Tour: Gardasee bis Verona – Ein kleines Abenteuer und viel

Transcription

Tour: Gardasee bis Verona – Ein kleines Abenteuer und viel
Tour: Gardasee bis Verona –
Ein kleines Abenteuer und viel italienische Gelassenheit
Strecke
Tag 1:
Tag 2:
Tag 3:
Bellinzona – Autobahn über Milano nach Brescia – Salo – Gargnano – Formaga –
Costa – Passo d`Ere – Rif. Piemp – Gardola – Trémosine – Limone sul Garda
Limone sul Garda – Fähre nach Malcesine – Sommavilla – Castello di Brenzone –
Passo di Telegrafo – Prada – Caprino – Spiazzi – Rif. Nuezzina – Spiazzi – Sega –
Peri – Fosse – Sanata Anna d`Alfaedo – Fane – Villa – Negrar – Verona
Verona – Ohne Autobahn nach Peschiera – Desenzano – Brescia –
(Autobahn nach) Bergamo – Lecco – Meride – Como – Lugano – Bellinzona
Distanzen
Tag 1: 315 km
Tag 2: 180 km
Tag 3: 252 km
Total:
747 km
Reisebericht
Tag 1
Nach einer ruhigen Nacht sitzen wir schon um 9.00 Uhr auf dem Moto und cruisen in Richtung Chiasso. Noch kurz vor der Grenze tanken und schon sind wir in Italien. Anfangs läuft es wie geschmiert. Der
Verkehr ist flüssig und wir kommen gut voran. Doch schon kurz nach Como beginnt sich der Verkehr
zu «verklumpen» und das Fliessen des normalen Verkehrs ändert sich in ein langsames Ruckeln. Mal
schneller, mal langsamer. Immer kurz vor den Ausfahrten beginnt der Verkehr zu fliessen und so hoffen
wir jedesmal, dass es nun vorbei sei mit dem Stau. Ja denkste! Es wird immer schlimmer. Nach der
Abzweigung Milano in Richtung Venedig wird es erst richtig übel und da ich keine Ausfahrten mehr
entdecke, ausser in Richtung Milano-Zentrum gibt es auch keine Alternative. So mogeln wir uns mehr
oder weniger legal zwischen den Autos nach vorn, immer darauf bedacht mit den Alukoffern keinem
die Karosserie zu zerkratzen.
Plötzlich nehme ich hinter mir das Martinshorn war. Weit entfernt und nicht wirklich näher kommend.
Ich schaue mich um, aber ich sehe nichts. Vorsichtshalber fahre ich mal ganz links an den Rand. Nach
gut 2-3 Minuten sehe ich dann, wie sich eine Ambulanz ganz langsam zwischen den stehenden Autos
nach vorn schiebt. Der Krankenwagen kommt aber nur so langsam vorwärts, dass ich noch lange Zeit
habe, in einigem Abstand zwischen den stehenden Autos selbst nach einer Lücke zu suchen. Erst als
das Notfallfahrzeug etwa 20 Meter hinter mir ist, schere ich erneut nach links aus, wohl bemerkt, als
erster. Die anderen warten jeweils, bis das Fahrzeug direkt hinter ihnen ist, bevor sie reagieren. Der
arme Kerl, der da auf Hilfe wartet, denke ich mir. Noch lange höre ich die Sirenen vor mir, bevor sie
irgendwann verstummen. Evtl. hat sich der Verletzte ja inzwischen selbst helfen können, wünschen
tät ich’s ihm.
www.moto-adventure.ch
© by moto-adventure.ch / Text und Fotos: Severin Werner
Irgendwann hat aber auch der grösste Stau sein
Ende und wir gelangen mit gut zweieinhalb Stunden Verspätung nach Brescia. Endlich kann unsere KTM richtig durchschnaufen und sich ihrem
Unmut über das langsame geholper Luft verschaffen. Mit dröhnendem Motor lassen wir den
Asphalt unter uns dahin fliegen und donnern in
Richtung Salo am Gardasee. Erst als wir das glitzernde, blaue Nass zu Gesicht bekommen, strömt
wohlige Wärme durch unsere Adern und die wohlbekannte Ferienentspannung stellt sich ein.
Wir folgen der Seestrasse nach Gargnano, wo
wir im Dorfzentrum nach links den Berg hinauf
abbiegen. Der Belag ist griffig und ohne viele
Schlaglöcher, die Kurven ideal rund und so gönne ich den Anwohnern das kratzende Geräusch
meiner auf dem Asphaltboden schleifenden Aluschutzplättchen der Tech-8-Stiefel. Rechts und
links der Strasse wachsen dunkelgrüne Pappeln
in den Himmel, dazwischen winken uns Palmen
mit ihren Zweigen zu. Es ist grün und warm, hier
hat der Sommer nun also definitiv schon Einzug
gehalten. Das merke ich spätestens, als ich mein
Visier von den vielen kleinen Insekten reinigen
muss, die es mit mir aufnehmen wollten – und
verloren haben.
Zwischendurch versuche ich die Kurven zu zählen, doch dieses Unterfangen lasse ich schon
nach Kurzem sein. Denn einerseits sind es viel zu
viele, als dass ich mit zählen nachkäme und andererseits brauche ich meine Konzentration, um
sicher auf der Strasse zu bleiben. Wie wir feststellen, verändert sich die Gegend, sobald man
etwas Distanz zum Gardasee hat. Wenn man von
der Seeküste etwas ins «Landesinnere» bzw. ins
erste Tal hinter den hohen Bergkämmen gelangt,
wird es trockner und vor allem eins fällt uns auf:
Man ist meist allein auf weiter Flur! Genau dies
gefällt uns, suchen wir doch nicht Toursitenhochburgen, sondern etwas Abstand vom hektischen
Alltag. Wir machen an einem kleinen Seitensträsschen Mittagsrast und geniessen das Zwitschern
der Vögel und das noch leise Zirpen der Grillen
im hohen Gras.
Am Eingang Costas, einem für unsere Verhältnisse winzigen Dörfchen schon weit oben am
Berghang, nehmen wir gleich die erste Abzweigung rechts. Nun wird der Weg immer schmaler
und auch seine Qualität nimmt stetig und rapide
ab. Irgendwann habe ich dann nur noch Kies unter den Rädern. Das ginge noch, aber als der «Belag» dann auf groben Schotter wechselt und ein
Umkehren auf Grund seiner Schmalheit schwierig
wird, mache ich mir ernsthaft Gedanken, ob ich die Karte richtig gelesen habe. Eigentlich sollte eine
durchgehende Strasse, wenn auch eine kleine, über den Passo d`Ere gehen, aber wie es scheint, ist
dem nicht so.
www.moto-adventure.ch
© by moto-adventure.ch / Text und Fotos: Severin Werner
Ich möchte kurz abbremsen, um mein ABS abzuschalten und trete, da auf Kies, die Hinterradbremse. Welch ein «Schock», ich trete ins Leere!
Sie reagiert nicht. Ich trete nochmals, nichts! Adrenalin schiesst mir durch die Adern. Au backe,
was mache ich nun. Mit der Motorenbremse und
viel Gefühl am Vorderrad bringe ich die vollbeladene KTM zum stehen. Meine Hinterradbremse
bewegt sich tatsächlich nicht mehr. Nun beginnt
sich die Sache zu verschärfen. Dieselbe Strecke
hinunter, die ich eben hoch gefahren bin, wird definitiv zum Abenteuer ohne Hinterradbremse. Ich
kann nur hoffen, dass die Strecke auf der anderen
Seite runter besser ist.
Wir holpern also weiter den Berg hoch. Meine Sozia wird auf der Rückbank ungewollt heftig durchgeschüttelt und gewalkt. Diese Strecke ist definitiv nichts mehr für Strassenmaschinen. Ohne
viel Federweg und etwas Endurofahrkenntnisse
ist hier nichts mehr zu machen. Als uns irgendwann einige Mountainbiker entgegenkommen,
machen wir kurz Halt und diskutieren den Weg.
Sie machen uns Mut und meinen, dass es für uns
zu machen wäre, allerdings sollten wir uns immer
in Richtung Refugio Piemp halten. Gesagt, getan. Ab der Passhöhe geht es dann nur noch im
ersten Gang und unter feinster Verwendung der
Vorderradbremse in Richtung Tal. Glücklicherweise ist der Weg hier weniger steinig, was einerseits
meinen Adrenalinspiegel absinken lässt und andererseits die ganze Aktion sicherer macht. Nach einer unendlich lange dauernden Schlitterpartie taucht vor uns plötzlich ein kleines Gebäude auf, das
Refugio Piemp. Dieses kleine, unbemannte Gebäude ermöglicht Wanderern und Bikern kostenlos in
den Bergen zu nächtigen (allerdings muss man alles, was man braucht, selbst mitbringen, inkl. Matte
und Schlafsack).
Für uns ist dieses Refugio aber auch sonst noch ein glücklicher Ort. Von hier aus läuft nämlich wieder
ein asphaltieres Strassenband hinunter ins Tal. So kommen wir doch noch ziemlich bald und vor allem
heil unten in Gardola an.
Bis nach Tremosine folgen wir einer gut ausgebauten, nichts desto trotz teilweise tückischen
Strasse. Viele Kurven sind nicht einsehbar und so
verwundert es uns nicht, als wir nach einer Kurve
auf einen vor kurzem in die Böschung geknallten
BMW Z3 stossen. Die Insassen sind aber schon
wieder munter und dabei ihre Sachen zusammen
zu sammeln. Als wir weiter fahren, kommt uns
auch schon der Abschleppwagen entgegen. Sorgen brauen wir uns also keine mehr zu machen.
Eigentlich wollten wir vor Tremosine einen Umweg
über den Passo di Tremalzo machen, aber die
Strasse nach San Michele ist für Motos gesperrt.
So fahren wir dann über eine endlos scheinende,
kurvige Abfahrt hinunter nach Limone sul Garda.
Das ziemlich touristische Dörfchen kann auf eine
lange Tradition in Sachen Limonenzüchten zurückschauen, daher auch die Ortsbezeichnung.
www.moto-adventure.ch
© by moto-adventure.ch / Text und Fotos: Severin Werner
Nach einem gemütlichen Rundgang durch das
Zentrum mit seinen vielen kleinen und kleinsten
Lädelchen, gönnen wir uns eine saftige Pizza in
einem der vielen guten Restaurants entlang dem
See. Beim Rückweg gelangen wir durch die Via
Mons. Di Gamboni. An den Wänden finden wir in
regelmässigen Abständen Schneckenhäuschen
angeklebt. Darauf hervor lugt ein Docht. Auf Nachfrage erfahren wir, dass zu Ostern jeweils eine
Prozession am Abend des Karfreitags stattfindet
und die Schneckenhäuschen den Weg markieren
sollen. Wir sind allerdings zu müde um bis spät
in der Nacht wach zu bleiben und machen uns
weiter auf den Heimweg. Im Parco Publico mit
seinen Zitronenbäumen, gleich neben unserem
Hotel, verdauen wir noch etwas, während wir die
Geschichte von Limone studieren.
Tag 2
Schon um 7.40 stehen wir auf, um vor unserer
Fahrt vom grosszügigen Frühstücksbuffet des
Hotels zu profitieren und uns die Bäuche voll zu
schlagen, bevor wir um 9.00 Uhr voller Unternehmungsdrang die Fähre nach Malcesine auf der
anderen Seeseite nehmen. Wir gondeln entlang
der Strasse einige Kilometer nach Süden dem
See entlang durch noch verschlafene Dörfer, bevor wir in Sommavilla steil nach oben abzweigen.
Die Passfahrt hinauf zum Passo di Telégrafo ist
mal wieder ein echtes Highlight. Die Strecke führt
steil bergan und wir kommen kaum über den 2ten
Gang hinaus. Büsche und Sträucher verhindern
ein schönes Foto der Serpentinen, aber die Fernsicht ist dafür umso besser. Ausser zwei Motorräder treffen wir hier auf keinen Verkehr. Eigentlich
verwunderlich, liegt diese Strasse doch gleich
beim Gardasee und weist gut 20 Spitzkehren
auf.
Unterschätzen sollte man die Strasse dennoch
nicht, wie ein einsames, etwas verstecktes, 20
Meter unterhalb der Strasse in den Bäumen verkeiltes Fahrzeugwrack bezeugt. Wir lassen uns
die Freude aber nicht nehmen und geniessen die
vielen Kehren an diesem kühlen Morgen.
Nachdem wir eine atemberaubende Steilwand
entlang gefahren sind, erreichen wir nach einer
kurzen, fast geraden Abfahrt eine Hochebene.
Hier machen wir eine erstaunliche Entdeckung:
«Prada», den meisten bekannt als Edel-Kleidermarke, ist eigentlich eine kleine, idyllische und
absolut unmoderne Ortschaft östlich des Gardasees. Natürlich muss in diesem Fall das Ortsschild für ein obligates Beweisfoto herhalten.
In Caprino schlängeln wir uns durch das sonntägliche Marktgewusel im Stadtkern, denn wir wollen
wieder nach Norden. Unser Ziel ist der «Bocca di
Naverne». Die Strasse bis hinauf nach Spiazzi ist
geradezu gemacht um in den Kurven dem Boden
sehr nahe zu kommen. Langgezogende Kehren
www.moto-adventure.ch
© by moto-adventure.ch / Text und Fotos: Severin Werner
mit feinstem Belag ermöglichen es, dauerhaft am Gashahn zu ziehen. Ok, mit unserer Enduro ist dies
nicht ganz das gleiche, wie mit den vielen italienischen Supersportlern, die uns um die Ohren sausen,
daher lassen wir es lieber ganz sein und geniessen die Strecke und das tiefe und mächtige Brummen
der 1000-Kubik-Rassemaschinen in angemessenem Tempo und überlassen das Rasen den anderen.
Kurz nach dem Rifugio Novezza ist allerdings Schluss mit fahren. Schon kurz zuvor mussten wir unsere 990er durch kleine Schneeverwehungen dirigieren, doch nun geht nichts mehr. Die Frühlingssonne
ist hier noch zu schwach, um den sich erst langsam zurückziehenden Winter die restlichen Zähne zu
ziehen. Bevor auch wir uns im Schnee verbeissen und nicht mehr rauskommen, kehren wir um.
Über Spiazzi geht es südlich bis nach Rivoli, wo
uns die Burg «Wohlgemuth» beim Vorbeifahren
ins Auge sticht. Die Burg, die 1850 erbaut wurde,
gehörte zu Radetzkys Festungsviereck und steht
mittlerweile unter Denkmalschutz. Interessanter
für uns Biker ist allerdings die Strasse SS12, die
von Sega her den Flusslauf der «Fiume Adige»
begleitet. Beidseitig ragen riesige Felswände empor, bevor man nun zu seiner linken erneut die
Festung «Wohlgemuth» zu Gesicht bekommt.
Wer auch noch Badesachen dabei hat, kann sich
an einem der kleinen «Strandabschnitte am Fluss
ein kleines Erfrischungsbad gönnen. Da wir leider nicht mit dieser Möglichkeit gerechnet haben,
folgen wir der fein gewundenen Strecke bis nach
Peri, wo wir rechts den Hügel hinauf abbiegen.
Offiziell sind es 11 «Tornati», die sich den Hang hinaufschrauben, aber unter uns gesagt, da ist mehr
drin, als «draufsteht»! Kein Verkehr, der einen stört, guter Belag und viele Kurven und Kürvchen. Inzwischen hat auch der Hunger seinen Weg in unsere Mägen gefunden und das mächtige Knurren aus
der Bauchgegend macht dem Motorenbrummen happige Konkurrenz. Nur leider ist von einem feinen
Restaurant weit und breit nichts zu sehen.
www.moto-adventure.ch
© by moto-adventure.ch / Text und Fotos: Severin Werner
Wir fahren also mit offenen Augen weiter, immer
Ausschau haltend nach dem nächstbesten Hungerkiller. Ausgangs Sant`Anna d`Alfaedo werden
wir fündig. Ein eher unscheinbares Arbeiterrestaurant avanciert nach dem ersten Bekanntmachen
zu unserem Favorit dieser Tour. Ist der Eingangsbereich noch etwas rauchig, dunkel und wenig
einladend, so werden wir nach Kurzem eines Besseren belehrt. Auf die Frage nach warmem Essen
werden wir in einen hinteren, grossen Esssaal
geführt. Schön dekorierte Tische in einem klimatisierten Raum erwarten uns. Das Menu wird noch
mündlich vorgetragen und auf Grund fehlender,
ausschweifender Italienischkenntnisse bestellen
wir auf Empfehlung des Kochs das Tagesmenu
und werden äusserst positiv überrascht. Für gerade mal 10 Euro gibt es einen Dreigänger, und
was für einen! Das Getränk ist da sogar inklusive. Besser und haben wir für einen solchen Preis
kaum je gegessen.
An blühenden Kirschbäumen vorbei geht es nach
dem gelungenen Mittagessen mit vollem Bauch
über Fane und Negrar bis nach Verona. In Verona
haben wir bereits vor der Tour ein kleines Zimmer
gebucht, denn an Ostern erwarteten wir hier zu
recht viele Touristen. Das Hotel Piccolo liegt zwar
sehr zentral gleich neben dem Bahnhof, aber es
ist trotzdem etwas schwierig zu finden, da in Verona, wie in Zürich, an vielen Orten Einbahnverkehr
gilt. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten finden wir es dann doch noch. Das Hotel sieht von aussen
schlimmer aus, als es eigentlich ist. Innen sind die Zimmer sauber und in gutem Zustand, aber der
Gegend trauen wir dennoch nicht so ganz und so zahlen wir gerne noch 4 Euro drauf, um unser Moto
in einer sicheren Garage verstaut zu wissen.
Kurze Zeit später machen wir uns auf Entdeckungstour durch Verona. Knappe 15 Minuten zu
Fuss benötigt man bis ins Zentrum. Neben der
bekannten «Arena» verfügt die Stadt aber auch
noch über andere Attraktionen. Was aber am
meisten auffällt sind die vielen, freundlichen Leute. Überall finden sich Gruppen, die gemütlich zusammensitzen und über dies und das diskutieren,
Kaffee trinken oder einfach die Sonnenstrahlen
geniessen.
Mit müden Beinen, platten Füssen und vielen
neuen Eindrücken im Rucksack der Erinnerung
gelangen wir bei eintretender Dunkelheit zurück
ins Hotel. Mit einer erfrischenden Dusche und einigen Seiten in einem interessanten Buch lassen
wir den Tag auspendeln.
Tag 3
Heute geht es leider schon wieder heimwärts.
Doch anstelle über die öde Autobahn an Milano
vorbei zu ziehen und dabei auch noch Stau zu riskieren, wollen wir für den Rückweg vor allem auf
Nebenstrassen setzen. Von Verona aus peilen wir
also zuerst mal Peschiera del Garda an. Dies ist eine kleine «Hafen»stadt mit einer grossen Festungsanlage, die vor allem im Krieg zwischen Österreich und Italien unter General Radetzky Verwendung
gefunden hat. Ausserdem liegt der Ort im Mündungsgebiet des Flusses Mincio und bietet den Besuchern eine hübsche Altstadt. Wer Lust auf Wochenmarkt hat, findet jeweils montags die typischen
Produkte der Gegend im Angebot der «Stande».
www.moto-adventure.ch
© by moto-adventure.ch / Text und Fotos: Severin Werner
Von Peschiera bis nach Bergamo führt die Strecke zunächst entlang der extrem touristisierten Gradaseeküste mit vielen Hotels und Restaurants, bevor sie später parallel zur Autobahn ebenfalls zweispurig an Brescia vorbei führt. Bis Bergamo nehmen wir das einzige Mal auf der heutigen Etappe die
Autobahn, denn der Verkehr wird immer dichter und irgendwann wollen wir heute ja noch in Bellinzona
ankommen.
Ab Bergamo folgen wir der P342, wobei es für Kurvenfanatiker und solche die es gerne werden wollen,
auch die Möglichkeit gäbe, über Brembilla und Vedeseta nach Norden zu fahren. Details über diese
Gegend bzw. Route sind auch in der Tour «Schräglagentraining zwischen Locarno und San Pellegrino» zu finden. Wir kennen diese Strecke allerdings vom letzten Mal und wissen auch, dass sie einiges
an Zeit in Anspruch nimmt. Leider hat sich aber der Himmel etwas verdunkelt und es haben sich gar
schon einige Regentropfen auf meinem Visier festgekrallt. So entscheiden wir uns dagegen und bevorzugen in diesem Fall die direktere Heimreise.
Am Lago di Garlate vorbei, der eigentlich ein erweiterter Teil des Lago di Como ist, passieren wir Lecco. Die Strasse dreht sich jetzt nach Westen auf Como zu. Nach einem kurzen Regenguss hat sich der
Himmel inzwischen glüklicherweise wieder etwas aufgehellt und wir hoffen, dass es so bleibt. Die Luft
ist allerdings immer noch ziemlich kühl, weshalb ich vom kühleren Held Phantom auf die wärmeren
IXS Handschuhe wechsle, um so meine Bremsfinger immer bereit zu haben, denn meine Hinterradbremse funktioniert immer noch nicht.
In Como ist es dann wieder derart warm, dass wir uns am See eine Pause gönnen und etwas Sonne
tanken. Einige kleine Wiesen bieten geradezu ideale Verhältnisse für ein Picknick und da wir noch
einige Kleigkeiten im Topcase verstaut haben, packen wir diese aus.
Nach diesem erholsamen Break freuen wir uns auf die meist vereinsamt daliegende Strecke dem
Luganersee entlang von Méride bis hinauf nach Lugano. Die allermeisten benützen hier die Autobahn,
doch dies ist eigentlich schade, denn die Strasse entlang des Sees, vorbei an den kleinen Dörfchen,
um kantige Felsen herum dem See folgend, hat sehr wohl etwas für sich.
Von Lugano, wo sich noch ein Spaziergang der
Seepromenade entlang anbieten würde, geht es
dann zu guter Letzt noch über den Monte Ceneri.
Leider ist dieser «Pass» aber von Süden her nicht
so interessant wie von Norden her. Erst wenn
man plötzlich steil hinunter nach Bellinzona sticht,
merkt man, dass man soeben die Passhöhe hinter
sich gebracht hat. Viele Kilometer waren es heute nicht gerade und so nutzen wir die restlichen
Sonnestunden, um Bellinzona etwas zu erkunden. Die meisten Leute kennen Bellinzona ja nur
also Autobahnausfahrt. Aber wer sich etwas Zeit
nimmt, der findet im Zentrum Bellinzonas neben
einer hübschen Altstadt eine gut erhaltene Burg
mit kleinem Grotto sowie wunderbarer Aussicht
über das Tal vom Burgturm herab. Ausserdem ist
diese Gegend ein geniales Wandergebiet.
Fazit dieser Tour: Der Gardasee hat weit mehr zu
bieten als eine Küstenstrasse mit touristischen
Pizzerias und es lohnt sich sicherlich einige Tage
mehr in eine Tour in diese schöne Region zu investieren, als nur ein Wochenende, sofern man Zeit
hat. Vor allem die neben dem See steil ansteigenden Berge bieten viele noch kaum befahrene,
kleine und schmale Strässchen, die sich ideal für die Tourer eignen. Daneben bietet die Region aber
auch Interessantes neben der Strasse, was vor allem auch den Sozias gefallen wird.
www.moto-adventure.ch
© by moto-adventure.ch / Text und Fotos: Severin Werner
Empfehlungen / Sehenswürdigkeiten
Parco Giardino Sigurta
Die Gartenanlagen des Parco Giardino Sigurta werden zu den fünf schönsten der Welt gezählt. Die
Begebenheiten sind fantastisch und man findet immer wieder ein Fotomotiv, dass noch fotogener erscheint als das voran gegangene. Wer sich mal eine Tag Auszeit vom Motorradfahren nehmen will und
sich die Stadt schon angeschaut hat, dem sei dieser Ort empfohlen.
Weitere Infos unter: http://www.sigurta.it
Canyoning und Klettern in Tremosine
Neben Mountainbiektouren, die einen noch etwas weiter weg führen von den Motorradzugänglichen
Strassen, kann man hier auch Canyoning buchen. Auch mal etwas spezielles, dass man vor allem im
heissen Sommer gerne mal mitmacht. Wer höher hinaus will, der kann sich auch an Klettersteigen
probieren.
Mehr Infos unter: http://www.skyclimber.it
Weingut Madonna delle Vittorie am Gardasee
Wer sich vom Aufenthalt am Gardasee noch einen feinen Wein oder andere flüssige Leckerein mit
nach hause nehmen möchte, der sollte sich den Besuch bei der «Cantina Madonna delle Vittorie» aufs
Programm schreiben. Das neben Rive del garda gelegene Weingut offeriert viele flüssige «Perlen» für
den Normalverbraucher. Neben Wein und Sekt offeriert das Unternehmen natürlich auch Grappa. Mit
rund 1300 Olivenbäumen kann das Gut aber auch mit feinsten Olivenölen dienen.
Viel Spass beim probieren, aber Achtung, die Rückfahrt steht danach noch auf dem Programm!
http://www.madonnadellevittorie.it
Parco Natura Viva, Bussolegno, Verona
Neben einem Zoo gibt es auch einen 7,5 Kilometer langen Safariteil. Logischerweise ist das Befahren
des Safiteils per Motorrad leider oder eben auch zum Glück verboten, denn da laufen auf Löwen frei
herum. Allerdings bietet der Park einen eine «aurovermietung» an. Für 18 Euro kann ein 7-8 sitziges
Fahrzeug gemietet werden, mit welchem die Safari absolviert werden kann. Allerdings sollte man
dieses 2-3 Tage im voraus buchen (Tel: +045/717 01 13). Damit kommt man sich dann tatsächlich vor
wie auf einer Safari in Afrika. Der gesamte restliche Park ist aber auch schon ein Besuch wert. Dort
muss allerdings auf Räder verzichtet werden. Dieser Teil ist nur zu erwandern.
Je nach Jahreszeit kostet der Eintritt 12-16 Euro pro Person.
http://www.parconaturaviva.it/
Parco Grotta Cascata Varone, beim Gardasee
In 20`000 Jahren entstand die Grotte und das durch einen Wasserfall herunterstürzende Wasser erodiert jährlich 4 mm Gestein weg. Kein Wunder, fällt doch das Wasser laut tosend immerhin beinahe
100 Meter in die Tiefe. Um die Grotte zu besuchen steht ein kostenloser Parkplatz zur Verfügung,
ausserdem eignet sich der Parco Grotta Cascata Varone ideal für ein Picknick.
Die Grotte befindet sich nördlich der Ortschaft Varone an der Nationalstrasse 421 nach Ponte Arche.
Nähere Infos unter: http://www.cascata-varone.com/
Brissago Inseln
Der botanische Garten auf den Brissago-Inseln ist mit ca. 1500 verschiedenen Pflanzen aus dem
Mittelmeerraum, der Subtropen Asiens, Südafrikas, Amerikas und Australiens bewachsen. Der Park
wurde 1885 von Baronin Antoinette de Saint-Léger angelegt und gehört Heute dem Kanton Tessin.
Den Park erreicht man nur mit dem Schiff, auf Verlangen sind auch Führungen durch den Park und die
Besichtigung der kleineren Insel möglich.
Nähere Infos unter: http://www.isolebrissago.ch/
Swissminiatur, Melide Tessin
Swissminiatur zeigt die markantesten Gebäude und malerischsten Orte der Schweiz, ihre Städte, Dörfer, Verkehrsmittel, aufgebaut in 25facher Verkleinerung.
Nähere Infos unter: http://www.swissminiatur.ch/
www.moto-adventure.ch
© by moto-adventure.ch / Text und Fotos: Severin Werner
Ausrüstung
Motorrad: KTM 990 Adventure ABS mit Alukoffern, und Tankrucksack sowie Topcase
Toilettenartikel, Regenschutzausrüstung (kpl.), Schutzbekleidung komplett mit warmer und kühler
Unterwäsche, Pneureparaturset, Kartenmaterial, GPS, Identitätskarte, Fotoapparat, Ersatzbatterien,
Speicherkarte.
Verpflegung
Caffe – Ristorante «Croce dello Schippo»
37020 Sant`Anna d`Alfaedo
Tel: 045/ 7545027
GPS: N45° 35,349’; E010° 57,894’
Restaurante Churrascaria
Porto Alegre
Corso Porta Nuova, 78
Verona
Tel: 045 8008576 / 349 7628451
Übernachtungen
Jugendherberge Montebello Bellinzona.
Albergo Villa Grazia
Via B. Croce, 2
25010 Limone sul Garda
Tel: 0365/954667 (sprechen Deutsch!)
Email: [email protected]
Page: www.hvillagrazia.it
GPS: N45°48,597’; E010° 47,413’
Dieses kleine 1-Stern-Familienbetrieb liegt sehr zentral beim Zentrum von Limone am Gardasee. In
3-4 Minuten gelangt man zu Fuss ins Zentrum. Das Frühstücksbuffet ist sehr ausgiebig und lässt kaum
Wünsche offen. Es bietet für Motorräder eine kostenlose Garage zum Einstellen, Zimmer mit eigener
Dusche/WC inkl. Tücher. Die Preise liegen mit 20-32 Euro/Person (je nach Saison) im günstigsten
Bereich. Das Zimmer war etwas kühl und klein, aber erstens bekamen wir ohne Probleme weitere
Decken und zweitens brauchen wir das Zimmer eigentlich nur zu schlafen und daher ist ein TV eh
überflüssig. Seine ruhige Lage macht es ausserdem zusätzlich attraktiv. Wir können das Hotel nur
empfehlen und würden es bei einem weiteren Besuch in Limone wieder wählen, zumal die Hotelbetreiber Deutsch sprechen und so die Kommunikation ideal gewährleistet ist.
Hotel Piccolo Verona
Via Giulio Camuzzoni 3
37139 Verona
Kosten: 111 CHF über ebookers.ch für 2 Personen im DZ + 4 Euro für die Garage
Seine grössten Vorteile gegenüber anderen Hotels: Es liegt sehr zentral in der Nähe des Bahnhofs von
Verona und es ist nicht derart teuer wie die meisten anderen. Zu Fuss ist das Zentrum in 15 Minuten
gemütlichen Laufens erreichbar. Allerdings hat es auch Nachteile: Einerseits liegt es in einer etwas
unschönen Gegend, andererseits ist der Service nicht das Gelbe vom Ei. Ausserdem sollte man nie
etwas ohne Quittung bezahlen. Die Zimmer sind aber sauber und anständig, auch wenn das Hotel von
aussen nicht gerade vertrauenserweckend aussieht. Das Frühstücksbuffet ist reichlich (aber die Croissants sollten sie aus der Schweiz importieren!). Das beworbene Airconditioning hat nicht funktioniert.
Dafür hat das ruhige und vor allem saubere Zimmer einen Kühlschrank und kann mit Handtüchern
punkten.
www.moto-adventure.ch
© by moto-adventure.ch / Text und Fotos: Severin Werner