Freiburg (Gemeinde) - Historisches Lexikon der Schweiz

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Freiburg (Gemeinde) - Historisches Lexikon der Schweiz
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04/02/2010 |
Freiburg (Gemeinde)
Polit. Gem. FR, Saanebez., Hauptort von Bezirk und Kanton. Ab 1162
Fribor, später auch Friborc, Friborch, Friburch, Friburg, d.h. Freie Stadt.
Franz. Fribourg, ital. Friburgo, rätorom. Friburg. F. wurde 1157 von
Berchtold IV. von Zähringen auf einem von der Saane umflossenen
Felsengrat, dem heutigen Burgquartier, gegründet. Nach den
Burgunderkriegen wurde es 1478 Freie Reichsstadt und trat 1481 als
"Stadt und Republik F." der Eidgenossenschaft bei. 1803 wurden Stadt
und Kanton endgültig getrennt. In der Stadt wird Deutsch und
Französisch gesprochen.
Als Bollwerk des alten Glaubens (ab 1524) ist F. seit 1615 Bischofssitz
und besitzt seit 1889 eine kath. Universität (Universität Freiburg). Die
Stadt liegt seit 1862 an der Eisenbahnlinie Lausanne-Bern und ist seit
1971 mit der Autobahn verbunden. 2002 wurde sie zum Zentrum einer
Agglomeration von mehr als 70'000 Einwohnern, die v.a. im 3. Sektor
tätig sind.
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Bevölkerung Freiburg
Jahr
Einwohner
Ende 13. Jh.
2 000-3 000
um 1450
ca. 6 000
1798
5 117
1811
6 200
Jahr
1850
1870a
1888
1900
1910
1930
1950
1970
1990
2000
Einwohner
9 065
10 581
12 195
15 794
20 293
21 557
29 005
39 695
36 355
35 547
Französisch
7 556
9 701
12 358
13 524
18 286
22 437
21 240
22 603
Deutsch
4 523
5 595
6 688
7 176
9 630
11 114
8 288
7 520
Italienisch
94
358
764
464
623
3 407
1 799
1 359
Andere
22
140
483
393
466
2 737
5 028
4 065
Sprache
Religion, Konfession
b
Katholisch
Protestantisch
8 554
9 731
10 512
13 270
17 746
19 100
25 826
35 863
29 750
24 614
511
1 136
1 607
2 395
2 372
2 287
2 834
3 256
3 148
3 082
37
76
129
175
170
345
576
3 457
7 851
74
109
121
77
137
115
63
62
101
1 132
1 676
179
1 641
2 843
Andere
davon jüdischen Glaubens
davon islamischen Glaubens
c
davon ohne Zugehörigkeit
Nationalität
Schweizer
8 574
9 794
11 321
14 208
16 798
19 588
27 069
32 208
27 632
25 834
Ausländer
491
1 110
874
1 586
3 495
1 969
1 936
7 487
8 723
9 713
a
Einwohner: Wohnbevölkerung; Religion, Nationalität: ortsanwesende Bevölkerung
b
1888-1930 einschliesslich der Christkatholiken; ab 1950 römisch-katholisch
c
zu keiner Konfession oder religiösen Gruppe gehörig
Quellen:Autor; eidg. Volkszählungen
1 - Von der Urgeschichte bis zum Frühmittelalter
Nach dem Rückzug der Gletscher schnitt die Saane zwischen Voralpen und Seeland ihre Mäander tief in den
Sandstein der Molasse. Nur wenige Stellen bieten zwischen den hohen Felswänden einen Zugang zum Fluss,
und noch seltener befinden sich zwei Zugänge einander so gegenüber, dass eine Furt oder Brücke angelegt
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werden konnte. An einer solchen Stelle liegt F., wo die Furt in der Au - später abgelöst durch die Bernbrücke von der Mittelsteinzeit an benutzt wurde. Aus dieser Zeit stammen auch Silexfunde in Bürglen und im
Galterntal. Streufunde (Steinbeilklingen, Bronzenadel) bezeugen die vorröm. Epochen ab der Jungsteinzeit.
Eine prähist. oder röm. Siedlung im Bereich der ma. Stadt ist jedoch nicht nachgewiesen, ebensowenig eine
vorstädt. Anlage aus dem MA. Gestützt auf den Chronisten Franz Rudella wurde der Vorgängerbau der
Liebfrauenkirche ausserhalb der Zähringergründung von 1157 zwar für älter als die Stadt gehalten, doch
fehlen Belege für diese Vermutung. Verstreut wurden Münzen und Keramik aus der Römerzeit gefunden. Auf
der Pérolleskuppe kamen 1861 und 1902 röm. Gebäudereste an den Tag; darin lagen einige frühma. Gräber,
darunter auch solche mit Gürtelgarnituren aus dem 7. Jh. Schon in röm. Zeit war die Umgebung der späteren
Stadt F. mit einem lokalen Wegnetz erschlossen; die West-Ost-Achse durch das Mittelland führte jedoch
nördlich des heutigen Stadtgebietes durch das Broyetal. Erst im 12. und 13. Jh. entstand eine zweite, weiter
südlich gelegene West-Ost-Achse, die durch die neu gegründeten zähring. Städte Burgdorf, Bern und F.
verlief.
Autorin/Autor: François Guex
2 - Mittelalter und frühe Neuzeit
2.1 - Herrschaft, Politik und Verfassung
1156 verlor Hzg. Berchtold IV. von Zähringen das Rektorat über Burgund und büsste damit einen wichtigen
Teil seines Einflusses in der Westschweiz ein. Mit der Gründung der Stadt F. 1157 versuchte er, im Raum
Aare-Saane eine Hausmacht zu etablieren. Der gewählte Standort konnte leicht befestigt werden und lag
verkehrsstrategisch günstig. Das Hinterland bot zudem die Voraussetzung für eine positive Entwicklung. Der
lokale Adel hatte Verwaltungserfahrung, und die Zisterzienser im nahe gelegenen Hauterive vermittelten
Kompetenz in Handwerk und Handel.
F. unterstand während des ganzen SpätMA bis zum Eintritt in die Eidgenossenschaft 1481 einer
Stadtherrschaft. Nach dem Tode des letzten Zähringers 1218 kam die Stadt erbweise an das Haus Kyburg,
1277 durch Kauf an die Habsburger und 1452 an Savoyen. Nach den Burgunderkriegen wurde F. souveräner
Stadtstaat, 1478 freie Reichsstadt. 1481 wurde F. als erster zweisprachiger Ort Mitglied der
Eidgenossenschaft. In der Freiburger Kanzlei wurde in der Folge Deutsch zur Amtssprache.
F.s Randlage innerhalb der Güter Habsburgs, dessen Konkurrenz zu Savoyen, die Nähe der Eidgenossenschaft
und deren Unabhängigkeitsstreben förderten die Entwicklung zum Stadtstaat. Die allmähl. Erwerbung des
engeren Umlandes, der sog. Alten Landschaft, hatte bereits im 13. Jh. eingesetzt, doch gelang eine offene
Territorialpolitik erst nach den Burgunderkriegen. Das 16. Jh. brachte F. dann bedeutende Gebietsgewinne.
Früh hatte F. Bündnisse mit den Nachbarstädten geschlossen: 1239 mit Avenches, 1243 mit Bern und 1245
mit Murten. Das älteste Siegel F.s stammt von 1225, eigene Münzen schlug F. ab 1435, Goldmünzen ab 1509.
Berchtold IV. verlieh F. mit der in der Fassung von 1249 überlieferten Handfeste ein Stadtrecht, auf dessen
Grundlage sich im 14. und 15. Jh. die städt. Verfassung herausbildete. Mit ihrem rechtlichen und
siedlungsplanerischen Rahmen bot die Handfeste den Bürgern Freiraum und durchbrach so die
Gesellschaftsordnung des 12. Jh.: In Eigeninitiative schufen Bürger Vermögen, erwarben Grundrechte und
Land, sammelten Handelserfahrung und entwickelten das Handwerk zu vorindustriell betriebenen Gewerben.
Auch besass die Bürgerschaft vermutlich von Anfang an das Wahlrecht für den Vogt, hier Schultheiss genannt,
den Pfarrer und den Zolleinnehmer. 1308/09 erhielt sie das Patronatsrecht der Pfarrkirche St. Niklaus, das sie
kurzzeitig verloren hatte, durch Verzicht der Stadtherren zurück. Das war der Beginn der Entwicklung zur
Republik.
Eine erste Gesetzessammlung entstand zwischen 1363 und 1467; eine systemat. Zusammenstellung des
Stadtrechts, Municipale genannt, schuf erst Wilhelm Techtermann (1551-1618). Sie diente der Verwaltung der
Stadt und der Alten Landschaft und umfasste auch die privatrechtl. Belange. Im Strafrecht hatte ab 1541 die
Carolina Vorrang. Die Regierung bestand aus dem Rat der Vierundzwanzig oder dem Kl. Rat (1249 erw.) unter
dem Vorsitz eines bzw. ab 1647 von zwei sich ablösenden Schultheissen, dem Rat der Sechzig (1347 erw.)
und dem Rat der Zweihundert (1337 erw.). Venner standen den vier Stadtquartieren vor und organisierten
ursprünglich das Wehrwesen, der Bürgermeister besass Polizeikompetenz. Die Neuerrichtung des Rathauses
im frühen 16. Jh. am Platz der zähring. Burg (vorher beim Münsterchor) stellt die sinnfälligste Ablösung der
adeligen Stadtherrschaft dar.
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Der Lokaladel behielt im Rat Einsitz, ab 1404 war ihm aber das Amt des Venners verwehrt. Einflussreiche
lokaladlige Fam. waren die Maggenberg, Düdingen (Duens)/Velga, Faucigny (alle an der Wende zur Neuzeit
ausgestorben), Montenach, Englisberg und Praroman. Durch Gewerbe, Handel oder Solddienst reich und
politisch bedeutsam wurden u.a. die Rich, Mossu, Gambach (alle drei im 15. Jh. ausgestorben), Lombard,
Techtermann, Gottrau, Lanthen-Heid, Affry, Diesbach (aus Bern zugezogen), Reyff, Weck, Von der Weid und
Fegely; im 15. und 16. Jh. erwarben sie Adelstitel. Aus ihnen bildete sich im 15. Jh. ein faktisches Patriziat. Die
Maggenberg stellten vom 13. bis 15. Jh. fünf Schultheissen, die Düdingen/Velga im 14. und 15. Jh. zehn
Schultheissen und sechs Bürgermeister, die Praroman im 15. und 16. Jh. sieben Schultheissen und fünf
Bürgermeister. Vergleichbare Häufungen der höchsten Ämter in derselben Fam. sind im Ancien Régime nicht
mehr festzustellen.
Die dank Handwerk und Handel reich gewordenen Fam. F.s, welche die Ereignisse im letzten Drittel des 15. Jh.
politisch bestimmt hatten, führten aber auch in den folgenden Jahrhunderten die Republik. Sie erklärten sich
1627 als allein regimentsfähig, d.h. mit aktivem und passivem Wahlrecht ausgestattet, und errichteten analog zum bern. oder solothurn. Patriziat - eine Oligarchie. Bei diesem Staatsstreich von oben schlossen sie
an die bereits restriktiven Behördenstrukturen des 14. und 15. Jh. wie die Institution der sog. Geheimkammer
an. Die patriz. Regierung fand im Neubau des Münsterchors 1627-31 einen Ausdruck, indem sich die
damaligen Spitzen der Republik mit ihren Wappen in den Schlusssteinen des gotisierenden Sterngewölbes
verewigen liessen. Die Verfassung von 1627 behielt ihre Gültigkeit bis 1798. Nach dem Chenaux-Handel
(1780-84) wurde der Kreis der Patrizier allerdings von 77 auf 100 Fam. erweitert.
Autorin/Autor: Hermann Schöpfer
2.2 - Bevölkerung, Wirtschaft und Gesellschaft
F.s Stärke lag im MA im Gewerbe. Die Stadterweiterungen des 13. und 14. Jh. - 1253 erhielten die Bewohner
F.s die Erlaubnis, das rechte Saaneufer zu besiedeln und zu befestigen - setzen einen grossen
Bevölkerungszuwachs und wirtschaftl. Prosperität voraus. Da die Gewerbe Wasser brauchten, entstanden am
Fluss weitere Quartiere (Au, Neustadt, Matten), doch dehnte sich die Siedlung sehr früh auch um das
Burgquartier herum aus (Murten-, Lausanne- und Romontgasse). Im Galterntal ausserhalb des Stadtrings und
an der Saane standen um 1350 etwa 30 Wasserwerke (Mühlen, Walken, Stampfen, Sägen,
Hammerschmieden). Nach der letzten Erweiterung nach Norden und Westen um 1400 besass die Stadt bis
zum Bau der Eisenbahn und zur Industrialisierung nach der Mitte des 19. Jh. ausreichend Raum. F. zählte am
Ende des 13. Jh. 2'000 bis 3'000 Einwohner. Die Verluste während der grossen Pest 1348-49 wurden durch
Zuwanderung aus dem Umland und aus benachbarten Kleinstädten wettgemacht. Um 1450 besass F. rund
6'000 Einwohner. Die Bevölkerungsentwicklung vom 16. bis 18. Jh. ist nicht untersucht. 1798 zählte die Stadt
5'117 Einwohner, 1811 6'200.
Gerberei und Tuchherstellung, in minderem Rahmen auch die Eisenbearbeitung, bildeten im MA die
Grundlage für den Reichtum F.s. Sie wurden protoindustriell betrieben und arbeiteten ab der Mitte des 14. Jh.
für den Export. Auf dem Höhepunkt im Jahr 1435 stellte F. 14'000 Tücher her. Nach mehreren wirtschaftl.
Krisen kam es jedoch in der 2. Hälfte des 16. Jh. zum Zusammenbruch; von da an produzierten die Tuch- und
Ledergewerbe in F. nur noch für den Binnenmarkt. Mehrere Gründe waren für diesen wirtschaftl. Wandel
verantwortlich: Zum einen wiesen die Zünfte, die politisch in F. zwar bedeutungslos waren, im beruflichen,
sozialen und religiösen Leben aber eine wichtige Rolle spielten, die Produktion neuer Stoffe und Moden
zurück, zum anderen begannen ab der Mitte des 15. Jh. die Rohmaterialien Wolle und Häute spärlicher zu
werden, da in der Viehhaltung allmählich die Kuh das Schaf ersetzte. Zudem wechselten reich gewordene
Kaufleute zur Führungsschicht. Schliesslich veränderte sich die städt. Gesellschaft und Wirtschaftsstruktur
auch mit der Ausbildung des faktischen Patriziats im 15. Jh. Das Patriziat gab Handel und Gewerbe auf,
erwarb wie die (von wichtigen Ämtern weiterhin ausgeschlossene) Aristokratie Land und verschaffte sich
Adelstitel; im 17. und 18. Jh. soll das Patriziat zwei Drittel seines Einkommens dem Landbesitz verdankt
haben. Diese Entwicklung ging Hand in Hand einerseits mit den bedeutenden Erweiterungen des
Herrschaftsgebiets von F. im 15. und 16. Jh., die eine grössere Verwaltung erforderten, andererseits mit
langfristigen Bündnissen mit fremden Fürsten, namentlich dem franz. König. Das Patriziat verpflichtete sich zu
Solddiensten; als Gegenleistung bezogen die Republik und einzelne Fam. Pensionen. Die patrizischen Fam.
stellten die Offiziere, die Bürger und Untertanen die Soldaten.
Autorin/Autor: Hermann Schöpfer
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2.3 - Kirche und Kultur
Kirchen und Klöster sind der augenfälligste Ausdruck des städt. Reichtums. Baukunst, Bildhauerei und Malerei
kamen im 14., 15. und in der 1. Hälfte des 16. Jh. zu grosser Blüte, befruchtet durch die Lage an der Grenze
zweier Kulturen. Das Münster St. Niklaus, eine Gründung des Stadtherrn, wurde 1182 geweiht und 1308/09
von der Bürgerschaft übernommen, von der es 1798 an den Kanton überging. Im Auftrag der Bürgerschaft
entstand zwischen 1283 und 1490 in mehreren Etappen die heutige Kirche, eine hochgotische Pfeilerbasilika
mit Frontturm. Der Rat errichtete 1512 ein Kollegiatstift und verpflichtete gebildete Kleriker und Musiker,
namentlich Hans Kotter und Johannes Wannenmacher.
Im Kloster der Franziskaner, einer Stiftung des Jakob von Riggisberg aus dem Jahre 1256, waren bedeutende
Gelehrte (u.a. Friedrich von Amberg und Jean Joly) tätig, die dort vom Ende des 14. Jh. an eine Bibliothek
zusammentrugen. Das Kloster stand in enger Verbindung mit dem Rat, dessen Archiv (bis 1433) und
Gästezimmer sich hier befanden; die Bürgerversammlungen wurden in der Klosterkirche abgehalten. Das in
der Mitte des 13. Jh. gegründete Augustinerkloster in der Au genoss die Gunst der Velga, der wohl
mächtigsten Freiburger Fam. des SpätMA. Das ausserhalb der Stadtmauern stehende, 1255 erstmals
erwähnte Frauenkloster La Maigrauge schloss sich 1262 dem Zisterzienserorden an.
Ab 1299 sind in F. auch Beginen nachgewiesen, die zunächst einzeln oder in kleinen Gruppen lebten, ab der
2. Hälfte des 14. Jh. in grösseren Häusern. Sie starben spätestens Anfang des 16. Jh. aus. In F. gab es auch
Anhänger der Waldenser. Sie stammten aus bedeutenden Fam. der Stadt (Mossu, von Praroman, Studer).
1399 und 1430 wurde ihnen der Prozess gemacht. Fast nahtlos gingen dann die Waldenser- in
Hexenverfolgungen über.
Die grösste soziale Stiftung F.s war das Bürgerspital aus der Mitte des 13. Jh. Es diente der Armenpflege und
stand zunächst am Rand des Burgquartiers neben der älteren Liebfrauenkirche, die als Spitalkirche diente.
Die Heiliggeistbruderschaft versah mit ihren Spenden (Brot, Fleisch, Tuch, Schuhe) die nicht hospitalisierten
Armen. Die grossen Vermögen der beiden Einrichtungen wurden durch Vorsteher verwaltet, die ebenso wie
andere städt. Beamte jeweils am 24. Juni gewählt wurden.
Den Pilgern und Reisenden diente das Johanniterhaus. Die Johanniter hatten sich 1224 in der Au
niedergelassen, wechselten aber 1259 auf die Obere Matte und bauten dort eine Komturei mit Spital, Kirche
und Friedhof. Mit der Trennung von der Pfarrei Tafers erfolgte 1511 die Erhebung von St. Johann zur
Pfarrkirche. Das Leprosenhaus, das mit zwei Kapellen ausserhalb der Stadtmauern in Bürglen stand, wurde in
der Mitte des 13. Jh. gegründet. Die erhaltene Marienkapelle ist seit dem 15. Jh. ein regionaler Wallfahrtsort.
Trotz humanistischer und reformatorischer Tendenzen blieb F. beim alten Glauben. Die Zurückweisung der
Reformation durch den Rat von F. isolierte die Stadt und ihr Untertanengebiet, da sie vom ref. Bern territorial
(abgesehen von den Seeanstössen) vollständig umschlossen waren. Die Politik des Rates machte aus F. eine
Hochburg der Gegenreformation. Die in den 1580er Jahren einsetzende Kirchenreform führte zu einer
bemerkenswerten kulturellen Blüte: Neben den Jesuiten, die mit Hilfe der Obrigkeit und unter der Leitung von
Petrus Canisius ab 1582 das Kollegium St. Michael errichteten, liessen sich die Kapuziner (1608), die
Kapuzinerinnen auf dem Bisemberg (1621), die Ursulinen (1634) und die Visitandinnen (1635) nieder, womit
sich die Zahl der klösterl. Niederlassungen in F. mehr als verdoppelte. Die alten Niederlassungen blieben
bestehen, wurden reformiert und baulich erneuert. Das in der Mitte des 13. Jh. gegründete Bürgerspital wurde
in den 1680er und 90er Jahren vom Liebfrauenplatz an die heutige Spitalgasse verlegt. Mit den grosszügigen
Neubauten verdichtete sich das Weichbild der Stadt v.a. in der Murten-, Lausanne- und der Spitalgasse; das
Kloster Bisemberg steht zwar innerhalb der ma. Ringmauer, doch an einer bis dahin unverbauten Lage.
Gelehrsamkeit und Pflege der Literatur war bis ins 16. Jh. den Klöstern vorbehalten. Zwar erwähnt die
Handfeste von 1249 einen Schulmeister, und aus dem 15. Jh. sind Schulordnungen erhalten. Vor 1400 fehlen
aber literarische Zeugnisse. Dann setzen die Chronisten ein. Die bedeutendste Freiburger Chronik schrieb
Franz Rudella in den 1560er Jahren. Auf Anregung der Jesuiten liess sich 1585 der Drucker Abraham
Gemperlin in F. nieder, womit eine obrigkeitl. Druckerei entstand, die v.a. religiöse Werke herstellte;
Papiermühlen waren bereits ab dem 15. Jh. an Wasserläufen in Stadtnähe in Betrieb. Zur religiösen Erbauung
pflegten die Jesuiten auch das Theater. Ebenfalls auf deren Anregung hin wurde beim Bürglentor über dem
Steilufer der Saane mit ital. Sinn für Inszenierung und Monumentalität die Loretokapelle errichtet.
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Der Bf. von Lausanne, dessen Rumpfbistum ab der Reformation im Wesentlichen aus dem freiburg.
Herrschaftsgebiet bestand, liess sich 1613 in F. nieder, was sowohl dem Rat als auch dem örtl. Klerus missfiel.
Der Rat hatte nämlich im Rahmen der Eroberung der Waadt 1536 das bischöfl. Bulle an sich gerissen.
Gleichzeitig nahm sich das vom Bischof exemte Kollegiatstift der Verwaltung der verbliebenen Pfarreien an.
Zunächst wurde einzig die Entschädigung für Bulle geregelt, indem der Rat dem Bischof fortan eine Rente
bezahlte.
Die Gründung und Prosperität der Klöster sowie die Niederlassung des Bischofs kamen den Handwerkern und
Künstlern zugute. Zu erwähnen sind v.a. die Architekten, Bildhauer, Maler, Goldschmiede, Glockengiesser,
Hafner, Fayenciers und Cartiers, die Werke von überregionaler Bedeutung schufen. Viele Meister stammten
aus dem süddt. Kulturraum. Eine Ausnahme waren die Reyff, eine Architekten- und Bildhauerfamilie aus dem
Freiburger Patriziat, die u.a. die architektonisch phantasievollen frühbarocken Bauten der Ursulinen und
Visitandinnen sowie die Loretokapelle schufen.
Zum Deutschen als Amtssprache kam im Verlaufe der frühen Neuzeit immer mehr das Französische hinzu. So
wurden die Geschäfte der französischsprachigen Untertanen in ihrer Sprache getätigt; namentlich die
Ratsmanuale sind je nach der betroffenen Sprachregion in Deutsch oder Französisch geführt. Andererseits
liess der Solddienst das Französische zur ersten Kultursprache F.s werden.
Autorin/Autor: Hermann Schöpfer
2.4 - Architektur und Stadtbild
Dem Burgquartier liegt das zähring. Siedlungssystem mit orthogonalem Strassen- und Hofstättenraster
zugrunde. Es wurde bei jüngeren Gassen übernommen (Spital- und Alpen-, vielleicht auch Romontgasse),
anderswo verhinderte dies die Topografie. In der Au, auf der Oberen Matte und am Kurzweg entstanden in
kyburg. Zeit Dreieckplätze. Das Brandmauersystem reicht ins 13. und 14. Jh. zurück. Rund 200 gotische
Hausfassaden sind v.a. in der Au und in der Neustadt erhalten. Ab dem späten 14. Jh. belegte Brunnen- und
Abwassersysteme taten ihren Dienst bis zur Anlage der modernen Wasserversorgung in den 1870er Jahren.
Voraussetzung für die Erweiterung der Stadt war im 13. Jh. der Bau von Brücken; die Bernbrücke ist bis heute
eine gedeckte Holzbrücke, die Mittlere und die St. Johannbrücke wurden 1720 bzw. 1746 in Tuff ersetzt. Die
Stadtbefestigung des 13. bis 15. Jh. ist erhalten. Sie bildet das bedeutendste Ensemble ma. Militärarchitektur
in der Schweiz. Vom einfallsreich in die Flusslandschaft gesetzten Mauerring stehen noch 14 Türme, ein
grosses Bollwerk des 15. Jh. und rund 2 km Ringmauer. Im 17. Jh. veranlassten soziale und konfessionelle
Spannungen sowie die Entwicklung der Artillerie den Ausbau der Befestigungen. Die Bastionspläne hingegen
wurden nicht verwirklicht.
Die ma. Stadt bewahrte - von den neuen oder erneuerten Konventen abgesehen - ihre grosszügig konzipierte,
aber kleinteilige Struktur weit über das Ancien Régime hinaus. Allerdings erneuerte das Patriziat seine
Stadthäuser, die sich v.a. in der Nähe des Rathauses befanden, d.h. in der Reichen-, Murten- und
Lausannegasse. Den frühesten Bau eines neuen Haustyps gab Hans Ratze in Auftrag. Er setzte mit seinem an
der Murtengasse ab 1581 errichteten, frei stehenden Stadtpalais einen Massstab nach Lyoner Vorbild (heute
Museum für Kunst und Geschichte). Die Reichengasse, die Patriziergasse par excellence, trägt ein freundl.
Dixhuitième-Gesicht mit schmucken Fassaden und oft raffinierten Raumaufteilungen; die Interieurs sind
meistens in franz. Geschmack, doch in einer süddt. Brechung ausgestattet. Ein Teil der saaneseitigen Häuser
der Reichengasse wurde nach dem einzigen grossen Stadtbrand (1737) in einem schlichten, doch eleganten
Régence-Stil erneuert. Der Schultheiss François-Philippe de Lanthen-Heid liess um 1700 das Lustschloss La
Poya bauen, eine Villa im palladian. Stil am Stadtrand beim Murtentor, für die selbst im aristokrat. Frankreich
jener Zeit nur wenige Analogien zu finden sind. Sie ist das prominenteste der rund 200 Lustschlösser, die das
Freiburger Patriziat im nahen Umkreis der Stadt errichtet hat, um dort den Sommer zu verbringen und Feste
zu feiern.
Die Gassen und Brunnen, das Abwassersystem, die Türme, Tore und Ringmauern wurden in der frühen
Neuzeit weiterhin unterhalten. Brunnen mit Renaissance-Figuren und oktogonalen Becken ersetzten um 1550
nach und nach die schlichten Holzbrunnen des 14. und 15. Jh. An Neubauten, die letztlich eine straffere
Planung und Organisation des Staatswesens zum Ziele hatten, entstanden 1708-09 das grosse Kornhaus auf
den Matten, 1730-31 das Stadthaus, 1734-37 die Kanzlei, 1762-67 die Rechtsschule (heute Albertinum) und
1782 die Stadtwache neben dem Rathaus. Erst 1775-76 wurden, mit den besten Künstlern F.s, die
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Rathaussäle erneuert. Die Mittel hierzu kamen primär aus den Untertanengebieten, deren Einkünfte - nach
Abzug der Honorare für die Landvögte - bis zu 95% in die Staatskasse flossen. Dies erklärt denn auch die
Pracht der Stadt und die Ärmlichkeit des Landes.
Autorin/Autor: Hermann Schöpfer
3 - 19. und 20. Jahrhundert
3.1 - Politische Geschichte
Der Niedergang des patriz. Regierungssystems hängt stark mit der Franz. Revolution zusammen. Am 2.3.1798
kapitulierte die Stadt und Republik F. vor den franz. Truppen. Die Stadt musste die Herrschaft über die
Landschaft aufgeben und war fortan nicht mehr eins mit dem Staat. Mit den Gesetzen vom 13. und 15.2.1799
wurde - neben der Burgergemeinde - eine Einwohnergemeinde geschaffen, und im Frühjahr 1799 wählten alle
Aktivbürger eine Gemeindebehörde. Erster Stadtammann von F. wurde Jean (de) Montenach, der einstige
Präsident der provisor. Regierung. Die Verwaltung umfasste sieben Ämter: Buchhaltung (Finanzen),
Unterkünfte (Militärwesen), Waisenhilfe, Armenfürsorge, Volkszählung, Polizei und Staatsanwaltschaft (Justiz).
Von Anfang an hatte die Munizipalität mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Ferner hatte sie zahlreiche
Kompetenzstreitigkeiten mit der Verwaltungskammer («Kantonsregierung») und der Gemeindekammer
(Burgergemeinde) auszufechten. Die Dotationsakte vom 8.10.1803 bestätigte die Gütertrennung zwischen
Stadt und Kanton.
In der Mediationszeit gehörte F. zu den Vorortskantonen und war zwischen 1803 und 1809 alternierend eine
der Hauptstädte der Schweiz. 1803-47 bestand der konservative Munizipalrat ausschliesslich aus Freiburger
Burgern. Vom radikalen Umsturz von 1847 an konnte jeder in F. niedergelassene Schweizer Bürger an den
Wahlversammlungen teilnehmen. Seit 1865 ist ein Generalrat (Gemeindeparlament) dem Gemeinderat
(Exekutive) übergeordnet.
1847, 1858 und 1874 setzte die Kantonsregierung (Staatsrat) den Gemeinderat ab. 1871-79 und 1886-1903
verloren die Katholisch-Konservativen im Gemeinderat die Mehrheit an die radikal-liberale Opposition, deren
Presseorgan "Le Bien public" hiess. Eine liberal-radikale Partei wurde 1895 gegründet. Ein sozialist. Zirkel, der
1904 entstand, entsendet seit 1907 Vertreter in den General- und den Gemeinderat. Seit 1894 wird der
Gemeinderat nach dem Proporzsystem gewählt und der Stadtammann von seinen Kollegen ernannt (und
nicht mehr vom Staatsrat). 2001 wurde der Gemeinderat von neun auf fünf vollamtl. Mitglieder verkleinert.
Gewählt wurden zwei Vertreter der CVP, einer der FDP und zwei der SP. Im Generalrat gab es erstmals eine
schwache Linksmehrheit. Zehn Gem. im Raum Gross-F. schlossen sich 2002 zusammen, um eine
Agglomeration zu bilden.
Autorin/Autor: Alain-Jacques Czouz-Tornare / AA
3.2 - Wirtschaft und Gesellschaft
Bis 1870 beherrschte das Kleingewerbe die Freiburger Wirtschaft. 1845 war jeder vierte Werktätige
Dienstbote. 1876 waren 20% der Einwohner und 829 von 3'510 Burgern (23,6%) armengenössig. Die
Sparkasse der Stadt F. (1829) sowie der Handels- und Gewerbekasse (1840) stellten um die Mitte des 19. Jh.
noch kein organisiertes Kreditwesen dar.
Die Finanzen der Stadt waren 1869 in solch desolatem Zustand, dass die Gem. sich zur Veräusserung ihrer
Wälder entschloss. Der Neuenburger Ingenieur Guillaume Ritter betrieb die Gründung eines Regiebetriebs,
nämlich der Allg. Wasser- und Forstgesellschaft, und errichtete in der Magerau ein Stauwehr in der Saane.
Das Wasserwerk lieferte die Energie für eine Sägerei und eine Waggonfabrik auf der Pérolleskuppe. Binnen
weniger Jahre schuf die Gesellschaft an die zehn Betriebe mit 800 Arbeitsplätzen, ging jedoch 1875 konkurs.
Die Industrialisierung schritt indes im Nahrungsmittelbereich fort. Paul-Alcide Blancpain erwarb 1877 eine
Brauerei im Neustadtquartier, die sich 1890 den Markennamen Cardinal gab und 1904-05 in der Nähe des
Bahnhofs vergrössert wurde. 1970 verschmolz sie mit der 1883 gegründeten Brauerei Beauregard zur Sibra
Holding AG, die 1991 von der Brauerei Feldschlösschen und 2001 mit dieser zusammen von Carlsberg
übernommen wurde. Ein weiteres Beispiel ist die 1901 gegründete Schokoladefabrik Villars.
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Im Laufe des 19. Jh. erhielt die Stadt ein neues Gesicht. Als Meisterwerke der Drahtseiltechnik galten die 1834
und 1840 erbauten Hängebrücken über die Saane (Grosse Hängebrücke) und über das Galterntal; Erstere
wurde 1924 abgerissen. 1830-50 wurden die Westtore und ein Grossteil der Wehrmauern geschleift. Der Bau
des Grandfey-Viadukts ermöglichte 1862 den Anschluss an die Eisenbahnlinie Lausanne-Bern. Die Stadt
begann, sich um den 1872-73 errichteten Bahnhof auszubreiten. Die Unterstadt erhielt 1880 mit der Route
Neuve und 1899 mit der Standseilbahn Neustadt-St. Peter leichteren Zugang zu den neuen
Oberstadtquartieren. Das Platzquartier wurde modernisiert: 1863 mit dem Umbau der ehemaligen
Rechtsakademie von 1767 zum Hotel (heute Albertinum, Sitz der Dominikaner) und 1900 mit dem
Hauptpostgebäude. In den 1890er Jahren erweiterte sich die Stadt rasch und ihr Schwerpunkt verlagerte sich
Richtung Bahnhof und auf die Pérolleskuppe. Nachdem ihr die Gem. Villars-sur-Glâne 1903-06 ein
umfangreiches Gebiet abgetreten hatte, entwickelte sie sich v.a. in Richtung Westen. 1890-1910 entstanden
das Alt-, das Beauregard-, das Gambach- und das Pérollesquartier, nach dem 1. Weltkrieg das Vignettaz- und
das Daillettesquartier mit beinahe 400 neuen Gebäuden. Diese Jahre brachten einen deutl.
Entwicklungsschub. Der erste Sitz der Kantonalbank wurde 1905 errichtet, der Hauptsitz der Kantons- und
Universitätsbibliothek 1910. Neue Durchgangsstrassen wurden gebaut, so 1903-08 die kühne Alpenstrasse
am Felshang und um 1900 die Pérolles-Allee.
1878 waren 12 km Leitungen für die Wasserversorgung verlegt, anfangs des 20. Jh. wurden die Abwässer
kanalisiert. Der Telegraf wurde 1852 eingeführt, die erste Telefonzentrale 1889 eröffnet, die elektr.
Beleuchtung 1896 eingerichtet, der neue Friedhof 1904 eingeweiht. 1897-1965 besass die Stadt ein
Strassenbahnnetz von 6 km, ab 1949 wurden die Schienenfahrzeuge nach und nach durch Trolleybusse
ersetzt. 1929 wurde ein neuer Bahnhof gebaut, 1941 die Universität durch einen Bau im Miséricordequartier
erweitert. Mehrere Brücken wurden neu gebaut, so 1922 die Pérollesbrücke (Ende des 20. Jh. verbreitert),
1924 die Zähringerbrücke (an Stelle der Grossen Hängebrücke), 1927 das Grandfey-Viadukt, 1960 die
Galternbrücke. Das Stadtzentrum im Umfeld des Bahnhofs wurde Anfang des 21. Jh. neu gestaltet. Geplant ist
(neben mehreren Grossprojekten) die Errichtung der sog. Poyabrücke, welche die Innenstadt mit dem Münster
vom Durchgangsverkehr entlasten soll. Erst in den 1960er Jahren erlebte die Stadt einen neuerl. Aufschwung,
der vom Bau der Autobahn A12 (Eröffnung 1971) gefördert wurde. Zu Beginn des 21. Jh. arbeitete die
Mehrheit der Erwerbstätigen im 3. Sektor.
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3.3 - Bildung, Kirche und Kultur
In der Helvetik war der Chorherr Charles-Aloyse Fontaine die treibende Kraft im Erziehungsrat, der zur
Förderung der Alphabetisierung eingesetzt wurde. In der Mediationszeit wurde Pater Gregor Girard mit der
Leitung der franz. Primarschulen beauftragt, die deutschsprachigen Schüler wurden von den Augustinerpatres
betreut. 1849 wurde eine kant. Mädchenschule gegründet. Die 1885 errichtete berufl. Knabensekundarschule
war Vorstufe zur 1898 gegr. Gewerbeschule, die 1903 zum Technikum erhoben wurde.
Die Stiftskirche St. Niklaus, seit 1924 Kathedrale, ist für ihre Orgel von Aloys Mooser und die Jugendstilfenster
des Polen Józef Mehoffer berühmt. Neue Kirchen wurden errichtet: 1875 die ref. Kirche, 1931 St. Peter, 1954
Christkönig, 1966 St. Theresia und 1977 St. Paul.
Eine Meinungspresse gibt es seit 1830. 1848-49 wurden der liberal-radikale "Confédéré de Fribourg" und die
konservative "Gazette de Fribourg" gegründet. Die erste Freiburger Tageszeitung, La Liberté, erscheint seit
1871. Die Freiburger Nachrichten, die 1904 aus der 1863 gegr. "Freiburger Zeitung" hervorgingen, sind seit
1915 eine Tageszeitung.
Das Naturgeschichtl. Museum wurde 1873 gegründet und 1897 nach Pérolles umgesiedelt. Das Museum für
Kunst und Geschichte wurde 1922 im Ratzehof und der Espace Tinguely Niki de Saint-Phalle 1998 im
ehemaligen Tramdepot eröffnet. F. ist Schauplatz eines Festivals geistl. Musik, eines internat. Folkloretreffens,
einer Jazz-Parade, internat. Filmfestspiele, von Cinéplus (seit 1978) und einer ma. Veranstaltung (seit 2001).
Die Gegenwartskultur ist vertreten mit der Kunsthalle Fri-Art (seit 1990) sowie Rock- und Punkmusik im FriSon.
Mit seinen zwei Kulturen und seiner Universität spielt F. eine wichtige Rolle als Brückenstadt mit internat.
Ausstrahlung.
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Quellen und Literatur
Archive
– StadtA
Quellen
– Die Freiburger Handfeste von 1249, hg. von H. Foerster, J.-D. Dessonnaz, 2003
– Die grosse Freiburger Chronik des Franz Rudella, 2 Bde., hg. von S. Zehnder-Jörg, 2007
Literatur
Reihen
– ASHF, 1850-1978
– FGB, 1894– Ann. frib., 1913– Kdm FR 1-3, 1956-64
– Freiburger Archäologie, 1983– Archäolog. Fundber., 1984-1997
– Freiburger Bibl., 1990– Patrimoine fribourgeois / Freiburger Kulturgüter, 1991– Freiburger H. für Archäologie, 1999Allgemeines
– Encycl.FR, 2 Bde. 1977
– Mieux connaître Fribourg, 1977
– H. Schöpfer, Kunstführer Stadt F., 1979
– F.: Die Stadt und ihr Territorium, hg. von G. Gaudard et al., 1981
– Gesch.FR, 1981
– Bibl. des Kt. F., 1982
– INSA 4, 165-247
– H. Schöpfer, Kleiner Kunstführer Stadt F., 1989 (21997)
– F. auf den Wegen Europas, hg. von C. Fedrigo et al., Ausstellungskat. Freiburg, 2000
Mittelalter und frühe Neuzeit
– J. Niquille, L'hôpital de Notre-Dame à Fribourg, 1921
– J. Zollet, Die Entwicklung des Patriziates von F. i. Ue., 1926
– A. Maillard, La politique fribourgeoise à l'époque de la Réforme catholique, 1954
– Fribourg = F.: 1157-1481, 1957
– P. Rück, «Das Staatsarchiv F. im 14. und 15. Jh.», in FGB 55, 1967, 235-279
– A.-J. Marquis, Le collège Saint-Michel de Fribourg (Suisse), sa fondation et ses débuts 1579-1597,
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– P. Rück, «Heiml. Kammer, Heiml. Rat, Kriegsrat und Geheimer Rat in F. i.Ue. vor 1798», in FGB 58,
1972/73, 54-67
– P. Schnetzer, «Das Eindringen des Deutschen in die Stadtkanzlei F. (1470-1500)», in FGB 62,
1979/80, 85-135
– Der Kirchenschatz des St. Niklausenmünsters in F., Ausstellungskat. Freiburg, 1983
– Das Freiburger Buch 1585-1985, Ausstellungskat. Freiburg, 1985
– U. Portmann, Bürgerschaft im ma. F., 1986
– N. Morard, «Une charité bien ordonnée: la confrérie du Saint-Esprit à Fribourg à la fin du Moyen Age
(XIVe-XVe siècles)», in Le mouvement confraternel au Moyen Age, 1987, 275-296
– M. Blattmann, Die Freiburger Stadtrechte z.Z. der Zähringer, 2 Bde., 1991
– E. Tremp, «Könige, Fürsten und Päpste in F.», in FGB 68, 1991, 7-56
– W. Schulze, «Landesfürst und Stadt», in FGB 72, 1995, 131-173
– Zur geistigen Welt der Franziskaner im 14. und 15. Jh., hg. von R. Imbach, E. Tremp, 1995
– E. Maradan, J.-P. Uldry, «Sources et conditions de la vie culturelle et intellectuelle au temps des
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Lumières dans le canton de Fribourg, 1750-1798», in Ann. Benjamin Constant 18/19, 1996, 21-36
– G. Bourgarel, Fribourg - F.: Le Bourg de fondation sous la loupe des archéologues, 1998
– P.J. Gyger, L'épée et la corde: criminalité et justice à Fribourg (1475-1505), 1998
– C. Gutscher, V. Villiger, Im Zeichen der Nelke: der Hochaltar der Franziskanerkirche in F. im Üchtland,
1999
– K. Utz Tremp, Waldenser, Wiedergänger, Hexen und Rebellen. Biogr. zu den Waldenserprozessen von
F. im Üchtland (1399 und 1430), 1999
19. und 20. Jahrhundert
– F. Walter, Le développement industriel de la ville de Fribourg entre 1847 et 1880, 1974
– J. Rey, Le développement de la ville de Fribourg au tournant du XXe siècle, Liz. Freiburg, 1980
– C. Aebischer, Le paupérisme en ville de Fribourg entre 1850 et 1869, Liz. Freiburg, 1983
– B. Verdon, Les transports en commun à Fribourg, Liz. Freiburg, 1994
– S. Gumy, L'Auge au XXe siècle, 1997
– S. Bavaud, L'action de la Société de développement de la ville de Fribourg (1899-1960), Liz. Freiburg,
1998
– 1899-1999: Fribourg 100 ans au service du tourisme, 1999
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