Zur Einführung Inhalt

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Zur Einführung Inhalt
SPIELZEIT 08/09
Zur Einführung
WAS IHR WOLLT
Komödie von William Shakespeare
Premiere 25.09.08 im Großen Haus
Zusammengestellt von
Michael Sommer
Dramaturgie Schauspiel
Tel. 0731/161 44 02
[email protected]
Inhalt
Vorweg... 2
WAS IHR WOLLT - die Handlung 2
Kapitulierende Helden – Viola und Malvolio 3
Wunder oder Verschwörung? - Die Verfasserfrage 9
Eine frühe (Zwangs-)Ehe 16
Familienüberdruss – der Kontakt mit dem Theater 19
Sexuelle Ambivalenz 20
Ungentle Shakespeare – ein teures Wappen 25
Shakespeare und WAS IHR WOLLT 26
Bibliographie / Literaturhinweise 30
Abbildungsnachweis 34
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Vorweg...
Mit der vorliegenden Mischung aus Essay und Materialsammlung - mit vielen Zitaten
und Hinweisen - bieten wir unseren Zuschauern eine neue Art von Begleitmaterial zu
unserer Theaterarbeit an. Waren unsere bisherigen Materialsammlungen in der Regel
unkommentiert und forderten dazu auf, den Zusammenhang zum Stück selbst herzustellen, ist das Format ZUR EINFÜHRUNG wesentlich leserfreundlicher in dieser Hinsicht. Der größere kommentierende Anteil bedingt es, dass weniger Texte aus anderen Publikationen zitiert werden (nunja, der Anteil ist immer noch groß), statt dessen
gibt eine ausführlich kommentierte Bibliographie Ausgangspunkte zum Weiterlesen.
Unsere Materialsammlungen waren bisher und sind auch weiterhin als Zusätze zum
Programmheft gedacht, nach dem Motto „Was wir Ihnen gern zu lesen geben würden,
aber leider im kleinen Programm nicht unterbringen können.“ Wir freuen uns immer
auf Feedback - zu unseren Aufführungen wie zu unseren Publikationen.
Michael Sommer
Juni 2008
WAS IHR WOLLT - die Handlung
Viola, die jugendliche Heldin von WAS IHR WOLLT, erleidet Schiffbruch in Illyrien,
einem fremden Land. Selbst knapp dem Tode entronnen, muss sie davon ausgehen,
dass ihr Bruder bei dem Unglück ums Leben kam. Einsam wie sie ist, beschließt sie,
sich als Mann zu verkleiden, und bei Herzog Orsino in Dienst zu treten. In dessen Land
dreht sich alles um die Liebe: Orsino wirbt um die junge Gräfin Olivia, die allerdings
um ihren vor kurzem verstorbenen Bruder trauert und deshalb seine Avancen strikt
zurückweist. Auch Olivias Haushofmeister Malvolio träumt von einer Beziehung zu seiner Herrin, die ihn zu „Graf Malvolio“ machen würde. Olivias Verwandter Tobias von
Rülp schließlich hetzt ihr noch einen dritten Freier, seinen Saufkumpanen Andreas
von Bleichenwang auf den Hals. Bisher kann die Gräfin sich gegen ihre männlichen
Belagerer zur Wehr setzen, dies ändert sich jedoch, als der junge „Cesario“ auftaucht.
Eigentlich ein Bote Herzog Orsinos, soll er in dessen Namen um Olivia werben, doch im
Nu verliebt sich Olivia in den hübschen jungen Mann, der natürlich niemand anderer
als Viola ist. Diese erwidert jedoch Olivias Liebe nicht, denn sie hat sich mittlerweile in
ihren Arbeitgeber, Herzog Orsino, verguckt. Die Liebeswirren geraten vollends durcheinander, als plötzlich Sebastian auftaucht, Violas verschollener Bruder, der seiner
Zwillingsschwester aufs Haar gleicht. Es bedarf einiger blutiger Nasen, verschnürter
Beine und gebrochener Herzen, bis am Ende fast alle bekommen, was sie wollen.
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Kapitulierende Helden – Viola und Malvolio
WAS IHR WOLLT zählt zu Recht zu den großen, zeitlosen Komödien, die ihren festen Platz auf den Bühnen der Welt haben. Was macht dieses Stück so erfolgreich, dass Generationen von Theaterleuten und
Zuschauern ihre Freude daran hatten und haben?
Shakespeares Stücke zeichnen sich durch ihre Menschenkenntnis aus: Seine Helden sind Figuren in mehr
oder weniger extremen Situationen, in denen das Publikum sich erkennt, und an denen es das Menschliche
überhaupt, die Höhenflüge, Abgründe und Alltäglichkeiten des Menschen, erkennt. Wie Harold Bloom es
in seiner großen Studie Shakespeare: Die Erfindung
des Menschlichen formuliert:
Shakespeare ging über alle seine Vorgänger (sogar über
Chaucer) hinaus und erfand den Menschen, so wie wir
ihn bis heute, vierhundert Jahre danach, kennen. Man
könnte diesen Sachverhalt mit etwas mehr Zurückhaltung beschreiben, aber man würde dann Shakespeare
Abb. 1 Ausschnitt aus dem Folio-Portrait
missverstehen: Man könnte sagen, seine Originalität bestehe darin, das er Geist, Persönlichkeit und Charakter auf eine neue Art dargestellt habe. Aber in den Stücken gibt es ein
exzessives Moment, ein Element des Überflusses, das über die bloße Darstellung hinausgeht
und die Metapher der „Schöpfung“ rechtfertigt. Die dominanten Figuren Shakespeares,
unter ihnen Falstaff, Hamlet, Rosalind, Jago, Lear, Macbeth, Kleopatra, demonstrieren
nicht nur in imposanter Weise, wie Sinn entsteht – statt bloß reproduziert, wiederholt zu
werden –, sondern bringen auch neue Formen von Bewusstsein zur Welt.
(Bloom, p. 19)
Mit welchen Helden haben wir es nun in WAS IHR WOLLT zu tun? Ebenso wie in WIE
ES EUCH GEFÄLLT, steht eine junge Frau als Motor der Geschichte im Mittelpunkt.
Viola ist allerdings keineswegs eine so souveräne Heldin wie Rosalind in dem früheren
Stück, sondern wird, genauso wie die anderen Figuren mit Ausnahme des Narren Feste, in den Strudel der Gefühlswirren hinein gezogen:
Das größte Rätsel der bezaubernden Viola ist ihre auffallende Passivität, die ohne
Zweifel mit dafür verantwortlich ist, dass sie sich in Orsino verliebt. Anne Barton hat
sehr klug beobachtet, dass Violas Verwandlung in einen Knaben nichts Emanzipa3
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torisches hat, vielmehr ermöglicht es die Verkleidung Viola lediglich, in einer schwierigen Situation einfach abzutauchen, sich gewissermaßen unsichtbar zu machen. Über
der ganzen Komödie und im Besonderen auch über Violas falscher Knabenidentität schwebt ein Hauch von Improvisation, obwohl ich sehr bezweifle, dass irgendjemand, und wäre es selbst Shakespeare, fähig gewesen wäre, dieses komplexe und wunderschöne Stück tatsächlich so leichthin aus dem Hut zu zaubern; es ist wohl eher so,
dass der Eindruck des Improvisierten das genau kalkulierte Ergebnis hoher Kunst ist.
Viola ist eine sensibel rezeptive und zugleich defensive Person: ihr freundlicher Gruß ist ein
Schild, der sie deckt, um eine Metapher von John Ashbery zu verwenden. Ihre Diktion ist
extrem uneinheitlich, da sie ihren Redestil den Eigentümlichkeiten ihrer Gesprächspartner
anpasst. Obwohl sie in ihrer Art ebenso interessant ist wie der glücklose Malvolio und Feste, der Narr wider Willen, scheint Shakespeare sich einen Spaß daraus zu machen, sie uns
als ein Rätsel zu präsentieren: ganz offenbar steckt vieles in ihr, das sie nicht preisgibt. Der
hochgradig „fantastische“ Orsino zieht sie vielleicht eben deswegen an, weil sein Wesen ihr
das Komplement zu ihrer Reserviertheit. Wenn es in dem Stück eine Stimme gibt, die der
Empfindung wahrhaften Ausdruck verleiht, so ist es ihre, wenn auch diese Stimme sich nur
selten vernehmen lässt. Wo sie es tut, ist sie von einem überwältigenden Pathos.
(Bloom, p. 344 ff.)
Viola ist eine junge Frau, die forsch und gar nicht feige ihr Leben nach einem Unglücksfall in die Hand nimmt – und von ihren Gefühlen überholt wird. Sie spielt die
Männerrolle so gut, dass niemand sie als Frau identifiziert, sie sich unglücklich in
Orsino verliebt und keine Möglichkeit sieht, sich ihm zu offenbaren; letztlich sogar so
gut, dass Olivia sich in sie verliebt. Dieses unvorhergesehene Ereignis freilich bringt
sie sogar in Gefahr. Orsino fühlt sich von seinem Boten hintergangen, als Olivia von
der Hochzeit mit „Cesario“ (in diesem Falle Sebastian, Violas Bruder) berichtet. Der
Herzog droht Olivia:
Doch hier Ihr Schatz, den Sie – ich weiß es – lieben,
Den reiß ich raus aus diesem kalten Auge,
Worin er thront zur Qual für seinen Herrn.
Komm, Junge, komm. Mein Kopf ist reif zum Bösen.
(V.1.125ff. Alle Zitate aus dem Stück aus der Günther Ausgabe bei DTV)
Ganz offenbar hat Orsino vor, seinen „Cesario“ zu töten. Was erwidert Viola?
Na mir geht’s gut, das ist mein Glückstag heut.
Ich sterbe tausend Tode, wenns dich freut. (V.1.130f.)
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Sie gibt sich zwar ironisch, aber ist in ihrer Liebe zu Orsino doch bereit, jedes Opfer zu
bringen. Nun befinden wir uns in einer Komödie, und die Verwechslung von Sebastian
und Viola durch Olivia klärt sich auf – alles wird vergeben, und drei Paare finden am
Schluss zusammen, eben auch Viola und Orsino. Es darf durchaus bezweifelt werden,
ob die beiden ein glückliches oder auch nur passendes Paar sind:
Wir zucken fast immer zusammen, wenn wir sehen, welche Töpfchen und welche Deckelchen bei Shakespeare zueinander kommen, aber diese Partnerwahl ist wohl die albernste
von allen: Der Herzog ist in jeder Hinsicht der gutartigen und im Großen und Ganzen
vollständigen, nur eben etwas verschrobenen Viola unwürdig.
(Bloom, p. 339)
Viola gehört zu Shakespeares starken Frauen, soviel steht fest. Sie versteht es, sich
allein in der Fremde zu behaupten, sich in einer Männerwelt durch Verkleidung durchzusetzen, aber sie ist nicht Herrin ihrer Gefühle: die Liebe zu Orsino, die er vielleicht
gar nicht verdient hat, die auf keinen Fall rational ist – aber wie könnte die Liebe dies
sein? – die Liebe ist ihre Schwäche. Weit weniger als Rosalind in WIE ES EUCH GEFÄLLT triumphiert sie am Ende des Stückes – und weit mehr als Rosalind ist sie durch
ihre Schwäche ein Mensch.
Die erste bekannte Erwähnung von WAS IHR WOLLT besteht in einer Eintragung, die
John Manningham, der am sog. Middle Temple in London Recht studierte, in einem
Notizbuch hinterließ:
Februar 1601
2. Bei unserem Bankett hatten wir ein Stück, Die Zwölfte Nacht oder Was Ihr Wollt. Ganz
wie die Komödie der Irrungen, oder die Menechmi von Plautus, aber vor allem ähnlich
dem Italienischen Stück, genannt Inganni. Eine gute Idee darin, den Haushofmeister glauben zu machen, dass die Lady in ihn verliebt sei, indem ein Brief gefälscht wurde, wie von
der Lady, der ihm allgemein schilderte, was sie an ihm am meisten mochte, und der ihm
vorschrieb zu Lächeln, und wie er sich zu kleiden habe, usw. Und dann, als er dies ausführte, nahmen sie ihn als einen Verrückten.
(Lothian und Craik, p. xxvi, diese wie alle Übersetzungen: Michael Sommer)
Die Tatsache, dass Manningham vor allem Malvolio in Erinnerung blieb, als er über
WAS IHR WOLLT nachdachte, ist kein Einzelfall. Die Rezeption des Stückes bis ins 19.
Jahrhundert hinein, setzte erstaunliche Schwerpunkte: Nicht der Handlungsstrang um
Viola, Orsino und Olivia, sondern derjenige um Maria, Tobias und Malvolio, wurde oft
als der bedeutendere betrachtet. Das hat natürlich mit der Figur des Malvolio zu tun:
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Malvolio ist Shakespeares größte Schöpfung in Was ihr
wollt, nur Feste kann sich mit ihm vergleichen. Die Komödie ist geradezu Malvolios Stück, ähnlich wie Der
Kaufmann von Venedig zusehends von Shylock dominiert wird. Charles Lamb meinte sehr klug, Malvolio sei
eine tragikomische Figur, ein erotomanischer Don Quijote. Das führt auf eine wesentliche Erkenntnis: Malvolios
Leiden kommen daher, das er sich in einem Stück befindet, das ihm nicht gemäß ist. In Ben Jonsons Volpone
oder in Der Alchemist würde sich Malvolio wie zu
Hause fühlen, allerdings wäre er dort nur ein Ideogramm
im Stil Jonsons, eine Karikatur und kein Charakter.
Shakespeares Malvolio fällt mehr seiner eigenen psychischen Veranlagung als den Machenschaften Marias zum
Opfer. Sein Traum von gesellschaftlicher und erotischer
Größe – „Graf Malvolio zu sein!“ – ist eine der besten
Erfindungen Shakespeares, eine zutiefst beunruhigende
Studie über die Selbsttäuschungen eines kranken Geistes. Malvolio ist auch eine Satire auf Ben Jonson, aber
Abb. 2 Kreuzweise geknotete Knieriemen
er übernimmt von dem komischen Dramatiker und satirischen Dichter nur die moralische
Streitlust. Dass sein Wollen auf Abwege gerät, daran ist seine Einbildungskraft schuld. Die
marxistische Literaturkritik deutet Malvolio als eine Studie zur Klassenideologie, aber das
ist eine Reduktion des Stücks und der Figur. Am wichtigsten für das Verständnis Malvolios ist
nicht, dass er Olivias Haushofmeister ist, sondern dass er so sehr seinen Träumen lebt, dass sein
Realitätssinn darunter leidet und er der gerissenen Maria, die sein Wesen durchschaut, zum
Opfer fällt. (Bloom, p. 353f.)
Der Traum vom sozialen Aufstieg, den Malvolio träumt, werde ich weiter unten noch
beleuchten. Wichtig hier: Malvolio ist ein Mann von Überzeugungen, kein sympathischer Zeitgenosse, aber auch kein schlechter Mensch. Im Gegensatz zu den Trunkenbolden und Maria haut er niemanden in die Pfanne – er träumt nur davon. Und dieser
Traum von Größe ist seine Achillesverse, er bringt ihn zu Fall.
Malvolios jäher Abstieg wird schon in der Szene prophezeit, in der wir ihn kennen lernen,
und zwar von seinem Widersacher, dem weisen Narren Feste. (...) Was aber Malvolio zustößt, steht in einem so krassen Missverhältnis zu dem, was er wirklich verdient hat, dass
das grausam erniedrigende Strafgericht, das über ihn verhängt wird, als eines der ganz
großen Rätsel in Shakespeares Welt gelten muss. Selbst wenn eine literarische Fehde mit
Ben Jonson für Shakespeare der Anlass gewesen wäre, den Malvolio zu schaffen, so ginge
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doch die soziale Kreuzigung des tugendhaften Haushofmeisters über alles Maß dessen, was
spielerische literarische Ranküne irgend darf. Mehrere andere Rollen in Was ihr wollt sind
umfangreicher als die des Malvolio; er spricht nur etwa ein Zehntel des gesamten Texts. Es
sind seine finster-komische Intensität und sein furchtbares Schicksal, was ihn zum Herrn
des Dramas werden lässt – auch hierin gleicht er Shylock. Aber im Gegensatz zu diesem
ist Malvolio kein komischer Schurke. Was ihr wollt ist nicht in erster Linie ein satirischer
Angriff auf Jonson, und es ist ganz offensichtlich, dass Malvolio, wieder wie Shylock, sich
wunderbar von seinem Autor emanzipiert hat und selbständig geworden ist. Das Stück
braucht Malvolio nicht, aber dieser hat nun einmal nicht die Wahl: Shakespeare hat ihn in
einen Kontext gestellt, wo er leiden muss. (Bloom, p. 354ff.)
Es drängt sich in Malvolios Schicksal eine Parallele zu Viola auf: Beide sind zunächst
souveräne Meister ihres Lebens, beide haben sich eine sichere Position in der Gesellschaft geschaffen, als sie Opfer ihrer Liebe werden. Ebenso wie Viola gegenüber
Orsino bereitwillig ihre Souveränität aufgibt, wirft Malvolio Vorsicht und Vernunft über
Bord, als er ein Zeichen der Liebe von Olivia zu erhalten glaubt. Sicher ist seine Liebe
in erster Linie Eigenliebe, und seine Träume sind von der gefährlichen Sorte, indem er
in ihnen Machtphantasien auslebt, aber dennoch glaubt er fest an die Liebe – er opfert
sich für sie.
Malvolio wird durch seine grausame Erniedrigung in keiner Weise geläutert, er zeigt
keine Einsicht in die Tatsache, dass seine Schwächen, seine an Autismus grenzende
Egozentrik ihn zum Gespött von Illyrien gemacht haben. Wie ein Fluch hallen seine
letzten Worte durch das Stück:
An euch, euch Pack, da räch ich mich, euch Pack! (V.1.377)
Er ist und bleibt ein Mann des Absoluten, der felsenfesten Überzeugung von sich und
seinem Recht – und steht damit diametral der Position des Narren Feste gegenüber.
Dieser hauptberufliche Wortverdreher zeichnet sich von Anfang an dadurch aus, dass
er zum einen die Überzeugungen der Menschen in seiner Umgebung umkrempelt,
und ihnen dadurch zu Erkenntnis verhilft; auf der anderen Seite gilt die Maxime des
Ungewissen auch für ihn selbst. Sowohl bei Olivia als auch bei Orsino, in der Welt der
Trunkenbolde wie im Kontakt mit Sebastian ist er zu Hause, niemals festgelegt, immer
spielerisch, immer wandelbar.
Der gute Geist von Was ihr wollt, der charmanteste aller Narren Shakespeares und in
diesem durchgedrehten Stück die einzige Figur mit heilem Verstand, ist Feste. Olivia hat
diesen Hofnarren von ihrem Vater geerbt, und wir spüren, dass Feste, der sein Handwerk
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perfekt beherrscht, seiner Rolle müde geworden ist. Dieser Überdruss hindert ihn nicht,
mit Schwung und Witz zu agieren, aber er hat doch immer etwas an sich, als wüsste er
alles, was es zu wissen gibt, etwas, das in keiner Weise überheblich ist, sondern sanft melancholisch. Olivia sieht ihm seinen Mangel an Diensteifer nach, dafür bemüht er sich, ihr
mit seinem Charme über ihre Trauer um ihren Bruder hinwegzuhelfen. Feste ist das ganze
Stück hindurch gutartig und beteiligt sich nicht an dem Komplott gegen Malvolio bis zu
der Szene, wo er als Sir Topas den Gefangenen in seiner Dunkelzelle besucht, und selbst
hier trägt er durch sein Verhalten letztlich zur Freilassung Malvolios bei. Als hochtalentierter Sänger (die Rolle wurde für Robert Armin geschrieben, der eine sehr schöne Singstimme hatte) hält sich Feste mehr an die Moll-Tonarten: „Gleich gedacht ist gleich vernünftig.
Wer weiß, was die Zukunft bringt?“
(Bloom, p. 362ff.)
Feste ist der genius loci dieses sonderbaren Landes
Illyrien, in dem alles sich um die Liebe dreht. Er ist
Katalysator der Handlung, ohne wirklich Fäden zu
ziehen; vielmehr erweisen sich gute wie schlechte Eigenschaften der Figuren in seiner Gegenwart. Seine
unterhaltsamen Dialoge würzen das Stück und geben
ihm Zusammenhalt. Er ist ganz und gar über seine
Funktion als Narr definiert: er unterhält, hält den anderen einen Spiegel vor, und kommentiert. Dass er
dies stets menschenfreundlich und klug tut, ist keine Selbstverständlichkeit. Sein Kollege Touchstone in
WIE ES EUCH GEFÄLLT etwa tritt mit einem gerüttelt
Maß Zynismus an, das Feste fremd ist. Freilich ist Feste
ein „alter“ Narr in dem Sinne, dass er teils melancholisch, manchmal sentimental, auf das Leben schaut
– er scheint seine Weisheit aus eigener Erfahrung zu
beziehen. Als einzige Figur im Stück wird er nicht in
den Mahlstrom der Liebe gezogen und von ihm durchgewirbelt, sondern bleibt von dieser „Krankheit“ un- Abb. 3 Frans Hals, Lautespielender Narr (Ausschnitt)
berührt. Sein Schlusslied, mit dem sich der musikalische Rahmen des Stücks schließt,
fasst noch einmal, ohne direkten Bezug zum Stück, dessen Stimmung zusammen:
When that I was and a little tiny boy, Als ich ein Bub war, ganz klein und noch dumm,
With hey, ho, the wind and the rain,
Mit hei, ho, bei Regen und Wind,
A foolish thing was but a toy,
Nahm keiner meine Streiche krumm,
For the rain it raineth every day. Denn der Regen der regnet jedweden Tag.
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But when I came to man’s estate, Doch als ich verlorn hatt die Kinderschuh,
With hey, ho, the wind and the rain, Mit hei, ho, bei Regen und Wind,
’Gainst knaves and thieves men shut their gate, Warf man mir die Tür vor der Nase zu,
For the rain it raineth every day. Denn der Regen, der regnet jedweden Tag.
But when I came, alas, to wive, Doch als ich, ach, ein Weib gefreit,
With hey, ho, the wind and the rain, Mit hei, ho, bei Regen und Wind,
By swaggering could I never thrive, Kam ’s End von meiner Herrlichkeit,
For the rain it raineth every day. Denn der Regen, der regnet jedweden Tag.
But when I came unto my beds, Doch als ich dann an Krücken kroch,
With hey, ho, the wind and the rain, Mit hei, ho, bei Regen und Wind,
With toss-pots still ‘had drunken heads, Blieb ’s Saufen nur als Freud mir noch,
For the rain it raineth every day. Denn der Regen, der regnet jedweden Tag.
A great while ago the world begun, Die Welt geht rund, und sie macht sich nichts draus,
With hey, ho, the wind and the rain, Mit hei, ho, bei Regen und Wind,
But that’s all one, our play is done, Ist eh alles eins, und das Stück ist nun aus,
And we’ll strive to please you every day. Und wir wolln euch erfreuen an jedwedem Tag.
Fazit an den Zuschauer gerichtet: Es regnet jeden Tag, ganz gleich, was einem Menschen passiert, also nehmt eure Herzen in die Hand und euch nicht so wichtig, denn
“that’s all one” – das ist alles gleich.
Wunder oder Verschwörung? - Die Verfasserfrage
Ein kluger Dramaturg tut gut daran, sich nicht auf Diskussionen in Bezug auf Shakespeares Biographie und die so genannte „Verfasserfrage“ einzulassen. Shakespeare
ist der eine Autor der Weltliteratur, der dem Wunsch von Theaterbesuchern nach
einer „kurzen Biographie“ im Programmheft gerecht wird, und warum sollten die
wenigen Einträge seiner Vita nicht ausreichen? In aller Regel wird der Biographie des
Autors keine große Beachtung geschenkt; statt dessen beschäftigt man sich „werkimmanent“ mit den Errungenschaften seiner Stücke. Oft wird der universelle Charakter
seiner Werke sogar so sehr betont, dass noch nicht einmal der Entstehungszeit, dem
gesellschaftlichen und künstlerischen Kontext, wirkliche Bedeutung für das Verständnis der Stücke beigemessen wird. Generell scheint mir, dass im Falle der Stücke mit
eher politischem Inhalt – die Historien und ein Teil der Tragödien – die Biographie des
Autors in der Tat nicht wesentlich notwendig ist, um ihren Inhalt und ihre Themen zu
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erschließen; anders liegt der Fall jedoch bei den so
genannten „romantischen Komödien“ zu denen WAS
IHR WOLLT zählt (und übrigens auch bei den Romanzen). Diese Stücke werden sehr viel klarer, wenn man
die Lebens- und Beziehungsgeschichte des Autors
kennt. Wenn man sie kennen würde. Mark Twain hat
die Gewissheiten über Shakespeares Biographie in
seinem ironischen, äußerst unterhaltsamen und vor
allem kurzen Beitrag zur Verfasser-Debatte folgendermaßen zusammengefasst:
Er kam am 23. April 1564 zur Welt.
Als Kind braver Bauersleute, die nicht lesen und nicht
schreiben konnten – auch nicht ihre Namen.
In Stratford, einem abgelegenen Städtchen, das damals heruntergekommen, schmutzig, und in hohem Maße analphabetisch war. Von den neunzehn hohen Herren, denen die
Verwaltung des Ortes oblag, mußten bei der Beglaubigung wichtiger Dokumente dreizehn „ihr Zeichen
machen“, weil sie den eigenen Namen nicht schreiben
konnten.
Über die ersten achtzehn Jahre seines Lebens ist nichts
bekannt. Sie sind eine leere Stelle.
Am
27.
November
(1582)
erwirkte William Shakespeare die amtliche Erlaubnis,
Anne Whateley zu ehelichen.
Am nächsten Tag erwirkte William Shakespeare die
amtliche Erlaubnis, Anne Hathaway zu ehelichen. Sie
war acht Jahre älter als er.
William Shakespeare heiratete Anne Hathaway.
In
aller
Eile.
Dank
einer
widerwillig
erteilten Ausnahmegenehmigung wurde das Paar nur
einmal öffentlich aufgeboten.
Binnen sechs Monaten kam das erste Kind zur Welt.
Es folgten zwei (leere) Jahre, in denen, soweit irgend bekannt, mit Shakespeare überhaupt nichts geschah.
Dann kamen Zwillinge – 1585. Im Februar.
Zwei leere Jahre folgen.
Dann – im Jahre 1587 – besucht er für zehn Jahre die
Abb. 4-7 Angebliche Shakespeare-Portraits
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Stadt London. Seine Familie läßt er zurück.
Fünf leere Jahre folgen. In dieser Zeit geschah mit ihm, soweit man weiß, überhaupt
nichts.
Dann – im Jahre 1592 – wird er als Schauspieler erwähnt.
Im nächsten Jahr – 1593 – erscheint sein Name auf der offiziellen Liste der Schauspieler.
Im nächsten Jahr – 1594 – spielte er vor der Königin. Ein Detail ohne große Bedeutung:
Andere obskure Gestalten taten während der fünfundvierzig Jahre ihrer Regierung Jahr
für Jahr das gleiche – und blieben obskur.
Drei ziemlich volle Jahre folgen. Gefüllt mit Schauspielerei.
Dann – im Jahre 1597 – kaufte er New Place in Stratford.
Dreizehn oder vierzehn geschäftige Jahre folgen, in denen er Geld anhäufte und sich einen
Ruf als Schauspieler und Theatermanager erwarb.
Unterdessen war sein Name, in ebeno freier wie vielgestaltiger Schreibung, mit einer Anzahl bedeutender Theaterstücke und Dichtungen in Verbindung gebracht worden, und
zwar (angeblich) als deren Verfasser.
Von einigen dieser Werke wurde in jenen Jahren und auch später Raubdrucke hergestellt,
er aber protestierte nicht dagegen.
Dann – im Jahre 1610 oder 1611 – kehrte er nach Stratford zurück, ließ sich für immer dort
nieder und befaßte sich fortan mit dem Verleihen von Geld, mit dem Eintreiben der von
ihm gepachteten Steuern, mit dem Kauf und Verkauf von Grundstücken und Häusern;
drückte sich davor, einundvierzig Shilling zurückzuzahlen, die seine Gemahlin während
der langen Zeit geliehen hatte, in der er seine Familie im Stich gelassen hatte; verklagte
Schuldner wegen Shillingen und Kleingeld; wurde selbst wegen Shillingen und Kleingeld
verklagt; betätigte sich als Komplize eines Nachbarn, der die Stadt ihrer Rechte an einer
bestimmten Allmende zu berauben versuchte – ohne Erfolg.
Fünf oder sechs Jahre – bis 1616 – gereichten ihm diese erhabenen Betätigungen zur Freude.
Dann machte er ein Testament und unterschrieb jede der drei Seiten mit seinem Namen.
Das Testament eines echten Geschäftsmannes. Es führte bis in die kleinsten Einzelheiten
alles auf, was er in der Welt besaß – Häuser, Grundstücke, einen Degen, eine versilberte
Schale und so weiter, bis hinunter zu seinem „zweitbesten Bett“ samt zugehörigem Bettzeug.
Sorgfältig und mit Bedacht verteilte er seine Reichtümer unter die Angehörigen seiner
Familie und überging dabei nicht einen. Nicht einmal seine Frau: jene Frau, die er dank
einer Sondergenehmigung in aller Eile hatte heiraten können, als er noch keine neunzehn
war; jene Frau, die er so viele Jahre ohne männlichen Beistand gelassen hatte; jene Frau,
die in ihrer Not einundvierzig Shilling hatte leihen müssen, welche der Verleiher von dem
wohlhabenden Gatten später nie mehr zurückerlangen konnte – statt dessen starb er, ohne
das Geld bekommen zu haben. Nein, auch diese Frau wurde in Shakespeares Testament
bedacht.
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Er hinterließ ihr jenes „zweitbeste Bett“.
Und sonst nichts; nicht mal einen Penny, um ihren Witwenstand zu segnen.
Es war eben vor allem und unübersehbar das Testament eines Geschäftsmannes und nicht
das eines Dichters.
Es erwähnte kein einziges Buch.
Bücher waren in jener Zeit viel kostbarer als Degen und versilberte Schalen und zweitbeste Betten, und wenn ein Mensch, der aus dem Leben schied, ein solches besaß, dann rückte
er es in seinem Testament weit nach oben.
Das Testament erwähnt auch kein Theaterstück, kein Gedicht, kein unvollendetes literarisches Werk, nicht den kleinsten Fetzen eines Manuskripts.
Viele Dichter sind arm gestorben, aber kein anderer ist so arm gestorben wie dieser; alle
anderen hinterließen immerhin einen literarischen Nachlaß. Und ein Buch. Oder zwei.
Hätte Shakespeare einen Hund sein eigen genannt – ach, wir müssen es nicht vertiefen: Wir
wissen, er hätte ihn in seinem Testament erwähnt. Wär’s ein guter Hund gewesen, hätte
Susanna ihn bekommen; wär’s ein weniger guter gewesen, wäre er seiner Frau zugeschlagen worden. Hätte er doch einen Hund gehabt! Dann könnten wir sehen, wie akribisch er
diesen Hund auf seine pedantische Geschäftsmannsart unter seinen Angehörigen verteilt
hätte.
Er unterschrieb das Testament an drei Stellen.
In den Jahren davor unterschrieb er zwei andere amtliche Dokumente.
Diese fünf Unterschriften sind erhalten geblieben.
Andere Beispiele für seine Schreibkünste gibt es nicht. Keine einzige Zeile.
Hatte er etwas gegen diese Kunst? Seine Enkelin, die er liebte, war acht Jahre alt, als er
starb, aber eine Bildung wurde ihr nicht zuteil, er traf, obwohl er reich war, keinerlei
Anordnungen hinsichtlich ihrer schulischen Erziehung, und so konnte sie denn auch als
erwachsene Frau nicht schreiben und konnte die Schrift ihres Mannes nicht von der eines
anderen unterschieden – sie glaubte, es sei die von Shakespeare.
Als Shakespeare in Stratford starb, war das kein Ereignis. Sein Tod erregte in England kein
größeres Aufsehen, als der Tod eines anderen vergessenen Schauspielers erregt hätte. Von
London kam niemand herüber; es gab keine Klagelieder, kein Lobreden, keine nationalen
Tränen – bloß Schweigen, sonst nichts. Was für ein auffälliger Gegensatz, zu dem was geschah als Ben Jonson und Francis Bacon und Spenser und Raleigh und die anderen angesehen Literaten der Shakespeare-Zeit das Zeitliche segneten! Keine rühmende Stimme erhob
sich, als der Barde vom Avon nicht mehr war; selbst Ben Jonson wartete sieben Jahre, bis
er die seine erhob.
Soweit bekannt und nachweisbar, hat Shakespeare aus Stratford-upon-Avon nie im Leben
ein Stück geschrieben.
Soweit bekannt und nachweisbar, hat er nie im Leben irgendwem einen Brief geschrieben.
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Soweit bekannt, hat er im Laufe seines Lebens nur einen
einzigen Brief erhalten.
Soweit bekannt und nachweisbar, hat Shakespeare aus
Stratford in seinem Leben nur ein einziges Gedicht geschrieben. Dieses eine ist echt. Er hat es wirklich geschrieben – eine Tatsache, welche unumstritten ist; er schrieb es
ganz; er schrieb es ganz aus dem eigenen Kopf. Er ordnete an, dieses Kunstwerk solle auf sein Grab gemeißelt
werden, und so geschah es. Bis heute hat es sich dort erhalten. Es lautet:
Good fried for Iesus sake forbeare
To digg the dust encloased heare:
Blest be ye man yt spares thes stones
And curst be he yet moves my bones.
Du guter Freund, tu’s Jesus zu gefallen
Und wühle nicht im Staub, der hier verschlossen.
Gesegnet sei der Mann, der schonet diese Steine.
Und jeder sei verflucht, der störet meine Gebeine.
Abb. 8 Shakespeare-Denkmal, Holy Trinity
Church, Stratford
In der vorangehenden Aufstellung findet sich jedes erwiesene und bekannte Faktum aus
Shakespeares Leben, so schmal und mager der Ertrag auch ist. Über diese Einzelheiten hinaus wissen wir nichts über ihn. Der ganze Rest seiner breiten Geschichte, wie die Biographien sie ausstaffiert haben, besteht Schicht für Schicht aus Annahmen, Schlußfolgerungen,
Theorien und Mutmaßungen – ein Eiffelturm aus lauter Klügeleien, der sich himmelhoch
über einem sehr flachen, sehr dünnen Fundament belangloser Tatsachen erhebt.
(Mark Twain, Ist Shakespeare tot?, zitiert nach Michell, p. 51ff.)
Soweit Twains bissige Zusammenfassung der Fakten, die über das Leben des William
Shakespeare bekannt sind. Freilich sind, seit Twain sein Traktat 1909 verfasste, noch
einige Dokumente und gesicherte Fakten mehr über Shakespeares Leben bekannt geworden, aber prinzipiell bleibt die Frage bestehen, die in nuce lautet: Wie sollte ein
Nichts aus der Unterschicht, ohne nachweisbare Bildung, in der Lage gewesen sein,
die größten literarischen Werke der Menschheitsgeschichte zu schreiben und nahezu
keine Spuren seines Privatlebens hinterlassen? Diese – berechtigte – Frage rief ab der
Mitte des 19. Jahrhunderts verschiedenste Spekulationen und Theorien zur Identität
des Verfassers von „Shakespeares Werken“ auf den Plan. Einen guten Überblick über
die Verfasserfrage bietet John Michells Buch Wer schrieb Shakespeare?, dass relativ
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vorurteilsfrei versucht, die verschiedenen Positionen vorzustellen. Gemein ist den unterschiedlichen Überlegungen die Struktur von Verschwörungstheorien: Es gab, nach
dem Dafürhalten der „Anti-Stratfordianer“, eine oder mehrere Persönlichkeiten, die
„Shakespeares Werke“ schrieben, aber – aus unterschiedlichsten Gründen – diese unter einem Pseudonym spielen und drucken ließen. Dieses Pseudonym war nun kein
frei erfundener Name, sondern derjenige eines kleinen Schauspielers und Theaterunternehmers aus Stratford. Zu den beliebtesten Kandidaten der Anti-Stratfordianer
zählen Sir Francis Bacon (Lord Verulam), Edward de Vere (der Earl of Oxford), William
Stanley (der Earl of Derby), Roger Manners (der Earl of Rutland) und viele andere, unter den Verdächtigen befinden sich gar Königin Elisabeth selbst, und die Frau William
Shakespeares, Anne Whateley. Einige Argumente der so genannten „Oxfordianer“, für
die Edward de Vere, der siebzehnte Earl of Oxford, der Verfasser von „Shakespeares
Werken“ ist, soll einen kleinen Einblick in die Welt der Verschwörungstheoretiker bieten:
Im Jahr 1920 veröffentlichte J. Thomas Looney, ein
englischer Lehrer, das Buch Shakespeare Identified, in
dem er Edward de Vere (1550-1604) als den Autor propagierte, der das Pseudonym Shakespeare annahm
und 37 Stücke unter seiner Tarnung veröffentlichte.
De Vere war ein großer Gelehrter, der sowohl in Oxford als auch in Cambridge studiert und Abschlüsse
erworben hatte, bewandert in Jura und klassischer
Literatur. Er erbte eine Schauspielertruppe von seinem Vater und unterhielt später sogar zwei Truppen,
sowie einen Anteil am Blackfriar’s Theatre. Er bereiste
Frankreich und Italien, war Soldat und nahm selbst an
der Schlacht gegen die Armada teil. Bei Hofe gehörte de Vere zum engsten Kreis um Königin Elisabeth
und war vielleicht sogar ihr Liebhaber. Sein Schwager
führte eine Gesandtschaft an den königlich dänischen
Hof in Helsingör an. Verglichen mit der Weltgewandtheit des Earl of Oxford ist es freilich schwer, sich einen
einfachen Mann aus der Provinz vorzustellen, der so
Abb. 9 Edward de Vere, 17. Earl of Oxford
umfangreich und detailliert über eine Welt geschrieben haben sollte, die er gar nicht
kannte. Seine Zeitgenossen nannten de Vere den „ersten“ unter den Dramatikern an
Elisabeths Hof, und doch hinterließ er nicht ein einziges Stück unter seinem eigenen
Namen. Er erhielt eine jährliche Zuwendung von 1.000 Pfund Sterling von der Krone –
damals eine gewaltige Summe – ohne ein offizielles Hofamt zu bekleiden. Dies ließe
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sich freilich leicht erklären, wenn man in Betracht zieht, dass Shakespeares Historien
die Basis der Tudor-Ideologie und damit eine gewisse Legitimation für Elisabeths Regierung bilden. Wurde de Vere als Chefideologe und Hofdramatiker entlohnt, konnte
sich aber nicht öffentlich zu seinen Leistungen in der „niederen“ Welt des Theaters
bekennen, ohne seine soziale Position zu gefährden? Wir wissen es nicht.
Unzählige Argumente sind für und wider die einzelnen Kandidaten ausgetauscht worden, der belgische
Professor Célestin Demblon, soll bei den Recherchen
zu seinem Werk Lord Rutland est Shakespeare 5000
Bücher gelesen haben – und dies vor 1912, bevor die
Flut der Publikationen zur Verfasserfrage eigentlich
einsetzte. Wer wollte die Frage nach Shakespeares
Identität, die also Heerscharen von klugen Köpfen,
mit unerhört viel Zeit und Mühe nicht klären konnten,
im Handstreich beantworten? Al Austin, der Autor des
Dokumentarfilms The Shakespeare Mystery, fasst die
Diskussion wie folgt zusammen: „Diejenigen, die daran glauben, dass de Vere Shakespeare war, müssen
einen äußerst unwahrscheinlichen Betrug annehmen,
eine Verschwörung des Schweigens, die unter anderem Queen Elizabeth selbst mit einschließt. Diejenigen, die auf der Seite des Mannes aus Stratford stehen,
müssen an Wunder glauben.“ Ein wichtiger Punkt.
Verschwörungstheorien – und das sind alle Theorien, Abb. 10 Roger Manners, 5. Earl of Rutland
die gegen den Mann aus Stratford sprechen – haben einen schwachen Punkt: sie basieren auf dem Glauben an eine Verschwörung. Zwar ist das Elisabethanische Zeitalter
reich an Pseudonymen und falschen Identitäten; in den seltensten Fällen jedoch konnten die wahren Autoren von wichtigen literarischen Werken nicht identifiziert werden.
Gerade die Neider, die Feinde, die Konkurrenten, von denen es im Theatergeschäft
auch damals reichlich gab, hätten ein Geheimnis dieser Tragweite niemals bewahrt –
weshalb hätten sie sollen? Bertolt Brecht glaubte übrigens an die Kollektivtheorie:
der einwand gegen shakespeares autorenschaft, ein so ungebildeter mensch könne nicht
solche stücke geschrieben haben, ist hinfällig. wie wenig aufgeschnapptes wissen gehört
dazu, auf der bühne den anschein tiefer wissenschaft zu erwecken. (...) was mich veranlasst zu glauben, dass ein kleines kollektiv die shakespearestücke angefertigt hat, ist nicht,
dass ich glaube, ein einzelner mensch könne diese stücke nicht geschrieben haben (...). ich
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finde nur die stücke rein technisch so montiert, dass ich die arbeitsweise eines kollektivs zu
erkennen glaube.
(Bertolt Brecht, Arbeitsjournal, 1940, zitiert nach Biermann)
Lassen wir die Kollektivtheorie als Projektion Brechts links liegen, und kommen wir
statt dessen, kraft des Verschwörungsarguments zurück zu dem Mann aus Stratford:
Nehmen wir als Hypothese an, dass tatsächlich er es war, der 37 Stücke, 154 Sonette
und zwei Versdichtungen schrieb, darunter auch WAS IHR WOLLT. Welche Teile seiner
Biographie könnten unser Stück beleuchten?
Eine frühe (Zwangs-)Ehe
Auch als „Stratfordianer“ muss man nicht unbedingt der so genannten „Bardolatry“,
der Anbetung des „Barden“ Shakespeare, verfallen. In der Zeit der Romantik, die etwa
in Deutschland die ersten großen Shakespeare-Übersetzungen hervorbrachte, wurde
der Mann aus Stratford in aller Regel als „Naturtalent“ und „Genie“ verklärt, aber
diese Einebnung seiner Biographie führt in der Interpretation der Stücke zu nichts.
Wesentlich interessanter ist eine kritische Bewertung seines Lebenslaufes, wie sie
Katherine Duncan-Jones in ihrer 2001 erschienen Shakespeare-Biographie Ungentle
Shakespeare vornimmt. Zunächst beschreibt sie die literarische Umgebung von Stratford, die in der Ära Elisabeths einige Schriftsteller und vor allem auch Förderer junger
Talente hervorbrachte, der soziale Abstieg der Familie Shakespeare jedoch scheint
eine frühe Karriere des jungen William verhindert zu haben:
Wegen seiner steigenden Schulden nahm der frühere Bürgermeister [bailiff] John Shakespeare nicht mehr an Sitzungen des Stadtrates Teil und ging auch nicht mehr zur Kirche; er
konnte es sich nicht länger leisten, mit den Grevilles oder Lucys [den lokalen Magnaten] zu
trinken oder dinieren.
(Duncan-Jones, p. 16)
William ging nicht zur
Universität, sondern
wuchs in Stratford auf,
wo er, kaum 18 geworden, die 26jährige Anne
Hathaway, die nach
dem Tod ihres Vaters
einen
bescheidenes
Erbe erhalten hatte,
heiratete:
Abb. 11 Shakespeares Geburtshaus
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Es scheint mir wahrscheinlich, dass der Tod ihres Vaters die unverheiratete Agnes oder
Anne (die Namen waren austauschbar) ohne große elterliche Fürsorge und Kontrolle zurückgelassen hatte, und als eine reife und lebenslustige junge Frau vom Lande nutzte sie
ihre Freiheit aus, um Zeit mit der örtlichen Jugend zu verbringen. Eine Mischung aus
Langeweile und der sexuellen Neugierde, die in seinem Alter natürlich sind, führten zu
Shakespeares Affäre mit ihr, und wahrscheinlich zu seiner ersten sexuellen Erfahrung. In
der frühen Neuzeit fand die Pubertät im Durchschnitt vier oder fünf Jahre später statt
als heutzutage. Einige Jungen von achtzehn oder neunzehn Jahren konnten noch Sopran
singen. Im klebrig heißen August des Jahres 1582 wurde Shakespeare wahrscheinlich vom
Knaben zum Mann und erlebte die unkontrollierbaren Testosteronschübe, die mit dieser
Entwicklungsphase einhergehen. Die Familien Shakespeare und Hathaway, die nur ein
paar Meilen voneinander entfernt lebten, hatten sich schon immer gekannt. Anne war
anders als viele junge Frauen ihres Alters, indem sie nicht nur unverheiratet, sondern auch
bis zu einem gewissen Grad frei und unabhängig war. Sobald die schwerste Arbeit im Juli
und August vorbei war, gab es im Jahreslauf der Landwirtschaft eine Phase mit weniger
Arbeit, bis die Apfelernte und –kelterei anstand. (...) Irgendwann in dieser Zeit begannen
die sexuellen Beziehungen zwischen der verwaisten Tochter eines landbesitzenden Bauern und dem ältesten Sohn des Handschuhmachers John Shakespeare. Der Geburtstag der
Tochter Susanna Shakespeare, die am 26. Mai 1583 geboren wurde, lässt auf eine Zeugung
irgendwann im späten September 1582 schließen. (...) Man könnte argumentieren, dass die
Verbindung eine Liebesheirat war, und in einem bestimmten Sinne war sie es sicher. Ein
junger Mann mit außerordentlicher Vorstellungskraft und Talent, der in einer unbefriedigenden Beschäftigung mit keinerlei Aussichten feststeckte, außer der Aussicht, eines Tages
die Geschäfte der Familie besser zu führen als sein Vater, fand, wie andere geniale Männer
vor ihm, einen Ausweg im Sex. Zunächst, in den ersten Wochen der Beziehung, war der
Junge Anne gegenüber sehr dankbar für ihre Bereitschaft, und redete sich ein, dass er sie
liebte. Darauf deutet ein sonderbares und untypisch simplistisches Sonett hin, dass schließlich seinen Platz in der „Dark Lady“-Abteilung der Ausgabe der Sonnets von 1609 als Nr.
145 erhielt:
Those lips, that love’s own hand did make
Breathed forth the sound that said ‚I hate’,
To me, that languished for her sake;
But when she saw my woeful state,
Straight in her heart did mercy come,
Chiding that tongue, that, ever sweet,
Was used in giving gentle doom,
And taught it thus anew to greet:
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‚I hate’ she altered with an end
That followed it as gentle day
Doth follow night, who like a fined
From heaven to hell is flown away.
‚I hate’ from ‚hate’ away she threw,
And saved my life, saying ‚not you’.
Wie Andrew Gurr ausgeführt hat, scheint die Phrase ‚hate away’ in der vorletzten Zeile
ein Wortspiel auf „Hathaway“ oder „Hattaway“ zu sein – die Namen waren austauschbar.
Wenn man das Sonett isoliert liest, als eine Feier der jungen Beziehung zwischen William
und Anne im Sommer 1582, scheint es zwar naiv, aber konventionell und unterhaltsam.
(...)
Ich vermute, dass Annes Familie und Freunde beschlossen, sie sofort in eine etwas weiter
liegende Gemeinde [Temple Grafton] zu bringen, als sie von ihrer Schwangerschaft erfuhren. (...) Die unübersehbare Eile, mit der die Heirat arrangiert wurde, deutet auf ein
solches Szenario hin. Schnell wurden Maßnahmen ergriffen, um die Hochzeit durch eine
Genehmigung des Bischofs von Worcester zu legalisieren. (...) Sobald die Genehmigung
vorlag, konnte die Hochzeit schon nach einem einzigen Aufgebot gefeiert werden. (...)
William Shakespeare benötigte, da er noch nicht volljährig war, das Einverständnis seines
Vaters zur Hochzeit. (...) Er und Anne zogen ins Haus [seiner Eltern] in der Henley Street,
wo eine ganze Kinderschar sich schnell ausbreitete, denn nach der Geburt von Susanna
im Mai 1583 kamen die Zwillinge Hamnet und Judith, eine Junge und ein Mädchen, im
Februar 1585 zur Welt. (...)
Wenn man sich das Geschrei, die Geschäftigkeit und bittere Armut im Haus in der Henley
Street in diesen Jahren vorstellt, in dem die ganze Familie von vier Erwachsenen und sieben Kindern von einer Krise in die nächste schlitterte, ist es nicht erstaunlich, dass der erste
Teil von Shakespeares Erwachenenleben für offizielle Aufzeichnungen „verloren“ ist. (...)
Die Jahre zwischen 1583 und 1589 waren häusliche, bestimmt von den täglichen Nöten
und Problemen von Eltern, Geschwistern, Frau und Kindern. Sie waren so häuslich, dass
Shakespeare sich, sobald er von ihnen befreit war, dafür entschied, für immer unabhängig
und allein zu leben. Obwohl er in gewisser Hinsicht Stratford treu blieb (...), indem er einigen Grundbesitz erwarb und Geschäfte hier abwickelte, lebte er doch nie wieder für einen
längeren Zeitraum in der Stadt. Die etwa sechs Monate, die er dort verbrachte, als er starb,
waren erzwungen und nicht freiwillig.
(Duncan-Jones, pp. 16-25)
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Familienüberdruss – der Kontakt mit dem Theater
Die Theatertruppen der elisabethanischen Zeit standen in der Regel unter dem Schutz
eines adligen Patrons, spielten an seinem Hof und in London, vor allem aber zogen
sie durchs Land. Im Jahr 1587 etwa besuchten mindestens fünf dieser Truppen Stratford, darunter „The Queen’s Men“, eine der bedeutendsten Theatertruppen der Zeit.
Schon in der Zeit, als sein Vater noch Bailiff war, hatte Shakespeare das Theater kennen gelernt, denn der Bürgermeister präsentierte den Einwohnern von Stratford jedes
Jahr ein Stück dieser fahrenden Schauspieler. Es wird angenommen, dass Shakespeare etwa im Jahr 1587 seine Familie verließ und sich einer der Schauspielertruppen anschloss, die durchs Land zogen. Auf diese Weise wäre er nicht nur im Land
herum gekommen, sondern hätte auch eine große Anzahl von Adligen und ihre Höfe
kennen gelernt. Natürlich gab es keine andere Ausbildung für Schauspieler als die
Bühne: Anfänger spielten (wenn sie noch jung genug waren) als Knaben-Schauspieler
die weiblichen Rollen der Stücke, denn Frauen waren auf der Bühne nicht erlaubt; die
älteren Anfänger, wie es bei Shakespeare der Fall gewesen sein dürfte, lernten in der
Regel als Zweitbesetzung die kleinen Rollen der Stücke und arbeiteten in allen Bereichen hinter den Kulissen. Es wird angenommen, dass Shakespeare einige Jahre mit
einer oder mehreren Truppen durchs Land zog. 1592 schreibt der Schriftsteller Robert
Greene:
There is an upstart Crow, beautified with our feathers, that with his Tiger’s heart wrapped
in a Player’s hide, supposes he is well able to bombast out a blank verse as the best of you:
and being an absolute ioannes fac totum, is in his own conceit the only Shake-scene in a
country.
(zitiert nach Duncan-Jones, p. 27)
Es gibt da eine emporgekommene Krähe, mit unseren Federn verschönert, die mit einem
Tigerherz im Schauspielerpelz glaubt, dass er ebenso gut wie ihr einen Blankvers bombastisch ausspucken kann: und da er ein absoluter Hans-Dampf-in-allen-Gassen ist, ist
er seiner eigenen Überzeugung nach der größte Szenen-schüttler im
Land.
Mehrere Teile dieser
verschlüsselten
Anspielung sind bemerkenswert: Greene beAbb. 12 Das (rekonstruierte) Globe Theatre
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klagt sich, dass ein dahergelaufener Emporkömmling den „gelehrten“ Schriftstellern
Konkurrenz macht. „Beautified with our feathers“ deutet auf einen Schauspieler hin,
denn der Federschmuck war ein fester Bestandteil elisabethanischer Bühnenkostüme
(cf. Hamlets Rede an die Schauspieler). Auch die Bezeichnung „ioannes fac totum“
– ein Tausendsassa, jemand der mehrere Berufe ausübt – macht es wahrscheinlich,
dass hier ein Theatermann, der vom Schauspiel über die niederen Tätigkeiten der
Bühne alles schon gemacht hat, sich jetzt als Schriftsteller präsentiert – als größter
„Shake-scene“ im Land. Das Zitat „O tiger’s heart wrapp’d in a woman’s hide“, das von
Greene gegen den Autor gewendet wird, stammt von Shakespeare, aus dem dritten
Teil von HENRY VI. Es wird deutlich, dass schon 1592, Shakespeare die englische Theaterlandschaft in Unruhe brachte, und zwar als Schriftsteller.
Sexuelle Ambivalenz
Ein Zitat aus Ben Jonsons Stück Poetaster gibt eine gängige elisabethanische Meinung
über das Theater wieder; die Figur Ovid Senior erfährt, dass sein teuer erzogener Sohn
ein Theaterstück schreiben will und ist entsetzt: „What? shall I have my son a stager
now? an ingle for players? a gull? a rook? a shot-clog to make suppers and be laughed at?“
(zitiert nach Duncan-Jones, p. 79) [„Was? Soll ich meinen Sohn jetzt zur Bühne gehen lassen? Einen Liebhaber von Schauspielern werden lassen? Einen Betrogenen? Einen Schurken? Einen, der die Rechnungen begleicht, zum Essen
einlädt und ausgelacht wird?“]. Schauspieler standen
im Ruf, theaterbegeisterte junge Gentlemen in die
gleichgeschlechtliche Liebe einzuführen, wie das Zitat
impliziert. Der Zusammenhang zwischen Schauspielerei und Homosexualität wurde im elisabethanischen
Theater vor allem auch dadurch untermauert, dass
keine Frauen auf der Bühne zugelassen waren, und
unausweichlich „Knaben“ Mitglieder der Truppen waren. Dass Shakespeare, der seine Familie in Stratford
zurückgelassen hatte, auch dem eigenen Geschlecht
zugeneigt war, beweist die Mehrzahl seiner Sonette,
die in glühender Liebe an einen (jüngeren) Mann gerichtet sind – und es gibt keinen Grund anzunehmen,
dass die in ihnen beschworene Liebe platonischer
Natur war. Seine beiden frühen Versdichtungen Venus
and Adonis und The Rape of Lucrece, wahrscheinlich
während Pestepidemien in den Jahren 1592-93 (VeAbb. 13 Henry Wriothesly, 3. Earl of Southampton
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nus) und 1594 (Lucrece) geschrieben, denn während dieser Zeit waren die öffentlichen
Theater geschlossen, sind dem jungen Adligen Henry Wriothesley, Earl of Southampton, gewidmet.
Man könnte annehmen, dass die gesellschaftliche Distanz zwischen dem jungen Adligen
und dem Dramatiker bäuerlicher Herkunft viel zu groß war, um körperliche Intimität zu
erlauben. Spätere Beispiele, etwa die Beziehung zwischen Oscar Wilde und E. M. Forster, zeigen allerdings, dass Klassenunterschiede durchaus auch als Aphrodisiakum wirken
können. Weiterhin gibt es ein Zeugnis des Soldaten William Reynolds, dass sowohl Southampton als auch seinem engen Freund Essex gewohnheitsmäßige körperliche Intimität mit
männlichen Untergebenen zuschreibt (...):
Abb. 14 Robert Devereux, 2. Earl of Essex
Ich frage mich, was aus Piers Edmonds geworden ist,
genannt Captain Piers, oder Captain Edmonds, einem
Mann des Earl of Essex, im Strand ganz in der Nähe
von mir geboren, der viele Belohnungen und Beförderungen vom Earl of Essex erhielt. Ich habe mich oft
über seine Schurkereien beklagt, er lebt in London, er
war Hauptgefreiter der Kavallerie in Irland unter dem
Earl of Southampton. Er aß und trank an seinem Tisch
und lag in seinem Zelt, der Earl of Southampton gab ihm
ein Pferd, für das Edmonds ihm hundert Mark verweigerte [?]. Der Earl of Southampton war es gewohnt, ihn
zu umfangen und in den Armen zu halten und zügellos
mit ihm zu spielen. Dieser Piers begann in Irland um
mich herum zu scharwenzeln und mir zu schmeicheln;
er war sehr höflich zu mir und erzählte mir, welche Bezahlung, Großzügigkeiten und Gefallen die Earls ihm
hatten zukommen lassen, und schien mich damit bewegen und animieren zu wollen, mich um den gleichen
Vorzug zu bemühen.
(Duncan-Jones, p. 80)
Eines der berühmtesten von Shakespeares Sonetten trägt in der Ausgabe von 1609 die
Nummer 20:
A woman’s face with nature’s own hand painted
Hast thou, the master mistress of my passion;
A woman’s gentle heart, but not acquainted
With shifting change, as is false women’s fashion;
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An eye more bright than theirs, less false in rolling,
Gilding the object whereupon it gazeth;
A man in hue, all hues in his controlling,
Which steals men’s eyes and women’s souls amazeth;
And for a woman wert thou first created,
Till nature as she wrought thee fell a-doting,
And by addition me of thee defeated,
By adding one thing to my purpose nothing:
But since she pricked thee out for women’s pleasure,
Mine be thy love, and thy love’s use their treasure.
(zitiert nach Duncan-Jones, SHAKESPEARE‘S SONNETS, p. 20)
Ein frauenantlitz das Natur selbsthändig
Gemalt – hast du · Herr-Herrin meiner minne ·
Ein zartes frauenherz · doch das nicht ständig
Den wechsel sucht nach falscher frauen sinne.
Ein aug so hell wie ihrs doch nicht so hehlend ·
Jed ding vergoldend worauf es sich wendet ·
Ein mann in form · den formen all befehlend ·
Der mannes aug und weibes seele blendet.
Du warst als frau gedacht als erst dich schaffte
Natur · doch sie verliebte sich beim werke ·
Indem durch zutat sie dich mir entraffte
Tat sie ein ding bei – nicht für meine zwecke.
Doch da sie dich erlas zu weibes labe ·
Sei mein dein lieben · ihnen liebes-gabe.
(Übersetzung Stephan George, Shakespeares Sonette, p. 23)
Die platonische Unterscheidung der Liebe nach Geschlechtern, die der Beziehung
zwischen Männern „höheren“ und „reineren“ Wert als der heterosexuellen Liebe einräumt, ja frauenfeindliche Anklänge enthält, indem sie ihnen Flatterhaftigkeit und
Lüsternheit vorwirft, dieses Thema zieht sich durch 126 seiner 154 Sonette. Einige
derjenigen, die traditionell der so genannten „Dark Lady“ als Adressatin zugeordnet
werden, sind sogar regelrecht misogyn. Die Tatsache, dass der Sprecher des 20. So22
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netts vorderhand alle sexuellen Interessen an seinem Geliebten abstreitet, kann auch
anders gelesen werden: „Nothing“ war im elisabethanischen Englisch ein gängiges
Hüllwort für das weibliche Geschlechtsorgan, so dass „by adding one thing to my purpose nothing“ durchaus auch homoerotisch gelesen werden kann.
Für unsere Zwecke ist es nicht entscheidend, Shakespeares tatsächliche sexuelle Orientierung zu bestimmen, tatsächlich gibt es eine kolportierte Anekdote, die ihm eine
starke heterosexuelle Libido zuschreibt. Es war wiederum der Jurastudent John Manningham, der auch die erste belegte Aufführung von WAS IHR WOLLT sah, der am 13.
März 1601 folgendes notierte:
Upon a time when Burbage played Richard the Third there was a citizen grew so far in
liking with him, that before she went from the play she appointed him to come that night
unto her by the name of ‚Richard the Third’. Shakespeare, overhearing their conclusion,
went before, was entertained and at his game ere Burbage came. Then message being
brought that Richard the Third was at the door, Shakespeare caused return to be made that
William the Conqueror was before Richard the Third.
(zitiert nach Duncan-Jones, p. 131)
Zu der Zeit als Burbage Richard den Dritten spielte, verliebte sich eine Bürgerin so sehr in
ihn, dass sie nach dem Stück mit ihm verabredete, dass
er in der Nacht unter dem Namen „Richard der Dritte“
zu ihr kommen sollte. Shakespeare hörte ihre Verabredung, ging vor Burbage, wurde empfangen und war bei
seinem Spiel bevor Burbage kam. Als dann Nachricht
gebracht wurde, dass Richard der Dritte an der Tür war,
ließ Shakespeare ausrichten, dass Wilhelm der Eroberer
vor Richard dem Dritten da war.
Wenn diese – freilich sehr glatt eingängige – Anekdote wahr sein sollte, so zeigt sie Shakespeare als
kein Kind von Traurigkeit, als einen Mann, der keine Gelegenheit auf ein Schäferstündchen mit einer
Unbekannten auslässt. Der „sportliche“ Aspekt, die
Konkurrenz zwischen den Kollegen und Freunden
Shakespeare und Burbage (der erste Schauspieler in
Shakespeares Truppe, The Queen’s Men), geht freilich
mit einer radikalen Ignoranz den Bedürfnissen der
Frau gegenüber einher.
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Abb. 15 Richard Burbage
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Shakespeares Gesellschaft war eine durch und durch patriarchalische. Auch die Tatsache, dass eine Frau an der Spitze des Staates stand, änderte nichts daran, dass
Männer in allen Bereichen der Gesellschaft das Sagen hatten – nur dadurch, dass
sie männliche Eigenschaften an den Tag legte, konnte sich Elizabeth auf dem Thron
behaupten. In den Jahren von 1604 bis 1608, als er längst ein erfolgreicher Dramatiker, Teilhaber des Globe Theatre und volles Mitglied seiner Theatertruppe war, pflegte
Shakespeare enge Beziehungen zu dem Bordellbesitzer und (drittklassigen) Schriftsteller George Wilkins.
George Wilkins’ Haus an der Ecke Turnmill Street und Cow Cross war eine Mischung aus
Kneipe und Bordell, und Wilkins und seine Gäste hatten ständig Ärger mit den Behörden.
Neben dem ungenehmigten Verkauf von Mahlzeiten und Getränken wurde Wilkins immer wieder gewalttätig, vor allem, wenn er betrunken war. Bei einer Gelegenheit trat er
eine schwangere Frau in den Bauch, bei einer anderen Gelegenheit trampelte er auf einer
Frau herum, die er schon so schwerwiegend geschlagen hatte, dass sie in einem Stuhl nach
Hause getragen werden musste. In beiden Fällen scheinen die Frauen Prostituierte gewesen zu sein, die gemeinhin als „Freiwild“ betrachtet wurden. In die Turnmill Street zu
gehen um Huren zu verprügeln war während der Tudor-Zeit eine traditionelle Freizeitbeschäftigung für aufgekratzte junge Männer. Aber was hatte der „sanfte Shakespeare“ in
der Gesellschaft dieses Mannes zu suchen? (Duncan-Jones, p. 206)
Das Bild, dass sich aus Shakespeares Sonetten und seinem Umfeld ergibt, ist ein harsches und alles andere als schmeichelhaftes für den Dichter. In einer immer latent
und manchmal offen frauenfeindlichen Gesellschaft lebend, gehörten sexuelle Beziehungen sowohl zu Frauen als auch zu Männern zu seinem Erfahrungshorizont –
mit dem Unterschied, dass er die Männerliebe als die höherwertige betrachtete. Eine
letzte Überlegung soll das Kapitel „Shakespeares Sex“ abschließen. Syphilis war die
gefürchtetste, ebenso verbreitete wie tödliche Geschlechtskrankheit der Elisabethanischen Epoche; von Shakespeares Zeitgenossen wurde allgemein angenommen, dass
sie nur von Frauen auf Männer übertragbar war.
Für die infizierten Frauen gab es wenig Mitleid oder Sorge, sowohl von der Medizin als
auch von der Gesellschaft im allgemeinen. Selbst eine Frau, die jung, schön und unschuldig aussah, konnte in den versteckten Teilen ihres Körpers die Macht tragen, einen Mann
mit einer schmerzhaften, erniedrigenden und schließlich tödlichen Krankheit zu infizieren.
Diese Denkweise verstärkte die ohnehin vorhandenen Muster misogyner Bildlichkeit.
(Duncan-Jones, p. 226)
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Katherine Duncan-Jones schließt aus Anspielungen in Troilus und Cressida und in den
späten Sonetten, dass Shakespeares Besuche in der Turnmill Street ihm eine SyphilisInfektion eingebracht hatten, oder dass er es zumindest glaubte. Der zunehmend frauenfeindliche Shakespeare, der sich in seinen letzten Stücken und beispielsweise auch
in seinem Testament zeigt, könnte so erklärt werden.
Ungentle Shakespeare – ein teures Wappen
Bevor er sich allerdings zum Sterben nach Stratford zurückzog, hatte Shakespeare
allerdings für sein Altenteil vorgesorgt. Nicht nur Landbesitz und einträgliche Pachten
hatte er in seiner Heimatstadt erworben, sobald sich in den frühen neunziger Jahren
seine Einnahmen aus dem Theater rentierten, sondern er hatte auch für seinen sozialen Aufstieg gesorgt.
Unglücklicherweise stammte er aus einer vollkommen bäuerlichen Familie auf der Seite seines Vaters und hatte seine Position durch die sogar noch weniger „adlige“ Anne Hathaway
nicht verbessert. Noch auch – wie die Attacke in [Greenes] Groats-worth ihn schmerzhaft
erinnerte – war er in der Lage gewesen, seinen Stand durch ein Universitätsstudium zu
verbessern. Ein Universitätsabschluss hätte ihn immerhin in die Lage versetzt, sich „Dominus“ oder „sir“ zu nennen. Noch besser wäre eine juristische Ausbildung an den Inns of
Court gewesen. Sir John Ferne bestätigt, wenn auch ungern: „dem gemeinen Jurastudent
... ist zumindest der Titel eines Gentleman sicher.“ Aber Shakespeare hatte keine solche
Sicherheit. (...) Mitte der 1590er Jahre war Shakespeares
Lage extrem frustrierend. Seine Stücke waren reißende
Erfolge in den öffentlichen Theatern (...) und er hatte
sichtbare Patronage des Earl of Southampton erhalten.
Zu Hause in Stratford starb sein Vater, während sein
Sohn Hamnet aufwuchs. Was würde sein Vater ihm außer Schulden und unfertigen Geschäften hinterlassen?
Und was wiederum würde er seinem Sohn hinterlassen
können, als leeren Ruhm und einen leeren Namen? (...)
Nicht als Schuldner und Verschwender zu sterben, (...)
wäre sicher gut. (...) Ebenso wichtig war es jedoch, das eigene Geld gut und dauerhaft zu investieren, um sowohl
seine eigene Würde als auch die seiner Nachkommen
Abb. 16 Shakespeares Wappen
zu sichern. (Duncan-Jones, p. 83)
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Shakespeare wollte ein ‚Gentleman’ werden, und dazu gehörte, neben einem Wappen, ein Stammsitz und eine standesgemäße Ausstattung. Es wird vermutet, dass der
Erwerb von New Place, dem zweitgrößten Haus in Stratford, im Jahr 1597 zu diesem
Plan gehört. Finanziell wurde er bei seinem Vorhaben wahrscheinlich von seinem adligen Patron, dem Earl of Southampton, unterstützt. Im Oktober 1596 ließ er sich von
den Herolden im College of Arms ein Wappen attestieren. Shakespeares Anspruch
musste bewiesen werden, und vermutlich spielten die Vorfahren seiner Mutter, die
vielleicht mit einer kleinadligen Familie verwandt war, und die Tatsache, dass sein Vater Bürgermeister von Stratford gewesen war, eine Rolle. Auch ist bekannt, dass das
Nachweisverfahren adliger Abstammung, je zweifelhafter der Ursprung und Anspruch
der Familie war, mit einer teilweise hohen „Bearbeitungsgebühr“ verbunden war – anders gesagt: Shakespeare bezahlte für sein Wappen. Er ließ das Wappen, dass einen
goldenen ‚Stab‘ (Speer/Lanze) auf einer schwarzen Diagonale zeigte, für seinen Vater
eintragen, so dass der Anspruch, nach dem Tod seines Vaters, immerhin schon eine
Generation alt war. Der Tod seines Sohnes Hamnet 1596 hatte freilich verhindert, dass
er selbst sein Wappen vererben würde.
Shakespeare und WAS IHR WOLLT
Shakespeare war vielleicht ein Genie, mit Sicherheit war er jedoch kein Heiliger. Die
wenigen ausgeführten Aspekte seiner Biographie zeichnen das Porträt eines Menschen, der in einer patriarchalischen, tendenziell frauenfeindlichen Gesellschaft lebte
und zwar wahrscheinlich nicht wesentlich schlechter, aber bestimmt auch nicht besser oder „moderner“ war, als seine Zeitgenossen. Einige Faktoren aus seiner Biographie lassen Schlüsse auf die Deutung von WAS IHR WOLLT zu.
Crossdressing. Die Tatsache, dass Viola sich nach eben erlittenem Schiffbruch erst mal
als Mann verkleidet, ist eine in der elisabethanischen Gesellschaft absolut notwendige Sicherheitsmaßnahme. In Shakespeares unmittelbarer Quelle für das Stück, der
Erzählung ‚Of Apolonius and Silla’ aus Barnabe Riches Riche his Farewell to Militarie Profession (1581), versucht der Kapitän des Schiffes, auf dem die Heldin (vor dem
Schiffbruch) unterwegs ist, sie zu seiner Mätresse zu machen; als sie nicht auf seine
Avancen eingeht, schlägt er ihr vor, seine Frau zu werden, doch auch dieses Ansinnen schlägt sie aus, woraufhin er ihr droht, sie zu vergewaltigen. Das Schiffsunglück
bewahrt sie vor dem Selbstmord, den sie der Vergewaltigung vorziehen würde. Es ist
nicht verwunderlich, dass sie sich direkt nach dem Schiffbruch, den sie als einzige
auf einer Seekiste überlebt, mit Männerkleidern vor weiteren Nachstellungen schützt.
Natürlich sind Frauen auch heutzutage noch bei weitem gefährdeter, Opfer von (sexu26
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eller) Gewalt zu werden, aber in einer Gesellschaft, in der diese bestenfalls als Kavaliersdelikt gilt, muss die Verkleidung Violas unmittelbar einsichtig gewesen sein und
brauchte von Shakespeare nicht weiter erklärt zu werden.
Hetero/Homo/Bi. Der Kapitän, der Violas Bruder Sebastian gerettet hat und ihn nur
sehr ungern ziehen lässt, weil er ihn ‚liebt’, kann durchaus als homosexuell interpretiert werden. Man muss nicht soweit gehen wie Harold Bloom, der vermutet, dass
Shakespeare diese Rolle selbst gespielt habe (wie auch den Antonio in Der Kaufmann
in Venedig, eine Figur die ebenfalls homosexuell gelesen und gespielt werden kann),
aber die tief empfundene Liebe Antonios zu Sebastian ist eine, wenn auch einseitige, Beziehung, die über eine platonische Verbindung hinausgeht. Antonio läuft seinem
Geliebten hinterher, unterhält ihn finanziell, ist bereit sein Leben für ihn zu opfern
– Sebastian jedoch hat das Kapitel „Männerliebe“ offenbar abgeschlossen und lässt
sich ohne einen Augenblick zu zögern auf die sich bietende Gelegenheit ein, Olivia zu
heiraten. Shakespeare kannte die Perspektive des älteren Partners in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung sehr gut: es ist genau dies die Konstellation, die den Sonetten zugrunde liegt. Während Homosexualität in der elisabethanischen Epoche offiziell
zwar als Sünde und Schande angeprangert wurde, war es doch gang und gäbe, zum einen die literarische Verbrämung homosexueller Beziehungen zuzulassen, ja zu feiern,
und zum anderen die gleichgeschlechtlichen Neigungen bedeutender Männer (wie der
Earls von Southampton und Essex, und später selbst Elizabeths Nachfolger James I)
schlicht hinzunehmen.
Männerliebe/Frauenliebe. In dem erhellenden Disput zwischen Orsino und Viola um
das Wesen von Männerliebe und Frauenliebe (diesmal ist die heterosexuelle Liebe gemeint) in II.4., vertritt der Herzog die zu Shakespeares Zeit gängige Meinung, dass
Frauen gar nicht zu solch starken und tiefen Gefühlen fähig sind wie Männer, dass
ihre Zuneigung wesentlich oberflächlicher sei als bei Männern. Viola hält dagegen und
zeichnet das Bild ihrer fiktiven Schwester, die ebenso starke Liebe empfand, sie nie in
Worte fasste und unsäglich daran litt. Zwar differenziert sie also zwischen der aktiven
männlichen Rolle der Eroberung und der passiven weiblichen Rolle des Umworbenwerdens (oder Leidens), sie besteht aber darauf, dass die Qualität der Liebe bei Frauen
genauso groß ist wie bei Männern. Auch wenn – das soll nicht vergessen werden – Violas Rolle in Shakespeares Zeit von einem Knaben gespielt wurde – und diese Äußerungen also niemals gleichberechtigt zwischen Mann und Frau fielen, sondern immer nur
Urteile von Männern über Frauen gefällt wurden, ist doch diese Zubilligung eine echte
„revolutionäre“, emanzipatorische Leistung des Schriftstellers Shakespeare – gerade
angesichts seiner eigenen, oft frauenfeindlichen Äußerungen an anderer Stelle.
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Malvolios Traum vom Aufstieg. Malvolio wurde oft vornehmlich als eine Satire auf Ben Jonson und seine
von der Humoralpathologie geprägten Figuren gelesen. Das ist durchaus möglich, aber neben seinen
charakterlichen Schwächen, nämlich der Egozentrik
und Lustfeindlichkeit, die er an den Tag legt, wird er
thematisch vor allem durch seinen Traum vom sozialen Aufstieg charakterisiert. Dieses Thema, der Traum
vom „Grafen Malvolio“, das Projekt „sozialer Aufstieg“,
weist eine deutliche Parallele zu Shakespeares langfristigen Bemühungen um die Verbesserung seines
Standes auf. Nimmt Shakespeare hier sich selbst,
sein soziales Aufsteigertum, auf die Schippe? Ein Indiz
hierfür wird von Katherine Duncan-Jones geliefert:
Die Verleihung des Wappens an John Shakespeare berechtigte den älteren Herrn, und von September 1601 an
seinen Sohn und Erben, sein „Schild“ sehr deutlich an
vielen Orten zu präsentieren. Der wichtigste Bestandteil
Abb. 17 Ben Jonson
des Wappens ist ein goldener Hintergrund (der in Abbildungen generell gelb wiedergegeben wurde), diagonal zerschnitten von einem schwarzen Band. Gerade in der Zeit, in der
Twelfth Night uraufgeführt wurde, wurde Sir William Dethick, der Herold, der das Patent
verliehen hatte, von seinen Kollegen vor dem Gerichtshof des Earl Marshal zur Rechenschaft
gezogen. (...) Es ist unmöglich, dass Shakespeare nichts hiervon wusste. Es war besonders
erniedrigend, dass gerade in dem Augenblick, in dem sein Reichtum, sein Landbesitz und
der Tod seines Vaters zusammen kamen um seinen Anspruch auf den Titel „Gentleman“ zu
untermauern, die rechtlichen Maßnahmen, die er unternommen hatte, um sein Patent zu
sichern, untergraben wurden. Bezeichnenderweise machte er einen selbstironischen Scherz
aus der Geschichte. (...) Die besondere Aufmachung, in der Malvolio „erscheinen“ soll –
„Erinnre dich, wer deine
gelben Strümpfe lobte,
und dich immer in Kniehosen mit kreuzweis geknoteten
Knieriemen
zu sehen wünschte.“ –
muss für Shakespeares
Mit-Schauspieler
unmittelbar als persönliche
Anspielung verständAbb. 18 Shakespeares Wappen wird angezweifelt - mit den Wappen der Mauley, Harley und
Ferrers zum Vergleich
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lich gewesen sein, denn die gelben Strümpfe mit den kreuzweise geknoteten Knieriemen imitierten deutlich das jetzt hinterfragte Wappen. (...) Das einfache Hilfsmittel zur
Befestigung der Strümpfe wurde natürlich mit dem edelsten der Ritterorden, dem Hosenbandorden, assoziiert (...). Wenn Shakespeare selbst die Rolle [Malvolios] übernahm,
waren die Parallelen zwischen der Selbstdarstellung und der darauf folgenden Erniedrigung Malvolios und der jüngsten Entwicklung im Leben des Dramatikers, (...) unwiderstehlich. Während Lord Chamberlain Hunsdon [der adlige Patron der Schauspieler]
den echten Hosenbandorden trug, zeigte sein wichtigster Schauspieler eine grotesk verzerrte Karikatur davon, die seine eigenen anmaßenden Träume von sozialem Aufstieg
abbildeten und lächerlich machten.
(Duncan-Jones, p. 157f.)
Sadismus. Das ausgesprochen sadistische Verhalten, das Sir Toby und Maria gegenüber Malvolio an den Tag legen, muss Shakespeares Vorstellung von Spaß ziemlich
nahe gekommen sein. Wenn es richtig ist, dass er sich über Jahre in der Gesellschaft
von für heutige Verhältnisse pathologisch gewalttätigen Menschen befunden hat, soll
die Misshandlung Malvolios mit Sicherheit nur bedeuten, dass er „bekommt was er
verdient“ – ohne dass jemand Mitgefühl mit ihm haben müsste.
Konvention: Hochzeit. Die Paarbildung und Hochzeiten am Ende des Stückes sind
eine literarische Konvention. Der Kritiker Neville Coghill schreibt, dass Hochzeiten bei
Shakespeare ‚ein Bild des Glücklichseins [sind], die seine Komödien so unabänderlich
beenden wie der Tod seine Tragödien’ (Coghill, p. 13). Natürlich sind die Hochzeiten
aber auch Abbild einer starren gesellschaftlichen Konvention: Shakespeares eigene
Heirat kam vielleicht aus Verliebtheit zustande, die Ehe jedoch, die er führte, scheint
nach den „lost years“ nur noch auf dem Papier bestanden zu haben. Am Ende seines
Lebens scheint er sogar einen regelrechten Hass auf seine Frau gehabt zu haben, denn
anders ist das erniedrigende Vermächtnis des zweitbesten Bettes nicht zu erklären.
Die Eheschließungen am Ende von WAS IHR WOLLT sind also nicht als „krönender Abschluss“ des Stückes zu verstehen, sondern eher als halbwegs geglückter, halbwegs
zufälliger, zwar auf Neigung aber auch auf Konvention beruhender ‚Friedensvertrag’,
der den Belagerungszustand in Illyrien, das Drunter und Drüber in dem von der Liebe
gebeutelten Land, beendet und die gesellschaftliche Ordnung wieder herstellt.
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Bibliographie / Literaturhinweise
I. Das Stück
William Shakespeare. WAS IHR WOLLT. Übersetzung Frank Günther. Zweisprachige
Ausgabe. München: DTV, 1996.
Die Übersetzung von Frank Günther liegt der Inszenierung von Fanny Brunner am Theater Ulm zugrunde. Die handliche zweisprachige Ausgabe, die jeweils auf der linken Seite
den englischen und auf der rechten Seite den deutschen Text zeigt, ist nicht nur eine gute
Ausgabe von Günthers Übersetzung, die als Übersetzung des Gesamtwerks von Shakespeare zur Zeit wohl die beste und gängigste (auch auf den deutschen Bühnen ist), sondern
bietet auch einen guten Einstieg in den englischen Originaltext.
William Shakespeare. TWELFTH NIGHT. Hrsg. J. M. Lothian und T. W. Craik. The Arden
Shakespeare. London: Methuen, Erstausgabe 1975, Neudruck 2007.
Die Arden-Ausgabe von Shakespeares Werken gilt unter Anglisten nicht nur als die genaueste, sondern auch als diejenige mit dem besten Kommentar. Die Einleitung und der
Forschungsüberblick sind seit der Erstausgabe 1975 zwar mittlerweile überholt, insofern
sie nicht die wichtigsten Studien seitdem berücksichtigen, dennoch bietet die Ausgabe, die
auch Shakespeares unmittelbare Quelle, Barnabe Riches Erzählung ‚Of Apolonius and
Silla’ und die Noten zu den Liedern im Stück enthält, die derzeit beste Grundlage zur
eingehenden Auseinandersetzung mit dem Text.
II. Andere Werke von Shakespeare
William Shakespeare. THE SONNETS: DIE SONETTE. ENGLISCH/DEUTSCH. Hrsg. Raimund Borgmeier. Stuttgart: Philipp Reclam, 1974.
Shakespeares Sonette sind nicht nur einige der besten ihrer Art, sondern sie erzählen auch sehr
viel über den Autor und seine Gedanken zu Liebe und Beziehungen. Gerade die Tatsache,
dass 127 der 154 Liebesgedichte an einen jungen Mann gerichtet sind, und das die komplette Sammlung (wahrscheinlich) dem jungen William Herbert, Earl of Pembroke, gewidmet
sind, bilden eine hervorragende Einführung in Shakespeares Gedankenwelt. Die zweisprachige Ausgabe bei Reclam hat eine Besonderheit: die deutschen Übersetzungen stammen
nicht von einem, sondern einer Vielzahl von Übersetzern, so dass dem Leser gleich die vielen,
höchst unterschiedlichen Übersetzungsstile die es gibt, vorgestellt werden.
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Wolf Biermann. DAS IST DIE FEINSTE LIEBESKUNST: 40 SHAKESPEARE SONETTE.
Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2003.
Biermanns Übersetzung von vierzig Shakespeare-Sonetten ist vor allem eins: ein Spaß.
Die derb-zupackende Sprache, in die Biermann Shakespeares Lyrik übersetzt, wird dem
durchaus nicht immer feinen Shakespeare in einer gewissen Weise gerecht, ist und bleibt
aber eine „Aneignung“ des elisabethanischen Autors, fast eine Nachdichtung. Die im Original genauso vorhandene lyrische Feinheit der Sprache geht Biermann ab. Besonders
empfehlenswert und interessant sind seine ‚66 Notate‘, die der Ausgabe als Nachwort angefügt sind. Kluge, unterhaltsame und erhellende Gedanken über das Übersetzen, Dichten, über Shakespeare und die Liebe.
William Shakespeare. SHAKESPEARE’S SONNETS. Hrsg. Katherine Duncan-Jones.
London: Methuen, 1997.
Die Arden-Ausgabe der Sonette bringt wiederum den genauesten Text, eine exzellente
Einleitung und einen umfangreichen Kommentar – fürs tiefer gehende Studium.
III. Sekundärliteratur zu WAS IHR WOLLT
Harold Bloom. SHAKESPEARE: DIE ERFINDUNG DES MENSCHLICHEN. Aus dem Englischen von Peter Knecht. Berlin: Berlin Verlag, 2000. Original erschienen unter dem
Titel SHAKESPEARE – THE INVENTION OF THE HUMAN. New York: Riverhead Books,
1998.
Blooms Studie ist der jüngste, umfassend angelegte Versuch einer Interpretation von Shakespeares Gesamtwerk. Auch wenn seine These vom „Erfinder des Menschlichen“ nicht unbedingt die größte Einsicht in Shakespeares Werk ist, bietet doch die Diskussion der einzelnen Stücke eine sehr kluge und oft originelle Lesart.
Balz Engler. „Twelfth Night, or What You Will“, in INTERPRETATIONEN: SHAKESPEARES
DRAMEN. Stuttgart: Philip Reclam, 2000.
Dieser kluge Aufsatz geht die Deutung des Stückes über den Titel (also den Bezug zu
den karnevalesken Weihnachtsfeierlichkeiten, die in der „Dreikönigsnacht“ – eben der
„Twelfth Night of Christmas“ endeten) an. Der Autor geht vor allem auf das Motiv der
Verkleidung ein und charakterisiert die Hauptpersonen.
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Northrop Frye. A NATURAL PERSPECTIVE: DEVELOPMENT OF SHAKESPEARIAN COMEDY AND ROMANCE. New York: Columbia University Press, 1965.
Engler bezieht sich unter anderem auf diese Sammlung von Vorlesungen des amerikanischen Shakespeare-Experten Northrop Frye. Der von ihm geprägte Begriff der „Green
World“, in denen Shakespeares Komödien statt finden – also eine freie, natürliche, vom
Ernst der Zivilisation gelöste und damit auch karnevaleske Welt – gilt zwar nur mit etwas
Mühe für TWELFTH NIGHT, dennoch ist Fryes Arbeit zu Shakespeare unbedingt lesenwert und eine der wichtigsten Arbeiten des 20. Jahrhunderts.
Ina Schabert. SHAKESPEARE-HANDBUCH. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 4. Auflage
2000.
Das Standard-Nachschlagewerk für die Beschäftigung mit Shakespeare bietet zu allen Stücken, zu Shakespeares Biographie, zum historischen Umfeld und Theater grundlegende
Informationen und Literaturhinweise.
IV. Zu Shakespeares Biographie
Anthony Burgess. SHAKESPEARE: EINE BIOGRAPHIE. Aus dem Englischen von Eugen
Schwarz. Düsseldorf: Claassen Verlag, 1982. Originalausgabe 1970 bei George Rainbird, London erschienen.
Burgess’ Shakespeare-Biographie liest sich leicht und hat die Qualität der Unterhaltsamkeit, nicht aber der historischen Genauigkeit oder Verlässlichkeit.
Samuel Schoenbaum. WILLIAM SHAKESPEARE: A DOCUMENTARY LIFE. Oxford: Oxford University Press, 1975.
Schoenbaums Biographie gilt noch immer als vorbildlich, insofern sie genau und faktenbasiert ist.
Katherine Duncan-Jones. UNGENTLE SHAKESPEARE: SCENES FROM HIS LIFE. London: The Arden Shakespeare, 2001.
Katherine Duncan-Jones, in der Arden-Edition die Herausgeberin von Shakespeares Lyrik
und Expertin und Herausgeberin von Sir Philip Sidneys Arcadia, zeichnet in ihrem Buch
ein bewusst kritisches, anti-heroisches Bild des Mannes aus Stratford. Ihre Recherche ist
genau, ihre Ergebnisse sind aufschlussreich, ihr Stil nicht sehr unterhaltsam.
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John Michell. WER SCHRIEB SHAKESPEARE? Aus dem Englischen von Reinhard Kaiser. Frankfurt am Main: Zweitausendeins, 2001. Originalausgabe 1996 unter dem Titel
WHO WROTE SHAKESPEARE? bei Thames and Hudson Ltd., London, erschienen.
Eine großangelegte Einführung in die Verfasserdebatte, von einem Journalisten verfasst,
interessant und flüssig – vor allem für Fans von Verschwörungstheorien.
Enzo Orlandi. SHAKESPEARE: EIN TEXT- UND BILDBAND ÜBER LEBEN UND WERK
DES DICHTERS. Übertragen aus dem Italienischen Julia Schlechta. Eltville: Bechtermünz Verlag, 1988.
Den Textteil dieses Werkes kann man sich getrost schenken, die Bilder allerdings ganz interessant.
V. Sonstiges zu Stück und Inszenierung
Oscar Wilde. ‚Das Bildnis des Mr. W. H.’ in ESSAYS II (SÄMTLICHE WERKE, BAND 7).
Hrsg. Norbert Kohl. Übersetzt von Christine Hoeppener. Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1982.
Diese elegante kleine Erzählung enthält Wildes berühmte Verschwörungstheorie zum Adressaten von Shakespeares Sonetten: Er nimmt an, dass sie an einen jungen Schauspieler
namens William Hughes gerichtet sind.
Platon. DAS GASTMAHL. Übertragen von Rudolf Kassner.Jena: Eugen Diederichs Verlag, 1944.
Platons Symposion ist wohl der wichtigste quasi-philosophische Text über Liebe und sexuelle Orientierung in der abendländischen Kulturgeschichte. Seine Ideen von der ursprünglichen Dreigeschlechtlichkeit der Menschen und von der Wertigkeit von Frauen- und Männerliebe prägen unsere Vorstellungen bis in die Gegenwart hinein, und sind für WAS IHR
WOLLT und Shakespeares andere Liebeskomödien entscheidend.
Francesco Petrarca. ICH BIN IM SOMMER EIS, IM WINTER FEUER: GEDICHTE. Hrsg.
und Übersetzung von Karlheinz Stierle. München: DTV, 2004.
Eine kleine, italienisch-deutsche Ausgab der wichtigsten Liebesgedichte des Erfinders der Sonettform. Petrarca prägte nicht nur die Liebeslyrik für Jahrhunderte, sondern setzte vor allem
Standards hinsichtlich der Art wie über Liebe geschrieben wurde - auch von Shakespeare.
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Abbildungsnachweis
Abbildung 1
Ausschnitt aus dem Frontispiz der ersten Folio-Ausgabe, aus Katherine Duncan-Jones.
UNGENTLE SHAKESPEARE: SCENES FROM HIS LIFE. London: The Arden Shakespeare, 2001.
Abbildung 2
Kreuzweise geknotete Knieriemen galten zu Shakespeares Zeit als ausgesprochen
altmodisch und bäuerlich. Der Stich zeigt den puritanischen Satiriker John Heywood,
aus Katherine Duncan-Jones. UNGENTLE SHAKESPEARE: SCENES FROM HIS LIFE.
London: The Arden Shakespeare, 2001.
Abbildung 3
Frans Hals, Lautespielender Narr, von http://www.zeno.org/Kunstwerke.images/
I/77z169a.jpg, 18. Juni 2008, 12.00 CET
Abbildung 4
Das so genannte Chandos-Portrait von Shakespeare; das erste Bild, das die National Portrait Gallery 1856 erwarb. Aus: John Michell. WER SCHRIEB SHAKESPEARE?
Frankfurt am Main: Zweitausendeins, 2001.
Abbildung 5
Das so genannte Grafton-Portrait von Shakespeare, 1907 in einem alten Gasthof
bei Darlington auf dem Gut des Duke of Grafton gefunden. Aus: John Michell. WER
SCHRIEB SHAKESPEARE? Frankfurt am Main: Zweitausendeins, 2001.
Abbildung 6
Ein Cornelius Janssen (1593-1661) zugeschriebenes Portrait, 1770 entdeckt. Aus: John
Michell. WER SCHRIEB SHAKESPEARE? Frankfurt am Main: Zweitausendeins, 2001.
Abbildung 7
Das so genannte Felton-Portrait von Shakespeare, das Samuel Felton 1792 bei einer
Auktion in London für fünf Guineen erstand. Aus: John Michell. WER SCHRIEB SHAKESPEARE? Frankfurt am Main: Zweitausendeins, 2001.
Abbildung 8
Shakespears Grabdenkmal, Holy Trinity Church, Stratford. Aus Katherine DuncanJones. UNGENTLE SHAKESPEARE: SCENES FROM HIS LIFE. London: The Arden
Shakespeare, 2001.
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Abbildung 9
Edward de Vere, 17. Earl of Oxford. Aus: John Michell. WER SCHRIEB SHAKESPEARE?
Frankfurt am Main: Zweitausendeins, 2001.
Abbildung 10
Roger Manners, 5. Earl of Rutland, von http://i255.photobucket.com/albums/hh136/
julielabelle_2008/18_G.jpg, 18. Juni 2008, 12.00 CET
Abbildung 11
Shakespeares Geburtshaus in Stratford. Aus: Enzo Orlandi. SHAKESPEARE: EIN TEXTUND BILDBAND ÜBER LEBEN UND WERK DES DICHTERS. Eltville: Bechtermünz Verlag, 1988.
Abbildung 12
Bühne und Galerien des (rekonstruierten) Globe Theatre. Von http://www.farexplore.
com/2007/08/15/shakespeare-globe-theatre.html, 18. Juni 2008, 12.00 CET.
Abbildung 13
Henry Wriothesly, 3. Earl of Southampton. Aus: Enzo Orlandi. SHAKESPEARE: EIN
TEXT- UND BILDBAND ÜBER LEBEN UND WERK DES DICHTERS. Eltville: Bechtermünz Verlag, 1988.
Abbildung 14
Robert Devereux, 2. Earl of Essex. Aus: Enzo Orlandi. SHAKESPEARE: EIN TEXT- UND
BILDBAND ÜBER LEBEN UND WERK DES DICHTERS. Eltville: Bechtermünz Verlag,
1988.
Abbildung 15
Richard Burbage. Aus Katherine Duncan-Jones. UNGENTLE SHAKESPEARE: SCENES
FROM HIS LIFE. London: The Arden Shakespeare, 2001.
Abbildung 16
Shakespeares Wappen. Aus Katherine Duncan-Jones. UNGENTLE SHAKESPEARE:
SCENES FROM HIS LIFE. London: The Arden Shakespeare, 2001.
Abbildung 17
Ben Jonson. Aus: Enzo Orlandi. SHAKESPEARE: EIN TEXT- UND BILDBAND ÜBER
LEBEN UND WERK DES DICHTERS. Eltville: Bechtermünz Verlag, 1988.
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Abbildung 18
Shakespeares Wappen wird angezweifelt - mit den Wappen der Mauley, Harley und
Ferrers zum Vergleich. Aus Katherine Duncan-Jones. UNGENTLE SHAKESPEARE:
SCENES FROM HIS LIFE. London: The Arden Shakespeare, 2001.
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