Makroökonomie

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Makroökonomie
VWL 4 – Uni Basel
Makroökonomie
Attilio Zanetti - Frühlingssemester 2010
Teil I
Allgemeine Einführung
Kapitel 1
Organisatorisches und die Themen der Vorlesung
Kapitel 2
Von der Subprime‐Krise zur globalen Rezession
Kapitel 1
Organisatorisches Organisatorisches
und die Themen der Vorlesung
1
 Die Vorlesung findet jeweils Montags, 14:15‐17:30 Uhr statt.


14:15 bis 15.45  15 Min Pause
16:00 bis 17:30
 Für Fragen stehe ich während der Pause und nach der Vorlesung zur Verfügung.
 Ausserhalb der Vorlesung: email: [email protected]
 Besprechungen müssen vereinbart werden.
 2 Übungsveranstaltungen
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 Die Vorlesung wird von Übungen durch die Assistentin begleitet.
 Die betreuenden Assistenten dieser Vorlesung sind Benedikt von Scarpatetti (Fragen zur Vorlesung) und Felicitas Kemeny (Übungen).
 Bei Problemen oder Fragen zur Vorlesung kann er jederzeit kontaktiert werden.
 Email Adresse: [email protected]
 Alle wichtige Informationen sind auf der Homepage der Vorlesung verfügbar.
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http://wwz.unibas.ch/wirtschaftstheorie/lehre/fs‐10/vwl‐4/abteilung/witheo/
 Sie finden dort viele nützliche Informationen:
 Vorlesungsplan
 Folien
 Reader und PDF‐Files der relevanten Artikel
 Verschiedene Dossiers zu aktuellen Themen
 Podcasts und Videos zu makroökon. Themen
 Links zu einigen interessanten Websites  Links zu makroökonomischen Daten
 Übungen mit Lösungen
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2
Literatur
 Wir werden das Buch von Abel/Bernanke/Croushore verwenden:
Macroeconomics, 6th edition, 2007.
Zumindest einer dieser Namen sollte Ihnen bekannt vorkommen...
Andrew B. Abel, Wharton School of the University of Pennsylvania
Ben S. Bernanke, vorher an der Princeton University, danach Chairman of the President's
Council of Economic Advisers. Seit Februar 2006 Chairman des Federal Reserve
Dean Croushore, Robins School of Business, University of Richmond
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 Ich werde mich hauptsächlich an ABC halten, jedoch nicht strikte 1:1 dem Buch folgen .
 Es existieren weitere bekannte Lehrbücher in die Sie bei Interesse ebenfalls einen Blick werfen können.
 Zusätzlich zum Lehrbuch werde ich mich auch auf spezifische Kapitel anderer Lehrbücher, grundlegende theoretische und empirische Forschungsarbeiten sowie auch Presseartikel beziehen.
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Weitere Lehrbücher
 Ebenfalls zu empfehlen ist:
F. Mishkin, Money, Banking and Financial Markets, Addison Wesley.
Einen weiteren Namen den Sie in den Medien sowie in der Forschungsliteratur antreffen könnten…
Columbia University. Von September 2006 bis August 2008 Mitglied des FED‘s Board of Governors.
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3
Weitere Lehrbücher
 N.G. Mankiw, Macroeconomics, Worth Publishers.
 R.E.A. Farmer, Macroeconomics,Thomson.
 J.B. DeLong & M. Olney, Macroeconomics, Mcgraw‐Hill.
 R.J. Barro, Macroeconomics: A modern approach, Thomson.
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Zum Englisch
 ABC: Gibt es eine deutsche Version?
 Nicht nur das Buch sondern auch weitere Unterlagen und Artikel werden in Englisch sein.
 Englisch ist DIE Kommunikationssprache in der Geschäfts‐
und Wirtschaftswelt. d Wi t h ft
lt
 Es ist daher unwahrscheinlich, dass Sie in Ihrer beruflichen Zukunft diese Sprache nicht beherrschen werden müssen .
 An der Prüfung werde ich davon ausgehen, dass Sie alle Grundbegriffe gut beherrschen, welche im Lehrbuch sowie in den anderen Pflichtlektüren verwendet werden.
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Zusätzliche Literatur
 Alle Dokumente werden als PDF Files auf der Homepage verfügbar sein.
 Wir werden zwischen Pflicht‐ (= prüfungsrelevant) und empfohlener Zusatzlektüre unterscheiden.
 Current issues und darüber hinaus:

Informiert sein!

Versuchen die Links zwischen behandeltem Stoff und den aktuellen Debatten zu sehen!
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4
Weiteres Material
 Videos
 Podcasting
Podcasting: Cochrane on ‘The Financial Crisis’
Die entsprechenden Files oder Links finden Sie auf der Website des Kurses.
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Legende zu den Folien
 Technische Notizen (TBOX)
 Bezug zur Realität
The subprime crisis
 You have probably heard of the so called subprime crises
which burst during the summer in US and rapidly deployed
its effects in Europe as well.
 It is a very good example of how important the connection
between financial markets and the macroenconomy is.
 What happened?
 Step 1: For a long period of time
time, US interest rates were
low. This was meant to favor the economy’s expansion.
One of the channel through which this occurs is housing
investment.
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 Wichtige Konzepte
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Arbeit mit Daten
 Um die Konzepte zu verdeutlichen, werde ich versuchen diese im Verlauf auch immer wieder mit Beispielen zu illustrieren.
 Sie werden solche auch in den Büchern antreffen, diese beziehen sich jedoch mehrheitlich auf die USA.
beziehen sich jedoch mehrheitlich auf die USA.
 In dieser Vorlesung werde ich den Fokus auf das Schweizerische Wirtschaftsgeschehen legen.
 Ziel 1: Ich möchte Sie mit dem Umgang mit Daten im Allgemeinen vertraut machen: Verwendung von Datenbanken, Datentransformation, etc.
 Ziel 2: Sie lernen Excel (und evtl. E‐Views) zu verwenden
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5
Grundsätzliches zur Prüfung
 Die Prüfung findet im Juni in schriftlicher Form statt.
 Sie besteht zu einem Grossteil Multiple‐Choice Fragen aber nicht nur.  Die Sprache ist Deutsch. Englische Begriffe können jedoch vorkommen.
 Keine Hilfsmittel
 Mit einer Note von 4 oder mehr erhalten Sie 6 ECTS‐Pkte.
Mit i
N t
4 d
h h lt Si 6 ECTS Pkt
 Prüfungsstoff: 



Vorlesungen
Übungen
relevante Kapitel im Lehrbuch
Pflichtlektüren (siehe Homepage)
 Sie können schon jetzt mit Sicherheit mit Prüfungsfragen aus den Übungen und der Literatur rechnen!
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Die Themen der Makroökonomie und unser Programm
 Eine erste Definition: Die Makroökonomie ist die Analyse der Struktur, der Mechanismen und der Leistung von Volkswirtschaften sowie der wirtschaftspolitischen Massnahmen
welche die Wirtschaftsleistung beeinflussen.
 Zentrale Fragestellungen und Schwerpunkte:

Langfristiges Wachstum

Konjunkturzyklen, inkl. Arbeitslosigkeit und Inflation und Makroökonomische Wirtschaftspolitik
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Schwerpunkt: Langfristiges Wirtschaftswachstum

Schweizerisches Wirtschaftswachstum: BIP pro Kopf 1913 ‐ 2006
Real GDP per capita
70000
60000
50000
40000
30000
20000
10000
0
2003
1998
1993
1988
1983
1978
1973
1968
1963
1958
1953
1948
1943
1938
1933
1928
1923
1918
1913
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zu Preisen von 2000
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6

Was wäre wenn: Angenommen 1% zusätzliches jährliches Wachstum
Real GDP per capita II
180000
160000
Die Magie der kumulierten Wachstumsrate (compounding)!!
140000
120000
100000
80000
60000
40000
20000
0
2003
1998
1993
1988
1983
1978
1973
1968
1963
1958
1953
1948
1943
1938
1933
1928
1923
1918
1913
zu Preisen von 2000
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Quelle: Barro, Kapitel 3
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Quelle: Barro, Kapitel 3
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7
Fragen bezüglich Wachstum:
 Welches sind die Faktoren die einige Länder über Perioden wie bspw. 1960 ‐ 2000 schneller, andere wiederum langsamer wachsen liessen?  Wie konnten Länder wie die USA oder andere OECD‐
Mitgliedsstaaten jährliche Wachstumsraten des realen BIPs von
Mitgliedsstaaten jährliche Wachstumsraten des realen BIPs von rund 2% über ein Jahrhundert oder mehr aufrecht erhalten?
 Was können politische Entscheidungsträger unternehmen um die BIP/Kopf ‐ Wachstumsrate zu erhöhen?
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Schwerpunkt: Konjunkturzyklen
 Unter Konjunkturzyklen versteht man kurzfristige Kontraktionen und Expansionen der ökonomischen Aktivität


Eine rückläufige Phase nennt man Rezession
Eine ansteigende Phase nennt man Expansion
 Warum kümmert uns diese schwankende ökonomische Aktivität?
 Wegen der Auswirkungen auf die Wohlfahrt!
 Sämtliche gesamtwirtschaftliche Grössen sind von Konjunkturzyklen betroffen: Gewinne, Löhne, verfügbares Einkommen, Zinssätze, Beschäftigung, Konsumentenpreise, Aktienkurse, Immobilienpreise,…
 Wir kommen in detaillierterer Form auf diese Fragestellungen zurück.
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
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Ein kurzer Blick was unter Fluktuationen zu verstehen ist: Diese Grafik zeigt das BIP Wachstum der Schweiz
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8

Und hier einige Indikatoren zum verarbeitenden Industriesektor der Schweiz
Auslastungsgrad in %
Technische Kapazitäten, VQ
92.0
90.0
30.0
88.0
25.0
86.0
20.0
84.0
15.0
82.0
10.0
5.0
80.0
78.0
0.0
76.0
‐5.0
74.0
‐10.0
Ertragslage, VQ
Hemmn.: ungenügende Nachfrage
18.0
59.0
8.0
54.0
‐2.0
49.0
44.0
‐12.0
39.0
‐22.0
34.0
‐32.0
29.0
‐42.0
24.0
‐52.0
19.0
‐62.0
14.0
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Arbeitslosigkeit
 Arbeitslosigkeit: tritt auf wenn Personen grundsätzlich für Arbeit verfügbar sind, diese auch aktiv suchen, jedoch keinen Job finden können
 Arbeitslosigkeit wird zum einen durch konjunkturelle Schwankungen (Rezessionen erhöhen die Arbeitslosenquote) zum anderen durch strukturelle Faktoren verursacht
 Warum ist die Arbeitslosigkeit ein so zentrales Thema?
 Für die meisten Leute stellt die Arbeit eine zentrale Komponente ihres Lebens dar:




Arbeitseinkommen wird zur eigenen sowie auch familiären Versorgung benötigt
Die Arbeit ist ein Teil jeder individuellen Identität
Sich ausweitende Arbeitslosigkeit hat einerseits direkte Konsequenzen für die Betroffenen und schafft andererseits viel Unsicherheit für den restlichen Teil der Bevölkerung
Aufgrund dieser Faktoren kann die Arbeitslosigkeit signifikante politische Auswirkungen haben
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
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Arbeitslosenquote in den USA, 1890‐2005
Quelle: ABC
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Inflation
 Inflation hat mehrere negative Effekte
 Preise müssen Informationen enthalten, um die optimale Allokation der Ressourcen auf Mikroebene zu erleichtern
 Soziale Aspekte: Einkommens‐
S i l A kt Ei k
und Vermögensseffekte
dV
ö
ff kt
 Inflation beeinträchtigt das Wachstum
 Glaubwürdigkeit, Erwartungen und sacrifice ratio
 Aus diesen Gründen ist die Inflation, genauso wie die Arbeitslosigkeit, ein gefährliches „Monster“
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 Der negative Einfluss der Inflation auf das Wachstum: Evidenz
Durchschnittliche jährliche Inflationsrate und durchschnittl. BIP‐
Wachstum pro Kopf, 1965‐90, 82 Länder.
 Klarer negativer, jedoch nicht zwingend linearer, Zusammenhang erkennbar
Quelle: Haslag, J.H., (1997), Output, Growth, Welfare and Inflation: A Survey, Fed of Dallas Economic Review, second Quarter.
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 Inflationsrate: Ein internationaler Vergleich
“The great moderation”
Annual CPI Inflation in %
25
3500
3000
20
2500
15
2000
10
1500
1000
5
500
0
2005
2003
2001
1999
1997
1995
1993
Germany
USA
1991
1989
1987
1985
1983
1981
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1979
CH
Italy
1977
1975
1973
1971
-5
0
-500
Japan
Argentina (RH scale)
30
10
Makro‐Politik
 Fiskalpolitik: Staatsausgaben und Besteuerung
 Wie sollte die Staatsrechnung aussehen?
 Wie hoch ist eine vernünftige oder optimale Verschuldung?
 Soll die Fiskalpolitik auf den Konjunkturzyklus Einfluss nehmen? Was ist mit nachhaltigem langfristigen Wachstum?
 Wie sieht eine optimale Besteuerung aus?
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 Ab 2008: sehr intensive Debatte über die Rolle der Fiskalpolitik zur Bekämpfung der Rezession:
 Welche Massnahmen?
 Unter welchen Bedingungen?
 In welchem Ausmass?
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 Geldpolitik: Einfach ausgedrückt handelt es sich dabei um das Management der Menge und Kosten des Geldes.
 Was sind die Ziele der Geldpolitik?
 Wie sieht die optimale institutionelle Ausgestaltung aus?
 Wie soll die Geldpolitik implementiert werden?
 Wie wird die Geldmenge tatsächlich geregelt?
Wi i d di G ld
t t ä hli h
lt?
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11
Kapitel 2
Von der Subprime‐Krise zur globalen Rezession <<These are historic moments for the world economy.>>
Martin Wolf, Financial Times, Dec. 11th 2007
<<Today, it is impossible to rule out a lost decade for the world economy. This has to be prevented. Posterity will not forgive leaders who fail to rise to this great challenge.>>
Martin Wolf, Financial Times, Feb. 18th 2009
Welches ökonomisches Thema hat in den letzten Tagen die Schlagzeilen gemacht?
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 Was ist das Problem konkret?  Was ist der Zusammenhang zwischen den Leuten auf der Strasse in Athen und unserer Vorlesung ?
12
Übersicht des Kapitels
 2.1 Die Immobilienblase und ihre Mechanismen
 2.2 Die Vernetzung der Finanzmärkte
 2.3 Reaktionen auf dem Geldmarkt
2 3 R kti
fd
G ld
kt
 2.4 Realwirtschaftliche Konsequenzen
 2.5 Wirtschaftpolitische Massnahmen
 2.6 Wo stehen wir heute? Makroökonomie ‐ Uni Basel
37
US Immobilienmarktblase
Platzen der Blase
Komplexe Finanzmarktturbulenzen
Schwierigkeiten für Finanzinstitute
Beschränkte Kreditvergabe
Beschränkte Kreditvergabe Vertrauensverlust
Realwirtschaftliche Folgen in einzelnen Ländern
Eine globale Rezession
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Wirtschaftpolitische Reaktionen und neue Herausforderungen 38
 Zu diesem Thema:
Podcasting: Cochrane on ‘The Financial Crisis’
Podcasting: Kling on ‘Credit Default Swaps …’
Podcasting: Acemoglu on ‘The Financial Crisis’
Podcasting: Munger on ‘The Middlemen’
Podcasting: Shiller on ‘Housing and bubbles’
Podcasting: Higgs on ‘The Great Depression’
Podcasting: Kling on ‘Freddie, Fannie and the US housing market’
Podcasting: Fazzari on ‘Keynesian economics’
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2.1 Die Immobilienkrise und ihre Mechanismen
 Schritt 1 ‐ Entstehung der Blase: die Rolle der Geldpolitik
Die Zinssätze in den USA waren über einen längeren Zeitraum tief. Die Idee hierbei war die Stützung des Wirtschafts‐
wachstums. Einer der entsprechenden Wirkungskanäle besteht bspw. aus den Bauinvestitionen.
 Taylor (2008): US Geldpolitik war zu locker
 Zinsen waren zu tief
 Über einen zu langen Zeitraum
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 Mit der Reduktion der Leitzinsen sind auch die Hypothekarzinssätze gesunken
 Mit dem tieferen Preis stieg die Nachfrage nach Hypothekarkrediten
US interest rates
Fed funds rate
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Jan 06
Jan 04
Jan 02
Jan 00
Jan 98
Jan 96
Jan 94
Jan 92
Jan 90
Jan 88
Jan 86
Jan 84
Jan 82
Jan 80
20
18
16
14
12
10
8
6
4
2
0
Mortgage rate
Taylor (2008):
‘So there is clearly evidence that there were monetary excesses during the period leading up to the housing boom… (there is) empirical evidence that the unusually low interest rate policy was a factor in the housing boom.’
41
 Geldpolitik war gemäss Taylor (2008) auch in anderen Ländern zu locker, wie beispielsweise Irland und Spanien …
 … welche ebenfalls von einer Immobilienblase betroffen sind.
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 Schritt 1 ‐ Entstehung der Blase: die Rolle der internationalen Kapitalströme und der Risikounterschätzung
 Sehr hohe Sparquoten in den emerging markets (insbesondere China) haben grosse Kapitalströme in die USA begünstigt;
 Das grosse Kapitalangebot hat die Zinsen unter Druck gesetzt; tiefe Zinsen haben ein search for yield ausgelöst; um eine bessere Rendite zu erzielen, waren Anleger bereit grössere Risiken in Kauf zu nehmen.
ö
Ri ik i K f
h
 Aufgrund der stabilen Inflationserwartungen waren die Investoren überzeugt, dass die Zinsen noch lange tief bleiben werden;
 great moderation hat zu einer allgemeinen Unterschätzung der Risiken geführt.
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Intermediate Macro - Uni Basel
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Quelle: Blanchard and Milesi‐Feretti (2010)
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 Schritt 1 ‐ Entstehung der Blase: die Rolle der Kreditbedingungen
 Wie wurde die Blase finanziert? Mehrheitlich durch Hypothekarkredite, da die meisten Leute, was nicht weiter erstaunlich ist, nicht über genügend Eigenmittel verfügten.
 Permanent steigende Preise? Wenn der Preis steigt, dann ist auch eine hohe Verschuldung unproblematisch: Über die Zeit wird sich die Last der Verschuldung automatisch reduzieren.
 Seitens der Banken führte diese Überlegung zu einer Seitens der Banken führte diese Überlegung zu einer
Lockerung der Kreditbedingungen (Ellis, 2008).
 Prüfung der Kreditwürdigkeit der Kunden wurde substantiell gelockert – steigende Hauspreise wurden als Garantie betrachtet.  100% Kredit. Später wurden in vielen Fällen die Schulden der Besitzer grösser als der Wert ihrer Häuser.
 Neue Marktsegmente (subprime und Alt‐A) gewannen an Bedeutung.
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 Tiefe Zinsen haben Hypotheken mit variablen Zinsbedingungen attraktiver gemacht (ARM, Adjustable‐Rate Mortgages).  Sonderbedingungen: 3 – 4 Prozentpunkte Rabatt in der ersten Phase, keine Zurückzahlung.
US Mortgage Rates
10
10
8
8
6
6
4
4
2
2
Apr-91 Apr-92 Apr-93 Apr-94 Apr-95 Apr-96 Apr-97 Apr-98 Apr-99 Apr-00 Apr-01 Apr-02 Apr-03 Apr-04 Apr-05 Apr-06 Apr-07
15 YR FRM
30 YR FRM
TREAS 1Y ARM
 Seitens der Haushalte entstand die falsche Auffassung, dass sich somit jeder ein Haus leisten könne, auch ohne die entsprechenden Eigenmittel und mit einem tiefen Einkommen.
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 Schritt 1 ‐ Entstehen der Blase: Verbriefung
 Hypotheken: Das klassische Finanzierungsmodell
 Üblicherweise wurden Hypothekarkredite von lokalen Banken vergeben, welche
 stärker in den Hypothekarmarkt involviert sind als die grösseren Universalbanken.
 einen direkten Kontakt mit den Kunden und dem lokalen Markt haben.
 die Risiken jeweils in ihren Bilanzen tragen, was zu einer sorgfältigen Prüfung der Kreditwürdigkeit der Kunden führt.
 Verbriefung (securitization) von Hypothekarkrediten
 In der jüngsten Zeit haben Finanzinnovationen dazu geführt, dass sich, insbesondere in den USA, die Art und Weise der Finanzierung der Hypothekarkredite geändert hat. Makroökonomie ‐ Uni Basel
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 Unter dem Begriff Verbriefung versteht man das Bündeln von Vermögenswerten (bspw. Forderungen), um dann die Ausgabe von Wertpapieren zu ermöglichen, welche durch solche Pakete aus Aktiva abgesichert sind.
 Mortgage‐backed securities (MBS) sind eine Form solcher gesicherter Wertpapiere, wobei die Sicherheit hierbei aus einzelnen Hypotheken oder Hypothekenpaketen besteht.
 Das Bündeln der Vermögenswerte beinhaltet auch deren Das Bündeln der Vermögenswerte beinhaltet auch deren
Verkauf über eine Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle, SPV), welche unter Umständen dann in den Bilanzen der ursprünglichen Hypothekargläubiger nicht mehr auftaucht.
 Die Hypothekargläubiger, dh. die Banken, bedienen die Wertpapiere weiterhin durch die Zins‐ und Tilgungszahlungen aus den Hypotheken
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Quelle: Adrian and Shin (2008)
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 Diese Innovation birgt einen grossen Vorteil: Durch die Verbriefung können auch kleinere Banken ihren Kunden den Zugang zum breiten Kapitalmarkt ermöglichen. Die verfügbaren Ressourcen für Hypothekarkredite werden umfangreicher, da die Kapitalmärkte mehr Mittel bereitstellen können. Der wachsende Wettbewerb erhöht auch die Wahrscheinlichkeit für die Kunden, Kredite zu tieferen Hypothekarzinsen zu erhalten.
 Es können sich mehr Leute den Kauf eines Hauses leisten.
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Es bleibt jedoch ein ziemlich grosses ABER
 Indem das Risiko an breitere Märkte weiterverkauft wird, verteilen sich die Risiken. Banken können Anreize haben, Hypothekarkredite zu gewähren, während jemand anderes die entsprechenden Risiken trägt.
Oder wie es die Financial Times formuliert: “... Securitisation led to bad credit
standards because banks didn
didn’tt have skin in the
in the game...
game “
 Weiter haben Banken den Anreiz kurzfristig Kredite aufzunehmen und langfristig zu gewähren, was zu einem Missverhältnis zwischen Vermögenswerten und Wertpapieren führt.
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 Schritt 2 – Die Blase platzt: Überangebot drückt Preise nach unten.
 Rege Bautätigkeit hat zu einem Überangebot auf dem Immobilienmarkt geführt: es wurden mehr Häuser gebaut als die US Bevölkerung brauchte.
 Ellis (2008): Dies war schon vor Beginn der subprime‐Krise zu erkennen: die Leerwohnungsquote hatte sich zwischen 1996 und 2006 verdoppelt.
Quelle: Ellis (2008)
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 Schritt 2 – Die Blase platzt: Eine restriktivere US‐Geldpolitik führt zu höheren Kurzfristzinssätzen und somit auch zu höheren Hypothekarzinsen.
 Liquidität verteuert sich für die Banken  neue Kredite werden kostspieliger und daher weniger gewährt, was wiederum das Wachstum dämpft. Dies entspricht genau den Absichten der Zentralbank.  Die Kosten ausstehender Hypotheken für US‐Haushalte sind ebenfalls angestiegen
b f ll
i

Die Schuldenlast wurde grösser

Im Falle von ARM‐ Kredite wirkte sich der Schock besonders heftig aus
 All dies geschieht in einem ansonsten bereits rückläufigen Marktumfeld.
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
Speziell im Subprime‐Segment stieg die Anzahl der Haushalte, welche ihre Schulden nicht mehr begleichen konnten, dramatisch an.
Quelle: Kiff and Mills (2007)
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Foreclosure signs, like this one east of San Diego, are becoming more common as data showed a higher default rate on subprime mortgages taken out in 2007 than those in 2005 and 2006. Source: NYT.
www bloomberg com 01 11 07
www.bloomberg.com, 01.11.07

Der Markt der entsprechenden Wertpapiere brach zusammen, was den Hypothekenkreditbanken die Finanzierung ihrer Aktivitäten erschwerte.

Zusätzlich verloren Investoren (speziell die Investmentbanken) mit solchen Wertpapieren in ihren Portfolios eine Menge Geld.

Da niemand genau wusste, wie schwerwiegend die Probleme wirklich waren, verbreitete sich die Unsicherheit mit grosser Geschwindigkeit über den gesamten Geldmarkt.
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2.2 Die Vernetzung der Finanzmärkte
“The modern financial system is immensely complex – possibly too complex for any one person to really understand it. Interconnections create systemic risks that are extraordinarily difficult to figure out”. (BIS annual report, 2009)
Quelle: Blanchard (2008)
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 Durch die Globalisierung der Finanzmärkte hat sich die Krise blitzartig ausgeweitet:
 Einige ausländische Banken sind direkt auf dem US Markt involviert;
 Andere haben in grossem Ausmass in US‐
Immobilienmarkt bezogene Produkte investiert.
bili
k b
d k i
i
 Diese Verluste haben das europäische Bankensystem destabilisiert und die Fähigkeit der Kreditinstitute inländische Kredite zu gewähren stark reduziert.
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 Leverage und kurzfristige Finanzierung
Bilanz I
Bilanz
Bilanz
Hyp
pothekarkredite
Aktiven
Finanzierungsproblem
Northern Rock
Kurzfristigge Finanzierung
Bilanz II
Asset Ba
acked Securities
Eigenkapital
Fremdfinanzierung
Kurzfristigge Finanzierung
Leverage
Passiven
Lehman Brothers
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 Der Fall Northern Rock
Kurzfristigge Finanzieru
ung
Kunden‐
depots
Hypothekarkredite
Bilanz
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


Rahmenbedingungen: Immobilienblase GB;
NR war im US Subprime‐Geschäft nicht involviert;
NR hatte sich massiv auf (billiges) kurzfristiges Geld gestützt um die Hypotheken zu finanzieren;
 US Subprime‐Krise verursacht weltweit einen money market freeze  Plötzlich wird die Refinanzierung für NR unmöglich
 Angst von einem Konkurs führt zu einem klassischen bank run der Kleinanleger.
 NR wird verstaatlicht
60
20
 Fall Lehman Brothers
Kurzfristigge Finanzierung
Asset Ba
acked Securities
Bilanz





ABS: Fallende Preise und steigende Unsicherheit;
Druck auf die Banken diese Aktiven zu verkaufen, bevor die Verluste zu gross werden und Insolvenzprobleme auftauchen, führt zu noch stärker fallenden Preisen;
Bilanzaktiva verlieren massiv an Wert und das Eigenkapital kann diese Verluste nicht absorbieren;
Die Schwierigkeiten einer Bank führen zu ähnlichen Schwierigkeiten bei anderen Finanzinstituten, welche die gleichen oder ähnliche Wertpapiere besitzen.
Wenn die Wertpapiere schwierig zu bewerten sind, weil die Produkte kompliziert sind oder weil der spezifische Markt illiquid wird, können sich die entsprechenden Auswirkungen sehr schnell ausbreiten.
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2.3 Reaktion auf dem Geldmarkt
 Was ist der Geldmarkt?
 Der Markt auf welchem sich die Banken täglich Geld untereinander ausleihen
 Am Geldmarkt werden Kredite und Guthaben mit einer kurzen Laufzeit gehandelt. Der Geldmarkt dient dem Ausgleich von Liquiditätsunterschieden zwischen den
Ausgleich von Liquiditätsunterschieden zwischen den Banken.  Laufzeit: 24 Stunden bis wenige Monate
 Unter normalen Umständen handelt es sich hauptsächlich um ungedeckte Kredite.
 Vertrauen spielt eine ganz zentrale Rolle.
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 Gegenparteirisiko (counterparty risk)
 Da die Kredite ungedeckt sind, ist jeweils ein gewisses Risiko vorhanden, dass die Gegenpartei das Geld nicht zurückzahlen wird.
 Um den Kreditgeber für dieses Risiko zu entschädigen, muss der Kreditnehmer eine Risikoprämie bezahlen.
 Risikoprämie auf dem Geldmarkt = Geldmarktzinssatz –
Zinssatz eines risikolosen Wertpapiers für die gleiche Fristigkeit.
 Im Rahmen der Krise ist die Risikoprämie auf den verschiedenen Geldmärkte auf vorher unvorstellbare Niveaus gestiegen.
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 Dies widerspiegelt eine weitverbreitete Unsicherheit über die Ausfallswahrscheinlichkeit der Banken.
 Folge: der Geldmarkt funktionierte nicht mehr. Die Banken, welche Liquidität brauchten, konnten sich diese Liquidität bei anderen Banken nicht mehr besorgen. Banken, welche überflüssige Liquidität hatten, behielten dieses Geld auch bei Nullrenditen.
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Quelle: Blanchard (2008)
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