Vereins für Volkskunde.

Transcription

Vereins für Volkskunde.
ZEITSCHRIFT
des
Vereins für Volkskunde.
Begründet von Karl Weinhold.
Im Aufträge des Vereins
herausgegeben
von
Johannes Bolte.
BERLIN.
BEHREND & C°.
(vormals A. Asher & Co. Verlag)
1908.
Die Zeitschrift erscheint 4 m al jä h rlich .
Inhalt.
Seite
D a s W asser im T oten g eb ra u ch e. Y on P a u l S a r t o r i . . . .
D er k lu g e V ezier, ein k asch m irisch er Y olk srom an, ü b ersetzt von
J oh an n es H e r t e l (^Schluss)
. . ..................................................
D ie M elod ien zu der B allad e von der N on n e. Y on R aim un d
Z o d e r ...............................................................................................................
D ie T h ü rin ger V olk strach ten . Y on L u ise G e r b i n g . M it drei
• A b b ild u n g e n ...................................................................................................
3 5 3 — 378
3 7 9 — 393
3 9 4 - 411
4 1 2 -4 2 5
K le in e M itteilu n gen :
D ie Bereitung der Osterkerze im M ittelalter. Von A. E. S c h ö n b a c h . S. 426. —
Ein isländisches Pfarrhaus vor hundert Jahren. Yon M. L e h m a n n - F i l h e s . S. 429. —
Zur Ballade vom Ritter Ewald. Von E. K. B lü m m l. S. 431. — Inschriften an Kruzilixen
und Bildstöcken in W estfalen. Von 0 . P a p p u s c h . S. 433. — Zu dem volkstüm licheö
M otiv von den weiblichcn Schönheiten. Von G. M a n a c o r d a , S. 43(5. — Luiska. Von
0 . B ö c k e l. S. 441. — Das Dach über einem Sterbenden abdecken. Von Th. Z a c h a r ia e .
S. 442. — Sprichwörter-Anekdoten aus Franken. Von A. L. S t i e f e l . S. 44G. — Aberglaube
aus Württemberg. Von J. B o l t e . S. 449. — Zu Kerkerings Grab schrift (oben IG, 431).
Von W. Z u id e m a . S. 449.
B erich te und B ü ch eran zeigen :
Neuere Märchenliteratur. V o n J .B o l t e . S . 450. — A. D e i s s m a n n , Licht vom Osten,
das N eue Testam ent und die neu entdeckten Texte der hellenistisch-röm ischen W elt
(R. Petsch) S. 4G1. — T r o e l s - L u n d , Himmelsbild und W eltanschauung im W andel der
Zeiten (R. M. Meyer) S- 465 — S. A r r h e n i u s , Die Vorstellung vom W eltgebäude im
W andel der Zeiten (R. M. Meyer) S. 465. — K. W e h r h a n , Die Sage (M. Roediger)
S. 466. — F. K l u g e , Bunte Blätter, kulturgeschichtliche Vorträge und Aufsätze (J. Bolte)
S. 467. — E. D i e d e r i c h s , D eutsches Leben der Vergangenheit in Bildern, Bd. 2 (J. Bolte)
S. 468. — P. S e b i l l o t , Le paganisme contemporain chez les peuples celto-latins (J. Bolte)
S. 469. — F. P r a d e l , Griechische und süditalienische Gebete, Beschwörungen und Rezepte
des M ittelalters (J. Bolte) S. 470. — K. B ö c k e n h o f f , Speisesatzungen m osaischer Art in
m ittelalterlichen K irchenrechtsquellen (H. Michel) S. 470. — Berichtigung zu S. 228. Von
E. R o n a - S k la r e k . S. 471.
N o tize n :
Bek, Berliner K alender, Heinem ann, Jaisle, Keller, Lemcke, M eisinger, Ohle, Pieper,
P loss-B artels, Schulz, Steinm etz, v. Sydow, YaBConcellos S. 471—473.
____________________________________ .
.
R egister S. 474—480.
B e i t r ä g e fü r d ie Z e i t s c h r i f t , b e i d en en um d eu tlich e S ch rift auf
Q uartblättern m it R an d g eb ete n w ird , M i t t e i l u n g e n im I n t e r e s s e d e s
Y e r e in s , K r e u z b a n d s e n d u n g e n
b elie b e m an an d ie A d resse des
H erau sgeb ers, P ro f. D r. J oh an n es B o l t e , B e rlin SO. 26, E lisa b eth u fer 37,
zu rich ten.
B ü ch er zur B esp rech u n g in der Z eitsch rift w o lle m an an d ie V erla g sB u ch han d lun g B e h r e n d & C o. (vorm als A . A sh er & C o .), B e r lin W . 64,
U n ter den L in d en 16, senden.
B eitrittserk lä ru n g en zum Y erein n eh m en der 1. und 2. V o rsitzen d e
Prof. D r. Max R o e d i g e r , B erlin W . 6 2 , B ayreutherstr. 4 3 , und P rof.
D r. Joh an n es B o l t e , sow ie der S ch a tz m e ister B a n k ier H u g o A s c h e r ,
B erlin N . 24, M onbijouplatz 1 , en tgegen .
D e r Jah resbeitrag, w ofür d ie Z eitsch rift an d ie M itglied er gratis und
franko g e lie fe r t w ird, b eträ g t 12 Mk. und ist b is zum 15. J a n u a r an den
S ch atzm eister zu zah len. N ach d iesem T erm in e w ird er von den B erliner
M itgliedern durch d ie P a k e tfa h rtg ese llsc h a ft ein g e zo g e n w erden.
(Fortsetzung auf S. 3 des Um schlags.)
Das Wasser im Totengebrauche.
Von Paul Sartori.
D er ob en 17, 361 b eh an d elten V erw en d u n g vo n F eu er und L ich t
T o ten g eb ra u ch e steh t d ie d es W a ssers zur S eite,
Z u sa m m en stellu n gen u nterrichten m ögen .
AVie L ich t und F eu er,
so
k om m t auch
E i n t r i t t d e s T o d e s zur V erw en d u n g.
S terb en d en
ein en E im er
S e e le
sich
nach
G o tt
treten
m ün ster
lie g t,
ein e
das W asser schon v o r d e m
In M eck len b u rg
m uss man dem
m it W asser n eb en das B e tt stellen ,
der T ren n u n g vom K örper
k a n n “ (Bartsch,
w ird
S agen
aus
im
über d ie d ie fo lgen d en
w asch en
und
„dam it die
g e r e in ig t vor
M eck lenb urg 2, 89).
m it d erselb en B egrü n d u n g in H äusern,
S ch ü ssel m it W asser vors F en ster
U m A lt­
w o ein S terb en der
g e s te llt (L a istn er,
R ä tsel
d er S ph inx 1, 196); in den ö stlich en N ied erlan d en u nter das B e tt S terb en der
o d er in d essen N ähe.
in s W a sser
u nrein
w erden,
zieh e;
w ürden.
In G ronin gen glau b t m an,
andersw o,
D a s W asser
aber so,
dass
son st W asser
m uss,
w en n
dass
und
der K rank e
dass es w ed er auf M ensch noch T ier,
dann a lle F ä u ln is
M ilch
im
H au se
tot ist,
b e se itig t
w ed er
au f K orn
noch B au m fällt (V o lk sk u n d e 13, 90 f.).
B ei
W a sser
den W ad sch agga
ins G esich t,
„um
zu ru fen “ (G lob u s 89, 197).
v ersch eid en d en A bipon ern
N eu -P o m m ern
g ie sst m an dem T oten oder S terb en d en k a ltes
ihn
v ie lle ic h t noch einm al in s L e b e n zurück­
E b en so m achen es d ie alten W eib e r b ei den
(K lem m ,
A llg . K u lturgesch. 2, 98).
W en n in
das S terb en n ich t rasch gen u g von statten geh t, h elfen die
Wrild en ein w e n ig nach, in dem sie den K rank en au frich ten und ihm ein en
E im er W asser nach dem ändern ü ber den K o p f g ie ssen , a n g eb lich um sein e
h e iss e F ieb ertem p eratu r ab zu k ü h len
der G azelleh alb in sel S. 109 f.).zu äh nlich er V erw end u ng: • fä llt
Im
(K lein titsch en , D ie K ü sten b ew oh n er
C hristentum
der K ran k e
k om m t das W eih w a sser
in s E n d e,
so
w ird
er m it
ein em B u ch sb ü sch el reich lich m it W eih w a sse r b esp ren g t (R o ch h o lz, D eu tsch er
G laube u. Brauch 1 , 169).
In der O berpfalz
g ib t m an
dem S terb en den
öfter WTeihw asser, dam it d ie b ösen G eister n ich t ankönnen; j e w eiter man
es
h eru m fetzt,
desto
w eiter m ü ssen
die
b ösen G eister w eich en (S ch ö n ­
w erth, A us der O berpfalz 1, 241 f.).
Zeitsctar. d. Vereins f. Volkskunde. 190S.
23
Sartori:
354
S chon d iese w en ig en B e isp ie le , d ie freilich von den A u sü b en d en se lb st
m itu n ter
anders
des W assers
g ed eu tet
h in ,
m ag
w erden,
nun
w e is e n auf d ie ü b ela b w eh ren d e K raft
d ie M assregel
dem S ch u tze
d es S terb en d en
oder der Ü b erleb en d en g e lte n 1).
Sehr v erb reitet ist der B rauch, n a c h e r f o l g t e m T o d e d e n L e i c h n a m
zu
w a sch en .
w erden ja
D ie
dadurch
im K am pfe
g efa llen en
h om erisch en H e ld e n
fre ilic h
auch von B lu t und Staub g er ein ig t (J l. 7, 4*25 f.
18r
345 ff. 24, 582. O dyss. 24, 44. 1 89); im ü b rig en aber ist d ie u rsp rü n glich e
A b sich t d iese r W asch u n g en ,
d ie
dem
toten K örper anhaftenden,
le b e n s­
fein d lich en Stoffe oder M ächte u n sch äd lich zu m a ch en 2).
D ie L e ic h e w ird m eist m it w a r m e m W a s s e r g e w a sc h e n 3).
S elb st so
u n sau b ere L e u te w ie d ie B asch k iren p flegen das zu tun (G lo b u s 80, 155).
A b er
auch
s c h ä r f e r e M i t t e l k om m en zur V erw en d u n g .
D ie B ed u in en
d es S inai n eh m en S eifen w a sser (P a lm e r, D e r S ch aup latz der v ierzig jä h rig en
W ü sten w an d eru n g Israels S. 74); eb en so d ie W o tjä k en (B u ch , D ie W o tjä k en
S. 144).
In der O berpfalz w ird B rann tw ein dem W a sse r zu g esetzt (S c h ö n ­
w erth, O b erpfalz 1, 2 43), im L ech rain w ird E ssig verw and t (L eo p rech tin g ,
1) Beide Gesichtspunkte kommen auch bei K r a n k e n vor. In einem alten Arznei­
buche (Hüser, Gymn.-Progr. Brilon 1893, 25) wird folgende Vorsichtsm assregel beim
Besuche eines Pestkranken verordnet: „So einer zu einem solchen Kranken gehen will,
soll er ein Kübel voll frisches W assers nehmen und dem Kranken zun Füßen setzen,
auch bey einem Feuer wohl erwärmen, wenn er von dem Kranken gehen w ill.“ B ei
Rochholz, Glaube 1, 173 heisst es: „Hat sich ein P atient durchgelegen, so glaubt man
allenthalben der W undheit damit vorzubeugen, dass man ihm eine Schüssel W asser unters
Bett stellt.“ Pfannenschm id (Das W eihwasser S. 113) bemerkt, dass man in der Stadt
Hannover, wo derselbe Brauch geübt werde, dazu gern „sonnenklares R egenw asser“ nehme.
— Über die Verwendung des W assers zu allerlei R einigungen s. im übrigen: Tylor, Die
Anfänge der Kultur 2, 435 if. W ilken, Über das Haaropfer S. 25011. Oldenberg, Religion,
des Veda S. 322 f., 3352, 407 ff , 423 ff., 489 f. Robertson Smith, R elig. der Semiten
S. 117. Anz, Zur F rage nach dern Ursprung des Gnostizism us S. 100 ff. Pfannenschmid,
Das W eihwasser S. 14 ff., 97 ff , 123 ff.
2) V ielfach werden freilich andere Gründe angegeben. Nach Servius geschah bei
den Römern die W aschung (wie auch die W ehklage), um einen etwaigen Scheintoten zu
erwecken (Marquardt-Mau, Privatleben d. Römer l 2, 346 f.).
N ach rumänischer An­
schauung muss der Körper am jüngsten T age hübsch rein sein und auch von der Seele
alle Sünde w eggew aschen werden (Flachs, Rum änische H ochzeits- u. Totengcbräuche
S. 45). Ähnlich in Armenien (Abeghian, D. armen. V olksgl. 21). Auch die Mafvacicas in
Südamerika besprengten angeblich desh :1b die Toten m it Wasser, um sie von jedem Makel zu
reinigen (Waitz, . Antlirop. der Naturvölker 3, 531). N ach ostpreussischer Meinung muss
der Tote zu seiner Wanderung recht sauber sein (Lemke, Volkstüml. aus Ostpreussen
i , 56).
3) B ei den Kalmüken muss sich die W ö c h n e r in , wenn die Zeit ihrer Unreinheit zu
Ende ist, mit warmem W asser am ganzen Körper reinigen (P loss, Das Kind 1, 54) Zu
Jerusalem gibt man der eingeborenen Frau (Bekennerin des Islam s) während der ersten
sieben bis acht Tage des W ochenbettes gar kein W aschwasser, und auch später erlaubt
ihr die Hebamme kein kaltes Wasser, sondern gestattet ihr nur warmes zum Waschen der
Hände (ebd. 1, 52). In Siam muss die W öchnerin nach Marco Polo eine Woche laug
vor einem wohlunterhaltencn Feuer sitzen und sich bald auf diese, bald auf jene Seite
wenden (ebd. 1, 54).
Das Wasser im Totengebrauche.
L ech rain S. 2 49).
D ie R um änen
tun
in
355
das W a sser
P fefferm in zb lä tter,
B a silien k rau t, K am ille, K le e, W erm ut, E b errau te und an dere g lü ck b rin g en d e
K räuter (F lach s S. 45).
D ie M oham edaner w erfen d ie B lä tter
baum es (P flau m en b au m es),
der
auch
in
des Sidra-
der Y o lk sm e d izin ein e w ich tig e
R o lle sp ielt, h in ein (Sp renger, L e b e n u. L eh re d. M oham mad 1 , 306, A nm .).
D ie L e ic h e ein es B ayau zi w ird m it P a lm ö l a b g erieb en ; eb en so b eh and eln
d ie F rau en den T oten b ei den A baram bos (B u lle tin de fo lk lo re 3, 68 f.).
B e i den G uings w erden d ie T o ten
(G lo b u s 60, 13).
A uch
b ei
gew asch en
den G riechen
und
w urde
m it F e tt ein g e rie b e n
der L eich n a m
g esa lb t
(M üllers H andbuch d. A ltertu m sw iss. 4, 4 6 2 a . 4 6 3 a ).
D ie W a sch u n g w ird oft durch b e s t i m m t e P e r s o n e n v o llzo g en .
den M ongolen b eze ic h n et der V orsteh er des K losters d ie P erso n ,
L e ic h e
ein em
w ürde
w asch en
und
sch m ü ck en
soll,
und
B ei
die die
d ie zu dem V erstorb en en in
gan z b estim m ten A ltersv erh ä ltn is steh en m uss; jed em ändern
das b lo sse B erühren der L e ic h e schon V erd erb en b rin gen . D er
von den G eistlich en
h ierzu E rw äh lte
erhält
d ie B eze ich n u n g B u jantsch i,
d. h. „der M ensch, der ein gu tes W erk v er rich te t“ (G lob u s 57, 212).
B ei
den P erm iern w erden V erw an d te oder F reu n d e ein g ela d en , d ie L e ic h e zu
w asch en
und
(K a u k a su s)
den
Sarg zu
fü llt sich
verfertigen
(G lob u s 71, 3 7 2 ).
In S w a n etien
1 — 1 1/ 2 S tunden nach ein em T o d esfa ll das S terb e­
haus m it V erw an d ten , d ie der W a sch u n g des L eich n a m s b eiw o h n en w o llen .
S ie w ird nach ch ristlich em Brauch vollzo g en , und d abei b rechen d ie A n ­
w esen d en in ein w ild es G eh eu l aus (B e il. z. M ünchener A llg. Z eitg. 1906,
Nr. 143,
S. 541).
B e i den sü drussisch en Ju den
M itglied er der „ h eilig en B rü d ersch aft“ oder
vom
n äch sten V erw andten
h ü llt (W ellh a u sen ,
en tw ed er
die
eig en s dazu b estellte D ien er,
um den T oten zu re in ig en (G lob u s 91, 360).
L e ic h e
k om m en
B e i den A rabern
gew asch en
wird die
und in w eisse T ü ch er g e ­
S k iz ze n u. V orarb eiten 3, 159).
In Ä g y p ten w ird sie
von den V erw an d ten zu ein em B run nen in der N ähe der M oschee O«jetrao-en
O
und dort ab gew asch en (K lem m , A llg. K u lturgesch. 7, 139).
b ei den R um änen
die W asch u n g
n ich t von A n g eh ö rig en
vorgenom m en w erden (F la ch s S. 45).
g räb n isse
g e se g n e t
selb st
P er so n en ,
die
(Internat. A rchiv f. E thnogr. 9, 154).
d ie
so gen an n ten
die dafür vom P farrer b eim B e ­
w ird ^G lobus 57, 28).
d ie
N arew eb i, ju n g e,
D er
sein en
B ei
le d ig e
zu
den
C hew suren
L e u te
T sch ere in isse
w a sch en
so llen
b esorgen
(G lob u s 76,
2 1 0 ).
es
In
der den L eich en w ä sch er
um den T oten in ein an ein fliessen d es W asser geb a u tes H an s
b rin gen
L e ic h e
sterb en d e
L eich n a m
P er sie n w ird ein T o d esfa ll dem K adi a n g ezeig t,
ab sen det,
des E n tsee lte n
B ei den R um änen in S ieb en b ü rg en
v o llz ie h t sie ein e F reu n d in des H au ses,
b estim m t
D a g e g e n darf
auf
(K lem m 7, 142)
den
n äch sten
N ach
F r ie d h o f
P o la k
(P e r s ie n 1, 362 f.)
getragen .
M urdeschuren (T o ten w ä sch er) in E m p fan g,
d ie,
H ie r
n eh m en
w ird
d ie
sie
die
w enn sie b eim W a sch en
ein e W^unde an ihr en td eck en , dem P o liz e im e iste r A n zeig e m achen m üssen.
23 *
Sartori:
356
B e i den M oham edanern in B osn ien w äsch t der Im am den T o ten (A m U rQ u ell 3, 23).
1, 243).
In
P h ilo so p h ic a l
d ie
so c iety ,
(L eo p re ch tin g ,
54").
der O b erpfalz
In Irland
das T o ten w eib
N ach barfrauen
P h ila d e lp h ia 25, 267 ).
L ech rain S. 249)
so w ie
(S ch ön w erth ,
(P r o ce ed in g s
in
o f th e
A lte W e ib e r
im
den W eserm a rsch en
O berpfalz
A m erican
L ech rain
(o b en 9,
Ä ltere F ra u en und M änner aus der V erw an d tsch aft b ei den S ie b e n ­
b ü rger S ach sen (S c h ü lle r, P rogr. S ch ässb u rg 1863, 4 2 ).
in Südkam erun
w ird
B e i den N giim ba
d ie L e ic h e von den F ra u en in das F rau en h au s g e ­
bracht, g ew a sch en und an g ezo g en , w ob ei d ie F ra u en und K in d er T rau er­
k la g en an stim m en (G lob us 81, 351).
den M ägden
g ew a sch en
und
H e k to rs b esu d e lte L e ic h e
g esa lb t (II. 24, 582 ff.), und
w ird von
auch b e i den
sp äteren G riechen b esorgten d ies G esch äft d ie F ra u en (M üllers H andbuch
d. k la ss. A ltertu m sw iss. 4, 4 6 3 a ).
4, 79 5 ).
Orten
vor
M anchm al
B e i den R öm ern der P o llin c to r (eb da.
Im V oig tla n d e tut es d ie L eich en w ä sch erin .
oder
h in ter
dem S arge,
und
S ie g eh t an v ie le n
ihr fo lg en d ie H in ter b lieb en en .
sitzt sie auch au f dem Sarge (K ö h ler, V olk sbrauch im V o ig t­
lan d e S. 251 ff.).
E s k om m t auch w oh l vor,
dass d iese W a sch u n g schon vor dem E in ­
tritt d es T o d es vorgen om m en w ird.
D ie serb isch en Z e ltzig eu n er w asch en
den in den le tz te n Z ügen L ieg e n d en und zieh en ihm se in b estes G ew and
an (B eil. z. Münch. A llg . Z eitg. 1906, 139).
B e i den W 'alachen in U n ter-
krain m ü ssen sich die T o d k ran k en sogar se lb st w asch en , „um
T od e
h üb sch
rein
zu
ersc h e in e n “ (R o sen th a l u. K arg,
sein V aterlan d 2, 3 2 8 ).
ins B ad,
S ok rates
nach
dem
D e r D eu tsch e u.
g eh t vor dem T r in k e n d es G iftb ech ers
um den F rau en d ie A rb eit zu ersparen (P la to , P h a ed o n 115 A ).
A uch A lk e stis
b ad et
sich
in F lu ssw a sser und sch m ü ck t sich ,
eh e sie in
den T od g eh t (E u rip . A lk e stis v. 159 ff.)1).
In d iesen F ä lle n ist von dem u rsp rü nglich en S in n der W a sch u n g kfcin
B e w u sstse in
b ei
m ehr
sein er A rb eit,
vorhanden.
durch
die
W elch en
er
die
G efahren
aber
der W a sch en d e
fein d lich en M ächte b e se itig e n soll,
und d ie Ü b erleb en d en überhaupt sich au ssetzen , ze ig e n a lle rlei V o r s i c h t s m a s s r e g e l n , d ie d ab ei zu b eo b ach ten sind.
B e i den Jap anern w ird der L eich n am , von dem nur ein k le in e r T e il
zur Z e it en tb lösst w ird, m it h eissem , in ein em n eu en E im er h erb eig eb ra ch ten
W asser gew a sch en und m it ein em n eu en L e in en g ew a n d e b e k le id e t.
N ach
d em S ch in toritu s w ird der L eich n am einfach m it ein em n assen T u ch
g er ieb en ,
um
w obei
d ie se lb e R ü c k sich t
ein en L eb e n d en
h an d elte.
N ach
b eo b a ch tet
ab­
w ird, w ie w en n es sich
b u d d h istisch em R itu s w ird
h eisses
1) Ähnlich verhüllte sich bei den Griechen auch manchmal der Sterbende selbst das
Gesicht, was sonst erst nach eingetretenem Tode geschah (Müllers Handbch. d. klass.
Altertumswiss. 4, 4(33 a. Anm. 6). Zu vergleichen ist auch, was Schwartz (oben 1, 21 f.) von
dem Ruppiner Tagelöhner erzählt, der sich vor seinem Tode noch einm al rasieren lässt,
w eil es da billiger ist als nachher
Das Wasser im Totengebrauche.
W a sser
darüber
b eh an d elt.
gegossen
und
der L eich n am
357
ohne b eso n d ere U m stän d e
D a ferner der S ch in toism u s E hrfurcht vor
L e ib e sh ü lle
lehrt,
so
en tled ig e n
n ich t ihrer K leid u n g.
In
sie
eh e
ih re K le id er
aus,
ein ig e n
sie
sich
d ie
m it
b u d d h istisch en S ek ten
w asch en (R ev u e des trad. pop. 9, 603 f.).
g ew a sch en ;
w er
d ies verrich tet,
S täm m en
A u f den T o n g a in seln w ird der
k om m t 10 M onate unter T abu (K lem m ,
W äh ren d
von
dreim al se lb st d ie H än de
m it ein er M ischung von Öl und W a sser ab­
A llg . K u lturgesch. 4, 321).
w estlich en
d a g eg en zieh en
B e i den (b u d d h istisch en ) A nam iten
m uss sich der W asch en d e w ährend der A rb eit
ein es H ä u p tlin gs
m en sch lich en
ans W er k g eh en (L a y in T ransactions of
the A sia tic so ciety o f Japan 19, 535 f.).
L eich n am
der
der W a sch u n g B etrauten
der gan zen Z eit,
M adagaskar
d ie L e ic h e
wo b e i den süd­
im H au se
g ew a sch en
und in T ü ch er g e w ic k e lt w ird, w ird im H au se W eihrauch oder ein d iesem
ä h n lich es G um m i verbrannt (S ib re e, M adagaskar
Z igeu n ern in Jagod in a (S e r b ie n ) brennt w ährend
L e ic h e
zu
S. 270).
B e i den
der W a sch u n g der
ihren H äu pten ein U n sc h littlich t (B e il. z. Münch. A llg . Z eitg.
1906, 140).
B ei
den jü n g st
ein gew an d erten
Z igeu nern
in
S iid -S erb ien
w äsch t g le ich nach dem E in tritt des T od es der H od za oder d essen E rsa tz­
m ann
den T o ten
W asser
m uss
m it lauw arm em W asser,
zu g ed eck t über
b ew ach en m uss,
und zw ar im H ofraum e.
einem F eu er
erw ärm t w erden,
und ausserdem darf an d iesem F eu er sonst w ed er etw as
k och en , noch schm oren, noch
braten (eb d .).
B ei den T sch u w a sch en darf
man vom E in tritt d es T od es b is zu dem A u g en b lick ,
gesargt w ird, den H erd n ich t h eizen .
A bw aschen
D as
das ein er
sein er L e ic h e b estim m t hat,
das n ö tig e W a sse r
zu h olen ,
wo d ie L e ic h e e in ­
D ie je n ig e n , d ie der S terb en d e zum
b eg eb en sich zum B run nen,
und w erfen ein G eld stü ck h in ein ,
um
um an-
zu d eu ten, dass sie das W a sser n ich t u m son st n eh m en, sow ie etw as Zw irn,
dam it das W a sse r vorn Zw irn dem V erstorbenen
w enn
er
im
J e n se its
(G lob u s 63, 3 2 3 ).
H im m el F e u e r
für
In
an,
sein e
A rm en ien
um
S ünden
in
den Mund träu fele,
des T ra n k es
m ach t
m an
en tbehren
ste lle n w e ise
das W asser zum L e ich en b a d e
u nter
zu w ärm en.
so llte
freiem
Man
ben u tzt dazu n ich t das H erd feuer, um es n ich t zu v eru n rein ig en , sondern
erzeu gt m it F eu er stein und S tah l
des
n ötigen W a ssers
ist
ein
frisch es F eu er.
d ieses F eu er
D e r arm en isch e V o lk sg la u b e S. 71).
unrein
D ie
der V erstorb en e ü ber zehn Jahre alt ist,
wo sein e L e ic h e geb a d et ist,
und
N ach E rw ärm ung
schäd lich (A b eg h ia n ,
A rm en ier la ssen
auch,
w enn
acht T a g e lan g au f dem P la tze ,
K erzen oder Ö llam pen brennen, „dam it der
WTeg der S e e le in s J en se its dadurch erh ellt w er d e“ (eb d . 2 1 ).
D ie S in a i-
B ed u in en
Schauplatz
w asch en d ie L e ic h e ausserhalb des Z eltes (P a lm e r,
der W ü sten w an d eru n g Israels S. 74).
d ie
das A m t
V erstorb en en :
3 7 2 ).
übern om m en
hat,
B e i den P erm iern sagt d ie P erso n ,
b evor
sie
an
d ie A rb eit geh t, zu dem
„Ä rgere dich n ich t, ich w ill dich a b w a sch en !“ (G lob u s 71,
A uch b e i den sü drussisch en Juden
w ird
der T o te,
b evor m an zu
Sartori:
358
sein er R e in ig u n g sch reitet, am V erg eb u n g g eb ete n .
m it w arm em W a sse r g ew a sch en ,
u nten
ged reh t w erd en
D an n
w ird
sie
w obei
darf, w e il
a u fgerich tet und
d ies
w ird.
B rust
Ei
und
B au ch
m it
ein em
der L e ic h e
m it dem G esich t nach
den T o ten
D ara u f w ird
e in g e rie b e n
B e g le ite r H e d in s
m ässig en W aschu ng
n ich t
für
b esch ä m en d
m it rein em W a sser ü b erg o ssen ,
dreim al „tohoir“ (re in ) g esa g t
m oh am ed an isch en
sie
E rst w ird d ie L e ic h e
sie
a b g etro ck n et und
(G lo b u s
um w and en
sich
ein e s G en o ssen
ist.
w o b ei
91,
3 6 0 ).
D ie
b ei der vorsch rifts-
das G esich t
ausser
den
A u gen m it w eissen B in d en , „um n ich t d ie L e ic h e n lu ft ein a tm en zu m ü sse n “
(S v e n H e d in ,
g e sc h ie h t
Im
H erzen
d ie W asch u n g
von
nur
A sie n 2 , 35)0).
ob erflächlich,
B ei
den
T sch erem issen
m eiste n s m ittels ein e s B a d e­
b ese n s, der zu w eilen sogar au f ein en S tock g e s te c k t w ird, dam it m an den
L eich n a m
so
w e n ig
w ie
m öglich
m it
(In tern at. A rchiv f. E th n ograp h ie 9, 154).
den
H ä n d en
D ie
zu
g eh en oft sech s T a g e lan g und m ehr n ich t nach H au se,
als „ B e fle c k te “ in
dem
R aum ,
wo
sie
berü h ren
ch ew su risch en
den T o ten
hat
N a rew eb i
sondern
a b g ew a sch en
b leib en
haben.
S ie m üssen zu ih rer R e in ig u n g tä g lich ein B ad n eh m en ; S p e ise w ird ihnen
von
den
h alten
A n g eh ö rig en
sich
g eh ö rig en
w ährend
d es
z u g e ste llt
(G lob u s 76,
der B e sch ä ftig u n g
T o ten
a ller
A rb eit
2 1 0 ).
Im Y o ig tla n d e en t­
der L e ic h e n w ä sch er in
(K öh ler,
Y olk sb rau ch
d ie A n ­
S. 25 1 ).
In
B rau n sch w eig g la u b t sich d ie T oten w ä sch erin b eim W a sch en ein e s T o te r ,
d er an ein er a n steck en d en K ra n k h eit g esto rb en ist,
dadurch zu schü tzen ,
dass sie e in ig e P fefferk ö rn er in den M und n im m t (A n d ree, B rau n sch w eig.
V o lk sk u n d e S. 225).
M it b eson d erer V orsich t sin d d ie b e i d e r W a s c h u n g , g e b r a u c h t e n
G eräte zu b eh an d eln . B e i den A n am iten w ird das W a sser, das zum
W a sch en der L e ic h e g ed ie n t hat, und d ie T ü ch er, in d en en sich der
W a sch en d e a b g etro ck n et hat, an ein em g e e ig n e te n O rte verg ra b en (R e v u e
d es trad. pop. 9, 603 f.).
A uch
im
h o lstein isc h e n K reise Storm arn
wird
das zum *A b trock n en b en u tzte T u ch an ein en d un klen,1 ein sa m en Ort s-eO
le g t und darf von k ein em M enschen w ied er g eb rau ch t w erden (A m U rd sB runnen 7, 120).
m it
In L eh n h eim b ei G rünberg w ird
dem W asch w asser
u nter
den Sarg
sob ald der Sarg aus der S tu b e
d ie
S ch ü ssel
1 01).
B ei
zu
getragen
m ö g lich st v ie le n
d en H u zu len
oder
w ird,
S ch erb en
ste llt m an
d ie
u nter
ird en e
S ch ü ssel
d ie L e ic h e
g e ste llt;
zertritt ein L eich en trä g er
(H ess. B lä tter f. V o lk sk . 6 ,
zu H äu pten
d es T o ten
gew ö h n lich
au f ein en u m gestü rzten T o p f ein e U n sc h little u c h te und ein T ö p fch en m it
B ru n n en w asser.
das G esich t;
Mit d iesem
w äsch t m an dem T o ten vor S o n n en au fgan g
das T u ch , das h ierb ei zum A b tro ck n en des G esich tes d ient,
w ird vor der B eerd ig u n g in den Sarg g e le g t,
„dam it sich n iem and dam it
ab trock ne und dem V erstorb en en in den Tod fo lg e “ (G lo b u s 69, 91; vgl.
oben 17, 365).
ab gew asch en
In O elsn itz m uss der L ap p en ,
w ird, von
m it dem der V erstorb en e
ein em sein er K le id u n g sstü c k e a b g esch n itten und
Das Wasser im Totengebrauche.
sp ä ter
m it
in
den
noch L e b e n d en
Sarg
g e le g t
gen om m en ,
so
{K ö h ler, V olk sbrauch S. 440).
w erden.
hat
359
Ist er von der K leid u n g ein es
d ieser
z e itle b e n s
k e in e R u h e m ehr
In O stp reu ssen m uss d ie S ch ü ssel, aus der
ein e L e ic h e ab gew asch en ist, g eg e n ein R ad d es L eic h e n w a g en s gew orfen
w erden,
w enn
B run nen 7,
d ieser
154.
sich m it der L e ic h e in B e w eg u n g setzt (A m U rd s-
L em k e,
in O stp reu ssen 1 , 56).
V olk stü m l.
A uch
in
M eck len b u rg wird d ie S ch ale zersch lagen , S eife und T u ch m it in den Sarg
g e le g t (B a rtsch ,
Tode
S agen 2,
d ie W asch sch a le,
91).
aus
In B r a u n sc lm e ig
der
w ird
nach
erfolgtem
m an den K rank en g ew a sch en hat,
zer­
sch la g en (A n d ree, B raun schw eig. V o lk sk u n d e S. 224).
V erh än gn isvolle W irk u n gen hat n am en tlich das L e i c h e n w a s s e r s e l b s t ,
an dem n unm ehr d ie sch ä d lich e Substanz haftet,1 w en n es n ich t sorgfältig;
D O
b e se itig t
w ird.
In M eck lenb urg
w ird
es
so
au sg eg o ssen ,
dass niem and
darüber geh t, wo w ed er Mond noch Sonn e sch ein t; das n en n t m an „:ne G aet
g e ite n “.
W er
etw a darüber geh t, dem w id erfäh rt g rosses L eid ,
m uss sterb en (Bartsch, S agen 2 , 91).
4,
Ä h n lich
281) und S c h le sie n (o b en 3, 150 f.).
traufe
g eg o ssen ,
d ich t
an
der
d er
Stirn
H ausm auer
d ie
in B öh m en (A m U r-Q u ell
O der
es
w ird
unter
die D a ch ­
oder auf dem K irchhofe u nter ein em Strauch oder ganz
Ü b e rlief. 2, 1, 295).
G e sich t w äscht,
oder er
vergrab en
W en n
m an
(D rech sler,
ein em Ju n gen
b ek om m t er k ein en Bart,
H aare
au sw achsen ,
soll
S ch lesien s
volk stü m l.
m it L e ich en w a sser
das
und w enn ein em M ädchen auf
man
sie
m it L e ic h e n w a sse r
da
w asch en , w o d ie H aare n ich t w ach sen sollen , ab er n ich t w eiter (S c h u le n ­
burg, W en d isch e V o lk ssa g en S. 234).
g e le g e n
hat,
D a s Stroh,
d ie B ra n d stelle w eg g e g o ssen .
W er
darüber geh t,
V ö g e l etlich e M ale darüber h in w eg g eflo g en sind,
(S c h u len b u rg , W en d isch e V o lk ssa g en S. 110).
L eic h e n w a sse r
in s
F eu er
oder
in
der T o te ja
auch
eb en d ah in
S ch erb en
dem
dem
N achbarn
w erden
L e ic h e
W en n aber
es n ich ts m ehr
In R ö tz sch ü ttet man das
oder in
(v g l.
auch
John,
ein e E c k e des H a u ses,
d ie
„in
pflegt m an
den
es
an ein en a b g ele g en en Ort
G ren zfried en “ (Z au n)
b eim W asch en
zu
geb rau ch ten T ü ch elch en
schü tten ;
und die
der m it F le is s zerb rochenen W a sch sch ü ssel g ew orfen (A m U r-
Q u ell 4, 50 f.).
au s
d ie
n ich t w ied er k e h r e“ (S ch ön w erth , O berpfalz 1 , 252).
B e i den S ieb en b ü rger S ach sen
oder
verdorrt.
schad et
fiiessen d es W a sser
S itte im d eu tsch en W estb ö h m en S. 171)
„dam it
auf dem
w ird au f dem F e ld e verbrannt und das L eic h e n w a sse r über
H a u se
In M asuren
w ird
das L eic h e n w a sse r
h inter
dem
Sarge
g eg o ssen (T o p p en , A b ergl. a. M asuren S. 108), in O st­
p reu ssen vor d ie H austür im K reuz, „dam it der V ersto rb en e n ich t k om m e
und
sp u k e “ (A m U rd s-B ru nn en 7,
O stp reu ssen s S. 286).
154.
T etta u u. T em m e,
V olk ssa g en
W ird es aber vor dem B e g rä b n ista g e au sg eg o ssen ,
so findet der T ote k e in e R u h e (L e m k e , V olk stü m l. in O stp reu ssen 1 , 56).
A us d em selb en G runde m uss m an in S ch w ed en
a u sg iessen (G lob u s 83, 45).
sofort das L eich en w a sser
Sartori:
360
A nd rerseits w erden aber,
w ie
das
b ei
der L e ic h e verw a n d te L ic h t
(ob en 17, 3 7 3 ), so auch d ie b eim W a sch en d es T o ten g eb rau ch ten S ach en
und
das
L eic h e n w a sse r
se lb st
zu
fr u c h te n d e m
Z a u b e r gebraucht.
g etro ck n et ist,
hat in Storm arn
U rd s-B ru n n en 7, 120).
a lle r le i
h e ilk r ä ftig e m
D as T u ch ,
und
b e­
m it dem die L e ic h e ab­
b e i T ier en h eilb rin g e n d e W ir k u n g (A m
E b en so in M eck len b u rg (B a rtsch 2, 91).
In B ern
b in d et m an d iese s T u ch um ein en A pfelb au m m it sü ssen Ä p feln ; w en n e s
v erfau lt ist,
fru ch tb ar
T op fe,
dann
w erden
w orin
ist der T o te auch verfault,
(S c h w eize r.
das L e ic h e n w a sse r war,
und H ir se d urch sch ütten
(S c h u len b u rg ,
P u lv er
w u rd e,
von
A rchiv
W en d .
und
so ll m an
und d ie säen,
V olk stu m
den verbrann ten
zu
sehr
8 , 274 f.).
den B od en
D em
au ssch la g en
dann fressen sie d ie Y ö g e l n ich t
S. 110).
T ü ch ern ,
das L e ic h e n w a sse r
und der B aum w ird
f. V o lk sk u n d e
In
N o rd th ü rin g en , w ird
m it denen
a llerlei
der T o te
S y m p a th iem itteln
das
g ew a sch en
verw and t
(o b en 13, 3 8 9 ).
W en n zw ei h eiraten w ollen , so ll d ie Braut dem B räutigam
das H em d
dem S tü ck S e ife w a sch en ,
w orden ist,
m it
m it dem der T o te g ew a sch en
dann w ird er ih ren W ille n tun
sagen S. 24 3 ).
In L eob seh ü tz geb rau ch t
(S ch u len b u rg ,
m an
W en d . V o lk s­
das n a sse W a sch lä p p ch en
g eg e n W arzen (M itteil, der sch les. G e sellsch . f. V o lk sk u n d e 14, 87).
der K a ro lin en in sel O leai p flegt m an das W a sser,
K in d er g ew a sch en sin d, zu trin k en (G lob u s 88 , 20).
h eb t m an m itu n ter
ein en T e il
T ru n k su ch t (oben 6 , 408).
d es L e ich en w a ssers
In Iglau in M ähren
au f als M ittel
g eg e n
U n ter der S e k te der N o ssa irier g ib t es h e ilig e
L e u te, d ie nach ih rem T o d e zu W e lis w erd en .
L eich n a m e vor
A uf
in d em d ie g esto rb en en
der B esta ttu n g
D a s W a sser,
g ew a sch en w erden,
v er teilt
w om it ih re
m an
an
d ie
G läu b igen ; es g ilt als w u n d ertätig (C urtiss, U rsem it. R e lig . S. 191) *).
1) Auch später noch wirkt das W asser, das m it einem Toten in Berührung gekommen
ist, heilkräftig. In einigen Orten Armeniens schützt man sich vor Krankheiten dadurch,
dass man am Grabe des Letztbeerdigten in eine Grube W asser giesst, dieses austrinkt,
sich das G esicht wäscht und die Brust bestreicht. Wenn man wirklich krank ist und als
Veranlasser der Krankheit einen Verstorbenen vermutet, verfährt man ähnlich (Abeghian,
Der armenische Volksglaube S. 13 f.). — Übrigens werden auch dem W asser des ersten
Bades des Neugeborenen (W uttke, Volksabergl. § 579) und dem T a u f w a s s e r allerlei
zauberische Wirkungen zugeschrieben. In Pommern dürfen Mädchen nicht m it solchem
Wasser getauft werden, in dem schon Knaben getauft sind, sonst kriegen sie einen Bart.
Das Taufwasser wird aufbewahrt und als H eilm ittel benutzt. Anderswo muss es aber
auch w eggegossen werden an einen Ort, wohin weder Sonne noch Mond scheint. Kinder­
lose Leute lassen es sich vor die Haustür giessen, dann kriegen sie auch Kinder (Am
Ur-Quell G, 146; vgl. Bartsch, Sagen 2, 47). In Hessen muss man das Taufwasser an
einen Rosenstrauch schütten, dann bekommt das Kind rote W angen (Wolf, Beitr. z.
deutschen Mythol. 1, 207). Nach walionischem Glauben muss man das W asser vom ersten
Bade des Kindes ins Feuer schütten, um Bezauberung zu verm eiden (Monseur, Le folklorc
wallon S 37). Schon nach babylonischem Glauben zieht sich, wer aus Versehen in aus­
geschüttetes W asser tritt, m it dem rituelle R einigung vollzogen ist, dadurch seinerseits
die darin enthaltene Unreinheit zu (Anz, Zur F rage nach d. Ursprung d. Gnostizismus
S. 103 f.).
Das Wasser im Toteügebrauche.
In der L an d sch aft A gam auf Sum atra glau b t m an:
storb en ist,
ro llt
Art von H e x e n )
das vom R u m p f
w ie
w enn jem a n d g e ­
ab gerissen e H au pt der p a la sik (e in e r
ein e K ok osn u ss
über
den B od en
und
b e g ib t sich
u nter das S terb eh aus, wo es das W asser, m it dem d ie L e ic h e g ew a sch en
w orden ist, au fleck t (W ilk e n , H e t an im ism e usw . 1 , 27).
den T o g o n eg ern
u n sich er ist,
ob
W en n m an b ei
der V erstorb en e S ch u ld en
h atte
n icht, w äscht m an der L e ic h e d ie Z ähne und h eb t d ies W a sser
F lä sc h c h e n auf.
K om m t nun n ach träglich jem an d
so glau b t man ihm erst dann,
w en n
od er
in ein em
m it ein er F o rd eru n g ,
er zum B e w e ise
der W a h rh eit von
d iesem M undw asser trin kt (G lob u s 72, 42).
B e i den S üd slaw en
oder
A b k och u n g
d es
ze igOt d ie R au ch w en d u n <g-? bei der Totenw aschuno;
O
B ad ew assers
ein en
k ü n ftig en T o d esfa ll
an
(oben
2 , 186).
Im ü b rigen b ew eisen auch a n d e r e S ä u b e r u n g e n , d i e m a n au
d e r L e i c h e v o r n i m m t , das B estreb en , die ihr noch anhaftende, gefa h r­
b rin g en d e Sub stan z, v ie lle ic h t auch die b ei ihr noch v er w eilen d e S e e le
se lb st zu versch eu ch en . N am en tlich H aare und N ä g el sch ein en g e e ig n e t,
U n tersch lu p f zu gew äh ren . B e i den alten In dern g eh örte zu den P flich ten
der A n geh örigen ,
den T o ten vor der B estattu n g zu baden,
zu w asch en und dann H aupthaar,
Bart,
ihm den Bart
H aare am K örper und N ä g el
zu
sch n eid en (C aland, D ie altind. T o ten - und B esta ttu n g sg eb rä u ch e S. 1 4 .3 9 .
O ld en b erg, R e lig io n d. V eda S. 4 2 6 f.).
Ä h n lich e B räuche z. B .
auch b ei
R um änen (F la ch s, R um än. H o c h z eits- und T o ten g eb rä u ch e S. 45), S ie b e n ­
bürger S ach sen (Am U r -Q u e ll 4, 5 1 ), C hew suren (G lo b u s 76, 210), A k ra­
n egern (eb d . 65, 229).
g ew a sch en ,
A u f T am i w ird
H in terk op fh aare,
d ie L e ic h e m it K ok osn u ssw asser
A ugen b rau en
und Bart
abrasiert und
das
G esich t b em alt (A rch iv f. R elig io n sw iss. 4, 343 ; v g l. auch noch W ilk e n ,
Ü b er d. H aaropfer 2, 370, A nm . 124. 387, A nm . 165).
D ie p a lä stin en sisch en
Juden rein ig en in um ständ licher W eise auch das gan ze In n ere d es K örpers
m it W a sse r (A m U r-Q u ell 5, 264).
E s m ag g le ich h ier b em erk t w erden,
dass,
sta ttu n g
d iese oft
d e r G e b e i n e ü b lich
verbu n den
b isw eilen
(P r eu ss,
121 ff.),
K in d e
ist.
So w erden
m ehrm als
b ei
is t,
den N isk w a lli
a u sgegrab en ,
B egräb nisarten
auch
g ew asch en
der A m erik an er
w o ein e
ern e u te
B e­
m it A b w aschu ngen
am P u g e t Sound L eich en
und von
n eu em
b eerd ig t
und N ord ostasiaten S. 130; v gl.
ln ein ig en G em ein d en R u m än ien s w ird d ie A usgrabu n g b ei einem
nach
drei,
b ei Jü n geren
Jahren vorgen om m en .
nach
fü n f und
b ei A lten
nach
sieb en
D ie G eb ein e w erden m it W ein g ew a sch en und von
n eu em b esta ttet (F lach s S. 6 2 f.).
D o ch k eh ren w ir zur B eh an d lu n g der L e ic h e
zurück.
des eben V erstorbenen
In k a th olisch en G egen d en ist es S itte, dass d e r im H a u s e a u f ­
g eb a h rte
T o t e von
den B esu ch ern
aus
ein em n eb en ihn h in g e stellte n
G efäss m i t W e i h w a s s e r b e s p r e n g t w ir d (v g l. z. B. S chönw erth, O ber-
Sartori:
p falz 1 , 246.
B räuche
B irlin ger, A us S ch w ab en 2 , 314.
des V o lk es
in Ö sterreich
S. 311.
Y er n a lek en ,
B u lle tin
M ythen und
de fo lk lo re 2, 3 4 0 ).
Im S tu baital in T irol tut m an es, „dam it k e in e u n rein en G eister in sein e
N ähe k o m m en “ (ob en 3, 175 f.),
in der S ch w eiz,
„dam it d ie S e e le
sich
ans k a lte W asser gew öh n en le r n e “ (R o ch h o lz, G lau b e und B rauch 1 , 173 f.).
An v ie le n B e isp ie le n ist ob en (17, 363 ff.) g e z e ig t w ord en ,
w eitv erb reiteter S itte
zum
Z w eck e
neben
sch ü tzen d er
D ie n st verrich tet h ier
d ie
noch
A b w eh r
und
dass nach
im H a u s e w e i l e n d e
ein L ich t
g e s te llt
da das W a s s e r 1).
An
w ird.
L e ic h e
D e n se lb e n
m anchen
O rten
der
S ieb en b ü rg er S ach sen steh t, so la n g e der T o te noch ‘iw er iern lo a t1, unter
der
oder
T oten b an k
ein Z uber v o ll W asser,
„dam it
d ie V erw esu n g v e r z ö g e r e “ (S ch ü ller,
es
P rogr.
den G eruch
a n zieh e
S ch ässb u rg 1863,
44).
Ä hn lich verfährt m an in B u rg im S preew ald , „dann lä u ft d ie L e ic h e n ich t
auf, und d ie G esch w u lst zieh t
tum S. 112).
In
in s W a sse r“ (S ch u len b u rg ,
der O berpfalz le g t m an,
„dam it
die
W en d . V o lk s­
L e ic h e n ich t
auf­
sc h w elle und ü b e r g e h e “, ihr B ü g elsta h l au f d ie B rust oder ein F eu er eisen
auf den B auch und ste llt
unter
das S terb eb ett k a lte s W a sser m it einem
S tein darin, w elch es zu T a l zieh t (S ch ön w erth , O berpfalz 1, 2 4 6 ). „ D a m it d ie en tw ich en e S e e le vor B e g in n der W an d eru n g in s J en se its sich stä r k e “,
w ird von ru ssisch en B auern au f das F en ster b r ett
a u fg e ste llt
(G lob u s 5 9 ,
B erich t d es
m acht m an
2 3 6 ) 2).
18. Jahrhunderts:
alle F e n ste r
w eih tes W asser h in ein ,
V on
den
„S obald
ein e T a sse m it W a sser
ru ssisch en
ein er
L ap p en
den G eist
sagt
ein
a u fg eg eb en hat,
in der K am m er auf, b rin g t ein B e c k e n v o ll g e ­
se in e S e e le darin zu b aden,
und hat S o rg e, ihm
ein S tü ck B rot von K orn aufs H au p t zu le g e n “ (o b en 11, 4 3 5 ).
Mit d ieser A n sch au u n g von der ab w ehren den und sch ü tzen d en K raft
d es W assers sch ein t es nun in ein em g ew issen W id ersp ru ch e zu steh en ,
w en n an d ererseits v ie lfa ch v o rg esch rieb en w ird ,
T o d esfa lles
im
H a u se
vorh an dene
W asser
a lle s b eim E in tritt ein es
a u sz u sch ü tte n .
So
m üssen in der S ch w eiz, u n m ittelb ar nachdem jem a n d v er sc h ie d e n ist, das
im W oh nzim m er h än gen d e W eih w a sserg esch irr und
in
der
K ü ch e
der
AVasserzuber au sg eleert w erden, denn „des V erstorbenen S e e le ist darüber
g e k o m m e n “.
D e r E s sig
in
der F la sc h e w ird g esch ü tte lt,
an d ie W e in ­
fässer w ird gek lop ft, son st fault E ssig und W ein ; a lle M ilch b eck en m üssen
m in d esten s geh o b en w erd en ; anderw ärts m isch t m an ein en T ro p fen frisch en
WTassers in d ie G eschirre (R o ch h o lz, G lau b e 1, 176; v g l. Z eitsch r. f. d eu tsch e
M ythol. 4, 178).
aus
den
In U ntersteierm ark und K rain
G efässen
Sm rt (T odesfrau)
aus,
se lb st w en n
es
a lles au strin ken w ürde
g ie sst m an a lles W asser
ganz frisch
ist,
(ob en 1, 157).
w eil son st
die
In P o le n
darf
1) In Indien bedeutet ein m it W asser gefülltes Gefäss Glück (Zachariae oben 15, 77
Anm. 4).
'2) V gl. damit das Licht im Fenster (oben 17, 361).
Das Wasser im Totengebrauche.
m an k ein W a sser
in
ein H au s b rin gen ,
v erd irb t (A m IJ r -Q u ell 3, 51).
w o ein e L e ic h e
D ie Ju d en
W o h n h a u se
d es
S p ie g e l um
(D e r U rq u ell, N . F . 2, 108).
w ird
in
V erstorb en en
a lle s
363
lie g t,
in O stg a lizien
T rin k w a sser
B ei
aus
und
denn
es
schü tten
im
k eh ren
a lle
den sü drussisch en
drei N achbarhäusern je d e r se its das W asser a u sg eg o ssen ,
Juden
„dam it
der T o d e se n g e l darin se in S ch w ert n ich t ab w aschen k a n n “ (G lob us 91, 360).
D ie Juden in der B u k ow in a en tfern en a lles W asser, w e il der T o d esen g el
se in S ch w ert darin g ew asch en
hat
w erden,
H aus
sobald
der
Sarg
das
(G lob u s 80,
159).
verlassen
hat,
In
W estb ö h m en
der T isch
und
die
S tü h le in der S tu be u n igestossen , das H afen w asser a u sgesch öp ft, das G las
m it W eih w a sser, das n eb en dem Sarge stand, zerb rochen (John , S itte im
d eu tsch en W estb ö h m en S. 174).
b eh ä lter zu g ed eck t,
zum W asser hat,
in
B ei
den R u m än en w erden a lle W a sse r­
da son st d ie S e e le ,
d ie ein en a u sgesp roch en en H a n g
ein W a sserg efä ss fa llen und
darin ertrin k en k önn te
(F la ch s, S. 44). A us d em selb en G runde w erden auch in m anchen G egenden
F ra n k reich s a lle Wrasserg efä sse en tleert (M elu sin e 1 , 97. 456.
trad. pop. 10, 370).
m an n ich t in
R e v u e des
In R a o n -a u x -B o is b eh au p tet m an, es g esch eh e, dam it
dem d u rch sich tigen K ristall
d es W a ssers
den K am p f des
T o ten m it dem T e u fe l und den E rfolg des le tzteren seh e (M elu sin e 1 , 146);
in P o ito u , w e il sich die S e e le darin gew a sch en hat und m an das W a sser
nicht
geb rau ch en w ill.
H ie r
b ed eck en
m anche
ein e m S ch leie r (R e v u e des trad. pop. 8 , 4 20).
W asser w egsch ü tten und sich h üten
auch
den
S p ie g e l
m it
In B e lg ie n m uss m an das
es zum K affee zu g eb rau ch en ,
denn
die S e e le ist durch a lle d iese G efässe geg a n g en , um sich zu rein ig en , eh e
s ie d ie E rde v erlässt
V o lk sk u n d e
(B u ll, de folk lo re 2, 345; vgl. auch L ieb rech t,
S. 350 f.).
N ach V in tlers
Zur
‘B lu m en der T u g en d ’ (g ed . 1411)
tragen m anche, w enn man d ie L e ic h e aus dem H a u se bringt, a lles W asser
aus dem H au se (G rim m , Mytli. L IV ).
A us d iesen G ebräuchen und ihrer B egrü n d u n g g eh t hervor, dass m an
für das im H a u se b efin d lich e W asser d ie G efahr der V eru n rein ig u n g und
In fek tio n durch d ie M ächte d es T o d es oder durch d ie vom L eich n a m
a u sg eh en d e G efahr oder auch durch d ie ab sch eid en d e S e e le se lb st fü r c h te t1).
1) Hier kann sich die Vorstellung in der Richtung weiter entwickeln, dass die Seele
geradezu durch das Wasser angelockt und festgehalten wird, etwa w eil sie sich darin
baden, davon trinken w ill, oder auch nur sich darin spiegelt. Das Verhängen des Spiegels
im Sterbehause ist ja, wie schon einige der oben angeführten B eispiele zeigen, oft mit
dem Ausschütten des W assers verbunden (vgl. v. N egelein im Archiv f. Religionswissensch.
5, 22 ff. öo. Zachariae oben 15, 74 ff.). Mir scheint dies Verbot auf derselben Vorstellung
zu beruhen, nach der die N ennung des Namens seinen Träger ‘bannt’. So wird auch die
Seele (oder was sonst in Betracht kommt) durch das Erblicken im Spiegel an den Ort
gebannt und am Entweichen verhindert. Ähnlich wird ja auch der Spiegel gebraucht,
um Tiere ans Haus zu fesseln (vgl z. B. Bartsch, Sagen 2, 158. W itzschel, Thür. Sagen
2, 279. 2S0. 281). Nun m ag es wohl Vorkommen, dass Spiegel und W asser gelegen tlich
in der V orstellung identifiziert werden. Als die Bakairi zum erstenmal eineu Spiegel
Sartori:
364
H ie r h and elt
es
sich eb en n ich t um W a sser, das zu dem au sdrücklich en
Z w eck e der R e in ig u n g und A b w eh r b estim m t ist, sondern um ein en T e il
des H au svorrates, der w ie M ilch,
E ssig , W ein , S p e isen u sw . zum G enuss
der L eb e n d en d ien en so ll, nun aber
durch d ie B erü hrun g
w eich en d en S e e le oder der u n k lar em p fu n d en en ,
die Ü b e rle b e n d en
gefah rb rin gen d
m it
der en t­
to d w irk en d en K raft
für
w erd en k a n n 1).
R e c h t d eu tlich z e ig t sich w ied er d ie ab w eh ren d e M acht des W a ssers,
w enn d i e L e i c h e
d a s S t e r b e h a u s v e r l ä s s t , um b esta ttet zu w erden.
A n v ie le n O rten fin d et
sich
der Brauch,
in d iesem A u g e n b lic k e W a sser
h in ter ihr h erzu g iessen , um n eu e T o d e sfä lle oder ein sp u k h aftes W ie d e r ­
ersch ein en
d es
v. W orm s
(G rim m , M yth. X X X V I I ;
V ersto rb en en
B rauch 1 , 1 7 6 f.
B eitrag
zu verh in d ern .
L e o p r ec h tin g ,
in S o n n eb erg ein e L e ic h e
h in ter
D a m p f zieh t,
ihr
L ech ra in
aus
d ieser G egen d
und
g ie sst
der B ah re
so w ird sich
oder
sich
266f).
W en n
so w ird
h e iss e s
der
d er n ä ch ste T o d esfa ll
WTirft m an der L e ic h e F eu er
(B artsch,
T oten w äsch erin
das
dem L e ic h e n w a g en
aus.
(T o p p en ,
S a g en 2, 96).
In H o h en ­
au fb ew ah rte L eic h e n w a sse r
D as
G eist d es T oten zu rü ck k om m en w ill, w ird
und da k ann er n ich t h inü ber
P a n zer,
nach w elc h e r R ich tu n g
h in w ird
und
der G eist d es G estorbenen n achher n ich t
n ich t im H a u se z e ig e n
d ie
ob en 11,
dem H au se getragen ist,
ereign en (W itz sc h e l, T h ü rin g. Sag. 2, 258).
stein
Burchard
G laube
S. 250. V o lk sk u n d e 1 3 , 96.
v. N e g e le in ,
zur T ür h in a u sg eg o ssen ;
nach
und W asser nach,
rühren
b ei
K uhn, W estfä l. S agen 2, 49. Märk. S agen S. 368.
1 , 257.
F e ilb e r g , D an sk B o n d e liv 2, 116.
W asser
So schon
vgl. ferner R o ch h o lz,
so ll b ed eu ten :
h in ter
w en n der
ein S ee vor dem H au se sein ,
M asuren S. 108; -vgl. A m U rd s-
B runnen 7, 154). In N eu n b u rg w äsch t d ie P erso n , d ie b e i der B e er d ig u n g
zu H a u se b leib t, d ie H än d e und g ie sst das W a sse r der L e ic h e nach
(S ch ön w erth , O berpfalz 1 , 252).
u nter
dem S arge
Hausflur und
d ie
gestan d en
S te lle ,
wo
In S c h le sie n w ird m it dem W a sser,
hat, b eim H in au stragen
der Sarg
dreim al b esp ren gt (D r ec h sler 2, 1 , 295).
der L e ic h e
m it der L e ic h e
das
S tu b e,
gestan d en
hat,
In W a ld ec k sch ü ttet m an ein en
E im er v o ll W a sser h inter der L e ic h e h er und fe g t aus dem H a u se; dann
sp uk t sie n ich t
(C u rtze, V o lk siib er lie f. aus W a ld eck S. 3 8 4 ).
E in e F rau
sahen, nannten sie ihn Wasser (v. d. Steinen, Unter d. Naturvölkern Zentral-Brasiliens
S. 75; vgl. auch Zachariao oben 15, 84. Anm. 3). Andererseits ist W asser im Rätsel
= Spiegel ohne Glas (Zeitschr. f. deutsche M jth. 1, 164).
1)
Wie man bemüht ist, beim Todesfälle alle m öglichen G egenstände im Hause
durch Anrühren, Schütteln, Um giesseu u. dgl. zu sichern, habe ich in der Zeitschr. f.
rhein. u. westfäl. Volkskunde 1, 41 f. gezeigt. W ein, E ssig, Milch usw. sind zu wertvoll,
um, wie es eigentlich erforderlich wäre, ganz beseitigt zu werden: beim W asser geschieh t
es. Dem in den Hof geleiteten Brunnenwasser dagegen wird der Todesfall nur angesagt
(bei Görlitz: Drechsler, Schlesiens volkstüm l. TTberlief. 2, 1, 291). Übrigens entspricht
dieser Sitte des W asserausschüttens der oben (17, 371, Anm.) angeführte Gebrauch, bei
einem Todesfälle das Herdfeuer auszulöschen.
Das Wasser im Totengebrauche.
au f dem E ich sfe ld e,
W a sser a u sgiesst,
die
h in ter
der
L e ic h e
erklärt das dam it:
'3 6 5
ih res K in d es
ein en
„dass n ich t auch noch
E im er
ein anderes
K in d stirb t“ (W ald m an n , P rogram m H e ilig e n sta d t 1864, S. 19). Im h eu tig en
G riech en lan d sch ü ttet m an in dem A u g e n b lic k e , wo d ie L e ic h e das H au s
v erlä sst,
ein en K rug
m it W a sse r aus und zerb rich t auch w ohl den K rug
se lb st (W asm annsdorf, P rogr. B erlin 1884, S. 9).
A uch d ie S e e -D a ja k e n
von Saraw ak zersch m ettern in dem A u g e n b lic k , w o d ie L e ic h e zur W oh n u n g
h in a u sgetragen w ird, ein en K rug m it W a sser auf dem F u ssb o d en (W ilk e n ,
Ü b er das H aaropfer 1, 2 4 6 ) 1).
In
A rk adien
v o rb ei g e h t,
m uss
m an,
w enn
e in
L e ic h e n z u g
b e im
ein e K anne W asser au sg iessen und sp rech en :
ihm sein e S ün de v erg eb en ,
dass
H au se
„M öge G ott
sie uns n ich t e r r e ic h e “ (G lobus 65, 55).
In W a h rh eit w o lle n sich dadurch d ie Ü b e rle b e n d en sch ü tzen , w ie andersw o
(o b en 17, 3 6 8 )
A uch
L e ic h e
in
b ei
d erselb en G e leg e n h eit durch A nzün den von L ich tern .
der G egen d von D am ask u s sch ü ttet b eim V o rb eip a ssieren einer
das g ew ö h n lich e V olk das W a sser
U rsem it, R e lig io n
S. 231, A nm . 2).
aus den K rügen aus
(C u rtiss,
In F a lk e n ste in w ird a u f dem W e g e
zu m K irchhof vor jed em W e g e k r e u z a b g ese tz t und der Sarg unter G ebet
m it W eih w a sse r
b esp ren gt
und
m it
W eih rau ch
b eräu ch ert
(B u ll,
de
fo lk lo re 1, 253).
W e il das W asser also g eg en ü b er dem T oten und a llem , w as von ihm
a u sgeh t, h ind ernd e und ab w eh ren d e K raft z e ig t 2), w ird es h ier und da
v e r m ie d e n , e in e n T o te n a u f d em W e g e zu r B e e r d ig u n g ü b er
1) In Armenien wirft und zerschlägt man hinter einem Toten wie hinter einem
Feinde Töpfe m it den Worten: „Geh und komm nicht zurück“. Dasselbe tut man, wenn
ein Feind vom Hause fortgeht, dagegen, wenn ein Freund fortgeht und man baldige
W iederkehr wünscht, giesst man hinter ihm W asser aus (Abeghian, Der armenische Volks­
glaub e S. 12). W asserausschütten wird auch sonst gegen dämonische W esen angewandt,
z. B. gegen H eien (W itzschel, Sagen aus Thüringen 2, 2G2). Über die Gefährlichkeit des
W asserausschüttens überhaupt s. oben 3, 36. Wasser, das vor der Tür ausgegossen wird,
muss man entweder dicht vor seinen Füssen oder an die Wand giessen, weil man sonst
einen der sich gewöhnlich an den Haustüren aufhaltenden Geister begiesst und dieser
dann traurig ist (Toppen, Masuren S. 112).
2) Wasser hält ja überhaupt alle m öglichen dämonischen W esen zurück. Gespenster
müssen vor einem Bach haltmachen (Kuhn, W estfäl. Sagen 1, 179. Hüser, Progr. Brilon
1893, S. 25; Progr. Warburg 1898, S. 9. 15. Liebrecht, Zur Volkskunde S. 317). Hexen
können nicht über Gewässer (Hüser, Progr. Warburg 1898, S. 13); auch Irrlichter nicht
(Schönwerth, Oberpfalz 2, 98; ßoehholz, Aargausagen 2, 8 5 f.). In einem Märchen der
Awraren (Kaukasus) kann die Kart, eine Unholdin, ein Gewässer sogar trotz der Brücke
nicht passieren (Liebrecht a. a. 0 .).
Gegen die Drud stellt man die Füsse der Bettlade
auf Ziegelsteine und diese in ein Gefäss m it W asser (Schönwerth, Oberpfalz 1, 227; vgl.
Laistner, Rätsel d. Sphinx 1, 196). Auch die Laumen nähern sich keinem Bett, unter
das man ein Glas Wasser oder eine Schüssel mit Wasser und Brot gestellt hat (Veckenstedt, Mythen d. Zamaiten 2, 98). Die Rakshas überschreiten nicht die Wasser (Oldenberg,
R elig. d. Veda S. 489). Dämon des M eltaus wird durch einen Wasserring, in dem nur
«ine schmale Öffnung gelassen wird, zum Entweichen gebracht (Crooke, Populär religion
and folklore of Northern India S. 380). Für den wilden Jäger bildet ein Bach ein un-
Sartori:
366
W a sse r zu fü h r e n .
doch
d ie S eele
und B u g in ese n
W en n auch der K örper h inü berk om m t,
Z urückbleiben m ü ssen .
b ei
D arum
m ach en
einem B eg rä b n isse oft ein en U m w eg ,
m öglich das P a ssie re n
der F lü sse zu v erm eid en
so k ö n n te
d ie M akassaren
um
so v ie l
als
(W ilk e n , U b er d. H aar­
opfer 1 , 249, A nm . 9 7 ) 1).
W en n
m üssen
das Ü b ersch reiten
dem nach
von G ew ässern
b eson d ere V ork eh ru n gen
n ich t
zu u m geh en
getroffen w erden.
D ie
ist,
so
K a si-
In dian er le g e n , w en n der L e ic h e n z u g zu fä llig ein e P fü tze p a ssieren m u ss,
ein en Strohhalm für d ie S e e le d es T o ten n ied er, dam it sie ihn als B r ü c k e
b en u tze (D e n n y s, T h e fo lk lo re o f C hina S. 24).
W en n in V orarlberg ein
L e ic h e n z u g ü ber ein B ä c h lein geh t, so w ird h altgem ach t,
quer ü ber das W ä sse rle in g e s te llt und
f. d eu tsch e M ythol. 2 , 53 f.).
w en n d ie L e ic h e
über
zu, um
2, 20 5 ).
B asto
„ S o v iel E n g e l
w ie Sand in s W a sser fä llt.“
n ich t
(P o rtu g a l)
e in e B rü ck e m uss,
W a sser und sp rech en d ab ei:
b eg le iten ,
In
das G eräusch
im W asser
A uch b ei den R u m än en
geh t
der T oten b au m
ein V ateru nser g e b e te t
w erfen
(Z eitsch r.
d ie B e g le ite r ,
H ä n d e v o ll fein en S an d es in s
so llen
dich
D a b e i h a lten
zu hören
in
den H im m el
sie sich d ie Ohren
(D e r U r-Q u ell,
N. F.
der L e ic h e n z u g über K reu zw eg e,
iiberwindliches Hindernis, falls nicht einer, der ihm begegnet, seinem Pferde von dem
W asser desselben zu trinken gibt (Pommern: oben 13, 185). Kraukheitsdämon kann nicht
über W asser (oben 13, (56). Am Tage darf man nicht kochend heisses Wasser auf den
Boden giessen, weil es unter die Erde sinkt und die Füsse der Kinder der bösen G eister
verbrennt. Am Abend aber giesst der abergläubische Armenier überhaupt kein W asser
auf die Erde, denn die Bösen sind dann überall auf der Erde anwesend und würden sich
rächen, wenn sie durch W asser belästigt würden (Abeghian, S. 31 f.). Zauber wird durch
Wasser unterbrochen und aufgehoben (Liebrecht, Gervasius v. Tilbury S. 65). Fausts
Pferde werden, als sie das W asser des Flusses berühren, zu Strohwischen, was sie vorher
waren (Wolf, Beitr. z. deutschen Mythol. 2, 369 f., wo noch mehr). W ill man gut schlafen,
so le g t man einen Schlafapfel des Abends unter sein Kopfkissen; er darf aber über kein
\Vasser getragen werden (Spiess, Volkstüml. a. d. Fränkisch-Hennebergischen S. 153). Auch
nach römischer Anschauung „augurium aquae intercessu disrumpitur“ (Serv. zu Verg. Aen.
9, 24. Liebrecht, Zur Volkskunde S. 318).
1)
Andrerseits zeigt sich auch hier, dass das W asser leicht von dem hinüber­
gebrachten Toten infiziert werden und dann je nachdem schädliche oder heilsam e Kräfte
annehmen kann. In der Ukraine herrscht die M einung, dass man einen Toten nicht über
Wasser führen dürfe,
sonst bringe er M issernte, H unger und ähnliches Unglück. Wo
durch ein Dorf ein Bächlein fliesst, befindet sich auch der Friedhof zu beiden Seiten des
Wassers. Führt man einen Verstorbenen über einen Teich, so verlassen diesen die Krebse
(Am Ur-Quell 3, 51).
In Nebk in der syrischen W üste wurde eine Überschwemm ung
darauf zurückgeführt, dass ein Leichnam über einen W asseilauf geschafft worden war, der
durch den Hofraum eines H eiligtum s floss (Curtiss, Ursemit. R elig. S. 231). W ährend eine
Leiche durchs Dorf geführt wird, holt keine Frau Wasser vom Brunnen, denn es müsste
verderben (Kije, Am Ur-Quell 3, 51 f.). Andrerseits gilt in H essen W asser, über das eine
Leiche getragen wird,
als heilkräftig (Hess. Bl. f. Volksk. 6, 105). Warzen wäscht man
in fliessendem W asser in demselben A ugenblick, in dem eine Leiche darüber geht
(Strackerjan, Abergl. aus Oldenburg 1, 79. W itzschel, Thüring. Sagen 2, 254). Übrigens
verunreinigt auch eine Wöchnerin das Wasser, an das sie geht (Ploss, Das Kind 1, 44 f
Wuttke, Volksabergl. § 576).
Das Wasser im Totengebrauche.
F lü sse ,
B rü ck en
m it a lle rlei
b eson d erem
367
Z erem o n iell (F la ch s, R um än.
H o c h z eits- und T oten geb räu ch e S. 58 f . ) 1).
N ach V o llz ieh u n g der B estattu n g w ird öfters das f e r t i g e G r a b
W asser
b esp re n g t.
E in e r
v erstorb en en
M akuschifrau
m it
b rachten
die
W eib e r W asser, das d er W itw er und d ie S ch w ester der V erstorb en en au f
d ie
a u sgew orfen e
13, 5 5 ).
B ei
u nm ittelbar
E rd e
g o sse n
(K och
den M oham edanern
nach
im
Internat. A rch iv
M oham m ad 1, 413).
f.
E thnogr.
in d isch en A rch ip el w ird das Grab
dem B eg rä b n is m it W a sser b esp re n g t
das H aaropfer 1, 246).
b ei den W orten :
im
(W ilk e n ,
Ü b er
Schon au f A bu B ek rs Grab g esch ah das (S p ren ger,
A uch in G riech en lan d g ie sst fast ü berall der P r iester
„Erde
b ist du,
und
zur E rde
W a sser aus ein em m itgeb rach ten K ruge
so llst
du
auf das Grab,
zu rü ck treten “
der
dann
sofort
zerb rochen w ird — ein G ebrauch, d essen volk stü m lich er U rsp ru ng daraus
h ervorgeh t,
dass er n irgen d s im k irch lich en B egrä b n isritu s
(G lo b u s 65,
54).
A uch
in
d iese n
F ä lle n
w ird
das
erw ähnt w ird
W asser
w ohl
ur­
sp rü n glich zur A b w eh r und B e ru h igu n g des T oten d ien en so llen , o b g leich
m an h ier im m erh in auch
(sieh e
darüber
den R um änen
an ein O pfer und ein e T rän k u n g d en k en kann
m ein D ortm u n der P rogram m 1903,
in S ieb en b ü rgen
sich d ie K inder oder d ie n äch sten V erw an d ten
zu
der Z eit
sein er T rauung
d reim al m it W asser.
S. 1 6 ) 2).
ein W itw er w ied er h eiratet,
sein er v erstorb en en
au f den F r ie d h o f und
S ie g la u b en ,
dass
W en n
b eg ie ssen
das H erz
der
b ei
so b eg eb en
F rau
ihr Grab
T o ten
zu
der
S tu nd e, wo ihr h in terb lieb en er Mann ein en n eu en B u nd der T reu e schw ört,
im G rabe b ren n e, und w ollen den B rand lösch en
h ier
ist
aber
w oh l
storb en en F rau zu b eru h igen .
d ie H in ter b lieb en en
den
E in äh nlich er Z w eck
der B ergdam ara zugrunde lie g en :
zieh en
(G lobus 57, 30).
d ie u rsp rü n glich e A b sich t die,
G eist
A uch
der v er­
m ag fo lg en d er S itte
N ach der B esta ttu n g ein es H ä u p tlin g s
in s F e ld ,
k om m en
nach
etw a
einem Jahre
1) In Erlisbach konnte eine verstorbene Wöchnerin nicht zu ihrem Säugling kommen,
weil ein Bach zwischen Kirchhof und Haus floss. Sobald ein Steg über den Bach gelegt
war, ging es (Rochholz, Aargausag. 1, 57). So werden Geister und Seelen auf (weissen)
Fäden über Wasser geleitet in Bengalen (Crooke, Populär religion aud folklore of Northern
India S. 230. Lubbock, Eutstehung der Zivilis. S. 196 f.), bei siebenbürgischen Zigeunern
in der Johannisnacht (W lislocki, Volksgl. der Zigeuner S. 158), bei den Karenen in Birma
(Tylor, Anfänge d. Kultur 1, 435). B ei deu Abchasen werden die Seelen Ertrunkener
durch Gesang verm ittels einer über den Fluss gespannten seidenen Schnur in einen Sack
gelockt (Globus 66, 43). Auch bei Lebzeiten ihres Körpers müssen der wandernden Seele
gelegen tlich H ilfsm ittel zum Überschreiten von Gewässern geboten werden. Es sei nur
an die Sage von König Guntram erinnert (Griinm, D. Sagen nr. 433).
2) Auch das den Toten ins Grab m itgegebene W asser wird ja zunächst als erquickende
Labsal erscheinen. Das Christen samt Holzkohlen und Weihrauch m itgegebene W eihwasser
freilich soll nach dem Bischof Durandus (1286) verhindern, ne daemones ad corpus
accedaut (Pfannenschmid, W eihwasser S. 139 f.). Das m ag denn doch auf einem V olks­
glauben beruhen, wonach das Grab wie durch Feuer (oben 17, 374 f.), so auch durch
W asser gesichert wird.
Sartori:
w ied er zurück und schlachten ein e Z ieg e an ein er W a sse rstelle iu der N ähe.
D er sie schlachtet, n im m t W asser in den M und und b esp ren g t den B o d en
rund um das Grab herum
und eb en so a lle B ew o h n er
der W erft.
D an n
trin k en a lle A nverw an d ten d es T o ten von dem W a sser und v er sp eise n das
g esch la ch tete T ie r (Irle, D ie H erero S. 157).
V erlassen w ir nun ein stw eilen den T o ten und w en d en uns den Ü b e r ­
le b e n d e n
zu.
D ie s e
h aben
nach
s e lb s t a lle r le i R e in ig u n g e n
ein em T o d esfä lle zu n äch st a n
m it W a s s e r v o r z u n e h m e n .
s ic h
B ei
den
a lten Isra eliten m ussten sich alle, d ie sich durch B erü h ru n g ein e s L eich n a m s
v eru n rein ig t
rein ig en
h a tten ,
durch
ein e
eig en tü m lich e
B esp ren g u n g szerem o n ie
(4. M ose 19; vgl. dazu P fan n en sch m id ,
W eih w a sse r S. 19).
In
A th en ste llte m an an d ie T ür ein e s G em ach es, in dem ein T o ter la g , zur
R e in ig u n g der B e su ch er ein G efäss v o ll rein en , aus ein em frem d en H au se
en tleh n ten W a ssers,
in dem ein L o r b e er zw eig als S p ren g w ed el la g (Mau
in P a u ly -W is so w a s R e a l-E n z y k lo p ä d ie 3, 335.
R ohd e,
P sy ch e
S. 203).
D ie D a k o ta s b en u tzen ein D am p fb ad zur R e in ig u n g vo n der T ö tu n g ein es
M enschen
oder
der B erü hrun g
K ultur 2 , 4 35).
ein e s
L eich n a m s
(T y lo r ,
A n fä n g e
der
B e i den B ah au (B o rn eo ) w erd en sogar, w en n sie ein en
P an th er g esch o ssen h aben, Jäger, H u n d e und W affen m it H ü h n erb lu t ein ­
g e r ie b e n ,
um ih re S e e le n
zu b eru h igen ,
und
d ie M änner m üssen acht
T a g e la n g sow oh l tags als n ach ts b aden (A rch iv für R elig io n sw issen sc h a ft
% *266).
N am en tlich d ie b e i d e r B e s t a t t u n g T ä t i g e n b ed ürfen der R ein ig u n g .
B ei
den H u zu len w asch en sich
d ie
Z im m erleu te
nach
H e rstellu n g
S arges und d ie M änner, d ie das Grab m it E rd e g e fü llt harben,
G rabe d ie H än d e
(G lob u s 69, 90 f . ) 1).
So w asch en sich b e i
des
über dem
den A k ra ­
n egern d ie G rabm acher, n ach dem sie sich la u tlo s an d ie S e e oder an ein en
W e ilie r b e g e b e n
d ie
h aben
(G lob u s 65, 2 2 9 ), b e i
den L eich n a m berührt
oder
den N avajos
d ie
P erso n ,
zum B eg rä b n is fortgeschafft hat
(F irst
anim al report of the bureau o f eth n ology 1 8 7 9 /8 0 , S. 123; B rinton, Myths
o f the n ew w orld p. 127), b ei den N u foresen die T o ten gräb er (S tein m etz,
E th nol. Stud. z.
M alser
ersten E n tw ick lu n g
(S ü d in d ien )
d ie
d.
L eich en trä g er
Strafe 1 , 2 1 7 ),
(G lob u s 60,
14).
beim V o lk e
B ei
den
der
W a-
d sch agga reib en nach dem B eg rä b n is d ie T o ten g rä b er ih re H än d e m it dem
M ageninh alte ein er g esch la ch te ten Z ieg e ab
R u m än en
in S ieb en b ü rgen
das Grab b egon n en
ausserdem
noch
hat,
(G lo b u s 89, 198).
erhält d erjen ig e von
e in e F la sc h e
ein e K an ne
m it W ein
m it B achw asser.
B ei
den
den T oten gräb ern,
der
und
ein b untes T uch,
N ach B e en d ig u n g
ihrer
1) W ie das Bad des ganzen Körpers oft durch das W aschen der Hände ersetzt wird,
so kann auch dies wieder mitunter vereinfacht werden. B ei einer Beerdigung in Dort­
mund am 24. Dezem ber 1907 sah ich, wie die Leute, die den Sarg hinabgelassen hatten,
sofort ihre weissen Zwirnhandschuhc auszogen und ins Grab nachwarfen. Waschen der
H ände in sonstigem Ritus: Pfannenschmid, W eihwasser S. 19. 25. 32. 127. 145 ff.
Das Wasser im Totengebrauche.
A rb eit w asch en
d ie T oten gräb er
m it
369
d iesem W a sser
ih re H än d e
so w ie
ih re b e i dem G raben b en u tzten G eräte (G lob u s 57, 29).
E n tsp rech en d h and eln auch a l l e T e i l n e h m e r a n d e r B e s t a t t u n g .
Ü b er
d ie
v er w ick elte n R iten
b ren n u n gsstätte
der Inder, b e i
durch W a sser
den en
ein e S ch eid eg ren ze
g e s te llt w ird, te ils d ie H in ter b lieb en en
sich
teils
an
der V er-
g eg e n den T o ten h er­
m it W a sse r rein ig en ,
sie h e
C aland, T o ten - und B estattu n gsgeb räu ch e S. 73 f. 74 f. 76 f. 78. 171.
den N uforesen stellen sich
herum ,
n eh m en
ein
L öffels und b rin gen
B ei
d ie T e iln eh m e r am B e g rä b n isse um das Grab
B la tt von
der E rde
auf, falten
es
in F orm
ein es
es ein ig e M ale auf den K opf, als ob sie den In h alt
d es B la ttes darauf au sgössen , w o b ei sie m urm eln „rur iram a“, d. i.
G eist k o m m t“.
n ich t
b ei
D a m it w ill m an
den V erstorb en en b esch w ö ren ,
den A n geh örigen sp uk en k om m e
(W ilk e n .
A u f der M o lu k k en in sel B abar w äsch t m an sich
zu sch eid en
(eb d . 247 f.).
d ie H än de,
A uch b e i
er
H aaropfer 1, 2 4 7 ).
T o n sa w an g in der M inahassa (C e le b e s) H än d e und F ü sse ,
dem T o te n
„der
dass
im D istr ik te
„um sich von
den R um änen
(F la ch s,
H o ch zeits- und T o ten geb räu ch e S. 60) und B u lgaren (Strau ss, D ie B u lgaren
S. 4 5 1 )
w ird
d iese
H än d ew asch u n g
stren g
g esch ieh t d ie W asch u n g am Grabe,
sofort zerbrochen.
d ie
in n eg eh a lten .
dazu
A uf
C ypern
d ien en d en G efässe w erd en
E b en so in A n os in T h rak ien , „um den T o ten n ich t im
T raum e zu s e h e n “ (G lob u s 65, 55).
V ielfa ch w ird
d ie W a sch u n g
in
e in e m
F l u s s e v o rgen om m en .
So
im a lten Japan (F lo re n z , Japan. M ythol. S. 57, A nm . 54), b ei den B odos in
N o rd o st-In d ien (T y lo r,
435 f.),
b ei
A n fän ge d. K u ltur 2, 3 1 ), b e i den S ulu s (eb d . 2,
den N eu seelän d ern
(K lem m , A llg. K u lturgesch. 4, 325),
b ei
den Sam bos und M osquitos in Z en tral-A m erik a (F ir st annual report S. 186),
b ei
den
S alivas
und
C hiruguanos
(K och
Internat. A rch ivs f. E th n ograp h ie S. 83).
im
S u p p lem en t
zu Bd. 13 d.
B e i den M alagassy m üssen nach
ein em B e g rä b n isse a lle L eid tragen d en ih re K le id er w a sch en oder w en ig sten s
einen
Z ip fel
S. 32 6 ).
davon
in fliessen d es W a sser
B e i den B asutos
in
tauchen
S üd afrika m üssen
sie aus der S ch lach t zu rü ck k eh ren ,
(S ib re e,
sich
M adagaskar
die K rieger,
von dem verg o ssen en
w en n
B lu te rein ig en ,
sonst w ürden d ie S chatten der E rsch la g en en sie v er fo lg en und ihren S ch la f
stören.
D ah er
g eh en
sie
in
v o lle r
R ü stu n g
in
P ro z essio n
nach
n äch sten F lu sse , um sich und ih re W affen zu w asch en (T y lo r 2, 4 3 5 ).
G e islitz
b ei
H oyersw erd a
n eh m en
d ie
L e ic h e n b e g le ite r
vom K irch hofe stets durch ein fliessen d es W asser.
dem
In
ih ren R ü c k w e g
A uch im W in te r w ird
d ie B rü ck e n ich t benutzt, sondern das E is au fgeh ack t,
dam it der T rauer­
zug durchw aten kann (H au p t, S agen b u ch d. L a u sitz 1 , 2 5 4 ).
B ei
M eere
den
d ie
g esch ieh t
P ap u as
der
U n rein h eit
au f T a h iti
G e e lv in k s -B a i
d es
T o d es
ab
w asch en
(S tein m etz
(W aitz-G erlan d , A nthropol.
Zeitschr. d. Vereins f. Volkskunde
1908.
d ie V erw an d ten
1,
2 1 9 ).
im
D a sse lb e
d. N a tu rv ö lk er 6 , 4 0 9 )
24
Sartori:
370
und b ei
den
T og o n eg ern
(G lob u s 72,
w asch en
sich
nach
B e g rä b n isse
M eere
und
ein em
schm ausen
alsd ann von
4 1 ).
A u f den
N eu en
a lle T e iln eh m e r
d en
T arow urzeln
d ie
H eb rid en
H ände
des
im
G estorbenen
(G lob u s 64, 361).
U n ter
tragend en ,
den
n ied eren
w en n
H in d u k a sten
sie von
in
O b erind ien
b aden
d ie
L e id ­
der B esta ttu n g zu rü ck k eh ren , und berühren an
d e r H a u s t ü r ein en S tein ,
K uhm ist, E isen ,
F eu er und W a sser
(Crooke,
P o p u lär re lig io n o f N orthern India p. 221; vg l. C aland S. 79).
In Japan wird
nach dem S ch in toritu s w ähren d
zu H a u se g e ­
b lie b e n e n V erw an d ten
des B e g rä b n isses von
und P riester n
den
das S terb eh a u s
durch
G eb ete
an dere Z erem on ien g er ein ig t, zu d en en das A u sstreu en von S alz
und
und das
A u sg iesse n von W a sser au f den F u ssb o d en und den E in g a n g geh ört. W en n
d ie L eid tra g en d en von
an geb oten ,
der B esta ttu n g zu rü ck k eh ren ,
sich d ie H än d e
auszu spü len
(L a y in T ransactions of the A siatic so c iety o f Japan 9, 5 4 1 ).
A n ein ig en
A rm agnacs
finden
d ie
zu w aschen und
w ird ih n en W asser
den M und
O rten
um
vom
B e g rä b n isse H e im k e h r en d e n
an der
T ür des T rauerh auses e in e P erso n m it ein em g e fü llte n W a sserk ru g e
ein em w e isse n L ein en tu ch .
E in g e la d e n e n
S ie m uss das W a sse r ein g ie sse n ,
sich d ie H än de w asch en
und
in dem die
(R e v u e d es trad. pop. 10, 537 f.)
Ä h n lich e G ebräuche herrschen im Sam oborer G eb irg sla n d (K rauss, V o lk s­
g lau b e
und
re lig iö ser Brauch
der S üd slaw en S. 151)
und
in W o lh y n ien
(A m U r-Q u ell 3, 52).
I m H a u s e fin d et auch son st d ie W asch u n gD nach der B esta ttu n gW statt.
B e i den G old e b ie te t d ie W itw e d en H eim k e h r en d e n W a sse r an, um sich
G esich t und H än d e zu w asch en (G lob u s 74, 2 7 2 ). B e i den P a rsen n eh m en
d ie L e ich en trä g er nach der R ü c k k eh r in ihrer W o h n u n g ein B ad, eb en so
w ie a lle F a m ilie n a n g eh ö rig e n d es T o ten (G lo b u s 64, 39 7 ). In M eck len ­
burg
g in g en früher m anche vom G rabe
in
d ie B ad stu b e
(A m U r-Q u ell
7, 1 1 3 ); d a sselb e tun d ie T sch erem issen (Internat. A rchiv f. E th n ograp h ie
9, 161) und
d ie W otjäk en
(B u ch ,
D ie W o tjä k en S. 145).
In P om m ern
b a d ete m an sich vor dem L eich en m a h l (H o m ey er, D e r D r e issig s te S. 157),
d a sselb e
tun
d ie T sch u w asch en
(S c h w en ck ,
M ythol.
d. S la w en
S. 4 5 2 ),
und in S teierm ark w usch m an sich vor dem E ssen d ie H ä n d e (o b en 8 , 4 4 8 ).
A uch
in
S c h le sie n
m uss
m an
sich
nach
dem
B e g rä b n isse
d ie
H än de
w asch en , sonst stirb t m an, oder es fa lle n ein e m d ie Z ähne aus (D rech sler,
S ch lesien s
sich
d ie
volk stü m l.
vom
Ü b erlief. 2, 1, 305).
B egräb n is
C harik les 3 , 1 5 3 ),
(G lobus 65, 55).
w ie
B ei
Z u rü ck k eh ren d en
auch h eu te
D ie R öm er
noch
b en etzten
den
m it
im
sich
W a sser
H a u se
nach
r ein ig en ihre H än d e
der R ü c k k eh r von
m it w arm em W asser
w uschen
( B e c k e r - G ö ll,
des
V erstorb en en
m it W a sse r
und schritten
ü ber ein F eu er (T ylor, A n fän ge d. K u ltur 2 , 4 4 1 ).
d ie T rauern den
G riech en
In
T ib e t ste lle n sich
der B esta ttu n g vor
ü ber
das F eu er,
den h eissen K o h len und
durchräuchern sich dreim al unter H ersagu n g der v o rg esch rieb en en F orm eln
Das Wasser im Totengebrauche.
(e b d . 2, 4 3 8 ).
B e i den istrisch en S law en
e in e n F eu erb ran d W asser,
w om it
sich
d ie H ä n d e w asch en (G lob u s 92, 88 ).
371
g ie sst zu H a u se ein e F rau auf
d ie T e iln eh m e r
des B eg rä b n isses
A uch d ie k a u k a sisch en Ju d en w aschen
sich d ie H än d e (G lobus 38, 20 1 ).
Ö fters findet d ie W a sch u n g erst l ä n g e r e o d e r k ü r z e r e Z e i t
d er
B e sta ttu n g
statt.
A u l T im orlau t
geh t zw e i T a g e
nach
nach
dem B e ­
grä b n is d ie F a m ilie in s B ad und w äsch t ihr H aar (F o r b e s, W an deru ngen
im m a layisch en A rch ip el 2, 46 f.).
d rei T a g e
nach
dem
B eg rä b n is
B e i M akassaren und B u g in ese n w erden
d ie
K in d er
d es V erstorb en en
m it in s
W a sser getau ch ten T ü ten b esp ren gt, die b is dahin auf dem G rabe g e le g e n
haben.
E s w ird dam it an ged eu tet,
dass d ie K in d er
nun n ich ts
d en V erstorb en en b in d et (WTilk e n , Ü b er d. H aarop fer 1, 248).
tä g ig e F rist b e i S tein m etz 1 , 155.
T ag
nach
ein em
(W ilk e n S. 250.
B egräb n is
D ie Sam oan er w asch en sich den fünften
G esich t und
G oron talesen au f C eleb es
h alten
K o p f und
von
n eh m en
(W ilk e n S. 2 4 9 ).
F a m ilie n g lie d e r
und
baden
a lle ,
D ie
in den F lu ss
A uch d ie S antals in
nach ein er L e ich en v erb ren n u n g
(Z eitsch r. f. E th n o l. 6 , 2 6 5 ).
ein B ad
H alm ah era
W a sser
am sech sten T a g e nach der B eer d ig u n g
B e n g a len scheren sich am sech sten T a g e
A lfuren
m it w arm em
sich d ie B lu tsverw an d ten g em ein sa m
b eg eb en , um ein B ad zu n eh m en
d en
H än d e
A nthrop. d. N a tu rv ö lk er 6 , 40 0 ).
W a itz -G e r la n d ,
e in F e st ab, b ei dem
m ehr an
E in e v ie r­
neun
d ie das
T age
nach
ein em
B e i den
S terb efa ll
S terb eh au s b esu ch t h a b e n ,
a lle
g em e in ­
sch a ftlich , „um den G eruch d es T o ten a b zu sp ü len “ (W ilk e n S. 2 5 0 ).
B ei
d en Indern w ird das R ein ig u n g sb a d am zeh n ten T a g e g en om m en (C aland
S . 1 1 8 ); w ährend zw ei b is z w ö lf T agen m üssen sie zur Z eit, w o der T od
e in g e tr eten ist,
W asser berühren
(eb d . 81).
Am
Ende
der
T ra u erzeit
fahren dann d ie V erw an d ten sym b olisch zu S ch iff über ein en Strom (ebd. 121).
A uch b ei den P ap u as der G e elv in k -B a i, au f der M o lu k k en in sel B abar und
b ei den O lo-N gadju au f B orneo en d et d ie T rauer der F a m ilie m it einem
g em ein sa m en B ad e (W ilk e n 247, 249).
B e i den W ed d as au f C eylon w erd en nur die F r a u e n , w en n sie ein en
T o te n berü h rt h aben,
für u nrein a n geseh en und m üssen d iese U n r ein h eit
d urch ein B ad w ied er b e se itig e n (G lob u s 65, 33).
B eso n d ers d e r v e r w i t w e t e
d a s WTasserbad n ötig.
B ei
T e il
hat nach
dem T o d e des G atten
d en B ola ä n g -M o n g o n d o u ers auf C ele b e s w ird
d er W itw er oder die W itw e durch andere W itw er oder W itw en nach dem
B e g rä b n isse
Writw e
g eb a d et
im F lu sse
d en A lfu ren
(W ilk e n
S. 249).
nach sie b e n T a g en
der M inahassa
darf sich n iem an d
n ähern , oh ne d ie H än d e gew a sch en
zu sein (eb d . 24 8 ).
dem
b ad et sich die
(eb d . 247).
B ei
trauernden W itw er
zu h aben und m it WTasser b esp ren g t
den B assari
in D eu tsch -T o g o b le ib t d ie W itw e
w ähren d
der sech zeh n tä g ig en T rauer
in der H ü tte und v erlä sst sie erst,
nach dem
sie
ein
B ei
In M itte l-F lo r e s
der A b son d eru n g
R ein ig u n g sb a d
gen om m en hat
(G lob u s 8 3 , 34 4 ).
24*
In
Sartori:
372
der L an dsch aft K unya
b estim m ten
in T ogo w erden W itw er
T rauerhaft vom
(G lob u s 81, 193).
Y on
P r iester
m it
und W itw en
nach ein e r
g ew e ih te m W a sse r
den M atam baw itw en w ird b erich tet,
ein em F lu ss oder T e ic h u ntertau ch ten, um die S e e le n
b esp re n g t
dass
sie
in
ihrer versto rb en en
E h em än n er zu ertränken, d ie v ie lle ic h t n och an ih nen h in g en .
N ach d iese r
Z erem on ie v erh eirateten sie sich w ied er (T y lo r , A n fä n g e d. K ultur 2 , 2 3 ).
V or
T o ten ,
noch
a llen
D in g e n
m ü ssen
auch
n a m en tlich se in e K leid er,
im m er
d ie
h in terla ssen en
gew a sch en w erden.
etw as von jen em und der M acht,
V ie lle ic h t k ön n ten
sie
auch der S e e le ,
Sach en
An
des
ih nen
h a ftet
d ie ihn d ahingerafft hat.
d ie „an
ih n en h ä n g t“, noch a ls
g efäh rlich er Z ufluchtsort d ien en .
Im A n sb ach isch en
m ein t m an. w en n se in e W ä sch e
n ich t bald
w asch en w erde, k ö n n e der T o te n ich t ruhen (G rim m , M yth .4 3, 4 5 8 ).
°’e ©
A us
d erselb en U rsach e w ird in N eu k irch en se in e B ettw ä sch e in s W a sse r g e le g t
(S ch ön w erth ,
O berpfalz 1,
2 52).
In
B u n zlau
w äsch t
m an, w en n
e in e
W öch n erin stirbt, ih re S u p p en sch ü ssel so g le ic h aus, sonst k o m m t sie w ied er
(G rim m , M yth . 4 3 ,
S terb en d er
4 7 4 ).
W en n
b ei
den
p eru an isch en
den le tz te n A tem zu g getan
hat,
räum en
H au sgeräte und K leid er zu sam m en
(v. T sch u d i, P er u 2 , 3 5 5 ).
w asch en d ie K le id er
D ie
und w asch en
In dian ern
ein
d ie H in te r b lie b e n e n
sie
im n äch sten F lu s s e
h eu tig en A ym ara- und Q u ich u a-In d ian er
am n eu n ten T a g e
nach
ein em T o d esfä lle und v er­
b ren n en sie dann zum G ebrauche d es T o ten im J en se its (G lob u s 87, 2 7 ).
In P o ito u w äsch t m an e in ig e T a g e nach der B e er d ig u n g d es T o ten d essen
L e in en ze u g (R e v u e d es trad. pop. 8 , 4 2 0 ).
am T a g e nach
dem B eg rä b n is
D ie A rm en ier w asch en g le ic h
d ie K le id er
d es V erstorb en en (A beghian*
D e r arm en isch e V o lk sg la u b e S. 21; vgl. v. N e g e le in im G lob u s 78, 291 f.). In
B u lgarien w asch en am dritten T a g e nach der B eer d ig u n g drei W e ib e r d ie
W ä sch e d es V erstorb en en oh ne S e ife aus (Strau ss,
D ie B u lg a ren S. 4 5 2 ).
In Irland w erd en nach dem B eg rä b n is d ie b e i der B esta ttu n g geb rau ch ten
T ü ch er von
w o b ei
den
n äch sten w eib lic h e n V erw an d ten
gew aschen*7
O
(P r o ce ed in g s o f the A m erican P h ilo -
k e in In d igo geb rau ch t w ird
sop h ical society , P h ila d e lp h ia 25, 267).
d es T o ten
B e i den W ad sch a g g a w erden d es
V erstorb en en K le id u n g sstü c k e , se in S ch m u ck und se in e W affen nach d em
B egräb n is
an
„dam it auch
den n äch sten B ach
sie
auf der In sel T u m leo
drei Jahre
im
G rabe
gescharrt.
D ie
ihm
ü b ergossen
und
von
In
w urden
In d ien
getra g en
ih res H errn T od
und m it W a sser
( D e u t s c h - N e u -G u in e a )
geru h t h a t,
w erden
der V ersto rb en e
se in e
m itg e g eb en en S ch m u ck sa ch en
den L e b e n d e n
d ie
n ich t
ü b e rg o sse n r
b e w e in e n “ (G lo b u s 89, 198).
w ied er
verbren nb aren
G eb ein e
w erden
g etra g en
W en n
zw e i b is
w ied er
m it
aus­
W a sse r
(G lo b u s 82, 3 1 4 ).
O p fergerätsch aften
e in e s
O pferers ein em B rahm anen ü b erlassen , doch ü b erg ib t m an sie vorh er dem
rein ig en d en W asser (O ld en b erg, R e lig . d. V ed a S. 5 7 6 ). N ach 3. M ose 11 , 2 9 ff.
m uss auch a lles, w as m it den toten K örpern g ew isser k le in e r T ier e in
Das Wasser im Totengebrauche.
373
B erü hrun g k om m t, gew asch en w erd en ; das W a sse r se lb st ist dann unrein und
kann d ie A n ste ck u n g ü bertragen (R o b ertso n Sm ith, R elig . d. S em iten S. 113).
A uch
das T r a u e r h a u s ,
b eson d ers
ab er
das
S te r b e z im m e r
und
d e r O r t , w o d i e L e i c h e g e s t a n d e n h a t , w erd en m it W a sser gesäub ert.
S o b ei den G riech en (M üllers H an db uch d. k lass. A ltertu m sw iss. 4, 462 d).
D ie
In der b esp ren g en
E inffans
1 d es H au ses
O
Ö
(C aland S. 79).
B ei
b ei der R ü c k k eh r
und
d ie
S te lle ,
den P arsen w ird,
von der B esta ttu n g u. a.
wo
der B esta ttete
u nm ittelb ar n ach dem
auf den en d ie L e ic h e lag, und ü ber den W eg ,
h in au sgetragen
lich en
oder
ist,
gesp ritzt.
A uch
tierisch en L e ic h e n
in
d ie G egen stä n d e,
B erü hrun g
d ie
g ek o m m en
ist
d ie L e ic h e
aus dem H a u se g etragen ist, ‘N ira n g ’, d. i. der U rin ein er K uh,
S tein p la tten ,
den
gesto rb en
O
ü ber die
a u f dem sie
m it m en sch ­
sin d ,
m üssen
zu erst m it N iran g und dann m it W a sser g e r e in ig t w erden (G lo b u s 64, 395).
D ie T o g o n eg e r b rin gen nach der B e g rä b n isfe ie r ein es M itg lied es der J e h v e b rü derschaft, n ach dem sie se lb st sich im M eere geb a d et haben, je d e r ein en
k le in e n T o p f S eew a sser m it in s J eh veh au s zurück, das der P r ie ste r unter
G e b e t an d ie W än d e
u n m öglich
sprengt.
gem ach t w erden
d er Ort, w o S elb stm örd er
sp ren gt und ein g e fr ied et
S arg nach
(G lob us 72, 41).
(G lob u s 89, 20 0 ).
dem B e gräb n isp latze
sow ie
auch
dadurch d ie W ie d e rk eh r
B ei
den W a d sch agga wird
sich den T od g e g e b e n haben,
sofort m it W asser b esp ren gt
2, 182),
D em T o ten so ll
geb racht w ird,
(G rab ow sk y
d ie S telle,
W en n
m it W a sser b e ­
b ei den D a ja k en der
so w ird
das Sterb eh aus
im Intern at. A rchiv f. E thnogr.
wo d ie L e ic h e g esta n d en hatte, und d ie
T rep p e des H a u ses (eb d . 2, 180).
In H o ch o fen wird schon nach der A uf­
bahrung d ie S tu b e gew asch en , doch m uss h ierb ei ein S tü ck
d. h. darf n ich t g ew asch en w erden,
frei b leib en ,
„son st findet der V ersto rb en e k e in e n
P la tz im H im m e l“ (John , S itte im d eu tschen W estb ö h m en S. 171).
m ehr so ll w oh l
n och
der b eim K örper v er w eilen d e n S e e le
ein P lä tzc h e n
g la u b t m an,
im
H e im
der G eist k om m e
d er der S arg gestan d en
2, 8 0 ).
alten
hat,
b is zur B esta ttu n g
g esich ert w erden.
n ich t m eh r zurück,
V ie l­
In
O stpreussen
w en n d ie S te lle ,
auf
m it W asser b esp ren g t w erd e (A m U r-Q u ell
D a sse lb e glau b en d ie m oslim isch en B osn ia k en (o b en 11, 2 6 7 ).
In
W ald th urn w ird, sow ie d ie L e ic h e draussen ist, das b ish er offene F en ster
g esch lo sse n und je d e s E c k c h e n der S tu be
m it W eih w a sser a u sgesp ren gt,
„dam it d ie T eu felch en , d ie b ei jed em S terb en d en sich einfinden, vom P la tze
w e ic h e n “ (Schönw erth, O berpfalz ] , 251). A n der ob eren N ah e ü b erg iesst m an
d ie S te lle im Z im m er, w o d ie L e ic h e g estan d en hatte, m it W a sser so w ie auch
d ie vor dem H au se, w o sie au f zw ei S tü h len a b g estellt w ar, eh e sie au f den
W a g en geh o b en wrurde (Z eitsch r. f. rh ein. u. w estfäl. V ollcsk. 2, 197)*).
1)
In allen diesen Fällen hat das W asser offenbar den Zweck der R einigung und des
Schutzes. In anderen dagegen, nam entlich wenn es mit Speisen zusammen in das Sterbe­
zimmer hin gestellt wird, scheint es der Tränkung der Seele dienen zu sollen (siehe mein
Dortmunder Programm 1903, S. 42 f.).
Sartori:
374
A u ffa llen d erw eise w ird nun im G egen sa tz zu a llen d iesen G eb räu ch en ,
in d en en dem W asser ein e so w irk sam e R o lle zu er teilt w ird, m itu n ter d a s
W a s c h e n b ei den in B etrach t k om m en d en G e leg e n h eite n g erad ezu u n t e r ­
s a g t 1).
N ach
P a p u a sitte
ist
es au f N eu -G u in ea
verb oten in der ersten Z e it nach dem T o d e
(K rieger, N eu -G u in ea
S. 180.
N u foresen d arf d ie W itw e
M eere g eb a d et
hat,
dem v erw itw eten T e il
d es G atten sich zu w asch en
A rchiv f. R e lig io n sw iss. 4, 3 0 5 ).
nach
dem T o d e
ih res G atten,
das H au s n ich t b etreten ,
h ern ach
b evor
B e i den
sie
im
ab er lä n g er e Z e it
gar n ich t b aden (S tein m etz, S tu d ien z. ersten E n tw ick lu n g d. S trafe 1, 216).
B ei
den S ch a m a k o k o -In d ia n er n
w an d ten
sich
n ich t w asch en
dürfen
nach
ein em
T o d es fa ll
n ich t
trock n en .
und ih re T rän en
d ie V er­
An
d er
S tärk e der S ch m u tzsch ich t, d ie sich unter d en A ugen b ild et, b em isst m an
d ie L ie b e zum V erstorb en en
wird
W a sch en
(G lo b u s 67, 3*29).
und S alb en
in
der
T rau erzeit
A uch
b e i d en Isra eliten
u n terla ssen
(F r e y ,
Tod,.
S eelen g la u b e usw . im alten Isra el S. 4 8 ).
E b en so w ill A ch ill (II, 23, 36 ff.)
vor der B estattu n g
essen ,
scheren.
d es P a tro k lu s w ed er
noch
sich
w asch en
und
H in d u s erlau b en ih ren S öhn en w ährend der v ie rz eh n den M anen
gew e ih te n T a g e n ich t, ih re K örper und K le id er zu w asch en , sich zu sch eren
oder zu baden, da sie g lau b en , dass der so en tfern te Sch m u tz den T o ten
trifft
und
darf,
so la n g e
b e lä stig t (C rooke,
sonst
lie s t der T o te nass
P op u lär re lig io n
e in e L e ic h e im H a u se ist,
oder schw itzt.
gar
S. 115).
In M eck len b u rg
n ich ts g ew a sch en w erd en ,
D a s W a sch en
m uss au sserhalb
des H a u ses g esch eh en , z. B. im B ack sch au er oder sonstw o, w e il sonst d ie
L e ic h e im G rabe w ied er au fw ach en w ürde (B artsch 2, 9 0 ).
Sarge
fer tig
an g ezo g en
lie g e n d e r T o ter
W en n ein im
durch W a sse r öder ein e an d ere
F lü s s ig k e it nass w ird , so w ird er später im H a u se ersch ein en und sp u k en
(eb d . 2, 100).
N ach der M einung der A rm en ier darf m an n ich t d en K o p f
w asch en oder d ie W ä sc h e re in ig en , w en n im D o rfe ein V ersto rb en er noch
n ich t b egrab en ist, um vom T o d e se n g e l,
der w eg e n
des T o ten im D o r fe
ist, n ich t getreten oder g esch la g en zu w erden und zu erk ran k en (A b eg h ia n
S. 12).
In
den A bruzzen
m üssen
die G erä te,
d ie
b eim L e ic h e n m a h le
b en utzt sind, le e r und u n gew asch en dem F reu n d e, der das Mahl g e lie fe r t hat*
w ied er zu g este llt w erden (s. m ein D ortm u n der P rogr. 1903 S. 22 und A nm . 1 ).
O ben
(1 7 , 370, A nm . 4 )
sin d
e in ig e F ä lle
angeführt,
in d en en d er
G ebrauch des F eu er s u n tersagt w ird, w e il der V erstorb en e dadurch b e lä stig t
w erden
k ö n n te 2).
E in e n
äh n lich en Grund
m ag
g e le g e n tlic h
auch
das
1) V ereinzelt scheint eine herzoglich würtemfcergische Verordnung vom 27. März 1782
für die Beerdigung W asserscheuer: Der Verstorbene soll alsdann ungereinigt und un­
gewaschen binnen 24 Stunden bestattet, alle seine Kleider, Geräte, I.öffel, Betten verbrannt
werden (Birlinger, Aus Schwaben 2, 318).
2) Ähnlich wird auch das F egen im Trauerhause hier geboten, dort untersagt
(Samter in d. N euen Jahrb. f. d. klass. Altert. 1905, 39 f.). Auch bei der Ausübung des
Zaubers ist das W asser bald vorgeschrieben, bald verboten. Wer ungewaschen ausgeht,
Das Wasser im Totengebrauche.
V erb o t d es W assers haben.
Es
d ie B efü rch tu n g veran lasst sein ,
sich w asch en d en M enschen
in
375
m ag aber in anderen F ä lle n auch durch
dass etw as
d ie G ew alt
von
der P e r sö n lic h k e it
des
der noch u m g eh en d en T o d e s­
m äch te oder der S e e le des T o ten geraten k ö n n te 1).
E s b leib t nun noch ü b rig
in R ü c k s i c h t a u f d e n T o t e n
B lick
zu w erfen.
keh rt d ie S e e le
au f d ie w eite re V erw en d u n g
d es W assers
n ach s e in e r B e s ta ttu n g
ein en k u rzen
N ach dem G lau b en
der T a g a len
a u f den P h ilip p in en
am d ritten T a g e n ach ihrem A b sch eid en
in
ihre H ü tte
zurück, um an dem F estm a h l teilzu n eh m en . Man p flegt dann u. a. W a sser
vor d ie T ür zu ste lle n , dam it sie sich d ie F ü sse w asch en k ö n n e (W ilk e n ,
H e t an im ism e 1, 107).
dass im V erla u fe
zim m er
flieg e.
H ie r
G las W asser,
D ie p oln isch en und sü drussisch en Ju d en gla u b en ,
der
ersten sie b e n T rauertage d ie S e e le
b ren n t d esh alb
„dam it d ie S e e le sich
ein e L am p e,
darin
und
in das S te rb ed abei
b aden k a n n “.
An
steh t
ein
der W an d
hängt ein S tü ck der L e in e w a n d 2), aus w elch er der S te rb ek itte l g en äh t w urde
(A n d ree,
Zur V o lk sk u n d e
d. Ju den S. 185.
holz, G lau b e u. Br. 1 , 167).
dass
d ie S e e le
a lltäglich
B ei
den
G lobus 91, 362;
K au kasu sjud en
das Grab b esu ch e;
d esh alb
v g l. R o ch -
g la u b en
ist
es
m anche,
an ein ig e n
O rten B rauch, W a sse r au f den B eg rä b n isp la tz zu stellen , dam it d ie S e e le
sich
darin
b aden
und
von
ihrer sterb lich en B eh au su n g
b evor sie sich in den H im m el erh eb t (A n d ree S. 183).
der In der ist,
solan ge d ie „ U n r ein h eit“ dauert,
T a g ein K loss darzubringen.
den W orten :
w erden.
V or
und
re in ig en
k ann,
N ach dem R itu s
dem V erstorb en en jed en
nach d essen D a rb ietu n g
so ll m it
„W asch e dich ab, IST. N ., V erstorbener" W a sse r a u sg eg o ssen
A uch w ird
zur S eite
der H au stür
ein L o ch
in
d ie E rd e
ge­
grab en ; d iese s w ird m it allerh and W oh lgerü ch en und m it B lu m en b estreu t,
kaun leicht behext werden (Grimm, M yth.4 3, 452; mehr bei Wolf, Beitr. z. deutschen
Mythol. 2, 369). Der wilde Jäger ist m achtlos, solange er sich noch nicht gewaschen
hat (Bartsch, Sagen 1, 7. 18 f. Jahn, Y olkssag. a. Pommern u. Rügen, 17). D agegen
muss bei den Papuas der Tam i-Insel, wer zaubern w ill, sich des Wassers enthalten, darf
keines trinken, darf sich nicht baden, auch keine gekochten Speisen gem essen, damit sein
Zauber trocken und heiss bleibt. Durch Berührung m it W asser wird er kalt und kraftlos
(Archiv f. R eligionsw iss. 4, 347).
1) So durfte auf Tonga, wer eine schwere Operation bestanden hatte, sich weder
waschen noch kämmen, auch nicht Haar oder N ä g el schneiden, weil sonst Starrkrampf
und Tod einträte. Denn der war unrettbar in der G ewalt der bösen Geister, der ihnen
G elegenheit bot, auch nur das geringste von seinem Körper zu erlangen (W aitz-Gerland,
Anthropol. d. Naturvölker 6, 395). Eine gefährliche Zeit, in der Geister und Seelen um­
gehen, sind die sog. Zwölften. In ihnen darf man daher au vielen Orten nicht W äsche
halten, sonst verursacht man den Tod eines Fam iliengliedes (Kuhn u. Schwartz, Nordd.
Sag. S. 410. Zeitschr. f. rliein. u. westfäl. Volkskunde 4, 9. Bull, de folklore 3, 100).
Auch die so verbreitete Warnung, dgn Toten allzusehr zu beweinen oder Tränen auf eine
Leiche fallen zu lassen, beruht auf der Furcht, dass dadurch etwas vom Lebenden in die
Gewalt der Todesmächte geraten könnte. „Wer seine Tränen auf ein Totes fallen lässt,
bekommt die Auszehrung“ (Panzer, Beitr. 1, ‘2 61).
2) Siehe über dieses mein Dortmunder Programm 1903, S. 26, Anm. 1.
Sartori:
376
und ein S te in w ird h in e in g e le g t.
W asser und M ilch
in
d ie
L u ft
—
E in e m it W a sse r — nach an deren m it
g e fü llte S ch ü ssel w ird darüber
g eh än gt
m it
den
W orten :
tr in k e “ (Caland, S. 82. 84; v g l. 81).
opfern w ird
b erg,
an
ein er S ch lin g e
„V ersto rb en er,
h ier
b ade
dem V erstorb en en W a sser zum W a sch en g e sp e n d et
R e lig .
d. V ed a
S. 550).
und
A uch b e i den r e g elm ä ssig en T o te n ­
D ie
V erw a n d ten
m üssen
(O ld en -
w ähren d
der
T rauerp eriod e u. a. W a sse r berü h ren vom E in treten d es T o d es an zu d er­
se lb e n Z eit am fo lg en d e n T a g e (C aland S. 81).
In K reta lä sst m an ein en
K rug W a sse r 40 T a g e la n g au f dem G rabe steh en ; m an sagt, das W a sser
d ien e dazu, dass der T e u fe l h in e in fa lle (G lo b u s 65, 55).
In A ttik a stellte
m an au f das Grab u n verh eiratet G estorb en er e in e ?.ovrQo<poQog (Schräder,
T o ten h o ch zeit
S. 5 f f . ) *).
D en
arm en
G e le g e n h e it W eih w a sse r g esp e n d et
O ben 6 , 4 1 1 ).
29 6.
Es
S e e le n
w ird
(S ch ön w erth ,
b ei
v ersch ied en er
O berpfalz 1 , 2 8 1 f. 286.
so ll ihre Q ualen im F e g e fe u e r
erleich tern .
In
S au lxu res (V o g e se n ) glau b t m an, w en n
ein T op f,
in dem n ich ts anderes
als W a sser ist,
so k ä m en
d ie S e e le n
au f dem F eu er k och e,
des F e g e ­
feu ers dorthin, um ein B ad zu n eh m en . Man m uss, um das zu verhind ern,
ein S tü ck H o lz oder etw as G em ü se h in ein w erfen (M elusine 1, 4 5 6 ).
N a m en tlich
g ie sst im
zu
A lle r se e le n w ird
H a u se Wreih w asser
d en
in s F eu er,
T o ten W a sse r
auf den
g eb o ten .
B od en ,
in
Man
dite O fen ­
lö ch er usw . (S ch ön w erth 1, 2 83). In den ostd eu tsch en und le tto -ru ssisch en
P ro v in z en em p fän gt m an
am A lle rse ele n ta g e
d ie A b g e sch ie d e n e n in der
B ad stu b e, d ie e ig en s dafür au fgeräu m t und m it m a n ch erlei S p e isen b ese tz t
w ird.
A lsd ann
ändern
b aden
(R o ch h o lz,
P ro v in z L ü ttich
hier,
n im m t
m an
G lau b e u. B rauch 1 ,
ste llt m an
in
an,
d ie S e e le n
173).
In
ein e nach der
v ie le il
D örfern
der
der W eih n a ch tsn a ch t ein S tü ck B ro t und
ein e P in te W asser au f d ie F en ster b a n k au sserhalb d es H a u ses. M it dem
S ch la g e der M itternacht w erd en B rot und W a sse r g eseg n et; das W a sser
v erd irb t und v erd u n stet n iem a ls,
M enschen
w ähren d
und V ieh verteilt.
der
das B rot w ird
am fo lg en d en T a g e
an
A u f K orsik a lä sst m an E im er m it W a sser
A lle rse ele n n a ch t
vor
der
T ür steh en
(B u ll,
de
fo lk lo re
3, 100).
D e r Ü b e rb lic k über d ie m an ch erlei A rten der V erw en d u n g d es W assers
im T o ten geb rau ch e w ird
g e z e ig t h aben,
und d es S ch u tzes
g eg en ü b er
und se in e r S e e le
und
ü b erall
d ie G run dlage
dass
der G ed an k e
den le b e n sfein d lic h e n M ächten,
den von
ih n en au sg eh en d en G efah ren
der A bw ehr
d em T oten
so gu t w ie
a ller in B etrach t k o m m en d en H an d lu n g en b ild et.
A ber eb en so w ie b e i der V erw en d u n g des F eu er s v o llz ie h t sich auch hier
1) N ach Schräder soll das eine sym bolische Andeutung der H ochzeit sein. D agegen
Stengel (W ochenschr. f. klass. P hilol. 22, 490 f.), der darin einen R est des Brauches, allen
Toten W asser zum Baden m itzugeben, sieht. Aber ist nicht noch älter der Gedanke der
Abwehr, entsprechend der oben (17, 375 ff.) behandelten Anzündung eines Feuers auf dem
Grabe?
Das Wasser im ToteDgebrauche.
in v ie le n e in z e ln e n F ä lle n
der Ü b e rg a n g
in
377
d ie
V o rstellu n g ,
dass dem
T o ten se lb st m it dem W aschen od er der D a rb ietu n g des W 'assers N u tzen
und V o rteil geb rach t w erde.
nur
in der T rän k u n g
D ie sich so g esta lte n d e P fle g e b esteh t n ich t
der d urstend en S e e le ,
b ietu n g ein e s B a d e s 1).
an d ie Ü b erleb en d en w ird,
in
ein e D a rb ietu n g
sondern
auch
in
der D a r­
U nd w ie d ie T o ten sp eisu n g so v ielfa ch zu Spend en
so seh en w ir
an L e b e n d e,
auch das B ad
n a m en tlich
der S e e le öfters
an A rm e,
ü b erg eh en .
So
h eisst es in ein er S ch ild eru n g pom m erscher S itten aus dem zw eiten V iertel
d es 16. Jahrhunderts:
„Ist
der totte etw as g ew est,
so le st m an jm e ein
se elb a t n achthun, da sich d ie arm en le w te baden, vnd m an jn e n b ier vnd
brot gib t.
bat,
vnd
D arn ach b e ste lt
b aden
auch,
D r e issig ste S. 157).
G la u b e
vnd
m an vor sich vnd d ie
h alten
Ü b er so lch e
u. Brauch 1 . 173.
ein en
gu ten
freuntschafft auch
p ra s“
(H o m ey er,
‘S eelb ä d er’ sieh e z. B.
P fan n en sch m id ,
ein
D er
noch R o ch h olz,
G erm an. E r n tefe ste
S. 167.
K rieg k , D eu tsch es B ü rgertum im M ittelalter, N . F . 22 f.
In der ‘Z au berflöte’ sin g en d ie zw ei G eharnisch ten:
„Der, welcher wandert diese Strasse voll Beschwerden,
Wird rein durch Feuer, W asser, Luft und Erden.“
F e u e r und W asser h aben w ir in b estim m ten W irk u n g en g ew ü rd igt;
noch ein k u rzes W ort über
L u ft
und
E rde.
D enn
auch
nun
sie sch ein en
zum Schutz g e g e n den T od und den T o ten verw and t zu w erden.
Im in d isch en R itu a l sp ielt
das B efä c h e ln
d es L eich n a m s und sein er
A sch e ein e g ew isse R o lle (C aland, S. 24. 135. 138 f.).
das B esp ren g en m it W asser (eb d . 148 f.).
d ie S e e le
oder d ie b ösen T od esm äch te w egzu w eh en
fre ilic h w urde
es
zu
E s ersetzt m anchm al
D ie A b sich t d ab ei ist offenbar,
(ebd. 171).
S päter
ein er dem T o ten erw iesen en E h ren b ezeu g u n g , und
m an sprach dazu die W orte: „W in d e w o h lig d uftend so llen dir am W e g e
w eh en u sw .“ (eb d . 24). V ie lle ic h t geh ört auch h ierher, dass im d eu tschen
V o lk sg la u b en d ie Z w erge (S e e le n ? ) den W ind als ih ren F e in d b etrachten
(L a istn er, N eb elsa g . S. 320).
Ö fter d ien en S a n d u n d E r d e der A bw ehr.
M oham m ed schrieb den
G lä u b igen vor, dass in E rm an gelu n g des W a ssers das R e ib e n des G esich tes
und der A rm e m it fein em Sande als E rsatz für d ie v o rg esch rieb en en A b ­
w asch u n gen d ien en so lle (S p ren ger, M oham m ad 3, 7 3 ).
So m ag auch das
B estreu en des H au p tes m it E rd e und A sch e b ei Isra eliten u. a. u rsprünglich
als S ch u tzm ittel em pfunden sein. A ch ill b estreu t sich b e i der K unde vom
T ode
d es P a tro k lo s
das H au pt m it Staub (II. 18, 2 3 ).
Zu den M itteln,
1) Ein B eichtspiegel vom Jahre 145G zählt u. a. die M einung auf: „Also wenn die
menschen sterbend, so far die sei durch das wasser* (Rochholz, Gl. u. Br. 1, 173 f.). Auch
bei Lebzeiten fühlt sich die Seele gelegen tlich zum Wasser hingezogen. So ist bei Panzer
(Beitr. z. deutschen Mythol. 2, 195 f.) eine Reihe von Sagen erzählt, in denen aus dem
Munde kranker Männer und Frauen im Schlafe die ‘Bermutter’ (die Seele) heranskriecht
und sich im W eiher badet, worauf der Kranke gesund wird.
Sartori: Das Wasser im Totengebrauche.
378
dem S terb en d en das E n d e zu erleich tern , g eh ört in T h ü rin g en , dass m an
ihm
etw as E rde
dazu ab er
au f d ie B ru st le g t
Sam ter,
A rauco fo lg t b e i
N eu e Jahrb.
der B esta ttu n g
f.
(W u ttk e , Y o lk sa b erg l. S. 724;
d.
v g l.
k la ss. A ltertu m 1905, 36 f.).
h in ter der B ah re ein W e ib ,
In
das A sch e
au f den W e g streut, um dadurch der a b g esc h ie d e n e n S e e le den R ü c k w e g
a b zu sch n eid en
(K lem m ,
A llg em . K u ltu rgesch . 5, 5 1 ).
W en n
auf T onga
die L e ic h e ein es Y orn eh m en b esta ttet ist, zieh en W e ib e r (s ie voran ) und
M änner ein zeln in ein er la n g en L in ie an d ie K ü ste, um in K örb en Sand
zu
h olen .
D abei
sin g en
sie
ü berlau t,
um an dere von ih rem W e g e
zu
sch eu ch en , denn n iem an d d arf d iesen Z u g seh en ,
w e il G ötter von P u lo tu
dab ei zu g eg en sind.
das Grab
D er
S and w ird ü b era ll um
(W aitz-G erlan d , A nthropol. der N atu rvölk er 6 , 412 f.).
au f den
F id s c h i- I n s e ln (eb d . 6 , 684).
A uch
h er v erstreu t
Ä h n lich es g esch ieh t
das N a ch w erfen
von E rd ­
sc h o llen in s offene Grab, das „gleb am in os in ic e r e “ der R ö m e r und d er­
g le ich en kann h ierher geh ören , so dass es in sein em U rsp ru ng ein A b w eh r­
zau b er w ä r e 1).
w andten
W en n
d ie
b esu ch t h aben,
sü d ru ssisch en
w erfen
etw as Gras oder w as sonst
sagen
dazu den V ers:
zu rü ck “.
W asser
ein
J u d en
von
Irrlich ter
d ie
und
H ände
ein em
d ie
G räber
dem V erla ssen
d ie H an d k om m t,
w erd en
H an dtuch
(G lob u s 91, 363).
vor
„V on Staub b ist du,
B eim V erla ssen
und
in
sie
ü ber
d ie S ch u lter und
zum S tau b e k eh rst du
g ew a sc h e n ,
der D ie n e r
v ersch w in d en ,
w en n
ihrer V er­
des F r ie d h o fe s
w ozu
an geb o ten
m an
m it
Sage
dadurch u n sch äd lich
n im m t
ein er,
zu m ach en ,
um
die Mahr zu
w erden
E rd e
F ried h o f) nach ih n en w irft (H au p t, S agen b u ch d. L a u sitz 1 , 5 9 ).
n ied erlä n d isch en
im m er
(vom
In ein er
„ z e ic h n e n “ und
e in e H an d v o ll tro ck en en S an d es
und
w irft ihn in d ie L u ft und in je d e s E c k c h e n d es Z im m ers (W o lf, N ied erl.
Sag. S. 342 f.). D a g e g e n h ilft ein T rop fen W a sser od er ein B r ö ck el E rd e
der in N o t b efin d lich en H e x e (o b en 1 , 4 2 6 ).
U b er d ie Z au ber- und
H eilk ra ft der E rd e im a llg e m ein en sie h e W o lf, B eitr. z. d eu tsch en M ythol.
2 , 396; W u ttk e, V olk sa b erg la u b e S. 117; Isäger, A us d. d änischen V o lk s ­
m ed izin (A u szu g aus Janus 1906) S. 23 ff.
D o rtm u n d .
1) W enn in China der Sarg ins Grab gelassen ist, beeilen sich die Söhne des Toten
Erde ins Grab zu streuen. D iese haben sie vorher in den Schoss ihrer Trauergewänder
geleg t und richten es beim Ausschütten so ein, dass sic wom öglich auf den Sarg fällt
(Dennys, The folklore of China S. 25). ln einem obrigkeitlichen Erlass von 1668 heisst
es u. a.: „daß aber . . des Verstorbenen Freunde gew isse Hände voll Erden in das Grab
werfen, solle als abergläubisch scheinend den Leuten ausgeredet . . werden“ (Birlinger,
Volkstüml. a. Schwaben 2, 410 f.). In einigen Ländern ist es den Verwandten des Toten
verboten, auf seinen Leichnam Erde zu werfen (Bull, de folklore 2, 3G3). B ei den Letten
dürfen Kinder auf des Vaters oder der Mutter Sarg keinen Sand werfen, denn der „würde
schwer auf dem Toten lie g e n “ (Globus 82, 368). Im V oigtlande wirft man allgem ein dem
Toten drei Hände voll Erde auf den Sarg nach, „damit man ihn leichter vergesse" (Köhler,
Volksbrauch S. 254).
Hertel: Der kluge Vezier, ein kasckmirischer Volksroman.
379
Der kluge Vezier,
ein kaschmirischer Volksroman,
ü b ersetzt von
Johannes Hertel.
(S c h lu ss zu S. 6 6 — 7G.
Zu d erselb en Z eit m ach te
T at.
und
1 6 0 — 1 7 7 .)
der P o liz e ic h e f ein en R u n d g a n g
zu
h eld e n h a fte r
A ls er an den P latz kam , an dem d ie P rin z essin w oh n te, la g dort e in H und
sc h lie f.
g le ite te n ,
V on
d em
l ie f er d avon .
Lärm
der
P o liz iste n
a u fg esch reck t,
d ie
den
C h ef b e ­
Er lie f und lief, | und a ls er k ein en W e g fand,
rannte
er an das P ark tor, und d ie s e s öfTnete sich . A ls das der P o liz e ic h e f sah , w u rde
er u n ru h ig : „W aru m w ar d ie K ette n ich t vor d as T o r g e le g t? Ist etw a jem a n d
h ier e in g eb ro c h e n ? O der hat m an sie nur v o r z u le g e n v e r g e s s e n ? “ D arum b efah l
er se in e n P o liz is te n : „M arsch! W ir w o lle n n a c h s e h e n .“ U n d er drang m it ih n en
in den Park e in . D a n n v e r s c h lo s s er das T o r u n d b efah l sein en L e u te n : „ F ü n f
von e u ch b le ib en h ie r zu rück und b e w a c h e n das T or, d ass n iem a n d h in au s k a n n .“
S od ann sc h lic h er le is e vorw ärts, k on n te aber niem and im P ark en td eck en . D a ra u f
näherte er sic h der V illa und hörte S tim m en . D a sa g te er zu se in e n P o liz is te n :
„W er sin d d ie L eu te, d ie ob en a u f der V illa der K ö n ig sto c h te r red en , d ie um
d ie se S tu nd e h erein g ek o m m en sin d ? “ A ls er n äh er zu sah , fand er d ie T ü r der
V illa offen. Er stie g d ie T rep p e em p or un d g e w a h r te d ie P rin z essin , w ie s ie m it
ein em M anne a u f dem B e tte ruhte. D a sa g te er zu ih n en : „ W e r s e id ihr, die
ihr da lie g t? “ | D u rch d ie se n lau ten R u f erw ach ten d ie b eid en .
S ob ald d ie
P rin z essin das G esic h t d e s P o liz e ic h e fs g ew a h rte, w u rd e sie o h n m äch tig. A ls ihr
nach e in er h alb en Stu n d e d ie B e sin n u n g w ied erk a m , sa g te s ie zu d em P o liz e ic h e f
das L ied ch en :
34. „ 0 Polizeichef, wahre mein Geheimnis du;
Ruf meinem Vater m einen F ehl nicht zu!
Ich trag dir w illig all mein Geld und Gut herbei;
N ur lass mich, Chef, aus dieser Lage frei!“
D e r P o liz e ic h e f an tw ortete ihr m it d em L ie d c h e n :
35. „Prinzessin, nicht verborgen bleiben deine Sünden;
Mit Zweiunddreissig bin ich hier, die werden’s künden.
Dein Vater leg t in Banden mich, wenn er es hört,
Und meinen Kopf trennt mir vom Rumpfe dann sein Schwert.
36. Ich hab vom Herren den B efehl: Verschone nicht,
Nimm fest ein jed es Weib, das seine K euschheit bricht,
Ob sie M inisterkind, ob Königstochter sei!
Ich strafe schwer dich, führst du sie mir nicht herbei“.
D arau f gab er sein en P o liz iste n den B e fe h l, s ie sam t d em B e tte au fzu h eb en ,
und d ie P o liz iste n trugen e s sam t der P rin z essin und d em P rinzen fort in s G e ­
fän gn is. D ort w urden sie , v on ändern a b g eso n d ert, in e in e k le in e Z e lle gesp errt,
und d rau ssen w u rd en P o liz is te n zur B e w a c h u n g a u fg e ste llt. G le ich ze itig sch rieb
der P o liz e ic h e f an den K ön ig e in en B erich t,
in dem er ihm m itteilte :
„ Ich hab e
380
H ertel:
die Prinzessin festgenommen, als sie in der Villa mit einem Manne zusammen
schliel’. Beide sind samt dem Bette ins Gefängnis gebracht worden.“
An dem Fenster des königlichen Schlafgemachs war ein Strick befestigt, an
dessen heruntergelassenem Ende ein verschlossener Kasten hing; und in diesem
Kasten war ein Schlitz zum Einwerfen von Briefen angebracht. Wenn der König
am Morgen erwachte, zog er den Kasten hinauf, öffnete mit einem Schlüssel, den
er bei sich trug, das Schloss des Kastens und las alle Eingänge, die man hinein­
geworfen hatte. In diesen Kasten nun warf der Polizeichef zu dieser Stunde |
seinen Bericht. Dann entliess er seine Mannschaften und ging selbst nach Hause.
Er war in seinem Herzen froh, denn er dachte: „Morgen wird mir der König ein
hohes Amt verleihen“ ; und damit schlief er fröhlich ein.
D ie Königstochter aber weinte mit dem Prinzen und sagte: „Was sollen wir
jetzt tun? Der König wird uns morgen beide zum Pfählen verurteilen.“ Darauf sagte
die Prinzessin zum Prinzen: „Wenn der Vezier gleich jetzt die Sache erführe, so
ersänne er wohl einen W eg zu unserer Rettung.“ Der Prinz entgegnete: „W ie
könnte er jetzt davon erfahren?“ Da sprang die Prinzessin auf und sah sich nach
allen Seiten um. Sie erblickte ein kleines Fensterchen, gerade so gross, dass
man den Kopf durchstecken konnte. Sie steckte also ihren Kopf hinaus und hielt
eifrig Ausschau, bis sie einen Mann des W eges kommen sah. Zu dem sagte sie:
„He, Wanderer, ich beschwöre dich bei dem Gott, der dich erschaffen hat: an
dem und dem Ort steht ein kleines Häuschen, das gehört einer alten Frau. Stell
dich an seine Mauer und rufe laut: ‘Vezier, beim Pflügen sind die Rinder in
Kümmernis gefallen.’ Wenn du das gerufen hast, kannst du weitergehen.“
| Der Wanderer versprach, es zu tun. Die Polizisten hatten nichts von dem
Auftrag gehört.
Der Wanderer kam an die
Hütte derAlten und rief: „Vezier, beim Pflügen
sind die Rinder in Kümmernis gefallen.“ Der Vezier aber war wach, denn er
wartete auf den Prinzen. Als er diesen R uf vernahm, stürzte er eiligst heraus
und sagte zu dem Wandersmann: „Wer bist du? Wohin willst du in der Nacht?
Warum rufst du so laut? Du findest wohl deinen W eg nicht?“ Der Wanderer
entgegnete: „Mein Freund, ich ging am Gefängnis vorüber; da rief mir jemand
zu: ‘Bruder Wandersmann, ich beschwöre dich bei dem Gott, der dich erschaffen
hat: an dem und dem Ort steht eines kleines Häuschen, das gehört einer alten
Frau. Stell dich an seine Mauer und rufe laut: ‘Vezier, beim Pflügen sind die
Rinder in Kümmernis gefallen.’ Wenn du das gerufen hast, kannst du weiter­
gehen.’ Das hab ich mit meinen Ohren gehört; mit meinen Augen aber habe ich
gar nichts gesehen. Da hab ich in meinem Herzen gedacht: ‘Soll ich darauf
hören?’ Dann sagte ich mir: ‘Es wird
mich | doch nichts kosten; ich werde
gehen.’ So habe ich denn gerufen: ‘Ich w ill’s tun.’ Und dann bin ich hierher­
gekommen und habe die Worte ausgerichtet.“ Der Vezier erwiderte ihm: „Kümmere
dich nicht darum! Ich ging gestern in der verflossenen ersten Nachtwache d es­
selben W egs und habe denselben R uf gehört. Dort treiben wütende Dschinnen
ihr Wesen. Geh nur zu und meide ein zweites Mal diesen W eg! Ich hatte
geglaubt, du riefest, w eil du deinen W eg nicht fändest; und deswegen kam ich
heraus. Geh nur nun weiter!“ Und der Wanderer ging seiner Heimat zu.
Der Vezier aber begab sich sogleich zu einem Bäcker und kaufte ihm für
fünf Rupien Kuchen ab. Mit diesen ging er in seine Herberge, legte Frauen­
kleider an, band sich viel Gold- und Silberschmuck um und sah nun vollkommen
aus, wie eine Kaufmannsfrau. Dann nahm er ein Brett, legte auf dieses alle seine
Kuchen und 200 Rupien, setzte das Brett auf seinen Kopf, deckte ein Tuch
Der kluge Vezier, ein kaschmirischer Volksroman.
381
darüber und ging fort, bis er an das Tor des Gefängnisses kam. Furchtlos ging
er hinein. | Die Torhüter liefen ihm nach und riefen: „He, wo willst du hin?
Mach’, dass du wieder herauskommst!“ Die Kaufmannsfrau sagte zu ihnen:
„Liebe Brüder, mein Mann war auf eine Handelsreise gezogen. Jetzt eben, nach
zwei Jahren, ist er zurückgekommen mit dem Gelde, das er durch sein Geschäft
verdient hat. Nun hatte ich mir das Gelübde auferlegt: ‘In der Stunde, in der
mein Mann mit dem Gelde zurückkommt, das er durch seinen Handel verdient
hat, gehe ich, um unter die Gefangenen Kuchen und Rupien zu verteilen.’ Warum
verbietet ihr mir nun die Verteilung der Kuchen?“ Dann gab sie ihnen zehnmal
vier Kuchen und zwanzig Rupien, und die Wächter freuten sich sehr und sagten:
„Teile nur an alle aus! Und hörst du, heute Nacht erst sind zwei Gefangene
eingeliefert worden, die stecken da und da in einer kleinen Zelle. Gib denen
auch etw as!“
D ie Kaufmannsfrau lief, so schnell sie konnte, und gab allen Gefangenen
Kuchen und Rupien. Dann ging sie hinein in die Zelle, in der die Prinzessin
mit dem Prinzen untergebracht war, und sagte zu ihnen: „Ich bin euer Vezier;
macht euch nur gar keine Sorgen!“ | Dann legte der Vezier der Prinzessin seine
Kleider an sowie seinen Gold- und Silberschmuck und sagte zu ihr: „Nimm das
Brett auf deinen Kopf und rede mit keinem Menschen! Geh ohne Furcht hinaus
und lass dein Geschmeide klingeln, damit sie denken, ich sei es! Das Tor zu
deinem Park wird unverschlossen sein; durch dieses wirst du in deine Villa ge­
langen. Das Brett aber wirf in den F lu ss!“ — Die Prinzessin befolgte seinen
Rat und gelangte in ihre Villa. Sie sandte ein Dankgebet zu Gott empor und
legte sich in ihr Bett, und bald sank sie in Schlaf.
Der Vezier aber hatte aus seiner Herberge eine Pfeife und Hanfpulver zum
Rauchen mitgebracht; und sobald die Prinzessin das Gefängnis verlassen hatte,
stand er auf und zerriss die Decken, die das Dach der Zelle bildeten (?), und mit
einem Feuerstein entzündete er ein Hausfeuer, indem er auch seine eigenen
Kleider verbrannte. Beide Männer waren nun nackt und bestrichen ihr Gesicht
und ihren ganzen Körper mit Asche. Dann rauchten sie Hanf.
Als der Morgen dämmerte, erhob sich der König vom Schlaf. Der Briefkasten
wurde heraufgezogen, die Schliessvorrichtung geöffnet, und die Eingänge wurden
herausgenommen. Der König las und las. So nahm er auch den Bericht des
| Polizeichefs heraus. Als er diesen gelesen hatte, verlor er die Besinnung. Nach
einer halben Stunde kam er wieder zu sich, und ein gewaltiger Zorn stieg
in ihm auf. Er rief seine Gemahlin und erzählte ihr die ganze Begebenheit. Da
begann sie mit beiden Händen ihr Gesicht zu schlagen und sagte zum König:
„Ist dies der Prinzessin geschehen? Jetzt werde ich niemandem mehr ins Angesicht
schauen dürfen. Ich nehme mir noch heute das Leben.’ Da sagte der König zu
ihr: „Geh und sieh nach, ob die Prinzessin nicht doch in ihrer Kammer ist
Vielleicht lügt der Polizeichef.“ Da gingen sie beide in die Kammer der Prinzessin
und sahen sie auf ihrem Bette schlafen, und ihr Atem ging ruhig aus und ein.
Da sagte der König zu seiner Gemahlin: „Die Geschichte ist nicht wahr. Wer
weiss, wen der Polizeichef in das Gefängnis geschickt und festgesetzt hat, in der
Meinung, es sei die Prinzessin. Noch heute lasse ich den Polizeichef pfählen.“ So
sagte er zu seiner Gemahlin. Die Prinzessin aber rührte sich nicht1).
1)
D ie Stelle ist in der Handschrift verderbt. Der Pam lit Mukundaräm gibt neben
der obigen D eutung eine andere m ögliche Besserung: „Er tat der Prinzessin nicht das
geringste.“
382
Hertel:
Der König begab sich nun sogleich in den Saal, in dem er seine Geschäfte
erledigte und liess alle | Dlwäne und Veziere rufen1). Ebenso wurde der Polizei­
chef befohlen. Dann gab er dem Diwan jenen Bericht in die Hand. Der Dlwän
las ihn, senkte den Kopf und händigte den Bericht dem Vezier ein. Als dieser
ihn gelesen hatte, liess er ihn zur Erde fallen und senkte gleichfalls sein Haupt.
Darauf liess der König den Bericht wieder aufheben und nahm ihn in die Hand.
Der Polizeichef stand vor ihm auf, und der König, sagte zu ihm: „Höre, Polizei­
chef, wenn sich dein Bericht bewahrheitet, so mache ich dich zu meinem Dlwän;
ist er aber unwahr, so lasse ich dich pfählen.“ Der Polizeichef erwiderte: „O
König, ich habe selbst die Prinzessin mit einem fremden Mann zusammen auf
einem Bette in der Parkvilla schlafen sehen. Ausserdem habe ich beide sofort mit
dem ßett nach dem Gefängnis bringen und festsetzen lassen. Wenn ihr mir nicht
glaubt, dann möge der | Vezier und der Dlwän mit mir gehen; ich werde es ihnen
im Gefängnis zeigen.“
Auf Befehl des Königs begleiteten nun der Dlwän und der Vezier den Polizei­
chef. Als sie hinkamen, traten sie in die Zelle und fanden darin — zwei Betteljungen, die Hanf rauchten. Sie waren von oben bis unten mit Asche beschmiert2),
machten ein Paar Augen wie Feuerfunken, ihr Haar hing wirr nach allen Seiten,
und sie vollführten einen grossen Lärm. Als der Dlwän diese beiden männlichen
Personen sah, sagte er zum Polizeichef: „Nun, Polizeichef, wo ist denn die
Prinzessin? Das sind doch zwei Personen männlichen Geschlechts.“ Als der
Polizeichef sah, dass beide männlichen Geschlechts waren, dachte er in seinem
Herzen: „W ie ist denn d a s zugegangen? Ich habe doch in jener Stunde selbst
mit der Prinzessin gesprochen! — Ich fange an, es zu begreifen. Wahrscheinlich
hat das der König in derselben Stunde gehört, und er selbst hat seine Tochter
gegen einen Jungen ausgetauscht, hat diesen hergeschickt und die Prinzessin nach
Hause geführt. Nun wird er mich pfählen lassen. Aber da w ill ich zum König
sagen: ‘Unterwirf die Prinzessin | einem Gottesurteil, indem du sie die Kette an
der Moschee berühren lässt! Wird dabei die Hand der Prinzessin von der Kette
gefesselt, dann ist es nicht recht, dass du mich pfählen lässt. Wird ihre Hand
aber nicht gefesselt, dann ist es recht, dass du es tust.’ “ D ie Kette hatte nämlich
die Eigenschaft, dass jemand, der ungerechter W eise das Gottesurteil herbeiführen
wollte und die Kette berührte, von ihr an der Hand gefesselt wurde; wer es aber
gerechter W eise tun wollte, dessen Hand blieb frei. D ies bedachte der Polizeichef
mit seinem Herzen; und darauf sagte er zu dem Diwän und dem Vezier: „Ich
selbst habe in der Nacht die Prinzessin gesehen; ausserdem hat sie zu mir gesagt:
‘Ich bin des Königs Tochter; entdecke meine Blösse nicht, lass mich lo s!“ Ich
aber habe sie nicht losgelassen. Ich werde dafür sorgen, dass sie dem Gottes­
urteil unterworfen wird. Hier hat während der Nacht eine Vertauschung statt­
gefunden.“ Dann liess er den Kerkermeister kommen und fragte ihn: „Ist nicht
etwa während der Nacht jemand hier hereingekommen?“ Der Kerkermeister aber
sagte: „Wir gestatten nicht einmal dem W inde hier Zutritt, | geschweige denn
1) Kasmlrl d c v ä n v a z lr . Pandit Mukundarüm gibt als Unterschied zwischen den
beiden Klassen von Ministern an, dass der devän die königlichen Befehle a u s z u f ü h r e n
hatte, dass ihm z. B. das Schreiben der königlichen Edikte oblag (dazu vgl. unten 102),
während der v a z lr des Königs B e r a t e r in politischen und anderen D ingen war. N ach
T h o m a s ‘in India D lw ü n was usually the head financial (or revenue) officer’. G r ie r s o n
endlich bemerkt, dass die Rangverhältnisse dieser königlichen M inister nicht aller Orten
dieselben sind.
2) N ach der Sitte der indischen Büsser.
Der kluge Vezier, ein kaschmiriaclier Volksroman.
383
einem Menschen.“ Er erwähnte mit keiner Silbe die Kaufmannsfrau, die ins
Gefängnis gekommen war, um Kuchen zu verteilen. Denn er dachte: „Wenn ich
sie erwähnte, dann könnten sie vielleicht auch mich zum Pfahl verurteilen. Sie
würden zu mir sagen: Warum hast du sie hereingelassen?“
Nun ging der Diwan daran, die Betteljungen zu verhören: „Wer seid ihr?
W oher kommt ihr? W ie kommt ihr hier herein?“ Der Vezierssohn entgegnete:
„Wer seid denn ihr?“ Der Diwan antwortete: „Ich bin der Diwän des hier
herrschenden Königs, und dieser ist sein Vezier, dieser sein Polizeichef.“ Der
Vezierssohn entgegnete wieder: „Der Teufel hole ein solches Regiment! *) Warum
sind wir beide in diese Zelle gesteckt und gefangen gesetzt worden? In der und
der Gegend lebt ein Fakir, und wir beide sind seine Diener. Gestern kamen wir
um Mitternacht in diese Stadt. Die Kaufleute hatten ihre Kaufstände geschlossen.
] Nirgends fanden wir einen Ort zum Schlafen; denn wir sagten uns: „Schlafen
wir am W ege, so kommen die Hunde und beissen uns in die Beine.“ Da gingen
wir weiter und kamen an einen Park; aber wir fanden sein Tor geschlossen. Wir
gingen um den Park herum; aber wohin wir auch sahen, nirgends war eine offene
Tür. Da fiel unser Auge auf die Hunde, die herbeikamen ur.d# immer hinter uns
dreinliefen. Da wir nun für unser Leben fürchteten, so fiel uns kein anderer
Ausweg ein; wir klammerten uns an die Mauer des Parkes an und kletterten auf
sie hinauf. Unten standen die Hunde und machten: Wau, wau! Da sprang ich in
den Park hinab; mein Begleiter aber getraute sich’s nicht; denn an der Innenseite
des Parkes war die Mauer sehr hoch. Da rief ich ihm zu: ‘Spring auf der Seite
hinunter, auf der du heraufgeklettert bist! Ich w ill die Kette des Tores lösen;
dann komm herein!“ Kaum war er unten, so waren ihm die Hunde wieder auf
den Fersen, | und er jammerte laut: ‘Ach, die Hunde zerreissen mich!’ Da öffnete
ich die Tür, und er kam herein, aber auch die Hunde, die hinter ihm her waren.
Nun liefen wir voraus, was wir konnten, und die Hunde, was sie konnten, hinter­
drein. Wir kamen an die Tiir einer Villa und fanden sie verschlossen. Da
standen wir nun, hinter uns die Hunde, die uns die Kleider in Fetzen vom Leibe
rissen; da sahen wir in unserer Todesangst keinen ändern Ausweg, wir packten
alle beide den eisernen R iegel und rissen ihn mit Gewalt an uns. Das eiserne
Schloss gab nach; wir lösten die Kette und öffneten die Tür. Dann stiegen wir
empor ins Haus, setzten uns nieder und verhielten uns ruhig. Die Hunde ver­
liefen sich, und wir priesen den Herrn, denn wir waren beide gerettet. Da sagte
mein Freund: ‘Jetzt möchte ich Hanf rauchen.’ Ich nahm aus meinem Bettelsack
einen Feuerstein und schlug Funken. Beim Schein derselben sah ich in einer
Wandnische einen Leuchter. Ich holte ihn herunter, | brannte ihn an und stellte
ihn vor uns hin. Dann rauchten wir fröhlich Hanf. Da wir nun dort ein Sofa
fanden, bereiteten wir uns darauf ein Lager und legten uns beide darauf. Wir
schlangen unsere Arme umeinander und schliefen ein. W as dann geschah, wer
uns hierhergebracht, das wissen wir nicht!-) Als wir heute morgen erwachten,
fandenwir uns hier wieder. Da nahm ich aus meinem Bettelsack meinen Feuer­
stein,
schlug Funken und zündete ein Herdfeuer an. Dann rauchten wir wieder
Hanf.
Als das Herdfeuer ausging und nirgends Feuerholz lag, verbrannten wir
unsere Lendentücher und unseren Bettelsack. Nun, Diwän, habe ich dir alles
erzählt, was uns zugestossen ist; jetzt sage du uns, warum wir ins Gefängnis
gebracht worden sind!“ — Der Diwän antwortete: „Ich habe euch nicht herbringen
1) W örtlich: „Der U ntergang eures derartigen R egim entes soll gehen.“
2) Der gerauchte Hanf hat sie angeblich betäubt.
384
100
101
io.*
103
Hertel :
lassen; mich geht die Sache nichts an. Der Polizeichef hat euch einsperren lassen,
weil er euch für jemand anders hielt. Ihr seid ohne Grund hier; kommt mit zum
König, der wird euch sogleich freilassen.“ Mit diesen Worten nahm er sie bei
der Hand, führte sie | zum König und erzählte ihm alles, was ihnen angeblich
begegnet war, und der König befahl: „Lasst sie beide frei! Sie sind unschuldig.“
Nun aber war der König auf den Polizeichef wütend und befahl, ihn sofort
zu pfählen. Der Dlwiin aber hiess die beiden gehen, und sie entfernten sich.
Sie setzten sich den Tag über auf den Friedhof. Als es Abend geworden, gingen
sie endlich nach ihrer Herberge. Als der Polizeichef zur Richtstätte geführt
wurde, um gepfählt zu werden, strömten alle Leute zusammen; auch der König
ging hinaus mit seinen Vezieren und Diwanen. Der König befahl den Polizeichef
vor sich und fragte ihn: „Hast du noch einen W unsch?“ D ieser erwiderte:
„Einen Wunsch habe ich nicht, aber ich möchte dir noch etwas mitteilen; das
musst du hören.“ Der König sagte: „R ede!“ Da legte der Polizeichef seine
Vorderarme zusammen und sagte zu ihm: „ 0 König! Ich selbst habe die
Prinzessin gesehen | zu jener Zeit, habe auch mit ihr gesprochen. Ja sie hat sogar
zu mir gesagt: ‘Enthülle mein Geheimnis nicht! Ich bin des Königs Tochter.
Alle Schätze, die ich angehäuft habe, will ich dir geben; nur lass mich frei!’ Ich
aber liess sie nicht frei, weil ich mir sagte, du würdest mich hinrichten lassen,
wenn du es erführest. Nun will ich dir etwas sagen: Die Prinzessin muss sich
einem Gottesurteil unterwerfen, indem sie die Kette der Moschee berührt. Ruft
sie das Gottesurteil ungerechter W eise an, so wird ihre Hand von der Kette ge­
fesselt; tut sie es gerechter W eise, so bleibt ihre Hand frei. Geschieht dies, so
magst du mich pfählen lassen, sonst nicht.“ — Der König sagte: „Ja, so ist es
besser.“ Denn er war selbst über den Handel der Prinzessin unsicher geworden.
Nun pflegte ein Gottesurteil Freitags vorgenommen zu werden, und der gegen­
wärtige Tag war ein Dienstag. Darum sagte der König zum Diwän: „Es soll so
geschehen; aber der Polizeichef ist inzwischen in Haft zu behalten, damit er sich
nicht | flüchten kann.“ Der Diwän führte also den Polizeichef in sein eigenes
Haus und liess ihn dort fesseln, und alle gingen wieder nach Hause; und der
König ging in seinen Gerichtssaal. Dort liess er von dem Diwän ein Schreiben
folgenden Inhalts an die Prinzessin aufsetzen: „Der Polizeichef hat gegen dich
eine ehrenrührige falsche Anklage erhoben. Künftigen Freitag musst du dich an
der Moschee dem Gottesurteil unterziehen.“ D ies wurde geschrieben und versiegelt
der Königstochter zugestellt.
Als diese das Schreiben gelesen hatte, ward sie in ihrem Herzen sehr bestürzt
und dachte: „Soll ich mich vergiften? Das geht nicht, w eil ich dadurch auch
über meinen Vater Schande bringen würde. Und ich selbst werde der Schande
verfallen und niemand mehr ins Angesicht sehen können1).“ Da kam ihr der
Vezier in den Sinn, und sie sagte bei sich selbst: „Der Vezierssohn ist sehr
klug; er wird einen Ausweg aus dieser Geschichte finden. Ich w ill ihm schreiben
und ihm die ganze Sache berichten.“ Und sie erzählte ihm alles in einem
Briefe, ] versiegelte diesen, übergab ihn einer Dienerin und sprach: „Geh, gib
dies heimlich dem Vezierssohn und bringe mir seine Antwort!“ Die Dienerin
nahm den Brief und trug ihn fort, als es Nacht geworden. Sie kam in die
Herberge des Veziers und händigte ihn diesem ein. Als er den Brief gelesen,
geriet auch er in schwere Sorgen und erzählte alles dem Prinzen, Der Prinz
begann heftig zu weinen; aber der Vezierssohn tröstete ihn und sprach: „Mach
1) Die Redensart ist offenbar ganz verblasst und zur blossen Form el geworden.
Der kluge Vezier, ein kaschmirischer Volksroman.
385
dir nur keine Sorge um die Prinzessin! Pass auf, wie ich sie aus dieser Gefahr
errette!“ Dann beantwortete er den Brief der Prinzessin. Er schrieb ihr: „Sorge
dich nur nicht! In dem Augenblick, da du ausgehst, um das Gottesurteil an­
zurufen, und an die Moschee kommst, werden alle um diese herumsitzen, um
zuzusehen. Auch der König mit seinen Vezieren, Dlwänen und Soldaten wird
zugegen sein. Man wird den Polizeichef vor den König führen. | In diesem
Augenblick wird der Prinz kommen und sich wahnsinnig stellen, und ich werde
ihm mit einer Laute folgen. Er wird vor aller Augen daherrennen, dich anpacken
und dich umarmen. Du aber lass ihn durch deine Diener schlagen und auf dem
Boden schleifen1). Ich werde dann hinzueilen, dich um Gnade anflehen und
sagen: ‘Es ist ein Geisteskranker; prügelt ihn nicht, lasst ihn los um Gottes
w illen!’ Dann befiehlst du ihn loszulassen und gehst darauf schnell, um dich
durch Berührung der Kette dem Gottesurteil zu unterziehen. Dabei rufst du
möglichst laut: ‘Wenn mich ausser diesem Verrückten jemals ein Mann umarmt
hat, soll meine Hand gefesselt sein; wenn nicht, so bleibe sic frei.’ Auf Grund
dieser R ede wird deine Hand ungefesselt bleiben.“ Das schrieb er in den Brief,
versiegelte ihn und händigte ihn der Dienerin ein, die sich im Dunkel der Nacht
entfernte und zur Prinzessin kam.
Die Königstochter sass verzagten Herzens auf ihrem Ruhebett, und kein
Schlaf wollte über sie kommen. Sie wartete auf | die Rückkehr der Dienerin: 105
„Wird sie wiederkommen, und zu welcher Zeit?“ Als die Dienerin aber kam
und ihr den Brief gab, sie ihn erbrach und las, da zog helle Freude in ihrem Herzen
ein, und sie dachte bei sich: „Der Vezierssohn ist doch unendlich klug.“ Sie
entliess ihre Dienerin und schlief vergnügt ein.
Der Vezierssohn sagte inzwischen zum Prinzen: „Von morgen früh an stellst
du dich wahnsinnig, indem du den einen die Kopfbedeckungen herunterziehst,
andere schimpfst, anderen Faustschläge verabreichst. Den Kaufleuten steigst du
auf ihre Kaufstände und verunreinigst s ie 2); dann springst du herunter und läufst
davon. Ich aber nehme eine Laute und laufe dir laut singend nach. Kommen
dann die Leute, um dich zu prügeln, so befreie ich dich aus ihren Händen“.
Nachdem er dem Prinzen diese Weisung gegeben hatte, legten sich beide zur
Ruhe.
Am Morgen standen sie auf, assen ihr Morgenmahl, und der Prinz stellte sich
wahnsinnig. Der Vezierssohn nahm seine Laute | in die Hand, und beide gingen 106
hinaus. Sie gingen von Kaufstand zu Kaufstand, und in der ganzen Stadt ver­
breitete sich das Gerücht, ein Verrückter sei gekommen. Einige riefen: „Du,
Verrückter! Hörst du, wie der Rabe krächzt? Auf deinem Kopf hüpft ein Rabe
herum.“ Andere riefen: „Hundsfott!“ Noch andere kamen und wollten ihn
prügeln. Aber der Vezierssohn nahm seine Laute und spielte laut auf ihr, indem
■er ihnen das Liedchen zusang:
37. „Wie eitel ist die W elt! 0 weinet, Menschen, weinet!
Es ist der Prinz von R üm 3), der so vor euch erscheinet.
D ie Mutter starb; ihn trieb Stiefmutter aus dem Land;
In seinem Schmerz verlor darob er den Verstand.
1) W örtlich: ‘khakhürü geben lassen.’ Sahaj. erklärt: „Unter khakhürü versteht
man in Kaschmir die Strafe, die man an einem auf dem Boden ausgestreckt liegenden
Mann dadurch vollzieht, dass man ihn bei den Zehen packt und ihn hin- und herschleift.“
2) Der Text ist deutlicher, aber nicht feiner.
3) In der Hs. verschrieben: Rüs.
Zeitschr. d. Vereins f. Volkskunde.
1908.
’25
386
Hertel:
38. Als SiebeDjähr’ger rührt er mir zur Lust die Saiten;
Drum w ill ich m it dem Saitenspiel ihn jetzt begleiten.
0 schlagt den Armen nicht! Ihm ist verwirrt der Sinn.
Vernehm t, ihr Guten, dass ich sein Vezierssohn bin.“
107
| Als die Leute das hörten, wurden sie mitleidig, und niemand schlug ihn.
In dieser W eise spielte der Prinz auch im königlichen Gerichtssaal den W ahn­
sinnigen, und immer ging der Vezierssohn ihm nach, bis der Freitag kam, so dass
das Gerücht von seinem Wahnsinn unter allen Einwohnern verbreitet war.
Als nun am Freitag die Königstochter erschien, um sich dem Gottesurteil zu
unterwerfen, hatten alle um die Moschee herum Platz genommen. An diesem
Tage nun hatte der Prinz besonders starken Wahnsinn geheuchelt, so lange, bis
die Prinzessin sich der Moschee näherte. Da rannte er auf sie zu, so schnell er
konnte, und umarmte sie heftig. Die Prinzessin wandte viel Kraft an, um sich
zu befreien, er aber liess sie nicht los. Da erhub sich ein grösser Lärm, und
alle riefen: „O seht, der Verrückte umarmt die Prinzessin und lässt sie nicht
lo s.“ Der König hörte das, schickte seine Soldaten und rief ihnen zu: „Lauft,
so schnell ihr könnt, und befreit die Prinzessin!“ D ie Soldaten liefen und beic8 freiten sie; | und sie liess ihn in ihrer Gegenwart schlagen und auf der Erde
schleifen. Da lief der Vezierssohn schnell auf die Prinzessin zu, legte die Vorder­
arme zusammen und sagte zu ihr: „O Königstochter, der Herr gebe dir Frieden!
Dieser Mann ist wahnsinnig. Stirbt er jetzt, so kommt die Sünde auf dich. Lass
ihn frei um Gottes w illen!“ Als die Prinzessin das gehört hatte, fühlte sie Mit­
leid und sagte zu den Soldaten: „Lasst ihn los und kümmert euch nicht um ihn!“
Dann ging die Prinzessin, berührte die Kette und sagte so laut sie konnte,
so dass es alle hörten: „Wenn mich jemals ein anderer Mann als dieser Wahn­
sinnige umarmt hat, soll meine Hand gefesselt sein; hat mich aber ausser ihm
kein anderer umarmt, so bleibe sie frei1).“ Infolge dieser Rede blieb die Hand
der Prinzessin frei. Aller Anwesenden bemächtigte sich eine grosse Freude, und
auch der König war über die Maßen froh. Er sandte die Prinzessin frohlockend
109 in den Harem, | und als sie dorthin kam, küsste ihre Mutter sie auf die Stirn
und sagte zu ihr: „Heute bin ich unter den Meinen von dir geziert worden, und
unter den Leuten der ganzen Stadt.“ Inzwischen aber liess der König den Polizei­
chef pfählen, und dann gingen alle nach Hause.
Auch der Vezierssohn ging mit dem Prinzen frohgemut nach ihrer Herberge.
Sie verzehrten ihre Mahlzeit, und als es Abend geworden, stiegen sie hinauf, um
zu schlafen. Da sagte der Vezierssohn zum Prinzen: „Nun, Prinz, bleib eine
Zeitlang in der Herberge sitzen! Ich will jetzt eine W eile beim König Dienst
tun, bis ich dich mit der Königstochter die Hochzeitssprüche2) lesen lassen kann.“
Der Prinz sagte: „Jawohl, tu das!“
Am nächsten Morgen standen sie auf, und der Vezier legte mit Gold und
Perlen besetzte Gewänder an, speiste und entfernte sich. Er trat vor den König,
1) Der Dichter der Strophe 37 hat offenbar beabsichtigt, dass die Prinzessin sagen
sollte: „Wenn mich jem als ein anderer als der Prinz von Rüm umarmt h at“ usw. Denn
nur unter dieser Voraussetzung ist die Erwähnung der r i c h t i g e n Bezeichnung des
Prinzen in dieser Strophe verständlich, und das Gottesurteil wird erst dadurch einwand­
frei, w eil doch der Prinz den W ahnsinn nur heuchelt und die W orte der Prinzessin eine
bewusste Unwahrheit enthalten. D ie obige Prosa schliesst dagegen sich an die in der Ein­
leitung erwähnten indischen Quellen an.
2) S. Bcm erkg. zu Str. 33.
Der kluge Vezier, ein kaschmirischer Volksroman.
387
legte seine Vorderarme zusammen und sprach: „ 0 König, ich bin der Sohn des
Ministers des Königs von so und so | Meine Mutter ist gestorben, und mein Vater 110
hat sich wieder verheiratet. Meine Stiefmutter hat es zuwege gebracht, dass mein
Vater mich verstiess. Ich komme nun zu dir, um dir zu dienen. Das Minister­
amt ist in unserer Familie erblich; gib mir eine V eziersstelle!“ Der König ant­
wortete ihm: „Es sei.“ Und sogleich stellte er ihm eine Urkunde aus. Ausserdem machte er ihm ein Geschenk, und warf ihm ein Monatsgehalt von
1000 Rupien aus. Dann befahl er ihm, an seiner Seite zu bleiben. Der Vezierssohn
willigte ein und tat von nun an bei dem Könige Dienst. Bei jeder Gelegenheit
stand er bei dem Könige, und von Zeit zu Zeit besuchte er den Prinzen. Der
König hielt ihn bald ausserordentlich wert. Er liess sich von ihm begleiten, wenn
er allein war, und nahm ihn sogar mit in den Harem. Bisweilen schickte er ihn
auch zu seiner Tochter mit einem Auftrag oder einer Mitteilung. So verging Tag
für Tag.
Einst sass der König im Gerichtssaal, | und um ihn sassen alle Veziere und m
Diwanen; ihm gegenüber aber sass der Vezierssohn. Da redete der König sie alle an
und sprach: „Höret, meine Veziere und Diwanen! D ie Prinzessin ist schon sehr
gross; suchet für sie in irgend einem Lande einen würdigen Freier! Wir wollen
sie vermählen.“ Als sie dies vernommen, sagte ein alter Vezier zum König:
„Herr, der König von Arb1) hat einen Sohn von sechzehn Jahren. Der ist sehr
klug. Wenn du es befiehlst, so wollen wir diesem König schreiben und wollen
die Prinzessin mit seinem Sohne vermählen.“ Da riefen alle Veziere und Diwanen,
die dort sassen, fröhlich aus: „Der Rat ist gut.“ Und auch der Vezierssohn
sagte: „Das ist ein würdiger Freier.“ Der König antwortete: „Ist er würdig, so
schreibt ihm einen Brief und setzt ihm den Tag fest, an dem er hier erscheinen
soll.“ Darauf | bestimmten sie einen Tag und sandten ein Schreiben an die na
Adresse des Königs von Arb. Am 17. Tage danach lief auf dieses Schreiben
die Antwort ein. Sie besagte: „Ihr habt mir viele und grosse Freude bereitet,
und an dem Tage, den ihr festgesetzt habt, werde ich mit dem Freier zu euch
kommen.“
Als der König im Audienzsaal diese Antwort auf den Brief erhielt, händigte
er sie einem Vezier ein und sagte zu ihm: „Lies das Schreiben vor!“ Der Vezier
erbrach das Siegel und las, so dass es alle hörten. Da freuten sich der König
und seine Diwanen und Veziere sehr, und der König sagte zu ihnen: „Auf, macht
alles fertig! Bereitet alles zu einem prunkvollen Feste, damit die Hochzeit meiner
Tochter preiswürdig sei!“ Da Hessen es sich alle Veziere und Diwanen angelegen
sein, bereit zu machen, was zum Feste nötig war.
Einmal sandte der König nun den Vezierssohn mit irgend einer Besorgung
zur Prinzessin. Da sagte dieser zu ihr: „In sieben Tagen wird deine Hochzeit
mit dem Sohne des | Königs von Arb gefeiert.“ Sie erwiderte ihm: „Aber Veziers- 113
sohn, du hast mir doch an jenem Tage einen Eid geschworen, dass du mich mit
deinem Prinzen zusammen die Hochzeitssprüche lesen lassen willst. W ie kannst
du nun heute d as sagen? Ich habe bis heute meine Gesinnung nicht geändert.“
Der Vezierssohn entgegnete ihr: „Prinzessin, warum hältst du noch fest an diesem
Eide?“ D ie Prinzessin sprach: „Ich habe doch die Ehe mit dem Prinzen schon
vollzogen. Lässest du mich nicht mit ihm zusammen die Hochzeitssprüche lesen,
so nehme ich mir das Leben, und die Sünde fällt auf dich“. Da sagte der
Vezier wieder zu ihr: „Ich wollte nur in dein Herz sehen, ob du noch an deiner
1) Arabien.
25*
388
Hertel:
Zusage festhältst. Mach dir keine Sorgen! So Gott will, lasse ich dich mit dem
Prinzen zusammen die Hochzeitssprüche lesen .“ Mit diesen Worten entfernte sich
der Vezier.
Als nun der festliche Tag herankam, verkündeten die Beamten des Königs:
„Der Freier ist bis zu dem und dem Ort gekommen“. | Da wurde in den Küchen
tüchtig gearbeitet. Der König sass in der Mitte seiner Diwanen und Veziere und
liess für den Freier und seine Leute alles herrichten. Da trat der Vezierssohn
vor den König und sagte zu ihm: „König, des Freiers Sippe ist an dem und dem
Orte angelangt. Es muss ihr jemand entgegenziehen mit Konfekt und edlem
Getränk, mit Musik, Soldaten, Rossen, Elefanten und Sänften.“ Der König entgegnete: „Deine Klugheit sei gepriesen. Keiner von uns hat daran gedacht. So
ziehe du selbst ihnen mit allem diesen entgegen.“ Da liess der Vezier alles fertig
machen; er selbst aber stellte in seiner Herberge ein Karsa Konfekt her, in das
Stechapfelsamen gemischt war. Das brachte er heimlich herbei und liess auch
seinen Prinzen kommen. Dann zog er mit ihm hinaus, ohne das Konfekt zu ver­
gessen, begleitet von Rossen, Elefanten, Sänften und Kriegern. Als sie mit dem
Zuge des Freiers zusammentrafen, liess er die Musik spielen, | und der V eziers­
sohn ging allein, um dem Freier das Konfekt zu bringen. Darunter befand sich
dasjenige, welches er aus seiner Herberge geholt hatte. Als er dem Freier gegen­
überstand, bot er erst diesem allein das Konfekt, dann verteilte er anderes unter alle
übrigen. Als sie etwa eine Stunde gerastet hatten, sagte der Vezierssohn zu dem Vater
des Freiers: „Auf, lasst den Freier weiterziehen! Es ist spät geworden.“ Da befahl
der Vater des Freiers seinem Heere den Aufbruch, und der Vezierssohn gebot dem
seinigen, voranzuziehen. Alle brachen auf; nur der Vezierssohn mit seinem Prinzen
blieb zurück. Als sich aber der Vater des Freiers zum Aufbruch fertig machte,
fiel der Freier zu Boden. Man hob ihn auf; da sah man, dass er ohnmächtig
war. Sein Vater brach in Tränen aus und sprach: „Was ist ihm geschehen?
W as soll ich jetzt tun?“ Seine Veziere
sagten zu ihm: ^„Wahrscheinlich leben
andiesem Orte böse Geister, und einer
ist in ihn gefahren.“ Man rief sogleich
Geisterbeschwörer herbei und liess sie Zauberformeln über ihnsprechen, aber es
half alles nichts. Eine halbe Stunde verrann nach der ändern, derFreier kam
nicht zur Besinnung. Da sang der Vezierssohn dem Vater des Freiers dies
Liedchen zu:
39. „ 0 Fürst von Arb, vernimm, warum kam st du ins Land?
Dein irrer Freier lie g t verrückt hier auf dem San d1).
Das kostet allen euch den Kopf. Drum kehr zurück!
Der Kampf mit unsres Königs H eer bringt keinem Glück.“
Da sang der König von Arb dem Vezierssohn dieses Liedchen zu:
40. „Vernimm die Bitten, die in Dem ut spricht mein Mund!
Der Freier zog aus unsrer Stadt frisch und gesund.
Wenn ihn ein Ü bel traf, so traf es ihn erst hier.
Sei uns m it schnellem Rat zur Hand; h ilf uns, V ezier!•*
| Da sagte der Vezierssohn zu dem König von Arb: „Was gibst du mir,
wenn ich dir das Leben rette und die Schwiegertochter zuführe?“ Der König
von Arb sprach: „Ich gebe dir eine Belohnung von 100000 Goldstücken.“ Der
Vezier entgegnete: „Ich habe hier meinen Bruder bei mir. Wir wollen ihm
1) Die alte orientalische Anschauung, nach der Wahnsinn durch das Eindringen eines
bösen Geistes in den Körper hervorgebracht wird.
Der kluge Vezier, ein kaschmirischer VolksromaD.
389
Kleider anlegen, wie sie einem Freier ziemen, und ihn als Freier einführen.
Wenn du dann nach der Verlesung der Hochzeitsformeln morgen mit dem falschen
Freier davonziehst, werde ich deine Schwiegertochter begleiten und werde sie dir
hier an dieser Stelle übergeben. Wir lassen ihn dann die Hochzeitskleider ablegen. Dein Sohn wird sich bis dahin erholt haben, und wir legen ihm die
Hochzeitskleider an. Dann kannst du mit deiner Schwiegertochter wohlgemut nach
deiner Residenz ziehen und mir die 100 000 Goldstücke zahlen. Du darfst aber
mit keinem Menschen von der Sache reden; und denen, die hier bei dir sind,
verbiete allen aufs strengste, unseren Handel zu verraten! Denn wenn er unserem
König zu Ohren käme, Hesse er euch | alle zusammen ebenso köpfen wie mich.“ ns
Da verbot der König allen Anwesenden, diese Geschichte auszuplaudern und
sagte zu dem Sohne des Veziers: „Vezierssohn, der Plan, den du ersonnen hast,
ist vortrefflich. Was willst du jetzt tun? Es wird spät. Ziehe deinem Bruder
das Hochzeitskleid an!“ Da wurde dem Freier das Hochzeitskleid aus- und dem
Prinzen angezogen. Der wirkliche Freier wurde in ein Zelt gelegt, und zwanzig
Diener wurden zu seiner Pflege zurückgelassen. D ie anderen brachen mit dem
falschen Freier fröhlich auf und Hessen die Musik spielen. Sie zogen dahin,
indem sie die Elefanten und R osse weit vorausgehen liessen.
Als sie nach der Stadt kamen, zog ihnen der königliche Brautvater entgegen
und geleitete sie in einen Park. Unter grösser Fröhlichkeit wurden sie mit aus­
erlesenen Speisen bewirtet. Indessen aber schrieb der Vezierssohn heimlich der
Prinzessin einen Brief, in dem er ihr mitteilte, dass der Prinz der Bräutigam sei
und dass sie sich also nicht zu sorgen brauche. Dann suchte er die Dienerin
auf, die früher schon seine Botschaften an die Prinzessin vermittelt hatte, | händigte na
ihr sein Schreiben ein und trug ihr auf, es der Prinzessin heimlich zu übergeben.
D ie Sklavin ging, kam zu der Prinzessin und gab ihr heimlich den Brief. Sie
entsiegelte und las ihn mit grösser Freude, und bei sich sagte sie: „Des Veziers
Klugheit sei gepriesen!“
Als nun die Zeit der Rezitation der Hochzeitssprüche gekommen war, liess
man d iese1) für die Prinzessin und den Prinzen in die Vermählungsurkunde
schreiben.
Als die Nacht vorüber war und der Morgen kam, wurden die
Verwandten des Bräutigams wieder mit auserlesenen Speisen bewirtet. Dann
wurde die Prinzessin in eine Sänfte gehoben; ihr königlicher Vater entbot den
Vezierssohn vor sich und sagte zu ihm: „Begleite die Prinzessin zwei Tagereisen
w eit!“ Sodann entfernte sich der Vezierssohn mit der Sänfte der Königstochter,
und der Freier ward weit vorausgeschickt. Sie kamen endlich an die Stelle, wo
sie den Prinzen von Arb zurückgelassen hatten. Sie sahen, dass er die Besinnung
wieder erlangt hatte. Nun liess | der Vezierssohn seinen Prinzen die Hochzeits- i.<o
kleider ablegen und legte sie dem Freier aus Arb an. Dann ging er zum König
und liess sich seine hunderttausend Rupien zahlen.
Nachdem man die Nacht über an dieser Stelle gerastet hatte, brach man am
Morgen zur zweiten Tagereise auf. Der Vezierssohn befand sich als einziger Be­
gleiter neben der Sänfte der Prinzessin und unterhielt sich auf dem Marsche un­
ausgesetzt mit ihr. Einen anderen liess er nicht heran. Nur der Prinz zog stets
hinter ihnen her. Da sprach die Prinzessin zum Vezierssohn: „Nun, Vezierssohn,
wie werden wir jetzt entweichen?“ Der Vezierssohn entgegnete ihr: „Königs­
tochter, mach dir um diese Angelegenheit nur gar keine Sorgen! Ich selbst werde
1) „Von dem Käzi genannten Oberpriestcr“ (Pandit Mukundarüm). S. unten den N ach­
trag zu 81, Strophe 33.
390
Hertel:
dafür schon Mittel und W ege finden.“ Und sie zogen den ändern nach, bis sie
vier Tagereisen zurückgelegt hatten. In der Nacht wachten der Yezierssohn und
der Königssohn abwechselnd vor dem Zelte der Prinzessin. |
Auf dem fünften Tagemarsche sah der Vezierssohn an der Strasse eine
Moschee. D a liess er die Sänfte der Prinzessin auf die Erde setzen ünd liess zu
ihrer Bewachung den Prinzen zurück. Er selbst stieg von seinem R osse, begab
sich zum Könige von Arb und sprach: „ 0 König, die Prinzessin lässt dir sagen:
‘Ich habe meine heutige Andacht noch nicht vollbracht. Lass mich mein Gebet
in dieser Moschee verrichten! Dann setzen wir unsere Tagereise fort’. „Der
König sagte zu ihm: „Geh du mit ihr hinein! Sie mag ihr Gebet sprechen. Wir
wollen hier warten.“ Der Vezierssohn entgegnete ihm: „ 0 König, mein Herr hat
mir befohlen, die Prinzessin nur bis hierher zu geleiten. Gestattet mir, dass ich
mich verabschiede!“ Der König antwortete: „Geleite erst die Prinzessin von
ihrer Andacht nach der Sänfte zurück und lass sie einsteigen! Dann magst du
gehen.“
Der Vezierssohn geleitete die Königstochter in die Moschee und liess nur den
Prinzen | mit eintreten. Am Eingang stellte er Posten auf mit der W eisung,
niemanden einzulassen. Zu dieser Stunde befand sich niemand in der Moschee.
Da legte der Vezierssohn die Kleider der Prinzessin an mit allem ihrem Goldund Silberschmuck, so dass er aussah wie die Königstochter. Seine Kleidung
aber legte er dem Prinzen an, und des Prinzen Kleider der Prinzessin. Dann
sagte er zu ihm: „Wartet in einem Dorfe hier in der Nähe in dieser Kleidung!
In einem Monat komme auch ich hierher; dann kehren wir in unsere Residenz
zurück. Hier habt ihr 100 000 R u p ien 1), um eure Ausgaben zu bestreiten. Fragt
euch jemand: ‘Wer seid ihr?’, so antwortet ihr: ‘Wir sind Kaufleute. Ein dritter
Verwandter war bei uns; aber der Tod seines Vaters rief ihn nach Hause. Als
er ging, sagte er zu uns: ‘Erwartet mich hier, bis ich zurückkomme! | Dann setzen
wir unsere Handelsreise fort.’“ Darauf sagte er zu dem Prinzen: „Jetzt bring
mich in die Sänfte! Dann nehmt Abschied vom König und macht euch davon!“
— Der Prinz brachte die falsche Schwiegertochter in die Sänfte und liess diese
aus der Moschee hinaustragen bis zum König, dem er die junge Frau übergab,
nachdem er sie ihm gezeigt. Dann verabschiedete er sich bei ihm und ritt mit
der Prinzessin in ein Dorf. Dort mietete er ein Zimmer bei einem Bauern, und
die beiden Gatten Hessen sich in Männerkleidung darin nieder.
Der in die Prinzessin verkleidete Vezierssohn aber schrieb heimlich in der
Sänfte zwei Briefe. Den einen schrieb er im Namen des Vaters der jungen Frau
an den Vater des jungen Gatten, indem er diesen bat, seine Tochter einen Monat
lang bei der Schwester ihres Gemahls schlafen zu lassen, und erst dann bei ihrem
Gatten; denn das erheische die Sitte ihres Landes. | Nachdem er das geschrieben,
versiegelte er den Brief und steckte ihn in eine Tasche seines Kleides. Den
zweiten Brief schrieb er im Namen der Prinzessin an ihren Vater und
teilte ihm darin mit, sie wolle den Vezierssohn bis zum Palaste ihres Schwieger­
vaters mitnehmen, w eil er ihr w ie ein Bruder gedient habe; auch ihr Schwieger­
vater wünsche dies. Der Vezier habe zwar gesagt: ‘W ie darf ich das tun ohne
den Befehl meines Herrn?’ Sie aber habe ihm versprochen, ihrem Vater in dieser
Angelegenheit zu schreiben, und deswegen sende sie diesen Brief. Auch diesen
Brief versiegelte er, sobald er ihn geschrieben. Als er dann auf dem W ege eine
Kuhhirtin erblickte, liess er sie durch eine Dienerin fragen: „Wohin gehst du?“
1) D ie Bestechungssum m e, die er vom K önig von Arb erhalten hatte.
Der kluge Vezier, ein kaschmirischer Volksroman.
391
Sie antwortete: „Ich trage frische Butter ins Land des Königs Yosiif Khän.“
Da sagte er zu der Dienerin: „Gib der Frau diesen Brief und sage ihr, sie soll
ihn dem Könige überbringen! Wenn er fragt, von wem sie ihn habe, soll sie |
ihm sagen: ‘Eine Hochzeitsgesellschaft zog einher, und in dem Zuge befand sich 125
eine Sänfte, und bei ihr waren viele Veziere und Diwanen. Eine Frau sprach
aus dieser Sänfte heraus zu einer Dienerin: ‘Höre, Dienerin, gib dieser Frau den
Brief und sag ihr, sie soll ihn dem König bringen!’“ Da ging die Dienerin hin
und händigte ihn der Hirtin ein, indem sie den erhaltenen Auftrag ausrichtete und
ihr ein Goldstück gab.
D ie Hirtin ging, und als sie in die Residenz kam, begab sie sich nach des
Königs Audienzsaal. Sie sagte zu den Türhütern: „Ich habe einen Brief an den
König, will ihn aber selbst übergeben.“ Die Türhüter teilten das dem König
mit. Dieser sagte: „Lasst sie herein!“ Da liessen sie sie herein, und sie legte
den Brief eigenhändig in des Königs Hand. Dieser erbrach das Siegel, las selbst
den Brief und war über seinen Inhalt sehr erfreut. | Er sagte zu seinen Vezieren: 120
„Der Vezierssohn ist doch ein Prachtmensch. D ie Prinzessin schreibt mir:
41. ‘Wie eine Schwester h egt mich der Vezier;
Auf Schritt und Tritt ist er zur Seite mir.
Bis zum P alast soll er geleiten mich.
Mein Schwiegervater schätzt ihn so wie ich.’“
Dann zeigte er ihnen den Brief, und sie lasen ihn gleichfalls Da freuten auch
sie sich sehr und lobten die Klugheit des Vezierssohns. Sodann fragten sie die
Hirtin, wer ihr den Brief gegeben habe, und sie sagte zu ihnen: „Ich traf unter­
wegs einen Hochzeitszug, aus dessen Mitte kam eine Dienerin und gab mir ihn.“
Da schenkte ihr der König hundert Rupien und sagte: „Sie sind dein; nimm sie
zur Belohnung!“ Und sie kehrte frohlockend nach Hause zurück.
Als nun der Hochzeitszug in die Residenz kam, zog der Freier ein ; die junge
Frau ward unter grossem Jubel in den Harem geführt, und ihre Schwiegermutter
nahm sie auf den Schoss. Sie bewirtete sie, ] so lang es Tag war, mit Speise
und Trank; und die junge Frau bekam auch die wunderschöne, noch unvermählte
Schwester ihres Gatten zu sehen. Da setzte sie sich zu ihr und begann mit ihr
eine nicht enden wollende Unterhaltung. D ie Schwester ihres Gemahls gewann
ihre Schwägerin sehr lieb. Als nun der Abend kam, speisten die Schwägerinnen
zusammen. Während der Vezierssohn nun seiner Schwägerin zu essen gab, sagte
er bei jedem Bissen in seinem Herzen Zauberformeln her, die die Kraft besassen,
sich andere willfährig zu machen, und die er bereits in seiner Kindheit gelernt
hatte. Dadurch ward die Schwägerin der ‘jungen Frau’ über die Massen gewogen.
Als die Schlafenszeit herankam, gab die junge Frau ihrer Schwiegermutter
den Brief und sagte zu ihr: „Diesen Brief, liebe Mutter, hat mein Vater mir
gegeben und hat mir gesagt: ‘Gib ihn deiner Schwiegermutter, wenn es Schlafens­
zeit wird!’“ D ie Schwiegermutter nahm den Brief und händigte ihn ihrem Gemahl
ein. Dieser erbrach das Siegel, las ihn und sagte zu seiner Gemahlin: „In dem
Briefe steht | das und das.“ Da sagte diese zu ihm: „Ja, das ist gut. Wir lassen
sie einen Monat bei seiner Schwester schlafen.“ Dann liessen sie die Jungfrau
rufen und sagten zu ihr: „Lass deines Bruders Frau einen Monat bei dir schlafen!“
D ie Jungfrau sagte dies ihren Eltern zu und freute sich sehr darüber. Sie nahm
ihre Schwägerin bei der Hand und führte sie hinauf in ihr Schlafzimmer. Dort
unterhielten sich beide eine halbe Stunde lang. Dann entliessen sie ihre Dienerinnen
und schlossen die Tür, als diese sie verlassen hatten; und die Schwester des
127
ijs
392
Hertel:
jungen Gatten sagte zu der jungen Frau: „Komm, zieh dich aus! Wir wollen
schlafen.“ Da wurde die junge Frau sehr betrübt. Ihre Schwägerin sagte zu
ihr: „Warum bist du so traurig geworden? Du sehnst dich wohl nach deiner
Mutter?“ Sie sprach: „W ie sollte ich mich nach meiner Mutter sehnen?“ Die
Schwägerin sagte zu ihr: „Nun, warum bist du denn betrübt? Du hast doch nicht
i*!' etwa einen W unsch?“ Die junge Frau | sagte zu ihr: „Wer sollte mir meinen
Wunsch gewähren?“ Die Schwägerin antwortete: „Ich werde dir alles gewähren,
was du begehrst; und wenn du mich selbst um mein Leben bittest, so schenke
ich es dir.“ Da sagte die junge Frau zu ihr: „Du sagst doch nicht die Wahrheit;
denn was du mir geben sollst, ist schwer zu geben.“ Die Schwägerin sprach:
„Ich schwöre dir bei meinem Vater, wenn ich dirs nicht gebe — — —
Da
sagte die andere: „Gib mir darauf die Hand!“ Und die Schwägerin legte ihre
Hand in die der jungen Frau; dann sagte sie wieder: „Ich schwöre dirs bei dem
Herrn, dem ich das Leben verdanke, was du von mir erbittest, das will ich dir
geben; und darf ich es meinen Eltern nicht sagen, so will ich auch das nicht tun.^
D a sagte die junge Frau zu ihr: „Dich selbst begehre ich.“ Da lachte die
Schwägerin und sprach: „W ie soll ich das verstehen? Was willst du mit mir
anfangen? Hast du einen Bruder, für den du redest? Nun, ich habe einen Eid
130
geschworen, ich bin | die Deine. Tu mit mir, was dir gefällt! Selbst über meinen
Leib kannst du verfügen. Ich leiste dir keinen Widerstand; nur sage mir, wasdu m einst!“ Da erzählte die junge Frau ihr ihre ganze Geschichte. Als sie diese
gehört hatte, freute sie sich sehr; und als der Vezier sich entkleidet hatte, sah
sie, (dass er die Wahrheit gesprochen). Da sagte sie zu ihm: „Ich preise deine
Klugheit. Ich bin sehr zufrieden mit dir.“ Und darauf bestiegen sie zusammen
fröhlich ihr Lager. Hinterher sagte sie zu dem Vezier: „W ie kommen wir nun
aber fort von hier?“ Der Vezierssohn antwortete ihr: „In einem Monat entfernen
wir uns.“
Als ihnen nun ein Monat so vergangen war, sagte im ersten Teile der Nacht
131 der Vezierssohn zu der Tochter des Königs von Arb: „Ist es "dir bekannt, | in
welchem Stalle die edelsten R osse stehen?“ Sie entgegnete: „In dem und dem
Stalle stehen zwei Rosse, die an einem Tag einen W eg zurücklegen, zu dem man
(sonst) ein halbes Jahr braucht. Auf, lass uns Männerkleider anlegen und fliehen!
Ich w ill dirs gleich zeigen.“ Da zogen beide Männerkleider an und gingen hinaus.
Sie gingen unter dem Schutze der Nacht in den Stall; die Stallwächter schliefen.
Eiligst sattelten sie die R osse und ritten davon.
Noch in derselben Nacht gelangten sie in das Dorf, in dem der Vezier seinen
Prinzen verlassen hatte. Als sie ankamen, sahen sie einen D um 1), der an der
Strasse schlief. Sie riefen ihn laut an: „He, Schläfer, wer bist du?“ Dieser
i3- sprang empor und sagte zu ihnen: „Ich bin ein Dum, o Grosskönig2). | W as steht
zu deinem Befehl?“ Der Vezier sagte: „Kerl, wo wohnen die beiden Kaufleute*
die hier zugezogen sind?“ Er erwiderte: „Sie wohnen in jenem Dorfe, o Gross­
könig.“ Der Vezier sprach: „Begleite uns bis zu diesem Dorf!“ Und sie ritten
nun langsam neben ihm her. Als sie hinkamen, zeigte er ihnen das Haus; sie
entliessen ihn, und er kehrte in sein Heimatsdorf zurück.
1) Grierson bemerkt, dass darunter berufsm ässige Sänger (also ‘varnde diet’) zu ver­
stehen sind, m eist Mohammedaner. [Dom b, oben 17, 466.]
2) Mit diesem T itel spekuliert der ‘Fahrende’ wohl auf ein anständiges Trinkgeld,
das freilich ausgeblieben zu sein scheint.
Der kluge Vozier, ein kaschmirischer Volksroman.
393
Die beiden rasteten nun eine halbe Stunde unter freiem Himmel. Als sich
der Dum weit entfernt hatte, rief der Vezier den Prinzen, der mit der Prinzessin
im Schlafe lag. Als der Prinz im Schlafe den R uf des Veziers vernahm, sprang
er eiligst auf und steckte den Kopf durchs Fenster. Da sah er seinen Vezier
draussen stehen und dachte: | „Wer ist der Zweite, der bei ihm steht?“ Dann
stieg er nach dem Erdgeschoss herunter, öffnete die Tür und führte beide hinauf.
Er fragte den Vezier nach seinen Erlebnissen, und der Vezier erzählte ihm alles,
was ihm begegnet war. Darauf sagte er zu ihm: „Es ist am besten, wenn wir
uns sogleich auf den W eg machen. Besteiget ihr beiden das eine R oss! Wir beiden
wollen das zweite besteigen. Dann reiten wir nach unserer R esidenz.“ Der
Prinz stimmte ihm bei. Beide Paare setzten sich in der angegebenen W eise auf
die R osse und jagten davon; und als es heller Tag geworden, langten sie in ihrer
Residenz an.
Da ward dem König die Rückkehr seines Sohnes gemeldet, und er freute
sich gewaltig. So schnell er konnte, nahm er Elefanten und R osse und zog
seinem Sohne entgegen. Unter grossem Festesjubel geleitete er den Prinzen und
seinen Vezier in seinen Palast, und die beiden Prinzessinnen wurden fröhlich in
den Harem eingeführt. |
Nach zweier Tage Verlauf schrieb jede der beiden Königstöchter an ihren
Vater einen Brief. Jede erzählte darinnen ihr ganzes Abenteuer; und weiter
schrieben sie: „Es war so der W ille des Herrn; da dürft ihr nicht zürnen. Lasset
von dem Zorn, den ihr gegen mich hegt!“ So schrieben die beiden jungen Frauen
jede an ihren Vater, tröstend und bittend. Und als die Väter die Briefe gelesen
hatten, waren sie’s auch zufrieden. Sie sagten: „Sehet, wie wunderbar ist der
W ille des Herrn!“
Der Vezierssohn, aber erzählte dem Könige die ganze Geschichte von der
Erringung der Prinzessin in Gegenwart der Veziere und Diwanen. Da war der
König mit dem Vezierssohn sehr zufrieden. Er übergab seinem Sohn sein Reich,
und der Vezierssohn ward des neuen Königs Vezier. Der alte König lebte hinfort
mit seiner Gemahlin dem Gedenken an den Namen des Herrn. Sein Sohn aber
verwaltete mit seinem Vezier frohgemut sein Reich.
Nachträge.
S. 30 ist statt des Satzes: „Denn wenn wir alles erwogen“ usw. wohl zu übersetzen:
„Denn wir waren am Leben geblieben. Verachte a lles“, d. h. alles andere war Nebensache.
Zu 121 ff. Der im Tem pel stattfindende Kleidertausch zwischen M inister (Freund)
und junger Frau, das Entweichen derselben und F lucht und Vermählung des Ministers
(Freundes) mit der Schwester des betrogenen Gatten (Bräutigams) auch bei Sömadeva,
Kathäsaritsägara 104, 143 ff. (Tawney 2, S. 419); Ksemendra, Brhatkathämanjarl 11, (53 ff.
Dem Pandit M u k u n d a r fim aus Srinagar verdanke ich die Erklärung einzelner
Stellen, die ich von der zweiten Fortsetzung an noch bei der Korrektur benutzen konnte.
Das Folgende trage ich hier nach, weil ich es ohne grössere Störung des Satzes nicht
hätte einfügen können.
S. 61. Der Pandit bessert den K asm m -Text sicher richtig. Nach seiner Besserung
ist statt „Mitten in der Unterhaltung . . . . " zu lesen: „In dessen Verlaufe fragte er sie
unter anderem.“
S. 81, Str. 33. Dazu bemerkt der Pandit: „Die in Versen abgefasste Urkunde über
das Versprechen der Entgegennahm e der Geschenke u s w , welche der Oberpriester (Kfizi)
zur Zeit der Gelöbnisse aufsetzt, die bei der Vermählung von Mädchen mohammedanischen
Glaubens abgelegt werden, wird von der Braut zum Zeichen des Einverständnisses laut
vorgelesen.“
D öbeln.
13 £
134
Zoder:
394
Die Melodien zu der Ballade von der Nonne.
Von R aim und Z od er.
E in s der v erb reitetsten d eu tsch en V o lk slie d e r ist d ie sch ön e B a lla d e:
„Ich stand
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ein em B e r g e “, von
der fa st je d e S am m lu n g
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oder
m eh rere L esa rten en th ält und d ie auch nach den N ied erla n d en , D än em ark
und S ch w ed en ged ru n gen ist.
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den v er sc h ie d e n e n T e x te n ,
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man
am v o llstä n d ig ste n b e i C. K öh ler und J. M eier, V o lk slie d e r von der M osel
und Saar 1896 S. 393 nr. 97 und b ei M. E. M arriage, V o lk slie d e r aus der
B a d isc h e n P fa lz 1902 S. 7 nr. 3 v er ze ic h n et fin d e t1),
und J. W . B r u in ie r 8)
so ll
nun
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D u rch sch n ittsfa ssu n g en
m u sik a lisch e S e ite
D e r V o llstä n d ig k eit h alber
V er g leich u n g von W er t ist,
h aben E . F ie d le r 2)
h erg e stellt.
der N o n n en b a lla d e
Im fo lg en d en
b ele u c h tet w erden.
sin d auch au slä n d isch e M elod ien ,
so w eit ihre
in den K reis der B etrach tu n g g ezo g en .
Zu
den schon ged ru ck ten 44 d eu tsch en und 10 frem d län d isch en M elod ien te ile
ich im A n h än ge drei L esarten
d es L ie d e s
aus N ied erö sterreich
m it und
fü g e u nter N r. 38 ein e b ish er u n g ed ru ck te W e ise aus O b erösterreich b e i 4).
D ie M elod ien sind in sie b e n G ruppen geord n et, v on d en en d ie sech s ersten
äh n lich e W e ise n
en th alten ,
w ähren d
d ie
sie b e n te G ruppe
d ie M elodien
zu sam m en fasst, w elc h e k e in e Ä h n lic h k e it m it den ändern a u fw eisen .
A lle
W e ise n sind der E in fa ch h e it h alb er nach C -D u r oder C -M oll tran spon iert
und d ie S ch alttak te (te x tlich e W ie d e rh o lu n g en ) durch fettg e d r u c k te T a k t­
strich e b egren zt. D ie d eu tsch en M elod ien sin d m it arabischen, d ie frem den
m it röm isch en Ziffern
und
d ie
u rsp rü nglich
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anderen T e x te
an-
g eh ö rig en W e ise n m it b eso n d eren S ig le n ( K l , K 2, lit. a) b eze ic h n et.
D ie e r s t e Gruppe umfasst A) 15 deutsche und B) 8 ausserdeutsche Melodien,
welche sich um die W eise (Mel. 6— 7) reihen, nach der heute in Studentenkreisen
Wilh. Müllers Lied ‘Im Krug zum grünen Kranze’ gesungen wird. Die Melodien
sind folgenden Werken entnommen:
1) [Vgl. feruer Dörler oben 17, 308. Grüner, Sitten der Egerländer 1901 S. 84 =
Unser Egerland 2, 31. Mitt. zur bayrischen Volkskunde 1901, 1, 2 und 2, 2. Alemannia
2, 187. 34, 154: ‘Es welken alle Blätter’. Adler, Progr. H alle 1901 S. 27. Olbrich, Mitt.
der schles. Ges. f. Volkskunde 18, 4 2 —61. M eisinger, Wtb. der Rappenauer Mundart 1906
S. 14. D ie IGstrophige niederländische F assung bei Hoffmann v. F., N id. V olkslieder2
S. X II kehrt auf einem modernen Amsterdamer F lugblatte (F. W. Vislaake, Rozenstraat 148.
8 S. 8°) wieder, das Hr. Dr. W. Zuidema freundlich übersandte; es enthält vier Lieder,
zuerst den Gassenhauer: ‘H ceft u soms den kleinen Cohn gezien?’]
2) Volksreim e und V olkslieder aus Anhalt-Dessau 1847 S. 155.
3) Das deutsche V olkslied 1899 S. 115.
4) Für die liebenswürdige Unterstützung bei B esorgung einzelner Melodien bin ich
zu besonderem Danke verpflichtet Herrn E. K. B lüm m l-W ien, Herrn Dr. J. B olte-B erlin
und der löbl. k. k. Hofbibliothek in Wien.
Die Melodien zu der Ballade von der Nonne.
395
A.
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
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10.
11.
12.
13.
14.
15.
E. Meier, Schwäbische V olkslieder 1855 S. 416 Nr. 8, II. Mel. (Schwaben).
Meier S. 415 Nr. 8, I. Mel. (Schwaben).
E. H. Wolfram, Nassauische Volkslieder 1894 S. 44 Nr. 17 a (Nassau).
L. Erk, Liederhort 1856 S. 54 Nr. 18, zweite Lesart (allgem ein deutsch).
L. Erk-Wr. Irmer, Deutsche Volkslieder 1838 1, 1, 51 Nr. 49 (ohne H erkunftsbezeich­
nung). [V gl. K retzschm er-Zuccalm aglio, Volkslieder 1840 1, 106 nr. 61. 2, 21 nr. 6.]
Erk, Liederhort S. 54 Nr. 18, erste Lesart = Erk-Böhme, Liederhort 1, 316 Nr. 89 c
(allgem ein deutsch).
Erk-Böhme Nr. 89 c, Variante, nach *W yss 1818 nr. 48 (schweizerisch).
Hoffmann v. F. - E. Richter, Schlesische Volkslieder 1842 Nr. 15 (Schlesien).
A. B e n d e r -J . Pommer, Oberschefflenzer Volkslieder 1902 S. 8 Nr. 7 (Baden).
H. Krapp, Odenwälder Spinnstube 1904 S. 112 Nr. 151 (Odenwald).
M. E. Marriage, Volkslieder aus der Badischen Pfalz 1902 Nr. 3 B (Baden).
K. Becker, Rheinischer Volksliederborn 1892 Nr. 7 b (Rheinland).
Erk, Liederhort S. 59 Nr. 18c = Erk-Böhme, Liederhort 1, 318 Nr. 89d, 1. Mel.
(bei Frankfurt a. M.).
Marriage, V olkslieder aus der Bad. Pfalz Nr. 3 A, 1. Mel. (Baden).
Becker, Rheinischer Volksliederborn Nr. 7d, II. Mel. (Rheinland).
B.
I.
II.
III.
IV.
V.
VI.
V II.
V III.
A. P. Berggreen, Folkesange og M elodier 1: Danske Folkesange, 3. Udgavc 1869,
S. 186 Nr. 98c = Erk-Böhme 1, 324 Nr. 9 0 d (dänisch).
P. v. Bohlen, Samm lung litauischer V olkslieder Nr. 51 (Neue Preuss. Provinzial
Blätter 3. F., Bd. 8, 178. 1861) (litauisch).
B erggreen 1, 185 Nr. 98 a
(dänisch).
E. T. Kristenseu, Jydske Folkem inder 11 (1891), S. 376 Nr. 67 (dänisch).
F. Tetzner, D ie Slaven in Deutschland 1902 S. 176 Nr. 18 (lettisch).
E. Lagus, N yländska Folkvisor (1887) 1, 53 Nr. 13 (schwedisch).
Berggreen 1, 187 Nr. 98d
(dänisch).
Berggreen 1, 186 Nr. 98 b
(dänisch).
D ie Gruppe IA , die fast ein Drittel sämtlicher bisher bekannter deutscher
Nonnen-Melodien umfasst, ist sowohl für Deutschland als auch für das andere
deutsche Gebiet als die gebräuchlichste und verbreitetste anzusehen, und zwar ist
sie hauptsächlich in Mitteldeutschland und den nördlich von Deutschland gelegenen
Ländern heimisch. Dass unsere Anordnung keineswegs willkürlich ist, werden die
folgenden durch Stufenbezeichnung der betonten Taktteile hergestellten Melodien­
skelette1) beweisen:
1. 5 3 3 5 | 8 6
6 1
2 - 8 . 5 3 3 5 | 8 6 [~4~| 6 1
5 1
9. 5 3 3 5 | 8 6
10. 5 3 3 5 | 8 6
5 3
11—12. 5 3 3 5 | 8 6 | 4 | 5 3
13.
1 3 3 5 | 8 6 |T ] 5 1
14.
3 5 3 5 |
8 6 [7 ] 6 !
15. 3 1 5 5 | 8 6 [~4~1 6 3
(Fortsetzung des Textes auf S. 404.)
1) Die Tonstufen der betonten Taktteile werden m it Ziffern bezeichnet, und zwar
aufwärts vom Grundtone m it arabischen Ziffern (1 = Prim, 2 = Sekund usf.), die Ton­
stufen unter dem Grundtone (Schlusston) m it römischen Ziffern, von der unteren Oktav
des Schlusstones als I gerechnet. D iese Bezeichnung hat der Verfasser bereits bei der
Anordnung von Volkstänzen benutzt (vgl. oben S. 307).
396
Zoder:
Die M elodien zu der Ballade von der Nonne.
397
Zoder:
398
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399
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Die Melodien zu der Ballade von der Nonne.
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Zeitsclir. d. Vereins f. Volkskunde. 1A08.
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20
Die Melodien zu der Ballade von der Nonne.
403
VI.
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Zoder:
404
Vorsänger
Chor
Da drunten in
je- nem Ta
- le, da drunten in
je - nem Ta -
le, sah
45.
Ich stands auf ho-hen B ergen,schauts her-un-ter ins
46. -v+r-*-4—*-
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Ich bin dir viel zu arm, ich bin dir viel zu schlecht; ins K lo-ster w oll’n wir
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Es wel-ken al - le Blätter, sie fal-len al - le ab.
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So m usst ich mein Schatz ver-
t:
48In s Kloster w ill ich ge - hon, w ill werden ei-ne Nonn. Dann muss ich die W elt ver(Fortsetzung des Textes von S. 395.)
Gl
I. 5 3 3 5 | 8 G
II—III. 5 3 3 .) | 8 G [~4~| Ci 1
IV -V .
VI.
VII.
VIII.
5
5
5
5
3 4
15
34
4 8
5
5
5
5
| 8 G jT | G 1
| 8 5
| 8 5
18 5
5 1
5 1
Gl
Nach dieser schematischen Darstellung haben wir die Nr. 1—9 und II—III als
Normal-Melodie, anzusehen. Der bei zwölf deutschen und vier ausländischen
Melodien vorkommende Schalttakt gehört daher dieser Gruppe organisch an; er be­
vorzugt die vierte Stufe, nur in Nr 14 die siebente Stufe. Die Erhöhung der vierten
Stufe in Takt 3 der Melodien Nr. 4, 5, I und II, welche einen Übergang in die
Tonart der Dominante herbeiführt, weist offenbar auf kunstmässigen Einfluss hin.
Interessant ist die Tatsache, dass in dieser Gruppe
4/4- und 6/s"T ak t v o r.
kommen; und zwar stehen zehn Melodien im 2/ 4 _rr akte, neun Melodien sind im
C - T a k t e 1) notiert, während bei vier W eisen der G/S-Takt erscheint. Das Fehlen
des 6/8-Taktes in den ausserdeutschen Liedweisen, sowie die Herkunft der vier im
6/ 8-Takte stehenden, deutschen Melodien (Nr. 9, 10, 12, 13) lassen süddeutschen,
älplerischen Einfluss vermuten. Da Melodien von demselben Schema (Nr. 2—s,
11, 12) verschiedenen Takt haben, so leiten wir aus dieser Tatsache den für die
Melodien-Anordnung wichtigen Grundsatz ab, dass für die Zusammengehörigkeit
von Volksmelodien die Taktart keine R olle spielt.
1) Mel. II wird als im 4/ 4-Takte notiert gerechnet.
405
Die M elodien zu der B allade von der Nonne.
Ch.
V.
Ch.
-X
1/
ich
zweiSchiff-lein stehn, sah ich, sah ich, sah ich, sah ich,
sah
~
v
ich zwei Schifflein stehn.
3:
kams ein
Schiff-lein
t= i
schwom-m en, wor - in - ncn Schatz - lieb - chen war.
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ra,
hur - ra,
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in -n en Schatz-lieb-chen
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wer - den
ei - ne
Non- ne, wir
wer- den ein Got- tes - kind.
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krän-ket m ei - nen
Sinn,
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das
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kränket m ei-nen Sinn.
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3 E Ö
spn, dann muss ich die W elt ver - las - sen, bis dass ich wie-der-komm.
las
Z w e ite G rup pe.
Die z w e it e Gruppe kann man nach der Herkunft der Melodien die d e u t s c h ­
Vergleichshalber sind ihr zwei ‘Königskinder’Melodien (R 1 und K 2) beigegeben.
ö s t e r r e i c h i s c h e Gruppe nennen.
16.
17.
IS.
19.
K 1.
K 2.
20.
21.
Das deutsche V olkslied 5, 86 (Wien 1903). (Mähren.)
Unser Anhang Nr. 3. (Nieder-Österreich.)
Unser Anhang Nr. 1. (Nieder-Österreich.)
A. Peter, Volkstüm liches aus Östcrr.-Schlesien Bd. 2 (1867), Nachtrag, S. 6 Nr. 5.
(Österr.-Schlesien.)
Krapp, Odenwälder Spinnstube S. 73 f. Nr. 101. (Odenwald.)
Wolfram, Nassauische Volkslieder S. 57 Nr. 30. (Nassau.)
Das deutsche Volkslied 4, 51 (W ien 1902). (Nieder-Österreich.)
Unser Anhang Nr. 2. (Nieder-Ö sterreich.)
Nach den Melodienschemen zerfällt die Gruppe in zwei Unterabteilungen a und b:
a)
16.
17.
18.
19.
K l.
K 2.
U 2
VII 3 I 5
2
2
2
2
3
2 3
43
4 3
4 3
2 3
5 4
6 5
3
3
b
3
3
|
|
|
|
|
5
0
4 1 1
4 1 1
4 1 1
5 VI 1 1
O
O
4 5 g
O
5 6 5 O
b )
H
CM
'"Ö
I 5
4 O3
Beachtenswert ist die Tatsache, dass die in Österreich für die Nonne ge­
bräuchliche Melodie im Odenwald und in Nassau für das Lied von den zwei
Zoder:
406
Königskindern verwendet wird.
Allein auch sonst werden ja nach derselben
Balladenmelodie verschiedene Texte gesungen. Wenn nach dem Melodienskelette
zwischen beiden Untergruppen mit Ausnahme des 5. und 6. Taktes kein Zusammen­
hang zu bestehen scheint, so fällt doch der Intervallenabstand einer Terz zwischen
den Melodien Nr. 18, 19 und K 1 einerseits, und den Melodien Nr. 20 und 21
andererseits auf. Gruppe b enthält somit die Oberstimme der Gruppe a, und man
könnte aus beiden eine zweistimmige Fassung des Liedes rekonstruieren.
D r it t e G ru p p e.
22.
23.
24.
25.
Marriage, V olkslieder aus der Bad. Pfalz Nr. 3 A (BadeD).
Marriage, Nr. 3, A 2 (Baden).
Becker, Rhein. V olksliederborn Nr. 7 d, I (Rheinland).
C. Köhler und J. Meier, V olkslieder von der Mosel und Saar Nr. 97 (MoselSaar).
26. O. M eisinger, V olkslieder aus dem W iesentale 1907 S. 52 (Baden).
D iese Gruppe bezeichnen wir nach der Herkunft der Melodien als die w e s t ­
m it t e ld e u t s c h e .
D ie Umrisse der Melodien sind für alle fünf Lesarten fast
gleich, nur die letzte W eise weicht im Anfänge von den übrigen ab, da sie teil­
w eise die zweite Stimme bildet.
22.
23.
24.
25.
26.
III 3
III 3
III 3
III 3
15
V
V
V
V
V
3
1
1
1
3
|
12 V
| III 3 V
|
54V
|
54V
|
53V
3
1
1
1
3
V ie r te G ru p p e.
27. Becker, Rhein. Volksliederborn Nr. 7 c (Rheinland).
28. [Groos und Klein], Lieder für Jung und Alt, Berlin 1818 Nr. 10.
29. E r k -W . Irm er, V olkslieder 1, 1, Nr. 50 a (ohne H erkunftsbezeichnung) = ErkBöhm e, Liederhort 1, 319 Nr. 89 e. [Vgl. K retzschmer-Zuccalmaglio 1, 113 nr. 64.]
29a. Variante von Nr. 28 bei F . Silcher, D eutsche Volkslieder für vier Männerstimmen
(1826) 2, Nr. 6. [Bei Erk-Böhme 1, 319 herrscht Konfusion].
30. F. W. v. Ditfurth, Fränkische Volkslieder 1855 2, 17 Nr. 19 (Franken).
ln dieser Gruppe haben die ersten vier Melodien ausser der Taktart und
zwei Schalttakten auch das Melodienskelett gemeinsam, während Nr. 30 sich weiter
von den vorangehenden Melodien entfernt.
2 7 -2 9 a. 3 3 3 2 | 5 5 4 5 5 1
30.
1 3 3 1 |
15
45
3 2 1
Erk hält die Melodie (Nr. 2 9) für gemacht, da sie ihm im Volksmunde nicht
begegnet sei. Dagegen spricht jedoch das Vorkommen der Melodie am Rheine
und in Franken (Nr. 27. 3 0 ).
F ü n fte G ru p p e.
31. J. F. Reichardts M usikalisches Kunstmagazin 1, 154 (Berlin 1782) = Erk-Irmer,
V olkslieder 1, 1, 43 Nr. 42 = Erk, Liederhort Nr. 18 a = Erk-Böhme l, 313 f.
Nr. 89 a (Eisass). [Kretzschmer-Zuccalmaglio 1, 111 nr. 63.]
32. M. Friedlaender, 100 deutsche Volkslieder 1887 S. 51 Nr. 51 (Aus dem Siebeugebirge nach Arnolds Ms.).
33. Gräters Bragur 1, 2(54 (Leipzig 1791) = Erk, Liederhort Nr. 18b (SchwäbischHall). [Vgl. Kretzschm er-Zuccalm aglio 1, 107 nr. 62.]
Die Melodien zu der Ballade von der Nonne.
407
IX . E. de Coussemaker, Chants populaires des Flamands de France 1856 S. 200
Nr. 56 = Erk-Böhme 1, 322 Nr. 90c (Erk-Böhm es Abweichungen von der Vor­
lage sind durch abwärtsgehende N oten gekennzeichnet) = Van D uyse, H et oude
nederlandsche lied 1903 1, 135 Nr. 2 1 D (vlämisch).
D iese Gruppe enthält drei deutsche W eisen und eine ausserdeutsche. Da die
deutschen Melodien, die den Sammlern erst aus zweiter Hand zugingen, dem in Südund Mitteldeutschland seltenen M oll-G eschlechte angehören, müssen sich Nr. 31,
32 und 33 einen Zweifel bezüglich ihres Vorkommens im Volksmunde gefallen
lassen. Es kann aber natürlich auch eine Einwanderung der Melodie aus Nord­
deutschland und den anderen nordgermanischen Ländern vorliegen; denn dort ist
das Volk mit der Molltonart vertrauter als bei uns.
Die Melodien haben eigentlich nur Tongeschlecht, Aufbau (zwei Schalttakte)
und Modulation (Schluss des ersten Teiles auf der Terz der parallelen DurTonart, Schluss des zweiten Teiles in Moll) gemeinsam. D ie Melodienskelelte
zeigen nur gew isse Ähnlichkeit, aber nicht Gleichheit.
31.
15 65 |
5 5 |3 3| 5 1
32.
1 5 75 |
7 5 |4 3 | 5 1
33.
5 1 65 |
5 4 |T 2 ] 8 1
IX.
1 1 3 5 |
5 5 [T T ] 4 1
D ie vlämische Melodie steht der deutschen W eise Nr. 31 durch die Taktart
(6/8) näher, während Nr. 31 und 33 in der sequenzenartigen Nachbildung des
5. und 6. Taktes in den Schalttakten übereinstimmen.
S e c h s t e G ru p p e.
34. Schweizerisches Archiv f. Volkskunde 11, 54 Nr. 80 (1907. Kt. W allis).
35. 0 . v. Greyerz, Im Röseligarte 1, 49 (1908. M elodie aus Lützelflüh, Kt. Bern).
36. A. L. Gassmann, Das Volkslied im Luzerner W iggertal 1906 Nr. 10 (Kt. Luzern).
Alle drei Melodien sind nur in der Schweiz heimisch und erst in neuerer
Zeit (1906— 1908), zur Veröffentlichung gelangt Die 1818 aus der Schweiz über­
lieferte Melodie (unsere Nr. 7) gehört der ersten Gruppe an und scheint heute
daselbst nicht mehr gebräuchlich zu sein. An ihre Stelle ist die oben mitgeteilte
getreten, die wir als die n e u e s c h w e i z e r is c h e W eise bezeichnen wollen. Die
Melodienschemen bieten zu näherer Betrachtung Anlass:
34.
35.
36.
12 V II 2 | 1 4
34
2 34 | 3 4
12 V II 1 | 1 4
51
53
53
|
|
|
Nr. 35 erweist sich als Oberstimme zu Nr. 34 und in entfernterem Masse auch
zu Nr. 3G. Ein analoger Fall begegnete uns bereits in der II. Gruppe, wo von
einer Melodie aus den Alpen einmal die Oberstimme, ein anderes Mal die Unter­
stimme überliefert ward. Und dies Stimmenverhältnis, nach welchem s o w o h l
d ie U n te r s tim m e (Hauptstimme) a ls a u ch d ie O b e r s tim m e s e lb s t ä n d ig au ft r e te n können, scheint nach unserer Erfahrung auf die Alpenländer beschränkt.
Wenn man also der Oberstimme in diesen Fällen1) den Namen einer begleitenden
Nebenstimme geben würde, täte man ihr Unrecht. Diese Melodien besitzen die
eigentliche, echte Zweistimmigkeit.
1) Mir ist ein steirisches Lied in Erinnerung, zu dem in der einen Sammlung
(Jabornik, Edelraute Nr. 3) die M elodie zweistim m ig, in dem anderen Werke aber (Zack,
H eiderich und Peterstam m 3, Nr. 10) nur der ‘Ü berschlag1, die Oberstimme m itgeteilt ist.
408
Zoder:
S ie b e n t e G r u p p e.
37. W. Schm eltzl, Guter seltzam er und kunstreicher teutscher Gesang, Quodlibet etc.
Nürnberg 1544 Nr. 7, Tenor. (Deutsch.) — Hier nach der T akteinteilung von
Erk-Böhme 1, 313 Nr. 89 a.
X. Den boeck der gheesteliicke sanghen 1 (Bliiden requieHi. Antw. 1631) S. 178 =
F l. van D uyse, H et oude nederl. Lied 1, 134. (Niederländisch). Vgl. auch ErkB öhm e, Liederhort Nr. 90b (willkürlich verändert) und F l. v. Duyse 1, 132
Nr. 2 1 B. — Zur V ergleichung wurde hier nur der erste T e il verwendet.
38. M elodie aus Oberösterreich (Puchkirchen und Um gebung).
H andschriftlich
durch Herrn J. Reiter.
39. P. Zinck, Mitt. des Vereins f. sächs. Volkskunde IV , 6, 197 Nr. 7 (Sachsen).
40. K. v. Leoprechting, Vom Lechrain 1855 S. 14 Nr. 17 (Bayern).
41. Becker, Rhein. Volksliederborn Nr. 7 a (Rheinland).
42. Ditfurth, Frank. V olkslieder 2, 16 Nr. 18 (Franken).
43. Ditfurth, Frank. Volkslieder 2, 18 Nr. 20 (Franken).
lit. a. B ecker, Rhein. Volksliederborn S. 48 Nr. 56.
Text: „Schönster Schatz auf
Erden, liebst du mich ganz allein?“ (Rheinland).
44. Ditfurth, Fränk. Volkslieder 2, 19 Nr. 21 (Franken).
45. J. Lewalter, Volkslieder, 1896, 3, 6 Nr. 4 (N iederhessen).
46. M. Friedlaender, 100 V olkslieder S. 35 Nr. 35 (Bonn 1874).
47. K. Olbrich, Mitt. der schles. Ges. f. Volkskunde 18, 61 (1907. Breslau).
[Eine
andere M elodie zu diesem Texte in verkehrter Takteinteilung steht Alemannia 34, 154.]
48. K. Scheibe, N iedersachsen 6, 188 (1901. F redelsloh im Solling).
Die letzte Gruppe vereinigt naturgemäss jene Melodien, welche unter der
grossen Anzahl dennoch Waisen blieben und keine Verwandten fanden.
Es
liegt nahe, an eine Übertragung der Melodien von einer Stoffgruppe zur ändern
zu denken, wie schon in der zweiten Gruppe eine Beziehung zwischen der Nonnen­
ballade und dem Königskinder-Stoff begegnete; indes ist bei dem Mangel eines
Melodienlexikons hier schwer weiter zu kommen.
An der Spitze steht die älteste deutsche Nonnenmelodie, leider nur ein Bruch­
stück und im Originale, w eil einem Quodlibet-Tenor entnommen, in verzerrter
Takteinteilung1). Vergleichen wir diese Melodie mit der ältesten niederländischen
Fassung (Nr. X), so haben beide Melodien, vom ersten Tone (Auftakt) abgesehen,
die ersten fünf Töne gemeinsam und weisen auf eine Urform hin, die später ver­
schieden verändert wurde.
D ie unter Nr. 38 mitgeteilte W eise ist eine allgemeine Balladenmelodie, welche
auch zu anderen Liedern verwendet wird. Ebenso dürften die Melodien Nr. 39,
40, 41 und 42 auch zu anderen Texten gesungen werden. Die Melodie Nr. 43
findet sich noch in der Rheinprovinz, aber mit dem Texte eines Liebesliedes, was
uns den Beweis liefert, dass nicht nur Balladenmelodien untereinander wechseln,
sondern auch mit den W eisen von Liebesliedern tauschen. Interessant ist diese
Melodie auch durch ihren Aufbau, weil die Zwölfzahl der Takte nicht aus drei
viertaktigen, sondern aus vier dreitaktigen Perioden zusammengesetzt ist.
Die
Nummern 44—48 weichen in Aufbau und Text so von der normalen ab, dass von
einer Vergleichung von vornherein keine R ede sein kann. Der Anfang der Melodie
Nr. 46 zeigt Ähnlichkeit mit einem bekannten Thema aus F. A. Boieldieus ‘W eisser
Dame’ (1825), worauf schon Max Friedlaender hingewiesen hat.
1) Wir folgen der Takteinteilung Böhm es im Liederhorte; bei der W iedergabe der
Melodie in Böhmes Altdeutschem Liederbuch S. 112 hat sich im dritten Takte, zweite V iertel­
note ein Fehler (g ) eingeschlichen; nach dem bei R. Eitner (Das deutsche Lied des 15. und
16. Jahrhunderts 1, 40 nr. 148; m itgeteilten Originale so ll ein a stehen.
Die Melodien zu der Ballade von der Nonne.
409
Von den a u s s e r d e u t s c h e n Melodien der Nonnenballade zeigen mit Aus­
nahme der zehn zur Vergleichung herangezogenen W eisen die übrigen keinerlei
Beziehungen zu den deutschen; sie seien jedoch, soweit sie mir bekannt und zu­
gänglich waren, der Vollständigkeit halber hier angeführt:
H a u p t und S c h m a l e r , V olkslieder der W enden 1, 82 Nr. 50 und 2, 52 Nr. 51
‘Liebestod’ (1843—44).
E. F. K r i s t e n s e n , Jydske Folkem inder 1, 219 Nr. 81 ‘J eg stod op paa hojen bjaerg’
(1871).
E. G. G e i j e r & A. A. A f z e l i u s , Svenska folkvisor 3, 48 Nr. 25 ‘Och jungfrun
ständar pä högan berg’ (1880).
E. L a g u s , Nyländska Folkvisor 1, 56 Nr. 13b und c ‘Och jungfrun hon gängar sig pA
högan bärg’ (1887).
A. L o o t e n s et J. M. E. F e y s , Chants populaires flamands 1879 p. 88 Nr. 47
‘k Klom laatstm aal op hooge bergen’.
E. de C o u s s e m a k e r , Chants populaires des Flam ands de France 1856 p. 204
‘Toen ik op Nederlands bergen stond.’
M e lu s in e 8, 11 (1896/97): Soldat et religieuse, bretonisch.
W en n w ir zum S ch lü sse n och das A lter der ein z eln en M elod ien fe st­
s te lle n w o lle n , so b leib t freilich
P u b lik a tio n ,
w as
in sofern
als A n h altsp u n k t nur d ie Jah reszah l d er
ein e U n g e n a u ig k eit b ed eu tet,
als d ie L ie d e r
g ew ö h n lich schon la n g e vor der D r u c k le g u n g im V o lk sm u n d e leb en .
Es
ersch ein t d ie V. G ruppe 1782, d ie I. 1818, d ie IV. 1818, d ie II. 1865, d ie
III. 1892, d ie V I. 1906.
Z u sam m enfassend k ön n en w ir sagen , dass d ie d eu tsch en M elod ien zur
N o n n en b allad e sich m it w en ig en A usn ah m en in G ruppen v er ein ig e n la ssen ,
w e lc h e
in lan d sch aftlich b eg ren zten G e b ie ten
lic h e W an d lu n g
z e ig t
sich
darin,
dass
h eim isch sind.
E in e z e it­
frü her v er b r eite te M elodien
w ie
Nr. 37 und G ruppe V h eu te n ich t m ehr g esu n g en w erden, h in g e g e n n eu e
W e ise n (III und V I) zu d em selb en T e x te auftauchen und verhältnism ässige
rasch V erb reitu n g finden.
D ie v er b r eite tste M elod ie 1 ist
n ich t
nur
in
D eu tsch lan d , sondern auch b e i den an gren zen d en S k a n d in aviern und L etten
geb räu ch lich.
M öchte d ieser V ersuch ein er m u sik -k r itisch en S tu d ie n ich t nur e in ig e
n eu e T atsach en fe stg e ste llt h aben, sondern auch im stan d e sein , ein en W e g ­
w eiser
für
d ie
zu sam m en fassen d e M elod ien verg leich u n g ,
d ie
der V o lk s­
k u n d e so n ot tut, ab zu geb en !
Anhang.
Nr. 1.
$
-0 — ß -
-V -
1. Einst stand ich auf
ho - hen
Fel- sen
und
schau-te hin - ab in das
— fr
Tal,
da sah ich ein Schiff-lein
fah - ren, wor- in- nen drei Gra - fen warn.
Zoder:
410
2. Der Jüngste von diesen drei Grafen,
Der in dem Schiftlein sass,
Gab einer schön Dirne zu trinken
Den Wein von seinem Glas.
7. „Es ist ja keine gekommen,
Und darf auch keine hinaus.“
‘Gebt mir die Jüngste der Nonnen!
Sonst zerstör ich das Gotteshaus.’
3. Dann zog er von seinem F inger
Ein goldenes R ingelein:
‘D a hast du Hübsche, du Feine,
Das soll dein Denkmal sein.’
8. Da kam sie ganz leise geschlichen
In einem w eissen Kleid,
Das Haar war ihr geschnitten,
Zur Nonne war sie gew eiht.
4. „Was soll ich m it diesem m achen,
Was soll ich m it diesem tun?
Ins K loster w ill ich gehen,
W ill werden eine N onn.“
9. In ihren Händen trug sie
Einen Becher m it W ein,
Daraus gab sie ihm zu trinken;
Ganz leise schläft er ein.
5. ‘Wenn du ins K loster w illst gehen
Und werden eine Nonn,
So w ill ich die W elt durchreisen,
B is ich ans K loster ankomm.’
10. In vierundzwanzig Stunden
L ag er im grünen Gras,
Mit ihren feinen H ändlein
Grub sie ein schönes Grab.
G. Ins K loster ist er ankommen,
Ganz leise klopft er an.
‘Gebt mir die Jüngste der Nonnen,
D ie zuletzt ins K loster ankam!’
11. Darauf nahm sie ihn in die Hände
Und legte ihn hinein,
Mit ihrer zarten Stimmen
Sang sie ihm ein Grabgesang.
Aus Kirchberg a. d. Pielach (St. Pölten, N .-ö .); vorgesungen von Maria Labner,
aufgezeichnet von R. Zoder, 1901. — Die M elodie steht oben S. 898 als nr. 18.
Nr. 2.
r-j
y
J-fck-fi-— * 8 j 3
1.
IL
PI. ‘ k. 1' IL " 1*. "*T i
Einst stand ich auf ho - hen
h.
und sah ins
-K---- 1--------:------ :-------------*
E f e j k — K— Nsah ich ein Schiffe- lein
F el- sen,
f* " P"!
1 ' lV — 1
i
tie - fe Tal,
-1--------:-----
schwim- m en, wor - in- nen drei Gra - fen
warn.
2. Der jüngste von diesen drei Grafen
Gab mir ein R ingelein:
‘Da hast, du Schöne, du H olde,
D ies soll dein Denkmal sein.’
6. ‘W illst du ins K loster gehen,
W illst werden eine Nonn,
So w ill ich die W elt durchreisen,
Bis ich ans K loster komm.’
3. „Was soll ich m it diesem Denkmal
Der teuren Liebe dein?
Bin nur ein armes Mädchen,
Hab weder Geld noch G ut.“
7. Und so ans K loster angekommen,
Klopft er ganz leise an:
‘Gebt mir die Schönste, die Jüngste,
Die kürzlich erst ankam !’
4. ‘B ist du ein armes Mädchen,
Hast weder Geld noch Gut,
So denke an unsre Liebe,
D ie zwischen beiden ruht!’
8. „Es ist ja keine gekommen,
Und kom m t auch keine heraus.“
‘So w ill ich das Kloster zerstören,
Das schöne G otteshaus.’
5. „Ich denke an keine Liebe,
Ich denke an keinen Mann,
Ins K loster will ich gehen,
W ill werden eine N onn.“
9. Da kam sie leise angeschlichen
In ihrem schwarzen Kleid,
D ie Haare abgeschnitten,
Zur Nonne ganz bereit.
da
Die Melodien zu der Ballade von der Nonne.
411
lü . Da gab sie ihm W ein zu trinken
Aus ihrem B echerlein;
In vierundzwanzig Stunden
S ch lief er ganz sanfte ein.
12. Mit ihren scharfen Zähnen
B ringt sie den G lockenklang,
Mit ihren roten Lippen
Singt sie den Grabgesang.
11.
Gräbt sie
Mit ihren
Lässt sie
13. „Ein H äuschen w ill ich mir bauen
Aus Rosen und Rosmarin,
Und so w ill ich auf Gott vertrauen,
Solang ich Jungfrau bin.“
Mit ihren zarten Händen
ein Gräbelein,
zarten Fingern
ihn selbst hinein.
Aus G oggendorf (Ob. Hollabrunn, N.-Ö.) durch Herrn E. K. Blümml. — V gl. oben
S. 398 nr. 21.
Nr. 3.
-81.
Einst stand ich auf ho - h e n F e l-s e n
PtP—
W—< --- m--- g--- J---- -fc—
E§2. *— i l p—
cd
sah
rt
und sah
ins tie - fe
Tal,
da
£*> d:: —0'.— #— 0-----------ä—~ 1--- 5“
ich ein Schif - fe- lein schwim - men, wor - in - nen drei Gra - fen warn.
2. Der jün gste von diesen drei Grafen,
Der auch im Schiffelein sass,
Der gab mir einen Wein zum trinken
Aus seinem eigenen Glas.
7. „Es ist ja keine gekommen,
Es kommt ja keine heraus.“
‘So w ill ich das Kloster zerstören,
Das schöne G otteshaus.’
3. W as zog er von seinem Finger?
Ein goldnes Ringelein,
Das gab er mir und sagte,
Das solle m ein Denkmal sein.
8. Da kam sie von ferne geschlichen
Mit ihrem schwarzen Kleid,
Ihre Haare waren ihr schon beschnitten,
Zur Nonne war sie schon bereit.
4. „Ich brauch ja kein Denkmal,
Ich brauch ja keinen Mann,
Ins Kloster, da will ich nun gehen,
W ill werden eine N onn.“
9. Ihre Haare waren ihr schon beschnitten,
Zur Nonne war sie schon bereit,
Mit ihren zarten Fingern
Grub sie ein Grübelein.
5. ‘W enns du ins K loster w illst gehen,
W illst werden eine Nonn,
So w ill ich die W elt durchreisen,
Bis dass ich zum K loster hinkomm.
10. Mit ihren zarten Händen
Schlug sie den Glockenklang,
Mit ihrer zarten Zunge
Stim mt sie ein Loblied an.
6. ‘Und wenn ich zum K loster hinkomme,
Da klopf ich leise an:
Gebt heraus die jüngste Nonne,
Die zuletzt gekommen ist an!’
11. „Ein H äuslein w ill ich mir bauen
A us Rosen und Rosmarin;
So w ill ich, o Gott, vertrauen,
So lange ich am Leben bin.“
Aus Braunsdorf (Ob. Hollabrunn, N . -().), durch Herrn E. K. Blüm ml. — V gl. obeu
S. 398 nr. 17.
W ie n .
Gerbing:
412
Die Thüringer Volkstrachten1).
Von Luise Gerbing.
G leich w ie T h ü rin gen p o litisch in v ie le k le in e S taaten
zersp littert
ist
und geograp h isch in e in e A n zah l geso n d erter L a n d sch a ften zerfä llt, so hat
sich auch d ie E n tw ick lu n g
O sten und W e ste n
se in e s V o lk stu m s
v ersch ied en
g esta lte t.
S itte p rägt sich d ies aus, vor allem
T e il
d es
äu sseren
V o lk sle b e n s:
Z eilen m öch te ich versu ch en ,
im
d er
im N ord en
In
b u n testen
T r a c h t.
im n örd lich en V orlan d g an g und gäb e war.
vom
H äu serb au
und
In
v erä n d erlich sten
den
n ach steh en d en
E ich sfe ld
b is
und
vor
etw a
60 Jah ren
S e it 20 Jahren sa m m elte ich
zum F ra n k en w a ld
in B au ernh öfen
und M useen N o tize n ü ber d ie au ssterb en d e lä n d lich e K le id u n g und
auf Grund
im
und
ein B ild unserer T h ü rin ger B a u ern k leid u n g
zu en tw erfen , w ie sie vor 4 0 Jahren im W a ld
au f W an d eru n gen
und Süden,
M undart,
d ieser A u fzeich n u n g en
und
ein er
eig en en ,
w en n
hoffe,
auch n ich t
v o llstän d igen , S am m lu ng e in e g en ü g en d e Ü b ersich t g eb en zu k önn en .
D ie E n tw ick lu n g , E rh altu n g und das E n d e der T h ü rin g er T rach t sin d
aufs
en g ste
K ultur.
S o la n g e
verk n ü p ft
m it
„S elb stg esp o n n en ,
au f
den
w eite n
dem
W erd eg a n g
se lb stg e m a c h t
D o rftriften
S ch a fh erd en der G em ein d en ,
ist
und
der
d ie
la n d w irtsch a ftlich en
b este
-ried en
d ie
B au ern trach t“.
h u n dertköp figen
G rundherren und K lo sterh ö fe w eid ete n ,
zur
Z eit, als in je d e r T h ü rin g er D orfflur b lau w o g en d e L e in fe ld e r sich d eh n ten ,
da k on n te das M aterial zu dem G esp in st im L a n d e
un en tb eh rlich
ist
Z u sa m m en leg u n g
zur
echten
T rach t:
der F lu r hat
S ch a fw o lle
sich die
uralte,
erzeu g t w erd en ,
und F la c h s.
und F la ch sb a u
zur
ech t b ä u erlich e A rb eits­
le istu n g des S p u len s, S p in n en s und W eb en s erhalten.
E influ ss S ch afzucht
B is
das
W elch u n geh eu ren
au f das W irtsch a ftsleb en
d es Baueru
1)
Benutzte Literatur: F. F r i e s , H istorische N achrichten von denen merkwürdigen
Zeremonien der Altenburgischen Bauern (1703. Neudruck, besorgt von Dr. M. Geyer,
Schm ölln, R. Bauer 1887). — L. G e r b i n g , Thüringer Trachten (Thür. M onatsblätter 1894,
Nr. 4 u. 7; 1895, Nr. 6 u. 10). — C. F. H e m p e l , Sitten, Gebräuche, Trachten und Mund­
art der Altenburger Bauern (1889). — Moritz H e y n e , F ünf Bücher deutscher H aus­
altertümer Bd. 3: Körperpflege und K leidung (Leipzig 1903). — K. E. A. v. H o f f und
C. W. J a c o b s , Der Thüringer Wald, Bd. 2, Gotha 1812. — F. H o t t e n r o t h , Handbuch
der deutschen Tracht (Stuttgart, Gust. W eise). — A lfr. K ir c h h o f f , Die ältesten W eisthümer der Stadt Erfurt (H alle 1870). — K. F . K r o n b i e g e l , Über die Sitten, K leider­
trachten und Gebräuche der Altenburgischen Bauern (1806). — C. F. M o sc h und F. C.
Z i l l e r , Versuch einer Beschreibung der Sachsen Gothaischen Lande (Gotha 1813). —
Fr. R e g e l , Thüringen, ein geographisches Handbuch II , 2, S. 778 ff. (Jena 1895). —
P. Z s c h i e s c h e , Der Erfurter Waidbau und W aidhandel (Mitt. d. Vereins für Geschichte
und Altertumsk. von Erfurt, Heft 18. 189(5). — [E. H e r m a n n , oben 14, 2 86]
Die Thüringer Volkstrachten.
h atten ,
das erfährt jed er ,
413
der der V o lk sk u n d e n a ch g eh t in a lten B auern-
fa m ilien und D orfak ten .
D er
sch w ere F a lten ro ck ,
der F u h rm a n n sk ittel,
das G irnhem d k on n ten nur aus Stoffen g ea r b e itet w erd en , an d en en ‘k ein
V erg a n g ist’; sie
.gingen oft,
A u sser
dem F la c h s
W ic h tig k e it
der
d ien ten
vom H o c h z eitsta g
als v ö llig brauchbar, n och
w ar
der A nb au
für d ie E n tw ick lu n g
W e b e r d iste l
(D ip sa cu s
an b is ans L e b e n sen d e und
au f d ie
von
der
n ä ch ste G eneration über.
ein ig e n
w eite ren P fla n zen von
T h ü rin ger W eb k u n st:
fullonu m
M ill.),
der
R u b ia
F ärb erröte, und vor allem d es W aid s (Isa tis tinctoria L .).
d ie K ultur
tinctorum
L .,
L e tz tere w ich tig e
F ä rb ep flan ze w urde vor allem zw isch en den vier „ W a id stä d ten “ 1) E rfu rt—
G otha— L a n g en sa lz a — T e n ste d t
etw a
300 T h ü rin ger
geb au t.
D orffluren
N och
ungefähr
im Jahre 1606 w aren
in
15 00 0 A ck er L an d
m it W a id
T rach t
d ie
b e sta n d e n 2).
Z unächst
se ie n
nun
d ie
T e ile
der
b esp rochen,
ganz
T h ü rin gen angehören. E s sin d d ies zu g leich g e m e in d e u t s c h e G ew an d ­
stü ck e, und zw ar solch e, d ie durch ih re F o rm en den w irtsch a ftlich en A n ­
ford erun gen d es B au ern stan d es am m eisten en tg eg en k a m en und
sich
aus
d iesein G runde auch am lä n gsten erh alten w erden.
D as
k itte l.
eh rw ü rd igste S tü ck
der M ä n n e r t r a c h t
E r stam m t w oh l d irek t
ab von
4. Jahrhundert n. Chr. getragen w u r d e 3).
ein F estg e w a n d der V orn eh m en.
le u te
w ar w oh l über
ist
der F u h r m a n n s ­
dem H em d ro ck ,
der
schon
im
Später b ild e te d ies ‘O berhem d’
D er b laue K ittel der B auern und F u h r­
ganz D eu tsch la n d verb reitet.
A us starker, blauer
L ein w a n d gearb eitet, b ild et er ein s der p rak tisch sten K leid u n g sstü ck e für
F e ld und S trasse.
L e id er versch w in d en n eu erd in gs d ie ‘B la u k itte l’ im m er
m ehr.
Jahren
V or
100
war
d ies
‘S tr a ssen k leid ’ (in
N ord th ürin gen
‘S p a n sk itter gen an n t) noch allerw ärts vom H arz b is zur W erra v erb reitet.
V ielfach w urde es aus w e i s s e r L ein w a n d gearb eitet, an g eb lich ,
F ä rb en zu teu er war.
K ittel
durch E in se tz en
N ach dem u n teren R an d e zu erw eiterte
w e il das
m an
den
von Z w ick eln (G irnen, G eren, daher ‘G ir n k itte l’).
G irn k ittel und w e isse Z ip felm ü tze trug der B au er b eson d ers in der F rü h e
b eim G rashauen, und alte F rau en k la g e n noch h eu te
W a sch arb eit’ der
a ltes S tü ck
b lo s
derben w eissen G ew än d er
ist sich er auch
der B auer
schü tzte
L au ch agru nd es trugen
D ie durch
d ie
z e itw eis ein e b reite,
am
d ie ‘sch lim m e
E in ur­
schw arze K a p p e von S ch afp elz.
sich w in tersü ber dam it;
das T h ürin gerland
ü ber
zu d am aliger Z eit.
m eisten
auch
N ich t
d ie S ch ön en des
turban artige P e lz m ü tz e 4). —
v erb reitete M ännertracht
1) Alfr. Kirchhoff, Die ältesten W eisthüm er der Stadt Erfurt
2) P. Zschiesche, Der Erfurter Waidbau und W aidhandel. Mitt.
schichte und Altertumskunde von Erfurt, Heft 18. 18%.
3) Moritz Heyne, F ünf Bücher deutscher Hausaltertümer 3,
4) C. F. Mosch u. F. C. Ziller, Versuch einer Beschreibung
Lande (Gotha 1813), S. 321, m it Abbildung.
war
(H alle 1870) S. 111.
des Vereins f. Ge­
257
(11)03).
derSachsen-Gothaischen
Gerbing:
414
die fo lg en d e: le in e n e s H em d ; le in e n e oder k a ttu n en e (auch v ielfa ch sa m ten e)
W e ste ;
le in e n e ,
w o lle n e ,
b lau e
trillich en e
oder led ern e K n ieh o se ;
oder grü n e Ä rm elja ck e,
bändern u nterm K n ie b e fe stig t w aren.
la n g e
le in e n e
S trüm pfe,
oder
d ie
d erb ­
m it G urt­
D ie Som m erstrüm p fe strick te
d ie
F rau aus se lb stg esp o n n en em L e in en fa d en , für H e rb st und F r ü h lin g w urde
ein W o llfa d en m it e in g e le g t.
Im W in te r trug m an stark e w o lle n e Strüm pfe.
D ie s war d ie ‘B eid erm an n s’ oder W erk tagstra ch t.
(S . 419, A bb . 2).
A uch d ie w e i b l i c h e K le id u n g k an n sich sehr
alter A h n en
rü h m en.
F a lten ro ck und J a ck e (le tz te r e a llerd in g s m it h a lb la n g e n Ä rm eln ) k en n en
w ir
schon
aus
ein em
16. Jahrhundert
ist
G rabe
der B r o n z ez eit von A a r h u s1).
der F a lten ro c k
in
D eu tsch la n d
fe st
S e it
dem
e in g e b ü r g e r t2),
anfangs in der vorn eh m en , städ tisch en M ode, in der zw eiten H ä lfte d es
Jahrhunderts b e i den B auern, in g le ich er A usfü hrun g w ie h eu te.
E in sehr altertü m lich es K leid u n g sstü ck ist das T a n z- oder G ir n h e m d .
L etzterer N am e b ezieh t sich darauf, dass das G ew an d aus v ie le n Z w ic k e ln
oder G irnen zu sa m m en g esetzt ist.
D adu rch erhält
lic h e W e ite (am u n teren Saum
m ).
es
ein e
au ssero rd en t­
D ie L ä n g e b is zur T a ille b eträ g t
80 c m , der B r u stteil ist sp itz au sg esch n itten , statt der Ä rm el sind A c h se l­
bänder an gen äht.
('T u ch ’).
von
D e r Stoff ist
D ie s e s G irnhem d
der L ä n g e)
se lb stg e sp o n n e n e ,
g le ic h t in
ein em H em d e,
den
das um
sehr
stark e L ein w a n d
m eiste n S tü ck en (a b g e seh en
1867
a u f der B u rg R a n is
b ei
P ö ssn e c k m it anderen G egen stän d en aus dem frühen 14. Jahrhundert b eim
A bbruch
w u rd e3).
ein er W an d
D ie s e s
in
d em R ie g e llo c h
h öch st in teressa n te
Moritz H e y n e 3, 311.
ein es
F en ster la d e n s
T rach ten stü ck
ist
gefu n d en
a b g eb ild et
b ei
D ie B esch reib u n g la u tet b e i H . Q uantz: „ E s ist aus
ziem lich grob em L e in en
v er fertig t und
trägt
d ick
u m g en ä h te,
d o p p elte
Säum e. E s w eist u n ten b eid er seits E in sa tz k e ile , so g en a n n te S p ie le , auf,
ist 68 cm la n g und zw isch en den A ch seln 29 c m b reit. V on In teresse
sind an ihm d ie sch m alen T ragb än d er.“
ist n ich t an geg eb en .
G irnhem d u n tersch eid et
sich
w ie
sp itzen
auf
dem
D ie W e ite d es R a n iser H em d es
Y on dem au f dem R ü c k e n v ie r e c k ig a u sg esch n itten en
R ücken
das
alte H em d
A u ssch n itt.
durch
A uch
den
auf der Brust,
sc h e in t
das
R a n iser
G ew and der L ä n g e nach aus e i n e m S tü ck zu b esteh en , w ähren d b e i dem
H em d m ein er S am m lu ng d ie B r u stteile an
gen äh t sind.
der
D ie H a u p tteile der w eib lic h e n K leid u n g :
w aren,
so w eit m an
lic h e m Sch nitt.
zu rü ck seh en k ann,
D er ein sch n eid en d e
und
ro ck ä h n lich en H ä lfte an­
H em d ,
durch
F a lten ro c k ,
J a ck e,
ganz T h ü rin g en von ähn­
für je d e L a n d sch a ft
ch arak te­
1) Hottenroth, Handbuch der deutschen Tracht S. 12.
2) Ebd. S. 524.
3) Herrn. Quantz, Ein spätm ittelalterlicher Fund auf Burg Ranis.
G eschichte und Altertumskunde, N eue F olge 17, 185 ff. (1906).
Zeitschr. f. Thür.
Die Thüringer Volkstrachten.
415
ristisch e U n tersch ied la g in der K o p f t r a c h t ; d ieser m uss daher b eso n d ere
A u fm erk sa m k eit g ew id m et w erden.
D a s H em d war, sow eit ich b eo b a ch te t habe, ü b era ll so lan g,
m in d esten s b is zum Saum d es K le id er ro c k e s reich te.
dass es
B e in k le id e r w urden
n irg en d s getragen .
Ü ber das ä rm ellose H em d zog m an das M i e d e r ,
L e in w a n d leib ch en ,
das
au f
der
B rust
g esch lo sse n
w urde,
und
ein
d essen
b a u sch ig g esch ü rzte Ä rm el oft m it h ervorragend schön er D urch b ru ch arb eit
( ‘K elch m u ster’) g ez ie rt sind.
U b er das M ieder (U n term ie d e r) k om m t das
‘S c h n ü r m i e d e r ’ aus w o lle n e m T u ch — schw arz, scharlachrot, h ellb la u — ,
m it fa rb igem
p a ssen d )
S eid en b an d
b en äh t
oder
G old tressen
(zu m A u sp u tz
d es
R ockes
und vorn m it silb ern en S p an gen ( ‘N e ste ln ’) g esch lo ssen .
D as S ch n ü rm ied er hat
am
u nteren R and
p o lsterten W u lst, der dazu d ien t,
ein e n
d ick en ,
m it W er g
d ie F a lte n r ö c k e zu tragen.
ge­
M in d esten s
fü n f U n terröck e und ein O berrock geh örten zum F esta n zu g ein er w ohlhäb igen
B ä u rin , d eren Y er m ö g e n sv e rh ä ltn isse u n gefäh r nach dem U m fa n g ih rer
R ö c k e ab gesch ätzt w urden.
D e r F a lten ro c k
d essen F arb e
nach
O b en auf kam
die
w ar
in n en
stets
m it
der M ode w e c h se lte ;
ein em
b reite n ‘S to ss’ g eziert,
sehr b e lie b t
w ar
scharlachrot.
fast den gan zen R o ck u m sc h liessen d e S ch ürze,
deren
F a rb e und B in d eb än d er m it der A u sstattu n g d es ü b rigen K le id es ü b erein ­
stim m te.
M eisten s
w ar
d ie S ch ürze
m it
ein er
F risu r
oder
schw arzem
Sam tband u m randet.
V on
den
M ä n t e ln
sin d
drei
v ersch ied en e
1. D er ‘T h ü rin ger K in d erm an tel’, der
m antel d ien te.
B e sitz
b efin d lich e E xem p lar
6,70 »i),
in nen
g efü tterte,
k ra u se
K attun,
E r w ar k reisru nd
gew ö h n lich
aber
auch
g esch n itten ,
hat am
u n teren
m it F la n e ll
A rten
h ervorzu h eb en .
a llg e m ein als K irch en ­
sehr w eit (das in m ein em
R an d
gefü ttert.
ein en U m fa n g
von
E in
un­
h a lb la n g e U b erk ragen m it F risu ren und ein er
v er v o llstä n d ig te n
vom
lic h te ste n
den M antel.
R osa
b is
b is
zw ei
schm alen H a ls­
D e r S toff b estan d g ew ö h n lich aus
zum
Schw arz
der
T rauer.
D ie s e n
K in d erm an tel sie h t m an noch h eu te allerw ärts in Stadt und D orf.
2. D e r ‘S pan isch e M antel’, von d u n k elb lau em oder schw arzem T u ch ;
ein T e il der feie rlich en K irch en trach t.
Ü b erk ragen (P e ile r in e n ).
Er h atte
eb en fa lls
ein
b is
zw ei
Man sie h t den sp an isch en M antel noch h ie und
da in den W ald d örfern b ei B egrä b n issen .
3.
W e it
altertü m lich er
und
fein em
m alerisch er
schw arzem
der
sogen an n te
aus
g lä n zen d em T uch.
M ein E xem p lar ist u nten 8 m w eit, d ie vord ere L ä n g e
m isst 110, d ie R ü c k e n lä n g e 120 cm .
m a ssig e F a lte n zu sam m en gezogen ,
oder
w irk t
‘B r ettch en sm a n tel’
d u n k elb la u em ,
a tla s­
Im N a ck en ist der S toff in 18 g le ic h d ie nach unten zu a u sein a n d er fa llen 1).
1) Daher hum oristisch-volkstümlich ‘Borstenbesen’ genannt.
Gerbing:
416
D a s B e so n d ere d iese s M antels
v on d ieser F orm :
Er
nach
w urde
in
ech ter B auernart h erg e stellt.
ob iger F orm
in
so v ie l S tü ck en
festen G este ll b rau ch te
ste ifte
e in e s
ihn
b ild et der ‘B r ettch en s’- od er ‘D a ch k ra g en
durch
D an n
tauchte
h eisses P lä tte n ,
‘B rettch en s’ erreich t war,
zog m an sie m it T u ch und
S tarke L ein w a n d w urde
zu g esch n itten ,
m an
und w en n
als
m an
zu ein em
den S to ff in
saure M ilch,
d ie F e s tig k e it
und S tärke
n äh te m an d ie S tü ck e zusam m en,
u m rand ete
sie
m it Sam t.
ü ber­
D e r D a ch k ra g en -
m antel w urde von M ännern und F rau en g etr a g en ; der M ännerm antel hatte
im R ü c k e n w e n ig e r F a lten .
D ie s e s G ew and,
ein e s
ü berh aup t in T h ü rin gen
der
sch ön sten und w irk u n g sv o llste n ,
b esitzen ,
g le ic h t
g en au
dem
sp ä n n ig en ’ aus d em E n d e d es 17. und dem A nfang d es
M antel
d ie
w ir
der ‘E in ­
18. Jahrhunderts.
D ie ‘E in sp ä n n ig en ’, auch ‘S tallb rü d er’ od er ‘H e rr en d ie n e r’ genannt, w aren
re iten d e B o ten der R atsh erren in den d eu tsch en S tä d te n 1).
V or 100 Jah ren sah m an n och a llg e m ein als W erk ta g sersa tz
für
d ie
M äntel d ie ‘ R e g e n t ü c h e r ’, ‘grosse S tü ck en L ein w a n d , w elc h e b ei R eg e n
und K älte als e in e H ü lle um d en gan zen K örper g e s c h la fe n w erden.
B ei
g u te m W e tte r trägt m an sie zu sam m en gero llt u nter dem A r m ’ 2).
D a s S c h u h w e r k der M änner b estan d b e i K n ieh o se n - und G am asch en ­
k le id u n g aus stark en , rin d sled ern en S ch uh en .
D ie F u h rleu te
trugen
in
ganz D eu tsch la n d
im
16. Jahrhundert b e ­
son dere L ed erstrü m p fe, d ie h in ten ü ber d ie K n ie k e h le , vorn ab er b is zum
U n terleib
sin d noch
fin d e n 3).
h in a u fstieg en
und
h eu tig e n T a g e s
D ie B auersfrauen
h ier
b ei
den
sch ü tzten
noch h e u te ) durch S o c k e n .
über
fe stg e n e ste lt wrurden.
H olzflössern
d ie F ü s se
d es S ch w arzw ald es
(b eso n d ers im G eb irg e,
S ie
zu
h ier
E s sind d ies sta rk w o llen e Strüm pfe m it an­
g esetzter T u ch - oder L e d e rso h le .
T e il der S o ck en
am W am s
d ie S oh le
war das B arfu ssgeh en , b eson d ers
früher a llg e m ein ü blich.
Z u w eilen b ese tz te m an auch noch ein en
h in a u f m it L ed erstreifen .
—
Ü brigens
au f dem D o rf und zu S o m m erszeiten ,
1) H ottenroth, Handbuch S. 761 m it Abbildung.
2) K. B. A. v. H off und C. W. Jacobs, Der Thüringer Wald 1, 1, 198.
3) Hottenroth, S. 587, Abbildung 143, 3.
Die Thüringer Volkstrachten.
417
Ü ber gan z T h ü rin gen v erb reitet (und noch je tz t v ielfa ch vor dem W ald
im G ebrauch) w ar der K o p f - , H e i d - oder H e e d l a p p e n
v ie r e c k ig e s T u ch aus L ein w an d , B au m w olle, W o lle
(A b b . 1 ),
oder S eid e
ein
von
sehr
v ersch ied en er F arb e und M usterung, das, nach ortsü b lich er S itte w ech seln d ,
b reit oder schm al, turbanartig um den K o p f g esch lu n g en w urde.
W elch er
Z eit und G egen d der H e id la p p en en tstam m t, ist u n g e w iss; v ie le erk lären
ihn für w en d isch .
E s ist aber n ich t au sgesch lossen , dass d iese K o p fb in d e
noch im Z u sam m enh ang stand m it dem
an dere A rt, das K op ftu ch zu tragen,
lan d ü b lich u nter
fe s t
um
d ie
dem
Stirn
N am en
g e le g t,
m itte la lter lich en ‘S ch a p el’.
ist noch
h eu te
‘B reiter L a p p en ’.
im
E in e
n ö rd lich en Y or-
D a s T u ch
d ie S e ite n z ip fe l u n terg esteck t;
w ird
d ie
vorn
h interen
Z ip fel v erh ü llen das H aar und fa lle n in den N a ck en .
D ie
v er b r eite tste
M ützenform
n örd lich vom R e n n ste ig und
ist
d ie
der
K ir c h e n m ü tz e ,
sü dlich der U nstrut
und
die
zw isch en E isen a ch
(w e s tlic h ) und der Ilm (ö stlic h ) getragen w urde.
D ie G rundform
verk eh rt-n a p ffö rm ig und w urde aus P a p p e oder aus in
B r o tte ig g e ste ifte r L ein w a n d h erg e stellt.
ist
D ie s e s G es
ü bersp ann te d ie M ü tzenarbeiterin m it dem gew ünsch
Stoff: S eid e, Sam t, B rokat, schw arz oder farbig.
ü ber
der
S ch n ep p e
fa ltig em
S tir n ,
aus.
lie f
d ie
D er
Y orderrand
S eid en b an d
M ü tzenstück
M ütze in
b esetzt.
w urde
Für
oder H a u b e n fle ck le
stan d den A rb eiterin n en
M otiven zu G ebote.
ein e
ein er
Y<
stum p
zunächst
d en
R ü ck en t
(frä n k isch )
b enannt,
stau n en sw erte F ü lle von
Abb. 1.
Thüringer Kopfoder Heidlappen
E s lie sse n sich B än d e von lcünst-
le risch en S tick m u stern zu sam m en stellen a lle in aus
den
v er sch ied en en A usführungen der H auben.. D ie einfach e
.
.
(Zeichnung von
K- Gerbing).
.
K irch en m ü tze hatte k u rzes B an d w erk ; die b eid en B in d e ­
bänder w urden
an
h era b h än gen d ,
e in e
den S e ite n z ip fe ln
an gen äht und,
A n zah l S ch leife n und
E nden,
über den
stets
von
N a ck en
schw arzer
F a rb e. — Ganz versch ied en von d ieser b reiten F orm ist d ie sp itze H au be
d es W erratals,
das M ützchen d es E ich sfe ld es, d ie en g a n lieg en d en M ützen
in O stthü rin gen und e in ig e andere A rten , d ie unten au sführlich b esp roch en
w erd en sollen .
Im S c h m u c k
h era u sgeb ild et,
hat sich
ü b erall
w oh l für je d e G egen d
aber k eh rt
der
N am e
etw as E ig en a rtig es
‘K o r a l l e n ’ w ied er
für
P e r le n aller A rt, von G las, B ern stein , S ilb er.
S o llte der u r s p r ü n g l i c h e
S ch m u ck
der N am e
in
K orallen
b esta n d en
h ab en
an dere M aterial ü bertragen w orden
n irg en d s
aus
sehr
in T h ü rin gen
grossen
sein?
als Y o lk ssch m u ck
S tü ck en
und
g eseh en .
zu sam m en gesetzt,
T h ü rin gen b elie b t; je tz t w erden
sie
getra g en . — W u n d ersch ön e G ehän ge
Zeitschr. d. Vereins f. Volkskunde. 1908.
später auf das
W ir k lich e K orallen
habe
ich
B e rn stein k e tte n ,
oft
w aren
früher
in
ganz
h aup tsächlich noch im F rä n k isch en
—
M ünzen
und
aus F ilig ra n
27
zu-
Gerbing:
418
sa m m en g esetzte Z ierrate,
den
m eiste n
durch K ettch en v erb u n d en
alten B au ern fam ilien b ew ahrt.
g rosch en (zu w eilen v er g o ld et),
in
—
w erden
noch in
Z u sa m m en g eb o g en e M arien­
reich en F a m ilie n
auch
w oh l D ukaten,,
reih te m an zu H a lsb ä n d ern an einander. —
Ich w erd e nun d ie
den
ein z eln en T h ü rin g er L a n d strich en eig en tü m ­
lic h e n T ra ch ten stü ck e b esp rech en .
U b er
b ek an n t,
d ie
e in stig e
n o r d th ü r in g e r
B a u ern k leid u n g
ist
w e il dort se it M en sch en ged en k en stä d tisch e M ode
V o lk strach t g etreten ist.
N o rd h a u sen
um
Es
lie s s
d ie M itte
sich
nur n och
fe stste lle n ,
d es vo rig en Jah rh un derts
tragen w urde und S on n tags d ie K irch en b än d erm ü tze.
S an g erh a u sen
h atte
m an
a ls
K irch en -
und
sehr
wenig-
an S te lle der
dass
um
das K op ftu ch g e ­
In der G eg en d von
A b en d m ah lstrach t
ein en
M antel von d u n k lem W o llsto ff m it dreifachem K ragen (ä h n lich dem ob en
b esch rieb en en ‘S pan isch en M an tel;).
D ie M ützchen
w aren
n ied rig ,
ob en
erhalten.
D o rt
m it schw arzen S eid en p u ffen g esch lo sse n .
W e it
m eh r R e ste
h aben
sich
auf dem E i c h s f e l d
herrschte d ie sp itzzu la u fen d e ‘S ch n ü rm ü tze’, d ie
H äu b ch en erin nert.
Z op f um
den
D a s H aar w urde straff in
K op fw irb el
stü lp te m an d ie M ütze,
w urde.
d ie
g e le g t
schon an d ie h essisch en
d ie H ö h e
( ‘T u b b en n est’ =
u nter
der
darauf
dem K inn m it B in d eb ä n d ern g eh a lten
S ch w ere se id e n e S ch lu p fen und E n d en fielen
Ich k en n e aus d ieser G egen d nur
gek äm m t,
T a u b e n n est);
s c h w a r z e M ützen;
so llen aber auch b u n te geh ört h ab en , b eso n d ers
ü ber
den R ü ck en .
zur
‘a lten T rach t’
zum B rautanzug.
D azu
T affetfalten röck e, F alten w äm ster, la n g e Strüm pfe und S ch n a llen sch u h e. —
D ie
lä n g st versch w u n d en e M ännertracht b estan d in
K n ieh o sen ,
k urzem
K am isol m it ab steh en d em S c h o ss, U m leg e k r a g en und g e lb e n K nöpfen,
lan gen w e isse n Strüm pfen, S ch n allen sch u h en und D reim a ster.
D ie s e
T rach t galt für die G egen d um H e ilig e n sta d t, D in g e lste d t und nach
E sch w e g e zu.
In
den
ärm lich en D örfch en
d ie schön en S clm ürm ü tzen
zu
nach M ühlhausen
w in zig en G eb ild en
D an n z e ig te m an m ir noch k le in e ,
w e isse ,
hin w aren
zu sam m engesch ru m pft.
e n g a n lieg e n d e, m it schw arzer
S eid e g e stic k te H äu b ch en , d ie aber schon lä n g st au sser G ebrauch sind.
D as G eb iet w estlich und sü d w estlich v on M ü h l h a u s e n
k a n n te
v er­
sch ied en e H au b en form en , d ie zu äh n lich en K leid ern getra g en w urden, w ie
ich sie vom E ich sfe ld b esc h r ieb en h ab e:
ein
ganz
n ied rig e s b u n tes oder
schw arzes M ützchen m it sch m alen B än dern und e in e sp itze H au b e, deren
M ützenstück
sehr v er tieft
in
der tü ten artigen F o rm lag.
bänder w aren im Innern der T ü te angenäht.
D ie Z a ck en ­
E in e h errlich e S ilb erm ü tze
d erselb en Art, d ie als B rau tsch m u ck g ed ie n t hat,
stam m t aus WTin d eb erg
b e i M ühlhausen.
D ie
‘V o g t e i ’ ,
aus
ein er A nzahl
hat
lä n g er
als
ein er
sü dlich
der v ie r
von
d ie U m g e g en d
erzb isc h ö flic h -m a in z isc h e n
M ühlhausen
d ie
sch ön e
lie g en d e r
G u tshöfe,
D ö rfer b esteh en d ,
a lte T racht b ew ahrt.
J etzt
Die Thüringer Volkstrachten.
fre ilic h
ersch ein t
h öch sten s
noch
ein
a ltes
A b en d m ah l in der K leid u n g ih rer Ju gen d :
419
M ütterchen
b eim
h e ilig e n
schw arzer F a lten tu ch ro ck und
-ja ck e, w e is se g e s tic k te S ch ürze, w eisses Sch ultertu ch , in d essen R ü c k e n ­
z ip fel N am en und Jah reszah l m it schw arzer S eid e ein g e stic k t w aren.
Y or
d ie K irch en m ü tze w urde d a b ei d ie ‘S ch nu rre’ geb u n d en , ein e etw a 10 cm
b reite , in steife F ä ltch en g e le g te w e isse S p itze, d ie ü ber der Stirn in ein e
S ch nepp e au slief.
D azu geh örte der ob en b esc h r ieb en e F a lten tu ch m a n tel.
D e r ste ife K ragen h iess in der Y o g te i d ie ‘K ap p e’. — D ie M änner g in g en
w erktags in der a llg e m ein ü b lich en T h ü rin ger Tracht,
Abb. 2 (zu S. 414).
im b lauen ‘S pan s-
Abb. 3.
Schäfer Simon aus Rödichen, Sachsen-Gotha.
k itte l’ und der Z ip felm ü tze.
Mädchen m it der W eimarischen Mütze.
Sonntags aber p utzten sie sich
heraus.
Da
w urden zur schw arzen Sam t- od er g e lb e n L e d e r k n ie h o se w eisse Strüm pfe
a n g ele g t und
d iese
unter
dem K n ie
m it grü n em S eid en ban d
b efestig t.
U n ter dem lan gen grü n en oder blauen S ch ossrock m it den ü bersp onn en en
K n öpfen schau te d ie b u n tseid en e W e s te hervor, und
schön
g estic k te n
B lu m en h alstu ch .
und
So
u m g e leg ten
an getan
H em d k ra g en
und m it
u nter den
sch la n g
w eissen ,
der B au er
dem D reim a ster a u f dem
das
K opfe
schritt der stattlich e ‘A nsp än ner’ von L an gu la oder D o rla zur K irche.
D urch ganz M ittelthüringen h errschte als P ru n k stü ck d ie ‘ W e i m a r is c h e
M ü t z e ’ (A b b. 3). O b gleich sie b is in den W ald h in ein , w estlich b is zur E m se,
27*
Gerbing:
420
getragen w urde,
in
dem G eb iet
hat
d iese sto lze K op ftracht sich am reich sten e n tw ick elt
zw isch en W eim a r— E rfu rt— L a n g en sa lza .
der ‘W im ersch en M otzen’ w ar
m ütze.
am W a ld
äh n lich
w ie
D ie G rundform
d ie
der K irch en ­
D a s ‘G erip p e’ w urde dann fre ilic h p räch tig u m k leid e t m it
einem
p erlen - oder g o ld g estic k ten M ützenstück und ein er F ü lle b reiter, schw erer
A tla s- oder T affetbän der.
D e r H au p tsch m u ck
d ie so vorg eb u n d en w urde,
hervorsah.
D ie B in d e
g e ste ifte r L e in w a n d
dass
b estan d
nur
aus
einem
oder P a p p e m it
aber
w ar
d ie K o p fb in d e,
d ie S ch n ep p e der M ütze ein w en ig
etw a
10 c m
b reiten S treifen
d u n k lem Stoff ü b erzo g en .
D a ra u f
n äh te m an staffelförm ig ü ber- und d u rch ein an d er schw arze S p itzen , k ü n st­
lic h e S am tb lü m ch en
G anze
g lich
fast
und F ü tter n ,
b eson d ers
aber
S traussenfedern .
dem S ch m u ck e ein e s In d ian erh äu p tlin gs.
D as
D ie s e M ütze
ist so schw er und b een g en d , dass schon d ie K raft und G ew an d th eit ein es
sehr
k räftig en B a u er n g e sch le ch te s dazu gehört,
um in D u n st,
H itz e und
Staub ein es T an zb od en s oder, in frü heren Z eiten , u nter der grü n en D o r f­
lin d e
sich
stu n d en lan g
im ‘S ch o ttisch en ’ oder ‘S p rin ger’ zu drehen.
Im
reich en G e b ie t des e h em a lig en W aid b au es find et m an n och gan z w u n d er­
v o lle E xem p la re d er W eim a r isc h e n M ütze.
förm ig-ru nd (h oh e M ütze).
D as
in n en
H ier ist d ie F o rm
sch a ch tel­
lie g e n d e M ützenstück,
m eist von
G old - od er S ilb erstoff, reich g e stic k t; d ie b is 20 c m b reiten Z ack en b än d er
fa lle n b is au f d ie F u ssk n ö c h e l und sin d u n ten m ehrfach ü b erein an d er m it
G old - oder S ilb ertressen ,
zu w eilen
auch
A usp u tz der B in d e su ch te ein D o r f das
es
so lch e
andere
gan z
m it G o ld stick erei verziert.
an dere
zu ü b erb ieten .
Im
D a g ib t
aus g o ld en en und sch w arzseid en en S p itzen (H er b sleb en ),
sin d aus F ed er b lu m en und P er len b ü sc h e ln
zu sa m m en g esetzt;
am
b e lie b te ste n w ar ab er stets d ie w eic h e S trau ssen fed er. N u n d en k e m an
sich einen D orftan zb od en v o ll K irm seb äu erin n en im F estsc h m u c k : dem
d u n k eln , fein en F a lten ro c k , m it etw a 20 cm b reitem , v io le ttse id en en oder
grü n en
V orstoss,
darüber
d ie
b u n tseid en e
oder
w o lle n e
S ch ürze,
das
S ch n ü rm ied er und unter d iesem das sc h n ee w e isse U n term ied er, das b un te
H alstu ch und
den ‘M ahlschatz' — es wrar g ew iss ein B ild sta ttlich en und
selb stb ew u sste n B au erntu m s. —
D er T h ü rin gerw ald selb st hat w oh l ein e ein fach ere, aber fa st g esch m a ck ­
vo llere T rach t e n tw ick elt als das re ic h e ‘L an d ’.
Ich
m öch te
zu n äch st von
der N o rd seite d es R e n n ste ig s
sonders an m u tige A n zü ge b esch reib en .
e in ig e
be­
Z unächst ist da der A b e n d m a h l s ­
a n z u g , der b ei F rau en stets sch w a rz-w eiss g eh a lten ist; K onfirm andinnen,
ü berh aup t ju n g e M ädchen
sin n ig sten
—
n äm lich
tru gen
d ab ei v ielero rts
ganz w eiss
—,
a b g eseh en
farb ige M ützen.
von
dem
Am
schw arzen
T u ch rock und den Sch uh en , w ar d ie A bend m ah lstracht in C reuzburg a. d.W".
Ü b e ra ll in den W ald d örfern
n ied rigen ,
m eist
g e stic k te Schürze
und
auch
sam tenen M ützen
war
so
w eit,
im Vorland, h e fte te
w eisse,
dass
sie
steife
den
m an
in
D ie
w eisse,
S p itzen .
g a n zen
R o ck
die
v erd eck te.
Die Thüringer Volkstrachten.
42 L
E in e s der an m u tigsten K ostü m e hat R u h l a gesch affen als b räu tlich es
G ew and
für
M ädchen.
se in e
w e it
und
b reit
w egen
ihrer
S ch ö n h eit
b erü h m ten
E in kurzer F a lten ro c k von schw erer S eid e oder T u ch , schw arz­
se id e n e J a ck e, w eissseid e n e Schürze und als eig en tlich en B rautschm uck die
G old - oder S ilb erk ap p e.
w un derschön e K opfputz,
m it
B lu m en
aus
Y on
der F orm
der K irch en m ü tze
der S toff aus G old -
G old -
oder
S ilb erfäd en
und
R u h lerin n en tru gen ih ren ‘H e ed la p p en ’ anders als
F rau en .
D as T u ch aus fein er W o lle
ältere F rau en tru gen D u n k e lb la u ,
b eson d ers
b elie b t,
w ar d ieser
oder S ilb erb rok at,
b e stick t
M etallp lättch en .
D ie
d ie ü b rigen T h ü rin g er
oder K attun w ar v ersch ied en fa rb ig ;
b ei
den M ädchen w ar
ein lic h te s R o t
d ie Z ip fel befranst und m it G lasperlen b estick t.
Man
le g te den H e ed la p p en sch m al zu sam m en und sch lan g ihn so um den K opf,
dass ein g estic k te r Z ip fel n eb en dem Ohr h in g.
D a zu
geh ö rte
d ie
b e­
rühm te ‘S c h u r z t r a c h t 5, d ie ausser in R u h la noch in den ob eren L au ch aD ö rfern :
der
K abarz, G ross- und K lein -T a b a rz n a ch zu w eisen ist.
ü b rigen
V olk strach t
ab w eich en d e
Z iller (1 8 1 3 S. 264 f . ) ’ w ie fo lg t:
b ed eck tem H au p te,
das H aar
K leid u n g
h in au fg esch la g en
hervorragend,
nach
und
den K opfputz
flatternd
zw e i B än der den R ü c k e n h erab h ängen.
N ach tm ah l,
sie
dem O b erteil
dass zw ei n ie d lic h e
h e ilig e n
u m w in d en
M osch
D ie M ädchen . . . „ ersch ein en m it u n ­
K opfs, u m w un d en m it purpurnem B an d e,
w e it an den E c k e n
D ie s e , von
sch ild ern
d ie Stirn
en d en ,
und
B isw e ile n ,
des
R ö sch en ,
von
ih n en
z. B. b eim
m it rothem B a n d e,
doch
setzen sie ein en w e isse n S ch leyer darüber her, der das G ew ind e m eisten s
v erd eck t.
D e n H a ls ziert ein e oder m eh rere Schnuren G lask orallen oder
D u k a ten ; den L e ib u m sch liesst ein au f allen N äth en m it T ressen b ese tz te s
M ieder, vorn
schnürt.
dem B u sen
ü ber
ein em
b u n tfarb igen B rustlap pen
U n ter dem B u sen sc h lie sst d ie w e isse S ch ürze und der
d u n k elgrü n e,
b eg in n t,
an
m it
h ellb lau em B an de
b ild e t er
ein e
b ese tz te
R o ck
an;
oben,
ge­
e in z ig e
wo
k le in e um den L e ib h er g eh en d e W u lst.
er
U n ter
d ieser W u lst ist der L e ib b is zu den H ü ften m it schw arzem T u ch ban d e
u m w ic k e lt; d ies n en n t m an s c h ü r t z e n “. . . .
E b en so e ig en a rtig war das v ö llig w e isse ‘ K i r m s e h e i d ’ , von dem je tz t
auch das ä lteste M ütterchen n ich ts m ehr w eiss.
in
Schon zur Z eit,
m ein em B e sitz e b efin d lich e A q u arell entstand (1 8 5 9 ),
stän d iger A n zu g m ehr vorhanden.
sc h ied en en
H äu sern
L e u te ’ h erb ei,
D ie M ütze
um noch
und dann
ein m al d ie T rach t
L än gs der W ald saum strasse
w ar k e in
das
v o ll­
D ie ein z eln en S tü ck e w urden aus v er­
zu sam m en getragen ,
d es K irm seh eid s
als
k am en
d ie
ih rer J u g en d zu
‘ä ltesten
b estaun en .
ist ü b rigen s n och n ich t ganz v erschw un den.
(von E isen a ch b is Ilm en a u )
kann m an noch
m anche A lte zur K irch e w andern sehen m it dem b un ten K opftuch, das in
b reiten Z ip feln zu S eiten der H au b e n ied erfällt.
E in e n anderen,
h öch st k leid sa m en H au b en sch m u ck
erw ähnen, d ie S t i r n k a p p e .
m öch te ich h ier
D ie s e s so ein fach e S tü ck , das h aup tsächlich
Gerbing:
422
zw isch en
der E m se und der G era zur K irm se,
zum A bend m ah l a n g e le g t w urde,
S am tban des,
ringsu m
ein g e fa sst
b estan d
m it
H o c h z eit,
nur
aus
auch
zu w eilen
ein em S tü ck
sch w arzen S p itzen .
b reiten
Man band d ie
S tirn k ap p e so vor d ie K irch en m ü tze, dass d ie u n teren S p itzen als S ch leie r
ü ber d ie A u g en fielen .
H ie r se i auch g le ich d es in gan z T h ü rin g en
A b w e ich u n g en g etr a g en en B r a u t h e i d s ged ach t.
w ie d ie von R u h la,
nur,
statt aus S eid e,
m it g erin g en
örtlich en
R o ck und J a ck e w aren,
aus T u ch
g efe rtig t;
d en H a ls
um gab der h era b fa llen d e S p itzen k ra g en d es M ieders, m it R o sen k n ö sp ch en
d u rch steck t; darüber le u c h te te der g o ld en e od er silb ern e M ahlschatz.
v ie l K u nst und M ühe b e fe stig te
braut
das
d ie B rautm utter
oder
P a tin
Mit
der E h ren ­
‘F litte r -, B än d er- (B ä n g er-), S ch nü r- oder B lu m en h e id ’ (so in
d er Y o g te i)
au f dem K o p f der Braut.
k äm m te H aar
einan der,
le g te
m an,
h och rotes,
A b sch lu ss
erh ielt
Um
m it S teck n a d eln
in Q u etsch falten
d ieser
K op fp utz
das
straff in
n a ch h elfen d ,
d ie H ö h g e ­
dreifach
g e le g te s Z ackenb and .
d ie
F litterk ro n e,
ü b er­
A ls oberen
ein en
h a lb k u g e l­
fö rm igen d ich ten Strauss von k ü n stlich en B lü m ch en , F ü tte r n , v erg o ld eten
G ew ü rzn ägeln
sc h le ifch en
B ä n g e r h e id
geh ö rten
und
m it
P e r le n .
dem
D ie
B rautk ron e
B än d ersch m u ck
ist
durch
verb u n d en .
grüne
D as
S eid en -
A lt-T a b a rzer
h atte e in e etw as andere, fast san du hrähn liche F orm .
dazu
noch
e in ig e
hervorragend
sch ön e
A uch
S ch m u ck stü ck e:
ein e
g o ld en e oder silb ern e K e tte, d ie quer vorn ü ber der Sch ürze h in g und an
rosa seid en em
B an d
das
fe in
g e s tic k te
P ru n k ta sch en tu ch
h ielt.
D ann
w u n d ersch ön e b lau sam ten e, g o ld g e stic k te H an d sch u h e m it P e lz b e sa tz .
N a ck en w ar (w ie son st am B rau tm an tel)
ein
Im
g ew a ltig e r' S e id e n sc h le ife n ­
busch b efestig t, der ‘N ü n ster zip fe l’, das E h ren zeich en der J u n g frä u lich k eit.
E in k le in e s B rau tk rön ch en so ll in der G eg en d von P a u l i n z e l l a auch
vom B räutigam g etra g en w ord en se in ; ein so lch es b efin d et sich im M useum
d es T h ü rin gerw ald verein s zu Erfurt. —
A u f der S ü d seite d es R e n n ste ig s h aben sich m a n ch erlei A b w eich u n g en
h era u sg e b ild e t
E isen a ch er
im
und
G egen satz
M ein inger
zum
n örd lich en
G e b ie t
reich t,
tru g
V orland.
das
S o w e it
das
‘W e ib e r v o lk ’ das
‘ S p e r r h e i d ’, ein sp itzes M ützchen m it K in n bän dern und ein er n ich t a llzu ­
la n g en B a n d sch leife im R ü ck en .
D a s M ützenstück, das (im G eg en sa tz zu
den sp itzen H au b en um M ü hlhausen) aussen lie g t und das ga n ze R ü c k e n ­
te il der H au b e
einn im m t,
in
b esteh t
aus versch ied en fa rb ig en ,
g esetzten
und
Bändern.
D ie s e T e c h n ik n an n te m an ‘geru p ft’.
k u n stv o ller W e ise
war leb h a ft gefärbt:
zu sa m m en g ezo g en en
rot, b la u -w eiss usw .
a n ein an d er­
und
gen äh ten
D a s fe stlic h e S perrh eid
D a zu trug m an den b ek a n n ten
F a lten ro c k und das Spenser.
E in w eiter, sch u teu förm iger H u t, w ie m an ihn noch je tz t v ie lfa ch im
W erratal sieh t ( ‘P fe r d e k o p f’ gen an n t),
ist
ein v o rzü g lich er Schutz g eg en
d ie b ren n en d en S on n en strah len in der E rn tezeit.
Die Thüringer Volkstrachten.
423
D a s eh ed em so m alerisch e W a ld n e st B r o t t e r o d e
In selsb e rg e s h ie lt v ie l a u f se in e eig en a rtig e T racht.
B rande im Jah re 1894 ist le id e r
k le id u n g zugrunde geg a n g en .
auch
das
am
S ü d fu sse
des
B e i dem furchtbaren
le tz te S tü ck der a lten V o lk s-
Im M useum
d es T h ü rin g erw a ld v erein s
zu
E rfu rt b efin d et sich aber noch ein e P u p p en figu r in A ltb ro tterö d er T racht.
E in e
alte B rotteröd erin
V o rfa h ren 1):
b esch rieb
„In B rotterod e
w urde
m ir
ü ber
se in e rz eit
das
‘S ü r k ism ie d e r’ d ie au sg esch n itten e, g o ld g esch m ü ck te,
v erseh en e J a ck e g ezo g en .
d ie A n zü g e
bun te,
ihrer
seid en d u rch w irk te
m it rotem B rustlatz
D e n H a ls sch m ü ck te e in e K e tte aus sch w erem
G old filigran, ‘a u sgegrab en e K ö rn erk ette’ gen an nt, m it dem H e n k eld u k a ten .
S ch w erer,
v ielfä ltig er ,
b is
au f d ie
sch w arzem B and (G a lo n en ) b en äht.
D er
eig en a rtig ste T e il
b eid en ,
von
reich en d er
der T rach t w ar w ied er
rotgeb lü m tem
S eid en b an d
S c h le ife n geord n et, das gan ze H aar
ein g e h ü llt.
F ü sse
M it d iesem
w urde
se id e n e R o sette, verbu n den.
T u ch rock ,
m it
H a ck en sch u h e und w e is se Strüm pfe.
der K op fsch m u ck .
u m w ic k e lte n
ab er m it
im N a ck en
dem
der
Z öpfe
D ie
w aren
in
g o ld en en F litterb a n d
‘A n k en b u sch ’,
ein e
rot­
Ü ber das G anze erhob sich d ie ‘K ro n e’, d. h.
der B rautkranz aus F litte r , S ilb erd rah t und P e r le n .“ . . .
E in
T r a ch ten g eb iet
für
sich
ist
das
eh em a lig
h e sse n -h e n n e -
b e r g i s c h e L an d von der S ch m alk ald e b is zur H a sel-S ch w a rza .
g esch lo sse n h eit,
d ie
stren ge
re lig iö se
reform iert) h aben hier v ie l b eig e tr a g en
so n d eren V olk stu m s.
R ich tu n g
(te ils
ist
m it
ein em
S ch m a lk ald en
aus
S ch m u ck bän dern
b efin d et
sich
S ilb erb ro k a t
—
ein
m it
sehr
H en n eb erg er H au b en bew ahrt
ein e
h ellg rü n en S treifen
h e llb la u - atla ssen en
w irk u n g sv o lles
von
H in ter k o p f
der n örd lich
g ew ö lb t
und
vom
vorn
R e n n ste ig
m it ein er
S tü ck .
b esetzt.
den M ützen.
aus
K l.-
B in d e-
und
D ie
schön sten
d es H en n eb erg er G esch ich ts­
v erein s in der W ilh elm sb u rg über S ch m alk ald en .
w eich en d
an
K on firm and in nenm ütze
das M useum
m an
D e r in u n zä h lig e F ä ltch en
G anz b eson d ers g esch m a c k v o lle E in z e lh e ite n findet m an
B e sitz
teils
d es b e ­
A m ‘H e ssen ro c k ’ und an der H aartracht k ann
g e z o g e n e d u n k elgrü n e R o c k
m ein em
lu th erisch ,
zur län g eren E rh altu n g
je d e s ‘H e sse n w ib ’ schon von w eitem erk en n en .
In
D ie A b ­
D ie F orm is t ganz ab ­
b ek a n n ten A usführung:
ab steh en d en
K rem pe.
am .
B la u ­
silb ern er oder rot-gold en er B rok atstoff w urde als U n terla g e v er w en d e t b ei
zw ei
der p räch tigsten S tü ck e.
D a s G ew eb e
ist b estick t m it G o ld - und
S ilb erb lu m en ; über den R ü c k e n h in gen m eterla n g e B än d er oder K ettch en
aus G old - oder S ilb erlitze.
D as
h och geb u n d en e K op ftu ch
D ö rfle rin n e n
und
zw isch en S c h m a l k a l d e n
d ie H aartracht k en n zeich n et d ie
und M ehlis.
D ie Zöpfe w erden
in v ie lte ilig e n F le c h te n so geord n et, dass sie ein e A rt K e g e l b ild en , über
den K op fla p p en herau sragen und so v ie l m ehr zur G eltu n g k om m en ,
1) Thüringer M onatsblätter 1894, Nr. 4.
als
Gerbing:
424
im n örd lich en V orland.
E ig en a rtig und n och n ich t ganz au sser G ebrauch
ist d ie ‘N ach tm ah lstrach t’.
m an tel.
D e r A n zu g schw arz,
A ls K o p fb ed ec k u n g
ein
sp itzes,
darüber d eck ela rtig ein zw e ites,
und
h u b e’,
H aube
ein er
w eisser
w eite n ,
S p itze,
d ie
zip fe lig e n
b is
b eid e
m an
v erziert
m it S ilb ertressen und g le ic h e r S tic k e re i.
u m h ü llt
aus
ü ber d ie A u g en
S p en serstoff sehr b e lie b t;
dazu der sch w ere T u ch ­
sch w arzes, w eic h e s
von
w eissem
fiel.
H äu b ch en ,
der ‘O b erzieh -
M ull m it b reiter,
S ch w arzer
d en B ru stsch lu ss
Sam t ist als
rech t k leid sa m
D a zu d ie silb e rv e rzier te schw arze
H au b e und ru ssisch -grü n er W o llr o ck .
E in e sehr altertü m lich e, je tz t
haben
u n s M osch
u nd Z iller
län gst v er g essen e T rach t
im B ild e
und
b esch reib en d
D a s a u ffa llen d ste daran ist ein w eisser S ch leier,
aus M e h l i s
a u fb e w a h r t1).
der d en K o p f (n ic h t das
G esich t) verh ü llt, b is a u f d ie S ch ultern reich t und,
w ie es sch ein t, zip flig
au f den R ü c k e n fällt.
w e isse n Strüm pfe und
D ie F rau
ist
b is
a u f d ie
den b lauen A u ssch n itt der J a ck e ganz in Schw arz g e k le id e t; das M ädchen
trägt ein lic h tb la u es K leid (e in e F a rb e,
d ie in der T h ü rin g er T rach t für
K leid erstoffe ganz u n gew öh n lich ist), w e is se Sch ürze und, w as g ew iss b e ­
sonders au m u tig
F arb e. —
w irk te,
S trüm pfe,
S tirn - und H alsban d
von
h och roter
E s b le ib t m ir noch ü b rig, der T rach t d es a lt-so rb isch en A l t e n b u r g e r
L an d es ein ig e Z e ile n zu w id m en .
D ie A lten b u rg er w eic h e n in der w e n ig
sch ön en A u sb ild u n g ih rer K le id u n g
au ffallen d
von
D ie im E rlö sch en b eg riffen e T rach t hat sich , w ie
A n fa n g
a llen T h ü rin gern ab.
n ach w eisb ar,
d es 19. Jahrhunderts e n tw ick elt, und A b b ild u n g en
aus
erst
zu
der Z eit
um 1 7 0 0 2) zeig en w ied eru m ein v ö llig an d eres G e p r ä g e .' D a m a ls b estand
der S taat
d es B räu tigam s
in
schw arzem
‘S c h m itz k itte r ,
k u rzem W a m s,
darunter der w e isse S ch m itzk itte l. D ann fo lg t der rote ‘U n terroclc’, ein e
A rt H em d , schw arze H o se n und S tie fe l; roter, sp itzer, b reitk rem p ig er
H u t m it grü n -g o ld en er B in d e.
Bunt
und
k leid sa m
w ar d ie Brauttracht:
d ie h oh e rote B rautm ütze (das ‘H orm t’) w ar m it v erg o ld etem S ilb erb lech
b ele g t.
E in M ieder von
schw arzem , rot
ein g efa sstem T u ch ,
farb ig gerän d ertes Ü berm ieder, schw arzer R o ck ,
und
darüber
der
p rach tvolle
F a lten m a n te l
schw arzes,
w e isse g e s tic k te Schürze
aus
schw arzem
T u ch
m it
leu ch ten d rotem F u tter.
V on der je tz t fast versch w u n d en en T rach t
des 19. Jahrhunderts sind
d ie eig en tü m lich sten G ew an d stü ck e d es ‘M elcher’3) der la n g e w e is se R o ck ,
P u m p h osen ,
A nfang
h oh e S tie fe l,
ein b reitk rem p ig er H u t.
des Jahrhunderts noch
das H orm t.
kaum über d ie K n ie reich en d und so eng,
D ie ‘M arje’ trug
D er R ock
dass
w ar ganz
d ie T rägerin
1) Mosch-Ziller, Beschreibung S. 321. Abbildung Tafel I.
2) V gl. den Literaturnachweis oben S. 412.
3) ‘M elcher’ und ‘Marje’ waren die beliebtesten Altenburger Nam en.
zu
kurz,
kaum aus­
Die Thüringer Volkstrachten.
sch reiten k on n te.
dass
das H aar
v erlä n g erte
D ie
sich
w eg g e sch n itten
d ie H au b e
T a ille h erab h ing.
steh en d en ,
g eb räu ch lich e H au b e
g ro ssen teils
zu ein er A rt
425
la g
dem K o p f so
w erden
m usste.
steifem S ch leier,
fest
an,
Im N a ck en
der b is
zur
D ie B rust w ird v er d e ck t von ein em p a n zerartigen , ab ­
schw arz
ü b erzogen en S tü ck P a p p e,
dem b erü ch tig ten L a t z ,
der dem gan zen A n zu g den S te m p el d es U n b eq u em en , ja d irek t H ä sslich en
au fd rü ck te. —
A ls le tz te s se i
sächlich
in
der
stä d tisch en
ein e K op ftracht b eson d erer A rt erw ähnt,
U m g eb u n g von
M useum
in
ein ig e n
J en a
getra g en
w urde
P rach texem p la ren
d ie
haup t­
und im J en a er
v ertreten
ist.
A b­
w eic h e n d von der w e st- und m ittelth ü rin ger T racht u m h ü llt das H ä u b ch en
des S aaletals n ich t nur das H aar, sondern auch d ie W a n g en ,
äh n lich w ie
d ie eh em a lig en K in d erm ü tzch en .
E s gib t ein fa ch e von K attun, aber auch p ra ch tv o lle g e s tic k te H a u b en
d ieser A rt.
B eson d ers
schön
ist
ein
S tü ck
von
ro t-g o ld en em
B rokat,
d essen R and durch ein g e w e b te G old sp itzen äu sserst w irk u n g sv o ll g eh o b en
w ird. —
W ie
fast ü b erall am
Ende
ein e s
K a p itels
ü ber V olk strach t,
le id e r auch h ier g esa g t w erd en : E s w a r ein m al.
m uss
T a tsä ch lich g ib t es nur
n och w en ig e S trich e in T h ü rin gen , w o m an b e i feie rlich en G e leg e n h eite n
(B egräb n is, A b en d m ah l)
sieh t.
n och
a lte F rau en in der ech ten B a u ern k leid u n g
Je w eite r sich d ie L o k a lb a h n en und m it ih n en F a b r ik b e tr ieb e und
T ou risten sch w ärm e au sb reiten ,
d esto m ehr v erb la sst auch d ie E rin n eru n g
an das G ew and der V oreltern ; es w ird verla ch t und h ö ch sten s zum ‘V er­
k a p p en ’ b en u tzt am dritten K irm setag und b eim ‘B a u ern stü ck ’ d er M aien­
feste.
D ie s e ü b era ll b eo b a ch tete T atsach e w ird
das n eu erd in gs erw ach te In te re sse
B auerntracht,
W er
n och
durch
u nser D o r f le b e n
in
der S täd ter
T rach ten feste
den
und
n ich t au fg eh a lten
an
der la n g
durch
b e lä c h e lte n
ä h n lich e V eran staltu n gen .
le tz te n Jah rzeh n ten
au fm erksam
hat, w ird, w en n auch m it tiefem B edau ern, b estä tig en m ü ssen :
v erfo lg t
„ ln etw a
4 0 Jahren ist d ie T h ü rin ger T rach t nur n och ein v o lk sk u n d lich er B e g riff.“
S u ch en w ir,
‘M u s e u m
so w eit
es sich durchführen lässt,
T h ü r i n g e r V o l k s t r a c h t e n ’ zu
ein
m ö g lich st lü c k e n lo se s
schaffen,
um
d iese s
S tü ck
m itteld eu tsch en V olk stu m s der N a ch w elt w en ig sten s g reifb a r und le b e n d ig
zu erhalten!
S c h n e p f e n t h a l in T h .
Schönbach:
426
Kleine Mitteilungen.
Die Bereitung der Osterkerze im M ittelalter.
A llb ek an n t ist der G eb rau ch der k a th o lisch en K irche, am K arsam stagm orgen
vor d er K irchtür d as ‘n eu e F eu er ’ a u s S tah l und S te in zu sc h la g e n , m it dem dann
n ach fe ie r lic h e r S e g n u n g d ie vorh er a u s g e lö sc h te n L ich ter d e s G o tte sh a u se s w ie d e r
a n g e z ü n d et w erd en : der g a n z e R itu s is t uralt, w e n n g le ic h se in e e in z e ln e n M om en te
n ic h t im m er in g le ic h e r W e is e a u f d ie le tz te n T a g e der R a r w o c h e v e r te ilt g e ­
w e se n un d erst im 13. un d 14. Jahrhu nd ert für d en K arsam stag in d er je tz t
ü b lic h e n Z e re m o n ie z u sa m m e n g e fa sst w orden sin d .
V g l. darüb er
d as k a th o lisch e
K ir c h e n lex ik o n 2. Aufl. 9, 1135 f., D u C an ge 2, 272 f. s. v. ce re u s p a s c h a li s ; K elln er,
H eortoJogie S. 54 f. D e r Id e e n k r e is, aus w e lc h e m d ie se N e u sch ö p fu n g d e s reinen
F eu er s h ervorgin g, w ar sc h w e r lic h a u f d as C h ristentu m besch rän k t, d ie k ir ch lic h e
Z e re m o n ie ih r er se its w ird aber d ie V o lk sp h a n ta sie v ie lfa c h a n g ereg t und b e ­
fru ch tet haben, ih r w ird m an an der E n tw ick lu n g der ‘O ste rfe u e r ’ (M y th o l.4 S. 511 ff.)
e in e n w e se n tlic h e n A n teil z u sc h r e ib en d ü rfen. V o n d er O sterk erze s e lb st g e h e n
g e m ä ss d er V o lk sm e in u n g zau b erh afte W irk u n g en au s (vgl. nur W u ttk e-M ey e r ,
D e r d e u tsch e V o lk sa b e r g la u b e d er G eg e n w a rt Nr. 81. 1 9 5 ), d e s von ih r abe flo sse n e n W a c h se s b e m ä c h tig en
sic h
au ch h e u te
d ie G läu b igen g e rn e.
D aru m
h at m an au ch von je h e r d ie O sterk erze m it gan z b eso n d e re r S orgfalt b ereitet,
ih re Z u rüstun g is t oft g e is tlic h e n F rau en anvertraut w ord en (b is w e ile n n och jetzt),
v o llk o m m en w e is s e s W a c h s, o h n e je d e B e im isc h u n g v on g e lb e m oder grau em , ist
d azu erford erlich . D a s s m an sic h d a b ei g ern ein er älteren T e c h n ik b e d ie n t (w ie
b e i der H er ste llu n g von K u ltg eg e n stä n d e n so n st häu fig) u n d d ie M ittel der m od ern en
F ab rik ation v e rsch m ä h t, d arf n ic h t w u nd er n e h m e n . V o n d ie se m S tan dp unk te aus
w erd en sic h au ch d ie M itteilu n gen v e rste h e n , d ie ich h ier au s e in er H an d sch rift
d e s 15. Jah rh u n d erts v o r le g e , d ie aber ih rem In h a lte n ach e rh eb lic h w e iter z u rü ck ­
reich en .
P rof. D r. G ustav B i n z
h at
d ie d e u tsch en H an d sch riften a u f der ö ffen tlich en
B ib lio th ek der U n iversität B a s e l 1907 so rg sa m b e sc h r ieb en ; dort ist S. 26 f. u n ter
A. IV . 45
d er In h a lt
d e s C o d ex v e rz eic h n e t,
d em
ich
d as
fo lg e n d e S tü ck
en t­
n e h m e (W a c k e rn a g el erw äh nt ihn n ic h t u n ter d en a ltd e u tsc h e n H a n d sch riften der
B a se le r U n iv e r sitä tsb ib lio th e k 1836, er w ird ih n zu den ‘L e g e n d e n - un d G eb et­
sa m m lu n g en aus d em 15. Jahrhu nd ert g e r e c h n e t h ab en , d ie er nach se in e r A n gab e
S. 7 b e is e ite lie s s ). D ie H a n d sch rift b e g in n t m it d e m ‘G e istlic h e n B au m garten ’
a u s dem K reise der M inoriten zu A u gsb u rg (vgl. darüb er m e in e S tu d ien zur G esch ic h te
d er altd e u tsc h e n P red ig t, 6. Stü ck , 1906, S. 100),
den s ie n ic h t v o llstä n d ig bringt.
N ach e in er R e ih e le e r e r B lätter h e b t 67 a e in e d e u tsch e B e a rb eitu n g der g e ­
b rä u ch lich sten la tein isc h e n H y m n e n an : z u e rst w erd en (w ie b e i ahd. In terlin ea r­
v e r sio n e n ) d ie e in z e ln e n W ortgru p p en in s D e u ts c h e ü b ertragen , d arau f fo lg t je d e sm a l
e in e z u sa m m e n h ä n g e n d e, sc h o n m it E rk läru n gen v e r w o b e n e Ü b er se tzu n g .
D ie
A rb eit so llte w a h rsch ein lich from m en F rau en (lu r d ie au ch der ‘G e istlic h e B a u m g a r ten ’ b e stim m t w ar) d as V e rstä n d n is der la te in isc h e n H y m n e n d e s B rev iers v e r ­
Kleine Mitteilungen.
427
m itteln . D e r S c h lu ss der H an d sch rift lä sst, w ie sc h o n B in z b em erk t hat, ihren
U rsp ru n g in A u gsb u rg verm u ten , w o h in sie ja au ch d er ‘G e istlic h e B au m garten ’
u n d d ie M undart (ab er n ic h t ‘b a ie r isc h ’, B in z S. 2 6 ) v e rw e ist.
U n ter den H ym n en w ird nun 8 0 a , 8 1 a d er w o h lb ek a n n te d es Y e n a n tiu s F ortu n atu s ‘C rux fid e lis in ter o m n e s’, der in der L itu rg ie d e s K arfreitags e in e g r o sse
R o lle sp ielt, durch e in en b e so n d e re n K om m en tar a u sg e z e ic h n e t, d en ich in v e r e in ­
fachter S c h r e ib u n g u n d von m ir in terp u n g iert h ier ab d ru ck e.
82 a. Disen ympnus hat gem acht Prudencius, den singt die hailig kilch an dem
hailigen osterobent. des m aynunge ich w il erzellen, so ich kurczlichost mag, drfch ettwas
lenger uud m it me Worten denn die ändern ym ps, wan er ist den schlecht gelerten ouch
ettwoz selczner ze tutzsche denn die ändern ymps. Wan dar inn ist beriirt by dem
m aterlichen fure und liecht daz gaistlich füre und daz gaistlich liecht, und besunderlich
dar inn gem erckt, wie der gloub an dem Carfritage in allen herczen erlasch, ußgenomen
in der künglichen müter Marie m ägtlichem herczen erlasch er nie. Darumb singen wir
den ymps an dem osteraubent ob dem fiure, daz die cristenhait denn von niuwem angezundt
an dem cristallen oder einem ändern herten stain, daran man denn daz für für siecht
und anziundet, als denn unser bücher und briefer daz gar ordenlich uß wisent, wie wir
daz tun sollen ze zaichnuß, daz der gloub und ouch die m yn gottes ze suchen und ze
erholen ist in Christo, von dem sant Paulus spricht: ‘aber der stain oder der velse was
Cristus.’ und darumb den m aterlichen sinne wil ich uff das kurtzest schriben, daz der
(82 b) gaistlich sinne darus lichtsam lich inüg gezogen werden. Wan des ersten so rufen
wir in disem ym ps Cristum an, daz er uns daz liecht für die ingevallen vinsternuße wider­
geb, so wir also singent: 0 guter herlaiter Jhesu Crist, du wunder des schinenden
liechtz, dem alle zit gew ertig ist und zu dinem w illen gentzlich stät, wir bitten dich, gib
uns rechtgloubigen daz liecht wider, wan die sunne undergangen und ain solliche vinsternüsse ingefallen ist. Wie wol du dinen him elschen palast m it unzallichen gestirn gezieret
hast und ouch mit des mones liecht, ye doch so zöigest du uns daz liecht in stainis
g e sc h lä c h t ze suchen, als wir daz fiure usser dem kißling sclilachent, darumb daz. der
mensch wisse, daz im die hofnunge des liechtz verborgenlichen behalten sige in dem
stätvesten lip Christi, der sich selber genem pt het ainen stätvesten velsen oder stain, von
dem unser für herkomen ist. Darnoch erzellen wir, in w ie m aniyer layge w ise w ir d a z
fü re behalten in liplich er m aterie, daz wir daby ouch mercken in gelichnusse, wie wir daz
gaistlich für oder liecht erholen oder behalten mügen. So wir singent, die fü r erneren
oder behalten w ir m it dachten, die w ir in dem o li fa ch t machent, und in den dü rren faculen
ouch , so w ir faden oder dach t von bintzenm arg bestrich in d -mit honigwaben, so d a z honig
d a ru ß g ed ru ck t w ir t.
U n d aber, so w ir lynyn tuch oder ta ch t in scherben tünd, da vaj/stn
oder u n slit oder des g e lic h , inn ist. Oder w ir behalten d as fiu re oder d a z liecht m it oder in
dem h a rtz. d a z bech d a z von den tannen kom pt, u n d ouch in dem fla ch s oder in dem w erck,
d a z w ir m it w achs zu synw eln kertzen machent. Zum dritten mal bitten wir denne gotte,
daz er im em pfengklich und g evällig laß sin daz für oder daz materglich liecht, daz wir
im in der gnadrichen nacht am osterobend opfrent, und ouch die myne und das liecht des
globen, die daby bezaichent sint, so wir singent und sprechend: ‘0 got, wie ain so würdig
ding ist daz lieclit, daz dir din sw aygn opfert in dem anvang der gnadrichen nacht, daz
5 marterlichen H s., lat. m ateria lis. — 5 daz gaistlich füre zw eim al. — 7 m ägtlichen
H s. — 9 hertzen stain H s. — cristallen, vgl. Honorius Augustod., Gemma Anime, lib. 3,
cap. 101— 102 (M igne, Patrol. Lat. 172, 668). — 12 vgl. 1. Cor. 10, 4: bibebant autem de
spiritali petra, petra aütem erat Christus. Vgl. d a zu die erste oratio über das neue L ich t
in der L itu rg ie des K a rsa m sta g s. — 13 marterlichen H s. — 16 du vmder H s. Z u dem
F olgenden vg l. die zw eite O ratio u n d die Benedictio Cerei des K a rsa m sta g s. — 22 productum e silice, erste O ratio u n d die B enedictio Cerei des K arsam stags. — 23 Christe H s. —
29 vaysm H s. — 32 ff. der Inhalt ist wiederum entnommen den drei Orationen am Karsam stag beim Anzünden des neuen Feuers und der folgenden feierlichen Benedictio Cerei.
Schönbach, Lehmann-Filhes:
428
von diner gab hie ist. es enist ouch nutzit costlichers denn daz liecht, da durch wir
ander din gaben beschöw ent.’ Oder also: ‘o got, du bist ain gar würdig ding des liec-hts,
daz din sw ayg opfert’ als vor etc. (83 a) Du bist ain wares liecht den ougen und den
sinnen in der Vernunft, inw endig und ußwendig in der synnlichait. ich bitt, daz du
gnädiclich em pfahest daz liecht, daz ich dir opfern und in geduncket ist in die salbe dez
hailigen crysmens. 0 vater, wir bitten, empfah es durch dinen (ain) gepornen (sun)
Cristum, an dem din gesich ticlich gunlichait stat, der unser herre und din aingeboren
sun ist, usser dem und dir der hailige gaist gaistet w irt, durch den din glantz, ere,
wishait, kayserlich m acht, gütin und din m iltikait daz rieh vollstercket und m it drivaltikait
zesamen wibet die zit durch ew ig zit Amen.
D ie O sterk erze rep räsen tiert d ie P er sö n lic h k e it C h risti ( = L u m e n C h risti in der
L itu rg ie), w ie sc h o n d ie fü n f au fged rü ck ten W eih rau ch k örn er ( = fü n f W u n d e n ) b e ­
ze u g e n ; v on ihr g e h t das n e u e , durch Stah l u n d S tein e r z eu g te F eu er aus, w ird
von d a den drei K erzen m itg ete ilt, d ie d er D ia k o n a u f der T r ia n g e l s e in e s R o h r sta b e s v o r s ic h herträgt, u n d durch d ie s e w erd en dann a lle v o rh er a u s g e lö sc h te n
L ich ter der K irch e w ie d e r e n tzü n d et. D ie E rkläru ngen d e s B a se le r S tü ck es sin d
d en O rationen u n d S e g n u n g e n en tn om m en , d ie w äh ren d d ie se s litu rg isc h e n A k tes
von dem fu n g ieren d en G eistlich en g e sp r o c h e n u n d rezitiert w erd en . D a s Z erem o n iell,
das d ie B a se le r H s. vo ra u ssetzt, stim m t a lle r d in g s n ich t d u rc h w eg m it d e m heu te
ü b lic h e n , w ie sic h sc h o n daraus ergibt, d a ss der H y m n u s C r u x fid e lis in te r om nes
(vgl. M one, H y m n e n 1, 131 f.), der h e u te d em K arfreitag Vorbehalten ist, m it der
F eier d e s K arsam stags verb u n d en w ird.
D as
m an das
sic h , a u f
gegeb en ,
W ic h tig ste is t je d e n fa lls der P a ssu s, in w e lc h e m b e sc h r ieb en w ird, w ie
n e u e Bleuer hervorruft und in d er O sterk erze bew ah rt. E ig e n tlic h finden
d rei G ruppen verteilt, v ie r A rten d er G ew in n u n g d es n e u e n L ic h te s a n ­
n a c h d em e s au s d em S tein g e sc h la g e n w ar: e r ste n s w erd en D o c h te in
Ö l g eta u ch t u n d en tzü n d et;
zw e ite n s w erd en F a ck eln au s B in sen m ark erzeu gt, das
in W a c h s g e r o llt w ird (e in fa ch W a b e n aus B ien en stö c k e n , d en en m an den H o n ig
a u sg ep re sst hat, w ie h e u te n och a u f e in fa ch ste W e is e g e sc h ie h t, z. B . in V o r a r l­
b erg ); d r itte n s , in T ö p fe n od er S ch erb en , w e lc h e F e tt od er U n sc h litt e n th a lte n ,
w erd en L e in en str eifen oder D o c h te durch F u n k en zu m E n tzü n d en geb rach t, das
g ib t nur L ich t, aber zu n ä ch st k e in e K erze; v ie r te n s , S tü ck e F la c h s o d e r W e rg
w erd en in T an n en h arz od er W a c h s g e r o llt un d dad urch K erzen h e r g e ste llt. D ie s e
v ie r Arten en tsp rech en u n g efä h r der a lten G e sc h ic h te der K erze, w ie sie der
G e sch ic h te d e s W o r tes
a b g ew o n n en w u rd e
durch
R u d o lf H ild eb ran d ,
614 f., v g l. H ey n e, D e u ts c h e H a u sa ltertü m er 1, 60 ff., 200,
E s w u rd en a lso ta tsä c h lich für d ie B e re itu n g
D W tb . 5,
b e so n d e r s 126 f. 276 f.
der O sterk erze im
M ittelalter V e r -
fa h r u n g sw e ise n a n g e w e n d et, d ie so n st n ich t m eh r (w e n ig ste n s n ich t im 15. Jahr­
hu nd ert) g e b r ä u c h lic h w aren , w a s sic h e r m it d em r itu ellen Z w e c k d e s n eu en
L ich tes zu sam m en h än gt.
G raz.
A n t o n E. S c h ö n b a c h .
37 es amst ouch H s. D ie Gedanken sind im wesentlichen der B enedictio Cerei ent­
nommen, hier aber in einer Sprache ausgedrückt, die bereits den Einfluss der Mystik er­
fahren hat. — 42 ain, sun feh len ; gesichticlich gunlichait = g lo ria visib ilis. — 46 weben
ist hier noch stv .
Kleine Mitteilungen.
429
Ein isländisches Pfarrhaus vor hundert Jahren.
A ls E rg ä n zu n g zu den in R e ise b e sc h r e ib u n g e n sic h fin d en d en und natü rlich
nur a l l g e m e i n g e h a lten en B e m er k u n g e n ü b er islä n d is c h e W o h n u n g en kann n a c h ­
ste h e n d e S c h ild e ru n g e in er P farre d ien en , d ie dem islä n d is c h e n R o m a n ‘M aöur og
k o n a ’ (M ann u n d F rau ) en tn om m en i s t 1).
D e r V e r fa s se r , J ö n T h ö r o d d s e n
^1 8 1 9 — 1868) b e sc h r e ib t darin E in rich tu n gen , w ie sie in se in e r Ju gen d , a lso der
e rste n H älfte d es 19. Jahrhu nd erts, in Isla n d b esta n d en , w en n au ch d ie G e sch ic h te
s e lb st a ls in der z w eite n H ä lfte d e s 18. Jah rh u n d erts sic h zu tragen d g e d a c h t ist.
D ie betreffen d e S c h ild e ru n g lau tet, in s D e u ts c h e üb ertragen , fo lg en d e rm a ssen :
D ie P farre h atte für d a m a lig e Z eit se h r g u te G eb äu d e a u fz u w e ise n . A lle r ­
d in g s w aren
sie
sc h o n ein w e n ig alt,
d en n s e r a 2)
S ig v a ld i
ersten A m tsjah ren au ffü hren la sse n , d och w aren s ie a lle n och
aus g u tem M aterial
errich tet w a r en ;
d am als w ar e s n ä m lich
stark und fe st zu bauen und auch m eh r a u f W ä rm e
b ed a ch t
h atte
sie
in
gan z fest,
ü b lich ,
sein en
w e il sie
d ie H äu ser
zu sein ,
a ls
a llein
a u f S ch ö n h eit, w ie m an h e u tz u ta g e zu tun pflegt. D ie H a u stü r8) w ar g era d e nach
S ü d e n g e rich tet un d d ie B e w o h n er glau b ten b e stim m t zu w issen , d a ss e s g e n a u
12 U h r m ittags w ar, w en n der S o n n en stra h l in d ie H au stü r u n d a u f d ie M ü h le
fiel, d ie h ie r drinn en r ec h ts v o m E in g ä n g e stan d.
D ie G ieb elw a n d , in w e lc h e r
der E in g a n g w ar, bestan d gan z au s starken B rettern 4). A n der H austü r b efan d
sic h ein g r ö sse r K up ferring, in d en m an h in ein griff, w en n m an d ie T ü r öffnen
oder s c h lie s se n w o llte.
A u sse n w ar ü b er der T ü r verq u er e in B rett ein g efü g t,
in
d ie s e m w ar m it r ö m isch en Z iffern d ie Ja h r e sz a h l der le tz te n E rbauu ng d es H a u se s
e in g e sc h n itte n .
O ben a u f der G ie b e lsp itz e stan d e in e S tan ge, u n g efä h r e in e E lle h och , d arau f
b efand sic h e in e W etterfa h n e, das w ar e in k le in e s B rett, w e lc h e s sic h um ein en
E ise n sta b d reh te, der aus dem ob eren E n d e der S tan ge h erau sragte. D a s B rettch en
w ar d u rch b roch en g e sc h n itz t un d z e ig te den a b gek ü rzten N a m en d e s P farrers. E s
d reh te sic h n ach d em W in d e u n d k r e isch te laut, w e n n e s stü rm isch war, w esh a lb
S p o ttv ö g el sagten , „das V ie h g lic h e ste ts se in e m P fle g e r 5), d enn d ie W etterfah n e
hätte d ie se lb e T o n la g e w ie der P farrer“,
w om it
S ig v a ld i e in e dü nn e S tim m e hatte.
V o m H a u se in g a n g e erstreck te sic h ein
etw a
sie d arau f a n sp ielte n ,
d a ss sera
fü n f E llen la n g er F lu r 0) gerad e
nach h in te n ; in ihm b efa n d sic h a u f je d e r S e ite e in e T ü r. D ie e in e führte in d ie
S t u b e 7), d ie se w ar drei F a c h 8) lang. A n der S e ite, d ie nach d em H o fp la tz 9) vor
1) Ein K apitel aus diesem Roman, das in einem Bauernhause spielt, ist in deutscher
Ü bersetzung als Sittenbild in das Buch ‘Island am Beginn des 20. Jahrhunderts’ von
Valtyr Gutfmundsson (aus dem Dänischen von Richard Palleske) aufgenommen.
2) Ehrentitel der Geistlichen.
3) Bcejardyr (n. pl.). D ieses Wort bezeichnet nicht nur die Eingangspforte selbst,
sondern zugleich auch den kleinen Vorraum innerhalb derselben. Hier verwahrt man
einzelne Gegenstände, z. B. die Mühle. — Übrigens heisst ‘dyr’ nur die T ü r ö f f n u n g , die
(bewegliche) Tür selbst aber ‘hurüf’.
4) W ährend auf ärmeren H öfen eine Giebelwand nur in ihrem obersten Teile aus
H olz, unten aber — wie alle Hauswände — aus Rasen und Steinen erbaut war.
r>) Isländisches Sprichwort, das m eist in geringschätziger Bedeutung und oft, wie
hier, auch für leblose D inge gebraucht wird.
G) Anddyr.
7) Stofa = g u t e Stube.
8) Ein Fach m isst in der R egel drei, zuweilen vier Ellen.
9) Dem ‘hlaör’ (n.).
Lehmann-Filhes, Blümml:
430
d em H au se, also n ach S ü d en g e w e n d e t w ar, b efan d en sic h z w e i G la sfen ste r;
darunter stand ein g r ö sse r T isc h un d a u f je d e r S e ite d e ss e lb e n ein S tu h l m it
led er n e m Sitz.
D ie R ü c k le h n e
der
S tü h le
w ar
se h r
h och
und
m itte lg r o sse n M anne, w en n er sa ss, b is zur N ack en gru b e reich en .
m o c h te
je d e m
A n der G ie b e l­
w an d !) d er S tu b e stand ein g r ö sse r offen er Schrank , darin w ar a lle r le i z in n ern es
und ird en es T isc h g e rä t a u fg e ste llt.
An d er n ö rd lich en W and h in g e n z w e i P orträts,
und in der M itte d ie se r W a n d stand e in e g r o s s e e ic h e n e K o m m o d e 2), d ie b ein ah
b is an das O b e r g e s c h o s s 8) r eich te; vor d er K om m od e stan d e in e g r o s s e K le id e r ­
tru h e un d vorn in der E ck e ein v e r s c h lo s se n e r S chrank . — A u f der an d eren S e ite
d es F lu rs w ar d ie T ü r zu dem S c h la fr a u m 4) d er K n ech te, d eren B e tten zu b e id e n
S eiten stan d en . E r m a ss e b e n fa lls drei F a ch in der L ä n g e; er w ar n ich t g e d ie lt,
d och w aren d ie W ä n d e m it B rettern v e rsch a lt. A n der S e ite , d ie d em H ofplatz
z u gek eh rt w ar, b efa n d en sic h im D a c h e in ig e k le in e ru n d e, m it d ü nn er H aut b e ­
sp ann te F e n s t e r 5). — V o m F lu r au s g in g in gera d er R ic h tu n g n a c h h in ten der
G a n g 6), in w e lc h e m m a n se h r b ald an z w e i e in an d er g e g e n ü b e r b e fin d lich e T ü ren
kam , von d en en e in e in d ie K ü c h e 7), d ie an d ere in d ie S p e ise k a m m e r 8) führte.
U n g efä h r vier E lle n
h in ter d ie se n T ü ren
h atte
der G ang e in E n d e 9).
stu b e w ar ein g r o sse s un d seh r h ü b sc h e s H a u s 10).
D ie B a d ­
U n ten w a r g e g e n ü b e r der T ü r
e in W e b stu h l a u fg e ste llt un d an d em e in en E n d e, lin k e r H and , w a r e in e G ä ste­
k a m m e r 11) m it z w e i B e tten darin, an d em an d eren E n d e ab er e in e z w e ite K am m er,
d ie z w e i F a ch la n g u n d gu t m it B rettern v e rsc h a lt war. D ie s e w ar e ig e n tlic h zur
S ch lafk am m er für vorn eh m ere
je tz t aber h ie lt pörarinn, d er
s c h lie f dort au ch d e s N a ch ts.
ö stlic h e n T e il für d as G esin d e
sa ss;
G ä ste b estim m t g e w e s e n und e n th ie lt z w e i B etten ,
S c h w a g er d e s sera S ig v a ld i, sic h darin a u f un d
D a s O b e r g e s c h o s s 12) d er B a d stu b e w ar in se in e m
bestim m t, w e lc h e s h ie r d e s A b en d s b e i der A rbeit
d es N a c h ts s c h lie fe n je d o c h nur d ie M ägd e d a selb st,
d ie K n e ch te d a g e g e n
im „ sk a li“. A m an d eren E n d e der B a d stu b e k am m an z u n ä c h st in e in k le in e s
G em a ch von der L ä n g e e in e s F a ch s, darin b e fa n d en sic h z w e i B etten , a u f je d e r
S e ite e in s; in dem e in en s c h lie f GuÖrün, d ie H au sh älterin , in d em ändern ab er
s c h lie f se lte n jem a n d , a u sg en o m m en dan n un d w an n e in e F re m d e ; h ier lie s s m an
S ig r ü n 13) sc h la fe n , so la n g e s ie sic h in d er P farre a u fh ie lt. D u rch d ie s e s G em ach
g e la n g te m an in ein z w e ite s, d as u n g efä h r an d erth alb m al so g r o ss w ar a ls das
erste, d ie s w ar d ie K am m er d e s E h ep a a res. D arin stan d en z w e i B etten , a u f je d e r
1) Also der Tür gegenüber.
2) Dragkista.
3) Das ‘lopt’, ein Boden, der von dem unteren Raum durch eine Lage Bretter ab­
geteilt ist.
4) Dem sogenannten ‘skali’. (Siehe über dieses alles auch oben 6, 235 ‘Kultur­
geschichtliches aus Island’).
5) Skjagluggar.
6) Göng (plur.).
7) Eldhüs = Feuerhaus.
8) Bür.
9) W eil hier die baöstofa verquer davor lag.
10) Jeder Raum eines isländischen Gehöfts, sogar der Gang, ist als besonderes Haua
mit eigenem Dach gebaut.
11) Gestaherbergi.
12) Das ‘baöstofulopt’ (eigentlich ‘Badstubenboden’) , auch schlechtw eg batfstofa
genannt.
13) Die Heldin der Geschichte.
Kleine Mitteilungen.
431
S e ite e in e s un d b e id e z ie m lic h w e it v o n e in a n d e r entfernt, denn das e in e stan d
gan z d ich t am E in g a n g an der sü d lic h e n W a n d der B a d stu d e, w ä h ren d d as K o p f­
en d e d es än d ern b is an d as G ie b e lfe n ste r r eich te.
D ic h t am K o p fen d e d ie s e s
B e ttes, g e ra d e u n ter d em F en ster, stan d ein k le in e r T isc h . W e n n sera S ig v a ld i
sch rieb , sa ss er a u f ein em S tu h l an d er änd ern S e ite d e s T is c h e s , m e is t aber
pfleg te er, w en n er in der B a d stu b e w e ilte , a u f se in e m B e tte zu sitz en , sic h a u f
das K o p fk issen zu stü tzen u n d aus e in er T a b a k sp fe ife zu ra u ch en ; a u f den T isc h
vor ih m w ar ein K o h len b e ck en g e ste llt, daran e n tz ü n d ete er, so oft e s nötig war,
se in e P fe ife ; u n d d am it der P farrer s ic h u m so b e sser m it F re m d e n u n terh a lten
k ön n e oder überhaupt m it L eu ten , d ie er zu sp rech en w ü n sc h te , h atte m an e in en
S tu h l n eb en d as F u ss e n d e s e in e s B e ttes g e se tz t un d ein P lü s c h k is s e n d arau f g e le g t,
a u f dem d ie G äste sitz en so llten . — In der T ü rö ffn u n g , w e lc h e d ie b e id e n
K am m ern verb and,
w ar k e in e
a u f e iser n e n A n g eln b efu n d en ;
T ü r.
A n fän glich
hattet sic h h ie r
ein m al aber trug e s sic h zu,
zw ar e in e T ü r
d a ss d as S c h lo ss in
U n ord n u n g g e riet un d d er S c h lü sse l v erlo ren g in g ; und da m an versä u m te, sie
w ied er in stan d zu se tze n , w ar d ie T ü r e in e Z e itla n g o h n e S c h lo ss, un d e n d lic h
lie s s der P farrer sie g a n z h erau sn eh m en un d gab a ls G rund dafür an, d ie K a tze
lie fe d e s N a c h ts so oft v o n e in er K am m er in d ie an d ere un d lie s s e je d e s m a l d ie
T ür so lau t z u fa lle n , d a ss s ie d e n in d en K am m ern S c h la fe n d e n fortw äh ren d
S töru n gen v eru rsa ch te. — — —
D e r S c h r iftsteller m u ss b eim A b fa ssen d ie se r S c h ild e ru n g ein en gan z b e ­
stim m ten W o h n sitz im A u g e g e h a b t h ab en , w as ih r g r o sse A n sc h a u lic h k e it v e r le ih t.
Er b esch reib t h ie r ü b rig en s, w ie m an sieh t, d u rch au s n ic h ts S e ltsa m e s, U n er h ö r tes,
w a s d ie e in fa ch e E rzä h lu n g auch gar n ic h t erfordert; aber m an m erk t ih m d as
lie b e v o lle B e h a g e n an, m it d em er B ild er au s se in e r K in d h eit un d J u g e n d vor
sic h a u fsteig e n lä sst; w a h rsch ein lich w aren in se in e n sp äteren L e b e n sja h re n sch o n
v ie le Z ü ge d avon in der n ü ch tern en W ir k lic h k e it n ich t m eh r a u fzu fin d en u n d
m an ch er alte Brauch b ereits ab gesch afft, w a s je tz t w o h l n o ch m eh r der F a ll se in
dürfte.
B e r lin .
M a r g a r e te L e h m a n n -F ilh e s .
Zur Ballade vom Ritter Ewald.
K. K rü ger h at ob en 15, 3 3 5 zu der w e it ve rb re ite ten B a lla d e vom R itte r
E w a ld e in e F a ssu n g au s S c h le sie n un d v e r sc h ie d e n e L esarten au s P om m ern un d
P o se n b e ig e b r a c h t1). N a c h steh en d te ile ic h j e e in e A u fze ich n u n g aus S i e b e n ­
b ü r g e n , aus M ä h r e n u n d aus O b e r ö s t e r r e i c h m it, w e lc h e L än d er b is je tz t noch
k e in e n ‘R itter E w a ld ’ a u fz u w e ise n hatten. D ie sie b e n b ü r g isc h e F a ssu n g en tn eh m e
ich ein em zu K ronstadt 1862 g e sc h r ie b e n e n L ied erb u ch e d e s L eh rers T e u tsc h m a n n ;
sie is t b e so n d e rs durch d ie M elo d ie b e m e rk en sw e rt,
e rfo r d e rt2);
der T e x t
ist
z ie m lic h e in g esch ru m p ft.
w e lc h e
D ie
a c h tz e ilig e Stroph en
m äh risch e F a ssu n g ,
d ie
au s N e u stift b e i O lm ütz stam m t, w u rd e m ir von D r. p h il. Franz P a le c z isk a ü b er­
liefert. D ie o b e r ö ster r eich isc h e V arian te, d ie um
w ard, verd an k e ic h H errn L eh rer F ranz W a sm e r.
1870
zu L e o n fe ld en
g e su n g en
1) [V gl. John Meier, K unstlieder im Volksmunde 1906 S. XLV. C X L III. 74.]
2) [Doch besteht die M elodie der zweiten Strophenhälfte lediglich in einer doppelten
W iederholung der beiden Anfangszeilen.]
Blümml, Pappusch:
432
1.
t
Ö _ ._____
1.
In
des
Kronstadt 1862.
S
3
Gar-tens dun-kler Lau- be
sassen
-0-
~
I - wald ne-ben I - da
*
bei-de Hand in Hand,
in
—
’
der Lie- be fest - gew andt.1) ‘I - da’, sprach der R it-ter
^ < -4 - j rm- *
m
tr ö -ste n d ,‘I -d a , lass das W ei-nen sein! Eh die
wie - der
bei
dir
R o -se n wie - der b lü -h en , will ich
sein.’
2. Und er zog bei M ondesschimmer
H eim fürs treue [!] Vaterland
Und gedachte oft an Ida,
Wenn der Mond am H im m el stand.
Und ein Jahr war kaum verflossen,
Als die jun ge Knospe brach. :,:
3. Was erblickt er in der Ferne?
Einen Grabeshügelstein.
Und auf Marmor stand geschrieben:
DrobeD wirst sie wiedersehn.
:,: D arauf zog er in ein K loster,
L egte Schwert und Panzer ab. :,:
2.
-U p
R it - ter
— fs— jv —1 *
4 — 0—
1.
In
* '
k.
k.
des Gar-tens dunkler
Hu - go, schön und
i
—| . "N“
N eustift bei Olmütz.
4
,
V
^ — i----->------ fs-----f*
—0 ---- ------0 -----0 -
Lau- be sa - ssen bei-de Hand in Hand.
mu - tig,
ne
ben
I - da
R it - ter
fest - ge - bannt.
2. Und er sprach zu Ida traurig:
‘Ida, lass das W einen sein!
Eh die Rosen wieder blühen,
Bin ich ja schon wieder dein.’
5. Doch was sieht er in der Ferne?
Eines Grabeshügel Wart’,
Und darauf da stund geschrieben:
Id a lebt für dich nicht mehr.
3. M utig zog er aus zum Kampfe,
In den Kampf fürs Vaterland;
Oft gedacht’ er seiner Ida,
W enn der Mond am Himmel stand.
6. Er
‘Ist denn
D enn ein
F in d’ ich
4. Und ein Jahr ist kaum vergangen,
Als die Rose wieder prangt,
E ilt Ritter H ugo hin zur Laube,
Wo er einst m it Ida staud.
7. Er ging in ein nahes Kloster,
L egte H elm und Panzer ab;
Dort in jener kühlen Laube
Grub ihm bald ein Mönch sein Grab.
1) fü r : festgebannt.
stand bei dem Grab und weinte:
das der Liebe Lohn!
Jahr ist kaum vergangen,
dich im Grabe schon.’
Kleine Mitteilungen.
433
3.
(
Leonfelden 1870.
V—
des
1. f In
\ Rit - ter
G a r -te n s dunk-ler
Ro - wart m it der
L au - be sass ein
M in -n a , knüpf-ten
R it - ter Hand in Hand,
gar
ein schönes Band.
2. Endlich gin g er fort zum Kampfe
Fürs geliebte Vaterland,
Minna weinte, Rowart seufzte,
R eicht’ ihm ’s letzte Mal die Hand.
5. Ritter Rowart kam nach Hause,
Kam zurück ins Vaterland,
Er besuchte seine Minna,
Die schon längst im Grabe lag.
3. ‘Liebe Minna’, sprach er tröstend,
‘Liebe, lass dein W einen sein!
Eh die Rosen w ieder blühen,
Werd ich wieder bei dir sein.’
6. Ritter Rowart gin g spazieren,
Ging in jenen Friedhof hin,
Fand von Marmorstein die Grabschrift:
Minna lebt nicht mehr für dich.
4. Ritter Rowart dacht nach Hause,
D acht zurück ins H eim atland,
Er gedachte seiner Minna,
W enn der Mond am H im m el stand.
7. ‘Ich als Geliebter bin gekom men,
Finde dich im Grabe schon,
Meine Freud ist mir genomm en;
Ist denn das der Liebeslohn?’
8.
Ritter Rowart ging ins Kloster,
L egte Schwert und Panzer ab;
Und eh die Rosen wieder blühten,
Gruben Mönche ihm sein Grab.
W ie n .
E m il K a r l B lü m m l.
Inschriften an Kruzifixen und Bildstöcken in W estfalen.
D u rch w a n d ert m an d ie w e ite E b e n e d e s w e stfä lisc h e n M ü n ster la n d e s, so
erb lick t m an ü b erall d ie v e re in ze lt, m e ist z w isc h e n G eb ü sch ve rste c k t lie g e n d e n
B au ern h öfe. D ie Ä cker- un d W e id ek ä m p e sin d m it e in er W a llh ec k e , ein em k le in en ,
m it n ie d r ig e m G eh ölz b e w a c h s e n e n E rdaufw urfe u m g eb en ; un d um in den H o f zu
g e la n g en , m u ss m an g e w ö h n lic h erst durch ein D reh k reu z g e h e n o d er e in en S c h la g ­
baum (d a s H eck ) öffnen.
D a s E rste, w as dem W an d erer in der N ä h e d e s H o fes,
oft au ch sc h o n an der S tra sse au ffällt,
ist e in K reuz aus H o lz
od er Stein ,
oder
S tein tafeln m it e in er b ild lich en D a r ste llu n g aus dem N eu en T e sta m en t, b isw e ile n
a u ch e in k a p ellen a rtig e s H ä u sch en m it e in er G ruppe darin, g e w ö h n lic h d er M utter
G ottes m it d em L e ic h n a m J e su (P ie ta ).
A n d ie se n B ild w erk en , d ie oft in ein er
k le in en L au b e od er un ter d em S c h u tze e in er hu n d ertjäh rigen E ich e oder L in d e
steh en , befinden sic h from m e Sp rü ch e, d en en m an ch m al N am en un d Ja h resza h len
b e ig e fü g t sind .
E in e
A u sw a h l
so lc h e r
In sch riften la sse
ich h ier fo lg en ;
so w eit
n ich ts an d eres erw äh nt ist, h a n d e lt es sic h um In sc h r ifte n an K ru zifixen .
1.
a)
MARLETELGTANiEERlGEBARACASPARO
e tL e o p o L D o V V e sth o ffo p e
b) s I t t I b I s V b s I D I o C r V X s t r o M b e r g e n s I s
IesV
h In C q Y o t I e s t r a n s I s q V I s q V e V I a t o r a V e
(Clarholz, an der Strasse nach Lettp, bei Westhoffs Mühle. — a) A uf der Vorderseite
einer Steintafel unter dem R elief einer Pieta; b) Distichon auf der Rückseite derselben Tafel
unter dem R elief eines Kruzifixes. Zwischen den einzelnen Wörtern ist kein Zwischenraum,
die Buchstaben hängen unmittelbar aneinander. Die grösseren Buchstaben ergeben auf
jeder Seite die Jahreszahl 1762. Zur Mutter-Gottes in T elgte und zum Kreuz in Strom­
berg finden alljährlich W allfahrten statt).
Zeitscbr. d. Vereins f. Volkskunde. 1908.
28
Pappuscli:
434
3
2. £iebe toar fein gan es £eben,
Siebe toar fein erft (Sebot,
£tebe n>ar fein ganjes Streben,
£iebe tr>ar fein bittrer Cob.
(CLlarI^ol3, ^elbtnarf.)
7. (Sefröutes fjaupt btd? bet
tefj an, (Eucfy grüfj idj tjetltge lüunben. P ie Stieb
id> nie oergelteu fann,
Hut ber tljr midj cerbutv
ben.
3. 3 cfus dfyriftus ift für uns
gefyorfam geroefen
(£ette, Be^. ItTinben.)
bis 3um (Eobe bis 3utn (lobe bes
Kreises.
IHiffton *865.
(<Oarljol3 , ^elbmarf.)
4. ©
bie 3 ^
über geltet am IPege
gebet ad?t unb fd?au«
et, ob ein Sd/mer^
gleicfy fei meinem
Scfyme^e.
21. K aasm ann (S. Boobe
(Eheleute *875.
oor»
(UTabonnenbtlb.
£ette, an ber S tr a fe nadj
© elbe.)
9. <£r tjat ftdj felbft für
alle 3 ur (Erlöfung
bargegeben. I. Ctm. II.
3 er- \i \ 2-
B . £jot>eft
8. Siet], ÜTarta! gnäbig fyin
21uf nttcfy armen Sünber.
Sdjnmcfj bin icfj unb nmn
Fe oft, Stütje Deine Kinber.
CLtj. (Ellbr.
3unt *886.
(Kircfyfpiel dlartjo^.)
5. S o fefyr tjat (Sott
bie tt?elt geliebt, ID as ift’s
bas nun bie H?elt 3tjm giebt.
3 . £j. Katttjoff
21. ITT. XOefttjoff gnt.
Bacfm ann. *830.
(Kfpl. £ette.)
(Kfpl. (Ennigerloh, S tr a fe naefy (Dftenfelbe.)
6. © ijeilg es Kreuj in meinen £eiben
UTetne B u rg unb guoerftdjt,
IDenn icfy einft oon tjier mu§ fcfjeiben,
Dann, o bann oerlafj rnid? nicfyt.
E^einricfy Ejölfdjer 21nna UTarta Htenjenljerm.
*875.
(gunfdjen (Süterslotj unb ItTarienfelb.)
10. © <Sefreu3igfter Ejerr
3 e fu (Erbarme btcfy meiner.
© IHutter ber Barmfyersig
feit B itte für uns.
§ u m 21nbenfen ber tDittroe
Jtöpefam p gebor. (Sertrub
Bacfm ann.
(Errichtet b. *6. 3 u n i *863.
(P ieta.
Kfp. Sette, bei Ejaus 2Tr. 4;8 .)
11.
(Kfp. ©elbe, Bauerfdjaft JHjmenfyorft Hr. *9 .)
12.
(Söttlidjer Ejeilanb lefyer un s beine
£iebe erfaffen unb bie Sünbe Ijaf
fen.
*9 0 0 .
(Kfp. ©elbe, Bauerfd?. 2lfytnenl}orft, (Seifter £>013.)
Kleine Mitteilungen.
13. Did? betfy idj an, fjerr 3e>
fu (tljrifl,
Ztid/t bies 23ilb fo bein (Se>
bäcfytni§ ift.
435
15. ß eilige UTarta
bitte
für utts.
(IHabonnenbilb, Kfp. 0 e lb e, Bauerfcfyaft
Bergeier.)
CKfp. ©elbe, Bauerfd?. 2Ifjmentjorft, am
£iitFc=^ol3.)
14. ü ra g ’ Dein Kreu 3 , bann trägt es Did?
§ u r fr ö n e n Ejeimat fid?crlic^;
Dod? murreft Du, fo brüeft es fetjr
ilnb tr>etd?et bennod? nimmermehr.
ID irfft P u es ab, fo glaube mir,
(Ein neues, fdjroereres naljet Dir.
16. (Sebenf o UTenfd? an Deinen
Cob unb Deine lebten Dinge
unb Du n?irft in (Enngfeit
nid?t fiinbigen. P ater unfer etc.
(Kfp. ©elbe, S tr a fe nadj £ette.)
17. Betrachtet 3 h r ITCenfdjenfinber,
(Sott ftirbt für alle Sünber.
fjeinrtcfy Horbfjues
unb (Jrau, geb. Bertha ^liidjter.
3ofy. £jenridj Strafe genant
Becfftebbe unb 2Iitna Calfyartna
Becfftebbe (Etjeleute.
Den u . IUär3 \8 5 7 .
\2 . 3 a n . \ 906 .
(Kfpl. ©elbe, Bauerfcfy. Bergeier, bei
fja u s Hr. 2 \.)
CKfp. ©elbe, Bauerfcfy. UTenningljaufen.)
18.
Anno
1673 d
13 x bris
ist in g o tt
Verstorben die Viel
Ehr und Tugent Sah
m e Frauw E lisabeth
H elle
W egh
gewes
ene Fr
avv Joh
ansen
H enck
el der
en Se
hlen
g o tt
sey
gnädig
Am en.
(Rückseite eines Steinkreuzes, welches ursprünglich bei einem Bauernhof stand, jetzt
aber etwas davon entfernt auf einem W iesenrande steht.
Ksp. O elde, Bauerschaft
M enninghausen.)
2 8 *
Pappusch, Manacorda:
436
19. lUenn tuir cinft im Jlob erblaffen
Uni) erfcfyeinen ror d3erid?t,
Dann lag uns P ein Kreu 3 umfaffen,
Dann rerlajs uns nid/t.
3 - Bureicf, <5. Brocftnann.
22. H ur (Sott allein bet an
ITCein lieber dfyrift!
Zlicbt biefes Bilb,
So fein (Sebäd/tnijs ift.
(E. (Sro§ebucel unb C. 2Jrneft.
1.879,
186^.
(Kfpl. ©elbe, Bauerfdi. ITtenningbanfeu,
im Sunbern.)
20. D u (Eröfterinn ber Betrübten,
B itte für uns.
(Hfyeba, Bauerfcb. ZTorb>Hbeba.)
23. (SeFrei^igter <£rlöfer
erbarme Dieb unfer.
(5 t. Dit.)
(Pieta, Kfp. © eli>e, Bauerfd?. UTenuiitgtjaufen.)
21. B ieg bie Knie unb bete an
2ftid?t bas B ilb bas cor bir ift
(Es ift nur E70 I3 3 eigt aber an
(Erbeb beitt fjet'3 ju 3 ^fu <£brift.
K.
21. p .
(p ieta.
(Kfp. 0 e lb e, Bauerfcfy. UTenningliaufeu.)
A h l e n i. W.
24. © ITtutter ber Batmberßigfcit
B iit für un s in allem feib
2Idi ftet; uns bei am lebten <Hnb
® HTutter bid? nidjt r»oit uns roenb.
Dorheim, H abe bes Batjn«
ftofes.)
O tto
P ap p u sch .
Zu dem volkstüm lichen Motive von den weiblichen Schönheiten.
So b ekan nt auch das M otir d er S c h ö n h e itsk a ta lo g e is t ' ) , kann der H in w e is
a u f n eu e Q u e lle n , die B e rich tig u n g u n g en a u e r Z itate un d d ie B e stä tig u n g m a n c h e s
noch b estritten en U r te ile s d och zur b e sse r e n W ü rd ig u n g d e ss e lb e n h elfen . D arum
m öch te ich den v o r lie g e n d e n B e itr a g d en L esern d ie se r Z eitsch rift v o r le g e n 2).
1.
A c h tz eh n
S c h ö n h e i t e n findet m an in Ita lie n so selterf a u fgezäh lt, d ass
der v on W e s s e lo fs k y v eröffen tlich te T e x t 3) la n g e Z eit a ls ein v.nat, ’k eyojusvcv g a lt;
1) Ausführliche Nachw eise s. bei R. K ö h l e r , Kleinere Schriften 3, 22 —34 und
D ’A n c o n a , P oesia popolare italian a2 1906 S. 284 - 288. V gl. auch meinen Beitrag in
den Studien z. vgl. Litgesch. 7, 331f. [ W e s s e l s k i zu Bebels Schwänken 2, 1 6 5 - 1 6 7 ,
München 1907. — V i e r Schönheiten: M oscherosch, Gesichte Philanders 1650 1, 123.
Marin, Cantos pop. espaiioles 2, 58 nr. 1391. — S i e b e n : Meyenbrunn, Tragoedia Joannis
1575 Bl. S 2b (Sie hatt die sieben schöne an ihr, Die nit bald an eim weib finden
wir). Fontane, Effi B riest 1896 S. 252 (Zu deinen sieben S ch ön h eiten . . . Sieben Schön­
heiten haben alle). J. de la H ire, Die sieben Reize der M arquise, Budapest 1904.
Archivio delle tradiz. pop. 13, 258. Somborn, Das venezianische V olkslied 1901 S. 128. —
A c h t z e h n : J. Werner, B eiträge zur lat. Literatur des M ittelalters 1905 S. 168. J. F. Riederer,
Getichte 1711 S. 49 (auch englisch). — D r e i s s i g : Amadis de Gaule B. 13, Kap. 56
(Anvers 1573 S. 15. N achgew iesen von A. Hauffen). J. G. Schoch, P oetischer Lust­
garten 1660 S. 79. Der lustige und possirliche Historienschreiber S. 92. M erimee, Carmen
c. 2 (Anspielung auf die spanische Regel). — Über die Beschreibungen, welche die
einzelnen K ö r p e r t e i l e einzelnen L ä n d e r n entlehnen, s. A. K eller, D ie Schwaben in
der Geschichte des Volkshumors 1907 S. 234—238. Histor. M tsblätter für P osen 8, 62. 1907.]
2) Meinen Herren K ollegen Dr. M ichele Catalano, Prof. Enrico Rostagno und Stadt­
bibliothekar Vincenzo Ansidei, welche m ich auf mehrere Texte aufmerksam machten und
sic für m ich kopierten, danke ich verbindlichst.
3) N ovella della figlia del re di D acia (Pisa 1866) S. XXV.
Kleine Mitteilungen.
437
d ah er w iss e n w ir D ’A n con a D an k , d a ss er ein n e u e s u n d in te re ssa n tes B e isp ie l
e n td eck t un d m itg ete ilt h a t 1).
D a er a b er den T e x t m o d ern isiert, und aus
m o r a lisc h e n R ü c k sic h te n u n v o llstä n d ig v o r g e le g t h a t,
treu e K o p ie w o h l n ic h t un nü tz e rsch ein e n :
so w ird
d ie n a c h fo lg e n d e
S o n etto .
Se per aventtura a diziotto beleze
La gham ba el brazo l ’ochio groso a sponda
ziascuna dona e ben perfetta e bea (sic )
biancho el dentte, et l ’ochio suo biancho
prima vol esere lungha e no inpianela
negra la luze le zilie aperte in gronda2).
e le braze el cholo c queste ttre lunglieze.
.Negro el buschetto che puosa ttral fiancho
La bocha el mentte el pe son ttre churtteze se chottal dona ara la ttreza bionda
e asay bene chonpresa inziutturela
de lie mirare no me veder0 mai staDchole ditte de soa mano vol aver ela
chol naxo e chola bocha in sottilieze.
p ra ttutte doiie amor vole e chomanda
Melitta chustie portti ghirlanda.
D a der P er u g in e r C o d e x 3), w e lch er u n se r ‘S o n ett’ en th ält, v on D r. B e llu c c i
nur flü ch tig b e sc h r ie b e n i s t 4), b em erk e ich , d a ss d ie s e P a p ie r -h s . dem 15. Jahr­
hu nd ert an geh ört u n d a u f ih ren 226 n u m erierten B lättern nur e in e H and z e ig t 5).
B l. 1 en th ält e in u n v o llstä n d ig e s R e g is te r d er A n fänge.
2.
E in u n d z w a n z ig
S c h ö n h e ite n .
D e r b ereits
früher von m ir verm u tete
Z u sa m m en h an g z w isc h e n den sie b e n H exam etern C e ltis un d der F acetia B e b e ls 6),
w ird durch d ie fo lg e n d e G eg e n ü b e rstellu n g e r w ie se n :
C e l t i s 7).
Foem ina
pulchra
n i g r o s cum cunno
promat ocellos
C a n d e n t e s q u e manus assint et candida
cervix
Sintque duo c u r t iq u e pedes etb reve mentum
E t l a t er a oblonga flauentque longique capilli.
Sint d u r a e q u e nates duraeque in pectore
mammae,
M o ll i s sit venter nec brachia m ollia desint
Angustetque gradus, os et genitale pudicum.
B e b e l 9).
H aec item mulier perfecte formosa erit,
quae habuerit tria dura, tria mollia, tria
brevia, tria longa, tria nigra, tria alba, tria
rubra. D u r a sunt: duo ubera et podex seu
nates. M o llia : duae manus et venter.
B r e v ia : nasus et duo pedes.
L onga:
digiti et duo latera. N i g r a sunt duo oculi
et cunnus. Rubra duo genae et os seu labra.
A lb a : crura et cervix.
C e ltis starb 1508; g e ra d e 1508 kam der B e b e ls c h e S ch w a n k zum ersten M ale
an s L ich t. M an d arf a lso kaum b e z w e ife ln , d a ss C eltis a ls V o r la g e für B eb el
g e d ie n t hat; d och k ön nten au ch and ere Q u ellen a u f B e b e ls F a ssu n g ein g ew irk t
h ab en .
1) P oesia popolare italiana2 S. 288.
2) D’Ancona unrichtig: ‘Fronda’. Der erste Yers der zweiten Terzine wurde von
ihm weggelassen.
3) Nr. 43 des handschriftlichen, 160 des gedruckten K ataloges. Das ‘Sonett’ steht
auf B l. 37 b.
4) Bei Mazzatinti, Inventari dei m anoscritti delle biblioteche d’Italia 5, 88 und 160
(Forli, 1895).
5) Einige Zeilen von späterer Hand auf B l. 12 a, 59 b, 92 b, 95 b, 112 a etc.
6) Studien 7, 332.
7) Epigrammata (Berlin 1881) S. 107. [In v. 4 ist wohl flavi statt flauentque zu lesen.]
8) Opuscula nova (Argent. 1508), Bl. V l l b (= Facetiae Lib. III, nr. 9).
Manacorda:
438
3. D r e i s s i g S c h ö n h e it e n . Eine Handschrift der Corniger zugeschriebenen
Distichen war bisher nicht bekannt; wenn ich hier eine solche Fassung aus Bl. 71b
des Codex Laurenziano-Segniano 1 4 x) mitzuteilen vermag, so lässt freilich deren
Niederschrift in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts uns kaum einen Zweifel,
dass wir nur eine ungeschickte Kopie des Druckes vor uns haben:
F o r m o s a M u lie r .
Ista triginta habeat qui (!) uult formosa uideri
Fem ina sic helenam forte fuisse ferunt
Alba tria ac totidem nigra et tria rubra puella
Tres habeat longas tres totidem que breues
Tres crassas totidem graciles tria stricta ampla tot
Sint itidem huic forme sint quoque parua tria.
Alba cutis niuei dentes albique capilli
N igri oculi cunnus nigra supercilia
Labra sint gene unguis rubri, corpore longa
Sint longi crines, sit quoque longa manus
Sint breues deutes auris pes, pettora lata
Et clunes distent ipsa supercilia
Cunnus et astrictum cingunt ubi cingula strictum
Sin (!) cossa et culus uuluaque turgidula
Subtiles digiti crines et labia puellis
Paruus sit nasus parua m am illa caput
Cum rare aut nulle sint sic, formosa uideri
N u lla puella potes (!) rara puella potest.
D ieser Abschrift eines prätentiösen Ungelehrten folgt auf Bl. 7*2a eine bisher
ungedruckte italienische Übersetzung, welche den Beweis liefert, dass unserem
Motive die klassische Toga minder gut steht als das grobe Gewand der V olkssprache:
U n a D o n n a b e lla .
Trenta cose abia una gien til fanciulla
se come helena fu vuol parer bella
tre cose bianche tre nere, tre rosse
et tre cose abia lunghe e poi tro corte
tre grasse, tre sottili e poi tre strette
et ancora abia tre cose piccine.
Bianca la pelle e denti e suoi capelli
nero el conno nero occhio et nero il ciglio
rosse l’unghie le gote et rossi e labri
lunghi e’ capei la mano e lungo el capo
corto el piede el brachio e corti e denti
larghe le chiappe e’l petto e largo el ciglio
la bocca e’l conno stretti et la cintura
et grassa sia la coscia culo et uulua
e sien sottili e denti crini et labbri
piccol la poppa e’l naso piccol capo.
N on ne trovando a tal guisa nessuna
nessuna donna puö parer mai b e lla 2'.
4. D r e iu n d d r e is s ig S c h ö n h e it e n . Noch ein unbekanntes Stück aus dem
16. Jahrhundert:
i
Chi uoP saper la bellecza perfetta
che fa una donna sopra ognaltra eletta
in questi pochi uersi li uo dar una ricetta
che in se contene tutto quel ch’a tal cosa s’aspetta:
1) Biblioteca M ediceo-Laurenziana zu Florenz.
2) Zu den dreissig Schönheiten bemerke ich noch, dass die von D’Ancona und von
Frati (La donna italiana, Torino 1899 S. 26) bezeichnete S telle aus Tomais Id ea del
giardino del Mondo (Bologna 1722 S. 94) in der ersten, höchst seltenen Ausgabe des
Werkes (Bologna, 1582. B iblioteca Universitaria di B ologna, Mise. 261) n i c h t vorhanden
ist. Merkwürdig erscheint auch, dass Tanini (Proverbi sulla donna, Prato 1884, S. 43)
unsere Aufzählung als ein noch lebendes ‘D ettato comune’ verzeichnet. D ieselbe hat man
kürzlich in einer noch ungedruckten Schrift Giovanni Melis aufgefunden.
Kleine Mitteilungen.
5
439
ora notate quel che dicon m ie carte
uol’ la bellecza hauer undici parte
et ciascuno (!) di queste in tre altre si comparte
a tal che trenta tre saran’ tutti (!) con’ bell’arte.
tre cose lunghc et tre
tre larghe ancora con tre
tre piccolc tre grosse tre
tre bianche con tre nere
corte gioconde
strette risponde
sottil et tre risponde
e poi tre rosse corrisponde.
13
capelli mani et gam bi m etterai
per le tre lunghi et tu non fallirai
et se le corte ancor saper uorrai
i denti con m am melli e orechi guarderai.
17
la fronte e il petto e fianchi con misura
largh’esser deue ma di poi habbi cura
che strette sian le coscie stretta la Centura
et quella cosa done pose il’dolce la natura.
21
ritondo il’ collo le bracci ancor le nate
piccola bocca il’ mento e il pie che pate
grosse le trecci e bracci con le coscie desiate
i capelli sottili dita et labra tanto amate.
25
bianca la mano la gola e il dente bello
nere le ciglia g li ochi anco e il capello
rosse le goti, labri, insieme con quel bottoncello
che ad ambedue le poppi sponta for del m antello;
29
ma poi ui auiso che queste poco importe
seusa la gratia che tutte le fa forte:
pero che sensa gratia le bellecze sono morte
et le bruttecze con la gratia son uaghe e accorte.
U n ser T e x t ist h sl. im C o d ex 23 der B ib lio te c a V e n tim ilia n a
h a lten ;
er e rsch ein t
au ch e tw a
zu C atania e n t­
ein h a lb e s Jahrhu nd ert sp äter g ed ru ck t in
ein er
B rosch ü re, d ie ic h in der U n iv e r sitä tsb ib lio th e k zu B o lo g n a a u ffa n d 1). A u f dem
U m sch lä g e steh t: V ila n e lle | n ap olitan e, | et ottau e sic ilia n e | c v rio se , e b e lle , | con
vn D ia lo g o & v n ’ E n ig m a & ancora | vn b e i racconto d i qu ante b e lle z z e d eu e
hau ere vn a D on n a. C au ate da d iversi Auttori. E s fo lg t ein m it e in em P fe il d u rch ­
sto c h e n e s H erz in grob em H o lzsch n itt u n d d ie V e rla g s b e z e ic h n u n g : In B olo g n a ,
P e r C arl’ A n tonio P eri.
Su p eriori.
A ll’ in se g n a d el S an t’ A n g elo C u stod e.
(4 B l. 8 ° o. J.)
D ie ‘S ic ilia n e b e llis s im e ’ b eg in n en
d e s U m s c h la g e s; ‘il b e i raccon to’ steh t a u f B l. 4 a — 4 b .
Con lic e n z a d e
a u f der R ü c k s e ite
D e r T e x t stim m t m it der
älteren h sl. R e d a k tio n im gan zen ü b erein , nur leu ch tet au s e in ig e n V arian ten der
G eist e in e s stren geren Z eitalters h ervor:
Y.
20
24
28
29
E cosf sia dotata di beltä
I capclli sottili, c i g l i a , e
Che ad ambedue le poppe
C’e un ’altra cosa, quella
da la natura
labbra tanto amate
spontan fuor del m o n t i c e l l o
che piü importa.
1)
Mise. 267, 13. — Pitre hat sie wohl in der Bibliografia delle tradizioni popolari
(Torino-Palermo 1894 nr. 2119) verzeichnet, jedoch nicht einsehen können.
Manacorda, Böckel:
440
A u ch
d ie
fä lsc h lic h C a l m e t a z u g e sc h r ie b e n e ‘E c lo g a di F ile b o et D in a r c o ’
g eh ö rt zu den 33 S c h ö n h e ite n en th a lten d en S tü ck en . In d er vortrefflich en F lo r en tin isc h e n A u sg a b e d e r se lb en , w e lc h e M orpurgo 1889 (n ic h t 18 8 3 ) b esorgte, findet
m an m eh rere b ib lio g ra p h isc h e N ach rich ten , w e lc h e b e i K ö h ler feh len .
5 . S i e b e n u n d d r e i s s i g S c h ö n h e i t e n . A u fzäh lu n gen von 7, 9, 18, 21, 30,
33, w o h l au ch y o n 60 u n d 72 S c h ö n h e ite n w u rd en m eh rfach n a c h g e w ie se n ; e in e von
37 S ch ö n h e ite n ab er freu e ic h m ich a ls erster m e in en L e se rn d a rb ieten zu k ö n n e n :
i
Tre longe cose hauer de Donna bella
Treze, coscie, e ancho la corporea vita
Tre corte: Tette, die, e li schinchi della(!)
Duoi grosse: Bracci, coxe e ben nutrita
5 S u b tilitr e: convien con queste aquella
V ita labri capei netta e pulita
E t tre rotonde: Bracci, chiape e collo
Quai toccandose piu fa men satollo.
Tre coso pur, per tutto in tutto nere
Cigli: occhi: peli: e’ di quella che pela
Corpi alm e cor con si dolce maniere
Che dando e tollendo l’esser riuela
E rosse tre anchor: labri et gölte mere (!)
E cauedelli che honestate ciela:
Quatro che non fedeno el uerno ’o stato
Le ansene, la fessa, li piedi
’e fiato:
Tre piccul: denti: orecchi: Et bocca
pura
10 E large tre: fra i cigli: s p a lle ’e petto
Strette t r e : fra i cosxe, volua ’e cintura
Quali godendo dan dolce diletto
Tre bianche anchor’ io dico per natura
Remote dalbo e m istico belletto
15 Mani: denti: con la debita gola
Ch’ al ocioso core souente inuola.
Quatro
assute le quäle son coteste 20
Bocca: occhi: cunno: e fem enile uaso
Che conseruen: fan: le amorose feste
E nello pensato ’o impensato caso
Ma gratie piu: ’e quando sono piu
honeste
Che son d’amor el fuoco, l’esca ’e il vaso 30
Chel piu sublime e alauato
intellctto
D el piu pel piu resta seruo ’e subgietto.
D ie s e litera risch w e rtlo se n V e r s e ,
d ie in u n g ew ö h n lic h e r W e is e R e ih e n
z w ei, d rei u n d v ier G lie d e r n -e n th a lte n , sin d in e in se ltsa m e s P o e m
20
von
e in g e sc h o b e n ,
w e lc h e s zu E hren d e s H e r zo g s E rco le d ’E ste , w a h rsch ein lich zu A n fang
d es
16. Jahrhu nd erts, v e r fa sst w u rd e u n d je tz t in der B ib lio te c a M ecü ceo-L au ren zian a
zu F lo r en z a u fb ew a h rt w ir d 1).
6 . D i e V e r g l e i c h u n g v o n P f e r d u n d W e i b h at J. B o l t e ob en 17, 4 3 2
a ls e in e im V o lk sm u n d e b e lie b te n a c h g e w ie se n . A u ch in d en ita lie n isc h e n S p rich ­
w örtern sp ie lt s ie e in e b e d e u tsa m e R o lle . In e in e r a n o n y m en S am m lu n g
des
13. Jahrhu nd erts le s e ic h :
Bona femina e reia femina volle baston
Bon cavallo reio cavallo volle speron2).
Kaum anders bei Stefano G u a z z o im 16. Jahrhundert:
Buon cavallo 0 mal cavallo vuol sperone8).
Im 19. Jahrhu nd ert w ird der Spruch v e rsch ie d e n a r tig u m g e sta ltet:
Chi mena la sua m oglie ad ogni festa e da bere al cavallo a ogni fontaua,
in capo all’anno il cavallo e bolso e la m oglie puttana.
1) Cod. Ahsb. 1614, Bl. 79 a f.
2) Le serie alfabetiche proverbiali dei primi tre secoli (Giornale storico della lett.
ital. 18, 129. 1891).
3) La Civil Conversatione (Venezia 1586) Bl. 222a; vgl. L. Bonfigli, S. Guazzo e
la sua raccolta di Proverbi (Arezzo 1905).
Kleine Mitteilungen.
441
Chi ha buon cavallo e bella m oglie, non istä inai senza doglie.
Feinmina, vino e cavallo, mercanzia di fallo.
Coinprar cavalli e tor m oglie, serra g li occhi e raccomandati a Dio.
Una giovine in mano a un uecchio, un uccello in mano a un ragazzo,
un cävallo in mano a un frate son tre cose strapazzate u sw .1).
M an kön nte d ie R e ih e leic h t fortsetzen , aber d as A n gefü h rte m a g für d iesm a l
gen ü g e n .
C a ta n ia .
G u id o
M anacord a.
Luiska.
--- * 1.
Hoch ü - her den Klippen am Mee-re
da - her, da
tob - en die W el-len, da
-N —
teilt eich das Meer,
i1___f-
da
len - ket v e r - g e - b e n s e in
Schif-fer sein’nKahn, kanns
:t=t
U - fer nicht fin-den der ar-me M ann,kannsU - fer nicht fin-den der a r - me
Mann.
2. W er ist es, der weinend am Ufer da steht,
D ie Hände gefaltet zum stummen Gebet?
Es ist ja Luiska, es sehnt sich ihr Sinn
W ohl nach den arabischen Inseln hin.
3. Dort w eilt ihr Geliebter, dort weilt ihr höchstes Glück;
Er kehret nach langen Jahren zurück.
Er ging von seinem W eib, er gin g von seinem Kind;
W er weiss, ob er sie wiederfindt!
4. ‘Ach nimm mich doch auf in den rettenden Kahn!’
So flehte Luiska den Schiffer wohl an.
„Luiska, Luiska, o schaue mich nur an,
Ich bin ja kein Schiffer, ich bin ja dein Mann.“
5. Vergeben, vergessen war Kummer und Gram,
Sie sassen wohl beide in Arm und Arm.
Da tobten die W ellen ganz fürchterlich,
Sie waren begraben und wussten es nicht.
A ufgezeichnet in Weroth bei Steim el (W esterwald) durch Herrn stud. phil. Th. Ibing
Marburg.
M ic h e n d o r f, M ark .
O tto
B ö c k e l.
1)
Giusti, Raccolta di proverbi toscani (Firenze 1871) S. 88. 37. 91. 38. 9G; vgl.
Tanini S. 224. 395. 457.
Zachariae:
442
Das Dach über einem Sterbenden abdecken.
Im A rch iv für R e lig io n s w is s e n s c h a ft 9, 5 4 0 A nm . 1
h a b e ic h au s G ottsch alk
H o lle n s S o n n ta g sp red ig ten (I, Nr. 4 7 ) d ie fo lg e n d e S te lle a u s g e h o b e n : ‘C um infirm u s
non p o te st m ori c oop eriu n t tectum su p er eum . leu a n t eu m de illo le c to e tc.’ —
W ie ic h im 11. B an d e d e ss e lb e n A rch ivs S. 152 f. b em erk t hab e, hat F ranz J o ste s
in
der
Z eitsch rift
(M ünster 1 8 8 9 )
an
für
v a te rlä n d isch e G e sc h ic h te
d em W o rte
und A ltertu m sk u n d e
‘tectu m ’ in d em S atze
‘co o p eriu n t
47 , 1, 96
tectu m
su per
e u m ’ A n sto ss g e n o m m en . E r m ein t, au s d em ‘illo ’ d e s n a c h fo lg e n d e s S a tzes g e h e
hervor, d a ss ‘tectu m ’ statt ‘le c tu m ’ verd ru ck t ist. J o ste s lie s t a lso ‘coop eriu n t
lec tu m su p er e u m ’ u n d ü b ersetzt, a lle r d in g s z w e ife ln d : ‘s ie h än gen das B ett oben
g a n z z u ’. Ob der G rund, den J o ste s für se in e Ä n deru ng angib t, stic h h a ltig ist
o d er nich t, v e rm a g ic h n ic h t z u b eu rteilen . J e d e n fa lls ste c k t der F e h le r n ich t da,
w o ih n J o ste s verm u tet: in d em W o r te tectu m , so n d ern in c o o p e r i u n t .
D as
g e n a u e G eg e n te il ist r ich tig: d i s c o o p e r i u n t tectu m su per eum . D e n n d as A b ­
d e c k e n d e s D a c h e s üb er ein em K ranken, der n ich t sterb en kann, d em m an das
S terb en e r le ic h te r n od er d e ss e n T o d m an b e sc h le u n ig e n m ö ch te, ist e in e z ie m lic h
w e it v e rb re ite te a b e r g lä u b isc h e H a n d lu n g
D a s w e rd e ic h am S c h lu ss d ie se s
A rtik els z e ig e n . Z u n ä ch st s e i n o c h m a ls d arau f h in g e w ie se n , d a ss R . C r u e l1) in
se in e r G esch ic h te der d e u tsch en P r e d ig t S. 619 ü b er se tzt: ‘s ie d e c k e n d as D a c h
über ih m a b ’. W ie
coop eriu n t vor sic h
P re d ig ten V orgelegen
M an kann sic h d o ch
g e h t d as zu ? S o llte n ich t C ruel d ie rich tig e L esart d is ­
g e h a b t h a b en ? H at ih m e in e an d ere A u s g a b e 2) von H o lle n s
a ls d ie , d ie von J o ste s u n d m ir se lb s t ben u tzt w ord en ist?
kau m d en k en , d a ss C ruel c o o p e r i r e m it ‘a b d ec k e n ’ w ie d e r ­
g e g e b e n hat.
d em
A b er
s e i w ie
ih m w o lle :
w ir
sin d
k e in e s w e g s
g en ötigt,
zu
ein er K onjektur u n se re Z uflucht zu n e h m e n
un d d ie L e sa r t d isc o o p e r iu n t nur aus
d em G runde
k ein en
h e r zu stellen ,
w e il
co o p eriu n t
Sinn gib t.
W ir
k ön n en
d ie
r ic h tig e L esa rt au ch a u f d em W e g e der T e x t v e r g l e i c h u n g g e w in n e n . E s lä sst
sic h n ä m lich z e ig e n , d a ss d ie L iste von S u p erstition en , d ie H o lle n in se in e r
P red ig t g ib t 8), n ic h t s e in g e is tig e s E igen tu m , so n d ern e in e E n tleh n u n g ist. W ie
J o s t e s ') b em erk t hat, n im m t H o lle n d er a llg e m e in e n Sitte se in e r Z eit en tsp rech en d
1) Es ist auffällig, dass Jostes die von Cruel gegebene Ü bersetzung gar nicht be­
rücksichtigt.
2) Ausser der von mir benutzten Ausgabe der Sermones (Hagenau 1519—20; der
genaue T itel bei Fl. Landmann, Das P redigtw esen in W estfalen S. 31) existiert in der
Tat noch eine andere, ältere, m it dem T itel: Opus Sermonum dominicalium de Epistolis
per anni circulum etc., H agenau 1517. Sie ist von Crane benutzt worden (The Exem pla
of Jacques de Vitry ed. by Th. Fr. Crane, London 1890, p. L X V II. Vgl. auch Th. K olde,
D ie deutsche Augustiner-Congregation, Gotha 1879, S. 200 Anm.).
Ob sie aber von der
Ausgabe, die 1519—20 gedruckt wurde, w esentlich verschieden ist, kann ich nicht feststellen.
3) Ich meine speziell den Abschnitt, den Jostes a. a. O., S. 9 5 —96 übersetzt hat;
vgl. dazu Cruel S. 618, Zeile 29 ff.
4) Jostes S. 87 m it Anmerkung 1. Ob freilich die zwei Stellen in der 5. und
33 P redigt H ollens, die er, nach Jostes, früheren Autoren entlehnt hat, gerade aus dem
Traktat des P seudo-Z erbolt und aus dem Liber de superstitionibus des N icolaus M agni
de Gawe abgeschrieben sind, muss ich dahingestellt sein lassen.
D e n n a u c h d ie
z w e if e llo s n a c h g e w ie s e n e n Ü b e r e in s tim m u n g e n u n te r z w e i A u to r e n la s s e n
im m e r n o c h d ie M ö g l i c h k e i t o f f e n , d a s s b e i d e e i n e g e m e i n s a m e ä l t e r e
Q u e ll e b e n u t z t h a b e n : A. Franz, Drei deutsche M inoritenprediger, Freiburg i. B.
1907, S. 146.
Kleine Mitteilungen.
443
gar k e in e n A n sto3s daran, g a n z e P artien au s an d eren S ch riften stills c h w e ig e n d
h erü b erzu n eh m en . So v e rh ä lt s ic h ’s au ch m it dem P a ssu s, der un s h ier b e ­
sch äftigt. H o lle n s Q u e l l e kann ic h nun zw ar n ic h t n a c h w e ise n , w o h l aber ein en
P a r a l l e l t e x t 1). D ie a b e r g lä u b isc h e n B räu ch e, d ie H o lle n aufzählt, w erd en fast
in d e r se lb en R e ih e n fo lg e u n d v ie lfa c h in w ö r t l i c h e r Ü b er ein stim m u n g auch
von ein em and eren P red ig er g e g e b e n , v on d em M inderb ru der S a n B e r n a r d i n o
d a S i e n a ( 1 3 8 0 — 1 444) in se in e m Q u a d ra g e sim a le . U n d h ie r finden w ir d ie zu
erw arten d e, a lle in r ich tig e L esa rt: d i s c o o p e r i u n t .
D a m it e s klar w erd e, w ie g e n a u B ern ard in o und H o lle n zu ein an d er stim m en ,
w ill ich e in ig e Sätze a u s B ern ard in os Q u a d ra g esim a le u n d au s H o lle n s S o n n ta g s­
p red igt ein an d er g e g e n ü b e r ste lle n .
D a s Q u a d ra g esim a le z itier e ic h n ach dem
W iegen d ru ck , den H a in im R ep erto riu m b ib liograp h icu m u n ter Nr. 2 8 3 4 b esch reib t
(s. 1. et a.; c. a. 1490?
au s
H o lle n
en tleh n e
E x em p la r der M arien b ib lioth ek zu H a lle a. S ); d ie Z itate
ich
d em
b ereits
g en an n ten
D ru ck e
(H a g en a u
1 5 1 9 — 20;
B erlin er K ö n ig lic h e B ib lio th e k D z 2360).
Quadragesimale beati B e r n a r d in i
de
Christiana religione; Sermo X. (de idolatrie
cultu); art. 3. cap. 2.
G o t t s c h a l k H o ll e n : Sermones domini­
cales super Epistolas P auli (Pars I. s. hyem alis, Nr. 47).
Primo namque contra dolorem capitis
quidam non comedunt de capite et alias
stulticias operantur2).
U t quidam contra dolorem capitis n on 3)
comedunt aut tangunt caput animalis aut
piscis.
Contra dolorem dentium tangunt dentem
cum dente hominis suspensi: vel osse
alterius defuncti vel quibusdam verbis gladium in tcrram frangunt: vel cum pulsantur
campane in die sabbati sancti ponunt ferrum
inter dentes e t c o n s i m i l i a m u l t a 4).
Contra dolorem dentium / tangunt dentes
cum dente hominis suspensi vel alterius
defuncti. cum pulsantur campane in die
sab b ati/ ponunt ferrum inter dentes e tc .5).
Contra dolorem
siue tum efactionem
gutturis seu contra cantarellas incantant
cum cultello qui habeat manubrium nigru m 6).
Contra catarrum incantant cum cultello
qui habet manubrium nigrum
Contra malum lumborum stat infirmus
pronus in terram quasi diabolum adorando:
et m ulier que duos filios ex vno partu produxerit duas in manibus tenens colos calcando pedibus lumbos eius tribus vicibus
pertransit eum quedam interim insania
dicendo et risu d ign a7).
Contra malum lumborum stat infirmus
pronus in terra quasi diabolum adorans. Et
mulier que duos filios in vno partu produxit
calcando pedibus lim en ejus tribus vicibus.
et quedam insania intra dicendo: que sunt
vstione digna.
1) Ich fand diesen Paralleltext beim Durchblättern von Liebrechts Ausgabe der Otia
Im perialia des Gervasius von Tilbury (Hannover 1856), wo, nach dem Traite des Superstitions des J. B. Thiers, Auszüge aus Bernardino gegeben werden; siehe S. 245, Nr. 321 ff.
und S. 254, Nr. 432 ff. (Sermo 1 bei Thiers und Liebrecht fehlerhaft statt Sermo 10?).
2) Liebrecht zu Gervasius S. 245 Nr. 324.
3) Cruel S. 618 hat n o n nicht übersetzt. F eh lt n o n in der von ihm benutzten Aus­
gabe?
4) Liebrecht Nr. 326. V gl. auch W uttke § 527.
5) Das W eitere siehe bei Cruel S. 618, Jostes S. 95. — Bernardino hat seine Vor­
lage gekürzt.
6) Liebrecht Nr. 433; vgl. 429.
7) Liebrecht Nr. 434. V gl. Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 11, 274: ‘Wenn
jem and Rückenschmerzen hat, soll er sich treten (calcari) lassen von einem W eibe, w elches
Zachariae:
444
Contra defectum lactis vel malum vberum
m ulicm m quis exprimere sufficit quot dem entias operantur.
Contra defectum lactis quis exprimere
sufficit quot dem entias operantur. Et contra
malum vberum alique equitant v a cca s: alique
asinas in nocte lucente luna.
Contra
passiones
vermium
m axim e
puerorum scribunt super frontem vel super
ventrem infirmi: quidain proiiciunt in aquam
liquefactum plumbum vel oleum cum filo
puelle virginis ponunt super puerum 1).
Contra
passiones
vermium
maxime
puerorum scribunt super ventrem infirmi in
plumbo vel pergameno et ligant illam
scripturam cum filo virginis et proiiciunt
in aquam.
Contra carnem calefactam quam infirmitatem quidam vocant ignem siluestrem vel
carnem crepatam: quidain numerant*) cum
pede lapides muri per cursum eleuato pede
ad murum: demum oscula[n]tur suum genu
et alia plura insana9).
Contra dolorem pedum numerant cum
pede lapides muri pede sursum eleuato ad
murum et osculantur genua.
Contra febrem continuam tertianam vel
quartanam dant herbarum folia scripta ad
comedendum ieiuno stomacho: vel pomum
scriptum siue scriptam hostiam 4) e tc .6).
Contra febres dant herbarum folia scripta
ad comedendum ieiuno stomacho: vel pomum
scriptum aut hostiam.
Contra quasdam infirmitates puerorum
faciunt illos transire per radices concauas
quercuum vel propagines siue per foramen
recente G).
Contra infirmitates puerorum faciunt eos
transire per arbores concauas quercuum.
Contra fascinulum innum erabilia fiunt:
quidam etiam infirmitati dicta m issa faciunt
fieri loco flabelli ventum cum m issali super
egrotum vt sanetur.
Contra fascinationem faciunt fieri flabellationes cum folle quam (?) quis adquisiuit
iure hereditando. sed si hoc prodesse posset
pueris: essent rumpendi omnes folles organorum.
Contra morbum regium siue morbum
caducum 7) ponunt duodecim candelas ad
duodecim apostolos et cum infirmus sit
prius baptisatus in nomine iesu christi tune
Contra morbum caducum ponunt duode­
cim candelas ad significandum duodecim
apostolos. et cum infirmus prius sit baptizatus
in nom ine christi / tune rebaptizatur in no-
Zwillinge geboren hat, dann wird er gesund’. Offenbar aus derselben älteren Quelle
stammend, aus der Bernardino und H ollen geschöpft haben. Siehe auch W uttke, Der
deutsche Volksaberglaube der G egenw art2 § 522 S. 327.
1) Liebrecht Nr. 329.
2) Steine zählen: vgl. oben 3, 24?
3) Liebrecht Nr. 330.
4) Liebrecht Nr. 436. V gl. oben 11, 274. 278; Hans Vintler, Pluem en der Tugent
7776: ‘V il die w ellen auf oblat schreiben und das fieber damit vertreiben’; dazu Zingerle.
5) B ei B e r n a r d in o folgt noch: ‘et hoc tribus diebus quasi diabolus velit preferri
christo qui sem el in vltimo infirmitatis in sacramento assumitur ab infirmo diabolus autem
ter: christus in necessitatis articulo snmitur etiam a non ieiuno: sed diabolus venerabilius
ter a ieiuno stomacho vult sum i.’
6) Liebrecht Nr. 331.
7) Eine andere Kur gegen die fallende Sucht erwähnt Bernardino an einer anderen
Stelle seiner Predigt: . . . ‘patientes c a d u c u m vel r e g i u m m o r b u m in die assuinptionis
in opprobrium virginis vel in die apostoli bartholom ei in dedecus apostoli dei in eorum
tem plis die noctuque s a l t a n t e s diuersasque insanias maxime ne casu in terram ruant
obseruantes credunt se per annum ab illa egritudine illesos stare’ etc.; vgl. Liebrecht
Nr. 323.
Kleine Mitteilungen.
445
rebaptisatur in nomine diaboli cum mutatur
nomen im positum in baptismo et imponitur
nomen apostoli secundum quem remanserit
candela accensa.
mine diaboli et mutatur sibi nomen im ­
positum in baptismo: et im ponitur sibi
nomen apostoli secundum candelam apostolo
accensam.
Cum infirmus non potest mori et
quodammodo desiderent quidam mortem
eius d i s c o o p e r i u n t tectum super eum: vel
leuant eum de illo loco: dicentes quod ibi
est penna alicuius a u is1) que non perm ittit
illum mori: ergo per consequens occidunt
eu m 2).
Item cum infirmus non potest mori
c o o p e r i u n t tectum super eum. leuant
eum de illo le c to : dicentes quod ibi est
penna alicuius auis que non perm ittit eum
mori: sed per consequens occidunt eum.
W ie g e sa g t, verm a g
H o lle n ben u tzt
su ch en ;
h ab en ,
ich
d ie g e m ein sa m e
ältere Q u e lle , d ie B ern ard in o
n ich t an zu g eb en . V ie lle ic h t
n ich t nur etw a d e sh a lb ,
ist
d ie Q u e lle in Ita lien
und
zu
w e il San B ern ard in o da S ien a ein Ita lien er war,
so n d ern w e il H o llen — ein g eb o r en er W e s tfa le 8) — s e in e A u sb ild u n g in ita lie n isc h e n
K löstern (P er u g ia , S i e n a ) e m p fin g 4).
A u f d ie F ragen a llg e m e in e r Natur,
d ie sich
an d ie a u sg eh o b e n e n S ätze
k n üp fen lie ss e n , s o w ie a u f e in e E rörteru ng d er z w isc h e n B ern ard in o und H o lle n
b e ste h e n d en V e rsch ied en h e ite n kann ic h m ich hier n ich t e in la sse n . D o c h w ill ich
w e n ig ste n s kurz a u f S ch ö n b a ch s S tu d ien zur G e sch ic h te der a ltd e u tsc h e n P re d ig t
2, 121 f. h in w eise n , w o e s d er V e r fa sse r w a h rsch ein lich m acht, d a ss B e r t h o l d
von R eg en sb u rg
bei
se in e n A u fzä h lu n g en a b e r g lä u b isc h e r B räuche n ic h t b lo ss
se in e e ig e n e E rfahrung und u m fa sse n d e K en n tn is d es w ir k lic h e n L e b e n s befragt,
son d ern sic h auch an s c h o n b e s t e h e n d e V e r z e i c h n i s s e g e h a lte n hat.
Ich
v e r w e ise auch a u f d ie B em erk u n gen von A. Franz in se in e m B u ch e ü b er drei
d e u tsch e M in oriten p red iger (1 9 0 7 ) S. H ö f . und a u f G. H er te ls B e rich t ü b er z w e i
M agd eb u rger H an d sch riften und d ie darin en th alten en S u p erstition en (d ie zu m T e il
e in er älteren , ü b rigen s nam h aft g e m a ch te n Q u e lle en tsta m m en ) ob en 11, 2 7 2 ff.
Ic h h ab e n o ch von d em A b d e c k e n
d e s D a c h e s ü b er ein em K ranken, der
n ich t sterb en kann, zu h a n d eln . L ieb re ch t zu G erv a siu s S. 2 4 6 Nr. 332 v e r w e ist
a u f G rim m ,
M y th .1, D e u tsc h e r A b erglau b e nr. 4 3 9 . 7 21.
stam m t aus der C h em n itzer R o c k e n p h ilo so p h ie u n d lau tet:
n ich t sterb en ,
so
D ie erste d ie se r S te lle n
‘K ann ein T od k ran k er
so ll m an den T isc h verrücken, od er e i n e S c h i n d e l a u f d e m
D a c h u m w e n d e n ’. D ie z w e ite S te lle la u tet: ‘K ann e in er n ic h t sterb en , so darf
m an nur d r e i Z i e g e l i m D a c h a u f h e b e n ’ (a u s dem A n sb a ch isch en ). M an
v e rg leic h e zu d ie se n S te lle n G rim m , M y th .2 S. 1070. 1133. M eh r g e b e n W u tlk e,
D e r d e u tsch e V o lk s a b e r g la u b e 2 § 724 u n d v o n N e g e le in , ob en 11, 2 70.
K ann
je m a n d n ich t sterb en ,
( ‘früher in G era’).
so ste ig t m an au fs H au sd ach
u n d dreht ein e S c h in d e l um
A u ch das S te lle n d es B e tte s u n ter den H ausfirst (G la ru s) oder
1) Z. B. eines Rebhuhns: Liebrecht Nr. 95; oder einer Taube: Brand, Observations
on populär antiquities ed. E llis (1841) 2, 131, n; W einhold, oben 11, 221 (nach G. Schüller'.
2) Liebrecht Nr. 332.
3) Der Augustiner G. H ollen war geboren um 1400 in Körbeckc bei Soest; er starb
1481 in Osnabrück.
4) Zum M agister wurde Hollen wahrscheinlich an der U niversität von B o l o g n a
promoviert: Landmann, Predigtw esen in W estfalen S. 32. Seines Aufenthaltes in Italien
gedenkt Hollen öfters. So sagt er am Schluss der oben angeführten P redigt (1, 47):
‘N oui quendam fratrem in I t a l i a , qui sanauit omnes epilenticos quibusdam verbis et
signis.’ Siehe sonst Val. Rose, Verzeichnis der lat. Hss. der K önigl. Bibliothek zu
Berlin 2, 1, S. 516 a.
Zachariae, Stiefel:
446
un ter den H au p tb alk en der S tu b e (V o g tla n d ) w ird h ierh er zu z ie h e n sein .
D as
O ffnen d e s D a c h e s s o ll au ch in C h in a V orkom m en (B a stia n bei T y lo r , A n fän ge
1, 4 4 7 ; s ie h e au ch L ieb rech t, Zur V o lk sk u n d e S. 372).
des
D a c h a b d e c k e n s 1)
das Ö ffnen
der
F en ste r
o d er
S p äter trat an d ie S te lle
der T ü r,
‘d am it
d ie
S e e le
h in a u sflieg e n k ö n n e’, un d zw ar in sb e s o n d e r e n a c h d em E intritt d e s T o d e s
(W u ttk e § 7 25. G rim m , M y th .2 S. 80 1 ). R e ic h lic h e N a c h w e is e 2) findet m an b e i
E. H. M eyer, G er m a n isc h e M y th o lo g ie ,
B e rlin 1891, §§ 91. 102.
A b er
w ie
der­
s e lb e A utor in se in e m B a d isc h e n V o lk s le b e n S. 582 sagt, öffnet m an in H ü g e ls h e im
d as F en ste r auch beim H e r a n n a h e n d e s T o d e s : un d das Ö ffnen der D a c h l u k e
n a c h e in em T o d e s fa ll is t a u f d em h o h en S c h w a rz w a ld Sitte.
W äh ren d m a n in B ayern durch das Ö ffnen d e s F e n ste r s oder durch das A b ­
d e c k e n e in ig e r D a c h sc h in d e ln e in e m M en sc h e n d as S terb en z u e r l e i c h t e r n glaub t,
kann, u m gek eh rt, in D e v o n sh ir e e in V e r s c h l u s s im H a u se d as Sterben e in e s
K ran ken v e r z ö g e r n (E . H . M eyer, M y th o lo g ie der G erm anen 1903 S. 73 ).
S e in e n A rtikel ü b er das N i e d e r l e g e n e i n e s S t e r b e n d e n a u f d i e E r d e
sc h lie s s t W e in h o ld , o b e n 11, 221 m it d e m S a tz e : „E in e ig e n tü m lic h e s M iss­
verstän d n is hat den B rauch im V o g tla n d e ,
w o er b is in s 19. Jahrhu nd ert b ek an n t
war, verän d ert: w e n n e in em S te r b e n d e n d er T o d sc h w e r w u rd e, stie g je m a n d a u f
den H a u sb o d en und d r e h t e e i n e S c h i n d e l im D a c h e u m . A n d ie S te lle d es
F u ss b o d e n s der S tu b e w ard h ier der D a c h b o d e n g e se tz t u n d dann e in S y m p a th ie ­
m ittel für E rreich u n g d e s Z w e c k s erfu n d en (W itz s c h e l, S agen , S itten un d G eb räu ch e
in T h ü rin gen , S. 2 6 1 .
W ie n 1 8 7 8 )“. — M it d ie se r A u ffa ssu n g w ird m an sic h
sc h w er lic h e in v ersta n d en erk lären kön n en .
H a l l e a. S .
T heodor
Z a c h a r ia e .
Sprichwörter-Anekdoten aus Franken.
A ls K nab e hörte
ic h
im T a le
der frä n k isch en S a a le öfters
aus d em M unde
älterer P er so n e n sp ric h w ö r tlic h e R e d e n sa r te n , un d a u f m e in e F ra g e n ach ihrer
B e d e u tu n g w u rd en m ir g e w ö h n lic h A n ek d oten erzählt, d ie m itu n ter rech t d r o llig
w aren .
Im L a u fe der Z eit sin d m ir le id e r v ie le v on d en R e d e n sa rte n un d
A n ek d oten en tfa llen . Ic h w ill d as w e n ig e , das ich b eh alten hab e, e h e ich e s auch
v e r g e sse ,
h ier
so
n ie d e rsch re ib en ,
w ie e s
m ir e in st m itg e te ilt w orden
ist;
nur
m u sste ich m e ist d arau f v erzich ten , s ie im D ia le k t w ie d e rz u g e b e n , da ic h ih n n ich t
m eh r b eh errsch e. E in ig e der A n ek d oten b lick en sic h e r a u f e in h o h e s A lter zurück,
e s fe h lt m ir aber — g e ra d e m it W ic h tig e r e m b e sc h ä ftig t — d ie Z eit, ih re V e r ­
b reitu n g zu v e rfo lg en .
V ie lle ic h t h o le n d as an d ere nach.
1.
D i e B u r s c h e w o l l e m i c h a l l . . E in h ä s s lic h e s M ädchen, d as sch o n
la n g e v e rg e b e n s a u f ein en F re ie r g e w a rte t hatte, k om m t e in e s T a g e s a tem lo s h e im
zu se in e r M utter
un d
e s e n tw ic k e lte
sic h
fo lg e n d e s G espräch z w isc h e n
b e id e n :
1) V gl. nam entlich Liebrecht, Zur Volkskunde S. 372. 426; von N egelein , oben 11, 270.
2) [Sebillot, Le paganism e contemporain 1908 p. 17G verweist noch auf Metivier, De
l ’agriculture des Landes 1839 p. 427; Soc. arch. de Bordeaux 1888, 1. fase.; Revue des
trad. pop. 6, 154. Sebillot gibt p. 167 f. eine instruktive Übersicht über die Bräuche,
w elche den Todeskampf abkürzen sollen; für das Öffnen der Fenster und Türen führt er
ausser Grimm und Thorpe an Folk-lore 18, 215 f. (1907); W. Gregor, N otes on the folklore of the north-east of Scotland 1881 p. 206; Rhys, Celtic folk-lore 1901 2, 601; Pedroso,
Supersti<jöes populäres nr. 124 (1880); Amalfi, La culla, il talamo e la tomba nel N apoletano 1892 p. 59 ]
Kleine Mitteilungen.
447
T o c h t e r : MuatteM — M u t t e r : W o s d en n ? — T o c h t e r : D ie B u rsch e w o lle
m ich a ll . . . . — M u t t e r (freu d ig erstau nt): W o s! — T o c h t e r : . . m it D reck
w e r f’(e n ).
2. J a , ja , e s m u ss w ie d e r a u f g e la d e n w e r d e n , s a g t e d e r g e s c h e it e
B a u e r . W e n n je m a n d b e i e in er klaren, ein fa ch en S a c h e v ie l A u fh e b e n s m acht,
so p flegt m an ih m o b ig e W o r te zuzu ru fen und fo lg e n d e G esch ic h te zu erzä h len :
E in reich er, d u m m er B a u er kam öfters zu ein em A n w alt. D a fiel ih m auf, d ass
d ie se r, b e v o r er ih m e in e A n tw ort gab, sic h in ein en sc h w e in sle d e r n e n F o lia n te n
ve rtiefte . D a s m ach te E ind ru ck a u f den B auern, und a ls er e in e s T a g e s b e i ein em
A ntiquar vorb eik am , su ch te er sic h a u f d er A u sla g e e in en äh n lich a u s se h e n d e n
F o lia n ten h erau s,
k au fte ihn ,
o b w o h l er gar n icht le s e n k on nte,
un d b rachte ihn
nach H a u se. So oft nun e in e F rage an den D u m m en g e rich tet w u rd e, o d e r irgen d
was
b e so n d e r e s
F o lia n te n
sic h
h in ein ,
in se in e m
ehe
er
e in fö rm ig en D a s e in
ein en
B e sc h e id
e rteilte
zutrug,
oder
sch a u te
er
in
den
ein en E n tsc h lu ss fa sste.
E in e s T a g e s lie s s d er B au er H e u a u fla d en . P lö tz lic h fiel der a llz u v o ll g e la d e n e
W a g e n um . D ie K n e ch te m e ld ete n e s ih m und w o llte n d e n W a g e n au frich ten
un d au fs n e u e la d e n . „ H a lt!“ r ie f der B auer, „H ans, g e h h e m u n d h o l m er m e i’
B u c h !“ M an b rach te e s ih m , er sch au te e in e Z eitla n g h in ein , dann r ie f er: „Ja,
ja , e s m u ss w ie d e r a u fg e la d e n w e r d e n .“
3 . D i e B u r s c h e s c h m e c k e d i e 30 G ü l l e !
E in K lein b ü rg er h atte ein
h a lb e s D u tze n d h e ira tsfä h ig er T ö ch ter, deren je d e 3 0 G u ld en a ls M itgift erh alten
so llte. D a d ie M ädchen gan z h ü b sch w aren , so fe h lte e s ih n en n ic h t an V ereh rern ,
d ie e s je d o c h n ic h t ern st m ein ten .
W en n nun d e s N a ch ts d ie B u rsch en d as H au s
u m sta n d en u n d frech m it d en D irn en u m sp ran gen , w o llte d ie M utter e in sc h r eiten .
A b er der V a ter
sa g te a b w eh re n d
und
sic h
d ie H änd e v erg n ü g t reib en d :
„Aha,
aha, d ie B u r sc h e sc h m e c k e d ie 30 G ü lle !“
4 . J a , B a u e r , d a s i s t w a s g a n z a n d e r e s . E in e m H äck er (K lein b a u ern )
w u rd e v om O ch sen d e s A m tm an ns d ie e in z ig e K uh g etö tet. E r l ie f zum A m tm ann
u n d sa g te : „ H a lten s z ’ G nad en , H err A m tm ann, m e i’ K uh hat Ih n e Ih re O ch se
tot g e s t o s s e .“
—
„ S o “, r ie f der A m tm ann,
„dann fä lle
ic h d as U rteil,
d a ss der
S c h a d en sofort in G eld zu ersetz en ist; m e in O ch se k o stet 15 K arlin (ä 11 G u ld e n ).“
— „H alten s zu G nad en ,
H err A m tm an n “,
sagte jetzt d er H äck er pfiffig,
„ich ha’
m ich v ersp ro ch e, e s is u m gek eh rt, Ih n e Ih r O ch s hat m e i K uh tot g e s to s s e ; sie
hat m ich 9 K arlin k o st; ich w ill m e i G e ld .“ — D a r ie f der A m tm an n: „Ja,
B auer, d as ist w a s g a n z a n d e r e s.“
D e m Sp rich w ort b in ic h in v ie le n G eg e n d en D e u tsc h la n d s b e g e g n e t. Ob auch
an d erw ärts d ie g le ic h e A n ek d o te daran g e k n ü p ft w ird, w e is s ich nich t. D ie s e ist
je d e n fa lls se h r alt; ich verm u te, d ass s ie sch o n im M ittelalter a ls P re d ig tm ä rle in
vorkom m t. D ie ä lte ste m ir bekan nt g e w o r d e n e V e r s io n ist d ie in der 1 5 3 7 /3 8
zum ersten M ale ged ru ck ten ‘S y lv a N arration um ’ d e s G ilb ertu s C o g n a t u s (A u sg a b e
1552 S. 11 f., A u sg a b e 1567 S. 4 ).
Ic h la s s e sie h ier d e s V e r g le ic h s h alb er fo lg en :
D e P r a e t o r e q u o d a m , q u i c o n t r a fe l i t e m d e d it . Praetoris taurus cornupeta,
in ruftici cuiufdam tenuis pafcua tranfiliens, vaccam eius cornibus occidit. Qui daranum
acceperat, non vel hac in re rus fapiens, Praetorem adiit, & impunitate loquendi ex more
data, Praetor (inquit) meus taurus tuam vaccam cornibus petiit, atque occidit; quid iuris?
Ille incunctanter, Quid aliud (inquit) nifi vt vaccae damnum mihi tauri nomine praeftes:
aut taurum, fi maius, noxae dedas? Imö (inquit rufticus) ignofces imperitiae m eae: nam
lingua lapfus fum, praepoftere caufam propofui. N am tuus taurus meam interfecit vaccam.
Tum Praetor nimium impudens, Isthaec (inquit) alia res eft.
D ie g le ic h e E rzäh lu n g, se i e s n ach C ogn atu s, s e i e s nach e in er an d eren Q u e lle ,
findet sic h
in
d en
um d ie M itte
des
16. Jahrhu nd erts ged ru ck ten
‘M ery T a le s,
Stiefel, Bolte, Zuidema:
448
W ittie Q u eftion s & Q u ick e A n fw e re s1 su b
N o. 121
m it
der
A u fsch rift
‘O f th e
hu sb andm an that c a u se d th e iu d g e to g iu e se n te n c e a g a in st h im s e ife .’ H ier ist
d ie G esch ic h te n ach ‘Z e la n d ’ v e rleg t, so n st aber so z ie m lic h w ie b e i C ogn atu s
erzählt. — [W o h l n ach E r a s m u s , E c c le s ia ste s s. d e ra tio n e c on cion an d i, A ntv. 1535
B l. 1 1 3 b . Y g l. B id erm an n , A croam ata lib . 3, 1, 13. L u th er, T isc h r e d e n 4, 697 ed.
F ö rstem a n n -B in d seil. W . B ütn er, E p ito m e historiaru m 1576 B l. 2 4 1 a . R ic h e y , G ed ich te
1, 4. Abt. nr. 119 ‘D u o quum faciu n t id em , n on e st id e m ’ (1 7 6 4 ).
E tw a s and ers
g e w e n d e t b e i R e u te r, L a u sch en un R im e ls 2, 29.]
5.
D a s i s t j a e in T e p w i e m e in T e p !
E in bejah rter M ann in e in er Stadt
hatte e in en w e n ig b eg a b ten S oh n . E r w o llte ih n K aufm ann w erd en la sse n , der
J u n g e w u rd e ih m ab er a ls u n ta u g lich zu rü ck g esch ick t. E r v e rsu c h te es m it ver­
sc h ie d e n e n H a n d w erk en ; v e rg e b e n s: ü b er a ll e r w ie s er sich als un brauchb ar. M ü ssig
trieb sic h der n ärrisch e B u r sc h e h erum zum H er ze leid se in e r E ltern.
D a kam
d em V a te r d er G ed a n k e, ih n in d ie F rem d e zu sc h ic k e n , un d er hoffte, d a ss d ie
N o t ih n v ie lle ic h t b e sse r n w e rd e. E in e s M orgen s brach der Soh n auf, knapp m it
G eld , ab er r eich m it E rm ah n u n gen und S e g e n sw ü n sc h e n v o n se in e n E ltern v e r ­
se h e n .
E r m a rsch ierte
e in ig e S tu n d en
und
g e la n g te zu ein em
K reu zw eg .
H ier
ü b er leg te er la n g e , in w e lc h e r R ic h tu n g er s e in e W a n d er sc h a ft fo rtsetzen so llte .
Z u letzt h atte er v e r g e sse n , w o h er er g e k o m m e n w ar un d g in g den g le ic h e n W e g
zurück,
der ihn h ergefü h rt
hatte.
A llm ä h lic h kam ih m d ie G eg en d b ekan nt vor.
E r kam in e in en W a ld . D a sa g te er v erw u n d ert: „ D a s is t ja ein W a ld w ie u n ser
W a ld !“ D an n g e la n g te er in d as der Stad t b en ach b arte D o r f u n d sa g te : „ D a s ist
ja ein D o r f w ie u n se r D o r f!“ H ie r a u f erreich te er s e in e V a te rsta d t u n d rief:
„ D a s is t j a e in e Stadt w ie u n se re S ta d t!“ Er kam durch d ie S trasse, in der se in e
E ltern w oh n ten un d sa g te : „ D a s is t ja e in e S tr a sse w ie u n se re S tr a s s e !“ E r er­
b lick te se in e lte r lic h e s H au s u n d r ie f erstau nt:
„D as
ist ja e in H au s w ie
unser
H a u s!“ E r trat h in ein un d se in V ater kam ihm e n tg e g en . D a sc h r ie er en tzü ck t:
„ D a s ist j a ein V a te r w ie m ein V a te r !“ D e r a lte M ann, z o rn ig ü b er sein W ie d e r ­
k om m en , aber sa g te :
„E i, d a s ist ja ein T e p w ie m e in T e p ! “
6 . E e S a u i s s o t t (sa tt); w e n n d e m S c h u l z s e i n e s o t t i s , t r e i b e w i r
h e m (h e im )! So sa g te d e s S c h w ein e h ir te n B ub zu se in e m K am erad en , a ls e in e s
der v o n ih n en g e h ü te ten S c h w e in e rü lp ste. — D a s S p rich w ort w ird je n e n zu geru fen ,
d en en e s b e i T is c h au fstö sst.
7.
Er
m a c h ts
w ie
j e n e r G o c k e l:
er
denkt
s ic h
s e in e n
T e il.
E in
B a u ern w eib , d ie a u f dem M arkte G em ü se fe ilh ie lt, sah w ie ein V o g e lh ä n d le r e in en
P a p a g ei
für
20 G u ld en verk aufte.
V o g e ls,
und
d ie G e le g e n h e it z u e in em g u ten G esch ä ft ersp äh en d ,
E rstau n t ü b er
den
h o h en P re is
u n d h o lte ihren b u nten H au sh ah n , ein se lte n sc h ö n e s T ier .
des
bunten
e ilte sie h eim
D ie L eu te b ew u n d erten
d as p rä ch tig e G efied er d e s sta ttlich en H a h n es, un d b a ld fan d en sic h L ieb h a b er,
d ie ihn erste h e n w o llten . „ W a s k o stet d er G o c k e l? “ fragte ein er.
„Z w an zig
G ü lle (G u ld e n )!“ an tw ortete d ie B äu erin . D ie K äu fer la ch ten un d g in g e n fort.
E s kam en an d ere un d e rh ie lte n a u f ihre F ra g e n ach d e m P r e is e d ie g le ic h e
A u sk unft. M an tat w o h l e in G eb ot; m an g in g b is z u z w e i G u ld en ; aber das
W e ib erklärte, d ass sie u n ter „20 G ü lle “ d en G o c k e l n ich t a b la sse. K o p fsch ü tteln d
en tfern ten sic h d ie L eu te. B a ld verb reitete sic h a u f dem ga n zen M arkt d ie N ach rich t
v on der n ärrisch en B äuerin , d ie für ein en H ah n 2 0 G u ld en verla n g te. E s v e r ­
sa m m e lte sic h ein g r ö sse r H aufen M en sc h e n um d ie B ä u erin , d ie ih re sp ö ttisch en
B em erk u n gen ü b er sie m ach ten .
„A ber F ra u ,“ r ie f ihr z u letz t ein v orü b er­
k om m en d er von d er S a ch e u n terrichteter b ied erer B ü rg er zu, „ w ie kön nt Ih r nur
für den G ock el 20 G ulden fordern, der m it l J/ a b is 2 G u ld en w o h l b e z a h lt is t ? “ —
Kleine Mitteilungen.
449
„ E i,“ erw id erte d ie B äu erin , „der d o “ — a u f den V o g e lh ä n d le r d eu ten d — „h at
ja vor ’er S tu n d ’ ’n V o g e l v e rlieft (verk au ft), der la n g n it so g r o ss un so sch ö
w ie m e i G ock el war, und hat 20 G ü lle d’für k r ie g t.“ — »Ja?“ sa g te der B ürger
la ch en d , „d as w ar auch ein P a p a g e i, der kann sp r e c h e n !“ — „E i w as, sp r e c h e n ,“
v e rsetz te d as B a u ern w eib erb ost, „ m ei G o ck el is g e sc h e ite r , m ei G o ck el d enk t
sic h se in e n D e e l ( T e il) ! “ — [A uch and erw ärts bekan nt.]
_____________
M ünchen.
A. L. S t i e f e l .
Aberglaube aus Württemberg.
In der B a a r
G e b u r t w ird
(m itg ete ilt v om S c h u lm e iste r K ö h ler
d em K in d so g le ic h W a ss e r
in
zu T h a lh e im ).
den M und g e g o sse n ,
N ach
d ass
der
es
e in e
h e lle S tim m e b ek o m m e, und e in B u ch unter den K o p f g e le g t, d a ss e s bald lern e.
Man tauft so sc h n e ll a ls m ö g lic h , lä sst aber b e i N ach t so la n g e ein L ich t b e i dem
K in d e brennen, b is e s g eta u ft ist. — In d er C h r i s t n a c h t k ehrt d ie H ausfrau d ie
Stu b e m it von der T ü r ab gew an d tem G esic h t au s und ruft a lle n W a n z e n [!] im
H a u se zu, itzt au szu zieh en , w e il d as C h ristk in d e in z ie h e . — In d e r se lb en N a ch t
te ilt m an e in e Z w ie b e l in 12 T e ile , streu t etw a s S alz d arau f und b en en n t je d e n
T e il nach ein em M onat. W ie nun j e ein S tü ck ch en n a ss od er trock en w ird, so
der M onat, den es b ed eu tet. — E b e n so s c h lie s s t m an d ie W itter u n g der 12 M onate
aus der W itteru n g der 12 T a g e vo m 25. D e z e m b e r b is 6. Januar. — Am C h ristta g s­
m orgen n ach der C h ristn ach t sie h t m an in den S c h e u n en zu, ob F ru ch tkörner a u f d ie
T e n n e g e fa lle n sind . V on w e lch er Art nun v ie l h e r a b g e fa llen ist, d ie se Art w ird im
n ä ch sten Jahr b e so n d e rs g e d e ih e n . — W e r e in M a r i e n k ä f e r c h e n tötet, dem g e b e n
d ie K ü h e n ich t M ilch. — H olz von ein em B aum , in den der B l i t z g e sc h la g e n , h e ilt
das Z a h n w eh .
In der G e g e n d v o n G a i l d o r f im W ü r ttem b er g isc h e n (m ü n d lich v o n K am m er­
herrn F reih err von H o lz ). W e n n das V ie h zum e rsten m a l n ach der S o n n e n w en d e
a u sg etrieb en w ird, so n im m t m an ein en sc h w a rz en B ock o h n e H örn er m it, so n st
g e d e ih t d as V ie h nicht.
A u s den h sl. K o lle k ta n e e n
V o lk sb r a u c h
(im
B e rlin e r
M s.
W o lfg a n g
germ .
M e n z e ls
quart 9 6 9 ,
zur
Bl. l a
M y th o lo g ie
b is 2 a ).
un d zum
D ie üb rigen
a lp h a b e tisch a n geord n eten A rtik el d e s 118 B lätter starken B a n d es en th alten
m e ist
N ach träge zu J. G rim m s M y th o lo g ie au s g ed ru ck ter L iteratur bis zum Jah re 1845.
D a m a ls sc h e in t M en zel d ie se N o tizen Jak ob G rim m ü b ersan d t zu h ab en . J. B o l t e .
Zu Kerkerings Grabschrift (o b e n 16, 4 3 1 ).
In ‘H ans H an n ek em aaijers L o tg e v a lle n ’, e in er Satire von M. D . T e e n s t r a au f
die so g . H o lla n d g ä n g e r 1), w ird d em H eld e n d e s G ed ic h te s von se in e r W itw e d ie se
G rab schrift g e se tz t:
Hieronder liegt min K i r c h c n r i n g ,
Die so schief op sin vueten ging.
Och Herr, maok Du sin schonken liek
Ond breng hom in Din himmelriek!
Du nem st Din lammer auch jao aon;
Laot düsse bok denn auch m it gaon!
D ie s stam m t aus h o c h d e u t s c h e r Q u e lle ; denn w ie kam T een str a so n st zu d ie se r
N am en sform ? A lso m u ss au ch e in e h o c h d e u tsc h e V e r sio n e x istie r e n od er e x istie rt haben.
A m ste r d a m .
W ille m
Z u id e m a .
1)
D. h. W estfalen und andere N iederdeutsche, die früher jährlich scharenweise m it
der Sense als H elfer bei der Heuernte in die Niederlande zogen und sich nicht durch
Bildung oder H öflichkeit, am allerw enigsten aber durch Reinlichkeit auszeichneten.
Zeitschr. d. Vereins f.Volkskunde. 1908.
29
Bolte:
450
Berichte und Bücheranzeigen.
Neuere Märchenliteratur.
D e m sc h w a n k en d e n S p ra ch g eb ra u ch e von M ärchen, S age, L e g e n d e tritt der
L e ip zig e r P h ilo so p h W u n d t 1) durch e in e a n z ieh en d e D a r le g u n g ü b er B eg riff und
E n tw ic k lu n g d ie se r F orm en d er e rz ä h len d e n D ic h tu n g e n tg e g en . D e r u rsp rü n g­
lic h ste n F orm , d e m M ärchen, fe h le n d ie B e z ie h u n g e n a u f Ort und Z eit, un d die
V erk n ü p fu n g der E r e ig n iss e fo lg t n ich t d en G ese tz e n der W irk lic h k e it, son dern
d en E in g e b u n g e n der v o n F reu d e un d F urch t erregten P h a n ta sie ; k e in e G renze
trennt den M en sch en v on den d u rch
U m g eb u n g .
stim m te Z eit
D ie
Sage dagegen
und
oft
au ch
d ie P h a n ta sie
b e z ie h t
a u f e in e
b eleb ten
G eg en stä n d en se in e r
sich a u f ein en b estim m ten Ort, e in e b e ­
g e sc h ic h tlic h e P er so n ;
d ie se r
S c h e in
d es
G esch ic h tlich en z ie h t der P h a n ta stik d e s Z aub ers en g e re S ch ran k en (T a lism a n e ,
Z aub erw affen) und b ild e t z u g le ic h d ie p e r sö n lic h e n E ig en sc h a fte n der H eld e n
e n e rg isc h e r au s. H öh ere m y th o lo g isc h e In g re d ie n z ie n als d ie E in z e lsa g e b ed a rf
der S a g e n z y k lu s, w o G ötter an S te lle d er G eiste r u n d D ä m o n en treten. So üb er­
trägt sic h d a s B ild d er m e n sc h lic h e n H e ld e n a u f d ie G ötterw elt, un d d ie G ötter­
sa g e n im m t w ie d e ru m d ie Z a u b erw irk u n g en d e s M ärch en s auf. W u n d t b e str eite t
J. G rim m s A n sch au u n g, n ach der a lle M y th o lo g ie m it ein em G ötterm yth u s b egon n en
h ab e, aus dem erst durch V erfa ll d e s G la u b en s d ie H e ld e n sa g e u n d das M ärchen
h e r v o rg eg a n g en s e i, un d setzt
m y th o lo g isc h e r E n tw ic k lu n g ein .
dafü r e in e auf- und e in e a b steig e n d e P h a se
B e i p rim itiv en V ö lk e r n fa lle n N atu rm yth u s und
N atu rd ichtu ng z u sa m m e n ; der sp äter e n tw ic k e lte G ötterm ythu? hat e n tw ed er die
F orm d e s M ärch en s od er d ie der S age, ist aber k e in e dritte G attung. E in e U nterart
d er S a g e ist e n d lic h d ie H e ilig e n le g e n d e , ein r e lig iö s e r M ythus, der für den
G lä u b ig en e in V o r b ild se in s o ll; au ch v ie le S a g e n von H er a k le s, T h e se u s , O din,
B ald er g e h ö r en dazu. — V o n e in er ändern S e ite g e h t der a u s g e z e ic h n e te d än isch e
F o r sc h e r A. O l r i k 2)
M ärchen zu L e ib e .
d em P ro b le m e d e s U rsp ru n g es und der V e rw a n d tsc h a ft der
An
den eu rop äisch en V o lk sd ic h tu n g e n ,
M ärchen un d
S agen
so w o h l w ie B a lla d en , g ew a h rt er e in e R e ih e von g e m e in s a m e n Z ü gen , d ie ein e
starke S tilisie r u n g der W irk lic h k e it d a r ste lle n u n d v on ih m a ls e p isc h e G esetz e
b e z e ic h n e t w erd en : 1. d ie Ü b er sic h tlic h k eit w ird durch B esch rä n k u n g der P er so n en u n d M otivzah l erreich t; 2. g le ic h z e itig treten nur z w e i h a n d e ln d e P e r so n en auf;
3. nur d ie n o tw en d ig en Z ü g e w erd en h e r v o rg e h o b en ; 4. d ie A n sc h a u lich k e it erreicht
durch stark e G eg e n sä tze un d durch V e r w e ile n in d e r se lb en S te llu n g ; 5. B e ­
sch rän k u n g a u f d ie w ic h tig e n M otiv e; G. Z u sam m en d rän gu n g der H a n d lu n g a u f
e in en e in zig e n A kt; 7. d ie E in h eit der H a n d lu n g m e is t erreich t durch d ie V e r ­
k ettu n g zu U r sa c h e u n d W irk u n g , b is w e ile n durch V e rb in d u n g z w e ie r ver­
sc h ie d e n e r M o tiv e ,
8. g e r a d lin ig e s F o rtsch reiten
der H a n d lu n g
o h n e N a c h h o lu n g
1) W. W u n d t , Märchen, Sage und Legende als Entwickelungsformen des Mythus
(Archiv für R eligionsw issenschaft 11, 200—222). — Unzugänglich blieb mir P. A r f e r t ,
Zum Ursprünge des Märchens (Grenzboten 1907, 3, 22—30. 76—84. 138 —144) und M. M o e ,
Eventyrvandring og eventyrforvandling (Samtiden 1908).
2) A. O lr ik , Episke love i folkedigtningen (Danske Studier 1908, G9—89).
Berichte und Bücheranzeigen.
45 1
früherer E r e ig n iss e ; 9. E in h eit der H au p tp erson ; 10. se lte n e r z w e i H eld e n , M ann
u n d W e ib ; 11. z w e i g le ic h z e itig au ftreten d e P e r so n en w erd en u n ter sc h ie d e n durch
ihren C harakter o d er E rg eh en ; 12. d ie N e b e n p e r so n e n sin d d ah er an d ers geartet
a ls der H eld ; 13. Z w illin g sb r ü d er e rsch ein e n sc h w a ch , bedrängt, a ls N e b e n p er so n en ;
14. d ie D r eiz a h l von P er so n en , D in g e n , H a n d lu n g en ; 15. H ervorh eb u n g d e s dritten
B ru d ers o d er V e r s u c h e s (A c h te rg e w ic h t); 16. H erv o rh eb u n g d e s ersten B ruders
(T o p g e w ic h t); 17. der E in g a n g sch reitet vo m E in z eln e n zur V ie lh e it, von d er R u h e
zur B e w e g u n g ; 18. der S c h lu ss b rich t d ie H an d lu n g n ich t jä h ab. D ie s e a u f stren g
a n a ly tisch em W e g e g e fu n d e n e n G e s e tz e , w e lc h e g r o sse n te ils von der sp äteren
K u n std ich tu n g n ich t b eo b a ch tet w erd en , e rsch ein e n u n s nach v e rsc h ie d e n e n R ic h ­
tun gen hin,
In d em
z. B .
w ir u n s
h a b en w ir zu erst
für d ie F ra g e d e s m y th isc h e n U rsp ru n ges,
den e in z e ln e Stoffe und M otive betreffenden
der sa c h k u n d ig en Ü b er sic h ten zu g ed en k en ,
se h r b ed eu tsa m .
—
A rbeiten zu w en d en ,
d ie S t i e f e l 1) den
L eistu n g en früherer Jahre a u f d ie se m G eb iete w id m et. — Zu d er se h r w ü n s c h e n s­
w erten e in h e itlic h e n B e ze ic h n u n g der M ärch en m otive durch S c h la g w o r te lie fer t
L o w i e 2) ein en B eitrag. — V o n der h ö c h st w e rtv o llen S a m m lu n g der an d ie P erso n en
und G esch ic h te n d e s A lten T e sta m en ts an k n ü p fen d en ä tio lo g isc h e n M ärchen, d ie
O. D ä h n h a r d t 8) a ls ersten T e il e in e s u m fa ssen d en W e rk es h er a u sg e g e b e n hat,
w ar b ereits ob en S. 2 2 4 d ie R e d e . D . v eröffen tlich t h ie r n ich t nur r eich es, b ish er
u n zu g ä n g lich es M aterial,
son dern auch e in e in d ie v e rsch ie d e n e n
a sia tisc h e n und
e u ro p ä isch en R e lig io n s s y s te m e und ihre L ehren von der W e ltsch ö p fu n g e in d rin gen d e
U n tersu ch u n g. — E in e n w eiteren B e itr a g zur E n tw ic k lu n g sg e sc h ic h te n atu rd eu ten d er
M ärchen und F a b eln g ib t D ä h n h a r d t 4) in e in er sta ttlich en P rogram m ab h an d lu n g.
Er ste llt e in e R e ih e von V o lk ser z ä h lu n g e n zu sa m m en , w e lc h e v on e in em z w isc h e n
z w e i T ier en v o r g en o m m e n e n T a u sc h e b e rich ten : d ie K uh g ib t dem P ferd e für
d e ss e n H örner e in e Z ahn reihe, L e rc h e und K röte ta u sch en , w ie S h a k e sp ea r e in
R o m e o und J u lia erw äh nt, ihre A u gen , d ie N a c h tig a ll borgt sic h das e in z ig e A u ge
der B lin d sch le ich e, o h n e e s zu rü ck zu geb en , u sw . W äh ren d für d ie se E rzäh lu n gen
m eist u n ab h än gige E n tsteh u n g bei den v e r sc h ie d e n e n V ölk ern an zu n eh m en ist,
führt D . den W e ttla u f von Ig e l u n d H ase (G rim m nr. 187) a u f d ie a lte ä so p is c h e
F a b el von S ch ild k röte
und H ase zurü ck ,
d ie
in
z w eifa c h e r U m g e sta ltu n g
(H ilfe
der z w e ite n S ch ild k röte, H ängen am F e ll d es G eg n er s) nach In d ien un d von dort
n ach A frika un d A m erik a g e la n g te, a n d er se its durch b y z a n tin isch e V erm ittelu n g
(I g e l) n ach E uropa und zu den A rabern w an derte, in F in n lan d aber auch a u f F isc h e
und and erw ärts n och a u f an d ere T ie r e üb ertragen w ard.
D ritten s fo lg t ein e
M u steru n g der S agen üb er d ie E u le, d eren k la g e n d er R u f und n ä c h tlich er F lu g
b ald d ie V o r ste llu n g e in er zur Strafe für ein V e rg e h e n verw a n d elten F rau oder
e in e s S e e le n v o g e ls erw e c k t hat, bald aus ein em S treite m it ändern V ö g e ln oder
im A n sc h lu ss an b ib lisc h e G esch ic h te n erklärt w ord en ist. — H. C. L a n c a s t e r 5)
1) A. L. S t i e f e l , Stoffgeschichte 1902 und 1903 (Jahresberichte für deutsche Literatur­
geschichte 14, 488 - 498).
2) R. H. L o w ie , Catch-words for m ythological rnotives (Journal of american folklore 21, 2 4 - 2 7 ) .
3) 0 . D ä h n h a r d t , Natursagen, eine Sammlung naturdeutender Sagen, Märchen,
Fabeln und L egenden, Bd. 1: Sagen zum Alten Testament.
L eip zig, Teubner 1907.
X IV , 376 S.
4) 0 . D ä h n h a r d t , B eiträge zur vergleichenden Sagen- und M ärchenforschung.
Progr. (1908 nr. 712) der Thom asschule in Leipzig. Leipzig, A. Edelmann. 54 S. 4°.
5) H. C. L a n c a s t e r , The sources and mediaeval versions of the peace-fable
Publications of the modern language association of America 22, 33—55).
29*
Bolte:
452
z e ig t in so rg sa m er U n tersu ch u n g , d a ss d ie oft b e a r b e ite te F a b e l vom a llg e m e in e n
F ried en der T ie r e , den der F u c h s d em H a h n e verk ü n d et, a u f ein em c h r istlic h e n
M otive (J e sa ia 11) beruht, d as im 12. Jah rh u n d ert im Y sen g rim u s, lie n a r t I und I I
im a n g lo la te in isc h e n R o m u lu s A u fn a h m e fand. — E in e w illk o m m e n e Ü b er ra sch u n g
b ereitet uns H u ets V e rö ffe n tlich u n g
v o r g eleg te n , ab er n ic h t g ed ru ck ten
e in er 1874 in
der A c a d e m ie d e s in scrip tio n s
U n ter su ch u n g v o n G aston P a r i s 1) üb er das
M ärchen v om S c h a tz e d e s K ö n ig s R h a m p sin it. M it d em S c h a r fsin n e u n d w e ite n
B lic k e , d en der g r o s s e R o m a n ist so oft in d er S a g e n fo r sc h u n g b ew ä h rte, g e h t er
19 V e r sio n e n d e s alten M ärch en s d u rch u n d k on stru iert aus d er B etra ch tu n g der
19 darin e n th a lten en T e ile d ie U rg esta lt, d ie in m a n c h e n E in z e lh e ite n v o n der
ä lte ste n F a ssu n g b e i H ero d o t a b w eic h t: d ie b e id e n D ie b e sin d V a te r u n d S oh n
(n ic h t B rü d er), d er e in e g e rä t in e in en P e c h k e s s e l (n ic h t F a lle ), n a ch d em ein
g e b le n d e te r D ie b d en K ö n ig b eraten hat, d ie S c h la u h e it d e s H eld e n tä u sch t zu
w ie d e r h o lte n M alen d en K ön ig, das K in d d er P r in z e ss erk en n t se in e n V a te r u. a.
D e n U rsp ru n g d e s M ärch en s su ch t P aris, w e lc h e r
der B e n fe y sc h e n T h e o r ie vo m
in d isch en
U rsp ru n g
sä m tlich er
M ärchen
e in e
R e ih e
a ltg riec h isch er
A u sn ah m en
e'n tgegen stellt u n d g e g e n
d ie ä g y p tisc h e H erk u n ft der R h a m p sin itg e sc h ic h te
W ilk in so n s E in w ä n d e w ie d e rh o lt, in B a b y lo n ie n , w o d ie S on d eru n g n ach K asten
fe h lte , d ie K rieg er B ärte trugen u n d d ie T o te n k la g e n g le ic h fa lls lau t g e h a lten
w u rd en . V o n dort k on n te d ie E rzäh lu n g zu den in Ä gyp ten leb en d e n g r ie c h isc h e n
G ew äh rsm än n ern H er o d o ts w ie n ach In d ien d rin gen ; das b y z a n tin isch e O rigin al
d er sie b e n w e is e n M eiste r en tstan d e rst im 10. Jahrhu nd ert. B e d a u e r lic h ist, d ass
P a ris n ic h t m eh r Z eit g e fu n d e n hat, se in e oft rech t k ü h n e K on stru k tion a u f G rund
m an ch er n eu en E rk en n tn is n o c h m a ls d u rc h z u g e h e n un d zu ü b erarb eiten . — D r e i v e r ­
s c h ie d e n e M ärchen u n terzieh t A a r n e 2) e in er fle iss ig e n un d b e so n n e n e n U n ter su ch u n g :
d ie G e sc h ic h te v om e n tw e n d e te n Z au b errin ge,
d en H un d
und K atze ih r em H errn
z u rü ck g ew in n en , d as M ärchen v on den d rei W u n sc h d in g e n , d ie durch e in e P r in z e s s
d em H eld e n e n tw en d et, ihr aber m it H ilfe w u n d erb arer F rü ch te w ie d e r ab g en o m m en
w erd en , und d as von d em Z a u b erv o g el, d e s s e n K o p f un d H e r z 'd u r c h z w ei B rü d er
v erzeh rt w ird. A . lie fer t, der g e o g r a p h isc h -h isto r isc h e n M eth od e K. K roh ns folgen d ,
ein e g e n a u e Ü b e r sic h t ü b er d ie g r o sse Z ah l d er V a ria n ten , n a m e n tlich ü b er d ie
n o c h u n g ed ru ck ten fin n isch en u n d e stn isc h e n A u fze ich n u n g en , su ch t d eren U rform
so w ie H eim a t und E n tste h u n g sz e it zu erm itteln , g e h t dann a u f d ie k u n stm ä ssig e n
B e a rb eitu n g en
V o lk sm u n d e
ein
und
e rleid en .
ste llt G e se tz e für d ie V e rä n d e ru n g e n auf,
D ab ei
ergib t
s ic h ,
d a ss
d ie
b ek an n te
d ie
d ie s e
E r zäh lu n g
im
der
1001 N a ch t v o n A la d d in s L am p e e in e jü n g e r e U m form u n g d e s erstgen an n ten ,
u rsp rü n glich w o h l in d isc h e n M ärchens, u n d d a ss d as V o lk sb u c h v on F ortu nat aus
dem z w e ite n M ärchen (G rim m 122. G on zen b ach 30) a b g e le ite t ist, d as aus W e s t­
eu rop a stam m t, w e n n g le ic h s e in e M otive au ch im O rient ve rb re ite t s in d ; d as dritte
M ärchen k eh rt im T u ti-n a m e h w ie d e r un d m ag b e r eits vor 1300 in P e r sie n er­
w a c h sen se in (v g l. G rim m 60 ). E rstau n lich ist d ie M en g e der h ie r b etrach teten
V a ria n ten ; und w en n sic h trotzd em G e le g e n h e it zu N ach trägen au s d er ged ru ck ten
L iteratur b ie te t3), so z e ig t d ie s nur, w ie sc h w ie r ig e s für den e in z e ln e n F o rsch er
1) G. P a r i s , Le conte du tresor du roi R ham psinite, etude de mythographie
comparee (Revue de l ’histoire des religions 55, 151— 187. 267—316. 1907). — G. H u e t ,
Variante tcheque du tresor de Rham psinite (Revue des trad. pop. 23, 161— 163).
2) Antti A a r n e , Vergleichende M ärchenforschungen, akademische Abhandlung.
H elsingfors 1907. X V III, 200 S. (aus Memoires de la societe finno-ougrienne 25).
3) Ich führe nur für die Geschichte vom entwendeten und wiedergewonnenen Z a u b e r ­
r i n g e an: Estnisch: K allas, Verh. der gelehrten estn. G esellsch. 20, 150 nr. 32. 33.
Berichte und Bücheranzeigen.
453
ist, das g r o sse M aterial zu b eh errsch en , un d b e d e u te t k ein en Y o r w u r f für d ie
g e le h r te u n d m ü h e v o lle A rbeit. — A. B o r g e l d 1) m ustert, v on ein em 1887 er­
sc h ie n e n e n n ie d e rlä n d isch en L u stsp ie l F re d e rik s van E e d e n ‘D o n T o rrib io un d
der D e ch a n t v o n B a d a jo z ’ a u sg eh en d , d ie za h lre ich en B e a rb eitu n g en der se it dem
13. Jah rh u n d ert in E u rop a h e im is c h e n G e sc h ic h te v on e in em Z auberer, der ein en
B ittste ller m ittels ein er V isio n d ie E r e ig n isse v ie le r Jahre d u rch leb en lä sst und
d er sc h m ä h lic h e n U n d an k b ark eit üb erführt. Er nü tzt d ie von R . K öhler, T a rd el
und C h auvin g e lie fe r te n N a c h w e ise fle iss ig aus, n ic h t o h n e s ie aus e ig e n e r L ek tü re
zu v e r m e h r e n 2), und g e h t auch a u f d ie a ra b isch e E rzäh lu n g vom S c h e ich S ch e h a b ed d in u n d in d isch e V o r b ild e r n äh er ein . — D e n v e rsch ie d e n e n N eck m ä rch en
ü b er d ie D u m m h e it der S ch w a b e n un d d en G esch ic h te n von d en sie b e n S ch w a b en
und von dem S ch w ab en ,
le s e n sw e r te E rörteru ng
g e w id m e t;
in
der d a s L e b e rlein g e fr e sse n ,
A.
K e l l e r s 3)
is t
ob en 17, 4 6 3
e in e
au sfü h rlich e
ch arak terisiertem
un d
B u ch e
ein A bdruck der sc h w er er z u g ä n g lich en T e x te ist b e ig e g e b e n . — D e n
in N o rd d eu tsch la n d u n d D än em ark b ek an n ten S ch w a n k von der fau len F rau und
d er K atze w ie s ich oben S. 5 3 — 60 in z w e i G ed ich ten d e s 15. Jahrhu nd erts von
Jörg Z o b e l u n d d em M y sn er nach .
B ald d arau f m ach te m ich H err P r o fe sso r
B . K a h l e in H eid e lb e rg freu n d lich a u f e in e p e r sisc h e E r zäh lu n g au fm erk sam , d ie
E rn st v. H e s se -W a r te g g in ein em F e u ille to n der V o s s is c h e n Z eitu n g (2 1 . F ebruar
1908:
H a re m sleb en in P e r sie n )
m itteilt,
un d
in
der
e in
ju n g e r E h em an n se in e
z ä n k isc h e F rau dad urch zäh m t, d a ss er ihrer L ie b lin g s k a tz e d en K o p f a b sch lägt.
D ie s e G esch ic h te , w e lc h e v ie lm e h r zu dem von R . K öh ler (K l. S ch riften 3, 4 0)
b eh a n d elten K re ise v on d er w id e r sp e n stig e n F rau geh ört, ist offenbar au s M a lco lm s
S k etc h e s o f P er sia (1 8 2 7 ) en tn om m en un d steh t d e u tsch z. B . in S im rock s Q u e lle n
d e s S h a k sp ea re 1, 348 (1 8 7 2 ). — D ie M ärchen v o n d er w u n d erb aren V erjü n g u n g
durch U m sch m ie d e n oder U m sc h m e lz e n b e h a n d e lt A. K u r z 4) in der E in leitu n g zu
e in em N eu d ru ck e d es m itte le n g lisc h e n G ed ich ts ‘o f th e sm yth w h y ch that forged
hym a n ew d a m e’ (v g l. H azlitt, E a rly pop ulär p oetry 3, 2 0 1 . H orstm ann, A lten gl.
Ungarisch: Sklarek nr. 1(5; Kümo p. 142. 297. Portugiesisch: Coelho, Contos populäres
nr. 17. Bretonisch: Kerbeuzec (F. Duine), Cojou-Breiz 1896 1, 91. Rumänisch: Staufe,
oben 9, 86 nr. 28; Schullerus, Archiv f. siebenbg. Landesk. 33, 601. Kroatisch: Dähnhardt, N aturgeschichtl. Vm. 1904 S. 27. Polivka, Zs. f. österr. Vk. 3, 377. Zigeunerisch:
Groome, G ypsy folk tales p. 209 = Jacobs, English fairy tales nr. 17. Mitt. f. jüd. Volks­
kunde 2, 22. — Über A l a d d i n s Z a u b e r la m p e vgl. Elberling (K. Köhler, Kl. Sehr.
3, 202) und Chauvin, Bibliographie arabe 5, 55; ferner ungarisch: Sklarek nr. 17. 18.
Türkisch: Kunos S. 370. D eutsch: Lemke 3, 177; Bünker nr. 81; Yeckenstedts Zs. f.
Volkskunde 4, 17. Dänisch: Kristensen, Fra Bindestue 1, 69. 2, 119; Fra Mindebo S. 3;
Skattegraveren 6, 121.
Italienisch: Archivio 14, 386. Rumänisch: Schullerus, Archiv
33, 436. Armenisch: Macler p. 57. Arabisch: Revue des trad. pop. 21, 273; Artin-Pacha
nr. 21; Jahn, Mehri-Spraclie 1902 S. 89; D. H. Müller, Mehri-Sprache 2, 45. Berberisch:
Basset 2, 343 zu nr. 111. N eger: Junod, B a s-R o n g a p. 276. Philippinen: Journal of
american folk-lore 20, 117.
1) A. B o r g e l d , Don Torribio en de deken van Badajoz (Tijdschrift voor nederlandsche taal- en letterkunde 26, 1 4 5 -2 0 3 ).
2) Vgl. etwa noch Banks’ Ausgabe des englischen Alphabetum narrationum, Celtes,
Epigrammata 1881 S. 32 ‘D e praestigiis Alberti Magni’, Dames, Populär poetry of the
Baloches 1, 159.
3 Albr. K e l l e r , Die Schwaben in der Geschichte des Volkshumors. Freiburg, B iele­
feld 1907. X V I, 388 S.
4)
K u r z , Die jun ggeglüh te F rau, eine m ittelenglische Legende (Programm der
Realschule zu Gotha 1908. 18 S. 4°).
Bolte:
454
L e g e n d e n n. P . S. 3 2 2 ). — N ic h t g e se h e n h a b e ich e in en F a k sim iled ru ck d e s m ittel­
e n g lis c h e n G ed ich ts vom M ön ch e u n d K n a b e n 1), das zu u n serm M ärchen v o m
J u d en im D o rn in n a h er B e z ie h u n g ste h t, un d W a l l e n s k ö l d s 2) S tu d ie
ü b er d ie
G esch ic h te der von ih rem S c h w a g er v e rleu m d e ten F rau. — H ierh er g e h ö r en auch
d ie m e th o d isc h in te re ssa n ten A rtikel von H . D ü b i 3) ü b er d ie A n k n ü p fu n g der
m ittela lte r lich en S a g e n vom L an d p fleger P ila tu s, vom E w ig e n Ju d en u n d vom
T an n h äu ser an b e stim m te Ö rtlich k eiten in Ita lie n , in der S c h w e iz u n d in D e u ts c h ­
land, d ie den W e g , a u f dem d ie s e S a g en zu u n s k am en ,
d e u tlich erk en n en lä sst.
— V o n K. N y r o p s an m u tigem , aber z u g le ic h n e u e s M aterial z u g ä n g lich m a c h e n ­
d e m B ü c h le in ü b er d ie S a g e vom E w ig e n Ju d en w ar sch o n ob en S. 348 d ie R e d e .
— In d er oft v erh a n d e lten F ra g e nach d er Q u e lle der a p u leja n isch en E rzäh lu n g
von A m or u n d P s y c h e n im m t S t u m f a l l 4) , ein S c h ü ler B r ey m a n n s, e n tsc h ie d e n
an der S e ite von L. F ried län d er, G ustav M eyer u n d v. d. L e y e n S te llu n g ; er sie h t in
der la te in isc h e n G e sc h ic h te k e in e b lo s s e Ü b e r se tz u n g e in e s g r ie c h isc h e n (m ile sisc h e n )
M ä rch en s, so n d ern e in e w illk ü r lic h e U m g e sta ltu n g e in e s alten M ärchens, d em
vorh er der m y th o lo g isc h e Apparat un d d ie N am en Am or, P sy c h e , V e n u s u sw .
feh lten ;
B e w e is dafür
und b e i O vid.
ist
das F e h le n d ie se r P s y c h e -F a b e l
in
der a n tik en K unst
A u ch das m ittelfra n zö sisch e E p o s P a rte n o p eu s un d M elior führt er
n ic h t m it K a w c z y n sk i a u f A p u leiu s, son d ern a u f je n e s a lte M ärchen zu rück. D ie
e ig e n tlic h e A u fgabe s e in e s B u c h e s a b er ist d ie e in g e h e n d e W ü r d ig u n g der
lite ra r isc h e n B ea rb eitu n g en , d ie A p u leiu s von 1 5 0 0 — 1700 in Italien , Sp an ien und
F ran k reich fand ; u n ter den e p isc h e n D ich tern ragt E r co le U d in e (1 5 9 9 ), u n ter
den D ram atik ern G aleotto dal C arretto (1 5 2 0 ), C alderon un d M oliere h ervor. —
V on e in er m u h a m m ed a n isc h e n ja v a n isc h e n S a g e g e h t C o s q u i n 5) in e in er durch
G ele h r sa m k e it, S ch arfsin n un d B e h u tsa m k e it a u s g e z e ic h n e te n A rb eit ü b er m eh rere
M otive aus der K in d h e itsg e sc h ic h te von H ero en aus. R a d en P a k ü , der Soh n e in e s
m u h a m m ed a n isch en H e ilig e n und e in er von ihm g e h e ilte n u n d b ek eh rten m a la iisc h e n
P rin z e ssin , w ird in A b w e se n h e it s e in e s V a ters g eb o ren , a u f G e h e iss d er W a h r ­
sa g e r in ein em K asten im M eere a u sg e se tz t, von Sch iffern g e fu n d en und v on deren
H errin a u fg e z o g en . A ls er h e r a n g e w a ch se n ist, erw a ch t in se in e r P flegem u tter
L e id en sc h a ft zu ih m ; er aber sa u g t M ilch au s ihrer B rust, un d nun w a n d elt sic h
ih r G efü h l zu ein em rein m ü tterlich en . D ie A u sse tz u n g d e s n eu g e b o r e n e n K in d es
w ird au s d en S a g en v o n Sargon, K arna, R o m u lu s und R e m u s , P er se u s, K yros,
Ju d as u . a. n a c h g e w ie se n ; d as M u tterm ilch -M otiv e rsc h e in t in v e rsch ie d e n e n F orm en:
es
en th ü llt
V a isä li
d ie Z u g e h ö r ig k e it
a u fg e z e ic h n e te n
d es K in d e s
in d isc h e n V o rstu fe
ste llt ein so lc h e s K in d esv erh ä ltn is her,
zur
M utter
(so
in
e in er
um 4 0 0
der ja v a n isc h e n E rzä h lu n g )
in
od er es
e s bew irk t in M ärchen e in e A d op tion und
1) The frere and the boye
Cambridge, University press 1907. 11 Bl. 4°.
2) A. W a l le n s k ö l d , Le conte de la femme chaste convoitee par son beau freie.
174 S. 4° (Acta soc. scientiarum fennicae 34).
3) H. D ü b i, Drei spätm ittelalterliche Legenden in ihrer W anderung aus Italien
durch die Schweiz nach Deutschland (oben 17, 42 - 65. 143— 160. 249—2 6 4 \
4) B. S t u m f a l l , Das Märchen von Amor und P syche in seinem Fortleben in der
französischen, italienischen und spanischen Literatur bis zum 18. Jahrhundert. Leipzig,
A. D eichert 1907. X V I, 205 S. 5 Mk. (Münchener B eiträge zur romanischen und englischen
P hilologie 39).
5) E. C o s q u in , Le lait de la mere et le coffre flottant, legend es, contes et m ythes
compares ä propos d’une legende historique musulmane de Java (Revue des questions
historiques 83, 353—425. Auch besonders Paris 1908. 75 S.). — E inige N achträge wird
demnächst J. Hertel in dieser Zeitschrift veröffentlichen.
Berichte und Bücheranzeigen.
455
b e g e g n e t a ls w ir k lic h e r B rauch n o c h b ei B erb ern u n d In d o cb in esen , e s schafft
V erw a n d tsch a ft z w isc h e n M ilch b rü d ern ; en d lich sa u g en auch d ie a u sg e se tz te n
K in der M ilch au s ih ren F in gern o d er erh alten s ie von b arm h erzigen T ier en . A llem
A n sc h e in e nach ist d ie s M ärchen au s In dien n ach J a v a g e w a n d ert und dort sp äter
v on M u h am m ed an ern zu e in er isla m itisc h e n L e g e n d e u m g efo rm t w ord en . —
H. O e r t e l 1) un tersu ch t im A n h an g zu e in er von ihm ed ierten un d ü b ersetzten
S a n sk rit-E rzä h lu n g von In d ra und d er G attin d e s U äanas K ä v y a d ie V erb reitu n g
d e s S p rich w o rtes ‘D ie E rd e hat O hren’ un d d e s M otivs von der F rau, d ie sic h
ü b erred en lä sst, g le ic h D e lila ih r es M annes G eh eim n is zu erforsch en u n d zu v e r ­
raten. — D e r s e l b e 2) te ilt e in e R e ih e w e rtv o ller a ltin d isc h e r P a ra llelen zu fo lg en d en
M otiven der eu r o p ä isc h e n E rzäh lu n gsliteratu r m it: V e r lö s c h e n der F eu er (V e r g ils a g e ),
H e ilu n g
durch
D u rc h z ieh en
un d
D u r c h k r ie c h e n ,
F e s se lu n g
der
G ötter,
V e x ier n a m e n (o b en 15, 70 ), Id en tität von G otth eit und P riester , G erich t z w isc h e n
M en sch un d T ie r am jü n g ste n T a g e , R e d e tu r n ie r e m it tö d lich em A u sg a n g e, H ö lle n ­
fahrt u n d r ä tselh a fte V isio n e n (o b en 6, 173), der M yth u s v on der Saram ä und
e in e H er m es-L eg e n d e. — In d isc h e P a ra llelen zum M ärchen von der u n ter g e sch o b e n e n
B raut bei S om ad eva, K sh em en d ra un d im K athäkoQ a b e le u c h te t H u e t 3). — Zu
der in der G esch ic h te vom w e is e n H aik ar e in e R o lle sp ie le n d e n A u fgabe, Strick e
aus S an d zu w in d en , w e ist T h . Z a c h a r i a e ob en 17, 4 6 1 f. e in e h e s s is c h e un d
e in e e n g lis c h e P a ra llele n ach. — L. K a t o n a 4) m a ch t a u f d ie ä lteste F a ssu n g d es
S c h w a n k es von d em b e i der A u sw ah l u n sc h lü s sig e n D ie b e in d er D isc ip lin a c le ric a lis d e s P etr u s A lp h o n si au fm erk sam . — In ein er U n ter su ch u n g ü b er d ie zu letzt
von W ü n sc h e b e h a n d e lte S a g e vo m Ju n gbrun nen le g t H o p k i n s 5) dar, d ass d ie se
n ich t
dem
k la ssisc h e n A ltertu m e,
son d ern
dem O rient en tstam m e,
au s dem
sie
z w eim a l, zu A n fang der c h r istlic h e n Ära und im M ittelalter n ach E uropa w an d erte,
u n d te ilt d ie G e sch ic h te C yavan as aus dem J ä im in ly a B rähm ana m it. — B a s s e t 6)
se tzt se in e leh rr eic h e S a m m lu n g v o n B e le g e n für das M otiv vom b lü h en d en Stab e
fort un d w e ist a r a b isc h e Z ü g e im fr a n z ö sisc h e n R o m a n v on F lo r e und B la n ch eflo r
au s dem 12. Jah rh u n d ert n ach. — W a k e 7) z e ig t d ie Ü b e r e in stim m u n g e in e s
in d ia n isc h e n M ärchens vom h ilfre ich en P ferd d e s K nab en (D o r se y , T ra d itio n s o f
the S k id i P a w n e e ) m it d em n o r w e g isc h e n b e i A sb jö r n se n nr. 14. — M iss C o x liefert
N ach träge zu ih rem W erk e ü b er das A sch en b rö d elm ä rch en (F o lk -lo r e 18, 191— 20 8 ).
U n ter den T e x t s a m m l u n g e n n en n e ich zu erst D ä h n h a r d t s 8) m it sc h m u ck en
Z e ic h n u n g en a u sg esta ttete A u sw a h l von S ch w än k en aus aller W e lt.
E s sin d
83 N u m m ern z u m e ist g e r m a n isch er H erku nft, te ils au s W e rk en d e s 16. b is 17. Jah r1) H. O e r t e l , Contributions from the Jäim inlya Brähmana to the history of the
Brähmana literature 6: The story of Csanas K ävya, the three-headed Gandharvan, and
Indra (Journal of the american Oriental society 28, 81—98).
2) H. O e r t e l , Altindische P arallelen zu abendländischen Erzählungsmotiven (Studien
zur vergleichenden Literaturgeschichte 8, 113— 124).
3) G. H u e t , L’antiquite du theme de la fiancee substituee (Revue des trad. pop.
22, 1— 8).
4) L. K a t o n a , Zum Schwank vom zögernden Dieb (Studien z. vgl. Lg. 8, 192 f.).
5) E. W. H o p k in s , The fountain of youth (Journal of the american Oriental society
26, 1—67. 4 1 1 -4 1 5 . 1905).
6) R- B a s s e t , Le bäton qui reverdit (Revue des trad. pop. 19, 65 f. 336 f. 532.
21, 9. 123f. 22, 289—292). — Les sources arabes de Floire et Blancheflor (ebd. 22, 241— 245).
7) C. S. W a k e , A widespread boy-h ero story (Journal of am erican folk -lore 20,
2 1 6 -2 1 9 ).
8) 0 . D ä h n h a r d t , Schwänke aus aller W elt, für jung und alt herausgegeben, mit
52 Abbildungen nach Zeichnungen von A. Kolb. Leipzig, B. G. Teubner 1908. V I, 156 S.
Bolte:
456
h u n d erts, te ils aus d em V o lk sm u n d e u n serer Z eit, aber auch d ie Ö echen, Serben,
R u s s e n , U n garn , T ü r k e n un d N e g e r h ab en b e iste u e rn m ü sse n .
An der V e r ­
d e u tsch u n g
h a b en k u n d ig e H e lfe r
te ilg e n o m m e n ;
u n g ed ru ck te S tü ck e
aus
M alta
h at Frl. H g, aus M eck len b u rg P rof. W o s s id lo g e lie fe r t. Nr. 24 ist der T rau m vom
S ch atz a u f der B r ü c k e ; Nr. 74 v g l. W ick ra m , W e rk e 3, 391 nr. 106; 78 vgl. F rey,
G a r te n g e se llsc h a ft 1896 S. 285 ‘drei F a u le ’ ; 80 v g l. ob en 16,
290
nr. 22 ‘d ie g e ­
d rehte S c h ü s s e l’; 81 vgl. oben 9, 85 nr. 3 un d U n g a risc h e r S im p lic issim u s 1854
S. 82 ‘m isslu n g e n e B e g r ü ssu n g ’. — N och im m er w arten w ir a u f d ie in M. H err­
m an n s n e u la te in isc h e n L iteratu rd en k m älern v e r h e iss e n e n A u sgab en d er w ic h tig en
la te in isc h e n F a c e tie n sa m m lu n g e n von P o g g io un d B eb el. E in en vorläu figen E rsatz
dafür b ie te t un s d ie V e rd e u tsc h u n g der B e b e ls c h e n S ch w ä n k e durch A. W e s s e l s k i 1),
deren V e rd ien st h a u p tsä ch lich in d en erläu tern d en un d lite ra tu rv e r g le ic h e n d en A n ­
m erk u n gen lie g t.
W . hat d ie A u sg a b e letz ter H and von 1514 zu gru n d e g e le g t
u n d den 4 3 9 h ierin en th a lte n e n S c h w ä n k en w e iter e 4 4 aus B e b e ls P ro v erb ia g e r ­
m anica an geh än gt, d ie zu m T e il in d ie sp äteren D r u c k e der F a ce tie n ü b erg in g en .
F ü r se in e Ü b e r se tz u n g benu tzt er m eh rfach d ie alte, 1558 an on ym e r s c h ie n e n e
V e rd eu tsc h u n g ,
d ie
er
n ich t
H ein rich m a n n
W irsu n g , d em Ü b er se tze r O ch in os,
oder
L in d e n e r ,
z u sc h r e ib en m ö ch te,
son d ern
bittet
C h ristop h
aber au sd rü ck lich ,
se in e altertü m eln d e S p rach e k e in e r p h ilo lo g isc h e n K ritik zu u n ter z ie h e n . W ill­
k o m m en ist d ie so lid e g e a rb eitete B io g ra p h ie B e b e ls un d d ie N a c h w e ise ü b er
se in e n F re u n d e sk r e is . In den a u sfü h rlich en A n m erk u n gen nutzt er d ie v orh an d en e
L iteratur so rg sa m , verz ic h te t a u f b lo ss e W ie d e r h o lu n g an d erer P a r a llelen sa m m lu n g en
u n d g ib t nur S e lb stg e se h e n e s.
U m d ie w e itre ic h e n d e W irk u n g B e b e ls a u f d ie
d e u tsch en u n d fr a n z ö sisc h e n S ch w a n k er zä h le r v ö llig z u ü b e r sc h a u e n , m ü ssten
a lle r d in g s n o c h e in g e h e n d e r e U n ter su ch u n g e n a n g e ste llt w e rd en ; d och hat W .
h ierzu u n d zur E rm ittlu n g
der Q u e lle n B e b e ls W e r tv o lle s b e ig etr a g en .
F ür A u s­
ste llu n g e n und N ach träge zu d em sc h ö n a u sg esta ttete n W e rk e is t h ier e ig e n tlich
k ein R a u m , doch se i w e n ig ste n s a u f d ie s e Z eitsch rift 12, 306 (z u F ac. 2, 16
S ch ä fer v o n der N e u e n sta d t), 13, 221 (z u F . 3, 81 K u ck u ck und, N a c h tig a ll; auch
van D u y se , H et o u d e n ed erl. L ie d nr. 2 0 8 ), 1 5 , 399. 17, 16 (zu F. 3, 103 zeh n
A lter) u n d 18, 19 (z u F. 3, 123 a u f e in e r e in z e ln e n F e d e r sc h la fe n ) v e r w ie se n . —
A u s d em V o lk sm u n d e im W a llis hat J e g e r l e h n e r 2) g e g e n 5 0 0 M ärchen und
S a g e n g e sa m m e lt un d 4 8 d avon für d ie Ju g en d a u sg e w ä h lt u n d h era u sg e g e b e n .
Ihr w iss e n sc h a ftlic h e r W e rt w ird le id e r etw a s dadurch verm ind ert, d a ss der H era u s­
g e b e r s e in e V o r la g en oft b e h a g lich w e ite r a u sg e sp o n n e n hat.
ersch ein e n
darin
fo lg e n d e :
S. 7 B u r sc h
V on M ärchenm otiven
a u f dem B au m e b e la u sc h t
13 Stu dent, der d ie T ier sp ra c h e ve rste h t, g e la n g t zu E h ren ; 20
J ü terb o g ; 33 F ü r ch ten le rn en ; 39 drei L eh ren (R . K ö h ler 2, 4 0 2 ;
d rei T e u fe l;
S c h m ie d von
ob en 6, 1 7 0);
4 4 un d 173 d as B ü r le; 65. 209. 214 S ch au ü b er m e in e A c h s e l (o b en 6, 204. 17,
3 3 3 ); 86 T raum v o m S ch atz a u f d er B r ü c k e ; 105 R u o d lie b ; 112 M ädch en m örd er
(E r k -B ö h m e , L ied erh ort nr. 4 1 ); 128 T e u fe l in der K irch e (Z s. f. v g l. L itg e sc h . 11,
2 4 9 ); 133 M önch u n d V ö g le in (R . K ö h ler 2, 2 3 9 ); 148 A llerleirau h ; 2 1 6 K nabe
b ek eh rt den M örder (o b en 13, 7 0 ). — S ie b e n c ls ä s s is c h e H e x e n g e sc h ic h te n ver­
1) H. B e b e l s Schwänke, zum ersten Male in vollständiger Übertragung heraus­
gegeben von A. W e s s e l s k i . Zwei Bände. München, Georg Müller 1907. X X V III, 241
und 212 S. 4°. 27 Mk. — Besprochen von 0 . S c h i s s e i v. F l e s c h e n b e r g , Mitt. des
österr. Vereins f. Bibliotheksw esen 11, H eft 3.
2) J. J e g e r l e h n e r , W as die Sennen erzählen. Märchen und Sagen aus dem W allis,
aus dem Volksm unde gesam m elt (1906). 3. unveränderte Auflage. Bern, A. Francke 1908.
V III, 221 S. 8°. geb. 2,80 Mk.
Berichte und Bücheranzeigen.
457
öffen tlich te W i n t e m b e r g 1), n eu n V o lk s le g e n d e n aus d em B ö h m isc h e n W a ld e und
dem K uh lan d D . S t r a t i l ob en 17, 1 0 0 — 105. — 0 . K n o o p 2) te ilt e in M ärchen
von d en drei Sp inn erin n en (G r. 14) au s d er P ro v in z P o se n m it; er v e r fo lg t3) an­
lä sslic h ein er O rtssage das M otiv d e s S ch la fd o rn s od er der Z au b ern ad el durch
v e r sc h ie d e n e V o lk ser z ä h lu n g e n und g ib t m eh rere p o ln isc h e M ärchen h erau s:
1. S ch la n g en h a u t verbrannt, 2. L ö w e n e c k e rc h e n , 3. P erv o n to (o b en 6, 174), 4. der
jü n g ste B ru d er b e w a c h t n ach ts das H eu , 5. R äu b erb räu tigam , 6. d ie tr eu lo se
* S c h w ester , 7. der sin g e n d e K n och en , 8. S e e le d e s R ie s e n verb orgen . — W . W i s s e r 4)
setzt d ie M itteilu n gen au s se in e r g r o sse n hsl. S a m m lu n g h o lste in isc h e r M ärchen
fort; a u sser ein em A b d ru ck e der sc h o n ob en 17, 333 erw äh nten K o p en h a g en er
V e r sio n der v e rg e sse n e n B raut e r sc h ie n e n in e in e m E u tin er V o lk sk a len d e r sie b e n
N u m m ern in n ie d e rd eu tsc h e r M undart: d e W e d d , W e n n ol L ü d w ed d er na S ch ool
gaht
(b e m er k e n sw e rt
K o m ö d ie
w egen
‘W ie g ew u n n e n
der
Ü b er ein stim m u n g
so z erra n n en ’ von
m it
1 6 1 3 )5),
de
W olfh art
B ur un
S p an gen b ergs
de
R atsh err,
U n dan k ist der W e lt L oh n (S c h la n g e lö se n ), d e B ur un d e P r o fe sse r , H ebbt je
e e n ’n A fkat (k ein A d vokat im H im m e l), d e E d d elm a n n sd o ch ter in ’n T oorn (R a p u n ze l).
A u s den N i e d e r l a n d e n h ab en w ir^ ein e F o rtsetz u n g von B o e k e n o o g e n s G)
V o lk ser z ä h lu n g e n anzufü hren , d ie fast nur R ä u b er- u n d G esp en sterh isto rien bringt,
darunter m an ch e auch in D e u tsch la n d bek an n te. So tritt d er S ch in d erh an n es d em
n ie d e rlä n d isch en R ä u b er P la tte T ijs d roh en d e n tg e g en , w ird a b e r von ih m ü b er­
liste t, und der durch Zach. W ern ers 24 . F eb ru ar b erü h m te M ord d e s un erkan nten
S o h n e s kehrt w ied er.
N ic h t g e se h e n hab e ic h V i n c x s 7) H a g elä n d er S a g en sa m m lu n g .
In D ä n e m a r k w ird fle iss ig an der R e g istr ie r u n g d e s u n g eh eu ren h sl. M aterials
gea rb eitet,
das
der
h o c h v e r d ien te F o rsch er
‘ ‘F o lk e m in d e sa m lin g ’ ü b er g e b e n hat.
T ang
K risten sen
der K op en h agen er
N ich t w e n ig e r a ls 28 2 7 M ärchen hat K risten sen ,
d e ss e n b e w u n d er u n g sw ü rd ig e S am m lertätigk eit ob en 15, 4 4 8 g e sc h ild e r t w u rde, dem
1) W. J. W i n t e m b e r g , Alsatian witch stories (Journal of american folk -lore 20,
213—215).
2) 0 . K n o o p , Volksmärchen aus der Provinz Posen 1 (Aus dem Posener Lande 3,
13—15. Lissa, Eulitz 1908).
3) 0 . K n o o p , D ie Prinzessin m it der N adel im Kopf (Hess. Blätter f. Volkskunde
6, 7 3 —77). — Polnische Märchen aus der Provinz Posen 1—8 (ebd. G, 78—97). — Die
Keule des Madej (Aus dem P osener Lande 2, GO f.).
4) W. W i s s e r , Alexander und Annlenore, ein Volksmärchen (N iedersachsen 13,
285—288. 324—326). — Gemeinnütziger Kalender für das Jahr Christi 1909 (Eutin,
G. Struve) S. 41 —50.
5) Abgedruckt von Martin, Jahrbuch f. Gesch. Elsass-Lothringens 18, 137. Ähnlich
ist die 67. H istorie im E ulenspiegel (Montanus, Schwankbücher S. 649 nr. 58. Aurbacher,
Volksbüchlein 1879 1, 129), wo die alte Bäurin die auf ihrer H ochzeit gefundene Geld­
tasche behalten darf, w eil E ulenspiegel nicht weiss, dass sie eben von neuem H ochzeit
gehalten hat.
6) G. J. B o e k e n o o g e n , Nederlandsche sprookjes en vertelsels Nr. 97— 117 (Volks­
kunde 19, 2 2 —30. 61— 67. 106 - 1 0 8 ). — Zu nr. 97 (19, 23), wo der Räuber seinem Opfer
auf dessen Bitte ein paar Löcher in den Hut schiesst, vgl. oben 17, 3 3 4 1 und Guarna,
Bellum gram maticale ed. Bolte 1908 S. *24 nr. 230. — 98 (19, 24) Sohn unerkannt er­
mordet, vgl. R. Köhler 3, 185. Blätter f. pomm. Volksk. 10, 20. — 100 (19, 26) Räuber
als Frau verkleidet, s. Wickrain, Werke 3, 3 8 4 2. — 107 (19, 63) das m utige Mädchen im
Beinhause, s. oben 16, 294 nr. 33. — 108 (19, 63) zwei Diebe auf dem Kirchhofe er­
schrecken Pastor und Küster, s. Wickram 3, 378 und Chauvin, Bibliogr. arabe 8, 107.
7) J. F. V i n c x , Sagen, legenden, sprookjes en geschiedkundige bijdragen uit het
H ageland; bloem lezing uit het tijdschrift ‘D e H agelander’ 1893— 1901. Lier, J. Van In
1906. 309 S.
Bolte:
458
jü tisc h e n L a n d v o lk e a b g e la u sc h t
und m it v e rsch w in d e n d en A u sn a h m en
se lb e r zu
P a p ier geb rach t. W ie G. C h r i s t e n s e n 1) in e in em B e r ic h te h ervorh eb t, g ib t K.
den T on u n d A u sd ru ck je d e s E rzäh lers treu w ied er, w a s um so sc h w ie r ig e r war,
a ls er n ich t ste n o g r a p h ie r te
un d je d e W ie d e r h o lu n g e in e s M ärchens
k le in e V e r ­
sc h ie d e n h e ite n im V ortrage a u fw eist. N ur ein M ann, d er v ö llig m it dem D e n k en
und F ü h le n , w ie m it der M undart se in e r H e im a tg e n o sse n vertraut w ar, k on n te
d ie se F ü lle von Ü b er lie fe r u n g e n z u sa m m e n b rin g e n .
D ie V e r e in ig u n g m it den
ü b er
1000 N u m m ern
u m fa sse n d e n
h sl. S a m m lu n g en S v e n d G ru n d tvigs
und J e n s »
K am ps g ib t so m it der F o rsch u n g ü b er d ie d ä n isch en M ärchen e in e ä h n lic h u m ­
fa sse n d e G ru n d lage, w ie sie für d ie d ä n isch en V o lk s lie d e r b e r eits e x istie rt. —
Ü b er d ie m ärch en h aften Z ü g e in d en n o r w e g isc h e n S a g en , d ie m it F in m ark en
Z usam m en hän gen , h a n d e lt au sfü h rlich M oltk e M o e 2).
In E n g l a n d h at S. M o r r i s o n 3) u n s e in e V e r sio n d e s R u m p e ls tilz c h e n
(G rim m 5 5 ), d ie d en R ie s e n M ollyn d roat, d. i. M yl yn druaigh t, D r u id e n k n e ch t
n enn t, a u s d er In se l M an, un d S y n g e 4) e in M ärchen au s Arran, das d ie Stoffe
von S h a k e sp ea r es C y m b elin e u n d K aufm ann v on V e n e d ig v erb in d e t (g le ic h
C am p b ell nr. 18; s. R . K ö h ler 1, 2 1 1 ), v«rgefü h rt.
D ie se it la n g e r Z eit vergriffen e
V e rd eu tsc h u n g irisc h e r E lfen m ä rch en durch d ie B rüder G r im m is t v o n J. R u t z 5)
ern eu ert w ord en .
S a m s o n 6).
Z w e i Z igeu n erm ärch en au s W a le s un d B la c k p o o l v erö ffen tlich te
F r a n k r e ic h .
Ü b er
A. M a d e l a i n e , A u bon
das nur w e n ig e e ch te M ärchen e n th a lten d e B uch von
v ie u x te m p s 1 (C aen 19 0 7 ) is t ob en S. 233 b erich tet
w ord en .
In der R e v u e d es trad ition s p o p u la ir e s7) fin d en w ir w ie d e ru m ver­
sc h ie d e n e M ärchen a u s d er B r eta g n e u n d änd ern P ro v in z en ; darunter z. B. z w e i
V a ria n ten d e s sin g e n d en K n o c h e n s, das B rüd erm ärch en , D ro sselb a rt, L ieb w ie das
S alz,
d as
M äd ch en
ohne
H än d e,
den
h.
J u lia n ;
d ie T r a d itio n 8)
S c h w ä n k e au s der N o rm a n d ie un d L a n g u ed o c v on D ü m m lin g e n
P faffen , der K öpfe m a c h e n k on n te (W ick ra m 3, 386 nr. 79).
brin gt
und
e in ig e
v o n d em
I t a l i e n i s c h e S ch w an k m ärch en un d T ie r fa b e ln b e g e g n e n u n s in P itr es
A r c h iv io 9), darunter 24, 35 der E u le n s p ie g e ls c h w a n k ‘D a n a ch e s fä llt’ (o b en 16,
305 nr. 4 5 ), 24, 81 d er W e ttla u f v o n F u c h s und F ro sch , der L iste n sa c k der K atze,
1) G. C h r i s t e n s e n , Evald Tang Kristensens eventyrsam ling (Danske studier 1908,
53—55).
2) M. M o e , Eventyrlige sagn i den teldre historie (A. Helland, N orges land og folk
20, 2, 565— 665. Kristiania 1907).
3) Sophia M o r r is o n , The lazy wife, a Manx folk-tale (Folk-lore 19, 78—83).
4) S y n g e , The Aran islands. Dublin 1907.
5) Brüder G r im m , Irische Elfenmärchen, hsg. von J. Rutz. München, R. Piper & Co.
1906. CXXIIJ, 224 S. 3 Mk.
6) J. S a m s o n , W elsh gypsy folk-tales nr. 2: The beautiful hill (Journal of the Gypsylore society n. ser. 1, 149—156). — The ‘German Gypsies’ at B lackpool (ebd. 1, 111—121).
7) E. V a u g e o i s , Contes et legendes de la H aute-Bretagne 6 8 —71 (Revue des trad.
pop. 22, 112— 119). — F. Le B i h a n , J. F r i s o n u. a., Contes et legendes de la BasseBretagne 5 1 - 7 1 (ebd. 22, 22— 29. 78—80. 132 f. 2 6 9 - 2 7 2 . 3 1 0 - 3 1 4 . 371— 373. 4 0 3 - 4 0 7 ) .
— F. P e t i g n y , Contes de la Beauce et du Perche 26 (ebd. 22, 326—326). — J. F il i p p i ?
Contes de l ’ile de Corse 7— 11 (ebd. 22, 1 2 1 -1 2 4 . 321— 323). — P. S e b i l l o t , Moitie de
coq (ebd. 22, 433—440).
8) G. C a r n o y , Contes de N orm andie (Tradition 21, 213—215). — A. P e r b o s c ,
Contes de la vallee du Lambon (ebd. 21, 1 9 3 —205).
9) A. B a l l a d o r o , N ovelline facete del popolo veronese (Archivio delle tradiz. popolaii
24, 29—38). — P . F a b b r i, F avole raccolte sui monti della Toscana (ebd. 24, 81—84).
Berichte und BücheraDzeigen.
459
d a s M is sg e sc h ic k d e s W o lfe s , der S ch atz im W e in b e rg e . — Z w e i u n g a r i s c h e
C y m b e lin e -M ä r c h e n w e ist F rau R o n a - S k l a r e k 1) n ach (v g l. ob en S. 2 2 8 ); w ie
K a t o n a an d eu tet, g e h e n d ie s e v ie lle ic h t a u f d ie 1552 g e d ic h te te u n g a risc h e H isto rie
v om H eld en F ra n cisco u n d se in e r G em a h lin zurück. — E in e am ü san te S am m lun g
von 2 5 0 S ch w än k en der Z i g e u n e r v erd a n k en w ir d em rü h rigen F o rsch er K r a u s s 2),
der leid e r se in e Q u e lle n nur su m m arisch v e rz eic h n e t.
G ro sse n te ils ist e s in te r ­
n a tio n a le s Gut, w a s h ier d ie Z ig eu n er rep rod u zieren ; vgl. z. B. S. 111 ‘D e r h.
L e b e la n g ’ m it W ick ra m s R o llw a g e n b ü c h le in nr. 4 3; 144 den v e rw a n d e lten E s e l
m it R . K öh ler 1, 5 0 7 ; 173 drei W a h r h e iten ü b er den W o lf m it M ontanus, S ch w a n k ­
b ü ch er S. 5 9 9 ; 202 d em B a u er fe h lt ein E se l m it F rey, G a rte n g e se llsc h a ft 1895
S. 282,
A r a b i s c h e un d h i n t e r i n d i s c h e E rzäh lu n gen hat u n s w ie d e ru m der g e le h r te
F o rsch er B a s s e t 3) zu gefü h rt.
w e rtv o lle G abe.
A u s I n d i e n erh alten w ir durch J. H e r t e l 4)
e in e
D e r 1088 g e b o r en e Jain a-M ön ch H em acand ra hat n eb en gram m a­
tisc h e n un d a sk e tisc h e n W e rk en auch e in e g r o sse L eg en d e n d ic h tu n g (vor 1173)
ab g efa sst, deren A n han g, das P ariSistap arvan , d as L eb en d er jin istisc h e n P atriarchen
e b e n fa lls im h e r o isch en V e rsm a ss b eh an d elt.
V o n d ie se m z ie m lic h g e n a u zu
d atieren d en B u ch , das durch d ie M en ge sa g e n - und m ärch en h after Z üge für die
G e sc h ic h te der altin d isc h e n E rzä h lu n g ssto ffe se h r w ic h tig ist, hat H e ite l etw a d ie
H älfte, n ä m lich a lle s, w a s d em erw äh n ten Z w e c k e d ie n lic h ist, in d eu tsch e P ro sa
ü b ertragen und durch e in e B io g ra p h ie H em acand ras, e in e S k izz e der J a in a -R e lig io n
und so r g sa m e P a r a lle le n -N a c h w e ise erläutert.
W ir finden h ier d ie durch R ü ck er t
je d e m g e lä u fig e B arlaam p arab el vom H on igtrop fen ,
le g e n d e (R . K ö h ler 2, 173),
den M u sc h e lb lä se r
e in e V arian te
(o b en Hi, 2 6 0 ),
zur
den
G regoriu sN e id isc h e n ,
der b e id e A u gen verliert, d en K n ab en k ön ig, das G iftm äd ch en , d ie verbrannten
W a n z e n (o b en 16, 28 6 ), j a auch m eh rere E p iso d e n d e s u n sern L e se rn durch
H ertels V e rd eu tsch u n g (o b e n S. 70) vertrauten k a sch m ir isc h e n V o lk sro m a n s vom
k lu g en V e zie r: d ie Z eichenb otschal't, den Sp an gen rau b und das G ottesu rteil, ferner
d ie em p fin d sa m e K ön igin un d d ie un d an k b are G attin. H er tels A rb eit eröffnet ein e
B ib lio th e k m o r g en lä n d isc h e r E rzä h lu n g en , von der w ir nach ein em so trefflich en
B e g in n e v ie l G utes erh offen.
—
W e n ig er der W isse n sc h a ft a ls
der U n terh altu n g
so ll e in e von F. B . [B le i? ] v era n sta ltete L e se in d isch er, c h in e sisc h e r, ja p a n isch er,
arab isch er un d an d erer o r ie n ta lisc h e r E rzä h lu n g en und G e d ic h te 5) d ien en , d ie a u f
sy ste m a tisc h e A n ord n u n g und lite ra r h isto r isc h e E in fü h ru n g v erzich tet.
B e i der
A u sw a h l hat der W u n sc h m itgew irk t, a u sse r un bestreitbar S c h ö n em rech t pik an te
R a ritä ten zu b ie ten ; e ig e n tlic h e M ärchen fe h le n ; d ie b e ig e fü g te n Illu str a tio n e n
b eton en den e ro tisch en C harakter a llz u au fd rin glich un d w ären b e ss e r fort­
1) E. R o n a - S k l a r e k , Cymbeline in Ungarn: Aschenhans, ein ungarisches Volks­
märchen (Jahrbuch der deutschen Shakespeare-G esellschaft 44, 118—125). — L. K a t o n a ,
Zwei ungarische Cym beline-M ärchen und ihre nächsten Verwandten (D ie Karpathen
1, 561 f.).
2) F. S. K r a n s s , Zigeunerhumor, 250 Schnurren, Schwänke und Märchen. Leipzig,
Deutsche V erlagsactiengesellschaft 1907. X V I, 235 S. 2 Mk. (Der Volksmund 9 —10).
3) R. B a s s e t , Contes et legendes arabes 7 2 5 - 7 3 4 (Revue des trad. pop. 22, 6 9 - 7 2 .
215—221). — Contes et legendes de l’Extreme-Orient 102—105 (ebd. 22, 124 —126. 400).
4) Ausgewählte Erzählungen aus H e m a c a n d r a s Parisistaparvan, deutsch mit Ein­
leitung und Anmerkungen von Johannes H e r t e l . Leipzig, W. H eim s 1908. XT, 272 S.
(Bibliothek morgenländischer Erzähler 1).
5) Blühende Gärten des Ostens,. 78 Erzählungen, Gedichte und Schwänke aus den
Literaturen des Orients. Leipzig, J. Zeitler 1907 . 238 S.
Bolte, Petsch:
4C0
g e b lie b e n .
—
A us der G egen w art stam m en
g e z e ic h n e te n 22 V o lk ser z ä h lu n g e n .
(G rim m 72), 3 u n d an kb arer T ig e r
d ie von O ’ C o n n o r 1)
in T ib e t
Ic h n o tie re darunter nr. 2 T ig e r
(R . K ö h ler 1, 5 8 1 ),
au f­
u n d M en sch
4 S oh n d e s B etrü g ers m it
e in em A ffen verta u sch t (F re y , G a rte n g e se llsc h a ft S. 27 9 ), 13 T ig e r ersch reck t
(B e n fe y , P an tsch atan tra 1, 5 0 5 ), 18 B e u te dem D ie b a b g e lis te t durch e in ze ln h in ­
g e le g te S ch u h e (R . K ö h ler 1, 2 1 0 ), 2 0 S ch ild k rö te u n d Affe (B e n fe y 1, 4 2 6 ), 22
D o k to r A llw isse n d und d as tapfre S c h n e id e r le in (G r. 98. 20 ).
V o n a f r i k a n i s c h e n E rzä h lu n g en se ie n n eb en C o l a n c o n s 2) m a d a g a ssisc h e n ,
b ereits b ek an n ten
S ch w ä n k en z u e rst e in ig e von F räu lein L i s s a u e r 3)
ge­
sa m m e lte k a b y lisc h e S tü ck e erw äh n t; nr. 2 ist d ie tr eu lo se M utter (R . K öh ler
1, 304), nr. 3 d ie in d e s M örders H an d in e in M en sch en h a u p t v e rw a n d e lte T rau b e
(R . K ö h ler 1, 155). P r i e t z e 4) teilt e in ig e H a u ssa -M ä rch en m it, darunter d ie an
G rim m 72 erin n ern d e B e g e g n u n g von L ö w e u n d M en sch . U n ter d en T ierm ä rch en
der W a p o g o ro in H e n d l e s 5) G ram m atik hat nr. 8 e in ig e Ä h n lich k e it m it G rim m 23 :
E lefa n t un d S tie g litz b ew irten ein an d er; der E lefa n t setzt se in e n F u ss a u f den
K och top f, da ström t F ett h erau s; a ls der S tie g litz d a s se lb e tut, verb ren n t er.
von H o f f m a n n 6) v e rö ffe n tlic h te n M ärchen
v on S ch ild k rö te
un d W ild b o c k ,
b ei
dem
der
D ie
M ossu th o en th a lten d en W e ttla u f
d ie E ier
der S ch ild k rö te
dem G egn er
antw orten, e in e V e rsio n d er zu G rim m 28 zitierten E rm ord u n g M a sc h ilw a n e s durch
den B ruder, d en T a u sc h z w isc h e n P r in z e s s und D ien erin , d en H a sen in d er L ö w e n ­
haut, d ie T ö tu n g d er F rau d e s M e n sc h e n fr e sse r s u. a.
P rob en au s d en durch H errnhuter M issio n a re a u fg e z eich n e ten E rzäh lu n gen
der s ü d a m e r i k a n i s c h e n N eg er g ib t S i e b e c k 7).
D ie 18 9 4 durch B o a s p u b li­
zierten S a g en der In d ia n e r an der O regon m ü n d u n g u n tersu ch t K ö h l e r 8) a u f ih re
S te llu n g zur e p isc h e n K unst, zum G eisterg la u b en , Z au b erglau b en , T o te m is m u s und
b eso n d eren M ärch en m otiven .
A n d ere A rbeiten ü b er
d ie in d ia n isch en T rad ition en
sin d im Journal o f am erican fo lk lo re n ie d e r g e le g t o d er v e rz eic h n e t; ich erw äh n e
d a v o n nur S w a n t o n s 9) P la n , e in e Z u sa m m en ste llu n g sä m tlich er u rsp rü n glich er
M yth en A m erik a s in k n app er oder au sfü h rlich er G esta lt zu b e w e r k ste llig e n . —
U m so
g r ö sse r e s In te r e s se
e rr eg e n
d ie
in
d e r se lb en Z e its c h r ift10)
ab ged ru ck ten
1) W. F. O ’ C o n n o r , Folk-talcs from T ibet collected and translated. London, Hurst
and B lack ett 1906. V III, 176 S.
2) M. C o la n Q o n , Legendes et contes de M adagascar 1—3 (Revue des trad. pop.
22, 145— 163).
3) A. L i s s a u e r , Vier kabylische Fabeln utid Märchen (Zeitschrift f. Ethnologie 40,
5 2 9 - 5 3 5 ).
4) R. P r i e t z e , Tiermärchen der Haussa (ebd. 39, 916—939).
5) J. H e n d l e , Die Sprache der W apogoro, D eutsch - Ostafrika (Archiv für das
Studium deutscher Kolonialsprachen 6, Berlin 1907. S. 5 5 —72: Erzählungen). — V gl.
B. S t r u c k , Eine Geschichte der Wanyaruanda (oben S. 188—191).
6) C. H o f f m a n n , W as der afrikanische Grossvater seinen Enkeln erzählt, Fabeln
und Märchen aus N ord-Transvaal. Berlin, Buchh. der Berliner ev. M issionsgesellschaft
[1907]. 66 S.
7) H. S i e b e c k , Buschnegerm ärchen aus Surinam (H essische Bl. f.Volkskunde 7 ,1 0 —16).
8) J. K ö h l e r , Märchen der Tschinuk (Studien zur vergleichenden Litgesch. 7 ,3 8 5 —389).
9) J. R. S w a n t o n , A concordance of american myths (Journal of american folk­
lore 20, 220 —222).
10)
B. L. M a x f i e l d und W. H. M i l l i n g t o n , Visayan folk-tales (ebd. 20, 89—103.
311—318). — F. G a r d n e r , T agalog fo lk -ta les (ebd. 20, 104—116.
300— 310). —
A Filipino version of Aladdin (ebd. 20, 117 f.). — Clara K. B a y l i s s , Philippine folk-tales
(ebd. 21, 4 6 - 5 3 ) .
Berichte und Bücheranzeigen.
461
M ärchen der E in g e b o r en en a u f den P h i l i p p i n e n ; d en n h ie r treten u n s v ie le
w o h lb ek a n n te eu r o p ä isc h e M ärchen- un d L e g en d e n sto ffe e n tgegen , d ie g r ö sste n te ils
durch sp a n isc h e V e rm itte lu n g dah in g e la n g t sin d : der T ierb räu tigam v erb u n d en
m it d e m M otiv der fa lsc h e n B raut, den n e id isc h e n S c h w ester n od er d em D ä u m lin g ,
d ie F rosch braut, d ie S ch w an ju n gfrau , d ie m it H ilfe d e s E n ten -, R a tte n - un d E b er­
k ö n ig s g e lö s te n A u fgab en , der von H un d und K atze g e h o lte u n d verlo ren e R in g ,
d er W e ttla u f von S c h n ec k e u n d H irsch, d er g e s tie fe lte K ater (h ie r ein h ilfre ich er
Affe: 20, 108 u n d 3 1 1 ), N a rren streich e, T is c h le in d eck d ich, der vom jü n g ste n
S o h n e g e h o lte W u n d e r v o g e l, A li B ab a u n d d ie v ier zig R ä u b e r , A la d d in , der
Z aub erer u n d se in L e h r lin g , der u n g lü c k lic h e L ieb h a b er in v e r sc h ie d e n e n V e r ­
w an d lu n gen , z u letz t a ls H o lzk ä stch en , F eren an d getrü (G rim m 1 26) u. a. — In d en
v on P a r k i n s o n 1) a u f den B ism arck - un d S a lo m o in seln e in g e h e im ste n Ü b e r ­
lie fer u n g en en d lich v e rd ie n e n
Sch ild k röte,
b e so n d e re E rw äh n u n g
P a p a g e i, M ondfleck e u sw .
d ie ä tio lo g isc h e n S a g en üb er
D ie K o k o sn ü sse
h ab en
d ie
F orm
e in e s
K n a b en sch ä d e ls, w e il d ie P a lm e au s e in e m so lc h e n e n tsp ro ssen ist.
B e r lin .
«L B o l t e .
A. Deissmann, L ich t vom O sten.
d eck ten T e x te
im T e x t.
8 °.
D as N eu e T esta m en t und d ie neu en t­
der h elle n istisch -r ö m isch en W e lt.
T ü b in g en ,
M it 59 A b b ild u n g en
I. C. B. Mohr (P a u l S ie b e c k )
1908.
X , 364 S.
Mk. 12,60.
D ie V o r ste llu n g e n , m it d en en der M ann au s dem V o lk e w irtsch aftet,
flie sse n
in der H au p tsach e au s drei Q u e lle n : ein m al aus den p e r sö n lich en L e b e n s­
erfah ru ngen, u n m ittelb aren S in n e sein d r ü c k e n un d oft rech t m ech a n isc h e n , k a u sa len
V erk n ü p fu n gen d ie se r E lem e n te u n ter der E in w ir k u n g v on B erü h ru n g, Ä h n lich ­
k e it u s w .; z w e ite n s au s ererb ten o d er so n st erw o rb en en E rin n eru n gen an P e r ­
sö n lic h k eiten u n d T a tsa ch en , w od u rch sch on ein Z u sam m en h an g z w isc h e n dem
E in z eln e n und der G e sch ic h te h e r g e s te llt w ird;
e n d lich
aus
d en
e b e n fa lls ü b er ­
lie fer te n un d durch e ig e n e E rfahrung a u sgeb au ten , se lten er u m g e sta ltete n G ed an k en ­
k reisen , d ie ihn ü b er d as sin n lic h G re ifb a re hin aus an e in e ü b er sin n lic h e W e lt,
üb er d as S e ie n d e h in w e g a u f das v e r w e ise n , w a s sein k ön n te od er se in so llte ; da
aber auch h ie r von e ig e n tlic h e r S p ek u lation k e in e R e d e se in kann, so sin d d ie s e
r elig iö sen und eth isc h e n , au ch w o h l p h a n ta stisch -eu d ä m o n istisc h e n V o r ste llu n g e n
zum g rö ssten T e ile in h isto r isc h e n T a tsa c h e n veran k ert; a u f d ie c h r istlic h e n
K ulturvölk er w irkte a lso v o r z u g sw e ise der h isto r isc h e In h alt d e s N eu en T e sta m en ts
un d der son stigen , a ltch ristlich en Schriften (z. B. der H e ilig e n le g e n d e n ); d azu k am en
d ie letzten A u sstrah lu n gen d erjen ig en L iteratur, d ie e tw a g le ic h z e itig un d im A u s­
ta u sch m it dem N e u e n T e sta m e n t d ie G em ü ter b e h errsch te un d a u f m a n ch erlei
U m w eg e n un d m it v ie lfa c h e n U m b ild u n gen zu d em m od ern en V o lk g e la n g t ist,
(b e so n d e rs d ie m a g isc h e L iteratur).
T e sta m en ts
und
des
ih m
D ie
verw an d ten
u n v e r g le ic h lic h e B e d e u tu n g
Sch rifttu m s
für
d ie
d e s N eu en
g e is tig e E n tw ic k lu n g
g e ra d e d e s w e ste u r o p ä isc h e n ‘V o lk s ’ n ö tig t u n s, n a c h den B e d in g u n g e n d ie se r
W irk sa m k eit zu fragen . T a tsä c h lic h is t d ie Art und W e is e , w ie der M ann aus
1) R. P a r k i n s o n , D reissig Jahre in der Südsee. Land und Leute, Sitten und
Gebräuche im Bismarckarchipel und auf den deutschen Salom oinseln, hsg. von B. Anker­
mann (Stuttgart, Strecker u. Schröder 1907) S. 681— 720: Sagen und Märchen.
P etsch :
462
d em V o lk e im a lten O rient d ie W ir k lic h k e it a u ffa sste und m it d em Ü b e r sin n lic h e n
in V erb in d u n g setzte,
und A rbeiters
n ich t
so
stark v e r sc h ie d e n von
der d e s m odernen B auern
(in sb e so n d e r e b is e tw a zum B e g in n d e s 19. Jah rh u n d erts) a ls etw a
d ie W e lta n sc h a u u n g e in e s A r isto tele s von der e in e s m odernen D e n k er s. U n d so
findet das N e u e T e sta m e n t bei der u n teren und m ittleren S c h ic h t der m odernen
K u ltu rvölk er im m er w ie d e r e in en fruchtbaren B o d e n , den e s fr eilic h zu m g r o sse n
T e il durch jah rh u n d ertela n g e E rzieh u n g
hat
sch affen
h e lfe n ,
in
dem
aber
nun
z a h llo s e K eim e frisch en L e b e n s sch lu m m ern , d ie g e ra d e von ih m zur E ntfaltun g
g eb rach t w erd en w o lle n ; das v erw irk lich t sic h n ich t v e rm ö g e d e s h isto r isc h e W e rte s,
son d ern d e s u n v er g ä n g lich en , m e n sc h lic h e n , ech t v o lk stü m lic h e n G eh a lts der h e ilig e n
S ch riften .
D ie s e fr isch e V o l k s t ü m l i c h k e i t d e s ü b er w ie g en d e n T e ils der S ch riften d es
N e u e n T e sta m en ts nach G eh a lt un d F orm w irk lich im P rin zip anerkann t und
n a c h g e w ie se n zu h ab en , ist das V e r d ie n st der jü n g ste n E n tw ic k lu n g sp h a se der
h isto r isc h e n T h e o lo g ie . S o la n g e m an in den J e su sre d e n d e s J o h a n n e se v a n g e liu m s
‘G ed an k en fortsch ritt’, im
J a c o b u sb r ie f D isp o sitio n ,
b e w u sst d o g m a tisc h e B e le h r u n g
su ch te
un d
in
ih re F orm
den
E p iste ln
m it
der
d es
P a u lu s
lite r a r is c h e n
E p isto lo g ra p h ie u sw . d e s H e lle n is m u s in V e rb in d u n g se tzte , kam m an ih rem in n ersten
W e se n un d ih rer W irk u n gsk raft n ich t b ei.
D ie p h ilo lo g isc h e F o rsch u n g hat
d ie se n B an n g eb r o ch en .
AVährend m an in der S p rach e d e s N e u e n T e sta m en ts
n o c h b is vor k u rzem e n tw e d e r e in e E ntartun g der h e lle n istisc h e n S ch riftsp rach e
sah, oder d as ‘n e u te sta m e n tlich e G rie ch isch ’ m it se in e m u n g ew o h n ten W ort- und
F o rm en sch a tz a ls ein E r ze u g n is e in e s e n g eren K r e ise s für se in e b eso n d eren B e ­
d ü r fn isse b etra ch tete u n d d ie b egriffs- und d am it w o r tb ild e n d e K raft d e s C h risten tu m es p ries, tritt je tz t d as N e u e T e sta m e n t au s se in e r b ish er ig en , sp ra ch lich en
un d b e g r ifflich en , sa c h lic h e n und r e lig iö s e n V e r e in z e lu n g h era u s; lern en w ir doch
d ie S p rache u n d A n sc h a u u n g sw e ise der u n teren u n d m ittleren S ch ich ten d es V o lk e s
in der g r o sse n h e lle n istisc h -r ö m isc h e n K u ltu rw elt im m er b e sse r kejm en, aus der das
C h ristentu m h era u sg eb o ren ist; d ie se S p rache finden w ir n ich t in den W e rk en der
H öh en literatu r und kau m in d en A n sp ie lu n g e n der K om ik er: s ie tönt uns w ied er
aus In sch riften und K ritzeleien a u f G rab stein en u n d W än d en , au s P a p y ru sfetzen ,
w o r a u f e in L o h n sc h r eib er e tw a im A ufträge e in e s ein fa ch en M an n es ein en B r ie f an
d e ss e n F rau sc h r ieb un d der A u ftraggeb er, äh n lich w ie d er A p o ste l P a u lu s, m it
u n g ele n k er A rb eiterh an d e in e
um
den
geben;
fernen L ie b e n
en d lich
p e r sö n lich e U n tersch rift m it ein em G ru sse
noch
finden w ir
etw a s U n m itte lb a r es
sie a u f d en S ch erb en ,
M annes, w o r a u f er R e c h n u n g e n n ie d e rsch rieb
lie ss ;
a u f G rund
ta u c h e n d en ,
d ie se r,
u n sch ein b a ren
in
d en
letzten
D o k u m e n te
von
an fü gte,
se in e r P er sö n lic h k e it zu
dem S ch reib gerät
des
k lein en
od er sic h S te u e r le istu n g en q u ittieren
Jah rzeh n ten
e n d lic h
lä sst
in
sic h
u n g ea h n ter F ü lle
e in e
w ir k lic h e
au f­
sp ät­
an tik e V o l k s k u n d e in A ngriff n e h m e n ; un d v o n h ier aus kann denn auch das
N e u e T e sta m en t, d a s in der S p rach e d e s g e m e in e n M an n es zu ih m se lb e r spricht,
das A lltä g lic h e s in der S p rach e d e s M ark tes, H e ilig e s in der R e d e w e is e der
m a g isc h e n S p rü ch e d e s H e lle n ism u s b eh an d elt, in se in e r E igen art und se in e r
W irk sa m k eit erst rech t b e leu ch tet w erd en .
E s ist das g r o sse V e rd ien st von
D e i s s m a n n , d a ss er d ie E r g e b n isse der A u sgrab u n gen u n d B earb eitu n gen d es
w e itsch ich tig e n M aterials a u f G rund e ig e n e r, lan gjäh riger E in z elfo r sch u n g en und
unter den E in d rü ck en ein er a u sse ro r d e n tlich e r g ieb ig en F o rsc h u n g sr e ise vom F rü h ­
jah r 190G in ein er reifen , klaren , auch d em g e b ild e te n L a ien v erstä n d lich en und
von starkem M item pfind en d er r e lig iö s e n S tim m u n gen d e s U rch risten tu m s w o h l­
tu en d erw ärm ten D a r ste llu n g u n s v o r g e le g t hat.
Er v e rg leic h t so r g fä ltig den
Berichte und Bücheranzeigen.
463
W ortsch atz d es N e u e n T e sta m en ts m it d em der neu eröffneten U rk u n d en ; er lä sst
un s m it H ilfe so rg fä ltig er R ep ro d u k tio n , U m sch rift un d V e r d eu tsc h u n g z a h lre ich er
P riv a tb riefe in d ie S e e le d e s h e lle n istisc h e n M en sch en tiefe E in b lick e tun un d offenbart
dab ei für d en S ch m erz e in e s v erlo ren en S o h n e s so v ie l fe in e s V e rstä n d n is, w ie für
d ie n a iv e F re ch h e it e in e s u n geraten en S c h lin g e ls ; er w e ist den E influss g e w is s e r V o r­
ste llu n g e n d e s V o lk sr e c h ts a u f d ie r e lig iö s e B eg riffsb ild u n g d e s P a u lu s nach,
z e ig t d ie g e g e n sä tz lic h e E in w ir k u n g d e s r ö m isch en C äsarenk ults a u f d ie V o r ­
ste llu n g e n v o n d em ‘H errn’ un d ‘G o ttesso h n ’ J e su s C h ristu s und w e iss doch
en d lich das E ig en a rtig e und N e u e an der P re d ig t d e s E v a n g e liu m s h ervorzu h eb en .
E r findet e s in der für e in e so a u sgep rägt p o ly th e istisc h e und in ihrer V ie lg ö tte re i
verä n g stig te Z eit b ed eu tsa m en P red ig t d e s ein en , leb en d ig en G ottes, in dem K ult
d es ein en , leb en d ig en J e su s, in der E rw artu n g se in e r z w eite n P aru sie und vor
a lle m
in
d e m u n erb ittlich en ,
sittlic h e n E rnst
d e s C h risten tu m s,
se in e r
frisch en ,
so z ia le n E thik . D a s sin d d enn auch d ie E lem e n te , von d e n e n d ie B ed eu tu n g der
E v a n g e lie n für das V o lk sle b e n der N e u z e it b ed in gt ist, un d w ie sie se lb st die
h ö c h ste und e d e lste B lü te v o lk stü m lic h -r e lig iö se n E m p fin d en s d er antiken K ultur­
w e lt sin d , so h a b en s ie z u g leic h , b e i d er w e ltg e sc h ic h tlic h e n B e d e u tu n g d ie se r
E p och e, e in en g e w isse r m a s se n ab so lu ten , h u m anen, über d ie z e itlic h e n und
n ation alen G ren zen h in a u sreich en d en W ert. U nd so b e ste h t z w isc h e n der n e u t e s ta m e n tlic h e n F o r s c h u n g u n d
d er V o lk s k u n d e
ein b efr u c h ten d e s W e c h s e l Verhältnis;
hat
V o lk sk u n d e
„S ie
sein ,
e in e
h oh e V o r ste llu n g ;
älterer u n d n eu erer Z eit
d och D e issm a n n se lb st von der antiken
d arf n ich t
d ie u n s u n se re n K ontrast zum A ltertum
e in e K u rio sitä ten sa m m lu n g
em fin d en
lässt,
son dern
sie
m u ss
rek o n stru ieren d e V o lk s p s y c h o lo g ie sein , d ie u n s u n seren b leib en d en K ontakt m it
dem A ltertum leh ren w ir d “ (2 9 3 ). W ie fruchtbar a lso d ie v o n D e issm a n n h ier
vorläu fig zu sa m m e n g e fa ssten , m an n igfach gefö rd erten un d in ih ren T e n d e n z e n g e ­
klärten S tu d ien für e in e sch ärfere E rfa ssu n g d e s V o lk s le b e n s in se in e n T ie fe n
w erd en m ü sse n , w ie w e it sie , um nur ein B e is p ie l zu n enn en , d ie B ed in g u n g en
der L e g e n d e n b ild u n g und L egen d en fortp flan zu n g erk lären h e lfen , d avon so ll hier
n ic h t d e s w eiteren - d ie R e d e sein .
D och ist n och d arau f h in z u w e ise n ,
d ass
e in ze ln e T e ilg e b ie te u n se re s F a ch es
durch D e issm a n n s B u ch r e ich lic h g eförd ert w erd en ;
au f d ie sp ra c h g e sc h ic h tlic h e n
K ap itel w u rd e sc h o n h in g e w ie se n ; die A u fn ah m e und U m sch m elzu n g von B egriffen
un d T e rm in i d e s r ö m isch en C äsaren k u lts (P a ru sie-A d v en t, E pip h an ie, G o ttesso h n ­
schaft, H err, K ön ig der K ö n ig e u sw .) leh rt m it p arad igm atisch er K larh eit ä h n lic h e
W a n d lu n g en v e rste h e n ; n ich t b lo ss d ie e ig e n tlic h e G e sch ic h te der v o lk stü m lic h e n
R e lig io n e n , auch d ie E n tw ick lu n g der H e ld e n sa g e kann von h ier au s b eleu ch tet
w erd en .
V o lk stü m lic h e F lu c h - und S e g e n sfo r m eln , ja S ch eltred en w irk en a u f den
b ib lisch en Stil, ja, w ie e s sc h e in t, a u f d ie ‘L a ste r k a ta lo g e ’ der P a u lin isc h e n B riefe
hin über.
un d
V o r a lle m b ed eu tsam a b er ist d ie A u sb eu te der m od ern en A u sgrab u n gen
E in z elfo r sch u n g en
für
d ie
G esch ic h te
der M a g ie ;
B uch m it se in e n r eich lic h e n L iteratu ran gab en
D e r w ic h tig ste N a c h w e is aber ist
d ieser,
d a ss
ü b er
den
h ier
w e ist D e issm a n n s
e ig e n e n R a h m e n h in au s.
das C h ristentu m
n ich t
b lo ss
der
M agie fe in d se lig g e g e n ü b e r g etr ete n ist, w ie denn in E p h eso s a u f d ie P re d ig t d es
P a u lu s h in Z au b erb ü ch er in g r o sse n M a ssen h e r b e ig e sc h lep p t und verbrannt
w urd en , Z aub erbü ch er, von d en en u n s D e issm a n n reich e P rob en g ib t und erklärt;
v ielm eh r hat z. B . d ie a p o k a ly p tisc h e L iteratur m a g isc h e K unstgriffe, w ie d ie
Z a h le n sp ieler e ie n , d ie G em atria d es H eid en tu m s m it v e rw en d et (O ffb. Joh . 13, 18);
vor a lle m aber „geh ört e s m it zu den K en n z eic h e n der g r o sse n V o lk stü m lic h k eit
P a u lin isch er M issio n sm e th o d e, w enn w ir in den P a u lu sb r ie fen an m eh reren Stellen
464
Petsch, Meyer:
e in en G eb rau ch v e rw e r tet finden, der d em V o lk sem p fin d e n b e so n d e rs g e lä u fig un d
v e rstä n d lich ist,
n ä m lich d ie t e c h n i s c h e n W e n d u n g e n
m a g i s c h e n S p r a c h e “.
u n d d en T o n fa ll d er
D e issm a n n hat d as an der G e sc h ic h te e in zeln er F o rm eln
n a c h g e w ie se n ; un d d ie s e v ie lfa c h g e w is s ü b er r a sc h e n d e T a tsa c h e erklärt u n s e in e
an d ere: n e b e n un d unter d e m sp äteren , sta a tlich a u torisierten C h ristentu m lie g t
e in e b e so n d e r e S c h ic h t r e lig iö s e r L iteratur, d ie u n v er fä lsc h te s,
h e id n is c h e s
M agiertu m u m so rein er fortpflanzt, a ls d ie K irch e fr ü h z e itig (e tw a durch d as
E d ictu m G ela sia n u m ) d ie M isch p rod u k te d ie se r ap ok ryp h en S ch riften zu r ü c k w ie s,
in d en en frem d e E le m e n te m it e ig e n tlic h
c h r istlic h e n
v e r sc h m o lz e n
w u rd en ;
sie
erfu hren e in e N e u b e le b u n g durch den N e u p la to n ism u s der R e n a iss a n c e und d en E in ­
flu ss der g r o sse n N a tu rp h ilo so p h en D e u tsc h la n d s zur Z e it d er R e fo rm a tio n ; an
A lb ertu s M agnus, P a r a c e lsu s u sw . knüpft d ie ‘G eh eim litera tu r’ an, d ie sic h b e i
u n se re m L a n d v o lk e in m erk w ü rd ig er E n tstellu n g erh ält u n d so w e n ig au szu rotten
ist w ie d ie A m u le tte , d ie H im m e lsb r ie fe , S c h u ss se g e n un d d e r g le ic h e n .
W as
d ie se r Art von L iteratur e in e a b e r g lä u b isc h e S c h e u sic h e rt u n d d en G lau b en an
ih re W irk sam k eit
g e h a lten en ,
das
stärkt,
G em ü t
is t
des
g e ra d e
d ie B erü h ru n g
ein fa ch en
M an n es
ih rer
se it u ralter Z eit
fe sse ln d e n
A n sc h a u u n g s-
fe st­
und
A u sd r u c k sw e ise m it den für e in e u n g e b ild e te P h a n ta sie im m er so ü b era u s a n ­
z ie h e n d en , m y stisc h e n P a rtien d e s N e u e n T e sta m en ts. D a v e re in ig en sic h z w e i
S tröm e, d ie e in st d ie g le ic h e Q u e lle g e s p e is t hat u n d d ie nun ein en so gan z ver­
sc h ie d e n e n V e r la u f g e n o m m en h a b en ; ‘S y m p a th ieb ü c h e r ’ und d e r g le ic h e n em p fan gen
e in e h ö h er e B e g la u b ig u n g d u rch d ie verw an d te S p rach e d e s N e u e n T e sta m en ts,
und d as B ib e lb u c h se lb e r w ird oft g e n u g m it ein er S tim m u n g a u fg e sc h la g e n , d ie
durch je n e m y stisc h e L iteratu r zu m g u ten T e il erz eu g t oder d o c h g en ä h rt ist; so
benu tzt s ie der M ann o d er d ie F rau au s d e n un teren u n d m ittle re n S c h ic h te n der
B ild u n g zu W e is sa g u n g sz w e c k e n ,
zu
san itärer und w ir tsch a ftlic h e r B era tu n g u sw .
W ird m an sich d ie se r W e c h se lw ir k u n g b e w u sst, so fä llt d as r e ic h ste L ich t a u f
d ie w u n d erb are Z w ie sp ä ltig k e it je n e r r e lig iö s e n V o lk slite ra tu r, an der d ie w is s e n ­
sc h a ftlich e V o lk sk u n d e am w e n ig ste n vo rü b erg eh en darf.
D e n n trotz d e s K anon s
u n d trotz a lle r k ir ch lic h e n K o n tro lle, ja sp äterhin zu m g r o sse n T e il u n ter dem
S ch u tze der K irch e u n d u n ter der T e iln a h m e der v o lk stü m lic h e n E le m e n te in der
G e istlic h k e it (d ie ja auch für d as V o lk s sc h a u sp ie l d e s M ittelalters hervorragen d
w irksam w aren ), h at „ d ie P rod u k tion v o n V o lk slite ra tu r im C h risten tu m n ie m a ls
w ie d e r
aufgehört.
S ie
geht
oft
a ls
e in e Art u n terird isch en
W in k e l- und K o n v e n tik e lsch rifttu m s durch d ie Jah rh u n d erte,
b ek an n ten la tein isc h e n V u lg ä r te x te ,
Sch rifttu m s
oder
von d e m ersten u n s
d em K anon M uratori und d en z a h lre ich en als
apok ryp h gebrandm arkten E v a n g e lie n ,
A p o ste lg e sc h ic h te n
und O ffenbarungen
der
E p ig o n en zu den M ärtyrerb ü ch lein , H e ilig e n le g e n d e n u n d P ilg erfa h rten , un d v o n
d en g ed ru ck ten P o stille n , T rö stern u n d T raktaten b is z u der u n ü b erseh b a ren
V ie lsp r a c h ig k e it der m od ern en E rb au u n gs- un d M issio n sliter a tu r “ (S. 175).
D e issm a n n hat der h isto r isc h g e rich tete n V o lk sk u n d e te ilw e is e n e u e B ah n en
u n d A u fgab en z u g e w ie s e n , vor a lle m e in e F ü lle von M aterial an d ie H and g e ­
g e b e n , e in z e ln e F ra g en g e ste llt un d ihre L ö su n g u n tern om m en ; so w ird d enn se in
v o r z u g sw e ise d em T h e o lo g e n g e w id m e te s, in h a ltr eic h e s und m e th o d isc h k lares,
ü b rig en s von der V e rla g sb u c h h a n d lu n g g lä n z en d a u sg esta ttete s W e r k au ch in
u n seren K re isen dankbar w illk o m m en g e h e is s e n w erd en .
H e id e lb e r g .
R o b er t P etsch .
Berichte und Bücheranzeigen.
465
Troels-Lund, H im m elsb ild und W eltan sch au u n g im W a n d el der Z eiten .
A u to risier te,
3. A u flage.
vom
Y erf.
d u rch geseh en e
Ü b ersetzu n g
L e ip zig , B. Gr. T eu b n er, 1908.
vo n
L eo
B loch .
Y, 286 S., g eb . 5 Mk.
T r o els-L u n d s sc h ö n e s B u ch hat e s in K ep lers V aterlan d zu n ic h t g e rin g e re m
A n seh en g eb rach t a ls in d em T y c h o d e B rah es. D ie e ig e n tü m lic h e V erb in d u n g
p o e tisc h e r A u ffa ssu n g m it w iss e n sc h a ftlic h e r V e rtie fu n g ist d ie a u sre ich en d e U rsach e
d ie se s E r fo lg e s. U n s sc h e in t ja g e le g e n tlic h d ie V e rb in d u n g slin ie z w isc h e n K lim a
und W e lta n sc h a u u n g od er W e lta n sc h a u u n g und M oral zu rasch g e zo g e n .
D ie
In d er h ab en w o h l n ie h isto r isc h e n Sin n b e se ss e n ; so llte er (S . 4 3 ) nur in der
H itze verdorrt se in ? A b er er erfror auch b ei den E sk im o s! D ie sc h ö n e S ch ild eru n g ,
w ie im O rient
„ a lle M en sch en z u sa m m e n g e sc h a r t“ stan den,
„ K op f an K opf,
W ü sten m eer von G esich tern , so w e it das A u ge reich te, e in e b en er K reis,
n ich t der M en sch ,
der sic h für an d ere opferte,
ein
w o au ch
so n d e rlich h e r v o rr a g te “ (S. 123),
nim m t d och w o h l sy m b o lisc h e M ünze für b ares G eld und v e r g isst den K u ltu s
d es M ärtyrers A li. A b er j e n äh er w ir d er G egen w art k om m en , d esto m ehr
w e ic h t d ie w iss e n sc h a ftlic h e A stro lo g ie, d ie aus der K o n ste lla tio n d ie ird isch en
T a tsa c h e n a b leitet, e in er p s y c h o lo g is c h e n E n tw ick lu n g , z. B . der M on d m y th o lo g ie
d e s 16. Jahrhu nd erts (ach ! s ie w ar harm los n e b e n der d es 20.). H ier w ird der
V erf. au ch v o r sich tig e r im A b gren zen d er E p o ch en (S . 2 31. 2 4 3 ); h ie r tritt er,
etw a s sk ep tisch u n d d o ch n ich t o h n e g e h e im e s V ertrauen, in d ie W e lta n sc h a u u n g
der G egen w art ein.
B e r lin .
R ic h a r d
M. M e y e r .
Svante A rrhenius, D ie V orstellu n g vom W eltg e b ä u d e im W e n d e l der
Z eiten .
D as
W erd en
der W e lte n ,
V e r l a g s g e s e l l s c h a f t 1908.
W ie e in st d er P riester,
N eu e
F o lg e .
L e ip z ig ,
A k ad em .
X I, 191 S., geb . 6 Mk.
so
‘sch afft’ heut
der N atu rforsch er
d ie V o r ste llu n g
vom W e ltg e b ä u d e , w en n auch der d e m iu r g isch e U n tertitel ‘D a s W erd en der W elt,
N e u e F o lg e ’ n ich t
gan z so g ro ssa rtig g e m ein t ist,
w ie e s k lingt.
D e r berü h m te
C h em ik er und A stro p h y sik er su ch t in den alten Sagen und M yth en B erü h ru n g m it
m od ern en T h e o r ie n auf: d ie b e so n d e rs h o c h g e p r ie se n e der E dd a erinn ert ihn an
n e u e r e L eh ren v o m K ältetod (S. 4 0 ), w a s W . Jordan m it H o ch freu d e vern om m en
hätte; od er K ants A n sch a u u n g v e rg leic h t er (S. 102), e tw a in G om p erz’s W e is e ,
m it der d es A n axim an d ros. Ic h h ab e vor k u rzem (im A n sc h lu ss an den A n han g
von R u d . W a g n e r s alter Streitsch rift ‘D e r K am p f um d ie S e e le ’) ä h n lic h e V e r ­
g leic h u n g en alter und n euer, v o lk stü m lic h e r u n d w iss e n sc h a ftlic h e r K o sm o lo g ie
v o r g en o m m e n ; a lle r d in g s aber in e n tg e g e n g e se tz te r T e n d e n z : n ich t um d ie W a h rh eit
in den alten M ythen,
son dern
um
d ie M y th o lo g ie in den m od ern en W a h rh eiten
au fzu d eck en .
In d e s, d ie A u sleg u n g b le ib t ja in
je d e m F all P riv a tsa ch e.
A rrh en iu s’ B u ch
lie fe r t ihr je d e n fa lls r eic h h a ltig e s, w o h lg e o r d n e te s M aterial, das b is zu den k ü h n sten
F ragen der w isse n sc h a ftlic h e n E sc h a to lo g ie un d der e sc h a to lo g is c h e n W isse n s c h a ft
führt, ist d och in der letz ter en se it C la u siu s A rrh en ius der g e fe ie r tste M eister.
C ’ e s t du n o r d q u e n o u s v i e n t la lu m ie r e
—
auch dem b a n a u sisch en E m p i­
riker, der se in e L am p e d em N o r d lich t vorzieh t, h a b en der D ä n e und d er S c h w e d e
v ie le s zu sa g e n u n d g u te s.
B e r lin .
Zeitschr. d. Vereins f. Volkskunde. . 1908.
R ic h a r d
M. M e y e r .
30
Roediger, Bolte:
466
Karl Wehrhan, D ie S age. (H an d b ü ch er zur V o lk sk u n d e, B d. I.) L e ip zig ,
W ilh elm H e im s, 1908.
V III, 162 S.
8°.
2 Mk.
D ie v o r lie g e n d e S ch rift g eh ö rt zu den B ü ch ern , d en en m an a lsb a ld anm erkt,
d a ss e s ih rem V e r fa s se r an e in er g r ü n d lic h e n , w isse n sc h a ftlic h e n B ild u n g a u f d em
G eb iet, w ofü r er a ls L eh rer auftritt, m a n g elt. G le ich a u f den ersten S e ite n wird
u n s u n ter A u fg eb o t v ie le r b illig e r Z itate v o rgetragen , d a ss S a g e v om V erb u m
sa g e n a b g e le ite t s e i u n d u. a. e in e K u n d e v o n e tw a s b e d e u te .
„D an ach
ist
d ie
S a g e e in e K un de von E r e ig n isse n der V e rg a n g en h e it, w e lc h e e in er h isto r isc h e n
B e g la u b ig u n g e n tb e h r t.“ N a tü rlich is t s ie k e in e K u n d e, d. h. K en ntnis, son d ern
ein B erich t, e in e E rzäh lu n g, und n ic h t d ie se r B e rich t en tb eh rt der h isto r isc h e n
B e g la u b ig u n g — d enn er e x is tie r t ja , un d oft sc h o n rech t la n g e ! — , son d ern ganz
od er zu m T e il d ie E r e ig n iss e , von d e n e n er m eld et. Ü b er d ie s V erh ä ltn is von
G e sc h ic h te u n d S a g e e rg e h t sic h der V e r fa s se r sp äter — er d isp o n iert n ich t gu t —
n o ch e in m a l in v ie le n V e r g le ic h e n , und w ir ler n e n dort u. a., d a ss d ie S a g e a u f
den e ig e n tlic h e n G esch ic h tsu n te r rich t v o rb ereite un d d ie A n sä tze
e in e s V o lk e s g e b e .
„E in g e is tig to te s V o lk d ich tet k e in e S a g e n “.
g e is tig e n L e b e n s
F a lsc h ist, d ass
der S a g e „ n ic h ts zu w u n d er sa m “ se i: sie g e h t in d ie se r H in sich t d u rchau s n ich t
so w e it w ie das M ärchen. V on der H e ld e n s a g e red et der V e r fa s se r zw ar, aber
nur g a n z o b en h in . D ie W e r k e von M one, M ü llen h off, S y m o n s, J iriczek w erd en
trotz der m a ssen h a fte n L iteratu ran gab en n ich t gen an n t, W ilh e lm G rim m s H e ld e n ­
sa g e hat w e n ig ste n s ein Zitat h e r g eg e b e n .
D a g e g e n k en n t der V e rfa sse r
h u m o r istisc h e A n ek d o te n von S ie g fr ie d und H erm ann dem C h eru sk er (S . 12), d ie
er le id e r n ic h t erzäh lt, u n d n enn t — n ein , d ie se S te lle (S . 13 f.) m u ss ich gan z
h e r se tz e n : „ W ie der E fe u m it V o r lie b e an h o h em G em äu er em porran kt und
d ie s e s in fr isc h e s Grün ein kränzt, w ie d ie g lä n z en d e W o lk e . . ., w ie d ie sch on
lä n g st v e r sch w u n d e n e S o n n e . . ., so k lam m ert sic h d ie S a g e gern an h ervor­
r a g en d e m e n sc h lic h e G rössen , u m g ib t sie m it grü n en d er, le b en d e r P o e s ie , ste llt
sie u n s in g e h e im n is v o lle m b lau en S a g en d u ft dar un d lä s s t den d as V o lk b e ­
z a u b ern d en G lan z ih r es ird isch en D a s e in s n och in satten F arb en sch im m ern , w en n
s ie s e lb s t auch sc h o n la n g e , la n g e d em L e b e n e n tsa g t h ab en . S o llen w ir N am en
n e n n en ? Nur e in ig e als B e is p ie l: A r m i n . .
D a s is t sc h o n n ich t m eh r „blau er
S a g e iid u ft“, so n d ern b lau er D u n st, o d er der V e r fa sse r durfte, w ie er in ein em
and eren se in e r v e rsch w en d e risc h a u sg estre u te n B ild er sch ön sa g t (S. 12), „in den
ab gesp errten T e il d e s k ö n ig lic h e n P a rk es ein en gern g e w o rfe n e n B lic k
ersch a u en ,
w as an d eren A u g en v ersagt ist.
alten C h ro n ik “ p a ck en d
zu
erzä h len ,
d a ss
tu n “ und
S o w e iss er au ch S. 55 f. n ach „ ein er
„all
d ie alten S a g en und L ied er der
d e u tsch en V o lk s stä m m e “, d ie K arl der G ro sse „durch se in e S c h r e i b e r m ö n c h e “
hatte n ie d e rsch re ib en u n d sa m m e ln la sse n , „der F eu er k r eis von W o d a n s w ild e m
H e e r “ ergriffen u n d verb ran nt h a b e.
„ W ir w isse n a lle r d in g s, d a ss L u d w ig der
F rom m e der W od an w ar, der d ie a lten S a c h s e n sa g e n zu h e id n is c h fand u n d sie
d em F eu er to d e ü b er g a b “. S o ll „ w ir “ p lu ra lis m a jesta tic u s sein , so bin ich e in ­
verstan d en .
D e n n , u m d er p h a n ta stisch en F orm der N a c h r ich t zu g e sc h w e ig e n ,
an d ere L eu te a ls H err W e h r h a n w iss e n n ich ts von ein em V erb ren n en der
carm ina g e n tilia , w o h l aber, d a ss an der b ek an n ten T h e g a n s te lle von la tein isc h e n
D ic h tu n g en d e s A ltertu m s d ie R e d e is t (B ra u n e B eitr. 21, 5 ff. 251 f.). A b er w as
ist von ein em A utor zu erw arten, der fortw ähren d von n o rd isch en S a g e n spricht,
w o e s sic h u m M yth en h an d elt; der es fertig bringt, n ie d e rz u sch re ib en „S ch on
d ie ä lteste S a g e u n se r e s V o lk e s erzäh lt von der W e lte sc h e Y g g d r a s il“ un d au f
d e r se lb e n S e ite 9 0 „D er W a ld se lb st g ilt a ls le b e n d e s W e se n , .d a h e r d ie w eit-
Berichte und Bücheranzeigen.
467
verb reitete . . . S a g e v om w a n d e ln d e n W a ld e “ ; der u n s b e leh rt (S . 92), „d ass
sic h n icht nur b e i den D e u tsc h e n , son d ern au ch bei ändern V ö lk ern , e in e unter
d em N am en T ie r e p o s v e re in ig te S am m lu n g v on a llerh a n d T ier fa b e ln fin d e t“ ; d e ss e n
V ertrau th eit m it der E d d a — oder den E d d en ? — d ie W e n d u n g „d ie B ü ch er der
a ltn ord isch en E dd a in e in ig e n G e d ic h te n “ (S . 8 7) b eleu ch tet.
O berfläch lich w ie se in e K en n tn isse sin d au ch m e ist d ie E rörteru ngen d es
V e rf. üb er W e s e n und In h a lt der S agen , d ie e tw a d ie H ä lfte d e s B u c h e s e in ­
n eh m en . D ie L iteratur findet m an m eh rfa ch n ich t am r ich tig en P la tz e, od er e s
feh lt W ic h tig e s. So z. B . F ried r. P a n zers
un d D ic h tu n g “, b e i der T e ils a g e C rom e,
k lare
D as
un d w arm e S ch rift „M ärchen, S age
M ark usk reuz
vom G öttin ger L e in e ­
b u sch , d ie L iteratur zu den F lu tsa g e n n ach A n d ree (S . 3 8 ), L iteratur zur S c h w a n ­
rittersage.
V o m T a n n h ä u ser
ist ü b erh au p t n ich t
d ie R e d e .
B e i der L o r e le isa g e
v e rm isse ic h L aistner, b ei den drei S ch ick sa lsfra u en W e in h o ld .
Z w erge m a n g e lt gan z.
B e im W a ld
und
dem
F eld b a u
L iteratur ü b er die
ist
gar M annhardt n icht
g en a n n t, b ei den P flan zen w e d e r S öh n s n o ch
D äh nh ard t,
bei d en T ier en n icht
de G ub ernatis, auch verrät der V erf. k e in e K en n tn is der P h y sio lo g i und der dazu
g e h ö r ig e n U n tersu ch u n gen . T ro tzd em sin d d ie L iteraturangab en n och d as B e ste
an W eh rh a n s B u ch , o b w o h l aus d em g r o sse n V e r z e ic h n is S. 108— 162 d ie u n ­
z u lä n g lic h e n A n gab en üb er frem d sp ra ch lich e und a u sse re u r o p ä isc h e L änd er b e sser
w e g g e b lie b e n w ären u n d m an auch für d e u tsch red en d e sc h n e ll N ach träge g e b e n
kann. D e r V erf. v e r w e ist w o h l a u f G röbers G rundriss, aber nich t, w enn ich
n ic h ts ü b ersah , a u f d ie e in sc h lä g ig e n A b sch n itte im P a u lsc h e n . V e r g lic h e n hab e
ich die b e id e n W erk e nich t. So v ie l G utes bringen je d e n fa lls d ie k a ta lo g isier e n d e n
T e ile d e s W e h r h a n sch en B u c h e s nich t, d a ss dad urch d ie M ängel der d a r ste lle n d en
a u fg e w o g e n w ü rd en , u n d d a ss e s lau t V orw ort „das für w e iter e K reise W is s e n s ­
w e rte ste aus d em r eich en S c h a tz e der d e u tsch en V o lk s s a g e n ach ih rem tieferen
In h a lt u n d ihrer in n eren B e d e u tu n g b r in g e “, kann ic h du rch au s n ich t finden.
B e r lin .
M ax R o e d ig e r .
Friedrich Kluge, B u n te B lätter, k u ltu rg esch ich tlich e V orträge und A uf­
sätze. F reib u rg, J. B ie le fe ld 1908.
D en
23
h ier
ve re in ig te n
k le in e n
3 B l., 213 S. m it ein er K arte.
u n d g r ö sse re n A u fsätzen
aus
d en
6 Mk.
Jahren
1 8 9 2 — 1908. ist fast säm tlich d ie N e ig u n g g e m ein sa m , vom Stan dp unk te d e s S p rach­
forsch ers a u f k u ltu rg e sc h ic h tlic h e P ro b le m e ein zu g eh en .
B isw e ile n sin d e s e in ze ln e
W o r te w ie O stern, T u isc o und M annus, S ch w in d ler, B irk en rind e, in deren U rsp ru ng
od er z e itw e ise n G eb rau ch h in e in g e le u c h te t w ird ; b isw e ile n u n tersu ch t K. g a n ze
W ortgru ppen w ie
d ie H u n d en am en ,
d ie
ein W a ss e r
b e z eich n e n ,
d ie O rtsnam en
au f -in g en , d ie N o tsch re ie (F e u r io u. ä.), r o tw e lsc h e Z ah lw orte; a b geru n d etere
B ild er liefern d ie se h r le s e n sw e r te n V orträge üb er d ie S p rach e S h a k e sp ea r es (1 8 9 2 )
un d über d ie sp r a c h g e sc h ic h tlic h e S te llu n g S c h ille r s (1 9 0 5 ), d er B erich t üb er das
S c h w e iz e r isc h e Id io tik o n (1 9 0 7 ), d ie k le in er e n A rtik el ü b er d ie o r ie n ta lisc h e H eim at
der B rieftau b e
in sb eso n d er e
qu ierte
und
der
A u fsatz
das A lter
leh rr eic h e ,
vom
d es k ü n stlic h e n E ise s.
durch d ie
g e sc h ic h tlic h e n
D en
S a g e n fo r sc h e r
m u ss
n e u e ste n F au starb eiten k e in e s w e g s an ti­
D o k to r
F a u st
(1 8 9 6 )
un d
d ie
an
G aston
P a ris ank n ü p fen d e A rbeit üb er d en V e n u sb e r g (1 8 9 8 ) in te r e ssie r e n ; h ie rb ei w erd en
d ie von D übi
ob en 17, 250 b e sp ro ch en en
ita lie n isc h e n S ib y lle n b e r g e
b ei
N orcia
durch e in e b e so n d e re K arte v erg eg en w ä rtig t und für n e u e r e L iteratur a u f G olth er
.‘ 50 *
B olte:
468
(T a n n h ä u ser in S a g e und D ic h tu n g d e s M ittela lters und der n eu en Z eit. W a lh a lla 3,
15— 67. 1 9 07) v e r w ie se n . D ie G esch ic h te d e s S tu d en ten tu m s e n d lich betrifft ein
B eitra g ü b er d ie fah ren d en S c h ü ler d e s 15. bis 16. Jahrhu nd erts, der n am en tlich
ih re T ä tig k e it a ls S ch w a rzk ü n stler und Q u a c k sa lb er h ervorh eb t, das in den A lt­
d e u tsc h e n W äld ern m itg e te ilte G ed ic h t J o h a n n s von N ü rn b erg (v ie lm e h r A m berg,
w ie ich g e le g e n tlic h d a rleg en w erd e) ‘d e v ita v agoru m ’ abdruckt, aber S p ie g e ls
e in sc h lä g ig e P rogram m e v o n 1902 u n d 1904 ignoriert. E b en d a h in g e h ö r t der
N a c h w e is ü b er den häu figen G eb rau ch d es J o h a n n e s-E v a n g e liu m s o d er v ie lm e h r
se in e r
A n fa n g sw o rte
a ls
A m u le t,
der
auf
e in en
Z aub ersp ru ch
zu rü ck gefü h rte
stu d e n tisc h e B ier sa la m a n d er und d as in G o eth es F a u st erw ä h n te B ie r sp ie l ‘W ir
w o lle n e in en P a p st e rw ä h le n ’. W e n n nach S. 106 b e i d ie se r W a h lz e r e m o n ie das
Z a h le n lie d ‘0 lecto r lectoru m , d ie m ih i, quid e st u n u m ’ g e su n g e n w u rd e, so sei
h ier d ie an d ie ob en 11, 3 9 4 u n d 13, 86 g e lie fe r te n N a c h w e ise erinn ert; sch o n
1617 w ird in ein er K o m ö d ie K ielm a n n s d a s g le ic h e L ie d b eim U m z u g e d e s P a p ste s
an g estim m t.
J. B o l t e .
Deutsches Leben der Vergangenheit in Bildern. E in A tla s m it 1760 N a ch ­
b ild u n g en
a lter K u pfer
und
H o lz sc h n itte
aus
dem
15. b is 18. Jahr­
hundert, m it E in fü h ru n g von H . K i e n z l e , h sg. von E u g en D i e d e r i c h s ,
Bd. 2.
J en a, E . D ied er ic h s 1908.
S. 2 6 9 — 541 S. fol.
B e id e B än de
4 0 Mk.
R asch
ist
der o b en
w e rk es d ie z w e ite g e fo lg t,
S. 119 a n g e z e ig te n
ersten H älfte
d e s trefflichen B ild e r ­
d eren 8 4 8 gu t a u sg e w ä h lte S tic h e
d ie s e s G e b ie te s m a n c h e s N e u e brin gen w erd en .
au ch
den K ennern
D e r B an d führt u n s vom B e g in n e
d e s d r e issig jä h r ig e n K rie g es bis zum A u sg a n g e d e s 18. Jah rh u n d erts un d z e ig t in
drei g r o sse n G ru pp en d ie V o lk ssitte n (K rieg sleb en , S itte n b ild e r von T e n ie r s, O stade,
R em b ra n d , G e s e llig k e it, H in rich tu n gen , fah ren d e L e u te ), d as ö ffen tlich e L eb en in
K unst, L u stb a rk eiten , G arten an lagen , S tra ssen b ild ern , h öfisch en F esten und Jagd en
un d e n d lich d ie R o k o k o p e r io d e m it ihren G eb äu d en , G ärten, A u fzü g en , T rach ten
b is zu den a n h eim e ln d e n S itte n sc h ild e ru n g e n N ilso n s, C h o d o w ie ck is un d ihrer Z eit­
g e n o ss e n . N e b e n den treu en K op ien d e s w irk lich en L e b e n s treten uns auch h ier
sa tir isc h e P e r so n ifik a tio n e n e n tg e g en , d ie te ils der P h an tasie früherer Jahrhu nd erte
en tsp ru n gen ,
B r e u g h e ls
te ils n e u e r en D a tu m s sin d .
(nr. 1 0 1 2 ),
d ie
m ä n n lich en
Zu
und
je n e n
gehört
w e ib lic h e n
(nr. 1093 f.; vg l. o b e n 16, 30 ), d as N a r re n sch n e id e n
der
N ie m a n d
A ltersstu fen
P ie ter
A ltzen b a ch s
(nr. 1056. 1 0 5 8 ) u n d d ie v e r ­
w an d te O peration d e s in der Stirn sitz en d e n K ei (nr. 1055;
v g l. M aeterlin ck ,
Le
g e n r e satiriq u e 1907 p. 273 f.), der g e ld sp e n d e n d e E se lr e ite r (1 1 3 7 ; vgl. Zs. f. d e u tsch es
A ltert. 48, 5 4 ), der K ö n ig von Sch laraffen lan d (1 1 1 5 ; v g l. M ü ller-F rau reu th , L ü g e n ­
d ich tu n g en 1881 S. 96. T ijd sch r. voor n ed erl. T a a lk u n d e 13, 1 8 7 ), der K un ste in g ie ss e r m it d e m w u n d erb aren T rich ter (9 1 9 . B o lte -S e e lm a n n , N ie d e rd eu tsch e
S c h a u sp ie le S. *36), d ie lis tig e D a m e m it d en d rei L ieb h ab ern (1 0 9 9 . 1 1 0 1 ; vgl.
R . K öhler,
K l. S ch riften
2,
4 7 3 ).
B ereits
v on
H an s
Sachs
b e h a n d e lt
ist
der
S ch w an k v on den sie b e n tap feren S ch w a b en (9 5 2 . O ben 4, 4 3 5 .
K eller, D ie
S c h w a b e n in der G e s c h ic h te d e s V o lk sh u m o rs S. 3 0 4 ), d ie n eun H äute der W e ib e r
(1 1 0 5 . O ben 11, 258), d ie a u f B ä u m en w a c h sen d e n M ädchen (1 0 5 3 . H. S ach s,
F a b e ln 1, 111. 2, X I I ) und d ie g le ic h V ö g e ln e in g efa n g en en L ieb h a b er (1 1 0 3 . 1 1 0 4 .
H. S a c h s 1, nr. 25. 38 ), w e n n g le ic h das M otiv h ie r e tw a s verän d ert ersch ein t.
J ü n g erer Z eit g e h ö r en d a g eg en an d er h e u le n d e S e c k e l (9 5 3 . Z s. f. d. A lt. 48, 5 6 ),
Berichte und Bücheranzeigen.
469
der tote K redit (1 1 0 8 ), der B artkram (1 1 4 8 ), der Irrgarten der L ieb e (1 0 9 7 ), der
M än n erb efeh lich (1 0 9 5 . O ben 15, 4 1 ), das A bc der E h e (1 0 9 6 ), der H anrei als
H ah n reiter (1 1 0 6 . O ben 12, 8 6 ), d ie u m g e sc h m ie d e te n W e ib e r k ö p fe (1 0 9 8 . Jahr­
b u ch f. G esch . E lsa ss-L o th r . 13, 16 6 ). — F ü r d ie L iterarh istorik er is t der vor­
lie g e n d e B and w e n ig er e r g ie b ig a ls der e r s te ; d o c h finden w ir F lu g b lä tter vom
b a y risch en H ie s e l (1 2 1 5 ), z w e i B ild er r ä tsel in h isto r isc h e n G ed ich ten v o m Jah re 1622
un d 1637 (9 3 0 . 1428), P orträts d e s C laus N arr, der N ü rn b erger S p ru ch sp rech er
M. S p rin g en k lee und W . W e b e r (1 2 3 4 f.) und der S c h a u sp ie ler Chr. J a n e tsc h k y
un d K ilian B rustfleck (1 2 2 3 f.), A b b ild u n g en von v e r sc h ie d e n e n B ü h n en (9 7 4 . 1077.
1298. 1566. 1 754) und von dem b ei B o lte, D a s D a n zig e r T h e a te r 1895 S. 123 b e ­
sc h r ieb en en U m z u g e der D a n zig e r T isc h le r im Jahre 16 7 0 (1 3 2 6 ).
E in G en eral­
r eg ister üb er das g e w a ltig e M aterial,
das
in
d ie se m sch ö n en B ild er w e rk e und in
den z w ö lf im g le ic h e n V e rla g e e rsch ie n e n e n M onographien
zur d e u tsch en K u ltu r­
g e sc h ic h te a u fg e sp eic h e rt lie g t, so ll in e in em b e so n d e re n B an d e ersch ein en .
B e r lin .
J. B o lte .
Paul Sebillot, L e p agan ism e contem porain chez le s p eu p les c e lto -la tin s.
P a ris, O. D o in 1908.
-XXVI, 378 S.
8 °.
(B ib lio th e q u e d’an th rop ologie,
dir. G. P a p illa u lt 2, 29.)
D a s h a n d lich e B u c h b ietet e in e E rgän zu n g zu d em a u sg e z e ic h n e te n vier­
bän digen W e rk e ‘L e f o lk -lo r e d e F ra n ce ’ (ob en S. 118), in dem S e b illo t d ie
fra n zö sisch en V o lk sm ein u n g e n
über H im m e l,
E rde,
W asser,
T ier e,
B au ten
und
g e sc h ic h tlic h e P erso n en e in g eh en d d a r g e stellt hatte. V on den d rei H au p tteilen :
M en sc h e n leb en , H a u s und L andbau, N aturkräfte, sc h e in e n sich zw ar der letz te und
te ilw e is e auch der z w e ite m it der A u fgab e je n e s g rö sseren W e r k e s zu d eck en ;
aber b ald g ew a h rt m an, d ass der V f. n ich t nur in der ged rän gten D a r ste llu n g und
in der A n ord nu ug a b w eic h t, son d ern
sch reitet
und
den h e im isc h e n
S ch ottlan d , Irland,
S p an ien
auch
ü b er d ie G renzen F ra n k reich s h in a u s­
ab e r g lä u b isc h e n
und Ita lien
M ein u n gen
zur S e ite ste llt.
reich e P a ra llelen
A u ch
aus
d eu tsch er A ber­
g la u b e w ird öfter aus G rim m s M y th o lo g ie, aus T h o rp e und der R e v u e d e s trad ition s
p o p u la ires zitiert, d a g eg en sc h e in t dem V f. W u ttk es in A n lage und A u sfü h ru n g
v ie lfa c h v erw a n d tes B u ch un b ek an n t g e b lie b e n zu sein . S e b illo t h an d elt im ersten
T e ile von den B räuchen b e i S ch w a n g ersch a ft, G eburt, K in dh eit, L ieb e und E h e,
K ran kh eit un d T o d , im z w e ite n von H a u s- und Schiffbau , H au stieren , F e ld - und
G artenbau, im dritten v on G estirn en , W etter, W a sse r und E rde und b e le g t se in e
kn app en ta tsä ch lich en A n gab en ü b era ll aus den Q u e lle n .
E in ig e a llg e m ein er e
F o lg e ru n g e n z ie h t er in se in e r S c h lu ssb etra ch tu n g (§§ 1 1 7 — 1 2 5 ); d ie H au p tu rsach e
für das F o rtleb en der alten h e id n isc h e n B räu ch e sie h t er in d em W u n sc h e , H e ilu n g
in K ran kh eiten zu erh alten od er L ieb e
d en S tein en ,
B äum en,
an ih re B e se e lu n g ,
und N a c h k o m m en sc h a ft zu g e w in n e n :
Q u ellen dargebrach te V ereh ru n g b eruht
d ie S tein vereh ru n g
e rsch ein t v o r z u g sw e ise
d ie
a u f dem G lau ben
in
den
k e ltisch en
G eg e n d en v o n F ran k reich und E n glan d ; sp ä rlich und u n sich er sin d d ie R e s te
antiker G öttern am en un d d ie a n g e b lich en Spuren d e s T o te m ism u s. — W e n n d ab ei
S e b illo t d ie W u rzeln
d es
h e u tig e n A b erg la u b en s a u s sc h lie ss lic h
in der v o r ch rist­
lic h e n Z eit su ch t, so d arf m an v ie lle ic h t fragen, ob er n ich t den E in flu ss der
m ittela lte r lich en G e istlich k e it, den d ie B eg eg n u n g en un d Z aub erform eln so v ielfa ch
verraten , e b e n fa lls hätte in B e tra c h t z ie h e n so lle n ; in d e s hat er e in ig e h e id n isc h e
B rä u ch e in der K irche in § 1 1 1 — 116 un d 121 b esp ro ch en und je n e A u ssc h lie ssu n g
Bolte, Michel: Berichte und Bücheranzeigen.
470
offen bar m it V o r b e d a c h t v o llz o g e n .
A u f an d ere E in z e lh e ite n ,
w ie d ie V e rlo b u n g
durch in d en M und S p u ck en (§ 34) o d er d ie A b k ü rzu n g d e s T o d e sk a m p fe s (§ 51),
e in z u g e h e n v e rb ie tet der R a u m .
D an k b ar b e g r ü ssen w ir in d em ü b er sic h tlic h
vor u n s a u sg eb re itete n M aterial üb er den A b erg la u b en "W esteuropas und d em b e i­
g e g e b e n e n S a c h r e g ister e in e tü c h tig e V o ra rb eit zu d em n e u e r d in g s a u fgetau ch ten
P la n e e in er eu r o p ä isc h e n V o lk s k u n d e .
J. B o l t e .
Fritz Pradel, G riech isch e und sü d ita lien isch e G e b ete, B esch w ö ru n g en und
R e z e p te d es M ittelalters, h sg. und erklärt.
V III, 151 S.
G iessen , A. T ö p elm a n n 1907.
4 Mk. ( = R e lig io n s g e sc h ic h tlic h e V ersu ch e und V orarbeiten,
hsg. von A. D ie te r ic h u nd R . W ü n sch 3, S. 2 5 3 — 4 0 3 ).
A u s z w e i um 1 5 0 0 e n tsta n d e n e n H ss., d ie P rof. K roll in V e n e d ig k op iert hat,
erh alten w ir h ie r ein für d ie G e sc h ic h te d e s V o lk sa b e rg la u b en s rech t w ic h tig e s
M aterial, n äm lich e in e R e ih e v o n G eb eten und R e z e p te n in g r ie c h isc h e r und
ita lie n isc h e r Sp rach e, d ie offenbar von G eistlich en d e s 15. Jahrhu nd erts in K reta und
S ü d italien
bei
ihrer
m e d iz in isc h e n T ä tig k e it b en u tzt w u rd en .
W ir finden
darin
v ie lfa c h d ie se lb e n A n sch a u u n g en w ie in den S e g e n d e s d e u tsch en M ittelalters:
72 K ran kh eiten (S . 7 4 ), d ie H eilk raft d e s N a m e n s G ottes (S . 4 1 ), d e s K reu zes
C h risti (S. 52 . 101), d en Jord a n seg en (S. 4 9 ), d ie sc h m e r z lo se G eburt M ariä (S. 53),
vor a lle m d ie e p isc h e S e g e n sfo r m , d ie e in en frü h eren F a ll sie g r e ic h e r V e r ­
treib u n g e in er K ran k h eit durch C h ristu s od er ein en H e ilig e n a ls G ew äh r
der g e g en w ä rtig e n H e ilu n g b erich tet. W ä h r e n d aber in d erartigen b e i R . K öhler,
K l. S ch riften 3, 5 4 4 z u sa m m e n g e ste llte n S e g e n w id er Z a h n sch m erz P etru s (A p o llo n ia ,
Jost,
J o b ),
a u f e in em S tein sitz en d ,
dem
H errn
se in L eid
k lagt,
b e g e g n e t h ier
(S . 15. 9 3) der p erso n ifizierte D ä m o n H em ik ran on m it se in e n G e n o sse n dem
H eila n d un d w ird von ih m zur R e d e g e s te llt u n d in s G eb irge geb an n t.
A uch
an d ere D ä m o n en treten auf, d ie b r u stlo se A b yza, d ie sic h n och v ier zig and erer
N a m en rühm t, der S ch w arze, d ie d r e ig e sta ltig e S c h la n g e u. a., u n d ih n en g e g e n ­
üb er z a h lre ich e E n g e l, deren U rsp ru n g te ils im g r ie c h isc h e n V o lk sg la u b e n w u rzelt,
te ils o r ie n ta lisc h e m , d u rch d ie G n o stik er v erm itteltem E in flü sse z u z u sc h r e ib en ist.
D e r H er a u sg eb er h at sich n ich t b lo s s durch sp ra c h lich e E rk läru n gen u n ter dem
T e x te ,
son d ern au ch durch u m fä n g lic h e sa c h lic h e E rläu teru n gen
(S. 3 8 — 131) ein
V e rd ien st um den L e se r erw orb en , in d e n e n er sy s te m a tisc h üb er d ie a n geru fen en
N oth elfer, d ie K ran kh eiten und an d eren N ö te (G efah ren der G ärten un d der S e id e n ­
rau p en ), d ie M ed ik am en te u n d m a g isc h e n G eb räu ch e h a n d elt u n d d azu ein r e ic h e s
V e rg le ic h u n g sm a ter ia l h era n zieh t. Zu d em S tech o ra k el (S. 70) vgl. n och W ick ram ,
W e rk e 4, 287 un d ZfdA. 18, 81. 291, z u den 72 G o ttesn a m en (S. 7 4) oben 13, 444.
14, 4 0 8 . 4 3 6 .
J. B o l t e .
Karl Böckenhoff, S p eisesa tzu n g en m osaisch er A rt in m ittela lterlich en
K irch en rech tsq u ellen
d es
M orgen-
A sch en dorffsche B u ch h an d lu n g 1907.
und A b en d lan d es.
V III, 128 S.
8 °.
M ünster i. W .,
2,5 0 Mk.
D ie v o r lie g e n d e A rbeit is t e in e Art F o rtsetz u n g der Schrift d e s V e rfa sse rs
üb er ‘D a s a p o sto lisc h e S p e is e g e s e tz in d en ersten fü n f Jah rh u n d erten ’ (P a d e r ­
born 1 9 03). S ie w en d et sic h in erster R e ih e an K irch en rech tler und R e lig io n s ­
forsch er, en th ält aber au ch v ie le r le i, w a s für d ie K u ltu r g esch ic h te u n d V o lk sk u n d e
von In ter esse ist. W e r sic h m it der G esch ic h te d e s N a h ru n g sw esen s b e sc h ä ftig t,
Notizen.
471
w ird d ie ü b er sic h tlic h geo rd n eten und k u n d ig in terp retierten N a c h w e ise d e s g e ­
leh rten V e r fa sse r s n ich t ü b e r se h e n dürfen.
A u ch für d ie G esch ic h te d e s A b er­
g la u b en s b ietet das B u ch (n a m en tlich S. 1 1 4 ff.) sch ätzb ares M aterial, d as sich
fr eilic h durch H era n zieh u n g der ‘P h y s ic a ’ u n d der ‘C au sae et cu rae’ H ild eg a rd s
von B in gen , d e s ‘B u ch s der N atur’ v on K onrad von M egen b erg un d äh n lich er
Sch riften beträch tlich v erm eh ren lie s s e . V o n n e u e r en W erk en h ätten in sb eso n d er e
d ie stoffreichen U n tersu ch u n gen von H erm ann L . Strack ‘D a s B lu t im G lau b en
un d A b erglau b en der M en sc h h e it’ (5. A u fl. M ünchen 1 9 0 0 ) und von Ju liu s
von N e g e le in ‘D a s P fer d im a r isch en A ltertum ’ (K ö n ig sb er g 1903, sie h e oben
14, 121 f.)
noch
m an ch e A u sb eu te g e lie fe r t.
—
E in a u s g e z e ic h n e te s R e g is te r er­
leic h ter t den G eb rau ch d e s w e rtv o llen B u c h e s.
B e r lin .
-
H erm ann
M ic h e l.
Berichtigung zu S. 228f.
Herr Professor L. Katona macht mich darauf aufmerksam, dass die sehr dankens­
werte Z u sa m m en stellu n g säm tlicher ungarischer Varianten zu den von B e r z e N a g y g e ­
sammelten ungarischen Volksmärchen (Budapest 1907) nicht von ihm selber herrührt,
wie ich au f Grund des T itelblattes annahm, sondern von Herrn Berze N agy. Herr Katona
hat nur die ausländischen P arallelen beigesteuert.
E l i s a b e t R o n a - S k la r e k .
Notizen.
W. G. B e k , Survivals of old marriage-customs among the Low Germans of W est
Missouri (Journal of american folk-lore 21, (50—G7). — Enthält vier gereim te H ochzeitsb ittersp riieh e der deutschen Ansiedler im westlichen Missouri, die grösstenteils aus Hannover
stammen. Die Mundart ist im Gegensatz zu den oben S. 99 m itgeteilten Sprüchen durchaus
hochdeutsch.
B e r l i n e r K a le n d e r fü r 1909, hsg. vom Verein für die G eschichte Berlins. Berlin,
M. Oldenbourg. 1 Mk. — Unsern Berliner M itgliedern sei dies von G. Voss redigierte
und von dem kürzlich verstorbenen Georg Barlösius m it trefflichen Zeichnungen in Zwei­
farbendruck geschmückte Bändchen warm empfohlen. Von der m ittelalterlichen Ver­
gangenheit der Stadt m it der Gerichtslaube und dem Totentanz, den Bauten der Rokoko­
zeit, dem stillen Strassenleben der Biedermeierperiode und der geräuschvollen Gegenwart
eröffnet es durch W ort und B ild anschauliche Vorstellungen.
F. H e in e m a n n , Bibliographie der schweizerischen Landeskunde V 5: Kulturgeschichte
und Volkskunde, H eft 2, 1: Inquisition, Intoleranz, Exkommunikation, Interdikt, Index,
Zensur. Bern, K. J. Wyss 1908. X X I, 216 S. — Auch dieser Fascikel der oben S. 232 begrüssten vortrefflichen Grundlage einer schweizerischen Kulturgeschichte reicht w eit in die
G eschichte der Nachbarländer hinein, vgl. z. B. die Religionsverfolgungen und die Geschichte
der in der Schweiz sich aufhaltenden Flüchtlinge und die Hus-Bibliographie.
K. J a i s l e , D ie Dioskuren als Retter zur See bei Griechen und Römern und ihr
Fortleben in christlichen Legenden. Diss. Tübingen, Heckenhauer 1907. X II, 74 S. 8°. __
Aus einer chronologisch geordneten Sammlung der Zeugnisse folgert J., dass die Ver­
ehrung der auch bei ändern idg. Nationen nachweisbaren göttlichen Brüder als Helfer in
M eeresnot zuerst bei den Griechen im 6. Jahrhundert v. Chr. erscheint und bei den
Römern noch im 5. Jahrhundert n. Chr. lebendig war, dass sie sich als zwei Flamm en
zeigten, während H elena als eine Flam me (Kugelblitz?) auftrat, dass sie in hellenistischer
Zeit m it den Kabircn verm ischt wurden und in christlichen Legenden fortlebten (Petrus
und Paulus als Retter der Seefahrer, Kastor von Koblenz, P olyeuctus, Policetus; dagegen
geht Phokas von Sinope auf den antiken Priapus zurück), und dass der Nam e St. Elm s­
feuer von dem N othelfer St. Erasmus von Form iae herstammt.
472
Notizen.
W alter K e l l e r , Das toskanische V olkslied, ein Beitrag zur Charakteristik der
italienischen Volksdichtung. Baseler Diss. Basel, W erner-Riehm 1908. 136 S. — K. sucht
Tigris vor 50 Jahren erschienene Charakteristik des toskanischen Volksliedes durch eine
zutreffendere zu ersetzen. Wie N igra zuerst erkannte und K. durch eine Karte ver­
anschaulicht, sind in Oberitalien vorwiegend epische, in M ittel- und Süditalien lyrische
Lieder heimisch. W ährend die Quellen jener beiden Ströme in Piem ont und Sizilien ent­
springen, zeigt die Toskana deren M ischung; ausser den Liebesliedern, die Tommaseos
und Tigris Sam m lungen füllen, gibts Balladen (bei Giannini, Canti pop. della montagna
lucchese 1889 p. 148 z. B. die französische vom Tambur, von der oben 15, 99. 337. 16, 86
die Rede war), historisch-politische u. a. Lieder (Übersicht auf S. 35). Sehr eingehend
und um sichtig behandelt dann K., der selber in Tereglio bei Lucca V olkslieder gesam m elt
und deren M elodien aufgezeichnet hat, das lyrische L ieb eslied: die Art des Vortrags, den
W echselgesang, die Formen des Rispetto, Stornello, das er mit Giannini gegen Schuchaidt
und D ’Ancona als einen Ausläufer des Rispetto oder Strambotto erklärt, und des Ritornello,
die Schilderung der weiblichen Schönheit und alle Stufen der Liebesverhältnisse von der
ersten Erklärung bis zum ‘zypressendunklen Schluss’, um endlich auf besondere Züge wie
die Veränderung von Kunstliedern im Volksmunde, die Um schreibung der Begriffe N iem als
und Unendlich, die stehenden Beiwörter, die Naturbeseelung, den Fatalism us, die Zartheit
in erotischen D ingen hinzuweisen. D ie frisch geschriebene Arbeit ergänzt in glücklicher
W eise mehrfach die D arstellungen italienischer Forscher.
H. L e m c k e , Der hochdeutsche E ulenspiegel.
D iss. von Freiburg i. B.
Bonn,
C. Georgi 1908. 79 S. — Das nd. Original des Volksbuches vom Eulenspiegel ist be­
kanntlich verloren. Die älteste bekannte Fassung ist eine 1515 zu Strassburg gedruckte
hd. Übersetzung, die Lappenberg 1854 auf Grund einer Bem erkung Martin Butzers vom
Jahre 1521 dem Franziskaner Murner zuschrieb. L. bestreitet diese auch schon von ändern
verworfene Zuweisung und erklärt auf Grund sorgfältiger V ergleichung des W ortschatzes
den Barfüssermönch Joh. P auli für den Übersetzer. Da P auli sich damals in Strassburg
aufhielt nnd in ‘Schim pf und Ernst’ wiederholt den U lenspiegel zitiert, gewinnt jene Ver­
m utung hohe W ahrscheinlichkeit.
0 . M e i s i n g e r , Wörterbuch der Rappenauer Mundart, nebst einer Volkskunde von
Rappenau. Dortmund, F. W. Ruhfus 1906. 235 S. — Schon 1901 hat M. eine sorgfältige
Laut- und F lexionslehre der südfränkischen Mundart seines H eim atdorfes Rappenau in
Baden herausgegeben; hier folgt ein treffliches, vollständiges Wörterbuch in alphabetischer
Anordnung, in das er jedes W ort aus P auls und Kluges Wörterbüchern aufgenommen hat,
das die Dorfbewohner kennen. Voraufgeht eine knappe, aber inhaltsreiche Volkskuude
dieses etwa 1450 Einwohner zählenden Dorfes, die als Muster em pfohlen werden kann.
Auf Nam en, Dorfanlage, Tracht, Gewerbe folgen S. 14—44 Lieder, Ortsneckereien, Sagen,
S. 45 —60 Bräuche, Aberglaube und Volkscharakter. Bem erkenswert ist, dass durch die
ansässigen Juden (etwa 50) eine Anzahl hebräischer Worte in die Mundart gedrungen ist;
auch haben jene noch eine besondere Geheimsprache, das Lotekolisch.
R. O h le , D ie Hexen in und um Prenzlau, eine Untersuchung über Entstehung,
V erlauf und A usgang des Hexenwahnes. (M itteilungen des Uckermärkischen Museums­
und G eschichtsvereins zu Prenzlau 4, 1—86). — Das 1841 von G. W. v. Raumer in den
Mark. Forschungen verwertete Aktenmaterial über Hexenprozesse in der Mark Branden­
burg wird hier durch ein paar N otizen aus der hsl. Prenzlauer Chronik von Süring (bis
1670) vermehrt; in der Hauptsache aber charakterisiert die temperamentvoll geschriebene
und häufig auf den heutigen K atholizism us bezugnehmende Abhandlung m it H ilfe der ein­
schlägigen Literatur den 1487 gedruckten Hexenhammer des Heinrich Institoris, den
m ittelalterlichen Teufels- und Zauberglauben, die katholische Herabsetzung des weiblichen
G eschlechts, um daun auf den Hexenwahn einzugehen, wie er bei den protestantischen
G eistlichen fortlebte und endlich durch die Aufklärung überwunden ward. Auch auf die
Verschiebung, welche die rechtliche und gesellschaftliche Stellung der G eistlichen rach
der Reformation erlitt, fallen Streiflichter.
Hermann P i e p e r , H istorische Volkslieder der Neumark aus den Zeiten des M ittel­
alters (Schriften des Vereins für G eschichte der Neumark 19, 79—99;. — Vortreffliche
Notizen.
473
Behandlung der beiden einzigen aus der älteren Zeit erhaltenen Lieder, welche B egeben­
heiten der neumärkischen G eschichte schildern: der Lieder auf den Tod des Pomm ern­
herzogs Kasimir IY . im Jahre 1372 und auf die Fehde zwischen den beiden Grenzstädten
Schivelbein und Belgrad im Jahre 1469. [H. Michel.]
H. P l o s s und M. B a r t e l s , Das W eib in der Natur- und Völkerkunde, anthropo­
logisch e Studien. Neunte um gearbeitete und stark vermehrte A uflage, neu bearbeitet und
hsg. von P . B a r t e l s . Lief. 1—3. L eip zig, Th. Grieben 1908. S. 1—288. je 1,50 Mk.
V ollständig in 18 Lieferungen. — Das 1884 erschienene Werk des L eipziger Arztes
H. Ploss ist siebenmal von dem bewährten Forscher Max Bartels unter Erweiterung der
ursprünglichen Anlage und fleissigster Ausnutzung der Literatur ausgebaut und verbessert
worden und hat durch die Fülle des verarbeiteten Stoffes, das wohlabgewogene U rteil und
die ruhige, aller Sensationshascherei abholde Darstellung w eit über die Kreise der Anthropo­
logen hinaus Anerkennung geerntet, so dass eine weitere Em pfehlung überflüssig erscheint.
Auch in der vorliegenden 9. Auflage, die sein Sohn, der unsern Lesern wohlbekannte
Berliner Dr. Paul Bartels, bearbeitet hat, ist der Text, wie schon das auf etwa 2500 A b­
handlungen augewachsene Literaturverzeichnis ahnen lässt, stark vermehrt und die Zahl
der Abbildungen auf mehr als 700 erhöht. Die Anordnung in 77 K apitel unter den beiden
Hauptgruppen ‘Organismus des W eibes’ und ‘Leben des W eibes’, von denen die zweite
für die Volks- und Völkerkunde von hoher Bedeutung ist, blieb dabei unverändert. Wir
kommen auf das Werk nochmals zurück.
Hans S c h u l z , Frühneuhochdeutsche Euphemismen. (Zs. f. deutsche W ortforschung
10, 129—173. Auch bes. als Freiburger D iss. 1908). — Trägt für eine Reihe verhüllender
Ausdrücke wie Etcetera, Unaussprechliche, Secret, lateinische Kunst reiche B elege aus dem
16. bis 17. Jahrhundert zusammen. Anlass zu diesen Euphemismen gab neben der Scheu,
den Anstand zu verletzen, häufig die abergläubische Furcht vor der Rache des Teufels
(der andre, der und jener, Potz Tausend), des Kobolds (Gütchen), des W olfes (Untier,
H ölzing, Grauhans) oder der Krankheit (das Ungenannte).
S.
R. S t e i n m e t z , De beteekenis der volkenkunde voor de studie van m ensch en
m aatschappij, rede den 20. januari 1908 uitgesproken. ’s-Gravenhage, M. Nijhoff 1908.
45 S. 0,50 fl. — Beim Antritt der neugegründeten Amsterdamer Professur für politische
Geographie, Völkerkunde und Landeskunde des ostindischen Archipels bespricht St., dessen
frühere Schrift verwandten Inhalts oben S. 113 angezeigt wurde, den Um fang und die
Bedeutung der Völkerkunde. Er kennzeichnet die Aufgaben ihrer beiden Zweige, der
beschreibenden Ethnographie und der untersuchenden und vergleichenden Ethnologie,
betont neben den grossen Unterschieden der Rassen die in ihrer Kunst, im Ahnenkult, in
der Selbstm ordstatistik u. a. hervortretende Einheit und den Einfluss der historischen Ent­
wicklung, um endlich auf den Gewinn einzugehen, den die E thnologie den Sprachforschern
wie den Nationalökonomen und P sychologen zu bringen vermag, die im w esentlichen nur
den Typus des Westeuropäers kennen. Eine m assvolle und klare Darlegung.
C. W. v. S y d o w , Studier i Finnsägnen och besläktade byggm ästarsägner (Fataburen
1907, 6 5 —78. 199—218. 1908, 19—27). — D ie an zwei Steinfiguren des Lunder Doms an­
geknüpfte Sage von dem Riesen, dem der h. Laurentius für seine H ilfe Sonne und Mond
oder seine Augeu versprechen muss, falls er seinen Namen Finn nicht errate, wird durch
ganz Skandinavien bis nach Oldenburg verfolgt und ihr Zusammenhang m it der heidnischen
Göttersage in Snorres Edda, m it dem Motiv vom erratenen N am en und deutschen Baum eister­
sagen aufgezeigt. D ie Arbeit ist m it ausgebreiteter Gelehrsamkeit und Gründlichkeit angelegt.
J. Leite de V a s c o n c e l l o s , CanQöes do berco com algumas das respectivas musicas,
estudo de ethnographia portuguesa. Lisboa, Imprensa nacional 1907. 86 S. + 8 Bl. (aus
R evista lusitana 10, 1). — 180 vierzeilige W iegenlieder aus Portugal werden hier mit
gelehrten Anmerkungen, 11 Singweisen und einer ausführlichen Einleitung über die Ver­
breitung der W iegenlieder in und ausserhalb Europas, die Formen der W iege, die Motive
der Lieder usw. veröffentlicht. W ertvoll sind besonders die reichen Nachw eise über die
Anrufung des Schutzengels oder Schlafgottes (S. 55), die Einführung der h. Maria und des
Jesuskindes (S. 62), die Drohung mit einem Unholde (S. 67j.
Register.
(Die N am en der M itarbeiter sind kursiv gedruckt.)
Aachen 301.
Aal 96.
Aarne, A. 452.
Abeling, Th. 117.
Abendburg 22.
Abendmahlsanzug 420.
Aberglaube 232. 313. 449. 464.
468. 469. vgl. Amulet, Dach,
G ebet, M edizin, Traum­
deutung, Zauberer.
Abessinische Sprichwörter 232.
Abramow, I. 325.
Adam 224.
Adamsapfel 316.
Adrian, K. 347.
Afrika, s. Märchen.
Agnetendorf 15. 18.
Aladdins Lampe 452.
Alexander-roman 347.
Altarkerzen erlöschen 311.
Altenburg 424.
A mb erg 301.
Amor und P syche 454.
Amsterdam 102.
Am ulet 124. 464.
Andersson, O. 350.
A n d re e , R . 99. Tiere über­
nehmen m enschliche Krank­
heiten 311. Erlöschen der
Altarkerzen 311.
Andree-Eysn, M. 125.
Andronikow, W. 325.
Anthropologie 226.
Apulcius 454.
Arabische Märchen 459.
ArakCijew, D. 324.
Ardalic, Y. 313.
Arfert, P. 450
Armenische H eldensage 61.
Arrhenius, S. 465.
Asböth, 0 . 316.
Aschenbrödel 455.
Astralmythen 337.
Athosklöster 290.
Ä tiologische Sagen 224. 461.
Augsburg 301. 426.
Baar 419.
Badajoz, Dechant von 453.
Baden:
Glasmacherei 267.
K opfziegel 277. Ortsnamen
222. Spatzenhafen 280.
Ballade, s. Lied.
Balladoro, A. 458.
Balow, A. 328.
Bam berg 302.
Bänder erhalten die Hoch­
zeitsbitter 99.
Bär 322.
Barac, G. 323.
Baragiola, A. 123.
Bartels, M. 473.
B a r te ls , P . 473. Rec. 233. 341.
Baruch, M. 209.
B asel 302. Hs. 426.
Basset, R. 455. 459.
Batavia 77. 80.
Bauchtürke 123.
Bauern - gläser 271 f. -haus
104. 109. 196. -stand 332.
Bau-opfer 351. -sage 473.
Bayern charakterisiert 298.
B ayliss, C. K. 460.
Bebel, II. 456.
B eck, P . N ochm als die Sage
vom
unbewusst
über­
schrittenen See 305.
Bek, W. G. 471.
Bektaschis 348.
B elgrad 314.
B elovic - Bernadzikowska, J.
214.
Bentheim , H errgott von 103.
B elgisch es Land 336.
Berlin: Hss. 77. 90. 129. 449.
K gl. Sam m lung für V olks­
kunde 241. Volksleben 240.
340. 471. W eihnachtspiel
130.
Bern 334.
Bernacki, L. 209.
Bernardino da Siena 443.
Bernstein, J. 231.
Berthold von R egensburg 445.
Berührung einer Leiche ver­
unreinigt 368.
Berze N agy, J. 228. 471.
B ettlerhochzeit 30.
Bibel, s. Testament.
B ierspiel 468.
Bihan, P. Le 458.
Bilderatlas 119. 468.
Bildstöcke 433.
Binz, G. 426.
Blauhölle 6. 9.
B lei, P. 459.
Blitz 449.
B lü m m l, E . K . Drei Prim iz­
lieder aus Tirol 88—90.
Zum Montavoner Kraut­
schneiderliede
90.
Zur
Ballade vom Ritter Ewald
4 3 1 -4 3 3 .
Bobrow, W. A. 322.
B uckel, 0 . Luiska 441.
Böckenhoff, K. 470.
Bodensee 91. 305.
B oekenoogen, G. J. 457.
Bogoslawskij, B. 324.
Böhm en:
Charakter
298.
Volkskunde 210—214. vgl.
Tschechen.
B olte, J . 126. 237. 351. Der
Schwank von der faulen
Frau und der Katze 53 bis
60. Zum deutschen Volksliede (nr. 31—35) 76—88.
D ie Sage vom unbewusst
überschrittenen See 91. 306.
Ein W eihnachtspiel aus dem
Salzkam mergute 129—150.
Ein Lobspruch auf die
deutschen Städte aus dem
15. Jahrhundert 300—304.
Aberglaube aus W ürttem­
berg 449. N euere Märchen­
literatur 450 —461.
Rec.
118. 119. 224. 344. 467. 468.
469 470.
Notizen 123 f.
231—234. 347—349. 471 bis
473.
Borgeld, A. 453.
Bosnien 215.
Böttcher 25.
Brandstetter, R. 347.
Braunberg 8.
Braut, untergeschobene 455.
Register.
Brautheid 422.
Bremen 103.
Bremer, 0 . 335.
Brensztein, M. 204.
Bretonisches Lied 409.
Brixen 297.
Bronner, F. J. 231.
Brotterode 423.
Brückenspiel 2G. 45.
B rückner, Ä . Polnische und
böhmische Volkskunde 203
bis 214.
Brunk, A. 123.
B r u n n e r, K . 238. 239. 351.
B ericht über die Neuauf­
stellu ng der kpl. Sammlung
für deutsche Volkskunde in
Berlin i. J. 1907. 241—263.
Sitzungsprotokolle 124 -1 2 8 .
237—240. 3 4 9 -3 5 2 .
B uckliger von Zwergen g e­
h eilt 15.
Buckliges M ännlein 43.
B ugge, S. 124. 347.
B ulgarische Volkskunde 317.
Bunker, J. R. 109. 123.
Byzantinische Malerei 290.
Carnoy, G. 458.
Cartaphilus 349.
Chadzov, J. 318.
C h a la tia n z, B . D ie irauische
H eldensage bei den Ar­
meniern, N achtrag (nr. 7
bis 12) 61—66. _
Charuzin, A. N . 327.
Charuzina, W. 322. 326.
Chledowski, K. 208.
Christensen, G. 458.
Clemenz, B. 347.
de Cock, A. 231.
Cogho, R. 1. 15.
Cognatus, G. 447.
Colancon, M. 460.
Colson, 0 . 231.
de Coninck, A. 103.
Consentius, E. 340.
Corovic, V. 217. 317.
Cosquin, E. 454.
Cox, M. R. 455.
Crux lidelis inter omnes 427.
Dach abdecken 442.
Dachler, A. 109. 123.
Dähnhardt, 0 . 224. 451. 455.
Dänische Lieder 83. 347. 395.
409. Märchen 457.
Danilow, W. 329. 331. _
D avid und Solfager 347.
D ebelkoviö, 1). 315.
Deissm ann, A. 461.
D elic, St R. 316.
Derwische 348.
D ethlefsen 106.
Didron, A. 290.
Diederichs, E. 119. 468.
D iels, H. 123. 231.
Dieterich, A. 351.
Dietrich. L. 123.
D ingelstedt, V. 347.
Dioskuren 471.
Donaufahrt 126.
Dorf 125.
D ragiöevic, T. 316.
Dragomanow, M. 330.
Dübi, H. 454.
Durchziehen 455.
Durnowo, N . 321.
E b e r m a n n , 0 . Rec. 334.
Eccardus 332.
Eger 301.
Ehrenzweig, A. 231.
Eichsfeld 418.
Eichstädt 301.
E ifel 184.
Elend und Schicksal 320.
E isass 251. 456.
E nglische Märchen 453. 458.
Erasmus, D. 448.
Erfurt 302.
Estnisch 452.
Estreicher, K. 267.
Eule 451.
E ulenspiegel 472.
Euphemismen 473.
Eva 225.
Ewald, Ritter 431.
Ewarnickij, D. J. 330.
475
Freybe, A. 232.
Frieden der Tiere 452.
Friedei, E. 124. 126. 127.
Friedli, E. 334.
Friedrich, G. 214.
Frison, J. 458.
Froschgeier 98.
Fuchs u. Hase 31.
F. u.
W olf 322.
Fuchsberg 10.
Fuhrmannskittel 413.
Fulda 302.
Fussspange der Ehebrecherin
genommen 69.
Fussspuren auf Steinen 209.
Fusswärmkästchen 254.
Gaildorf 449.
Gardner, F. 460.
Gavrilovic, A. 216. 217.
G ebete 470.
Gebhardt, A. 335.
GeDf 347.
Georgiev, G. A. 318.
G eorgslegende 213.
Gerbert (Silvester II) 348.
G erbing, L .
D ie Thüringer
Volkstrachten 412—425.
Germanische M ythologie 235.
Giese, F. 232.
Girnhemd 414.
Fabbri, P. 458.
Gjorgjevic, G. 317.
Fabel 451.
Glaserwappen 268.
F aitlovitch, J. 232.
Glashütte 270.
Fakire 227.
Glasindustrie im Schwarzwald
Fastnacht 317.
267 - 277.
Faulwasser 106.
Glockenreim 24.
Fehse, W. 232.
Gmundener
D reikönisspiel
F eist, S. Rec. 335.
130.
Fenster öffnen 446.
Gnom 15 f.
Feste und Spiele 348.
Goethe, J. W. 286.
FeuerverehruDg 326.
Goll, J. 214.
Gossensass 191.
F ilippi, J. 458.
Gottesurteil listigbestanden69.
Finck, N. 127.
Grab besprengt 367.
Finn (Riese) 473.
Finnische M ythologie 234. Grabschriften 231. 232. 449.
Märchen 452.
Gradmann 106.
Fischer, R. 232.
Griechische Gebete 470. Hoch­
F läscheltrager 299.
zeitsbräuche 121.
Floh 30.
Grigorov, M. 318.
Flore und Blancheflor 455.
Grimm, Brüder: Volkslieder
Florinskij, T. D. 208.
8 4 —SS. Elfenmärchen 458.
Florissant 99.
Gross-Aupa 5 f.
Forchheim 301.
Grothe, W. 347.
Förtsch 106.
Fortunat 452.
Haarbeutel 297.
Francev, V. A. 214.
Haartracht 423.
Franken, Anekdoten 446.
Haberlandt, M. 109.
Frankfurt a. M. 301.
Haernavi 349.
Franko, J. 328. 330. 331.
Hahn im Volksbraucli 351.
Franzosen:
Charakter 297.
schw eigt, aber denkt desto
Märchen 233. 458. Volks­
mehr 448.
kunde 118. 469. F. in Tirol H a h n , E . 126. 238. 349. 351.
1809 191.
Rec. 120.
Frau 473. faul 53. 453 treulos Hahn, F. 124.
70. w iderspenstig 54. 76. Hahn, V. 209.
Schönheiten aufgezählt 436. Hamann 106.
F. u. Pferd 440.
Hamburg, Hs. 300.
Frazer, J. G. 124.
Handelsman, M. 209.
Register.
476
Handwerker 349. Lied 118.
Satire 124.
H anf rauchen 73.
H angi, A. 215.
Hannover, Hs. 85.
H a r tm a n n , A . Rec. 348.
H a r tm a n n , F . Rec. 338.
Hartmann, M. 124.
H artung 106.
K lich, E. 206.
K luge, F. 467.
Knoop, 0 . 348. 457.
Knopf, K. 124.
K o b lig k , A . Traumdeutungen
aus H essen u. Beobachtung
der Zugvögel 312.
Koburg 302.
Kochanowski, J. K. 210.
Kodelenski, J. M. 330.
| Köhler, J. 460.
Kohlm eise 98.
Kohte 106.
Kolb erg, 0 . 204.
Kolessa, F. 329.
Ja, Bauer, das ist was andres Koller, 0 . 307.
447.
| Kolmar 302.
Köln 301.
Jacob, G. 348.
Jacobv, P. 325.
j K olsm ission 124.
Kononow, N. N . 327.
Jahn, U. 1.
Konstanz 301.
Jaisle, K. 471.
Kopäc, J. 211.
JanCuk, N. A. 320. 323. 324.
K opfziegel 277.
Janko, J. 214.
Korallen 417.
Jansen 106.
Kors, Th. E. 319.
Jegerlehner, J. 456.
i
Koscinski, K. 207.
Jekelius, A. 225.
Kossmann 106.
Jeleonskaja, J. 322.
|
Krain 297.
Jude, der ewige 348.
|
Krakau, Akademie 203.
Jüdische Kinder 348. Sprich-1 K r a m m e r, M . Rec. 332.
Wörter 231.
Krankheit durch Tiere über­
nommen 311.
K agem begem be 181).
Kranz 122.
KctJile, B . 453. Rec. 113. 115 Krauss, F. S. 459.
222.
Kristensen, E. T. 457.
K a in d l, R . F . 115. B eiträge - , M. 124.
zur Volkskunde des Ost­ Kroatische Bauformen 112.
karpathengebietes (nr. 5 bis
Märchen 313.
6) 92— 99.
Krohn, I. 307.
K alevala 345.
Krohn, K. 234.
Kantor, J. 204.
Kronfeld, A . 233.
Krummhübel 12. 13.
Kappe 413.
Krüppel dem Ehegatten vor­
Karlowicz, J. 207.
gezogen 70.
Kärnten 296.
K arpathen: Geschichte 115. Kruzifixe 433.
Kuba, L. 219.
225. Volkskunde 92.
Kartenspiel 123.
Kubln, J. 211.
Kaschmirischer Roman 66. Kück, E. 348. 351.
160. 379.
Kuckuck 312.
Kassubische Volkskunde 239. v. Künssberg, E. 124.
Katona, L. 228. 455. 459. 471. Kurz, A. 453.
Kawczynski, M. 210.
Kurzelja, Z. 331.
K e le m in a , ./.
Handwerks­ Kuznecow, S. K. 326.
burschengeographie 296 bis
Laacher See 91.
300.
Lancaster, H. C. 451.
Keller, A. 453. W. 472.
Kerbschnittkasten 253.
Landau, A. 348.
Kerkering 449.
Länderspiegel 300.
Ländlerm elodien 307.
Kerze, s. Altar, Oster.
Lappische M ythologie 234.
K ienzle, H. 119. 468.
K iesewald 17.
Laternenlied 234.
Kinder 126. 348. 449. Lieder Laub wird zu Geld 184.
L a u ffer, 0 . N eue Forschungen
2 4 - 5 3 . 473. Spiel 231.
über die äusseren Denk­
Kirchenmütze 417.
m äler der deutschen Volks­
Kirmscheid 421.
kunde: Hausbau 104 —113.
K leider des Toten gewaschen
196—203. Entgegnung 237.
372.
Kleidertausch rettet die g e ­ Lazzeri, G. 124.
L e h m a n n - F i l h i s , M.
Ein
fangene Prinzessin 69.
Innsbruck 297. Hs. 82.
Inschriften 4 3 3 - 4 3 6 .
Irauische H eldensagen 61.
Irische Märchen 458.
Irrlichter 12.
Isarw inkel 182.
Island 219. Pfarrhaus 429.
Italien: Charakter 297. Kinder
126. Lieder 344. 471. Mär­
chen 458. Schönheitskata­
196 f.
lo g e 437. Sprichwörter 440.
W eihnachtskrippe 261.
Ivanisevic, J. F. 317.
Ive, A. 344.
H ausforschung 104 f.
350.
Havllk, A. 213.
H eidegger 106.
H eidelberg 222. 301.
Heidlappen 417.
H eilig, 0 . 222. 335.
H eiliger 182.
Heim sucht 80.
Heinem ann, F. 232. 471.
Hemacandra 70. 459.
H endle, J. 460.
H enneberg 423.
Herdmannl 183.
Herrmann, P. 219.
H ertel, J . 459.
Der kluge
Vezier, ein kaschmirischer
Volksroman 6 6 —76. 160 bis
177. 3 7 9 -3 9 3 .
Hertz, W. 232.
Hessen: Traumdeutungen 312.
Volkslieder 8 4 - 8 8 .
H eu ft, H .
Volkslieder aus
der E ifel 1 8 4 -1 8 8 .
H euser, G. 106.
Ile u s le r, A . Rec 345.
Hexe 182 f. 456. 472.
H ilka, A. 347.
Hindeloopen 262.
Hnatjuk, V. 329. 330.
H ochzeitsbittersprüche 99.471.
Bräuche 121. 231.
Hofer, A. 192.
Hoffmann, C. 460
H öfler, M . 341. Zum Sagen­
schatze
des
Isarwinkels
1 8 2 -1 8 4 .
Höhr, A. 225.
H ollandgänger 449.
H olleck-W eithm ann, K. 239.
H ollen, G. 442.
H olstein 457.
Holzbau 106.
Holz weiblein 15. 17.
Hopkins, E. W. 455.
Horak, J. 211.
v. Hovorka, O. 233.
Huet, G. 452. 455.
H ufeisen 16.
Hummel 106.
Huon von Bordeaux 210.
v. Hutten, U. 205.
Ig e l 451.
Indianermärchen 460.
Indische Literaturgeschichte
230. Märchen 459.
Indogerm anischeU rgeschichte
338.
Register.
477
isländisches Pfarrhaus vor j M acculloch, J. A. 211.
Meschendörfer, A. 225.
hundert Jahren 429—431. M adelaine, A. 233. 458.
M etgruss 302.
Madl, K. 214.
Rec. 219.
Meyer, Ed. 226.
Leiche befächelt 377. g e ­ Madujew, A. S. 322.
Meyer, E. H. 234. 238.
Mähren 431.
waschen 354.
Meyer, Raph. 348.
Mailehen 101.
Leisching, E. 214.
M eyer, R . M. Rec. 226. 227.
Mainz 301.
Leithäuser, E. 336.
336. 337. 465.
Makarenko, A. 320. 325.
v. Leixner, O. 196.
M ichel, H . Rec. 117. 118. 340.
M alaiisch 77. 347.
470. 473.
Lemcke, H. 472.
Maleviö, S. 320.
L em k e, E . 126. Rec. 225.
Mieder 415.
Maljkowskij, W. 326.
Lesar, J. 313.
Mielke, R. 125. 240.
M a n a c o rd a , G. Zu dem volks­ Mijatovic, St. 314. 315.
Lettisches Lied 395.
tüm lichen Motiv von den M ilch aus dem H ackenstiel
Leuchter 17 f.
weiblichen Schönheiten 436
v. d. Leyen, F. 348.
gemolken 8.
bis 441.
Lichterkasten 254
Miller 106.
Liebhaber als Mädchen ver­ Mandragora 343.
M illington, W. H. 460.
kleidet 69. im messingenen Mankowski, A. 207.
Minden, G. 128.
Minister, kluger 68.
Y ogcl 67.
Mantel 415.
Lieder, deutsche 7G—88. 84 M ärchen: Literatur 450 - 461. Missouri, Hochzeit 99. 470.
Begriff 450. Ursprung 450. Moe, M 450. 45<s.
bis 88. 126. Eifel 1 8 4-188.
Aladdin 452. 461. Ali Baba Moebius, K. 349.
Kinder 2 4 - 5 3 . H istorisch
u. die vierzig Räuber 218 Mondgläser 274.
204. 473. Primiz 88. Ba­
461.
Aschenbrödel
455. Montavon 90.
tavia 77. Bruder Melcher
Braut untergeschoben 455. Montbeliard 121.
81. Fenstergang 87. Hand­
Elend uud Schicksal 320. Morrison, S. 458.
werker 118. 186.
Hand­
werksburschengeographie
Junggeglühte Frau
453 Moscherosch, J. M. 304.
296.
Krautschneider 90.
Kagembegembe 189. Mäd­ Mozarevskij, 320. 326.
chen
ohne Hände
218. Mühlke, K. 106. 352.
Liebhaber 8 6 f. Luiska 441.
F liegender Pfannkuchen 195. Mukundaräm 393.
Mädchen heiratslustig 85.
Rhampsinit 452.
Rumpel­ Müller (Lied) 26.
Nonne 394. P allalam 187.
stilzchen 458. Tiermärchen Müller-Fraureuth, K. 233.
Reicher in der H ölle 188.
322. 451. — Afrikanisch Müllheim 280.
Ritter Ewald 431. Seefahrt
189. 460. Ägyptisch 452. München 302. Hss. 55. 77.
SO.
Soldaten 77. 185.
Amerikanisch 460. Arabisch Münsterland 433.
Tauben 85. — Bretonisch
459. Dänisch 457. Deutsch M ünsterlingen 306.
409. Dänisch 83. 347. 395.
456.
Englisch 453. 458.Murko, M. 207. 217.
409. Französisch 233. Joli
Estnisch 452. Finnisch 452. Musäus, J. K. A. 5. 15.
tambour 37. 472. Italienisch
Französisch 233. 458. In ­ Museen für Volkskunde 241.
344. 472. Kroatisch 219.
Niederländisch 183. 231.
disch 459. Italienisch 458.
350. 425.
402.
Drie tamboers 37.
Kroatisch 313.
Nieder­ Muttermilch 454.
ländisch 195. 457.
N or­ Mysner, der 55.
P ierlala 187. Portugiesisch
wegisch 458. Polnisch 457. M ythologie 337. 450. 465.
473.
Russisch 319. 328.
Russisch 320.
Serbisch
Schwedisch 83. 347. 395.
218. Ungarisch 228. 459.
407. Serbisch 216. W en­
disch 409.
Zigeunerisch 458. 459.
Nachtjäger 12. 15f. 21. 152f.
Liliental, R. 348.
182.
Maretic, T. 217.
Linewa, E. 330.
M arienbilder, dunkelfarbige Namenkuude 222.
Lissauer, A. 460.
281 - 295. Marienkäfer 449. Narrenapfel 55.
Listopadow, A. 324.
Marinow, D. 317.
Natursagen 224. 451.
Litauisches Lied 395. Volks­ Markow, A. W. 319. 324.
Neidkopf 127. 279.
kunde 238.
— , D. 320.
Nekrassow, J. W. 324.
Ljudkevyc, St. 330.
Marunovic, J. 219.
Neuburger, M. 233.
Maslow, A. 324.
Lochern 101.
N ibelungenlied 117.
L oetve, R . 238. Rübezahl im Matirf, T. 217.
Niederländer, Charakter 298.
heutigen Volksglauben 1 M aulwurf 98
! Lieder 83. Märchen 195.
bis 24. 151—160.
Maxfield, B. L. 460.
j 457.
Ostindische Kompagnie
Löffelbrett 255.
MaXuraniö, S. 219.
I 79. Worte 77—79.
Lohmeyer, E. 52.
Meddäh 232.
Niederweiler 279.
Eos, J. 207.
Medizin 233. 311. 313. 341J Nikiforowskij, N. 322.
Löwe 96.
343. 354.
N itsch, K. 206 207.
Lowie, lt. H. 451.
M ehlis 424.
N öger (Nödiger) = H ochzeits­
Löwinger, A. 348.
Meisinger, 0 . 472.
lader 99.
Loziriski, W. 208.
M elgunow, J. 323.
Nonne (Ballade) 394.
Ludwig, H. 125.
Melampus 231.
Norm andie 233.
Lüneburger H eide 239. 262. Melodien lexikalisch
ange­ Norw egische Märchen 458.
Lüpkes, W. 344.
ordnet 307. Nonnenballade Novakovic, St. 317.
Lutfullah 178.
394.
Nürnberg 301. Hs. 300. Mund­
Lutsch 106.
Menzel, W. 449.
art 335.
Luttenberg 296.
Meringer, R. 199.
Nyrop, Kr. 340.
478
Oberweiler 278.
O’Connor, W. F. 460.
Oertel, H. 455.
Ohle, R. 472.
Ohrt, F. 845.
Olrik, A. 124. 234. 450.
Olsen, M. 124. 349.
Oppenheim 302.
Ortsneckereien 300.
Osterkerze 426.
Österreich, Bauernhaus 109
Charakter 299. Lieder 431.
Ostfriesland 125. 260. 344.
Otto 106.
Otto, E. 349.
P achius, P. 130.
P alaczyi, L. 225.
Paficatantra 69.
P a p p u s c h , 0 . Inschriften an
Kruzifixen und Bildstöcken
in W estfalen 433—436.
Paraskevov, P. 318.
Paris 297.
Paris, G. 452.
Parkinson, R. 461.
P aschalov, W. 323.
P aulinzella 422.
Pavlyk, M. 330.
Peisker, J. 209.
Pekar, J. 214.
Pelikan 47.
Perbosc, A. 458.
Perchta 212.
Peretz, W. J. 319. 328.
Persische Erzählung 453.
Pcrvuchin, A. 325.
P etersdorf 20.
P etign y, F . 458.
P etrovic, A. 315
Petrowskij, N . M. 319.
P e tsc h , R . Rec. 461.
Pfannkuchen, der fliegende
195
P feifer 106.
Pferd 440. hilft 455.
Pflanzen 234.
P hilippinnen 461.
Pieper, H. 472.
P loss, H. 473.
Pokrowskij, Th. J. 324.
Polinski, A. 208.
P olitis, N. G. 121.
P o U v k a ,G . 210 f. Südslawische
Volkskunde 2 1 4 -2 1 9 . 313
bis 318. Russische Volks­
kunde 3 1 8 - 3 3 1 .
P olnische Volkskunde 203'bis
210. Märchen 457.
Pommer, J. 307.
Pom m erol, F. 284.
Ponus, Sankt 102.
Popovic, P. 217. 218.
Popow, A. 324.
Popow, E. 320.
P ortugiesische Lieder 473.
Posen 348 457.
Potanin, G. N . 322.
Register.
Potocki, W. 205.
Pracki, W. 207.
Pradel, F. 470.
Prätorius, Joh. 13.
v. P reen , H . K opfziegel, ein
G iebelschm uck aus Ober­
baden 277—279. Spatzen­
hafen aus M üllheim 280.
Prejawa 106.
Preller,. G. 79.
Prenzlau 472.
P rietze, R. 460.
Prim izlieder 88.
Priwalow, N. 324.
Prochäzka, K. 212.
Ptaszycki, St. 209.
Pum pernickel 28.
Verächter 4. 7. verwandelt
Gras in Gold 5. 7. 10. zählt
Rüben 5. R. und Hexe 5.
R. und M uttergottes 6. 11.
Ruhla 421.
Rumänische Volkskunde 316.
Rusow, D. 329.
Russische Volkskunde 318 bis
OOl
ü ü l.
Rustem und Key-Kobäd 61.
R. und Surab 62.
R. in
Turän 63.
Rutz, J. 458.
Sachs, Hans 120. 130. 468.
Sächsische Mundart 233.
Sagen 450.466. vom unbewusst
überschrittenen
See
91.
Isarwinkel 182— 184. Natur­
sagen 224. Schatzsagen 348.
Sahajabatta 66.
Sahler, L. 120.
Salzburg 347.
Salzkammergut, W eihnacht­
spiel 120.
Samson, J. 458.
S a m te r, E . 350. 351. Rec.
Rabe 97.
Ranck, Chr. 197.
Randolph, C. B. 343.
Rappenau 472.
Raspinus, Sankt 102.
R ätsel 123.
R egell, P. 1.
Regensburg 302.
Regentuch 416.
R eh sen er, M . D as Jahr 1809,
121.
Erinnerungen alter Gossen- Sandbestreuung beim
Tod
3 4i .
sasser 191— 194.
Reifrock 297.
Sandstricke 455.
S a r to r i, P . Das W asser im
Reinmar von Zweter 321.
Totengebrauche 353 —378.
Reisen nach Java 79.
Sauer, A. 233.
Reuschel, K. 124.
Sauerkraut 121.
R eutlinger, J. 305.
Savels 106.
Rezanow, W. 323.
S c h ä fe r , D . 104. E ntgegnung
Rham psinits Schatz 452.
Richard, der h. 347.
236 f.
Schande = Sensenband 240.
Richter 106.
Sarowoljsky, J. 318.
Riederer, J. F. 304.
Riesen 18.
Schatz heben 95.
Schatzsagen 348.
Riesengebirge 1. 151.
Scheinche 231.
Riesenhain 3.
Schermerhorn 101.
R ing 121. s. Zauber.
Schindel umwenden 445.
R ingelreihelied 31.
R oediger, M . 124. 238. 351 f. Schirmacher, K. 233.
E. H. Meyer + 234— 236. Siskov, St. N. 318.
Rec. 466
Sismarew, V. F. 318.
Rom, Katakomben des-Petrus Schissei v. Fleschenberg, 0 .
und M arcellinus 289, der
456.
S ch lä g er , G. N achlese zu den
Priscilla 288.
Kinderliedern (nr. 201— 283.
R o n a - S k la re k , E . 459. Rec.
N achträge) 24—53.
228. 471.
Rosenpliit, H. 300.
Schlesien 347.
Schlöbcke 106.
Rotenburg o. T. 302.
Schmalkalden 423.
Rozic, V. 313.
Rübezahl im heutigen Volks­ Schmid, Bernh. 106.
glauben 1—24. 151— 160. Schmidt, L. F. K. 106.
Apfelbaum 9. Bart 4. Frau S c h m id t, R ieh . 226. Rec. 230.
4. 5. 8. 10. Garten 13. 152. Schmiedebrauch 348.
154.
Grab 22. Johannes Schnecke 33.
21. N am en 157. R utsch­ Schneegänse 312.
bahn 5. Stein 154. R. führt S ch ö n b a ch , A . E . D ie B e­
reitung der Osterkerze im
irre 7. hilft dem Armen 8.
M ittelalter 426—428.
16. lie g t auf einer Feder
11. 19. neckt 3. 6. 8. rettet Schönheitspflästerchen 297.
ein Kind 9. 156. schiebt Schönheiten der Frauen 436.
K egel 12. 14. 151 f. straft Schräder, O. 202. 338.
Register.
Schreiberhau 21.
Schreuer, H. 209.
v. Schröder, L. 234.
Schuchardt, H. 202.
Schullerus, E. 225.
Schulz, H. 473.
Schurztracht 421.
Schwab, G. 91. 305.
Schwaben, sieben 298.453.468.
Schwalbe 312.
Schwank von der faulen Frau
53. Schwänke 455 f. aus
Franken 446.
Schwartz, E. A. 125.
Schwarzwald 127. 263. 267.
Schwedische Lieder 83. 347.
395. 407.
Tanzmelodien
350. W eihnachtspiel 130.
Schwein 195.
Schweiz, Volkskunde 232. 470.
Sebillot, P. 118. 458. 469.
Serbokroatische Volkskunde
214—219.
See,gefrorner unbewusst über­
schritten 91. 305.
Seefahrt nach Batavia 80.
Seelbäder 377.
S egel, B. W. 231.
Segen 470.
Sensenband 239.
Serzputovskij, A. 325.
Siavus 64.
Siebeck, H. 460.
Siebenbürgen 431.
Siewinski, A. 331.
Simon, J. 249.
Simoni, P. K. 319.
Skopec, J. 212.
Smolenski, W. 210.
Smolenskij, St. 325.
Socken 416.
Sofia 317.
Söhns, F. 234.
Sökel-and, H . 125. 127. 350.
Dunkelfarbige Marienbilder
281— 295.
Soldaten in Batavia 77.
Som adeva 69.
Sonni, A. J. 320.
Spatzenhafen 280.
Speier 301.
Speisen, beliebte in Deutsch­
land 304. Satzungen 470.
Speranskij, M. 320.
S p iegel 177. 363.
S p ieg elh a id er , 0 . 263.
D ie
G lasindustrie
auf
dem
Schwarzwald 2 6 7 -2 7 7 .
Spreewald 250.
Sprichw örter,
abessinische
232. italienische 440. jü ­
dische 231. Anekdoten 446.
Springwurzel 4.
Sprüche auf Gläsern 274.
Spukgeschichte 94.
Staar 98.
Stab blüht 455.
Städtelob 300.
v. Stamford, H. W. 34.
Statsmann 106.
Stefanovic, S. 218.
Steiermark 296. Bauernleben
232.
Steinbier 296.
Steinborn 207.
Steine auf Bäume g e le g t 350.
Rübezahls 6. 11.
Steinmetz, S. R. 113. .473.
Steintragen 124.
Stepanow, W. 320. 326.
Sterbenden helfen 442—446.
Sterz 296.
Stickkunst 214.
S tiefel, A . L . 451.
Sprichwörter-Anekdoten aus Fran­
ken 446—449.
Stirnkappe 421.
Strassburg 301.
Stratil, D. 457.
Strobl, A. 179.
Strohal, R. 219.
S tr u c k , B . 460.
Eine Ge­
schichte der Wanyaruanda
188—191.
Stube 200.
Stucken, E. 337.
Stum fall, B. 454.
Südslawische Volkskunde 214
bis 219. 3 1 3 -3 1 8 .
Sukasaptati 55. 69.
Sulisz, J. 337.
Sultanow, W. 327.
Sväb, J. 112.
S wanton, J. R. 460.
Swiecicki, H. 330.
v. Sydow, C. W. 234 473.
Synge, J. M. 458.
Sznaider, J. 331.
Talko-Hryncewicz, J. 204.
Tannhäuser 467.
Tanz: K indertänze25. Ländler
307. M elodien 350.
Taufwasser 360.
Tecontia-Baicoi, V. 225.
Teenstra, M. D. 449.
Teirlinck, J. 231.
Tersakovec, M. 328.
T estam ent, altes 224. 451.
neues 461.
Teufel beschworen 348. in ein
Gefäss eingeschlossen 321.
= Rübezahl 5 13.
Tezavrovskij, J. 324.
Thidrekssaga 319.
Thiersch 106.
Thöroddsen, J. 429.
Thüringische Trachten 412.
Tibet 460.
Tieffenbach 106.
Tiere, Eigenschaften 96. über­
nehmen menschliche Krank­
heiten 311. Märchen 322.
451. 458.
Tierhochzeit 30.
-märchen
322. -namen 336.
479
Tille, V. 211. 234.
Tiroler, Charakter 297. Lieder
88.
Tkaßenko-Petrenko, E. 328.
Todesengel 363.
Todesfall angesagt 364.
Tomasiwskyj, S. 329.
Tomic, J. 216.
Totengebräuche
353 — 378.
-tanz 232.
Trachten Thüringens 412 bis
425.
Traumdeutung 312. 348.
Tripstrille 38.
Troels-Lund 465.
Trojanovic, S. 317.
Tropsch, St. 218.
Truhwagen 27.
Tschechische Rübezahlsagen
156.
Tschischka, F. 129.
Turkestan 124.
Türkische Literatur 232.
Tykaö, J. 211.
Tyrfing, Schwert 318.
Überlingen 305.
Uhrmacherstube 264.
Ulm 126.
Ungarn,
Bauernhaus 112.
Charakter 299.
Märchen
228. 459.
Unhold gefesselt 348.
Uspenskij, D. 320.
Y asconcellos, J. L. de 473.
Vaugeois, E. 458.
Vaväk, F. 212.
Velletri 344.
j Venusberg 467.
Veselinovic, M. V. 317.
| Vetülapancaviinsatikri 69.
Vezier, der klage 66. 160.
379.
Vieh austreiben 449.
V illingen 263.
Vincx, J. F. 457.
Virchow, R. 249.
V o g el, Bauopfer 351. statt
Stein emporgeworfen 11.
Zugvögel 312.
Volf, J. 212.
Volkskunde und Literatur­
geschichte 233.
V ereine
124. Völkerkunde 473.
Volkslied, s. Lied.
| Volksm edizin, s. Medizin.
Vollm öller, K. 232.
Votive 261.
W adowski, J. A. 209.
W agner 106.
W aid 413.
Wrake, C. S. 455.
W ales 91.
I W allensköld, A. 454
480
W allis 456.
W alpurgis 347.
Wanyaruanda 188.
W arschau 206.
W asiljew, N . W. 319.
Wasser hält Dämonen zurück
365. im Totengebrauch 353
bis 378.
W asserkrug auf Gräbern 376.
Wehrhan, K. 466.
W eib, s. Frau.
W eihnachtsbrauch4 49.-krippe
261. -spiel 129—150
W eimarische Mütze 419.
W ein itz, F .
Die Schwarz­
wälder Sam m lung auf der
Y illinger A u sstellu n g 263
bis 267.
W einhold, K. 129.
W eise, sieben w. M eister 207.
W eise, 0 . 234.
W eissenburg 301.
W eltanschauung 465.
W esselowsky, A. 319.
W esselski, A. 456.
W estfälische H ochzeiteladung
99. Inschriften 433. Lied 84.
W etterprophezeiung 449.
W etuchow, A. 327.
Register.
W iedehopf 97.
Zaßinjajew, A. 329.
Zahlenlied 468. •
Wiener, 0 . 118.
W ierzbowski, T. 204.
Zauber 360. 468. Moderner 92.
W iesel 97.
Ring entwendet 452. Runen
W inogradow, N . 323. 327.
349.
W intem berg, W. J. 457.
Zeichensprache der Prinzess
W internitz, M. 230.
69.
Wisser, W. 53. 457.
Zibrt, Ö. 213.
W istrand, P. G. 234
Zigeuner 127. 458. 459.Witwe gewaschen 373. in­ Zipper, A. 213.
dische weissagende 177.
Zivojnovic, J. 317.
W öchnerin 354.
Zobel, Jörg 55.
Z o d e r , R . M ethode zur lexi­
W ojewodin, A. E. 320.
kalischen Anordnung von
Wolfshau 14.
Worms 302.
Ländlern 307—311.
Die
Wostrikow, P. 325.
M elodien zu der Ballade
Wundt, W. 450.
von der Nonne 394 —411.
W ünschelrute 212.
Zubryckyj, M. 331.
W ürttemberg 449.
Zuchthaus 103.
Würzburg 301.
Zuckungsbücher 231.
Z n id e m a , W .
Zu den Mai­
Wynmann, N. 91.
lehen 101. St. Raspinus und
W ysockij, N. Th. 327.
Ponus 102 f. Zum Märchen
vom fliegenden Pfannkuchen
Z a c h a r ia e , T h . 455.
Die
weissagende indische Witwe
195. Zu Kerkerings Grab­
177— 181. Das Dach über
schrift 449.
einem Sterbenden abdecken 2uljac, M. 313.
442 - 447.
Züricher See 91.
Zacher, K. 1. 10.
Zwerge 18.
Die nächsten Hefte werden u. a. bringen: J. B o l t e , Das Märchen von den Tieren
auf der W anderschaft; Die Erzählung von der erweckten Scheintoten; Bilderbogen des
IG. bis 17. Jahrhunderts (Forts.): H. C a r s t e n s , Volksglauben aus Schlesw ig-H olsteinn . G h a l a t ia n z , Die iranische Sage bei den Armeniern (F orts); C D a n ie l Armpnisrhp
Märchen; A. D ö r l e r , Lieder und Sprüche aus Vorarlberg; 0 . H e i l i g , Das Brücken­
spiel; E. H e r m a n n , Bedeutungsvolle Zahlen im litauischen Volksliede- J. H e r t e l Die
Muttermilch und die schwimmende Lade; Zur Fabel von den Hasen und dpn F tW I iptiH. H e u f t , W estfälische Hausinschriften; M. H ö f le r , Aus dem Cleveschen- B K a h le
Volkskundliche N achträge; M. M u r k o , Das Volkscpos der bosnischen MuhammedanerM. R e h s e n e r , Etwas über Erdbeben; E. R o n a - S k la r c k , Ungarische Märchen- 0 S c h e l l '
Die Entwicklung des bergischen Hauses; E S c h n i p p e i , Volkskundliches aus dem’r>nn7 i>Pr
Werder; C. W. S t e w a r t , Der Werwolf; D. S t r a t i l , Lieder aus dem Böhinerwafd:
Th. Z a c h a n a e , Das Vogelnest im Volksglauben; zusammenhängende Berichte über
deutsche und slawische Volkskunde.
Neue Erscheinungen.
Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1908, 1 (Jan.-März). Nürnberg 190^.
Archiv für Religionswissenschaft, hsg. von A. D i e t e r i c h , 11, 2—3. Leipzig, Teubner 1908.
Das deutsche Volkslied, Zeitschrift für seine Kenntnis und Pflege, unter der Leitung von
Dr. J. P o m m e r , H. F r a u n g r u b e r und K. K r o n fu s s hsg. von dem Deutschen
V olksgesang-V ereine in Wien, 10, G. W ien, A. Holder 1908.
H essische Blätter für Volkskunde, hsg. von K. H e lm und H. H e p d in g 7, 2. LeiD 7 iV
Teubner 1908.
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und 0 . W e b e r 4(5, 1 - 4 . Prag, Calve 1 9 0 7 -1 9 0 8 .
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M itteilungen der Schlesischen G esellschaft für Volkskunde, hsg. von Th. S i e b s Heft
Breslau, M. W oywod 1908.
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Klasse 1908, 2. Berlin, Weidmann 1908. — G eschäftliche M itteilungen i908 1.
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Selbstverlag 1908.
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München, Schriftleitung F. Z e ll , 6, G - 8 . München, Süddeutsche Verlagsanstalt 1908
Zeitschrift für Ethnologie Organ der Berliner G esellschaft für Anthropologie, Ethnologie
und Urgeschichte 40, 4. Berlin, Behrend & Co. 1908.
Zeitschrift für deutsche Mundarten, hsg. von 0 . H e i l i g und Ph. L e n z 1908 3 Berlin
A llgem . deutscher Sprachverein.
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Zeitschrift für deutsche P hilologie, hsg. von
H alle a. S., W aisenhaus 1908.
H. G e r in g und F. K a u f fm a n n 40, 3.
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Gerold & Co. 1908.
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P. S a r t o r i, 0 . S c h e l l und K. W e h r h a n , 5, 3. Elberfeld, Martini & Grüttefien 1908.
Analecta Bollandiana, cd. C. de S m c d t, F. van O r tr o y , H. D e l e h a y e , A. P o n c c l e t
et P. P e e t e r s 2 7 , 2 —4. Bruxelles, Societe des Bollandistes 1908.
Danske Studier, udgivne af M. K r i s t e n s e n og A. O lr ik 1908, 3. Kobenliavn, Schubothe.
A magyar nemzeti müzeum neprajzi osztälyänak ertesitöje, az Ethnographia m elleklete,
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Field Museum of natural history, Publ. 128: Report series 3, 2: Annual report of the
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Folk-lore, a quarterly review of myth, tradition, Institution and custom, 19, 2. London,
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Fornvännen, Meddelanden frän k. vitterhets historie och antikvitets akadem ien, red. af
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& A. F. C h a m b e r la in , Nr. « S l-8 2
(= 21, 2 —3. April-Sept. 1908). Boston & New York, Houghton, Mifflin & Co.
N ärodopisnf Vestnik öeskoslovansk^, vydävä spoleönost närodopisneho musea öeskoslovanskeho, red. A. K r a u s , J. P o l i v k a , V. T i l l e , 3, 5 —6. Prag 1908.
Revue des etudes ethnographiques et sociologiques, dir. A. van G e n n e p 1, G—7. Paris
P. Geuthner 1908.
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Revue des traditions populaires, recueil mensuel de m ythologie, litterature orale, ethnographie traditionnelle et art populaire [Red. Paul S e b i l l o t ] 23, G - 7
(Juni-Juli).
Paris, E. Lechevalier, E. Leroux et E. Guilmoto 1908.
Romania, recueil trim estriel consacre ä l ’etude des langues et des litteratures romanes,
publie par P . M e y e r No. 147 (= 37, 3). Paris, H. Champion 1908.
Smithsonian Report for 190G, no. 1744. 175G. 17G0. 1763. 1764. 1765. 1770. 1771.
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Verslagen en m ededeelingen der koninklnke Vlaam sche Akademie voor taal- en letterkunde 1908, Juni-August. Gent, Silier.
Volkskunde, Tijdschrift voor nederlandsche Folklore, onder Redactie van A. de C o c k ,
19, 7—8. Gent, H oste 1907— 1908.
W allonia, archives wallones historiques, litteraires et artistiques (dir. 0 . C o ls o n -) 16, 6
bis 9. L iege 1908. — Troisiem e table quinquennale analytique et alphabetique de
la revue W allonia (tomes 11— 15). L iege 1908.
Zbornik za narodni £ivot i obißaje juJnih slavena, urednik D. B o r a n ic 13, 1. U Zagrebu
(Agram) 1908.
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