als Mountainbiketouren. Die vorgeschlagenen Touren des Radwegenetzes kamen durch eigenes Abradeln vor Ort bestimmter
Teilstrecken, Auswerten vorhandenen Kartenmaterials und Tourenvorschlägen, Expertengesprächen, Stellungnahmen befragter Fachstellen, Überprüfung der wegerechtlichen Verhältnisse und letztendlich durch Abstimmungsgespräche mit dem Arbeitskreis Mountainbike der Gemeinde Oberstdorf zustande. Ursprünglich vorgesehen waren auch Mountainbikestrecken ins
Kleinwalsertal. Leider sind dort für eine Beschilderung die haftungsrechtlichen Fragen nicht geklärt, so daß diese Strecken vorerst herausgenommen werden mußten. Da das Kleinwalsertal
aber Interesse signalisiert hat, sind diese Strecken hoffentlich nur vorübergehenden zurückgestellt.
Folgende Routen im Gemeindegebiet Oberstdorf werden vorgeschlagen:
A. Radtouren (vgl. Karte Radwegenetz Oberstdorf)
Radtour 1: Stillachtal:
Leichte Tour bis Birgsau: Engstelle bei Lawinendach (Radfahrer darauf hinweisen); Beschilderung ab Faistenoy besser auf Fahrstraße.
Radtour 2: Übers Stillachtal bis Einödsbach:
Anfangs wie Radtour 1, dann nach Birgsau abbiegen nach Einödsbach zum "südlichsten Ort
Deutschlands"; guter Ausgangspunkt für Wanderungen.
Radtour 3: Übers Stillachtal ins Rappental
Mittelschwere Tour bis zur Schwarzen Hütte; zwischen Eschenbach und Buchenrain kurviger,
unübersichtlicher Streckenabschnitt; extrem steile Auffahrt bis zur Speicherhütte.
Radtour 4: Freibergsee
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Von Oberstdorf zur Heini-Klopfer-Skiflugschanze; ab da bis zur Abzweigung zum See kurzer,
steiler Anstieg (kann aber geschoben werden); bis zur Abzweigung asphaltiert, dann bis zum
See schöner, breiter Schotterweg; am See Bademöglichkeit.
Radtour 5: Trettachtal:
leichte Tour bis Oberaualpe: entweder über den Renksteg am Christlessee vorbei oder über
Gruben.
Radtour 6: Oytal
Anfangs kurzer steiler Anstieg bis zum Café Kühberg (kann auch geschoben werden); gemächliche Weiterfahrt auf Asphaltweg bis zum Oytalhaus.
Radtour 7: Illerradweg/Reichenbach
Einfache Radtour über Rubi nach Reichenbach; von hier Weiterfahrt möglich nach Schöllang
und Fischen; Rückfahrt entlang der Iller, vorbei am Illerursprung zurück nach Oberstdorf; zu
beachten: ein Teil dieser Rundtour liegt nicht mehr auf Oberstdorfer Gemeindegebiet und kann
demnach nicht von Oberstdorf beschildert werden.
Radtour 8: Lochbachtal
Eher leichte Mountainbike-Tour zur Dinigörgenalpe und weiter bis zur Toniskopfhütte; asphaltierte Fahrstraße, anfangs steil mit zahlreichen Kehren, dann gemächliche Tour. Eventuell
Weiterfahrt von Toniskopfhütte nach Röhrmoos möglich.
Radtour 9: Rohrmoostal
Mittelschwere Tour für sportliche Fahrer; auf Fuß- und Radweg bis Tiefenbach - teilweise sehr
schmal, aber kein großer Fußgängerandrang; an der Breitachklamm vorbei nach Röhrmoos;
von dort Abstecher auf asphaltierten, nicht sehr steilen Alpweg zum Piesenkopf möglich; Rückfahrt über Sesselalpe.
Radtour 10: Umrundung Sesselalpe mit Abstecher zur Osterberg-Alpe
Als Erweiterung der Radtour 9 auch Rundweg um Sesselalpe möglich; möglicher Abstecher zur
Osterberg-Alpe.
B. Mountainbiketouren
Moutainbiketour 11: Fellhorn
schwere bis sehr schwere Mountain-Bike-Tour; überwiegend asphaltiert, sehr steile und anstrengende Asphaltauffahrt zur Schlappoltalpe; weiter zur Mittelstation kurze steile Schotterauffahrt; traumhafte Ausblicke; schöne Abfahrt.
Mountainbiketour 12: Traufbergalpe
Extrem steile Asphaltauffahrt hinter der Oberaualpe. Steile Abfahrt ins Traufbergtal auf Schotterpiste. Nochmals steile schotterige Auffahrt zur Traufbergalpe.
Mountainbiketour 13: Gerstruben - Dietersbachalpe
Steile Asphaltauffahrt bis Gerstruben ("eine der ältesten Siedlungen im Oberstdorfer Gebiet");
holprige Piste mit einigen kurzen Steilauffahrten bis zur Dietersbachalpe.
Mountainbiketour 14: Käseralpe
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Ab dem Oytalhaus beginnt eine holprige Schotterpiste; ab der Gutenalpe bis zur Käseralpe
steile, schwierige Auffahrt.
Mountainbiketour 15: Seealpe
Start in der Nähe der Talstation der Nebelhornbahn; vorbei an den Schattenbergschanzen; lange, überwiegend steile Asphaltauffahrt zur Seealpe; schöne Bergwanderung auf Nebelhorn
möglich.
Mountainbiketour 16: Gaisalpe
Von Reichenbach nicht allzu schwere Mountainbike-Tour auf die Gaisalpe; von der Gaisalpe
schöne Wanderunternehmungen zu den Gaisalpseen, zum Rubihorn oder zum Entschenkopf.
Mountainbiketour 17: Söllereck
Von Oberstdorf über Waldesruh bis zur Talstation der Söllereckbahn; von dort sehr steile Asphaltstraße bis zum Gasthaus Schönblick.
Sobald das Radwegenetz in Oberstdorf abgesegnet ist, wird eine detaillierte Tourenbeschreibung für die Gäste von zwei Radexperten vor Ort ausgearbeitet.
Beschilderung
Ebenso wichtig wie die Schaffung eines zusammenhängenden Radwegenetzes ist ihre durchgängige, gut sichtbare und leicht verständlich Ausschilderung durch geeignete Wegweiser. Sie
erleichtert nicht nur dem ortsunkundigen Radfahrer die Orientierung, sondern dient auch seiner
Sicherheit. Überdies stellt eine gute und weithin sichtbare Radroutenbeschilderung eine wirkungsvolle Werbung fürs Radfahren dar.
Bei der Beschilderung ist folgendes zu beachten:
- Die Wegweiser müssen folgende Angaben enthalten:
Richtung: Richtungsangabe durch Pfeile,
Ziel: Ein wiederkehrendes Fernziel und max. zwei Nahziele pro Schild,
Entfernung: Entfernungsangaben in km,
Fahrrad- oder Mountainbikepiktogramm: Durch seinen hohen Erkennungswert muß dieses
Symbol nicht allzu groß ausfallen
Signets, Logos, Routennamen bzw. Routennummern oder auch die Schwierigkeitsstufe der
Strecke dienen nur als zusätzliche Informationen und sollten die Lesbarkeit nicht beeinträchtigen.
- Die Wegweisung kann verschiedene Elemente enthalten. Es gibt Hauptwegweiser, die an
Kreuzungen stehen und alle Informationen enthalten. Um Kosten zu sparen werden entlang
der Route an uneindeutigen Stellen und zur Erinnerung Zwischenwegweiser angebracht, die
nur das Piktogramm, ev. das Logo, die Routennummer und einen Richtungspfeil enthalten.
Übersichtstafeln ergänzen die Wegweisung und geben Auskunft über die Routenführung und
die örtliche Infrastruktur. Sie können an markanten Stellen aufgestellt werden (z.B. am Bahnhof).
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- Für Wege, an denen ein Zusammentreffen von Radfahrern und Wanderern unausweichlich
ist, sollte ein Hinweisschild oder ein Logo entwickelt werden, daß auf gegenseitige Rücksichtnahme hinweist
- Bei der Beschilderung sollte darauf geachtet werden bereits vorhandene Schilder zu überprüfen und ggf. nicht schlüssige Schilder zu entfernen.
- An besonders konfliktträchtigen Stellen mit sehr hohem Fußgängeraufkommen, die aber
eventuell als Verbindungsstück für eine längere Radwegetour benötigt werden, besteht die
Möglichkeit den Weg für Fußgänger (Zeichen 239) auszuschildern mit einem Zusatzschild
"Radfahrer frei". In diesem Fall muß der Radfahrer sich untergeordnet verhalten.
Als Ergänzung zur Beschilderung sollte eine eigene Radwanderkarte und Tourenbeschreibungen herausgegeben werden.
- Neben den nach Schwiergkeitsstufen markierten Strecken müssen auch Einkehrmöglichkeiten, Erlebnispunkte, Fahrradverleih und Reparaturstationen, fahrradfreundliche Hotels und
Gaststätten etc. eingetragen werden.
- Konfliktträchtige Abschnitte müssen gesondert gekennzeichnet werden.
- Auf der Karte sollte ein großer Hinweis auf faires Verhalten hinweisen.
- Bei der Überarbeitung der Wanderkarte sollte die für Radfahrer beschilderten Wege gekennzeichnet sein, so daß sich der Wanderer darauf einstellen kann oder ggf. eine andere
Routen wählen kann.
Mountainbiking
Da die Konfliktpunkte sich vor allem mit Mountainbikern ergeben, soll im Folgenden detailliert
auf dieses Thema eigegangen werden. Eine umfassende Abhandlung zum Thema "Mountainbiking" wurde vom ADFC und dem Bund-NRW 1996 zum Kongreß "Leitbilder eines natur- und
landschaftsverträglichen Sports" vorgelegt. Für die Problematik in Oberstdorf sind vor allem die
Themen Konflikt zwischen Wanderern und Mountainbikern, sowie gesetzliche Maßnahmen und
Öffentlichkeitsarbeit von Bedeutung.
Konflikt zwischen Wanderern und Mountainbikern
Richtig ausgeübt, ist das Mountainbiking eine umweltverträgliche Sportart. Konflikte entstehen
aber mit anderen Sportarten, die den gleichen Naturraum benutzen, nämlich die Wanderer. Eine sinnvolle Lenkung der Mountainbiker ist notwendig, d.h. als Basis muß ein attraktives Routennetz angeboten werden. Dieses Netz muß Touren in unterschiedlicher Länge und mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden in einer landschaftlich reizvollen Kulisse anbieten.
Die meisten Radfahrer lassen sich relativ einfach lenken, indem man ihnen Wege mit guter
Oberfläche, asphaltierte oder gut gepflegte wassergebundene Decken, in ausreichender Breite
anbietet. Eine grundsätzliche Trennung von Wander- und Radwanderverkehr, wie sie bereits
von Wandervereinen gefordert wurde (Arnsberger Entschließung von 1990), würde zunächst
eine weitere Ausweisung von Radwanderwegen zusätzlich zum bestehenden Wanderwegenetz
bedingen und ist damit ökologisch fragwürdig. Zudem hat sich gezeigt, daß Radfahrer und Fußgänger in kleiner Anzahl und niedriger Begegnungsgeschwindigkeit gut miteinander harmonieren. Aus der Sicht der Radfahrer ist absolut unverständlich, warum auf stark frequentierten
städtischen Wegen gemeinsamer Radfahrer- und Fußgängerverkehr nicht nur geduldet, sondern sogar vorgeschrieben wird (die Radfahrer dürfen in diesen Fällen nicht auf die Fahrbahn
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ausweichen), während bei Waldwegen gleicher Breite, aber wesentlich geringerer Frequentierung mit einer Gefährdung argumentiert wird.
Das Kernanliegen muß sein, eine gefahrlose und rücksichtsvolle Begegnung von Mountainbikern und Wanderern zu ermöglichen. Sicherlich wird es immer einige schwarze Schafe
geben (wie beim Radfahren in Fußgängerzonen), doch sollten diese Störfaktoren nicht überbewertet werden. Erster Schritt muß eine Erziehung zur Begegnung sein. Die Lösung liegt nicht in
der Vermeidung der Begegnung, sondern in der Art des Aufeinandertreffens. Einfachste Maßnahme: der Mountainbiker muß sich bemerkbar machen.
Ansatzpunkt für ein positives Miteinander von Mountainbikern und Wanderer ist vor allem eine
gegenseitige Rücksichtnahme:
- angemessenes Annähern von MTBs (die "freundliche" Klingel, Grüßen, Zuruf);
- der Schnellere muß Rücksicht auf den Langsameren nehmen;
- der Langsamere sollte den Schnelleren nicht unnötig behindern.
Wenn Wanderer auf eine gemeinsame Nutzung des Naturraumes eingestellt sind und Radfahrer sich vorsichtig nähern, werden Begegnungskonflikte deutlich entschärft und ein partnerschaftliches Miteinander möglich - wie es bereits jetzt schon in den meisten Fällen stattfindet. Wie in anderen Bereichen, so wird auch hier insbesondere von der Problemgruppe der
Jugendlichen berichtet, die in besonderer Weise angesprochen werden muß.
Durch tendenziöse und einseitige Berichterstattung der Boulevardpresse einerseits und Abwehrreaktionen der Mountainbike-Medien andererseits haben sich die Ausgangspositionen für
einen gemeinsamen Dialog polarisiert. In diesem Klima ist es besonders wichtig, vorrangig keine negative Verbots- sondern eine positive Angebotsplanung zu betreiben. Wichtig hierfür ist
ein frühzeitiger Dialog der betroffenen Interessengruppen auf vielfältigen Ebenen. Optimum
wäre es das Mountainbiking als umwelt- und sozialverträgliche Sportart mit hohem Erlebniswert
zu etablieren.
Eine Kooperation mit den einschlägigen Mountainbike-Medien ist hierbei unbedingt empfehlenswert, da die Wirtschaft offensichtlich der Zielgruppe der Mountainbiker einen höheren Stellenwert beimißt als anderen Radfahrer-Gruppen. Hierfür sprechen zumindest die Anzeigen in
den MTB-Zeitschriften, wo inzwischen branchenfremde Inserenten wie Autofirmen, Sparkassen
sowie Unterhaltungselektronik-Anbieter ihre Produkte bewerben. Um diese Ziele zu erreichen,
sind alle Mittel einer positiv-motivierenden Öffentlichkeitsarbeit einzusetzen (Informationskampagnen, Berichte, Dialoge etc.).
Gesetzliche Maßnahmen
Die bestehenden gesetzlichen Regelungen erscheinen grundsätzlich als ausreichend. Nach
§14 des Bundeswaldgesetzes ist das Fahren im Wald abseits von Wegen verboten. Erholungssuchende haben aufeinander Rücksicht zu nehmen. Sämtliche Waldbesucher sind verpflichtet die Natur nicht zu schädigen. Das Befahren von Wegen, die eine gefahrlose Begegnung von Radfahrern und Wanderern nicht möglich machen (z.B. schmale, unübersichtliche
Wege in Gefällelage ohne Ausweichmöglichkeit) ist abzulehnen. Es ist allerdings sehr schwierig, diese Wege rechtlich zu differenzieren. Hier werden Einzelfallentscheidungen notwendig.
Ein generelles Fahrverbot für Wege unterhalb von 2,00 m Breite, so wie es inzwischen im baden-württembergischen Landeswaldgesetz verankert ist, zeigt sich bei genauerer Analyse kaum
als effektive schadensbegrenzende Maßnahme. Bei einer Argumentation, die sich auf eine Unfallgefährdung bezieht, ist das Gefährdungspotential auf den entsprechenden Wegen entschei-
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dend. Somit ist zu prüfen, auf welchen Wegabschnitten eine besondere Häufung von Konflikten
eingetreten oder noch zu erwarten ist. Dies betrifft zunächst stark frequentierte Wanderwege,
die in weiten Bereichen über zwei Meter breit sind. Aber auch dort sind wirkliche Konflikte nur in
Teilbereichen zu erwarten. Hauptsächlich auf breiten, abschüssigen Wegen können unfallträchtige Situationen entstehen, denn breitere Trassen veranlassen Radfahrer zu schnellerem Fahren und somit zur Gefährdung von Fußgängern. Hingegen ist auf schmalen Wegen zwar eine
Störung, aber eine relativ gefahrlose Begegnung zu erwarten, sofern keine Absturzgefanr besteht (Hanglagen von Wegen in Gebirgsräumen). Unfälle sind bislang nur in sehr geringem Maße eingetreten.
Der bedeutendste Nachteil einer pauschal wegebreitenbezogen Regelung ist, daß wichtige
Verbindungswege entfallen werden. Hingegen sagt die Summe aller zulässigen Wege nichts
über ihre Wegfunktion und ihre touristische Attraktivität aus. Die Ausweisung eines Mountainbike-Weges hat für Wanderer eine Signalfunktion: Hier muß verstärkt mit dem Auftreten von
Mountainbikern gerechnet werden.
Verbote, die sich gegen Mountainbiker richten, sollten gründlich bedacht werden, denn sie werden auch immer alle anderen Radfahrer treffen. Technisch und juristisch kann man ein Mountainbike nicht eindeutig von anderen Fahrradtypen unterscheiden, und somit werden diese Verbote generell fahrradbezogen ausgesprochen werden müssen.
Grundsätzlich muß das Betretungsrecht der freien Natur für Radfahrer erhalten bleiben, so wie
es die meisten Ländergesetze festgeschrieben haben.
Öffentlichkeitsarbeit
Für einen umweltverträglichen Fahrradtourismus wird eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit
von entscheidender Bedeutung sein, die langfristig, breitgefächert und vielschichtig angelegt
werden muß. Es wäre unrealistisch, prägende Inhalte des Mountainbikings umformen zu wollen,
da dies nicht auf die Akzeptanz der Nutzer stoßen würde. Beispielsweise hat es keinen Zweck,
das Wort "Mountainbike“ durch das scheinbar gleichwertige "Bergrad" ersetzen zu wollen. Um
die Problemgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu erreichen, muß man sich
ihrer Sprache bedienen.
Inzwischen hat fast jede betroffene Institution ihre "Goldenen Regeln" veröffentlicht. So wünschenswert und notwendig derartige Regeln sind, muß geprüft werden, ob ein derartiger Verhaltenskodex seine Zielgruppe erreicht. Der geringste Teil der Mountainbiker ist organisiert und
somit über Verbandsorgane auch nicht anzusprechen. Im Einzelfall könnten durch lokale Aktionen Mountainbiker in Naherholungsgebieten der Verdichtungsräume und in Wochenendausflugsgebieten angesprochen werden. Leider ist insbesondere die Risikogruppe, vorwiegend
jugendliche Radler, sehr schwer zu erreichen.
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Fahrradregionalkonferenz
Partner
Im Rahmen der Projektarbeiten und insbesondere der Arbeiten zur Vorbereitung der Fahrradkonferenz arbeitete die ARGE Sanfte Mobilität mit verschiedenen Partnern zusammen.
Arbeitskreis "Mountainbike" in Oberstdorf
Um in das Thema Radverkehr vor Ort möglichst tief einzusteigen, nahmen die Büros FUTOUR
und LANG+BURKHARDT an den Sitzungen des Arbeitskreises "Mountainbike" teil. Dieser Arbeitskreis war von der Gemeinde Oberstdorf bereits ins Leben gerufen worden und beschäftigte
sich mit dem Thema Konflikt zwischen Mountainbikern und Wanderern. In diesen Arbeitskreissitzungen, an denen die Kurverwaltung, das Sportamt, das Ordnungsamt, der Gewerbeverband, Vertreter des Radsports, der Hotel- und Gaststättenverband sowie die Jagd teilnahmen,
wurden das Radwegenetz ausgearbeitet, über die Beschilderung diskutiert, die Fahrradkonferenz vorbereitet, und ein mögliches Fahrradfestival für 1998 untersucht.
Initiative "Fair am Berg"
Parallel dazu konnte sich die ARGE Sanfte Mobilität in einen weiteren Arbeitskreis Mountainbike anschließen, der von der Zeitschrift ALPIN initiert wurde und im Umweltforum Bayern
verankert ist. In einer gemeinsamen Aktion des Bergweltmagazins ALPIN, der Zeitschrift BIKE,
der Bergwacht, des Deutschen Alpenvereins (DAV), des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs
(ADFC), der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMP) sowie mit Unterstützung des Bund Naturschutz, wurde die Initiative "Fair am Berg" gegründet. Die Natursportverbände und Medien
sind sich einig: Das Gegeneinander von Mountainbikern und Wanderen muß der Vergangenheit
angehören. Die Initiatoren wollen für mehr Fairness und Umweltschutz in den Alpen und Mittelgebirgen aktiv werden:
- mit einem "Bergknigge" für Bergwanderer und Mountainbiker.
- mit raumplanerischen Überlegungen zur Koexistenz oder Entflechtung der beiden Gruppen
auf getrennten Wegen,
- mit besser ausgeschilderten Wegen,
- durch Einflußnahme auf Führerliteratur und Medien,
- mit geeigneten Touren für Mountainbiker, "wo es Sinn macht" und natur- und sozialverträglich
ist,
- mit Touren, die das Radfahren und mit Bergsteigen und Klettern verbinden.
Im Rahmen der Initiative "Fair am Berg" wurde, neben dem Bergknigge, auch ein gemeinsames
Logo entwickelt, das auf die Aktion aufmerksam machen soll und auf der Konferenz vorgestellt
wurde. Von der DIMB wurde anlässlich der Fahrradkonferenz ein Leitfaden zur Auswahl und
Beschilderung von Mountainbikestrecken herausgegeben. In Zusammenarbeit mit der Initiative
"Fair am Berg" wurde von der ARGE Sanfte Mobilität ein Vorschlag zur Beschilderung von
Mountainbikerouten erarbeitet. Das Modellschild wurde auf einer ausgewählten Route vorgestellt und anschließend in den Workshops diskutiert. Im Anhang befinden sich die Verhaltensregeln der Initiative Fair am Berg und das Logo sowie Fotos des Modellschilds.
Die Initiative "Fair am Berg“ war ein wichtiger Partner bei den Vorbereitungen zur Fahrradkonferenz. Mit ihr wurde die Beschilderung für die erste Oberstdorfer Moutainbike-Route abgestimmt. Außerdem konnte sie dafür gewonnen werden, ihren Bergknigge und ihr Logo auf der
Konferenz vorzustellen.
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DAV und ADFC als Mitveranstalter
Der DAV und der ADFC konnten als Mitveranstalter für die Fahrradregionalkonferenz „Fair mit
dem Bike am Berg - Lösungen zum Konflikt zwischen Radfahrern und Wanderern“ gewonnen
werden. Die genannten Organisationen unterstützten die ARGE Sanfte Mobilität bei der Ausarbeitung des Tagungsprogrammes, bei der Kontaktherstellung zu der Initiative "Fair am Berg“
und bei der Aussendung der Einladungen zu der Veranstaltung.
Einladungen und Teilnehmer
Die 800 Einladungsbroschüren zur Fahrradkonferenz umfassen jeweils 8 Seiten und wurden
vier Wochen vor Beginn der Veranstaltung von Oberstdorf, dem ADFC und dem DAV verschickt. 200 davon gingen an die diversen Vertreter der Presse. Weiterhin wurden alle Gemeinden im Alpenraum, Bayerische Planungsverbände und Bayerische Tourismusverbände eingeladen. Die Alpenvereinssektionen aus der Umgebung, Vertreter aus Forst, Jagd und Landwirtschaft wurden ebenso angeschrieben wie deutschlandweit Mountainbike Hersteller und andere
Vertreter der Fahrradbranche. Neben den Referenten folgten ca. 50 Personen aus ganz
Deutschland der Einladung. Über die Tagung wurde in der ARD, dem Bayerischen Rundfunk,
der Zeitschrift ALPIN, den Organen des DAV und ADFC sowie in der regionalen Presse berichtet.
Referenten und Inhalte der Fahrradkonferenz
Die Fahrradregionalkonferenz „Fair am Berg mit dem Bike“ fand am 9. und 10. Juni 1997 in
Oberstdorf statt. Der Grundgedanke, der der Konferenz zu Grunde liegt, ist die Lösung des
Konflikts zwischen Mountainbiker und Wanderern, sowie um zukünftig einheitlich beschilderte
Mountainbikerouten.
Am ersten Tag fanden Vorträge von verschiedenen Referenten statt. Die Begrüßung der Teilnehmer erfolgte durch Bürgermeister Geyer aus Oberstdorf, Peter Zimmer von FUTOUR als
Vertreter der ARGE Sanfte Mobilität, Armin Falkenhein, 1. Vorsitzender des ADFC in Bayern
und Herrn Hartinger vom DAV.
Die Referenten auf der Fahrradkonferenz waren:
• Rainer Brinkmeier, Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen,
Referat Freizeit und Tourismus: Die Bedeutung des Fahrrads für eine umweltgerechte und
nachhaltige Entwicklung.
• Dr. Bene Benedikt, Zeitschrift ALPIN: Die Initiative “Fair am Berg“
• Ernst Miglbauer, ÖAR-Regionalberatung: Fair mit dem Bike am Berg
• Wilhelm Rößler, Schwäbischer Alb Verein: Konflikt aus Sicht der Wanderer
• Stefan Kode, Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB) Bewertung des Konfliktes durch
Mountainbiker
• Lothar Wilhelm, Naturfreunde Saarland, Projekt Sanfter Tourismus: Mountainbike und Umwelt: Fair Play Biking. Eine Initiative zu Mountainbike und Umwelt im Saarland
• Thomas Frotzheim, ADFC-Bundesfachausschuß Fahrradtourismus: Lenkungsmaßnahmen
im Bereich Mountainbiking
Das Referentenhonorar von 500,-- DM plus Bahnkarte plus Übernachtung und Verpflegung
wurden genauso wie die Einladung zu der Konferenz als Sachleistungen des EU-Projektes abgegolten.
Fahrradregionalkonferenz Oberstdorf
Fair mit dem Bike am Berg
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EU-Projekt „Sanfte Mobilität“
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" Begrüßung,
Herr
Geyer
(Bürgermeister
Oberstdorf), Peter Zimmer (Arge Sanfte Mobilität,
FUTOUR), Herr Falkenhein (ADFC), Herr Hartinger (DAV)
Lösungen zum Konflikt zwischen Radfahrern
und Wanderern
9. - 10. Juni 1997 in Oberstdorf
" Vorstellung Logo und Knigge „Fair am Berg“, Dr.
Bene Benedikt (Aktion Fair am Berg)
Mountainbiker gegen Wanderer. Und umgekehrt. In
den letzten Jahren mehrten sich die gegenseitigen
Anfeindungen der beiden Natursportgruppen. Die
Modellgemeinde Oberstdorf macht das Thema zum
Schwerpunkt einer Fahrradkonferenz, die im Rahmen
des EU-Projektes organisiert und durchgeführt wird.
Als Mitveranstalter konnten der Allgemeine Deutsche
Fahrrad-Club (ADFC) und der Deutsche Alpenverein
(DAV) gewonnen werden.
" Fair mit dem Bike am Berg, Ernst Miglbauer
(ÖAR)
13.00 bis 15.00 Uhr
" Konflikt aus Sicht der Wanderer, N.N. (DAV)
" Bewertung des Konfliktes durch Mountainbiker,
Herr Huchler (DIMB)
Eine Reihe Fachreferenten wird die Hintergründe des
Konfliktes beleuchten, Lösungen vorstellen und mit
den Teilnehmern diskutieren.
" Fairplay-Aktion im Saarland und Erfahrungen,
Lothar Wilhelm (Naturfreunde Saarland)
Um den Konflikt zu entschärfen, wurde im Rahmen
des EU-Projektes „Sanfte Mobilität in Tourismusorten
und -regionen“ von den Planungsbüros FUTOUR und
Lang+Burkhardt ein Fahrrad- und Mountainbike-Netz
für Oberstdorf entwickelt.
" Lenkungsmaßnahmen,
(ADFC)
Thomas
Froitzheim
" Fahrrad als Beitrag zur Sanften Mobilität in Tourismusorten und -regionen, N.N., Vertreter des
Umweltministeriums
Im Rahmen der Konferenz wird weiterhin die Aktion
„Fair am Berg“ des Bergweltmagazins ALPIN, der
Zeitschrift BIKE, der Bergwacht, des Deutschen Alpenverein (DAV), der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB) und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) vorgestellt.
15.00 bis 15.30 Uhr: Pressekonferenz
16.00 bis 18.00 Uhr: Geführte Mountainbike-Tour auf
modellhaft beschilderter Route, alternativ
Wanderung.
20.30 bis 21.30: Diashow „Transalp“, Herr Stanciu,
Herausgeber Bike- Magazin
Interessierte
Gemeinden,
Tourismusverbände,
Fachmedien und Pressevertreter, die Fahrradbranche
einschließlich der Mountainbikehersteller, sowie Planungsverbände und Vertreter aus den Bereichen
Jagd, Forst- und Landwirtschaft sind eingeladen, im
Rahmen der Konferenz über Lösungen zu diskutieren.
Dienstag, 10. Juni 1997
9.00 bis 12.00 Uhr: Arbeit in Workshops
" Konfliktlösung im Rahmen der Raumplanung,
Thomas Froitzheim (ADFC)
" Konfliktlösung aus Sicht der Psychologie, Dr.
Werner Müller (ADFC)
Veranstalter:
Oberstdorf/ARGE Sanfte Mobilität/ADFC
" Behandlung des Themas in den Medien, Dr. Bene
Benedikt (Zeitschrift ALPIN)
" Allgemeines zur Sanften Mobilität mit dem Fahrrad, Armin Falkenhein (ADFC)
FUTOUR,
Umwelt- Tourismus- und Regionalberatung GmbH
& Co.KG, München, Frau Eckert,
Fax: 089/ 544091-19, Tel: 089/544091-0
13.00 bis 14.30 Uhr: Präsentation der Ergebnisse der
Workshops und Abschlußreferat, Armin Falkenhain (ADFC)
Das Tagungsprogramm
Montag, 9. Juni 1997
10.00 bis 11.45 Uhr
ARGE „Sanfte Mobilität“
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Ergebnisse der Arbeitskreise
Am zweiten Tag wurden zwei Workshops gebildet.
a) Der erste Arbeitskreis hatte das Thema „Konfliktlösung im Rahmen der Raumplanung“ und
wurde von Thomas Froitzheim und Armin Falkenhein (beide ADFC) geleitet.
Die Ergebnisse:
• Integration der MTB-Wegweisung in die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA’95)
und Bildung einer entsprechenden Arbeitsgemeinschaft. Dafür wurde bereits ein nächstes
Treffen vereinbart.
• Leitlinien für eine MTB-Wegweisung wurden schon in groben Zügen festgelegt.
Dabei soll eine MTB-Wegweisung folgende Elemente beinhalten:
+ Übersichtstafeln an zentralen Ausgangspunkten
+ Haupt- und Zwischenwegweiser
+ Ziel- und Entfernungsangaben
+ Numerierung der Routen
+ Angabe der Schwierigkeitsgrade
+ Piktogramm
• Herausgabe einer Karte zusätzlich zur Beschilderung (Maßstab 1: 50 000) und Tourenbeschreibungen.
• Markierung von Konfliktbereichen mit Wanderern.
b) Der zweite Arbeitskreis widmete sich den Thema „Konfliktlösung aus Sicht der Psychologie
und Rolle der Medien“ und wurde von Dr. Bene Benedikt (Zeitschrift Alpin) und Werner Müller
(ADFC) geleitet:
Die Ergebnisse:
• „Bergknigge“ der Initiative „fair am Berg“ soll verbreitet werden über Tourist-Informationen,
Unterkünfte, Rad- und Wanderkarten, Zeitschriften und über die Outdoor-Industrie (Rucksackhersteller als gemeinsamer Schnittpunkt). Auf der Outdoor-Messe werden nochmals
mögliche Sponsoren angesprochen.
• Überarbeitung des Logos der Kampagne, da Schriftzug, Gestaltung und Farbwahl unklar
sind. Das Logo muß von Weitem erkennbar sein.
• Einbeziehung der Mittelgebirgsregionen und der Wandervereine in die Kampagne. Bisher zu
starke Konzentration auf die Alpen.
• Der Bodenbelag soll als wichtiges Kriterium für Kategorisierung von Mountainbike-Routen
beachtet werden.
• Verbreitung der Kampagne über eine konzertierte Aktion.
• Radtourenführer (Bike-guides) sollen zukünftig einheitlich ausgebildet und zertifiziert werden.
Geführte Mountainbiketour
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Für die Konferenz wurde eine Mountainbiketour ausgewählt, die modellhaft beschildert werden
soll (Vgl. Karten "Modellhaft beschilderte Mountainbikeroute" und "Beschilderungskonzept
Oberstdorf - Modellweg"). Folgende Strecke wurde ausgewählt:
Vom Kurhaus über die Prinzenstraße - Lorettostraße - Scheibenstraße - Burgstallsteig - Hangstraße Christlessee - Truppersoy - Spielmannsau nach Oberau. Von dort zurück über Spielmannsau - Truppersoy - Dammweg - Gottenrieder Brücke - Dietersberg - Gruben - Mühlenbrükke - Kurhaus.
Alternativ wurde für die gleichzeitig stattfindende Kurzwanderung folgende Strecke vorgeschlagen:
Kurhaus - Loretto - Moorweiher - Golfplatz - Dietersberg - Gruben - Mühlenbrücke - Kurhaus.
Konzeption Fahradfestival
Ziele
Im Bereich Marketing soll in Oberstdorf im Jahr 1998 ein Radfestival durchgeführt werden. Dabei sollen auch Inlineskater und andere „motorlose“ Fortbewegungsmittel berücksichtigt werden.
Oberstdorf als "Modellort für eine zukunftsfähige Mobilität“ wird besonders herausgestellt. Die
Vorteile einer solchen Aktionswoche:
• Mehr Aufmerksamkeit für das autofreie Oberstdorf.
• Überregionale Werbung für das Fahrraddorf Oberstdorf.
• Einbezug aller touristischen Leistungsträger (von Hotels über Fahrradvermieter hin zu den
Seilbahnen) und damit Bündelung der Kräfte.
• Einbezug aller Fortbewegungsmittel (Rad, Mountainbike, Roller, Inline-Skates).
• Belebung der Nebensaison.
In Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Moutainbike und Tanja Hofele, einer Diplomandin der
Fachhochschule Ravensburg wurde ein Konzept für das Radfestival erarbeitet.
Termin
Das Festival, so wie es jetzt konzipiert ist, soll vier Tage dauern. Gedacht wird an ein verlängertes Wochenende von Donnerstag bis Sonntag. Der Zeitraum, in dem das Festival stattfinden soll, wurde vom Arbeitskreis Mountainbike eingegrenzt auf die Woche nach Ostern bis eine
Woche vor Pfingsten. Es würden sich im Mai mehrere Termine anbieten, wie zum Beispiel das
lange Wochenende um den 1. Mai oder an Christi Himmelfahrt.
Ein Termin vor Ostern ist ungünstig, da das Wetter noch zu kalt ist und eventuell noch Schnee
liegt. Nach Pfingsten wird die Durchführung schwierig, da in Oberstdorf sehr viele andere Aktivitäten stattfinden, wie zum Beispiel die Löwenzahnwochen, der Musiksommer oder verschiedene Dorffeste, so daß es zu Terminüberschneidungen kommen würde.
Es ist aber auch problemlos möglich, das Festival um einen Tag zu verlängern oder zu verkürzen.
Festivalgelände
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Process Report - Abschlußbericht
Als geeignetes Festivalgelände wurde von Tanja Hofele und von Herrn Gall (Sachbearbeiter
Sportorganisation), bei einer Ortsbesichtigung am 17.4.1997, der Platz rund um die Eissporthallen angesehen. Der Platz ist von der Ortsmitte problemlos zu Fuß zu erreichen und auch die
Elektrobuslinie hält zweimal ganz in der Nähe (einmal direkt vor dem Parkplatz der Nebelhornbahn). Trotzdem liegt das Gelände weit genug außerhalb, so daß für die ansässige Bevölkerung und die Gäste im Ort selbst keine oder nur eine geringe Lärmbelästigung zu erwarten ist.
Das Festivalgelände dehnt sich über mehrere Örtlichkeiten aus, die alle nahe beieinander liegen. Ein Teil der Veranstaltungen findet in den Eissporthallen statt, das Rahmenprogramm läuft
auf dem Platz vor dem Eissportzentrum, auf dem Parkplatz der Nebelhornbahn und der OybeleFesthalle ab und ein dritter Teil des Programms findet im Schattenberg- Skistadion statt.
Das Eisstadion, das während den Sommermonaten abgetaut ist, eignet sich hervorragend als
Ausstellungsbereich. Das gesamte Eisstadion, mit 9.000 qm, unterteilt sich in drei verschieden
große Hallen. Die größte Halle, die Halle 1, soll zu einer Aktionshalle ausgebaut werden, in den
Hallen 2 und 3 findet die Ausstellung über sanfte Fortbewegungsmittel statt.
Das Rahmenprogramm wird die gesamte Veranstaltung abrunden. Die Programmpunkte sind
für Mountainbiker sowie für andere Gäste aller Altersstufen gedacht. Das Rahmenprogramm
erstreckt sich von dem Platz vor der Eissporthalle bis hin zum Parkplatz der Nebelhornbahn AG.
Das Rahmenprogramm verteilt sich über die kompletten vier Tage, so daß jeden Tag mehrere
Highlights stattfinden.
Um das ganze Programm noch abzurunden, finden im Schattenberg Skistadion auch noch
weitere Wettbewerbe statt. Die Skiflugschanzen befinden sich ca. 500 Meter vom Eissportzentrum entfernt, und sind somit für die Festivalbesucher problemlos zu Fuß zu erreichen.
Festivalpakete
Im Festival enthalten ist der freie Messeeintritt für die vier Tage, eine geführte Mountainbike
Tour, das Spätzleessen am Samstagabend, freier Eintritt in die Disco sowie eine Biker Bowle.
Es ergibt sich ein Preis von ca. 50,-- bis 60,-- DM. Die Buchung erfolgt per Scheck beim Verkehrsamt. Auch die Reservierung der Zimmer erfolgt über die Kurverwaltung.
Durchführung
Um das Festival durchführen zu können, muß auf jeden Fall ein Sponsor oder mehrere Sponsoren gefunden werden. Die Durchführung kann entweder bei der Gemeinde oder bei einer privaten GmbH liegen. Das Konzept muß im Gemeinderat abgestimmt werden. Für die Umsetzung
benötigt die Gemeinde ein Jahr Vorlaufzeit, wobei zwei Monate für eine intensive Sponsorensuche kalkuliert werden müssen.
Festivalfahrplan
Um die Fülle von Aktivitäten besser überblicken zu können, gibt es einen Festivalfahrplan. Bei
den folgenden Programmpunkten handelt es sich um einen Vorschlag. Die einzelnen Programmpunkte können jederzeit variiert und auf die Wünsche der Gemeinde, der Veranstalter
oder der Sponsoren abgestimmt werden.
Begleitende ganztägige Veranstaltungen:
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Fahrrad Messe, Kinderbetreuung in der Kinderecke mit Spielstraße, Kletterwand, Testbikes von den Herstellern, Inline- skates Test in der Funbox, Festzelt, Powerbar, Skipilz, Teststraße der Krankenkasse,
ADAC Geschicklichkeitsfahren für Kinder, ausgeschilderte Touren für individuelle Mountainbiker
1. Tag:
9.00 Uhr:
offizielle Eröffnung des Festivals durch den Bürgermeister
11.00 Uhr:
erste geführte Mountainbike Tour
11.30 Uhr:
Dual- Slalom Wettbewerb für Inline- Skater in der Aktionshalle
anschließend:
Trial Fahrer in der Funbox, der eine Stuntshow zeigt
14.00 Uhr:
Dual- Slalom Wettbewerb für Mountainbiker
16.00 Uhr:
Gleitschirm Zielspringen der Oase Gleitschirmschule
Im Anschluß besteht für Festivalbesucher die Möglichkeit, sich für einen Tandemsprung anzumelden
ab 16.00 Uhr:
happy hour in der Skibar mit Biker Bowle
16.30 Uhr:
Siegerehrung für Dual- Slalom Wettbewerbe für Inline- Skater und Mountainbiker
20.00 Uhr:
Diavortrag im Kurmittelhaus mit anschließender Diskussionsrunde
2. Tag:
10.00 Uhr:
Mountainbike Weitsprung im Schattenberg Skistadion
11.30 Uhr:
Hilly- up Wettbewerb im Schattenberg Skistadion
13.00 Uhr:
Siegerehrung im Schattenberg Skistadion für Mountainbike Weitsprung und Hilly- up
Wettbewerb
ab 13.30 Uhr:
Rollerblade Hockey Turnier
15.00 Uhr:
Trialseminar auf dem Parkplatz der Nebelhornbahn
ab 16.00 Uhr:
happy hour in der Skibar mit Biker Bowle
ab 20.00 Uhr:
Discoabend in der Oybele- Festhalle
3. Tag:
10.00 Uhr:
Start des 1. Freibergsee- Cup
13.30 Uhr:
Wasserbike Rennen im Freibergsee
ab 16.00 Uhr:
happy hour in der Skibar mit Biker Bowle
16.30 Uhr:
Bunny hop- Wettbewerb vor den Eissporthallen
ab 17.30 Uhr:
Spätzle esssen im Festzelt mit Siegerehrung des Freibergsee-Cups
ab 20.30 Uhr:
Live Band in der Oybele- Festhalle
4. Tag:
ab 10.00 Uhr:
internationales Down hill Rennen
12.00 Uhr:
Dual- Slalom Wettbewerb für Inline- Skater in der Aktionshalle
anschließend: Trial Fahrer in der Funbox, der eine Stuntshow zeigt
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14.00 Uhr:
Trial Seminar auf dem Parkplatz der Nebelhornbahn
15.00 Uhr:
Bunny hop- Wettbewerb vor den Eissporthallen
ab 16.00 Uhr:
happy hour in der Skibar mit Biker Bowle
16.30 Uhr:
Siegerehrung des internationalen down hill Rennens
20.00 Uhr:
Diavortrag im Kurmittelhaus mit anschließender Diskussionsrunde
Zusammenfassung/Erfahrungen
Die Zielsetzung in der Marktgemeinde Oberstdorf ist die Förderung des Fahrradtourismus.
Oberstdorf möchte sich noch mehr als "Radldorf" profilieren und nahm ein aktuelles Problem den Konflikt zwischen Wanderern und Radfahrern, speziell Mountainbikern - zum Anlaß das
Radfahren zum Thema zu machen. Die Aufgabenstellung war in erster Linie Lösungen und
Lenkungsmaßnahmen zu erarbeiten, die zur Konfliktlösung beitragen. Das Lösungskonzept
enthält zwei Ansatzpunkte.
Aus verkehrlicher Sicht sollte der Konflikt durch die Ausarbeitung eines Radwegenetzes und
eines Beschilderungsvorschlages gelöst werden. Es wurde ein Radwegenetz mit verschiedenen
Schwierigkeitsstufen erarbeitet. Die vorgeschlagenen Touren des Radwegenetzes kamen durch
eigenes Abradeln vor Ort bestimmter Teilstrecken, Auswerten vorhandenen Kartenmaterials
und Tourenvorschlägen, Expertengesprächen, Stellungnahmen befragter Fachstellen, Überprüfung der wegerechtlichen Verhältnisse und letztendlich durch Abstimmungsgespräche mit
dem Arbeitskreis Mountainbike der Gemeinde Oberstdorf zustande. Als problematisch bei der
Ausweisung des Radwegenetzes erwiesen sich dabei die wegerechtlichen Verhältnisse, die vor
allem bei grenzüberschreitenden Radwegen nach Österreich noch geklärt werden müssen.
Der zweite wichtige Ansatzpunkt bestand darin den Konflikt durch Aufklärungsarbeit zu lösen.
Zu diesem Zweck wurde eine Fahrradregionalkonferenz mit dem Thema "Fair mit dem Bike am
Berg" in Oberstdorf organisiert. Um in das Thema Radverkehr vor Ort möglichst tief einzusteigen, integrierte sich die ARGE Sanfte Mobilität in den Arbeitskreis "Mountainbike". Dieser Arbeitskreis war von der Gemeinde Oberstdorf bereits ins Leben gerufen worden und beschäftigte
sich mit dem Thema Konflikt zwischen Mountainbikern und Wanderern. In diesen Arbeitskreissitzungen an denen die Kurverwaltung, das Sportamt, das Ordnungsamt, der Gewerbeverband, Vertreter des Radsports, der Hotel- und Gaststättenverband sowie die Jagd teilnahmen,
wurden das Radwegenetz ausgearbeitet, über die Beschilderung diskutiert und die Fahrradkonferenz vorbereitet.
Parallel dazu konnte sich die ARGE Sanfte Mobilität in einen weiteren Arbeitskreis Mountainbike anschließen, der von der Zeitschrift ALPIN initiert wurde und im Umweltforum Bayern
verankert ist. In einer gemeinsamen Aktion des Bergweltmagazins ALPIN, der Zeitschrift BIKE,
der Bergwacht, des Deutschen Alpenvereins (DAV), des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs
(ADFC), der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB) sowie mit Unterstützung des Bund Naturschutz, wurde die Initiative "Fair am Berg" gegründet.
Innerhalb dieser beiden Arbeitskreise wurde von der ARGE Sanfte Mobilität zusammen mit dem
ADFC und dem DAV die Fahrradregionalkonferenz in Oberstdorf in die Wege geleitet mit dem
Thema "Fair mit dem Bike am Berg" - Lösungen zum Konflikt zwischen Radfahrern und Wanderern. Als Ergebnis bildeten sich verschiedenen Arbeitskreise, die auch in Zukunft an diesem
Thema weiterarbeiten wollen (z.B. Integration der MTB-Wegweisung in die Empfehlungen für
Radverkehrsanlagen (ERA’95))
In Planung befindet sich für nächstes Jahr ein Fahrradfestival in Oberstdorf.
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Anhang Oberstdorf
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7.
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Ergebnisbericht Partnerregion Hochpustertal
Bearbeitung: Helmuth Pörnbacher (Ökoinstitut Südtirol, apollis)
Ausgangssituation
Das Südtiroler Hochpustertal umfaßt 5 Gemeinden mit ca. 9.000 Einwohnern und ca. 1,5 Mio
Nächtigungen.
Zweisaisonal, Ski Alpin und eines der bedeutendsten Langlaufzentren Italiens, landschaftliche
Unterschutzstellung großer Flächen, zwei Naturparks (Sextner Dolomiten und Sennes-Prags),
Hochpustertal als Bindeglied zwischen Osttirol, dem restlichen Südtirol, dem strukturschwachen
Val Comelico und dem überreizten Cortina d´Ampezzo. Die touristische Infrastruktur umfaßt
insgesamt 30 Aufstiegsanlagen, etliche Freizeiteinrichtungen und kulturelle Veranstaltungen,
wofür 2 Kongreß- und Veranstaltungshäuser und Museen zur Verfügung stehen.
Die Voraussetzungen für die Abwicklung eines Großteils der touristischen Bewegungen in der
Region durch Mittel des ÖPNV bzw. spezieller touristischer Verkehrsmittel sind günstig. Es gibt
eine guten Anbindung an das internationale Schienennetz in zwei Richtungen (Brennerbahn,
Österreichische Südbahn), die Gleiskörper sind in einem guten Zustand und das Bahnhofsgebäude ist architektonischen und historisch wertvoll.
Das Angebot an öffentlichen Verkehrseinrichtungen ist, gemessen am Verkehrsmittel- bzw.
Personalaufwand nicht gering, die Akzeptanz aufgrund eines schlechten Management in den
verschiedenen Bereichen allerdings schlecht. Insbesondere der Sommertourismus ist mit den
bestehenden, großflächigen Schutzgebieten eindeutig auf einen Tourismus mit Material- und
Energieaufwand ausgerichtet, bei dem die Bewältigung der Verkehrsprobleme eine zentrale
Rolle spielen muß. Was heute fehlt, ist eine koordinierte und umfassende Verkehrspolitik mit
den öffentlichen Verkehrsmittel als zentralen Träger.
Die Bewältigung der Verkehrsproblematik wird immer mehr zum entscheidenden Qualitätsmerkmal von Tourismusorten, gleichzeitig auch zum entscheidenden Faktor für die Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung.Der Tourismusverband Hochpustertal hat sich zum Ziel
gesetzt, eine Verbesserung der Verkehrssituation durch einschneidende Erweiterungen des
Angebotes an öffentlichen Verkehrsmitteln herbeizuführen. Ausgehend von einer schrittweisen
Potentierung des Skibusdienstes sollen auch im Sommer touristische Sonderdienste einen
Großteil der Verkehrsbelastung durch den Fremdenverkehr abfangen.
Abschließend kann gesagt werden, daß mit koordinierten Maßnahmen auf der Basis der jetzigen Struktur ein echter Qualitätssprung für den Personennahverkehr in der Region möglich wäre.
Als Basis zur Verbesserung der Situation und Entwicklung zukunftsorientierter Mobilitätsangebote, wurde das Ökoinstitut in Kooperation mit Apollis (Institut für Sozialforschung und Demoskopie) vom Tourismusverband Hochpustertal mit einer Studie über das Mobilitätsverhalten der
Gäste beauftragt.
Auf Basis der Studie wurde ein Konzept für ein Skibussystem Hochpustertal entwickelt. Die Ergebnisse wurden in der Region in mehreren Arbeitssitzungen diskutiert.
Die Ergebnisse dieser Studie haben den Tourismusverband Hochpustertal zu folgenden strategischen Zielen und Maßnahmen geführt:
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Hochpustertal - Urlaub vom Auto
ZIELE DES PROJEKTES
Das Hochpustertal sieht sich wie viele vergleichbare Regionen im Alpenraum auf einem touristischen Markt, der sich verschärft. Neben strukturellen Problemen der Beherbergungsbetriebe
kann dafür ganz allgemein die Differenzierung der Kundenwünsche genannt werden, welche
von den Anbietern eine entsprechende Vernbesserung des Angebotes verlangt. Die letzten
Jahre konnten im Hochpustertal aufgrund eines günstigen Wechselkurses der Lira und eines
entsprechenden Marktvorteils ohne große Einbußen bewältigt werden, starke Rückgänge in
vergleichbaren Regionen Österreichs haben allerdings gezeigt, daß vermehrte Anstrengungen
notwendig sind, um sich am Markt zu halten.
Eine der Profilierungslinien, die sich für eine montan bis alpine Region wie das Hochpustertal
anbietet, wäre eine Linie, die man gerne mit dem Begriff "Sanfter Tourismus" benennt. Was
dieser sanfte Tourismus sei oder ob er nicht gar ein Widerspruch in sich ist, kann zu diesem
Zeitpunkt wohl niemand beurteilen. Schließlich handelt es sich um einen Prozeß, dessen Ergebnis noch unbekannt ist. Die Rahmenbedingungen allerdings sind klar: Nachhaltigkeit auch
im Tourismus, also sparsamer Umgang mit Ressourcen und Energie, soziale Stabilität, eigenständige kulturelle Entwicklung, langfristige Einkommenssicherung für die einheimische Bevölkerung. Wie sich diese Rahmenbedingungen allerdings im konkreten touristischen Angebot
niederzuschlagen hat, dafür gibt es derzeit viele Versuche in verschiedensten Regionen, ein
Regelbuch dafür kann allerdings nicht angeboten werden. Und ob das Hochpustertal überhaupt
diesen Weg einschlagen will, hängt von einem Meinungsbildungsprozeß ab, der schwierig und
langwierig ist. Am ehesten sind sich die touristischen Akteure im Verkehrsbereich einig: der
motorisierte Verkehr ist mit seinen negativen Auswirkungen inzwischen nicht nur zu einem Hindernis für sanftere Tuorismusformen geworden, sondern hat manchenorts auch zu einer ernsten Minderung der Angebotsqualität geführt. Ob sanfter Tourismus oder nicht: der Verkehr in
Tourismusgebieten braucht Lösungen.
Dies ist der Ausgangspunkt, auf dem der Tourismusverband Hochpustertal ansetzt: auf dem
Hintergrund einer touristischen Profilierung durch Qualitätsverbesserung über sanfte Tourismuselemente wird vorerst versucht, die Verkehrsproblematik in der Region deutlich zu entschärfen.
Dies soll in zwei Stufen erfolgen: zuerst soll des Angebot vor Ort verbessert werden. Dabei unterscheidet sich die Situation im Sommer und Winter grundsätzlich. In einem zweiten Schritt soll
dann die Anreiselogistik Ziel der Bemühungen werden40.
DER BERATUNGSANSATZ
Der Tourismusverband Hochpustertal hat für die Verbesserung der beschriebenen Verkehrssituation eine Beratungsform gewählt, welche es vielleicht wert ist, kurz erwähnt zu werden. Es ist
eine Form, die die beratende Instanz, in diesem Fall das Ökoinstitut Südtirol/Alto Adige, vor die
Aufgabe stellt, eine ganze Palette von Rollen abzudecken. Auf technischer Ebene fallen Fahrplangestaltung und Linienführung, Haltestellenplanung und Leitsystem für den Kunden, Erarbeitung eines Corporate Design sowie der Informationsmaterialien in den Aufgabenbereich.
Einen eigenen Bereich bildet die empirische Forschung, etwa durch Quell-Ziel-Untersuchungen
oder Fahrgastzählungen. Schließlich sind auch beim Marketing kurzfristig Antworten gefragt,
etwa beim Design und Verkauf einer Gästekarte (siehe unten). Die Beratungsarbeit bleibt allerdings bei diesen technischen Fragen nicht stehen. Die Finanzierung öffentlicher Dienste erweist
40
Das Pustertal liegt an der Eisenbahnlinie (Innsbruck) - Franzensfeste - Lienz - (Villach).
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sich erfahrungsgemäß schwierig, sodaß es hier neben Konsulenzen bezüglich eines Finanzierungsmodelles oft auch darum geht, gemeinsam mit dem Auftraggeber die Inhalte des Projektes vor politischen Entscheidungsträgern zu vertreten, etwa in Sitzungen mit lokalen Arbeitsgruppen oder auf höherer Verwaltungsebene. Diese Form der Beratung birgt mehrere Gefahren: der Hauptgrund dafür, daß nicht jeder der oben genannten Schritte getrennt und von Spezialisten ausgeführt wird, ist Zeit- und Geldmangel. Dies bedeutet aber auch, daß die Ergebnisse nicht auf jenem Niveau liegen können, welches ein Spezialist für seinen Sektor liefern würde.
Damit gibt sich der Berater aber auch Angriffsflächen, die sehr oft in der politischen Auseinandersetzung auch genutzt werden. Das zweite Problem, welches sich bei der vorliegenden Arbeit
ergeben hat, ist die Vermischung der Rolle der Berater mit jener der Auftraggeber. Durch eine
kontinuierliche Beratung über einen längeren Zeitraum und über mehrere Themenbereiche hinweg ist die Versuchung oft groß, den objektiven Beraterstatus zu wahren und sich nicht in Streit
um Detailfragen verwickeln zu lassen.
Vorteil dieser Beratungsform ist die Geschwindigkeit, mit der bestimmte Punkte umgesetzt werden können. Dadurch gelingt es, bestimmte Fragestellungen schnell zu lösen. Bei einer so extrem umsetzungsorientierten Arbeit, wie sie hier vorliegt, ist dabei die Erzuelung sichtbarer Ergebnisse extrem wichtig: für Fahrplantafeln muß ein gut präsentierbarer Prototyp vorgestellt
werden, für die Gestaltung einer Haltestelle ist eine Skizze auf Overheadfolie vorbereitet, für
einen Infofolder gibt es bereits einen Farbandruck. So können politische Entscheidungsprozesse beschleunigt werden. Ganz allgemein ist man im Ökoinstitut der Meinung, daß diese Form
der stark umsetzungsorientierten Arbeit jene Form ist, die dem Anspruch einer "alternativen
Wissenschaft" am ehesten gerecht wird, auch wenn vielleicht der Wissenschaftlichkeit im Sinne
einer umfassenden Aufarbeitung der jeweiligen Fragestellung oft nicht Genüge getan werden
kann.
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MASSNAHMEN: QUALITÄTSVERBESSERUNG UND MOTIVATION
Qualitätstourismus im Hochpustertal
Sanfter Tourismus: Weniger Ressourcen- und Energieverbrauch, langfristige Einkommenssicherung, eigenständige kulturelle Entwicklung
#
#
Meinungsbildungsprozeß, Leitbildentwicklung
#
Technische Beratung: "Urlaub vom
Auto"
(Hardware)
#
Winter 1996/97:
Einheit: Evaluation und Weiterentwicklung des Skibusdienstes
mit Busfahrern und Bediensteten
der Aufstiegsanlagen
Bedarfsanalyse
Corporate design + Vermarktung
Linienführung und Farbleitsystem
Haltestellengestaltung
Vertaktung und Verdichtung
Informationsmaterialien
#
Sommer 1997
Gästekarte
Einheit: Entwicklung der Gästekarte
Steuerungsinstrument durch Inhalte
Steuerung durch Instanz mit Geldmittel
Mittel der Meinungsbildung für die
Tourismustreibenden
#
#
#
Skibusdienst
#
Motivation und Schulung:
"Qualität im Tourismus"
(Software)
Einheit: Marketing und Verkauf der
Gästekarte
Angebot ÖPNV
Einheit: ÖPNV in der Region
Vertaktung
Linienführung
Räumliche Erweiterung
Information
Einheit: Qualität in der Dienstleistung
#
Winter 1997
Neues Finanzierungsmodell für den
Skibus
Einheit: Leitbildentwicklung für
das Hochpustertal
Verbesserung des Skibusdienstes (Rollmaterial, Haltestellengestaltung, Skiunterbringung
in Bus und an Aufstiegsanlagen)
#
#
Sommer 1998
Flexible Dienste?
Einheit: Fahrplansoftware
Anreiselogistik?
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DAS SKIBUSSYSTEM
Der Skibusdienst ist im Hochpustertal eine Einrichtung, welche historisch gewachsen ist, aber
wie vielerorts bei ÖPNV-Angeboten nicht immer den Kunden im Auge hatte. Aus diesem Grunde wurden mit dem Dienst im Winter 1996/97 vor allem Änderungen vorgenommen, welche die
Kundenfreundlichkeit des Angebotes verbessert haben. Es sind dies:
•
Entwicklung eines Slogans und einer Werbelinie für den umweltverträglichen Verkehr in der
Region
•
Einführung einer eindeutigen Linienführung in Kombination mit einem Nummern- und Farbleitsystem
•
Vertaktung der Fahrpläne
•
Verlegung der Haltestellen direkt vor die Aufstiegsanlagen, um den Benutzern eine bevorzugte Stellung einzuräumen
•
Herstellung neuer Haltestellen-Informationstafels mit Linienverlauf und zielorientierter Fahrplandarstellung
•
Herstellung von Informationsmaterialien: Taschenfahrplänen für die Gäste, zielorientierte
Fahrpläne für die Hotelbetriebe, Werbeplakate.
Das Tarifsystem, welches in Südtirol vielerorts angewendet wird, sieht für den Gast eine kostenlose Benutzung vor. Die Aufteilung der Kosten des Dienstes wird in jeder Region getrennt
gelöst, neben einem Beitrag der Landesverwaltung sind es aber vor allem Gemeinden und Aufstiegsanlagen, welche die Kosten zu tragen haben. Dieses Finanzierungsmodell wird im Winter
1997/98 vom Gästekartenmodell, wie es im Sommer 1997 erstmals zur Anwendung kommt
(siehe unten), abgelöst; damit wird zumindest ein Teil der Kosten auf die Gäste abgewälzt werden.
Neben den technischen Verbesserungen wurde in Laufe der Saison eine relativ ausführliche
Fahrgastzählung durchgeführt, welche es erlaubt, die Fahrplan- und Haltestellengestaltung für
den Winter 1997 aufgrund der Erfahrungswerte zu verbessern.
ÖPNV-ANGEBOT IM SOMMER
So wie das Skibusangebot muß es auch für den ÖPNV im Sommer das Ziel sein, ein systematisches und kundenfreundliches Angebot zu entwerfen. Für dieses Vorhaben bietet sich die
Sommersaison 1997 gut an, weil ab dem Sommerfahrplan die Bahnlinie durch das Pustertal
vertaktet wurde. Ohne hier auf Details der Arbeit einzugehen, kann gesagt werden, daß die
Buslinien an diesen Takt angeschlossen wurden, daß aber die Buslinien der zwei Haupttäler
des Hochpustertales (Sexten und Prags) auch direkt zusammengeschlossen wurden, um möglichst wenig Umsteigevorgänge notwendig zu machen.
DIE GÄSTEKARTE HOCHPUSTERTAL
Der Tourismusverband als Hauptakteur für die Konzeption und Umsetzung von Maßnahmen,
welche sanfte Tourismusformen fördern, hat institutionell eigentlich nicht diese Aufgabe. In erster Linie ist der Tourismusverband ein Werbezusammenschluß von fünf örtlichen Tourismusvereinen. Für Aktivitäten, welche über diesen Bereich hinausgehen, fehlt Personal und Mittel.
Aus diesem Grund wurde bereits von Beginn dieses Projektes daran gedacht, über den Verkauf
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einer Gästekarte zumindest einen Teil der Kosten hereinzuspielen. Mit dem Sommer 1997 wird
nun diese Karte zum ersten Mal verkauft.
Die Gästekarte Hochpustertal ist ein Steuerungsinstrument für einen sanften Tourismus in der
Region. Als Steuerungsinstrument wirkt sie dabei in mehrerlei Hinsicht. Einmal vermarktet die
Karte Dienstleistungen, welche Elemente eines sanften Tourismus in der Region darstellen. Sie
wirkt damit auf den Markt. Zum anderen aber werden die Tourismustreibenden, aber auch andere Personen der Region, mit der Karte konfrontiert, sei es auch nur, um sie ordnungsgemäß
zu verkaufen; damit werden sie aber auch mit den Inhalten der Karte konfrontiert. Die Gästekarte Hochpustertal wirkt damit auch auf die Anbieter. Sie setzt sich mit dieser Zielsetzung klar
von ähnlich gelagerten Initiativen ab (etwa die Kärnten-Card), welche in erster Linie ein Verkaufsinstrument sind. Die Gästekarte Hochpustertal soll nicht undifferenziert das vorhandene
Angebot des Hochpustertales bündeln und lancieren, sondern soll selektiv sanfte Formen des
Tourismus fördern. Mit der Definition alleine ist es nicht getan. Die Inhalte und die Funktionsweise der Gästekarte Hochpustertal müssen im Einklang stehen mit den genannten Zielen. Dies
kann durchaus kurzfristig im Widerspruch stehen zu Initiativen, welche im Sinne eines "all inclosed-Angebotes" relativ undifferenzierte Leistungen in eine solche Karte packen würden. Die
Gästekarte Hochpustertal soll sich hingegen genau durch ihre Inhalte abheben: sie soll eine
Karte mit Profil sein, und zwar mit dem Profil eines sanfteren Tourismus, wo eine umweltverträglicher Form der Mobilität im Mittelpunkt steht. Dieses Profil kann sich erst längerfristig herausbilden, weil die Inhalte, welche das Hochpustertal als ein Urlaubsziel für den umweltbewußten Gast profilieren, zum Teil erst entwickelt werden müssen. Die Entwicklung der Gästekarte Hochpustertal stellt damit gleichzeitig ein (Teil-) Ziel dar, ist aber auch ein Prozess, bei
dem die Inhalte der Karte zu entwickeln sind. Die Gästekarte Hochpustertal ist damit mehr als
ein Vekaufsinstrument: es ist ein (Hilfs) Instrument für die Entwicklung eines touristischen Leitbildes.
Die Gästekarte Hochpustertal wird in einem ersten Moment eine Mobilitätskarte sein, welche
alle Dienstleistungen rund um Anreise und Bewegung vor Ort begleiten soll.
Prinzip der Gästekarte Hochpustertal ist der Verkauf eines Leistungspaketes direkt an den
Gast; die Erträge werden zur Finanzierung dieser Leistungen verwendet. Die Gästekarte Hochpustertal hat somit keine Gewinnabsicht, sondern will Geldmittel umschichten und sie Elementen eines umweltverträglicheren Tourismus im Hochpustertal zuführen.
Die oben genannten Ziele der Karte stellen bestimmte Anforderungen an die Trägerschaft. Die
Erarbeitung von Leistungen, welche die touristische Struktur einer Region prägen sollen, ja
vielleicht sogar zu einem Leitbild werden können, bedarf einer breiten Trägerschaft. Der Tourismusverband Hochpustertal vertritt darin die Seite des Fremdenverkehrs, notwendig ist aber
auch eine Vertretung der Gemeinden, damit eine Koordinierung der Tätigkeiten erzwungen und
die Einhaltung der Ziele der Karte garantiert wird. Dies wird in einem zweiten Moment angestrebt werden.
Das Leistungspaket der Gästekarte Hochpustertal unfaßt als zentrales Element eine Netzkarte
für den Busdienst in der Region. Dafür wurde in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverbund der
Region ein eigenes Tarifangebot entworfen, welches es dem Käufer dieser Karte erlaubt, sieben Tage ab der ersten Entwertung ohne Kilometereschränkung das Angebot an ÖPNV der
Region in Anspruch zu nehmen41. Die Kosten, welche die Besitzer der Karte verursachen, werden dem Tourismusverband am Ende der Saison in Rechnung gestellt. Diese Abrechnung erfolgt nach geleisteten Kilometern, weil das in der Provinz Bozen angewendete Buchungssystem
41
Aus diesem Angebot ist allerdings heuer noch die Eisenbahn ausgenommen.
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jede Fahrt und ihre Kilometer erfaßt. Die Personenkilometer, welche mit Gästekarten geleistet
werden in eine eigene Klasse verbucht und dem Verband zu einem ermäßigten Tarif in Rechnung gestellt.
Der Verkauf der Gästekarte Hochpustertal erfolgt durch den Verband an die Beherbergungsbetriebe, welche sie wiederum an den Gast weiterverrechnen. Der Verband verkauft die Karten zu
einem Einheitspreis und gibt an die Betriebe die Empfehlung, die Karte für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren zum halben Preis abzugeben. Kinder bis 6 Jahren können den
ÖPNV gratis benutzen.
Als zusätzliche Leistungen enthält die Karte heuer Ermäßigungen auf Sportanlagen, Aufstiegsanlagen sowie auf Eintritte bei Veranstaltungen der Torismusvereine. Alle diese Ermäßigungen
werden allerdings nicht über die Gästekarte angegolten, sondern rechnen sich über den Werbeeffekt. Damit ist die Verwaltungsarbeit in Zusammenhang mit der Karte auf ein Minimum reduziert.
MOTIVATION UND SCHULUNG FÜR EINEN "URLAUB VOM AUTO"
Die Erkenntnis, daß das beste Angebot nichts wert ist, wenn der Gast nicht die notwendige Information bekommt, ist Ausgangspunkt eines begleitenden Motivations- und Schulungsprogrammes, welches vom Europäischen Sozialfond finanziert wird. Dreh- und Angelpunkt dieses
Programmes ist die Frage der Qualität im Dienstleistungsbereich, welche dann auf die Dienstleistungen des Projektes "Urlaub vom Auto"42 heruntergebrochen werden.
Insgesamt sind etwa 900 Ausbildungs- und Motivationsstunden mit Inhabern und Mitarbeitern
von Beherbergungsbetrieben, von Einzelhandelsgeschäften und der Aufstiegsanlagen sowie
der Transportbetriebe geplant. Erst die Kombination einer qualitativ guten Dienstleistung und
eines technisch funktionierenden Systems erlauben es, dem Gast eine Mobilität vor Ort zu ermöglichen, welche seinen Ansprüchen genügt und das Auto im Urlaub überflüssig macht: eben
"Urlaub vom Auto".
42
Gästekarte, Skibusdienst, Angebot an ÖPNV, Anreiselogistik.
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8.
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Ergebnisbericht aus den ERFA-Partnergemeinden
Vier Gemeinden (Frauenau, Bad Reichenhall, Mittenwald und Tannheim) haben sich am EUProjekt Sanfte Mobilität als ERFA-Partner beteiligt. Es wurden also keine speziellen Projekte
und Maßnahmen im Rahmen des EU-Projektes geplant. Der Schwerpunkt der Beteiligung lag
im ERFAhrungsaustausch mit den anderen Partnern. Das bedeutet natürlich nicht, daß in diesen Gemeinden keine Maßnahmen für einen Tourismus mit sanfter Mobilität erarbeitet oder
durchgeführt wurden. Einige wichtige Ziele und Maßnahmen sind in der Partnerbroschüre beschrieben. Allerdings liegen von den beteiligten Experten keine ausführlichen Projektdokumetationen vor. Dennoch werden die Tätigkeiten der ERFA-Partner im Abschlußbericht - soweit Erfahrungsberichte und Projekttexte vorliegen - kurz beschrieben.
Mobil mit der Bahn in Bad Reichenhall
Obgm. Wolfgang Heitmeier
Die Kurgemeinde Bad Reichenhall kann neben Berchtesgaden und Oberstdorf als Vorreiter in
Deutschland für eine Vermeidung von Individualverkehr ohne Einbuße an Mobilität gezählt werden. Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier derzeit auch Präsident der 1993 gegründeten
IAKF (Interessengemeinschaft für Autofreie Kur- und Fremdenverkehrsorte in Bayern). In den
letzten Jahren wurden bereits eine Reihe von Maßnahmen zur Reduzierung des KFZ-Verkehrs
und den damit verbundenen Belastungen umgesetzt: Fußgängerzone, Förderung geräuscharmer LKW, P+R-Plätze mit Citybusanbindung. Bad Reichenhall ist wie Mittenwald auch am Gemeindenetzwerk „Allianz in den Alpen“ beteiligt.
Um den Verkehr vor Ort zu reduzieren, ist die Anreise ohne Auto eine gute Möglichkeit. Dafür
braucht es entsprechend attraktive Angebote. Nachfolgend wird ein Referat von Ogbm. Heitmeier auf der Abschlußtagung in Zwiesel zum Thema Anreise mit der Bahn dokumentiert. Die
Erfahrungen können Anregung für andere Tourismusgemeinden sein:
Bad Reichenhall hat sehr lange Erfahrungen mit bahnanreisenden Kurgästen. Dies hat mehrere
Gründe: Zum einen werben die Kliniken, Sanatorien und Fremdenbeherbergungsunternehmen
dafür, daß die Gäste zu ihrem Kuraufenthalt mit der Bahn anreisen, um sich die Strapazen einer
Autofahrt zu ersparen. Zum anderen ist das Gästepotential von der Altersstruktur und von der
Verfügbarkeit des Führerscheins/Autos so beschaffen, daß es gut ansprechbar ist für eine
Bahnanreise. Daraus erklärt sich auch die hohe Zahl der Bahnanreisenden mit mehr als der
Hälfte der Gäste Anfang der 70er-Jahr. Neuere Zählungen gibt es nicht, allerdings schätzen
wird, daß sich die Anzahl der mit der Bahn anreisenden Gäste im Prozentsatz vermindert hat,
jedoch noch über vergleichbaren Orten (auch Kurorten) liegt. Bad Reichenhall ist damit schon
immer ein günstiger Ort für die Bahnanreise gewesen.
Zur Pauschale „Mobil mit der Bahn“:
Seit 1.1.1995 wird diese Pauschale vertrieben. Bis Mitte 1996 wurde sie durch eine Reisebüro
vertrieben, das für den Kur- und Verkehrsverein von Bad Reichenhall als Veranstalter im pauschalen Bereich zeichnete. Seit Mitte 1996 vertreibt der Kur- und Verkehrsverein als Veranstalter die Pauschalen selbst.
Allgemeines zu „Mobil mit der Bahn“:
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Die RIT-Tickets (rail inclusive tours) sind ein besonders günstiges Angebot der Deutschen Bahn
AG für Reiseveranstalter von Pauschalreisen. Die RIT-Ticket sind in drei Stufen gegliedert (bis
200 km. Von 201-350 km und über 350 km). Die Priese liegen sehr günstig und sind für die 2.
Und 1. Wagenklasse buchbar sowie mit und ohne Bahncard. Die Stufenpreise enthalten bereits
die ICE-Berechtigung, das heißt, daß bei Benutzung von IC oder ICE keine weitere Zuschläge
bzw. Aufpreise erforderlich sind.
Die RIT-Tickets können nur in Verbindung mit Pauschalreisen verkauft werden. Dies ist wichtig
zu wissen, denn es bedeutet, daß der normale Kurgast nicht auf dieses „Mobil mit der Bahn“
einsteigen kann. Ausgenommenem ist der Gast, der ein Pauschalangebot im Kurbereich bucht,
das sind Gesundheitswochen oder ein „Checkup“ Der Ort Bad Reichenhalll hat im Pauschalgeschäft erst sehr spät begonnen, war auch im übrigen bei der Auflegung von Pauschalen sehr
zurückhaltend. Damit sind auch die Absatzzahlen von „Mobil mit der Bahn“ noch nicht so groß
Dennoch wurden in den ersten fünf Monaten gut 100 Pauschalen „Mobil mit der Bahn“ verkauft.
Das Leistungspaket bei der Pauschale umfaßt:
• Bahnreise vom Heimatort nach Bad Reichenahll und zurück
• 7 Übernachtungen (in unterschiedlichen Hotelkategorien)
• Taxitransfer vom Bahnhof zum Hotel und zurück
• 7 Tage Busticket im Stadtbusbereich Bad Reichenhall
• 1 Regionalverkehr-Oberbayern-Ferienpaß (Ticket berechtigt an fünf beliebigen Tagen zur
Busfahrt in der Region)
• 1 Seilbahnfahrt auf den Predigtstuhl
• 1 Eintritt in das Salzmuseum/Quellenbau
Erfahrungen mit der Verkehrsberuhigung in Mittenwald
Mittenwald ist in Fragen der Verkehrsberuhigung seit Jahren aktiv. Dr. Wolf Brunner ist als Vertreter von Mittenwald am EU-Projekt sehr engagiert beteiligt. Der Obermarkt konnte mittlerweise
weitgehrend verkehrsberuhigt werden. Mittenwald ist auch Partner im Alpennetzwerk. Dabei ist
einer der Arbeitsschwerpunkte Information und kommunale Öffentlichkeitsarbeit für den Bürger
und den Gast. Auch dabei wurde das Thema Tourismus und Verkehr gewählt. Ziel ist es diese
Information leicht verständlich und leicht zugänglich zu machen. Dies soll mit Infocharts über
PC in Auslagen von lokalen Betrieben erreicht werden. Das erstellte Programm wurde auf dem
Abschlußtreffen vorgestellt. Der nachfolgende Erfahrungsbericht von Dr. Wolf Brunner/Mittenwald (Referent für Umwelt und nachhaltige Entwicklung) wurde bereits im Werkstattbericht veröffentlicht.
Verkehrsberuhigung ist ökologisch unverzichtbar! Während sich diese Erkenntnis in der Wirtschaftswelt nur schleppend durchsetzt, haben viele Fremdenverkehrsorte erkannt, daß der erhohlungswillige Gast eine unbelastete Natur sucht. Diese Ausgangsposition hat schon seit einer
Reihe von Jahren in vielen Orten und Regionen zur Erarbeitung von Konzepten für eine Verkehrsberuhigung geführt. Warum sind wir heute in unseren Feriengebieten nicht schon viel
weiter? Am Beispiel Mittenwalds soll versucht werden, einige Antworten auf diese Frage zu finden.
Obwohl der Ort wirtschaftlich stark vom Tourismus abhängig ist, bekommen dies nur Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe sowie einzelne Branchen des Handels direkt zu spüren. Viele
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Betriebe profitieren vom Tourismus nur indirekt über Aufträge aus der Tourismusbranche, und
eine ganze Reihe von Betrieben und Einrichtungen sind vom Tourismus völlig unabhangig wie
beispielsweise die Bundeswehr.
Der Ort ist in seiner sozialen und wirtschaftlichen Struktur zu heterogen, um spontan alle Kräfte
auf die Interessen des Fremdenverkehrs zu lenken. Einwohner, die vom Tourismus mehr oder
weniger unabhängig sind und die den Fremdenverkehr teilweise sogar als Belastung empfinden, nehmen gerne Hallenbad, Eisstadion, Parkanlagen, Wanderwege usw. an, ohne zu erkennen, daß diese Einrichtungen ohne Fremdenverkehr nicht vorhanden und finanzierbar waren.
Noch schwieriger ist es, auch bei diesen Ennwohnern Akzeptanz von Verkehrsberuhigung oder
gar Verkehrsvermeidung für touristische Ziele zu erreichen.
Ein Konzept zur Verkehrsberuhigung eines Ortes oder einer Region kann nur in seinen Grundgedanken rasch aufgestellt werden. Die Ausarbeitung erfordert viel Detailarbeit, Recherchen
der vorhandenen Verkehrsarten und -mengen, kybernetisch venetztes Denken und schließlich
die Berechnung aller Auswirkungen sowie Kosten der Realisierung des Konzeptes Diese Planungsarbeit muß die Lebensgrundlagen eines Ortes, seine soziale und wirtschaftliche Struktur,
seine Geographie, das Klima, seine Funktionen berücksichtigen und deren Verbesserung als
Ziel haben. Es macht keinen Sinn, wenn ein regionales, zentral gelegenes Versorgungszentrum
nicht mehr erreichbar wird oder wenn eine über Jahrhunderte gewachsene Geschäftsstruktur
ausgehungert wird und dafür in der Peripherie Großläden entstehen, die nur noch mit dem Auto
erreichbar sind. Die Gedankengänge, die in die Ausarbeitung eines guten Konzeptes zur Verkehrsberuhigung einfließen müssen, sind sehr komplex und einem weniger interessierten Bürger oft sehr schwer zu erklären, vor allem dann, wenn er gewohnte Verhaltensweisen ändern
oder aufgeben soll.
Fehlt ein im Konsens erarbeitetes Leitbild, dann fehlen die gemeinsamen Ziele, und es kann
keine gezielte Informations- und Aufklärungsarbeit geleistet werden. Der sachbezogene Informationsstand der Bevölkerung bleibt dem Zufall überlassen, und Kommunalwahlen bergen unberechenbare Überraschungen. Kräfte, die sinnvoll eingesetzt werden könnten, werden im politischen Richtungskampf verschlissen. Nur intensive Information und Auufklärung über die Zusammenhänge kann hier zu einer Bündelung der Kräfte pro Tourismus und zu einem Erfolg
führen. Die Informations- und Aufklärungsarbeit braucht ein Leitbild, das vermittelt werden soll.
Ein Leitbild setzt höhere und übergeordnete Ziele, und diese Ziele sind für jegliche Planung
zukünftiger Entwicklungen notwendig. Es muß möglich werden, den Einwohnern ganz klar zu
erklären, wo und warum der Verkehr drastisch reduziert werden soll und, daß letztlich jeder davon profitieren wird.
In Mittenwald existiert bislang nur ein Werbeleitbild "Natur pur", das in der Bevölkerung wenig
bekannt ist. Die Erarbeitung eines Ortsleitbildes als "Richtschnur" für weitere Weichenstellungen und eine langfristig kontinuierliche Arbeit fehlt bisher. Die Realisierung von Verkehrsberuhigungskonzepten ist mit Baumaßnahmen verbunden und ist nicht nach 6 Jahren einer Wahlperiode des Gemeinderates abgeschlossen, sondern erfordert diese langfristig kontinuierliche Arbeit.
Trotz fehlenden Leitbildes konnte sich der bisherige Gemeinderat in Mittenwald mit fast immer
einstimmigen Beschlüssen bereits l989 zu einer Ortskernsanierung entschließen, deren Planung renommierten Architekten für Städtebau übertragen wurde. Der Vorteil dieses Vorgehens
für Mittenwald ist darin zu sehen, daß straßenbauliche Maßnahmen in ein großes Konzept eingebunden werden. Im Rahmen vorbereitender Untersuchungen wurde 1992 nach intensiven
Diskussionen vom Büro Prof. Lang & Partnern ein Konzept zur Verkehrsberuhigung im Zentrum
Mittenwalds vorgelegt. Durch die gute, konstruktive Zusammenarbeit war es möglich, einige
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wesentliche verkehrslenkende Maßnahmen bereits 1990, vor Fertigstellung des Konzeptes
durchzuführen.
Das "Kernstück" der bisherigen Maßnahmen ist der Obermarkt in Mittenwald. Hier rollte seit
Jahrhunderten der gesamte Italien- Verkehr durch. Der Autoboom der letzten Jahrzehnte hatte
das Gesicht der Straße negativ verändert. Der Bau einer Umgehungsstraße vor rund 30 Jahren
hat die schlimmsten Überlastungen erspart. Diese Hauptstraße im Zentrum des Ortes mit historisch wertvollem Baubestand erfüllt heute zwei Funktionen:
Die erste Funktion ist die eines Geschäftszentums. In den meisten Häusern sind Laden mit einem breiten Branchenmix für Waren des täglichen Bedarfs. Die zentrale Lage ermöglicht es
vielen Einwohnern hier zu Fuß oder mit dem Fahrrad einzukaufen. Mittenwald ist aber auch
regionales Versorgungszentrum für umliegende Orte, weshalb das Zentrum mit dem Auto erreichbar bleiben sollte. Ältere Menschen, Behinderte oder Kunden aus entfernteren Ortsteilen
Mittenwalds sollten auch nicht ausgeschlossen werden. Eine "Totberuhigung" in touristisch ruhigen Zeiten durch Verdrangung des Branchenmix und Entwicklung eines einseitig auf Touristen ausgerichteten Warenangebotes sollte verhindert werden.
Die zweite Funktion ist die einer Sehenswürdigkeit und touristischen Attraktion, weshalb ein
touristischer Afenthaltsbereich geschaffen werden sollte. Als sog. "Mittenwalder Modell" wurde
eine zeitliche Aufteilung der Nutzungen der Straße gewählt. Vormittags darf die Straße bis l1
Uhr von Geschäftskunden befahren werden, ab 11 Uhr bis zum nächsten Morgen ist die Straße
für Fahrzeuge gesperrt und kann gastronornisch mit Straßencafes genutzt werden. Diese Regelung hat sich bis heute bewährt und hat die Geschaftsstruktur bisher erhalten. Diese Regelung gewährleistet auch, daß diese Straße in touristisch ruhigen Jahreszeiten durch Einkaufskunden mit Leben erfüllt bleibt. Diese zeitliche Aufteilung der Nutzung war bereits eingeführt,
als bauliche Maßnahmen im Zuge der Ortskernsanierung geplant wurden. Der Rückbau der
Straße hatte die zeitweise Befahrbarkeit und Parkmöglichkeiten zu berücksichtigen.
Aus Gründen der stilgerechten Strukturierung der Straßenflächen und des Unterhaltungswertes
schlugen die planenden Architekten eine Gestaltung mit ehemals vorhandenen offenen Wasserläufen vor. Besondere Schwierigkeiten ergaben sich dabei durch die Forderung der verkehrlichen Nutzung bis zur Belastbarkeit mit 30 t bei Brückenbauwerken. Da die ehemals vorhandenen offenen Wasserläufe u.a. der Kanalisation dienten, waren sie bei älteren Einwohnern in
schlechter Erinnerung. Auch fürchteten Anlieger Behinderungen für ihre Geschäfte. Die Akzeptanz der Planung und die Presse waren schlecht, Kompromisse mußten eingegangen werden,
das Genehmigungsverfahren mußte viele Hürden überwinden und zog sich in die Länge. Die
Baumaßnahmen konnten schließlich im Herbst 1995 abgeschlossen werden. Für die Verkehrssicherheit bei Schneefällen werden die offenen Teile des Wasserlaufs im Winter mit
schweren Holzbohlen geschlossen.
Bis zum Frühjahr 1996 fehlte die Möglichkeit zu beobachten, wie der Bereich vom Gast und den
Einwohnern in der neu gestalteten Form angenommen wird. Die negative Einstellung von Teilen
der Bevölkerung kam in den Kommunalwahlen im Frühjahr 1996 noch deutlich zum Ausdruck.
Inzwischen kann nach einer Sommersaison über erste Erfahrungen berichtet werden. Gäste
nehmen den neu gestalteten Bereich gerne an. Der Obermarkt ist zur beliebtesten und belebtesten Straße des Ortes geworden. Ein Indiz dafür ist das Verhalten der Busunternehmer im
Oberland; Mittenwald ist von der Etappe einer Auslugsfahrt wieder zu einem Ziel geworden. Es
lohnt sich wieder, in Mittenwald auszusteigen und durch den Ort zu gehen. Die Entwicklung der
Geschaftsumsätze ist mehr als zufriedenstellend. Auch die Einstellung der Einwohner hat sich
deutlich gewandelt, die Gegner der durchgeführten Maßnahmen werden weniger und stiller.
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Problematisch ist der Autoverkehr und das Parkverhalten am Vormittag. Zwischen 10 und 11
Uhr werden gelegentlich chaotische Ausmaße erreicht. Das Bild gleicht dem, wie es vorher regelmäßig und ganztags war. Es zeigt aber auch, wie groß der Bedarf ist, mit dem Auto die Geschäfte anzufahren. Man kann eine Stunde Chaos am Tag als Opfer betrachten, das notwendig
ist, um die gewachsene Geschäftsstruktur nachhaltig zu erhalten und eine Entwicklung zum
einseitig touristischen Angebot zu verhindem.
Erstaunlich reibungslos verschwinden die Fahrzeuge um 11 Uhr aus der Straße. Die Gründe
dafür dürften einmal darin zu suchen sein, daß durch die Kirchturmuhr am Ende der Straße keine Zweifel über die Zeit bestehen und zum anderen die Gastronomen mit dem Glockenschlag
um 11 Uhr Tische und Stühle auf der Straße aufbauen.
Betrachtet man die Funktionen Mittenwalds und seiner Hauptgeschäftsstraße zu einseitig nur
unter den Gesichtspunkten des Fremdenverkehrs, kann man zu der Ansicht kommen, die Verkehrsbelastung am Vormittag nicht mehr tolerieren zu wollen. Deshalb wurden inzwischen
mehrfach Anträge im Gemeinderat behandelt, die die Zeiten der verkehrlichen Nutzung einschränken sollten. Bisher wurde die derzeitige Regelung, das "Mittenwalder Modell" weiterhin
beibehalten. Es mag sein, daß das "Mittenwalder Modell" nur eine Etappe auf dem Weg zu einer reinen Fußgängerzone ist. Darüber werden die nächsten Jahre und die Mehrheiten im Gemeinderat entscheiden. Wichtig erscheint mir, das natürliche Eigenleben eines Ortes wie Mittenwald mit seinen verschiedenen Funktionen zu erhalten. Der Gast spürt es genau, ob er sich
in einem traditionsreichen lebendigen Ort oder in künstlichen "Touristenoasen" bewegt
Die Chance einer reinen Fußgängerzone ohne gravierenden Einfluß auf die gewachsene Geschaftsstruktur hängt von der Bereitschaft des Autofahrers ab, zum Fußgänger zu werden. Der
Autofahrer braucht eine Motivation, um auf sein Auto zu verzichten. Die Motive dazu sind äußerst vielfaltig und individuell. Sie reichen von rationellen Überlegungen bis zu emotionellen
Bewegungen. Ein allgemeiner Trend, das Auto nur noch für unvermeidbare Transporte zu verwenden und jede unnötige Bewegung des Autos als unanständig zu empfinden, würde helfen.
Davon sind wir heute aber noch weit entfernt.
Unser heutiges Handwerkszeug für Verkehrsberuhigung besteht aus Appellen, Angeboten alternativer Mobilität, Fahrbeschränkungen bis zu -verboten, Verkehrslenkungen und optischpsychologisch wirksamen Straßen- um- oder -rückbauten. Alle diese Möglichkeiten werden genützt je nach gewünschtem Ziel und mit unterschiedlichen Auswirkungen auf die verschiedenen
Verkehrsarten. Tourismusorte haben gemeinsame Probleme mit dem Verkehr durch Tagesund Logiergäste, aber auch mit dem Verkehr durch die eigenen Einwohner. Je besser der Tourismus floriert, um so höher steigt der Lebensstandard, aber leider auch der Motorisierungsgrad
im Ort.
In Mittenwald bemühen wir uns seit Jahren gemeinsam mit der Bahn, um die Anreise der Logiertouristen mit dem Zug zu attraktivieren. Wir konnten erfolgreich unseren Status als ICBahnhof erhalten mit täglich zwei Femverbindungen in deutsche Ballungszentren. Beachtenswerte 30% unserer Logiergaste kommen mit der Bahn.
Das Mobilitatsangebot vor Ort umfaßt neben einem groben, gepflegten und im Winter teilweise
geräumten und gestreuten Wanderwegenetz auch privaten Fahrradverleih und Radwege. Die
Zahl der Pferdedroschken und -schlitten im Winter hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. In den Wintermonaten betreibt die Gemeinde einen kostenlosen Skibus zu Seilbahnen
und Loipe.
Der ÖPNV wird von der Bahn im Stundentakt auch grenzüberschreitend nach Tirol bedient. Im
Sommer konnen kostenlos Fahrräder mitgenommen werden. Für die regionalen Buslinien bietet
die Kurverwaltung Netzkarten tage- oder wochenweise an. Örtliche Busuntemehmer bieten tägARGE „Sanfte Mobilität“
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lich eine Vielzahl von Ausflugsfahrten in die nähere und weitere Umgebung an. Wir können beobachten, daß Logiertouristen, vor allem Stammgäste, die mit dem eigenen PKW angereist
sind, ihr Auto oft viele Tage lang nicht benutzen.
Der Tagestourismus ist zeitenweise nach wie vor problematisch. Unsere primären Ziele wie
Bergbahnen und Skilifte liegen am Ortsrand und können fast alle direkt angefahren werden ohne Belastung des Ortes. Anders verhält es sich mit Gästen, die den Ort selbst besuchen wollen.
Um den Zustrom zum Zentrum zu drossehn, wurden die Zufahrten nach Mittenwald neu geregelt und aufgefächert. Verkehrslenkungen zu peripheren Parkplätzen wurden durch optischpsychologische Baumaßnahmen und Wegweisungen durchgeführt. Zusätzlich wurde kürzlich
eine Beschilderung mit Hinweisen auf gebührenpflichtige Kurzparkzonen im Zentrum und periphere gebührenfreie Parkplätze beschlossen. Diese Wegweisungen sind in erster Linie bei
ortsunkundigen Autofahrern wirksam. Der Ortskundige findet seinen Weg und seinen Parkplatz
und läßt sich nicht durch Schilder beeinflussen.
Das Verkehrsgutachten von Prof. Lang & Partnern für Mittenwald zeigt den Weg zu einer stufenweisen Verkehrsberuhigung im Zentrum bis auf 20% des Ausgangswertes. Dieses hochgesteckte Ziel ist nicht ohne schmerzliche Eingriffe und Einschränkungen auch für die autofahrenden Einwohner möglich. Hier zeigt sich aber eines der Hauptprobleme der Verkehrsberuhigung.
Einerseits sind verkehrsberuhigende Behinderungen für Touristen nicht plausibel, wenn sie
nicht auch für Einwohner gleichermaßen gelten, andererseits ist die Akzeptanz dieser Maßnahmen unter den Einwohnern gering und politisch schwer durchsetzbar. Einige wichtige Maßnahmen fanden deshalb bisher keine Mehrheit im Gemeinderat.
Abschließend komme ich zum Ausgangspunkt meiner Ausführungen zurück. Verkehrsberuhigung ist ökologisch unverzichtbar! Fehlt ein im Konsens erarbeitetes Leitbild, dann fehlen die
gemeinsamen übergeordneten Ziele. Einmal getroffene Entscheidungen werden immer wieder
neu diskutiert. Nur intensive lnformation und Aufklärung über die Zusammenhänge kann hier zu
einer Bündelung der Kräfte pro Tourismus, pro Natur, pro Lebensqualität und zur Einsicht in die
Notwendigkeit einer für alle geltenden Verkehrsberuhigung führen.
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Verkehrsberuhigung im Vilsalptal - Tannheim
Die Gemeinde und der Tourismusverband Tannheim versuchen seit Jahren Ziele einer nachhaltigeren Entwicklung zu verfolgen. Einerseits wird versucht die Kooperation mit der noch vorhandenen Landwirtschaft zu pflegen, andererseits ist der Verkehr seit einiger Zeit auch im
Tannheimertal ein zentrales Thema. Es gilt das Problem der engen Ortsdurchfahrten zu lösen.
In der Gemeinde Tannheim wird aktuell ein Verkehrskonzept erstellt. Ein geplantes überörtliches Konzept ist vorerst am der Finanzierung gescheitert. Ein zentrales Projekt ist die Beruhigung des Vilsalptales vom Autoverkehr.
NATURSCHUTZGEBIET VILSALPSEE in Tannheim/Tirol
Das Gebiet Vilsalpsee wurde im Jahr 1957 zum Naturschutzgebiet erklärt, umfaßt insgesamt
1.440 ha und ist seit Jahren eines der beliebtesten Ausflugsziele im Außerfern.
Der Vilsalpsee liegt 4km von Tannheim entfernt in einem Steintal, wo auch die Landesstraße
endet - hier befinden sich zwei Restaurationsbetriebe, weiters besteht Wandermöglichkeit rund
um den See (1 h) und zu einer weiteren Almhütte bzw. einem Wasserfall - Aufstieg zur Landsberger Hütte u.a.m.
Das Tannheimer Tal erreicht mit seinen fünf Ortschaften und 7.000 Gästebetten 900.000 Gesamt-Nächtigungen (140.000 Gäste - ohne Tal-Besucher), davon erzielt Tannheim mit 2.800
Betten 370.000 Nächtigungen.
In den vergangenen Jahren entwickelte sich der Besucherstrom in das Ausflugsgebiet Vilsalpsee immer stärker - in Spitzenzeiten bis zu 1.100 KFZ pro Tag. Diese KFZ parkten einerseits
unmittelbar vor dem See am Parkplatz bzw. mußten vielfach auf die unmittelbar angrenzenden
Almwiesen ausweichen und wurden ebenfalls neben der Straße unkontrolliert abgestellt. Es
bemühte sich daher der Tourismusverband und die Gemeinde Tannheim, ab Winter 1991 bei
den zuständigen Behörden eine Sperre der Straße in der Zeit von 10.00 - 17.00 Uhr für den
allgemeinen Verkehr (ausgenommen Busse und weitere Berechtigte) zu erreichen.
Eine erste Befragungs-Aktion bei den Gästen im Winter 91 ergab insgesamt 1.734 positive
Stimmen (und Befürwortung für eine ganzjährige Sperre) gegenüber 20 negativen Stellungnahmen und auch einer negativen Haltung eines Restaurationsbetriebes unmittelbar am See,
da Umsatzeinbußen befürchtet wurden. Zwischenzeitlich ist die Straßensperre nicht mehr wegzudenken und ein absolutes „Zugpferd“ bei Touristen wie Einheimischen.
Der Einsatz eines Pendelbusses (im Sommer halbstündig, im Winter sind zwei Verbindungen
ausreichend) sorgt für eine verkehrsmäßige Erschließung.
Im Sommer kommt man zu Fuß entweder entlang der asphaltierten Straße oder auf dem
Rundwanderweg (mit Anschluß an den Rundwanderweg Tannheimer Tal - von allen Orten der
Talschaft aus erreichbar), mit dem Fahrrad (die Straße weist lediglich eine kleine Steigung auf)
oder mit der Kutsche zum See.
Im Winter ist das Gebiet entlang der geräumten Straße zu Fuß ebenso wie mit den LanglaufSkiern oder per Kutsche erreichbar.
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„Naturschutzgebiet Vilsalpsee“
Um den Verkehr vor Ort zu kanalisieren, wurden unmittelbar bei der Ost- und West-Einfahrt von
Tannheim Parkplätze mit einem Auffang-Vermögen von insgesamt 800 Stellplätzen geschaffen.
Hier wurde auch die erste Parkraumbewirtschaftung im Außerfern ab Juli 92 installiert. (Gründung einer „PARKGEMEINSCHAFT“, mit der Liftgesellschaft, dem Tourismusverband und der
Gemeinde Tannheim).
Da die Zufahrt zum See bis 10.00 Uhr gestattet ist, besteht ebenfalls noch unmittelbar am See
ein kostenpflichtiger Parkplatz der von v.g. Restaurant-Eigentümer betrieben wird. Entlang der
gesamten 4km langen Strecke zum Vilsalpsee besteht ein Halte- und Parkverbot.
Das Tannheimer Tal hat mit dem Naturschutzgebiet Vilsalpsee eine Attraktion, die einerseits
den Beweis einer sinnvollen Symbiose zwischen Natur- und Kulturlandschaft erbringt und zugleich einen wesentlichen Bestandteil der Tourismuswirtschaft darstellt.
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IV. KOMMUNIKATIONSKONZEPT TOURISMUS
MIT SANFTER MOBILITÄT
1.
Auftrag und Ziel des Kommunikationskonzeptes43
Dieses Konzept wurde im Rahmen des EU-Projektes „Modellprojekt: Maßnahmen zur Optimierung des Verkehrssystems in Tourismusregionen mit sanfter Mobilität“ (kurz: EU-Projekt „Sanfte
Mobilität“) und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie der
Republik Österreich (BMUJF) durchgeführt. Die Auftragserteilung seitens des BMUJF erfolgte
Ende August 1996. Der Abschluß des Kommunikationskonzeptes ist für Anfang September
1997 geplant.
Kommunikationskonzept als Projektbaustein
Ein wichtiger Schlüsselbestandteil für eine erfolgreiche Umsetzung von Verkehrskonzepten und
in der Profilierung als Tourismusort mit Sanfter Mobilität liegt in der gezielten Kommunikation
mit allen relevanten Umwelten, wie der eigenen Bevölkerung, Meinungsbildnern, öffentlichen
Institutionen, Medien, Experten u.a.
Das Kommunikationskonzept soll es interessierten Tourismusorten erleichtern, relevanten Öffentlichkeiten und Zielgruppen das Thema Umwelt, Verkehr, autofreier Tourismus näherzubringen, etwa durch praktische Anleitungen und Checklisten für ein angepaßtes Kommunikationsmix.
Das Marktsegment, das für umweltschonendere Anreise und autofreien Tourismus in Frage
kommt, soll qualitativ definiert werden, d.h. es wird versucht die relevanten Zielgruppen zu erfassen. Auf Basis der Marktforschungsergebnisse sollen neben einem operativen Konzept konkrete Marketinginstrumente entwickelt werden.
In den 8 Modellorten wurden verschiedene Instrumente geplant und - soweit im Rahmen der
Projektlaufzeit möglich - getestet.
Inhaltlich befaßt sich das Konzept mit einer eingehenden
• Analyse der Situation (sowohl Nachfrager- als auch Angebotsseite) aus touristischer, aber
auch aus verkehrlicher Perspektive.44
• dem „Markt für Sanfte Angebote“ (mögliche Zielgruppen)45
• Kommunikationsschwerpunkte (nach „außen“ zum Markt, sowie nach „innen“ zur Bevölkerung) mit einer Aufstellung der laufenden Maßnahmen in den Partnergemeinden sowie
• Checklisten, um den lokalen Entscheidungsträgern bei der Umsetzung Unterstützung zu
bieten.
43
Reiner K.: Kommunikationskonzept Autofreier Tourismus, Wien 1997
44
C. Prinz: Bevölkerung & Mobilität im 21. Jahrhundert, ÖAMTC Akademie, Wien 1995, Expertengespräche
45
Weinberger C.: Gästebefragung in den Partnergemeinden, EU-Projekt Sanfte Mobilität, Wien 1997
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2.
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Die Nachfragerseite (Ergebnisse der Gästebefragung)46
2.1. Allgemeines zur Gästebefragung
Nachfolgende Ergebnisse basieren auf der Gästebefragung in 7 Partnergemeinden. Siehe dazu
auch Kapitel II.
Ein grundlegender Analysebestandteil war natürlich die zentrale Frage:
➣ Besteht überhaupt Handlungsbedarf für Verkehrsberuhigung?
Wie die Aussagen47 zu der derzeitigen Situation am Urlaubsort klar zeigen, besteht ein nennenswertes Unzufriedenheitspotential, welches sich wahrscheinlich nur deswegen nicht negativ
auswirkt, weil es auch in den Konkurrenzdestinationen nicht anders ist. Teilweise über 30% der
Befragten geben zu verkehrsbezogenen Fragen konkrete Unzufriedenheit an!
Ein weiteres Ziel der Gästebefragung war die Erhebung der Einstellungen zu verschiedenen
Verkehrsszenarien (Beseitigung bisheriger Verkehrsberuhigungsmaßnahmen, belassen der
aktuellen Situation sowie weitgehendere Maßnahmen als bisher) in den Partnergemeinden.
Danach konnten die Gäste nach deren Einstellungen in 3 unterschiedliche Gruppen („Segmente“) unterteilt werden.
2.2. Erhobene Zielgruppen (Segmente) aus der Gästebefragung (ConjointAnalyse) / Vergleich Sommer-Winter
Da die Conjoint-Analyse die Nutzen, in diesem Fall die Wiederbesuchsabsicht, individuell errechnet, wurde der Datensatz nach homogenen Segmenten untersucht. Tatsächlich lassen
sich 3 abgrenzbare Gruppen bilden. Die Benennung dieser Gruppen erfolgt nach den ermittelten Nutzen für einzelne Ausprägungen. So stellen sich die
• ‘Befürworter’ als jene heraus, die einen mittleren Grad der Verkehrsberuhigung befürworten,
einer deutlichen Verkehrsberuhigung aber auch noch positiver gegenüberstehen und zwar
im Sommer in geringerem Maße hingegen im Winter verstärkt. („Weitgehende Verkehrsberuhigung stiftet für dieses Segment den größten Nutzen!“)
• ‘PKW-Freaks/Gegner von ÖV-Anreise’ ziehen aus Verkehrsberuhigungsmaßnahmen am
Urlaubsort positiven Nutzen, sie sind aber kaum von der Pkw-Anreise abzubringen, weshalb
diese Gruppe so benannt wurde. Diese Gruppe steht weitergehenden Verkehrsberuhigungsmaßnahmen im Sommer skeptischer gegenüber als im Winter („Pkw-Anreise stiftet für
dieses Segment den größten Nutzen!“)
• Den ‘Preissensiblen’ ist der Grad der Verkehrsberuhigung ziemlich egal (weitergehender
Verkehrsberuhigung vor Ort stehen sie skeptisch gegenüber), sie sind primär durch niedrige
Preise bzw. intelligente Preispolitik (z.B. Pakete) zu gewinnen. (siehe Abb.) („Günstige Preise stiften für dieses Segment den größten Nutzen!“)
46
Reiner K.: Kommunikationskonzept Autofreier Tourismus, Wien 1997
47
Weinberger C.: Gästebefragung in den Partnergemeinden, EU-Projekt Sanfte Mobilität, Wien 1997
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Segmentvergleich Sommer - Winter
100%
90%
80%
27
46
70%
60%
27
Preissensible
50%
40%
Pkw -Freaks/Gegner
25
Befürw orter
30%
20%
10%
46
29
0%
Sommer
Winter
Abb.: Segmentgrößen Sommer - Winter
Interessanterweise ist die Gruppe der Verkehrsberuhigungsbefürworter im Winter (46,1%) wesentlich stärker als im Sommer (29,3%). Ein wesentlicher Grund könnte sein, daß Verkehrsprobleme im Winter in kurzer Zeit verstärkt auftreten, da die Winterferienzeit zumeist kürzer als im
Sommer ist (Schulferien!).
2.3. Schlussfolgerungen / Handlungsempfehlungen aus der Befragung
In diesem Abschnitt soll nun zusammengefaßt werden, welche Maßnahmen und Handlungen in
der
• Werbung, der
• Förderung des ÖPNV sowie dessen
• Preispolitik
aufgrund der Ergebnisse der Befragung empfohlen werden können.
2.3.1. „Autofreiheit“ als Haupt- oder bloß als Zusatznutzen einer Tourismusgemeinde
Es zeigt sich klar, daß Verkehr am Urlaubsort mit all seinen negativen Begleiterscheinungen
(Lärm, Gestank, Stau, Hektik, Sicherheitsmängel..) sehr wohl klar kritisiert wird. Wenn man jedoch die Fülle an „Angebotselementen“ (z.B. Unterkunft, touristische Attraktionen, Landschaft
etc.) einer Tourismusgemeinden betrachtet, welche alle in unterschiedlicher Intensität zur Gesamtattraktivität dieser Gemeinde beitragen, so zeigt sich, daß - bei richtiger Gestaltung - „Autofreiheit“ zumindest einen großteils gewünschten Zusatznutzen für die Urlauber bringen kann.
Dies sagen sogar jene, die unbedingt mit dem Pkw anreisen wollen.
2.3.2. Verkehrsberuhigung / Autofreiheit als Angebotsbestandteil eines Urlaubsortes?
In Relation zu den wichtigsten Angebotsbestandteilen eines Urlaubsortes (touristische Attraktivität, Lage, Erreichbarkeit etc.) kommt dem Aspekt „Autofreiheit“ weniger Bedeutung zu. Unter
dem Gesichtspunkt einer zusätzlichen Profilierung als Erholungsort jedoch kann dieser klare
Begriff den Ort aber von seinen alpinen Mitbewerbern abheben. Es ist natürlich der Grundsatz
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der Produktwahrheit zu beachten! (Ein Ort, der nicht wirklich autofreie Zonen hat, darf auch
nicht mit diesem Begriff werben!)
• Mobilität vor Ort bzw. in der Region
Ein funktionierendes ÖV-System im Urlaubsort, aber auch zu den Ausflugszielen ist eine wesentliche Infrastrukturvoraussetzung, um hohe Akzeptanz für weitreichendere Verkehrsberuhigungsmaßnahmen bei den Gästen zu erreichen!
• Anreise(-pakete)
Bahnanreise ist nur dann eine interessante Alternative zum Pkw, wenn diese „kundenfreundlich“, d.h. mit Abholung und Gepäcktransfer zu relativ günstigen Kosten sowie möglichst gratis
verfügbaren und funktionierenden ÖPNV, gestaltet ist. Bloße Pkw-Beschränkung ohne gute
ÖV-Alternativen stößt auf klare Ablehnung!
• Preispolitik
Auch die Kosten eines ÖV-Ausbaues sowie der ÖV-Anreise dürfen nicht direkt zu 100% an den
Kunden weitergegeben werden, da dies ein sicherer Mißerfolg wäre und die Gäste verärgern
würde.
2.3.3. „Autofreiheit“ in der Werbung bzw. als USP?
Die Untersuchung hat eindeutig ergeben (Stichprobengröße n=620!), daß der Begriff „autofrei“
sehr wohl für die Werbung geeignet ist, da die ersten 4 (!!) Assoziationen mit diesem Begriff
durchaus positiv besetzt sind. Wichtigste verbale Werbebotschaften im Zusammenhang mit
„Autofreiheit“ sind:
• „bessere Luftqualität“
• „weniger Lärm“
• „mehr Platz für Fußgänger“
• „Bewahrung der Ortsstruktur“
Den negativen Assoziationen
• „Schwierigkeiten mit dem Gepäck“ und
• „eingeschränkte Mobilität“
muß - sofern ausreichende Angebote vorhanden sind (Transferservice, ÖV in der Region und
Ort..) - in der Werbung gezielt begegnet werden bzw. sollten derartige Angebote geschnürt
werden.
„Autofreiheit“ als ausschließliches USP kann aufgrund der Befragung nicht empfohlen werden,
da die Nutzenwertanalyse ergeben hat, daß dieser Aspekt im Verhältnis zu anderen Teilnutzen
(z.B. touristische Attraktivität, komfortable Anreise, Mobilität vor Ort, etc..) eines Urlaubsortes
unwichtiger ist.
2.3.4. Psychografische Merkmale „Sanfter Mobilisten“
Die Gäste wurden anhand von psychografischen Merkmalen in 3 Cluster („erlebnisorientierter
Gästetyp“ / 49%, „sicherheitsorientierter Typ“ / 38% und „Selbstverwirklicher“ / 13%) unterteilt
und daraufhin auf deren Einstellung zur Verkehrsberuhigung untersucht. Hierbei zeigte sich,
daß die Clusterzugehörigkeit innerhalb den Segmenten (Pkw-Freaks/Gegner, Preissensible und
Befürworter) annähernd gleich verteilt ist, d.h.
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Befürworter verstärkter Verkehrsberuhigung weisen keine besonderen psychografischen
Merkmale auf, die sie von den anderen Gästen nennenswert unterscheiden!
2.4. Zusammenfassende Ergebnisübersicht der Befragung
Zusammengefaßt läßt sich sagen, daß...
➭ ... autofreie Ort(sbereich)e insgesamt eine großteils gewünschte zusätzliche Urlaubsqualität für die
48
Urlauber darstellen. Verkehrsfreie Zonen sollten die touristischen Grunderfordernisse ergänzen!
➭ ... eine überwiegende Mehrheit der Gäste FÜR weitergehende Verkehrsberuhigungsmaßnahmen bei
entsprechenden Infrastrukturvoraussetzungen ist.
➭ ... Befürworter verstärkter Verkehrsberuhigung keine besonderen psychografischen Merkmale aufweisen und sich auch in fast allen anderen untersuchten Bereichen von den anderen Gästen NICHT
nennenswert unterscheiden!
➭ ... mit dem Begriff „Autofreiheit“ geworben werden kann, da die Gäste damit überwiegend positive
Assoziationen haben. „Autofreiheit“ eignet sich zu zusätzlicher Profilierung eines Urlaubsortes. (Produktwahrheit sei vorausgesetzt!)
➭ ... weitgehende Verkehrsberuhigungsmaßnahmen nur bei gleichzeitig ausreichender ÖV-Qualität auf
überwiegende Zustimmung seitens der Gäste trifft! (auch zu den wichtigsten Ausflugszielen in der
Region!)
➭ ... nur ein attraktives Bahnanreiseangebot (leicht buchbar, kundenfreundlich, preisgünstig) inklusive
Transfers nennenswerte Gästegruppen zum „Umsteigen“ veranlassen kann. Zwischen 30 und 40%
der Gäste werden unter keinen Umständen „umsteigen“.
➭ ... die Kosten des ÖV-Ausbaus, Betriebs und Anreise nicht 1:1 an den Kunden/Gast weitergegeben
werden können. (Pakete!)
➭ ... die Vorteile (bessere Luft, mehr Platz für Fußgänger etc.) in der Werbung / Information betont
sowie den Nachteilen (Gepäcktransport, eingeschränkte Mobilität) in der Angebotsgestaltung und
Kommunikation begegnet werden soll.
48
Unterkunft, touristische Attraktionen, Landschaft etc.
ARGE „Sanfte Mobilität“
171
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt „Sanfte Mobilität“
3.
Process Report - Abschlußbericht
Die Angebotsseite (Maßnahmen bei den Partnergemeinden)
In der Folge werden die konkreten Umsetzungsmaßnahmen in tabellarischer Form nach Modellgemeinde dargestellt werden. Sie geben einen Überblick über die Aktivitäten während des
EU-Projektes.
Oberstdorf
Schwerpunkt: Fahrradtourismus
Bereiche
➭ Leistungspolitik
Maßnahmen
• Ausarbeitung eines Mountainbikewegenetz
• Beschilderungskonzept und Ausschilderung einer modellhaften Route
• Abstimmung der Beschilderung mit der Initiative „Fair am Berg“ (Zusammensetzung der Initiative: Zeitschrift ALPIN, BIKE, Deutsche Initiative Mountainbike, Deutscher Alpenverein, ADFC, Bund Naturschutz, Bergwacht)
➭ Kommunikation
nach Innen
• Einbezug der betroffenen Leistungsträger der Gemeinde in die Planungen für das Radwegenetz und die Konferenz
➭ Kommunikation
nach Außen
• Planung und Durchführung einer Radkonferenz „Fair mit dem Bike
am Berg“- Lösungen zum Konflikt zwischen Radfahrern und
Wanderern am 09./10.Juni 1997 in Zusammenarbeit mit dem DAV und
ADFC
• Pressearbeit für die Konferenz
• Konzeption eines Radfestivals (geplant für 1998)
➭ Kooperationspartner
Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V. (ADFC), Deutscher Alpenverein
e.V. (DAV)
Bad Füssing
Schwerpunkt: Bahnanreise und Anrufsammeltaxi
Bereiche
➭ Leistungspolitik
Maßnahmen
• Konzept zur Verbesserung des Transfers vom Bahnhof Pocking nach
Bad Füssing
• Einführung einer Serviceperson“Transfer“ am Bahnhof
• Konzept Anrufsammeltaxi
• Konzept Parkraumbewirtschaftung
➭ Kommunikation
nach Innen
• Durchführung einer Vermieterversammlung
➭ Kommunikation
nach Außen
• Verbesserung der Informationen über den Transfer im Ortsprospekt
➭ Kooperationspartner
Vermieter, DB
ARGE „Sanfte Mobilität“
• Informationsschild über den Transfer am Bahnhof
172
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt „Sanfte Mobilität“
Process Report - Abschlußbericht
Bodenmais/Zwiesel
Schwerpunkt: Arber-Card
Bereiche
Maßnahmen
➭ Leistungspolitik
• Konzeption einer Arber-Card , die verkehrliche und touristische Leistungsträger einschließt (Umsetzung geplant für 1998)
➭ Kommunikation
nach Innen
• Verschiedene Treffen mit Vertretern aus den 13 Gemeinden sowie
Verkehrs- und touristischen Leistungsträger (Ziel: Information und Motivation)
➭ Kommunikation
nach Außen
• Entwicklung begleitender Werbemaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit
➭ Kooperationspartner
• regionaler Fremdenverkehrsverband Ostbayern, DB, RBO
Werfenweng
Schwerpunkt: Anreise(-logistik) und Information
Bereiche
➭ Leistungspolitik
Maßnahmen
• Konzept für eine umfassende Gästeanreiselogistik für den Raum
Werfenweng mit konkreten Umsetzungmaßnahmen
• Werfenweng Shuttle: ÖV-Anbindung an Bahnknoten Bischofshofen
• Einführung von AutoTeilen (auch mit E-Mobilen) für Gäste und Einheimische
• Erstellung autofreier Urlaubsangebote
➭ Vertrieb
• enge Kooperation mit Reiseveranstaltern (D, NL)
• eigenes Vertriebsnetz (Messen, Mailings,..)
➭ Kommunikation
nach Innen
• Broschüre „Sanft und Mobil“ zur Aufklärung der Bevölkerung
• Veranstaltung „Sanft und Mobil“ zur Diskussion mit der Bevölkerung
• Wanderausstellung zur fachlichen Information
➭ Kommunikation
nach Außen
• Entwicklung eines neuen Tourismusprospektes mit klaren Hinweisen
auf autofreie Angebote
Entwicklung eines Gütezeichens „Sanfte Mobilität“ für Mitglieds-betriebe,
die strikte Kriterien erfüllen müssen (u.a. Schulung / Teilnahme an InfoVeranstaltungen verpflichtend!).
Vorteile für den Gast sind:
• Zimmerpreisermäßigungen
• zentrale Lage und gratis Transfer
• Teilnahme am Autoteilen
• Vermittlung von Taxis und Mietwagen
• Angebot von Leihfahrrädern und sonstigem Sportgerät
ARGE „Sanfte Mobilität“
173
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EU-Projekt „Sanfte Mobilität“
Process Report - Abschlußbericht
• Auskunft über Fern- und Regionalfahrpläne
• Angebot an organisierten Ausflugsfahrten (Infomappe)
➭ Kooperationspartner
• Organisation AutoTeilen Österreich
• Autofirma Renault , die Elektroautos zu günstigen Konditionen anbietet
• Marketingkooperationen
Region Lungau
Schwerpunkt: ÖV-Management (inkl. Tälerbus)
Bereiche
➭ Leistungspolitik
Maßnahmen
• Konzept Tälerbus Lungau zur Weiterentwicklung und wirtschaftlichen
Sicherung
• Radregion Lungau Projektcontrolling
• Weiterentwicklung des Öko-Ferienpaß-Lungau (2. Variante: Ferienpaß Lungau - nur Tälerbus)
➭ Vertrieb
• über IST-Reisen (D)
• Angebotsgruppe „Erlebnis Bahn+Schiff“ (in Planung)
➭ Kommunikation
nach Innen
• Workshops zur Forcierung von Problemlösungen (Verkehrsberuhigung)
• Maßnahmenplan zur Verbesserung der Innenkommunikation (geplant)
• Durchführung von Veranstaltungen (jährlich 2 Infoveranstaltungen)
➭ Kommunikation
nach Außen
• Verdeckte Anfrage zur Überprüfung des Informationsverhaltens sowie materials der TV
• 2 Pressefahrten mit ca. 30 TN
• Tälerbus im Pressedienst der SLT
➭ Kooperationspartner
• ÖBB
• Gruppe Lungauer Landgasthöfe
• Lunger Verkehrsverbund (Lungau-Takt) geplant
ARGE „Sanfte Mobilität“
174
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EU-Projekt „Sanfte Mobilität“
Process Report - Abschlußbericht
REGIS (Region Inneres Salzkammergut)
Schwerpunkt: REGIS-Card
Bereiche
➭ Leistungspolitik
Maßnahmen
• Leitkonzept Forcierung ÖV (Bus-Bahn-Schiff-Rad)
• Entwicklung „Salzkammergut-Ticket“ (REGIS-Card)
• Innovativer Regionsfahrplan
➭ Vertrieb
➭ Kommunikation
nach Innen
• Motivationskampagne für Gäste, Betriebe und Tourismusorganisationen, Beschäftigte im ÖV ( z.B. Video)
➭ Kommunikation
nach Außen
• Sanfte Mobilität auf Messe
➭ Kooperationspartner
• ÖBB
Region Hochpustertal
Schwerpunkt: Optimierung des ÖV-Verkehrssystems
Bereiche
➭ Leistungspolitik
Maßnahmen
• Studie Ausflugstourismus
• Neues Skibussystem
• Mobile - Gästekarte für das Hochpustertal
➭ Vertrieb
➭ Kommunikation
nach Innen
• Schulung von Mitarbeitern von Gästeinformationsbüros
➭ Kommunikation
nach Außen
• Informationsmaterial für ÖV / Skibusfolder und Fahrplan
➭ Kooperationspartner
• Liftgesellschaften
ARGE „Sanfte Mobilität“
• Begleitende Maßnahmen zur Stärkung der Bekanntheit des ÖVAngebotes (Infotafeln)
175
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EU-Projekt „Sanfte Mobilität“
4.
Process Report - Abschlußbericht
Beispiele für „autofreie“ Ferienphilosophie
In welcher Form die Philosophie eines „Urlaubes ohne / vom Auto“ in der Werbung und Kommunikation kundgetan werden kann, sollen die beiden folgenden Beispiele veranschaulichen.
4.1. Beispiel Erfa-Gemeinde Oberstdorf - Philosophie
„Lebensqualität ohne Auto“, „Urlaub vom Auto“
"Autofrei" heißt nicht "verkehrsfrei", denn die Mobilitätsansprüche werden statt mit dem Auto im
optimal ausgebauten und koordinierten Bahn, Bus, Schiff und Taxiverkehr, sowie per Rad und
zu Fuß abgewickelt.
Eine derartige Werthaltung muß nicht nur von allen lokalen Entscheidungsträgern, Vermietern,
Gemeindebürgern, aber auch Geschäftsleuten getragen werden, sondern sollte den Gästen
auch ständig (vor und während des Aufenthaltes) und überall (Prospekten, Telefonauskunft,
Plakate, Informationsstellen, Gästezeitungen etc.) vermittelt werden.
Wie diese Philosophie in sympathisch, werbender Form dem Gast transportiert werden kann,
zeigt beispielsweise das Gemeindeprospekt der Partnergemeinde Oberstdorf („Kaleidoskop
1996/97):49
„Die Ferienidee...mobil ohne Auto“
Auf den Seiten 2 und 3 wird der Gast sowohl mit positiven Imagebildern (Familie-Bahn, Gepäckstransport leichtgemacht, Bahn mit Berghintergrund, Ortsbus zur lokalen Mobilität) als auch
mit Informationstext, der die Vorteile der Autofreiheit aufzeigt (Ruhe, keine Lärmbelästigung und
Platzeinschränkung durch Verkehr, Öffentlicher Personennahverkehr, Bahnanreise, Gepäckservice, schadstoffreie Busse, regionale ÖV-Mobilität und Preisangaben), auf die außergewöhnlich ausgeprägte Umweltorientierung der Gemeinde eingestimmt.
Eine derartig klare Informationsaufbereitung macht es möglich, diese Umweltpolitik im Marketing als Verkaufsargument („USP“) zu nützen!
4.2. Beispiel Schweizer GAST-Orte
4.2.1. Ferienphilosophie
Ein noch klareres Alleinstellungsmerkmal („USP“) am Tourismusmarkt haben die traditionell
autofreien Schweizer Tourismusorte, die sich zur Werbegemeinschaft „GAST“ zusammengeschlossen haben, und unter diesem Namen auch am Markt auftreten. Deren Ferienphilosophie
lautet folgendermaßen:50
Das Echte, das Naturnahe, das Unverfälschte gewinnt wieder - im wörtlichen Sinn - an Boden.
Sein wird wichtiger als Haben. Wir, die Direktoren der neun autofreien Tourismusorte der
Schweiz, sind in der glücklichen Lage, den Bedürfnissen nach Erholung, Ruhe und Sport in einer intakten, ursprünglichen (Um-)Welt gerecht zu werden. Wir können unseren Gästen den
ganzen Tag Ruhe anbieten, da bei uns in der Regel keine Autos verkehren dürfen.
49
Oberstdorfer „Kaleidoskop 1996/97“, S.2f.
50
Lehner: Marketingkonzept „GAST“, 1997
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EU-Projekt „Sanfte Mobilität“
Process Report - Abschlußbericht
Dazu kommt die gute Luft. Sie atmen bei uns noch saubere Luft, eine Selbstverständlichkeit,
müssste man meinen, die aber keine mehr ist. Eine ursprüngliche Landschaft finden Sie auch
anderorts - bei uns ist sie in einen intakten Sozialverband, das Dorf, eingebettet. Das ist für die
Gäste ebenso wichtig wie für die Einheimischen, die zu ihrer natürlichen Lebensgrundlage Sorge tragen und dies auch von den Gästen erwarten.
Und das alles ohne Verzicht auf den in unserem Land üblichen GAST-Komfort. Der hohe Standard der Schweizer Hotellerie hat auch in den autofreien Fereinorten nichts von seiner Qualität
eingebüsst. Im Gegenteil. Das Fehlen von Lärm, Staus und Abgasen wertet sowohl Ferienort
wie Hotels und Gastbetriebe auf.
Die verkehrsmässige Erschliessung eines Ferienorts ist dabei der zentrale Schlüssel für die
Erhaltung einer Region. Nur wenigen gelingt es, dem motorisierten Strom eine Staumauer entgegenzusetzen. Unseren autofreien Ferienorten kommt die topographische Lage zu Hilfe. Sie
liegen meist so, dass sie mit dem eigenen Auto gar nicht erreichbar sind, sondern nur mit
(Stand-, Luftseil- und Zahnrad-) Bahnen, die als Trichter dämpfend auf eine massentouristische
Überflutung wirken. Oder sie liegen am Ende eines Tales, wo Durchgangsverkehr nicht möglich
ist.
4.2.2. Marketing-Mix 1997
$
Angebotsgestaltung
GAST-Kombi
• Übernachtung in einem der GAST-Orte (Bsp. Mürren)
• Ausflug, der gezwungenermassen nicht im Ort der Übernachtung sein darf (nicht Schilthorn
bei Mürren, aber Jungfraujoch bei Wengen)
• Transferticket ab Bahnhof SBB
• GAST-Card als Controlling (Abstempeln der Übernachtung durch den Tourismusverein, des
Ausfluges durch Kassier Bahnen)
Flyer
• Für Mailing und Einlage Prospekt
$
Preispolitik
Kombi
• Einheitlicher Preis pro Hotelkategorie
Transferticket
• Einheitlicher Preis ab SBB-Bahnhof
$
Distribution
• Bahnhofaktion Zürich
• Sportgeschäfte Athleticum
• Versandhaus, Aktion Deutschland
$
Kommunikation / Werbung
Medienkonferenz von 5.1
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Process Report - Abschlußbericht
Referate
Medienbulltin
• 2-4 mal pro Jahr
Stiftung "Save the Mountains"
• Beiträge/Aktionen
GAST Intern
• Geschäftsbereicht: Aktionen
PR-Reportagen
$
Verkaufsförderung
Ferienmesse St. Gallen
• Projektleitung Beat Andreas Brunner
• Erstellen eines GAST-Ausstellungsmoduls
Direct-Marketing
• Direct-Mailing-Action "Saubere Luft"
Verkaufsförderung (Suite)
GAST-Dispender
• Messeauftritt im Inland
• Koordination GAST-Ort
Schweiz Tourismus
• Fach Mailing Haus
• Vertretung Messen im Ausland
Bahnhofaktion Zürich
• April/Mai
• GAST-Dorf
• Bahnhofbuffett
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5.
Process Report - Abschlußbericht
Checklisten
Um den kommunalen Entscheidungsträgern von der Planung bis zur Umsetzung von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen Unterstützung zu leisten, wurden während der Projektlaufzeit eine
Reihe an Checklisten entwickelt, die als Resultat der Diskussionen in den Workshops der Partnertagungen sowie der zahlreichen Expertengespräche betrachtet werden können.
Konkret enthält das Kommunikationskonzept Checklisten zur
• Situationsanalyse des Tourismusmarketing eines Tourismusortes
• Machbarkeitskriterien (Rahmenbedingungen)
• Nachfragerseite (Gäste und deren Meinungen)
• Angebotsseite (v.a. Infrastruktur) sowie
• Innenkommunikation (erfolgreiches und rechtzeitiges Einbinden der Bevölkerung).
Literatur
C. Prinz: Bevölkerung & Mobilität im 21. Jahrhundert, ÖAMTC Akademie, Wien 1995
G.A.S.T. Schweiz: Marketingkonzept „GAST“, 1997
ÖAR Regionalberatung GmbH: Reiner K., Weinberger C.: Kommunikationskonzept Autofreier
Tourismus, Wien 1997
ÖAR Regionalberatung GmbH: Weinberger C.: Gästebefragung in den Partnergemeinden, EUProjekt Sanfte Mobilität, Wien 1997
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179
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EU-Projekt „Sanfte Mobilität“
Process Report - Abschlußbericht
V. ERFAHRUNGEN AUS DEM PROJEKT UND ZUKUNFTSVISIONEN
1.
Zusammenfassende Projekterfahrungen und Empfehlungen
Das EU-Projekt Sanfte Mobilität in Tourismusorten war erfolgreich. Die gesetzten Ziele wurden
erreicht, auch wenn noch nicht alle geplanten Maßnahmen und Projekte im Rahmen der Projektlaufzeit umgesetzt werden konnten. Die Laufzeit von 18 Monaten ist für derartige Projekte
mit Umsetzungsorientierung als untere Grenze anzusehen, da gerade für Verkehrsmaßnahmen
eine sorgsame Planung und Integration der betroffenen Bürger notwendig sind.
Zusammenfassend die wichtigsten Ergebnisse und Erfahrungen:
• Die Kombination von Experten und Umsetzern kann als Erfolgsstrategie bezeichnet werden.
• Die Vorbereitung und die Anforderungen bei der Auswahl der Partner hat sich sehr sinnvoll
erwiesen. Alle Partner verfolgen konsequent den Weg eines qualitativen, umweltverträglichen Tourismus.
• Direkte gegenseitige Unterstützung der Projektpartner durch Informations- und Erfahrungsaustausch
• Unbürokratische finanzielle Unterstützungen ermöglichten schnelle Realisierung von konkreten Maßnahmen in mehreren Partnergemeinden: Regionsfahrplan Salzkammergut, Beschilderung FUZO Zwiesel, Fahrradkonferenz Oberstdorf, Projektmanagement Täler-bus,
Abholservice Bad Füssing, Ausstellung und Schulung für die Gästeinformationen Hochpustertal
• Neue modellhafte Konzepte und Analysen können auch für andere interessierte Tourismusorte als Vorbild gelten: Anreiselogistikkonzept Werfenweng, Gästebefragung
• Im Laufe der Projektlaufzeit wurden die persönlichen Kontakte immer besser, wodurch der
Informationsfluß, zB über das Projekt-Info, schneller wurde.
• Die Partnergemeinden kontaktierten einander bei Fragen/Problemen zunehmend auf dem
„direkten“ Weg.
• Durch die intensive Arbeit und die gemeinsamen Treffen konnte die Vernetzung der Partner
erreicht werden. Der direkte Erfahrungsaustausch wurde auch bei den Partnertreffen als
größter direkter Nutzen des Projektes bezeichnet. Aufgrund der Rückmeldungen der Partner
auf der Abschlußveranstaltung in Zwiesel und des bekundeten Interesses anderer Organisationen und Tourismusgemeinden (GAST, IG Sanfte Mobiliät, ..) aus verschiedenen europäischen Staaten ist es sinnvoll, auf Basis der gemachten Erfahrungen ein europäisches Netzwerk Tourismusorte mit Sanfter Mobilität aufzubauen. Ein Konzeptentwurf wurde bereits erstellt. Es ist geplant, das Netzwerk bereits im Herbst 1997 als Nachfolgeprojekt des EUProjektes weiterzuführen, da eine Weiterführung von allen Beteiligten angeregt wurde.
ARGE „Sanfte Mobilität“
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Process Report - Abschlußbericht
Bezüglich der Umsetzung von Verkehrsmaßnahmen gibt es einige wenige zentrale Punkte, die
erfolgsentscheidend sein können:51 52
• Ein Tourismusort braucht einen integrierten Verkehrsentwicklungsplan.
• Ein ganzheitlicher Planungsansatz erspart viele spätere Probleme.
• Verkehrsplanung sollte stets in Abstimmung mit dem Tourismus, der Bevölkerung und der
Wirtschaft erfolgen.
• Gesprächsforen („Runde Tische“) als feste Einrichtungen zum Kommunikationsfluß einrichten.
• Großer Wunsch von seiten der Gäste nach verkehrsfreien Ortsbereichen (Fußgängerzonen..)53.
• Überprüfung der Fahrradfreundlichkeit des Tourismusortes.
• Überprüfung der Attraktivität des ÖPNV, Suche nach kostengünstigen, passenden ÖVSystemen.
• Parkraumplanung nicht nur aus „Pkw-Perspektive“.
• Permanente Effizienzkontrollen und Modifikationen regelmäßig durchführen, zB durch Bürger- und Gästebefragungen
• Überprüfung, welche Lösungsbausteine auch privatwirtschaftlich finanziert werden können.
51
Siehe ADAC: Verkehr in Fremdenverkehrsgemeinden - Eine Planungshilfe für Ferienorte mit praktischen Beispielen, München 1993
52
erweitert um Erfahrungen bei den Partnergemeinden aus dem EU-Projekt
53
ÖAR-Regionalberatung GmbH, Gästebefragung im Rahmen des EU-Projektes Sanfte Mobilität, Wien 1997
ARGE „Sanfte Mobilität“
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EU-Projekt „Sanfte Mobilität“
Process Report - Abschlußbericht
2. VISIONEN FÜR DIE ZUKUNFT
EUNAT- ein Europäisches Netzwerk Tourismusorte mit Sanfter Mobilität
Ausgangsüberlegungen
Für viele Urlauber ist die Umweltsituation am Urlaubsort eines der wichtigsten Entscheidungskriterien bei der Wahl des Urlaubsortes. Die Belastung des Autoverkehrs zählt zu den Hauptstörfaktoren. Umweltfreundliche Verkehrsmodelle sind wichtige Voraussetzungen zur Förderung
eines europäischen Qualitätstourismus. Strategien und Maßnahmen für nachhaltige, umweltverträglichere Verkehrslösungen vor Ort und bei der Anreise sind erforderlich.
Der Erfahrungsaustausch und der Aufbau eines europäischen Netzwerkes war eine der zentralen Zielsetzungen des EU-Projektes: Sanfte Mobilität in Tourismusorten und -regionen. Die
Erfahrungen sind diesbezüglich ermutigend. Die Partner des EU-Projektes haben am Abschlußtreffen ihr Interesse an einem europäischen Netzwerk als Fortsetzung des EU-Projektes
Sanfte Mobilität bekundet. Die Tourismusabteilung der Europäischen Kommission GD XXXIII
hat ebenfalls darauf hingewiesen, daß eine Weiterführung bzw. Verbreitung der gewonnenen
Erfahrungen von großem Interesse ist.
Mit dem Europäischen Netzwerk „Tourismusorte mit Sanfter Mobilität“ sollen die im Rahmen
des EU-Projektes gesammelten Erfahrungen weiter verbreitet und am Tourismusmarkt umgesetzt werden. Die weitere konsequente Umsetzung der Ziele und geplanten Maßnahmen auf
Ebene der Tourismusorte und -regionen soll damit direkt und indirekt untersützt werden. Die
Einbeziehung von wichtigen Leistungspartnern (Medien, Tourismusorganisationen, Reiseveranstalter) wird angestrebt. Auf der Partnertagung in Zwiesel wird von den Projektkoordinatoren ein
erstes Konzept für ein europaweites Netzwerk von Tourismusorten / -regionen „Sanfter Mobilität“ den Partnern vorgestellt und auf seine Realisierungsmöglichkeit geprüft.
Zentrale gemeinsame Zielsetzungen:
• Der Schlüsselbegriff: Transnationale Zusammenarbeit von engagierten europäischen Tourismusorten und wichtigen Leistungspartnern
• Lobbying für das Thema Sanfte Mobilität als Qualitätskriterium für eine nachhaltige Tourismusentwicklung: Ziel: Integration von entsprechenden Verkehrsmaßnahmen in Tourismusleitbildern und Tourismuspolitik, Beispiel Alpenkonvention Bereich Verkehr
• Lobbying und Öffentlichtsarbeit für die Partner des Netzwerkes und Aufbau einer „Pressure
Group - Sanfte Mobiltät“ (zur gemeinsamen und somit leichter durchsetzbaren Interessenwahrnehmung gegenüber politischen Instanzen von lokaler bis zur EU-Ebene)
• Kooperation und Erfahrungsaustausch
Fachliche Konzepte und praktische Erfahrungen in den Bereichen: Verkehrsplanung, Logistik
für die Bahnanreise, Marketing, Finanzierung
• Marketing und Kommunikation
Verstärkung der Kontakte zwischen Anbietern und Gast über Reiseveranstalter und sonstige
Mittlerorganisationen und relevanten Akteuren. Entwicklung verkaufbarer Tourismusangebote mit umweltverträglichen Verkehrsformen.
• Die Aktivitäten für umweltverträglichere Verkehrslösungen sollen auch wirtschaftliche Vorteile für die beteiligten Tourismusgemeinden bringen
Mögliche Serviceleistungen/Nutzen
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eines europäischen Netzwerkes von Tourismusgemeinden mit „Sanfter Mobilität“
$ Marketingservice für Tourismusorte mit Sanfter Mobilität:
Das Netzwerk führt für die Mitglieder spezifische Aufträge durch, wie
• Marktforschung: laufendes Monitoring der geplanten und durchgeführten Maßnahmen
durch geeignete Methoden; Beobachtung des Tourismusmarktes
• Präsentationsunterstützung einer Partner-Gemeinde (die schon Umsetzungserfahrung
schon hat) bei einer anderen (die erst im Meinungsbildungsprozeß ist..)
• PR-Dienst: gezielter, regelmäßiger Pressedienst (vor allem bei Neuerungen in einer Gemeinde, und gemeinsamen Aktivitäten und Erfolgen)
• Leistungspolitik: Beratung und Unterstützung im Rahmen nachhaltiger Produktentwicklung.
• Entwicklung angepaßter Informationssysteme über umweltfreundliches Reisen und
konkrete Angebote für Vertriebspartner, Infostellen vor Ort und Gäste (zB Mobilitätsberatung)
• Kontakte zu Vertriebspartnern
$ Qualitätskriterien / Kategorisierung: Konzeption gemeinsam erarbeiteter mobilitätsbezogener Qualitätskriterien. Beispiele: GAST, IAKF, IG Sanfte Mobiliät, Werfenwenger Kriterien für
Betriebe mit Sanfter Mobilität, österreichisches Umweltzeichen Tourismus.
In Hinblick auf die Mitgliedschaft und Vermarktung des Netzwerkes EUNAT ist es denkbar verschiedene Kategorien einzuführen: die total Autofreien, teilweise autofrei, Städte, Inseln etc.
$ Aufbau einer Europäischen Angebotsgruppe „Tourimus mit Sanfter Mobilität“ EUGAT
oder „Autofreier Tourismus in Europa“- ATEU
Die Aktivitäten des Netzwerkes sollen auf die Marktfähigkeit der Mitglieder zugespitzt werden,
die Leistungen also am Tourismusmarkt direkt verkauft werden. Dafür ist - zumindest für die
Besten - der Aufbau einer touristischen Angebotsgruppe geplant.
Leistungen: Definition der Kriterien, Auswahl der Partner, Aktionsplan Umsetzung und Vermarktung, Erstellung von Verkaufsunterlagen (Katalog, Internet Homepage etc.), gemeinsames Logo und Qualitätskriterien für den Aufbau einer Marke auf europäischer Ebene,
Geschäftsführung
$ Gemeinsame Netzwerkzeitschrift
Mögliche Inhalte: Erfahrungsberichte der Partner, Expertenartikel, aktuelle Studien, Marktforschungsberichte, Trends, Kontaktadressen relevanter Firmen wie E-Mobilhersteller, Sponsoringfirmen, Raumplaner, Verkehrsexperten, öffentliche Stellen und deren Zuständigkeiten, Mobilitätsberater, konkrete Anfragen an Partner zu Spezialproblem des Partnerortes, Veranstaltungen.
$ Netzwerk-Meetings in Verbindung mit einer Tagung bzw. Exkursion:
Austausch aktueller Ergebnisse und Besetzung richtungsweisender Themen. Beispiele von
möglichen autofreien Verkehrsmodellen für Tourismusorte, Alternative Transportmittel, wie
Elektro- und Solarfahrzeuge, interessante Initiativen zur Förderung des öffentlichen Verkehrs
und gelungene Beispiele für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing für sanfte Mobilität im Tourismus. Einbeziehung der Medien, Fachexperten, öffentlicher Stellen etc.
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Partner Netzwerk Sanfte Mobilität
Folgende Auflistung gibt einen ersten Überblick über mögliche bzw. interessierte Partner für ein
„europäisches Netzwerk für Tourismus mit Sanfte Mobilität - EUNAT“:
Organisationen/Experten:
• ÖAR-Regionalberatung GmbH
• FUTOUR Tourismus-, Umweltberatung und Regionalberatung GesmbH & CoKG
• ECOTRANS, Europäisches Expertennetzwerk Tourismus und Umwelt
• Verkehrsplaner (Trafico, LB)
Organsisationen Sanfte Mobilität:
• IG Sanfte Mobilität, Franz Hochwarter, Bad Hofgastein; A
• IAKF (Interessengemeinschaft Autofreier Kur- und Fremdenverkehrsorte in Bayern), Obgm.
Wolgang Heitmeier; Bayern
• G.A.S.T. (Gemeinschaft Autofreier Schweizer Tourismusorte), Präsident Peter Lehner Mürren, CH
• NAP (Niederländische Alpenplattform), Vietor Marnix; NL
• NFI (Naturfreunde Internationale), Manfred Pils, A
• Car free Cities, EU-Initiative
• VCÖ (Verkehrsclub Österreich), A
• Fahrradinteressensgemeinschaften
Tourismusregionen/-orte:
• Partner ARGE Sanfte Mobilität (GV Lungau, Werfenweng, Bodenmais, .....)
• Autofreie Inseln (Juist, ...)
• Aostatal; I
Öffentliche Organisationen/Institutionen
• Europäische Kommission, DG XXIII, Abt. Tourismus
• Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie, Abt. Verkehr, Mobilität, A
• Französisches Tourismusministerium
• Niederländische Ministerien für Umwelt und Naturschutz, NL
Sonstige Leistungspartner
• Reiseveranstalter (Ameropa, Vrij Uit, etc.)
• Bahnen (ÖBB, DB AG etc.)
• Sponsoren aus der Wirtschaft (ZB Fahrradhersteller etc.)
Zu weiteren Orten und Organisationen in europäischen Staaten bestehen Kontakte. Es gibt
auch von einigigen öffentlichen Institutuion konkretes Interesse bzw. Hinweise für eine Unterstützung eines Netzwerkes.
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VI. KONTAKTE & ADRESSEN
Als potentielle Kooperationspartner kommen eine Fülle an unterschiedlichen öffentlichen und
privaten Institutionen, Forschungsinstitute, Firmen und Vereine in Frage.
Wichtige Adressen sind beispielsweise folgende:
1) Öffentliche Stellen
Autonome Provinz Bozen
Abt. 28/Amt für Naturparke
Dr. Kammerer Artur
I- 39100 Bozen, C.-Battisti-Str. 21
Tel: ++39/471/994.300, Fax: 994.173
Bayrisches Staatsministerium für Wirtschaft,
Verkehr u. Technologie
MR Bürgers Hans Willi
D- 80535 München, Prinzregentenstr. 28
Tel: ++49/89/ 21 23
BM für Umwelt, Jugend und Familie
Abt. Verkehr Mobilität, Raumordnung und
Lärmschutz
Dipl.Ing. Thaler Robert
A- 1010 Wien, Stubenbastei 5
Tel: ++43/1/51.522-1209, Fax: 7208
BM für wirtschaftliche Angelegenheiten
III/B Tourismus
Mag. Auer Karl
A-1010 Wien, Stubenring 1
Tel: ++43/1/71100-2095, Fax: 714.27.
BM für Wissenschaft und Verkehr
Abt. VI/A/5
Dr. Dorda Andreas
A-1010 Wien, Renngasse 5
Tel: ++43/1/53 464-3104, Fax:53 464-2013
Europäische Kommission
DGXXIII/A/3
Abteilung Tourismus
Direktor Hennessy Patrick
B-1049 Brüssel, Rue de la Loi 200
Tel: ++32/2/ 295.05.00, Fax: 296.11.77
2) Partner - ARGE Sanfte Mobilität
Büro LANG+BURKHARDT
Dipl.Geogr. Ulzhöfer Robert
Dipl.Geogr. Häns Brigitte
D-80335 München, Sandstraße 31
Tel: ++49/89/54.21.55-30/ 33, Fax: DW 11
[email protected]
FUTOUR
Dipl.Bw. Zimmer Peter
Dipl.Geogr. Eckert Alexandra
D-80337 München, Waltherstr.29
Tel: ++49/89/54.40.91-0, Fax: DW 19
[email protected]
Gebietsverband Lungau
c/o FV-Mauterndorf
Dir. Berg Klaus D.
A-5570 Mauterndorf, Altes Gemeindeamt, Markt 52
Tel: ++43/6472/7279, Fax: 7657
Gemeinde Bad Füssing
Bgm. Franz Gnan; Hermann Valtlbauer
D-94072 Bad Füssing, Rathausstraße 6
Tel: ++49/8531/9753, Fax: 8531/21367
Gemeinde Bad Reichenhall
Obgm. Wolfgang Heitmeier
D-83435 Bad Reichenhall, Rathausplatz 1
Tel: ++49/8651-7750, Fax: 8651-775204
Gemeinde Bodenmais
Bgm. Fritz Wühr
D-94249 Bodenmais, Bahnhofstraße 56
Tel: ++49/9924/778-0, Fax:778-277
Gemeinde Frauenau
Bgm. Josef Stadler
D-94258 Frauenau, Rathausplatz 4
Tel: ++49/9926/9400-0, Fax: 9400-8184
Gemeinde Mittenwald
Bgm. Hermann Salminger; Dr. Wolf Brunner
D-82481 Mittenwald, Dammkarstr. 3
Tel: ++49/8823/3312-0, Fax:3312-55
Gemeinde Oberstdorf
Obgm. Eduard Geyer
D-87561 Oberstdorf, Marktplatz 2
Tel: ++49/8322/604-0, Fax: 604-5079
ARGE „Sanfte Mobilität“
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ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt „Sanfte Mobilität“
Process Report - Abschlußbericht
Gemeinde Werfenweng
Bgm. Dr. Peter Brandauer;
GF Stephan Maurer
A-5453 Werfenweng, Gemeindeamt
Tel: ++43/6466/414, Fax: 414-14
Tel: ++43/6466/420
ÖAR-Regionalberatung GmbH
Dipl.Ing. Karl Reiner
A-1130 Wien, Amalienstraße 68
Tel: ++43/1/877.94.21, Fax: 877.94.25
[email protected]
Ökoinstitut Südtirol/apollis
Hans Glauber
Helmuth Pörnbacher
I-39100 Bozen, Talfergasse 2
Tel: ++39/471/98.00.48 Fax: 97.19.06
Tel: ++39/471/97 01 15
Regionalverband Lungau
Dr. Dkfm. Holzrichter Bernhard
A-5570 Mauterndorf, Altes Gemeindeamt
Tel: ++43/6472/7740
Regionalverband Inneres Salzkammergut
Mag. Alois Steiner
A-4822 Bad Goisern 650
Tel: ++43/6135-7441, Fax: 6135-830130
Stadtgemeinde Zwiesel
Bgm. Alois Feitz; Kurdir. Emil Kronschnabel
D-94427 Zwiesel, Stadtplatz 27
Tel: ++49/9922/8405, Fax: 8405-45
Tälerbus Lungau
Dr. Emil Hocevar
A-5580 Tamsweg, Tamsweg 474
Tel: ++43/6474/6070
Tourismusverband Innichen
Obmann Hans Schmieder
I-39038 Innichen/, Herzog-Tassilo-Str. 16
Tel: ++39/474/913 144, Fax: 914 080
Tourismusverband Hochpustertal
GF Dr. Hansjörg Viertler
I-39038 Innichen/San Candido, Pflegeplatz 1
Tel: ++39/474/913156, Fax: 474/914361
Tourismusverband Tannheim
GF Walter Oberhuber
A-6675 Tannheim, Tannheim 110
Tel: ++43/5675-6253-0, Fax: 5675-6649
TRAFICO Verkehrsplanung
Dipl.Ing. Koch Helmut
A-4810 Gmunden, Kirchenplatz 1
Tel: ++43/76 12/70911, Fax: 709 11-4
3) Tourismusorte/Organisationen/Planer
ASSIST GmbH./Auto Teilen Österreich
Peter Novy
A-8010 Graz, Neutorstr. 49/4,
Tel: 0664-30 21 681, Fax: 0316-822 576
Assoziazione cultura turismo ambiente (ACTA)
Dr. Canova Lorenzo
I-20124 Milano, Via Scarlatti, 27
Tel: ++39/2/66 98 09 32, Fax: 66 98 09 31
[email protected]
CIPRA
Dipl.Bw. Dieter Popp
D-80 337 München, Waltherstr. 29,
Tel: ++49-89-29 27 36, Fax: 29 27 40
ECOTRANS e.V.
Dipl.Bw. Herbert Hamele
D-66 123 Saarbrücken, Berliner Promenade 7
Tel: +49/681/37 46 79, Fax: 37 46 33
e-mail: [email protected]
GAST Sekretariat
Präsident Peter Lehner, Mürren Tourismus
CH-3825 Mürren
Tel: ++33-856 86 86, Fax: 856 86 96,
e-mail: [email protected]
Gemeinde Kleinwalsertal
Dir. Fink Werner
A-6992 Hirschegg, Walserhaus
Tel: ++43/5517/5114-0, Fax: 5114-21
Gemeindeamt Bad Hofgastein
Bgm. Weber Adolf
A-5630 Bad Hofgastein, Gemeindeamt
Tel: ++43/6432/62 40
Gemeindeamt Lech am Arlberg
Bgm. Ludwig Muxel
A-6467 Lech am Arlberg
Tel: ++43/5583/22 13, Fax: 22 13 41
IG Sonnenterrasse
Koordinator Cyriak Schwaighofer
A-5622 Goldegg, Hofmark 1
Tel: ++43/6415/82 34, Fax: 82 34-4
Interessengemeinschaft Sanfte Mobilität
Franz Hochwarter
A-5630 Bad Hofgastein, Tauernplatz 1
Tel: ++43/6432/71 10 0
Kuratorium für Verkehrssicherheit
Institut für Verkehr
Ing. Schrammel Erwin
A- 1031 Wien, Oezeltgasse 3
Tel: ++43/1/71 770-126, Fax: +43/1/71 770-9
ARGE „Sanfte Mobilität“
186
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt „Sanfte Mobilität“
Process Report - Abschlußbericht
Landkreis Regen/ Landratsamt
Referat Tourismus
Frank Boettcher
D-94202 Regen, Postfach 1220
Naturfreunde Saarland
Dilp. Soz. Lothar Wolhelm
D-66 333 Völklingen, Stadionstr. 10,
Tel: ++49-6898-255 68, Fax: 29 54 95
NFI-Naturfreunde International
Mag. Manfred Pils
A-1150 Wien, Diefenbachstr. 36,
Tel: Tel: ++43/1/892 38 77, Fax: 812 97 89
NL Alpenplattform
Marnix Vietor
NL- 2509 BA Den Haag, NAP, c/o ANWB, PO BOX 93200
Tel. ++31/70/314.6435; Fax:314.7207
Trafico Verkehrsplanung
Dipl.Ing. Molitor Romain
A-1060 Wien, Filgradergasse 6/2
Tel: ++43/1/586 41 81, Fax: 586 28 779
Verkehrsamt Weissensee
Direktor Gruber Christoph
A-9762 Weissensee, Techendorf
Tel: ++43/4713/22.20-0, Fax: -44
4) Reiseveranstalter / Tourismusorganisationen / Verkehrsträger
Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC),
Landesverband Bayern
D-80 336 München, Landwehrstr. 16,
Ameropa Reisen GmbH
Volker Bender -Praß
D-61343 Bad Homburg
Tel: ++49/6172/109-0
Bahn Tours
A-1070 Wien, Lindeng.41
Tel: ++43/1/526 14 01
DB-Touristik
Ralf Baumbach
D-60 326 Frankfurt/Main, Stephensonstr. 1
Tel: ++49-69-97 33-61 22
Euronet Travel
A-5020 Salzbrug, Schwarzstr.33
Tel: ++43/662-877 111
Eurotouring
A-2540 Bad Vöslau, Josef-Erl-G.1
Tel: ++43/2252-76 319
Eurotours
Kitzbühel, Tel: ++43/5356/3131-0
Fernverkehr/ Touristikabteilung
Dr. Forster
A-1010 Wien, Gauermanng. 2-4
Tel: ++43/5800-34422, 5800-36 224, Fax: 25.246
Gütegemeinschaft Buskomfort e.V.
D-71 034 Böblingen Dornierstr.3,
Tel: ++49/70 31 / 623-175
Hyundai (Elektroauto)
A-1020 Wien,Handelskai 340,
Tel: ++43/1/727 14
MHTS GmbH.
A-6020 Innsbruck, Botanikerstr.4
Tel: ++43/512-29 17 26
Mithras Reisen
A-3100 St. Pölten, Klosterg. 1a
Tel: ++43/2742/394
Mondial
A-1040 Wien, Faulmanngasse 4
Tel: ++43/1/588.04-0 Fax:587.12.68
ÖBB Fernverkehr / Touristikabteilung
Christoph Hinterleitner
A-1010 Wien, Gauermannstr. 2-4
Tel: ++43/1/5800-354 22, Fax: 25 246
ÖBB Personenverkehr Salzburg
Mag. Karl Eidenhammer
5020 Salzburg, Südtirolerplatz 1
Tel: ++43/662/ 88 9 15 - 3116, Fax: 88 9 15 - 31 19
Österreich Werbung
A-1040 Wien, Margaretenstr. 1
Tel: ++43/1/58866-0, Fax: 588 66-20
Papageno Reisen
A-1220 Wien, Esslinger Hptstr. 81-87
Tel: ++43/1/210 43 53
Rad & Reisen
A-1180 Wien, Schulg. 36
Tel: ++43/1/405 38 73-0
Rail Tours Austria
A-1030 Wien, Daffingerstr. 4
Tel: ++43/1/58842-2337
ARGE „Sanfte Mobilität“
187
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt „Sanfte Mobilität“
Process Report - Abschlußbericht
RB Westbahnhof
A-1150 Wien, Europaplatz 1
Tel: ++43/1/58 00 31 060
Reisebüro Neuer Tourismus
D-93 047 Regensburg, Jakobstr.12
Tel: ++49-941-56 35 32
Reisen und Freizeit
A-5020 Salzburg, Ferdinand Hanusch Platz 1
Tel: ++43/662/8041-0
Revista Reisen
A-6414 Wildermieming, Tel: ++43/5264-5336
Salzburger Verkehrsverbund
A-5033 Wien, Schiffmanng. 29
Tel: ++43/662-632 900
SLT GesmbH
Mag. Andrea Huemer
A-5300 Hallwang bei Salzburg
Tel: ++43/662/66 88-0
TUI
Dr. Michael Iwand
D-Hannover,
Tel: ++49/511/567-2442
Verkehrsbüro
A-1010 Wien, Friedrichstr. 7
Tel: ++43/1/588.00-0
Verträglich Reisen
Manfred Reuther
D-80 719 München, Pf.: 40 19 03
Tel: ++49/89/30 881-28
5) Forschungsstellen
AFI-Alpenforschungsinstitut
Dr. Thomas Bausch
D-82 467 Garmisch-Partenkirchen, Kreuzeckbahnstr. 19
Tel: ++49-8821-18 33 01, Fax: 18 33 10
Arbeiterkammer Wien
Umwelt/Verkehrspolitische Abteilung
A-1040 Wien, Prinz-Eugen-Str.20-22
Tel: ++43/1/50 165-0
FGM-Mobilitätsberatung
Dr. Elisabeth Kirschner
A-8010 Graz, Schönaug. 8a/I
Tel: ++43/316-81 04 51-0, Fax: 81 04 51-75
e-mail: [email protected]
Institut für Tourismusforschung
Dr. Gottfried Langer
A-6020 Innsbruck, Tiergartenstr. 27
Tel: Tel: ++43/512-28 28 94
iitf - Institut für integrativen Tourismus
Dipl.Ing. Christian Baumgartner
A-1150 Wien, Diefenbachg. 36
Tel.++43/1/892 38 77-14, Fax: 812 97 89
NL Alpenplattform
Vietor Marnix, NAP c/o ANWB
NL-2509 BA Den Haag, PO Box 93200
Fax: ++31-70-314 7207
Universität Bern, Institut für Freizeit und Tourismus FIF
CH-3012 Bern, Engelhaldenstr. 4
Tel: ++41-31-631 37 11-12, Fax: 631 34 15
VCÖ Verkehrsclub Österreich
Mag. Wolfgang Rauh
A-1150 Wien, Dingelstedtg. 15;
Tel: ++43/1/89 32 697, Fax: 89 32 431
Wirtschaftsuniversität Wien
Institut für Tourismus- und Freizeit
Mag. Dietmar Kepplinger
A-1090 Wien, Aug. 2-6
Tel: ++43/1/31 336-4586, Fax: 317 12 05
ARGE „Sanfte Mobilität“
188
ÖAR-Regionalberatung GmbH
EU-Projekt „Sanfte Mobilität“
Process Report - Abschlußbericht
ANHANG / BEILAGEN
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• Info Nr. 8 - Bayrischer Wald
ARGE „Sanfte Mobilität“
189
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