über den traditionsstandort wolfen werden viele geschichten erzählt

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über den traditionsstandort wolfen werden viele geschichten erzählt
WACHSEN UND WIRKEN
I
ÜBER DEN TRADITIONSSTANDORT WOLFEN WERDEN VIELE GESCHICHTEN
ERZÄHLT. HIER IST EINE BESONDERE. BEWEIST SIE DOCH, DASS WEIT­
SICHT, MUT UND TECHNOLOGISCHES VERSTÄNDNIS ZUM ERFOLG FÜHREN
KÖNNEN – UND DAS IN GERADEZU EUROPÄISCHER DIMENSION.
WACHSEN UND WIRKEN
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I
„Ökologisch und intelligent:
Unser ­Pioniergeist hat uns weit
gebracht. Um noch weiter zu
kommen, haben wir uns gern
unterstützen lassen.“
Günther Burkardt, Geschäftsführer Folienwerk Wolfen GmbH
FÖRDERFAKTEN
Die Folienwerk
Wolfen GmbH hat
Zuschüsse für die
Entwicklung innovativer Produkte
und Verfahren
„Forschung und
Entwicklung“ (FuE)
beantragt. Das hebt
Innovationspotenziale, sichert die
Wettbewerbsfähigkeit und stärkt die
Wirtschaftskraft.
Zusätzlich setzten
Zuschüsse aus
dem Programm
„Verbesserung der
regionalen Wirtschaftsstruktur“
(GRW) Förderanreize für Unternehmensinvestitionen.
GRW-Gesamt­in­
ves­t ition: 9,5 Mio. €
GRW-Zuschuss:
2,0 Mio. €
FÖRDERZWECK
Erweiterung der
Produktpalette,
Personalausgaben,
Auftragsforschung
Das inzwischen 60.000 Quadratmeter große
Gelände des Folienwerkes Wolfen im Ortsteil Thalheim ist weiträumig und gut gesichert. Durch das schwere, ferngesteuerte
Tor gelangen Besucher und Kunden in den
Eingangs- und Verwaltungsbereich des weithin sichtbaren Gebäudekomplexes. Dahinter
erstrecken sich über 8.000 Quadratmeter
die großen, modernen Produktionshallen,
wo im wahrsten Sinn des Wortes Bahnen
für Europa gezogen werden.
Im Drei-Schicht-System werden hochwertige,
transparente Kunststofffolien vor allem für
die Verpackungsindustrie produziert. Der verarbeitete Hauptgrundstoff ist umweltfreundliches PET, aus der Getränkeflaschenindustrie
bekannt. Das als Granulat angelieferte Material wird im Extruder geschmolzen, dann
geglättet und kundengerecht formatiert. Bei
einer Folienkapazität von bis zu 20.000 Tonnen beträgt der Jahresumsatz zirka 40 Millionen Euro. Rund 70 Prozent der Produkte sind
für den Export bestimmt, davon wiederum
70 Prozent in EU-Länder. Lieferungen gehen
auch in die USA, nach Kanada, Russland und
Südostasien.
Aktuell arbeiten am Standort 147 Männer und Frauen, davon acht Auszubildende.
Überall herrscht auffallende Sauberkeit. Es
gelten hohe Standards für Hygiene, Sicherheit und Qualität, was mit der Produktpalette und ihrer Verwendung zu tun hat.
Ein Blick zurück in die Firmengeschichte: Vor
zweieinhalb Jahrzehnten nimmt die überaus
erfolgreiche Firmenentwicklung in Wolfen
ihren Anfang. Sie zeigt, wie aus Chancen
unternehmerischer Erfolg wird. Und sie
macht auch deutlich, wie die zunehmende
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit durch
kontinuierliche Förderung nachhaltig flan­
kiert w
­ erden kann. Bis heute hat das Folienwerk weit über 20 Millionen Euro investiert.
Zwei Fachleute der Branche bereiten damals
den Boden für den bemerkenswerten Weg
der Folienwerk Wolfen GmbH. Günther Burk­
ardt leitet damals im Hessischen Landkreis
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Fleißige Hände und wachsame Augen: In Wolfen
entstehen Bahn für Bahn Qualitätsfolien, die Per­
spektiven öffnen.
ORWO-Komplex ausgegründet. Sie nimmt
offiziell im März 1991 in einer alten Produktionshalle der früheren Filmfabrik mit knapp
30 Beschäftigten die Arbeit auf.
Der Start gelingt. Maxdorf wird Geschäftsführer Technik. Burkardt verantwortet damals den kaufmännischen Bereich und ist
für die Kundenbetreuung zuständig. Es gibt
kaum Anlaufschwierigkeiten. Bereits wenige
Wochen nach Anschaffung einer sogenannten Extrusionsanlage werden hochwertige,
transparente PET-Folien produziert. Umwelttechnisch stellen diese Produkte eine gute
Alternative zu bis dahin gängigen PVC-Folien
dar. Außerdem wird das Recycling von Restund Rücklaufmaterial von Kunden rasch vorangetrieben. Die so hergestellten Folien und
hochwertigen Formteile für Verpackungen
bieten zusätzlichen Arbeitskräften Platz und
sorgen für mehr Effizienz.
Offenbach ein Unternehmen der Verpackungsindustrie, das vor allem PVC-Folien
verarbeitet. Im August 1990 lernt er auf der
Kunststofffachmesse Fakuma Friedrichshafen
einen technischen Leiter in der ORWO Filmfabrik Wolfen, Wolfgang Maxdorf, kennen, der
über umfangreiche Erfahrungen zur Herstellung von Polyesterfolien für Foto- und Röntgenfilme sowie Elektroisolierfolien verfügt.
Die Männer aus den einst beiden Teilen
Deutschlands mit ihrer so unterschiedlichen
Lebensentwicklung verfügen gleichermaßen
über Pioniergeist und sind Visionäre. Beide
bringen nach mehreren Gesprächen ihre
Interessen und ihr Wissen zusammen. Ihre
Motive für ein gemeinsames Unternehmen
sind ähnlich: Sie wollen dauerhaft etwas
Neues aufbauen und damit auch ein Zeichen gegen die Massenarbeitslosigkeit der
Nachwendezeit setzen. Vor allem erkennen
sie das wirtschaftlich-technologische Potenzial und den Markt für die Produkte. Im Ergebnis wird die Folienwerk Wolfen GmbH
mit Unterstützung der Treuhand aus dem
„Zu dem schnellen Erfolg tragen die Erfahrungen von Ingenieuren genauso bei, wie
das Können und Engagement der Anlagenfahrer“, erinnert sich Günther Burkardt,
heute noch Geschäftsführer in der Firma.
„Bei allem Positiven, die ersten fünf Jahre
waren dennoch schwer und verlangten uns
alles ab“, erinnert er. „Den Break Even Point
erreichten wir nach knapp zwei Jahren und
schreiben erst in der Folgezeit die schwarze
Null.“ Auch das ganz schwierige Jahr 1996
wird – mit Unterstützung von Banken und
Großlieferanten – überstanden.
Es braucht neue Pläne und Entscheidungen.
Maxdorf und Burkardt sagen sich damals:
„Wir schaffen das“. Gemeinsam mit anderen Finanzpartnern „wird die Sparbüchse
geöffnet“. Die Kräfte werden neu justiert.
Sie wollen investieren und die guten Überlebenschancen des Folienwerks Wolfen
mit seinen wettbewerbsfähigen Produkten langfristig sichern. Die direkte Kundenansprache wird verstärkt und ein weiteres
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Respektable Größen: Wer in Europa mithalten will, braucht gute Ideen,
Platz für moderne Anlagen und Fachpersonal. Im Folienwerk Wolfen ist
jetzt ­alles ausreichend vorhanden.
Investitionspaket verabschiedet. „Mit der
daraufhin installierten zweiten Extrusions­
anlage wächst die Produktion um mehr als
50 Prozent. Wir haben dann Geld verdient“,
ist Burkardt noch immer zufrieden.
2001 erfolgt bei laufendem Betrieb der Umzug in die Produktionsstätte am heutigen
Standort Guardienstraße Thalheim. In der
neuen Halle werden zunächst die beiden
vorhandenen und eine dritte Extrusionsanlage installiert. Die Belegschaft wächst bald
auf 110 Dauerarbeitsplätze und weiter auf
die jetzige Anzahl. Die Produktpalette bekommt ein neues, vielfältigeres Profil. In
mehreren Etappen erfolgen weitere Investitionen, die für deutlichen Kapazitätszuwachs sorgen. Am Ende produzieren sechs
Extrusionsanlagen.
Neben den Angeboten für die Verpackungsmittelindustrie eröffnen sich mit speziellen
Folien für Kreditkarten sowie für persona­
lisierte Kartensysteme wie die Gesundheitskarte weltweit neue Märkte. Das
gilt ebenso für Folien zur Herstellung von
Sicherheits­glas. Breite Anwendung finden
die Erzeug­nisse für Verpackungen in der
­Medizintechnik und der Pharmaindustrie.
Interessant sind Spezialfolien, mit denen
3D-Effekte – wie auf dem neuen Zehn-Euro-Schein – erzielt werden. Nicht zuletzt
profiliert sich die Recyclingabteilung mit besonderen Sortimenten und steigendem Umsatz weiter als wirtschaftliches Standbein.
Ganz wichtig und für ein mittelständisches
Unternehmen dieser Größenordnung nicht
alltäglich: Es gibt eine eigene Abteilung für
Forschung und Entwicklung, in der vier Experten mit Bachelor- und Fachstudium an
speziellen, kundenorientierten Lösungen
tüfteln.
Auf den Punkt gebracht: Das Unternehmen
hat sich bis heute Schritt für Schritt zu einem wichtigen Arbeitgeber entwickelt und
trägt zu mehr Steuereinnahmen in der Region bei. Die Belegschaft schätzt das feste
Einkommen. Das alles soll sich fortsetzen.
Zurzeit wird an einer rund 4.000 m2 großen
Halle mit neuen, modernen Fertigungsanlagen gebaut, inklusive notwendiger Versorgungseinrichtungen und Außenanlagen.
Das Gesamtvolumen des Investitionspaketes
beträgt rund 9,5 Millionen Euro. Die Investitionsbank bewilligt die dafür beantragten
Fördergelder in Höhe von 2,0 Millionen Euro
aus GRW-Mitteln. Darüber hinaus hat die
Folienwerk Wolfen GmbH Zuschüsse für die
Entwicklung innovativer Produkte und Verfahren „Forschung und Entwicklung“ (FuE)
erhalten. Das hebt Innovationspotenziale,
­sichert die Wettbewerbsfähigkeit und stärkt
die Wirtschaftskraft. Die Maßnahmen sollen dauerhaft weiteres Wachstum ermöglichen und 16 weitere Arbeitsplätze bringen.
In Zusammenarbeit mit der Hochschule
Merseburg und anderen Hochschulen sind
Produktneu- und -weiterentwicklungen im
Fokus.
„Das Folienwerk will auf diesem Weg auch
regionale Talente finden und darüber hinaus Fachkräfte binden. Mit dem technologischen Fortschritt eröffnen sich vielfältige
Perspektiven und interessante Herausforderungen“, sagt Dirk Kierchhoff, der als
Geschäftsführer die Geschicke des Unternehmens seit einigen Jahren operativ leitet.
„Wir brauchen deshalb auf lange Sicht kreative, flexible und mitdenkende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Bereichen“,
macht er Chancen deutlich. „Wir bieten
jungen Menschen Ausbildungsplätze als
Mechatroniker, Anlagenfahrer, im Labor
oder im Kaufmännischen.“